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Book·July2017

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im Fokus Book ·July2017 CITATIONS 0 5authors ,including: SimonJäckel VereinDeutscherIngenieuree.V. 40 PUBLICATIONS

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Bild: © Igors Jefimovs / shutterstock

Bild: © Igors Jefimovs / shutterstock Meteorologische Messungen Luftqualität im Fokus VDI-Agenda Juli 2017

Meteorologische

Messungen

Luftqualität im Fokus

VDI-Agenda Juli 2017

Vorwort

Die Höhe der Luftschadstoffkonzentration wird auf dem Transportweg (Transmission) von der Quelle (Emission) zu den jeweiligen Rezeptoren (Immission) von einer Reihe von Parametern bestimmt. Diese sind neben Parametern, die physikochemische Reaktionen und die Deposition bestimmen, insbesondere eine Vielzahl meteorologischer Parameter wie Windrich- tung und Windgeschwindigkeit.

Für die Interpretation von Luftschadstoffmessungen, für prognostische Modellierungen, z. B. in Genehmi- gungsverfahren, sowie für Störfallfragestellungen sind meteorologische Informationen – die durch Messun- gen und durch Modellierungen gewonnen werden können – von besonderer Bedeutung. Im Kontext der Luftreinhaltung sind die Ergebnisse von meteorologi- schen Messungen als Eingangsdaten für Immissions- prognosen von Belang und rechtlich entsprechend

vorgesehen (siehe z. B. TA Luft).

Neben dem Deutschen Wetterdienst (DWD) führen häufig auch Gutachter- und Ingenieurbüros sowie Forschungsinstitute meteorologische Messungen im Bereich der Luftreinhaltung und allgemein im Um- weltschutz im Rahmen von Genehmigungsverfahren oder Gutachten durch. Landesbehörden betreiben im Routinedienst umfangreiche Luftqualitätsmessungen und beauftragen häufig zusätzlich Dritte für spezielle Untersuchungen. Hierbei erfolgen auch meteorologi- sche Messungen, die zur Bewertung von Luftquali- tätsmessungen notwendig sind.

Im direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Luftreinhaltung werden meteorologische Messungen auch in Energiewirtschaft, Heizungs- und Klimatech- nik, Wasser-, Land-, Forst- und Bauwirtschaft, im Verkehrswesen, in der Stadt- und Regionalplanung sowie zur Steuerung wetterabhängiger Abläufe benö- tigt. Nur eine weitestmögliche Einheitlichkeit von

Düsseldorf im Juli 2017

Einheitlichkeit von Düsseldorf im Juli 2017 Dipl.-Ing. Simon Jäckel Verein Deutscher Ingenieure e.V.,

Dipl.-Ing. Simon Jäckel Verein Deutscher Ingenieure e.V., VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss)

Messstrategie, Messung und Auswertung führt zu aussagefähigen und vergleichbaren Ergebnissen. Die- se Agenda richtet sich in diesem Zusammenhang an Behörden, Mess- und Prüflaboratorien, Gutachter- und Ingenieurbüros, Umweltverbände, Forschungs- institute sowie Stadtplaner und Architekten.

Um vergleichbare Messungen durchführen zu können, müssen sowohl Messmethoden als auch Auswertever- fahren qualitätsgesichert und möglichst einheitlich gestaltet sein. In Kenntnis der Regelsetzungen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und des DWD ergab sich in den 1980er-Jahren die Notwen- digkeit, eine eigene VDI-Richtlinienreihe für die speziellen Fragestellungen im Bereich der Luftrein- haltung im Fachbereich Umweltmeteorologie der VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft zu erar- beiten. Zahlreiche VDI-Richtlinien und DIN-ISO- Normen beschreiben die einzelnen Messparameter, Messstrategien und Auswerteverfahren im Hinblick auf die Luftreinhaltung.

Ausschlaggebend für die Erstellung dieser Agenda ist die Frage, wie die technische Regelsetzung für meteo- rologische Messungen bedarfsgerecht und zielführend weiterhin koordiniert und wie technische Innovatio- nen stärker begleitet werden können. Mit dem Wissen um die zahlreichen Handlungsfelder blickt diese Agenda auf bereits behandelte, aktuelle und zukünfti- ge Themen der technischen Regelsetzung und geht dabei auch auf die verstärkte Notwendigkeit internati- onaler Normung ein.

Die vorliegende Agenda soll zur transparenten Dar- stellung der inhaltlichen Fragestellungen beitragen und als Aufruf zur verstärkten Mitarbeit an Norm- und Richtlinienprojekten im Bereich der Umwelt- meteorologie verstanden werden.

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Autoren

Dr. Thomas Einfalt, hydro & meteo GmbH & Co. KG, Lübeck Vorsitzender der VDI-Arbeitsgruppe „Niederschlagsmessung mittels Radar“

Prof. Dr. Stefan Emeis, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Garmisch-Partenkirchen Vorsitzender der VDI-Arbeitsgruppe „Bodengebundene Fernmessung meteorologischer Größen“

Prof. Dr. Thomas Foken, MikroMeteorologische Beratung, Bischberg, und Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung der Universität Bayreuth Vorsitzender der VDI-Arbeitsgruppe „Meteorologische Messungen“

Dipl.-Ing. Simon Jäckel, Verein Deutscher Ingenieure e.V., Düsseldorf Mitarbeiter der VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss

Dipl.-Met. Wolfgang J. Müller Vorsitzender des Fachbeirats im Fachbereich Umweltmeteorologie der VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss

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Agenda – Meteorologische Messungen

3

Inhalt

Vorwort

1

Autoren

2

1

Bisherige Entwicklungen

4

1.1 Einführung

4

1.2 Windrichtung und –geschwindigkeit

5

1.3 Turbulente Flüsse

6

1.4 Strahlung

7

1.5 Niederschlag

7

1.6 Lufttemperatur

8

1.7 Luftfeuchte

8

1.8 Luftdruck

9

1.9 Meteorologische Sichtweite

9

1.10 Mischungsschichthöhe, Inversionen

9

1.11 Wolkenuntergrenze

10

1.12 Aerosole

10

1.13 Spurengase

10

1.14 Messgeräteträger und Plattformen

11

2 Handlungsfelder

12

 

2.1 Automatisierung

12

2.2 „Smart Sensors” und „Citizen Science”

12

2.3 Niederschlagsverteilung aus Mobilfunknetzdaten ableiten

13

2.4 Standortsuche für Windparks

13

2.5 Messung der Turbulenz

13

2.6 Schlussfolgerungen

14

3 Regelsetzungsstrategie

15

 

3.1 VDI als Regelsetzer

15

3.2 VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft

15

3.3 VDI-Ausschüsse zu meteorologischen Messungen und nationale Regelsetzung

15

3.4 Internationale Regelsetzung

16

4 Inhalte der technischen Regelsetzung

17

Literatur

19

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4

Agenda – Meteorologische Messungen

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1 Bisherige Entwicklungen

1.1

Einführung

Zu den klassischen Messverfahren gehören jene, die schon seit etwa 150 Jahren an meteorologischen Sta- tionen eingesetzt werden, wie die zur Messung der Lufttemperatur, der Luftfeuchte, der Windgeschwin- digkeit und -richtung und des Niederschlags. Vor allem Strahlungsmessungen sind in den letzten Jahr- zehnten hinzugekommen. Viele Größen werden aber bereits seit mehreren hundert Jahren gemessen, ob- wohl die Messtechnik meist nicht mehr heutigen An- sprüchen genügt. Visuelle Beobachtungen sind schon seit der Antike bekannt.

Die Atmosphäre ist im Allgemeinen turbulent, das heißt: Alle meteorologischen Parameter schwanken erheblich in einem Zeitbereich von Zehntelsekunden bis nahezu einer Stunde. Bei üblichen meteorologi- schen Messungen versucht man, diese Schwankungen durch Mittelwertbildung über etwa 10 Minuten bis 30 Minuten auszufiltern. Häufig wird auch die Träg- heit des Messwertgebers oder eine Tiefpassfilterung bei der Datenerfassung genutzt, um hochfrequente Schwankungen auszuschließen. Die hohe Variabilität meteorologischer Felder erfordert häufige Messungen im Abstand von 10 Minuten bis 60 Minuten, damit eine statistisch einwandfreie Datenerfassung gewähr- leistet ist. Lediglich bei klimatologischen Messungen sind drei bis vier Termine pro Tag zulässig, wobei diese so festgelegt sein müssen, dass das Tagesmittel über längere Zeitabschnitte dem Mittel über Stunden- werte entspricht.

Messungen in der Atmosphäre unterscheiden sich grundsätzlich von Messungen in anderen Medien. Durch das vorhandene Windfeld wird die Luft an den Messwertgeber (beziehungsweise das durch indirekte Messungen erfasste Volumenelement) herangeführt. Dieser integriert dann über eine bestimmte Messzeit (z. B. 10 Minuten). Somit werden nicht die Luft- eigenschaften über einem bestimmten Messpunkt gemessen. Damit sind die Unterlageneigenschaften an der windzugewandten Seite (Luv) bis zu einer Aus- dehnung von etwa 100-facher Messhöhe für die je- weilige Messgröße bestimmend. Dies wird als „Foot- print“ bezeichnet [1]. Messungen im Wetterdienst und für klimatologische Zwecke werden für die meisten Messgrößen in etwa 2 m Höhe durchgeführt (Wind in

10 m Höhe). Diese Höhen sollten auch für Zwecke der Reinhaltung der Luft für Messungen am Boden eingehalten werden, falls nicht zwingende Gründe dagegen sprechen. Weiterhin kommen Masten oder ballon- oder flugzeuggetragene Messsysteme zum Einsatz, um die unteren Atmosphärenschichten bis in einige Kilometer Höhe erfassen zu können.

Mittlerweile stellen bodengestützte und satelliten- basierte Fernmessverfahren eine große Gruppe von Messverfahren dar, deren Bedeutung immer weiter zunimmt.

Generell gibt es aktive und passive Fernmessung. Bei der aktiven Fernmessung wird eine wohldefinierte Strahlung in Richtung auf das Messvolumen ausge- sandt und die Rückstreuung gemessen und ausgewer- tet. Die Entfernungsauflösung erfolgt in der Regel über die Laufzeit. Bei der passiven Fernmessung wird vom Messgerät nur die ankommende natürliche Strahlung erfasst. Die räumliche Auflösung ist gerin- ger als bei der aktiven Fernmessung, da eine Entfer- nungszuordnung über Gewichtungsfunktionen erfol- gen muss.

Weiterhin unterscheidet man zwischen pfadmitteln- den, sondierenden, scannenden und bildgebenden Verfahren. Bei pfadmittelnden Verfahren wird nur ein Mittelwert einer atmosphärischen Eigenschaft über den Ausbreitungsweg der empfangenen Strah- lung hinweg bestimmt. Bei den sondierenden Ver- fahren wird entlang einer vorher gewählten festste- henden Blickrichtung (meistens in Richtung Zenit) eine entfernungsabhängige Messung vorgenommen. Bei scannenden Verfahren wird die Messung nach- einander entlang eines vorher festgelegten Musters von mehreren Blickrichtungen durchgeführt. Bild- gebende Verfahren verfügen über eine Optik (oder ein entsprechendes elektromagnetisches Äquivalent), die die einkommende Strahlung aus verschiedenen Raumrichtungen innerhalb des Öffnungswinkels der Optik entfernungsunabhängig auf einem flächenhaften Detektor abbildet.

In den letzten Jahren sind einige Lehrbücher erschie- nen, die sowohl zu den Messprinzipien als auch zur Messung einzelner Größen bei Detailfragen heran- gezogen werden können [2 bis 6].

Agenda – Meteorologische Messungen

5

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 1:2013-08 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Grundlagen

VDI 3786 Blatt 1.1 (in Vorbereitung) Umweltme- teorologie; Meteorologische Messungen; Grundla- gen; Fernmessverfahren

VDI 3786 Blatt 8:2017-02 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Aerologische Mes- sungen

VDI 3786 Blatt 9: 2007-10 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Visuelle Wetterbe- obachtungen

VDI 3786 Blatt 13:2006-08 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Messstation

1.2 Windrichtung und –geschwindigkeit

Windrichtung und Windgeschwindigkeit gehören zu den wichtigsten Größen bei der Ausbreitung von Luftbeimengungen. Sie bestimmen den Ort und die Höhe der Konzentration im Lee von Quellen.

Der Wind muss möglichst repräsentativ im freien Windfeld erfasst werden. Dies ist möglich, je weniger Strömungshindernisse im Nahfeld des Messorts vor- handen sind. Im Gegensatz zu anderen Messgrößen liegt die standardisierte Messhöhe bei 10 m über Grund und muss gegebenenfalls in Abhängigkeit von Hindernissen in der Umgebung auch noch erhöht werden. Klassisch werden Schalensternanemometer und Windfahnen eingesetzt. Diese weisen eine gewis- se Trägheit auf, die zu einer Zeitverzögerung (dyna- mischer Fehler) oder zu einem Einschwingverhalten in Abhängigkeit von der Dämpfung führt. Die dadurch entstehenden Fehler werden vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten relevant. Weiterhin

kommen Propelleranemometer mit integrierter Wind- fahne zum Einsatz, allerdings kaum in Deutschland.

Zunehmend werden mechanische Anemometer durch Ultraschallanemometer ersetzt, die weniger Wartung benötigen und – wenn nicht mechanisch beschädigt – eichstabil sind. Bei diesen wird ein Ultraschallsignal entlang einer Messtrecke in beide Richtungen gleich- zeitig ausgesandt. Aus der Laufzeitdifferenz zwischen beiden Messsignalen wird die Windgeschwindigkeit berechnet. Wird die Messung in zwei horizontalen Richtungen durchgeführt, lässt sich die Windrichtung bestimmen. Wird noch die vertikale Windkomponente gemessen, eignen sich die Messsysteme auch zur Bestimmung von Energie- und Stoffflüssen. Die zeit- liche Auflösung reicht bis etwa 100 Hz.

Die Windgeschwindigkeit eines Luftpakets lässt sich auch über die Dopplerverschiebung der Frequenz einer zurückgestreuten Strahlung ermitteln. Dies funk- tioniert sowohl mit Schallwellen (Sodar und der akus- tische Teil eines RASS), mit Lichtwellen (Windlidar) als auch mit Radiowellen (Windprofiler). Da der Wind eine dreidimensionale vektorielle Größe mit Betrag und Richtung ist, benötigt man für die Bestim- mung von Windgeschwindigkeit und -richtung min- destens drei Messungen aus unterschiedlichen Rich- tungen. Sodar und Windprofiler schauen hierzu in drei oder fünf verschiedene Richtungen (wovon eine in der Regel genau vertikal ist, um die relativ kleine vertika- le Windkomponente direkt zu bestimmen). Windlida- re führen zur Erfassung der Vertikalkomponente hier- zu oft eine konische Skannierung aus. Unter Annah- men zur horizontalen Homogenität der Strömung werden diese Informationen dann mittels trigonomet- rischer Berechnungen zum Windvektor zusammenge- führt.

Windgeschwindigkeiten werden in m/s mit einer Ge- nauigkeit je nach Gerätetyp von 0,1 m/s bis 0,5 m/s, seltener in km/h, gemessen. Die Windrichtung wird in Grad (Vollkreis 360°) mit 360° für Norden und 90° für Osten usw. angegeben.

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Agenda – Meteorologische Messungen

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 2:2016-11 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Wind

VDI 3786 Blatt 11:2015-07 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung des Windvektors und der Vertikalstruktur der Grenzschicht; Dopp- lersodar

VDI 3786 Blatt 12:2017-08 (Entwurf) Umweltme- teorologie; Meteorologische Messungen; Turbu- lenzmessung mit Ultraschall-Anemometern

VDI 3786 Blatt 17:2007-02 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung des Windvektors; Wind-Profil-Radar

VDI 3786 Blatt 18:2010-05 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung der Temperatur; Radioakustische Sondierungssysteme (RASS)

DIN ISO 16622:2003-03 Meteorologie; Ultra- schall-Anemometer/Thermometer; Abnahmeprüf- verfahren für Messungen der mittleren Windge- schwindigkeit (ISO 16622:2002)

DIN ISO 17713-1:2007-10 Meteorologie; Wind- messungen; Teil 1: Prüfverfahren in Windkanälen zur Ermittlung der Leistung von Rotationsanemo- metern (ISO 17713-1:2007)

DIN ISO 28902-2:2015-03 (Entwurf) Luftqualität; Umweltmeteorologie; Teil 2: Bodengebundene Fernmessung des Windes mittels gepulstem, mit Überlagerungsempfang arbeitendem Doppler-Lidar (ISO/DIS 28902-2:2015)

1.3 Turbulente Flüsse

Rasche Fluktuationen der Windgeschwindigkeits- komponenten sind ein Ausdruck der Turbulenz der Atmosphäre. Die Ausbreitung in der Atmosphäre wird durch Windgeschwindigkeit, Windrichtung und Tur- bulenzzustand bestimmt. Die Windgeschwindigkeit und die atmosphärische Turbulenz bestimmen die Transportgeschwindigkeit und die Verdünnung der emittierten Stoffe.

Zu den turbulenten Flüssen gehören u.a. der Impuls- austausch (Reibung an der Unterlage), der fühlbare Wärmestrom (Wärmeaustausch) und der latente Wärmestrom (Wasserdampftranssport). Die Größen werden zur Bestimmung der atmosphärischen Stabili- tät benötigt, die die Intensität des Transports von Luftbeimengungen bestimmt. Man verwendet dabei dreidimensionale Ultraschallanemometer und vorwie-

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gend optische Gasmessgeräte. Die Auswertung erfolgt durch die Eddy-Kovarianz-Methode [7]. Turbulente Flüsse werden als Energieflussdichten angegeben. Stehen diese relativ aufwendigen Verfahren nicht zur Verfügung, so müssen die auf der atmosphärischen Stabilität beruhenden Ausbreitungsklassen durch visuelle Beobachtungen oder durch Parametrisierung aus anderen Größen bestimmt werden. Der Turbu- lenzzustand kann durch eine kontinuierliche Kenn- größe, die Obukhov-Länge, charakterisiert werden.

Die vertikale Komponente der Windgeschwindigkeit kann auch mit Sodar, Windlidar, Windprofiler oder RASS direkt bestimmt werden, solange die direkt vertikale Messrichtung bei den genannten Messver- fahren mit erfasst wird. Die horizontalen Komponen- ten der Windgeschwindigkeit sind für Turbulenzmes- sungen mit einzelnen Sodargeräten, Windlidaren, Windprofilern oder RASS jedoch nicht bestimmbar, da die hierzu mindestens notwendigen drei Informati- onen nicht von ein und demselben Punkt vorliegen und die Homogenitätsannahmen wegen der Klein- skaligkeit der Turbulenz hier nicht zulässig sind. Hier hilft nur die gleichzeitige Beobachtung ein und des- selben Luftvolumens durch mindestens drei räumlich verteilte Fernmessgeräte, was aber sehr aufwendig ist.

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 11:2015-07 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung des Windvektors und der Vertikalstruktur der Grenzschicht; Dopp- lersodar

VDI 3786 Blatt 12:2017-08 (Entwurf) Umwelt- meteorologie; Meteorologische Messungen; Turbu- lenzmessung mit Ultraschall-Anemometern

VDI 3786 Blatt 17:2007-02 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung des Windvektors; Wind-Profil-Radar

VDI 3786 Blatt 18:2010-05 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung der Temperatur; Radioakustische Sondierungssysteme (RASS)

DIN ISO 16622:2003-03 Meteorologie; Ultra- schall-Anemometer/Thermometer; Abnahmeprüf- verfahren für Messungen der mittleren Windge- schwindigkeit (ISO 16622:2002)

DIN ISO 28902-2:2015-03 (Entwurf) Luftqualität; Umweltmeteorologie; Teil 2: Bodengebundene Fernmessung des Windes mittels gepulstem, mit Überlagerungsempfang arbeitendem Doppler-Lidar (ISO/DIS 28902-2:2015)

Agenda – Meteorologische Messungen

7

1.4

Strahlung

Die Strahlung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Temperaturschichtung der bodennahen Atmosphäre und damit auf die Aufweitung von Abluftfahnen. Die Strahlung der Sonne liefert die nötige Energie, um Prozesse der Verbreitung von Luftverunreinigungen überhaupt in Gang zu setzen.

Man unterteilt die Strahlung in kurzwellige solare oder extraterrestrische Strahlung mit Wellenlängen von 0,3 µm bis etwa 3 µm und die langwellige terrest- rische Strahlung mit Wellenlängen von etwa 3 µm bis 100 µm. Dabei unterscheidet man jeweils Strahlungs- ströme aus dem oberen und dem unteren Halbraum neben der direkten Sonnenstrahlung. Die kurzwellige Strahlung aus dem oberen Halbraum ist die Global- strahlung, bei Ausblendung der direkten Sonnenstrah- lung die Himmelsstrahlung. Aus dem unteren Halb- raum kommt die an der Unterlage reflektierte Reflex- strahlung. Das Verhältnis aus Reflexstrahlung und Globalstrahlung wird als Albedo bezeichnet. Die langwellige Strahlung, die von der Temperatur der emittierenden Oberfläche abhängt, ist die Gegenstrah- lung aus dem oberen Halbraum und die Ausstrahlung aus dem unteren Halbraum. Die Summe aller Strah- lungskomponenten wird als Strahlungsbilanz bezeich- net.

Kurzwellige Strahlungsflüsse werden mit Pyranome- tern gemessen. Diese verwenden Messzellen, die sich durch die Einstrahlung erwärmen (im Gegensatz zu einer beschatteten Kontrollfläche). Langwellige Strah- lungsflüsse werden mit Pyrgeometern bestimmt, die auf dem gleichen Prinzip beruhen. Allerdings wird hier nur die langwellige Strahlungsdifferenz zwischen dem Halbraum und der langwelligen Strahlung des Messgeräts bestimmt, sodass die Messgerätetempera- tur zur Korrektur benötigt wird. Pyranometer und Pyrgeometer unterscheiden sich voneinander durch Filter mit unterschiedlicher spektraler Durchlässigkeit (kurzwellig: Glas oder Quarz; langwellig: Silizium). Neuerdings werden für die kurzwellige Strahlung auch geeignete Siliziumelemente eingesetzt.

Strahlungsmessgeräte sind hinsichtlich ihrer Genauig- keit international einheitlich klassifiziert [8]. Insbe- sondere bei Pyrgeometern sind in den letzten Jahren deutliche Genauigkeitsverbesserungen erzielt worden, sodass diese für beide Strahlungsflüsse bei etwa 1 W/m 2 bis 2 W/m 2 liegt.

Strahlungsgrößen werden als Energieflussdichten in W/m 2 (entspricht J/m 2 s) angegeben. Angaben in kWh sind im Solarenergiebereich gebräuchlich.

Relevante technische Regel

VDI 3786 Blatt 5:2015-10 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Strahlung

1.5

Niederschlag

Da der Niederschlag eine sehr heterogene Struktur aufweist, ist die Repräsentativität einer punktuellen Messung prinzipiell eingeschränkt. Hinzu kommt, dass sich jeder Niederschlagsmesser im Windfeld unterschiedlich verhält. Es treten zwei gravierende Fehler auf: der Windfehler und der Verdunstungsfeh- ler, das heißt Wasser verdunstet, bevor es gemessen wird. Beide betragen in der Regel 5 % bis 10 % [9], bei Schneefall können es über 50 % sein. Es gibt Korrekturverfahren, mit denen man standort- und klimazonenabhängig korrigieren kann, doch diese Korrekturen müssen vom Datennutzer durchgeführt werden und sind bei Messdaten nicht angebracht.

Der in Deutschland verbreitete klassische Nieder- schlagsmesser ist der nach Hellmann [10]. Er hat eine Auffangfläche von 200 cm 2 und wird in 1 m Höhe aufgestellt. Es gibt ihn als Messgerät mit Sammel- kanne für Tagesmengen, als Registriergerät, mit Kippwaage oder Tropfenzähler zur Mengenmessung und vermehrt mit Wägeprinzip. Vielfach werden auch 500 cm 2 Sammelfläche eingesetzt.

Regenmelder mit einer Leitfähigkeitsmessung be- stimmen nur den Zeitpunkt des Niederschlags. Die Kombination aus Regenmelder und Niederschlags- messer ermöglicht die Messung der nassen Depositi- on, indem sich der Regenwassersammler nur bei Re- gen öffnet. Somit können die Konzentrationen von Beimengungen im Niederschlagswasser erfasst wer- den. Mit Distrometern wird die Tropfengröße be- stimmt, die in eine Niederschlagsmessung umgerech- net werden kann. Will man flächendeckend Nieder- schlag bestimmen, so nutzt man Fernmessverfahren, die dann quantitativ angeeicht werden müssen.

Klassische Wetterradargeräte und Mikro-Regen- Radare geben Aufschluss über die räumliche Vertei- lung des Niederschlags und empfangen die bei der Messung von flüssigen und festen Niederschlagsteil- chen zurückgestreute Strahlung. Aus der Rückstreu- intensität lässt sich auf die Größe und Menge der Nie- derschlagsteilchen schließen. Bei polarimetrischen Radargeräten kann zwischen verschiedenen Typen des Niederschlags (Regen, Schnee, Hagel, Graupel, usw.) unterschieden werden. Flüssige und feste Nie- derschlagsteilchen lassen sich beim Mikro-Regen- Radar auch über eine Bestimmung ihrer Fallge- schwindigkeit aus einer Analyse der Dopplerver-

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Agenda – Meteorologische Messungen

schiebung auseinanderhalten. Auch einfache Rück- streulidare wie Ceilometer sind in der Lage, fallenden Niederschlag zu detektieren und die Nullgradgrenze zu erkennen.

Niederschlagsmessungen werden in mm (entspricht ℓ/m 2 ) über einen festen Zeitraum (Stunde, Tag) ange- geben. Bei registrierenden Niederschlagsmessern können Intensitäten in mm/min oder mm/h angegeben werden.

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 7:2010-12 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Niederschlag

VDI 3786 Blatt 20:2014-09 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung des Niederschlags; Wetterradar

DIN ISO 19926-1 (in Vorbereitung) Meteorolo- gie; Wetterradar; Systemleistung und Betrieb

1.6

Lufttemperatur

Die Lufttemperatur lässt sich nur schwer fehlerfrei messen. Sobald der Messfühler kurzwelliger Sonnen- strahlung ausgesetzt ist, absorbiert er Energie und heizt sich dabei auf. Deshalb ist in jedem Fall bei Temperaturmessungen ein Strahlenschutz vorzusehen. Diesen erhält man durch Montage des Messfühlers in Wetterhütten (weiß gestrichen mit Doppeljalousien), die aber den Temperaturwert immer noch um etwa 1 K verfälschen können (Hüttenfehler). Genauere Messungen benötigen neben dem Strahlungsschutz auch eine Belüftung mit > 2,5 m/s. Als Temperatur- sensoren werden neben den klassischen Flüssigkeits- thermometern in der Regel Widerstandsthermometer (Pt100) eingesetzt. Wegen der Schwierigkeit der Messungen sind maximale Genauigkeiten von nur 0,1 K möglich, auch wenn elektrisch eine deutlich höhere Auflösung möglich wäre. Während sich das Prinzip der Widerstandsmessung zur Temperaturbe- stimmung seit Jahrzehnten bewährt hat, sind Fort- schritte vor allem bei der Miniaturisierung der Fühler und der elektrischen Signalverarbeitung zu verzeich- nen. Dabei wurden Brückenschaltungen vollständig durch Messungen mit konstantem Strom ersetzt.

Neben der Lufttemperatur sind auch das tägliche Maximum und Minimum sowie das nächtliche Mini- mum in 5 cm Höhe von Interesse. Temperaturmes- sungen in mehreren Höhen gestatten die Bestimmung der atmosphärischen Stabilität.

Die Lufttemperatur kann bei Fernmessverfahren aktiv über die Bestimmung der Schallgeschwindigkeit oder

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die Auswertung von Raman-Streuung bestimmt wer- den, passiv mit der Analyse der ankommenden Mikro- wellenstrahlung. Die Bestimmung des Vertikalprofils der Temperatur über die Schallgeschwindigkeit er- folgt mit einem radioakustischen Sondierungssystem (RASS). Hierbei wird die Ausbreitung einer Schall- welle mit einer Radarantenne verfolgt. Raman- Streuung ist eine inelastische Streuung an Luftmole- külen, bei der die ausgesandte Strahlung eine Rotation der Moleküle anregt. Wenn diese Moleküle dann in den Grundzustand zurückfallen, wird eine frequenz- verschobene Strahlung emittiert, die temperaturab- hängig ist. Allerdings ist diese Rückstrahlung relativ schwach, sodass diese Methode am besten nachts funktioniert, wenn die störende Strahlung von der Sonne fehlt. Passive Mikrowellenradiometer empfan- gen die temperaturabhängige Mikrowellenstrahlung aus der Atmosphäre.

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 3:2012-10 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Lufttemperatur

VDI 3786 Blatt 18:2010-05 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung der Temperatur; Radioakustische Sondierungssysteme (RASS)

DIN ISO 17714:2008-06 Meteorologie; Messun- gen der Lufttemperatur; Prüfverfahren zum Leis- tungsvergleich von Strahlungsschutzeinrichtungen bei Thermometern und Festlegung der charakteris- tischen Eigenschaften (ISO 17714:2007)

1.7

Luftfeuchte

Wasserdampf ist nicht nur das wichtigste Treibhaus- gas, er ist wesentlich an wichtigen Wetterphänomenen wie Wolkenbildung und Niederschlag beteiligt. Die Messung der Wasserdampfkonzentrationen in der Atmosphäre (Luftfeuchte) hat sich als besonders schwierig erwiesen, sodass sich die eingesetzten Messprinzipien mehrfach geändert haben. Bestand hatte lediglich das aßmannsche Aspirationspsychro- meter [11; 12], das auch nach mehr als 100 Jahren noch zu den genauesten Messgeräten gehört. Dabei werden zwei strahlungsgeschützte Thermometer mit einem Luftstrom von > 2,5 m/s belüftet, wobei das Thermometergefäß eines Thermometers mit einem befeuchteten Mullstrumpf versehen ist. Durch die Verdunstung des Wassers des Mullstrumpfs kühlt sich das Thermometer ab. Aus der Temperaturdifferenz beider Thermometer lässt sich die Luftfeuchte exakt bestimmen [13].

Gegenwärtig werden zur Bestimmung der Luftfeuchte kapazitative Messfühler aus keramischen Materialien

Agenda – Meteorologische Messungen

9

oder Dünnschichtpolymeren verwendet. Diese liefern ein weitgehend lineares Messsignal. In den letzten 10 bis 20 Jahren erreichten alle Hersteller eine hohe Zuverlässigkeit der Messwerte. Bei niedrigen Tempe- raturen werden die Fühler kurzzeitig beheizt, um Reifablagerung zu vermeiden (insbesondere bei Ra- diosonden eingesetzt).

Das klassische Haarhygrometer wird kaum noch ver- wendet. Weiterhin im Einsatz sind mechanische re- gistrierende Geräte und Innenraummessungen.

Für die Luftfeuchte stehen ebenfalls zwei gut entfer- nungsauflösende aktive Verfahren (DIAL oder DAS- Lidar und Raman-Lidar) sowie das Mikrowellenradi- ometer zur Verfügung. Beim DIAL wird Strahlung bei zwei nahe beieinanderliegenden Wellenlängen ausgesandt, wobei die eine Wellenlänge genau einer Absorptionslinie von Wasserdampf entspricht und die andere dicht daneben liegt. Von der Strahlung, die vom Wasserdampf absorbiert wird, wird weniger zurückgestreut als von der Strahlung bei der benach- barten Wellenlänge. Aus der Differenz kann das Ver- tikalprofil des Wasserdampfs in der Atmosphäre ab- geleitet werden. Die Feuchtebestimmung mit den anderen beiden Verfahren verläuft ähnlich wie die Temperaturbestimmung, wobei bei der Raman- Streuung die Moleküle zuvor zu einer Vibration statt einer Rotation angeregt worden waren.

Die Luftfeuchte wird als relative Feuchte in Prozent (der Sättigung der Luft) angegeben. Da Luft mit zu- nehmender Temperatur mit einer exponentiellen Ab- hängigkeit mehr Wasserdampf aufnehmen kann (Clausius-Clapeyron-Gesetz), sagt die relative Luft- feuchte nichts über den Wassergehalt der Luft aus. Zur Bestimmung verwendet man den Wasserdampf- partialdruck (in hPa) oder die absolute Feuchte (kg/m 3 ) sowie das Mischungsverhältnis. Die Genau- igkeit ist stark von der Temperatur und der Luftfeuch- te selbst abhängig.

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 4:2013-06 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Luftfeuchte

VDI 4210 Blatt 1:1999-06 Fernmessverfahren; Messungen in der Atmosphäre nach dem LIDAR- Prinzip; Messen gasförmiger Luftverunreinigungen mit dem DAS-LIDAR

1.8

Luftdruck

Der Luftdruck wird als notwendige Information bei luftchemischen Messungen zur Bestimmung der tem- peratur- und druckabhängigen Luftdichte benötigt.

Klassische Quecksilberbarometer sind nicht mehr im Einsatz und weitgehend durch piezoelektrische Geber verdrängt. Daneben gibt es weiterhin Anaeroidbaro- meter. Der Luftdruck wird mit einer Genauigkeit von etwa 0,1 hPa in Hektopascal gemessen.

Relevante technische Regel

VDI 3786 Blatt 16:2010-07 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Luftdruck

1.9 Meteorologische Sichtweite

Die Sichtweite ist ein lokales Maß für die Lufttrübung der Atmosphäre und ist zur Trübung umgekehrt pro- portional. Die meteorologische Sichtweite dient dazu, feuchten Dunst (Nebel) und trockenen Dunst (Staub u.Ä.) bewerten zu können. Daneben ist sie für den gesamten Verkehrssektor ausgesprochen relevant. Als Messverfahren kommen neben der klassischen visuel- len Beobachtung auch Messungen der Lichtstreuung infrage. Zum Einsatz kommen heute Transmissometer (Messung über längere Messtrecke, etwa 100 m), Sichtweitenlidare oder Streulichtmessungen am Mess- ort. Der Messbereich liegt zwischen 10 m und 10 km bzw. 70 km.

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 6:2017-05 (Entwurf) Umweltme- teorologie; Meteorologische Messungen; Trübung der bodennahen Atmosphäre; Meteorologische Sichtweite

DIN ISO 28902-1:2012-06 Luftqualität; Umwelt- meteorologie; Teil 1: Bodengebundene Fernmes- sung der Sichtweite mit Lidar

1.10 Mischungsschichthöhe, Inversionen

Die Bestimmung der Lage von Temperaturinversio- nen und die Dicke der bodennahen, gut durchmischten Luftschicht sind für Studien zur Luftqualität sehr wichtig, da sie das Volumen für die Verdünnung emittierter Schadstoffe vorgeben. Temperaturinversi- onen streuen akustische Strahlung recht gut, sodass sie mit einem Sodar erfasst werden können, solange sie im Messbereich dieser Geräte (einige hundert Meter über Grund) liegen. Aus den mit einem RASS gemessenen vertikalen Temperaturprofilen können Inversionen direkt erkannt werden.

Die bodennahe, gut durchmischte Luftschicht enthält typischerweise viel mehr Aerosolteilchen als die dar-

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Agenda – Meteorologische Messungen

überliegende freie Atmosphäre. Daher kann die Dicke dieser Schicht aus einer mit einem Lidar gemessenen erhöhten optischen Rückstreuung an den Aerosolteil- chen abgeleitet werden. Da diese gut durchmischte Schicht auch turbulenter ist als die darüberliegende freie Atmosphäre, kann sie auch aus der mit einem Sodar gemessenen erhöhten akustischen Rückstreu- intensität detektiert werden.

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 11:2015-07 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung des Windvektors und der Vertikalstruktur der Grenzschicht; Dopp- lersodar

VDI 3786 Blatt 18: 2010-05 Umweltmeteorologie; Bodengebundene Fernmessung der Temperatur; Radioakustische Sondierungssysteme (RASS)

VDI 3786 Blatt 19:2016-10 (Entwurf) Umweltme- teorologie; Bodengebundene Fernmessung meteo- rologischer Parameter; Partikelrückstreulidar

1.11 Wolkenuntergrenze

Einfache Rückstreulidare ohne Bestimmung der Dopplergeschwindigkeit nennt man auch Ceilometer, da sie ursprünglich für den Zweck der Bestimmung der Höhe der Wolkenuntergrenze (engl.: ceiling) konstruiert wurden und auch heute noch dafür einge- setzt werden. Die Wolkenuntergrenze liefert ein leicht detektierbares Rückstreusignal, das neben der Lauf- zeitbestimmung keiner weiteren Bearbeitung bedarf. Die Bestimmung der Wolkendicke und -obergrenze ist nur bei nicht optisch dichten (nicht opaken) Wol- ken möglich.

Relevante technische Regel

VDI 3786 Blatt 19:2016-10 (Entwurf) Umweltme- teorologie; Bodengebundene Fernmessung meteo- rologischer Parameter; Partikelrückstreulidar

1.12 Aerosole

Aerosolteilchen streuen sichtbares Licht und die Strahlung benachbarter Wellenlängenbereiche. Zur

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Detektion von diesen Teilchen eignen sich somit alle optischen Fernmessverfahren wie Ceilometer und andere Rückstreulidare (auch Windlidare und Raman- Lidare bieten neben ihrem eigentlichen Zweck hierfür verwertbare Signale). Die Stärke der rückgestreuten Strahlung hängt von mehreren Aerosolteilchenpara- metern wie Anzahl, Form und Oberflächeneigenschaf- ten ab.

Die Form der Teilchen lässt sich näherungsweise ermitteln, indem man mit zwei senkrecht zueinander polarisierten Lichtstrahlen misst und das Depolarisa- tionsverhältnis der rückgestreuten Strahlung auswer- tet.

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 19:2016-10 (Entwurf) Umweltme- teorologie; Bodengebundene Fernmessung meteo- rologischer Parameter; Partikelrückstreulidar

DIN ISO 28902-2:2015-03 (Entwurf) Luftqualität; Umweltmeteorologie; Teil 2: Bodengebundene Fernmessung des Windes mittels gepulstem, mit Überlagerungsempfang arbeitendem Doppler-Lidar (ISO/DIS 28902-2:2015)

1.13 Spurengase

Die entfernungsabhängige Messung von Spurengas- konzentrationen kann ähnlich wie bei der Luftfeuchte mit einem DIAL erfolgen. Dabei werden zwei dicht benachbarte Wellenlängen so gewählt, dass die eine Wellenlänge genau auf einer Absorptionslinie des zu messenden Gases liegt und die andere daneben. DIAL-Geräte werden häufig zur Bestimmung von Vertikalprofilen von Spurengasen eingesetzt. Profil- messungen bis in die untere Stratosphäre sind mög- lich.

Längengemittelte Spurengasmessungen sind für im optischen Bereich aktive Gase mit einem DOAS (dif- ferenzielles optisches Absorptionsspektrometer) bzw. für im Infrarotbereich aktive Gase (das sind unter anderem alle Treibhausgase) mit der FTIR(Fast- Fourier-Infra-Red)-Absorptionsspektrometrie ermit- telbar. Da DOAS und FTIR bistatische Verfahren sind (beim DOAS wird ein Spiegel benötigt, bei der FTIR- Methode muss eine definierte Wärmequelle gegeben sein), werden diese beiden Verfahren in der Regel zur horizontalen Messung in Bodennähe eingesetzt.

Agenda – Meteorologische Messungen

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Relevante technische Regeln

VDI 4210 Blatt 1:1999-06 Fernmessverfahren; Messungen in der Atmosphäre nach dem LIDAR- Prinzip; Messen gasförmiger Luftverunreinigungen mit dem DAS-LIDAR

VDI 4211:2016-09 (Entwurf) Fernmessverfahren; Messungen in der Atmosphäre nach dem Passiv- FTIR-Prinzip; Messen gasförmiger Emissionen und Immissionen

DIN EN 16253:2013-09 Luftqualität; Messungen in der bodennahen Atmosphäre mit der aktiven Differentiellen Optischen Absorptionsspektrosko- pie (DOAS); Immissionsmessungen und Messun- gen von diffusen Emissionen; Deutsche Fassung EN 16253:2013

1.14 Messgeräteträger und Plattformen

Trotz erheblicher Fortschritte bei den indirekten Messverfahren sind Messungen mit Radiosonden weiterhin unverzichtbar. Sie liefern vor allem in der mittleren und oberen Troposphäre (3 km bis 12 km) zuverlässige Daten, die bei der Wettervorhersage, aber auch zur Vorhersage und Analyse von Luft- schadstoffepisoden sowie als Eingangsdaten für Aus- breitungsmodellierungen unverzichtbar sind und durch andere Systeme nicht bereitgestellt werden können. Der größere zeitliche Abstand der Messungen

von 6 bis 12 Stunden ist in diesen Höhen unerheblich. Fortschritte bei der Feuchtemessung im Niveau der Zirruswolken sind gerade für Vorhersagen für die Solarenergienutzung von erheblicher Bedeutung.

Fernmessverfahren können von vielen unterschiedli- chen Plattformen aus eingesetzt werden, insbesondere dann, wenn über GPS und Neigungssensoren der genaue Ort und die genaue Lage des Messgeräts zu jeder Zeit bekannt sind. Hierzu zählen im maritimen Bereich Schiffe und Bojen.

An Land ist die wesentliche Randbedingung, dass die Strahlausbreitung nicht durch Hindernisse jedweder Art eingeschränkt ist. Genauso ist der Einsatz der Messgeräte von Flugobjekten und von Satelliten aus möglich. Aktive Fernmessung vom Satelliten ist le- diglich durch die zur Verfügung stehende Energiever- sorgung auf dem Satelliten limitiert.

Bereits etabliert ist die Nutzung von Messdaten aus Flugzeugen, die insbesondere beim Steig- und Sink- flug von großem Interesse sind.

Relevante technische Regeln

VDI 3786 Blatt 8:2017-02 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Aerologische Mes- sungen

VDI 3786 Blatt 13:2006-08 Umweltmeteorologie; Meteorologische Messungen; Messstation

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Agenda – Meteorologische Messungen

2 Handlungsfelder

2.1

Automatisierung

Basis aller meteorologischen messtechnischen Unter- suchungen im Bereich der Luftreinhaltung ist die Kombination aus visuellen Beobachtungen, Vor- informationen, Einschätzungen, Entwicklung einer Messstrategie und Auswahl für die Fragestellung repräsentativer Messorte/Messstrecken.

Abseits der typischen synoptischen Aufgabenstellung von Wetterdiensten werden in den entsprechenden Richtlinienreihen verstärkt Messmethoden in bebau- ten städtischen und/oder industriellen Strukturen bis hin zu mikroskaligen Straßenschluchtuntersuchungen beschrieben. Dies gilt auch für die Beschreibung des Windfelds und anderer Parameter wie Temperatur, Feuchte und Niederschlag in orografischen Struktu- ren. In Anlehnung an die Methoden zur Fernmessung von meteorologischen Parametern können auch z.B. Aerosolverteilungen erfasst und beschrieben werden.

Rationalisierungsmaßnahmen von Messnetzbetreibern sorgen weltweit für eine zunehmende Automatisie- rung atmosphärischer Messungen. Dieser Trend wird durch die rasante Entwicklung in der Elektronik sowie der Computertechnik und der damit einhergehenden Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Miniaturisie- rung verstärkt. Durch die Automatisierung können große Einsparungen bei Personalkosten realisiert werden, da die Messgeräte ganz oder teilweise ohne Mitwirkung des Menschen bestimmungsgemäß arbei- ten. Es bedarf in vielen Fällen lediglich einer Plausibi- litätskontrolle der Daten sowie einer Funktionskon- trolle aus der Ferne. Die Automatisierung bedarf daher veränderter Anforderungen an die Messtechnik und die Datenübertragung.

Die weitgehende Einstellung visueller Beobachtungen durch die Wetterdienste und ihre Ersetzung durch automatisierte registrierende Messtechniken stellt neue Aufgaben bei Fragen der Reinhaltung der Luft dar. Einerseits sollten visuelle Beobachtungen als einfachste Informationsquelle bei luftchemischen Messungen durchgeführt werden, andererseits müssen die nötigen Informationen, wie Stabilität der atmo- sphärischen Schichtung, Turbulenzzustand oder Aus- breitungsklasse, aus soweit verfügbaren kontinuierli- chen Messungen im akuten Freisetzungsfall ermittelt werden. Alle Verfahren sind für den praktischen Ein- satz geeignet und werden intensiv angewendet, kön- nen aber auch weiter verbessert werden. Wo eine Ersetzung der Messtechnik nicht ohne Weiteres mög- lich ist (wie bei Wolkenbeobachtungen) werden alter- native Messverfahren eingesetzt (z. B. Wolkenkame- ras oder Satellitenbildauswertung).

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2.2 „Smart Sensors” und „Citizen Science”

Seit etwa zehn Jahren sind zunehmend kompakte Messsysteme auf dem Markt, bei denen auf kleinstem Raum Vorrichtungen für Wind-, Temperatur-, Feuch- te-, Niederschlags- und Strahlungsmessungen inklusi- ve Messsignalaufbereitung installiert sind und modu- lar zusammengestellt werden können. Damit werden zwar notwendige Kriterien für Klima- und wetter- dienstliche Messungen bezüglich der gegenseitigen Beeinflussung der Messungen und unterschiedlicher Messhöhen verletzt. Wenn man aber Genauigkeits- einbußen akzeptiert, haben diese kompakten Systeme durchaus Vorteile. Sie können sehr flexibel für kurz- zeitige Messprogramme oder spezielle Anwendungs- zwecke (wie Verkehrswegeüberwachung) eingesetzt werden.

In den letzten Jahren rückt vermehrt die Fragestellung in den Fokus, ob Messnetze nicht auch durch Bürger betrieben werden können. Zwischenzeitlich existiert eine Vielzahl von Infrastrukturen, die sich prinzipiell auch für die Datenerfassung oder Datenweiterleitung eignen würden [14]. Neben den oben schon erwähnten Mobilfunknetzen können dies im öffentlichen Bereich beispielsweise auch Werbetafeln, Infoschilder an Bus- und Straßenbahnhaltestellen oder gar Toilettenhäus- chen in Städten sein. Solche Infrastrukturelemente werden alle elektrisch betrieben und sind an das Inter- net angeschlossen. Wenn man geeignete miniaturisier- te Sensoren entwickelt, die wenig kosten, und diese in größerer Zahl betreibt, so könnte man mit hoher räumlicher und zeitlicher Dichte meteorologische und lufthygienische Informationen sammeln. Auch tech- nikaffine Bürger nehmen zurzeit immer stärker an „Citizen Science“-Netzwerken teil und geben ihre Messdaten der Allgemeinheit frei. Die einzelne Mes- sung wird dabei von einer geringeren Qualität sein als die von den standardisierten Messgeräten in Messnet- zen der Wetterdienste, Umweltbehörden und anderer Ämter. Mit geeigneten Datenverarbeitungsmethoden (Stichwort: „Big Data“) wird man diese Daten aufbe- reiten müssen. Dabei wird die Dichte der Messungen (hohe räumliche Auflösung) die geringere Qualität vermutlich weitgehend wieder wettmachen [15]. Erste Anwendungen dieser Art auf kommerzieller Basis existieren bereits, aber es fehlen noch umfangreiche Forschungen, die die Belastbarkeit solcher „Citizen Science“-Messnetze geprüft und bewertet haben. Solche Vorhaben befinden sich derzeit in der Planung, siehe beispielsweise das vom BMVI finanzierte Pro- jekt „Smart Air Quality Network“ [29].

Agenda – Meteorologische Messungen

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2.3 Niederschlagsverteilung aus Mobilfunknetzdaten ableiten

Mobilfunk basiert auf Mikrowellenstrahlung, die zwischen den Endgeräten und Umsetzern (häufig an Türmen und auf Hochhausdächern) sowie zwischen den Umsetzern vermittelt wird. Die Ausbreitung von Mikrowellen wird durch die Luftfeuchte und vor allem durch Niederschlag behindert [16]. Um die Qualität und Funktionsfähigkeit eines Mobilfunknet- zes zu garantieren, regeln die Netzbetreiber die Inten- sität der Strahlung zwischen den Umsetzern so, dass immer eine konstante Datenqualität zur Verfügung steht. Die abgestrahlte Intensität an den Umsetzern ist somit zur Niederschlagsintensität proportional.

Seit etwa zehn Jahren wird von Forschergruppen in den Niederlanden, Israel, Deutschland und weiteren Ländern untersucht, inwieweit sich aus den Intensi- tätsdaten der an den Umsetzern abgestrahlten Mikro- wellenstrahlung das räumliche Niederschlagsgesche- hen ableiten lässt [17; 18]. Es konnte gezeigt werden, dass in dicht besiedelten Gebieten mit einem dichten Netz von Umsetzern eine zeitliche und räumliche Niederschlagsverteilung abgeleitet werden kann, die mit der eines Niederschlagsradarnetzes vergleichbar ist. Vorteil ist, dass die Daten aus dem Mobilfunknetz für den Niederschlag in Bodennähe repräsentativ sind, während Radardaten in größerer Entfernung der Ra- dargeräte aus größeren Höhen stammen können und daher eventuelle Verdunstung während des Fallens zum Boden nicht berücksichtigt werden kann. Auch in geografisch komplexem Gelände kann die Mobil- funkmethode Vorteile haben, da Mobilfunknetze sich auch in Täler hinein erstrecken, die für die Radar- überwachung durch die davor liegenden Höhenzüge abgeschattet sind.

Damit ergibt sich perspektivisch die Möglichkeit, in Ländern, in denen kein Radarmessnetz besteht, aber ein relativ dichtes Mobilfunknetz vorhanden ist, eine Überwachung des Niederschlagsgeschehens aufzu- bauen. Es braucht hierzu aber vertragliche Abma- chungen mit den Mobilfunknetzbetreibern. Daten- schutzrechtliche Bedenken bestehen nicht, da nur die Intensität der Mikrowellenstrahlung benötigt wird, nicht aber Informationen über die übermittelten Da- ten.

2.4 Standortsuche für Windparks

Die Standortsuche für Windgeneratoren bzw. Wind- parks verlangt Kenntnisse über das Windklima in Rotorhöhe. Hierzu stellte man bisher hauptsächlich bis etwa 100 m hohe Messmasten auf, die in mehreren Höhen mit Schalenkreuzanemometern instrumentiert wurden. Nach einem Messzeitraum, der von einigen

Monaten bis zu einem Jahr andauern kann, wurde durch Korrelationsbetrachtungen mit nahegelegenen Windmessstationen eine Klimareihe für den Standort erstellt. Diese ist dann Grundlage für die Auslegung der Anlage und auch für deren Ertragschancen sowie Finanzierung.

Moderne Windkraftanlagen haben Nabenhöhen von bis zu 150 m und Rotordurchmesser von bis zu 140 m. Damit muss bei der Standortbeurteilung das Windklima bis in 220 m Höhe bekannt sein [19]. Die oben genannten Messmasten eignen sich hier nicht mehr zur Datenerfassung, da der Auf- und Abbau der Masten zu aufwendig und damit zu teuer ist. Daher werden heute überwiegend bodengestützte Fernmess- verfahren zur Windprofilmessung an den vorgesehe- nen Standorten eingesetzt. Wurden anfangs hierfür überwiegend Sodargeräte eingesetzt, verwendet man heute überwiegend Windlidare, da letztere eine höhe- re Datenverfügbarkeit haben und keine Belästigung der Messstellenumgebung durch Lärm verursachen. Mittlerweile lassen auch die meisten Richtlinien für Windkraftanlagen den Einsatz von Fernmessverfahren zu, auch wenn sie nicht wie die Schalenkreuzanemo- meter im Windkanal geeicht werden können [20].

2.5 Messung der Turbulenz

In ökologischen Netzwerken werden bereits seit etwa 20 Jahren Wasserdampf-, Kohlendioxid- und zuneh- mend auch Methanflüsse nach der Eddy-Kovarianz- Methode [7] bestimmt [21]. Dies sind die drei wich- tigsten Treibhausgase. Der Ersatz zweidimensionaler Windmessgeräte durch dreidimensionale auf Ultra- schallbasis könnte gerade auf dem Gebiet der Luft- reinhaltung deutliche Fortschritte bringen, da sich Ausbreitungsklassen weitgehend direkt bestimmen lassen. Dieses Handlungsfeld ist im aktuellen Richtli- nienwerk bereits inhaltlich abgedeckt und müsste lediglich durch den Deutschen Wetterdienst oder andere Messnetzbetreiber implementiert werden.

Die über eine Messstrecke von einigen hundert Me- tern gemittelte Turbulenz in Bodennähe kann mit einem Scintillometer gemessen werden. Hierzu wird ein Licht- oder Mikrowellenstrahl von einem Sender zu einem Empfänger gesendet. Kleinste Brechungsin- dexunterschiede aufgrund mit der Turbulenz fluktuie- render Temperatur und Luftfeuchte führen zu Intensi- tätsschwankungen beim empfangenen Lichtstrahl. Die Stärke dieser Schwankungen ist proportional zu turbu- lenten Flüssen. Die Richtung der turbulenten Flüsse von Temperatur und Feuchte (hin oder weg vom Bo- den) kann nur mit Annahmen bestimmt werden.

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Agenda – Meteorologische Messungen

2.6

Schlussfolgerungen

Die rasche Entwicklung neuer Gerätetechniken, ins- besondere bei den indirekten Messtechniken und den nicht klassischen Verfahren, erfordert eine ständige Anpassung der Richtlinien bzw. die Neuerstellung von Richtlinien. Es ist dabei eine besondere Heraus- forderung, aktuelle Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen, damit Richtlinien verfügbar sind, bevor die neuen Verfahren in großem Umfang eingesetzt wer- den. In Abschnitt 1 werden bereits einige nicht stan- dardisierte Messverfahren bzw. Messparameter adres- siert, deren Standardisierung einen Mehrwert liefern könnte. Diese sind das Mikrowellenradiometer, das Raman-Lidar und das Turbulenzmessverfahren zur Verdunstungsbestimmung (Wasserdampftransport in die Atmosphäre). Die Verdunstung konnte bislang nur aus Rechenverfahren ermittelt werden. Moderne Tur- bulenzmessverfahren ermöglichen nun auch mit ent- sprechender kommerzieller Messtechnik eine direkte Messung, sodass in einer neuen Richtlinie Mess- und Berechnungsverfahren gemeinsam erarbeitet werden können.

Eine rasante Entwicklung hat sich bei unbemannten Flugkörpern (UAV) ergeben. Diese stellen auch eine interessante Messplattform insbesondere bei lokalkli- matischen Untersuchungen oder gegebenenfalls in Störfällen dar. UAV sind leichter handhabbar als bisher eingesetzte Fesselballone. Die Nutzlastbe- schränkung wird durch die Miniaturisierung der Sen- sorsysteme teilweise ausgeglichen. Eine neue Richtli- nie soll speziell die besonderen Anforderungen an die Messwertgeber und den zweckdienlichen Messablauf festlegen, damit diese Verfahren auch ihre entspre- chende Anerkennung erfahren.

Atmosphärische Messtechniken sind trotz ihrer langen Tradition weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Dies betrifft weniger klassische In-

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situ-Technik als vielmehr indirekte Messverfahren und spezielle Korrektur- und Auswerteverfahren. Oft sind diese bereits Bestandteil der Messgerätesoftware und müssen als solche in den Richtlinien zu den Messgeräten bewertet werden.

Datenverarbeitung und moderne Kommunikations- techniken eröffnen neue Möglichkeiten, meteorologi- sche Informationen bereitzustellen. Viele Daten sind im Internet und auf Apps bereits in Realtime verfüg- bar. Die Entwicklung muss dahin gehen, dass von einer Vielzahl von räumlich verteilten Stationen auch für Ausbreitungssituationen relevante Informationen in geeigneter Weise dargestellt werden können.

Tabelle 1 zeigt eine Übersicht über mögliche zukünf- tige Inhalte von VDI-Richtlinien und DIN-Normen zu meteorologischen Messungen.

Tabelle 1. Aus den Handlungsfeldern abgeleite- te mögliche zukünftige Inhalte von VDI-Richt- linien und DIN-Normen zu meteorologischen Messungen

Technische Regel

Titel

VDI 3786 Blatt 2X

Umweltmeteorologie – Bo- dengebundene Fernmessung meteorologischer Größen – Mikrowellenradiometer

VDI 3786 Blatt 2Y

Umweltmeteorologie – Me- teorologische Messungen – Verdunstungsbestimmung

VDI 3786 Blatt 2Z

Umweltmeteorologie – Me- teorologische Messungen – Unbemannte Flugobjekte (UAV)

Agenda – Meteorologische Messungen

15

3 Regelsetzungsstrategie

3.1 VDI als Regelsetzer

Der VDI als Europas größter technisch-wissenschaft- licher Verein ist einer der großen Regelsetzer in Deutschland. Mit mehr als 2.000 gültigen VDI-Richt- linien erhebt er den Anspruch, allgemein anerkannte technische Regeln mit Beurteilungs- und Bewer- tungskriterien und methodischen Grundlagen für nahezu alle Branchen zu schaffen und gibt auch über Ländergrenzen hinweg konkrete Handlungsempfeh- lungen. Das Themenspektrum reicht von Architektur und Abfallwirtschaft über Bautechnik, Bionik und Werkstoffsubstitution bis hin zu Zuverlässigkeit.

In VDI-Richtlinien wird der Stand der Technik lau- fender und zukünftiger Entwicklungen und der Stand der Wissenschaft beschrieben, in der Regel zweispra- chig (deutsch und englisch). Das große VDI- Expertennetzwerk aus Wissenschaft, Industrie und öffentlicher Verwaltung erarbeitet ehrenamtlich und interdisziplinär VDI-Richtlinien. Dabei folgen die einzelnen Ausschüsse dem international gängigen Normungsprozess. Somit ist auch die Grundlage für die Eingabe eines deutschen Standpunkts für die in- ternationale Normung gegeben.

Normen und Richtlinien sind die Sprache der Technik und dienen der Vereinheitlichung von Anforderungen an materielle und immaterielle Güter. Damit schaffen sie Vergleichbarkeit und erleichtern die Marktdurch- dringung, da ein Waren- und Dienstleistungsverkehr im globalen Handelsnetzwerk nur mit gemeinsamen Standards funktioniert.

3.2 VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft

Die VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) ist als Gemeinschaftsgremium von VDI und DIN für die Erstellung von technischen Regeln wie VDI-Richtlinien, DIN-Normen, DIN-EN-Normen und DIN-ISO-Normen zum Thema „Luftreinhaltung“ zuständig. In der KRdL werden alle technischen und naturwissenschaftlichen Bereiche der Luftreinhaltung einschließlich angrenzender Gebiete in den vier Fach- bereichen Umweltschutztechnik, Umweltmeteorolo- gie, Umweltqualität sowie Umweltmesstechnik bear- beitet.

Das Wissenskompendium der KRdL umfasst heute etwa 450 VDI-Richtlinien und 150 DIN-Normen, die Antworten auf nahezu alle Fragen der Luftreinhaltung geben. Rund 1.300 ehrenamtliche Mitarbeiter stehen in einem engen, intensiven Kontakt. Wichtige Reprä-

sentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwal- tung sind in der KRdL vertreten und sichern in inter- disziplinärer Arbeitsweise den systematischen Er- kenntnisgewinn zum Thema „Luftreinhaltung“.

Die KRdL unterstützt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bei der Durchführung der Aufgaben auf dem Gebiet der Luftreinhaltung im Sinne von § 1 des Bundes-Immis- sionsschutzgesetzes. Im staatsentlastenden Auftrag stellt die KRdL den Stand von Wissenschaft und Technik in freiwilliger Selbstverantwortung und ge- meinsam mit allen Beteiligten (Behörden, Wissen- schaft und Industrie) fest und setzt ihn in Richtlinien und technische Normen um. Diese fließen in die Ge- setzgebung und die Tätigkeit der Exekutive ein und werden als Normenentwürfe in die europäische und die internationale Normungsarbeit eingebracht.

3.3 VDI-Ausschüsse zu meteorologischen Messungen und nationale Regelsetzung

Auch wenn grundsätzliche Festlegungen für meteoro- logische Messungen im WMO-Guide No. 8 für alle Staaten der Erde gelten müssen und damit sehr allge- mein gehalten sind, erübrigte sich dadurch eine wei- tergehende nationale Standardisierungsarbeit nicht. So können z. B. nationale Besonderheiten und spezifische Anforderungen für Fragen der Reinhaltung der Luft besser und mit erhöhten Genauigkeitsforderungen umgesetzt werden.

National ist die technische Regelsetzung zu meteoro- logischen Messungen im Fachbereich Umweltmeteo- rologie der VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft angesiedelt. Der Deutsche Wetterdienst ist an der hiesigen Regelsetzung personell beteiligt.

Die Planungen zur Erarbeitung von VDI-Richtlinien zu meteorologischen Messungen wurden im Jahr 1975 gestartet, um sowohl den Anforderungen der meteoro- logischen Messungen der Luftmessnetze der Bundes- länder und anderer Institutionen als auch den Richtli- nien zur Ausbreitungsrechnung Messungen zur Seite zu stellen [22]. Bereits 1976 bestand das Arbeitspro- gramm aus acht Blättern und es wurde festgelegt, dass eine Richtlinienreihe notwendig ist, die mit einem Blatt 1 zu den Grundlagen meteorologischer Messun- gen eine notwendige Übersicht erhält. Die so in den 1970er- und 1980er-Jahren entstandenen Richtlinien waren teilweise auf sehr spezielle Messwertgeber ausgerichtet und waren noch geprägt von einer analo- gen Datenerfassung und Auswertung.

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16

Agenda – Meteorologische Messungen

16 Agenda – Meteorologische Messungen Bild 1. Gremienstruktur der technischen Regelsetzung zu meteorologischen

Bild 1. Gremienstruktur der technischen Regelsetzung zu meteorologischen Messungen in Deutschland

Da meteorologische Fernmessverfahren in den 1980er-Jahren zunehmend auch im Rahmen der Vor- sorgeplanung und Überwachung der Luftqualität eingesetzt wurden, entstand hierdurch ein Bedarf nach VDI-Richtlinien in diesem Themenfeld [23]. Als erste VDI-Richtlinie zu meteorologischen Fernmessverfah- ren erschien die Richtlinie VDI 3786 Blatt 11 „Dopp- lersodar“. Aus dem kombinierten Einsatz dieser Me- thode zunächst für Fragen der Ausbreitung von radio- aktiven Stoffen im Rahmen des Kernreaktorfernüber- wachungssystems Niedersachsen ergaben sich parallel Einsätze zu Fragen des Ferntransports von Luftschad- stoffen (Wintersmog) und der verbesserten Beschrei- bung des Windfelds bei der Hügelumströmung. Der anschließende Einsatz von Ultraschallanemometern war ein weiterer bis heute wichtiger Schritt zur besse- ren Beschreibung des Turbulenzzustands der boden- nahen Atmosphäre. Nach erfolgreicher Richtlinien- arbeit zum Thema „Sodar“ wurde ab 1997 auch das Thema „Lidar“ [24 bis 26] und schließlich ab 2009 auch das Thema „Wetterradar“ [27] gestartet.

Eine grundsätzliche Überarbeitung aller bis dahin erstellten Richtlinien begann Anfang der 2000er- Jahre. Die überarbeiteten Richtlinien trugen der ra- schen Entwicklung der digitalen Datenverarbeitung und der Sensortechnik Rechnung und konzentrierten sich nicht mehr auf Einzelgeräte, sondern auf einzu- haltende Messparameter, unabhängig vom jeweiligen Gerät. Technisch überholte Messverfahren, wie die Lithiumchlorid-Feuchtemessung, verschwanden völ- lig aus den Richtlinien und wurden durch modernere und weniger aufwendige Verfahren ersetzt. Insbeson- dere der Bereich der Qualitätssicherung und -kontrolle wurde umfassend weiterentwickelt.

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Bei Interesse an einer Mitarbeit zum Thema „mete- orologische Messungen“ melden Sie sich bitte direkt bei der Geschäftsstelle der VDI/DIN- Kommission Reinhaltung der Luft (vdi.de/krdl).

3.4 Internationale Regelsetzung

Der Bedeutung des atmosphärischen Geschehens für praktisch alle Lebensbereiche entsprechend gibt es heute in fast allen Staaten der Welt meteorologische Dienste. Das diesen Staaten gemeinsame Interesse am Wettergeschehen führte im Jahr 1950 zur Gründung der Weltorganisation für Meteorologie (World Meteo- rological Organization – WMO), die über nationale Grenzen hinweg meteorologische Belange koordi- niert. Die WMO gründete eine Kommission für In- strumente und Beobachtungsmethoden (Commission for Instruments and Methods of Observation – CIMO), deren Aufgabe es ist, die internationale Harmonisie- rung und Kompatibilität meteorologischer Messungen zu fördern. Hierzu wurde der WMO-Guide No. 8 [28] veröffentlicht, der regelmäßig überarbeitet wird.

Auch die Internationale Organisation für Normung (International Organization for Standardization, ISO) standardisiert meteorologische Messverfahren. Im Oktober 1993 beschloss das ISO/TC 146 „Air quali- ty” die Gründung des Unterkommittees ISO/TC 146/ SC 5 „Meteorology”, das sich im Dezember 1994 konstituierte und sich seither mit der Standardisierung von meteorologischen Messungen befasst. Bei der Bearbeitung der ISO-Normen ab 1994 hatte der VDI mit den bereits existierenden Blättern der Richtlinien- reihe VDI 3786 eine anerkannte Position beim Ent- wurf der Normen.

Agenda – Meteorologische Messungen

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Seit Anfang 2014 hält die VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft das Sekretariat zur Standardisie- rung meteorologischer Messungen bei der Internatio- nalen Organisation für Normung (ISO). Die KRdL engagiert sich seit der Übernahme des Sekretariats gemeinsam mit dem neuen Vorsitz aus den USA um eine thematische Neuausrichtung. Der Erfolg der Schwerpunktsetzung auf meteorologische Fernmess- verfahren zeigt sich nicht nur in der steigenden An- zahl der Mitgliedsstaaten (im Jahr 2017 beteiligen sich 18 Nationen an der Standardisierungsarbeit), sondern auch im Wunsch der WMO nach einer enge-

ren Zusammenarbeit. Sämtliche aktuellen Normvor- haben werden ausnahmslos als gemeinsame Projekte von ISO und WMO bearbeitet und veröffentlicht. Der Fachbereich II Umweltmeteorologie der KRdL beab- sichtigt, durch diesen direkten Zugang zur internatio- nalen Normung Themen mit weltweiter Bedeutung auch verstärkt international umzusetzen. Zahlreiche Experten aus Deutschland unterstützen die fachliche Arbeit in den Arbeitsgruppen zu den verschiedenen Bereichen. Das nationale Spiegelgremium des ISO/ TC 146/SC 5 ist der Fachbeirat des Fachbereichs II Umweltmeteorologie.

4 Inhalte der technischen Regelsetzung

Eine Übersicht aller bisher veröffentlichten bzw. in Vorbereitung befindlichen technischen Regeln zum Thema „meteorologische Messungen“ mit Stand Juli 2017 ist nachfolgend dargestellt. Alle technischen Regeln sind im VDI/DIN-Handbuch Reinhaltung der

Luft Band 1b „Umweltmeteorologie” (siehe Tabel- le 2) bzw. Band 5 „Umweltmesstechnik” (Tabelle 3) veröffentlicht und werden alle fünf Jahre auf Aktuali- tät geprüft und ggf. aktualisiert.

Tabelle 2. Aktuelle Inhalte von VDI-Richtlinien und DIN-Normen zu meteorologischen Messungen im VDI/DIN-Handbuch Reinhaltung der Luft 1b „Umweltmeteorologie”

Technische Regel

Titel

Veröffentlichungsdatum

VDI 3786 Blatt 1

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Grundlagen

2013-08

VDI 3786 Blatt 1.1

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Grundlagen – Fernmessverfahren

In Vorbereitung

VDI 3786 Blatt 2

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Wind

2016-11 (Entwurf)

VDI 3786 Blatt 3

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Lufttemperatur

2012-10

VDI 3786 Blatt 4

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Luftfeuchte

2013-06

VDI 3786 Blatt 5

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Strahlung

2015-10

VDI 3786 Blatt 6

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Trübung der bodennahen Atmosphäre – Meteorologische Sichtweite

2017-05 (Entwurf)

VDI 3786 Blatt 7

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Niederschlag

2010-12

VDI 3786 Blatt 8

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Ae- rologische Messungen

2017-02

VDI 3786 Blatt 9

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Vi- suelle Wetterbeobachtungen

2007-10

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18

Agenda – Meteorologische Messungen

Tabelle 2. Aktuelle Inhalte von VDI-Richtlinien und DIN-Normen zu meteorologischen Messungen im VDI/DIN-Handbuch Reinhaltung der Luft 1b „Umweltmeteorologie” (Fortsetzung)

Technische Regel

Titel

Veröffentlichungsdatum

VDI 3786 Blatt 11

Umweltmeteorologie – Bodengebundene Fernmessung des Windvektors und der Vertikalstruktur der Grenzschicht – Dopplersodar

2015-07

VDI 3786 Blatt 12

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Turbulenzmessung mit Ultraschall-Anemometern

2017-08 (Entwurf)

VDI 3786 Blatt 13

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Messstation

2006-08

VDI 3786 Blatt 16

Umweltmeteorologie – Meteorologische Messungen – Luftdruck

2010-07

VDI 3786 Blatt 17

Umweltmeteorologie – Bodengebundene Fernmessung des Windvektors – Wind-Profil-Radar

2007-02

VDI 3786 Blatt 18

Umweltmeteorologie – Bodengebundene Fernmessung der Temperatur – Radioakustische Sondierungssysteme (RASS)

2010-05

VDI 3786 Blatt 19

Umweltmeteorologie – Bodengebundene Fernmessung meteorologischer Parameter – Partikelrückstreulidar

2016-10 (Entwurf)

VDI 3786 Blatt 20

Umweltmeteorologie – Bodengebundene Fernmessung des Niederschlags – Wetterradar

2014-09

Tabelle 3. Aktuelle Inhalte von VDI-Richtlinien zu meteorologischen Messungen im VDI/DIN-Handbuch Reinhaltung der Luft 5 „Umweltmesstechnik”

Technische Regel

Titel

Veröffentlichungsdatum

VDI 4210

Fernmessverfahren – Messungen in der Atmosphäre nach dem LIDAR-Prinzip – Messen gasförmiger Luftver- unreinigungen mit dem DAS-LIDAR

1999-06

VDI 4211

Fernmessverfahren – Messungen in der Atmosphäre nach dem Passiv-FTIR-Prinzip – Messen gasförmiger Emissionen und Immissionen

2016-09 (Entwurf)

www.vdi.de

Agenda – Meteorologische Messungen

19

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Der VDI

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http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/

mfund/smart-air-quality-network-smartaqnet.html?nn

=326002 (zuletzt abgerufen am 13.06.2017)

Die Faszination für Technik treibt uns voran: Seit 160 Jahren gibt der VDI Verein Deutscher Ingenieure wichtige Impulse für neue Technologien und technische Lösungen für mehr Lebensqualität, eine bessere Umwelt und mehr Wohlstand. Mit rund 155.000 persönlichen Mitgliedern ist der VDI der größte technisch-wissenschaftliche Verein Deutschlands. Als Sprecher der Ingenieure und der Technik gestalten wir die Zukunft aktiv mit. Mehr als 12.000 ehrenamtliche Experten bearbeiten jedes Jahr neueste Erkenntnisse zur Förderung unseres Technikstandorts. Als drittgrößter technischer Regelsetzer ist der VDI Partner für die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft.

www.vdi.de

VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss Dipl.-Ing. Simon Jäckel Tel. +49 211 6214-535 jaeckel@vdi.de www.vdi.de

VDI-Agenda Meteorologische Messungen Juli 2017 ISBN 978-3-931384-87-6