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Projektvorschlag

Swisscom Energy Solutions AG


Benjamin Sawicki Tel: +41 76 387 55 68
www.tiko.ch Benjamin.Sawicki@tiko.ch
Einführung
Solaranlagen sind ein Hauptbestandteil der Energieversorgung der Zukunft. Laut Angaben
der Internationale Energieagentur verzeichnete der Markt für Solarstrom 2016 ein weltweites
Wachstum um 50%, hauptsächlich getrieben durch China, Amerika und Indien, während in
Japan und Europa Rückgänge des Wachstums zu verzeichnen waren.
Alleine in Europa waren 2016 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung über 100 GW p instal-
liert.

Die Erzeugung von Solarstrom unterliegt einem typischen Tages- und Jahresgang, überla-
gert durch Wettereinflüsse. Um die statistisch vorhersagbaren Tages-, Wetter- und
Jahresschwankungen auszugleichen, sind aber auch Speichermöglichkeiten und schaltbare
Lasten zur Verbrauchsanpassung (Demand Control) erforderlich. Solarbatterien bieten eine
Form der Speicherung.

Bis Ende 2018 wird die Fertigstellung der Tesla Fabrik für Lithiumionen Batterien erwartet
(50 – 150 GWh), die die weltweite Jahresproduktionskapazität verdoppeln wird (2016: 28.4
GWh). Gleichzeitig wird in China eine Fertigungsstelle gebaut mit einer zukünftigen Produk-
tionskapazität von bis zu 120 GWh pro Jahr. Damit einhergehend wird eine starke
Produktionskostensenkung der Zellen auf unter 200 US$ ab 2019 und nahe an 100 US$ pro
kWh in den nächsten 5 Jahren erreicht werden können. Zusätzlich wird von Universitäten
und namhafte Unternehmen an neuen Batterietechnologien geforscht (Solid-State-Akku,
Glas-Akku, etc.)

„2016 schrieb der Die Ausstattung von bestehenden und neuen Photovoltaikanlagen mit Batterien als Energie-
britische Netz-be- speicher wird somit mittelfristig eine profitable Investition sein. Heute sind die Kosten nur für
treiber National Grossanlagen (ab 1MW Einspeiseleistung) durch Intraday-Trading tragbar, die beispiels-
Grid technologie- weise in Deutschland gesetzlich zur Direktvermarktung gezwungen sind. Die Aggregierung
offen 200 MW an von dezentralen Solarspeichern zu Regelenergiepools ist vor allem für kleine Anlagen (bis
Regelleistung 100kW Einspeiseleistung) heute eine Marktlücke. Der Markt für kleine Anlagen wird domi-

aus, um die Sys- niert von Lösungen zur Optimierung des Eigenverbrauchs.

temstabilität zu Durch die sinkenden Batteriepreise wird auch ein signifikanter Aufschwung des Elektroauto-
erhöhen. Hierbei absatzes ab 2020 erwartet, was eine zu prüfende Marktchance für Regelenergie birgt.
setzten sich aus-
schließlich Batte- Dieser Projektplan zeigt Möglichkeiten auf, wie Swisscom Energy Solutions bis Ende 2018

riespeicher- ein Solarkompetenzzentraum aufbauen kann, um neue Lösungen entwickeln und praxisnah
erproben zu können.
kraftwerke
durch.“
Seite 01 Technologische Aspekte

Technologische Aspekte
Solarstromerzeugung
Aus der Einstrahlung der Sonne kann auf verschiedene Arten elektrische Energie gewonnen
werden. Aufwindkraftwerke erzeugen in einem Treibhaus heiße Luft, die durch einen Kamin
aufsteigt und Strom erzeugt, Sonnenwärmekraftwerke erzeugen mit Hilfe von Wärme und
Wasserdampf elektrischen Strom – beides Ansätze auf Grund des Platzbedarfs für Gross-
kraftwerke. Ein Solarmodul oder Photovoltaikmodul wandelt das Licht der Sonne direkt in
elektrische Energie um. Das Projekt soll sich auf die Erzeugung von Strom aus Photovoltaik-
modulen beschränken.

Die jeweils angegebene (Spitzen-) Nennleistung eines Solarmodules (in Watt Peak = W p)
wird nur bei Laborbedingungen (STC = englisch: standard test conditions) mit einer Lichtein-
strahlung von 1000 W/m², 25 °C Zelltemperatur und 90° Einstrahlungswinkel und einem
Lichtspektrum von AM 1,5 erreicht. Die Luftmasse (englisch air mass, kurz AM) ist in der
Astronomie ein relatives Maß für die Länge des Weges, den das Licht eines Himmelskör-
pers durch die Erdatmosphäre bis zum Erdboden bzw. zur beobachtenden Sternwarte
zurücklegt. Das Spektrum der Solarstrahlung ist abhängig von der Weglänge des Lichts
durch die Atmosphäre, und entsprechenden Längenmaßen sind entsprechende Spektren
und Strahlungsleistungen zugeordnet. Ein schräger Einfall des Sonnenlichts bedeutet eine
Abschwächung der Strahlungsleistung und eine Änderung des Spektrums.

Für vergleichende Messungen wurden verschiedene Spektren und Strahlungsleistungen de-


finiert:

AM = 0 ist definiert als das Spektrum außerhalb der Atmosphäre (extraterrestrisches Spekt-
rum) im Weltraum, die Strahlungsleistung beträgt dort 1367 W/m2 (Solarkonstante).

AM = 1 ist das Spektrum der senkrecht auf die Erdoberfläche fallenden Sonnenstrahlen,
d. h. die Sonne muss dafür genau im Zenit stehen; die Strahlen legen dann den kürzesten
Weg auf die Erdoberfläche zurück.

Für AM = 1,5 ergibt sich ein Zenitwinkel von etwa 48,2°. Bei diesem Spektrum beträgt die
globale Bestrahlungsstärke 1000 W/m²; aus diesem Grunde wurde AM = 1,5 als Standard-
wert für die Vermessung von Solarmodulen eingeführt (Photovoltaik).
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Für Berlin beträgt zur Wintersonnenwende mittags der Zenitwinkel 76°; und damit gilt hier
AM = 4,13. Für die Sommersonnenwende und bei Sonnenhöchststand beträgt der Zenitwin-
kel ca. 29°, das entspricht AM = 1,14.

Diese optimalen Laborbedingungen gibt es in der Praxis bei fest installierten Modulen durch
den wechselnden Sonnenstand bedingt nur kurzzeitig und wetter- und von der Jahreszeit
bedingt nur zufällig. Entweder ist es dunkler, die Sonne fällt in einem anderen Winkel auf die
Module oder die Effizienz der Zellen sinkt durch eine erhöhte Temperatur im Sommer. Jedes
Modul reagiert auf die unterschiedlichen Lichtstärken und Lichtfarben anders, so dass die
effektive, aktuelle Leistung und der jährliche Ertrag zweier gleich starker Modultypen stark
unterschiedlich sein können. Somit kommt es bei den tatsächlichen Tages- oder Jahreser-
trägen auf die Art und Qualität der Module an und hochwertige Module können daher mehr
Ertrag liefern.
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Als Richtwerte kann man folgendes ansetzen: Täglich liefert ein unverschattetes Durch-
schnitts-Modul zwischen 0,5 (trüber, kurzer Wintertag) und 7 (klarer, langer Sommertag)
Volllaststunden. Das heißt, ein 100-Watt-Modul (je nach Güte, 0,7- 1 m² nötig), bringt zwi-
schen 50 Wh und 700 Wh Tagesertrag. Für Standorte in Süddeutschland, der Schweiz und
in Österreich kann man als Faustregel mit einem Jahresertrag von 1000 Wh für jedes Watt
Nennleistung (W p) rechnen. Solarmodule erzeugen Gleichspannung (engl. Direct Current -
DC).
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Wechselrichter
Ein Wechselrichter (auch Inverter) ist ein elektrisches Gerät, das Gleichspannung in Wech-
selspannung (engl. Alternating Current – AC), also Gleichstrom in Wechselstrom umrichtet.
Wechselrichter können je nach Schaltung für die Erzeugung von einphasigem oder dreipha-
sigem (Drehstrom) Wechselstrom ausgelegt sein. Modelle mit Halbleitern aus Siliziumkarbid
erreichen Wirkungsgrade bis etwa 99 Prozent. Man unterscheidet zwei Steuerungsarten von
Wechselrichtern:

Selbstgeführte Wechselrichter, auch Inselwechselrichter: Sie dienen der Umwandlung


von Gleichspannung in Wechselspannung, als Nebenfall ist auch der umgekehrte Weg mög-
lich. Da die Ventile mit einem vom Wechselrichter selbst erzeugten Takt an- und
ausgeschaltet werden können, ist keine Referenz vom Netz nötig. Selbstgeführte Wechsel-
richter können damit zur Erzeugung einer Wechselspannung unabhängig vom Stromnetz
dienen und ein sogenanntes Inselnetz aufbauen.

Fremd- oder netzgeführte Wechselrichter: Sie benötigen zur Funktion eine feste Wech-
selspannung im Netz und beziehen sogenannte Kommutierungsblindleistung. Sie dienen
dazu, Energie von der Gleichspannungsseite in das Wechselstromnetz einzuspeisen, die
umgekehrte Richtung ist oft ebenso möglich. Dieser Typ verfügt über eine Abschaltung der
Anlage bei Netzstörungen. So wird Überspannung oder Spannung in abgeschalteten Netz-
Abschnitten vermieden. Dies wird in der VDE-Norm 0126 geregelt.

Unabhängig von der Steuerungsart befindet sich auf der Eingangsseite üblicherweise ein
Gleichspannungswandler mit Maximum-Power-Point-Tracker (MPP-Tracker), den ein Mikro-
prozessor steuert und der den Zwischenkreis speist. Dies dient der Optimierung des
Wirkungsgrades, damit der Wechselrichter unabhängig von Orientierung der Solarzellen und
Wetters meist am idealen Arbeitspunkt betrieben werden kann.
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Maximum-Power-Point-Tracker
Unter dem Begriff Maximum Power Point Tracking, MPP-Tracking oder MPPT (auf deutsch
etwa „Maximal-Leistungspunkt-Suche“) bezeichnet man ein Verfahren, bei dem die elektri-
sche Belastung einer Solarzelle oder eines Solarmoduls so angepasst wird, dass dem
Solarmodul die größte mögliche Leistung entnommen werden kann.

Allgemein kann die größte mögliche Leistung dann aus einer elektrischen Quelle entnom-
men werden, wenn das Produkt von elektrischen Strom und elektrischer Spannung sein
Maximum hat, dies entspricht dem Fall, dass der Innenwiderstand der Quelle gleich dem ex-
ternen Lastwiderstand ist. Dieser Betriebspunkt wird allgemein als Leistungsanpassung
(englisch Maximum Power Point, MPP) bezeichnet

Bei Solarzellen ist der Innenwiderstand oder der optimale Betriebspunkt mit maximaler Leis-
tungsabgabe nicht konstant, sondern hängt von externen Faktoren wie der momentanen
Bestrahlungsstärke und der Temperatur des Moduls ab. Daher wird der Lastwiderstand des
Solarmoduls durch eine elektronisch gesteuerte Schaltung so beeinflusst, dass der Lastwi-
derstand laufend so eingestellt und nachgeführt wird, dass er fast exakt gleich dem
momentanen Innenwiderstand der Solarzelle ist und damit die Leistungsabgabe des Solar-
moduls unter verschiedenen Betriebsbedingungen immer maximal ist.

Bei Photovoltaikanlagen, die aus unterschiedlich ausgerichteten oder unterschiedlich ver-


schatteten Teilfeldern bestehen, kann es sinnvoll sein einen MPP-Tracker pro Solarmodul
zu installieren (vgl. Power Optimizer von Solaredge). Diesem Prinzip folgend, gibt es
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Modulwechselrichter (engl. micro-inverter), wo jedes einzelne Solarmodul einen eigenen


einphasigen Wechselrichter hat.

Häufig ist jedoch ein MPPT pro Solarmodulstrang verbaut (Strangwechselrichter, engl.
String Inverter), oder falls mit mehreren Strängen gearbeitet wird, beispielsweise zwei
Dachseiten mit Ost-West Ausrichtung, spricht man vom Multi-Strang-Wechselrichter, engl.
Multi-String Inverter, mit zwei oder mehr unabhängigen MPP Trackern.
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Solarbatterie
Solarbatterien, auch Solarakkumulatoren / Solarakku, sind Akkumulatoren, die speziell für
den Einsatz in Photovoltaikanlagen entwickelt wurden oder einfach nur dafür eingesetzt wer-
den. Sie dienen besonders in Inselanlagen zur Speicherung der mit Solarmodulen
gewonnenen Energie und als Pufferbatterien beispielsweise zur Eigenverbrauchsoptimie-
rung.

Lithium-Ionen-Akkumulatoren werden in jüngster Zeit ebenfalls als Solarbatterien eingesetzt,


was auf stark gefallene Preise der Lithium-Ionen-Akkus zurückzuführen ist (s. a. Akku-
Preise). Zudem weisen Lithium-Ionen-Akkumulatoren teilweise eine sehr hohe Zyklenfestig-
keit von mehr als 10.000 Lade- und Entladezyklen und eine lange Lebensdauer von bis zu
20 Jahren auf. Insbesondere werden auch Lithium-Eisenphosphat-Akkumulatoren einge-
setzt, welche sich durch eine hohe Zyklenfestigkeit, hohe Sicherheit und kleinen Preis
auszeichnen und auch als Traktionsbatterien zum Einsatz kommen. Im vierten Quartal 2015
waren in Deutschland 90 Prozent aller geförderten Speichersysteme Lithiumbatterien.

Der am häufigsten für Solarbatterien verwendete Akkutyp war in der Vergangenheit der Blei-
akkumulator. Für seinen Einsatz sprach der geringe Preis pro speicherbarer Energiemenge,
die erreichbare Wartungsfreiheit, die geringe Selbstentladung und der vergleichsweise hohe
Wirkungsgrad von etwa 80 %. Die Verluste bei Bleiakkus sind zum Teil durch das Ausgasen
von Knallgas bei der Ladung zu erklären. Bei wartungsfreien Blei-Gel-Akkus sind die Ausga-
sungen reduziert. Solar-Bleiakkumulatoren unterscheiden sich in ihrem inneren
mechanischen Aufbau von anderen Bleiakkumulatoren, sie sind optimiert auf eine beson-
ders hohe Lebensdauer, Zyklenfestigkeit und das Verhalten bei tiefer Entladung. Typisch
sind Zyklenzahlen von 1200 (mit einer Entladetiefe von ca. 80 %) bis zu einer Restkapazität
von 80 %, da ab dann ein Akku als defekt gilt. Wartungsfreie Blei-Gel-Akkus haben den Vor-
teil, dass sich keine oder nur eine minimale Säureschichtung ausbildet, sie dafür aber nur
eine wesentlich geringere Zyklenzahlen von 400 bis 600 erlauben. Eine zusätzliche Umwäl-
zung der Säure verhindert bei Bleiakkus komplett die Säureschichtung. Dies ist vor allem im
stationären Betrieb von Bedeutung.

Zum Teil werden auch sog. Staplerbatterien eingesetzt, das sind Akkus, die üblicherweise
bei Gabelstaplern als Traktionsbatterie zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich noch
um Bleiakkumulatoren, jedoch mit 1500 Ladezyklen und günstigem Preis-Leistungs-Verhält-
nis. Als Solarbatterie können ebenfalls gebrauchte Akkus von Elektroautos genutzt werden,
die für ihren ursprünglichen Einsatzzweck nicht mehr genug Kapazität haben, als Solarbatte-
rie jedoch noch ausreichen. Derartige Akkus haben oft noch 70 bis 80 % ihrer
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ursprünglichen Kapazität, sind aber deutlich günstiger als fabrikneue Solarbatterien (vgl.
Coulomb GmbH).

Unabhängig von der chemischen Energiespeicherung werden Batterien immer mit Gleich-
spannung geladen und entladen. Hieraus ergeben sich vier verschiedene
Anschlussmöglichkeiten einer Solarbatterie an einer Photovoltaikanlage:

AC-System: die Batterie ist am Wechselstrom-Hausnetz angeschlossen. Mit diesen Syste-


men kann man eine Anlage leichter mit einem Speicher nachrüsten, da an der
Photovoltaikanlage nichts verändert wird.
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DC-System: die Batterie ist im Zwischenkreis des Wechselrichters zwischen MPPT und
Wechselrichter angeschlossen. Das hat den Vorteil, dass der Strom, der von der Solaran-
lage über die Batterie zu den Verbrauchern fließt, nur einmal eine Gleichstrom-
Wechselstrom-Wandlung durchläuft. Im Prinzip ist dadurch der Wirkungsgrad höher als bei
AC-Systemen. In der Praxis ist das aber nicht immer der Fall. Außerdem ist zu beachten,
dass der Wirkungsgrad auch von der benötigten Leistung abhängt und DC-Systeme auf hö-
here Solarleistungen ausgelegt sein können, so dass sie im Niederlastbereich schlechter
abschneiden.

DC/AC-System: Es gibt inzwischen DC-gekoppelte Systeme, die die Batterie nicht nur über
die DC-Seite laden können, sondern auch über die AC Seite. Sie sind damit flexibler ein-
setzbar als AC-Systeme, können aber im Prinzip bei entsprechender Verschaltung auch die
Vorteile der DC-Systeme bieten.
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PV-Generator-gekoppeltes-System: Manche Speichersysteme werden direkt an die Solar-


module angeschlossen. Ein Vorteil gegenüber den DC-Systemen ist, dass diese Systeme
auch dann nachgerüstet werden können, wenn der Wechselrichter das nicht vorsieht. Ein
Nachteil dieser Systeme ist, dass ihre Entladeleistung durch die maximale Leistung und
eventuell auch durch die maximale Eingangsspannung des Wechselrichters begrenzt sind.
Außerdem gilt wie bei DC-Systemen, dass die Wechselrichterleistung auf die Solaranlage
ausgelegt ist, was zu niedrigeren Schwachlastwirkungsgraden führen kann.

Netzanschluss
Der Anschluss einer Photovoltaikanlage ist bewilligungspflichtig und unterliegt einer Vielzahl
von Auflagen (baulich, elektrisch, sicherheitstechnisch). In der Schweiz und anderen Län-
dern dürfen ohne Bewilligung des Netzbetreibers nicht mehr als 600 Watt eingespiesen
werden. Mit Bewilligung dürfen einphasige Anlagen in Deutschland nur bis zu einer maxima-
len Leistung von 5 kW (4,6 kW Dauerleistung) in das Stromnetz einspeisen. In der Schweiz
werden nur bis 3kW genehmigt. Diese Beschränkung dient der Netzstabilität und vermeidet
Schieflasten.

In einigen europäischen Ländern wird auf der Netzseite eine so genannte Einrichtung zur
Netzüberwachung mit zugeordneten Schaltorganen (ENS) benötigt, die den Wechselrichter
bei einer ungewollten Inselbildung abschaltet. Photovoltaikanlagen in Deutschland müssen
über die Möglichkeit verfügen, vom Netzbetreiber in der eingespeisten Wirkleistung reduziert
zu werden (§ 6.1 EEG). Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass eine bestimmte Menge
Blindleistung zur Verfügung gestellt wird. In der Praxis werden diese Vorgaben dynamisch
über Rundsteuerempfänger realisiert, die eine vierstufige Wirkleistungsreduzierung signali-
sieren können bzw. einen von 1 abweichenden Wirkfaktor von beispielsweise cos φ = 0,95
(induktiv) vorgeben. Durch die Bereitstellung von induktiver Blindleistung können kapazitiv
bedingte Überspannungen vermieden werden.

Beim Anschluss an das Niederspannungsnetz muss das elektrische Schutzkonzept und die
Netzform der bestehenden elektrische Anlage beachten werden. Prinzipiell müssen die
Maßnahme zum Schutz gegen direktes Berühren (Basisschutz) und bei Auftreten eines Feh-
lers (Fehlerschutz) umgesetzt werden. Letzterer tritt in Kraft, wenn der Basisschutz nicht
mehr wirkt und körperliche Schäden nicht verhindert werden. Die automatische Abschaltung
der 230V-Stromversorgung bei Auftreten eines Fehlers ist dabei mit den folgenden Abschalt-
zeiten: 0,2 s in TT-Netzen bzw. 0,4 s in TN-Netzen vorgeschrieben. Grundsätzlich wird bei
Stromkreisen mit für Laien zugänglichen Steckdosen eine zusätzlicher Fehlerstrom-Schutz-
einrichtungen (von engl. Residual Current Device, kurz RCD) mit 30 mA-Bemessungstrom
gefordert.
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Das TN-C-S-System (frz. Terre Neutre Combiné Séparé) ist bei Gebäudeversorgungen in
Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreitet und dort für Neuinstallationen Stan-
dard. Es setzt sich aus einem TN-C-System vorzugsweise für das Verteilungsnetz des
Energieversorgers und einem TN-S-System in der Kundenanlage zusammen.

TT System TN-C-S System IT System

In Frankreich, Spanien und Italien ist das TT-System (französisch terre terre) der Standard
für alle Installationen. Da bei schlechter Erdung das Erdpotential des Neutralleiters N nicht
immer sichergestellt werden kann, wird dieser als aktiver Leiter angesehen und muss von
der Überstromschutzeinrichtung zusammen mit dem aktiven Außenleiter getrennt werden.

Inselbetrieb
Manche Wechselrichter sind für den Betrieb unabhängig vom Stromnetz entwickelt worden,
beispielsweise für die Stromversorgung von abgelegenen Berghütten ohne Stromanschluss.
Diese können nicht mit dem Stromnetz verbunden werden, sind für Regelenergie also unin-
teressant.

Es gibt jedoch Systeme, die sowohl Netzbetrieb als auch bei Stromausfall in Inselbetrieb
schalten können. An solche Systeme werden hohe Anforderungen gestellt. Wenn bei einem
Hausbrand die Feuerwehr die externe Stromversorgung zum Haus kappt, könnte durch un-
sachgemässen Inselbetrieb eine Gefahr für die Feuerwehrleute ausgehen.

Bei Systemen, die einen Netzersatzbetrieb (Notstrom-Systeme bzw. Backup-Systeme) er-


möglichen, muss berücksichtigt werden, dass im Inselbetrieb u.U. eine vom Netzbetrieb
abweichende Netzform realisiert wird. Der Installateur hat dann sicherzustellen, dass beide
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Schutzkonzepte normgerecht errichtet werden und die jeweiligen Schutzmaßnahmenprüfun-


gen erfolgen. So stellen manche Wechselrichter im Inselbetrieb ein IT-Netz (frz. Isolé Terre)
nach, dass sonst nur in Spezialfällen (wie Operationssäälen) Anwendung findet und somit
Spezialkenntnisse vom Installateur erfordert. Unter anderem wäre ein Isolationsüberwa-
chungsgerät (IMD = Insulation Monitoring Device) erforderlich.

Elektromobilität
Elektroautos sind fahrende Energiespeicher. Sowohl in Hybrid als auch in vollelektrischen
Fahrzeugen sind Batterien und Laderegler verbaut. Die Laderegler sind in der Lage mit der
Ladestation zu kommunizieren, um die jeweilige verfügbare Anschlussleistung nicht zu über-
schreiten.

Audi, BMW, Daimler, Ford, General Motors, Porsche und Volkswagen haben sich 2013 auf
die Verwendung von PLC HomePlug Green Phy als Standard für die Kommunikation zwi-
schen Fahrzeug und der Ladestation entschieden, die Gleiche Technik wie in M-Box und K-
Box. Im Hinblick auf die geplante Smart Grid Integration der Elektro- und Hybrid-Fahrzeug-
Ladeinfrastruktur wird ein IPv6 bidirektionaler Kommunikationskanal darüber definiert wer-
den. Die Kommunikation und zugehörige Test- und Konformitätsanforderungen werden im
Standard ISO 15118 beschrieben. Die Datenübertragung kann leitungsgebunden mit Hilfe
von Powerline Communications (PLC) oder (ab ISO 15118 Edition 2) nicht-leitungsgebun-
den (ZigBee) erfolgen. Diese Ladetechnik basiert auf Wechselspannung (1 und 3 phasig).
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Aber schon heute haben Fahrzeuge mit Typ2 Stecker oder SAE Combo Charging System
(CCS) Stecker die Möglichkeit über das Ladekabel die maximal verfügbare Ladeleistung zu
kommunizieren:

Zwischen Pilotkontakt CP und dem Schutzleiter PE legt die Ladestation über einen 1-kΩ-Wi-
derstand eine 1-kHz-Rechteckspannung an (Signalbereich ±12 V ±0,4 V). Auf der Seite des
Elektrofahrzeugs wird der Stromkreis zwischen CP und PE durch einen Widerstand, der mit
einer Diode in Serie geschaltet ist, geschlossen. Die Ladestation meldet an das Fahrzeug
mittels Pulsweitenmodulation der Rechteckspannung den maximalen Strom, der von der La-
desäule zur Verfügung gestellt werden kann: Bei 16 % PWM maximal 10 A, bei 25 % PWM
maximal 16 A, bei 50 % PWM maximal 32 A und mit 90 % PWM eine Schnellladung. Das
Elektrofahrzeug kann seinerseits über die Wahl des Widerstands R – und einer damit ver-
bundenen Änderung des Spannungsabfalls an R0 – mit der Ladestation kommunizieren: Mit
R=2700 Ω wird ein Mode-3-kompatibles Fahrzeug gemeldet („vehicle detected“), das noch
keine Ladung abfordert. Bei R=880 Ω ist das Fahrzeug bereit für einen Ladestrom („ready“)
und bei R=240 Ω wird zusätzlich eine Lüftung angefordert („with ventilation“), was im Außen-
bereich keinen Unterschied macht, in Innenräumen aber bei fehlender Belüftung den
Ladestrom kappt.

Öffentliche Ladestationen sind bei offenem Stromkreis grundsätzlich spannungsfrei, auch


wenn der Standard eine Leistungsabgabe nach Mode 1 (maximal 16 Ampere) erlaubt. Bei
geschlossenem Stromkreis kann die Ladestation darüber hinaus die Funktionsfähigkeit des
Schutzleiters testen.
Seite 14 Technologische Aspekte

In Anschlussbeispielen in SAE J1772:2001 wird gezeigt, dass der Stromkreis CP-PE dauer-
haft auf 2740 Ω geschaltet ist (Spannungsabfall von +12 V auf +9 V bei gestecktem Kabel,
wodurch der Signalgenerator der Ladestation aktiviert wird) und bei fahrzeugseitiger Aktivie-
rung der Ladung (per Schalter) ein Widerstand mit 1300 Ω parallel geschaltet wird
(Spannungsabfall auf +6 V) beziehungsweise 270 Ω mit Ventilator (Spannungsabfall auf +3
V), sodass der Detektor der Ladestation allein auf die Spannung CP-PE reagiert. Durch die
Diode wird nur die Plusspannung gesenkt, die Messung der Minusspannung zeigt weiter
−12 V; eine Minusspannung auf CP (nur bei aktivem Signalgenerator vorhanden) ist ein
Fehlerwert, der den Ladestrom abschaltet.

Aus Japan kommt der Ladestandard CHAdeMO, der auf Gleichspannung basiert und über
eine CAN-Bus Schnittstelle das Auto mit der Ladestation verbindet. Nissan, Mitsubishi,
Toyota, Honda, Mazda, Subaru, aber auch Citroën und Peugeot verbauen diese Schnitt-
stelle. Alle NISSAN Elektrofahrzeuge ab Modelljahr 2013, die mit dem CHAdeMO
Schnellladeanschluss ausgestattet sind, können mittels bidirektionalen CHAdeMO Ladestati-
onen nicht nur aufgeladen, sondern auch entladen werden, also Strom abgeben. Hier bietet
sich eine Ansteuerung der CHAdeMO Ladestationen zu Regelenergiediensten an.
Seite 15 Laborausstattung

Laborausstattung
Unsere Erfahrung mit Solarbatterien basiert auf theoretischen Betrachtungen, Sekundärfor-
schung, Feldbeobachtungen und Kundenkontakten. Für die Entwicklung neuer Lösungen
und die Erprobung neuer Kommunikationsschnittstellen ist es um aus weichlich, dass Ent-
wickler einen Zugang zu funktionierenden Batterieinstallationen haben. Diese könnten
einerseits wie folgt in einer Laborumgebung simuliert werden:

Statt echten Solarmodulen auf dem Dach kann eine spezielle Gleichspannungsquelle, ein so
genannter Solar Array Simulator, diese simulieren. Um alle gängigen Wechselrichter und
Batterie Modelle bei Kleinanlagen abdecken zu können, sollte die Spannung bis 1000V di-
mensioniert werden. Grossanlagen arbeiten auch noch mit höheren Spannungen.

Frühere Forschungen an Wechselrichtern haben besonders nahe der Nennleistung gezeigt,


dass Störfrequenzen ausgesendet werden können. Dies hat besondere Bedeutung für den
Betrieb von unseren PLC Geräten, die im selben Frequenzbereich senden. Um die Wech-
selrichter bis zur Nennleistung betreiben zu können, ist ein möglichst hoher Strom auf der
DC Seite nötig, es empfiehlt sich bis zu 15 Amper zu planen.

Somit könnte man Wechselrichter testen mit einer Photovoltaikleistung von bis zu 15 kW p.

Da ein Solar Array Simulator aber keine Bewilligung als Photovoltaikanlage vom Netzbetrei-
ber bekommt, dürfen wir die Energie nicht direkt vom Wechselrichter ins Netz
zurückspeisen. Hierfür müssen also Lasten vorgesehen werden. Um den Energieverbraucht
zu minimieren, sollten programmierbare Lasten verwendet werden, die genau soviel ver-
brauchen, wie der Wechselrichter produziert. Die Lasten wandeln die elektrische Energie in
Wärme.

Wichtige Punkte bei der Aufbau der Umgebung:

- Stromanschlüsse müssen dreiphasig vorhanden sein bis 16A pro Phase


Seite 16 Laborausstattung

- Es darf nicht mehr als 600Watt rückgespiesen werden, vom Wechselrichter produ-
zierte Leistung muss also verbraucht werden
- Die Umgebung sollte nur zugänglich sein für geschultes Personal (DC bis 1000V)
- Das Labor muss durch die Wärmeentwicklung gut gelüftet werden können, auch im
Sommer.