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„Die Weber“ – Personenkonstellation (Hauptmann)

Die Berufsgruppe der Weber nimmt in der sozialen Hierarchie den untersten Platz
ein. Hauptmann beschreibt diese gedemütigten, ausgebeuteten Menschen
genau: “Die Männer, einander ähnelnd, halb zwergenhaft, halb schulmeisterlich, sind
in der Mehrzahl flachbrüstige, hüstelnde, ärmliche Menschen mit schmutzigblasser
Gesichtsfarbe: Geschöpfe des Webstuhls, deren Knie infolge vielen Sitzens
gekrümmt sind.”

Moritz Jäger
Werden die Weber im gleichnamigen Stück also nur als
anonyme Masse dargestellt? Schauen wir uns die Personen genauer an - allen
voran das führende Trio: Jäger, Bäcker und Wittig. Moritz Jäger ist der “Bote aus der
Fremde” und löst den Aufstand der Weber aus. Nach vier Jahren Militärszeit in
der Kavallerie kehrt er zu seinen Verwandten zurück.
Der ehemals unbeständige Lebenskünstler wirkt gewandelt und weltmännisch,
dennoch gutmütig und empfindsam für die Not seiner Landsleute. So scheint er den
Webern prädestiniert, um sich ihrer Sache anzunehmen. Zudem ist Jäger
abenteuerlustig, hat ein sicheres Auftreten und militärisches Ordnungsgefühl. Der
“stramme, mittelgroße, rotbäckige Reservist” ist auch körperlich in der Lage
zum Kampf.

Der rote Bäcker


Außerdem befindet sich in seinem Besitz der gesamten Text des Weberlieds, einer
wichtigen Waffe der Weber. Jägers potentieller Partner ist von Beginn an Bäcker,
wegen seiner Haarfarbe auch der “rote Bäcker” genannt. Auch Bäcker ist eine Figur
mit körperlich und geistig treibender Kraft, der sich nicht schicksalhaft
dem Elendergeben will, sondern aufbegehrt: Weberlohn ist kein Entgelt, sondern
eine Almose.
Die Fabrikmitarbeiter haben keine Argumente gegen ihn, denn er nutzt ihre eigenen
Mittel: Rücksichtslosigkeit, gewandte Rede, Hartnäckigkeit und Mut gegenüber
Höhergestellten. Mit dem Weberlied wollen er und Jäger zum Kampf begeistern, ein
Mittel, das auch in der Französischen Revolution verwendet wurde.

Soldat Wittig
Die historische Erfahrung der französischen Revolution bringt auch der
alte Wittig ein. Er war Soldat im Krieg gegen Napoleon und hat erlebt, wie die
Fürsten die Ideale verrieten, für die das Volk in den blutigen,
opferreichen Krieg gezogen war. Für ihn ist der Aufstand also auch eine Abrechnung
mit einem verhassten politischenSystem.
Der alte Hirse
Beim Kampf steht er in vorderster Reihe: er zertrümmert Fabrikant Dreißigers Tor
und stürzt sich als erster auf das Militär. Als Schmied
ist er die Inkarnation für Kraft und Mut. Die Kontrastfigur zum alten Wittig ist der alte
Hilse. Der fromme Weber und ehemalige Soldat zehrt von der Erinnerung an den
Befreiungskampf gegen Napoleon1813.
Er ist lebensfremd, engstirnig und scheinheilig. Er kennt zwar das Elend und
die Not, will aber Reste der einstigen Weber-Idylle erhalten, um sich die Erwartung
eines jenseitigen Lebens in Gerechtigkeitnicht zerstören zu lassen. Dabei ist er nicht
ängstlich oder feige - er verteidigt nur seine religiöse Position mit der gleichen Härte
wie einst das Vaterland. Am Webstuhl trifft ihn die Kugel, die ihn einst auf dem
Schlachtfeld des Krieges verschonte. Sein Tod hat somit Symbolcharakter.

Die kämpferische Luise


Luise bildet eine Kontrastfigur zum alten Hilse. Die Schwiegertochtertraut sich,
gegen Gottfrieds Vater aufzubegehren und unterstützt schließlich den Aufstand der
Weber, während ihr Mann noch zögert. Sie übernimmt eine führende Rolle, indem sie
alle für den Kampf zu begeistern versucht. Ihr Mut wird von den
anderen Weberfrauenbewundert.
Luise ist ein braver Mensch, aber leidenschaftlich vom Wunsch nach Leben
besessen. Vier Kinder sind ihr verhungert, geblieben ist Tochter Mielchen. Luise hat
erkannt, dass die Gottergebenheit auch Flucht
vor sich selbst und der Verantwortung für die kommende Generation, die Kinder, sein
kann.

Der ehrliche Baumert


Baumert dagegen erkennt erst durch das Weberlied, dass in der bisher geordnet
geglaubten Welt Unrecht herrscht - und er ist zutiefst erschüttert. Denn Baumert ist
bieder, grundehrlich, offenherzig und müde von der schweren Arbeit, genauso wie
die anderen Weber. Als es schließlich zum Aufstand kommt, ist er auch er zum
Kampf bereit.
Baumert ist die einzige Figur, die in allen fünf Akten auftritt. An ihm und
seinem Verhalten lassen sich die Erregung der Menge, der Umschlag zum Aufstand
und der Angriff auf die Ausbeuternachvollziehen. Seine ganze Familie ist
repräsentativ - in ihr
konzentrieren sich die Charakteristika aller Weber, die im ersten Aktvorgestellt
werden.

Der Weber Ansorge


Die Baumerts wohnen im Haus von Ansorge, einem hünenhaften alten Weber, der
Körbe flicht. Selbst ehrlich, arbeitsam und rechtschaffen, reagiert Ansorge mit
leidenschaftlicher Wut auf das Unrecht, das den armen Webern widerfährt und ist
am Aufstand beteiligt. Er dient als Beispiel für die innere Befreiung des Einzelnen.
Fabrikant Dreißiger
Feindbild und Gegner der Weber ist Fabrikant Dreißiger. Ein Emporkömmling, brutal,
rücksichtslos, gewinn- und genusssüchtig, dazu protzig und unsozial. Der Weber als
Mensch ist ihm gleichgültig. Er nimmt keinen Anteil und will die Not nicht sehen - wer
sich nicht fügt, dem wird gekündigt. Für ihn ist die Weltordnung der Gegensatz
zwischen arm und reich, ohne soziale Gerechtigkeit.
Dreißiger gibt der Regierung die Schuld für die wirtschaftliche Lage, durch die er ein
immenses Risiko trägt. Dennoch ist sein Verhalten gegenüber den Webern
menschliches Versagen.

Pfeifer und Pastor Kittelhaus


Noch schlimmer sein Angestellter Pfeifer: Der Expedient war selbst früher Weber
gewesen und müsste deren Lage verstehen. Aber er erhebt sich erst recht über die
Weber - sie fordern deshalb ihn, nicht Dreißiger. Auch Pastor
Kittelhaus missbraucht seine Macht und sein Kirchenamt zum eigenen Vorteil. Er
benutzt das Christentum als Instrument zur Unterdrückung der unwissenden
Masse.

Der Lumpensammler Hornig


Er hat sich ganz auf die Seite der Reichen gestellt, die wiederum gerne mit ihm
verkehren, um kirchentreu zu wirken. Der Lumpensammler Hornig hat eine
besondere dramaturgische Bedeutung: Als Unparteiischer hat er eine
kommentierende und vertiefende Funktion.
Er hat ein Herz für die Weber. Mit Witz, Verstand und Rhetorik spricht er aus, was
sie in ihrem verzweifelten Tun bewegt. Dabei bleibt er sachlich und unbeteiligt,
verfolgt aber voller innerer Befriedigung den Verlauf des Aufstandes: Ihm sind im 5.
Akt die Berichte darüber zugeschrieben.
Resümee
Die Weber existieren in Hauptmanns Stück also nicht nur als Masse. Mancher rückt
für einen Augenblick als Vertreter einer bestimmten menschlichen Not, Denkweise
oder Haltung ins Bewusstsein des Zuschauers - stellt aber doch eine
ausgeprägte Persönlichkeit dar.
Gerhart Hauptmann: Die Weber
„Wenn ich Dir, lieber Vater, dieses Drama zuschreibe, so geschieht es aus Gefühlen heraus, die du
kennst und die an dieser Stelle zu zerlegen keine Nötigung besteht. Deine Erzählungen vom
Großvater, der in jungen Jahren, ein armer Weber, wie die Geschilderten hinterm Webstuhl gesessen,
ist der Keim meiner Dichtung geworden, die, ob sie nun lebenskräftig oder morsch im Inneren sein
mag, doch das Beste ist, was „ein armer“ Mann wie Hamlet zu geben hat.“

1. Kurzbiographie
15.11.1862: Gerhard Hauptmann wird als Sohn eines Wirtes in Obersalzbrunn geboren.. Durch das
Gasthaus seiner Eltern lernt er schon früh die schlesische Bevölkerung und auch die soziale
Problematik seiner Heimat kennen.

1874: besucht Hauptmann die Realschule in Breslau, ist aber gezwungen sie , nachdem er mehrmals
wiederholt hatte, 1878 zu verlassen.

Die Gründe hierfür sind nicht etwa ein Mangel an Intelligenz oder Begabung, sondern persönliche
Probleme mit den strengen und unpersönlichen Erziehungsmethoden der Lehrer Durch seinen Bruder
Carl kommt er an die königliche Kunst- und Gewerbeschule, gibt aber schon nach zwei Jahren das
Studium wieder auf.

Allerdings entdeckte dort ein Lehrer Hauptmanns Begabung und vermittelte ihm eine Erlaubnis in
Jena zu studieren.

1883-84:

Auf seinen Auslandsreisen in die Schweiz, Italien und Spanien erkrankt er an Typhus.

1885:

Gerhart Hauptmann heiratet die Schwester der Frau seines älteren Bruders Georg, Marie, und zieht
mit ihr nach Berlin.

Dort kommt es zu seinem erster intensiven Kontakt mit der Schriftstellerszene und er veröffentlicht
1888 in der Zeitschrift „Die Gesellschaft“ seine erste Novelle „Bahnwärter Thiele“.

1889:

Da ihn Theodor Fontane empfiehlt , wird an der „Freien Bühne“ sein erstes Drama „Vor
Sonnenaufgang“ uraufgeführt. Der folgende Skandal machte Hauptmann berühmt und es folgten
weitere Dramen.

1892:

Sein sensationellster aber auch umstrittenster Erfolg „Die Weber“ erscheint

- Erste Uraufführung wird aber durch die Berliner Polizei verboten


- Nutzt die Zeit um die Dialektfassung zum leichteren Verständnis an das Hochdeutsche anzupassen
- Premiere am 26 Februar 1893 in geschlossener Vorstellung

1894

wird das Verbot aufgehoben und Die Weber avancieren zu Hauptmanns größtem Erfolg

1900:

Das Künstlerdrama „Michael Kramer“ erscheint. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges erschüttert
Hauptmann schwer, dass sich die Thematik vieler seiner nun folgende Werke, wie die Winterballade
(1917), gegen die Herrschaft der Gewalt wenden, während gerade die Weber noch von revolutionären
Gedanken geprägt waren. Zwar bejaht er die Gewalt an sich in diesen Werken nicht, stellt sie aber
durchaus als ein durchführbares Mittel dar.

1946:

Im April willigt er auf massiven Druck ein, seine Heimat in Schlesien zu verlassen und nach Berlin
überzusiedeln. Allerdings stirbt er am 6. Juni in Agnetendorf und wird auf dem kleinen Friedhof zu
Kloster auf Hiddensee beerdigt.

2. Die Entstehung der Weber


Die ersten Anregungen erhält Gerhard Hauptmann bei einem Besuch seines Bruders Carl in Zürich
1888, wo noch eine drei Jahrhunderte alte Seidenwebereitradition bestand. Gerade der Anblick der
Weberhütten riefen in ihm Erinnerungen an die Erzählungen seines Vaters wach. Der Großvater des
Autors war selbst ein armer Weber in Böhmen gewesen und entschloss sich später nach Schlesien zu
ziehen, um dort sein Glück als Gastwirt zu versuchen.

Zudem war zu dieser Zeit die Dichtung über die Not der Weber, wie das streng verbotene „Die
schlesischen Weber“ von Heinrich Heine noch immer weit verbreitet. So galt auch bei Diskussionen
über soziale Problematik der vergebliche Weberaufstand von 1844 als ein viel gebrauchtes Beispiel.

Als ein persönlicher Beweggrund sollte nicht vergessen werden, dass ein Stück, das die einfache
schlesische Bevölkerung darstellt, es Hauptmann ermöglichte, einen Dialekt ernsthaft in die Literatur
einzuführen. Seiner Meinung nach ist die schlesische Mundart, genauso wie jeder andere Dialekt,
dem Hochdeutschen absolut ebenbürtig.

Als eine Hauptquelle für das Drama gilt Alfred Zimmermanns Werk „Blüte und Verfall des
Leinengewerbes in Schlesien“ , das auf Berichten der „Vossischen Zeitung“ Berlins basiert.

In einem Aufsatz für das „Deutsche Bürgerbuch“ beschreibt Willhelm Wolff genau die Löhne, die die
Fabrikantengebrüder Zwanziger in Peterswaldau ihren Webern zahlten: für 160 Ellen Barchent (8
Tage Arbeit) bekamen sie 12 Silbergroschen als Gegenleistung. Zum Vergleich: ein unausgebildeter
Handwerksgeselle erhielt den selben Betrag als Tageslohn. Ebenfalls sind die Aufzeichnungen des
böhmischen Pfarrers Ruppersdorf, die 1889 in „Das Riesengebirge in Wort und Bild“ veröffentlicht
wurden, als eine weitere Quelle Hauptmanns anzusehen. Darin schildert der Geistliche sehr detailliert
den Aufstand in Peterswaldau und beschreibt sogar, wie auch in „den Webern“ zu finden ist , dass ein
Pastor in einen Bach geworfen wurde. Letztlich machte aber erst die Rückkehr Hauptmanns in seine
schlesische Heimat das Werk möglich, konnte er doch so bei seinen Reisen ins Eulengebirge 1892
noch mit Augenzeugen sprechen.

3. Der geschichtliche Hintergrund:


Bis hin zum 19. Jahrhundert hatte die Leinenweberei in Schlesien eigentlich keine größere Rolle
gespielt. Als allerdings alle wirtschaftlichen Beschränkungen, wie Zölle, fielen und die Gewerbefreiheit
eingeführt wurde, zogen gerade Kleinbauern, deren Gut nicht mehr für ihren Lebensunterhalt
ausreichte, in die Dörfer und machten die Leinenweberei zu ihrem Hauptauskommen. Allerdings führte
der mangelnde Schutz und der Glaube an das kapitalistische Grundprinzip, dass sich alles durch
Angebot und Nachfrage ausgleichen werde, dazu, dass viele Weber schnell verarmten und in
menschenunwürdigen Verhältnissen hausen mussten.

1786 wurde in England der erste automatische Webstuhl von dem Geistlichen Edmund Cartwright
erfunden, der eine äußerst starke Konkurrenz für die deutschen Handarbeiter darstellte. Die Not durch
den stärkeren Wettbewerb noch billiger höhere Qualität zu günstigeren Preisen zu liefern, endete in
der Verarmung der gesamten Bevölkerung in den betroffenen Gebieten. Selbst ein Aufheben des
Bettelverbotes durch den König zeigte keinerlei Auswirkungen, da es einfach niemanden gab, der
irgendetwas spenden konnten. Dabei wuchs das soziale Elende in einem kaum vorstellbaren Maß an,
während die Fabrikanten immer reicher wurden. Seit dem Frühjahr begann sich das Lied „Blutgericht“
zu verbreiteten in dem die verbitterten Weber ihrer Wut Ausdruck verliehen. Nach weiteren
Lohnkürzungen kam es am 4.Juni 1844 in Peterswaldau zu einem planlosen Aufstand, der von den
königlichen Truppen blutig niedergeschlagen wurde, wobei etwa 11 Personen starben und über 30
Weber verletzt wurden. Den ca. 2000 Aufständischen standen 200 Infanteristen gegenüber.

4. Das Drama „die Weber“

4.1. Der Inhalt


Akt 1 :

Das Drama beginnt „medias in res“ in einer sehr lebendigen Szene im Haus des Fabrikanten Dreißiger
in Peterswaldau. Er bezahlt Weber für ihre mühevoll angefertigten Gewebe, um diese
weiterzuverkaufen. Allerdings werden kleinste Fehler beanstandet, um die gesenkten Löhne zu
rechtfertigen. So „bedient sich“ der Expedient Pfeifer „bei der Schau eines Zirkels und einer Lupe“. Als
einige Weber um ein paar Silbergroschen Vorschuss flehen, um sich die nötigste Nahrung leisten zu
können, stoßen sie nur auf Abweisung und blanken Hohn. Nur der junge und ausnahmsweise starke
Weber Bäcker wagt es sich gegen die Behandlung aufzulehnen. Da Pfeiffer nicht mit Bäcker fertig
wird, ruft er seinen Vorgesetzten, den dicken Fabrikanten Dreißiger. So kommt es natürlich zu einer
Auseinandersetzung über die mangelhaften Gesetze und den unterdrückenden Anspruch Dreißigers.
Da auch Dreißiger Bäcker nicht zum Schweigen bringen kann, wirft er ihn einfach hinaus und belegt
ihn mit einem Arbeitsverbot, was der junge Weber allerdings sehr leichtherzig aufnimmt: „Ob ich am
Webstuhl d’rhungere oder im Straßengrab’n, das is mir egal“

Kurz darauf bricht ein kleiner Junge im Laden vor Hunger zusammen. Sofort nutzt Dreißiger die
Situation, um seine Position als Fabrikant zu rechtfertigen. Seiner Meinung nach sind eigentlich die
Eltern des Jungen für seinen Zusammenbruch verantwortlich und nicht er. Um einen weiteren
derartigen Vorfall zu verhindern beschließt er, dass er künftig keine Waren von Kindern mehr
annehmen wird ohne sich dabei bewusst zu sein, dass er damit die Lage der Weber noch weiter
verschlechtert. Auch seine Ankündigung noch weitere 200 Weber aufzunehmen ist auf keinen Fall die
Wohltat, als die Dreißiger seine Aktion darstellt. Weitere Angestellte bedeuten, dass er als Fabrikant,
zwar mehr Waren bekommt, aber auch den ohnehin schon mickrigen Lohn der Weber kürzen wird.

Akt2:

Der zweite Akt des Dramas betrachtet die ganze Situation an dem Fallbeispiel der Familie Baumert,
die im verfallenen Haus des Webers und jetzigen Korbflechters Ansorge hausen. Als ein Freund des
Sohnes, der Soldat Moritz Jäger, zu Besuch kommt, entwickelt sich eine hitzigen Diskussion über die
ungerechte Lage der Weber. Obwohl der junge Soldat früher als Taugenichts bekannt war, hat er es
beim Militär zu einer Art Wohlstand gebracht und erscheint wohlgenährt und mit intakter Kleidung.
(Frau Baumert: „der bringt Kleeder mitte wie a Ferscht und an silbern Zylinderuhre und obendruf noch
zehn Taler Erspaarnis). Es hat den Anschein, dass der König und die Regierung gegenüber der Not
der Weber blind sind, da keinerlei Gesetze erlassen worden sind, die sie vor der Ausbeutung durch
Händler und Fabrikanten schützen würden, die ihrerseits im Luxus leben. Bei der ganzen Diskussion
spielt sich Jäger als eine Art Anführer auf. Denn wenn alle Weber für eine Sache zusammenhalten
würden, so meint er, könnten sie auch ohne die Hilfe des Königs ihre Interessen durchsetzen und die
reichen Fabrikanten zur sozialen Gerechtigkeit zwingen. So steigt immer Wut auf, die noch durch eine
Art Kampflied Jägers angestachelt wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Akt3:

In einem Gasthaus in Peterswaldau beschwert sich ein Reisender aus Berlin, dass man die Weber viel
über ihre Not klagen hört und, dass man auch häufig darüber in der Zeitung lesen kann, aber für eine
Beerdigung (die man in der Ferne hören kann) Geld zu haben scheinen. Daraufhin versucht der
Tischlermeister Wiegand versucht vorsichtig zu erklären, dass die Leute sich in tiefe Schulden
stürzen. Auch würden die Pfarrer nicht wirklich versuchen die armen Weber davon abzuhalten, da sie
im Endeffekt von derartig großen Beerdigungen profitieren Als ein Förster ankommt, der einem
Holzdieb eine Axt abgenommen hat, entsteht eine Diskussion mit den ebenfalls angekommenen
Webern (unter ihnen auch Baumert), dass sie auch von den Landherren (bzw. Bauern) und Adeligen
rücksichtslos ausgebeutet werden (Miete, Pachten, Arbeitstage zur Zeit der Ernte) Durch den Schmied
an die Erfolge des franz. Volkes in der Revolution erinnert heizt sich die Stimmung der immer größer
werdenden Menge weiter auf („Es ist ein Gericht in der Luft! Gesellt euch nicht zu den Reichen und
Vornehmen! Es ist ein Gericht in der Luft“) bis sie im Chor singend unter der Führung von Bäcker und
Jäger ausziehen: „Zu Dreißicher gehen woll’n se halt, sehn, dass a was zulegt zum Lohne dahier“

Akt 4:

Bei einem Abendessen im luxuriös eingerichteten Haus des Fabrikanten Dreißiger, versucht der
Pastor Kittelhaus den Hauslehrer Weinhold davon zu überzeugen, dass Mitleid für die Weber
irregeleitet ist, würde nur den sozialen Frieden stören. Doch die scheinbare Idylle wird durch die
lärmenden Meute vor dem Haus des Fabrikanten unterbrochen. So schickt Dreißiger seine Färber um
den „Hauptsänger“ Jäger in ihr Gewahrsam zu nehmen. Dieser wir daraufhin dem arroganten, aber
Dreißiger treu ergebenen, Polizeiverwalter übergeben, der gegen die unrechtmäßige Verhaftung
nichts einzuwenden hat: „[...] Es ist mir sogar sehr lieb, dass Sie einen Hauptschreier haben
festnehmen lassen.“ Nachdem der Revolutionär abgeführt wurde, stürzt Pfeifer aufgeregt herein und
berichtet, dass Jäger befreit wurde und die Meute ins Haus einzudringen beginnt. Während der
Fabrikant mit seiner Familie und seinem Expedienten flieht, versucht der Pastor, von sich selbst
überzeugt, die Menge zu beruhigen, wird aber schließlich in den Bach geworfen. Da die Weber weder
Pfeifer noch Dreißiger vorfinden können, beschließen sie nach dem Motto „Wenn mersch a nie
kriegen, das Dreißiger Viech ... arm soll a wern“ alles zu plündern und zu zerstören

Akt5:

Der letzte Akt des Dramas beginnt in der Wohnung des versehrten Kriegsveteranen Hilse, der
hoffnungslos der Bigotterie verfallen ist. Trotz seiner Leistungen in den Kriegen gegen Napoleon für
das Reich muss er mit seiner Familie in Armut leben. Er kann die ihm berichteten Ereignisse nicht
wahrhaben, sucht immer wieder in seinem Glauben Trost. Seine siebenjährige Enkelin Mielchen
findet, wie eine Reihe anderer Kinder, einen silbernen Löffel vor dem zerstörten Haus des Fabrikanten
Dreißiger und bringt diesen mit nach Hause. Doch ihr Großvater reagiert äußerst verärgert und
bezichtigt das kleine Mädchen eines Diebstahls. Auch nach dem Einschreiten der Mutter gibt sich der
alte Hilse erst zufrieden, als sie versprechen den Löffel zurückzugeben, und das, obwohl sie vom
Erlös des Verkaufs mehrere Wochen gut leben könnten. „Mach, dass mir den Satansleffel vom Halse
kriegen“. Inzwischen wird sogar berichtet, dass auch der andere Fabrikant Dietrich von den Webern
belagert wird und dass alle seine bisherigen Angebote ausgeschlagen wurden. Die Frau des Sohnes
Hilses Luise beschließt gegen den Willen ihres Mannes Gottlieb tätig zu werden und eilt auf die Straße
hinaus. Als Bäcker, Baumert und Jäger in die Wohnung kommen, will der Alte sie überzeugen, dass
mit ihren Taten nur noch schlimmere Zeiten kommen werden. Antwort: “ Im Zuchthause is immer noch
besser wie derheeme.“. Erst als in unmittelbarer Nähe Kanonenschüsse ertönen rafft sich auch
Gottlieb auf und läuft mit einer Axt bewaffnet auf die Straße, während Hilse weiterarbeitet. Doch auch
er kann dem Aufstand nicht entgehen, als er von einigen Schüssen aus den Straßen getroffen wird
und tod auf seinem Webstuhl zusammenbricht.

4.2. Der Aufbau:


Akt1: Einführung in die soziale und wirtschaftliche Situation der Weber und erste Andeutungen für eine Gegenreaktion gegen
die ausbeutenden Fabrikanten.

Akt2: Betrachtung der Lebensverhältnisse der Weber an einem Einzelbeispiel und Beginn der Revolutionsbewegung.

Akt3: Konkreter Anfang des Aufstandes und Betrachtung des Geschehens aus der Sicht des Bürgertums außerhalb Schlesiens.
Zudem wird auch die Unterdrückung der Arbeiter durch die Landherren und Bauern deutlich

Akt4: Schilderung der Situation aus den Augen des Fabrikanten und vergebliche Versuche die Bewegung aufzuhalten. Durch
die Unterwürfigkeit des Polizeiverwalters wird klar, dass auch das Gesetz von der Macht und dem Geld der Fabrikanten
abhängig ist.

Akt5: Höhepunkt des Weberaufstandes. Dieses Mal werden die Geschehnisse durch einen Kriegsveteranen geschildert, der
zwar als Weber auch in Armut lebt, aber aufgrund seiner Erfahrungen Gewalt ablehnt.

=> In jedem Akt werden die lose zusammenhängenden Ereignisse aus jeweils unterschiedlichen
Perspektiven geschildert. Der Autor versucht so objektiv und so differenziert wie möglich zu beschreiben, was im Naturalismus
allgemein üblich war. Hauptmanns Anliegen ist dabei eigentlich nicht eine komplexe Handlung an sich, sondern die Darstellung
der Menschen und ihr teilweise recht unterschiedliches Verhalten in der gleichen Situation-

4.3. Charakteristika einiger Hauptpersonen


“Das ganze Volk der Weber ist Träger der Handlung. Das war das Neue dieses Werkes“ lobten Kritiker „Die Weber“. Insgesamt
fällt bei dem Stück auf, dass es eigentlich keine wirklichen Einzelhelden gibt, sondern vielmehr Gruppen auftreten, die allerdings
immer wieder in Einzelgrüppchen oder Personen aufgelöst werden. So stehen auch die Fabrikanten durch Dreißiger vertreten
als eine Gruppe den Webern gegenüber. Allerdings wäre es dennoch falsch von einem Kollektiv zu sprechen, da zwar keine
Herausstellung einzelner stattfindet, trotzdem von ihm eine Typisierung so gut wie möglich vermieden wird. So bemüht sich
Hauptmann um eine möglichst differenzierte Darstellung und schildert sowohl gute als auch schlechte Charaktereigenschaften
seiner Protagonisten. (Bsp. Wirt sympathisiert mit den Webern, seiner Kundschaft, verbietet ihnen aber trotzdem das Lied,
obwohl er weiß in welchem Elend sie leben).

Der alte Baumert (Robert Baumert):

Das Zitat „Ich wollte ja gerne nich mitmachen. Aber sieh ock, d’r Mensch muss doch a eeziges Mal an Augeblick Luft kriegen“
am Ende des Dramas stellt den Charakter wohl am besten dar. Er taucht in jedem Akt des Dramas auf und wird eigentlich recht
geradlinig geschildert. Der arme Weber von einem starken Gerechtigkeitsgefühl geprägt und trotz eines Lebens voller Not und
Leid nicht verbittert, sogar zunächst noch etwas naiv („’s misst mer amal eener hingehen nach Berlin, und misst’s ‚n Keeniche
vorstell’n, wie’s uns as geht.“ (Akt2)). Für ihn zerbricht seine Weltordnung, als Baumert das Weberlied von Jäger hört :“Ich bin
ein braver Mensch gewest mei Lebe lang, und nun seht mich an! Was hab ich davon? Wie seh ich aus? Wa hab’n se aus mir
gemacht? Hier wird ein Mensch langsam gequält... Ihr Schurken all, ihr Satansbrut. Er bricht weinend vor verzweifelter Ingrimm
zusammen“ (Akt2)

Der alte Weber wird im Laufe des Dramas zu einem der Anführer, der die Lösung durch Gewalt als absolute Notwendigkeit
betrachtet und mitkämpft, trotzdem meistens zögernd und an eine ausgleichende Gerechtigkeit glaubt bzw. hofft.

Der Fabrikant Dreißiger:

Er stellt den Hauptgegenspieler der Weber dar, die ihm absolut gleichgültig sind und nur Mittel zum Zweck um seinen Reichtum
zu vergrößern. ( Akt1: ich denke mir halt: wenn sich ein Mensch täglich ’ne Quarkschnitte erarbeiten kann, so ist das immer
noch besser, als wenn er überhaupt hungern muss.“). Dabei handelt er retorisch äußerst geschickt und stellt sich bei seinen
Reden im ersten Akt als einen barmherzigen Wohltäter dar und lässt sich mit Hilfe von Fragen am Ende eines Vortrages immer
wieder von den Weber bestätigen. So kann er ihnen auch immer wieder ihre Abhängigkeit von ihm als Fabrikanten vor die
Augen halten. Dreißiger stellt einen

klassischen Emporkömmling dar, der den Luxus in dem er lebt nicht riskieren will und auch zur Gewalt greift (Bsp.: Er lässt
Jäger illegal verhaften). Trotzdem macht Hauptmann aus ihm keine vollständige Karikatur sondern schildert auch dessen
Probleme. „Das Ausland hat sich gegen uns durch Zölle verbarrikadiert. Dort sind unsere Märkte abgeschnitten, und im Inland
müssen wir ebenfalls auf Tod und Leben konkurrieren [...]“Akt4

Pfeifer:

„Pfeifer horcht auf, wechselt die Farbe, versteht den Ruf und ist im nächsten Moment von wahnsinniger Angst erfasst. Das
Folgende weint, wimmert, bettelt, winselt er in rasender Schnelligkeit durcheinander. Dabei überhäuft er Dreißiger mit
kindischen Liebkosungen, streichelt ihm die Wangen und Arme, küsst seine Hände und umklammert ihn schließlich wie ein
Ertrinkender, ihn dadurch hemmend und fesselnd und nicht von ihm loslassend. Ach liebster, scheenster, allergnädigster Herr
Dreißicher, lassen Sie mich nich zuricke, ich hab Ihn immer treu gedient; ich hab ooch de Leute immer gutt behandelt. Mehr
Lohn, wie festgesetzt war konnt ich’n doch nicht geben. Verlassen sSe mich nich, se machen mich kalt. Wenn se mich finden,
schlagen se mich tot. Ach Gott im Himmel, ach Gott im Himmel! Meine Frau, meine Kinder...“ (Akt4)

Der jetzige Expedient war selbst einmal Weber und müsste deren Lage eigentlich gut nachvollziehen können. Trotzdem fühlt er
sich gerade seines Berufes wegen als etwas Besseres. Pfeifer ist von Grund auf ein Sadist und nutzt sein Weberwissen um die
Ware übermäßig zu kritisieren („Er bedient sich bei der Schau eines Zirkels und einer Lupe“Akt1). Zwar ist er überheblich und
herrschsüchtig, muss sich aber vollkommen auf seinen Meister Dreißiger verlassen, da er häufig überfordert ist. So ruft er sofort
nach Dreißiger als Bäcker zu Beginn des Dramas Ärger macht und er mit ihm nicht mehr fertig wird. Daher ist es auch nicht
weiter schwierig nachzuvollziehen, warum die Weber in ihm einen Verräter sehen und ebenfalls hassen. Auch seine
Auslieferung wird von der Masse in Akt 4 gefordert: „Feifer muss raus“. Zusammenfassend stellt der Expedient Pfeifer einen
typischen Günstling dar, der ohne Rücksicht auf Verlust Macht erringen will.

Moritz Jäger:

Obwohl er als Taugenichts bekannt war, hatte er es trotzdem beim Militär zu etwas Wohlstand gebracht. Eigentlich ist er als
Revolutionär nicht sonderlich geeignet, da er keine konkrete Vorstellung von einem Ziel oder Ende eines Aufstandes besitzt,
wird aber nach einer großen Rede von den Webern als eine Art Führer ernannt, was ihm selbst nicht gerade unrecht ist.
Aufgrund seiner Zeit beim Militär besitzt Jäger etwas mehr an Überblick, da er Luxus kennen gelernt hat. Er setzt sich als
einziger Außenstehender ein, bleibt im Grunde aber eher ein Abenteurer als ein engagierter Revolutionär.

4.4. Die Weber als ein naturalistisches Werk.


Hauptmanns Anliegen war, „die deutsche Wirklichkeit“ dichterisch geformt darzustellen. Dabei geht er über den poetischen
Realismus hinaus und berichtet auch unangenehme Details so detailliert wie nur möglich um die Authentizität seines Werkes zu
erhöhen (detaillierte Regieanweisungen, Originalschauplätze und Protagonisten, Dialekt). Auch ist die für den Naturalismus
übliche Verlagerung der dargestellten Schicht nach unten zu beobachten. Der Unterschied zwischen den einzelnen
Bildungsniveaus bzw. der Schichten wird mit Hilfe der Sprache verdeutlicht. So sprechen die Weber einfachsten Dialekt, währen
sich der Fabrikant auf Hochdeutsch verständigt. Er betrachtet auch die hässliche und krankhafte, die dunkle Seite eben. In Akt2
kann Baumert das relativ reichhaltige Essen (Hund) nicht vertragen und muss sich übergeben und seine Frau weint dabei.Die
düstere Schilderung des Elends widerspricht ebenso dem reinen Realismus, wie die Kritik am deterministischen Menschenbild,
der Religion und des reichen Bürgertums. So will sich die Kirche nicht in das „soziale Gleichgewicht“ einmischen, sondern nur
Seelsorge bieten. Auch entsteht durch die Festlegung der Menschen durch die gegenwärtige Gesellschaft Armut und Elend, da
die Situation der Weber nur noch weiter ausgenutzt wird. So wächst auch die soziale Kluft immer weiter, während die schon
vermögenden weitere Gewinne machen. Hauptmann stellt das Bürgertum als unfähig dar, etwas zu unternehmen (Der
Reisende macht sich an die Tochter des Wirts heran, versteckt dabei den Ring => Will sie nur ausnutzen). So findet eine
massive Kritik am Adel und der Regierung statt, was wohl den Ausschlag für das temporäre Verbot des Dramas sein dürfte.

Trotz alledem handelt es sich um Dichtung und nicht um eine seelenlose detailverliebte Abbildung, sondern um ein äußerst
menschliches Drama,

Gerade durch die mitfühlende und durchaus menschliche Darstellung gelingt es Hauptmann sich von den

Beschränkungen des Naturalismus frei zu machen. Daher ist das Drama „die Weber“ auch heute noch durchaus als lesenswert
zu bewerten

Deutsch Referat Tobias Weber

07.10.2001 GK Deutsch 2, 13/1

Gerhart Hauptmanns „Die Weber“

1. Der Autor Gerhart Hauptmann


15.11.1862:

Gerhard Hauptmann wird als jüngster von vier Geschwistern in Obersalzbrunn geboren.

1874:

In Breslau besucht Hauptmann die Realschule, muss die Schule allerdings, nachdem er mehrmals wiederholt hatte, 1878
verlassen. Sein älterer Bruder Carl bringt ihn an die königliche Kunst- und Gewerbeschule, an der Hauptmann zwar zwei Jahre
studiert, aber seine Ausbildung nicht abschließt. Allerdings entdeckt ein Lehrer Hauptmanns Begabung und vermittelt ihm eine
Erlaubnis in Jena zu studieren.

1883-84:

Auf seinen Auslandsreisen in die Schweiz, Italien und Spanien erkrankt er an Typhus.

1885:

Gerhart Hauptmann heiratet die Schwester der Frau seines älteren Bruders Georg, Marie, und zieht mit ihr nach Berlin. Hier
kommt er intensiv mit der Schriftstellerszene in Kontakt und veröffentlicht 1888 in der Zeitschrift „Die Gesellschaft“ die Novelle
„Bahnwärter Thiele“.

1889:

Auf die Empfehlung Theodor Fontanes hin, wird an der „Freien Bühne“ sein erstes Drama

„Vor Sonnenaufgang“ uraufgeführt. Der folgende Skandal macht Hauptmann international berühmt..

1892:

Sein sensationellster aber auch umstrittenster Erfolg „Die Weber“ erscheint. Die erste Uraufführung wird durch die Berliner
Polizei verboten. Somit wird das Drama am 26. Februar 1893 nur einer geschlossenen Gesellschaft gezeigt.

1894:

Das Verbot wird aufgehoben und zum größten Erfolg Hauptmanns

1946:
Im April willigt er auf den massiven Druck hin ein, seine Heimat in Schlesien zu verlassen und nach Berlin überzusiedeln.
Allerdings stirbt er an 6. Juni in Agnetendorf und wird auf dem kleinen Friedhof zu Kloster auf Hiddensee beerdigt.

2. Die Entstehung der Weber


Die erste konkrete Anregung bekam Hauptmann bei einem Besuch seines Bruder Carl in Zürich 1888, wo noch eine drei
Jahrhunderte alte Seidenwebereitradition bestand und der Autor unweigerlich an die lebhaften Erzählungen seines Vaters
Robert Hauptmann erinnert wurde. Dessen Vater war als armer Weber aus Böhmen nach Schlesien gesiedelt um sein Glück als
Wirt zu versuchen. Zudem waren die Ereignisse von 1844 noch immer präsent, sobald über soziale Ungerechtigkeit diskutiert
wurde. Das Drama basiert vor allem auf dem Werk „Blüte und Verfall des Leinengewerbes in Schlesien“ von Alfred
Zimmermann. Auch ein Aufsatz für das „Deutsche Bürgerbuch“ von Willhelm Wolff ist genauso als Quelle wahrscheinlich wie
die Aufzeichnungen des böhmischen Pfarrers Ruppersdorf „Das Riesengebirge in Wort und Bild“ (1889)

3. Der geschichtliche Hintergrund


Bis hin zum 19. Jahrhundert hatte die Leinenweberei in Schlesien eigentlich keine größere Rolle gespielt. Als allerdings alle
wirtschaftlichen Beschränkungen, wie Zölle fielen, und die Gewerbefreiheit eingeführt wurde, zogen gerade Kleinbauern, deren
Gut nicht mehr für ihren Lebensunterhalt ausreichte, in die Dörfer und machten die Leinenweberei zu ihrem Hauptauskommen.
Allerdings führte der mangelnde Schutz und der Glaube, dass sich alles durch Angebot und Nachfrage ausgleichen wird, dazu,
dass viele Weber schnell verarmten. 1786 wurde in England der erste automatische Webstuhl von Edmund Cartwright
erfunden, der eine äußerst starke Konkurrenz für die deutschen Handarbeiter darstellte. Die Not durch den stärkeren

Wettbewerb noch billiger höhere Qualität zu liefern, endete in der Verarmung der Bevölkerung. Nach weiteren Lohnkürzungen
kam es am 4.Juni 1844 in Peterswaldau zu einem planlosen aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde

4. Das Drama „Die Weber“


4.1. Der Inhalt
Akt1:

Das Drama beginnt „medias in res“ in einer sehr lebendigen Szene im Haus des Fabrikanten Dreißiger in Peterswaldau. Er
bezahlt Weber für ihre mühevoll angefertigten Gewebe, um diese weiterzuverkaufen. Bei der Musterung der Ware gehen seine
Angestellten überkritisch vor, um die niedrigen Löhne zu rechtfertigen. Einzig der kräftige Weber Bäcker wagt es sich
aufzulehnen, wird aber von Dreißiger mit einem Arbeitsverbot bestraft.

Akt2:

Hier wird das Elend der Weber mit Hilfe der Familie Baumert beschrieben, die in ärmsten Zuständen haust. Als der scheinbar
wohlhabende Soldat Moritz Jäger die Familie besucht, kommt es zu einer heftigen Diskussion über die ungerechte soziale
Lage. Mit dem Vortragen des mit „Blutgericht“ betitelte Liedes, wird klar, dass eine Revolution im Begriff ist zu entstehen.

Akt3:

In einem Gasthaus in Peterswaldau behauptet ein Reisender aus Berlin, dass die Situation der Weber nicht so schlimm sein
kann, wenn noch Geld für ein derartiges Begräbnis, das er gesehen hatte, vorhanden sei. Nach der Diskussion einiger Weber
(u.a. Baumert) mit einem Bauern und einem Förster über deren ausbeuterischen Methoden, heizt sich die Stimmung immer
weiter auf. Schließlich zieht die Menge unter der Führung von Jäger und Bäcker vor das Haus des Fabrikanten um ihr
Kampflied zu singen.

Akt4:

Ein Abendessen mit dem Pastor und seiner Frau in Dreißigers luxuriösem Haus wird durch die Unruhen unterbrochen. Der
Fabrikant lässt von seinen Arbeitern den „Hauptsänger“ Jäger festnehmen und der Polizei übergeben. Allerdings befreien seine
Kammeraden ihn, die auf der Suche nach dem flüchtenden Dreißiger das Haus stürmen und plündern. Akt5: Der hoffnungslos
der Bigotterie verfallene Kriegsveteran Hilse weigert sich standhaft, aufgrund seiner Erfahrungen an dem Aufstand
teilzunehmen. Trotzdem kann er im Endeffekt nicht verhindern, dass selbst seine halbblinde Frau zum Kampf auf die Straße
läuft. Inzwischen ist der Aufstand im vollen Gange und wird von anrückenden Truppen blutig bekämpft. Aber auch Hilse kann
dem Terror nicht entgehen und wird, an seinem Webstuhl sitzend, von einer Salve tödlich getroffen.

4.2. Der Aufbau


In jedem Akt werden die lo se zusammenhängenden Ereignisse aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven geschildert.
Hauptmanns Anliegen ist eigentlich nicht eine komplexe Handlung an sich, sondern die Darstellung der Menschen und ihr
teilweise recht unterschiedliches Verhalten in der gleichen Situation.

4.3 Die wichtigsten Personen:


“Das ganze Volk der Weber ist Träger der Handlung. Das war das Neue dieses Werkes“ lobten Kritiker „Die Weber“. Insgesamt
fällt bei dem Stück auf, dass es eigentlich keine wirklichen Einzelhelden gibt, sondern vielmehr Gruppen, die allerdings immer
wieder in Einzelgrüppchen oder Personen aufgelöst werden. Trotz der Knappheit der Beschreibung findet nie eine Idealisierung
statt

Der alte Baumert: Robert Baumert ist ein recht geradliniger Charakter, der von Anfang bis Ende immer wieder eine zentrale
Rolle beim Aufstand spielt. Der arme Weber besitzt einen äußerst ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und zögert bei der
Gewaltanwendung, obwohl er diese für nötig hält. Er hatte bis zu dem Aufstand alles geduldet, was ihm angetan wurde uns
steht somit für einen einfachen Weber unter vielen.

Dreißiger: Der Fabrikant stellt den Gegenspieler der Weber dar und ist ein Vertreter des neureichen Bürgertums. Er nutzt die
Lage seiner Beschäftigten gnadenlos für seine eigenen Zwecke aus. Allerdings ist er keine Karikatur, da er selbst, wenn auch
im Vergleich mit den Webern kleinlich wirkende, finanzielle Probleme hat.

Pfeifer: Der ehemalige Weber ist ein klassischer Günstling. Der herrschsüchtige Sadist ist bei den Webern als Verräter verhasst
und dabei vollkommen von seinem Arbeitgeber Dreißiger abhängig, dem er sich bedingungslos unterwirft.

Moritz Jäger: Er war früher als Taugenichts bekannt und hat es beim Militär zu etwas Wohlstand gebracht. Obwohl er eigentlich
keine wirklichen Führungsqualitäten besitzt, ist er der direkte Auslöser und auch Anführer des planlosen und vergeblichen
Aufstandes. Er setzt sich als einziger Außenstehender ein, bleibt im Grunde aber eher ein Abenteurer als ein engagierter
Revolutionär.

4.4. „Die Weber“ als ein naturalistisches Werk


Hauptmanns Anliegen war, „die deutsche Wirklichkeit“ dichterisch geformt darzustellen. Dabei geht er über den poetischen
Realismus hinaus und berichtet auch unangenehme Details so detailliert wie nur möglich um die Authentizität seines Werkes zu
erhöhen (detaillierte Regieanweisungen, Originalschauplätze und Protagonisten, Dialekt). Auch ist die für den Naturalismus
übliche Verlagerung der dargestellten Schicht nach unten zu beobachten. Die düstere Schilderung des Elends widerspricht
ebenso dem reinen Realismus, wie die Kritik am deterministischen Menschenbild, der Religion und des reichen Bürgertums.

Trotz alledem handelt es sich um Dichtung und nicht um eine seelenlose detailverliebte Abbildung, sondern um ein äußerst
menschliches Drama, was auch heute noch lesenswert ist.

Gerhart Hauptmann: „Die Weber“; Dr. Wilhelm König „Erläuterungen zu „Die Weber“ “

Das Blutgericht

Hier im Ort ist ein Gericht,

Noch schlimmer als die Vehmen, Wo man nicht erst ein Urteil spricht Das Leben schnell zu nehmen.

Hier wird der Mensch langsam gequält, Hier ist die Folterkammer,

Hier werden Seufzer viel gezählt, Als Zeugen von dem Jammer.

Die Herren Zwanziger die Henker sind, Die Dierig ihre Schergen,

Davon ein Jeder tapfer schindt, Anstatt was zu verbergen.

Ihr Schurken all, ihr Satansbrut, Ihr höllischen Dämone,

Ihr fresst der Armen Hab und Gut, Und Fluch wird euch zum Lohne.

Ihr seid die Quelle aller Noth, Die hier den Armen drücket, Ihr seids, die ihm das trockne Brod Noch von dem Munde rücket.
Die Weber
INHALTSANGABE
Gerhart Hauptmanns Drama »Die Weber« wurde 1892 veröffentlicht und 1893 in Berlin uraufgeführt. Thema
des Stücks sind Ausbeutung und die unmenschlichen Lebensbedingungen in Folge der Industrialisierung. Im
Juni 1844 setzten sich die schlesischen Weber mit einem Aufstand dagegen zur Wehr. Orte der Handlung sind
Peterswaldau (1., 3., und 4. Akt), Kaschbach (2. Akt) und Langenbielau (5. Akt), die heute zu Polen gehören.

Erster Akt
Abgehärmte Weber warten zusammengepfercht im Haus des Fabrikanten Dreißiger. Sie wollen ihre
Gewebe abliefern. Von Dreißigers Angestellten Pfeifer, Neumann und dem Lehrling werden sie
demütigend behandelt. Vergeblich betteln die Weber um Vorschüsse und protestieren gegen
Lohnabzüge. Sie beklagen Armut, Hunger und Krankheit. Der alte Baumert hat schon seinen Hund
schlachten lassen, um zu essen zu haben.
Eine Ausnahme unter den erbärmlichen Gestalten ist der junge und kräftige Weber Bäcker: Lautstark
und selbstbewusst klagt er die Ausbeutung an. Daraufhin erscheint Dreißiger: Anfang vierzig, fettleibig
und asthmatisch. Als Bäcker ihn verbal angreift und verspottet, gerät Dreißiger außer sich vor Wut. Er
entlässt Bäcker.
Ein achtjähriger Junge bricht ohnmächtig zusammen. Dreißiger wirft den Eltern vor, ihre Kinder zu hart
arbeiten lassen. Als der Junge zu sich kommt, bittet er leise um Essen. Dreißiger verweigert es ihm.
Er beklagt sein eigenes Los und verweist auf sein unternehmerisches Risiko.
Dreißiger hetzt gegen Bäcker und versichert sich der Loyalität der anderen Weber. Er teilt mit, dass er
zweihundert arbeitslose Weber neu einstellen wolle. Dies werde Lohnkürzungen zur Folge haben. Die
Ankündigung führt zu Unruhe unter den Webern.

Zweiter Akt
In der niedrigen Webstube des Hausbesitzers Ansorge sind Mutter Baumert, die erwachsenen Töchter
Emma und Bertha und der behinderte Sohn August bei der Arbeit und warten auf die Rückkehr des
alten Baumert. Emmas vierjähriger Sohn Fritz weint vor Hunger.
Der alte Baumert erscheint in Begleitung des Reservisten Moritz Jäger. Dieser ist gut gekleidet und
genährt und bringt Branntwein mit. Die Baumerts und auch Ansorge klagen ihm ihre hoffnungslose
Lage: Früher hatten alle ihr Auskommen. Jetzt hungern die Arbeiter, während die Unternehmer gut
leben.
Jäger bestätigt das und stellt seine Ideen vor: Abschaffung der Monarchie und alle Gewalt dem Volke.
Er erzählt, dass er und der »rote Bäcker« einen Gerichtsbeamten verprügelt und anschließend das
sogenannte Weberlied gesungen hätten. Das »Lied vom Blutgericht« prangert die grausame
Unterdrückung der Arbeiter an.

Dritter Akt
In einer Schenke in Peterswaldau sind der Gastwirt Welzel, seine Frau, ihre Tochter Anna, der
Tischler Wiegand und ein Reisender im Gespräch. Letzterer wundert sich über die aufwändigen
Begräbnisse in der Gegend. Trotz ihrer grauenhaften Armut unterstützt die Kirche die Weber darin.
Der Lumpensammler Hornig erscheint, danach Baumert und Ansorge. Weil Wiegand mit seinem gut
gehenden Geschäft prahlt, gerät er in Streit mit Hornig. Ein Förster, ein Bauer und weitere Weber
erscheinen. Die Weber beklagen die Ausbeutung durch die Feudalherren. Diese nähmen ihnen das
wenige ab, was die Unternehmer ihnen lassen. Der Bauer verteidigt die Herrschaft und wirft den
Webern Faulheit vor. Bauer und Förster verlassen die Schenke. Während Hornig die Armut der Weber
bestätigt, beruft sich der Reisende auf anders lautende Regierungsberichte.
Draußen ertönt das Weberlied: Jäger, Bäcker und andere Weberburschen kommen lärmend ins
Wirtshaus. Die Stimmung erinnert den Schmied Wittig an Robespierre und die Französische
Revolution. Jäger fordert von Wittig Solidarität. Als Gendarm Kutsch erscheint, wird er von Jäger,
Bäcker und Wittig verspottet. Kutsch warnt Wittig, doch der steigert sich in eine verbitterte Wut. Er will
auf den Gendarm losgehen, doch die Weber halten ihn zurück.
Im Weggehen überbringt Kutsch die Nachricht, dass der Polizeiverwalter das Weberlied verboten
habe. Dagegen aufbegehrend beginnen die Weber das Lied zu singen und machen sich auf den Weg
zu Dreißiger.

Vierter Akt
Im Wohnzimmer des Fabrikanten Dreißiger sind das Ehepaar Dreißiger, Pastor Kittelhaus mit Frau
und der junge Hauslehrer Weinhold versammelt. Sie sehen vom Fenster aus den Zug der Weber
näher kommen. Weinhold verteidigt die Anliegen der Weber und wird daraufhin von Dreißiger
entlassen.
Dreißigers Färbereiarbeiter haben Jäger gefangen genommen. Jäger weigert sich, dem
herbeigerufenen Polizeiverwalter seinen Namen zu nennen. Pastor Kittelhaus, der Jäger schon
getauft hat, versucht ihm gut zuzureden. Jäger wird von der Polizei abgeführt.
Im Hause Dreißiger will man zum geselligen Teil des Abends übergehen. Pfeifer erscheint mit der
Nachricht, dass die Weber Jäger befreit haben. Die Weber verlangen, dass Pfeifer herauskommt. As
dieser sich weigert, bereiten sie den Sturm auf das Haus vor.
Pastor Kittelhaus kann den Mob nicht aufhalten: Während die Familie von Dreißiger durch den
Hinterausgang flieht, stürmen vorn die Weber ins Haus – plündernd und demolierend, da sie weder
Pfeifer noch Dreißiger vorfinden. Bäcker fordert die Weber auf, als nächstes den Unternehmer Dittrich
in Bielau anzugreifen.

Fünfter Akt
In Langenbielau beginnt die Weberfamilie Hilse ihr Tagwerk, als Hornig erscheint und von dem
Aufstand in Peterswaldau berichtet. Ungläubig folgen die alten Hilses und die jungen Luise und
Gottlieb seinen Schilderungen. Luises Tochter Mielchen, die in Peterswaldau Spulen abliefern sollte,
bringt einen silbernen Löffel mit, den sie vor Dreißigers Haus gefunden hat.
Auch Chirurgus Schmidt bestätigt Hornigs Aussagen: Die Weber seien kurz vor Langenbielau, gefolgt
vom Militär. Luise hat infolge der Armut mehrere Kinder verloren. Als einzige der Familie will sie sich
den Aufständischen anschließen. Ihr Schwiegervater dagegen setzt seine Hoffnung auf ein Leben
nach dem Tode.
Unterdessen greifen die Weber Dittrichs Haus in Langenbielau an. Dieser macht den Webern ein
Friedensangebot. Doch die gehen darauf nicht ein, denn sie haben es auf die Zerstörung seiner
mechanischen Webstühle abgesehen. Jäger, Bäcker und ein paar junge Weber versuchen den alten
Hilse auf ihre Seite zu bringen. Doch weder er noch sein Sohn Gottlieb lassen sich überreden.
Erst als das nachrückende Militär beginnt, Hilses Haus zu beschießen, packt Gottlieb die Wut und er
stürmt aus dem Haus, um sich den Webern anzuschließen. Der alte Hilse missachtet die Warnungen
und wird beim Fenster von einer Kugel getroffen. Unterdessen treiben die Weber die Soldaten zum
Dorf hinaus.

Gerhart Hauptmanns weltberühmtes Drama wurde 1892 von der Zensurbehörde in Berlin zunächst
verboten. Dies weist auf die anhaltende Brisanz des Themas – knapp 50 Jahre später – hin.
Hauptmann zeichnet ein erschütterndes Bild der Lebensbedingungen in Westeuropa als Folge der
Industrialisierung und des beginnenden Kapitalismus. »Die Weber« gilt als Drama des Naturalismus,
ihr Inhalt demnach als dokumentarisch belegt und objektiv. Davon wird allerdings im letzten Akt
abgewichen, denn tatsächlich wurde der Aufstand wenig später niedergeschlagen.
BIOGRAFIE
Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann wurde 1862 im schlesischen Ober Salzbrunn geboren. Nach
wechselvollen Lehr- und Wanderjahren, in denen er sich erfolglos als Maler und Bildhauer versucht
und ein Literatur- und Philosophiestudium abgebrochen hatte, zog er 1889 mit seiner Frau und seinen
Söhnen nach Berlin-Charlottenburg, wo er sich endlich seiner eigentlichen Bestimmung, dem Theater,
widmen konnte. 1887 war bereits seine »novellistische Studie« mit dem Titel »Bahnwärter Thiel«
erschienen.

Es folgten weitere Werke, in denen sich Gerhart Hauptmann mit dem Schicksal einfacher Bauern und
Arbeiter auseinandersetzte, die an gesellschaftlichen Zwängen zugrunde gehen. Zu seinen
bekanntesten sozialkritischen Dramen gehören »Vor Sonnenaufgang« (1889) und »Die Weber« (1892).
Um 1900 erreichte sein Ruhm als Theaterautor einen ersten Gipfel, und 1912 wurde Hauptmann der
Literatur-Nobelpreis verliehen.

Auch der spätere Versuch einer Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten änderte nichts daran,
dass Hauptmann im Ausland als bedeutendster Vertreter deutscher Literatur seiner Zeit galt. Gerhart
Hauptmann starb im Jahre 1946 im schlesischen Agnieszków, wurde aber – entgegen seinem
testamentarischen Willen – nicht in Schlesien, sondern auf der Insel Hiddensee begraben, wo er viele
Sommer mit seiner Familie verbracht hatte.