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MANTHOC, die „Bewegung der arbeitenden Kinder“ in Peru

Maria (Name geändert) ist acht Jahre alt und lebt in Lima, der Hauptstadt von Peru. Wie andere Kinder auch,
geht sie jeden Morgen zur Schule. Die Nachmittage verbringt sie aber in einem Außenbezirk der Stadt, wo sie
Orangen und anderes Obst an Autofahrer verkauft. Dass Kinderarbeit eigentlich verboten ist, findet sie ungerecht.
„Wovon soll meine Familie denn sonst leben?“, fragt sie verständnislos.

So wie ihr geht es tausenden anderen Kindern in Peru auch. Obwohl Kinderarbeit offiziell verboten ist, sind viele
Familien aufgrund ihrer wirtschaftlichen Not auf die Einkünfte ihrer Kinder angewiesen, um nicht zu verhungern.
Die manchmal erst Sechs- oder Siebenjährigen verkaufen Kleidung oder Obst, schleppen Kisten in Lagerhallen
oder arbeiten als Schuhputzer. Andere führen Kunststücke an Straßenkreuzungen auf, immer in der Hoffnung auf
eine kleine Spende von einem der zahlreichen Autofahrer.

MANTHOC, die „Bewegung der arbeitenden Kinder“ in Peru kümmert sich um Kinder wie Maria. Die Bewegung
mit gewerkschaftsähnlichen Strukturen wurde 1978 vom christlichen Arbeiterjugendverband Perus gegründet.
1996 kam es zur Gründung der „Nationalen Bewegung arbeitender Kinder in Peru“ (MNNATSOP), der Inzwischen
mehr als 10.000 Kinder angehören. Die meisten von ihnen kommen aus den MANTHOC-Gruppen.

Carlos (12; Name geändert), der als Schuhputzer in Lima arbeitet, ist Mitglied der Bewegung, die in der
Hauptstadt drei Häuser unterhält. Während man ihm ansieht, dass seine Arbeit ihm tatsächlich Spaß macht,
erzählt er: „Ich bin gerne bei MNNATSOP. Die kümmern sich um unsere Probleme und wenn ich mal krank bin,
unterstützen sie mich.

“ Dafür zahlen alle, wie bei einer Gewerkschaft, einen kleinen Beitrag in die Gemeinschaftskasse ein.

Während die Regierung nicht zuletzt aufgrund internationalen Drucks versucht, Kinderarbeit zu eliminieren, vertritt
MANTHOC die Interessen der Kinder. Regierungsmitarbeiter sammeln arbeitende Kinder manchmal auf der
Straße ein und bringen sie in Kinderheimen unter. Auch die meisten Lehrer haben kein Verständnis für die
Lebenssituation der Kinder, die arbeiten müssen. MANTHOC versucht stattdessen, die Arbeitssituation der
Kinder zu verbessern und kämpft wie eine Gewerkschaft für die Rechte der Kinder am Arbeitsplatz.

Eine Mitarbeiterin in Lima stellt es so dar: „Ein Verbot der Kinderarbeit führt nur dazu, dass die Kinder, die
arbeiten müssen, kriminalisiert werden. Zusätzlich verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen, weil auf dem
illegalen Arbeitsmarkt keine Rechte eingefordert werden können. Es ist unserer Meinung nach viel realistischer,
dafür zu kämpfen, dass die Kinder unter würdigen Bedingungen arbeiten können.“

Wie diese Bedingungen aussehen sollen, darüber haben die MANTHOC-Kinder klare Vorstellungen: sie dürfen
nicht ausgebeutet werden, ihre Gesundheit darf nicht leiden und sie müssen neben der Arbeit die Möglichkeit
zum Spielen und Lernen haben.

Den Kindern erscheint es oft als eine Selbstverständlichkeit, zu arbeiten, weil sie und ihre Familien sonst nicht
überleben können. Daher spielt das Thema Kinderarbeit auf den MANTHOC-Treffen nur eine untergeordnete
Rolle. Vielmehr geht es um die Lösung von Alltagsproblemen wie Diebstahl oder Gewalt auf der Straße und
manchmal auch in den Familien.

Die Arbeit von MANTHOC wird von terre des hommes unterstützt.