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Der Germanische Helm aus dem Thorsberger Moor

Der germanische Helm aus dem


Thorsberger Moor von Suzana Matešić

„Wenige haben einen Panzer, kaum der eine oder andere


einen Helm oder eine Lederkappe“ – so beschreibt Tacitus
die Verteidigungswaffen der Germanen um die Wende
zum 2. Jh. n. Chr. Wenn auch chronologisch deutlich
später anzusetzen, ist mit der silbernen Gesichtsmaske
aus dem Thorsberger Moor doch ein Teil eines offenbar
germanischen Helmes erhalten. Dieses einzigartige Objekt
wurde neben vielen Waffen und militärischen Ausrüstungs-
bestandteilen in den Jahren 1858 bis 1861 von Conrad
Engelhardt ausgegraben. Die dabei geborgenen Funde
dienten nicht nur als Grundstock für das von Engelhardt
gegründete Museum vaterländischer Alterthümer in
Flensburg; die Untersuchungen markieren auch den
Beginn der sog. Kriegsbeuteopferforschung, die heute
in Skandinavien als eigener Forschungszweig etabliert ist.

Engelhardt erkannte gleich bei Auffindung die Besonder-


heiten einiger seiner Funde, so auch die der außergewöhn-
lichen silbernen Gesichtsmaske und der sog. Spangenkap-
pe. Beide Funde konnte er zu einem Helm kombinieren, Die sog. Spangenkappe im derzeitigen Rekonstruktionszustand.
der jedoch den entscheidenden Nachteil hatte, nicht Fotografie: © Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig
wirklich tragbar zu sein. Auch nachfolgende Forscher,
die sich mit den Thorsberger Funden auseinandersetzten,
konnten dieses Problem bislang nicht zufriedenstellend lö-
sen. Sogar eine Zusammengehörigkeit der beiden Stücke
ist nach wie vor nicht zweifelsfrei erwiesen. Gegen eine
solche könnte eingewendet werden, dass die Objekte an
unterschiedlichen Stellen des Moores mit einem zeitlichen
Abstand von zwei Jahren aufgefunden wurden. Das inten-
tionelle Zerhacken von Gegenständen und Garnituren ist
jedoch keine Seltenheit bei Funden aus Kriegsbeuteopfern
und dokumentiert oftmals eine rituelle Zerstörung vor
der eigentlichen Deponierung. An modern ergrabenen
Mooropferplätzen ist eine Fragmentanpassung von weit
verstreut aufgefundenen Bruchstücken häufig anzutreffen.
Die getrennte Fundlage der beiden Objekte ist also nicht
zwingend als Argument gegen eine Zusammengehörigkeit
Silberne zu werten, zumal der Ausgräber an beiden Objekten
Gesichtsmaske aus Zerstörungsspuren beschreibt. Aber das wohl augenschein-
dem Thorsberger Moor. lichste Argument gegen eine Zusammengehörigkeit von
Fotografie: © Stiftung Maske und Spangenkappe ist die Tatsache, dass sich die
Schleswig-Holstei- beiden Stücke in ihrem heutigen Zustand nicht sinnvoll Maske und Spangenkappe während der Ausstellung „Magischer Glanz –
nische Landesmuseen zu einem vollständigen Ganzen zusammenfügen lassen. Gold aus archäologischen Sammlungen Norddeutschlands“.
Schloss Gottorf, Werden sie am Scharnier zusammengesetzt, so klaffen Fotografie: © Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig
Schleswig sie weit auseinander und stellen eine tatsächliche
Funktionalität in Frage. bei beiden Fundstücken auf vergleichbare Art und Weise,
indem sehr dünne Goldfolie in max. 7 cm langen Streifen
Demgegenüber stehen wiederum einige Aspekte, die auf aufgetragen wurde. Ein weiterer Anhaltspunkt ist die
eine Zusammengehörigkeit der Fundobjekte schließen ebenfalls gleichartige Vernietung der Einzelbestandteile
lassen: Die Punzabdrücke auf Maske und Spangenkappe der beiden Objekte. Der Handwerker achtete darauf, die
stimmen nahezu perfekt überein; die Vergoldung erfolgte Niete mit halbkugelförmigen Nietköpfen genau auf die

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Der Germanische Helm aus dem Thorsberger Moor Der Germanische Helm aus dem Thorsberger Moor

Die Thorsberger Maske Ausgräbers ist zu erfahren, dass „dieser ... später lose Kartierung von ver-
LITERATUR in Seitenansicht mit zusammen gesetzt worden (sei), diese (Spangenkappe) gleichbaren Masken-
R. Blankenfeldt/A. unverziertem Randbereich. aber kaum allenteils richtig, da ein Bügel oder ein Stück helmen des weiblichen
Rau: Skandinavische Fotografie: © Stiftung eines Bügels übrig geblieben ist“. Die Spangenkappe Typs.  Abbildungen aus:
Kriegsbeuteopfer – Be- Schleswig-Holsteinische wurde also in Einzelteilen gefunden und alle bekannten Herten - M. Reuter:
funde, Funde und Inter- Landesmuseen Schloss Abbildungen geben bereits einen rekonstruierten Zustand Zwei Reiterhelmfrag-
pretationen. [Kat. Aus- Gottorf, Schleswig wieder, der keinesfalls dem ursprünglichen Erhaltungs- mente aus einer rö-
stellung Kalkriese 2009] zustand entsprochen haben muss. Tatsächlich stellen im mischen Altmetall-
Imperium – Konflikt Laufe der Zeit insgesamt fünf verschiedene Rekonstruk- werkstatt des 3. Jhs.
– Mythos. 2000 Jahre tionsversuche die Spangenkappe als kronenartiges Objekt n. Chr. in Herten,
Varusschlacht (Stuttgart dar. Aber wie sah sie wirklich aus? Um Anhaltspunkte Kreis Lörrach. In:
2009) 132-139. über das ursprüngliche Aussehen gewinnen zu können, M. Kemkes/J. Scheu-
C. von Carnap-Born- sind im Allgemeinen Vergleiche hilfreich. Die Suche erbrandt (Hrsg.), Fra-
heim: Römische Milita- nach weiteren Helmen in Kriegsbeuteopfern ist jedoch gen zur römischen
ria aus dem Thorsberger nicht sehr ergiebig. Mit dem Greifenkopf aus dem Vimose Reiterei. Kolloquium
Moor. Fundzusam- (Dänemark) ist nur ein einziges Fragment eines weiteren anlässlich der Ausstel-
mensetzung, Kontext, Helmes erhalten, der aber wahrscheinlich den römischen lung „Reiter wie Sta-
Interpretation. Corpus Gladiatorenhelmen zuzurechnen ist. Die dänischen Opfer- tuen aus Erz. Die rö-
der römischen Funde im plätze von Illerup Ådal, Nydam und Ejsbøl bieten kei- mische Reiterei am
europäischem Barbari- nerlei Vergleichsstücke. Somit ist Thorsberg der einzige Limes zwischen Pa-
cum. Deutschland. D5. Opferplatz mit einem Fundauf kommen von militärisch trouille und Parade“
Freie und Hansestadt genutzten Helmen, denn abgesehen von dem hier behan- (Stuttgart 1999) 44-
Hamburg und Land delten germanischen Helm liegen Fragmente von min- 48 Abb. 5; Petronell -
Schleswig-Holstein destens zwei weiteren römischen Reiterhelmen vor, die M. Junkelmann: Rei-
(Bonn 2004) 15-24. annähernd gleichgroßen halbkugelförmigen Punzeindrü- jedoch als Vorbilder für den Helm ausgeschlossen werden ter wie Statuen aus
C. Engelhardt:Thjors- cke zu setzen, wodurch die Niete von Weitem kaum mehr können. Erz (Mainz 1996)
berg Mosefund.Søn- als solche zu erkennen sind. Abb. 89; Visegrád -
derjydske Mosefund I. Wenn aber so viele Aspekte für eine Zusammengehörig- Aus provinzialrömischem Kontext sind dagegen einige J. Garbsch: Römische
Thorsbjerg fundet keit der beiden Stücke sprechen und nur die eine Tatsache vergleichbare mehrteilige Helme bekannt. Ein Exemplar Paraderüstungen.
(Kjöbenhavn 1863). dagegen, dass beide nicht kombiniert getragen werden aus dem römischen Kastell Eining mit gerade abschlie- Münchner Beiträge
Th. Fischer: Bemerkun- können, so muss vielleicht nur die Rekonstruktion der ßendem Maskenteil ist zweiteilig aufgebaut und weist im zur Vor- und Frühge-
gen zum so genannten Spangenkappe überdacht werden? unteren Bereich für die Fixierung des vorderen Teils mit schichte 30 (München
Gesichtshelm aus Bei einer genaueren Betrachtung der heutigen Spangen- dem hinteren Nietlöcher auf. Hier wurde ein Lederrie- 1978) Taf. 24, 4;
Thorsberg. In: A. Abegg- kappen-Rekonstruktion zeigen sich einige Ungereimthei- men befestigt, der um den Nacken lief und die beiden Gilau-D.- Isac M.
Wigg/A. Rau (Hrsg.), ten. So scheint z. B. funktional nicht schlüssig zu sein, Helmteile miteinander verband. Ein Charakteristikum Bǎrbulescu: Neue
Aktuelle Forschungen wie die schmalen Kalottenbügel an dem breiten Kopf bü- der Maske aus Eining ist das unausgearbeitete Lockenmo- Paraderüstungen aus
zu Kriegsbeuteopfern gel angebracht sind, da einerseits Nietlöcher leer bleiben, tiv auf einem schmalen Streifen direkt am hinteren Rand. Dakien. Acta Musei
und Fürstengräbern im ohne Verbindung zu einem schmalen Bügel, und anderer- Dieser Bereich wurde von dem hinteren Helmteil über- Napocensis, 43-44/I,
Barbaricum. Schr. Arch. seits die Enden der Kalottenbügel meist nicht den Anschein deckt und gewährleistete durch die überlappende Anord- 2006–2007 (2008),
Landesmus. Bd. 4 erwecken, ursprüngliche Endstücke gewesen zu sein. Ein nung des vorderen und hinteren Helmteiles einen besseren 211-231, Abb. 13;
(Neumünster 2008) weiterer Hinweis auf eine falsche Rekonstruktion der Zusammenhalt, größere Stabilität und somit auch besseren Resca - M. Kemkes:
105-123. Spangenkappe ist der Neigungswinkel des Kopf bügels Schutz. Ein ebensolcher unverzierter Randbereich ist auch oder anderen Befestigungsvorrichtungen. Jedoch sind Vorbilder für das Thorsberger Stück in Frage kommen. Lanze, Sattel und
S. Matešić: Ein germa- im Vergleich zu dem der übrigen Bügel. Es scheint, als bei der Thorsberger Maske zu beobachten. Es kann daher auch bei den römischen Helmen Exemplare ohne Visier Den aufgezeigten römischen Beispielen folgend, kann, Gesichtshelm – Be-
nischer Helm aus dem seien die schmalen Bügel in der Rekonstruktion stärker gefolgert werden, dass diese Zone vom Hinterhauptteil belegt. Die Gestaltung des Thorsberger Gesichtsmasken- entgegen den bisherigen Rekonstruktionen als Krone, waffnung und Ausrü-
Thorsberger Moor. In: als ursprünglich gestaucht. Außerdem können die beiden bzw. der Spangenkappe ursprünglich überdeckt wurde. wulstes findet ebenfalls Entsprechungen bei römischen für die Thorsberger Spangenkappe eine insgesamt ähnli- stung der römischen
Archäologie zwischen Endstücke des breiten Kopf bügels und das Ende des Schei- Ein wesentlicher Unterschied der Thorsberger Maske zu Maskenhelmen. Besonders Helmmasken des weiblichen che Konstruktion angenommen werden. Wahrscheinlich Reiterei. In:
Römern und Barbaren. telbügels, wie bislang in jeder Rekonstruktion geschehen, der geschlossenen Maske aus Eining ist der Gesichtsaus- Typus aus der 2. Hälfte des 2. und zu Beginn des 3. Jhs. diente eine eiserne oder lederne Helmkalotte mit ausge- M. Kemkes/ J. Scheu-
Zur Datierung und nicht allein anhand der Nietlöcher miteinander verbunden schnitt für Augen, Nase und Mund. Eine solche Öffnung weisen in der Haargestaltung mitunter Stilisierungen zogenem Nackenschutz als Grundlage für die silbernen erbrandt (Hrsg.), Zwi-
Verbreitung römischer werden. Sie sind nur mithilfe eines weiteren Bestandteils ist zwar auch an diversen provinzialrömischen Helmen auf, die bei der Thorsberger Maske wiederzufinden sind. Bügel der Spangenkappe. Der umgebördelte äußere Rand schen Patrouille und
Metallarbeiten des 2. kombinierbar. Eine Zusammenführung der beiden Enden belegt, jedoch ist die Form des Ausschnittes an den römi- Die durch Punzabdruckreihen hervorgerufenen Bänder des Spangenkappen-Kopf bügels kann als Hinweis für die Parade. Die römische
und 3. Jhs. n. Chr. im zu einem Ring ist deshalb fraglich. Aufgrund dieser schen Masken eher kleeblattförmig gerundet, während des Wulstes, abwechselnd vergoldet oder silbern belas- ehemalige Existenz einer solchen stabilisierenden Unter- Reiterei am Limes
Reich und im Barba- fragwürdigen Aspekte bei der heutigen Rekonstruktion der Ausschnitt der Thorsberger Maske an den Seiten der sen, können als stilisierte Haarsträhnen aufgefasst werden. lage gedeutet werden. Das breite Kopf band überlagerte (Stuttgart 1997)
ricum. [Symposium der Spangenkappe scheint es angebracht und notwendig, Augen und unter dem Mund jeweils spitzwinkelig ausläuft. Diese Vergleiche mit römischen Gesichtshelmen des sog. den unverzierten Randbereich der Gesichtsmaske und 29-64, Abb. 72.
Frankfurt 2009] die Fundzusammenhänge näher zu betrachten. Über die Für einige der römischen Helme sind Visiere belegt, welche weiblichen Typus sind außerdem interessant, da letztere schloss unten nahezu bündig mit der Gesichtsmaske ab.
(in Vorbereitung). genauen Umstände bei der Auffindung der Spangenkappe die Öffnung bei Bedarf verschließen konnten. Auf die ein für das Römische Reich sehr eingeschränktes Verbrei- Der Scheitel-Bügel hat identisch angeordnete Nietlöcher
im Jahr 1858 liegen leider keinerlei genauere Informati- ehemalige Existenz eines solchen gibt es bei der Thorsber- tungsgebiet vornehmlich im Donauraum aufweisen, wie wie der Scharnierbeschlag der Spangenkappe und kann
onen vor. Lediglich aus einem Satz der Beschreibung des ger Maske jedoch keinerlei Hinweise in Form von Haken- eine Kartierung der entsprechenden Masken zeigt, die als aufgrund dessen, wie bisher auch geschehen, an dieser

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Der Germanische Helm aus dem Thorsberger Moor

Stelle rekonstruiert werden. Die Länge des Scheitel- Helm kennenlernte und diese Impressionen dann nach
Bügels bestimmt damit den Umfang bzw. die Länge der eigenem Stilempfinden als bislang einzigen bekannten
Helmkalotte, vom Scharnier ausgehend bis zum mit hoher germanischen Helm umsetzte. Auch die beiden aus dem
Wahrscheinlichkeit zu ergänzenden Nackenschutz, dessen Thorsberger Moor stammenden Zierscheiben, eine davon
Notwendigkeit die Position der Befestigungsniete im mit Darstellung des Gottes Mars, verweisen auf das
unteren Wulstbereich der Gesichtsmaske vorgibt. Die An- Römische Reich als Quelle der Inspiration. Gerade im
ordnung der schmalen Kalotten-Bügel zeigt sich nur z. T. Bereich der Militaria können vermehrt Bezüge zu pro-
durch ihre Vernietung am Kopf band. Von letztgenanntem vinzial-römischen Funden aufgezeigt werden, die auf
ausgehend, könnten sie annähernd parallel zueinander einen regen Kulturtransfer deuten, so u. a. durch Import
zum Scheitelbügel und zum Nackenstück geführt worden bestimmter Luxusgüter wie z. B. Glas- und Bronzegef äße.
sein. In diesem Fall würden die Kalotten-Bügel die Rich- Die Übernahme von Sitten und Gebräuchen in Bezug
tung der gepunzten Reihen und der Goldblechbänder der auf Trinkkultur und Bestattungswesen ist jedoch nicht
Gesichtsmaske aufnehmen und fortführen. einfach über den bloßen Handel zu erklären. Die Nutzung
von römischen Militaria, vornehmlich aus dem Bereich
Abschließend ist zusammenzufassen, dass sich die Thors- der Schwertbewaffnung, und die Übernahme bestimmter
berger Maske und die sog. Spangenkappe nach einer Formen und Motive deuten auf einen anders gearteten
modifizierten Rekonstruktion sinnvoll zu einem Thors- Einf luss seitens des Römischen Reiches. Eine einheitliche
berger Helm germanischer Machart nach römischem Sprache, ein umfassendes Verkehrsnetz, verbunden mit
Vorbild ergänzen. Bemerkenswert sind die Parallelen zu gemeinsamem Geldumlauf, waren eine Notwendigkeit
römischen Reiter-Gesichtshelmen der mittleren Römi- eines derart weitreichenden Imperium Romanum. Dem
schen Kaiserzeit, insbesondere zu den Gesichtshelmen Militär kam dabei eine wesentliche Rolle als Kulturträger
des weiblichen Typus, die bislang hauptsächlich aus den
Donauprovinzen des Römischen Reiches bekannt gewor-
den sind. Dieses Gebiet scheint demnach die Kontaktzone
zu, der nicht nur die römische Lebensart in die Provinzen
brachte, sondern durch die Vermittlung fremdstämmiger
Soldaten auch über die Grenzen des Römischen Reiches
Jüngste Untersuchungen
gewesen zu sein, in welcher der germanische Handwer-
ker oder Auftraggeber die Vorbilder für den Thorsberger
hinweg Wirkung zeigte.
im Thorsberger Moor von Ruth Blankenfeldt

Über mehrere Jahrhunderte diente das Thorsberger Moor sämtliche Fundschichten vollständig zu erschließen. Da Der heutige Blick auf
Handkolorierte Radie- in der heutigen Gemeinde Süderbrarup, Kr. Schleswig- er zudem gezwungen war, während der archäologischen das Thorsberger Moor:
rung des Runologen Flensburg, als Ort für religiös motivierte Opferungen, bei Untersuchungen stabilisierende Profilstege inmitten der ein „Ententeich“ mit
G. Stephens und digi- denen Holz- und Keramikgef äße, landwirtschaftliche Ge- fundreichen Grabungsf lächen stehen zu lassen und diese Naherholungswert am
tal verändertes Detail räte sowie nach der Zeitenwende in umfangreichem Maße auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht immer nachbe- Ortsrand von Süder-
der Spangenkappe Kriegsbeute niedergelegt worden war. Die heute bekann- arbeiten konnte, ist anzunehmen, dass hier bis heute Ar- brarup. Z. Zt. der über
(nach S. Wiell, ten Artefakte von diesem Fundplatz stammen hauptsäch- tefakte verblieben sind. Den Nachweis dieser Vermutung Jahrhunderte vollzo-
Denmark´s bog find lich aus Ausgrabungen zwischen 1858 und 1861, die C. H. stellte das Ziel einer dreitägigen Geländekampagne im genen Opferungen be-
pioneer. The archaeolo- Engelhardt, damaliger Leiter der Flensburger Sammlung, Jahre 2009 dar, bei der zusätzlich weitere Bohrkerne zur fand sich hier ein
gist Conrad Engel- durchführte. Eine von ihm angefertigte Skizze mit der Ergänzung der in den Jahren zuvor gewonnenen Erkennt- Moor mit feuchten
hardt and his work. Lage des archäologisch bearbeiteten Areals zeigt, dass sich nisse gezogen wurden. Senken und kleinen
In: The Spoils of Vic- die ehemalige Ausgrabungsf läche im östlichen Bereich des trockenen Erhebungen.
tory. The North in the heute mit Wasser gefüllten kleinen Kesselmoores befindet. Geländevermessung und taucherische Prospektion
shadow of the Roman In den Jahren 2006 und 2007 wurde mithilfe computerge- Im Frühjahr 2006 erstellte H.-J. Repkewitz, Archäologi-
Empire [Katalog Aus- stützter Analysen und mehrerer kleiner Geländekampag- sches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH), ein aktuel-
stellung Kopenhagen] nen der Versuch unternommen, diese grobe Verortung der les Aufmaß vom Landbereich des Thorsberger Moores bis
(København 2003) Grabungsf lächen zu präzisieren. Zudem wurden in einem an den Ufersaum des Sees. Dieses wurde nach weiteren
66-83, Abb. 7). heute als kleine Insel erhaltenen Bereich mehrere Bohr- Vermessungsarbeiten in dem mit Wasser gefüllten Bereich
kerne gezogen, deren Untersuchung genauere Kenntnisse durch Mitglieder der „Arbeitsgruppe für maritime und
über den Moorauf bau liefern sollten und um diese mit den limnische Archäologie Kiel (AMLA)“ im Frühjahr 2007
vom Ausgräber überlieferten Beobachtungen zu verglei- um eine bathymetrische Karte ergänzt. Parallel zu diesen
chen. Des Weiteren sollten räumliche Daten zu mögli- größtenteils vom Boot aus vollzogenen Vermessungsarbei-
cherweise unberührten Fundbereichen ermittelt werden. ten wurden im Bereich der Engelhardtschen Grabungen
Während der archäologischen Untersuchungen im 19. Jh. zwischen Insel und Ostufer mehrere Tauchgänge durch-
war das Thorsberger Moor fast vollständig trockengefal- geführt. Ziel der subaquatischen Prospektionen war, durch
len. Wie C. H. Engelhardt sowohl in seinem Grabungs- Abgraben der Sedimente Aufschlüsse von deren Zusam-
tagebuch als auch in seiner Publikation zum Thorsberger mensetzung in unterschiedlichen Tiefen zu erhalten und
Moor vermerkte, war es ihm jedoch aufgrund zunehmen- ehemalige Profilkanten zumindest haptisch zu lokalisie-
der Vernässung in tieferen Lagen nicht immer möglich, ren. Dabei erwiesen sich das ehemalige Grabungsareal als

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