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ISBN 978-3-662-23482-2 ISBN 978-3-662-25552-0 (eBook)

DOI 10.1007/978-3-662-25552-0
Induktions-Regulatoren
(Drehtransformatoren)
mit

selbsttätiger Steuerung.

Fig. I. Dreiphasen-Induktions-Regulator mit Schnellregler und Ölumscbalter.


Ölgeküblte Bauart mit selbsttätiger elektrischer Steuerung und Handantrieb.

l\ktiengesellschaft
Brown, Boveri & Cie.
Baden Mannheim- Paris- Mailand - Kristiania- London
(Schweiz) -
Wien - Budapest - Rotterdam - Brüssel
395D, 1\ugust 1913.
lnduktionsNRegulatoren, Bauart BrownNBoveri.

1\llgemeines.
Es ist bekanntlich unmöglich, in weitverzweigten Leitungsnetzen von der Zentrale aus
die Spannung an den einzelnen Verbrauchsstellen jederzeit konstant zu halten. 1\ndererseits
ist zur Erzeugung eines ruhigen und gleichmäßigen elektrischen Lichtes eine konstante Be-
triebsspannung erforderlich. Um diesem Erfordernis zu genügen, werden zweckmäßig in die
Hauptfeeder des Stromnetzes Induktionsregulatoren (Drehtransformatoren) eingebaut, 1\pparate,
welche eine Regulierung der Wechselspannung ermöglichen. Um die Spannungsregulierung
von der 1\ufmerksamkeit des Wärters unabhängig zu machen, versieht man die Regulatoren
mit einer selbsttätigen Steuerung.
Die Induktionsregulatoren werden von der 1\ktiengesellschaft Brown, Boveri & Cie. in
zwei Bauarten hergestellt :
1. Horizontale, offene Anordnung mit künstlicher Ventilation, für Spannungen bis zu
5000 Volt. Der Regler ist mit einem Ventilator versehen, der einen kräftigen Luftstrom achsial
durch ihn hindurchbläst
2. Vertikale, geschlossene Anordnung mit Olkühlung, für Spannungen von 5000 bis
12,000 Volt.
Die Verstellung des Regulators, seine Steuerung, läßt sich entweder auf elektrischem
Wege (durch einen kleinen Motor unter Zuhilfenahme eines durch Schnellregler beeinflußten
Drehmagneten) oder mechanisch durch einen Servomotor bewirken, dessen Druck durch einen
vom Schnellregler gesteuerten Magneten geregelt wird.
Während die elektrische Steuerung des Induktionsreglers sich besonders für kleine Re-
gulierleistungen und dann empfiehlt, wenn die in einer Sekunde auszugleichenden Spannungs-
schwankungen nicht mehr als 1 °/o der Netzspannung betragen, so ist es doch häufig er-
wünscht, Spannungsänderungen ausgleichen zu können, welche diesen Betrag erheblich über-
steigen. Zu diesem Zwecke hat die 1\ktiengesellschaft Brown, Boveri & Cie. eine selbsttätige
Öldrucksteuerung entwickelt, die gestattet, Spannungsänderungen in einer Sekunde auszu-
gleichen, die bis zu 10 °jo der Netzspannung betragen.
Beide 1\rten von Steuerungen sind nachstehend näher beschrieben.

2
I. Selbsttätige Öldrucksteuerung, Bauart Brown-Boveri.
Der Induktionsregulator ] , der zur l\usgleichung der auftretenden Spannungsschwankungen
verstellt werden muß, ist im vorliegenden Falle vertikal angeordnet, ölgekühlt und der Servo-
motor nicht, wie sonst üblich, direkt auf dem Ölkasten aufgebaut, sondern separat aufgestellt.

RT RST

III

Schema eines Induktions·


Regulators mit selbsttätiger
Öldrucksteuerung.

Legende:
J = Induktions-Regulator.
R - Schncllreglcr.
P • Ölpumpe.
M = Mo tor zu m Antrie b de r Öl-
pu~npe.

Mg • Magnet fiir di e Steuerung


des Regulierventi ls.
K = Kurbelmechanismus zur
Verd rehung des Rotors des
Jnduktionsreglers.

Der Rotor des Reglers wird durch einen Kurbel-Mechanismus K vom Kolben eines Servo-
motors betätigt, dessen Drucköl von einer besonderen Pumpe P geliefert wird. Der Steuermecha-
nismus des Servomotors entspricht im Prinzip dem bei Wasserturbinen verwendeten, nur tritt
an Stelle des Zentrifugalregulators hier ein Drehmagnet Mg, der seinerseits von einem Schnell-
regler beeinflußt wird.

3
A'

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-· ·-- - ·--

Drehmagnet
Fig. 3. Schema der Öldrucksleuerung.

Das in einer bestimmten Gleichgewichtslage befind·


liehe Ventil V (Fig. 3) wird durch die geringste
Bewegung des Drehmagneten mittels des sich um
den Punkt B drehenden Steuerhebels fiB in die Lage
Rücklührung
V ' gebrach t, das Drucköl dadurch auf die gewünschte
Seite des Servomotorkolbens geführt und damit eine Verstellung des Reglers bewirkt. Zur Ver·
meidung von Ueberregulierung ist eine mechanische Rückführung vorgesehen. Sobald die
eben beschriebene Steuerbewegung erfolgt ist, wird auch schon vom Servomotor das freie
Hebelende B durch die Rückführung zwangläufig in die Lage ß ' gebracht und damit das Ventil
wieder nach V zurückgeführt. Die neue Gleichgewichtslage B 'II' des Steuerhebels entspricht

Fig. 4. Luftgekühlter lnduktions-Rej(ulator mit direkt angebauter selbsttätiger Öldrucksteuerung.

4
den veränderten Spannungsverhältnissen. Der Induktionsregulator ist inzwischen um einen
bestimmten Winkel verstellt worden; erfolgt jetzt eine entgegengesetzte Regulierung, so gelangt
der Steuerhebel in die Lage B 'A, gleich darauf durch die Rückführung wieder in die 1\n·
fangslage BA und so fort.
Da auch der in Verbindung mit dem Induktionsregulator verwendete Schnellregler eine
Rückführung, bestehend aus einer Spiralleder und einer Wirbelstromdämpfung, besitzt, die
unabhängig von der des Servomotors arbeitet, so läßt sich durch die beiden Rückführungen
und das lnserieschalten der Sektorwiderstände des Schnellreglers mit dem Drehmagneten
erreichen, daß sämtliche Regulierorgane gleichzeitig ansprechen, sodaß jeder Stellung des
Schnellreglers auch eine ganz bestimmte Stellung des Servomotors und damit des Induktions·
reglers entspricht. In jeder beliebigen Lage des Servomotors kann ohne weiteres von auto·
matischer zur Handregulierung übergegangen werden.

Fig. 5. luftgekühlter Induktionsregulator mlt direkt angebauter selbsttätiger Öldrucksteuerung.

Die Induktionsregler können nicht nur zur Regulierung auf konstante Spannung, sondern
auch zur gleichzeitigen Kompensation eines Spannungsabfalles in den Sekundärleitungen
verwendet werden. 1\uch die Kompensation erfolgt vollkommen automatisch, nachdem ein
Stromtransformator eingeschaltet und die Regulierung der Netzspannung proportional der
Belastung erhöht worden ist. Durch eine besondere Vorrichtung läßt sich die prozentuale
1\bweichung von der Grundspannung in beliebigen Grenzen zwischen 0 °/o und 15 °/o der
konstant zu haltenden Spannung einstellen.
Besonders hervorzuheben ist die von keinem andern System erreichte Geschwindigkeit,
mit der die Regulierung mittels automatischer Öldrucksteuerung vor sich geht. Die Zeit, die
nötig ist, um den Induktionsregler von einer Endlage in die andere zu bringen, beträgt 2 Sek.
Es können somit Spannungsänderungen von 10 °/o der Netzspannung in einer Sekunde
vollkommen ausgeglichen werden. Die Empfindlichkeil der Regulierung ist dabei so groß, daß
schon auf Schwankungen von weniger als _± 1/t 11/o ein 1\nsprechen erfolgt.

5
Mlllt.rnec:ht

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1\utomatlscbe Regulierung

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Voll ol O o.u Volt

II
1\bt:ndllthls plt:r.e. Sp•nnungs. telgerung e bhlng'lg
vcn der l.lchtbel•ttung.

Fig. 6. Voltmeterstreifen, aufgenommen in der Unter~Zentrale Boniswil der Kraftwerke Beznau~Löntscb.

Rotomatische Regulierung mit Induktionsregulator 150 K.V. R. 50-.


Durchgehende Leistung 2000 K.V.R. 8300 Volt :±: 7,5°/o.

Das Diagramm Fig. 6 läßt den gleichmäßigen Verlauf bei automatischer Regulierung
erkennen. 1\lle Schwankungen sind ausreguliert Bei den beiden Belastungsspitzen bemerkt
man ein wellenförmiges 1\nschwellen der Spannung, das der Spannungserhöhung entspricht,
die sich automatisch zur Kompensation
des 1\bfalls in der Sekundärleitung voll-
zogen hat. Die untere Vollmeierkurve
(Fig. 8) zeigt die Spannungsschwankungen
bei Handregulierung an und erscheint be-
sonders unruhig bei der Morgen- und
1\bend-Lichtspitze.
Dank der doppelten 1\nwendung des
Relais-Prinzips in Form eines Drehmag-
neten und einer Öldrucksteuerung ist es
möglich, durch unsern hochempfindlichen
Schnellregler beliebig große Induktions-
regulatoren in der kürzesten Zeit zu ver-
stellen. Das auffallend rasche Spiel dieser
Regulierung vollzieht sich mit äußerst
Fig. 7. Öldrucksteuerung und Schalttafel mit Schnellregler. geringem Kraftaufwand.
Öldruckregulierung 0-8 Rtm. Pumpen-Motor 1- 2,5 PS.

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Handregulierung

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Volt ''"

Fig. 8. Voltmeterstreifen aufgenommen in der Unter-Zentrale Boniswil der Kraftwerke Beznau-Löntscb.

6
II. Selbsttätige elektrische Steuerung,
Bauart Brown-Boveri.

Wird auf eine besonders schnelle Regulierung kein Wert gelegt, so ist die von der 1\ktien-
gesellschaft Brown, Boveri & Cie. ausgebildete und in der Praxis erprobte elektrische Steue-
rung am Platze.

Fig. 9. Schema eines Induktionsregulators mit elektrischer Steuerung (Drebstrom-1\ntrieb).

Legende.

J .,. . ,. . lnduktionsregulator. Sp = Spannungstrans lorma tor.


HM = Rntriebs motor. St = Stromtranslormator.
RSch = Reversie rschalte r. T = Scha ltlafel.
Dr = Drehmagnet. V == Ventilator.
R = Schnellregler. S p, St, H, E, E '-= Klemm en a m Schnellreg le r.

Diese Steuerung ermöglicht es, in einer Sekunde Spannungsschwankungen bis zu ca. I o;o
der Netzspannung auszugleichen, was in vielen Fällen vollkommen ausreicht.
Prinzip und Wirkungsweise der elektrischen Steuerung sind nachstehend an Hand der
schematischen Darstellung Fig. 9 beschrieben.

7
Der Induktionsregulator ], der zur
l\usgleichung der auftretenden Spannungs-
schwankungen verstellt werden muß, ist im
vorliegenden falle horizontal angeordnet und
für ein Dreiphasen-Wechselstrom netz be-
stimmt.
Der auf den l\ntriebsmotor AM auf-
gesetzte Drehmagnet, in dem Schema mit
Dr bezeichnet, trägt auf dem einen Wellen-
ende eine Kurvenscheibe mit dem Umschalter
für den 1\ntriebsmotor. Das andere Wellen-
ende ist mit einer Vorrichtung zum Bremsen
bezw. freigeben der Welle ausgerüstet.
Das Bild Fig. 12 einer derartigen Steue-
rung läßt deutlich die l\nordnung des Dreh-
magneten und des l\ntriebsmotors der Steue-
rung mit Bremsvorrichtung erkennen.
Die beiden Regulierungswiderstände Fig. 10. Brown·Boveri-Schnellregler.
(fig. 9) des Schnellreglers R sind mitein-
ander parallel geschaltet und in Serie mit der Feldwicklung des Drehmagneten an das Nieder-
spannungsnetz des l\ntriebsmotors AM angeschlossen. Die Feldwicklung ist daher dauernd von
einem unveränderlichen Strome geringer Stärke durchllossen. Der l\nker des Drehmagneten
ist mit den beiden Wälzkontaktsektoren des Schnellreglers (Fig. 9 und 10) verbunden und bleibt
in deren Mittellage stromlos, weil die Sektoren in diesem Falle an zwei Ji.quipotentialpunkte
angeschlossen sind.
Verdrehen sich die Wälzkontaktsektoren in dem einen
oder anderen Sinne, sodaß sie mit Punkten verschiedener
Spannung der Reglerwiderstände Hontakt erhalten, so wird
demgemäß der l\nker des Drehmagneten in dem einen oder
andern Sinne von Strom durchflossen und betätigt. Steigt
z. B. die Netzspannung an, so wird der Drehmagnet mit
der Kurvenscheibe etwa im Sinne der Uhrzeigerbewegung
umkippen. Hierdurch werden die von der Scheibe geführten
Hontakte des Reversierschalters RSch (fig. 9) den Stator
des l\ntriebsmotors über die Rlemmen 1-3 bezw. 2-4
derart an das Niederspannungsnetz schalten, daß der Motor
den Induktionsregler im Sinne einer Spannungserniedrigung
antreibt.
Der l\pparat besitzt ferner eine sogenannte elektrische
Rückführung, die einen ähnlichen Zweck hat, wie die mecha-
nische Rückführung bei den Turbinenregulatoren. Dieselbe
Fig. 11.
besteht aus zwei in den Stromkreis des Spannungstransfor-
Elektrisch gesteuerter Induktionsregler
mit künstlicher Ventilation. mators eingeschalteten "Rückführkontakten", die in dem