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Widerspruch zwecklos?

Widerspruch zwecklos?
Gibt es Widersprüche in der Bibel?

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„Die Bibel ist nicht dazu da, dass wir sie


kritisieren, sondern dazu, dass sie uns
kritisiert.“

Sören Kierkegaard

„Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten mit


den Bibelstellen, die sie nicht verstehen. Ich für
meinen Teil muss zugeben, dass mich gerade die
Bibelstellen beunruhigen, die ich verstehe.“

Mark Twain

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Einleitung

Am 21. September 2000 um 12.20 Uhr betrat ein maskierter

Familienvater eine Bankfiliale im unterfränkischen Heustreu. Er

bedrohte einen Kunden mit seinem Revolver und ergaunerte 46.000

DM. Erst als der Täter später gefasst wurde, stellte sich heraus,

dass sein Revolver nur mit Platzpatronen geladen war.1

Obwohl er eigentlich keinen Schaden hätte anrichten können, war

die Wirkung seiner Waffe mit Platzpatronen dieselbe wie die einer

tödlichen Handfeuerwaffe. Er versetzte Kunden und Bankangestellten

einen riesigen Schrecken, den sie ihr Leben lang wohl nie wieder

vergessen werden.

Als Christen leben wir in einer Zeit, in der wir ständig mit

Kritik an der Bibel konfrontiert werden. Bereits in der Schulzeit

muss man sich im Religionsunterricht schwierigen Fragen stellen,

die gerade für junge Christen eine große Herausforderung

darstellen. Aber auch außerhalb der Schule kann man einer Debatte

um bibelkritische Ansichten kaum aus dem Weg gehen. Nicht selten

sind scheinbare Widersprüche in der Bibel ein beliebtes Thema

solcher Bibelkritik. Unzählige Internetseiten oder Bücher wurden

eigens zu diesem Thema verfasst und verfolgen teuflische Ziele:

den Glauben der Christen zu zerstören, Zweifel zu säen und das

starke Image der Bibel zu schwächen.

Die Realität zeigt, dass allein die Diskussion zur

Widersprüchlichkeit der Bibel schon enormen Schaden anrichten

konnte. Ähnlich wie der eigentlich harmlose Revolver großen

Schaden anrichtete, haben auch die zahlreichen Platzpatronen

1“zz“, http://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Bankueberfall-mit-
Verzoegerung;art765,451392 ,03.12.2006
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etlicher bibelkritischer Theologen schon verheerendes Unheil

angerichtet.

Dieses Buch soll dabei helfen, die Platzpatronen der Bibelkritiker

schon früh zu entlarven. Des Weiteren soll es das Arsenal für

zukünftige Diskussionen auffüllen, damit wir das auf uns herein

prasselnde Feuer erwidern können. Natürlich bildlich gesprochen,

mit der Liebe, Nachsicht und Weisheit unseren Herrn Jesus

Christus.

Mein Anliegen

In den vergangenen Jahren habe ich viel Zeit damit verbracht, die

angezweifelte Fehlerlosigkeit der Bibel zu untersuchen. Gibt es

schwierige Stellen in der Bibel, auf die wir tatsächlich keine

vernünftige Antwort haben? Gibt es Widersprüche, Zahlendreher und

ähnliche Ungereimtheiten in dem Buch der Bücher, dem Gott absolute

Zuverlässigkeit zugesprochen h a t ?2 Während einige die

Verfasserschaft Gottes gänzlich infrage stellen, sind z.B. Muslime

der Meinung, die Heilige Schrift sei zwar von Gott offenbart, aber

im Laufe der Jahrhunderte von Menschen verändert worden. Auf das

von dem Muslim Shabir Ally veröffentlichte Pamphlet „101 klare

Widersprüche in der Bibel“ fand ich in einem Internetforum

folgenden Beitrag eines Christen:

„Ich bin im Internet auf eine Seite gestoßen, hier wurden 101
angebliche Widersprüche der Bibel gelistet. Leider bin ich nicht
so bewandert um es zu entkräften bzw [sic] die dementsprechenden
Erklärungen zu geben.
Ich möchte einfach in Erfahrung bringen, ob diese Widersprüche
sich entkräften lassen. Ich bin selber Christ und würde dieses
gerne für mich beantwortet wissen.“3

2 Johannes 17,17; 2. Timotheus 3,16; u.a.


3 „Triathlonmario“, http://www.religiononline.de/showthread.php?tid=4989, 08.11.2010
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Diese und ähnliche Reaktionen von Christen brachten mich dazu, der

Frage nach der Widersprüchlichkeit genauer auf den Grund zu gehen.

Jedoch stieß ich bei meinem ersten Versuch, für sämtliche

aufgezählten Bibelstellen eine einleuchtende Erklärung zu finden,

relativ schnell an meine Grenzen. Es mangelte mir an Zeit,

Hintergrundinformationen und vor allem an umfangreichem

Bibelwissen. Es dauerte einige Jahre, bis durch mein tägliches

Bibelstudium und das Hinzuziehen weiterer christlicher Literatur

mehr Licht in diese schwierigen Bibelstellen schien. Über all die

Jahre erhielt ich mir den Wunsch, sämtliche Vorwürfe dementieren

zu können. Von Anfang an wurde mir dabei eine Sache sehr deutlich:

Die unabdingbare Voraussetzung für die Auseinandersetzung mit

diesem Thema ist ein festes Vertrauen in Gottes Person und sein

Wort. Ich war davon überzeugt, dass Gottes Wort keine Widersprüche

besitzen kann und es letztlich immer am begrenzten Verstand des

Menschen liegt, wenn wir keine vernünftige Erklärung für solche

Fragen finden. Meine absolute Unfähigkeit noch vor wenigen Jahren

war für mich selbst der beste Beweis für menschlichen Irrtum. Im

Laufe der Zeit hat Gott mir viele Momente geschenkt, in denen ich

über sein Wort staunen und sogar jubeln durfte. Obwohl schon

erfahrenste Christen bezüglich der Unfehlbarkeit der Bibel in

Zweifel gerieten, so ist mein Glaube und mein Vertrauen in Gottes

lebendiges Wort im Laufe dieser Auseinandersetzung einzig durch

Gottes Gnade bewahrt und sogar gefestigt worden. Mit voller

Überzeugung stimme ich dem Gebet Jesu aus Johannes 17,17b zu:

„Dein Wort ist Wahrheit.“ Es ist schön zu wissen, dass Gott uns in

unseren Prüfungen nicht alleine lässt und wir selbst durch

Anfechtungen geistlich wachsen dürfen.

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Die Frage, ob die Bibel nun tatsächlich Widersprüche enthält,

werde ich demnach klar und deutlich auf den folgenden Seiten

verneinen. Darüber hinaus möchte ich zu erkennen geben, welche

Absicht Gottes hinter manch schwieriger Bibelstelle steht und

welchen enormen Gewinn wir daraus ziehen dürfen.

Gottes Anliegen

Es ist nicht ehrlich, zu behaupten, alle Bibeltexte wären

kinderleicht zu verstehen und sämtliche Widersprüche an den Haaren

herbeigezogen. Je intensiver man sich mit manchen Bibelabschnitten

auseinandersetzt, desto mehr Fragen tun sich dem Betrachter auf.

Manch einer fragt sich sogar, warum Gott bestimmte Dinge nicht

klarer und unmissverständlicher aufschrieben ließ. Würde es

vielleicht sogar unter Christen die ein oder andere Differenz

nicht geben, wenn Gott manche Lehren etwas eindeutiger formuliert

hätte?

Da unser allmächtiger und allwissender Gott niemals einen Fehler

begeht und auch keine Schreibblockade kennt, muss dahinter eine

gute Absicht stehen. Die Bibel ist nicht nur Wort für Wort von

Gott eingegeben4, sondern jedes einzelne Wort auch genauestens von

IHM bedacht und gewünscht gewesen. Wenn beispielsweise zwei

Bibelverse auf den ersten Blick einen Widerspruch beinhalten, dann

ist dies durchaus beabsichtigt. Dieser Gedanke soll nun noch etwas

ausgeführt werden.

4 2. Timotheus 3,16
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In Matthäus 13,10 treten die Jünger zu Jesus und fragen ihn, warum

er in Gleichnissen zu den Volksmengen spricht. In seiner Antwort

zitiert Jesus die Verheißung aus Jesaja 6,9.10:

„Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Hörend hört,

und versteht nicht; und sehend seht, und erkennt nicht! Mache das

Herz dieses Volkes fett, und mache seine Ohren schwer, und

verklebe seine Augen: damit es mit seinen Augen nicht sieht und

mit seinen Ohren nicht hört und sein Herz nicht versteht und es

nicht umkehrt und geheilt wird.“

Während Gleichnisse für wahre Christen die Erkenntnis mehren und

sehr hilfreich sind, so erscheinen sie für andere wie eine

codierte Geheimsprache Gottes5. Nicht selten begründen selbst heute

noch ordinierte Theologen ihre falschen Lehren mit Hilfe einiger

Gleichnisse. So wird beispielsweise das Gleichnis von den

Arbeitern im Weinberg6 gerne für die Irrlehre der Allversöhnung

verbogen, obwohl die eigentliche Aussage eine ganz andere ist.

Als die Juden ihren Messias in Matthäus 12 endgültig ablehnten,

sprach Jesus von da an nur noch in Gleichnissen zu ihnen (Matthäus

13,35). Jesus kannte die Herzen der Juden und wusste, dass diese

sich endgültig gegen ihn entschieden hatten. Selbst die klarsten

Worte hätten sie nicht mehr umstimmen können und stattdessen nur

das Ausmaß ihrer Verantwortung, Schuld und Strafe vermehrt. Sie

waren längst überführt, wollten aber nicht glauben.

5 Matthäus 13,11-13
6 Matthäus 20,1ff
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Wir dürfen an dieser Stelle also festhalten, dass es durchaus

Textstellen gibt, die eine doppelte Absicht verfolgen. Solche

Stellen dienen einerseits einem Christen bezüglich seiner

geistlichen Erkenntnis, verkleben aber andererseits die Augen

derer, die nicht bereit sind, Gott zu vertrauen, und die IHN und

sein Wort abgelehnt haben. Wenn ein gottloser Mensch unaufrichtig

und mit den falschen Motiven an Gottes Wort herangeht, so kann es

vorkommen, dass Gott ihm genau das gibt, was er sucht und finden

möchte. Gott selbst sagte durch Jeremia:

„Und sucht ihr mich, so werdet ihr mich finden, ja, fragt ihr mit

eurem ganzen Herzen nach mir, so werde ich mich von euch finden

lassen, spricht der HERR.“7

Die Aufrichtigkeit eines Menschen wird als absolute Voraussetzung

von Gott genannt, um ihn kennenzulernen. Jede Bekehrung, jede

Zuwendung zu Gott beginnt mit der ehrlichen Auseinandersetzung mit

sich selbst.

In der heutigen Gesellschaft lässt sich dieses Phänomen deutlich

wahrnehmen. Bibelkritiker argumentieren mit Hilfe der Bibel und

gläubige Christen, die dem Wort Gottes vertrauen, erwidern

wiederum mit genau derselben.

Als das Volk Israel zur Richterzeit wiederholt nach einem König

schrie, gab ihnen Gott schließlich nach einer ausführlichen

Warnung genau das, was sie sich wünschten. Saul wurde König und

erfüllte auf den ersten Blick alle Vorstellungen des Volkes. In 1.

Samuel 9,2 heißt es von dem ersten König von Israel:

7 Jeremia 29,13.14a
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„Und er hatte einen Sohn, sein Name war Saul, jung und stattlich,

und niemand von den Söhnen Israels war schöner als er. Er war

einen Kopf größer als alles Volk.“

Obwohl ihr Wunsch nach einem König böse war und die Ablehnung der

Herrschaft Gottes bedeutete8, kam Gott ihrem Willen letztlich nach.

Doch ihr Wunsch brachte, wie bereits von Gott angekündigt,

schlimme Konsequenzen mit sich. Saul bereitete den Israeliten

durch seine Regentschaft viel Kummer und Leid. Auch die meisten

seiner späteren Nachfolger führten das Volk in den endgültigen

Ruin.

Durch diesen Abschnitt in der Geschichte Israels lernen wir, dass

Gott den Menschen nicht zwanghaft seinen Willen aufdrückt und

ihnen manchmal sogar das gibt, was ihnen schadet, wenn sie zuvor

sämtliche Warnungen ignoriert haben. Wenn Bibelkritiker heute

trotz deutlicher Warnungen Gottes viel Kraft, Zeit und Geld der

Fehlersuche in der Bibel widmen, dann gibt Gott ihnen schließlich

das, wonach ihr Herz so sehnlichst verlangt: einen scheinbaren

Widerspruch.

In Hesekiel 14,1-11 kamen Älteste von Juda zum Propheten Hesekiel

um ein Wort Gottes zu erfragen. Da diese Männer jedoch zeitgleich

schlimme Götzendiener waren (Vers 3), sollte nicht der Prophet,

sondern Gott selbst ihnen antworten. Er kündigte an, jedem jedoch

entsprechend der Summe seiner Götzen zu antworten. Wie Gottes

Antwort in solchen Fällen im einzelnen aussieht, kann man ganz gut

am Beispiel Bileams in 4. Mose 22,2-22 nachvollziehen. Gott hatte

Bileam bereits ein Verbot ausgestellt und ihn angewiesen das Volk

8 1. Könige 8,7
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Israel nicht zu verfluchen. Trotz seines bösen Herzen und trotz

der eindeutigen Antwort Gottes, erdreistete sich Bileam, Gott noch

einmal zu fragen, ob er nicht doch hingehen dürfte um Israel zu

verfluchen. Gottes Antwort fiel beim zweiten Mal nun

erstaunlicherweise anders aus: „Geh mit ihnen!“. Gottes Meinung

hatte sich nicht geändert, aber er gab dem Bileam genau das, was

sich dieser erhofft und erbettelt hatte. Als Bileam daraufhin fort

zog, entbrannte der Zorn Gottes gegen ihn.

Bezüglich Gottes Absicht komme ich zu dem Fazit, dass es

tatsächlich schwierige Bibelstellen gibt, diese aber absichtlich

in genau dieser Weise formuliert wurden, damit die

Unaufrichtigkeit der Gottlosen und zeitgleich die Aufrichtigkeit

der Gläubigen in beiden Fällen verfestigt wird. Ein solches Ziel

durch geschriebenen Text zu erreichen, ist zudem ein Beweis der

göttlichen Inspiration der Bibel. Kein Mensch könnte zwei

entgegengesetzte Ziele mit ein und derselben Aussage erreichen.

Die Möglichkeit, Gott zu ehren

Während wir in den vorigen Zeilen erfahren haben, dass Gott

absichtlich schwierige Bibelstellen verfasst hat, um den Unglauben

der Kritiker handfest zu machen, möchte ich nun auf den

gewinnbringenden Effekt solcher Bibelstellen näher eingehen.

Ähnlich wie der Glaube des Abraham9 und der anderer Personen von

Gott damals geprüft wurde, so sind auch wir heute als Christen

Prüfungen ausgesetzt. So unangenehm eine solche Prüfung in der

9 1. Mose 22,1
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jeweiligen Situation auch ist, bietet sie doch die wunderbare

Möglichkeit, dass man Gott seine Treue beweisen kann. Auch wenn

beispielsweise wohl noch nie jemand Spaß an einem Schultest hatte,

so sind wir doch für die Möglichkeit dankbar, das angereicherte

Wissen am Ende einer Lerneinheit unter Beweis stellen zu können.

Als Christen werden wir beim Betrachten von schwierig zu

verstehenden Bibelstellen geprüft, wie sehr wir Gott und seinem

Wort vertrauen. Auch wenn uns manche Bibelstellen vielleicht

zunächst widersprüchlich vorkommen, so zeigt doch unsere Reaktion,

wie ernst wir die Irrtumslosigkeit der Bibel und damit Gott selbst

nehmen.

Scheinbare Widersprüche in der Bibel können also auf zweierlei

Weisen vom Leser angegangen werden:

1. Der Leser hinterfragt die Authentizität der Bibel.

2. Der Leser vertraut Gott und forscht nach einer passenden

Erklärung.

Während Ersteres sicherlich Zweifel am gesamten Gottesbild schürt,

macht man bei der zweiten Herangehensweise oft die Erfahrung, dass

man schnell eine plausible Antwort findet, wenn man sich nur die

Mühe macht und danach sucht. Wenn wir bei der Bibellese Gott

vollkommen vertrauen und sein Wort nicht hinterfragen und die

Widersprüche anzweifeln anstelle der Bibel, haben wir die

wunderbare Möglichkeit, Gott und sein Wort zu ehren. Wie ein

kleines Kind, dass den Vater noch nicht verstehen kann, aber

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dennoch vertraut, so sollen auch wir am Wahrheitsgehalt der Bibel

festhalten. In Sprüche 25,2 und 25,27 heißt es:

„Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen, aber der Könige

Ehre, eine Sache zu erforschen.“

„Viel Honig essen ist nicht gut, aber schwere Dinge erforschen ist

Ehre.“

Wenn Gott eine Sache verbirgt, dann ehrt es IHN. Dass Gottes

Eigenschaften nicht schnell und einfach von uns beschränkten

Menschen erfasst werden können, ist ein Zeichen seiner Größe. Gott

hat auch in seinem Wort bestimmte Inhalte wie Schätze verborgen,

die nur mit viel Mühe und manchmal erst nach vielen Jahren durch

das Bibellesen entdeckt werden. Durch das Auseinandersetzen mit

Gottes Wort und dem Entdecken solcher Schätze ehren wir Gott, was

im Leben eines echten Christen oberste Priorität haben sollte.

Fazit

Hätten die Bankangestellten vorzeitig erkannt, dass der Revolver

aufgrund seiner Platzpatronen keine wirkliche Gefahr darstellt,

hätten sie eingreifen und den Schaden abwenden können.

Wenn wir heutzutage mit Bibelkritik konfrontiert werden, können

wir großen Schaden abwenden, indem wir mithilfe passender

Argumente schnellstmöglich die Kritik als leere Worthülse

entlarven.

Die Auseinandersetzung mit schwierigen Bibelstellen ehrt Gott,

bringt dem Leser Segen und stärkt den Glauben an Gottes Wort. Die

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Zuhilfenahme von Kommentaren, der gemeinsame Austausch und das

eigene Nachforschen bringt in den meisten Fällen relativ schnell

eine plausible Antwort auf Aussagen, die zunächst noch so

widersprüchlich schienen. Zudem gilt: In fast allen Fällen, wenn

ein Widerspruch vermutet wird, liegt dies an einer der folgenden

Gründe:

1. Mangelnde Demut über menschliche Beschränktheit

Der Mensch wird zu Lebzeiten niemals ein vollständig

abgeschlossenes Bild von Gott erhalten. Der menschliche Verstand

ist begrenzt und die menschliche Schlussfolgerung nicht immer

logisch. Jeder Mensch begeht Fehler und selbst die gebildetsten

Leute liegen oft falsch und müssen ihre Aussagen revidieren. Der

Stolz des Menschen fördert zusätzlich die Tatsache, dass eher

Gottes Wort kritisiert wird, statt sein eigenes Denken als

unschlüssig zu entlarven.

2. Fehlende Kenntnisse der hebräischen und griechischen Sprache

Viele Probleme ergeben sich nur in den übersetzten Bibeltexten.

Während der Grundtext der Bibel in griechisch, aramäisch und

hebräisch absolut fehlerfrei und als von Gott inspiriert

festzuhalten ist, gilt gleiches nicht unbedingt für die

Übersetzungen. Je nach Sprache ist es manchmal sehr schwierig,

passend zu übersetzen. Mit Sprachkenntnissen oder Zuhilfenahme von

Wörterbüchern können jedoch viele scheinbare Widersprüche relativ

leicht ad acta gelegt werden.

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3. Kontextmissachtung i.V.m. falscher Bibelexegese

Vielen Bibelkritikern fehlt das nötige Grundverständnis bei der

Betrachtung von manchen Bibelstellen. Wenn wichtige Parallelverse

oder der Kontext zu einem Thema oder einer Bibelstelle unbekannt

sind, können viele Fragen nicht ausreichend beantwortet werden.

Bei unbiblischen Überzeugungen des Betrachters wird es gar

unmöglich, alle Bibelstellen in Einklang miteinander zu bringen.

Wenn beispielsweise die Lehre der Dreieinigkeit Gottes konsequent

geleugnet wird, ist es nicht möglich, bei allen Aussagen Jesu den

entsprechenden Zusammenhang zu erkennen.

4. Mangelnde oder falsche wissenschaftliche Erkenntnis

Schon zu Zeiten, als die Wissenschaft die Erde noch für eine

Scheibe hielt, sprach die Bibel längst von einer Kugel (Jesaja

40,22 und Hiob 37,12). Menschen, die der Bibel vertrauten, mussten

sich also Geduld in üben, bis ihr scheinbarer Widerspruch später

von der Wissenschaft aufgeklärt wurde. So gibt es in der Bibel

zahlreiche Behauptungen, die sich erst im Laufe der letzten

Jahrhunderte als wissenschaftlich bewiesen herausstellten. Auch

heute ist die wissenschaftliche Erkenntnis weder abgeschlossen

noch fehlerfrei. Gut zu wissen, das unvoreingenommene Archäologie,

Biologie, Medizin etc. immer in die Hände der Christen spielt.

5. Unaufrichtigkeit

Viele Bibelkritiker sind nicht unbedingt aufrichtig auf der Suche

nach Wahrheit, sondern gehen stattdessen voreingenommen an die

Bibel heran. Menschen suchen nach Gründen, warum sie Gott aus

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ihrem Leben ausschließen dürfen, um so ihr gottlosen Leben

rechtfertigen zu können. Auch Hass oder das Verteidigen eigener

Ideologien und religiöser Vorstellungen, dienen als Motive, die

Bibel grundsätzlich in Frage zu stellen. Jeder gefundene

Widerspruch stärkt die eigene Überzeugung und wird wie ein

Erfolgserlebnis gefeiert. Statt sich neutral und unvoreingenommen

mit schwierigen Bibelstellen auseinander zu setzen, wird emotional

und manipulativ nach einem Ergebnis gesucht, das für den

Betrachter längst feststeht.

Wenn man sich dieser 5 Punkte bewusst ist, erkennt man seinen

eigenen Bedarf nach Gottes Hilfe bei der Betrachtung schwieriger

Bibelstellen. Die aufrichtige Suche nach Wahrheit, setzt ein

demütiges Flehen nach Erkenntnis voraus (Jakobus 1,5). Für die

Betrachtung der nachfolgenden Bibelstellen benötigen wir

unmissverständlich Gottes Beistand, damit wir überhaupt zu

richtigen Schlussfolgerungen gelangen können.

„Öffne meine Augen, damit ich schaue die Wunder aus deinem

Gesetz.“ Psalm 119,18

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1. Mose

Die Bibel enthält zwei unterschiedliche Schöpfungsberichte!

1. Mose 1,25-26 „Und Gott machte die wilden Tiere der Erde nach ihrer Art […]

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen …“

1. Mose 2,19 „Und Gott, der HERR, bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes

und alle Vögel des Himmels, und er brachte sie zum Menschen, …“

Bei dieser Textstelle handelt es sich um die oft gestellte Frage, ob es zwei

verschiedene, sich widersprechende Schöpfungsberichte gibt. Tatsächlich wird der

Schöpfungsbericht im zweiten Kapitel von 1. Mose wiederholt, um damit weitere

wichtige Aspekte der Schöpfung zu beleuchten. Doch handelt es sich dabei auch um

sich widersprechende Textpassagen? Wenn beispielsweise in Kapitel 1 betont wird,

dass der Mensch als Letztes erschaffen wurde und wir in Kapitel 2,19 „Und Gott

der HERR bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des

Himmels und er brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde

…“ lesen, dann soll gar nicht auf eine Reihenfolge aufmerksam gemacht werden,

sondern auf die Einbeziehung des Menschen in das Schöpfungswerk Gottes. Zur

besseren Verständlichkeit könnte man das hebräische Wort „jazar“ („bildete“)

auch mit „hatte gebildet“ übersetzen, weil die Zeitform eines hebräischen Verbs

immer aus dem Kontext erschlossen wird. Zusammengefasst kann man sagen, dass

Kapitel 1 allgemeine und chronologische Informationen über die Erschaffung von

Himmel und Erde gibt und Kapitel 2 detaillierter über die Schöpfung, v.a. in

Bezug für den Menschen, berichtet.

Adam und Eva hätten nach dem Verzehr der verbotenen Frucht sofort sterben

müssen!

1. Mose 2,17 „… denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!“

1. Mose 5,5 „Und alle Tage Adams, die er lebte, betrugen 930 Jahr, dann starb

er.“

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Die in 1. Mose 2,17 ausgesprochene Warnung „… denn an dem Tag, da du davon isst,

musst du sterben.“ bezog sich auf den sofortigen geistlichen Tod und den

fortschreitenden physischen Tod. Der paradiesische Zustand wurde durch den

Sündenfall augenblicklich zerstört. In dem Moment, als die beiden von der Frucht

aßen, trat der Verfall der gesamten Schöpfung ein. Das Leben wurde begrenzt und

endete für alle Lebewesen tödlich. Mit diesen Informationen verstehen wir auch,

warum die Warnung Gottes „musst du sterben“ und nicht „stirbst du

augenblicklich“ heißt. Auch der geistliche Zustand des Menschen veränderte sich.

Der Mensch, der geschaffen wurde um mit Gott eine Beziehung zu haben, wurde von

der Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossen. In Gottes Augen befindet sich der

Mensch seither in einem geistlichen Zustand des Todes. Wer diese Barriere zu

Gott jedoch durch den Glauben an seinen Sohn Jesus Christus niederreißt, „wird

leben auch wenn er gestorben ist“ (Johannes 11,25).

Gott sieht und weiß nicht alles!

1. Mose 3,9 „Und Gott, der HERR, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist

du?“

1. Mose 4,9 „Und der HERR sprach zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel?“

1. Mose 11,5 „Und der HERR fuhr herab, um die Stadt und den Turm anzusehen …“

Hiob 1,7 „Und der HERR sprach zum Satan: Woher kommst du?“

Sprüche 15,3 „Die Augen des HERRN sind an jedem Ort und schauen aus auf Böse und

Gute.“

Gott weiß alles und sieht alles. Er ist allwissend und allgegenwärtig. Manchmal

lesen wir in der Bibel jedoch von Stellen, an denen Gott sucht oder nachfragt.

Passt das mit Gottes Allwissenheit überein? Die Antwort lautet: Ja. In

sämtlichen aufgeführten Stellen lesen wir nicht, dass Gott etwas tatsächlich

nicht wusste. Wir lesen zwar, dass er jemanden nach etwas fragte, aber nicht,

dass er nicht auch die Antwort kannte. Obwohl beispielsweise ein Lehrer sehr

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viele Fragen an seine Schüler stellt, ist davon auszugehen, dass er selbst

jeweils die Antworten kennt, er die Fragen aber trotzdem stellt, damit ein

Lerneffekt für die Schüler gegeben ist. Die Frage muss daher lauten: Welche

Absicht Gott mit seinen Fragen in der jeweiligen Situation hatte. Als er Adam

und Eva „suchte“, geht er damit auf ihr Versteckspiel ein. Sie wollten sich vor

Gott verstecken, da sie gesündigt hatten. Gott appelliert an ihr Gewissen. Adam

und Eva muss es kalt über den Rücken gelaufen sein, als Gott nach ihnen rief. In

1. Mose 4,9 ist eine Absicht noch eindeutiger zu sehen: Gott fragte Kain nach

seinem Bruder, obwohl er längst wusste, dass Kain ihn getötet hatte (Vers 10).

Beim Turmbau zu Babel verfolgten die Menschen das Ziel einen Turm bis an den

Himmel zu bauen. Sie wollten groß wie Gott sein und sich einen Namen machen (1.

Mose 11,4). Gottes Reaktion „Lasst uns herabfahren“ (1. Mose 11,7), grenzt an

Ironie und zeigt dem Menschen seine Schranken auf. Gott musste weit

„herabfahren“ um den Bau zu besichtigen, der bis zu ihm reichen sollte. Gott

demonstrierte somit seine Größe und nicht, dass er nicht wusste, was dort

passierte.

Die Strafe Gottes für Kain traf nicht ein!

1. Mose 4,11 „Und nun, verflucht seist du von dem Ackerboden (Erdboden) hinweg

…“

1. Mose 4,16 „So ging Kain weg vom Angesicht des HERRN und wohnte im Land Nod,

östlich von Eden.“

Das Gericht Gottes sah es vor, dass Kain zum Flüchtling werden sollte. Er durfte

den Erdboden (Acker) nie wieder betreten, da er auf diesem seinen Bruder

umgebracht hatte (Vers 10). Das er Ackerboden nie wieder betreten sollte,

bedeutete nicht, dass er vom Erdboden ausgerottet wurde. Die Prophezeiung

erfüllt sich also tatsächlich in den Versen 16-17, da er in die Wüste flieht

(Nod bedeutet Flucht, Heimatlosigkeit oder Wüste). Seiner Tätigkeit als

Ackerbauer konnte er somit tatsächlich nie wieder nachkommen.

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Nicht jeder Mensch stirbt, wie die Bibel es behauptet!

1. Mose 5,24 „Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr da, denn Gott

nahm ihn hinweg.“

Johannes 8,51 „Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird er den Tod nicht

sehen in Ewigkeit.“

Hebräer 9,27 „Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach

aber das Gericht, …“

Für alle Menschen gilt grundsätzlich: Seit dem Sündenfall ist der Tod in der

Welt und der Mensch muss nach dem Tod vor dem Gericht Gottes erscheinen und wird

aufgrund seines geistlichen Todes ewig in der Hölle Pein erleiden. Durch den

Rettungsplan Gottes, indem er seinen Sohn auf die Erde sandte und diesen

stellvertretend für uns sterben ließ, haben wir durch Glauben die Möglichkeit

dem geistigen Tod zu entgehen und auch in Ewigkeit zu leben, d.h. bei Gott zu

sein. Das Ewige Leben bei Gott ist also die Alternative zum geistlichen Tod. Der

physische Tod betrifft jedoch prinzipiell alle Menschen. Bis auf wenige, von der

Bibel erwähnte Ausnahmen (Entrückung), ist es dem Menschen bestimmt, einmal

physisch zu sterben. Es handelt sich um keinen Widerspruch, wenn Gott Ausnahmen

von Prinzipien erwähnt, die er selbst festgelegt hat.

Die Menschen hätten mit 120 Jahren schon tot sein müssen!

1. Mose 6,3 „Seine Tage sollen 120 Jahre betragen.“

1. Mose 11,12ff „Und Arpachschad lebte, nachdem er Schelach gezeugt hatte, 403

Jahre …“

Wenn Gott dem Menschen in 1. Mose 6,3 eine Schonfrist von 120 Jahren gibt,

bezieht sich das nicht auf die damalige Altershöchstgrenze, sondern auf die

Dauer bis zum Gericht durch die Sintflut. Gott wollte dem Menschen noch 120

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Jahre die Möglichkeit geben von den bösen Wegen umzukehren, bevor er mit Noah

einen Neuanfang schafft.

Noah nahm von manchen Tieren mehr als 1 Paar mit!

1. Mose 7,2 „Von allem reinen Vieh sollst du je sieben zu dir nehmen, …“

1. Mose 7,8-9 „Von dem reinen Vieh und von dem, das nicht rein ist, […] kamen je

zwei zu Noah in die Arche, …“

In Vers 2 erhält Noah die Aufgabe, von allen reinen (essbaren) Tieren je 7 zu

holen. In Vers 8-9 wird dann erwähnt, dass von allen Tieren insgesamt (rein und

unrein) je ein Paar zur Arche kamen. Noah erhielt also zusätzlich die Aufgabe

reine Tiere mitzunehmen, die als Nahrung und zum Opfer für Gott dienten, alle

Tiere die überleben sollten, kamen paarweise von allein zu Noah in die Arche.

Die beiden Zeitangaben wann die Erde nach der Flut trocknete stimmen nicht

überein!

1. Mose 8,13 „Und es geschah im 601. Jahr, im ersten des Monats, da war das

Wasser von der Erde weggetrocknet.“

1. Mose 8,14 „Im zweiten Monat, am 27. Tag des Monats, war die Erde trocken.“

Die beiden Verse beinhalten jeweils verschiedene hebräische Wörter für

„trocknen“. Während Noah im ersten Monat das Dach entfernte, weil es zu trocknen

begann, lesen wir das im zweiten Monat die Erde endgültig trocken war, sodass

Noah auch aussteigen sollte. Es wird also von zwei verschiedenen Ereignissen

berichtet. William MacDonald gibt die Reihenfolge der Flut wie folgt wieder10:

- 7 Tage – von der Zeit, als Noah in die Arche ging, bis zu der Zeit, als die

Flut anfing (7,10).

- 40 Tage und Nächte – die Dauer des Regens (7,12)

10 „William MacDonald“, Kommentar zum Alten Testament, S. 44, 1992


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- 150 Tage von der Zeit, als der Regen anfing, bis zu der Zeit, als die Wasser

sich von der Erde verliefen (8,3) und die Arche sich auf dem Gebirge Ararat

niederließ (vgl. 7,11 und 8,4).

- 224 Tage – vom Beginn der Flut bis zu der Zeit, als die Bergspitzen wieder

sichtbar wurden (vgl. 7,11 und 8,5).

- 40 Tage – von der Zeit, als die Bergspitzen sichtbar wurden, bis zu der Zeit,

als Noah den Raben aussandte (8,7).

- 7 Tage – von der Aussendung des Raben bis zur ersten Aussendung einer Taube

(8,6-10; V. 10: »sieben weitere Tage«).

- Weitere sieben Tage, bis die Taube zum zweiten Mal ausgesandt wurde (8,10).

- Weitere sieben Tage, bis die Taube zum letzten Mal ausgesandt wurde (8,12).

- 314 Tage – vom Beginn der Flut, bis »Noah das Dach von der Arche

entfernte« (vgl. 7,11 und 8,13).

- 371 Tage – vom Beginn der Flut, bis »die Erde trocken« war (vgl. 7,11 und

8,14). Zu dieser Zeit wurde Noah befohlen, aus der Arche herauszukommen (V.

16).

Die Speisegebote der Bibel unterscheiden sich!

1. Mose 9,3f „Alles, was sich regt, was da lebt, soll euch zur Speise sein, wie

das grüne Kraut gebe ich es euch alles. Nur Fleisch mit seiner Seele, seinem

Blut, sollt ihr nicht essen!“

3. Mose 11,4ff „Nur diese von den wiederkäuenden und von denen, die gespaltene

Hufe haben, dürft ihr nicht essen: das Kamel, …“

Daniel 1,8 „Und Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht mit der

Tafelkost des Königs und mit dem Wein, den er trank, unrein zu machen; …“

1. Timotheus 4,3 „… die verbieten, zu heiraten, sich von Speisen zu enthalten,

die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung, …“

Tatsächlich gibt es in den verschiedenen Bibelstellen unterschiedliche Angaben

darüber, was der Mensch essen darf und was nicht. Man muss aber ganz einfach

21 von 191
Widerspruch zwecklos?

berücksichtigen, dass die Gebote zu unterschiedlichen Zeitpunkten und

unterschiedlichen Personen galten. Während 1. Mose 9,3f beispielsweise zur Zeit

Noahs davon spricht, dass alle Tiere gegessen werden durften, wenn nur bestimmte

Schlachtungsvorschriften eingehalten werden, gebietet Gott seinem Volk, zu einem

späteren Zeitpunkt, nur bestimmte aufgelistete Tiere zu essen (3. Mose 11,2-4

und Daniel 1,8). Im Neuen Testament gelten für Christen wiederum völlig neue

Speisegebote (1. Timotheus 4,3). Es handelt sich also durchaus um Unterschiede,

nicht jedoch um Widersprüche.

Schon vor dem „Turmbau zu Babel“ gab es verschiedene Sprachen!

1. Mose 10,5ff „Das sind die Söhne Jafets in ihren Ländern, je nach ihrer

Sprache, nach ihren Sippen, in ihren Nationen.“

1. Mose 11,1 „Und die ganze Erde hatte ein und dieselbe Sprache und ein und

dieselben Wörter.“

1. Mose 11,7 „Auf, lasst uns herabfahren und dort ihre Sprache verwirren, …“

Während in Kapitel 11 die Entstehung der verschiedenen Sprachen durch Gottes

Eingreifen beim Turmbau zu Babel beschrieben wird, erwähnt Kapitel 10 bereits

die verschiedenen Sippen mit ihren jeweiligen, sich unterscheidenden Sprachen.

Generell ist festzuhalten, dass die Bibel oft nicht chronologisch sondern

stattdessen themenweise niedergeschrieben wurde. Des Weiteren finden wir in

Kapitel 10 die Generationenfolgen der Nachkommen Noahs (V.1), die zu einem

Zeitpunkt nach dem Turmbau zu Babel niedergeschrieben wurden. Der Hinweis, dass

die jeweiligen Nachkommen verschiedene Länder, Nationalitäten und auch Sprachen

besaßen, wird in Vers 32 noch einmal bekräftigt, wo es heißt, dass sie sich über

die ganze Erde verteilten. Das Kapitel 10 bereits von verschiedenen

Nationalitäten berichtet, zeigt, dass es sich um eine Betrachtung der Sippen

nach einer verstrichenen Zeitperiode handelt, da Nationalitäten sich erst über

Jahre entwickeln. Kapitel 11 knüpft jetzt thematisch daran an, weil es uns

erzählt wie die Menschen sich damals über die Erde verteilten, obwohl sie dies

22 von 191
Widerspruch zwecklos?

zunächst nicht vorhatten (11,4b). Zusammengefasst erhalten wir in Kapitel 10 die

wichtigen Informationen über die verschiedenen Sippen, die sich nach der Flut

über die Erde verteilten und in Kapitel 11 wird uns dann erzählt wie es

überhaupt dazu kam.

Die Sprachverwirrung zeugt von göttlicher Unordnung!

1. Mose 11,7 „ „Auf, lasst uns herabfahren und dort ihre Sprache verwirren, …“

1. Korinther 14,33 „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, …“

„Gott ist kein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“ (1. Korinther 14,33).

Gott handelt demnach nicht unordentlich, sondern ist auf Frieden aus. Die

Sprachverwirrung war ein notwendiges Mittel, das Gott einsetzte um den Menschen

auf der Erde zu verteilen, da dieser die Anweisung Gottes missachtete (Vgl.: 1.

Mose 9,1 und 1. Mose 11,4). Des Weiteren schuf Gott schlüssige und lernbare

Sprachen, die ebenfalls einer Ordnung unterliegen. Die gesamte Bibel zeugt von

Gottes Ordnungen (Maßstäbe, Gebote, …) und seinen ordentlichen Eigenschaften. Es

gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass etwas außer Kontrolle geraten ist oder von

ihm dem „Schicksal“ überlassen wurde.

Die Zeitangaben über Israels Aufenthalt in Ägypten widersprechen sich!

1. Mose 15,13 „… dass deine Nachkommenschaft Fremdling sein wird in einem Land,

[…] und man wird sie unterdrücken, vierhundert Jahre lang.“

Apostelgeschichte 7,6 „Seine Nachkommen werden Fremdlinge sein […] vierhundert

Jahre.“

2. Mose 12,40 „Die Zeit des Aufenthaltes der Söhne Israel aber, die sie in

Ägypten zugebracht hatten, betrug 430 Jahre.“

Galater 3,17 „Einen vorher von Gott bestätigten Bund macht das

vierhundertdreißig Jahre später entstandene Gesetz nicht ungültig, …“

23 von 191
Widerspruch zwecklos?

In den Textstellen von 2. Mose und Galater finden wir die Information, dass die

Zeit des Aufenthaltes der Kinder Israel in Ägypten 430 Jahre betrug. In 1. Mose

15 und Apostelgeschichte 7,6 beziehen sich die erwähnten 400 Jahre nicht auf den

Aufenthalt sondern auf die Unterdrückung seitens der Ägypter. Jakobs Familie

lebte anfangs in Ägypten als freie und geschätzte Bürger. Die Sklavenarbeit

setzte erst 30 Jahre danach, unter dem späteren König von Ägypten ein (2. Mose

1,8). Beide Zeitangaben sind demnach ohne Probleme in Einklang miteinander zu

bringen.

Die Bibel behauptet fälschlicherweise, Isaak wäre Abrahams einziger Sohn

gewesen!

1. Mose 16,15 „Und Hagar gebar dem Abram einen Sohn …“

Hebräer 11,17 „Durch Glauben hat Abraham, als er geprüft wurde, den Isaak

dargebracht, und er, der die Verheißung empfangen hatte, brachte den einzigen

Sohn dar.“

Hebräer 11 betont, dass Abraham seinen einzigen Sohn opferte, obwohl 1. Mose

16,15 klar stellt, dass Abram (d.i. Abraham) schon einen Sohn, den Ismael,

hatte. Außerdem ist bekannt, dass Abraham Jahre später sogar noch weitere Söhne

zeugte, was allerdings irrelevant ist, da zu der Zeit als Abraham den Isaak

opferte, diese noch längst nicht lebten. Um deutlich zu machen, dass es sich in

Hebräer 11 nicht um einen Widerspruch handelt, muss man verstehen, dass Abraham

aus Ungehorsam den Ismael mit der Hagar zeugte, obwohl Gott ihm einen Sohn mit

seiner Frau Sarai versprochen hatte. Gott versprach Abraham durch Isaak viele

Nachfahren, doch kurz nach dieser Verheißung gebot er ihm eben diesen, seinen

einzigen Sohn, der für die verheißene Nachkommenschaft in Frage kam, zu opfern.

Das griechische Wort „monogenes“ kann auch mit „einzig in seiner Art“ übersetzt

werden und muss von dem griechischen Wort für „einzig-gezeugt“ zwingend

unterscheiden werden. Hebräer 11,17 betont also, dass Isaak als Einziger in

Frage kam und dennoch Abraham im Glauben bereit war, eben diesen zu opfern. Das

24 von 191
Widerspruch zwecklos?

er der „Einzige“ war, lässt seine Glaubenstat noch größer erscheinen, worauf das

gesamte Kapitel 11 in Hebräer einen Schwerpunkt legt. Das der Hebräerbrief den

Isaak als einzigen Sohn bezeichnet, ist zudem ein zusätzlicher „Wink mit dem

Zaunpfahl“ um die Parallele zum Opfertod Jesu deutlich zu machen (Vgl. Johannes

3,16).

Abrahams Altersangabe bei der Geburt Ismaels kann nicht stimmen!

1. Mose 16,16 „Und Abram war 86 Jahre alt, als Hagar dem Abram Ismael gebar.“

1. Mose 11,26.32 „Und Terach lebte 70 Jahre und zeugte Abram, Nahor und Haran.

[…] Und die Tage Terachs betrugen 205 Jahre, und Terach starb in Haran.“

Apostelgeschichte 7,4 „Da ging er (Abraham) aus dem Land der Chaldäer und wohnte

in Heran; und von da siedelte er ihn, nachdem sein Vater gestorben war, in

dieses Land um, in dem ihr jetzt wohnt.“

Abram (Abraham) zeugte mit 86 Jahren den Ismael (1. Mose 16,16), doch in 1. Mose

11 wird aufgezeigt, dass Abrahams Vater Terach selbst erst ab dem 70. Lebensjahr

Vater wurde und sie erst das Land verließen als Terach mit 205 Jahren starb.

Doch diese Angaben lassen sich auch ohne besondere Kenntnisse der Mathematik

ganz einfach lösen, denn das Abraham in der Aufzählung seiner Brüder als erstes

genannt wird, muss nicht heißen, dass er auch der Erstgeborene war (ähnlich wie

z.B. in 1. Mose 48,14 Ephraim und Manasse). Das bedeutet, dass Abraham durchaus

von Terach gezeugt werden konnte, als dieser bereits etwa 130 Jahre alt war.

Abraham wird also aufgrund seines Stellenwerts in den nachfolgenden Kapiteln

zwar als erstes gennant, war aber der zweit- oder drittgeborene Sohn Terachs.

Ismael kann bei seiner Flucht kein Kind mehr gewesen sein!

1. Mose 17,25 „Und sein Sohn Ismael war dreizehn Jahre alt, als er am Fleisch

seiner Vorhaut beschnitten wurde.“

1. Mose 21,5ff „Abraham aber war hundert Jahre alt, als ihm sein Sohn Isaak

geboren wurde.“

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Widerspruch zwecklos?

1. Mose 21,14 „und gab ihr das Kind und schickte sie fort.“

In 1. Mose 21,14-18 berichtet uns die deutsche Übersetzung, dass Ismael noch ein

Kind (bzw. Knabe) war, als er mit seiner Mutter von Abraham in die Wüste

geschickt wurde. Da Abraham den Ismael mit 86 Jahren zeugte (1. Mose 16,16),

muss er über 14 Jahre alt gewesen sein (1. Mose 21,5 und 1. Mose 17,25), als

Abraham ihn nach Isaaks Entwöhnung in die Wüste schickte. Das man einen 14

Jährigen als Knaben oder Kind bezeichnet, ist jedoch sowohl in deutscher Sprache

gerechtfertigt, als das auch im hebräischen das verwendete Wort „jeled“ gerne

für Jugendliche benutzt wird.

Gottes Gebot der Beschneidung ist nicht eindeutig!

1. Mose 17,10 „… Alles, was männlich ist, soll bei euch beschnitten werden!“

3. Mose 12,3 „Und am achten Tag soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten

werden.“

Galater 5,2 „… das Christus euch nichts nützen wird, wenn ihr euch beschneiden

lasst.“

Kolosser 2,11 „In ihm (Jesus) seid ihr auch beschnitten worden mit einer

Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, sondern im Ausziehen des

fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus.“

Die Beschneidung wurde von Gott dem Abraham und seinen Nachkommen befohlen und

diente als Zeichen und Erinnerung an Gottes Versprechen, das er Abraham

bezüglich seiner Nachkommenschaft gab. Mit dem Bund ging auch der Gehorsam der

Nachkommen Abrahams einher. Die Beschneidung identifizierte die Israeliten als

Gottes abgesondertes Volk gegenüber den „Unbeschnittenen“. Spätestens seit der

Verwerfung des Messias, haben die Israeliten jedoch diesen Bund mit „Füßen

getreten“. Das Volk Israel hat temporär seine besondere Stellung vor Gott

verloren, da sie durch ihren Ungehorsam jegliche Beziehung zu Gott abgebrochen

haben. Die Beschneidung würde demnach derzeit etwas symbolisieren, was gar nicht

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Widerspruch zwecklos?

mehr vorhanden ist. Aus diesem Grund ruft Gott die Juden zur „Beschneidung am

Herzen“ auf (3. Mose 26,41 und Apostelgeschichte 7,51). Seit der Verwerfung des

Messias durch die Juden, muss keine tatsächliche Beschneidung mehr praktiziert

werden. Die Beschneidung ist seither eine geistliche Realität (Kolosser 2,11).

Gott unternimmt in seinem Volk (der Gemeinde) folglich keine Unterscheidung mehr

nach der Beschneidung.

Gott hat Einschränkungen, obwohl er behauptet allmächtig zu sein!

1. Mose 18,14 „Sollte für den HERRN eine Sache zu wunderbar sein?“

Hiob 42,2 „Ich habe erkannt, dass du alles vermagst und kein Plan für dich

unausführbar ist.“

Richter 1,19 „Und der HERR war mit Juda, und er nahm das Gebirge in Besitz.

Aber die Bewohner der Ebene waren nicht zu vertreiben, weil sie eiserne Wagen

hatten.“

Markus 6,5 „Und er (Jesus) konnte dort kein Wunderwerk tun, …“

Hebräer 6,18 „bei denen Gott doch unmöglich lügen kann, …“

Die Möglichkeit Gottes Eigenschaften mit menschlichem Verstand zu erfassen sind

stark beschränkt. Gott offenbart sich den Menschen in der Bibel nur in der Art

und Weise, wie wir es zu fassen verstehen. Unsere Neugierde wird zu Lebzeiten

niemals zu hundert Prozent gestillt werden können. Gott ist ein allmächtiger

Gott, der alles kann, aber entsprechend seines Wesens nicht alles bewirkt. Es

entspricht zum Beispiel nicht dem Wesen Gottes zu lügen (Hebräer 6,18) oder zu

sündigen (Hebräer 7,26). Es ist für ihn demnach unmöglich, da er sonst im

Widerspruch zu sich selbst handeln würde. Da Gott nicht menschlichen Schwächen

und Gefahren unterliegt, wird er seiner Art in Ewigkeit treu bleiben. Eine

weitere selbst erlegte Einschränkung bei Gottes Handeln liegt darin, dass er den

Menschen in sein Handeln mit einbezogen hat. Durch Gebet, die innere

Herzenthaltung, Gehorsam, Glauben, etc. haben Menschen die Möglichkeit positiven

oder negativen Einfluss zu nehmen. Zwar ist die menschliche Abhängigkeit zu Gott

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Widerspruch zwecklos?

in diesen Fällen schwierig zu ergründen, doch wissen wir um die Tatsache, dass

die Israeliten die in Richter 1,19 erwähnte Ebene nicht erobern konnten in

menschlichem Fehlverhalten, nämlich Angst statt Gottvertrauen, begründet ist

(Vgl. Josua 17,16). Der allmächtige Gott vermag demnach alles, handelt aber nur

entsprechend seines Wesens, so dass manche Taten als unmöglich ausgeschlossen

werden müssen.

Nicht Gott, sondern Engel zerstörten Sodom und Gomorra!

1. Mose 19,13 „Denn wir (Engel) werden diesen Ort vernichten, […] und der HERR

hat uns gesandt, die Stadt zu vernichten.“

1. Mose 19,24 „Da ließ der HERR auf Sodom und Gomorra Schwefel und Feuer regnen

von dem HERRN aus dem Himmel …“

Sodom und Gomorrah wurde durch Gott zerstört. Die Engel, die er beauftragte

handelten in seinem Namen (Vers 13b). Das Gott Engel benutzt um in seinem Namen

Gericht auszuüben, finden wir in der Bibel häufig (z.B. Offenbarung 6). Wenn wir

beispielsweise in Geschichtsbüchern lesen, dass Napoleon ein Land nach dem

anderen eroberte, wissen wir auch, dass er nicht alleine den Sieg über seine

zahlreichen Feinde errang, sondern stets seine Soldaten für sich kämpfen ließ.

Die Geschichtsbücher irren an dieser Stelle genauso wenig wie die Bibel, wenn

sie davon spricht, dass Gott Sodom und Gomorrah zerstörte.

Gott verbietet Inzest, wir lesen aber von Männern die ihre Verwandten

heirateten!

1. Mose 20,12 „Und sie ist auch wirklich meine Schwester; die Tochter meines

Vaters ist sie, nur nicht die Tochter meiner Mutter; so ist sie meine Frau

geworden.“

2. Mose 6,20 „Und Amram nahm sich Jochebed, die Schwester seines Vaters, zur

Frau …“

28 von 191
Widerspruch zwecklos?

3. Mose 18,9.12 „Die Blöße deiner Schwester, der Tochter deines Vaters oder der

Tochter deiner Mutter, […] ihre Blöße sollst du nicht aufdecken.“

Die Bibel berichtet von Ehen unter Halbgeschwistern oder Geschwistern (Kinder

von Adam), die vor der der Gesetzgebung am Berg Sinai geschlossen wurden. Gottes

Anweisungen, seine Schwester nicht zu heiraten, galten also erst zu einem

späteren Zeitpunkt. Bei der Erschaffung von Adam und Eva war der Genpool des

Menschen noch so gut, dass es weder theologische, noch biologischen Gründe gegen

eine solche Form der Vermehrung gab. Später wurde dies jedoch von Gott

ausdrücklich verboten (3. Mose 18,9). Des Weiteren kommt hinzu, dass Abraham

noch ein gottloser Götzendiener war, als er Sarah heiratete (Josua 24,2) und

nach gottlosen Regeln lebte.

Die Bibel enthält zwei Varianten wie die Stadt Beerscheba zu ihrem Namen kam!

1. Mose 21,27-31 „Da nahm Abraham Schafe und Rinder und gab sie Abimelech, und

die beiden schlossen einen Bund. […] Daher nennt man diesen Ort Beerscheba, weil

sie beide dort geschworen hatten.“

1. Mose 26,32f „… da kamen Isaaks Knechte und berichteten ihm von dem Brunnen,

[…] Da nannte er ihn Schibea; daher lautet der Name Beerscheba bis auf diesen

Tag.“

Bei der Frage woher der Name der Stadt Beerscheba (Schwurbrunnen) kommt,

erfahren wir, dass Abraham und Abimelech dem Ort (hebräisch „makom“) ihres

Schwures den Namen verliehen, während sein Sohn Isaak später auch den Namen der

ganzen Stadt (hebräisch „ir“) in Beerscheba umbenannte.

Die Angaben über den Vater von Basemat sind widersprüchlich!

1. Mose 26,34 „… und Basemat, die Tochter des Hetiters Elon.“

1. Mose 36,3 „… und Basemat, die Tochter Ismaels, die Schwester Nebajots.“

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Widerspruch zwecklos?

Die Übersetzung von Tochter (bat) oder Sohn (ben), bedeutet auch Nachfahre oder

Enkel bzw. Enkeltochter. Auch Jesus wurde „Sohn Davids“ genannt, wodurch zum

Ausdruck kam, dass er ein Nachfahre und kein direkter Sohn Davids war, wie auch

der Stammbaum in Matthäus 1 beweist. Basemat war eine Nachfahrin Ismaels

(Kapitel 36,3) und zeitgleich auch die Tochter oder Enkeltochter etc. von Elon

(Kapitel 26,34). Anders wie in Übersetzungen, kommt im hebräischen Text an

dieser Stelle erst gar keine Unklarheit auf.

Die Angaben über Labans Vater sind unterschiedlich!

1. Mose 28,5 „… zu Laban, den Sohn des Aramäers Betuel, …“

1. Mose 29,5 „Kennt ihr Laban, den Sohn Nahors?“

Auch an dieser Stelle muss man bei der Übersetzung des Wortes „ben“ eine

Unterscheidung zwischen Nachfahre und Sohn treffen. Das hebräische Wort erlaubt

dies nicht nur, sondern fordert sogar eine entsprechende Berücksichtigung des

jeweiligen Zusammenhangs.

Jakob änderte auf dem Hin- und Rückweg den Namen der Stadt Lus in Bethel um!

1. Mose 28,18-19 „Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er

an sein Kopfende gelegt hatte, und stellte ihn auf als Gedenkstein und goss Öl

auf seine Spitze. Und er gab dieser Stätte den Namen Bethel. Im Anfang jedoch

war Lus der Name der Stadt.“

1. Mose 35,6-7 „So kam Jakob nach Lus, das im Land Kanaan liegt, das ist Bethel,

er und alles Volk, das bei ihm war. Und er baute dort einen Altar und nannte den

Ort El-Bethel, …“

Auf die Frage wann Jakob den Namen der Stadt Lus in Bethel umbenannte, gibt es

in Kapitel 35 die passende Antwort. Auf dem Hinweg (Kapitel 28), als Jakob

allein unterwegs war hatte er durch sein Erlebnis bereits die Absicht die Stadt

umzubenennen, allerdings war er allein unterwegs, weshalb die Stadt frühestens

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Widerspruch zwecklos?

auf seinem Rückweg auch von anderen so genannt wurde. Deshalb nennt Vers 6 die

Stadt auch „Lus, das im Land Kanaan liegt, das ist Bethel, …“. Als Jakob dann

später mit seiner großen Gefolgschaft wieder an diesen Ort kommt, wird die

Namensgebung öffentlich gemacht (er baut einen Altar), mit Rückblick auf das

Erlebnis, dass Jakob viele Jahre zuvor dort hatte (Vers 7). Des Weiteren nannte

Jakob den Ort bei seiner Rückkehr sogar „El-Bethel“, da sich seine Beziehung zu

Gott seit seinem ersten Aufenthalt in Bethel sehr verändert hatte.

Die Angaben über die Verwandtschaftsverhältnisse von Ana sind widersprüchlich!

1. Mose 36,2 „… Oholibama, die Tochter Anas, der Tochter Zibons, …

1. Mose 36,20 „Dies sind die Söhne des Horiters Seir, die Bewohner des Landes:

Lotan, Schobal, Zibon und Ana, …“

1. Mose 36,24 „Das ist der Ana, der die warmen Quellen in der Wüste fand, als er

die Esel seines Vaters Zibon weidete.“

1. Chronik 1,38 „Und die Söhne Seirs: Lotan und Schobal und Zibon und Ana und

Dischon und Ezer und Dischan.“

Ana war der Vater von Oholibama, der Frau Esaus. Das hebräische Wort „ben“ bzw.

„bat“ kann sowohl Sohn bzw. Tochter als auch Enkel oder Nachfahre, etc. heißen.

Ana war der Sohn von Zibon und der Enkelsohn von Schobal. Der Sohn von Ana war

Dischon, die Tochter hieß Oholibama. Diese Auslegung lässt sich mit allen vier

Stellen in Einklang bringen. „… der Tochter Zibons“ aus 1. Mose 36,2 bezieht

sich auf Oholibama, die Enkeltochter von Zibon war.

Die Angaben darüber, wer Joseph verkaufte, stimmen nicht überein!

1. Mose 37,36 „Und die Midianiter verkauften ihn nach Ägypten, …“

1. Mose 45,4 „Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.“

Wenn Joseph seinen Brüdern den Vorwurf macht, dass sie ihn nach Ägypten verkauft

haben (1. Mose 45,4), dann beinhaltet dies auch die Tatsache, dass Joseph von

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Widerspruch zwecklos?

den Brüdern an die Midianiter (Ismaeliter) verkauft wurde, die auf dem Weg nach

Ägypten waren. Joseph erhebt den Vorwurf, dass er wegen ihrer Bösartigkeit nach

Ägypten kam, auch wenn die Midianiter als Zwischenhändler tätig wurden.

Der Zeitpunkt, als die Brüder Josephs das Geld in ihren Säcken entdecken,

variiert!

1. Mose 42,27 „Als er nun seinen Sack öffnete, um seinen Esel in der Herberge

Futter zu geben, da sah er sein Geld, und siehe, es war oben in seinem Sack.“

1. Mose 42,35 „Und es geschah, als sie ihre Säcke leerten, da hatte jeder sein

Geldbündel in seinem Sack; und sie sahen ihre Geldbündel, sie und ihr Vater ,

und sie fürchteten sich.“

1. Mose 43,21 „Es geschah aber, als wir in die Herberge kamen und unsere Säcke

öffneten, siehe, da war das Geld eines jeden ob in seinem Sack, unser Geld nach

seinem Gewicht.“

In der Herberge entdeckte zunächst nur einer den Geldbeutel in seinem Sack (1.

Mose 42,27). Als sie dann später bei ihrem Vater die anderen Säcke öffneten,

erschraken sie noch mehr, da sie auch die üblichen Geldbeutel in den anderen

Säcken entdeckten (Vers 35). Man muss an dieser Stelle also sehr gründlich

lesen, damit man erkennt, dass hier unterschieden wird, von zunächst einem

Geldbeutel, zu den übrigen. Demnach sind beide Verse wunderbar miteinander in

Einklang zu bringen. Als die Brüder später voller Furcht die Geschichte ihrem

Bruder Joseph erzählen, unterscheiden sie nicht separat zwischen diesen beiden

Begebenheiten und erwähnen nur das Geschehnis in der Herberge (1. Mose 43,21).

Das die Brüder in der Berichterstattung kleine Details ausließen, kratzt nicht

am Wahrheitsgehalt der Bibel, sondern lässt sich sehr gut an der Situation

erklären.

Benjamins Brüder nennen ihn einen Knaben, obwohl er schon Kinder hatte!

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Widerspruch zwecklos?

1. Mose 44,20 „Wir haben einen alten Vater und einen kleinen Jungen (Knaben),

der ihm im Alter geboren wurde; …“

1. Mose 46,8.21 „Und dies sind die Namen der Söhne Israels, die nach Ägypten

kamen, […] Und die Söhne Benjamins: Bela und Becher und Aschbel, … “

Benjamin war noch ein Knabe als er nach Ägypten gebracht werden sollte. In

Kapitel 46 finden wir dann eine Aufzählung seiner Söhne, die mit nach Ägypten

kamen. Während es durchaus sein kann, dass Benjamin die Kinder erst in Ägypten

zu einem späteren Zeitpunkt bekam und die Auflistung nur als Information über

die Nachfahren der Stammväter dient, gibt es aber noch eine viel einfachere

Erklärung: Benjamin wird dem Joseph von seinen Brüdern als Knabe (hebräisch

„jeled“ = Jüngling, Jüngster) vorgestellt. Durch diese Betonung erhofften sie

vielleicht, dass Joseph Verständnis dafür zeigt, dass sie ihn nicht holen

können. Vielleicht meinten sie aber auch einfach, dass er der Jüngste in der

Familie ist, da er zu diesem Zeitpunkt definitiv erwachsen war.

Die Namen der Söhne Benjamins widersprechen sich!

1. Mose 46,21 „Und die Söhne Benjamins: Bela und Becher und Aschbel, Gera und

Naaman, Ehi und Rosch, Muppim und Huppim und Ard.“

4. Mose 26,38-40 „Und die Söhne Benjamin nach ihren Sippen: von Bela die Sippe

der Belaiter; von Aschbel die Sitte der Aschbeliter; von Ahiram die Sippe der

Ahiramiter; von Schufam die Sippe der Schufamiter; von Hufam die Sippe der

Hufamiter. Und die Söhne Belas waren: Ard und Naaman; …“

1. Chronik 7,6 „Von Benjamin: Bela und Becher und Jediael, diese drei.“

1. Chronik 8,1f „Und Benjamin zeugte Bela, seinen Erstgeborenen, Aschbel, den

Zweiten, und Achrach, den Dritten, Noha, den Vierten, und Rafa, den Fünften.“

Auch an dieser Stelle muss man die genaue Bedeutung des hebräischen Wortes für

Sohn (ben) kennen. Man kann statt Sohn auch Enkel oder Nachfahre lesen. Was

besonders durch den Beinamen von Jesus „Sohn Davids“ deutlich wird. Mit dieser

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Widerspruch zwecklos?

Information kann man mit etwas Mühe alle Bibelstellen in Einklang miteinander

bringen. Die 5 Söhne Benjamins werden uns in 1. Chronik 8,1f genannt, alle

anderen Aufzählungen beinhalten die Sippen- und Familienoberhäupter, die zwar

Nachfahren (ben) von Benjamin waren, nicht aber unbedingt direkte Söhne.

2. Mose

Nicht Gott, sondern der Engel des HERRN war im brennenden Dornbusch!

2. Mose 3,2 „Da erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus

dem Dornbusch.“

Apostelgeschichte 7,35 … durch die Hand des Engels, der ihm in dem Dornbusch

erschien.“

2. Mose 3,4 „… da rief ihm Gott mitten aus dem Dornbusch zu …“

Markus 12,26 „Habt ihr nicht im Buch Moses gelesen, wie Gott beim Dornbusch mit

ihm redete …“

Gott hat eine große Anzahl an Engeln, die ihm dienen. Wenn aber in der Bibel

nicht von „einem Engel des HERRN“ sondern von „dem Engel des HERRN“ die Rede

ist, handelt es sich um eine Sichtbarwerdung Gottes. In Offenbarung 10,1-3 wird

dieser wunderbare Engel detaillierter beschrieben. Es gibt viele Gründe die

dafür sprechen, dass es sich bei dem Engel des HERRN um die Person Jesus

Christus handelt. Als der Engel des HERRN z.B. Simsons Vater erschien, hatte

dieser Angst sterben zu müssen, da er Gottes Angesicht gesehen hat (Richter

13,3-22). In Johannes 1,18 lesen wir, dass niemand Gott jemals gesehen hat, aber

Gott durch die Person Jesus Christus kundgemacht worden ist. Unter Einbeziehung

der Dreieinigkeitslehre stehen die oben genannten Bibelstellen demnach in einem

wunderbaren Einklang und zeugen von einem Gott, der in der Person Jesus Christus

den Menschen (u.a. dem Mose) begegnet ist. Die Abgrenzung von anderen Engeln

wird auch dadurch deutlich, dass diese im Gegensatz zu dem Engel des HERRN nicht

angebetet werden dürfen, da es sich um Geschöpfe handelt (Offenbarung 22,8-9).

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Widerspruch zwecklos?

Beide Aussagen, dass Mose sowohl Gott als auch den Engel des HERRN im Dornbusch

sah, sind demnach richtig, da beide Namen dieselbe Person meinen.

Mose war gar nicht redegewandt!

2. Mose 4,10-16 „Mose aber antwortete dem HERRN: Ach, Herr! Ich bin kein

redegewandter Mann, weder seit gestern noch seit vorgestern, noch seitdem du zu

deinem Knecht redest; denn unbeholfen ist ein Mund und unbeholfen meine Zunge.“

2. Mose 6,12.30 „Mose aber redete vor dem HERRN und sagte: Siehe, die Söhne

Israel haben nicht auf mich gehört, wie sollte da der Pharao mich anhören, zumal

ich unbeschnittene Lippen habe!“

Apostelgeschichte 7,22 „Und Mose wurde unterwiesen in aller Weisheit der

Ägypter; er war aber mächtig in seinen Worten und Werken.“

Mose war tatsächlich sehr redegewandt (Apostelgeschichte 7,22). Er selbst

schätzte sich aber offensichtlich anders ein (2. Mose 4,10). Das Mose sich

selbst anders sah, als Gott dies tat, stellt in keiner Weise die Bibel in Frage.

2. Mose 4,10 kann außerdem als Ausrede von Mose verstanden werden, da er sich

davor fürchtete, dem damals mächtigsten Mann der Welt, dem Pharao, die Stirn zu

bieten.

Mal heißt es, dass Gott Blindheit etc. verursacht, dann wiederum, dass Dämonen

dies verursachen!

2. Mose 4,11 „Da sprach der HERR zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund gemacht?

Oder wer macht stumm oder taub, sehend oder blind? Nicht ich, der HERR?“

Markus 9,17.25 „Und einer aus der Volksmenge antwortete ihm: Lehrer, ich habe

meinen Sohn zu dir gebracht, der einen stummen Geist hat; […] bedrohte er den

unreinen Geist und sprach zu ihm: Du stummer und tauber Geist, ich gebiete dir:

Fahre von ihm aus, und fahre nicht mehr in ihn hinein!“

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Widerspruch zwecklos?

Es handelt sich um verschiedene Situationen und verschiedene Krankheitsbilder.

Während Mose von physiologischen Krankheitsbildern redet, weist Markus 9 auf

einen besessenen Menschen hin, der einen teuflischen Dämon hat (Verse 17 und

25). Dämonen können im Laufe eines Lebens in einen Menschen fahren und wie der

Bibeltext klar macht, die Menschen vom Sprechen abhalten. Wenn Gott in 2. Mose

4,11 davon spricht, dass er das Sprechen, sowie die Taubheit erschaffen hat,

dann schließt dass nicht aus, dass auch Dämonen einen Menschen zum schweigen

bringen können.

Nicht der Pharao verhärtete sein Herz, sondern Gott!

2. Mose 8,28 „Aber der Pharao verstockte sein Herz auch diesmal und ließ das

Volk nicht ziehen.“

2. Mose 9,34f … da sündigte er weiter und verstockte sein Herz, er und seine

Hofbeamten. So blieb das Herz des Pharaos verstockt, …“

1. Samuel 6,6 „Warum wollt ihr euer Herz verstocken, wie die Ägypter und der

Pharao ihr Herz verstockt haben?“

2. Mose 4,21 „Und der HERR sprach zu Mose: Wenn du hinziehst, um nach Ägypten

zurückzukehren, sieh zu, dass du all die Wunder, die ich in deine Hand gelegt

habe, vor dem Pharao tust! Und ich, ich will sein Herz verstocken, so dass er

das Volk nicht ziehen lassen wird.“

2. Mose 7,3 „Ich aber will das Herz des Pharaos verhärten …“

Gott sagte, dass er das Herz des Pharaos verhärten (hebr.: „chazak“) wird.

Gleichzeitig betont die Bibel aber auch, dass der Pharao sein eigenes Herz

verstockte (hebr.: „kabad“). Da es sich um zwei verschiedene hebräische Wörter

handelt, kann man folglich beide Aussagen ohne Probleme nebeneinander stehen

lassen. Natürlich ist an dieser Stelle interessant, was die von Gott bewirkte

Herzensverhärtung des Pharaos inhaltlich meint. Wer vorschnell von einer

Ungerechtigkeit spricht, wenn Gott den Willen eines Menschen beeinflusst, muss

eine Tatsache dringend beachten: Gott verhärtet nur die Herzen derer, die ihn

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Widerspruch zwecklos?

zuvor abgelehnt haben, wie es auch am Beispiel des Pharaos deutlich wird. Wer

trotz Überführung nicht an Gott glauben will, den verhärtet Gott. Einige

Ausleger vermuten, dass Gottes Absicht hierbei von Gnade geprägt ist, da die

fortlaufende Ablehnung Gottes nach der Verhärtung keine weitere

Gerichtsanhäufung zur Folge haben könnte.

Jeremia dementiert, dass Gott Israel Opferanweisungen bei dessen Auszug aus

Ägypten gab!

2. Mose 8,25 „Nur möge der Pharao uns nicht noch einmal täuschen, so dass er das

Volk nicht ziehen lässt, damit es dem HERRN opfert!“

2. Mose 10,25 „Mose aber sagte: Gäbest du selber in unsere Hände Schlachtopfer

und Brandopfer, damit wir sie dem HERRN, unserem Gott, zubereiten …“

Jeremia 7,22 „Denn ich habe nicht mit euren Vätern darüber geredet und ihnen

nichts geboten über das Brandopfer und das Schlachtopfer an dem Tag, da ich sie

aus dem Land Ägypten herausführte; …“

In Jeremia 7,22 weist Gott durch den Propheten auf die Sinnlosigkeit der Opfer

hin, wenn sie nicht mit Gehorsam und Gottesfurcht gepaart sind (1. Samuel 15,22;

Sprüche 21,3). Aus diesem Grund sprach Gott beim Auszug aus Ägypten durch Mose

noch nicht über den genauen Ablauf des Brandopfers, sondern über den dringenden

Gehorsam und die damit verbundenen positiven Folgen. Jeremia bezieht sich auf

die Situation und Textstelle aus 2. Mose 19,5, wo tatsächlich von keinen

Opferanweisungen die Rede ist, sondern von konsequentem Gehorsam. Das Volk bekam

von Gott am Tage des Auszugs aus Ägypten keine klaren Anweisungen über den

Ablauf eines Brandopfers, da der Gehorsam Priorität hatte. Leider hatten die

Juden zur Zeit Jeremias diese Prioritäten wieder umgekehrt. Sie opferten zwar

relativ exakt nach der Vorschrift, die Mose nach dem Auszug aus Ägypten am Berg

Sinai erhielt, vernachlässigten aber den Gehorsam Gott gegenüber.

Alles Vieh starb bereits bei der sechsten Plage!

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Widerspruch zwecklos?

2. Mose 9,6 „Und der HERR tat es am Tag darauf, da starb alles Vieh der Ägypter,

aber von dem Vieh der Söhne Israel starb kein einziges Stück.“

2. Mose 9,19 „Und nun sende hin und bring dein Vieh in Sicherheit und alles, was

du auf dem Feld hast! Alle Menschen und Tiere, die sich auf dem Feld befinden

und nicht ins Haus gebracht werden, auf die wird der Hagel fallen, und sie

werden sterben.“

2. Mose 12,29 „… da erschlug der HERR alle Erstgeburt im Land Ägypten […] auch

alle Erstgeburt des Viehs.“

Wenn durch die Viehpest (2. Mose 9,1-7) bereits alles Vieh starb, wie kann dann

in den folgenden Plagen ebenfalls Vieh getötet werden?

Eine Antwort auf diesen Vorwurf gibt uns 2. Mose 9,3: „Siehe, so wird die Hand

des HERRN über dein Vieh kommen, das auf dem Felde ist …“. Demnach starb von den

Ägyptern alles Vieh, das während der Plage auf dem Feld war. In Vers 20 sehen

wir sogar die Aufforderung Gottes an die Ägypter, ihr Vieh vom Feld zu holen,

fall sie seiner Drohung glauben schenken sollten. Somit war selbst den Ägyptern

die Chance gegeben in dieser Situation Gott zu vertrauen und ihr Vieh zu

beschützen. Auch 2. Mose 9,6 meint nur das Vieh, das auf dem Feld war.

Das Gesetz verbietet das Töten, obwohl Gott manchmal den Befehl dazu gab!

2. Mose 20,13 „Du sollst nicht töten.“

2. Mose 32,27 „… Geht im Lager hin und zurück, von Tor zu Tor, und erschlagt

jeder seinen Bruder und seinen Freund und seinen Verwandten!“

1. Samuel 15,3 „… sondern töte Mann und Frau, Kind und Säugling, Rind und Schaf,

Kamel und Esel!“

Die Zehn Gebote regelten das Miteinander im Volke Israels. Außerdem dienen sie

noch heute als Maßstab für die Unterscheidung zwischen richtig und falsch. Sie

haben vor allem aber die Aufgabe, den Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass

er eine Sünder ist, Strafe verdient und Vergebung benötigt. Im Neuen Testament

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Widerspruch zwecklos?

werden die Gebote von Jesus (wiederum auf einem Berg) zudem noch detaillierter

ausgelegt, um diesen Sachverhalt noch stärker zu verdeutlichen (Matthäus

5,21-47). Die einzelnen Gebote beziehen sich entweder auf die vertikale Ebene

(Mensch zu Gott) oder auf eine horizontale Ebene (Mensch zu Mensch). Auf beiden

Ebenen ist jeder Mensch im Laufe seines Lebens vermehrt schuldig geworden. Mit

dem „horizontalem“ Gebot „Du sollst nicht töten!“ verbietet Gott das Morden

unter den Menschen (hebräisch: „razach“= morden). Das der Tod als Konsequenz des

Sündenfalls in der Welt herrscht und auch Gott im Alten Testament Sünde oft

direkt durch Tod strafte, steht in keinem Widerspruch zu diesem Gebot. Wenn

Menschen damals dem Auftrag Gottes nachkamen und Gericht in seinem Namen

ausübten (z.B. 1. Samuel 15,3), gehorchten sie somit Gott. Eine Unterscheidung

von Mord ist in einem solchen Falle unumgänglich. Die Bibel unterscheidet von

jeher zwischen Totschlag (4. Mose 35,6), Mord (5. Mose 5,17) und Notwehr (2.

Mose 22,1). Selbst die deutsche Rechtsprechung entspringt in diesem Punkt aus

den Angaben in der Bibel.

Gott toleriert Ehebruch, obwohl er selbst die Todesstrafe darauf erklärt hat!

2. Mose 20,14 „Du sollst nicht ehebrechen.“

5. Mose 5,18 „Und du sollst nicht ehebrechen.“

4. Mose 31,18 „Aber alle Kinder, alle Mädchen, die den Beischlaf eines Mannes

nicht gekannt haben, lasst für euch am Leben.“

5. Mose 22,26 „Aber dem Mädchen sollst du nichts tun, das Mädchen hat keine

Sünde begangen zum Tode.“

Hosea 1,2 „… da sprach der HERR zu Hosea: Geh, nimm dir eine hurerische Frau und

zeuge hurerische Kinder!“

In der Bibel ist Ehebruch eindeutig verboten. Die Stellen aus 4. Mose 31,18 und

5. Mose 22,26 erwähnen ausdrücklich das Verschonen von vergewaltigten

Sexualopfern, die nicht willentlich in den Ehebruch eingestimmt haben und

demnach keinen Ehebruch begangen haben. In Buch Hosea lesen wir von einer

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Widerspruch zwecklos?

außergewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen Hosea und seiner untreuen Frau

Gomer, die ein Bild für Gott und sein untreues Volk darstellt. Während Ehebruch

zwar strengstens verboten ist, möchte Gott dennoch klarstellen, dass er bereit

zur Vergebung bei echter Reue ist. Das Verhalten von Gomer wird kritisiert und

nirgendwo positiv dargestellt. Gomer zur Ehefrau zu nehmen, macht Hosea nicht

auch zum Ehebrecher, selbst wenn Gomer nachher die Ehe bricht. Die Schuld liegt

einzig und allein bei Gomer. Hosea hingegen verhält sich sehr vorbildlich und

durfte auch laut Gesetz nicht bestraft werden. Das Gomer wiederum die

Todesstrafe verdient hätte, steht dabei außer Frage. Es gilt also festzuhalten,

dass Hosea nicht sündigte und durch sein Verhalten sowohl Gomer, als auch das

Volk, zur Umkehr aufrief.

Wenn Mose Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen hat, hätte er sterben müssen!

2. Mose 33,20-23 „Du kannst es nicht ertragen, mein Angesicht zu sehen, denn

kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.“

2. Mose 33,11 „Und der HERR redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein

Mann mit seinem Freund redet; …“

5. Mose 34,10 „Und es stand in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose, den der

HERR gekannt hätte von Angesicht zu Angesicht, …“

Der Ausdruck „der HERR redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann

mit seinem Freund redet“ kann nicht bedeuten, dass er Gott dabei auch

tatsächlich gesehen hat. Aus diesem Grund nennt Mose ein paar Verse später auch

seinen Wunsch, Gott endlich sehen zu dürfen, was ihm jedoch verwehrt bleibt (2.

Mose 33,20). Das hebräische Wort „panim“ für Angesicht kann ebenfalls mit

Person, Gegenwart oder Oberfläche übersetzt werden. Das „panim“ in diesem

Zusammenhang eher die Gegenwart Gottes, statt seines Aussehens meint, wird auch

dadurch deutlich, dass Gott dem Mose in Vers 14 verspricht, dass sein Angesicht

bzw. seine Gegenwart mit ihnen ziehen wird.

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Widerspruch zwecklos?

Nicht Gott, sondern Mose sollte die Gebote niederschreiben!

2. Mose 34,1 „Darauf sprach der HERR zu Mose: Haue dir zwei steinerne Tafeln wie

die ersten zurecht! Dann werde ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf

den ersten Tafeln standen, die du zerschmettert hast.“

2. Mose 34,27 „Und der HERR sprach zu Mose: Schreibe dir diese Worte auf!“

Die 10 Gebote wurden von Gott selbst auf die Steintafeln geschrieben (Vers 1).

Die Aufforderung in Vers 27 hingegen bezieht sich auf die Worte Gottes die nicht

auf den Steintafeln enthalten waren (V. 11-26). Mose sollte diese Worte

schriftlich festhalten.

3. Mose

Gott erklärt die Tieropfer als sinnlos, obwohl er diese selbst angeordnet hat!

3. Mose 4,21-35 „Und er soll den Stier hinausbringen, nach draußen vor das

Lager, und ihn verbrennen […] ein Sündopfer der Versammlung ist es.“

3. Mose 5,10-16 „Und die andere (Taube) soll er als Brandopfer opfern, nach der

Vorschrift. So erwirke der Priester Sühnung für ihn wegen seiner Sünde …“

4. Mose 15,27f „… dann soll sie eine einjährige Ziege als Sündopfer darbringen.

Und der Priester soll Sühnung erwirken für die Person, …“

Hebräer 10,4.11 „… denn unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden

wegnehmen […] Und jeder Priester steht täglich da, verrichtet den Dienst und

bringt oft dieselben Schlachtopfer dar, die niemals Sünden hinwegnehmen können.“

Das zehnte Kapitel im Herbräerbrief steht keineswegs im Widerspruch zu den

Praktiken des Alten Bundes. Vielmehr erhalten wir hier eine Erklärung der

damaligen Opfer. Durch die gesamte Bibel gilt der Grundsatz, dass nur das Blut

im Zusammenhang mit dem Opfer Jesu Christi am Kreuz wirkliche Vergebung der

Sünde bietet. Alle anderen Opfer, die zeitlich vor dem Tod Jesu stattfanden,

dienten als Bild für das damals noch ausstehende Opfer. Die Menschen wurden

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Widerspruch zwecklos?

schon damals durch den Kreuzestod Jesu gerettet, auch wenn sie nicht verstanden

von welchem Blut das vergossene Tierblut eigentlich zeugte. Die ersten Verse von

Hebräer 10 erklären diesen Sachverhalt genauer und definieren den wahren Zweck

der damaligen Opfer: Eine Erinnerung an die eigenen Sünden. Eine Beziehung zu

Gott drückte sich also damals durch den Gehorsam des Opfernden aus, die

Grundlage wurde aber durch Jesus ermöglicht. Die Hebräer erhielten nun nach dem

Tode Jesu einen Brief, der die Sinnlosigkeit fortführender Opfer erklärt, da

Jesus mit den Worten „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30) dem Alten Bund ein

Ende setzte.

Das vorgeschriebene Opfer nach einer Geburt drückt aus, dass Gott Kindergebären

für Sünde hält!

3. Mose 12,6-7 „Und wenn die Tage ihrer Reinigung für einen Sohn oder eine

Tochter erfüllt sind, soll sie ein einjähriges Lamm zum Brandopfer bringen […]

Und er soll es vor dem HERRN darbringen und Sühnung für sie erwirken, …“

1. Mose 1,28 „Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und

vermehrt euch, und füllt die Erde, …“

1. Timotheus 2,15 „Sie wird aber auch durch das Kindergebären hindurch gerettet

werden, …“

Gott liebt Kinder und freut sich grundsätzlich über jede Geburt. Nach dem

Gebären sollte gemäß 3. Mose 12,7 ein Opfer dargebracht werden um Sühnung zu

erwirken. Das Opfer stand in diesem Fall nicht für etwas Verbotenes, was die

Frau gemacht haben soll, sondern dient der Erinnerung daran, dass jeder Mensch

von Geburt an ein Sünder ist (Römer 3,23). Wir finden in der Bibel verschiedene

Opfer, die unabhängig von vorausgegangener Schuld praktiziert werden sollten (2.

Chronik 3,6; 1. Mose 22,2).

Jesus hätte die Ehebrecherin steinigen müssen!

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Widerspruch zwecklos?

3. Mose 20,10 „Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt […] müssen der

Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden.“

Johannes 8,3-11 „Die Schriftgelehrten und Pharisäer aber bringen eine Frau, die

beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellten sie in die Mitte […] Jesus aber

sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an

nicht mehr!“

Auf die Frage wie man mit Ehebrechern umgehen sollte, gibt es im Gesetz (z.B. 3.

Mose 20) klare Anweisungen. In Johannes 8 bringen die Schriftgelehrten und

Pharisäer eine Ehebrecherin zu Jesus um ihn zu versuchen (Vers 6). Falls er

nicht in die Steinigung einstimmt, wollten sie ihm vorwerfen, gegen das Gesetz

zu verstoßen. Falls er doch einwilligt, wollten sie ihn als unbarmherzig und

Feind der Römer (die Steinigungen verboten hatten) anklagen. Von theologischer

Seite hat sich Jesus aber einwandfrei und vorbildlich verhalten, weshalb die

Obersten auch alle beschämt weggehen. Das Volk Israel hat aufgrund des

Ungehorsams und der Verwerfung des Messias seine bevorzugte Stellung temporär

verloren und nach der Verwerfung Jesu begann eine neue Heilszeit für die

Menschen. Mit der Aussage „wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein“, macht

Jesus diesen Sachverhalt deutlich, da der Mensch erst nach seinem Tod durch

Jesus Christus gerichtet wird und keine direkten Strafmaßnahmen (wie es z.B. in

den Büchern Mose von den Juden damals gefordert wurde) mehr gelten. An dieser

Stelle Jesus einen Vorwurf zu machen, entspricht der gleichen Herzenshaltung wie

sie die Pharisäer und Schriftgelehrten in der Situation hatten.

4. Mose

Die Situation als Wasser aus dem Felsen kam wird unterschiedlich berichtet!

4. Mose 20,1ff „Und das Volk Israel, die ganze Gemeinde, kamen in die Wüste Zin

im ersten Monat; und das Volk blieb in Kadesch; …“

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Widerspruch zwecklos?

2. Mose 17,1ff „Und die ganze Gemeinde der Söhne Israel brach nach ihrer

Aufbruchsordnung aus der Wüste Sin auf nach dem Befehl des HERRN, und sie

lagerten sich in Refidim …“

Bei beiden Berichterstattungen handelt es sich um zwei verschiedene Situationen

an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Es handelt sich um

eine Naivität, wenn man beide Situationen zu einem Ereignis zusammenfasst.

Nicht 24.000 sondern 23.000 Israeliten starben durch eine Plage!

4. Mose 25,9 „Und die Zahl der an der Plage Gestorbenen war 24 000.“

1. Korinther 10,8 „… und es fielen an einem Tag dreiundzwanzigtausend.“

In 1. Korinther 10,8 heißt es, dass 23.000 innerhalb eines Tages starben. In 4.

Mose 25,9 heißt es, dass insgesamt 24.000 durch die Plage starben. Beide Zahlen

lassen sich unter der Berücksichtigung der Zeitangabe wunderbar in Einklang

bringen.

Nicht alle männlichen Midianiter wurden umgebracht!

4. Mose 31,7-18 Und sie kämpften gegen Midian, so wie der HERR dem Mose geboten

hatte, und brachten alles Männliche um …“

Richter 6,1ff „Da gab der HERR sie in die Hand Midians, sieben Jahre.“

Wenn die Israeliten wirklich alles Männliche von Midian ausgerottet haben, wie

konnte dann zur Richterzeit das Volk der Midianiter noch existieren? Nicht immer

wenn die Bibel von „allen“ spricht, sind auch immer volle 100 % einer Menge

gemeint. Ausnahmen werden nicht immer explizit erwähnt. In Matthäus 2,16 lesen

wir zum Beispiel, dass Herodes „alle“ Jungen umbringen ließ, wissen aber aus dem

Kontext, dass mindestens einer (Jesus) am Leben blieb. Eine solche

Ausdrucksweise ist sicherlich nicht widersprüchlich. Auch im heutigen

Sprachgebrauch runden wir oft ab und auf oder fassen bestimmte Mengen einfach

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Widerspruch zwecklos?

zusammen. Aufrichtige Leser würden daher an dieser Stelle keinen Widerspruch

vermuten, da Gott in gängiger und verständlicher Ausdrucksweise mit Menschen

durch die Bibel kommuniziert. 4. Mose 31,7-18 enthält außerdem noch eine weitere

wichtige Information: Wie so häufig hat das Volk Israel den Auftrag Gottes nicht

konsequent ausgeführt. Sie verschonten manche Midianiter (Verse 14-16), weshalb

Mose sehr zornig wurde. Im Anschluss erteilte Mose erneut den Befehl den Bann an

ihnen zu vollstrecken, mit der einzigen Ausnahme unschuldige Frauen und Kinder

(wörtlich: „Kinder unter den Frauen“) zu verschonen (Vers 17f). Durch männliche

Kinder und eventuell auch schwangere Frauen konnte der Stamm der Midianiter also

sehr wohl weiter existieren.

5. Mose

Gott bricht seine eigene Anweisung bezüglich der Ammoniter!

5. Mose 2,19 „Du sollst sie nicht befehden und dich nicht in Streit mit ihnen

einlassen, denn ich werde dir von dem Land der Söhne Ammon keinen Besitz geben!“

5. Mose 2,37 „Nur dem Land der Söhne Ammon, dem ganzen Gebiet am Fluss Jabbok,

hast du dich nicht genähert noch den Städten des Gebirges, nach allem, was der

HERR, unser Gott, geboten hatte.“

Richter 11,32 „So zog Jeftah zu den Söhnen Ammon hinüber, um gegen sie zu

kämpfen. Und der HERR gab sie in seine Hand.“

Jeremia 49,2 „Darum siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da werde ich gegen das

Rabba der Söhne Ammon Kriegsgeschrei erschallen lassen.“

Als die Israeliten ins Land Kanaan zogen, sollten sie auf dem Weg dorthin die

Ammoniter nicht angreifen, da sie keine Bedeutung für sie hatten und ihr Land

nicht zum Besitz genommen werden durfte. Das im Laufe der Jahrzehnte und

Jahrhunderte die Ammoniter zu einer großen Bedrohung für Israel wurden und

demnach natürlich zu einem späteren Zeitpunkt bekämpft werden mussten (z.B.

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Widerspruch zwecklos?

durch Jephta), steht in keinem Widerspruch dazu, dass Gott damals keine direkte

Kriegsanweisung gab.

Die Bibel widerspricht an manchen Stellen der endgültigen Zerstörung der Erde!

5. Mose 4,40 „… damit du dein Tage verlängerst in dem Land, dass der HERR, dein

Gott, dir für immer gibt.“

Psalm 37,29 „Die Gerechten werden das Land besitzen und für immer darin wohnen.“

Prediger 1,4 „Eine Generation kommt, und eine Generation geht; aber die Erde

besteht in Ewigkeit.“

2. Petrus 3,13 „Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine

neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

Hebräer 1,10f „Du, HERR, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind

Werke deiner Hände; sie werden untergehen, du aber bleibst; …“

Offenbarung 21,1.5 „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde […] Siehe,

ich mache alles neu.“

Wie es auch in Offenbarung 21,1 heißt, wird es in Zukunft eine neue Erde geben.

Bibelstellen wie 2. Petrus 3,13 und Hebräer 1,11 unterstützen den Gedanken, dass

die jetzige Erde nicht ewig bestehen bleibt. Gottes Absicht eine neue Erde zu

erschaffen ist jedoch im Alten Testament noch unbekannt. Weder die Psalmisten

(Psalm 37,29), noch Salomo (Prediger 1,4), konnten erahnen, welche zukünftigen

Ereignisse eintreffen werden. Gerade der Ausspruch Salomos wird jedoch nur zu

gerne von Zeugen Jehovas zitiert, wenn sie vom Fortbestand der Erde überzeugen

möchten. Salomo legt aber seinen Schwerpunkt gar nicht auf den Fortbestand der

Erde, sondern möchte vielmehr auf die Sinnlosigkeit des gottlosen Lebens

aufmerksam machen. Sinngemäß sagt er: Wenn man Gott aus seinem Leben

ausklammert, dann ist man nur ein unbedeutender Niemand innerhalb unendlich

vieler Geschlechterfolgen. Für seine Argumentation benutzt Salomo die damalige

Sichtweise, dass die Erde ewig bestehen bleibt. Ob Salomo selbst auch vom

Fortbestand der Erde überzeugt war, gibt diese Stelle jedoch nicht her. Die

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Widerspruch zwecklos?

beiden Textstellen aus Psalm 37 und 5. Mose 4 reden vom Fortbestand der

Gläubigen und von der Ausrottung des Ungläubigen. Die Aussage des Psalmisten

(„Die Gerechten werden das Land besitzen und für immer darin wohnen.“), ist

wahrscheinlich buchstäblich zu verstehen, jedoch erfahren wir in dem

Zusammenhang nicht, auf welches Land sich diese Verheißung bezieht. Wichtig ist,

dass die Gerechten erst zukünftig in dieses Land einziehen werden („werden das

Land besitzen“), weshalb es sich wohl auf das zukünftige Reich bezieht und somit

im Einklang zu der Lehre des Neuen Testaments steht.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei dieser Betrachtung ist, dass Gottes eigentliche

Pläne von den Menschen mehrfach verworfen und zunichte gemacht wurden.

Beispielsweise sollte der Mensch ursprünglich im Paradies ewig leben, fiel

jedoch in Sünde und wurde aus dem Paradies vertrieben. Auch später wurden den

Israeliten Verheißungen gemacht, die aber davon abhingen, dass sie Gott treu

blieben. Spätestens die Ablehnung Jesu als König der Juden, führte dazu, dass

Gott seine Pläne entsprechend des Ungehorsams des Menschen ändern musste. Es gab

also durchaus Zeiten, in denen der Fortbestand der Erde möglich gewesen wäre.

Der Ungehorsam des Menschen führte dazu, dass Gott seine Pläne entsprechend

änderte. Da Gott aber einige seiner Absichten dem Menschen gegenüber verborgen

hält und nicht der gesamte Plan Gottes offenbart wurde, müssen solch

theologische Themen äußerst vorsichtig betrachtet werden. Wer an solchen Stellen

einen Widerspruch vermutet, ist jedoch sicherlich noch am Anfang seiner

Überlegungen. Karl- Heinz Vanheiden merkt zu diesen Bibelstellen folgendes an:

„Der Begriff "ewig" in der Bibel ist immer vom Zeitraum eines Lebens her

gedacht, also der Lebenzeit eines Menschen, der Generationenfolge eines Volkes,

und richtet sich von da aus in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Es kann

damit sowohl eine begrenzte als auch eine unbegrenzte lange Zeit gemeint sein,

die von Dauerhaftigkeit und Beständigkeit bestimmt ist. Ist der Begriff auf Gott

bezogen, meint es völlige Unbegrenztheit. Erst in der griechischen Philosophie

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Widerspruch zwecklos?

wird "ewig" zu einem abstrakten überzeitlichen Begriff wie wir ihn heute

verwenden.“11

Nicht Mose, sondern Bezalel baute die Bundeslade!

5. Mose 10,1-3 „In jener Zeit sprach der HERR zu mir: Haue dir zwei steinerne

Tafeln aus, wie die ersten, und steige zu mir auf den Berg herauf! Und mache dir

eine Lade aus Holz! […] Und ich machte eine Lade aus Akazienholz …“

2 Mose 37,1 „Und Bezalel machte die Lade aus Akazienholz …“

Wenn Mose sagt, dass er Gottes Anweisung nachkam und die Bundeslade baute, heißt

dies nicht, dass er unbedingt auch selbst die Lade hergestellt hat. Bezalel

handelte in Moses Auftrag und erstellte die Bundeslade nach den Anordnungen

Moses, die er von Gott zuvor erhalten hatte. Wenn es später beispielsweise in

Josua 11,16f heißt, dass Josua das ganze Land einnahm und alle fremden Könige

tötete, dann braucht es nicht viel Verstand, um zu wissen, dass Josua wohl nicht

alleine gegen all die Völker kämpfte, sondern Soldaten unter seiner Anweisung

kämpften. Ähnlich muss man auch die Herstellung der Bundeslade durch Bezalel

verstehen.

Die Moabiterin Rut hätte sich den Israeliten nicht anschließen dürfen!

5. Mose 23,4 „Ein Ammoniter oder Moabiter darf nicht in die Versammlung des

HERRN kommen; …“

Ruth 1,4 „Die nahmen sich moabitische Frauen; der Name der einen war Orpa und

der Name der anderen Rut. Und sie wohnten dort etwas zehn Jahre.“

Ruth 4,13 „So nahm Boas die Rut, und sie wurde seine Frau, und er ging zu ihr

ein. Und der HERR schenkte ihr Schwangerschaft, und sie gebar einen Sohn.“

In 5. Mose 23,4 heißt es: „Ein Ammoniter oder Moabiter darf nicht in die

Versammlung des HERRN kommen; auch die zehnte Generation von ihnen darf nicht in

11 „Karl- Heinz Vanheiden", www.derbibelvertrauen.de - Besteht die Erde ewig?


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Widerspruch zwecklos?

die Versammlung des HERRN kommen, für ewig.“ In Ruth 1,4 und 4,13 lesen wir

jedoch von Ruth, die eine Moabiterin war und sich den Israeliten angeschlossen

hat. Auch an anderer Stelle lesen wir von Ausländern, die sich den Israeliten

angeschlossen haben (1. Chronik 11,39).

Während die Feinde Gottes nicht ohne weiteres Teil der Versammlung Gottes sein

durften, gibt es Anweisungen Gottes, die eine Ausnahme von 5. Mose 23,4

erlaubten. Wenn sich vereinzelte Nicht-Juden zum Judentum bekehrten (sog.

Proselytismus) und den Gott Israels als ihren persönlichen Gott annahmen und

somit von Feinden Israels zu Freunden wurden, mussten weitere Gesetze aus den

Büchern Mose (2. Mose 12,48f, 3. Mose 17 und 4. Mose 9,14) angewandt werden. Da

in Ruth 1,16b genau diese Herzenshaltung bei der Moabiterin Ruth bestätigt wird,

durfte sie sich gemäß 2. Mose 12,49 dem Volk Israel anschließen. Eine

Absonderung und Reinhaltung, die durch 5. Mose 23,4 bezweckt wird, ist an dieser

Stelle nicht mehr nötig gewesen. Wie auch in der modernen Rechtsprechung treten

bestimme Gesetze anderen gültigen Gesetzen, unter bestimmten Vorraussetzungen,

den Rang ab. So heißt es beispielsweise im dt. Einkommensteuergesetz (EStG §1),

dass zunächst jeder deutsche Inländer unbeschränkt steuerpflichtig ist. Erst in

späteren Paragraphen werden jeweilige Ausnahmen erläutert (Kinder, Erwerbslose,

Abgeltungssteuer, …).

Gottes Umgang mit den Edomitern ist widersprüchlich!

5. Mose 23,8 „Den Edomiter sollst du nicht verabscheuen, denn er ist dein

Bruder.“

Hesekiel 25,13 „… so spricht der Herr, HERR, werde ich meine Hand gegen Edom

ausstrecken und Menschen und Vieh aus ihm ausrotten …“

Obadja 1,8 „Werde ich nicht an jenem Tag, spricht der HERR, die Weisen aus Edom

vertilgen und die Einsicht des Gebirge Esaus?“

2. Könige 14,3.7 „Und er tat, was recht war in den Augen des HERRN […] Und er

schlug die Edomiter im Salztal, zehntausend Mann; …“

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Während 5. Mose 23,8 davon berichtet, dass die Israeliten das Volk Edom nicht

verachten sollten, strafte Gott das Volk Edom an anderen Stelle eigenhändig

(Hesekiel 25,13 und Obadja 1,8). Dass Gott jedoch den Israeliten friedliche

Anweisungen bezüglich der Edomiter gab, bedeutet ja nicht, dass die Edomiter

Gott gegenüber absolute Narrenfreiheit besaßen. Gott selbst darf das Volk der

Edomiter natürlich auch weiterhin anhand ihrer Taten beurteilen und bestrafen.

Dies kann er eigenhändig machen oder aber durch andere Völker (2. Könige

14,3.7). Dass z.B. die Amerikaner während des Dritten Reiches gegen die

Deutschen kämpften, war sicherlich in vielerlei Hinsicht gerechtfertigt. Würde

die USA allerdings heute Deutschland angreifen, wäre dies dagegen falsch. Auch

die o.g. Bibelstellen finden in unterschiedlichen Zeitepochen statt und müssen

dementsprechend bewertet werden.

Gott verflucht die Menschen die das Gesetz halten!

5. Mose 27,26 „Verflucht sei, wer die Worte dieses Gesetzes nicht

aufrechterhält, sie zu tun!“

Galater 3,10 „Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch;

…“

Galater 3,10 ist kein Widerspruch zu den Aussagen des Mose, sondern eine

Erklärung. Jeder der das Gesetz in irgendeiner Weise übertritt, ist verflucht.

Dies bedeutet, dass Übertretung Strafe mit sich zieht. Da es jedem Menschen

unmöglich fällt das ganze Gesetz zu halten (Römer 3,23), hat jeder Mensch eine

große Schuld gegenüber Gott aufgehäuft, die Konsequenzen mit sich bringt. Der

nächste Vers (Galater 3,11) erklärt weiter, dass es für den Menschen unmöglich

ist, das gesamte Gesetz einzuhalten. Eine Rechtfertigung durch Einhalten der

Gebote ist demnach für jeden Menschen unmöglich. Mose sagt also, dass

Gesetzesübertretung Strafe bringt, der Galaterbrief betont, dass jeder Mensch

ein Gesetzesübertreter ist. Die Galater dachten, sie würden vor Gott

gerechtfertigt wenn sie das Gesetz einhalten, jedoch ist es einzig und allein

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Gottes Gnade die uns rechtfertigt, wenn wir an Gottes Sohn, Jesus Christus,

glauben (Galater 3,22). Epheser 2,8-9: „Denn durch Gnade seid ihr errettet,

mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus

Werken (Gesetz), damit niemand sich rühme.“ Wer diese beiden Stellen nicht in

Einklang miteinander bringen kann, hat die grundlegende Aussage der gesamten

Bibel noch nicht verstanden, nämlich, dass jeder Mensch ein Gesetzesübertreter

ist und Gottes Vergebung braucht um vom Fluch der Sünde loszukommen.

Moses Gesundheitszustand im Alter von 120 Jahren variiert!

5. Mose 31,2 „Und er sprach zu ihnen: 120 Jahre bin ich heute alt, ich kann

nicht mehr aus- und eingehen; und der HERR hat zu mir gesagt: Du sollst nicht

über diesen Jordan gehen.“

5. Mose 34,7 „Mose aber war 120 Jahre alt, als er starb. Sein Auge war nicht

trübe geworden und seine Frische nicht geschwunden.“

Dass Mose kurz vor seinem Tod noch gut sehen konnte und auch sonst noch mobil

schien (Kapitel 34,7), steht in keinem Widerspruch zu 5. Mose 31,2. Mose

vermochte nicht mehr in das Land einzugehen, da er gesündigt hatte und von

Gottes Gericht erfahren hatte. Es lagen also keine gesundheitlichen, sondern

geistliche Gründe vor, warum Mose nicht mit ins Land Kanaan ziehen konnte (5.

Mose 3,25-27).

Mose kann nicht der Autor der kompletten fünf Bücher Mose sein!

5. Mose 34,7-10 „Mose war 120 Jahre alt, als er starb.“

5. Mose 1,1 „Dies sind die Worte, die Mose zu ganz Israel geredet hat …“

Wie die Bibel es selbst sagt, war Mose der Autor dieser fünf Bücher (Lukas 16,29

und 24,27). Dass die letzten Verse von seinem Tod sprechen, heißt nicht, dass er

als Autor auszuschließen ist. Er kann entweder prophetisch von seinem Tod

gesprochen haben oder sein Werk wurde von Josua o.a. fertig gestellt.

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Josua

Gott lobt manche Lügner!

Josua 2,4 „Die Frau aber nahm die beiden Männer und versteckte sie. Und sie

sagte: Ja, die Männer sind zu mir gekommen, aber ich habe nicht erkannt, woher

sie waren.“

2. Mose 1,17-20 „Aber weil die Hebammen Gott fürchteten, taten sie nicht, wie

ihnen der König von Ägypten gesagt hatte, sondern ließen die Jungen am Leben […]

Die Hebammen antworteten dem Pharao: Ja, die hebräischen Frauen sind nicht wie

die ägyptischen, denn sie sind zu lebenskräftig; ehe die Hebamme zu ihnen kommt,

haben sie schon geboren […] Und Gott tat den Hebammen Gutes, …“

1. Samuel 16,2f „Und Samuel antwortete: Wie kann ich hingehen? Wenn Saul es

hört, so wird er mich umbringen. Der HERR sprach: Nimm eine junge Kuh mit dir

und sage: Ich bin gekommen, um dem HERRN zu opfern!“

2. Könige 8,10 „Elisa sagte zu ihm: Geh hin, sage ihm: Du wirst bestimmt

genesen! Aber der HERR hat mich sehen lassen, dass er stirbt, ja dass er

stirbt.“

Gott kann nicht lügen (Hebräer 6,18). Außerdem gibt es in der Bibel auch keine

Stelle an der Gott einen Menschen für seine Lügen lobt. Die aufgeführten

Bibelstellen widersprechen nicht diesem Prinzip, sondern bestätigen es vielmehr.

Das Rahab log, als sie die Kundschafter vom Volk Israel versteckte (Josua 2,4),

wird in der Bibel nicht gelobt. Vielmehr wird stattdessen ihr Glaube

hervorgehoben. In Jakobus 2,25 heißt es: „Ist aber nicht ebenso auch Rahab, die

Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem

anderen Weg hinausließ?“. Jakobus bestätigt, dass es ihre Tat war, die sie im

Glauben vollbrachte, als sie die Kundschafter aufnahm und nicht ihre Worte, die

Gott lobt. Die Lüge war demnach nicht richtig und wurde vom Lob ausgeschlossen.

Ihre Tat dagegen war sehr löblich und ein Zeugnis ihres Glaubens. Das Gleiche

52 von 191
Widerspruch zwecklos?

gilt auch für die Hebammen aus 2. Mose 1,18-20. Nicht ihre Worte wurden von Gott

gelobt und belohnt, sondern ihre Gottesfurcht (V.21). Bei der Stelle in 2.

Könige 8,10 hingegen lesen wir nicht einmal von einer Lüge. Bei genauer

Beobachtung des weiteren Verlaufs sieht man, dass Gott durch Elisa die Wahrheit

gesprochen hatte. Ben-Hadad wurde tatsächlich wieder gesund, aber auch die

Verheißung, dass er sterben würde, traf ein, da er durch den Fragesteller Hasael

später ermordet wurde. Er starb also nicht durch die Krankheit, sondern durch

eine Intrige. In 1. Samuel 16,3 lesen wir von Samuel, der den Auftrag bekommt,

David als neuen König zu salben. Da er Angst hatte, dass Saul ihn umbringen

würde, wenn er von seinem Plan hört, weist Gott ihn an ein Schlachtopfer

mitzunehmen und dies als Grund seiner Reise anzugeben. Da er das Schlachtopfer

tatsächlich opferte, hat Samuel nicht gelogen. Das Gott dem Samuel diese

Opferanweisung gibt, zeigt gerade, dass er nicht möchte, dass Samuel die

Unwahrheit sagen muss. Während viele Menschen kein Problem mit Notlügen haben,

toleriert Gott dies nicht und verhindert, dass Samuel lügen muss.

Die Angaben über den Vater von Achan sind widersprüchlich!

Josua 7,1 „Und Achan, der Sohn des Karmi, des Sohnes Serachs, …“

Josua 7,24 „… Achan, den Sohn des Serach, …“

Josua 22,20 „Hat nicht Achan, der Sohn Serachs, Untreue an dem Gebannten geübt?“

Viele Vorwürfe bezüglich der Fehlerhaftigkeit der Bibel liegen folgendem

Verständnisproblem zugrunde: Im Hebräischen handelt es sich stets um das gleiche

Wort, wenn es um Sohn und Enkelsohn; Tochter und Enkeltochter; Mutter und

Großmutter; etc. geht. Das hebräische Wort „ben“ wird zwar mit Sohn übersetzt,

kann aber viele Bedeutungen z.B. Nachfahre, Kindeskind, Sohn, Urenkel, … etc.

haben. Achan war demnach der direkte Sohn (ben) von Karmis aber gleichzeitig

auch der Enkel oder Ur-Enkel (ben) Serachs, was deshalb wichtig wird, weil der

Stamm der Serachiter augeslost wird, als es um die Suche des Schuldigen geht

53 von 191
Widerspruch zwecklos?

(Josua 7,17). Auch Jesus wurde „Sohn Davids“ genannt, obwohl offenkundig war,

dass David viele Jahre zuvor lebte (Matthäus 1,1).

Die Anzahl der Krieger, die Josua in Hinterhalt legte, sind unterschiedlich!

Außerdem wurde Ai gar nicht vollkommen zerstört!

Josua 8,3f „Und Josua wählte 30 000 Mann, tüchtige Krieger, aus und sandte sie

bei Nacht aus. Er befahl ihnen: Seht, ihr sollt euch in den Hinterhalt legen,

hinter der Stadt!“

Josua 8,12 „Er hatte aber etwa fünftausend Mann genommen und sie als Hinterhalt

zwischen Bethel und Ai gelegt, westlich von der Stadt.“

Josua 8,28 „Und Josua brannte Ai nieder und machte es zu einem ewigen Hügel der

Öde, bis zum heutigen Tag.“

Nehemia 7,32 „… die Männer von Bethel und Ai 123; …“

Die Anzahl der Krieger, die Josua für einen Hinterhalt nahm, variiert zwischen

5000 und 30.000. Die Bibel nennt uns an dieser Stelle nicht alle Einzelheiten

dieser Schlacht, weshalb man über den genauen Ablauf nur spekulieren kann. In

Vers 12 ist die Rede von 5000 Männern die im Hinterhalt zwischen Bethel und Ai

lagen. Das kann sich auf denselben Hinterhalt beziehen den Vers 3 schildert, es

ist aber wahrscheinlicher, dass es sich hierbei um einen weiteren Hinterhalt

handelt. Da zunächst von einem Hinterhalt hinter der Stadt (Vers 3) gesprochen

wird, dann aber von einem Hinterhalt westlich der Stadt (Vers 12), liegt dieser

Gedanke nahe. Dass der zweite Hinterhalt zwischen Bethel und Ai lagert, lässt

vermuten, dass Josua einen weiteren Hinterhalt, für den Fall das Bethel zur

Unterstützung der Stadt Ai ausgezogen wäre, eingeplant hatte. Das Ai bis auf den

Tag der Niederschrift des Josuabuches ein Trümmerhaufen war und unbewohnt blieb

(V.28), bedeutet nicht, dass es fast 1000 Jahre später in Nehemia 7,32 nicht

auch Leute aus der Gegend von Ai geben kann.

Josua nahm Jerusalem nicht ein!

54 von 191
Widerspruch zwecklos?

Josua 10,23.40 „Sie taten es und brachten diese fünf Könige aus der Höhle zu ihm

heraus: den König von Jerusalem, den König von Hebron, […] So schlug Josua das

ganze Land, das Gebirge, das Südland, die Niederung, die Berghänge und alle ihre

Könige …“

Josua 15,63 „Aber die Jebusiter, die Bewohner von Jerusalem,- die Söhne Juda

konnten sie nicht vertreiben. Und die Jebusiter wohnen zusammen mit den Söhnen

Juda in Jerusalem bis zum heutigen Tag.“

Josua 10,40 berichtet uns von dem Erfolg, den Josua im Süden des Landes hatte.

Er gehorchte Gott und vollstreckte an jedem den Bann. Das er niemanden Leben

ließ, bezieht sich auf jeden den er zu Gesicht bekam. Josua wird nicht alle

Einwohner des Landes einzeln aufgestöbert haben. Der Vers drückt die

Entschlossenheit Josuas auf, der im Gegensatz zu seinen Mitbrüdern Gott in

diesem Punkt vollkommen gehorsam war. In Richter 1,21 lesen wir z.B. von dem

Stamme Benjamin, der die Einwohner von Jerusalem nicht vernichtete, sondern mit

ihnen zusammen lebte. Der konsequente Gehorsam des Josua wurde von den meisten

Israeliten nicht nachgeahmt.

Die Zugehörigkeit der Städte Eschtaol und Zora variiert!

Josua 15,20.33 „Das war der Erbteil des Stammes der Söhne Juda nach ihren Sippen

[…] In der Niederung: Eschtaol, Zora, Aschna, …“

Josua 19,40f „Für den Stamm der Söhne Dan nach ihren Sippen kam das siebte Los

heraus. Und das Gebiet ihres Erbteils war: Zora, Eschtaol und Ir-Schemsch, …“

Die Städte Eschtaol und Zora gehörten, wie geschrieben steht, dem Stamme Dan

(Kapitel 19,40f und Richter 18,2), lagen aber geographisch im Grenzgebiet Judas

(Kapitel 15,20). Auch der Stamm Simeon erhielt entsprechend der Verheißung aus

1. Mose 49,7 seinen Erbteil innerhalb der Grenzen Judas. Als Verdeutlichung kann

man das deutsche Bundesland Bremen heranziehen. Es ist ein eigenständiges

Bundesland, liegt aber geographisch mitten im Bundesland Niedersachsen.

55 von 191
Widerspruch zwecklos?

Die Stadt Ajalon wurde nicht vom Stamme Dan bewohnt!

Josua 21,23f „Und vom Stamm Dan: Elteke und seine Weideplätze, Gibbeton und

seine Weideplätze, Ajalon und seine Weideplätze, …“

1. Chronik 6,52-54 „Und sie gaben ihnen (Leviten) die Zufluchtsstadt Sichem und

seine Weidegebiete […] Ajalon und seine Weidegebiete, …“

1. Chronik 8,13 „Und Beria und Schema - diese waren die Familienoberhäupter der

Bewohner von Ajalon; sie verjagten die Bewohner von Gat …“

Zwar wurde die Stadt Ajalon dem Stamme Dan zugelost (Josua 21,24), diese hatten

aber Schwierigkeiten die Stadt von den Amoritern zu erobern (Richter 1,34f).

Ähnlich wie auch bei vielen anderen zugelosten Städten, befolgten die Israeliten

nicht konsequent die Anweisung Gottes, alle Städte auch tatsächlich einzunehmen.

Diese Halbherzigkeit führte dazu, dass die Grenzen des Landes Kanaans im Laufe

der Jahre immer wieder variierten. Auch wenn alle Städte jeweils den Stämmen

zugelost wurden, kam es also vor, dass diese später von einem anderen Stamm

bewohnt wurden. Die Stadt Ajalon sollte außerdem den Leviten als Wohnort dienen

(1. Chronik 6,54). Die Leviten sollten laut Gottes Anweisungen mitten unter den

Kindern Israels wohnen.

Richter

Der Name des Schwiegervaters von Mose unterscheidet sich!

Richter 4,11 „… von den Söhnen Hobabs, des Schwiegervaters des Mose.“

2. Mose 2,18 „Als sie nun zu ihrem Vater Reguel kamen, …“

2. Mose 3,1 „Mose aber weidete die Herde Jitros, seines Schwiegervaters, …“

Der Schwiegervater von Mose hieß Jitro, wurde aber auch Reguel genannt. Der in

Richter 4,11 genannte Hobab ist der Schwager von Mose. Die Unklarheiten die an

dieser Stelle entstehen können, entsprechen einer unglücklichen Übersetzung des

56 von 191
Widerspruch zwecklos?

hebräischen Wortes „chathan“ für Schwager bzw. Schwiegervater. Die hebräische

Wortwurzel betont das Verwandtschaftsverhältnis, das durch Heirat zu den

Blutsverwandten des Ehepartners entsteht. Ob jeweils der Schwager,

Schwiegervater o.ä. gemeint ist, muss anhand des Kontextes erschlossen werden.12

Während einige Bibelübersetzung treffend Hobab als Schwager angeben, übersetzen

andere hier irreführender Weise mit Schwiegervater.

Gott hat Gefallen an Menschenopfern, obwohl er diese verboten hatte!

Richter 11,30-40 „Und Jeftah gelobte dem HERRN ein Gelübde und sagte: Wenn du

die Söhne Ammon wirklich in mein Hand gibst, dann soll der - wer es auch sei -,

der aus der Tür meines Hauses herauskommt mir entgegen, wenn ich in Frieden von

den Söhnen Ammon zurückkehre, der soll dem HERRN gehören; ich will ihn als

Brandopfer opfern! […] Und er vollzog an ihr sein Gelübde, das er gelobt hatte.

Sie hatte aber keinen Mann erkannt.“

5. Mose 18,10 „Es soll unter dir niemand gefunden werden werden, der seinen Sohn

oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, …“

1. Mose 22,2 „Und er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb

hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn dort als

Brandopfer auf einem der Berge, …“

In 5. Mose 18,10 gebietet Gott ausdrücklich, dass Eltern ihre Kinder nicht

durchs Feuer gehen lassen dürfen. Dieser heidnische Brauch, sollte damals fremde

Götter zufrieden stellen. Obwohl man an dieser Stelle nicht zwangsläufig auf ein

generelles Verbot für Menschenopfer schließen kann, dürfen wir dennoch davon

ausgehen, dass Gott Menschenopfer ablehnt und verurteilt. Doch was ist mit

Gottes Aufforderung an Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern und was ist mit dem

Brandopfer Jeftahs gemeint?

Da wir wissen, dass Gottes Befehl an Abraham nur eine Prüfung war und er

rechtzeitig eingriff und einen Widder als Opfer vorbei schickte, können wir

12 Haarmann, Volker: JHWH-Verehrer der Völker, Theol. Verlag Zürich, 2008, Seite 69.
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Widerspruch zwecklos?

diese Bibelstelle relativ schnell mit dem Gebot aus 5. Mose in Einklang bringen.

Die Situation war ein Bild für das zukünftige Opfer Jesu und dieses wiederum der

größte Beweis für die Liebe Gottes zu uns Menschen. Der Bericht über Jeftah, der

Gott ein Gelübde schwor, ist dagegen wesentlich schwieriger zu beurteilen. Da

die Bibel einige Details auslässt, gibt es zahlreiche unterschiedliche

Auslegungen zum Ablauf dieser Begebenheit. Zunächst einmal handelt es sich um

einen voreiligen Schwur von Jeftah, den Gott nicht verlangt hatte. Wir lesen

nicht einmal, dass Gott diesen gut hieß. Zu beachten ist auch, dass in dem

Abschnitt nirgendwo davon zu lesen ist, dass die Tochter Jeftahs getötet wurde.

Das Versprechen aus V. 31 „soll dem HERRN gehören“ wird von vielen nicht als

Menschenopfer, sondern als Jungfrauenschaft ausgelegt. Im weiteren Verlauf der

Geschichte finden sich viele Anhaltspunkte für diese Sichtweise, da die Töchter

des Landes auch jährlich bezüglich der Jungfrauenschaft der Tochter Jeftahs

trauerten. Da sie Jeftahs einzige Tochter war und er auch keinen Sohn hatte (V.

34), war die selbstauferlegte Strafe Jeftahs umso größer (V.35). Unter diesem

Aspekt, liest sich diese Geschichte ganz neu. Dass in Vers 31 auch von einem

Brandopfer die Rede ist, hätte für ein Tier gegolten. Menschliche Brandopfer

sollten gegen Geld ausgelöst werden (2. Mose 13,12f).

1. Samuel

Samuel war sowohl Levit als auch aus dem Stamm Ephraim!

1. Samuel 1,1.20 „Es war ein Mann von Ramatajim-Zofim, vom Gebirge Ephraim, und

sein Name war Elkana […] Und Hanna wurde schwanger. Und als die Tage um waren,

gebar sie einen Sohn. Und sie gab ihm den Namen Samuel …“

1. Chronik 6,18 „Von den Söhnen der Kehatiter: Heman, der Sänger, der Sohn

Joels, des Sohnes Samuels, des Sohnes Elkanas, …“

Wenn uns 1. Chronik 6,18 berichtet, dass Samuel ein Levit aus dem Stamm der

Kehatiter war, wir aber gleichzeitig in 1. Samuel 1,1 lesen, dass Samuels Eltern

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Widerspruch zwecklos?

Ephraimiter waren, dann dürfen wir nicht sofort einen Widerspruch vermuten. Die

Leviten wohnten mitten im Volk und waren auf die Einzelnen Stämme verteilt (Vgl.

zum Beispiel Richter 17,7). Samuels Vater Elkana war also ein Levit, der im

Gebiet Ephraim wohnte. Wenn ein Mensch mit türkischer Abstammung beispielsweise

in Berlin wohnt, könnte man ihn sowohl als Berliner, als auch als Türken

bezeichnen. Beide Aussagen widersprechen sich nicht.

Die Bundeslade muss länger als 20 Jahre im Hause Abinadabs gewesen sein!

1. Samuel 7,1-2 „Und die Männer von Kirjat-Jearim kamen und holten die Lade des

HERRN hinauf, und sie brachten sie in das Haus Abinadabs auf dem Hügel […] Und

es geschah, dass von dem Tag an, da die Lade in Kirjat-Jearim blieb, eine lange

Zeit verging; es wurden zwanzig Jahre. Und das Haus Israel wehklagte hinter dem

HERRN her.“

2. Samuel 6,2-3 „Und David machte sich auf […] So brachte man sie aus dem Haus

Abinadabs, das auf dem Hügel war.“

Apostelgeschichte 13,21 „… und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch, einen

Mann aus dem Stamm Benjamin, vierzig Jahre lang.“

Saul regierte 40 Jahre in Israel, wie die Stelle in der Apostelgeschichte klar

macht. David holte die Bundeslade als König nach Sauls Tod zurück aus dem Haus

Abinadabs. Dort stand sie schon seit der Zeit vor Sauls Thronersteigung. So wird

deutlich, dass die Lade sehr lange (wie auch 1. Samuel 7 sagt) im Hause

Abinadabs stand, mindestens 40 Jahre, da Saul schon tot war. Die Zeitangabe von

20 Jahren in 1. Samuel, die als Widerspruch zu oben genannten Stellen aufgeführt

wird, muss sich aber gar nicht auf die gesamte Zeit der Bundeslade im Haus

Abinadabs beziehen. Der Text in Kapitel 7 sagt aus, dass 20 Jahre vergingen und

das Volk nach dem HERRN wehklagte. Das Volk suchte Gott, doch die Bundeslade

(Anwesenheit Gottes) war nicht greifbar. Die Bundeslade hat sich also über die

20 Jahre hinaus bei Abinadab befunden. Die Zeitangabe bezieht sich demnach auf

das Eintreffen der Bundeslade im Haus Abinadabs bis zu dem Zeitpunkt, wo das

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Widerspruch zwecklos?

Volk nach Gott und seiner Bundeslade verlangt. Es vergehen mindestens weitere 20

Jahre danach, bis die Bundeslade nach Jerusalem gebracht wird.

Nicht Abiel, sondern Ner war der Vater von Kisch!

1. Samuel 9,1 „… sein Name war Kisch, ein Sohn Abiels, …“

1. Chronik 8,33 „Und Ner zeugte Kisch; und Kisch zeugte Saul; …“

1. Chronik 9,39 „Und Ner zeugte Kisch, und Kisch zeugte Saul; …“

Ner war der Vater von Kisch. Abiel dagegen wohl der Großvater. Das hebräische

Wort für Sohn (ben) kann ebenso mit Nachfahre oder Enkel übersetzt werden. Auch

Jesus wurde häufig „Sohn Davids“ genannt, obwohl er nur Nachfahre und kein

direkter Sohn von David war.

Die von Gott angedrohte Kinderlosigkeit des Agag tritt nicht ein!

1. Samuel 15,33 „Aber Samuel sagte: Wie dein Schwert Frauen kinderlos gemacht

hat, so sei auch deine Mutter kinderlos unter den Frauen! Und Samuel hieb Agag

in Stücke vor dem HERRN in Gilgal.“

Esther 3,1 „… Haman, den Sohn des Hammedata, den Agagiter, …“

Viele Jahre nach 1. Samuel 15 lesen wir im Buch Esther von Haman, einem Agatiter

(d.h. aus dem königlichen Geschlecht der Amalekiter). Dass uns in 1. Samuel 15

berichtet wird das Agag starb und kinderlos bleiben sollte, steht in keinem

Zusammenhang mit Haman, da Agag ein amalekitischer Königstitel und kein

einzelner Name war (siehe 4. Mose 24,7). Der König Agag aus 1. Samuel 15 blieb

also tatsächlich kinderlos, das Volk der Amalekiter existierte natürlich weiter.

Gott bereut eigene Entscheidungen!

1. Samuel 15,11 „Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat

sich von mir abgewandt …“

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Widerspruch zwecklos?

1. Samuel 15,35 „Denn Samuel trauerte um Saul, da es den HERRN reute, dass er

Saul zum König über Israel gemacht hatte.“

1. Mose 6,6 „Und es reute den HERRN , dass er den Menschen auf der Erde gemacht

hatte, und es bekümmerte ihn in sein Herz hinein.“

1. Samuel 15,29 „Auch lügt der nicht, der Israels Ruhm ist, und es gereut ihn

nicht. Denn nicht ein Mensch ist er, dass ihn etwas gereuen könnte.“

4. Mose 23,19 „Nicht ein Mensch ist Gott, dass er lüge, noch der Sohn eines

Menschen, dass er bereue.“

Da Gott keine Fehler begeht, kann er sein eigenes Verhalten nicht bereuen (1.

Samuel 15,29 und 4. Mose 23,19). Es liegt nicht in Gottes Natur, dass er etwas

tut, was er später bereut. Der Mensch hingegen begeht viele Fehltritte und

versagt ständig. Nicht selten haben Menschen schon ihr Handeln bereut. Wenn ein

Mensch jedoch von seinen Wegen umkehrt und Gottes Vergebung sucht, lässt sich

Gott bezüglich des Gerichts über diese Person gereuen. Das gleiche gilt auch,

wenn ein Mensch die Nähe von Gott verlässt und anfängt gottlos zu handeln, wie

Saul es tat. Dann bereut Gott den Segen, den er jemandem zukommen ließ (1.

Samuel 15,35). Es gilt also festzuhalten, dass Gott sein eigenes Handeln nicht

bereuen kann, da er keine Fehler begeht. Dass Gott aber sein Urteil über einen

Menschen ändert, weil dieser sündigt oder Vergebung in Anspruch genommen hat,

stellt auch Jeremia 18,7-10 klar: „Einmal rede ich über ein Volk und über ein

Königreich, es auszureißen und abzubrechen und zu zerstören; kehrt aber jenes

Volk, über das ich geredet habe, von seiner Bosheit um, so lasse ich mich des

Übels gereuen, das ich ihm zu tun gedachte. Und ein anderes Mal rede ich über

ein Volk und über ein Königreich, es zu bauen und zu pflanzen; tut es aber, was

böse ist in meinen Augen, so dass es auf meine Stimme nicht hört, so lasse ich

mich des Guten gereuen, das ich ihm zu erweisen gesagt hatte.“13

Die Reue Gottes bezieht sich demnach jeweils auf zwei unterschiedliche Aspekte:

Das Urteil Gottes über Menschen und Gottes Handeln.

13 Elberfelder CSV
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Widerspruch zwecklos?

Gott segnete Saul, indem er ihn zum König von Israel salben ließ, bereute diesen

Segen aber wieder, als Saul sich schwer gegen Gott versündigte. Da das

hebräische Wort für bereuen (nacham) auch Trost und Trauer impliziert, verstehen

wir, wie sehr Gott wegen der Gottlosigkeit des Sauls mitleidet. Wenn Gott nun in

diesem Zusammenhang ausdrückt, dass er eigene Taten noch nie in dieser Weise

bereut hat, betont er die eigene Souveränität gegenüber dem menschlichen

Versagen. Beide Aussagen stehen also nicht nur in keinem Widerspruch zu

einander, sondern ergänzen einander sogar.

Die Angaben über die Anzahl der Söhne Isais unterscheiden sich!

1. Samuel 16,10f „Und Isai ließ seine sieben Söhne vor Samuel vorübergehen. Aber

Samuel sprach zu Isai: Der HERR hat keinen von ihnen erwählt. Und Samuel fragte

Isai: Sind das die jungen Leute alle? Er antwortete: Der Jüngste ist noch übrig,

siehe, er weidet die Schafe.“

1. Samuel 17,12 „David nun war der Sohn jenes Efratiters von Bethlehem in Juda,

mit Namen Isai, der acht Söhne hatte.“

1. Chronik 2,15 „Ozem, den sechsten; David den siebten.“

Isai hatte nach 1. Samuel genau 8 Söhne, die er dem Samuel präsentierte. David

war wohl der Jüngste von den 8 Söhnen. In 1. Chronik 2,15 werden aber zu einem

späteren Zeitpunkt nur 7 Söhne Isais aufgezählt. Es gibt verschiedene

Erklärungen für die Reduzierung der Zahl auf 7 Söhne in 1. Chronik 2,15. Man

kann davon ausgehen, dass einer der Brüder Davids kinderlos starb und deshalb

sein Name später in der Geschlechterfolge aus 1. Chronik nicht aufgeführt wird.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass unter den 8 Söhnen (hebr.

„Nachkomme“) Isais auch schon Kinder der 2. Generation waren. Da David

Schwestern hatte und da er selbst der Jüngste war, könnte es gut sein, dass Isai

auch einen seiner etwa gleichaltrigen Enkel dem Samuel präsentierte. Wenn man

bedenkt, dass Isais Enkel die großen Krieger Joab, Abisai und Asael waren, kann

man diesen Gedanken durchaus erwähnen. Um diese Bibelstelle in Einklang zu

62 von 191
Widerspruch zwecklos?

bringen gibt es sehr viele Möglichkeiten, welcher Sachverhalt jedoch genau

zutrifft ist schwer zu sagen.

Saul hätte David längst kennen müssen!

1. Samuel 16,18-21 „Siehe, ich habe einen Sohn des Bethlehemiters Isai gesehen,

der die Zither zu spielen weiß […] Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm

sagen: Sende deinen Sohn David zu mir […] Und Saul gewann ihn sehr lieb, und er

wurde sein Waffenträger.“

1. Samuel 17,55 „Als aber Saul sah, wie David dem Philister entgegenging, sagte

er zu Abend, dem Heerobersten: Wessen Sohn ist doch dieser junge Mann, Abner?

Und Abner antwortete: So wahr du lebst, König, ich weiß es nicht!“

Als David gegen Goliath kämpfte, erkundigte sich Saul, wessen Sohn er war. Da

bereits im vorherigen Kapitel Saul zu Davids Vater schicken ließ und David sein

Waffenträger wurde, wird an dieser Stelle eine Widersprüchlichkeit vermutet, da

Saul den Vater bereits kennen musste. Wir erfahren aber in Kapitel 17,15 dass

David von Saul zurückkehrte und wieder für seinen Vater Isai das Kleinvieh

weidete. Wir erhalten keine genauen Zeitangaben über diesen Lebensabschnitt,

können aber vermuten, dass David längere Zeit nicht mehr vor dem König stand.

Dass Saul einige Zeit später, mitten in der Belagerung der Philister nicht mehr

weiß, wessen Sohn David war, kann verschiedene Gründe haben: Entweder hatte Saul

einfach vergessen wessen Sohn David war oder er wusste wer David war, fragte

aber ungläubig nach, da er nicht fassen konnte, dass er den Goliath tatsächlich

bezwang. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, dass Saul den David nicht

wiedererkannte. Da vielleicht einige Jahre vergingen und David nun kein

Teenager, sondern ein erwachsener Mann war, konnte er sich durchaus verändert

haben. Da Saul dem Bezwinger von Goliath neben großem Reichtum und seiner

Tochter auch Steuerfreiheit für das Haus des Vaters versprach (17,25), kann in

jedem Fall nachvollzogen werden, weshalb sich Saul (erneut) nach dem Vater von

David erkundigte.

63 von 191
Widerspruch zwecklos?

Goliath starb bereits durch die Schleuder und nicht erst durch das Schwert!

1. Samuel 17,50 „So überwand David mit der Schleuder und mit dem Stein den

Philister, und er traf den Philister und tötete ihn. David aber hatte kein

Schwert in der Hand.“

1. Samuel 17,51 „Und David lief und trat zu dem Philister und nahm dessen

Schwert, zog es aus seiner Scheide und tötete ihn vollends und hieb ihm den Kopf

damit ab.“

Bibelkritiker vermuten hier innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Versen einen

Widerspruch. Sollte es sich tatsächlich um einen solchen handeln, müsste man dem

Verfasser konsequenterweise sogar eine Absicht unterstellen. Sicherlich war es

die Schleuder, die David den Sieg einbrachte, wobei wir keine genauen

Informationen darüber haben, ob Goliath bereits durch den Stein gestorben war.

Mit Sicherheit kann man aber sagen, dass spätestens nach der Verwendung des

Schwertes sämtliche Lebensfunktionen versagten. Weder der Verfasser Samuel, noch

alle anderen Zuschauer dieses Spektakels, vielleicht noch nicht einmal David

selbst, wussten zu welchem Zeitpunkt Goliath genau verstorben ist. Da David

direkt das Schwert einsetzte, besitzt diese Information damals wie heute auch

keine besondere Relevanz. Vers 50 enthält die allgemeine Aussage, dass David,

nur mit einer Schleuder und Steinen bewaffnet, den Goliath tötete, ohne ein

eigenes Schwert dabei gehabt zu haben. Der Autor beschreibt somit die Ausrüstung

die David bei seinem Sieg hatte, nicht die genaue Todesursache. Vers 51 betont

diese Auslegung: „nahm dessen Schwert, zog es aus seiner Scheide und tötete ihn

vollends …“.

Nicht Ahimelech, sondern sein Sohn Abjathar war Hohepriester als David die

Schaubrote aß!

1. Samuel 21,2.7 „Und David kam nach Nob, zum Priester Ahimelech […] Da gab ihm

der Priester von dem heiligen Brot.“

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Widerspruch zwecklos?

Markus 2,26 „Wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjathars, des

Hohenpriesters, und die Schaubrote aß, …“

Ahimelech war zur damaligen Zeit Hohepriester (1. Samuel 21,2). Als David die

Schaubrot aß, wurde Ahimelech anschließend auf Befehl von Saul umgebracht (1.

Samuel 22,18b). Sein Sohn Abjathar entkam und wurde neuer Hohepriester (Vers

20). Dazu, dass Markus den Abjathar, als Hohepriester der damaligen Zeit nennt,

schreibt Karl-Heinz Vanheiden: „Ahimelech war der amtierende Hohepriester, aber

der spätere Hohepriester Abjatar lebte schon. Von daher fiel das Geschehen auch

in seine Zeit. Markus will sagen: Damals, als der Hohepriester Abjatar lebte. Er

spricht nicht von seiner Amtszeit. Er gebrauchte die gleiche Redewendung, wie

wir, wenn wir sagen: als König David noch Hirt war. Obwohl David in seiner

Hirtenzeit eben noch kein König war. Markus könnte auch gemeint haben: „In dem

Abschnitt über Abjatar, den Hohenpriester“. Das ist eine andere

Erklärungsmöglichkeit. Die Juden kennzeichneten nämlich die Schriftabschnitte,

auf die sie sich bezogen, durch die jeweils bekannteste dort genannte Person.

Und das war in diesem Fall Abjatar.“14

David war nicht alleine als er die Schaubrote aß!

1. Samuel 21,2f „Und David kam nach Nob, zum Priester Ahimelech. Und Ahimelech

kam David aufgeregt entgegen und sagte zu ihm: Warum kommst du allein, und

niemand ist bei dir? Und David antwortete dem Priester Ahimelech: Der König hat

mir eine Sache geboten und sagte zur mir: Niemand soll irgendetwas von der Sache

wissen, in der ich dich sende und die ich dir geboten habe.“

Matthäus 12,3f „Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm

waren hungerte? Wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die er

nicht essen durfte, noch die bei ihm waren, …“

14„102 Antworten auf 101 scheinbare Widersprüche in der Bibel“, Auflage 2, Bibelbund Verlag,
2011
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Widerspruch zwecklos?

Auf die Frage ob David alleine war, als er bei den Priestern von Nob die

Schaubrote nahm, gibt es eine einfache Antwort: Nein. Davids Geschichte die er

Ahimelech erzählt ist komplett erlogen. Er hatte seine Gefolgschaft geschickt

versteckt und tischte dem Priester die Lüge auf, dass er allein unterwegs wäre,

da er einen Geheimauftrag habe. Nichts von dem was David sagte entsprach in

dieser Situation der Wahrheit. Der Kontext von Kapitel 21 und Matthäus 12,3-4

klären darüber auf, dass David mit einigen Männern unterwegs war.

Ahitub war gleichzeitig Vater und Sohn von Ahimelech!

1. Samuel 22,20 „Und es entkam ein Sohn Ahimelechs, des Sohnes Ahitubs, mit

Namen Abjatar, und floh zu David.“

1. Samuel 23,6 „Es geschah aber, als Abjatar, der Sohn Ahimelechs …“

2. Samuel 8,17 „Und Zadok, der Sohn Ahitubs, und Ahimelech, der Sohn Abjatars,

waren Priester.“

1.Chr. 18,16 „Und Zadok, der Sohn Ahitubs, und Ahimelech, der Sohn Abjatars,

waren Priester.“

An dieser Stelle werfen Bibelkritiker vor, dass hier die Namen vertauscht

wurden, da die ersten Stellen Ahitub zum Vater von Ahimelech, die weiteren

Stellen Ahitub zum Sohn von Ahimelech machen. Eine gute Antwort finden wir in

dem alttestamentlichen Brauch, dass man seine Kinder nach dem Großvater genannt

hat und das der Sohn Ahimelechs auch Ahitub (wie dessen toter Großvater) genannt

wurde. Gerade weil Ahitub auf so grausame Art und Weise getötet wurde, bietet es

sich an, dass Ahimelech den Namen seines Vaters somit über den Tod hinaus

erhalten wollte. Diese teils heute noch gängige Praxis bietet eine einfache

Erklärung auf den Vorwurf der Kritiker.

Saul beging keinen Selbstmord!

1. Samuel 31,4 „Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich hinein.“

2. Samuel 1,10 „Da trat ich zu ihm (Saul) und gab ihm den Todesstoß, …“

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Widerspruch zwecklos?

Ein Bote kam zu David und berichtete ihm stolz, dass er Davids größten Feind,

den König Saul, getötet habe. Er erhoffte sich eine Belohnung, fand stattdessen

aber selbst den Tod. Wenn die Aussage des Boten nicht mit der göttlichen

Geschichtserzählung übereinstimmt (1. Samuel 31,4), hat das einen ganz einfachen

Grund: Der Bote hatte David angelogen. Saul hatte sich selbst umgebracht. Der

amalektische Bote erfand jedoch die Geschichte, dass er ihn umgebracht hätte, um

von David belohnt zu werden. Das erklärt auch, warum er David sofort danach

aufsuchte und voller Stolz angebliche Beweisstücke präsentierte. Bei der

Bibellese müssen wir zwingend unterscheiden, ob von oder durch Gott etwas

ausgesprochen wird oder ob die Bibel einen Menschen zu Wort kommen lässt. Wenn

man beispielsweise in einem heutigen Geschichtsbuch das Zitat von Hitler über

den fungierten polnischen Überfall auf den deutschen Radiosender Gleiwitz liest,

dann kratzt dies nicht an der Glaubwürdigkeit des Buches, wenn an anderer Stelle

erklärt wird, dass Hitler diese Lüge als Kriegsauslöser nutzte.

2. Samuel

Die Angaben über Davids Söhne, die in Hebron geboren wurden, variieren!

2. Samuel 3,2-5 „Und es wurden David in Hebron Söhne geboren: Sein Erstgeborener

war Amnon, von Ahinoam, der Jesreeliterin, und sein zweiter Kilab, von Abigajil,

der Frau des Karmeliters Nabel, und der dritte Absalom, der Sohn der Maacha, der

Tochter Talmais, des Königs von Geschur, und der vierte Adonija, der Sohn der

Haggis, und der fünfte Schefatja, der Sohn der Abital, und der sechste Jitream

von Egla, der Frau Davids. Diese wurden David in Hebron geboren.

1. Chronik 3,1-4 „Und das waren die Söhne Davids, die ihm in Hebron geboren

wurden: Der erstgeborene Amnon, von Ahinoam, der Jesreeliterin; der zweite

Daniel, von Abigajil, der Karmeliterin; der dritte Absalom, der Sohn der Maacha,

der Tochter Talmais, des Königs von Geschur; der vierte Adonija, der Sohn der

67 von 191
Widerspruch zwecklos?

Haggis; der fünfte Schafatja, von der Abital; der sechste Jitream, von seiner

Frau Egla. Diese sechs wurden ihm in Hebron geboren.“

Beide Listen der Söhne Davids, die ihm in Hebron geboren wurden, stimmen exakt

überein. 1. Chronik hat den zweiten Sohn Kilab allerdings mit Daniel angegeben,

da er zwei verschiedene Namen besaß, was damals sehr üblich war. Dass es sich um

dieselbe Person handeln muss, wird auch dadurch deutlich, dass er in beiden

Fällen als zweiter Sohn aufgelistet wird und Abigail beide Male als Mutter

genannt wird.

Die Zeitangabe zur Rebellion Absalaoms kann nicht stimmen!

2. Samuel 5,4 „Dreißig Jahre war David alt, als er König wurde; vierzig Jahre

lang war er König.“

2. Samuel 15,7 „Und es geschah am Ende der vierzig Jahre, da sagte Absalom zum

König: Lass mich doch hingehen und in Hebron Gelübde erfüllen, dass ich dem

HERRN gelobt habe.“

Die Zeitangabe in Kapitel 15,7 wird je nach Übersetzung mit 4 Jahren statt 40

Jahren angegeben, allerdings muss man fairerweise nach dem hebräischen Text eher

von der Zeitangabe „40 Jahre“ ausgehen. Wenn jedoch tatsächlich 40 Jahre seit

der Rückkehr Absalom nach Jerusalem vergangen sind, bekommt man Schwierigkeiten

die Zeitangaben in Einklang zu bringen, da David insgesamt nur 40 Jahre

regierte. Man darf jedoch an dieser Stelle einen ganz anderen Einwand bringen,

nämlich das im Text gar nicht genau erläutert wird auf was sich die 40 Jahre

beziehen („Und es geschah am Ende der vierzig Jahre …“ oder „Und es geschah am

Ende von vierzig Jahren …“15 ). Der Bibelleser wird herausgefordert zu überlegen

was zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre her sein könnte, um weitere Informationen über

den Aufruhr Absaloms zu erfahren. Es gibt verschiedene Ansichten, worauf sich

die 40 Jahre beziehen können. Es könnte sich auf den Zeitpunkt beziehen, als

15 Schlachter 2000 Übersetzung


68 von 191
Widerspruch zwecklos?

David von Samuel zum König gesalbt worden ist, obwohl Saul an der Macht war. Es

könnte sich aber auch um eine einfache Altersangabe von Absalom handeln oder

aber und diese Ansicht erklärt es wohl am besten, sind seit dem Zeitpunkt der

Vernichtung der Geschuriter durch David genau 40 Jahre (1.Samuel 27,8)

vergangen. Absalom hielt sich in dem Gebiet der Geschuriter 3 Jahre lang auf,

weil seine Mutter und deren Vorfahren aus Geschur kamen. Absalom sinnt im Namen

seiner Familie auf Rache und erwähnt auch in den folgenden Versen ein Gelübde

(einen Schwur), das er während seiner Zeit in Geschur geschlossen hat. Die

vierzig Jahre geben uns demnach einen weiteren Hinweis über Absaloms Motive,

seinen eigenen Vater als König zu stürzen.

Die Angaben über Davids Söhne, die in Jerusalem geboren wurden, variieren!

2. Samuel 5,14-16 „Und dies sind die Namen derer, die ihm in Jerusalem geboren

wurden: Schammua und Schobab und Nathan und Salomo und Jibhar und Elischua und

Neffen und Jafia und Elischama und Eljada und Elifelet.“

1. Chronik 3,5-8 „Und diese wurden ihm in Jerusalem geboren: Schammua und

Schobab und Nathan und Salomo, diese vier von Bat-Schua, der Tochter Ammiels;

und Jibhar und Elischama und Elifelet und Nogah und Nefeg und Jafia und

Elischama und Eljada und Elifelet, zusammen neun; alles Söhne Davids, ohne die

Söhne der Nebenfrauen; und Tamar war ihre Schwester.

1. Chronik 14,3-7 „Und David nahm noch mehr Frauen in Jerusalem, und David

zeugte noch mehr Söhne und Töchter. Und das sind die Namen derer, die ihm in

Jerusalem geboren wurden: Schammua und Schobab, Nathan und Salomo und Jibhar und

Elischua und Elpelet und Nogah und Nefeg und Jafia und Elischama und Belljada

und Elifelet.“

In allen drei Bibelstellen werden 13 Söhne Davids genannt, die in Jersualem

geboren wurden. Die Namen sind identisch bis auf wenige Unterschiede. Auch hier

gilt: Damals hatten die Israeliten oft mehrere Namen bzw. Rufnamen. Oft kam es

69 von 191
Widerspruch zwecklos?

auch vor, dass der Name im Laufe des Lebens geändert wurde (z.B. 1. Mose 32,29

und Ruth 1,20).

Der Ort, an dem Usa starb, variiert!

2. Samuel 6,6 „Und als sie zur Tenne Nachons kamen, da streckte Usa seine Hand

nach der Lade Gottes aus und fasste sie an …“

1. Chronik 13,9 „Und als sie zur Tenne Kidrons kamen, da streckte Usa seine Hand

aus, …“

Wenn in 1. Chronik von der Tenne Kidons und in 2. Samuel von der Tenne Nachons

die Rede ist, lässt sich schlussfolgern, dass mit beiden Namen dieselbe Person

gemeint ist. Da es nicht selten vorkam, dass eine Person unterschiedliche

(Ruf-)Namen besaß (z.B. 1. Mose 36,1), lassen sich beide Bibelstellen leicht

erklären.

Michal blieb nicht kinderlos!

2. Samuel 6,23 „Michal aber, die Tochter Sauls, bekam kein Kind bis zum Tag

ihres Todes.“

2. Samuel 21,8 „… und die fünf Söhne Merabs (Michals), der Tochter Sauls, die

sie dem Adriel geboren hatte, …“

Gott bestrafte Michal, die Tochter Sauls, mit Kinderlosigkeit (2.Samuel 6,23).

In 2. Samuel 21,8 lesen wir im masoretischen Text aber von den „fünf Söhnen

Michals“. In zahlreichen anderen Grundtexten ist an dieser Stelle jedoch nicht

von Michal, sondern von ihrer Schwester Merab die Rede. Da Michals Schwester

Merab mit Adriel verheiratet war (1. Samuel 18,19), würde somit eine passende

Erklärung geboten. Verfechter des masoretischen Grundtextes betonen an dieser

Stelle, dass es diverse Gründe dafür geben könnte, das Michal hier genannt wird,

obwohl sie definitiv nicht die leibliche Mutter war. Ein früher Tod Merabs, wäre

z.B. einer dieser Gründe. Wir müssen an dieser Stelle festhalten, dass es

70 von 191
Widerspruch zwecklos?

verschiedene Möglichkeiten gibt, die beiden Bibelstellen in Einklang miteinander

zu bringen.

Die Anzahl der gefangenen Syrer variiert!

2. Samuel 8,4.13 „Und David nahm von ihm 1 700 Berittene und 20 000 Mann Fußvolk

gefangen […] Und David machte sich einen Namen: Als er von seiner Schlacht gegen

Edom im Salztal zurückkam, da waren 18 000 Mann gefallen.“

1. Chronik 18,4.12 „Und David nahm von ihm 1 000 Wagen und 7 000 Berittene und

20 000 Mann Fußvolk gefangen. Und Abischai, der Sohn der Zeruja, schlug die

Edomiter im Salztal, 18 000 Mann.“

Psalm 60,2 „Als er stritt mit den Syrern von Mesopotamien und mit den Syrern von

Zola, und Joab zurückkehrte und die Edomiter im Salztal schlug, zwölftausend

Mann.“

In 1. Chronik 18,4 wird von 1000 Wagen, 7000 Reitern und 20000 Mann Fußvolk

berichtet, die David nach seinem Sieg gegen den syrischen König Hadad-Eser

gefangen nahm. In 2. Samuel 8,4 heißt es dann, dass David dagegen 1700 Reiter

und erwähnte 20000 Mann Fußvolk gefangen nahm. Wie kann man diese beiden Stellen

in Einklang miteinander bringen? Die Antwort erhält man in den jeweils folgenden

Versen. Als David die Syrer von Zoba geschlagen hatte und gefangen nahm,

erhielten diese Unterstützung von den Syrern aus Damaskus (2. Samuel 8,5 und 1.

Chronik 18,5). In Psalm 60 erfahren wir, dass es dabei zu einem Rückschlag kam

und David zeitweilig wieder gegen die Syrer von Zoba und von Damaskus kämpfen

musste (Psalm 60,2) und einer Niederlage sehr nahe war (V.3ff). Doch wie es in

Psalm 60 schon angedeutet wurde, verhalf Gott David zum Sieg und David tötete

weitere 22000 Syrer. Die Zahl der Gefangenen veränderte sich nun im Vergleich

zur ersten Schlacht. Entweder hatte David zuvor 7000 Reiter gefangen genommen

und in der zweiten Schlacht davon ca. 5300 getötet (die von den Damaszenern

vielleicht sogar befreit worden waren) oder die 1700 Reiter stiegen um 5300

gefangen genommene Syrer von Damaskus. Zeitgleich brach im Salztal ein Krieg

71 von 191
Widerspruch zwecklos?

zwischen Israel und Edom aus. Gott schenkte David nun auch dort unter Abisais

Führung einen Sieg über 18000 Edomiter (1. Chronik 18,12), von denen Joab und

sein Trupp 12000 schlugen (Psalm 60,2). Das solche Textpassagen viele Fragen

aufwerfen, liegt daran, weil die Bibel uns nur sehr wenige Details von den

Kämpfen liefert und der genaue Ablauf unbekannt ist.

Die Anzahl der getöteten Syrer unterscheidet sich!

2. Samuel 10,18 „… und David erschlug von Aram 700 Wagenkämpfer und 40 000

Reiter.“

1. Chronik 19,18 „… und David erschlug von Aram 7 000 Wagenkämpfer und 40 000

Mann Fußvolk.“

Während Samuel von 40.000 Reitern und 700 Wagenkämpfern redet, spricht 1.

Chronik von 40.000 Kriegern ohne Pferde und 7000 Wagenkämpfern. Es starben

demnach 40.000 Reiter und 40.000 Fußsoldaten. Die unterschiedlichen Angaben über

die Wagenkämpfer können in der deutschen Übersetzung für Probleme sorgen.

Ursprünglich handelt es sich aber um zwei verschiedene Wörter („parasch“ und

„rekeb“). Gut möglich, dass neben den 80.000 Soldaten noch 7000 schwere Wagen

und 700 leichte Wagen besiegt wurden. Egal wie man die hebräischen Wörter an

dieser Stelle übersetzen möchte, eine Unterscheidung ist an dieser Stelle

unumgänglich. Es starben also demzufolge mindestens 87.700 Syrer. Ob die gängige

Übersetzung an dieser Stelle sinnvoll gewählt ist, darf man kritisch betrachten.

Die Angaben über den Namen von Amasas Vater unterscheiden sich!

2. Samuel 17,25 „Amasa war aber der Sohn eines Mannes, dessen Name Jitra war, …“

1. Chronik 2,17 „… und der Vater Amasas war Jeter, der Ismaeliter.“

Jitra oder auch Jeter ist der Vater von Amasa. Das bei den Israeliten dieselben

Personen manchmal unterschiedlich genannt wurden, ist keine Seltenheit. Der Name

hatte eine enorme Bedeutung und wurde nicht selten anhand von Erlebnissen oder

72 von 191
Widerspruch zwecklos?

Charaktereigenschaften umgenannt (Saulus, Moses, Abram, Noomi, …). Das erklärt

auch warum die Bedeutung eines Namens in der Bibel so oft auch auf den Charakter

zutraf. Jitra und Jeter sind also zwei Namen für ein und dieselbe Person.

Mal heißt es, dass Elhanan den Goliat tötete, dann wiederum, dass er Goliats

Bruder Lachmi tötete!

2. Samuel 21,19 „Und wieder kam es bei Gob zum Kampf mit den Philistern. Und

Elhanan, der Sohn des Jaare-Oregim, der Bethlehemiter, erschlug Goliat, den

Gatiter; und der Schaft seines Speeres war wie ein Weberbaum.“

1. Chronik 20,5 „Und wieder gab es einen Kampf mit den Philistern. Und Elhanan,

der Sohn Jairs, erschlug Lachmi, den Bruder Goliats, den Gatiter; und der Schaft

seines Speeres war wie ein Weberbaum.“

Jedes Kind kennt die Geschichte von David, der den riesigen Goliat tötete.

Wesentlich unbekannter ist dagegen die Heldentat des Elhanan, der später den

leiblichen Bruder Goliats tötete, der ebenfalls ein Riese war. Zur Verwirrung

kommt es, weil Lachmi aufgrund seiner Ähnlichkeit zu seinem Bruder ebenfalls von

manchen Goliat genannt wurde. Sehr wahrscheinlich vor allem von den Israeliten,

die eine Art Déjà-vu erlebt haben müssen. Vielleicht hat er sich aber auch

selbst so nennen lassen, um seinen toten Bruder Goliat zu ehren. Elhanan tötete

also den Lachmi, der auch Goliat genannt wurde.

Die Anzahl der Opfer, die Joschobam alleine erschlug, variieren!

2. Samuel 23,8 „Joscheb-Baschebet, der Tachkemoniter, das Haupt der Drei; er

schwang seinen Speer über achthundert Mann, die er auf einmal erschlagen hatte.“

1 Chronik 11,11 „Joschobam, der Sohn Hachmonis, das Haupt der Drei, er schwang

seinen Speer über dreihundert Mann, die er auf einmal erschlagen hatte.“

Falls Joschobam und Joscheb-Baschebet dieselbe Person ist, stellt sich hier die

Frage warum er laut 2. Samuel 800 Leute auf einmal erschlug, während die Stelle

73 von 191
Widerspruch zwecklos?

aus 1. Chronik von 300 Leuten spricht. Viele sprechen hier von einem kleinen

Zahlendreher, der beim Abschreiben entstanden ist und die Genauigkeit der

Abschriften in Frage stellt. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass Joschobam

mehrmals alleine gegen viele Feinde kämpfte und deshalb die zwei Textstellen von

verschiedenen Ereignissen schreiben. Der Sieg über die 300 kann ihn beflügelt

haben, diese Aktion zu wiederholen. Hätte man den biblischen Text ändern wollen,

so hätte man sicherlich diese Zahl hier angepasst, aber das uns beide Stellen

weiterhin von unterschiedlichen Opferzahlen berichten, spricht gegen eine

Willkür beim Abschreiben des Urtextes.

Davids Volkszählung wurde von Gott gerichtet, während Salomos Zählung toleriert

wurde!

2. Samuel 24,1 „Und wieder entbrannte der Zorn des HERRN gegen Israel. Und er

reizte David gegen sie auf zu sagen: Geh hin, zähle Israel und Juda!“

2. Chronik 2,16 „Und Salomo zählte alle Fremden, die im Land Israel waren, nach

der Zählung, die schon sein Vater David unter ihnen vorgenommen hatte; und es

fanden sich 153 600.“

1. Chronik 21,2.7 „Und David sagte zu Joab und zu den den Obersten des Volkes:

Geht hin, zählt Israel […] Und diese Sache war böse in den Augen Gottes, und er

schlug Israel.“

Während David die Konsequenzen seiner Volkszählung zu spüren bekam, wird Salomos

Zählung ohne Kommentar hingenommen. Der große Unterschied dieser beiden

Zählungen wird allerdings schon bei einer oberflächlichen Betrachtung deutlich.

Salomo zählte Anhand der Listen seines Vaters die Ausländer im Land, während

David alle Israeliten, in allen Gebieten zählen ließ. Auch die Motive waren

grundverschieden. Salomo musste diese Zählung zur Kalkulation des Tempelbaus

ausführen. Er baute diesen Tempel zur Verherrlichung Gottes inmitten seines

Volkes. David hingegen ließ die Israeliter zählen, um zu wissen wie viel Macht

er besitzt und wie groß sein Königreich ist. Trotz Warnung ließ er in einem

74 von 191
Widerspruch zwecklos?

Anfall von Hochmut sein Volk zählen und bekam das Gericht Gottes zu spüren (1.

Chronik 21,14). Gott beurteilt unsere Handlungen nicht in Kategorien, sondern

anhand unserer Motive im Zusammenwirken mit seinen Geboten. Die Benutzung eines

Messers beispielsweise kann einerseits ein wunderbares Essen hervorbringen,

andererseits kann man auch einen Menschen damit verletzen. Es stellt sich also

die Frage, wozu man bestimmte, an sich neutrale Dinge, einsetzt und mit welchen

Motiven. Das laut 2. Samuel 24,1 Gott den David reizte und in 1. Chronik 21,1

von Satan die Rede ist, lässt sich leicht damit erklären, dass der Satan für

solche Ereignisse die Erlaubnis Gottes einholen muss (Hiob 1,12). Satan reizte

ihn folglich mit der Erlaubnis Gottes, was sowohl 2. Samuel 24,1 als auch 1.

Chronik 21,2 erklärt.

Die Anzahl der Soldaten variiert!

2. Samuel 24,9 „Und zwar gab es in Israel 800 000 Wehrfähige, die das Schwert

zogen, und die Männer von Juda waren 500 000 Mann.“

1. Chronik 21,5 „Und zwar gab es in Israel 1 100 000 Mann, die das Schwer zogen,

und in Juda 470 000 Mann, die das Schwer zogen.“

Die Zahlen unterscheiden sich an dieser Stelle, da jeweils von unterschiedlichen

Angaben die Rede ist. Zwar gab es 1.100.000 Männer, die das Schwert zogen, aber

nur 800.000 Wehrfähige, die auch ausgebildet waren bzw. Kriegserfahrung

gesammelt hatten. Die zweite Angabe bezieht sich auf 500.000 Männer von Juda,

von denen 470.000 das Schwert zogen. Die unterschiedlichen hebräischen Wörter,

verlangen an dieser Stelle eine differenzierte Betrachtung.

David behauptete sündlos zu sein!

2. Samuel 24,10 „Und David sagte zum HERRN: Ich habe sehr gesündigt mit dem, was

ich getan habe.“

2. Samuel 22,21 „Der HERR handelte an mir nach meiner Gerechtigkeit, nach der

Reinheit meiner Hände vergalt er mir.“

75 von 191
Widerspruch zwecklos?

1. Könige 3,14 „… indem du meine Ordnungen und meine Gebote bewahrst, so, wie

dein Vater David auf ihnen gegangen ist, …“

1. Könige 9,4 „Und wenn du vor mir lebst, ebenso wie dein Vater David gelebt hat

in Lauterkeit des Herzens und in Aufrichtigkeit, …“

Jeder Mensch ist ein Sünder (Römer 3,23 und 1. Könige 8,46). Auch David war ein

Mensch der in seinem Leben einige Fehler beging und sich an Gott und seinen

Mitmenschen versündigte. Dennoch war David auch gehorsam indem er versuchte nach

Gottes Maßstäben zu leben. Er glaubte Gott und das wurde ihm zur Gerechtigkeit

angerechnet (Hebräer 11,7). Auch heute gilt: Der echte Glaube führt zur

Vergebung der Schuld und stellt uns vor Gott als Gerechte dar. Obwohl David also

ein Sünder war, der gerecht gesprochen wurde, verhielt er sich dennoch in

einigen Bereichen auch sehr vorbildlich. Dass er beispielsweise seine Unschuld

gegenüber seinen Feinden in den Psalmen beteuert, entspricht der Wahrheit. David

spricht in solchen Fällen nur von Teilgebieten seines Lebens, in denen er sich

nicht versündigt hat (z.B. Psalm 35,7).

Die Jahresangabe über die mögliche Hungersnot variiert!

2. Samuel 24,13 „Sollen dir sieben Jahre Hungersnot in dein Land kommen? Oder

willst du drei Monate vor deinen Bedrängern fliehen, während sie dir nachjagen?

Oder soll drei Tage lang Pest in deinem Land sein?“

1. Chronik 21,11f „… entweder drei Jahre Hungersnot oder drei Monate lang

Niederlage vor deinen Bedrängern, wobei das Schwert deiner Feinde dich einholt,

oder drei Tage das Schwert des HERRN und Pest im Land, …“

Als der Prophet Gad zu David kam, ließ Gott David selbst die Strafe für seine

Volkszählung wählen. Er konnte zwischen 3 Jahren Hungersnot, 3 Monaten

Niederlage oder 3 Tagen Pest entscheiden. In den beiden Textstellen sind die

Aussagen des Gad jeweils identisch, außer dass in 2. Samuel 24,13 plötzlich von

sieben Jahren Hungersnot die Rede ist. Nur erfahrene Bibelleser werden eine

76 von 191
Widerspruch zwecklos?

plausible Antwort auf diesen scheinbaren Widerspruch wissen, da die Antwort in

den Kapiteln zuvor versteckt ist. In 2. Samuel 21,1 lesen wir, dass zum

damaligen Zeitpunkt bereits seit 3 Jahren eine Hungersnot im Land herrschte. Als

Gad später zu David kommt, wären 3 weitere Jahre Hungernot eine mögliche Strafe,

sodass es insgesamt 7 Jahre Hungersnot gewesen wären. Das vierte Jahr war

bereits angebrochen und wurde nach israelischer Zählweise mitgerechnet.

Der Kaufpreis für die Tenne Ornans unterscheidet sich!

2. Samuel 24,24 „So kaufte David die Tenne und die Rinder für fünfzig Schekel

Silber.“

1. Chronik 21,25 „Und David gab Ornan für den Platz Gold im Gewicht von

sechshundert Schekeln.“

Für die Tenne und die Rinder bezahlte David 50 Sekel Silber. Für das Land

drumherum bezahlte er 600 Sekel Gold. Die Unterscheidung von Tenne (hebr. goren)

und Platz (hebr. makom) ist zwingend erforderlich und löst jeden vermeintlichen

Widerspruch auf.

1. Könige

Die Anzahl der Pferde Salomos unterscheidet sich!

1. Könige 4,26 (5,6) „Und Salomo hatte 40 000 Stallplätze für die Pferde seiner

Streitwagen und 12 000 Reiter.“16

2. Chronik 9,25 „Und Salomo hatte viertausend Stallplätze für Pferde und

Streitwagen und 12 000 Pferde.

Während in mancher Bibel die beiden Stellen in Einklang gebracht wurden und

deshalb auch in 1. Könige 4,26 (in einigen Übersetzungen 1. Könige 5,6) von

viertausend Stallplätzen zu lesen ist, muss man fairerweise die Anzahl bei 40

16 Schlachter 2000 Übersetzung


77 von 191
Widerspruch zwecklos?

000 Stallplätzen belassen. Viele halten an dieser Stelle einen Kopierfehler für

möglich, wobei es aber eine weitaus bessere Erklärung für die unterschiedlichen

Zahlenangaben gibt. 1. Könige 4,26 spricht von 40.000 Stallplätzen für die

Pferde seiner Streitwagen. 2. Chronik 9,25 erwähnt 4000 Stände für Rosse und

Wagen. Während Salomo wohl 4000 Stände (Pferdeställe) besaß, waren diese mit

40.000 Pferden belegt. Pro Stall wären demnach 10 Pferde einquartiert gewesen.

Alternativ könnte man auch 40.000 Stellplätze in 4000 Ställen lesen.17 Da das

hebräische Wort sich in beiden Bibelstellen um den Buchstaben „Jod“

unterscheidet, ist eine solche Auslegung sehr wahrscheinlich, da dieser zehnte

Buchstabe des hebräischen Alphabets gleichzeitig auch den Zahlenwert von 10

beinhaltet.18 Dementsprechend handelt es sich um keinen Kopierfehler im Urtext,

sondern um eine Übersetzungsungenauigkeit.

Die Abstammung des Heman variiert!

1. Könige 5,11 „… und Heman und Kalkol und Darda, die Söhne Mahols.“

1. Chronik 2,6 „Und die Söhne Serachs: Simri und Etan und Heman und Kalkol und

Darda; sie alle waren fünf.“

1. Chronik 6,18 „Von den Söhnen der Kehatiter: Heman, der Sänger, der Sohn

Joels, des Sohnes Samuels.“

Während 1. Könige 5,11 davon spricht, dass Heman der Sohn Machols ist, betitelt

1. Chronik 2,6 ihn als Sohn Serachs. 1. Chronik 6,18 spricht außerdem von Heman,

dem Sohn Joels. Ähnlich wie bei anderen Unstimmigkeiten in Geschlechterfolgen,

muss auch hier berücksichtigt werden, dass das hebräische Wort für Sohn (ben)

genauso auch für Nachkomme oder Enkel stehen kann. Des Weiteren kann Serach auch

die selbe Person wie Machol sein, da es in der Bibel häufig vorkommt, dass eine

Person unterschiedlich genannt wird. 1. Chronik 6,18 muss unter den gleichen

17 http://biblehub.com/1_kings/4-26.htm
18 https://de.wikipedia.org/wiki/Jod_(Hebräisch), 2015.
78 von 191
Widerspruch zwecklos?

Aspekten betrachtet werden, wobei es sich dort wahrscheinlich einfach um eine

andere Person mit dem Namen Heman handelt.

Die Anzahl der Aufseher beim Tempelbau unterscheidet sich!

1. Könige 5,30 „… abgesehen von den Obersten der Vögte Salomos, die über die

Arbeit eingesetzt waren, 3 300, die das Volk beaufsichtigten, das mit der Arbeit

beschäftigt war.“

2. Chronik 2,17 „Und er machte von ihnen 70 000 zu Lastträgern und 80 000 zu

Steinhauern im Gebirge und 3 600 zu Aufsehern, um das Volk zur Arbeit

anzuhalten.“

2. Chronik 8,10 „Und das sind die Obersten der Vögte, die der König Salomo

hatte: 250, die über das Volk herrschten.“

1. Könige 9,23 „Dies sind die Obersten der Vögte, die über die Bauarbeiten

Salomos gesetzt waren: 550, die über das Volk herrschten, das mit der Arbeit

beschäftigt war.“

William MacDonald schreibt diesbezüglich: „Wie viele Oberaufseher gab es beim

Tempelbau? 3.600 (2,17) oder 3.300 (1. Könige 5,30)? Um das zu klären, sind noch

zwei weitere Stellen zu beachten. 2Chr 8,10 sagt, Salomo habe 250 Oberaufseher

gehabt, die über das Werk wachten. Addiert man diese Zahl zu den 3.600

Oberaufsehern (2,17), erhält man 3.850. 1Kö 9,23 beziffert die Oberaufseher

Salomos mit 550. Zu den 3.300 Oberaufsehern von 1Kö 5,30 addiert, erhält man

ebenfalls 3.850. Die Gesamtsumme der Oberaufseher ist also in beiden Büchern

gleich, nur das Verhältnis der beiden Gruppen ist unterschiedlich. In 1. Könige

wird ein anderer Ausdruck für >>Oberaufseher<< verwendet als in 2. Chronik.

Dabei könnte es sich einmal um Offizier oder politische Leiter, das andere Mal

um Aufseher über die Arbeitsvorgänge handeln.“19

Die Stammeszugehörigkeit von Hirams Mutter variiert!

19 Seite 457 AT Kommentar


79 von 191
Widerspruch zwecklos?

1. Könige 7,13f „Und der König Salomo sandte hin und ließ Hiram von Tyrus holen.

Der war der Sohn einer Witwe aus dem Stamm Naftali, sein Vater aber war ein

Tyrer, ein Bronzeschmied.

2. Chronik 2,13 „… den Sohn einer Frau von den Töchtern Dan. Und sein Vater war

ein Tyrer.“

Der Vater von Hiram war ein Tyrer, die Mutter hingegen kam aus Israel. 1. Könige

berichtet davon, dass sie aus dem Stamme Naftali kam, 2. Chronik spricht dagegen

vom Stamme Dan. Tatsächlich stimmen beide Aussagen, da Naftali damals unter das

Banner von Dan gehörte und zu diesem Stamm gerechnet wurde (4. Mose 2,25-31).

Ein Teil des Inhalts der Bundeslade wird dem Leser unterschlagen!

1. Könige 8,9 „Nichts war in der Lade als nur die beiden steinernen Tafeln, …“

2. Chronik 5,10 „Nichts war in der Lade als nur die beiden Tafeln, …“

Hebräer 9,4 „… das einen goldenen Räucheraltar und die überall mit Gold

überdeckte Lade des Bundes hatte, in welcher der goldene Krug, der das Manna

enthielt, und der Stab Aarons, der gesprosst hatte, und die Tafeln des Bundes

waren; …“

In Hebräer 9,4 erfahren wir, dass die Gesetzestafeln, der Krug mit Manna und der

Stab Aarons in der Bundeslade lagen. Bei der Tempeleinweihung wird betont, dass

die Bundeslade „nur“ die 2 Gesetzestafeln beinhaltet. Diese Tatsache schließt

allerdings nicht aus und deutet dagegen sogar an („nur die beiden Tafeln“), dass

dies nicht immer der Fall war. Der Stab Aarons und der Krug mit Manna wurden

entweder vorher entnommen oder nachher dazu gelegt.

Der Umfang des Wasserbeckens müsste eigentlich 31,4 Ellen lang sein!

1. Köinge 7,23-26 „… zehn Ellen von seinem einen Rand bis zu seinem anderen

Rand, ringsum rund und fünf Ellen seine Höhe; und eine Messschnur von dreißig

Ellen umspannte es ringsherum […] Seine Dicke war eine Handbreit und sein Rand

80 von 191
Widerspruch zwecklos?

wie der Rand eines Bechers gearbeitet, als Lilienblüte; es fasste zweitausend

Bat.“

2. Chronik 4,2-5 „… zehn Ellen von seinem einen Rand bis zu seinem anderen Rand,

ringsum rund, und fünf Ellen seine Höhe. Und eine Messschnur von dreißig Ellen

umspannte es ringsherum […] An Inhalt fasste es dreitausend Bat.“

Gibt es bei diesen beiden Bibelstellen mathematische Ungereimtheiten? Nein. Auch

wenn zur damaligen Zeit kaum Kenntnisse zur Berechnung von Kreisen vorlagen, hat

Gott bereits mit der Kreiszahl Pi gearbeitet. In 1. Könige 7,26 wird nämlich die

zusätzliche Information gegeben, dass das Becken einen Rand enthielt, der etwa

eine Handbreit (ca. 7,5cm) dick war. 2. Chronik 4,2 weist ausdrücklich darauf

hin, dass der Umfang von dem einen Rand zum anderen Rand gemessen wurde und 10

Ellen lang war. Der Rand muss also bei der Berechnung des Umfangs abgezogen

werden. Wenn man jetzt den Umfang anhand von diesen Daten mithilfe von Pi

errechnet kommt man genau auf die in Vers 2 genannten 30 Ellen Umfang (10 Ellen

à ca. 45 cm minus 2 Handbreit à ca. 7,5 cm multipliziert mit Pi = 1366 cm/45cm=

30 Ellen). Der Inhalt des Beckens variiert je nach Füllung zwischen 2000 (1.

Könige 7,26) und dem Maximalvolumen von 3000 Bat (2. Chronik 4,5), da das Becken

aus praktischen Gründen wohl niemals bis zum Rand gefüllt wurde.

Obwohl Gott sich als Licht identifiziert, hält er sich im Dunkel auf!

1. Könige 8,12 „Der HERR hat gesagt, dass er im Dunkel wohnen will.“

2. Chronik 6,1 „Der HERR hat gesagt, dass er im Dunkel wohnen will.“

Psalm 18,12 „Er machte Finsternis zu seinem Versteck, rings um sich her, …“

1. Timotheus 6,16 „… der allein Unsterblichkeit hat und ein unzugängliches Licht

bewohnt, …“

Gott selbst identifiziert sich mit dem Licht. In ihm ist keine Finsternis (1.

Johannes 1,5). Das Licht der Erde kam jedoch in die Dunkelheit der Welt

(Matthäus 4,16), wie es schon zuvor prophezeit wurde und das Licht des Lebens

81 von 191
Widerspruch zwecklos?

wurde letztendlich sogar am Kreuz kurzzeitig ausgelöscht. Jesus selbst war für 3

Tage tot und machte entsprechend Psalm 18,12 die Finsternis des Totenreiches zu

seinem Bergungsort. Der Psalm prophezeit in eindrücklicher Weise die

Auferstehung Jesu. Er verließ die Dunkelheit des Totenreiches, wurde auferweckt

und ist später in die Herrlichkeit des Vaters hinaufgestiegen. Die beiden

Stellen aus 1. Könige 8 und 2. Chronik 6 geben jeweils die Worte des Königs

Salomos wieder, als dieser den Tempel Gottes einweihte. Gott hatte aus

menschlicher Perspektive die unnahbare Dunkelheit verlassen und ist sichtbar für

die Menschen damals im Tempel eingezogen. Die von Salomo genannte Dunkelheit

meint also, dass für den Menschen die Anwesenheit Gottes zuvor verborgen und

dunkel blieb, weil sie ihn und sein Licht nicht sehen konnten.

Die Anzahl der Talente Gold, die aus Ofir geholt wurden, variiert!

1. Könige 9,27f „Und Hiram schickte auf der Flotte seine Knechte mit, seekundige

Schiffsleute, die mit den Knechten Salomos fuhren. Und sie gelangten nach Ofir

und holten dort Gold, 420 Talente, und brachten es zum König Salomo.“

2. Chronik 8,18 „Und Hiram schickte ihm durch seine Knechte Schiffe und

seekundige Knechte. Und sie gelangten mit den Knechten Salomos nach Ofir und

holten dort 450 Talente Gold und brachten es zum König Salomo.“

Tatsächlich handelt es sich bei diesen beiden Textstellen um eine große

Herausforderung für jeden Bibelleser. Während 1. Könige von 420 Talenten

spricht, erwähnt 2. Chronik sogar 450 Talente Gold. Manche vermuten hier einen

Zahlendreher, da die Verwechselung eines einzelnen Buchstabens schon den Wert

von 420 auf 450 verändern könnte. Eine bessere Erklärung ist, dass sie unterwegs

30 Talente für Zölle o.ä. ausgeben mussten. Auch die Möglichkeit, dass die Tour

insgesamt zweimal gefahren wurde, kann in Betracht gezogen werden. Sicherlich

kann man sich nicht auf eine Lösung mit Gewissheit fest legen, dennoch könnte

ein weiterer Gedanke die plausibelste Antwort auf das Problem sein:

82 von 191
Widerspruch zwecklos?

Während 1. Könige 9,27 nur von den seekundigen Knechten Hirams berichtet, die

auf die Schiffe Salomos stiegen, berichtet 2. Chronik 18,8 davon, dass Hiram

auch eine eigene Flotte (mehrere Schiffe) mit der Flotte Salomos schickte

(„Schiffe und seekundige Knechte“). Diese Unterscheidung gibt dem Leser die

Information, dass die Knechte Hirams sowohl auf den Schiffen Salomos, als auch

auf eigenen Schiffen mitfuhren. Die Schiffe Salomos holten demnach 420 Talente

und die Schiffe Hirams 450 Talente Gold in Ofir ab („Und sie gelangten mit den

Knechten Salomos nach Ofir und holten dort 450 Talente Gold und brachten es zum

König Salomo.“). In diesem Fall hätte Salomo insgesamt 870 Talente Gold aus Ofir

erhalten.

Die Angaben über Abijas Mutter Maacha stimmen nicht überein!

1. Könige 15,2 „Und der Name seiner Mutter war Maacha, die Tochter Abischaloms."

2. Chronik 13,2 „Und der Name seine Mutter war Michaja, die Tochter Uriels von

Gibea.“

Bei Maacha und Michaja handelt es sich wie so oft in der Bibel um dieselbe Frau,

obwohl zwei unterschiedliche aber ähnliche (Ruf-)Namen genannt werden. Auch

Noomi sagt z.B. im Buch Ruth, dass sie ab jetzt Mara genannt werden möchte. Dass

Michaja in 2. Chronik 13 Tochter Uriels genannt wird und in 1. Könige 15,1 als

Tochter Abischaloms (Absalom) betitelt wird, unterliegt lediglich der Tatsache,

dass das hebräische Wort für Tochter (bat) dasselbe ist wie für Enkeltochter

(bat). 1. Könige will demnach klarstellen, dass sie von König Absalom abstammt

und dessen Enkeltochter ist, womit Abija der Ur-Enkel von Absalom ist. Auch der

Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet, dass Uriel der Schwiegersohn von

Absalom war. In manchen Bibelübersetzungen wird sogar mittels Fußnote zum

besseren Verständnis darauf aufmerksam gemacht, dass Tochter und Enkeltochter,

sowie Mutter und Großmutter, etc. dieselben Wörter sind.

Das Verwandtschaftsverhältnis von Abija und Asa wirft Fragen auf!

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Widerspruch zwecklos?

1. Könige 15,8 „Und Abija legte sich zu seinen Vätern, und man begrub ihn in der

Stadt Davids. Und sein Sohn Asa wurde an seiner Stelle König.“

1. Könige 15,1-2 „Und im achtzehnten Jahr des Königs Jerobeam, des Sohnes

Nebats, wurde Abija König über Juda. Er regierte drei Jahre in Jerusalem. Und

der Name seiner Mutter war Maacha, die Tochter Abischaloms.“

1 Könige 15,9-10 „Und im zwanzigsten Jahr Jerobeams, des Königs von Israel,

wurde Asa König über Juda. Und er regierte 41 Jahre in Jersualem; und der Name

seiner Mutter war Maacha, die Tochter Abischaloms.“

Maaka war die Mutter von Abija und die Großmutter von Asa. Somit stimmt die

Aussage, dass Asa der Sohn Abijas war. Zu beachten gilt: Das hebräische Wort für

Mutter ist dasselbe wie für Großmutter, weshalb in einigen Bibelübersetzungen

auch mit einer Fußnote darauf hingewiesen wird.

Das Herz von König Asa war gar nicht ungeteilt!

1. Könige 15,14 „Die Höhen aber wichen nicht; doch war das Herz Asas ungeteilt

mit dem HERRN alle seine Tage.“

2. Chronik 15,17 „Die Höhen aber wichen nicht aus Israel; doch war das Herz Asas

ungeteilt all seine Tage.“

2. Chronik 16,12 „… aber auch in seiner Krankheit suchte er (Asa) nicht den

HERRN, sondern die Ärzte.“

Gott sagt über das Leben von König Asa, dass sein Herz ungeteilt war (2. Chr.

15,17). Wenn wir die Geschichte Asas betrachten, fallen uns jedoch zahlreiche

Fehltritte auf (2. Chronik 16,7-12). Wie kann nun dies mit Gottes Fazit

übereinstimmen? Das Leben und die Regierungszeit des Königs Asa fing

vielversprechend an, endete aber traurig. Asa glaubte an Gott und folgte ihm

auch nach. Am Ende seiner Tage wirkte er aber zunehmend verbittert und sein

Gottvertrauen bröckelte langsam ab. Gott betrachtet das Leben Asas allerdings

aus der Gesamtperspektive (2. Chronik 16,9) und verurteilt den Menschen niemals

84 von 191
Widerspruch zwecklos?

einzig nach seinen schlechten Phasen. Asa suchte Gott in seinen frühen Tagen

(Prediger 12,1) und Gott vergab ihm damals seine Schuld (inklusive zukünftiger

Verfehlungen). Auch heute gilt: Wer ehrlich und aufrichtig seine Schuld vor Gott

bekannt hat und diese durch Jesus Christus vergeben bekommen hat, bleibt für

immer in einer Beziehung mit Gott. Die begonnene Beziehung kann selbst durch

eigenes Fehlverhalten nicht mehr genommen werden (Römer 8,39). Sünde im Leben

eines Christen hat allerdings andere Konsequenzen. Durch Ungehorsam kann die

Beziehung zu Gott gestört werden, weshalb Gott auch nach der Bekehrung und der

damit verbundenen Schuldvergebung immer wieder zur Buße aufruft. Zusammengefasst

kann man also sagen, dass ähnlich wie in einer Ehe die Beziehung oder Heirat

zwar immer gültig bleibt, es dennoch aber deutliche Unterschiede in der Qualität

einer solchen Beziehung gibt. Das Herz Asas war ungeteilt und rein, weil seine

Schuld vergeben war, die Beziehung zu Gott am Ende seines Lebens aber längst

nicht mehr vorbildlich. Das ungeteilte Herz Asas bezieht sich wahrscheinlich

zudem auf die Ausrottung des Götzendienstes und das Asa als einer von nur

wenigen Königen, keinen fremden Göttern sein Herz öffnete. Es spricht nicht von

absoluter Unfehlbarkeit.

Die Höhen verschwanden in der Regierungszeit Asas nicht!

1. Könige 15,14 „Die Höhen aber wichen nicht; doch war das Herz Asas ungeteilt

mit dem HERRN alle seine Tage.“

2. Chronik 14,2.4 „Und er beseitigte die fremden Altäre und die Höhen und

zerschlug die Gedenksteine und hieb die Ascherim um […] Und er beseitigte aus

allen Städten Judas die Höhen und die Räucheraltäre.“

2 Chronik 15,17 „Die Höhen aber wichen nicht aus Israel; doch war das Herz Asas

ungeteilt all seine Tage.“

Auf den Höhen im Land Kanaan wurde schon lange vor der Ansiedlung Israels

fremden Götzen geopfert (4. Mose 33,42). In 1. Könige 3,2 erfahren wir dass

diese Höhen nachher auch benutzt wurden um Gott zu opfern, da es noch keinen

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Widerspruch zwecklos?

Tempel gab, obwohl dies nicht dem Willen Gottes entsprach (V.3b). Der König

Salomo opferte Gott auf diesen Höhen, später stellte er dann die Höhen aber auch

seinen ausländischen Frauen zur Verfügung, um deren Götzen dort zu opfern. Dies

entsprach natürlich ebenfalls nicht der Absicht Gottes. Auf die Frage, ob Asa

die Höhen komplett entfernte als er in Israel aufräumte, gibt es eine einfache

Antwort: Er entfernte die Höhen der fremden Götter vollständig (2. Chronik

14,2), die Höhen um Gott anzubeten ließ er aber stehen (1. Könige 15,14).

Die Zeitangaben über Baschas Tod stimmen nicht überein!

1. Könige 16,6.8 „Und Bascha legte legte sich zu seinen Vätern und wurde in

Tirza begraben. Und sein Sohn Ela wurde an seiner Stelle König […] Im 26. Jahr

Asas, des Königs von Juda, wurde Ela, der Sohn Baschas König über Israel in

Tirza und regierte zwei Jahre.“

2. Chronik 16,1 „Im 36. Jahr der Regierung Asas zog Bascha, der König von

Israel, gegen Juda herauf und baute Rama aus, …“

Das Bascha (o. Baesa) 10 Jahre nach seinem eigenen Tod gegen Juda heraufzieht

ist natürlich unmöglich. Während 2. Chronik 16,1 jedoch von Bascha im 36. Jahr

des Reiches von König Asa spricht, erwähnt 1. Könige 16,6 dass Bascha im 26.

Jahr Asas bereits tot war. Die Lösung für dieses Problem lässt sich erst auf den

zweiten Blick erkennen. Beide Textstellen reden von unterschiedlichen

Regierungszeiten. Das Wort für "regieren" in 1. Könige 16 ist das hebräische

Wort „malak“, und es bezieht sich auf die Handlung des Regierens. Das Wort für

Herrschaft in 2. Chronik 16 dagegen ist das hebräische Wort „malchooth“, was

eigentlich „Reich“ oder „Herrschaft" bedeutet. Die Textstelle aus 2. Chronik 16

spricht also von der gesamten Zeit seitdem das Südreich unter Rehabeam ins Leben

gerufen wurde, während 1. Könige 16 nur von der Regierung Asas innerhalb dieses

Reiches spricht. Da die Zeitangaben mithilfe dieser Betrachtung exakt

übereinstimmen, ist dies wohl die sinnvollste Erklärung.

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Widerspruch zwecklos?

2. Könige

Die Todesursache des Königs Ahasja unterscheidet sich!

2. Könige 1,16 „… darum wirst du von dem Bett, das du bestiegen hast, nicht

herunterkommen; sondern du musst sterben!“

2. Könige 9,27 „Und man verwundete ihn auf dem Wagen beim Anstieg von Gur, das

bei Jibleam liegt. Und er floh nach Megiddo und starb dort.“

Das verwirrende an dieser Stelle ist, dass Israel in zwei Reiche aufgeteilt

worden ist. Während zu dieser Zeit im Süden Joram König war, regierte im

Nordreich Ahasja. Aus nicht überlieferten Gründen nannten sie ihre Kinder

jeweils nach dem anderen König, weshalb der Thronfolger von Joram Ahasja und der

Thronfolger von Ahasja Joram hieß. Es handelt sich also um 2 verschiedene Könige

in 2 verschiedenen Reichen, mit demselben Namen.

Das Alter von Ahasja zu Beginn seiner Regierung ist widersprüchlich!

2. Könige 8,26 „Ahasja war 22 Jahre alt, als er König wurde …“

2. Chronik 22,2 „22 Jahre (bzw. 42 Jahre) war Ahasja alt, als er König wurde, …“

Ahasja war 22 Jahre alt als er König wurde. Im zweiten Buch Chroniken finden wir

je nach Übersetzung eine Angabe von 42 Jahren. Die Schlachter 2000 übersetzt

„nach 42 Jahren“ und deutet an, dass sich die 42 Jahre gar nicht auf das

Lebensalter von Ahasja beziehen müssen, sondern auf eine Zeitperiode die

verstrichen ist. Die Dynastie Omris (Großvater von Ahasja) begann 929 v.Chr. und

die Herrschaft von Ahasja genau 42 Jahre später im Jahr 887 v. Chr.. Ahasja war

887 v.Chr. 22 Jahre alt.20

Jehu war nicht der Sohn, sondern der Enkel von Nimschi!

20 „Roger Liebi“, Chronologie des AT, 05.2006


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Widerspruch zwecklos?

2.Könige 9,2 „… dann sieh dich dort nach Jehu um, dem Sohn des Joschafat, des

Sohnes Nimschis; …“

1. Könige 19,16 „Und Jehu, den Sohn des Nimschi, sollst du zum König über Israel

salben; …“

Das hebräische Wort für Sohn (ben) bedeutet ebenso auch Nachfahre oder Enkel.

Jehu war demnach der Enkel von Nilschi und der Sohn von Joschafat.

Jotam regierte nur sechzehn statt zwanzig Jahre!

2. Könige 15,30 „Und er wurde an seiner Stelle König im zwanzigsten Jahr Jotams,

des Sohnes Usijas.“

2. Könige 15,33 „Er war 25 Jahre alt, als er König wurde, und er regierte

sechzehn Jahre in Jerusalem; …“

Während Vers 30 vom „zwanzigsten Jahr“ des König Jotam spricht, erfahren wir in

Vers 33, dass er nur sechzehn Jahre regierte. An dieser Stelle fehlt es dem

Leser häufig an den nötigem Hintergrundwissen. Jotam regierte vier Jahre

zusammen mit seinem Vater Usija, da dieser wegen seinem Aussatz stark

eingeschränkt war (2. Könige 15,5).

Die Angaben über das Alter von Jojachin variieren zwischen 8 und 18 Jahren!

2. Könige 24,8 „Achtzehn Jahre war Jojachin alt, als er König wurde, …“

2. Chronik 36,9 „Es war nach 8 Jahren, daß Jojachin König wurde, …“21

Die Zeitangaben über die Thronersteigungen der Könige sind oft sehr schwierig zu

analysieren. Während einige die Altersangabe aus 2. Chronik 36,9 mit 18 Jahren

übersetzen, ist im masoretischem Grundtext (z.B. Schlachter 2000) von 8 Jahren

die Rede. Da der König kurz nach der Thronersteigung schon Frauen hatte (2.

Könige 24,15), müssen wir davon ausgehen, dass Jojachin tatsächlich 18 Jahre alt

21 Schlachter 2000 Übersetzung


88 von 191
Widerspruch zwecklos?

war. Wie kann man nun beide Stellen in Einklang miteinander bringen? In einigen

Fällen ist es wichtig zu wissen, dass manche Königssöhne bereits schon vorher

mit ihrem Vater zusammen regierten (angelernt wurden) und erst mit dem Tod des

Vaters offiziell auch die Krone erhielten. In solchen Fällen gibt es

unterschiedliche Angaben über den Beginn der Regierung. In 2. Chronik 36,9 heißt

es wörtlich, dass Jojachin „nach 8 Jahren“ König wurde. Die 8 Jahre beziehen

sich demnach gar nicht auf das Alter des Königs, sondern auf eine Zeitspanne.

Während einige Ausleger hier eine achtjährige Mitregentschaft sehen, könnten

sich die 8 Jahre aber auch auf die Zeitspanne seit der Gefangenschaft durch die

Babylonier beziehen.

Das Datum der Tempelzerstörung unterscheidet sich!

2. Könige 25,8-9 „Und im fünften Monat, am Siebten des Monats, das war das

neunzehnte Jahr des Königs Nebukadnezar, […] Und er verbrannte das Haus des

HERRN und das Haus des Königs; und alle Häuser Jerusalems …“

Jeremia 52,12-13 „Und im fünften Monat, am Zehnten des Monats - das war das

neunzehnte Jahr des Königs Nebukadnezar […] Und er verbrannte das Haus des HERRN

und das Haus des Königs ; und alle Häuser Jerusalems …“

2. Könige nennt den siebten Tag des fünften Monats als Zeitpunkt für die Ankunft

Nebusaradans in Jerusalem, während Jeremia vom zehnten Tag des fünften Monats

spricht. Beide Textstellen sprechen vom 19. Regierungsjahr des babylonischen

Königs Nebukadnezar. Wir wissen, dass Jeremia in Ägypten gestorben ist und die

meiste Zeit seines Lebens im Südreich von Israel lebte. Obwohl wir den Verfasser

von 2. Könige nicht kennen, endet das Buch mit der Information, dass der

babylonische König Ewil-Merodak den jüdischen König Jojakin aus dem Gefängnis in

Babel holte und ihn am babylonischen Hof leben ließ. Es liegt nahe, dass das 2.

Buch Könige in Babel fertiggestellt wurde. In Babylon hat man mit einer anderen

Zeitrechnung gerechnet als in Israel. Nach hebräischer Zeitrechnung begann das

Jahr im Herbst. Trat ein neuer König die Herrschaft vor dem Herbst an, so wurde

89 von 191
Widerspruch zwecklos?

das noch laufende Jahr als „Thronbesteigungsjahr“ mit den anschließenden

Regierungsjahren mitgezählt. Nach der babylonischen Zeitrechnung wird das noch

laufende Jahr nicht mitgezählt. Diese These wird durch die unterschiedliche

Zeitangabe aus Daniel 1,1 und Jeremia 25,1 unterstützt, denn auch Daniel hatte

seine 12 Kapitel in Babylon niedergeschrieben.

Das Kapitell und die Säulen aus Kupfer sind je nach Textstelle unterschiedlich

groß!

2. Könige 25,17 „Achtzehn Ellen war die Höhe der einen Säule, und ein Kapitell

aus Bronze war darauf, und die Höhe des Kapitells betrug 3 Ellen, …“

1. Könige 7,15f „… achtzehn Ellen Betrug die Höhe der einen Säule […] fünf Ellen

die Höhe des einen Kapitells und fünf Ellen die Höhe des anderen Kapitells.“

2. Chronik 3,15 „Und er machte vor dem Haus zwei Säulen. 35 Ellen war die Länge;

und das Kapitell, das oben auf ihr war, maß fünf Ellen.“

Jeremia 52,21f „Achtzehn Ellen war die Höhe der einen Säule […] und die Höhe des

einen Kapitells betrug fünf Ellen.“

Am Tempeleingang standen 2 Säulen mit Namen Boas und Jachin. Die Höhe der Säulen

maß jeweils 18 Ellen. Die Säulen enthielten am oberen Ende ein Kapitell aus

Kupfer, welches 5 Ellen hoch war. In 2. Chronik 3,15 wird die Länge von beiden

Säulen zusammen mit 35 Ellen angegeben. Während diese Stelle von der Länge

(hebr. „orek“) der Säulen spricht, geben die anderen Textstellen Informationen

über die Höhe (hebr. koma). Wenn man den Sockel der Säulen mit etwa einer halben

Elle dazurechnet, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Säulen jeweils 17,5 Ellen

lang waren und jeweils inklusive Sockel 18 Ellen hoch. Das Kapitell aus Kupfer

wird jeweils mit einer Höhe von 5 Ellen angegeben. Warum in 2. Könige 25,17 nur

noch von 3 Ellen die Rede ist, erschließt sich aus dem Kontext, da die Säulen

von den Chaldäern bei der Zerstörung des Tempels zuvor in Einzelteile

zerschlagen wurden (V.13).

90 von 191
Widerspruch zwecklos?

Die Anzahl der Männer, die Nebusaradan mitnahm, unterscheidet sich!

2. Könige 25,18f „Und der Oberste der Leibwache nahm den Oberpriester Seraja und

Zefanja, den zweiten Priester, und die drei, die an der Schwelle Wache hielten;

und aus der Stadt nahm er einen Hofbeamten, der über die Kriegsleute eingesetzt

war, und fünf Männer von denen, die ständig um den König waren, die sich in der

Stadt fanden, und den Schreiber des Heerobersten, der das Volk zum des Landes

zum Heeresdienst aushob, und sechzig Mann vom Volk des Landes, die sich in der

Stadt fanden.“

Jeremia 52,24f „Und der Oberste der Leibwache nahm den Oberpriester Seraja und

Zefanja, den zweiten Priester, und die drei Hüter der Schwelle. Und aus der

Stadt nahm er einen Hofbeamten, der über die Kriegsleute eingesetzt war, und

sieben Männer von denen, die ständig um den König waren, die sich in der Stadt

fanden, und den Schreiber des Heerobersten, der das Volk des Landes zum

Heeresdienst aushob, und sechzig Mann vom Volk des Landes, die sich in der Stadt

fanden.“

Wir finden in beiden Textstellen eine übereinstimmende Aufzählung der Menschen,

die Nebusaradan mit nach Ribla nahm. Der einzige Unterschied betrifft die Anzahl

der Leute, die ständig um den König herum waren. Während 2. Könige 25 von 5

Männern spricht, berichtet Jeremia von 7 Männern. Es gibt an dieser Stelle

verschiedene Erklärungsmöglichkeiten, wovon die Folgende wohl am ehesten

zutrifft: Der Ausdruck „Männer die ständig um den König waren“, meint Männer von

hohem Rang, die als Ratgeber des Königs fungierten. Der separat aufgelistete

Hofbeamte, der über die Kriegsleute eingesetzt war und der ebenfalls

aufgelistete Sekretär des Heerobersten zählten sicherlich auch zu den Menschen

die einen Hohen Rang innehatten und sich in der Nähe des Königs aufhielten. Sie

konnten demzufolge zu den Fünfen dazugezählt werden, so dass es insgesamt 7

Männer aus dem Umfeld des Königs waren. Dass Gott sie in der Auflistung jedoch

zusätzlich einzeln erwähnt, hatte einen besonderen Grund. Die Verteidigung der

Stadt war von Gott zuvor ausdrücklich verboten worden (Jeremia 39). Die

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Widerspruch zwecklos?

Hinrichtung der Verantwortlichen über das Heer, welche die Verteidigung der

Stadt beaufsichtigten, findet bei Gott eine explizite Erwähnung. Die

„Verteidigungsminister“ hatten sich in besonderem Sinne Gott gegenüber schuldig

gemacht. Es gilt also festzuhalten, dass die Auflistung in Jeremia 52 wohl zwei

Männer doppelt zählt, da sie überschneidend verschiedenen Gruppen zugeordnet

werden können.

1. Chronik

Die biblischen Geschlechterfolgen unterscheiden sich bezüglich der Zeit von

König David bis zur Gefangenschaft!

1. Chronik 3,10-16 „Und der Sohn Salomos war Rehabeam; dessen Sohn Abija, dessen

Sohn Asa, dessen Sohn Joschafat, dessen Sohn Joram, dessen Sohn Ahasja, dessen

Sohn Joasch, dessen Sohn Amazja, dessen Sohn Asarja, dessen Sohn Jotam, dessen

Sohn Ahas, dessen Sohn Hiskia, dessen Sohn Manasse, dessen Sohn Amon, dessen

Sohn Josia. Und die Söhne Josias: Der Erstgeborene: Johanan; der zweite:

Jojakim; der dritte: Zedekia; der vierte: Schallum. Und die Söhne Jojakims: sein

Sohn Jechonja, dessen Sohn Zedekia.

Matthäus 1,6-11 „Isai aber zeugte David, den König, David aber zeugte Salomo von

der Frau des Uria, Salomo aber zeugte Rehabeam, Rehabeam aber zeugte Abija,

Abija aber zeugte Asa, Asa aber zeugte Joschafat, Joschafat aber zeugte Joram,

Joram aber zeugte Usija, Usija aber zeugte Jotam, Jotam aber zeugte Ahas, Ahas

aber zeugte Hiskia, Hiskia aber zeugte Manasse, Manasse aber zeugte Amon, Amon

aber zeugte Josia, Josia aber zeugte Jojachin und seine Brüder um die Zeit der

Wegführung nach Babylon.“

In der Aufzählung des Matthäus werden Ahasja, Joasch und Amazja nicht

aufgelistet. Asarja und Usija hingegen sind verschiedene Namen für denselben

König (2. Könige 15,1.32). Das griechische Wort „gennao“ (von „genos“ d.i.

„Geschlecht“) für zeugen, dass von Matthäus verwendet wird, kann auch mit

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Widerspruch zwecklos?

„Nachkommen machen“ übersetzt werden. In jedem Fall erlaubt dieses Verb, dass

man einzelne Nachkommen überspringen kann. Aus unbestimmten Gründen sollten die

drei Könige nicht im Stammbaum von Jesus Erwähnung finden.

Nicht alle Söhne Sauls wurden getötet!

1. Chronik 10,6 „So starben Saul und seine drei Söhne; und sein ganzes Haus

starb zugleich mit ihm.“

2. Samuel 2,8 „… nahm Isch-Boschet, den Sohn Sauls, und brachte ihn hinüber nach

Hahanajim.“

In 1. Chronik 10,6 ist ausdrücklich erwähnt, dass nur 3 Söhne Sauls starben. Da

wir von mindestens einem weiteren Sohn wissen (2. Samuel 2,8), können wir

schlussfolgern, dass dieser nicht getötet wurde. Der Ausdruck „und sein ganzes

Haus starb zugleich mit ihm“ meint hier, dass alle um Saul herum umgebracht

wurden, was durch 1. Samuel 31,6 bestätigt wird.

Saul fragte doch nach Gottes Hilfe!

1. Chronik 10,13f „So starb Saul wegen seiner Untreue […] und auch, weil er den

Totengeist befragt hatte, um Rat zu suchen; aber bei dem HERRN hatte er keinen

Rat gesucht.“

1. Samuel 28,6 „Und Saul befragte den HERRN; aber der HERR antwortete ihm nicht,

weder durch Träume noch durch die Urim, noch durch Propheten.“

Gott warf Saul vor, dass er Gott nicht gefragt hätte, sondern stattdessen zu

einer Totenbeschwörerin ging. In 1. Samuel 28,6 lesen wir jedoch, dass er nur zu

einer Totenbeschwörerin ging, weil Gott ihm nicht antwortete. Während im

Deutschen nicht unterschieden wird und an beiden Stellen von „befragen“ die Rede

ist, benutzt der hebräische Grundtext jedoch zwei verschiedene Wörter für Sauls

Suche. Das hebräische Wort „darash“ drückt eine wesentlich intensivere Suche

(Nachforschen) als „sha’al" aus. In 1. Samuel 28,6f heißt es sogar, dass Saul

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Widerspruch zwecklos?

Gott zwar zuvor befragte (sha’al), aber die Totenbeschwörerin anschließend

intensiv befragte (darash). Gottes Vorwurf in 1. Chronik 10,13 lautet, dass Saul

Gott nicht aufrichtig suchte (darash), sondern stattdessen nur oberflächlich

anfragte (sha’al), indem er ein Los warf oder passiv auf einen Traum wartete (1.

Samuel 28,6).

2. Chronik

Die Angaben über Usijas Vater widersprechen sich!

2. Chronik 26,1 „Und das ganze Volk von Juda nahm Usija - der war sechzehn Jahre

alt -, und sie machten ihn zum König anstelle seines Vaters Amazja.“

Matthäus 1,8 „… Joram aber zeugte Usija, …“

Der Vater von Usija hieß Amazja (2. Chronik 26,1). Der Stammbaum in Matthäus 1

lässt bewusst ein paar Könige aus. Das dort verwendete griechische Verb „gennao“

(zeugen) unterstützt diesen Gedanken, da es auch als „Nachkommen machen“

übersetzt werden darf.

Die Söhne Hermans heißen unterschiedlich!

2. Chronik 29,14 „… und von den Söhnen Heman: Jehiel und Schimi; …“

1. Chronik 25,4 „Von Heman die Söhne Hemans: Bukkija und Mattanja, Usiel,

Schubael und Jerimot, Hananja, Hanani, Eliata, Giddalti und Romamti-Eser,

Joschbekascha, Malloti, Hotir, Mahasiot.“

Auch an dieser Stelle muss man wieder beachten, dass das hebräische Wort für

Sohn (ben) auch Nachfahre, Enkel, etc. bedeutet. Wenn Jesus beispielsweise von

den Juden „Sohn Davids“ genannt wurde, spielte man damit auf seine Abstammung

an, da er ein Nachfahre und kein direkter Sohn des Königs David war. Mit diesem

Wissen lassen sich beide Textstellen ohne Probleme in Einklang miteinander

bringen.

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Widerspruch zwecklos?

Zedekia war nicht der Bruder, sondern der Onkel von Jojakin!

2. Chronik 36,10 „Und er machte seinen Bruder Zedekia zum König über Juda und

Jerusalem.“

2. Könige 24,17 „Und der König von Babel machte Mattanja, Jojachins Onkel an

seiner Stelle zum König und änderte seinen Namen in Zedekia.“

Zedekia war der Onkel von Jojakin (2. Könige 24,17). Der Ausdruck „Bruder“ muss

in 2. Chronik 36,10 als naher Verwandter verstanden werden. Das dieser Ausdruck

geläufig war, macht auch 1. Mose 14,14 deutlich, wo Abraham seinen Neffen Lot

„Bruder“ nennt.

Esra

Die Zahlenangaben von Esra und Nehemia widersprechen sich!

Esra 2 „… die Söhne Arach 775; die Söhne Pahat-Moab, von den Söhnen Jeschua und

Joab 2812; […] die Söhne Adonikam 666; …“

Nehemia 7 „… die Söhne Arach 652; die Söhne Pahat-Moab, von den Söhnen Jeschuas

und Joabs 2818; […] die Söhne Adonikam 667; …“

Diese beiden Kapitel sind nahezu identisch, dennoch sind einige aufgelistete

Zahlen unterschiedlich. Man kann demnach schnell zu der Schlussfolgerung kommen,

dass es sich um einen Widerspruch handeln muss. Doch bei genauer Betrachtung

enthält Nehemia Kapitel 7 eine zusätzliche Information in Vers 5, die bei Esra

nicht vorkommt: „Und ich fand das Geschlechtsverzeichnis derer, die zuerst

heraufgezogen waren und fand darin geschrieben: … .“ Während Esra die richtigen

Zahlenangaben macht, wird in Nehemia ein gefundenes Textmanuskript rezitiert,

dass bereits einige Jahre alt war und durchaus fehlerhaft sein kann. Ähnlich wie

in heutiger Zeit, darf man Zitate nicht anpassen, auch wenn diese

offensichtliche Fehler (Rechtschreibung, Zeichensetzung, falscher Inhalt, etc.)

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Widerspruch zwecklos?

enthalten. Obwohl es wohl für Nehemia oder spätere Abschreiber einfacher gewesen

wäre den Text anzupassen, haben sie es dabei belassen. Nehemia stellt keinen

Anspruch darauf hier unanfechtbare Angaben zu machen, sondern schreibt nieder,

was er in dem Manuskript gelesen hat, was er in Vers 5 auch ausreichend betont.

Bei genauer Betrachtung dieser Bibelstellen, finden sich starke Argumente für

die Unfehlbarkeit der Bibel anstatt dagegen. Das am Ende des Kapitels die

Gesamtsumme den vorher aufgezählten Söhnen nicht entspricht, liegt daran, dass

die Frauen und Kinder noch dazu addiert werden müssen, weil die gesamte

Versammlung gerechnet wurde (Esra 2,64).

Sacharja war nicht der Sohn, sondern der Enkel von Iddo!

Esra 5,1 „… und Sacharja, der Sohn Iddos, …“

Esra 6,14 „… und Sacharjas, des Sohnes Iddos.“

Sacharja 1,1 „… zum Propheten Sacharja, dem Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos …“

Das hebräische Wort für Sohn bedeutet ebenfalls Enkel oder Nachfahre. Sacharja

war also der Sohn (ben) von Berechja und der Enkel (ben) von Iddo.

Hiob

Nicht der Satan, sondern Gott schlug Hiob!

Hiob 2,7 „Und der Satan ging vom Angesicht des HERRN fort und schlug Hiob mit

bösen Geschwüren, …“

Hiob 42,11 „… und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der HERR über ihn

gebracht hatte.“

Obwohl laut Kapitel 2,7 der Satan den Hiob mit bösen Geschwüren schlug, sagt

Gott in Kapitel 42,11, dass er all das Unglück über Hiob kommen ließ. Beide

Verse stehen dabei jedoch nicht im Widerspruch zueinander. Wie wir in Kapitel 1

und 2 lesen können, muss der Satan sich erst die Erlaubnis von Gott abholen,

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Widerspruch zwecklos?

Hiob schlagen zu dürfen. Da Gott einwilligt, ist es gleichbedeutend damit, dass

Gott all das Unglück über ihn kommen lässt. Der Satan hat eine beschränkte

Macht, die ihm von Gott gewährt wird. Nichts auf der Welt passiert, ohne Gottes

Einverständnis.

Gott hat die Erde auf Säulen gestellt!

Hiob 9,6 „der aufstört die Erde von ihrer Stätte, dass ihre Säulen erzittern; …“

1. Samuel 2,8 „Denn dem HERRN gehören die Säulen der Erde, und auf sie hat er

den Erdkreis gestellt.“

Hiob 26,7 „Er spannt den Norden aus über der Leere, hängt die Erde auf über dem

Nichts.“

In Hiob 26,7 lesen wir, dass Gott die Erde über dem Nichts aufgegangen hat. Die

Bibel war der Wissenschaft in diesem Punkt mehrere Tausend Jahre voraus, was ein

weiteres Indiz für die Glaubwürdigkeit des Wortes Gottes ist. Wenn in Kapitel

9,6 von der gleichen Person (Hiob) von den Säulen der Erde gesprochen wird, muss

dies zwangsläufig poetisch verstanden werden. Vier Verse nachdem Hiob von der

Erde, die im Nichts aufgegangen ist spricht, redet er außerdem von den Säulen

des Himmels (26,11), was ein weiterer wichtiger Hinweis dafür ist, dass die

wankenden Säulen keine tatsächlichen steinernen Säulen sind, sondern ähnlich wie

in 1. Samuel 2,8 als rhetorisches Mittel dienen. Das hebräische Wort für Säule,

wird außerdem auch für die Feuer- und Wolkensäule während der Wüstenwanderung

benutzt, die ebenfalls keinen festen Aggregatzustand aufwiesen.

Psalmen

Gottes Zorn hält unterschiedlich lang an!

Psalm 30,6 „Denn einen Augenblick stehen wir in seinem Zorn, ein Leben lang in

seiner Gunst; …“

Jeremia 3,12 „Kehre um, Israel […] ich werde nicht für ewig grollen.“

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Widerspruch zwecklos?

4. Mose 32,13 „Und der Zorn des HERRN entbrannte gegen Israel, und er ließ sie

vierzig Jahre lang in der Wüste umherirren, …“

Jeremia 17,4 „Denn ihr habt ein Feuer angezündet in meinem Zorn, es wird ewig

brennen.“

Maleachi 1,4 „Das Volk (Edom), dass der HERR bis in Ewigkeit verwünscht hat.“

Einzelne Völker wurden aufgrund des Zornes Gottes für ewig zerstört (z.B. das

Volk Edom in Maleachi 1,4). Andere Völker wie z.B. die Juden werden nur temporär

auf der Erde von Gottes Zorn gestraft. Die Juden wurden z.B. für 70 Jahre in die

Gefangenschaft oder für 40 Jahre in die Wüste geschickt (4. Mose 32,13). Gottes

Zorn straft also die Menschen zu Lebzeiten auf unterschiedlichste Weise. Dem

einzelnen Menschen wird Gott bis in alle Ewigkeit zürnen, wenn dieser nicht zu

ihm umkehrt und seine Schuld bekennt und vergeben lässt. Wir sehen also, dass es

verschiedene Möglichkeiten gibt, wie Gottes Zorn auf Menschen oder Völker

eintreffen kann. Dauerhaft, zeitweise oder eben gar nicht mehr. Selbst über den

Sohn Gottes kam für kurze Zeit der Zorn Gottes (1. Johannes 4,10).

Die Vernichtung des Leviathans und des Seeungeheuers stehen noch aus, obwohl

Gott sie bereits geschlagen hat!

Psalm 74,13f „… hast zerschmettert die Häupter der Wasserungeheuer auf dem

Wasser. Du hast zerschlagen die Köpfe des Leviatans, …“

Jesaja 27,1 „An jenem Tag wird der HERR mit seinem harten, großen und starken

Schwert heimsuchen den Leviatan, die flüchtige Schlange, und den Leviatan, die

gewundene Schlange, und wird das Ungeheuer erschlagen, das im Meer ist.“

Sowohl in Psalm 74 als auch in Jesaja 27 sind der Leviatan und das

Meeresungeheuer jeweils Bilder für befeindete Nationen Israels. Der Psalm

spricht rückblickend vom Auszug aus Ägypten, als Gott die Streitmacht des

Pharaos in den Fluten umkommen ließ (V. 13). In Jesaja 27 ist die Rede von der

zukünftigen Bestrafung der Feinde Israels. Mit dem Leviatan, die flüchtige

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Widerspruch zwecklos?

Schlange, ist dort wahrscheinlich Assyrien gemeint, mit dem Leviatan, der

gewundenen Schlange, wohl Babel. Das Seeungeheuer ist wahrscheinlich wieder ein

Bild für Ägypten.22 Das Gott jeweils für die Feinde Israels dieses spezielle

Bild benutzt, liegt sicherlich an der Parallele, dass der Satan, der häufig in

der Bibel als Schlange oder Drache bezeichnet wird, hinter diesen feindlichen

Armeen steht. Da Gott manche Feinde bereits bestraft oder sogar vernichtet hat,

manches Gericht aber noch in der Zukunft liegt, kann man diese Bibelstellen

wunderbar in Einklang miteinander bringen. Auch der Satan ist bereits besiegt,

seine endgültige Bestrafung steht aber noch aus.

Nicht nur Gott kann große Wunder tun!

Psalm 136,4 „Den, der große Wunder tut, er allein.“

2. Thessalonicher 2,9 „… ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans

erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge …“

Gott allein kann große Wunder tun (Psalm 136,4). Die Macht des Satans, der in

zukünftiger Zeit durch Wunder und Zeichen seinen irdischen Diener bestätigen

wird (2. Thessalonicher 2,9), ist beschränkt und wird von Gott in gewissem Maße

toleriert. Die Werke Satans sind den großen Wundern Gottes aber zweifelsfrei

unterlegen. Das hebräische Wort (gadol) für „groß“, wird an anderer Stelle mit

„heftig“ (Jona 1,4) oder „Größte“ (1. Chronik 12,15) übersetzt. Der Psalmist

schließt demnach nicht aus, dass kleinere Wunder auch durch den Satan gewirkt

werden können.

Sprüche

Nicht jeder der Gott sucht, wird ihn finden!

Sprüche 1,28 „Dann rufen sich mich, doch ich antworte nicht, dann suchen sie

mich, doch sie finden mich nicht.“

22 „William MacDonald“, Kommentar zum Alten Testament, S. 947, 1992


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Widerspruch zwecklos?

Matthäus 7,8 „Denn jeder Bittende empfängt, und jeder Suchende findet, und dem

Anklopfenden wird geöffnet werden.“

Sprüche 8,17 „Ich liebe, die mich lieben; und die mich suchen, finden mich.“

Psalm 18,42 „Sie schrien - aber da war kein Retter - zum HERRN, doch er

antwortete ihnen nicht.“

Gott verspricht demjenigen, der ihn sucht, dass er ihn auch finden wird

(Matthäus 7,8). Wenn an anderer Stelle (Psalm 18,42) davon die Rede ist, dass

Menschen nach Gott rufen, aber keine Antwort erhalten, dann sollte man nicht

nach einem Widerspruch suchen, sondern die Herzenshaltung der Rufenden

überprüfen. Es gibt viele Menschen die in Notsituationen zu Gott rufen und

Heilung, Reichtum oder ähnliches von ihm verlangen. Von solchen wird Gott sich

nicht finden lassen (Sprüche 1,26-28). Wenn jedoch jemand ernsthaft nach der

Person Gottes fragt und ihn sucht, um Vergebung der Schuld zu erfahren, dann

wird Gott antworten, wie er es versprochen hat. Jeremia drückt dies wie folgt

aus: „Und sucht ihr mich, so werdet ihr mich finden, ja, fragt ihr mit eurem

ganzen Herzen nach mir, so werde ich mich von euch finden lassen, spricht der

HERR.“ (Jeremia 29,13f).

Die Aussage, dass dem Gerechten kein Unheil widerfährt, ist falsch!

Sprüche 12,21 „Keinerlei Unheil wird dem Gerechten widerfahren, …“

Sprüche 19,23 „Die Furcht des HERRN gereicht zum Leben; und gesättigt verbringt

man die Nacht, wird nicht heimgesucht vom Bösen.“

Habakuk 1,13 „Warum schaust du dann den Räubern zu, schweigst, wenn der Gottlose

den verschlingt, der gerechter ist als er?“

Hebräer 12,6 „Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden

Sohn, den er aufnimmt.“

Die beiden Aussagen Salomos aus Sprüche 12 und 19 meinen nicht, dass der

Gerechte auf Erden niemals Ungerechtigkeit oder Leid erfährt. Selbst Jesus, der

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Widerspruch zwecklos?

gerecht und fehlerlos wie kein Anderer war, musste leiden. Gläubigen Christen

ist sogar ein ähnliches Schicksal vorausgesagt (Johannes 15,20). Doch es gilt

auch, dass selbst das größte Leid nur temporäre Auswirkungen auf uns haben kann.

Jedes Leid wird in Glückseligkeit verwandelt (Römer 8,18). Jede Träne wird

abgewischt werden (Offenbarung 21,4) und selbst die Hoffnungslosigkeit des Todes

existiert für Christen nicht mehr (1. Korinther 15,55). Aus der

Gesamtperspektive betrachtet, hat der Gerechte demnach kein Unheil zu fürchten

und darf sich sogar über Leid freuen, weil die anschließende Belohnung nur umso

größer ausfallen wird (Matthäus 5,11f und 1. Petrus 1,6f). In 1. Petrus 3,13f

finden wir diesen Gedanken noch einmal ausformuliert: „Und wer wird euch Böses

tun, wenn ihr Eiferer des Guten geworden seid? Aber wenn ihr auch leiden solltet

um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr!“

Einerseits soll man alles prüfen, andererseits glaubt die Liebe laut 1.

Korinther 13 alles!

Sprüche 14,15 „Der Einfältige glaubt jedem Wort, aber der Kluge achtet auf

seinen Schritt.“

1. Thessalonicher 5,21 „… prüft aber alles, das Gute haltet fest!“

1. Johannes 4,1 „Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister,

ob sie aus Gott sind!“

1. Korinther 13,7 „… sie (die Liebe) erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft

alles, sie erduldet alles.“

1. Korinther 13 enthält das Hohelied der Liebe. Eigenschaften wahrer Liebe

innerhalb der Gemeinde Gottes werden von Paulus aufgelistet. Wahre Liebe

zeichnet sich durch Vertrauen aus, weshalb es in Vers 7 auch heißt, dass die

Liebe alles glaubt. Dieses blinde Vertrauen hat einen Rechtfertigungsgrund in

der Liebe, was in den anderen Bibelstellen sicherlich nicht als Grundlage dient.

Die Bibel rät an vielen Stellen zur Vorsicht auf. Christen sollen anhand des

Wortes Gottes Sachverhalte prüfen und beurteilen. Ein liebevolles Vertrauen

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Widerspruch zwecklos?

gegenüber beispielsweise Irrlehrern sieht die Bibel nicht vor. Des Weiteren

beinhaltet die Aufzählung in Kapitel 13 nicht nur Inhalte der Liebe, sondern

auch Folgen. Es dürfte durchaus auch als Warnung verstanden werden, wenn Gefühle

eventuell dort Vertrauen schüren, wo es eigentlich nicht angebracht wäre.

Gott verspricht dem Gottesfürchtigen fälschlicherweise Frieden!

Sprüche 16,7 „Wenn der HERR an den Wegen eines Mannes Wohlgefallen hat, lässt er

selbst seine Feinde mit ihm Frieden machen.“

2. Timotheus 3,12 „Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus

Jesus, werden verfolgt werden.“

Gott nennt in den Sprüchen Prinzipien, die v.a. zur Zeit des Alten Testaments

galten. Obwohl vieles auch heute noch Anwendung findet, kann manches nicht eins

zu eins in die heutige Zeit des Neuen Testaments übertragen werden. Gott segnete

gottesfürchtige Menschen im Alten Testament häufig in Form von Frieden,

Wohlstand und Nachkommenschaft. Das Gott außerdem damals in einzelnen

Lebenssituationen Ausnahmen von Prinzipien erlaubt, steht ihm zu. Wie Sprüche

16,7 betont, ist Gott es, der Frieden verschafft, wenn es seinem Wohlgefallen

entspricht. Demnach darf Gott auch in einzelnen Situationen Verfolgung und

Feindschaft erlauben, wenn er es für angemessen hält (z.B. bei König David).

Nicht Jesus, sondern der Gottlose löst die Gerechten aus!

Sprüche 21,18 „Lösegeld für den Gerechten ist der Gottlose, und an die Stelle

der Aufrichtigen tritt der Treulose.“

Psalm 49,8 „Niemals kann ein Mann seinen Bruder loskaufen, nicht kann er Gott

sein Lösegeld geben …“

Markus 10,45 „Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu

werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“

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Widerspruch zwecklos?

Sprüche 21,18 drückt im allgemeinen aus, dass die Gerechten Frieden finden,

während die Ungerechten bestraft werden. Diese Auslegung steht auch im Einklang

zu Psalm 49,8 und Markus 10,45.

Man soll einem Toren antworten und nicht antworten zugleich!

Sprüche 26,4 „Antworte dem Toren nicht nach seiner Narrheit, damit nicht auch du

ihm gleich wirst!“

Sprüche 26,5 „Antworte dem Toren nach seiner Narrheit, damit er nicht weise

bleibt in seinen Augen!“

Wir finden hier zwei Verse die direkt hintereinander stehen und auf den ersten

Blick zwei widersprüchliche Aussagen enthalten. Wenn dies der Fall wäre, müsste

man sogar einen absichtlich erstellten Widerspruch vermuten, da derselbe Autor

wohl in einem Moment diese zwei Verse niederschrieb. Salomo, der Verfasser der

meisten Sprüche und wohl intelligenteste Mensch, der je gelebt hat, benutzt

unterschiedliche literarische Mittel um seine Weisheiten als einprägsame

Sprichwörter an die Menschen weiter zu geben. Manchmal benutzt er das

Sprachmittel der Übertreibung (Sprüche 19,24), an einer anderen Stelle schreibt

er sehr metaphorisch (Sprüche 26,18). Außerdem bedienen sich Salomo und auch die

anderen Verfasser der Sprüche weiterer sprachlicher Mittel wie z.B. Paradoxon

(Sprüche 11,24), alphabetisches Akrostichon (Sprüche 31), Gedichte (Sprüche 27)

u.v.m.. Wir finden auch häufig das Sprachmittel des antithetischen Parallelismus

membrorum, d.h. zwei Zeilen formulieren gegensätzliche Aussagen um eine

spannungsreiche Gesamtaussage zu erzeugen. Demnach gehören Vers 4 und 5 ganz eng

zusammen und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Salomo

erstellte ein Sprichwort, dass dem Hörer vermitteln soll, dass man dem „Toren“

sehr bedacht antworten soll. Eine schnelle und dumme Antwort auf gleicher Ebene,

würde jemanden auf die selbe Stufe hinabziehen, keine Antwort würde dem „Toren“

Recht geben. Auch im deutschen gibt es zahlreiche Sprichwörter die eine gute

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Widerspruch zwecklos?

Aussage enthalten, obwohl sie praktisch betrachtet keinen Sinn ergeben (z.B.

„Jedes Wort auf die Goldwaage legen“).

Prediger

Der Prediger trifft mehrere Aussagen, die sonstigen Bibelstellen entgegen

sprechen!

Prediger 7,3f „Besser Verdruss als Lachen; denn bei traurigem Gesicht ist das

Herz in rechter Verfassung.“

Philipper 4,4 „Freut euch im Herrn allezeit!“

Prediger 1,9 „Das, was war, ist das, was wieder sein wird […] Und es gibt gar

nichts Neues unter der Sonne.“

Jesaja 43,19 „Siehe, ich (Gott) wirke Neues!“

Zahlreiche Vorwürfe gegen die Bibel entstehen dann, wenn Kritiker den

Zusammenhang eines Bibelbuches nicht genau kennen. Auch berücksichtigen viele

nicht, von wem und an wen ein Bibelbuch geschrieben wurde. Das Buch des

Predigers Salomo gilt sicherlich mit Vorsicht auszulegen. Nachdem Salomo einen

vielversprechenden Start mit Gott hinlegte, neigten seine ausländischen Frauen

das Herz des Königs anderen Göttern zu, als er alt wurde (1. Könige 11,4). In

der Zwischenzeit ging Salomo unzählige Kompromisse ein und schaffte sich einen

nie da gewesenen Reichtum an. Er lebte in verhängnisvollem Prunk und gönnte

seinem Herzen alles, wonach ihn verlangte (Prediger 2,10). Das Buch Prediger

schrieb Salomo wahrscheinlich am Ende seines Lebens, als er leer und verlebt auf

die vorherigen gottlosen Jahrzehnte zurückblickte. Der desillusionierte König

wählt daher sehr bittere Worte um das Leben „unter der Sonne“ zu beschreiben

(Prediger 1,14). Obwohl Salomo in diesem Gemütszustand eher ein negatives

Vorbild für hingegebene Christen darstellt, erhalten wir gerade durch dieses

biblische Buch einen tiefen Einblick in die Sinnlosigkeit eines Lebens, welches

Gott ganz oder teilweise ausklammert. Das Buch des Predigers kann also auch als

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Widerspruch zwecklos?

Abrechnung des Königs mit sich selbst verstanden werden, mit dem Endergebnis,

dass er sein Leben lieber ganz und dauerhaft in die Hände Gottes gelegt hätte

(Prediger 12,13). Wenn man sich über diesen Zusammenhang bewusst ist, kann man

auch verstehen, warum Salomo in diesem Bibelbuch manche Aussagen trifft, die

widersprüchlich zu den Anweisungen Gottes scheinen. Das Leben „unter der

Sonne“ (ohne Blick auf Gott) ist demnach der Freude nicht wert (Prediger 7,3),

während ein Leben mit Blick nach Oben wahre Freude einbringt (Philipper 4,4).

Auch das es „nichts Neues unter der Sonne“ gibt, muss unter diesem Aspekt

betrachtet werden.

Jesaja

Gott kann müde werden!

Jesaja 40,28 „Er ermüdet nicht und ermattet nicht, …“

Jesaja 1,14 „Eure Neumonde und eure Feste hasst meine Seele. Sie sind mir zur

Last geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen.“

2. Mose 31,17 „Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht,

am siebten Tag aber hat er geruht und Atem geschöpft.“

Gott sagt in Jesaja 1,14: „Eure Neumonde und eure Feste hasst meine Seele. Sie

sind mir zur Last geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen.“ Er meint damit

nicht, dass er ein Schlafbedürfnis hat, sondern dass er die Heuchelei des Volkes

nicht mehr länger mit ansehen kann. Gott benutzt in der Bibel eine geläufige und

verständliche Sprache, die nicht selten rhetorische Mittel beinhaltet. Da auch

der heutige Sprachgebrauch ähnliche Formulierungen beinhaltet, weiß der

aufrichtige Leser diesen Vers entsprechend auszulegen. Wenn Gott wiederum am

siebten Tag ruhte, nachdem er zuvor alles erschaffen hatte, dann meint diese

Ruhe das Beenden der Schöpfung. Gott blickt zufrieden und in Ruhe auf das

Ergebnis seines Schöpfungswerkes. Gott benutzt an dieser Stelle ganz bewusst

diesen Ausdruck, da der Mensch ebenfalls am Sabbath eine Arbeitsruhe einlegen

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Widerspruch zwecklos?

sollte. In Hebräer 4,4 wird außerdem deutlich, welches Bedeutung hinter Gottes

Ruhen steckt. Diese Ruhe, die Gott damals verspürte, entspricht nicht einer

Ruhe, die hier auf Erden durch Schlaf befriedigt werden kann. Dass Gott hier

keine irdische Ruhe gemeint hat, wird dann durch Hebräer 4,8-10 endgültig

bestätigt. Obwohl Gott niemals ermüdet oder gar schläft, werden alle gläubigen

Menschen nach ihrem Tod in seine Ruhe im Himmel einkehren.

Einerseits kann niemand gute Werke vollbringen, andererseits sollen wir anhand

unserer guten und schlechten Werke beurteilt werden!

Jesaja 64,5 „Wir alle sind wie ein Unreiner geworden und all unsere

Gerechtigkeiten wie ein beflecktes Kleid […] unsere Sünden trugen uns davon wie

der Wind.“

Psalm 14,3 „Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der

Gutes tut, auch nicht einer.“

Johannes 5,29 „… und hervorkommen werden; die das Gute getan haben zur

Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben zur Auferstehung des

Gerichts.“

2. Korinther 5,10 „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar

werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend,

was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“

Der biblischer Konsens zu diesem Thema ist sowohl im Alten wie auch im Neuen

Testament eindeutig: Jeder Mensch ist von Natur aus ein Sünder und handelt böse.

Selbst Werke die von Menschen als gut gedeutet werden, sind in Gottes Augen

böse. Mit der Bekehrung eines Menschen ändert sich dieses Phänomen schlagartig.

Durch die Bekehrung erhalten wir eine Beziehung zu Gott, der seinen Heiligen

Geist seit Pfingsten in uns wohnen lässt. Diese Neugeburt befähigt uns nun,

Gutes zu tun, durch den Heiligen Geist. Gute Werke sind demnach eine Folge der

Errettung und können nicht vor der Errettung eines Menschen stattgefunden haben.

Die Werke werden demnach mit Gottes Hilfe, durch seinen Heiligen Geist

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Widerspruch zwecklos?

vollbracht und ehren den Schöpfer und nicht das Geschöpf (Epheser 2,9 und 10).

2. Korinther 5,10 spricht von einem Preisgericht, das nur die Kinder Gottes

betrifft, die mithilfe des Heiligen Geistes schon zu Lebzeiten Gott dienen

durften.

Jeremia

War König Jechonja kinderlos?

Jeremia 22,30 „Schreibt diesen Mann auf als kinderlos […] Denn von seinen

Nachkommen wird es nicht einem gelingen auf dem Thron Davids zu sitzen …“

1. Chronik 3,17f „Und die Söhne Jechonjas: Assir, dessen Sohn Schealtiel und

Malkiram und Pedaja und Schenazzar, Jekamja, Hoschama und Nedabja.“

König Jechonja hatte durchaus Söhne. Doch wie es Jeremia auch angekündigt hat,

sollte davon keiner jemals auf dem Thron Davids sitzen. Obwohl er nicht

kinderlos war, sollte er wie ein kinderloser König behandelt und archiviert

werden. Tatsächlich hat keines der Kinder Jechonjas jemals auf einem Thron

gesessen.

Zedekia sollte Babylon nicht sehen!

Jeremia 34,3 „Und du, du wirst seiner Hand nicht entrinnen, sondern ganz

bestimmt ergriffen und in seine Hand gegeben werden. Deine Augen werden die

Augen des Königs von Babel sehen, …“

2. Könige 25,7 „… und man blendete die Augen Zedekias und band ihn mit ehernen

Fesseln und brachte ihn nach Babel.“

Hesekiel 12,13 „… und ich bringe ihn nach Babel, ins Land der Chaldäer, aber

sehen wird er es nicht; und er wird dort sterben.“

Hesekiel 12,13 deutet prophetisch an, dass der König Zedekia nach Babel kommen

wird, aber die Stadt dennoch nicht sehen wird. Diese zunächst widersprüchlich

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Widerspruch zwecklos?

wirkende Aussage erfüllt sich, da dem Zedekia in Ribla vorher die Augen

ausgestochen werden und er wortwörtlich erblindet (2. Könige 25,7). Das er den

König von Babel noch sehen werde, erfüllt sich ebenfalls, da Nebukadnezar in

Ribla stationiert war (Jeremia 52,26 und 2. Könige 25,6).

Das Datum der Freilassung Jojachins variiert!

Jeremia 52,31 „Und es geschah im 37. Jahr der Wegführung Jojachins, des Königs

von Juda, im 12. Monat, am 25. des Monats, da erhob Ewil-Merodach, der König von

Babel, im ersten Jahr seiner Königsherrschaft das Haupt Joajachins, des Königs

von Juda, und führte ihn aus dem Gefängnis.“

2. Könige 25,27 „Und es geschah im 37. Jahr der Wegführung Jojachins, des Königs

von Juda, im zwölften Monat, am 27. des Monats, da erhob Ewil-Merodach, der

König von Babel, in dem Jahr, als er König wurde, das Haupt Jojachins, des

Königs von Juda, und führte ihn aus dem Gefängnis.“

Es gibt mehrere Erklärungsmöglichkeiten dafür, warum sich das Datum der

Freilassung in den beiden Bibelstellen um zwei Tage unterscheidet. Obwohl es in

Babylon und Judäa unterschiedliche Zeitrechnungen gab, die den Unterschied

erklären könnten, bietet der Text selbst wohl eine noch plausiblere Antwort: Die

Freilassung von König Jojachin fand nach 2. Könige 25,27 zum Zeitpunkt der

Thronersteigung Ewil-Merodachs statt. Es ist anzunehmen, dass Ewil-Merodach als

einer seiner ersten Amtshandlungen den judäischen König begnadigen ließ. Da die

Königskrönung mit allen Feierlichkeiten sicherlich länger als einen Tag gedauert

hat und die Freilassung des Königs als Prozess (aus öffentlicher Begnadigung,

Freilassung aus dem Gefängnis und Ausstattung mit neuen Kleidern, sowie

beständiges Essen an des Königs Tafel) geschildert wird, können durchaus beide

Daten stimmen.

Hosea

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Gott bestrafte den Jehu, obwohl er Gottes Willen umsetzte!

Hosea 1,4 „… dann suche ich die Blutschuld von Jesreel am Haus Jehu heim und

mache dem Königtum des Hauses Israel ein Ende.“

2. Könige 10,30 „Und der HERR sprach zu Jehu: Weil du gut ausgeführt hast, was

recht ist in meinen Augen, und am Haus Ahabs nach allem getan hast, was in

meinem Herzen war, …“

2. Chronik 22,7 „… gegen Jehu, den der HERR gesalbt hatte, um das Haus Ahabs

auszurotten.“

In Hosea 1,4 soll die Schuld Jehus gerächt werden. Jehu hatte von Gott die

Anweisung erhalten, den Götzenkult um Baal und das Haus Ahabs zu vernichten (2.

Könige 10,30). Als Jehu diese Aufgabe voller Eifer ausführte, schoss er dabei

weit über das Ziel hinaus. Er wurde sogar stolz auf seinen Rachefeldzug (2.

Könige 10,16). Voller Brutalität (2. Könige 10,14) tötete er nicht nur alles

Männliche vom Hause Ahabs, wie ihm von Gott befohlen war (2. Könige 9,8),

sondern auch die Frauen, Bekannte Ahabs und sogar die Obersten von Juda (2.

Chronik 22,8 und 2. Könige 10,11). In 2. Könige 10,31 folgt ein weiteres

schweres Vergehen Jehus. Nachdem er König wurde, achtete er nicht mehr auf

Gottes Gebote und diente stattdessen den Götzen, die Jerobeam ins Land

eingeführt hatte. Demnach gibt es mehrere Gründe, warum Jehus Taten gerächt

werden mussten. Er war ein stolzer und brutaler König, der Gott schnell wieder

vergessen hatte. Im übertragenen Sinne dient Jehu als gutes Beispiel für all die

Menschen, die unter biblischem Deckmantel böse Taten (z.B. die damaligen

Kreuzzüge) vollbringen und von Gott einmal dafür bestraft werden.

Der Stamm Ephraim wird entgegen Gottes Versprechen nach Ägypten weggeführt!

Hosea 11,3-5 „Und ich, ich lehrte Ephraim laufen - ich nahm sie immer wieder auf

meine Arme -, aber sie erkannten nicht, dass ich sie heilte […] Es wird nicht

ins Land Ägypten zurückkehren. Aber Assur, der wird ihr König sein, denn sie

weigern sich umzukehren.“

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Hosea 8,11-13 „Ja, Ephraim hat die Altäre vermehrt, zum Sündigen dienen sie ihm,

Altäre zum Sündigen […] Nach Ägypten werden sie zurückkehren.“

Hosea 9,3 „Sie werden nicht im Land des HERRN bleiben, Ephraim wird nach Ägypten

zurückkehren, in Assur werden sie Unreines essen.“

Während die beiden Textstellen aus Kapitel 8 und 9 beteuern, dass Ephraim zurück

nach Ägypten weggeführt werden wird, verspricht Gott in Kapitel 11,3-5, dass

Ephraim nicht nach Ägypten sondern stattdessen nach Assur ziehen wird. Wenn Gott

jedoch an den beiden Stellen zuvor von der Rückkehr nach Ägypten spricht, steht

Ägypten allgemein für die Gefangenschaft und nicht explizit für das geografische

Gebiet Ägyptens. Die Israeliten verbrachten über 400 Jahre in der ägyptischen

Gefangenschaft und wurden durch Gott nun gewarnt, dass sie wieder in eine solche

Gefangenschaft weggeführt werden. Kapitel 11,5 klärt diesen Gedanken und deutet

an, dass mit der ägyptischen Gefangenschaft Assyrien gemeint ist. Auch der

zweite Satz aus Kapitel 9,3 macht deutlich, dass Assyrien statt Ägypten gemeint

ist. Dort heißt es: „Ephraim wird nach Ägypten zurückkehren, in Assur werden sie

Unreines essen.“. Das der Name Ägyptens auch für andere Städte stehen kann und

geistlich gedeutet werden muss, deutet auch Offenbarung 11,8 an: „Und ihr

Leichnam wird auf der Straße der großen Stadt liegen, die, geistlich gesprochen,

Sodom und Ägypten heißt, wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde.“ Ein solches

Sprachmittel (Anachronismus) wird in der Bibel häufiger verwendet, aber von

jedem erfahrenen Bibelleser eigentlich sofort als solches erkannt.

Joel

Den Namen des HERRN anrufen rettet jeden, trotzdem wird nicht jeder der den

Namen des HERRN anruft gerettet!

Joel 3,5 „Jeder, der den Namen des HERRN anruft, wird gerettet werden.“

Apostelgeschichte 2,21 „Jeder, der den Namen des HERRN anrufen wird, wird

gerettet werden.“

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Römer 10,13 „… denn jeder, der den Namen des HERRN anrufen wird, wird gerettet

werden.“

Matthäus 7,21 „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der

Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den

Himmeln ist.“

Jeremia 14,12 „Wenn sie fasten, werde ich nicht auf ihr Flehen hören …“

Hesekiel 8,18 „Und rufen sie auch vor meinen Ohren mit lauter Stimme, so werde

ich sie doch nicht erhören.“

Micha 3,4 „… die werden dann zum HERRN um Hilfe schreien, aber er wird ihnen

nicht antworten; …“

In 1. Mose 12,8 baut Abraham dem HERRN einen Altar und ruft seinen Namen an.

Abraham wiederholt diese Tätigkeit, ebenso sein Sohn Isaak zu einer späteren

Zeit. Beide bauen Gott einen Altar und rufen seinen Namen an. „Anrufen“ bedeutet

demnach also eine bestimmte Form der Anbetung. Es ist ein Ausdruck der Beziehung

die ein Mensch zu Gott haben kann. Leider ist der Glaube einiger Menschen oft

auch mit Heuchelei verbunden. Es wird nach außen etwas präsentiert, was

innerlich gar nicht vorhanden ist. Das Volk Israel ging über weite Strecken

einen Weg, der weit ab von Gottes Absichten lag. Sie waren zwar Gottes geliebtes

Volk, erwiderten diese Liebe aber nur selten. Zu Lebzeiten Jesu war er umgeben

von Heuchlern. Das Opfern, die Beschneidung, die Gebete, uvm. wurde zwar

konsequent praktiziert, doch das Herz des Volkes war kalt. Viele Juden beteten

und „riefen“ demnach den Namen des HERRN an, obwohl sie nie eine persönliche

Beziehung zu Gott hatten. Auch heute beten viele Menschen und bitten Gott um

Hilfe, doch wirkliches „Anrufen“ bedingt immer erst eine Beziehung die man zu

Gott hat und die durch echtes Vertrauen zustande kommt. Wer keine Beziehung zu

Gott hat, auch wenn er sich in einer solchen wägt, wird einmal die Worte aus

Matthäus 7,23 hören: „Ich kenne euch nicht!“. Ein Beispiel zum besseren

Verständnis: Zwar wird jeder, der den Rettungsdienst anruft auch Hilfe erfahren,

aber nicht jeder der telefoniert ruft zwangsläufig den Rettungsdienst an.

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Widerspruch zwecklos?

Jona

Nicht Gott, sondern die Seeleute warfen Jona ins Meer!

Jona 1,15 „Und sie (Seeleute) nahmen Jona und warfen ihn ins Meer.“

Jona 2,4 „Und du hattest mich in die Tiefe geworfen, in das Herz der Meere, und

Strömung umgab mich.“

Diesen vermutlichen Widerspruch kann man relativ einfach entkräftigen. Natürlich

warfen die Seeleute Jona über Bord, aber Gott war es, der dies alles so

herbeigeführt hatte, wie es in Jona in Kapitel 2,4 auch im Gebet ausdrückt. Eine

Parallele finden wir z.B. bei der jüdischen Gefangenschaft durch die Chaldäer.

Gott führte die Juden nach Babel als Strafe für ihre Gottlosigkeit, benutzte

aber Nebukadnezar für diesen Plan (Habakuk 1,5f).

Maleachi

Man darf Gott nicht prüfen. Trotzdem fordert er dazu auf!

Maleachi 3,10 „Bringt den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, damit Nahrung in

meinem Haus ist! Und prüft mich doch darin, spricht der HERR der Heerscharen, ob

ich euch nicht die Fenster des Himmels öffnen und euch Segen ausgießen werde bis

zum Übermaß.“

5. Mose 6,16 „Ihr sollt den HERRN, euren Gott, nicht prüfen (versuchen), …“

Die Israeliten sollten Gott nicht versuchen (hebr. nasa). In Maleachi 3,10

fordert Gott die ungehorsamen Israeliten dazu auf, ihn zu prüfen (hebr.

baschan). Zum Einen muss man hier die Bedeutung der beiden Wörter unterscheiden

und zum anderen auch die jeweilige Situation beachten. Gott fordert die

Israeliten in Maleachi auf ihn zu prüfen, da sie ihm nicht trauten. Sie waren

ungehorsam, gottlos und unverschämt. Obwohl echtes Vetrauen ohne Beweise

112 von 191


Widerspruch zwecklos?

auskommt, erlaubte Gott den bösen Israeliten ein Beweis, wenn sie diesen nur

einfordern würden.

Mose erhielt das Gesetz nicht am Berg Sinai, sondern am Horeb!

Maleachi 3,22 „… das Gesetz meines Knechtes Mose, dem ich am Horeb für ganz

Israel Ordnungen und Rechtsbestimmungen geboten habe.“

2. Mose 31,18 „Und als er auf dem Berg Sinai mit Mose zu Ende geredet hatte, gab

er ihm die zwei Tafeln des Zeugnisses, …“

Während mit dem Sinai wohl explizit der Hauptgipfel gemeint ist, kann der Horeb

die gesamte Gebirgskette umfassen. Die Bibel bestätigt diesen Gedanken u.a. in

den Psalmen. Das Volk durfte den Sinai nicht einmal berühren (2. Mose 19,12),

gleichzeitig wird in Psalm 106,19 gesagt, dass es sich am Horeb lagerte.

Matthäus

Es gibt Unterschiede in den beiden Stammbäumen von Jesus!

Matthäus 1,1-17 „… Salomo aber zeugte Rehabeam, Rehabeam aber zeugte Abija,

Abija aber zeugte Asa, Asa aber zeugte Joschafat, Joschafat aber zeugte Joram,

Joram aber zeugte Usija, Usija aber zeugte Jotam, […] Eleasar aber zeugte

Mattan, Mattan aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Josef, den Mann Marias …“

Lukas 3,23-38 „… und war, wie man meinte, ein Sohn des Josef, des Eli, des

Mattat, des Levi, des Melchi, des Jannai, …“

1. Chronik 3,10-14 „Und der Sohn Salomos war Rehabeam; dessen Sohn Abija, dessen

Sohn Asa, dessen Sohn Joschafat, dessen Sohn Joram, dessen Sohn Ahasja, dessen

Sohn Joasch, dessen Sohn Amazja, dessen Sohn Asarja …“

Es gibt tatsächlich Unterschiede in den beiden Stammbäumen aus dem Matthäus- und

Lukasevangelium, doch die Erklärung dafür ist relativ simpel. Während Matthäus

in seinem Evangelium den Juden Jesus als verheißenen König präsentiert,

113 von 191


Widerspruch zwecklos?

beschreibt Lukas das Leben Jesu als Mensch. Da das Königtum über den Vater

übertragen wurde, liegt es Nahe, dass Matthäus den Stammbaum seitens Josef

niedergeschrieben hat und Lukas den biologischen Stammbaum über Maria. Deshalb

heißt es in Lukas 3,23 auch „und war, wie man meinte, ein Sohn des Josef“ und in

Matthäus 1,16 „zeugte Josef, den Mann Marias, von welcher Jesus geboren wurde“.

Es gibt noch weitere Gründe, warum diese Schlussfolgerung sehr naheliegend ist

(z.B. Jeremia 22,30 und Matthäus 1,11). Die beiden Stammbäume widersprechen sich

also nicht, sondern ergeben gemeinsam ein komplettes Bild des Stammbaums Jesu.

Für den Vergleich der beiden Stammbäume gilt außerdem: Während der Stammbaum des

Josephs die Königslinie über die männlichen Nachfahren Davids aufzeigt,

beinhaltet der Stammbaum der Maria wahrscheinlich auch Schwiegersöhne und Brüder

(5. Mose 25,5). Des weiteren überspringt Matthäus in seiner Aufzählung ein paar

Könige. Das griechische Wort „gennao“ (zeugen) kann auch mit „Nachkommen machen“

übersetzt werden und erlaubt, dass einzelne Personen übersprungen wurden.

Es sind weniger als 42 Generationen von Abraham bis Jesus!

Matthäus 1,17 „So sind nun alle Geschlechter von Abraham bis auf David vierzehn

Geschlechter und von David bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechter

und von der Wegführung nach Babylon bis auf den Christus vierzehn Geschlechter.“

Matthäus 1,2-16 „Abraham zeugte Isaak, Isaak aber zeugte Jakob […] Josia aber

zeugte Jojachin und seine Brüder um die Zeit der Wegführung nach Babylon. Nach

der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jojachin Schealtiel, …“

Matthäus sagt in Kapitel 1,17, dass es von Abraham bis David 14 Generationen gab

und von David bis zur Wegführung nach Babel 14 Generationen, sowie von der

Wegführung bis zu Jesus 14 Generationen. Wenn man sich die Mühe macht und alle

Namen zählt, entdeckt man, dass nach der Wegführung nach Babel nur 13 Namen

genannt werden. Weil aber Matthäus nie behauptet, dass es insgesamt 42

Generationen im Stammbaum Jesu gibt und er außerdem die letzten 14 Generationen

vom Zeitpunkt der Wegführung statt von einer Person ausgehend zählt, enthalten

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Widerspruch zwecklos?

seine Aussagen keinen Widerspruch. Jojachin war der 14. Nachfahre von David,

zeitgleich gehörte er aber auch zur ersten Generation der weggeführten Juden in

Babylon. Hätte Matthäus Jesus zur 13. Generation von Babylon gezählt entspräche

dies nicht der Wahrheit. Auch hätte er nach dieser Betrachtungsweise Jojachin

zur 0. Generation in Babylon rechnen müssen, was keinerlei Sinn machen würde.

Christen dürfen nicht richten!

Matthäus 7,1 „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“

Römer 14,10 „Du aber, was richtest du deinen Bruder?“

1. Korinther 2,15 „Der geistliche Mensch dagegen beurteilt zwar alles, er selbst

jedoch wird von niemand beurteilt.“

1. Korinther 5,12f „… Richtet ihr nicht, die drinnen sind? Die aber draußen

sind, richtet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hinaus!“

Jesus selbst sagte, dass wir nicht richten sollen (Matthäus 7,1). Er meinte

damit, dass wir im Umgang miteinander gnädig und vorsichtig sein sollen, denn

mit dem Maß mit dem wir selbst messen, werden auch unsere Taten gemessen werden

(V.2). Der Mensch neigt dazu, seine eigenen bösen Taten zu verharmlosen, während

man die böse Taten der anderen oft auf die Goldwaage legt. Das wir aber auch als

Christen dennoch Taten, Lehren u.ä. beurteilen sollen, wird uns an vielen

Stellen gelehrt und steht nicht im Widerspruch zu o.g. Aussage. Besonders im

Miteinander innerhalb der Gemeinde verlangt Gottes Wort von uns, dass wir

Situationen beurteilen und auch ansprechen. Selbst wenn es bis zur Gemeindezucht

kommen sollte, sollen wir hierbei aber stets eine liebevolle, gewinnende

Gesinnung an den Tag legen. Das Ziel ist immer die Vergebung durch Buße und

keine Strafe. Eine Unterscheidung zwischen Beurteilung und Richten finden wir

ebenfalls im Leben Jesu wieder. In Johannes 8,15 sagt Jesus, dass er zu

Lebzeiten niemanden richte, obwohl er an anderer Stelle sehr harte Worte an z.B.

die Pharisäer u.a. richtet. Die Gesinnung Jesu war dabei aber stets von

gewinnender und vergebender Art. Zusammengefasst kann man sagen, dass der

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Widerspruch zwecklos?

gesamte Kontext aus Matthäus 7 ersichtlich macht, welche Form des „Richtens" an

dieser Stelle gemeint ist.

Die Tochter des Jairus war bereits tot, als Jairus Jesus um Hilfe bat!

Matthäus 9,18 „Während er dies zu ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher

herein und warf sich vor ihm nieder und sprach: Meine Tochter ist eben jetzt

verschieden; aber komm und lege deine Hand aus sie, so wird sie leben.“

Markus 5,23 „… Mein Töchterchen liegt in den letzten Zügen. Komm, lege ihr die

Hände auf, damit sie gerettet wird und lebt!“

Lukas 8,42 „… er hatte eine einzige Tochter von etwas zwölf Jahren, und diese

lag im Sterben.“

Matthäus lässt einige Details in seiner Erzählung weg, die in den anderen

Evangelien ausführlicher berichtet werden. Wie Markus und Lukas jeweils

schreiben, lag die Tochter im Sterben, als Jairus Jesus um Hilfe bat. Auf dem

Rückweg zu seinem Haus, erfuhr Jairus, dass seine Tochter soeben verstorben war

(Markus 5,35 und Lukas 8,49). Das Jairus erst unterwegs die Nachricht vom Tod

seiner Tochter erhält, bleibt von Matthäus lediglich unerwähnt.

Die Namen der 12 Jünger Jesu variieren!

Matthäus 10,2-4 „Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: der erste Simon,

der Petrus gennant wird, und Andreas, sein Bruder, und Jakobus, der Sohn des

Zebedäus, und Johannes, sein Bruder, Philippus und Barthomolmäus, Thomas und

Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon, der

Kananäer, und Judas, der Iskariot, der ihn auch überlieferte.“

Markus 3,16-19 „Und er berief die Zwölf, und er gab dem Simon den Beinamen

Petrus, und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des

Jakobus, und er gab ihnen den Beinamen Boanerges , das ist Söhne des Donners,

und Andreas und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus,

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Widerspruch zwecklos?

den Sohn des Alphäus, und Thaddäus und Simon, den Kananäer, und Judas Iskariot,

der ihn auch überlieferte.

Lukas 6,14-16 „Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, und

Jakobus und Johannes und Philipps und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und

Jakobus, des Alphäus’ Sohn, und Simon, genannt Eiferer, und Judas, des Jakobus’

Sohn, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.“

Apostelgeschichte 1,13 „… sowohl Petrus als Johannes und Jakobus und Andreas,

Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphas,

und Simon, der Eiferer, und Judas, der Sohn des Jakobus.“

Jesus suchte sich 12 Jünger aus. Nachdem Judas der Iskariot Selbstmord beging,

wählten die übrigen Jünger einen Nachfolger, den Matthias (Apg. 1,26). Das die

Aufzählungen in den Evangelien zu Jesu Lebzeiten nicht komplett identisch sind,

hat den einfachen Grund, dass die Jünger, wie viele andere Juden auch, teilweise

unterschiedlich genannt wurden. Wenn man bedenkt, welche Sprachen damals in

Jerusalem eine wichtige Rolle spielten (griechisch, hebräisch, aramäisch,

Latein, u.a.), ist es nicht verwunderlich, dass es unterschiedliche Rufnamen

(z.B. Levi und Matthäus) gab. Wir lesen sogar in der Bibel, dass Jesus selbst

den Namen einiger Jünger änderte (Johannes 1,42 und Matthäus 10,2).

Die Ausrüstung der Jünger unterscheidet sich in den Evangelien!

Matthäus 10,9f „Verschafft euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer in eure

Gürtel, keine Tasche auf den Weg, noch zwei Unterkleider noch Sandalen noch

einen Stab!“

Lukas 9,3 „Nehmt nichts mit auf den Weg: weder Stab noch Tasche noch Brot noch

Geld, noch soll jemand zwei Unterkleider haben!“

Markus 6,8f „Und er gebot ihnen, dass sie nichts mit auf den Weg nehmen sollten

als nur einen Stab; kein Brot, keine Tasche, keine Münze im Gürtel, sondern

Sandalen untergebunden. Und zieht nicht zwei Unterkleider an!“

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Widerspruch zwecklos?

Während Lukas und Matthäus von einer Aussendung der Jünger ohne Stab und

Sandalen berichten, wird im Markusevangelium der Hinweis gemacht, Stab und

Sandalen mitzunehmen. Um diese Aufforderungen zu verstehen, muss man bedenken,

dass es sich um zwei verschiedene Situationen handelt. In Matthäus 10 und Lukas

9 werden die Jünger ausgesandt um zu verkünden, dass das Reich Gottes nahe

gekommen ist (Matthäus 10,7 und Lukas 9,2). In Markus 6,12 ist der Auftrag der

Aussendung, dass sie die Buße predigen sollen. Der Grund dieser zwei

unterschiedlichen Anweisungen zu den zwei unterschiedlichen Anliegen wird in

Lukas 22,35f genannt: Die Jünger wurden zur Verkündigung des Reiches ohne

Sandalen, etc. losgeschickt und erfuhren, dass sie trotzdem von allem genüge

hatten. Jesus wird als König vorgestellt, der sich um die seinen kümmert und

selbst die Kleinsten in seinem Reich mit allem versorgt. Die Aussendung zur

Verkündigung der Buße, zu der auch wir heute aufgefordert werden, erfolgt aber

unter normalen Bedingungen. Ob die Jünger bei der ersten Aussendung tatsächlich

ohne Stab und barfuss losziehen sollten ist zudem nicht eindeutig. Die Anweisung

Jesu kann sich auch auf zusätzliches Gepäck (zweites Paar Schuhe und Stab)

beziehen, da er sie auffordert solches nicht extra zu beschaffen (Matthäus

10,9-10).

Die Heilung vom Knecht eines Hauptmannes wird unterschiedlich geschildert!

Matthäus 8,5-8 „Als er aber nach Kapernaum hineinkam, trat ein Hauptmann zu ihm,

der ihn bat und er sprach: Herr, mein Diener liegt zu Hause gelähmt und wird

schrecklich gequält. Und Jesus spricht zu ihm: Ich will kommen und ihn heilen.

Der Hauptmann aber antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht würdig, dass du

unter mein Dach trittst; aber sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund

werden.“

Lukas 7,1-7 „… als er (der Hauptmann) aber von Jesus hörte, sandte er Älteste

der Juden zu ihm und bat ihn, dass er komme und seinen Knecht gesund mache […]

Als er aber schon nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, sandte der

Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht! Denn ich

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Widerspruch zwecklos?

bin nicht würdig, dass du unter mein Dach trittst. Darum habe ich mich selbst

auch nicht für würdig gehalten, zu dir zu kommen, sondern sprich ein Wort, und

mein Diener wird gesund werden.“

Lukas und Matthäus erzählen beide dieselbe Geschichte, legen aber jeweils einen

anderen Schwerpunkt. Die Informationen widersprechen sich nicht, sondern

ergänzen sich und schildern ein Gesamtbild der Situation, wie so oft in den

Evangelien. Besäßen wir nur das Matthäusevangelium würde der Eindruck entstehen,

dass der Hauptmann persönlich zu Jesus kam. Lukas nennt uns aber zusätzlich die

Information, dass der Hauptmann sich nicht für würdig erachtete und sich deshalb

nicht persönlich zu Jesus traute. Er schickte Älteste und Freunde, die in seinem

Namen sprachen (Lukas 7,7). Durch die Ergänzung des Lukas erhalten wir

wunderschöne Einblicke in das demütige Verhalten des Hauptmannes, der uns ein

großes Vorbild sein sollte.

Jesus heilte zwei Besessene!

Matthäus 8,28-34 „… begegneten ihm zwei Besessene …“

Lukas 8,26-39 „… kam ihm ein Mann aus der Stadt entgegen, der Dämonen hatte …“

Markus 5,1-20 „… begegnete ihm sogleich von den Grüften her ein Mensch mit einem

unreinen Geist, …“

Matthäus erwähnt als einziger, dass insgesamt zwei Besessene von Jesus geheilt

wurden. Da in den anderen Evangelien ein weiterer Besessener nicht verneint

wird, sondern bloß unerwähnt bleibt, handelt es sich um keinen Widerspruch an

dieser Stelle. Wenn man die drei Berichte miteinander vergleicht, kommt man

außerdem zu der Vermutung, dass nur einer der Besessenen ein Nachfolger Jesu

wurde. Markus und Lukas legen den Schwerpunkt auf die Veränderung, die einer der

beiden Besessenen durchlebte. Nachdem Jesus beide geheilt hatte, ging

wahrscheinlich nur einer nach Dekapolis und verkündete die Botschaft von Jesus.

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Widerspruch zwecklos?

Aus diesem Grund ließen die beiden Schreiber wohl die zusätzliche Information

eines zweiten Besessenen weg.

Jesus brachte den Menschen keinen Frieden!

Matthäus 10,34 „… ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das

Schwert.“

Offenbarung 19,11 „… und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit.“

Apostelgeschichte 10,36 „… indem er Frieden verkündigte durch Jesus Christus …“

Jesus ist nicht gekommen um Frieden auf die Erde zu bringen, sondern um Frieden

mit Gott zu ermöglichen. Dieser Friede ist also unbedingt von weltlichem Frieden

zu unterscheiden (Johannes 14,27). Nirgendwo predigte Jesus den Weltfrieden,

sondern ganz im Gegenteil, kündigte er sogar an, dass die Welt zugrunde gehen

wird (Matthäus 24,14). Christen leben zwar noch in der Welt, sollen aber den

Fokus auf die Neue Welt richten, in der wahrer Frieden und wahre Gerechtigkeit

wohnen (2. Petrus 3,13). In der Zwischenzeit bedeutet ein Leben als Christ

oftmals Entbehrung, Verfolgung, entgegenkommender Hass und ähnliches. Nicht

selten sogar innerhalb der eigenen Familie (Matthäus 10,35).

Herodes wollte Johannes den Täufer nicht umbringen!

Matthäus 14,5 „Und als er ihn töten wollte, fürchtete er die Volksmenge, weil

sie ihn für einen Propheten hielten.“

Markus 6,20.26 „… denn Herodes fürchtete den Johannes, da er wusste, dass er ein

gerechter und heiliger Mann war, und er beschützte ihn; und wenn er ihn gehört

hatte, war er in großer Verlegenheit, und er hörte ihn gern […] Und der König

wurde sehr betrübt …““

Herodes wollte Johannes töten, da dieser seinen Lebensstil öffentlich kritisiert

hatte (Matthäus 14,5). Da Herodes den Johannes und die Reaktion des Volkes

fürchtete, ließ er aber davon ab. Herodes war Zwiegestalten, was die Person des

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Widerspruch zwecklos?

Johannes betraf. Ihm missfiel einerseits die Kritik, die Johannes äußerte,

wusste andererseits aber auch, dass dieser damit Recht hatte. Das Herodes ihn

später aufgrund eines dummen Versprechens umbringen lassen musste, stimmte ihn

aus o.g. Gründen traurig (Markus 6,26). Das Herodes den Johannes einerseits als

Gefahr ansah, andererseits aber seine Reden auch gerne verfolgte, steht

ebenfalls nicht im Widerspruch miteinander. Noch heute werden Christen weltweit

verfolgt und getötet, obwohl nicht selten die Täter größten Respekt für sie

zollen (Vgl. auch Daniel 6,15-21).

Einerseits sollen wir das Kindliche ablegen, andererseits ruft Jesus dazu auf

von den Kindern zu lernen!

Matthäus 18,3 „… wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr

keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen.“

Matthäus 19,14 „Lasst die Kinder, und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen! Denn

solchen gehört das Reich der Himmel.“

Markus 10,15 „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird dort nicht

hineinkommen.“

1. Korinther 13,11 „Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie

ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was

kindlich war.“

1. Korinther 14,20 „Brüder, seid nicht Kinder im Verstand, sondern an der

Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene!“

Epheser 4,14 „Den wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und

umhergetrieben von jedem Wind der Lehre …“

Wie der Brief an die Korinther ausdrückt, sollen wir Erwachsene vom Verstand

sein und nicht mehr wie ein Kind denken, urteilen und reden. Auch bezüglich der

Irrlehren, sollen wir als Christen nicht leichtgläubig sein wie Kinder es gerne

sind (Epheser 4,14). Dennoch können wir von Kindern auch viel lernen. Kinder

vertrauen ihrem Vater und Kinder sind sich ihrer Abhängigkeit bewusst (Matthäus

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Widerspruch zwecklos?

18,4). Da viele Juden stolz und Jesus gegenüber unbegründet kritisch waren,

fordert Jesus sie auf, von den Kindern zu lernen. Die Kinder scharrten sich zu

Jesu Füßen und hörten aufmerksam seinen Reden zu. Noch heute sind Kinder häufig

viel offener für die Botschaft Gottes, als erwachsene Menschen.

Die Bibel ist bezüglich der Ehescheidung nicht eindeutig!

Matthäus 19,6 „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“

Maleachi 2,16 „Denn ich hasse Scheidung, spricht der HERR …“

Matthäus 5,32 „Jeder, der seine Frau entlassen wird, außer aufgrund von Hurerei,

macht, dass mit ihr Ehebruch begangen wird; und wer eine Entlassene heiratet,

begeht Ehebruch.“

1. Korinther 7,15 „Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so scheide er sich.

Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht gebunden …“

5. Mose 24,1f „Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie heiratet und es geschieht,

dass sie keine Gunst in seinen Augen findet, weil er etwas Anstößiges an ihr

gefunden hat und er ihr einen Scheidebrief geschrieben, ihn in ihre Hand gegeben

und sie aus dem Haus entlassen hat, …“

Es gibt viele heiße Diskussionen um die Auslegung dieser Bibelstellen. Um

Geschiedene in den Gemeinden und Kirchen zu halten und einigem Unmut aus dem Weg

zu gehen, wird das relativ eindeutige Gebot aus Matthäus 19,6 und Maleachi 2,6

zunehmend entschärft und umgedeutet. Ein Widerspruch in diesen Textstellen

entsteht jedoch nur, wenn man nicht die klare Sicht der Bibel vertritt, dass

spätestens seit dem Neuen Testament Scheidungen verboten sind. Seit jeher hasste

Gott Ehescheidungen (Maleachi 2,16), hatte aber wegen der Herzenshärtigkeit der

Israeliten die Ehescheidung toleriert (Matthäus 19,6-10). Der in Matthäus 19,9

erwähnte Zusatz, dass, „wer immer seine Frau entlässt, außer wegen Hurerei, und

eine andere heiratet, Ehebruch begeht …“ schildert keine Ausnahmeregel für das

Scheidungsverbot, sondern erwähnt eine weitere Konsequenz der Ehescheidung,

nämlich dass Scheidungen Ehebruch zur Folge haben, sobald die entlassende oder

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Widerspruch zwecklos?

die entlassene Person mit einer anderen Person zusammenkommt. Außer im Fall von

Hurerei, wo bereits Ehebruch begangen wurde, hat der Entlassende somit die

Schuld an folgendem Ehebruch, auf den bei den Juden sogar im Gegensatz zur

Ehescheidung die Todesstrafe stand (Johannes 8,2ff). Das griechische Wort

„moichao“ meint ein passives „zum Ehebrecher machen“ und betont zugleich die

rechtliche Sicht bei Ehebruch. Der Einschub des Matthäus enthält demnach noch

die möglichen juristischen Konsequenzen im Falle einer ohnehin verbotenen

Ehescheidung. Jesus unterstreicht somit an dieser Stelle das Scheidungsverbot.

Nicht Jakobus und Johannes fragten nach den besten Plätzen im Himmel, sondern

ihre Mutter!

Matthäus 20,20f „Dann trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu

ihm und warf sich vor ihm nieder und wollte etwas von ihm erbitten. Er aber

sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Bestimme, dass diese meine zwei

Söhne einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen mögen in deinem

Reich!“

Markus 10,35-37 „Und es treten zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des

Zebedäug, und sagen zu ihm: Lehrer, wir wollen, dass du uns tust, um was wir

dich bitten werden. Er aber sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich euch tun

soll? Sie aber sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir einer zu deiner Rechten und

einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit!“

Die Mutter von Jakobus und Johannes geht zusammen mit ihren Söhnen zu Jesus und

äußert die Bitte nach den Plätzen links und rechts von Jesus im Himmel für

Jakobus und Johannes. Das Markus die Mutter in dieser Situation nicht explizit

erwähnt, heißt nicht dass sie nicht dabei gewesen war. Oft finden wir solche

Unterschiede in den Evangelien, die sich nicht widersprechen, aber verschiedene

Blickwinkel auf eine Situation geben, weshalb Gott uns auch vier Evangelien und

nicht nur eines gab. In Matthäus 20,22 erwidert Jesus der Mutter, „Ihr wisst

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Widerspruch zwecklos?

nicht, um was ihr bittet“ (Plural), wodurch deutlich wird, dass es nicht nur die

Bitte der Mutter war und somit Markus nichts hinzugedichtet hat.

Jesus ist nicht allmächtig!

Matthäus 20,23 „… aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu

vergeben, steht nicht bei mir, sondern ist für die, denen es von meinem Vater

bereitet ist.“

Markus 6,5 „Und er konnte dort kein Wunderwerk tun …“

Matthäus 28,18 „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.“

Jesus sagt in Markus 6,5 dass er in Nazareth keine Wunder wirken konnte. In

Matthäus 20,23 spricht er außerdem davon, dass nicht er, sondern sein Vater die

Entscheidung trifft, wer zur Linken und zur Rechten Gottes sitzen darf. Stehen

diese Aussagen im Widerspruch zu seiner Allmacht, die er unter anderen in

Matthäus 28,18 äußert? Nein. Obwohl wir das Wesen Gottes zu Lebzeiten niemals

vollständig ergründen können, wissen wir, dass Jesus seinen Willen, dem Willen

seines Vaters unterordnet. Während Jesus beispielsweise die Aufgabe des Richters

übernehmen wird, bestimmt der Vater, wer zukünftig in der Nähe Jesu sitzen darf.

Das der Vater, der Sohn und der Heilige Geist unterschiedliche Aufgaben haben,

widerspricht nicht der jeweiligen Allmacht. Da der Wille Gottes außerdem immer

identisch ist, gibt es für keinen Teil der Dreieinigkeit Einschränkungen.

Das Jesus in Markus 6,5 keine Wunder tun konnte, lag nicht an eigener

Beschränktheit, sondern an dem Unglauben der Bewohner von Nazareth (V.6). Wenn

Jesus Menschen heilte, war dies fast immer mit Glauben verbunden. Die Menschen

mussten zu ihm kommen (Lukas 5,18), ihm vertrauen (Lukas 18,42) und manchmal

sogar bestimmten Aufforderungen (Johannes 9,7) nachkommen, um geheilt zu werden.

Da die Einwohner von Nazareth keinen solchen Glauben besaßen, bewirkte Jesus

dort keine Wunder.

Matthäus berichtet von zwei Blinden die in Jericho geheilt wurden!

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Widerspruch zwecklos?

Matthäus 20,30 „Und siehe, zwei Blinde, die am Weg saßen und hörten, dass Jesus

vorübergehe, schrien und sprachen: Erbarme dich unser, Herr, Sohn Davids!“

Markus 10,46f „… saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am

Weg. Unfalls er hörte, dass es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien

und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!“

Lukas 18,35.38 „Es geschah aber, als er sich Jericho näherte, saß ein blinder

bettelnd am Weg […] Und er rief und sprach: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich

meiner!“

Insgesamt wurden 2 Blinde (Matthäus 20,30) in der Nähe von Jericho geheilt. Wie

viel Zeit zwischendurch verstrich oder ob die beiden sogar zeitgleich von Jesus

geheilt wurden, wird nicht überliefert. Vielleicht hörte der eine Blinde von dem

Wunder und versuchte auf die gleiche Weise gesund zu werden. Das in der großen

Stadt Jericho mehrere Blindgeborene lebten, erscheint selbstverständlich. Markus

und Lukas legen den Blickwinkel auf den blinden Bartimäus und lassen die

Information eines weiteren Blinden aus. In den Evangelien werden bewusst

Geschichten aus verschiedenen Blickwinkeln mit verschiedenen Schwerpunkten

erzählt. Die Bibel bietet uns so deutlich mehr Informationen, um einzelne

Situationen besser nachzuvollziehen.

Jesus ritt nicht nur auf einem Esel, sondern auf einem Eselsfüllen mit der

Mutter in Jerusalem ein!

Matthäus 21,7 „… brachten sie die Eselin und das Fohlen und legten ihre Kleider

auf sie, und er setzte sich darauf.“

Markus 11,7 „Und sie bringen das Fohlen zu Jesus und legen ihm ihre Kleider auf,

und er setzte sich darauf.“

Lukas 19,35 „… und sie warfen ihre Kleider auf das Fohlen und setzten Jesus

darauf.“

Johannes 12,14 „Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf …“

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Widerspruch zwecklos?

Schon im Alten Testament wird in Sacharja 9,9 angekündigt, dass der König auf

einem Esel reiten wird, einem Fohlen von einer Eselin. Besagte Eselin samt

Fohlen werden dann in Matthäus 21,7 zu Jesus gebracht. Auch in den anderen drei

Evangelien ist stets von einem Eselsfohlen die Rede, wobei die Mutter nicht

extra erwähnt wird. Sämtliche Bibelstellen stehen in keinem Widerspruch

miteinander.

Der Feigenbaum verdorrte sofort und nicht erst tags darauf!

Matthäus 21,19 „Und sogleich verdorrte der Feigenbaum.“

Markus 11,14.20 „Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen! […] Und

als sie frühmorgens vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum verdorrt von den

Wurzeln an.“

Als Jesus den Feigenbaum verfluchte, setzte sofort ein Absterben (griech.

„xeraino“) ein. Als die Jünger tags darauf mit Jesus an diesem Feigenbaum

vorbeikamen, war er bereits vollständig („von den Wurzeln an.“) verdorrt.

Es ist verboten seinen leiblichen Erzeuger Vater zu nennen!

Matthäus 23,9 „Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen;

denn einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel.“

Epheser 6,2 „Ehre deinen Vater und deine Mutter …“

Mit dem Befehl „Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen …“

ist sicherlich nicht ein Verbot gemeint, seinen leiblichen Erzeuger Vater zu

nennen. Im Zusammenhang von Matthäus 23 geht es um geistliche Führer, die sich

gerne Rabbi, Vater u.ä. nennen ließen (V.7). Als geistlichen Vater oder Lehrer

dürfen wir niemanden außer Gott betiteln. Das solche Begriffe aus dem

tagtäglichen Leben übernommen und übertragen wurden, verbietet nicht den

weiteren Gebrauch. Das Verbot aus Matthäus 23,9 meint also den Sachverhalt, dass

Menschen zu geistlichen Größen gemacht und auch so betitelt werden. Wenn der

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Widerspruch zwecklos?

Papst beispielsweise „Heiliger Vater“ genannt wird, widerspricht das diesem

Gebot (und Apostelgeschichte 4,12).

Nicht alle Menschen werden das Evangelium kurz vor der Wiederkunft Christi

hören!

Matthäus 24,14 „Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem

ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende

kommen.“

Matthäus 10,23 „Denn wahrlich, ich sage euch, ihr werdet mit den Städten Israels

nicht zu Ende sein, bis der Sohn des Menschen gekommen sein wird.“

In Matthäus 24,14 erhalten wir die Information, dass das Evangelium auf der

ganzen Erde verkündigt wird, bevor das Ende kommt. In Matthäus 10,23 finden wir

dagegen die Aussage, dass die Verbreitung des Evangeliums durch Menschen

(anfangend mit den Jüngern) noch nicht abgeschlossen sein wird, wenn Jesus

wiederkommt und das Ende einläutet.

Die beiden Textstellen kann man jedoch gut übereinander bringen, wenn man einen

wichtigen Vers aus Offenbarung 14,6 heranzieht. Die Verheißung, dass vor dem

Ende jeder Mensch das Evangelium hören wird, erfüllt sich nämlich nicht durch

die Verkündigung durch Menschen, sondern durch die Verkündigung durch einen

Engel am Himmel. Kurz vor dem Ende (während der 7-jährigen Drangsalszeit) wird

also jeder Mensch der auf der Erde lebt, das Evangelium durch einen Engel am

Himmel hören. Der Grund dafür wird uns durch besagte Textstelle geliefert: Zu

diesem Zeitpunkt haben noch nicht alle Menschen das Evangelium gehört (Matthäus

10,23). Die Textstellen widersprechen sich also nicht, sondern ergänzen

einander, so dass wir ein stimmiges Gesamtbild erhalten können.

Der Name des Hohenpriesters, der Jesus verhörte, variiert zwischen Kaiphas und

Hannas!

Matthäus 26,57 „… führten ihn weg zu Kaiphas, dem Hohenpriester …“

127 von 191


Widerspruch zwecklos?

Markus 14,53 „… und sie führten Jesus weg zum Hohenpriester; und alle

Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten versammeln sich.“

Lukas 22,54 „… und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters.“

Johannes 18,13 „… und sie führten ihn zuerst hin zu Hannas, denn er war

Schwiegervater des Kaiphas, der jenes Jahr Hoherpriester war.“

Apostelgeschichte 4,6 „… und Hannas, der Hohepriester, und Kapihas …“

Normalerweise sollte es nur einen Hohenpriester geben, dessen Amt durch den Tod

auf den Sohn übergeht (4. Mose 20,28). Zu den Zeiten Jesu gab es eine Art

Vetternwirtschaft, die nicht dem Willen Gottes entsprach. Hannas hatte schon zu

Lebzeiten seinen Schwiegersohn Kaiphas zu einem weiteren Hohenpriester

eingesetzt. Obwohl es nur einen Hohenpriester geben sollte und Kaiphas auch nur

Schwiegersohn des Hannas war, nutzte Hannas seine Macht aus und übte sein Amt

entgegen der Vorschriften Gottes aus. Deshalb spricht Markus auch von

Hohenpriestern in der Mehrzahl. Sie führten Jesus zu dem Haus des Hohenpriesters

(Lukas 22,54), wo sich sowohl Kaiphas als auch Hannas aufhielten (Markus

14,53b). Hannas sah Jesus zuerst (Johannes 18,13).

Die Berichterstattung der falschen Zeugen war nicht gelogen!

Matthäus 26,60f „Zuletzt aber traten zwei falsche Zeugen herbei und sprachen:

Dieser sagte: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen ihn wieder

aufbauen.“

Johannes 2,19 „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab,

und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.“

Die falschen Zeugen zitieren Jesus in Matthäus 26,61 mit folgenden Worten: „Ich

kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen ihn wieder aufbauen.“ In

Markus 14,58 erhalten wir außerdem die Information, dass sie von einem Tempel

sprachen, der mit Händen errichtet wurde. Doch Jesus sprach nicht vom Tempel

Gottes und auch nicht von einem Tempel, der mit Händen errichtet wurde. Er

128 von 191


Widerspruch zwecklos?

sprach vom Tempel seines Leibes (Johannes 2,21). Die Ankläger erhielten deshalb

von Matthäus zu Recht die Bezeichnung als falsche Zeugen, da sie neben

wahrscheinlich noch weiteren Lügen, das Zitat von Jesus falsch wiedergaben. Sie

wollten Jesus die Zerstörung des Tempels vorwerfen, obwohl dieser von etwas ganz

anderem sprach.

Petrus muss Jesus mehr als dreimal verleugnet haben!

Matthäus 26,69-73 „Petrus aber saß draußen im Hof; und es trat eine Magd zu ihm

und sprach: Auch du warst mit Jesus, dem Galiläer. Er aber leugnete vor allen

und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. Als er aber in das Torgebäude

hinausgegangen war, sah ihn eine andere; und sie spricht zu denen, die dort

waren: Auch dieser war mit Jesus, dem Nazoräer. Und wieder leugnete er mit einem

Eid: Ich kenne den Menschen nicht! Kurz nachher aber traten die Umstehenden

herbei und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, auch du bist einer von ihnen, denn

auch deine Sprache verrät dich.“

Markus 14,66-71 „Und als Petrus unten im Hof war, kommt eine von den Mägden des

Hohenpriesters, und als sie den Petrus sich wärmen sah, blickte sie ihn an und

spricht: Auch du warst mit dem Nazarener Jesus. Er aber leugnete und sprach: Ich

weiß nicht, verstehe auch nicht, was du sagst. Und er ging hinaus in den Vorhof.

Und als die Magd ihn sah, fing sie wieder an, zu den Dabeistehenden zu sagen:

Dieser ist einer von ihnen. Er aber leugnete wieder. Und kurz nachher sagten

wieder die Dabeistehenden zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer von ihnen, denn

du bist auch ein Galiläer.“

Lukas 22,56-60 „Es sah ihn aber eine Magd bei dem Feuer sitzen und blickte ihn

scharf an und sprach: Auch dieser war mit ihm. Er aber leugnete und sagte: Frau,

ich kenne ihn nicht. Und kurz danach sah ihn ein anderer und sprach: Auch du

bist einer von ihnen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin es nicht. Und nach

Verlauf von etwa einer Stunde behauptete ein anderer und sagte: In Wahrheit,

auch dieser war mit ihm, denn er ist auch ein Galiläer.“

129 von 191


Widerspruch zwecklos?

Johannes 18,17-27 „Da spricht die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist nicht

aus du einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sagt: Ich bin es nicht. Es

standen aber die Knechte und die Diener da, die ein Kohlenfeuer gemacht hatten,

weil es kalt war, und wärmten sich; Petrus aber stand auch bei ihnen und wärmte

sich. […] Da sprachen sie zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?

Er leugnete und sprach: Ich bin es nicht. Es spricht einer von den Knechten des

Hohenpriesters, der ein Verwandter dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen

hatte: Sah ich dich nicht in dem Garten bei ihm? Da leugnete Petrus wieder …“

Petrus verleugnete Jesus dreimal (Matthäus 26,34 und Lukas 22,61). Auch wenn es

etwas Mühe bedarf, kann man die vier Berichte zu den drei Verleugnungen in den

Evangelien gut auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Wir erfahren, dass folgende

Personen Petrus ansprachen:

- Magd (Türhüterin): Mt. 26,69; Mk. 14,66f; Lk. 22,56; Joh. 18,17

- Umherstehender (angestiftet durch Magd): Mt. 26,71; Mk. 14,69; Lk.

22,58; Joh. 18,25

- Umherstehender (Verwandter von Malchus): Mt. 26,73; Mk. 14,70; Lk.

22,59; Joh. 18,26

Der Hahn krähte nach der Verleugnung durch Petrus unterschiedlich oft!

Matthäus 26,74f „Und gleich darauf krähte der Hahn. Und Petrus gedachte des

Wortes Jesu, der gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal

verleugnen.“

Lukas 22,60 „Und sogleich, während er noch redete, krähte ein Hahn.“

Johannes 18,27 „Da leugnete Petrus wieder; und gleich darauf krähte der Hahn.“

Markus 14,72 „Und sogleich krähte zum zweiten Mal der Hahn. Und Petrus gedachte

des Wortes, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du

mich dreimal verleugnen.“

130 von 191


Widerspruch zwecklos?

Jesus kündigte an, dass der Hahn nicht krähen wird bis Petrus ihn verleugnet

hat. Das Evangelium des Markus, das gutmöglich unter der Aufsicht von Petrus

verfasst worden ist, nennt ein weiteres Detail: Der Hahn krähte zweimal. Ob der

Hahn zweimal hintereinander krähte oder ob es sich um das zweite Krähen

innerhalb eines Tages handelt (d.h. morgens), bleibt offen. Die Ergänzung des

Markus stimmt aber mit allen anderen Stellen überein, die lediglich ankündigen,

dass der Hahn (augenblicklich) nach der dritten Verleugnung mindestens einmal

krähen wird.

Jesus schwieg nicht, als er von Pilatus verhört wurde!

Matthäus 27,12-14 „Und als er von den Hohenpriestern und den Ältesten angeklagt

wurde, antwortete er nichts. Da spricht Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, wie

vieles sie gegen dich vorbringen? Und er antwortete ihm auch nicht auf ein

einziges Wort, so dass der Statthalter sich sehr wunderte.“

1. Timotheus 6,13 „Ich gebiete dir vor Gott, der allem Leben gibt, und vor

Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis bezeugt hat …“

Johannes 18,33-37 „Pilatus ging nun wieder hinein in das Prätorium und rief

Jesus und sprach zu ihm: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du

dies von dir selbst aus, oder haben dir andere von mir gesagt? Pilatus

antwortete: Bin ich etwas ein Jude? Deine Nation und die Hohenpriester haben

dich mir überliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht

von dieser Welt […]. Da sprach Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König?

Jesus antwortete: Du sagst es, dass ich ein König bin.“

In Matthäus 27,14 heißt es: „Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges

Wort, so dass der Statthalter sich sehr wunderte.“ Aus anderen Bibelstellen

wissen wir aber, dass Jesus durchaus Antworten gab. Wie lässt sich die Aussage

von Matthäus dann erklären? Die Antwort ist verblüffend einfach, wenn man die

Verse zuvor nicht außer Acht lässt. Jesus schwieg zu den Anklagepunkten der

Juden (V.12). Auch als Pilatus zu derselben Frage eine Aussage verlangte,

131 von 191


Widerspruch zwecklos?

antwortete Jesus mit keinem einzigen Wort. Pilatus war sehr verwundert, da er

noch nie erlebt hatte, dass jemand keine Verteidigung vorbrachte. Jesus schwieg

also nicht ununterbrochen, wohl aber zu den Anklagepunkten. Jesus war fest

entschlossen als unschuldiges Opfer sein Leben zu lassen. Jegliche Stellungnahme

zu den speziellen Anklagepunkten der Juden ließ er offen.

Der Mantel Jesu wird mit unterschiedlichen Farben in den Evangelien angegeben!

Matthäus 27,28 „… und sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten

Mantel um.“

Markus 15,17 „Und sie legen ihm ein Purpurgewand an …“

Johannes 19,2 „… und warfen ihm ein Purpurgewand um …“

Die Soldaten legten Jesus einen Purpurmantel um. Purpur ist laut Lexika die

allgemeine Bezeichnung für Nuancen zwischen Rot und Blau (siehe auch: 2. Mose

25,4). Das der Mantel scharlachroter Farbe entsprach (Matthäus 27,28) stimmt

demnach mit den Berichten von Markus und Johannes überein.

Der Wortlaut von Jesus am Kreuz unterscheidet sich!

Matthäus 27,46 „Elí, Elí, lemá sabachtháni?“

Markus 15,34 „Eloí, Eloí, lemá sabachtháni?“

Die bekannten aramäischen Worte „Eloí, Eloí, lemá sabachtháni?“ unterscheiden

sich in beiden Evangelien um einen Buchstaben. Matthäus schreibt „Elí“ statt

„Eloi“. Da beide Autoren ihr Evangelium in griechischer Sprache verfassten,

standen sie jeweils vor der Herausforderung, die aramäische Aussage Jesu in

griechischen Schriftzeichen wiederzugeben. Dass viele aramäische Laute und

Buchstaben jedoch im griechischen gar nicht existieren bzw. ausgesprochen werden

können, betont die Schwierigkeit an dieser Stelle. Für beide Autoren gab es zwei

Möglichkeiten: Sie konnten das Prinzip der Transliteration (buchstabengetreue

Übertragung) oder das Prinzip der Transkription (lautgetreue Übertragung)

132 von 191


Widerspruch zwecklos?

anwenden. Während Markus sich für eine buchstabengetreue Übertragung entschied,

betonte Matthäus die Aussprache. Wenn wir Matthäus 27,47 betrachten, verstehen

wir, warum dies in diesem Falle besonders sinnvoll war. Die Umherstehenden

verstanden irrtümlicherweise einen Ruf nach Elia. Erst durch die Transkription

des Matthäus wird dem Leser der Grund dafür geliefert, da Jesu Ausruf ähnlich

wie Elias Name klang.

Das Begräbnis Jesu wird unterschiedlich geschildert!

Matthäus 27,57-60 „Als es aber Abend geworden war, kam ein reicher Mann von

Arimathäa, mit Namen Josef, der selbst auch ein Jünger Jesu war. Dieser ging hin

zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. […] Und Josef nahm den Leib und wickelte

ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in seine neue Gruft […] Es waren aber

dort Maria Magdalena und die andere Maria, die dem Grab gegenübersaßen.“

Markus 15,43 „… kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der selbst

auch das Reich Gottes erwartete, und er wagte es und ging zu Pilatus hinein und

bat um den Leib Jesu.“

Lukas 23,50 „Und siehe, ein Mann mit Namen Josef, der ein Ratsherr war, ein

guter und gerechter Mann …“

Johannes 19,39f „Es kam aber auch Nikodemus […] Sie nahmen nun den Leib Jesu und

wickelten ihn in Leinentücher mit wohlriechenden Ölen, wie es bei den Juden zu

bestatten Sitte ist.“

Apostelgeschichte 13,27-29 „Die die zu Jerusalem wohnen und ihre Obersten […]

Und nachdem sie alles vollendet hatten, was über ihn geschrieben ist, nahmen sie

ihn vom Holz herab und legten ihn in eine Gruft.“

Josef von Arimathäa bat bei Pilatus um den Leib Christi, was viel Mut von ihm

erforderte (Markus 15,43). Mit Hilfe der Römer (Apostelgeschichte 13,29b) nahm

er Jesus vom Kreuz. Nikodemus kam anschließend hinzu und half bei der

Einbalsamierung in dem er eine Mischung aus Myrrhe und Aloe mitbrachte (Johannes

19,39). Nikodemus und Josef legten gemeinsam unter der Aufsicht einiger Frauen

133 von 191


Widerspruch zwecklos?

Jesus ins Grab. Diesen Ablauf kann man mit allen fünf Bibelstellen vereinbaren

und widerlegt jeden Vorwurf eines Widerspruchs.

In allen vier Evangelien läuft die Auferstehungsgeschichte unterschiedlich ab!

Matthäus 28 „Aber nach dem Sabbat, in der Morgendämmerung …“

Markus 16 „Und als der Sabbat vergangen war, …“

Lukas 24 „Am ersten Wochentag aber, ganz in der Frühe, …“

Johannes 20 „An dem ersten Wochentag aber …“

Die Auferstehung Jesu wirft viele Fragen auf, wenn man die einzelnen Berichte in

den Evangelien überfliegt. Um ein schlüssiges Gesamtbild zu erhalten, muss man

allerdings alle vier Evangelien miteinander vergleichen. Jeder Berichterstatter

legt eigene Schwerpunkte und nicht jeder erzählt alles. Das ist auch der Grund

warum es vier Evangelien gibt und nicht nur ein einzelnes. Wenn man z.B. einen

Würfel nur von vorne betrachtet, könnte man daraus schließen, dass alle Seiten

identisch sind, erst bei Betrachtung von allen Blickwinkeln, sehen wir die

Unterschiede die allerdings durchaus miteinander vereinbar sind. Der Ablauf der

Auferstehung könnte folgendermaßen abgelaufen sein:

- Frauen bereiteten am Sabbatabend Öle zu (Markus 16,1)

- Frauen (inkl. Maria, Maria Magdalena und Johanna) gehen zum Grab (Mt 28,1; Lk

24,10)

- unterwegs geht die Sonne auf (Joh 20,1 und Mk 16,2)

- Stein ist weggewälzt (Mt 28,2; Mk 16,4;Lk 24,3; Joh 20,1)

- Frauen sehen Engel der zu ihnen spricht, dass Jesus auferstanden ist (Lk 24,5)

- Frauen laufen zu den Jüngern (sagen aber nur dass Jesus weg ist) (Joh 20,2; Mk

16,8)

- Johannes und Petrus laufen schnell zur Gruft (Joh 20.3); die Frauen folgen

- in der Nähe der Gruft erscheinen den Frauen Engel, danach Jesus (Joh 20,11; Mt

28,9)

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Widerspruch zwecklos?

- Maria Magdalena erblickte ihn zuerst (Mk 16,9)

- die Frauen fallen nieder und umfassen Jesu Füße (Mt 28,9)

- Jesus antwortet, sie sollen ihn noch nicht anfassen (Mk 16,17)

- die Frauen laufen erneut zu den Jüngern, erzählen diesmal alles (Joh 20,18)

Die Taufformel unterscheidet sich!

Matthäus 28,19 „… und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des

Heiligen Geistes, …“

Apostelgeschichte 2,38 „… und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen

Jesu Christi …“

Apostelgeschichte 8,16 „… denn er (Hlg. Geist) war noch auf keinen von ihnen

gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus.“

Apostelgeschichte 10,48 „Und er befahl, dass sie getauft würden im Namen Jesu

Christ.“

Apostelgeschichte 19,5 „… ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen.“

Die Taufformel lautet in der Apostelgeschichte „auf den“ oder „im Namen Jesus

Christ“, während Jesus selbst am Ende des Matthäusevangeliums den Auftrag gibt

„auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen.

Tatsächlich gibt es unterschiedliche Ansichten und hoch theologische

Diskussionen zu diesem Thema. Generell gibt es verschiedene Taufen (z.B.

Apostelgeschichte 11,16 und 19,3) in der Bibel, weshalb hier nicht die Frage

nach einem Widerspruch aufkommen sollte, sondern die Frage, ob es sich überhaupt

um dieselbe Form der Taufe handelt. Falls es sich um unterschiedliche Taufen

handelt, hängt das sicherlich damit zusammen, dass wir uns in der

Apostelgeschichte in einer Übergangszeit befinden. Die Jünger empfingen erst an

Pfingsten (Kapitel 2) den Heiligen Geist und treffen im Laufe der

Apostelgeschichte an vielen Stellen auf Christen, die den Heiligen Geist noch

nicht empfangen haben (z.B. Apostelgeschichte 8,17 und 19,6). Der Auftrag im

Matthäusevangelium beinhaltet hingegen auch die Aussendung in die ganze Welt zu

135 von 191


Widerspruch zwecklos?

allen Nationen, was sich nicht auf die Übergangszeit in der Apostelgeschichte

begrenzt. Das Jesus von der selben Taufe redete wie die der Apostelgeschichte

ist allerdings auch möglich. In diesem Fall käme der exakten Taufformel keine

übermäßige Bedeutung zu. Der Herr Jesus erklärt sich als eins mit dem Vater. Auf

diese Lehre der Dreieinigkeit stoßen wir durchgehend in der gesamten Bibel. In

den Bibelstellen der Apostelgeschichte handelt es sich um die Taufe von Juden

oder Proselyten, die bereits im Judentum verankert waren. Da es im Judentum

bereits verschiedene Waschungen/ Taufen gab (Hebräer 6,2; griech. baptismos),

soll eventuell in der Apostelgeschichte explizit betont werden, dass sie sich

jetzt auf den Herrn Jesus taufen ließen, den sie als Juden ein paar Jahre vorher

noch ablehnten und sogar kreuzigten. Die besondere Herausforderung der Juden

bestand darin, Jesus Christus als Messias und Sohn Gottes anzuerkennen. Ohne

jegliche Festlegung, kann also der Ausdruck auf den Namen des Herrn Jesus

Christus getauft zu werden, in der Apostelgeschichte zwar thematisch dasselbe

bedeuten wie der Auftrag in Matthäus 28, aber zusätzlich das wichtige Zeugnis in

der damaligen jüdischen Welt enthalten, Jesus Christus nun akzeptiert zu haben.

Markus

Petrus und Andreas kamen nicht aus Kapernaum, sondern aus Betsaida!

Markus 1,29 „Und sobald sie aus der Synagoge (in Kapernaum) hinausgingen, kamen

sie mit Jakobus und Johannes in das Haus Simons und Andreas’.“

Johannes 1,44 „Philippus aber war von Betsaida, aus der Stadt des Andreas und

Petrus.“

Als die Jünger mit Jesus aus der Synagoge von Kapernaum kamen, gingen sie in das

Haus von Petrus. Das dieses wohl in Betsaida lag, steht in keinem Widerspruch.

Betsaida lag in der gleichen Gegend wie Kapernaum, am Westufer des See

Genezeraths. Sie verließen demnach die Synagoge von Kapernaum und gingen in das

angrenzende Betsaida.

136 von 191


Widerspruch zwecklos?

Die Bitte der Dämonen unterscheidet sich in der Berichterstattung des Markus und

des Lukas!

Markus 5,9 „Und er bat ihn sehr, dass er sie nicht aus der Gegend fortschicke.“

Lukas 8,31 „Und sie baten ihn, dass er ihnen nicht gebieten möchte, in den

Abgrund zu fahren.“

Die Dämonen hatten Angst, dass Jesus sie vor dem endgültigen Gericht schon

gefangen nehmen und bestrafen würde. Daher baten sie ihn, dass er sie nicht in

den Abgrund (griech. abbysos = Ort wo auch der Satan für tausend Jahre gebunden

werden wird) schicken wird. Die in Markus erwähnte Bitte, nicht aus der Gegend

vertrieben zu werden, kommt dieser Anfrage gleich. Die gefallenen Engel werden

entweder in Ketten gebunden für den Tag des Gerichts aufbewahrt (2. Petrus 2,4)

oder haben das Recht eingeräumt bekommen, bis zu diesem Tag sich frei auf dem

Erdkreis zu bewegen. Wenn Jesus ihnen also befohlen hätte, die Gegend zu

verlassen und sich nicht weiterhin frei bewegen zu können, wäre dies

gleichbedeutend gewesen, wie in den Abgrund zu fahren. Markus und Lukas benutzen

demnach nur eine unterschiedliche Formulierung für einen identischen

Sachverhalt.

Die Ortsangabe über die Heilung eines Blinden unterscheidet sich in Markus und

Johannes!

Markus 8,22-25 „Und sie kommen nach Betsaida; und sie bringen ihm einen Blinden

…“

Johannes 8,59-9,6 „Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus. Und

als er vorüberging, sah er einen Menschen, blind von Geburt …“

In den beiden Textstellen handelt es sich um zwei verschiedene Geschichten. Im

Alten Testament (Jesaja 29,18 und 35,5) wird bereits angekündigt, dass der

Messias die Augen der Blinden (plural) auftun wird. Da auch der Ablauf der

137 von 191


Widerspruch zwecklos?

Heilung unterschiedlich ist, muss es sich um zwei verschiedene Situationen an

zwei verschiedenen Orten handeln, was im Einklang mit allen sonstigen

Bibelstellen steht.

Der Zeitpunkt der Verklärung Jesu unterscheidet sich!

Markus 9,2 „Und nach sechs Tagen nimmt Jesus Petrus und Jakobus und Johannes mit

und führt sie für sich allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen

umgestaltet.“

Lukas 9,28 „Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, dass er Petrus

und Johannes und Jakobus mitnahm und auf den Berg stieg, …“

Fand die Verklärung Jesu 6 oder 8 Tage nach vorheriger Ankündigung statt?

Während Matthäus und Markus jeweils von 6 Tagen sprechen, heißt es in Lukas

9,28: „Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten … .“ Das griechische

Wort „hosei“, das mit „etwa“ oder „ungefähr“ übersetzt wird, klärt den

Sachverhalt auf. Lukas war kein Augenzeuge und berichtet in seinem Evangelium,

was er zuvor gehört hat (Lukas 1,1-4). Bei Zahlen, Uhrzeiten und Mengen legt

sich Lukas auffallend selten genau fest (Vgl. Lukas 8,42; 9,14; 22,59). Da

angebrochene Tage damals vollständig mitgezählt wurden, ist die Differenz

zwischen 6 und 8 Tagen außerdem geringer, als es zunächst scheint.

Auch Ungläubige konnten im Namen von Jesus Dämonen austreiben, obwohl dies

eigentlich nur den Gläubigen zugesprochen wurde!

Markus 9,38 „Johannes sagte zu ihm: Lehrer, wir sahen jemand Dämonen austreiben

in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt.“

Markus 16,17 „Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem

Namen werden sie Dämonen austreiben; …“

Lukas 9,49 „Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand

Dämonen austreiben in deinem Namen, und wir wehrten ihm, weil er dir nicht mit

uns nachfolgt.“

138 von 191


Widerspruch zwecklos?

Matthäus 7,22-23 „Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir

nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben

[…] Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von

mir, ihr Übeltäter!“

Die von Markus und Lukas erwähnte Person trieb Dämonen im Namen Jesu aus. Er

wollte sich den Jüngern aber nicht anschließen, als diese ihn dazu aufforderten.

Nirgendwo in der Bibel wird erwähnt, dass man sich den Jüngern Jesu damals

anschließen musste und demnach liegt kein Grund vor, dass die erwähnte Person

ungläubig war, was wiederum der Aussage von Markus 16,17 nicht widerspricht. Die

in Matthäus 7,22 genannten Personen geben vor in Jesu Namen Austreibungen

vorgenommen zu haben. Ob und in welchem Namen dies tatsächlich geschehen ist,

wird an dieser Stelle nicht erwähnt.

Jesus ist nicht allwissend!

Markus 13,32 „Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, auch nicht die

Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.“

Markus 5,30 „Und sogleich erkannte Jesus in sich selbst die Kraft, die von ihm

ausgegangen war, wandte sich um in der Volksmenge und sprach: Wer hat mein

Gewand angerührt?“

Lukas 7,9 „Als aber Jesus dies hörte, wunderte er sich über ihn; …“

Matthäus 8,10 „Als aber Jesus es hörte, wunderte er sich und sprach zu denen,

die nachfolgten …“

Johannes 16,30 „… jetzt wissen wir, dass du alles weißt und nicht nötig hast,

dass dich jemand fragt; hierdurch glauben wir, dass du von Gott ausgegangen

bist.“

Johannes 21,17 „… Herr, du weiß alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe.“

Wenn in manchen Bibelstellen davon die Rede ist, dass Jesus sich wunderte (Lukas

7,9) oder eine Auskunft über etwas haben wollte (Markus 5,30), dann heißt das im

139 von 191


Widerspruch zwecklos?

Umkehrschluss nicht, dass Jesus kein allwissender Gott sein kann. Vielmehr

benutzte er solche Ausdrücke um den Menschen einen Sachverhalt einfacher zu

vermitteln. In Johannes 11,41 bedankt sich Jesus zum Beispiel lautstark bei

seinem Vater, dass er sein Gebet erhört hat. Dann fügt er im folgenden Vers an:

„Ich aber wusste, dass du mich allezeit erhörst; doch um der Volksmenge willen,

die umhersteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt

hast.“. Wesentlich schwieriger ist die Textstelle aus Markus 13,32 zu

interpretieren. Jesus sagt, dass er den Zeitpunkt, wenn Himmel und Erde vergehen

nicht weiß, sondern nur der Vater diesen Zeitpunkt wüsste. Der Leser fragt sich

an dieser Stelle, wie Jesus etwas nicht wissen kann, obwohl er doch Gott ist. Es

gibt verschiedene Ansätze um Licht in diese Bibelstelle zu bringen. Im

Griechischen steht hier die Wendung „ei me“, was mit „sondern nur“ übersetzt

wird. An anderer Stelle wird „ei me“ jedoch mit „wenn nicht“ übersetzt (Johannes

9,33). Ein Erklärungsversuch wäre demnach, dass der Vers auch folgendermaßen

lauten könnte: „Über jenen Tag oder jene Stunde weiß niemand etwas, auch die

Engel im Himmel nicht, auch nicht der Sohn, wenn nicht der Vater.“ Sinngemäß

wäre die Aussage dann, dass der Sohn es nur weiß, wenn es auch der Vater weiß.23

Da der Vater diesen Zeitpunkt festgesetzt hat (Apostelgeschichte 1,7), könnte

diese Auslegung durchaus eine passende Antwort bieten.

Ein alternativer Erklärungsversuch wird durch Johannes 15,15 geliefert. Dort

heißt es: „Der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“. Es ist erstaunlich, dass

wir den zu behandelnden Vers nur im Markusevangelium finden, wo der Herr Jesus

besonders als Knecht vorgestellt wird. Unabhängig davon, ob Jesus nun den

genauen Zeitpunkt wusste oder nicht, würde seine Aussage unterstreichen, dass er

sich als Knecht seines Vaters ansah und dessen Willen bedingungslos umsetzen

wollte. In dem er sich selbst einschränkt, drückt er aus, dass er sich dem

Willen des Vaters gänzlich untergeordnet hat. Obwohl es dem Menschen niemals

gelingt, das Wesen Gottes gänzlich zu erfassen, muss zwingend eine wichtige

Tatsache berücksichtigt werden: Jesus (Gott) ist allwissend und allmächtig.

23 „Bruno Schwengeler“, „3 x 100 Fragen zur Bibel“ S. 277, 2003


140 von 191
Widerspruch zwecklos?

Seine Allmacht lässt aber außerdem zu, dass er sich selbst Schranken setzen

kann. Obwohl Gott theoretisch alles kann, ist er nicht in der Lage Dinge zu tun,

die gegen sein Wesen verstoßen. Jesus ist allmächtig, kann aber nicht sündigen

oder ungerecht agieren. Obwohl Jesus ewig existiert und als Inbegriff des Lebens

gilt, ist er am Kreuz gestorben. Weil er es konnte und wollte. Es gibt noch

weitere Einschränkungen, die er gerade aufgrund seiner Allmacht besitzt. Im

Zusammenhang mit Markus 13,32 würde dies bedeuten, dass Jesus, obwohl er

allwissend und allmächtig ist, den Tag seiner Wiederkunft bewusst nicht kennen

wollte bzw. sollte.

Jesus wurde nicht von einem Hohenpriester verhört, sondern von mehreren

Personen!

Markus 14,61 „Wieder fragte ihn der Hohepriester und spricht zu ihm: Bist du der

Christus, der Sohn des Hochgelobten?“

Matthäus 26,63 „Und der Hohepriester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem

lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes!“

Lukas 22,70 „Sie sprachen aber alle: Du bist also der Sohn Gottes?“

Jesus wurde von dem Hohepriester verhört. Bei dieser Befragung waren aber

mehrere hoch angesehene Juden vertreten (Markus 14,53). Der Hohepriester stellte

zwar Jesus die Fragen (Matthäus 22,63 und Markus 14,61), jedoch stellvertretend

für den gesamten Hohen Rat. Während Matthäus und Markus den Schwerpunkt auf die

Unterhaltung legen, bleibt Lukas seinem sachlich, chronologischem Schreibstil

treu (Lukas 1,1-4) und verkündet das Urteil des Hohen Rates, das durch den

Hohenpriester ausgesprochen wurde („Sie sprachen aber alle: … .“). Ähnlich wie

im Deutschen durch einzelne Richter „im Namen des Volkes“ geurteilt wird,

verkündet der Hohepriester, stellvertretend für den gesamten Hohen Rat der

Juden, sein Urteil.

141 von 191


Widerspruch zwecklos?

Es gibt unterschiedliche Berichte darüber, ob Jesus etwas trank als er am Kreuz

hing!

Markus 15,23 „Und sie gaben ihm mit Myrrhe vermischten Wein; er aber nahm

nicht.“

Johannes 19,29f „Es stand da ein Gefäß voll Essig. Sie legten nun einen Schwamm

voller Essig um einen Ysop und brachten ihn an seinen Mund. Als nun Jesus den

Essig genommen hatte …“

Die beiden Bibelstellen handeln von zwei völlig unterschiedlichen Getränken zu

zwei verschiedenen Zeitpunkten. Kurz bevor Jesus gekreuzigt wurde, bot man ihm

Wein vermischt mit Myrrhe an, der die Sinne betäuben sollte und als

schmerzlindernd galt. Diesen lehnte Jesus ab, auch weil er vorher schon

prophezeite, dass er auf der Erde keinen Wein mehr trinken wird (Lukas 22,18).

Als Jesus dann am Kreuz hing, trank er Essig, der ihm mit einem Rohr angereicht

wurde. Er selbst bat darum, was wiederum eine erfüllte Prophetie beinhaltet

(Psalm 69,22). Statt eines Widerspruchs finden wir in diesen Bibelstellen zwei

erfüllte Vorhersagen, welche die Echtheit der Bibel und die Autorität des

Messias stark unterstreichen.

Der Todeszeitpunkt Jesu wird unterschiedlich angegeben!

Markus 15,25 „Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten ihn.“

Matthäus 27,45f „Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das

ganze Land bis zur neunten Stunde; um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit

lauter Stimme …“

Lukas 23,44 „Und es war schon um die sechste Stunde; und es kam eine Finsternis

über das ganze Land bis zur neunten Stunde …“

Johannes 19,14ff „Es war aber Rüsttag des Passah; es war um die sechste Stunde.

Und er spricht zu den Juden: Siehe euer König! Sie aber schrieb: Weg, weg!

Kreuzige ihn!“

142 von 191


Widerspruch zwecklos?

Markus sagt, dass die Kreuzigung zur dritten Stunde begann (Markus 15,25).

Johannes dagegen berichtet, dass Jesus um die sechste Stunde noch vor Pilatus

stand und zur Kreuzigung freigegeben wurde (Johannes 19,14). Matthäus

unterstützt die Aussage des Markus (Markus 15,34), dass Jesus schließlich zur

neunten Stunde starb (Matthäus 27,46). Auch Lukas (Lukas 23,44) bestätigt die

Zeitangaben von Matthäus und Markus. Josh McDowell schreibt in seinem Buch „Das

kann ich nicht glauben“24 folgendes zu dieser Thematik:

„Markus 15,25 stellt fest: »Es war um die dritte Stunde, als sie ihn

kreuzigten«, während wir in Johannes 19,14 lesen: »Es war am Rüsttag des

Passahfestes, ungefähr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Das

ist euer König!«

Dies stellt in der Tat eine Schwierigkeit dar, da Jesus laut Markus zur dritten

Stunde nach jüdischer Zeitrechnung gekreuzigt wurde, das entspricht neun Uhr

morgens, während Johannes ihn um die sechste Stunde, oder Mittag, vor Pilatus

stehen läßt. Viele sagen, dieser Widerspruch sei unmöglich zu beheben, während

andere behaupten, der Unterschied zwischen beiden sei das Ergebnis eines frühen

Abschreibfehlers. Keine dieser beiden Ansichten ist einleuchtend oder annehmbar.

Es gibt zwei mögliche Lösungen, die ausreichendes Gewicht für sich haben. Eine

Lösung beruht auf dem Wort »ungefähr« in der Zeitaussage des Johannes. Er sagt,

daß es nicht genau die sechste Stunde war, sondern ungefähr diese Zeit.

Außerdem zwingt uns der Bericht des Markus nicht zu glauben, es sei genau neun

Uhr vormittags gewesen, als Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Dies wird

deutlich, wenn man die Art versteht, in der das Neue Testament die Zeit

berechnet.

Die Nacht war in vier Wachen zu je drei Stunden eingeteilt (vgl. Mark. 13,35),

und der Tag war auf ähnliche Weise in Perioden unterteilt. Angesichts dieser

Tatsache können wir uns vorstellen, daß die Aussage des Markus über die ›dritte

Stunde‹ einfach bedeutete, daß Jesus irgendwann während der dritten Stunde

24 „Josh McDowell“, „Das kann ich nicht glauben“-CLV S.58f, 1997


143 von 191
Widerspruch zwecklos?

(zwischen neun Uhr und Mittag) gekreuzigt wurde, während die Aussage des Johan-

nes, der Prozeß habe ungefähr mittags geendet, vor Mittag bedeuten kann.

Wenn also die Kreuzigung zwischen neun Uhr und Mittag stattfand, könnte Markus

sie der früheren Periode (9 Uhr) und Johannes der späteren Periode (Mittag)

zugewiesen haben, ohne daß es einen Widerspruch gibt.

»Wenn die Kreuzigung in der Mitte zwischen neun und zwölf Uhr stattfand, dann

war es ganz natürlich, daß der eine Beobachter sie der früheren, der andere der

späteren Stunde zuschrieb.

Der Stand der Sonne am Himmel war der Zeitanzeiger der damaligen Zeit; so war es

zwar leicht festzustellen, ob es vor oder nach Mittag war oder ob die Sonne vor

oder nach der Mitte zwischen Zenit und Horizont stand, feinere Zeitunterschiede

konnten aber nicht ohne Hilfe einer Sonnenuhr festgestellt werden, die aber

nicht überall zur Hand war« (The Expositor’s Greek New Testament, Kommentar zu

Joh. 19,14).

Eine weitere Möglichkeit ist, daß Johannes eine andere Methode der Zeitrechnung

verwendet als Markus. Wir wissen durch Plutarch, Plinius, Aulus Gellius und

Macrobius mit Sicherheit, daß die Römer den zivilen Tag von Mitternacht bis

Mitternacht rechneten, genau wie wir heute. So wäre die »sechste Stunde« des

Johannes sechs Uhr am Morgen. Damit wäre sechs Uhr morgens die Zeit des letzten

Verhöres Jesu und seiner Verurteilung, womit ausreichend Zeit für die Ereignisse

bis zur Kreuzigung bleiben, die nach Markus um neun Uhr morgens oder später

stattfand.

Es gibt gute Beweise dafür, daß Johannes diese Art der Zeitrechnung verwendet

hat. In der Schrift ist es nicht ungewöhnlich, daß verschiedene Autoren

unterschiedliche Methoden der Zeitmessung und der Zeitrechnung benutzen.

Im Alten Testament geben die Verfasser ihre wichtigen Daten oft nach dem

Kalendersystem des Landes an, in dem sie zur Zeit leben. Zum Beispiel war in

Jeremia 25,1 und 46,2 nach palästinischer Rechnung und in Daniel 1,1 nach

babylonischer Rechnung dasselbe Jahr.

144 von 191


Widerspruch zwecklos?

Ein Beispiel aus dem Neuen Testament bietet Johannes 20,19. Der Abend des Tages,

an dem Jesus von den Toten auferstand, wird als Teil desselben Tages betrachtet.

Offensichtlich rechnet Johannes nicht nach jüdischer Zeit. Nach jüdischer

Zeitrechnung wäre der fragliche Abend Teil des Montags – für die Juden der erste

Tag der Woche, da der jüdische Tag mit Sonnenuntergang begann.

Dieser mögliche Faktor zeigt, zusammen mit dem vorher Erwähnten, daß es durchaus

nicht unmöglich ist, die Schwierigkeit dieser beiden Abschnitte zu lösen, und

daß es für diese Schwierigkeit eine vernünftige Erklärung gibt.“

Beide Mitgekreuzigten spotteten über Jesus!

Markus 15,32b „Auch die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn.“

Lukas 23,39f „Einer der gehenkten Übeltäter aber lästerte ihn […] Der andere

aber antwortete und wies ihn zurecht und sprach: Auch der fürchtest Gott nicht,

da du in demselben Gericht bist?“

Tatsächlich spotteten beide Mitgekreuzigten zunächst über Jesus als sie am Kreuz

hingen. Im Verlauf der Kreuzigung reute es aber den einen, so dass er Jesus um

Vergebung bat (Lukas 23,41f). Der Mann am Kreuz ist ein gutes Bild für

wiedergeborene Christen, die Gott zunächst hassten und ihn verspotten, später

aber voller Reue zu ihm umgekehrt sind und ihn als König über ihr Leben

akzeptiert haben.

Der Zeitpunkt der Himmelfahrt Christi widerspricht sich!

Markus 16,9-19 „Als er aber früh am ersten Wochentag auferstanden war, erschien

er zuerst der Maria Magdalena […] Danach aber offenbarte er sich zweien von

ihnen […] Nachher offenbarte er sich den Elfen selbst […] Der Herr wurde nun,

nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich

zur Rechten Gottes.“

145 von 191


Widerspruch zwecklos?

Johannes 20,26 „Und nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen und Thomas

bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und trat in die

Mitte …“

Apostelgeschichte 1,3 „… indem er sich 40 vierzig Tage hindurch von ihnen sehen

ließ …“

Apostelgeschichte 13,31 „und er ist mehrere Tage hindurch denen erschienen …“

Nach dem Tod Jesu erschien er zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlichen

Menschen (1. Korinther 15,6) über einem Zeitraum von 40 Tagen (Apg. 1,3).

Anschließend ist er in den Himmel hinaufgestiegen (Apg. 1,4-11). Wenn man diese

Abfolge beherzigt, ergeben sich keine Widersprüchlichkeiten.

Dämonenaustreibungen sind laut Markus ein Zeichen echten Glaubens, während

Matthäus von Personen spricht, die trotz Dämonenaustreibungen in die Hölle

kommen!

Markus 16,17 „ „Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem

Namen werden sie Dämonen austreiben; …“

Matthäus 7,22-23 „Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir

nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben

[…] Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von

mir, ihr Übeltäter!“

Die Behauptung der Menschen in Matthäus 7,22f entspringt ihrer eigenen

Wahrnehmung und muss nicht der Wahrheit entsprechen. Es geht um Menschen, die

zwar fromm, jedoch ohne echte Beziehung zu Gott waren. Nach eigenen Angaben

ließen sie Dämonen ausfahren und weissagten, ihr Glaube und ihre Werke basieren

aber auf einer komplett falschen Annahme, da sie Jesus nie kannten. Gerade in

der heutigen Zeit gibt es viele religiöse, sogar christliche Gruppierungen, die

behaupten Wunder und Geistervertreibungen vorzunehmen. Selbst wenn diese nicht

146 von 191


Widerspruch zwecklos?

auf Scharlatanerie gründen sollten, geschehen sie dennoch nicht zwangsläufig im

Namen von Jesus Christus (Matthäus 7,22) und können auch aus einer anderen

Quelle entspringen (2. Mose 7,10-12). Die von Markus erwähnte Dämonenaustreibung

muss „in Jesu Namen“ stattfinden, um ein echtes Anzeichen wahren Glaubens zu

sein.

Lukas

Als Nachfahre Jojakims hätte Jesus der Fluch treffen müssen!

Lukas 1,32 „Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und der

Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.“

Matthäus 1,11 „Josia aber zeugte Jojachin …“

Jeremia 36,30 „Darum, so spricht der HERR über Jojakim (Jojachin), den König von

Juda: Er wird niemanden als Nachkommen haben, der auf dem Thron Davids sitzt.“

Kein Nachfahre Jojakims sollte jemals wieder auf dem Thron Davids sitzen

(Jeremia 36,30). Im Stammbaum aus Matthäus 1 erfahren wir aber, dass Jesus ein

Nachfahre von Jojakim war. Da es im Lukasevangelium heißt, dass Jesus auf dem

Thron Davids sitzen wird (Lukas 1,32) wirft diese Stelle auf den ersten Blick

eine Widersprüchlichkeit auf. Doch statt einem Widerspruch finden wir an dieser

Stelle eine erfüllte Prophezeiung. Der Stammbaum aus Matthäus 1 zeigt die Linie

von Jesus über seinen „Stiefvater“ Joseph. Der Stammbaum aus Lukas 3 hingegen

zeigt den biologischen Stammbaum über seine Mutter Maria. Da Jojakim ein

Vorfahre von Joseph, nicht aber von Maria war (Lukas 3,23ff), erfüllte sich die

Prophezeiung aus Jeremia, dass nie wieder ein leiblicher Nachfahre Jojakims auf

dem Thron sitzen wird.

Die Angaben über den Vater von Schelach unterscheiden sich!

Lukas 3,35f „… des Schelach, des Kenan, des Arpachschad, des Sem, des Noah, des

Lamech, …“

147 von 191


Widerspruch zwecklos?

1. Mose 11,12 „und Arpachschad lebte 35 Jahre und zeugte Schelach.“

Der Autor Lukas erwähnt im Stammbaum Jesu den Namen Kenan (V.36) als Vater von

Schelach. Wir wissen aber aus diversen Bibelstellen des Alten Testaments, dass

Arpachschad der Vater von Schelach war (1. Mose 11,12; 1. Mose 10,24). Das

Interessante an dieser Stelle, was viele Bibelleser und Kritiker nicht wissen

können, ist, dass Kenan in der Septuaginta (griechische Übersetzung des Alten

Testaments) auch im Alten Testament in 1. Mose 10 und 11 als Vater von Schelach

genannt wird. Da Arpachschad mit Sicherheit der Vater von Schelach war, muss

sich in der griechischen Übersetzung (Septuaginta) damals wohl ein Fehler

eingeschlichen haben. Weil Lukas als Grieche etwa 95 % seiner altestamentlichen

Zitate aus der Septuaginta zitiert (z.B. 4,4; 20,17; 22,37), lässt sich

erklären, warum er an dieser Stelle Kenan mit in den Stammbaum schreibt.

Wer jetzt der Bibel einen Abschreibfehler oder eine Ungenauigkeit vorwerfen

möchte, irrt aber gewaltig. Ausgerechnet an dieser Stelle wies der Heilige Geist

Lukas an, eine wichtige Tatsache explizit zu erwähnen. In 3,23 schreibt Lukas

bezüglich des folgenden Stammbaumes: „er war, wie man meinte, ein Sohn Josephs,

des Eli, des Matthat, …“. Durch das „wie man meinte“ weist Lukas explizit darauf

hin, dass er an dieser Stelle lediglich die Meinung der Leute wiedergibt. Gott

wusste, dass die damaligen Griechen hier einem (eher unbedeutenden) Irrtum

bezüglich Schelachs Vater unterlagen und bewahrte durch Vers 23 die Bibel vor

einem Widerspruch. Hätte man an dieser Stelle Kenan (korrekterweise) aus der

Aufzählung rausgenommen, entspräche dies nicht mehr der gängigen damaligen

Meinung und Vers 23 wäre somit unwahr.

Die Anweisungen über Feindesliebe widersprechen sich!

Lukas 6,35 „Doch liebt eure Feinde, …“

Matthäus 5,43f „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten

lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, …“

148 von 191


Widerspruch zwecklos?

Sprüche 25,21 „Wenn dein Hasser Hunger hat, gib ihm Brot zu essen, und wenn er

Durst hat, gib ihm Wasser zu trinken!“

Psalm 35,6 „Ihr Weg sei finster und schlüpfrig, und der Engel des HERRN verfolge

sie (die Feinde)!“

Psalm 83,18 „Lass sie (die Feinde) beschämt und erschreckt sein für immer, mit

Scham bedeckt sein und umkommen, …“

Psalm 139,21 „Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, …“

Im Matthäus 5,43 gibt Jesus ein neues Gebot, nämlich statt seine Feinde zu

hassen, diese zu lieben. Jesus selbst macht damit also deutlich, dass mit dem

Neuen Testament ein Umdenken statt finden soll. Wir finden im Alten Testament

zwar keine direkte Anweisung seine Feinde zu hassen, doch wird gerade durch

diverse Kriege und niedergeschriebene Psalmen diese Gesinnung deutlich. Die

Anweisung aus Sprüche 25,21 muss zwingend im Zusammenhang mit dem nächsten Vers

betrachtet werden, der die Absicht hinter dieser Aufforderung ausdrückt („Denn

glühende Kohlen häufst du auf sein Haupt, und der HERR wird es dir vergelten“.)

Gottes Absicht im Neuen und Alten Testament ist es, dass aus Feinden Gottes

Freunde werden, in dem sie sich zu Gott hinwenden (z.B. Josua 6,25; Esther 8,17b

und 1. Timotheus 2,4).

Herodes hielt Jesus doch nicht für den auferweckten Johannes den Täufer!

Lukas 9,9 „Und Herodes sprach: Johannes habe ich enthauptet. Wer aber ist

dieser, von dem ich solches höre? Und er suchte ihn zu sehen.“

Matthäus 14,2 „und sprach zu seinen Dienern: Dieser ist Johannes der Täufer; er

ist von den Toten auferweckt worden, …“

Markus 6,16 „Als aber Herodes es hörte, sagte er: Johannes, den ich enthauptet

habe, der ist auferweckt worden.“

Während Markus und Matthäus klar stellen, das Herodes sich der Meinung der Leute

anschloss und Jesus für den wiederauferweckten Johannes den Täufer hielt,

149 von 191


Widerspruch zwecklos?

zitiert Lukas Herodes folgendermaßen: „Johannes habe ich enthauptet. Wer aber

ist dieser, von dem ich solches höre?“ Herodes konnte sich in seiner Meinung

nicht sicher sein. Jesus war für ihn ein spannendes Phänomen, weshalb er ihn

unbedingt sehen wollte (Lukas 9,9b). Alle Bibelstellen deuten an, dass Herodes

sich seiner Meinung über Jesus nicht hundertprozentig sicher war. Da wir

außerdem nicht wissen, in welcher Reihenfolge die Aussagen des Herodes

ausgesprochen wurden, wird ein Widerspruch hier sicherlich nicht bestätigt.

Wir sollen unsere Brüder hassen!

Lukas 14,26 „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die

Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber

auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.“

3. Mose 19,17 „Du sollst deinen Bruder in deinem Herzen nicht hassen.“

Die Bibelstelle aus Lukas 14 sagt nicht aus, dass wir unsere Familienangehörigen

tatsächlich hassen sollen. Durch die Parallelstelle aus Matthäus 10,37 wird

deutlich, dass mit „hassen“ an dieser Stelle „mehr lieben“ gemeint ist. Wer

Jesus nachfolgt, muss ihn mehr lieben, als alle anderen Menschen. Die Liebe zu

Jesus sollte so stark sein, dass jede andere Liebe im Vergleich wie Hass

abschneidet.

Als Jesus die Blinden heilte, war er schon auf dem Rückweg von Jericho!

Lukas 18,35 „Es geschah aber, als er sich Jericho näherte, saß ein Blinder

bettelnd am Weg.“

Matthäus 20,29f „Und als sie von Jericho auszogen, folgte ihm eine große

Volksmenge. Und siehe, zwei Blinde, die am Weg saßen und hörten, dass Jesus

vorübergehe …“

Markus 10,46 „… aus Jericho hinausgingen, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus,

ein blinder Bettler, am Weg.“

150 von 191


Widerspruch zwecklos?

Matthäus und Markus berichten, dass Jesus schon auf dem Rückweg aus der Stadt

Jericho war, als die Blinden geheilt wurden. Lukas hingegen sagt, dass er sich

der Stadt näherte. Es gibt mehrere gute Möglichkeiten diese Stellen in Einklang

miteinander zu bringen. Eine schlüssige Erklärung liefert uns der Text jedoch

selbst. Während Markus und Lukas nur von einem Blinden berichten, erwähnt

Matthäus zwei Blinde die bei Jericho geheilt wurden. Dementsprechend wurden um

Jericho herum insgesamt mindestens 2 Blinde geheilt. Es handelt sich demnach

wahrscheinlich um zwei verschiedene Wunder, die zu verschiedenen Zeitpunkten

stattfanden. Ob Matthäus die beiden Heilungen in einem Bericht zusammenfasst

oder ob es sich insgesamt um 3 Blinde gehandelt hat, kann man nicht mit

Sicherheit festlegen. Dass alle Blinden auf die gleiche Weise geheilt wurden und

jeweils die gleiche Bitte äußerten, liegt daran, dass sich die erste Heilung

sehr schnell rumgesprochen hatte (Lukas 18,43). Vielleicht hatte der zweite

Blinde bewusst an selber Stelle auf Jesus gewartet, bis dieser die Stadt

verließ.

Der Zeitpunkt, als der Teufel in den Judas fuhr, unterscheidet sich!

Lukas 22,3-7 „Aber Satan fuhr in Judas, der Iskariot genannt wurde […] Es kam

aber der Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem das Passahlamm

geschlachtet werden musste.“

Johannes 13,27 „Und nach dem Bissen (beim Passahmahl) fuhr dann der Satan in

ihn.“

Beim Passahmahl fuhr der Satan in den Judas (Johannes 13,27). Lukas 22,3 muss

dieser Tatsache nicht widersprechen, da Lukas entweder allgemein von der

Inbesitznahme schreibt und der Ablauf nicht zwingend chronologisch auszuwerten

ist oder alternativ der Satan mehrmals den Judas ergriff. Beides ist gut

möglich, weshalb ein Widerspruch an dieser Stelle nicht vertretbar ist.

Nicht die Soldaten, sondern Herodes legte Jesus den Purpurmantel um!

151 von 191


Widerspruch zwecklos?

Lukas 23,11 „… warf er (Herodes) ihm ein glänzendes Gewand um …“

Matthäus 27,28 „… und sie (Soldaten) zogen ihn aus und legten ihm einen

scharlachroten Mantel um.“

Markus 15,17 „Und sie (Soldaten) legen ihm eine Purpurgewand an …“

Johannes 19,1f „Dann nahm nun Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Und die

Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und

warfen ihm ein Purpurgewand um.“

Während wir in Matthäus, Markus und Johannes davon lesen, dass die Soldaten die

Krone flochten und ihm das Gewand anzogen (ein Purpurmantel, wie der eines

Soldaten), lesen wir in Lukas, dass Herodes ihm dieses anziehen ließ. Sicherlich

hat jedoch Herodes nicht selbst Hand angelegt, sondern gab den Befehl dazu. Es

war also schließlich ein Soldat, der ihm das Gewand umgehangen hat. Zu welchem

Zeitpunkt Jesus den Mantel erhielt ist nicht ganz eindeutig. Da die Evangelien

generell eher themen- als zeitstrukturiert sind, gibt es verschiedene

Möglichkeiten den Ablauf zu schildern, ohne dass ein Widerspruch entsteht. Wir

wissen auch nicht ob Herodes die Idee mit dem Mantel hatte oder ob Jesus den

Mantel bereits vorher trug und Herodes ihn wieder damit bekleidet zurücksandte.

Da es so viele Möglichkeiten gibt, diese Situation zu schildern, erscheint die

Konstruktion eines unerklärbaren Widerspruchs an dieser Stelle als fast

unmöglich.

Jesus war nach seinem Tod nicht direkt im Paradies!

Lukas 23,43 „Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit

mir im Paradies sein.“

Johannes 20,17 „Jesus spricht zur ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch

nicht aufgefahren zum Vater.“

Dem Mitgekreuzigten versprach Jesus, dass er noch heute mit ihm im Paradies sein

würde. Als die Frauen in Johannes 20,17 ein paar Tage später den auferstandenen

152 von 191


Widerspruch zwecklos?

Jesus anrühren wollten, sagte er ihnen, dass er noch nicht zum Vater aufgefahren

wäre. Wie sind die beiden Aussagen zu deuten? Als Jesus starb, kam er

augenblicklich ins Paradies. Das Paradies war aber damals noch nicht im Himmel

bei seinem Vater. In Lukas 16,19-31 lesen wir vom Paradies zu damaliger Zeit, wo

sich Abraham, der sicherlich stellvertretend für alle alttestamentlichen

Gläubigen steht, seit seinem Tod aufhielt. Als Jesus einige Tage später von den

Toten auferstand, hat er dieses Totenreich (Paradies) verlassen. Mit seiner

Himmelfahrt ist er dann wiederum in den Himmel zu seinem Vater aufgefahren.

Jesus war also tatsächlich mit dem Mann vom Kreuz im Paradies und Tage später

auch im Himmel bei seinem Vater. Es gibt gute Gründe, dass man davon ausgehen

kann, dass seit der Himmelfahrt Jesu sämtliche Gläubigen nach dem Tod direkt in

den Himmel kommen und auch das Paradies seit diesem Zeitpunkt mit allen

Gläubigen in den Himmel versetzt worden ist (Apostelgeschichte 7,56; Epheser

4,8f; 2. Korinther 12,2-4; Offenbarung 2,7 i.Z.m. Offenbarung 22,2).

Der Zeitpunkt, als der Tempelvorhang zerriss, variiert!

Lukas 23,45f „… da sich die Sonne verfinsterte; der Vorhang des Tempels aber

riss mitten entzwei. Und Jesus rief mit lauter Stimme […] Und als er dies gesagt

hatte, verschied er. “

Matthäus 27,50f „Jesus aber schrie wieder mit lauter Stimme und gab den Geist

auf. Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke …“

Markus 15,37f „Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied. Und der

Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke …“

Der Tempelvorhang riss im Zusammenhang mit dem Tod Jesu entzwei. Anhand von den

Berichten des Matthäus und Markus kann man davon ausgehen, dass der Vorhang

augenblicklich nach dem Ableben Jesu in zwei Hälften riss. Die Bedeutung, dass

durch den Tod Jesu der direkte Weg zu Gott (Allerheiligste) frei ist,

unterstützt diese Vermutung. Der Bericht des Lukas lässt sich damit ohne

Probleme in Einklang bringen. Er berichtet von der Finsternis, die etwa drei

153 von 191


Widerspruch zwecklos?

Stunden, bis zur neunten Stunde des Tages, anhielt. Nach Lukas zerriss der

Vorhang während dieser Finsternis. Der Zeitpunkt des Todes Jesu war ebenfalls

gegen Ende dieser Finsternis (Matthäus 27,46). Der Vorhang riss demnach also um

die neunte Stunde, im Augenblick des Todes, während es noch finster war. Beide

Ereignisse fallen auf den selben Moment, was in allen Evangelien erkennbar wird.

Die Evangelien zitieren den Hauptmann, der unter dem Kreuz stand,

unterschiedlich!

Lukas 23,47 „… sagte: Wirklich, dieser Mensch war gerecht.“

Markus 15,39 „… sprach er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“

Matthäus 27,54 „Als aber der Hauptmann und die, die mit ihm Jesus bewachten, das

Erdbeben sahen und das, was geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen:

Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!“

Die Schreiber der Evangelien zitieren den Hauptmann allesamt richtig, aber nicht

unbedingt vollständig. Der Hauptmann verherrlichte Gott und sprach, dass Jesus

tatsächlich Gottes Sohn war und gerecht gewesen ist. Er stellt also fest, dass

die Behauptungen Jesu der Wahrheit entsprachen und er demnach zu unrecht am

Kreuz hing, weil er gerecht war. Da die eine Aussage die andere bedingt,

erwähnen die Schreiber der Evangelien nicht beide Aussagen einzeln, obwohl beide

von dem Hauptmann ausgesprochen wurden. Die Feststellung des Hauptmanns, dass

Jesus auch gerecht war, gibt uns durch Lukas die weitere Information, dass der

Hauptmann sein eigenes Handeln wohl bereut haben muss. Er hatte mitgeholfen

einen Ungerechten zu töten und sich schwer versündigt gegenüber dem Sohn Gottes.

Man darf demnach spekulieren, dass der Hauptmann in diesem Zusammenhang Buße

über sein Verhalten getan hat und aufgrund seiner Schuld vor Gott um Vergebung

gebeten hat. Wenn die Anerkennung der Gottheit Jesu, bei einem Menschen nicht

zur Bitte um Vergebung der Schuld führt, bleibt ein Mensch in der Gottesferne.

Der Hauptmann hat wohl demnach die richtigen Schlüsse aus seiner Feststellung

gezogen, was durch die Berichterstattung des Lukas angedeutet wird.

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Widerspruch zwecklos?

Die Frauen kauften die Öle nicht nach dem Sabbath!

Lukas 23,56 „Als sie aber zurückgekehrt waren, bereiteten sie wohlriechende Öle

und Salben; und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot.“

Markus 16,1 „Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und

Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und

ihn zu salben.“

Während dem Sabbath ruhten die Frauen. Erst am nächsten Tag suchten sie das Grab

von Jesus auf um ihn zu salben. Während Lukas berichtet, dass die wohlriechenden

Öle vor dem Sabbath bereitet wurden, berichtet Markus, dass Öle nach dem Sabbath

gekauft wurden. Beide Aussagen stimmen überein. Die Frauen verarbeiteten sofort

ihre vorrätigen Öle und kauften dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt noch weitere

dazu. Da der Tod Jesu für sie insgesamt sehr überraschend war, waren sie

wahrscheinlich nicht ausreichend ausgestattet.

Der auferstandene Jesus erschien den Jüngern in Jerusalem statt in Galiläa!

Lukas 24,49 „Ihr aber, bleibt in der Stadt, bis ihr bekleidet werdet mit Kraft

aus der Höhe!“

Apostelgeschichte 1,4 „… befahl er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen,

sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten.“

Markus 16,7 „Aber geht hin, sagt seinen Jüngern, dass er euch nach Galiläa

vorausgeht! Dort werdet ihr ihn sehen …“

Matthäus 28,10 „Geht hin, verkündet meinen Brüdern, dass sie hingehen nach

Galiläa! Und dort werden sie mich sehen.“

Die Frauen sahen den auferstandenen Jesus und erhielten eine Botschaft an die

Jünger, dass diese nach Galiläa gehen sollten (Matthäus 28,10). Die Jünger

blieben jedoch aus Furcht vor den Juden in Jerusalem hinter verschlossenen Türen

(Johannes 20,19). Wahrscheinlich glaubten sie den Frauen außerdem auch nicht.

155 von 191


Widerspruch zwecklos?

Jesus erschien ihnen deshalb in Jerusalem. Zu einem späteren Zeitpunkt waren die

Jünger dann in Galiläa, wo sie Jesus abermals trafen (Johannes 21,1). Da er

ihnen ingesamt mehrmals nach der Auferstehung erschien, handelt es sich um keine

Widersprüchlichkeit, wenn von verschiedenen Orten gesprochen wird. Als Jesus zum

Himmel auffuhr, war er mit seinen Jüngern wieder in der Nähe von Jerusalem

(Lukas 24,50). Die Aufforderung an die Jünger in Jerusalem zu bleiben, bis sie

den Heiligen Geist an Pfingsten empfangen, steht ebenfalls nicht im Widerspruch

mit der vorherigen Bitte nach Galiläa zu gehen.

Johannes

Johannes der Täufer widerspricht Jesus, indem er sagt, dass er nicht der

prophezeite Elia sei!

Johannes 1,21 „Und sie fragten ih: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin

es nicht.“

Matthäus 11,13f „Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf

Johannes. Und wenn ihr es annehmen wollt: Er ist Elia, der kommen soll.“

Markus 9,13 „Aber ich sage euch: Auch Elia ist gekommen, und sie haben ihm

getan, was sie wollten, so wie über ihn geschrieben steht.“

Das Alte Testament kündigte an, dass vor der Ankunft des Königs (Jesus) ein

Prophet wie Elia kommen wird (Maleachi 3,23). Diese Prophezeiung wäre mit

Johannes dem Täufer erfüllt gewesen, hätten die Juden Jesus als König

angenommen. Da sie die Königsherrschaft von Jesus jedoch ablehnten und ihn sogar

kreuzigten, steht dieses Ereignis noch aus. Auch Johannes wurde getötet (Markus

6,28). Bevor Jesus ein zweites Mal auf die Erde kommt und sein Reich einläutet,

wird sich die Prophezeiung um Elia vollständig erfüllen. In Matthäus 11,14 sagt

Jesus: „Und wenn ihr es annehmen wollt: Er ist Elia, der kommen soll!“. Ob

Johannes der Elia ist, hing also davon ab, ob sie ihn und seine Lehren vom Reich

Gottes annehmen würden. Da die Juden ihren König töteten und nicht wollten, dass

156 von 191


Widerspruch zwecklos?

dieser über sie herrsche (Lukas 19,14), wird in der Zukunft erneut ein Prophet

wie Elia das Kommen Jesu vorbereiten. Wie bei vielen anderen Prophezeiungen

handelt es sich also um eine Teilerfüllung, weshalb sowohl Jesus als auch

Johannes eine wahre Aussage getroffen haben.

Johannes kannte Jesus schon vor der Taufe!

Johannes 1,32f „Und Johannes bezeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine

Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. Und ich kannte ihn

nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf

welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es,

der mit Heiligem Geist tauft.“

Matthäus 3,13-16 „Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um

sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe

nötig, von dir getauft zu werden. Und du kommst zu mir? Jesus aber antwortet und

sprach zu ihm: Lass es jetzt so sein …“

Matthäus 11,2f „Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des Christus hörte,

sandte er durch seine Jünger und ließ ihm sagen: Bist du der Kommende, oder

sollen wir auf einen anderen warten?“

Jesus und Johannes der Täufer waren wohl nicht nur miteinander bekannt, sondern

auch verwandt. Jesus war der Vetter von Johannes (Lukas 1,36). Da wir in der

Bibel nur sehr wenig über die Kindheit der beiden erfahren, lassen sich an

dieser Stelle nur Vermutungen darüber machen, wie gut die beiden einander

kannten, bzw. wie häufig sie sich zuvor gesehen haben. Zwangsläufig hatte

Johannes aber einiges über Jesus mitbekommen. Das sündlose Leben Jesu, auch

während der Kindheit, ließ es Johannes unmöglich erscheinen, dass er ihn mit der

„Taufe der Buße“ (Apostelgeschichte 13,24) taufte. Er sagte stattdessen zu

Jesus: „Ich habe nötig von dir getauft zu werden. Und du kommst zu mir?“ Als

Johannes dann nach der Taufe den Heiligen Geist in Form einer Taube auf ihn

herabfahren sieht, erkennt er erstmalig, dass Jesus sogar der verheißene Messias

157 von 191


Widerspruch zwecklos?

ist. Zuvor war ihm dies unbekannt. Durch die Aussage: „Und ich kannte ihn nicht“

(Johannes 1,33), drückt Johannes genau das aus, nämlich, dass er den Messias

vorher nicht kannte, bzw. nicht endgültig in Verbindung mit Jesus bringen

konnte. Die notwendige Bestätigung durch die herabfahrende Taube, wäre an dieser

Stelle sinnlos, wenn Johannes den Messias schon vorher zuordnen konnte. Johannes

kannte Jesus also schon länger, nicht aber die Identität des Messias. Ähnlich

wie bei vielen Christen, kamen auch bei Johannes dem Täufer in schwierigen

Zeiten Zweifel im Glaubensleben auf. Als er zu einem späteren Zeitpunkt im

Gefängnis saß und auf seine Hinrichtung wartete, verlangte er eine erneute

Bestätigung von Jesus, dass dieser tatsächlich der verheißene Messias sei

(Matthäus 11,3). Da sich seine Vorstellungen vom messianischen Reich nicht mit

seiner Situation im Gefängnis deckten, können wir aus menschlicher Sicht die

Zweifel nachvollziehen. Johannes fehlte in dieser Situation der Gesamtüberblick

Gottes, den Gott erst später durch das Neue Testament offenbarte. Die Bibel

verschweigt an dieser Stelle nicht die Schwachheiten biblischer Personen, was

ihr zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht.

Petrus fand nicht durch Andreas zu Jesus!

Johannes 1,40f „Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den zweien,

die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt waren. Dieser findet

zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias

gefunden - was übersetzt ist: Christus.“

Matthäus 16,17 „Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du,

Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern

mein Vater, der in den Himmeln ist.“

Andreas führte seinen Bruder Petrus zu Jesus. Petrus wurde Jesu Jünger und

folgte ihm nach. Wenn Matthäus schreibt, dass Gott, der Vater dem Petrus die

nötige Erkenntnis gab, steht das im Einklang zur gesamten Bibel und außerdem

nicht im Widerspruch damit, dass Andreas seinen Bruder zu Jesus brachte. Die

158 von 191


Widerspruch zwecklos?

rettende Erkenntnis kam erst anschließend durch das Wirken Gottes an Petrus.

Auch heute sollen wir Christen unseren Mitmenschen von Jesus erzählen, die

nötige Erkenntnis muss jedoch von Gott geschenkt werden (Johannes 6,44). Wir

lesen in der Textstelle aus Johannes 1 außerdem nicht, dass Petrus schon in

dieser Situation die gleiche Überzeugung wie sein Bruder Andreas gewann.

Jesus rief Petrus am Jordan und nicht am See von Galiläa zur Nachfolge auf!

Johannes 1,42f „Und er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sprach: Du

bist Simon, der Sohn des Johannes; du wirst Kephas heißen - was übersetzt wird:

Stein. Am folgenden Tag wollte er nach Galiläa aufbrechen, und er findet

Philippus; und Jesus spricht zu ihm: Folge mir nach!“

Matthäus 4,18-22 „Als er aber am See von Galiläa entlangging, sah er zwei

Brüder: Simon, genannt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die ein Netz in den

See warfen, denn sie waren Fischer […] Sie aber verließen sogleich das Boot und

ihren Vater und folgten ihm nach.“

Beide Textpassagen reden von unterschiedlichen Situationen. Petrus und Andreas

hatten am Jordan (Johannes 1,28) ihre erste Begegnung mit Jesus gehabt. Andreas

und ein anderer Jünger „blieben jenen Tag bei ihm“ um zu sehen wie Jesus lebt

(Johannes 1,39). Petrus und Andreas wurden dann zu einem späteren Zeitpunkt am

See von Galiläa erneut von Jesus angetroffen und dazu aufgefordert ihm gänzlich

nachzufolgen (Matthäus 4,18). Erst bei dieser zweiten Begegnung blieben sie

dauerhaft bei ihm (Vgl. Johannes 1,39 und Matthäus 4,20).

Der Zeitpunkt der Tempelreinigung unterscheidet sich!

Johannes 2,13-15 „Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach

Jerusalem. Und er fand im Tempel die Ochsen-, Schaf- und Taubenverkäufer und die

Wechsler sitzen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum

Tempel hinaus …“

159 von 191


Widerspruch zwecklos?

Markus 11,15 „Und sie kommen nach Jerusalem. Und er trat in den Tempel und

begann die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften; und die Tische

der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um.“

Lukas 19,45 „Und als er in den Tempel eingetreten war, fing er an, die Verkäufer

hinauszutreiben.“

Obwohl es nicht unmöglich ist, dass Johannes bereits am Anfang seines

Evangeliums von der gleichen Tempelreinigung wie die anderen Evangelisten

schreibt, lässt der Zusammenhang jedoch eher vermuten, dass es insgesamt

mindestens zwei Tempelreinigungen gab. Der Eifer um das Haus Gottes hatte bei

Jesus während den Jahren nicht abgenommen und die Vertreibung der Händler ist

sicherlich ebenfalls mehrmals nötig gewesen. Das Jesus jeweils eine

Tempelreinigung zu Beginn und zum Ende seines öffentlichen Wirkens durchführte,

liegt daher sehr nahe.

Jesu war nicht der Einzige der in den Himmel hinaufgefahren ist!

Johannes 3,13 „Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der

aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen.“

1. Mose 5,24 „Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr da, denn Gott

nahm ihn hinweg.“

2. Könige 2,11 „Und es geschah, während sie gingen, gingen und redeten, siehe

da: ein feuriger Wagen und feurige Pferde, die sie beide voneinander trennten!

Und Elia fuhr im Sturmwind auf zum Himmel.“

Hebräer 11,5 „Durch Glauben wurde Henoch entrückt, so dass er den Tod nicht sah,

und er wurde nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor der

Entrückung hat er das Zeugnis gehabt, dass er Gott wohlgefallen habe.“

160 von 191


Widerspruch zwecklos?

Jesus behauptet, dass er der Einzige sei, der bis zum damaligen Zeitpunkt in den

Himmel hinaufgefahren wäre. Im Alten Testament finden wir jedoch Berichte von

Elia und Henoch, die ebenfalls in den Himmel aufstiegen bzw. entrückt wurden.

Die Bibel selbst lehrt uns, dass es mehrere Himmel gibt (2. Kor. 12,2). Der von

Jesus erwähnte Himmel meint zweifelsohne den Wohnort Gottes, den tatsächlich zum

damaligen Zeitpunkt, weder Henoch noch Elia betreten hatten. Erst seit der

Himmelfahrt Jesu ist es den Menschen möglich geworden, nach dem Tod in den

Himmel zu kommen. Bereits vorher Verstorbene hielten sich dagegen im Paradies

auf (Lukas 16).

Nicht Jesus taufte, sondern seine Jünger!

Johannes 3,22 „Danach kamen Jesus und seine Jünger in das Land Judäa, und dort

verweilte er mit ihnen und taufte.“

Johannes 4,2 „… obgleich Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger.“

Johannes 3,22 berichtet uns, dass neben Johannes dem Täufer auch Jesus taufte.

In Johannes 4,2 wird dann aber noch beigefügt, dass der Akt der Taufe durch Jesu

Jünger durchgeführt wurde und Jesus selbst nicht aktiv wurde, obwohl er

zweifellos bei den Taufen anwesend war. Jesus lernt seine Jünger für spätere

Aufgaben, wenn er nicht mehr bei ihnen ist, an (Matthäus 28,19). Wir halten also

fest, dass Jesus tatsächlich taufte, den Akt selbst aber durch die Jünger

ausführen ließ.

Jesu Zeugnis über sich selbst ist nicht wahr!

Johannes 5,31 „Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr.“

Johannes 8,14 „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir

selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und

wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.“

161 von 191


Widerspruch zwecklos?

Durch die Aussage „Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht

wahr.“ (Johannes 5,31), schildert Jesus den einfachen Sachverhalt, dass ein

Zeugnis prinzipiell von einem Dritten bestätigt werden muss. Jeder kann viel

behaupten, aber erst das Zeugnis eines anderen verleiht echte Glaubwürdigkeit.

Nicht nur das Alte Testament bezeugte Jesus als Messias, sondern auch Johannes

der Täufer. Diesen Gedanken greift Jesus dann erneut in Johannes 8,14 auf. Er

demonstriert den Pharisäern, dass er die Beglaubigung durch einen Zeugen

(Johannes der Täufer) nicht einmal nötig gehabt hätte, da er aufgrund seiner

Göttlichkeit gar kein falsches Selbstzeugnis ablegen konnte.

Der Heilige Geist war schon vor Pfingsten präsent!

Johannes 7,39 „Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die

an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht

verherrlicht worden war.“

Apostelgeschichte 2,1-4 „Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren

sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein

Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo

sie saßen […] Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt …“

Markus 12,36 „David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: <<Der Herr sprach zu

meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine

Füße lege!>>“

Lukas 1,15 „Denn er wird groß sein vor dem Herrn; weder Wein noch starkes

Getränk wird er trinken und schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt

werden.“

Jesus sagte in Johannes 7,39 dass der Heilige Geist zu diesem Zeitpunkt noch

nicht da war. An vielen Stellen des Neuen und Alten Testaments lesen wir jedoch

davon, dass der Geist Gottes schon wirkte. Der große Unterschied, den Jesus auch

mit seiner Aussage betonen möchte, ist aber, dass der Heilige Geist seit

Pfingsten dauerhaft in jedem Christen wohnt. Da der Heilige Geist die dritte

162 von 191


Widerspruch zwecklos?

Person der Gottheit ist, wundert es uns auch nicht, dass er auch schon vorher

präsent war. Auch die 2. Person der Dreieinigkeit ist vor etwa 2000 Jahren auf

die Erde gekommen, obwohl wir auch im Alten Testament bereits von Jesus lesen.

Es wird uns zu Lebzeiten nicht möglich sein, die zahlreichen schwierigen Fragen

über die Person Gottes beantwortet zu bekommen. Es grenzt jedoch an wahnhaften

Übermut, wenn man mit menschlicher Beschränktheit das Wesen Gottes als

widersprüchlich darstellt.

Jesus wollte nicht gekreuzigt werden, sondern, dass der Kelch an ihm

„vorübergehe“!

Johannes 12,27 „Jetzt ist meine Seele bestürzt. Und was soll ich sagen? Vater,

rette mich aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.“

Matthäus 26,39 „Und er ging ein wenig weiter und fiel auf sein Angesicht und

betete und sprach: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir

vorüber! Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“

Markus 14,35 „Und er ging ein wenig weiter und fiel auf die Erde; und er betete,

dass, wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorübergehe.“

In Johannes 12,27 erklärt Jesus der Volksmenge die Notwendigkeit seines

Sterbens. Als Jesus später im Garten Gethsemane alleine mit seinem Vater redet,

wird jedoch deutlich, wie schwer ihm dieser Schritt fällt. Er wünschte sich,

dass die Stunde vorübergehen würde, aber zeitgleich drückt er aus, dass er fest

entschlossen ist, den Willen des Vaters auszuführen. Zwar können wir niemals

verstehen wie Jesus sich in dieser Situation gefühlt haben muss, doch erhalten

wir dennoch tiefe Einblicke in die Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn.

Das Gebet Jesu im Garten Gethsemane stellt klar, dass es eine freiwillige

Entscheidung war, den Willen des Vaters auszuführen. Sämtliche Kritiker, die in

dem Vater einen grausamen Mörder sehen, werden durch diesen wichtigen Abschnitt

eines Besseren belehrt. Gleich wie Isaak seinem Vater Abraham vertraute und sich

binden ließ, obwohl Abraham im Gegensatz zu Isaak alt und gebrechlich war,

163 von 191


Widerspruch zwecklos?

vertraute auch Jesus dem Willen seines Vaters und stellte seine persönlich Not

darunter. Tagtäglich erledigen wir auch heute noch freiwillig diverse Aufgaben,

die wir zwar nicht sehr gerne ausführen, aber deren Notwendigkeit wir erkennen.

In solchen Situationen käme niemand auf die Idee, einen Widerspruch zu vermuten.

Dass Petrus Jesus nicht fragte, wohin er gehen würde, ist nicht wahr!

Johannes 13,36 „Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, wohin gehst du? Jesus

antwortete ihm: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen; du

wirst mir aber später folgen.“

Johannes 16,5 „Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand

von euch fragt mich: Wohin gehst du?“

In Kapitel 16,5 bemängelt Jesus, dass sie von seinen Reden so wenig verstanden

haben. Immer wieder sprach er von seinem Tod und davon, dass er bald nicht mehr

unter ihnen sein wird. Doch die Jünger verstanden dies nicht und fragten deshalb

auch nie wohin er denn gehen würde (bezogen auf den Himmel), was Jesus ihnen an

dieser Stelle zum Vorwurf macht. In Johannes 13,36 versteht Petrus wiederum den

Zusammenhang nicht und fragt wohin er denn gehen will, dass er ihm nicht folgen

könne. Die Frage von Petrus bezieht sich nicht auf das Ableben Jesu und seine

Himmelfahrt, sondern auf einen gängigen Aufbruch an einen anderen Ort zu dem er

ihm folgen möchte. Kapitel 13 steckt voller Fehlinterpretationen der Jünger (V.

6-8; V. 9-10; V. 28-30).

Das Jesus mit seinen Jüngern über alles gesprochen hat, ist nicht wahr!

Johannes 15,15 „Ich nenne euch nicht mehr Sklaven, denn der Sklave weiß nicht,

was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich

von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe.“

Johannes 16,12 „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt

nicht tragen.“

164 von 191


Widerspruch zwecklos?

Jesus hat seinen Jüngern alles mitgeteilt, was ihm von seinem Vater beauftragt

worden ist (Johannes 15,15). Dennoch gab es einige Dinge die sie noch nicht

verstehen konnten, weshalb Jesus zu diesen Dingen schwieg (Johannes 16,12). Die

Botschaft die Jesus seinen Jüngern an dieser Stelle mitgeben möchte ist, dass

sein Leben auf der Erde zu Ende geht. Sein Auftrag vom Vater, die Jünger zu

unterweisen ist vollständig abgeschlossen, obwohl gerade in der Zeit nach dem

Sterben Jesu die Jünger noch einiges dazu lernen würden, was sie aber jetzt in

dem Moment noch nicht verkraftet hätten.

Jesus redete manches im Verborgenen!

Johannes 18,20 „Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich zu der Welt geredet;

ich habe allezeit in der Synagoge und in dem Tempel gelehrt, wo alle Juden

zusammenkommen, und im Verborgenen habe ich nichts geredet.“

Matthäus 13,13 „Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehend nicht

sehen und hörend nicht hören noch verstehen …“

Jesus hat öffentlich zu den Menschen damals gesprochen. Er hat nicht heimlich

agiert. Das manche Botschaften für ungläubige Herzen unverständlich und

geheimnisvoll wirkten, widerspricht der öffentlichen Verkündigung nicht.

Jesus trug sein Kreuz nicht selbst!

Johannes 19,17 „Und er selbst trug sein Kreuz und ging hinaus nach der Stätte,

genannt Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgatha heißt, …“

Matthäus 27,32 „Als sie aber hinauszogen, trafen sie einen Mann von Kyrene, mit

Namen Simon; den zwangen sie, dass er sein Kreuz trage.“

Markus 15,21 „Und sie zwingen einen Vorübergehenden, einen gewissen Simon von

Kyrene, der vom Feld kam, den Vater Alexanders und Rufus', dass er sein Kreuz

trage.“

165 von 191


Widerspruch zwecklos?

Lukas 23,26 „Und als sie ihn wegführten, ergriffen sie einen gewissen Simon von

Kyrene, der vom Feld kam, und legten das Kreuz auf ihn, damit er es Jesus

nachtrug.“

„Und er selbst trug sein Kreuz und ging hinaus…“ heißt es im Johannesevangelium.

Jesus verließ den Palast des Statthalters, während er sein eigenes Kreuz trug.

Er trug freiwillig das Kreuz, welches ihn das Leben kosten wird. Das Kreuz, was

sicherlich als Bild für die Schuld und Strafe der Menschen verstanden werden

kann, wurde von dem getragen, der selbst ohne Sünde war (Jesaja 52,4-5). Doch

wie schwer diese Last war, wird in den anderen Evangelien deutlich. Jesus brach

auf halber Strecke zusammen und das Kreuz wurde von Simon von Kyrene den letzten

Teil der Strecke weitergetragen. Im Gegensatz zu Jesus tat Simon dies jedoch

unfreiwillig (Matthäus 27,32). Es entspricht also der Wahrheit, dass Jesus

selbst sein Kreuz trug, als er den Palast verließ, auch wenn er später unter der

Last zusammenbrach und Hilfe erhielt.

Die Kreuzesinschrift wird von den Evangelisten unterschiedlich angegeben!

Johannes 19,19 „Pilatus schrieb aber auch eine Aufschrift und setzte sie auf das

Kreuz. Es war aber geschrieben: Jesus, der Nazoräer, der König der Juden.“

Matthäus 27,37 „Und sie brachten oben über seinem Haupt seine

Beschuldigungsschrift an: Dies ist Jesus, der König der Juden.“

Markus 15,26 „Und die Aufschrift seiner Beschuldigung war oben angeschrieben:

Der König der Juden.“

Lukas 23,38 „Es war aber auch eine Aufschrift über ihm in griechischen und

lateinischen und hebräischen Buchstaben: Dieser ist der König der Juden.“

Der Wortlaut in den vier Evangelien über die Inschrift am Kreuz, die Pilatus

anbringen ließ, unterscheidet sich in jedem Evangelium:

- Matthäus: „Dies ist Jesus, der König der Juden.“


- Markus: „Der König der Juden.“

166 von 191


Widerspruch zwecklos?
- Lukas: „Dieser ist der König der Juden.“

- Johannes: „Jesus, der Nazoräer, der König der Juden.“

Obwohl die Unterscheidung jeweils nur minimal ausfällt, vermuten Bibelkritiker

hier einen Widerspruch. Die Antwort auf diese Schwierigkeit ist jedoch fast

schon enttäuschend leicht: In Johannes 19,20 erfahren wir, dass Pilatus den Satz

in 3 Sprachen auf das Schild schrieben ließ (hebräisch, griechisch und

lateinisch). Die vier Evangelisten (die unterschiedliche Muttersprachen besaßen)

geben jetzt thematisch wieder, was auf dem Schild stand. Das hier die

Übersetzung von verschiedenen Personen unterschiedlich ausfällt, entspricht

dabei jeglicher Norm. Auch die Niederschrift des Pilatus in den verschiedenen

Sprachen, kann von einander leicht abgewichen sein, was außerdem leichte

Unterschiede verursacht haben wird.

Die letzten Worte Jesu unterscheiden sich!

Johannes 19,30 „Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist

vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.“

Matthäus 27,46 „… um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme auf

und sagte: Elí, Elí, lemá sabachtháni? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum

hast du mich verlassen?“

Lukas 23,46 „Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände

übergebe ich meinen Geist! Und als er dies gesagt hatte, verschied er.“

Kurz bevor Jesus am Kreuz starb, schrie er: „Es ist vollbracht. Vater, in deine

Hände übergebe ich meinen Geist!“. Das Lukas den zweiten Satz weglässt, heißt

nicht, dass Jesus diesen nicht ausgesprochen hat. Johannes erwähnt hingegen nur

den ersten Satz. Das Matthäus in Kapitel 27 Vers 46 noch andere Worte vom Kreuz

wiedergibt, steht in keinem Widerspruch. Ganz im Gegenteil. Matthäus schreibt

dann in Vers 50, dass Jesus anschließend noch einmal etwas geschrien hat, bevor

er den Geist aufgab und starb.

167 von 191


Widerspruch zwecklos?

Obwohl Jesus die Jünger über seinen Tod aufklärte, waren diese später überrascht

als Jesus gekreuzigt wurde!

Johannes 20,9 „Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er aus den Toten

auferstehen musste.“

Matthäus 20,18-20 „Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des

Menschen wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden, und

sie werden ihn zum Tode verurteilen; und sie werden ihn den Nationen

überliefern, um ihn zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen; und am

dritten Tag wird er auferweckt werden.“

Markus 8,31 „Und er fing an, sie zu lehren: Der Sohn des Menschen muss vieles

leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und

Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“

Wenn die Jünger unfehlbare Menschen gewesen wären, könnte man an dieser Stelle

einen Widerspruch vermuten, denn Jesus erzählte seinen Jüngern tatsächlich

zuvor, dass er sterben und auferstehen müsse. Die Erwartungen der Jünger an den

Messias standen aber im Widerspruch zu den Aussagen die Jesus machte, weshalb

sie es nicht verstehen wollten. Die Jünger hatten eine andere Vorstellung davon,

wie der Messias die Welt retten solle. In Markus 8,32 sprach Jesus öffentlich

und unmissverständlich von seinem Tod zu den Jüngern. Petrus nahm in daraufhin

beiseite und tadelte Jesus. Johannes 20,9 macht ebenfalls deutlich, dass es sich

um ein Verständnisproblem der Jünger handelte, obwohl Jesus und auch die

alttestamentlichen Schriften den Tod des Messias angekündigt hatten. Vieles, was

er ihnen zuvor vermittelt hatte, verstanden die Jünger erst nach Jesu Tod.

Thomas hätte Jesus nicht anrühren dürfen!

Johannes 20,17 „Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch

nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen:

168 von 191


Widerspruch zwecklos?

Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem

Gott!“

Johannes 20,27 „Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh

meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei

nicht ungläubig, sondern gläubig!“

Da Jesus den Thomas aufforderte ihn zu betasten, konnte dies nicht verboten

gewesen sein. In Vers 17 gebietet Jesus zwar der Maria, ihn nicht anzurühren,

doch meint er wohl damit, dass sie ihn nicht länger festhalten soll. Das

griechische Wort (haptomai) lässt diese Übersetzung zweifelsfrei zu. Die

Begründung „denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater“ unterstützt

diesen Gedanken.

Apostelgeschichte

Salomo muss später als 480 Jahre nach dem Auszug aus Ägypten regiert haben!

Apostelgeschichte 13,17-22 „Der Gott dieses Volkes Israel erwählte unsere Väter

und erhöhte das Volk in der Fremdlingschaft im Land Ägypten, und mit erhobenem

Arm führte er sie von dort heraus; und eine Zeit von etwa vierzig Jahren ertrug

er sie in der Wüste. Und nachdem er sieben Nationen im Land Kanaan vertilgt

hatte, ließ er sie deren Land erben für etwa vierhundertfünfzig Jahre. Und

danach gab er ihnen Richter bis zu Samuel, dem Propheten. Und von da an

begehrten sie einen König, und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch, einen

Mann aus dem Stamm Benjamin, vierzig Jahre lang. Und nachdem er ihn verworfen

hatte, erweckte er ihnen David zum König, welchem er auch Zeugnis gab und

sprach: <<Ich habe David gefunden, den Sohn Isais, einen Mann nach meinem

Herzen, der meinen ganzen Willen tun wird.>>“

1. Könige 6,1 „Und es geschah im 480. Jahr nach dem Auszug der Söhne Israel aus

dem Land Ägypten, im vierten Jahr der Regierung Salomos über Israel, im Monat

Siw, das ist der zweite Monat, da baute er das Haus für den HERRN.“

169 von 191


Widerspruch zwecklos?

Nachdem das Volk Israel aus Ägypten auszog erfolgte zunächst die

Wüstenwanderung, die Eroberung Kanaans, dann die Zeit der Richter und

anschließend die ersten Königsherrschaften unter Saul, David und Salomo. Laut 1.

Könige 6,1 müssen in dieser Zeitspanne bis zum 4. Jahr Salomos insgesamt 480

Jahre vergangen sein. In Apostelgeschichte 13,20 taucht in manchen Bibeltexten

ein Problem auf. Während der Nestle Aland Text den Inhalt so wiedergibt, dass

die Richterzeit nach 450 Jahren erfolgte, berichtet der Mehrheitstext (z.B.

Schlachter 2000 Übersetzung), dass die Richter während diesen 450 Jahren

regierten. Wir müssen an dieser Stelle festhalten, dass nicht jedes gefundene

Textmanuskript und nicht jede Bibelabschrift zwangsläufig der absoluten Wahrheit

entspricht, die mehrheitlichen Funde (Mehrheitstext) aber zuverlässig

übereinstimmen.

Dr. Roger Liebi hat nun zu den 450 Jahren der Richterzeit die zusätzlichen Daten

addiert (40 Jahre Wüstenwanderung, 6 Jahre Landeroberung unter Josua, 14 Jahre

Übergang zum ersten Richter und die 84 jährige Regierung der Könige bis zum

Tempelbau) und kommt auf insgesamt 594 Jahre.25 Warum heißt es nun in 1. Könige

6, dass der Tempel 480 und nicht 594 Jahre nach dem Auszug aus Ägypten gebaut

wurde? Die Lösung liegt sehr versteckt und ist nicht auf den ersten Blick

ersichtlich. Die Zeit der Richter beträgt exakt 450 Jahre. Während dieser Zeit

wurde das Volk Israels mehrmals erobert und unterjocht. Die Zeiten der

Versklavungen betragen zusammen genau 114 Jahre (8 Jahre Kuschan-Rischathaim, 18

Jahre Eglon von Moab, 20 Jahre Jabin von Kanaan, 7 Jahre Midian und Amalek, 3

Jahre Abimelech, 18 Jahre Ammon und 40 Jahre Philister).

Wenn der Verfasser von 1. Könige 6 nun vom 480. Jahr seit dem Auszug aus Ägypten

schreibt, welcher gleichbedeutend mit der Befreiung aus der Sklaverei war, dann

hat er die 114 Jahre der erneuten Versklavung abgezogen. Mit dieser Berechnung

kann man nicht nur sämtliche Zahlen haargenau in Einklang miteinander bringen,

es erfüllt sich außerdem ein göttliches Prinzip aus Joel 2,25. Dort heißt es,

25 25 „Roger Liebi“, Chronologie des AT, 05.2006


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Widerspruch zwecklos?

dass die Jahre, die Israel durch Besetzung und Unterjochung verloren hat, ihnen

von Gott erstattet bzw. verrechnet werden.

Lukas behauptet er hätte in seinem Evangelium alles berichtet, obwohl Johannes

sagt, dass dies unmöglich sei!

Apostelgeschichte 1,1-2 „Den ersten Bericht habe ich verfasst, Theophilus, von

allem, was Jesus angefangen hat, zu tun und auch zu lehren, bis zu dem Tag, an

dem er in den Himmel aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er sich

auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte.

Johannes 21,25 „Es gibt aber auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; wenn

diese alle einzeln niedergeschrieben würden, so würde, scheint mir, selbst die

Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen.“

Johannes sagt am Ende seines Evangeliums, dass er nicht alles aufschreiben

konnte, was er mit Jesus erlebt hat. Hätte man dies versucht, so hätten die

aufgeschriebenen Bücher wohl die ganze Erde überfüllt. Johannes wählt diesen

Ausdruck um deutlich zu machen, wie viel Jesus über die Berichterstattung hinaus

getan hat. Wenn Lukas jetzt in der Apostelgeschichte auf sein Evangelium

verweist, dass „von allem, was Jesus anfing zu tun, als auch zu lehren“

berichtet, dann maßt er sich damit nicht an, wirklich alles bis ins Haarkleinste

erfasst zu haben, sondern, dass er alles erfasst hat, was ihm berichtet wurde

und nichts davon weggelassen hat. Im Gegensatz zu den Autoren der anderen

Evangelien, war Lukas ein gebildeter Grieche, der eine Zusammenfassung seines

Wissenstandes an Theophilus schrieb. Johannes und Matthäus waren drei Jahre lang

mit Jesus unterwegs und haben unzählige Dinge mit ihm erlebt. Markus hat wohl

durch den Apostel Petrus viele Augenzeugenberichte gehört. Lukas hingegen hat

Jesus wohl nie gesehen, nur von ihm gelesen und gehört. Lukas betont durch

diesen Vers, dass sein Evangelium absolut vollständig ist und er dem Theophilus

nichts verschwiegen hat. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Lukas nicht mal

ansatzweise versucht, jeden Moment von Jesu Leben zu rekonstruieren. Er

171 von 191


Widerspruch zwecklos?

überspringt die ersten 30 Jahre bis auf kleine Ausnahmen und fasst auch das

öffentliche Wirken Jesu in nur 20 Kapiteln zusammen. Lukas kann also seine

Aussage gar nicht so gemeint haben, wie Bibelkritiker ihm vorwerfen.

Die Berichterstattung über den Tod des Judas und den erworbenen Acker variieren!

Apostelgeschichte 1,18 „Dieser nun hat zwar von dem Lohn der Ungerechtigkeit

einen Acker erworben, ist aber kopfüber gestürzt, mitten entzweigeborsten, und

alle seine Eingeweide sind ausgeschüttet worden.“

Matthäus 27,3-10 „Als nun Judas, der ihn überliefert hatte, sah, dass er

verurteilt wurde, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den

Hohenpriestern und den Ältesten zurück und sagte: Ich habe gesündigt, denn ich

habe schuldloses Blut überliefert. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du

zu! Und er warf die Silberlinge in den Tempel und machte sich davon und ging hin

und erhängte sich. Die Hohenpriester aber nahmen die Silberlinge und sprachen:

Es ist nicht erlaubt, sie in den Tempelschatz zu werfen, weil es Blutgeld

ist. Sie hielten aber Rat und kauften dafür den Acker des Töpfers zum Begräbnis

für die Fremden. Deswegen ist jener Acker Blutacker genannt worden bis auf den

heutigen Tag. Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der

spricht: <<Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten,

den man geschätzt hatte seitens der Söhne Israels, und gaben sie für den Acker

des Töpfers, wie mir der Herr befohlen hat.>>"

Wie uns in Matthäus 27,5 mitgeteilt wird, warf Judas die 30 Silberlinge in den

Tempel und erhängte sich. Später, als er schon tot war, wurde das Seil an dem er

hing abgeschnitten und als sein Leichnam kopfüber auf die Erde fiel, wurden alle

seine Eingeweide dabei ausgeschüttet (Apostelgeschiche 1,18). Eine weitere

Möglichkeit ist, dass Judas sich zwar erhängen wollte, dabei aber kopfüber fiel

und somit starb. Matthäus 27,5 berichtet zwar davon, dass sich Judas erhängte,

nicht jedoch, dass dies auch seine tatsächliche Todesursache war. Egal durch

welche der beiden Arten Judas nun gestorben ist, auf jeden Fall erlitt er einen

172 von 191


Widerspruch zwecklos?

seiner Tat entsprechenden unehrenhaften Tod. Das Petrus in der Apostelgeschichte

Judas als Besitzer des Ackers erwähnt, hat den einfachen Grund, dass die

Hohenpriester das Geld nicht annehmen wollten (Matthäus 27,6) und in seinem

Namen diesen Acker erwarben. Aus rechtlicher Sicht musste man also dem Judas das

Eigentum des Ackers zuordnen, wie es Petrus in seiner Ansprache auch getan hat.

Die Anzahl der Seelen, die mit Jakob nach Ägypten kamen, variiert!

Apostelgeschichte 7,14 „Josef aber sandte hin und ließ seinen Vater Jakob holen

und die ganze Verwandtschaft mit fünfundsiebzig Seelen.“

1. Mose 46,27 „Und die Söhne Josefs, die ihm in Ägypten geboren wurden, waren

zwei Seelen. Alle Seelen des Hauses Jakob, die nach Ägypten kamen, waren

siebzig.“

2. Mose 1,5 „Und die Zahl aller Seelen, die aus Jakobs Schoß hervorgegangen

waren, betrug siebzig Seelen. Josef aber war schon in Ägypten.“

Beide Stellen in den Mosebüchern listen die 69 Nachfahren Jakobs auf, die mit

ihm nach Ägypten gezogen sind. In der Apostelgeschichte berichtet Stephanus,

dass Joseph seine komplette Verwandtschaft von 75 Seelen in Ägypten

zusammenruft. Die 75 köpfige Familie beinhaltet an dieser Stelle natürlich auch

Joseph und seine Familie, die bereits in Ägypten lebten.

Nicht Abraham, sondern Jakob kaufte das Grab bei Sichem!

Apostelgeschichte 7,16 „… und sie wurden nach Sichem hinübergebracht und in die

Grabstätte gelegt, die Abraham für eine Summe Geld von den Söhnen Hamors in

Sichem gekauft hatte.“

Josua 24,32 „Und die Gebeine Josefs, die die Söhne Israel aus Ägypten

heraufgebracht hatten, begruben sie in Sichem auf dem Feldstück, das Jakob von

den Söhnen Hamors, des Vaters von Sichem, für hundert Kesita gekauft hatte; und

es wurde den Söhnen Josef zum Erbteil.“

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Widerspruch zwecklos?

1. Mose 33,19 „Und er (Jakob) kaufte das Feldstück, wo er sein Zelt

aufgeschlagen hatte, von der Hand der Söhne Hamors, des Vaters Sichems, für

hundert Kesita.“

Noch heute kann man die Grabstätte der Erzväter in Hebron besichtigen. In 1.

Mose 23 lesen wir ausführlich wie Abraham die Grabstätte von den Hethitern für

400 Sekel Silber erwarb. In 1. Mose 49 und 50 werden die Namen derer aufgezählt,

die in jener Höhle in Hebron begraben wurden: Abraham, Isaak, Jakob, Sara,

Rebekka und Lea. Darüber hinaus hat Abraham auch in Sichem eine Grabstätte für

seine weiteren zahlreichen Nachfahren erworben (Apostelgeschichte 7,16). Im

Gegensatz zu der Begräbnisstätte in Hebron, lesen wir hier nicht, dass Abraham

das dazugehörige Feld kaufte (Vgl. 1. Mose 23,17 und Apostelgeschichte 7,16).

Wahrscheinlich, aber nicht zwangsläufig, handelt es sich um dieses Feld, dass

Jakob von den Hethithern kaufte. Während Stephanus nur von der Grabstätte

berichtet, lesen wir in 1. Mose 33,19 und Josua 24,32 explizit von einem Feld,

das Jakob erwarb. Das Begräbnis des Joseph fand erst viele hundert Jahre nach

seinem Tod statt (Hebräer 11,22). Als die Israeliten nach 400 Jahren

Gefangenschaft aus Ägypten auszogen, begruben sie Joseph auf dem Feld in Sichem

(Josua 24,32), dass Jakob viele Jahrhunderte zuvor von den Hethitern gekauft

hatte. Er wurde weder in der Grabstätte von Hebron, noch in der Grabstätte von

Sichem, sondern auf dem Feld begraben. Die Unterscheidung zwischen Grabstätte

und Feld, ist der Schlüssel zum Verständnis dieser recht komplexen Thematik.

Die Berichte über Paulus Bekehrung widersprechen sich!

Apostelgeschichte 9,7 „Die Männer aber, die mit ihm des Weges zogen, standen

sprachlos, da sie wohl die Stimme hörten, aber niemand sahen.“

Apostelgeschichte 22,9 „Die aber bei mir waren, sahen zwar das Licht, aber die

Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht.“

174 von 191


Widerspruch zwecklos?

Apostelgeschichte 26,14 „Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren, hörte

ich eine Stimme in hebräischer Mundart zu mir sagen: Saul, Saul, was verfolgst

du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen!“

1. Korinther 9,1 „Bin ich nicht frei? Bin ich nicht Apostel? Habe ich nicht

Jesus, unseren Herrn, gesehen? Seid nicht ihr mein Werk im Herrn?“

In Apostelgeschichte 9,7 wird uns berichtet, dass die Mitreisenden des Paulus

standen, eine Stimme hörten und niemanden sahen. In Kapitel 22,9 wird jedoch

berichtet, dass die Reisegefährten ein Licht sahen und die Stimme Gottes nicht

hörten. In Apostelgeschichte 26,14 wird zudem noch berichtet, dass alle auf den

Boden fielen. Die Frage nach der Position der Wegbegleiter kann relativ leicht

beantwortet werden: Der Ausdruck „standen sprachlos da“ muss nämlich nicht

bedeuten, dass sie nicht zuvor auch vor Schreck auf der Erde gelegen hatten. Des

Weiteren kann das griechische Wort „histemi“ („standen“) auch mit „sich

hinstellen“ (Apostelgeschichte 2,14 und 27,21), „aufrichten“ (Römer 10,3) oder

„stellen“ (Johannes 8,3; Matthäus 18,2 und 4,5) übersetzt werden.

Auch die in Kapitel 22,9 erwähnte Tatsache, dass die Reisegefährten die Stimme

nicht hörten, dafür aber ein Licht sahen, kann nur mittels des griechischen

Grundtextes und dem nötigen Wissen über die griechische Grammatik beantwortet

werden. Wie auch manche Bibelübersetzungen treffend übersetzen, sahen die

Reisebegleiter keine Person, jedoch ein Licht. Auch hörten sie zwar den Klang

einer Stimme, konnten aber das Gesagte nicht verstehen. Dass sie

„niemanden„ (9,7) sahen und das Gesagte nicht verstanden, impliziert also nicht,

dass sie nicht ein Licht gesehen haben können und das Geräusch einer Stimme wahr

nahmen. Demnach sind alle Angaben miteinander zu vereinen, wenn man die

griechischen Wörter genauestens auf ihre Bedeutung hin überprüft.

Wenn Paulus in 1. Korinther 9,1 außerdem davon schreibt, dass er Jesus gesehen

habe, dann kann man auch diese Tatsache mit der Erzählung aus Apostelgeschichte

9 in Einklang bringen. Die Blindheit setzte nämlich erst ein, als Paulus das

175 von 191


Widerspruch zwecklos?

Licht (Jesus) bereits gesehen hatte. Wie viel er wirklich von Jesus erkannte,

bleibt an dieser Stelle offen.

Jesus war nicht der erste der aus den Toten auferstand!

Apostelgeschichte 26,23 „… dass der Christus leiden sollte, dass er als Erster

durch Totenauferstehung Licht verkündigen sollte, sowohl dem Volk als auch den

Nationen.“

1. Könige 17,22 „Und der HERR hörte auf die Stimme Elias, und das Leben des

Kindes kehrte zu ihm zurück, und es wurde wieder lebendig.“

1. Samuel 28,11f „Da sagte die Frau: Wen soll ich dir heraufholen? Und er

erwiderte: Hole mir Samuel herauf! Als aber die Frau Samuel sah, schrie sie laut

auf und sagte zu Saul: Warum hast du mich betrogen? Du bist ja Saul!“

Wenn Jesus „der Erstling aus der Auferstehung“ genannt wird (Apostelgeschichte

26,23), dann steht dies nicht im Widerspruch mit den Totenauferstehungen die

z.B. durch Jesus (Lukas 7,15) und Elia (1. Könige 17,22) zuvor bewirkt worden

sind. Als Jesus starb war er für drei Tage im Totenreich, erwachte zum Leben und

besaß einen Körper der sogar durch Wände gehen konnte (Johannes 20,19). Als

Jesus oder auch Elia Menschen wieder zum Leben erweckten, waren diese zwar

physisch gestorben, ihr Geist wohl aber in einer Art Schlafzustand (Markus 5,39

und 1. Könige 17,17). Der Ausdruck „Erstling aus der Auferstehung“ gebührt

demnach nur Jesus allein und unterscheidet sich von den anderen Auferstehungen.

Lazarus, Talita, der Jüngling zu Nain u.a. wurden zwar alle wieder lebendig

gemacht, mussten aber dennoch später sterben. Das griechische Wort für

„aus“ (ek) beinhaltet einen räumlichen Schwerpunkt und drückt ziemlich exakt den

Ursprung bzw. die Herkunft von etwas aus. Jesus verließ das Totenreich und fuhr

nach 40 Tagen in den Himmel hinauf. Jesus hat in allem den Vorzug (Kolosser

1,17) und geht auch bei der Auferstehung voran. Als beispielsweise in Matthäus

27,52 viele entschlafene Heilige zum Todeszeitpunkt Jesu wieder lebendig wurden,

mussten diese bis zur Auferstehung Jesu warten, ehe sie die Gräber verließen (V.

176 von 191


Widerspruch zwecklos?

53). Auch hier wird die Reihenfolge, dass Jesus als „Erstling aus der

Auferstehung“ voran geht, eingehalten.

Römer

Abrahams Rechtfertigung geschah nicht aus Glauben, sondern aus Werken!

Römer 4,2 „Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er

etwas zum Rühmen, aber nicht vor Gott.“

Jakobus 2,21 „Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden,

da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte?“

Die Stelle in Römer 4,2 betont, dass der Glaube dem Abraham die Rechtfertigung

einbrachte und nicht die Werke, wie auch der gesamte Kontext im Römerbrief und

die Bibel auch insgesamt deutlich macht. Jakobus betont in seinem Brief, dass

der Glaube aber Werke als Folge mit sich bringt. Die Werke Abrahams zeugten von

seinem Gottvertrauen, dass ihn ausschließlich rechtfertigen konnte. Jakobus

setzt zudem kein Statement sondern stellt eine Frage um den Leser des Briefes

herauszufordern, selbst darüber nachzudenken wie der Glaube und die Werke

zusammen hängen, was er dann anschließend in Vers 22 noch aufklärt („der Glaube

aus den Werken vollendet wurde“). Werke sind demnach eine Folge des Glaubens.

Wenn keine Werke sichtbar werden, sollte man die Echtheit des Glaubens

hinterfragen. Abraham zeigte seinen Glauben durch seine Werke (Jakobus 2,18b).

Obwohl Eva als erstes von der verbotenen Frucht nahm, soll durch Adam die Sünde

in die Welt gekommen sein!

Römer 5,12 „Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist

und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist,

weil sie alle gesündigt haben.“

1. Timotheus 2,14 „… und Adam wurde nicht betrogen, die Frau aber wurde betrogen

und fiel in Übertretung.“

177 von 191


Widerspruch zwecklos?

Der Römerbrief betont, dass durch Adam die Sünde in die Welt kam. 1. Mose 3,6

und 1. Timotheus 2,14 schildern den Ablauf aber eindeutig so, dass Eva die erste

Übertretung beging. Paulus stellt im Römerbrief Adam als ein Bild des

Zukünftigen dar (Römer 5,14b). Er war der erste Mensch der lebte und das Haupt

von Eva. Seine Tat brachte den Tod über die gesamte Menschheit (Vers 17),

genauso wie als Gegenbild die Tat oder das Werk Jesu am Kreuz auf Golgatha das

Leben für alle Menschen ermöglichte. Paulus widerspricht nicht der Tatsache,

dass Eva den Adam verführte, dennoch war es wohl der Biss des Adam, der das

Verderben über die gesamte Menschheit brachte und auch die Kinder der beiden

endgültig zu Sündern machte.

Es gibt Flüche, die Christen aussprechen sollen!

Römer 12,14 „Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht!“

1. Korinther 16,22 „Wenn jemand den Herrn nicht lieb hat, der sei verflucht!“

Die Antwort auf die Frage, ob wir als Christen Flüche aussprechen sollen, ist

eindeutig: Nein. Wie Paulus an die verfolgten Christen in Rom schreibt, sollen

wir selbst unsere Feinde segnen. Sie sollten also selbst den Leuten die ihnen

ohne Ursache nach dem Leben trachten Freundlichkeit und Liebe erweisen und nicht

nach Rache oder Vergeltung bitten. In 1. Korinther 16,22 lesen wir nicht, dass

Paulus einen Fluch aktiv über jemanden ausspricht, sondern dass jemand der Jesus

nicht liebt, längst verflucht (oder verurteilt) ist. Gott ist es der Vergeltung

übt und nicht wir Menschen. Der beigefügte Ausdruck „Maranatha“ (d.h. Jesus

kommt bald um Gericht zu halten) bekräftigt diese Aussage. Nicht der Mensch soll

urteilen und richten, sondern Gott (Matthäus 7,1 und Johannes 5,26f).

1. Korinther

Christen dürfen Nicht-Christen heiraten!

178 von 191


Widerspruch zwecklos?

1. Korinther 7,12f „Den Übrigen aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder

eine ungläubige Frau hat und sie willigt ein, bei ihm zu wohnen, so entlasse er

sie nicht. Und eine Frau, die einen ungläubigen Mann hat, und der willigt ein,

bei ihr zu wohnen, entlasse den Mann nicht.“

2. Korinther 6,14 „Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn

welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche

Gemeinschaft Licht mit Finsternis?“

Eine Heirat zwischen Christen und Nicht-Christen wird in der Bibel nicht erlaubt

(1. Korinther 6,14 und 1. Korinther 7,39). 1. Korinther 7,12f schildert die

Situation, dass ein Ehepartner nach der Eheschließung gläubig wird. Wenn also

eine Ehe bereits eingegangen wurde und erst anschließend eine Bekehrung statt

findet, soll der ungläubige Ehepartner in diesem Falle nicht verlassen werden.

Obwohl im Alten Testament langes Haar als Zeichen des Gelübdes benutzt wird,

spricht Paulus von einer Schande, wenn Männer langes Haar tragen!

1. Korinther 11,14 „Und lehrt euch nicht selbst die Natur, dass, wenn ein Mann

langes Haar hat, es eine Schande für ihn ist …“

Richter 13,5 „Denn siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Ein

Schermesser soll nicht auf sein Haupt kommen, denn ein Nasiräer Gottes soll der

Junge sein vom Mutterleib an. Er aber wird anfangen, Israel aus der Hand der

Philister zu retten.“

4. Mose 6,5 „Alle Tage des Gelübdes seiner Weihe soll kein Schermesser über sein

Haupt kommen. Bis die Tage erfüllt sind, die er sich für den HERRN geweiht hat,

soll er heilig sein; er soll das Haar seines Hauptes frei wachsen lassen.“

1. Samuel 1,11 „Und sie legte ein Gelübde ab und sprach: HERR der Heerscharen!

Wenn du das Elend deiner Magd ansehen und meiner gedenken und deine Magd nicht

vergessen wirst und deiner Magd einen männlichen Nachkommen geben wirst, so will

ich ihn dem HERRN alle Tage seines Lebens geben. Und kein Schermesser soll auf

sein Haupt kommen.“

179 von 191


Widerspruch zwecklos?

Zunächst einmal muss man zwischen Altem und Neuem Testament unterscheiden. Das

Gebot aus 4. Mose 6,5 galt den Israeliten. Der Korintherbrief ist an Griechen

adressiert, die nach dem Neuen Bund leben sollten. Obwohl die Auslegung zu 1.

Korinther 11,14 sehr schwierig ist und oft unterschiedlich ausfällt, wird im

Kontext der gesamten Bibel jedoch deutlich, dass Gott sich eine äußere

Unterscheidung zwischen Mann und Frau wünscht (5. Mose 22,5). Paulus spricht von

einem natürlichen Phänomen, wenn die Frau längere Haare trägt, als der Mann, wie

es auch in nahezu allen Kulturen und Zeitepochen weltweit gewesen ist. Das Gott

im Alten Testament bei einem Nasiräer-Gelübde lange Haare als ein äußerliches

Zeichen wünschte, widerspricht nicht dem Korintherbrief, der damals noch längst

nicht geschrieben und gültig war. Gerade weil es für Männer damals so unüblich

war, seine Haare ununterbrochen wachsen zu lassen, konnte man einen Nasiräer

sofort erkennen und unterscheiden, was ihn besonders in die Pflicht nahm.

Mal ist Begierde etwas Gutes, dann wiederum etwas Schlechtes in der Bibel!

1. Korinther 12,31 „Eifert aber um die größeren Gnadengaben! Und einen Weg noch

weit darüber hinaus zeige ich euch: …“

1. Korinther 14,39 „Daher, Brüder, eifert danach, zu weissagen, und hindert das

Reden in Sprachen nicht!“

2. Mose 20,17 „Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren. Du sollst

nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd,

weder sein Rind noch seinen Esel, noch irgendetwas, was deinem Nächsten gehört.“

Wie Kolosser 3,5 aussagt, sollen wir keine „böse Begierde“ in uns haben. Die

Bibel trifft also eine sinnvolle Unterscheidung bei verschiedenen Formen der

Begierde. Während wir nicht die Dinge unseres nächsten begehren sollen (Neid),

spornt uns die Bibel dennoch dazu an, bestimmten positiven Eigenschaften

nachzueifern (d.h. eine Begierde für gute Dinge zu entwickeln). Wie 1. Petrus

2,2 beispielsweise ausdrückt, sollen wir, wie neugeborene Kinder Milch begehren

180 von 191


Widerspruch zwecklos?

(natürliches Phänomen), eine Begierde nach dem Wort Gottes haben. In den 10

Geboten wird deshalb bezüglich der Begierde ein Verweis auf die Dinge unseres

Nächsten gemacht (2. Mose 20,17 und 5. Mose 5,21). Neid ist demnach verboten,

Eifer für Dinge die dem Willen Gottes entsprechen dagegen löblich. In diesen

Textstellen einen Widerspruch zu vermuten, widerspricht einzig dem logischen

Menschenverstand.

Paulus behauptet, Jesus wäre den 12 Jüngern nach der Auferstehung erschienen,

obwohl Judas tot war!

1. Korinther 15,5 „und dass er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen.“

Matthäus 28,16f „Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, an den Berg, wohin

Jesus sie bestellt hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder;

einige aber zweifelten.“

Johannes 20,24 „Thomas aber, einer von den Zwölfen, genannt Zwilling, war nicht

bei ihnen, als Jesus kam.“

Mit „den Zwölfen“ ist keine exakte Zahlenangabe, sondern ein Titel für die 12

Apostel gemeint. Zur Zeit der Auferstehung bestand diese Gruppe aus elf Jüngern

(Matthäus 28,16). Das Thomas bei der ersten Erscheinung Jesus nicht anwesend

war, hat keine große Bedeutung, da Jesus sich eine Woche danach erneut allen 11

Jüngern zeigte und Paulus außerdem wie erwähnt von „den Zwölfen“ spricht. Des

Weiteren muss Matthias (der Nachfolger von Judas und somit 12. Apostel) auch ein

Zeuge der Auferstehung gewesen sein (Apostelgeschiche 1,22), weshalb er entweder

auch bei der ersten Erscheinung von Jesus anwesend war (Lukas 24,33) oder aber

später Augenzeuge der Auferstehung wurde.

2. Korinther

Nicht der Teufel, sondern Gott hindert die Menschen zu glauben!

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Widerspruch zwecklos?

2. Korinther 4,3f „Wenn aber unser Evangelium doch verdeckt ist, so ist es nur

bei denen verdeckt, die verloren gehen, den Ungläubigen, bei denen der Gott

dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums

von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen.“

Johannes 12,40 „Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, dass sie

nicht mit den Augen sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich

sie heile."

2. Thessalonicher 2,11f „Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des

Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der

Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der

Ungerechtigkeit.“

In 2. Korinther 4,3f erhalten wir die Information, dass der Gott dieser Welt

(d.i. Satan) den Ungläubigen den Sinn verblendet hat. In den anderen Bibelversen

lesen wir davon, dass Gott den Menschen die Augen verblendet und das Herz

verhärtet. Mit dem Wirken Gottes und den geduldeten Spielräumen des Teufels

könnte man sicherlich ganze Bücher füllen, weshalb an dieser Stelle nur folgende

Information bezüglich der oben genannten Problematik genannt werden kann: Beide

Aussagen sind richtig. Der Teufel hält die Menschen vom Glauben ab und auch Gott

verblendet die Augen derer, die sich endgültig gegen ihn entschieden haben.

Galater

Paulus ging nach seiner Bekehrung doch zu den Aposteln nach Jerusalem!

Galater 1,15-18 „Als es aber dem, der mich von meiner Mutter Leibe an ausgewählt

und durch seine Gnade berufen hat, gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren,

damit ich ihn unter den Nationen verkündigte, zog ich nicht Fleisch und Blut zu

Rate; ich ging auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel

waren, sondern ich ging sogleich fort nach Arabien und kehrte wieder nach

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Widerspruch zwecklos?

Damaskus zurück. Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem hinauf, um

Kephas kennenzulernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.“

Apostelgeschichte 9,26-28 „Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte

er, sich den Jüngern anzuschließen; und alle fürchteten sich vor ihm, da sie

nicht glaubten, dass er ein Jünger sei. Barnabas aber nahm ihn und brachte ihn

zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Weg den Herrn gesehen habe

und dass der zu ihm geredet und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu

gesprochen habe. Und er ging mit ihnen aus und ein in Jerusalem und sprach

freimütig im Namen des Herrn.“

In Galater 1,15-18 erwähnt Paulus, dass er nach seiner Bekehrung zunächst nicht

hinauf nach Jerusalem ging. In der Berichterstattung des Lukas in

Apostelgeschichte 9,26 lesen wir jedoch, dass Paulus von Damaskus nach Jerusalem

ging „als viele Tage verflossen waren“. Die Schwierigkeit dabei ist, dass Paulus

in Galater 1,18f schreibt, dass er niemanden von den Aposteln bei seinem Besuch

in Jerusalem antraf, „außer Jakobus, den Bruder des Herrn“ und Petrus. In der

Apostelgeschichte 9 lesen wir jedoch in Vers 27, dass er von Barnabas zu den

Aposteln gebracht wurde.

Beide Autoren möchten jedoch unterschiedliche Schwerpunkte vermitteln und

schildern deshalb die Szene unterschiedlich, aber dennoch entsprechend der

Wahrheit. Paulus traf tatsächlich nur die beiden Apostel an. Die

Apostelgeschichte spricht dabei bewusst von „den Aposteln“. Der Kontakt zwischen

Paulus und den Aposteln spielt eine wichtige Rolle, da den Christen in Jerusalem

so die Angst vor dem ehemaligen Feind Saulus genommen wurde. Das es sich

tatsächlich nur um zwei Apostel gehandelt hat, spielt keine Rolle. In der

Argumentation des Paulus im Galaterbrief benutzt Paulus die damalige Situation

um einen anderen wichtigen Punkt zu vermitteln. Paulus benötigte keine

Bestätigung seines Auftrags durch die Apostel, da er von Gott selbst zum Apostel

der Nationen ernannt wurde. Er betont, dass er kaum jemanden von den Aposteln

angetroffen hat und somit nicht von den Aposteln eingesetzt wurde. Die

183 von 191


Widerspruch zwecklos?

Apostelgeschichte drückt bei gleichem Sachverhalt die Tatsache aus, dass wenn

auch nur zwei Apostel Kontakt mit ihm gehabt hatten, er dennoch stellvertretend

von allen Aposteln akzeptiert worden ist. Beide Stellen berichten demnach von

dem Aufeinandertreffen des Paulus mit zwei Aposteln.

Die Last des anderen zu tragen ist gar nicht möglich!

Galater 6,2 „Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des

Christus erfüllen.“

Galater 6,5 „… denn jeder wird seine eigene Bürde tragen.“

Die Worte Last (Vers 2) und Bürde (Vers 5) unterscheiden sich nicht nur in

vielen Übersetzungen, sondern auch im griechischen Urtext. Während mit der Last

(griech. baros) die Herausforderungen und Probleme des täglichen Lebens gemeint

sind, bezieht sich Bürde (griech. phortion) auf etwas Zukünftiges, was auch

durch die Zeitform der jeweiligen Verse deutlich wird. Jeder einzelne muss sich

zukünftig vor Gott rechtfertigen. Eine Berufung auf andere ist beim zukünftigen

Gericht nicht möglich. Ausreden wie schlechtes Umfeld oder Erziehung werden dort

nicht gelten. Jeder Christ wird einmal vor dem Richterstuhl Christi erscheinen

müssen. Ob man für einander da war und die Aufforderung z.B. aus Vers 2

umgesetzt hat, wird dann auch beurteilt werden.

1. Thessalonicher

Wenn der Tag des HERRN schon damals nahe war, hätte er längst eintreffen müssen!

1. Thessalonicher 4,15-17 „Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn,

dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den

Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird

beim5Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune

Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst

auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit

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Widerspruch zwecklos?

ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden

wir allezeit beim Herrn sein.“

1. Thessalonicher 5,23 „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch

völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt

werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“

2. Thessalonicher 2,2f „… dass ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern,

auch nicht erschrecken lasst, weder durch Geist noch durch Wort noch durch

Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. Dass niemand

euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn,

dass zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit offenbart

worden ist, der Sohn des Verderbens …“

Paulus macht den Thessalonichern deutlich, dass der Tag des HERRN nahe ist. Er

erläutert allerdings auch, dass einige Ereignisse dem Tag des HERRN noch

vorausgehen, weshalb der Tag noch nicht eingetroffen sein konnte. Bei den

Thessalonichern gab es die Irrlehre, dass der Tag des HERRN schon gewesen wäre,

was Paulus durch seinen Brief allerdings ins rechte Licht rücken möchte. Sein

Appell lautet demnach allezeit bereit, wachsam und vorbereitet zu sein, da der

Tag des HERRN nicht in der Vergangenheit liegt, sondern sehr bald eintreffen

wird. Da auch Paulus den genauen Zeitpunkt gar nicht wusste, hatte seine

Formulierung das Ziel zu ermutigen, statt einen genauen Zeitpunkt zu definieren.

2. Thessalonicher

Obwohl Gott behauptet nie zu lügen, lügt er manchmal doch!

2. Thessalonicher 2,11 „Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des

Irrwahns, dass sie der Lüge glauben …“

Jeremia 4,10 „Da sprach ich: Ach, Herr, HERR! Fürwahr, bitter getäuscht hast du

dieses Volk und Jerusalem, als du sprachst: Ihr werdet Frieden haben! - und nun

dringt uns das Schwert bis an die Seele.“

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Widerspruch zwecklos?

1. Könige 22,23 „Und nun, siehe, der HERR hat einen Lügengeist in den Mund all

dieser deiner Propheten gegeben, denn der HERR hat Unheil über dich geredet.“

1. Samuel 15,29 „Auch lügt der nicht, der Israels Ruhm ist, und es gereut ihn

nicht. Denn nicht ein Mensch ist er, dass ihn etwas gereuen könnte.“

Titus 1,2 „… das Gott, der nicht lügt, vor ewigen Zeiten verheißen hat.“

Gott kann nicht lügen (Titus 1,2). Jeder, der etwas anderes behauptet, ist ein

Lügner. Wenn man in der Bibel davon liest, dass Gott einen Lügengeist zu

Menschen schickt, kann man daraus zum einen nicht ableiten, dass Gott selbst

gelogen hat und außerdem muss man folgendes immer bedenken: Gott bewilligt dem

Teufel und seinen Dämonen einen gewissen Freiraum (z.B. Hiob 1,6ff). Wenn der

Teufel nun mit Gottes Einverständnis handelt, bedeutet dies nicht, dass Gott

selbst handelt. Die Werke des Teufels stehen in absolutem Kontrast zu dem Wirken

Gottes. Nachdem beispielsweise der böse König Ahab von seinen Sünden nicht

umkehren wollte, starb er in einer Schlacht, die ein Lügengeist angezettelt

hatte. Gott lenkte die Ereignisse so, dass Ahab die Konsequenz seines Handelns

traf. Die Vorwürfe des Jeremia (Jeremia 4,10), dass Gott sein Volk getäuscht

hätte, gelten längst nicht als bewiesen. Selbst große Männer Gottes wie Jeremia,

Habakuk, Johannes der Täufer u.a., stießen gelegentlich an ihre Grenzen und

zweifelten an Gott. Die Bibel verschweigt diese dunklen Zeiten im Leben der

Gläubigen nicht und berichtet auch von ihren Vorwürfen Gott gegenüber. Der

aufrichtige Bibelleser weiß diese Aussagen im Licht der Bibel zu prüfen und kann

aus den Fehlern der anderen lernen.

1. Timotheus

Wenn Gott wirklich will, dass kein Mensch in die Hölle kommt, könnte er in

seiner Allmacht diesbezüglich eingreifen!

1. Timotheus 2,4 „… welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur

Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

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Widerspruch zwecklos?

2. Petrus 3,9 „… da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern

dass alle zur Buße kommen.“

Sprüche 16,4 „Alles hat der HERR zu seinem Zweck gemacht, so auch den Gottlosen

für den Tag des Unglücks.“

Johannes 12,40 „"Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, dass sie

nicht mit den Augen sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich

sie heile.“

Römer 9,18 „Also nun: Wen er will, dessen erbarmt er sich, und wen er will,

verhärtet er.“

Es ist ein altes und heißdiskutiertes Thema, ob Gott allen Menschen die

Möglichkeit gibt errettet zu werden oder nur einer auserwählten Schar.

Tatsächlich sagen die Stellen aus, dass Gott zwar will, dass alle Menschen

errettet werden, dennoch aber nicht alle Menschen errettet werden (Matthäus

7,13). Das Zusammenwirken von Gottes Vorsatz und menschlichem Willen ist wegen

Menschlicher Beschränktheit niemals gänzlich erfassbar. Dass Gott die Herzen

einiger Menschen sogar verhärtet, ist unter Berücksichtigung der Tatsache dass

Gott die Zukunft kennt, zu betrachten. Er weiß, wann eine Mensch sich endgültig

gegen ihn entschieden hat. In Hiob 33,29 wird deutlich dass Gott dem Menschen

zwar mehrmals, aber nicht unbegrenzt die Möglichkeit gibt von seinem Weg

umzukehren. Wenn der Mensch mehrmals Gottes Gnade abgelehnt hat, ist eine

Verhärtung seines Herzens nicht ausgeschlossen, da Gott sich nicht spotten lässt

(Galater 6,7).

Jakobus

Gott kann nicht versucht werden und versucht auch niemanden!

Jakobus 1,13 „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht.

Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht

niemand.“

187 von 191


Widerspruch zwecklos?

Lukas 4,12 „Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: <<Du sollst

den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.>>“

1. Mose 22,1 „Und es geschah nach diesen Dingen, da prüfte Gott den Abraham. Und

er sprach zu ihm: Abraham! Und er sagte: Hier bin ich!“

In Jakobus 1,13 heißt es: „Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er

selbst aber versucht niemand.“26 Im Lukas- und im Matthäusevangelium lesen wir

aber von der Versuchung Jesu in der Wüste durch den Teufel. Auch lesen wir, dass

Gott Abraham, David, etc. prüfte (z.B. 1. Mose 22,1). Wie sind diese Aussagen

miteinander vereinbar? Als Jesus auf der Erde war, wurde er vom Teufel in der

Wüste versucht (griech. peirazo). Das in Jakobus 1,13 benutzte griechische Wort

„apeirastos“ drückt eine Unversuchbarkeit aus. Jesus konnte zwar vom Teufel

versucht werden, jedoch war die Möglichkeit durch Versuchung in Sünde zu fallen

ausgeschlossen, da Jesus nicht sündigen kann. „Apeirastos“ drückt an dieser

Stelle genau diese Tatsache aus, um die Göttlichkeit Jesu zu unterstreichen.

Auch die Tatsache, dass Gott nicht zum Bösen versucht, ist wahr. Gott prüft zwar

den Glauben, versucht aber nicht zur Sünde. Gottes Ziel ist hierbei, dass

Christen ihren Glauben unter Beweis stellen. Der Teufel hingegen, möchte nicht

unseren Glauben stärken, sondern unsere Beziehung zu Gott durch Sünde schwächen.

Deshalb muss eine Unterscheidung von Prüfung und Versuchung zur Sünde

unternommen werden.

Rahab wurde nicht aus Glauben, sondern aus Werken gerechtfertigt!

Jakobus 2,25 „Ist aber nicht ebenso auch Rahab, die Hure, aus Werken

gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg

hinausließ?“

Hebräer 11,31 „Durch Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit den Ungehorsamen um,

da sie die Kundschafter in Frieden aufgenommen hatte.“

26 Schlachter 2000 Übersetzung


188 von 191
Widerspruch zwecklos?

Nicht durch Werke, sondern durch Glauben (Hebräer 11,31) wurde Rahab gerettet.

Ihre Werke bezeugten ihren Glauben (Jakobus 2,25). Wie immer ist es wichtig eine

Bibelstelle im Gesamtzusammenhang zu betrachten. Der Brief des Jakobus wird oft

missverstanden, da einzelne Verse nicht in ihrem Kontext angesehen werden.

Während Werke niemals retten, sind sie jedoch eine zwingende Folge des rettenden

Glauben. Wer keine Werke zeigt, nachdem er durch Glauben gerettet wurde, sollte

seine Errettung in Frage stellen (Matthäus 7,20).

2. Petrus

Manche gefallenen Engel sind gebunden, andere wiederum nicht!

2. Petrus 2,4 „Denn wenn Gott Engel, die gesündigt hatten, nicht verschonte,

sondern sie in finsteren Höhlen des Abgrundes gehalten und zur Aufbewahrung für

das Gericht überliefert hat …“

Judas 6 „… und Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre

eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen

Fesseln unter Finsternis verwahrt …“

1. Petrus 5,8 „Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher

wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.“

Als der Satan zusammen mit vielen weiteren Engeln gegen Gott rebellierte, musste

er die Gegenwart Gottes verlassen. In Hiob 1,7b erfahren wir, dass er sich frei

bewegen darf und zusammen mit seinen Dienern (Dämonen) die Menschen auf der Erde

verführt (z.B. 1. Mose 3,1; Lukas 4,1 und 8,30). Die Textstellen in 2. Petrus

und Judas sprechen von weiteren gefallenen Engeln, die zeitlich betrachtet nach

der Rebellion Satans in Ungnade fielen und an einem eigenen Ort für den Tag des

Gerichts bereits aufbewahrt werden. Einige Bibelausleger sind der Meinung, dass

es sich hierbei um die in 1. Mose 6,1-7 erwähnten „Söhne Gottes“ handeln könnte.

1. Johannes
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Widerspruch zwecklos?

Auch Dämonen bekannten Jesus als Sohn Gottes!

1. Johannes 4,2 „Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus

Christus, im Fleisch gekommen, bekennt, ist aus Gott …“

Markus 3,11 „Und wenn die unreinen Geister ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder

und schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes.“

Matthäus 8,29 „Und siehe, sie schrien und sagten: Was haben wir mit dir zu

schaffen, Sohn Gottes? Bist du hierher gekommen, uns vor der Zeit zu quälen?“

1. Johannes 4,2 drückt aus, dass jeder Geist der Jesus als Sohn Gottes bekennt,

ein Geist aus Gott ist. Mit „bekennen“ (griechisch: homologeo) ist viel mehr als

ein bloßes Lippenbekenntnis gemeint. In Titus 1,16 lesen wir von Ungläubigen,

die vorgeben Gott zu kennen (homologeo), ihn aber mit ihren Werken verleugnen.

Es muss folglich nicht nur Jesus bekannt, sondern auch mit dem Herzen an ihn

geglaubt werden (Römer 10,9f). Die unreinen Geister benannten aber bekannten

Jesus nicht. Wenn ein Geist die Gottheit Jesu verleugnet, kann sofort

ausgeschlossen werden, dass es sich um den Geist Gottes handelt (1. Johannes

4,3).

Judas

Judas behauptet Henoch sei der siebte Nachkomme Adams!

Judas 1,14 „Es hat aber auch Henoch, der Siebente von Adam an, von ihnen

geweissagt und gesagt: "Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen

Myriaden …“

1. Mose 5,3-18 „Und Adam lebte 130 Jahre und zeugte einen Sohn ihm ähnlich, nach

seinem Bild, und gab ihm den Namen Set. Und die Tage Adams, nachdem er Set

gezeugt hatte, betrugen 800 Jahre, und er zeugte Söhne und Töchter. Und alle

Tage Adams, die er lebte, betrugen 930 Jahre, dann starb er. Und Set lebte 105

Jahre und zeugte Enosch. Und Set lebte, nachdem er Enosch gezeugt hatte, 807

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Widerspruch zwecklos?

Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Und alle Tage Sets betrugen 912 Jahre, dann

starb er. - Und Enosch lebte 90 Jahre und zeugte Kenan. Und Enosch lebte,

nachdem er Kenan gezeugt hatte, 815 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Und alle

Tage von Enosch betrugen 905 Jahre, dann starb er. - Und Kenan lebte 70 Jahre

und zeugte Mahalalel. Und Kenan lebte, nachdem er Mahalalel gezeugt hatte, 840

Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Und alle Tage Kenans betrugen 910 Jahre,

dann starb er. - Und Mahalalel lebte 65 Jahre und zeugte Jered. Und Mahalalel

lebte, nachdem er Jered gezeugt hatte, 830 Jahre und zeugte Söhne und Töchter.

Und alle Tage Mahalalels betrugen 895 Jahre, dann starb er. - Und Jered lebte

162 Jahre und zeugte Henoch6.“

Lukas 3,37f „… des Metuschelach, des Henoch, des Jered, des Mahalalel, des

Kenan, des Enosch, des Set, des Adam, des Gottes.“

Wenn der Judasbrief den Ausdruck „der Siebente von Adam an“ für Henoch benutzt,

zählt er Adam mit. Henoch gehörte tatsächlich zur siebten Generation der Erde.

Das griechische Wort „apo“ lässt diesen Gedanken ohne Zweifel zu.

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