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Bauverfahren beim

Straßenbau auf wenig


tragfähigem Untergrund -
Bodenersatzverfahren

Berichte der
Bundesanstalt für Straßenwesen
Straßenbau Heft S 35
Bauverfahren beim
Straßenbau auf wenig
tragfähigem Untergrund -
Bodenersatzverfahren

von

Thomas Grundhoff
Matthias Kahl

Grundbauingenieure Steinfeld und Partner GbR


Hamburg

Berichte der
Bundesanstalt für Straßenwesen
Straßenbau Heft S 35
Die Bundesanstalt für Straßenwesen
veröffentlicht ihre Arbeits- und Forschungs-
ergebnisse in der Schriftenreihe Berichte der
Bundesanstalt für Straßenwesen. Die Reihe
besteht aus folgenden Unterreihen:
A - Allgemeines
B - Brücken- und Ingenieurbau
F - Fahrzeugtechnik
M- Mensch und Sicherheit
S - Straßenbau
V - Verkehrstechnik
Es wird darauf hingewiesen, dass die unter
dem Namen der Verfasser veröffentlichten
Berichte nicht in jedem Fall die Ansicht des
Herausgebers wiedergeben.
Nachdruck und photomechanische Wieder-
gabe, auch auszugsweise, nur mit Genehmi-
gung der Bundesanstalt für Straßenwesen,
Referat Öffentlichkeitsarbeit.
Die Hefte der Schriftenreihe Berichte der
Bundesanstalt für Straßenwesen können
direkt beim Wirtschaftsverlag NW,
Verlag für neue Wissenschaft GmbH,
Bgm.-Smidt-Str. 74-76,
D-27568 Bremerhaven,
Telefon (04 71) 9 45 44 - 0, bezogen werden.
Über die Forschungsergebnisse und ihre
Veröffentlichungen wird in Kurzform im
Informationsdienst BASt-Info berichtet.
Dieser Dienst wird kostenlos abgegeben;
Interessenten wenden sich bitte an die
Bundesanstalt für Straßenwesen, Referat
Öffentlichkeitsarbeit.

Impressum

Bericht zum Forschungsprojekt 89.049/1997:


Bauverfahren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem
Untergrund - Teil A2: Bodenersatzverfahren
Projektbetreuung
Carsten Koch
Roderich Hillmann
Herausgeber
Bundesanstalt für Straßenwesen
Brüderstraße 53, D-51427 Bergisch Gladbach
Telefon: (0 22 04) 43 - 0
Telefax: (0 22 04) 43 - 674
Redaktion
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Druck und Verlag
Wirtschaftsverlag NW
Verlag für neue Wissenschaft GmbH
Postfach 10 11 10, D-27511 Bremerhaven
Telefon: (04 71) 9 45 44 - 0
Telefax: (04 71) 9 45 44 77
Email: vertrieb@nw-verlag.de
Internet: www.nw-verlag.de
ISSN 0943-9323
ISBN 3-86509-164-4
Bergisch Gladbach, September 2004
3

Kurzfassung – Abstract

Bauverfahren beim Straßenbau auf wenig trag- Neben der Setzungsverminderung führt der Teilbo-
fähigem Untergrund – Bodenersatzverfahren denaustausch jedoch insbesondere bei geringen
Dammkörperhöhen, ggf. in Verbindung mit der Ver-
Der vorliegende Bericht über Bodenersatzverfah-
wendung von Geotextilien, auch zu einer Vergleich-
ren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Unter-
mäßigung der Setzungen bzw. Verringerung von
grund vervollständigt eine dreiteilige Untersuchung
Setzungsdifferenzen.
zu dieser Thematik. Die Teile „Konsolidationsver-
fahren“ und „Aufgeständerte Gründungspolster“ Eine Serie von durchgeführten Setzungsberech-
wurden bereits als Hefte S 24 und S 26 in der nungen zeigt, dass ein Teilbodenaustausch nicht
Schriftenreihe der Bundesanstalt für Straßenwe- immer notwendigerweise eine Verminderung der
sen, Unterreihe Straßenbau, veröffentlicht. resultierenden Setzungen zur Folge hat. Aufgrund
der Wichteerhöhung im Austauschbereich können
Bodenersatzverfahren lassen sich unterscheiden in bei zu geringen Austauschtiefen größere Setzun-
Bodenaustauschverfahren und Bodenverdrän- gen eintreten als ohne Bodenaustausch. Bei
gungsverfahren. Bei den Bodenaustauschverfah- ungünstigen Bodenverhältnissen muss der Verhält-
ren sind die Teilleistungen Aushub der Weich- niswert zwischen der in den Untergrund eingeleite-
schichten und Einbau des Ersatzmaterials zu er- ten Zusatzlast aus der Damm- sowie der Ersatz-
bringen. Hiermit ist ein relativ aufwändiger Einsatz körperschüttung und der Mächtigkeit der im Unter-
von Maschinen und Personal verbunden, dem je- grund verbleibenden Weichschicht einen ungüns-
doch der Vorteil einer genaueren Steuerung der tigsten Betrag überschreiten, damit die Setzungen
Qualität des Ersatzkörpers und im Zusammenhang mit zunehmender Austauschtiefe abnehmen. Der
mit Sicherungsmaßnahmen in Form eines Verbau- wichtigste Anwendungsbereich eines Teilboden-
es die Anpassungsfähigkeit an besondere Randbe- austausches besteht darin, lediglich eine beson-
dingungen (z. B. benachbarte bestehende Bauwer- ders weiche oberflächennahe Bodenschicht aus-
ke) gegenübersteht. Hingegen erfordern die Bo- zutauschen und die in der Natur vorgegebene In-
denverdrängungsverfahren einen wesentlich weni- homogenität der Bodenschichtung mit der Folge
ger aufwändigen Maschinen- und Personaleinsatz, von ungleichmäßigen Setzungen auf kurzen Dis-
da hierbei i. W. lediglich die Teilleistung Einbau zu tanzen deutlich zu vermindern.
erbringen ist. Dies drückt sich auch in den resultie-
renden Kosten aus; im Vergleich zu den klassi- Der Originalbericht enthält als Anlagen 19 grafische
schen Austauschverfahren sind die Kosten der Ver- Darstellungen der Ergebnisse der Standsicher-
drängungsverfahren bei gleicher Ersatzkörperku- heitsberechnungen. Auf die Wiedergabe dieser An-
batur geringer. Nachteilig bei der Bodenverdrän- lagen wurde in der vorliegenden Veröffentlichung
gung ist jedoch, dass eine ausreichende Qualität verzichtet. Sie liegen bei der Bundesanstalt für
des Ersatzkörpers, auch bei Einsatz entsprechen- Straßenwesen vor und sind dort einsehbar. Verwei-
der Hilfsmittel (z. B. Sprengung), wesentlich se auf die Anlagen im Berichtstext wurden beibe-
schwieriger und weniger zuverlässig zu erreichen halten.
ist als bei den Bodenaustauschverfahren.

Durchgeführte Standsicherheits- und Verfor- Techniques of constructing roads on subsoils


with a low load-bearing capacity – soil replace-
mungsberechnungen an Fallbeispielen zeigen,
ment methods
dass eine Vielfalt an Alternativen und Variationen
innerhalb der Gruppe der Bodenaustauschverfah- This report on soil replacement methods as part of
ren vorhanden ist, um einen beliebigen Straßen- road construction on subsoils with a low load-
damm auf wenig tragfähigem Untergrund standsi- bearing capacity is the last of a three-part investi-
cher und verformungsarm zu gründen. Bei einem gation of this topic. The parts titled "Consolidation
Teilbodenaustausch sind unter ungünstigen Bau- methods" and "Elevated foundation padding" were
grundverhältnissen mit tief reichenden Weich- published previously as issues S 24 and S 26
schichten nennenswerte Restsetzungen nach Fer- forming part of the Federal Highway Research
tigstellung eines Straßendammes hinzunehmen. Institute's sub-series on road construction.
4

Soil replacement methods can involve either soil change involves a mere substitution of extremely
interchange or soil displacement. Soil interchange soft soil layers close to the surface to achieve a
involves partial measures comprising excavation of notable reduction in the natural unevenness of the
soft layers and installation of substitute material. soil layers and correspondingly reduce unevenness
Although this proves relatively elaborate in terms of in subsidence over short distances.
equipment and manpower, it is advantageous by
The appendix to the original report contains 19
allowing, firstly, more accurate control of the
graphic representations of stability calculation
substitute material's quality and, secondly,
results. This appendix has not been included in this
adaptation to special boundary conditions through
publication, but is available for viewing at the
shoring (for example, in the case of neighbouring,
Federal Highway Research Institute. References to
existent structures). By contrast, soil displacement
the appendix in the report text have been retained.
methods entail notably less equipment and staff,
installation usually being the only partial measure
required here. This is also demonstrated by the
resulting costs: The costs of soil displacement are
lower than those of classical soil interchange, given
the same volume of soil substitute. However, one
disadvantage of soil displacement is a notably
more difficult and less reliable achievement of
adequate soil substitute quality compared with the
soil interchange method, even if appropriate aids
are used (for example, blasting).

Stability and deformation calculations on samples


have revealed an existence of numerous
alternatives and variants within the group of soil
interchange techniques permitting a stable, low-
deformation installation of any required type of
road embankment on subsoil with a low load-
bearing capacity. In the case of partial soil
interchange under unfavourable subsoil conditions
involving extensive soft layers, notable residual
subsidence is to be expected after completion of
the road embankment. Normally, however, partial
soil interchange not only reduces overall
subsidence, but also makes it more homogeneous,
i.e. results in smaller subsidence differences
– especially in the case of low embankments –
aided with the use of geo-textiles in certain cases.

A series of subsidence calculations has shown that


partial soil interchange does not necessarily
reduce subsidence. In the case of excessively
small substitution depths, increases in specific
gravity in the substitution zones can result in
greater subsidence than if no interchange is
performed. Under unfavourable soil conditions, the
ratio between the additional load exerted on the
subsoil by the deposited embankment and
substitute and the thickness of the soft layer
remaining in the subsoil needs to stay above a
minimum threshold to ensure that subsidence
decreases as the replacement depth increases.
The most important variant of partial soil inter-
5

Inhalt 4.5.5 Bodenaustausch mit Rüttelkästen


und Rüttelrohren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
4.5.6 Bodenaustausch mit dem
Vorschubgerät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
4.6 Bodenverdrängungsverfahren . . . . . . . . 48
2 Problematik beim Straßenbau auf 4.6.1 Verdrängung durch Auflast . . . . . . . . . . . 48
wenig tragfähigem Untergrund . . . . . . 8 4.6.2 Verdrängung durch Sprengung . . . . . . . 50
2.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 4.6.3 Verdrängung durch Eintreiben
2.2 Wenig tragfähige Böden . . . . . . . . . . . . . 9 von Steinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
2.3 Abgrenzung der Bauverfahren . . . . . . . . 11
5 Maßnahmen beim Ausbau
2.4 Geotechnische Mechanismen . . . . . . . . 12
bestehender Straßen sowie bei
benachbarten, anschließenden
3 Baugrunderkundung . . . . . . . . . . . . . . 13
und kreuzenden Bauwerken . . . . . . . . 54
3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
5.1 Maßnahmen beim Ausbau
3.2 Aufschlussmethoden bei der bestehender Straßen . . . . . . . . . . . . . . . 54
Bodenerkundung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 5.1.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
3.3 Aufschluss der Grundwasser- 5.1.2 Verbreiterung mit Neuaufbau des
verhältnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 vorhandenen Straßenkörpers . . . . . . . . . 55
3.4 Labor- und Feldversuche . . . . . . . . . . . . 19 5.1.3 Verbreiterung unter Einbeziehung
3.5 Geotechnische Messungen . . . . . . . . . . 20 des vorhandenen Straßenkörpers . . . . . 55
5.2 Maßnahmen bei benachbarten
4 Bodenersatzverfahren . . . . . . . . . . . . . 21 Bauwerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
4.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 5.2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
4.2 Methodik des Erdbaus . . . . . . . . . . . . . . 22 5.2.2 Flachgründungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
4.2.1 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 5.2.3 Tiefgründungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
4.2.2 Systemtechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 5.3 Maßnahmen bei anschließenden
4.2.3 Handlungssystem Massenum- und kreuzenden Bauwerken . . . . . . . . . . 61
lagerung bei den Bodenersatz- 5.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
5.3.2 Anschließende Brückenbau-
4.3 Konstruktionsprinzipien . . . . . . . . . . . . . 26 werke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
4.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 5.3.3 Kreuzende überschüttete
4.3.2 Verfahren ohne Vorprofilierung Bauwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
(Bodenverdrängung) . . . . . . . . . . . . . . . . 28
4.3.3 Verfahren mit Vorprofilierung 6 Kosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
(Bodenaustausch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 6.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
4.4 Ersatzmaterialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 6.2 Kosteneinflüsse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
4.4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 6.2.1 Ökonomische Grundlagen . . . . . . . . . . . 63
4.4.2 Primärbaustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
6.2.2 Kosteneinflussfaktoren . . . . . . . . . . . . . . 65
4.4.3 Sekundärbaustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
6.3 Qualitative Kostenstruktur . . . . . . . . . . . 66
4.4.4 Leichtbaustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
6.4 Wirtschaftlicher Verfahrens-
4.5 Bodenaustauschverfahren . . . . . . . . . . . 39
vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
4.5.1 Vorbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
6.5 Kostenspannen für Boden-
4.5.2 Austausch in trockener ersatzverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
Baugrube . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.5.3 Austausch mit Unterwasser-
baggerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 7 Spannungen und Verformungen . . . . . 70
4.5.4 Austausch im Nassbagger- 7.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 7.2 Spannungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
6

7.3 Materialeigenschaften von 9.4 Standsicherheit der Aushubbau-


„Weichböden“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 gruben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
7.4 Erforderliche Standsicherheits- 9.5 Zeit-Setzungsverläufe beim
und Verformungsnachweise . . . . . . . . . . 72 Teilbodenaustausch . . . . . . . . . . . . . . . . 94
7.5 Methoden zur Berechnung der
Verformung des Untergrundes . . . . . . . . 72 10 Einfluss der Randbedingungen
7.5.1 Setzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 auf die Wahl des Bodenersatz-
7.5.2 Horizontalverformungen . . . . . . . . . . . . . 75 verfahrens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
7.6 Methoden zur Berechnung der
Standsicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 11 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . 98
7.6.1 Deterministische Verfahren . . . . . . . . . . . 76
7.6.2 Finite-Elemente-Methode (FEM) . . . . . . 77 12 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
7.6.3 Probabilistische Verfahren . . . . . . . . . . . 77
7.6.4 Empirische Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . 77
7.7 Einwirkungen auf Nachbar-
bauwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
7.7.1 Seitendruck auf Bauteile . . . . . . . . . . . . 78
7.7.2 Negative Mantelreibung . . . . . . . . . . . . . 78

8 Beispiel einer durchgeführten


Baumaßnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
8.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
8.2 Bundesstraße B 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
8.2.1 Bauaufgabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
8.2.2 Geologische Randbedingungen . . . . . . . 79
8.2.3 Baumaßnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
8.2.4 Rechnerische Nachweise . . . . . . . . . . . . 83
8.2.5 Setzungsmessungen . . . . . . . . . . . . . . . 84
8.2.6 Baukosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
8.2.7 Deichkreuzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87

9 Fallbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
9.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
9.2 Fallbeispiel mit Standsicherheits-
und Setzungsberechnungen . . . . . . . . . 88
9.2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
9.2.2 System . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
9.2.3 Erdbaustatik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
9.2.4 Bewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
9.3 Fallbeispiele mit Setzungs-
berechnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
9.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
9.3.2 Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
9.3.3 Setzungsberechnungen . . . . . . . . . . . . . 92
9.3.4 Berechnungsergebnisse
(Gesamtsetzungen) und
Beurteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
7

1 Einleitung Für die hier behandelte Thematik, den Straßenbau


auf wenig tragfähigem Untergrund, lautet die Bau-
In vielen Gebieten Deutschlands – im Bereich von aufgabe unter Berücksichtigung der v. g. Aspekte,
Moor-, Binnensee-, Fluss- und in den Küstengebie- die aus dem Erdbauwerk „Straßendamm“ zusätz-
ten – stehen oberflächennah natürliche, wenig lich auf den Untergrund einwirkenden Lasten in
tragfähige Böden flächenverbreitet und oftmals in den tragfähigen Untergrund zu übertragen. Von der
großer Mächtigkeit im Untergrund an. Daneben technische Seite steht hierzu eine Vielzahl von
existieren unzählige, verhältnismäßig kleine Areale praktisch erprobten Bauverfahren zur Verfügung,
mit wenig tragfähigen Böden. Die sich im Laufe der die sich danach, wie der wenig tragfähige Boden
Jahrhunderte gebildeten Siedlungsstrukturen zwin- am Lastabtrag beteiligt ist, unterscheiden in Kon-
gen im Zuge von Infrastrukturmaßnahmen insbe- solidationsverfahren, Bodenersatzverfahren und
sondere beim Neu- und Ausbau von Straßenver- Verfahren mit aufgeständerten Gründungspolstern.
kehrswegen dazu, auch solche Gebiete als Bau- Der Begriff Bauverfahren erfasst demnach im hier
grund zu nutzen. benutzten Sinn sowohl den Bauprozess als auch
die Konstruktionsart des Erdbauwerkes. Vom wirt-
Trotz der in der Vergangenheit gesammelten um- schaftlichen Standpunkt betrachtet unterscheiden
fangreichen Erfahrungen bei der Gründung von sich die einzelnen Verfahren nicht nur im zu betrei-
Erdbauwerken auf derartigem Baugrund sind Pla- benden Bauaufwand und den damit verbundenen
ner und Konstrukteure bei der Realisierung von Baukosten, sondern in der Folge auch in dem zur
Straßenbauwerken – Straßendämme, Anschlüsse Erhaltung einer minimalen Gebrauchssicherheit
an Brücken- und Tunnelbauwerke, Kreuzungsbau- und -fähigkeit notwendigen Erhaltungs- bzw. Un-
werke usw. – aufgrund der besonderen Bodenei- terhaltungsaufwand.
genschaften immer wieder aufgefordert, individuel-
Weitere Einfluss nehmende Faktoren können öko-
le Lösungen zu entwickeln. Im Hinblick auf die
logischer, soziologischer oder auch politischer
Boden-Bauwerksinteraktion sind eine geringe
Natur sein. Erst eine vergleichende Nutzwert- oder
Scherfestigkeit und eine große Verformbarkeit als
Kosten-Nutzenanalyse vermag die Wertigkeit einer
wesentliche Merkmale wenig tragfähiger Böden zu
Lösung bzw. eines Bauverfahrens unter Beachtung
nennen. Bei unmittelbarer Belastung eines aus
aller genannten Einflussfaktoren für jeden Einzelfall
wenig tragfähigen Böden gebildeten Untergrundes,
zu quantifizieren. Basis derartiger Analysen sind
z. B. durch Aufschüttung eines Dammes, ist ohne
immer Informationen in Form von Erfahrungen mit
weitere Maßnahmen mit großen Verformungen
der technischen Realisierung einzelner Bauverfah-
(Setzungen, Grundbruch etc.) an den Erdbauwer-
ren sowie deren wirtschaftlicher Randbedingun-
ken zu rechnen. Je nach Art und Ursache treten die
gen.
Verformungen über einen mehr oder weniger lan-
gen Zeitraum verteilt auf. Das Ziel der vorliegenden Abhandlung ist in diesem
Kontext zu suchen. Im Nachfolgenden werden In-
Das Qualitätsmanagement für ein Bauwerk um- formationen zum Einsatz von Bodenersatzverfah-
fasst die Phasen der Planung, der Bauausführung ren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Unter-
und der Nutzung. Zunächst ist im Rahmen des grund zusammengestellt, um diesbezüglich einen
Qualitätsmanagements die für die jeweilige Bau- Überblick auf den Stand der Technik zu geben.
aufgabe zeitlich, wirtschaftlich und technisch opti- Hierzu erfolgte zunächst eine allgemeine Erläute-
male Lösung unter Berücksichtigung aller Randbe- rung der Problematik beim Straßenbau auf wenig
dingungen von den beteiligten Planern zu finden tragfähigem Untergrund sowie eine Zusammen-
und umzusetzen. Darüber hinaus ist die Nutzung stellung der als Eingangsgrößen des Prozesses der
des fertig gestellten Bauwerks mit einem festgeleg- Lösungsentwicklung für ein Bauvorhaben notwen-
ten, nicht zu überschreitenden Erhaltungssauf- digen Baugrunderkundungen und Bodenuntersu-
wand über eine bestimmte Zeitdauer auf bzw. über chungen. Im Anschluss folgen die Dokumentatio-
einem minimal notwendigen Qualitätsniveau si- nen von der Anwendung von Bodenersatzverfah-
cherzustellen. Um diese komplexe Aufgabe bewäl- ren beim Neubau und beim Ausbau von Straßen
tigen zu können, müssen problem- und lösungso- sowie von Maßnahmen bei benachbarten, an-
rientierte Informationen vorhanden sein, um in schließenden und kreuzenden Bauwerken. Der
einer Konzeptanalyse zur optimalen Lösung für Schwerpunkt dieser Dokumentationen liegt dabei
diese Bauaufgabe zu gelangen. auf den verfahrenstechnischen Aspekten des mit
8

den Bodenersatzverfahren verknüpften Erdbaus schen Gründen nicht durchführbar, müssen bei
(Erdbautechnologie) sowie auf den allgemeinen allen anderen Lösungen Setzungen und Uneben-
Konstruktionsprinzipien bei den verschiedenen heiten der Straße in Kauf genommen werden.
Bauverfahren. Zusätzlich werden grundsätzliche
Angaben zu verwendbaren Ersatzmaterialien ge- Für den Fahrbahnzustand sind in erster Linie die
macht. Die weiteren Darstellungen enthalten Hin- lang andauernden Sekundärsetzungen maßge-
weise zu den Kosten der Bodenersatzverfahren bend. Die Zeitdauer und die Ungleichmäßigkeit
und zur Erdbaumechanik, d. h. zu den bei diesen dieser Setzungen müssen durch geeignete bau-
Bauverfahren notwendigen Standsicherheits- und technische Maßnahmen auf ein Minimum herabge-
Verformungsnachweisen. Den Abschluss der Ab- setzt werden. Da sich die Setzungen mit der
handlung bilden die Beschreibung einer konkreten Dammhöhe vergrößern, gehört es zu den
Baumaßnahme und die Erläuterung zu den Ergeb- Grundsätzen eines Entwurfes, die Zusatzlasten
nissen rechnerisch behandelter Fallbeispiele. – bestehend aus dem Gewicht des Dammes und
eventueller Ersatzkörper (Wichtedifferenz) – mög-
lichst niedrig zu halten. Andererseits sollte unter-
halb der Fahrbahnoberfläche eine dämpfende
2 Problematik beim Straßenbau
Schicht mit einer Mindesthöhe von 1,5 m bis 2,0 m
auf wenig tragfähigem Unter- vorhanden sein, weil der Untergrund sonst durch
grund die vom Verkehr verursachten dynamischen
Schwingungen so beansprucht wird, dass eine an-
2.1 Einführung dauernde dynamische Konsolidierung entsteht
(FLOSS, 1997).
Sowohl der Neubau als auch der Ausbau von
Straßen auf wenig tragfähigem Untergrund bedin- Es wird deutlich, dass im Hinblick auf die Erfüllung
gen einen schwierigen Entscheidungsprozess bei aller einen bautechnischen Entwurf bestimmenden
der Planung und beim Entwurf der in technisch- Randbedingungen oftmals Kompromisse einge-
wirtschaftlicher Hinsicht zweckmäßigsten Lösung. gangen werden müssen. Soweit sich die Entschei-
Grundsatz hierbei ist, dass die Summe der Pla- dung für eine bestimmte bautechnische Lösung
nungs-, Bau- und Unterhaltskosten ein Minimum nach den Standsicherheits- und Setzungsnachwei-
bei gleichzeitig möglichst hoher Bauwerksqualität sen richten muss, empfiehlt sich die in Kapitel 7 er-
sein soll. Die meisten Lösungen erfordern jedoch läuterte Vorgehensweise. Die aus Verformungs-
kostenintensive Maßnahmen, welche relativ lange messungen an ausgeführten Dämmen gewonne-
Bauzeiten und das strikte Einhalten des jeweils ge- nen Erfahrungen, wie sie beispielsweise von
planten Bauablaufs voraussetzen. FLOSS (1969) erläutert werden, können dabei eine
Entscheidungshilfe sein. In der Regel ist es erfor-
In der Regel liegt ein Stabilitäts- oder Setzungspro- derlich, die Verformungen und die sich zeitlich än-
blem vor, nach dem sich die Wahl der bautechni- dernde Standsicherheit eines Straßenkörpers
schen Lösung richten muss. Darüber hinaus sind durch Messungen während und nach der Errich-
aber auch andere objektbezogene Faktoren maß- tung zu kontrollieren, um den bautechnischen Ent-
gebend, wie z. B. der Verkehrswert der Straße, der wurf zu jedem Zeitpunkt verifizieren und an sich
Grunderwerb, der Natur-, Grundwasser- und Land- gegebenenfalls geänderte Randbedingungen an-
schaftsschutz oder das Vorkommen geeigneter passen zu können.
Bodenarten als Austauschmassen und die verfüg-
baren Absetzflächen für erdbautechnisch un- Zur Abgrenzung der Thematik des vorliegenden
brauchbaren Boden. Forschungsberichtes werden nachfolgend kurz die
zum Verständnis notwendigen wesentlichen
Aus bau- und verkehrstechnischen Gesichtspunk- Grundlagen erläutert. Zunächst erfolgt eine geolo-
ten werden setzungsarme Lösungen angestrebt. gische Beschreibung wenig tragfähiger Bodenar-
Sie lassen sich jedoch nur erreichen, wenn die wei- ten, gefolgt von einer Übersicht der für den
chen Schichten entfernt und durch setzungsun- Straßenbau auf wenig tragfähigem Untergrund
empfindliches Material (vgl. Kapitel 4.4) ersetzt möglichen Bauverfahren. Im Anschluss daran wer-
werden oder wenn die Straße aufgeständert im den bekannte geotechnische Mechanismen, die
tragfähigen Untergrund abgesetzt wird. Sind sol- während einer Baumaßnahme auftreten können,
che Maßnahmen aus wirtschaftlichen oder techni- beschrieben.
9

2.2 Wenig tragfähige Böden Die organischen Komponenten bestehen


aus abgestorbenen Planktonlagen, Exkre-
Wenig tragfähige Böden können natürlichen oder menten und Leichen von Planktontieren
künstlichen Ursprungs sein. Während natürliche sowie aus Resten der am Seeboden leben-
wenig tragfähige Böden im Bereich von Mooren, den Organismen. Hinzu kommen Pflanzen-
Binnensee- und Flussgebieten sowie in den Küs- reste, die aus der Ufervegetation und z. T.
tengebieten flächenverbreitet vorkommen, nehmen aus aufgearbeiteten Torfen stammen. Der
künstliche wenig tragfähige Böden in Gestalt von mineralische Anteil der Mudden besteht
Kippen und Spülflächen dagegen in der Regel klei- überwiegend aus Ton, Schluff und Sand.
nere Areale ein. Die folgende Zusammenstellung
über wenig tragfähige Bodenarten ist in gekürzter Beckenton, Seeton und -schluff entstanden
Form von der FGSV (1988) übernommen worden. vorwiegend während eiszeitlicher Klimapha-
sen und kommen deshalb in enger räumli-
a) Natürliche wenig tragfähige Böden cher Beziehung zu glazialen Geländeformen
vor. Dabei verfüllen diese Sedimente vorge-
· Moorgebiete gebene Hohlformen und verzahnen sich oft
Der Begriff Moor umfasst im geologischen mit sandigen Ablagerungen. Anhand der
und geographischen Sinne eine natürliche Schichtung können fein geschichtete War-
Lagerstätte von Torf. Als Torf wird eine an Ort ven- oder Bändertone gegen undeutlich ge-
und Stelle aufgewachsene Anhäufung un- schichtete oder ungeschichtete Becken-
vollständig zersetzter Pflanzenreste bezeich- oder Seetone abgegrenzt werden.
net. In Abhängigkeit von der Bodenbeschaf- Faulschlamm ist ein Sediment von plastisch-
fenheit, der Geländemorphologie, dem Klima schmieriger Konsistenz mit starkem Schwe-
und der Hydrografie können Hochmoore und felwasserstoffgeruch und bläulich-schwarze
Niedermoore entstehen. bis schwarzer Färbung. Er entsteht meist in
Niedermoortorfe sind in ihrer Entstehung an nährstoffreicheren Gewässern unter Sauer-
den Einflussbereich nährstoffreichen Grund- stoffmangel und unter Mitwirkung anaerober
wassers gebunden (Seen, Flussarme, ver- Bakterien.
sumpfende Talböden und Quellen). Nieder-
Lebermudden sind homogen und besitzen
moortorfe zeichnen sich meist durch einen
eine elastische, z. T. gallertartige Konsistenz.
artenreichen Pflanzenbestand (Binsen, Grä-
Im frischen Zustand brechen sie muschelig,
ser, Moose und Holzpflanzen) aus. Sie sind
im trockenen Zustand scherbig-blättrig.
dem Grundwasser entsprechend mehr oder
weniger nährstoffreich und reagieren Seekreiden und Kalkmudden treten in karbo-
schwach basisch bis sauer. natreichen Gewässern auf. Typisch ist ihre
Hochmoortorfe in typischer Ausbildung ent- starke Reaktion mit Salzsäure. Seekreiden
stehen unabhängig vom Grundwasser in sind weniger elastisch und oft reich an Scha-
Mooren und werden ausschließlich von Nie- lenresten. Pflanzlicher Detritus ist meist nicht
derschlägen gespeist. Diese Hochmoortorfe erkennbar. Kalkmudden sind demgegenüber
kommen folglich nur in solchen Klimazonen im frischen Zustand meist elastisch und wei-
vor, in denen die Niederschlagsmenge die sen höhere organische Anteile, regelmäßig
Abfluss- und Verdunstungsmengen über- als Detritus erkennbar, auf.
steigt. Hochmoortorfe sind durch eine arten-
arme Vegetation gekennzeichnet. Häufigste
· Flussgebiete
Pflanzenreste sind die verschiedenen Torf- Unter den vom fließenden Wasser abgela-
und Bleichmoose. gerten Sedimenten sind wenig tragfähige
Böden auf Bereiche geringer Strömungsge-
· Seegebiete
schwindigkeiten beschränkt. Sie treten teils
Seesedimente (Mudden) kommen als Sedi- flächenhaft in geringmächtigen Decken, teils
mentfüllung geschlossener Seewannen vor, als längliche, gestreckte, einige Meter mäch-
sind aber auch außerhalb heutiger Gewässer tige Sedimentkörper innerhalb heutiger oder
in z. T. erheblicher Mächtigkeit anzutreffen. früherer Talsysteme auf.
10

Altwasserarme haben Sedimentfüllungen, Sandanteil < 50 %. Dominierende Gefügeart


die in Aussehen und Eigenschaften eng an sind Schlickbänke mit feiner Sandstreifung
die Mudden anschließen. Bedingt durch den ohne makroskopisch erkennbare Schich-
Wechsel zwischen überwiegend organischer tung. Hinzu kommen Bänke aus sandi-
Sedimentation bei normaler Wasserführung gem Schlick. In diesem Ablagerungsmilieu
und kurzfristig gesteigertem Antransport mi- kommt es auch häufig zur Ausbildung von
neralischer Sinkstoffe bei Hochwasser kön- Wechselfolgen, in denen Lagen mit hohen
nen zyklisch gegliederte Sedimentfolgen und mit geringen Anteilen organischer Subs-
entstehen. tanz wiederholt übereinander auftreten.

Flussläufe transportieren im Flachlandbe- Klei ist ein Sammelbegriff für schluffig-tonige


reich überwiegend feinsandige bis tonig- Sedimente im Bereich der Marsch, die aus
schluffige Sinkstoffe. Aus diesen haben sich Sinkstoffen des Meeres und der Tideflüsse
im Laufe der nacheiszeitlichen Talentwick- entstanden sind.
lung bis etwa 10 m mächtige Sedimentkör-
Darg umfasst als Sammelbegriff mit Ton und
per aufgebaut. Mit zunehmendem Abstand
Schluff durchsetzte torfige Bildungen, die
von den Strömungsrinnen stellen sich immer der Verlandungszone des brackigen Flach-
feinkörnigere Sedimente ein. Zum flussfer- wassers zuzuordnen sind. Dabei zeichnen
nen Hinterland hin können sich die minerali- sich Übergänge zum Klei, zu den Mudden
schen Ablagerungen mit Altwassersedimen- und Niedermoortorfen ab.
ten und Niedermoortorfen verzahnen.
Klei- und Torf-Wechselfolgen: Durch die
Auelehme entstehen als letztes Glied bei der Wechselwirkung zwischen Anstieg des
Aufschüttung fluviatiler Terrassenkörper in Meeresspiegels und Verlandung haben sich
Form schluffig-tonig-sandiger Sedimente. im Küstenraum typische, zyklisch aufgebau-
Der überwiegende Teil der Auelehmsedi- te Sedimentfolgen gebildet. In diesen über-
mentation erfolgt durch den Sinkstoffauftrag lagern einerseits tonig-schluffige Sedimente
im Zuge von Hochwässern. marinen Ursprungs Torfe, andererseits grei-
· Küstengebiete fen semiterrestrische Torfe auf mineralische
Sedimentkörper über.
Im norddeutschen Küstenraum ist unter dem
Einfluss eines generellen Meeresspiegelan- b) Künstliche wenig tragfähige Böden
stieges ein Sedimentkörper abgelagert wor-
den. Innerhalb dieses Körpers ist eine deut- · Kippen (Deponien)
liche Zonierung zu erkennen. Im seewärtigen Kippen sind durch mechanisches Absetzen
Teil mit überwiegend sandigen Ablagerun- von Stoffen entstanden. Ihr Aufbau ist ent-
gen kommen tragfähige Böden vor, zu denen sprechend dem Schüttgutanfall sehr hetero-
die See- und Wattsande gehören. Landwärts gen.
schließen sich große Bereiche mit wenig
tragfähigen Böden an. Hier treten verbreitet Hausmüllplätze alter Art, die häufig in Stein-
schluffig-tonige Sedimente auf, in die sich brüchen, Kies- und Sandgruben und natürli-
zunehmend Torfe einschalten. Neben diesen chen Geländemulden angelegt worden sind,
flächenhaft verbreiteten Bildungen treten können für Straßenbaumaßnahmen in Be-
lokal auch lang gestreckte, schmale ehema- tracht kommen. Diese vielfach abgedeckten
lige Gezeitenrinnen auf, die sich oft mehrere Deponien enthalten neben Bauschutt, Glas
Kilometer in das Binnenland erstrecken. Als und metallischen Gebrauchsgegenständen
Rinnenfüllungen können wenig tragfähige in hohem Maße organische sowie syntheti-
tonig-schluffige Sedimente und torfige Bil- sche Bestandteile. Eine systematische Sor-
dungen auftreten. tierung und Verdichtung kann nicht voraus-
gesetzt werden. Eine möglichst genaue
Schlicksand bildet sich in den schwächer Kenntnis der Deponiezusammensetzung ist
bewegten, meist inneren Bereichen eines notwendig. Wichtig sind die Anteile an ver-
Wattenmeeres. Es handelt sich um ein rottbaren Stoffen sowie eine Beurteilung des
schlecht sortiertes Sediment mit einem Rottezustandes. Bei noch fortschreitendem
11

Rotteprozess ist mit nicht abschätzbaren Industrieschlämme in Spülflächen bilden ein


Setzungen zu rechnen. Große Setzungen weites Spektrum von Produkten. Dazu
sind weiterhin bei hohlraumreichem Sperr- gehören:
müll zu erwarten. Das Verhalten von Metall-
- mechanisch gewonnene Rückstände, wie
teilen, Holz und anderen organischen Resten
z. B. aus Bergbauaufbereitungen oder
ist zusätzlich von ihrer Lage zum Grundwas-
Steinbruch- und Kieswäschereien;
ser abhängig.
- chemische Rückstände, deren Zusam-
Unter Industriemüll werden hier Ablagerun-
mensetzung dem jeweiligen Produktions-
gen von Resten aus industrieller Tätigkeit
gang entspricht;
bezeichnet. Die Reste sind gekennzeichnet
durch zumeist gleich bleibendes Material, - Raffinerierückstände mit einem hohen
das in größerer Menge vorliegt. Im Allgemei- Anteil an Rohölresten.
nen sind organische und leicht zersetzbare
Stoffe kaum enthalten. Durch sorgfältige Un-
tersuchung ist die Unbedenklichkeit als Bau-
2.3 Abgrenzung der Bauverfahren
grund nachzuweisen.
Für den Straßenbau auf wenig tragfähigem Unter-
· Spülfelder grund steht eine Vielzahl von Bauverfahren zur Ver-
Unter Spülfeldern werden Flächen verstan- fügung, die sich in der Art der Lastabtragung in den
den, die durch Anwendung eines Spülver- tragfähigen Baugrund unterscheiden. Entspre-
fahrens aufgefüllt sind (s. Kapitel 4.5.4). chend der Behandlung des wenig tragfähigen Bo-
dens lassen sich die mit diesen Verfahren verbun-
Bei der Ablagerung natürlicher Böden auf denen Konstruktionen in drei Gruppen katalogisie-
Spülflächen handelt es sich um Böden, die ren (Tabelle 2.1).
zum Zeitpunkt der Entnahme für bautechni-
sche Zwecke weder als Baugrund noch als
a) Konsolidationsverfahren
Baustoff geeignet waren. Dies sind in erster
Linie stark wasserhaltige und/oder organi- Bei den Konsolidationsverfahren ist der wenig trag-
sche Bestandteile enthaltene Böden wie fähige Boden dasjenige Tragelement, welches die
z. B. Klei, Faulschlämme, Flussschlick, Torf. Lasten aus dem Straßendamm vollständig alleine

Konsolidationsverfahren Bodenersatzverfahren Verfahren mit aufgeständerten


Gründungspolstern
Bodenaustausch Bodenverdrängung vertikale lastverteilende
Tragelemente Tragelemente
· Vorbelastung · in trockener Baugrube · durch Auflast · Pfähle · Tragschicht
· Überschüttung · mit Unterwasserbag- · durch Sprengung · vermörtelte Säulen · geotextilbewehrte
· Grundwasserab- gerung · durch Eintreiben von · geokunststoffumman- Tragschicht
senkung · im Nassbaggerver- Steinen telte Sandsäulen · Betonplatte
· Vakuum- fahren
konsolidierung · mit Rüttelkästen oder
Rüttelrohren
· mit Vorschubspezial-
gerät
Maßnahmen mit Mehrfachwirkung und/oder Verfahrensüberschneidungen
· Verdichtung mit schweren Fallplatten (Konsolidation + Bodenverdrängung)
· Säulen aus Sand, Kies, Schotter (Rüttelstopfverdichtung: Konsolidationsbeschleunigung + Tragelement + teilweiser Bodenaus-
tausch bzw. Bodenverdrängung)
· Säulen aus Boden-Kalk-Gemischen (Wasserentzug + Tragelement + evtl. Bodenverdrängung)
· Eintreiben von Steinen (Bodenverdrängung + Tragelement)
Hilfsmaßnahmen
· Vertikaldräns · Leichtbaustoffe · Sandmatratze
· Geotextileinlagen · Seitenschlitze · Spüllockerung
· Leichtbaustoffe

Tab. 2.1: Bauverfahren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Untergrund


12

in den tragfähigen Untergrund übertragen muss. ursachen können. Nur dann können die Berech-
Durch das Aufbringen von Vorbelastungen wird er nungsmethoden sinnvoll bestimmt werden, die
so weit vorkonsolidiert, dass er für die Lasten aus zum Nachweis der Standsicherheit und der Verfor-
dem Straßendamm ausreichend tragfähig ist. Vor- mungen notwendig sind (s. Kapitel 7). In diesem
teil dieser Bauverfahren ist, dass der anstehende Zusammenhang ist auch zwischen direkten und in-
Weichboden im Zuge des Erdbaus entweder gar direkten Einwirkungen zu unterscheiden. Direkte
nicht oder nur in sehr geringem Maße bewegt wer- Einwirkungen werden durch das Bauwerk selbst
den muss. Nachteilig ist hierbei der z. T. sehr große – d. h. den Straßendamm – verursacht (z. B. Set-
Zeitbedarf – u. U. sind Konsolidationszeiten von zungen infolge Dammauflast, Grundbruch infolge
mehreren Jahren abzuwarten – bis zur Fertigstel- Dammauflast usw.), während indirekte Einwirkun-
lung des Straßenbauwerks. gen als Folge des Bauprozesses auftreten (z. B.
Setzungen infolge Grundwasserabsenkung, Bö-
schungsbruch infolge Aushubentlastung usw.).
b) Bodenersatzverfahren
Die wichtigsten geotechnischen Mechanismen
Bei den Verfahren dieser Gruppe wird der wenig
werden nachfolgend kurz erläutert. Hierbei ist zu
tragfähige Boden vollständig oder teilweise
berücksichtigen, dass es sich um keine vollständi-
gegen gut tragfähiges Material ersetzt. Je nach
ge Aufzählung handelt; es gibt durchaus noch an-
Ersatzumfang ist der wenig tragfähige Boden
dere Mechanismen und Phänomene, die nicht er-
mehr oder weniger am Lastabtrag beteiligt.
wähnt werden, aber unter spezifischen Umständen
Weiterführende Details hierzu enthält Kapitel
auftreten und einen entscheidenden Einfluss auf
4.3. Ein Nachteil dieser Bauverfahren ist, dass,
das geotechnische Verhalten der Erdstruktur und
in Abhängigkeit vom Umfang des Bodenersat-
ihrer Umgebung haben können.
zes, große Massen des anstehenden Weichbo-
dens im Zuge des Erdbaus bewegt werden
müssen. a) Abscheren

Im Randbereich von Auffüllungen und Aushü-


c) Verfahren mit aufgeständerten Gründungs- ben kann es in Böden mit geringer Tragfähigkeit
polstern zum Verlust des Gleichgewichtszustandes in
Form von Grundbrüchen oder Böschungs- bzw.
Bei aufgeständerten Gründungspolstern wer-
Geländebrüchen kommen. In derartigen Fällen
den die Lasten aus dem Straßenbauwerk über
ist der Scherwiderstand der anstehenden
relativ steife, lastverteilende Tragelemente auf
Weichböden unzureichend, um die kontinuierli-
vertikale Bauteile übertragen. Diese vertikalen
che Bewegung eines bestimmten Teils des Un-
Tragelemente leiten die Bauwerkslasten
tergrundes entlang einer Gleitfläche zu verhin-
schließlich auf bzw. in den tragfähigen Unter-
dern.
grund ab. Bei diesen Verfahren wird der wenig
tragfähige Untergrund je nach Tragwerkssystem
nur bedingt oder gar nicht zur Lastabtragung b) Auftrieb
herangezogen. Weichschichtmassen müssen, Liegt eine undurchlässige Bodenschicht gerin-
entsprechend der konstruktiven Durchbildung ger Tragfähigkeit (z. B. Ton, Klei, Torf etc.) über
des jeweiligen Systems, gar nicht oder nur in einer durchlässigen Bodenschicht (z. B. Sand)
sehr geringem Umfang bewegt werden. mit hohen Wasserdrücken (gespannter Grund-
wasserleiter), können Wasserdruckdifferenzen
2.4 Geotechnische Mechanismen zu einem labilen Zustand innerhalb der Weich-
schichten führen. Ist nämlich die Summe der
Im Zuge eines bautechnischen Entwurfs für eine Spannungen aus dem Wasserdruck innerhalb
Straße auf wenig tragfähigem Untergrund müssen der undurchlässigen Bodenschicht und dem
nicht nur das Bauverfahren und der Bauablauf fest- Gewicht der Weichschicht geringer als diejenige
gelegt werden, sondern es müssen darüber hinaus aus dem Wasserdruck innerhalb des Grund-
auch die geotechnischen Mechanismen im Voraus wasserleiters, kann der Wasserdruck auf die
abgeschätzt werden, welche unmittelbar oder mit- Unterseite der wenig durchlässigen Weich-
telbar als Folge der Baumaßnahme auftreten und schicht ein Anheben oder ein Aufbrechen der-
mechanische Einwirkungen auf die Umgebung ver- selben verursachen.
13

c) Fließen 3 Baugrunderkundung
Wird eine Weichbodenschicht mit sehr weicher
bis flüssiger Konsistenz einer Auflast unterwor- 3.1 Allgemeines
fen, deren horizontale Ausdehnung beschränkt
Die Baugrunduntersuchungen für Straßenbaumaß-
ist (z. B. aus einer Auffüllung oder aus einer
nahmen auf wenig tragfähigem Untergrund dienen
Dammschüttung), besteht die Möglichkeit, dass
der Erkundung der anstehenden Böden, der Er-
der weiche Boden durch seitliches Fließen aus-
mittlung ihrer Lage und Tiefe sowie ihrer bodenme-
weicht.
chanischen und bautechnischen Eigenschaften
und der Grundwasserverhältnisse. Zu den geo-
d) Kompression
technischen Untersuchungen zählen, je nach Erfor-
Üblicherweise werden wenig tragfähige Böden dernis, geologische und hydrologische Feldauf-
bei Belastung unterhalb des Bruchzustandes zu nahmen, direkte und indirekte Aufschlussverfahren
einem Großteil komprimiert, was zu Setzungen für bodenmechanische Zwecke, Laborversuche an
der darüber liegenden Bauwerke führt. Die Zu- Proben und Feldversuche sowie geo-technische
sammendrückung dieser meist wassergesättig- Messungen. Der Untersuchungsbereich muss sich
ten Böden setzt sich bekannterweise aus drei unter Berücksichtigung der Randbedingungen (Be-
Anteilen zusammen (EVB, 1993): bauung, Wasserläufe, Leitungen etc.) auf die
Straßentrasse und den Bereich außerhalb er-
· Sofortsetzung (Anfangsschubverformung), strecken, der durch den Bau beeinträchtigt werden
· Primärsetzung (Konsolidationssetzung), kann (s. Kapitel 2.4).
Allgemein soll nach dem Grundsatz verfahren wer-
· Sekundärsetzung (Kriechsetzung).
den, die Erkundungsverfahren und die Begutach-
Die in Kapitel 2.2 erwähnten Bodenarten unter- tung der jeweiligen Planungsstufe, der Zweckbe-
liegen bei Belastung i. A. relativ ausgeprägten stimmung und der Größe des Objekts sowie dem
Setzungen, die über einen langen Zeitraum ver- Schwierigkeitsgrad des Baugrunds anzupassen
teilt auftreten. (Bild 3.1). Alle bereits vorhandenen Aufschlüsse
und Unterlagen müssen mit ausgewertet werden;
e) Horizontalverformung hierzu gehören:

Im Randbereich von Auffüllungen und Aushü- · geologische Übersichts- und Spezialkarten


ben bauen sich Horizontalspannungen inner- sowie fotogeologische Aufnahmen,
halb der wenig tragfähigen Schichten auf, die · Archivunterlagen des geologischen Landesam-
horizontale Verformungen zur Folge haben. Weil tes,
in Bodenschichten dieser Art lediglich ein gerin-
ger Erdwiderstand mobilisiert werden kann,
· öffentliche Unterlagen über die Grundwasser-
verhältnisse,
können diese Verformungen sehr ausgeprägt,
selbst noch in Abständen von mehreren Metern
(bis zu 10 m) auftreten.

f) Negative Mantelreibung

Als eine Folge der Kompression wenig tragfähi-


ger Böden können Relativverschiebungen zwi-
schen Boden und Gründungselementen (z. B.
Kellerwände, Pfähle etc.) entstehen, die zu Zu-
satzbelastungen der Gründungselemente in
Form von vertikalen Schubspannungen führen.

Unter bestimmten Voraussetzungen können auch


andere Mechanismen eine Rolle spielen, wie z. B.
die Erosion infolge Wasserdurchströmung oder
die Bodenverflüssigung durch dynamische Be- Bild 3.1: Beschreibung und Beurteilung der Bodenverhältnisse
lastung. im straßenbautechnischen Entwurf (FLOSS, 1997)
14

· Unterlagen der Bergbautreibenden bzw. Berg- · Einwirkungen des Umfeldes auf das Bauwerk,
bauverwaltungen,
· Auswirkungen des Bauwerkes und der Bauaus-
· Unterlagen, Erfahrungen und Beobachtungen führung auf die Umwelt (Mensch, Boden, Was-
bei ausgeführten Bauobjekten in der Nachbar- ser),
schaft,
· Grundwasserverhältnisse für Planung und Aus-
· Unterlagen der meteorologischen Dienste, führung des Bauwerks, Änderung und Aufstau.

· Baugrundkarten für städtische Gebiete, Anhand der geotechnischen Untersuchungen für


den Aufschluss von Baustoffvorkommen müssen
· vorhandene Geländeaufschlüsse (z. B. Stein-
folgende Aspekte beurteilt werden können:
brüche, Kiesgruben, Geländesprünge), Ergeb-
nisse von Gelände und Trassenbegehungen. · Erkundung und bautechnische Eignung von
Erdstoffen
Das Raster der Baugrundaufschlüsse ist mit zu-
nehmender Entwurfstiefe zu verfeinern. - für Schüttungen (z. B. Verkehrswege),

Die Grundsätze für die geotechnischen Untersu- - für Hinterfüllungen (z. B. Stützwände, Wider-
chungen sind in DIN 4020 eingehend beschrieben. lager, Leitungen),
Sie bilden auch die Grundlage für den straßenbau-
- für Trag-, Filter-, Dränage- und Frostschutz-
technischen Entwurf (ZTVE-StB (1994), Abs. 2).
schichten
Die geotechnischen Untersuchungen sind spezi-
· Maßnahmen zur Verbesserung der Erdstoffe,
fisch für das Objekt zu planen und auszuführen.
Grundsätzlich zu unterscheiden sind Vor- und · Wiederverwendung (Recycling) und Nutzung in-
Hauptuntersuchungen mit folgender Zielsetzung: dustrieller Abfall- und Deponiematerialien,

· Voruntersuchungen für Standortwahl und Vor- · Festlegung der technischen Anforderungen für
planung der Baumaßnahme oder für die Er- den Erdbau und die Dauerbeständigkeit,
schließung des Baustoffvorkommens;
· Bearbeitung im Baubetrieb,
· Hauptuntersuchungen für Entwurf, Ausschrei-
· Bodenschutz, Rekultivierung.
bung und Ausführung des Bauwerkes oder für
das Beurteilen der Eigenschaften und der Ge- Je nach geotechnischem Risiko und Ablauf der
winnbarkeit von Baustoffen. Baumaßnahme können auch baubegleitende Un-
tersuchungen erforderlich sein, und zwar geotech-
Die Hauptuntersuchungen sollen nach Art und Um- nische Untersuchungen, ergänzende Prüfungen,
fang auch die Beurteilung vorhersehbarer alternati- Feldmessungen, Laborversuche, geologische Auf-
ver Varianten möglich machen. nahmen und Dokumentationen. Die baubegleiten-
Die geotechnischen Untersuchungen für den Auf- den Untersuchungen dienen der Überprüfung der
schluss des Baugrundes und der Grundwasserver- bei der Planung angenommenen Verhältnisse, der
hältnisse müssen je nach Aufgabenstellung und Beurteilung des Verhaltens von Baugrund, Grund-
örtlicher Situation folgende Beurteilungen ermögli- wasser und Bauobjekt, der Überprüfung der Qua-
chen: litätsanforderungen und der Tragfähigkeit von
Gründungen.
· grundbautechnische Angaben für die Bemes-
Die Baugrundaufschlüsse müssen so tief reichen,
sung der Bauteile,
dass tragfähige Zwischenschichten oder der feste
· Verformungen des Baugrundes, Untergrund eindeutig nachgewiesen sind. Hinsicht-
lich der Anordnung der Aufschlüsse als auch hin-
· konstruktive Ausbildung der Gründung gemäß
sichtlich der Richtwerte für die Abstände sowie für
Lasteinwirkung und Zusammenwirken von Bau-
die Erkundungstiefen wird auf DIN 4020 verwiesen.
werk und Baugrund,
Weitere allgemeine Hinweise zur Baugrunderkun-
· Sicherheit der Konstruktion gegen Grenzzu- dung beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Un-
stände, z. B. Grundbruch, Böschungsbruch, tergrund finden sich bei der OECD (1979) und dem
Auftrieb, Gleiten usw., CUR (1996).
15

3.2 Aufschlussmethoden bei der · den Probenanforderungen,


Bodenerkundung · den im Aufschluss auszuführenden Messungen
Die Aufschlüsse sind nach direkten und indirekten bzw. Beobachtungen.
Verfahren zu unterscheiden. Der Aussagewert der verschiedenen Aufschluss-
· Direkte Aufschlüsse: frei einsehbare Bodenauf- verfahren wird dadurch gekennzeichnet, dass be-
schlüsse in der Natur, Schürfe, Bohrungen, stimmte Merkmale punktförmig, flächenförmig
oder räumlich ermittelt werden können. Die mit
· indirekte Aufschlüsse: z. B. Sondierungen, geo- dem einzelnen Aufschluss gewonnenen Ergebnisse
physikalische Messverfahren. treffen für dessen unmittelbare Umgebung zu; sie
Die zweckmäßige Art des Aufschlusses ist zu ent- können nur bei gleichmäßigen Verhältnissen auf die
scheiden nach: weitere Umgebung übertragen werden. In den Ta-
bellen 3.1 und 3.2 sind die heute gebräuchlichen
· Art, Größe und Konstruktion des Bauobjektes, direkten und indirekten Aufschlussverfahren zu-
· den morphologischen Gegebenheiten, sammengestellt.

· den Bodenverhältnissen: Schichtung, Lage- Um Fehlinterpretationen der indirekten Aufschlüsse


rung, Art, Zusammensetzung und Zustand des (z. B. Sondierungen) zu vermeiden, müssen Ergeb-
Bodens, nisse direkter Bodenaufschlüsse (z. B. Bohrungen)
vorliegen.
· den geologischen Besonderheiten: z. B. Störun-
gen, Verwerfungen, Rutschungen, Nachfolgend werden zusätzlich kurz die Merkmale
angegeben, die sich mit den wichtigsten Auf-
· den Wasserverhältnissen: Grundwasser, Fließ- schlussverfahren bei richtig angewandter Technik
richtung, Strömungsgeschwindigkeit, feststellen lassen.

Tab. 3.1: Direkte Aufschlussverfahren (FGSV, 1988)


16

Tab. 3.2: Indirekte Aufschlussverfahren (FGSV, 1988), Bodenarten: I Moore, II wenig tragfähige anorganische Sedimente, III Depo-
nien

a) Schürfgruben und Schürfschlitze Grundwassers. Beurteilung des Untergrun-


des erfolgt anhand des Bohrguts, der ent-
· Eigenschaften
nommenen Proben, des Bohrablaufs und
Punkt- oder linienförmiger Aufschluss im
des Bohrlochs.
oberflächennahen Bereich als Schlitz, Grube
oder Schacht. · Feststellbare Merkmale:
- Formation, Schichtenfolge, Schichtdicke,
· Feststellbare Merkmale Schichtgrenzen,
- geologische Formation, Schichtenfolge,
Schichtdicke, Verlauf der Schichtgrenzen, - Art, Beschaffenheit, Zusammensetzung.
kennzeichnende Eigenschaften der Bo-
- Art, Beschaffenheit, Zusammensetzung, denarten,
kennzeichnende Eigenschaften der
Schichten und Bodenarten, - Wasserverhältnisse.

- Wasserführung der Schichten, Quellen, · Herstellung


Die Bohrverfahren werden in DIN 4021 nach
- die Entnahme von Sonder- und Schürfpro- der Art der gewinnbaren Proben unterschie-
ben für Laborversuche, den. Die Auswahl der Bohrverfahren und
Geräte erfolgt entsprechend den vermuteten
- bodenmechanische Feldversuche im
Bodenverhältnissen und der für erforderlich
Schurf, z. B. vertikale Probebelastungen.
gehaltenen Güteklasse der Bodenproben
· Herstellung und der Sonderproben (Tabellen 1, 3, 4 und
- Aushub von Hand oder maschinell (s. auch 6 in DIN 4021).
DIN 4124).
Zulässig sind alle Bohrverfahren, die einen
· Mindestabmessung begehbarer Schürfe einwandfreien zweckentsprechenden Auf-
- Breite ≥ 0,75 m, schluss gewährleisten und die Entnahme
von Proben zulassen, deren Güte den im
- Länge ≥ 1,50 m in der Sohle für Proben- Labor zu ermittelnden kennzeichnenden Ei-
entnahme und Versuche, genschaften genügt. Grundsätzlich sollen
- Abböschungen oder Verbau bei Tiefen t ≥ Verfahren bevorzugt werden, bei denen das
1,25 m. Bohrgut und die Proben beim Bohrvorgang
so wenig wie möglich mechanisch gestört
oder durch Spülwasser aufgeweicht werden.
b) Bohrungen
Bohrgutverluste dürfen nicht durch das Boh-
· Eigenschaften ren mit unsachgemäßen Verfahren und
Punktförmiger, lotrecht oder geneigt orien- Geräten verursacht werden. In vielen Fällen
tierter Aufschluss bis in beliebige Tiefen in wird bei zu kleinem Bohrdurchmesser das
allen Bodenarten ober- und unterhalb des Bohrgut durch Andruck und Spülung derart
17

verändert, dass eine zutreffende Beurteilung - Schlagzahl je 10 cm Eindringtiefe,


nicht mehr möglich ist.
- Eindringtiefe für eine vorgegebene Schlag-
· Abmessungen zahl,
Die Wahl des Mindestdurchmessers erfolgt
in Abhängigkeit von · Folgende Einflüsse sind zu verzeichnen:
- der Bodenart, dem Größtkorn und Stein- - Mit wachsender Lagerungsdichte nicht
anteil, bindiger Böden steigt der Eindringwider-
stand überlinear an.
- dem erforderlichen Probendurchmesser
bzw. der Probenmenge für die vorgesehe- - Böden mit eckigem und rauen Korn erge-
nen bodenmechanischen Versuche, ben einen größeren Eindringwiderstand als
Böden mit rundem und glatten Korn.
- den vorgesehenen Messungen im Bohr-
loch. - Eingelagerte Steine können den Eindring-
widerstand beträchtlich erhöhen.
Die Kleinbohrung ist ein Aufschluss im
Boden, der mit einem Durchmesser größer - Verkittung erhöht den Eindringwiderstand.
30 mm und kleiner 80 mm durchgeführt wer- - Feinstbestandteile setzen den Eindringwi-
den kann. In geeigneten Böden lassen Klein- derstand herab.
bohrungen bis zur jeweils möglichen Erkun-
- Der Eindringwiderstand bindiger Böden
dungstiefe von max. etwa 15 m die Schich-
und in Torfen wird überwiegend durch ihre
tenfolge, unter Umständen auch die Fein-
Zustandsform, Plastizität und ihre Struktur
schichtung, gut erkennen und sind bis zu
beeinflusst, die durch die geologische Vor-
diesen Tiefen zur Ergänzung von aufwändi-
geschichte bestimmt sind. Geringe Wider-
geren Aufschlüssen geeignet.
stände können sich auch durch Lockerzo-
nen und Hohlräume ergeben. Bei weichen
c) Rammsondierungen bindigen und organischen Böden hat die
Mantelreibung einen großen Einfluss auf
· Prinzip und Anwendungszweck
den Eindringwiderstand, die bei gleich
Einrammen einer Sonde mit kegelförmiger
bleibender Bodenbeschaffenheit mit der
Spitze mittels eines Rammbären aus gleich
Tiefe stark zunimmt.
bleibender Fallhöhe von einer Arbeitsfläche
aus oder im Bohrloch. - Bis zu einer bestimmten Grenztiefe (obere
Störzone) nimmt bei gleicher Lagerungs-
· Ziel der Untersuchung
dichte der Eindringwiderstand mit der
- Beurteilung der Festigkeitseigenschaften
Tiefe stark zu.
grobkörniger Bodenarten,
- Sondierungen in nicht bindigen Böden er-
- Überprüfung von Verdichtungsarbeiten
geben im Grundwasser im Allgemeinen
über oder unter Wasser: Tiefenwirkung
geringere Eindringwiderstände als über
und Gleichmäßigkeit der Verdichtung; Op-
dem Grundwasserspiegel.
timierung der Schütthöhe; Beurteilung der
Lagerungsdichte D bzw. des Verdich- - Mit zunehmendem Querschnitt der Son-
tungsgrades DPr nach vorheriger Kalibrie- denspitze wächst der Spitzenwiderstand,
rung des Eindringwiderstands mit den Er- jedoch kann sich der Eindringwiderstand
gebnissen von Dichte-Prüfungen, haupt- vergrößern oder verringern, je nachdem,
sächlich bei grob- oder gemischtkörnigen wie das Verhältnis des Spitzen-Durchmes-
Bodenarten bis zu 15 % Feinstkorn unter sers zum Gestänge-Durchmesser die
0,06 mm. Mantelreibung beeinflusst.
· Rammsonden
Angaben über die Arten und Einsatzmöglich- d) Drucksondierungen
keiten der Sondiergeräte enthält DIN 4094.
· Prinzip und Anwendungszweck
· Kenngrößen und Einflüsse Eindrücken einer Sonde mit kegelförmiger
Die Beurteilung erfolgt anhand folgender Spitze bei gleich bleibender Geschwindig-
Kenngrößen: keit, wobei der Gesamtwiderstand (ein-
18

schließlich Mantelreibung des Gestänges) dermantels bei einer Abschergeschwindig-


und der Spitzenwiderstand getrennt gemes- keit von 0,5° Sondendrehung je Sekunde.
sen werden können. Die Scherfestigkeit des undränierten Bodens
bei schnellem Abscheren ergibt sich dann zu
· Untersuchungsziel
Beurteilung der Lagerungsdichte und Festig-
keitseigenschaften von Sand- und Kiesbö-
den; Rückschluss auf Tragfähigkeit des Bo-
dens bei Flächen- und Tiefgründungen. mit M Drehmoment in kNm
d1 Druckmesser der Flügelsonde in m
· Drucksonde
Angaben zum Aufbau des Sondiergerätes In wassergesättigtem Zustand entspricht τFS der
enthält DIN 4094. undränierten Scherfestigkeit cu. Nach BJERRUM
(1973) ist eine Abminderung der gemessenen
Die maximale Tiefe der Sondierungen ist i.
Scherfestigkeit cu mit dem Faktor µ erforderlich,
W. abhängig vom Gegengewicht des einge-
wenn diese für den undränierten Zustand ermittelt
setzten Messfahrzeuges.
wird. Der Abminderungsfaktor µ ist im Bild 3.2 in
· Mess- und Vergleichsgrößen Abhängigkeit von der Plastizitätszahl Ip angegeben.
- Gesamtwiderstand Q in (MN),
- spezifischer Spitzendruck qc in (MN/m2), f) Geoelektrische Messverfahren

- spezifische Mantelreibung fs in (MN/m2). · Methode


Einleiten von Gleich- oder Wechselstrom in
e) Flügelsondierungen den Boden mittels zweier Elektroden und
Messen des elektrischen Widerstandes mit
· Prinzip und Anwendungszweck zwei Sonden (Bild 3.3).
Eindrücken oder Einschlagen eines Sonden-
stabs mit über Kreuz angeordneten recht- · Verfahren
eckigen Flügeln am Sondenende bis zur Un- - 1. Sondierung: Aufnahme eines Tiefenpro-
tersuchungstiefe und dort Abscheren des fils durch Änderung des Abstands der
Bodens durch gleichmäßiges Drehen der Elektroden, während der Sondenabstand
Sonde; alternativ auch vom Bohrloch aus. unverändert bleibt.
Untersuchung der undränierten Scherfestig- - 2. Kartierung: Aufnahme eines Flächenpro-
keit weicher organischer und weicher fein- fils, wobei Elektroden unverändert bleiben
körniger Böden. und Sonden in Messrichtung versetzt wer-
den.
· Flügelsonde
Angaben zum Aufbau des Sondiergerätes · Geräte
sowie zu den Messeinrichtungen enthält DIN - Stromquelle: Batterie oder Generator;
4096. Wechselstrom von 1 bis 500 Hz mit Span-
nungen von mehreren 100 Volt,
· Auswertung
Gemessen wird der Widerstand des Bodens
beim Abscheren in senkrechten Ebenen
längs des durch die Flügel gebildeten Zylin-

Bild 3.3: Geoelektrische Bodenuntersuchung (FLOSS, 1997),


durch Schichtung verzerrtes elektrisches Feld im Un-
Bild 3.2: Korrekturbeiwert µ nach BJERRUM (1973) tergrund
19

- Verwendung nicht polarisierter Elektroden daher häufig nicht die ungünstigsten Wasserver-
bei Gleichstrom; Voltmeter für Spannungs- hältnisse an. Bei einem Untergrund mit wechseln-
messung. den und Wasser führenden Schichten können die
Grundwasserverhältnisse nur dann zutreffend an-
· Messtiefe
gegeben werden, wenn geeignete Baugrundauf-
30 bis 100 m je nach Gerät möglich.
schlüsse gleichzeitig als Messstellen eingerichtet
· Gegenstand oder zusätzliche Messpegel angeordnet werden.
Unterscheidung von Solche Maßnahmen sind daher von vornherein im
Einvernehmen mit dem Sachverständigen vorzuse-
- Grundwasser führenden und trockenen
hen, sofern die bauliche Anlage dies nach Art,
Sand- bzw. Kiesschichten,
Konstruktion und Größe verlangt.
- Toneinlagerungen in Sand und Kies,
Die Messungen können je nach Fall einschließen
- Schotterterrassen und Sedimentablage-
rungen. · die Wasserstände und die hydrostatischen
Druckhöhen aller wasser führenden Schichten
· Ergebnis unabhängig voneinander,
Elektrischer Widerstand des Bodens in
Ohm-Meter, hauptsächlich beeinflusst durch · die Fließrichtung,
Tonminerale, Wasser und gelöste Stoffe im · die Strömungsgeschwindigkeit,
Porenwasser, umso geringer, je feuchter
und/oder tonhaltiger der Boden; Auswertung · die Durchlässigkeit und Wasseraufnahmefähig-
mittels theoretischer Widerstandslinien (Ka- keit,
talog) für einfache Schichtverhältnisse;
· die Entnahme von Wasserproben.
Schichten mit unregelmäßigen oder gerin-
gen Widerstandsunterschieden nur schwer
oder gar nicht zu erkunden, daher nur für
Voruntersuchungen geeignet.
3.4 Labor- und Feldversuche
Laborversuche dienen in der Regel der Identifika-
3.3 Aufschluss der Grundwasserver- tion des Bodens nach Art und Zustand, der Ermitt-
hältnisse lung von Festigkeits- und Verformungskenngrößen
sowie der Wasserdurchlässigkeit. Feldversuche
Ziel der Untersuchung der Grundwasserverhältnis- kommen vor allem als Güteprüfungen zum Nach-
se ist, das Vorkommen von freiem und gespanntem weis der Qualitätsanforderungen auf Baustellen zur
Wasser durch die Baugrundaufschlüsse oder durch Anwendung, z. B. zur Ermittlung von Dichte und
Grundwassermessstellen festzustellen, soweit dies Verformungsmoduln. Hinweise hierzu enthält DIN
für die bauliche Anlage von Bedeutung ist. In ober- 4020. Einige Feldversuche kommen aber auch bei
flächennahen Schichten genügen hierzu Schürfe der Baugrunderkundung im Bohrloch zur Anwen-
und in tief liegenden Schichten Bohrungen. dung (s. Kapitel 3.2). Die wichtigsten Laborversu-
che gehen aus Tabelle 3.3 hervor.
Beim Aufschluss der Wasserverhältnisse muss so-
wohl die weiträumig zusammenhängende Wirkung Einige Versuchstechniken für anorganische Böden,
durchlässiger und wasserstauender Schichten als wie sie z. B. in Versuchsnormen beschrieben wer-
auch der Einfluss lockerer, wenig durchlässiger den, sind bei schwach zersetzten Torfen oft nur be-
Schichten beachtet werden. Von diesem Zusam- schränkt oder gar nicht anwendbar. Bei Fasertorfen
menwirken hängt es ab, ob sich ein Grundwasser- und gering zersetzten Torfen sind Aussagen über
horizont mit freiem Spiegel oder mehrere Stockwer- das Verformungs- und Scherverhalten häufig nur
ke mit oder ohne hydraulische Verbindung und mit durch Versuche in situ möglich. Weitere Hinweise
entsprechend unterschiedlicher hydrostatischer hierzu werden von der FGSV (1988) gegeben.
Druckhöhe ausbilden. In Tide-, Fluss- und Seenge-
Nicht immer lässt sich das Verhalten des Unter-
bieten sowie Niederungen treten außerdem zeitab-
grundes aus den Bodenkennwerten mit ausrei-
hängige Hoch- und Niedrigwasserstände auf.
chender Sicherheit vorhersagen. Je nach Größe
Die zu einem bestimmten Zeitpunkt in Baugrund- und Bedeutung einer Baumaßnahme kann es erfor-
aufschlüssen vorhandenen Wasserstände zeigen derlich sein, durch einen Großversuch Messwerte
20

Prüfverfahren Prüfvorschrift Prüfergebnis Mindesprobegüte nach


DIN 4021, Teil 1 – Tab. 1
Sieb- und Schlämmanalyse DIN 18123 Korngrößenverteilung 4
Bestimmung von Feinkornanteilen TP - BF Teil B 5.2 Feinkornanteile in grobkörnigen 4
Böden
Bestimmung des Wassergehalts:
- Ofentrocknung DIN 18121/1 Wassergehalt 3
- Kalziumkarbidmethode TP - BF Teil B 1.2 Wassergehalt 3
- radiometrische Verfahren TP - BF Teil B 4.3 Wassergehalt 3
Bestimmung der Zustandsgrenzen DIN 18122/2 Fließ-, Ausroll- und Schrumpf- 3
grenzen, Plastizität, Konsistenz
Bestimmung der Korndichte:
- Kapillarpyknometer DIN 18124/1 Korndichte 4
- Tauchwägegefäß TP - BF Teil B 3.2 Korndichte 4
- Luftpyknometer TP - BF Teil B 3.3 Korndichte 4
- Einfüllgerät TP - BF Teil B 3.4 Korndichte 4
Bestimmung der Bodendichte:
- Labormethoden DIN 18125/1 Dichte des Bodens 2
- Feldmethoden DIN 18125/2 Dichte des Bodens 2
- radiometrische Verfahren TP - BF Teil B 4.3 Dichte des Bodens 2
Bestimmung der lockersten und DIN 18126 Lagerungsdichte bei kohäsions- 3
dichtesten Lagerung losen Sanden
Proctorversuch DIN 18127 Verdichtbarkeit des Bodens und 4
optimaler Verdichtungswasser-
gehalt
Bestimmung der organischen TP - BF Teil B 10.1 Gehalt des Bodens an orga- 4
Bestandteile im Boden nischer Substanz
Bestimmung der Scherfestigkeit:
- einaxialer Druckversuch DIN 18136 einaxiale Druckfestigkeit, Sensivität 1–2
- dreiaxialer Druckversuch DIN 18137/2 Reibungswinkel, Kohäsion 1-3
- Rahmenscherversuch DIN 18137/1 Reibungswinkel, Kohäsion 1-3
Kompressionsversuch (Druckversuch Steifenmodul, Kompressionsbeiwert, 1
mit verhinderter Seitendehnung) Konsolidierungsbeiwert
Bestimmung betonangreifender DIN 4030 Angreifvermögen von Beton 4
Stoffe in Boden und Wasser

Tab. 3.3: Laborprüfverfahren (FGSV, 1988)

zu gewinnen. Dabei muss sichergestellt werden, und Bemessungsaufgaben bedürfen ebenso wie
dass die Randbedingungen der Trasse (z. B. Grä- die Untersuchungen zur Sicherheit und Wirtschaft-
ben, Randbebauung), der Bauablauf sowie das lichkeit von baulichen Anlagen des gezielten Ein-
Bauverfahren berücksichtigt werden und dass das satzes der Messtechnik. Messtechnische Verfah-
Versuchsgebiet für die Untergrundverhältnisse der ren werden baubegleitend und zur Überwachung
Trasse repräsentativ ist. nach der Bauausführung angewendet.

Um Aussagen über das Langzeitsetzungsverhalten Das gilt insbesondere für


zu treffen, sind Versuchsschüttungen so früh wie
möglich anzulegen. Bei Torfen wird etwa ein Jahr · die Analyse des Systemverhaltens baulicher
benötigt. Bei Böden aus feinkörnigen Sedimenten Anlagen,
können, je nach Zusammensetzung, mehrere Jahre · die Analyse und Steuerung bautechnischer Pro-
erforderlich sein. Zur Vermeidung späterer Set- zesse, vor allem bei stark beanspruchten, nahe
zungsdifferenzen sollte der Versuch nicht im unmit- der Sicherheitsgrenze dimensionierten Bauwer-
telbaren Trassenbereich ausgeführt werden. ken.

Durch die Messung von Verformungen, Kräften,


3.5 Geotechnische Messungen Spannungen und Erschütterungen soll im Sinne
der DIN 4020 geprüft werden, ob
Das Messen von objektiven physikalischen Größen
hat für die Anwendungsgebiete der Bodenmecha- · das tatsächliche Baugrundverhalten und die er-
nik zunehmende Bedeutung. Die Berechnungs- wartete gegenseitige Beeinflussung von Bau-
21

grund und Bauwerk mit den Vorhersagen über- daher sein, diese Basisoperation so leistungsfähig
einstimmen, wie irgend möglich zu gestalten und zu steuern.
Unter Beachtung aller maßgebenden Einflüsse gilt
· die Sicherheit während der Bauzeit und auf
es daher, den Baubetrieb im Hinblick auf einen
Dauer gegeben ist,
kontinuierlichen Bauablauf zu optimieren. Dazu
· zusätzliche technische Maßnahmen zur Funk- zählen u. a. ein an die Gegebenheiten der Baustel-
tionstüchtigkeit nötig werden oder auf geplante le angepasster Einsatz der Maschinen, eine harmo-
Maßnahmen verzichtet werden kann. nische Gerätezusammenstellung, die Gerätewar-
tung und -instandhaltung, eine leistungsfähige und
Damit die Messungen zum nutzbaren Ergebnis flexible Fördermethode, die Planung des Bau-
führen, bedarf es der methodischen und sorgfäl- straßen- und Transportnetzes sowie die Steuerung
tigen Planung. Hierzu gehören folgende Grundsät- der einzelnen Betriebspunkte und ihres Zusam-
ze: menspiels untereinander.
· Sehr frühzeitig in der Planungsphase des Ob-
Die Projektbearbeitung umfasst die Ausarbeitung
jekts müssen Notwendigkeit, Bedarf und Ziel-
der konkreten und im obigen Sinne möglichst opti-
richtung von Messungen ermittelt werden,
malen Lösung. Sie ist angewandte Systemtechnik
damit die erforderlichen Nullmessungen recht-
(Kapitel 4.2.2). Liegt eine Bauaufgabe vor, so muss
zeitig ausgeführt werden können und die Mess-
sie zunächst analysiert und insbesondere hinsicht-
ergebnisse für bauliche Konsequenzen recht-
lich der Gelände- und Bodenverhältnisse unter-
zeitig zur Verfügung stehen.
sucht werden. Dann können die Methoden der Ver-
· Jeder Messung ist vor Beginn eine klar definier- fahrenstechnik einsetzen und schließlich zur Aus-
te Aufgabe zuzuordnen. wahl der geeigneten Verfahren und Maschinen füh-
ren.
· Die zulässigen Grenzzustände sind festzulegen.
Aus dieser kurzen Ausführung wird deutlich, dass
· Maßnahmepläne und Zeitpläne sind zu erstellen
keine allgemein gültige optimale Lösung für
für den Fall, dass nicht mehr zulässige Ereignis-
Bodenersatzverfahren beim Straßenbau auf wenig
se eintreten.
tragfähigem Untergrund vorliegen kann. Viel-
Die messtechnischen Verfahren lassen sich unter- mehr ist immer eine an die individuellen Umstände
gliedern in Verformungs- und Verschiebungsmes- einer Bauaufgabe angepasste Lösung zu suchen.
sungen, Spannungsmessungen und Messungen In dem nachfolgenden Kapitel 4.2 erfolgt daher
im Grundwasser. Einen diesbezüglich allgemeinen zunächst die Darlegung der methodischen Grund-
Überblick liefert die DIN 4020. Einen spezifischen lagen des Erdbaus. Hierdurch wird ein Überblick
Überblick auf die derzeit gebräuchlichen Messsys- auf die komplexen Zusammenhänge des Erdbaus
teme und deren Anwendung, insbesondere beim mit dem Ziel geschaffen, die umfangreichen Modi-
Straßenbau auf wenig tragfähigem Untergrund, fikations- bzw. Variationsmöglichkeiten bereits er-
geben die OECD (1979), LEROUEIL et al. (1990) probter Bauverfahren aufzuzeigen. Der Schwer-
sowie das CUR (1996). punkt der Erläuterungen liegt dabei auf der Struk-
tur der Zusammenhänge; ein Anspruch auf voll-
ständige Aufzählung aller Einzelheiten wird daher
nicht erhoben.
4 Bodenersatzverfahren
Die Darstellungen der Kapitel 4.3 bis 4.6 geben
4.1 Einführung einen speziellen Überblick auf die Erdbautechnolo-
gie der Bodenersatzverfahren beim Straßenbau auf
Wie aus der in Kapitel 2.3 dargestellten Verfahrens- wenig tragfähigem Untergrund. Sie spiegeln den
abgrenzung bereits ersichtlich ist, werden die Bo- diesbezüglichen Stand der Technik wider und zei-
denersatzverfahren beim Straßenbau auf wenig gen, welche Formen hier die Fertigungs- und die
tragfähigem Untergrund im Wesentlichen durch Verfahrenstechnik annehmen können. Darüber hi-
den Erdbau dominiert. Das bedeutet, die Massen- naus werden die zur Erfüllung der bei den Teilbe-
umlagerung ist das wesentliche Merkmal der Bau- trieben „Bodenersatz“ anfallenden Teilleistungen
ausführung und damit deren bestimmender Kos- einsetzbaren bzw. bisher eingesetzten Geräte auf-
tenfaktor. Ziel des Handlungssystems wird es geführt.
22

4.2 Methodik des Erdbaus Berücksichtigung der Randbedingungen, die Leis–


tungsermittlung und die Kostenermittlung des Sys–
4.2.1 Übersicht tems. Anschließend erfolgen die Installation und
letztendlich der Betrieb des Systems.
Mit Hilfe der Systemtechnik wird die Bauaufgabe in
verschiedene Teilaufgaben bzw. Teilbetriebe (z. B. 4.2.2 Systemtechnik
Transport, Einbau etc.) unterteilt. Diese bestehen
aus einzelnen Betriebspunkten (z. B. Einbaustelle), Jede Bauausführung ist systemtechnisch betrachtet
an denen bestimmte Teilleistungen erbracht bzw. ein Handlungssystem, welches stets mit einem Ziel-
Arbeitsvorgänge durchgeführt werden. Die Teilleis- und einem Sachsystem gekoppelt ist. Während im
tungen bestehen ihrerseits wieder aus Grundope- Baubetrieb das Zielsystem meistens die Minimie-
rationen. Für diese Grundoperationen müssen ge- rung von Zeit und Kosten umfasst, stellt das Sach-
eignete Werkzeuge und die zweckmäßigste Opera- system im vorliegenden Fall das zu erstellende Erd-
tionstechnik gefunden werden, welche die durch- bauwerk, den Straßendamm, dar. Das Handlungs-
zuführenden Prozesse unter Rücksicht auf die Ein- system ist die erforderliche Massenumlagerung,
flussfaktoren Boden, Wetter, Mensch und Maschi- deren Struktur sich auf die einfache Grundform des
nenbetrieb möglichst optimal umsetzen. In den Lösens, des Ladens, des Transportes und des Ein-
weiteren Formierungsschritten des Fertigungssys- baus zurückführen lässt. Hierbei handelt es sich
tems für eine konkrete Bauaufgabe erfolgen dann demnach um ein Materialflussproblem, welches mit
die Bildung des geeigneten Gesamtsystems, die Hilfe der Systemtechnik gelöst werden kann.
Der Systemtechnik liegen dabei die Systemtheorie
und die Kybernetik zugrunde. Die Systemtheorie
sucht nach Systemen und definiert und analysiert
sie nach Struktur und funktionellem Ablauf. Die Ky-
bernetik untersucht die Systeme auf selbsttätige
Regelungs- und Steuerungsmechanismen. Dabei
hat die Systemtechnik eine in mehrere Stufen un-
terteilte Vorgehensweise zur Lösung der Probleme,
die im Folgenden kurz erläutert werden (Bild 4.1).

1. Situationsanalyse
Bei der Situationsanalyse wird das Problem (z. B.
der Bau eines Straßendammes auf wenig tragfähi-
gem Untergrund) erfasst und aufgeschlossen. Mit
Hilfe der so genannten „Black-box-Methode“ wird
das Input-Output-Verhalten des Systems (z. B. der
Baustelle) eruiert, um von dessen äußeren Verhal-
ten auf seinen zunächst unbekannten inneren Auf-
bau (z. B. Baustelleneinrichtungen etc.) zu schlie-
ßen (Bild 4.2).
Hinzu kommen eine Analyse der Systemumgebung
sowie die Funktionsdefinition. Die Systemumge-
bung beinhaltet alle Rand- und Umgebungsbedin-
gungen, unter denen das System arbeiten muss
(z. B. Lastangaben, Gesetze etc.). Die Funkti-
onsdefinition klärt, wie das System funktionieren
soll und welchen Zweck es hat.

2. Zielsetzung

Im Zielfindungsprozess wird das Zielsystem defi-


niert, wobei die wirtschaftlichen Aspekte (Minimie-
Bild 4.1: Prinzipielle Vorgehensweise der Systemtechnik (nach rung von Zeit und Kosten) im Vordergrund stehen.
BRUNNER, 1979) Dabei haben die Ziele einen dynamischen Charak-
23

ter, weshalb das Zielsystem nur unter Rückkopp- folgt dabei in einfachster Weise gedanklich durch
lung mit gefundenen Lösungsvarianten endgültig logische Verknüpfung vorhandener Erfahrungen.
festgelegt werden kann. Bei komplizierten Vorgängen kann die Analyse
auch mit Hilfe von mathematischen Simulationen
3. Konzeptsynthese
oder anhand physikalischer Modelle (Experimente)
Bei der Konzeptsynthese, dem Kern der System- durchgeführt werden.
technik, erfolgt die Zusammenstellung aller mögli-
chen Ausführungsvarianten bzw. Lösungsansätze. Zur quantitativen Bewertung der Lösungsansätze
Den einzelnen Teilleistungen der Bauausführung kann zusätzlich eine Nutzwertanalyse durchgeführt
werden verschiedene Ausführungsmöglichkeiten werden (ZANGEMEISTER, 1970). Im einfachsten
zugewiesen. Durch sinnvolle Kombination ver- Fall erfolgt hierbei eine subjektiv beeinflusste nu-
schiedener Ausführungsmöglichkeiten der Teilleis- merische Bewertung nach einem vorher festgeleg-
tungen erhält man schließlich ein Lösungskonzept ten Maßstab (z. B. Notensystem). Anspruchsvollere
mit verschiedenen Varianten. Analyseverfahren verwenden Entscheidungsbäume
mit Kostenvergleichen (Kosten-Nutzen-Analyse).
Die Gliederung der Bauausführung in Teilleistungen
und die Zuordnung der Ausführungsmöglichkeiten 5. Auswahl
basieren im ersten Schritt auf vorhandenen Erfah- Wenn die optimale Grundstruktur des Systems ge-
rungen. Erst im nächsten Schritt ist zu überlegen, funden ist, bedarf es seiner Instrumentierung. Bei
ob die Grundstruktur des Systems verändert oder der praktischen Umsetzung des Handlungssystems
einzelne Ausführungselemente modifiziert werden, Massenumlagerung sind die in der Tabelle 4.1 auf-
um auf diese Weise neue Alternativen aus den vor- geführten Punkte zu berücksichtigen.
handenen Erfahrungen abzuleiten oder sogar völlig
neue Lösungen zu erfinden. In diesem Kontext sind Nr. Bearbeitungspunkt Erläuterung
auch die nachfolgend wiedergegebenen Verfah- 1 Ausgangslage Grundstruktur einer Bauaufgabe
2 Bauweise trocken oder nass, spurgebunden oder
rensbeschreibungen sowie die Darstellungen zur spurlos, kontinuierlich oder diskontinuierlich
Erdbaumechanik zu sehen. Diese spiegeln den 3 Transportsystem gleisgebunden oder gleislos, Bandförderung,
Rohrförderung usw.
Stand der Technik wider und sollen im Sinne der In- 4 Fertigungstechnik Quer- oder Längsförderung, Schicht-
formationsbeschaffung (vgl. Bild 4.1) dazu dienen, abtrag, große oder kleine Geräte usw.
Lösungswege für eine konkrete Bauaufgabe zu er- 5 Verfahrenstechnik Lösen, Laden, Lösen und Laden usw.
(Teilleistungen)
mitteln oder zu entwickeln. 6 Grundoperationen Reißen, Schürfen, Schneiden, Fräsen, usw.
7 Werkzeuge Reißzahn, Schneide, Fräskopf, usw.
4. Konzeptanalyse und Bewertung 8 Maschinen Planierraupen, Schürfkübel, Bagger, usw.
(Trägergeräte)
In der Konzeptanalyse werden die zuvor ermittelten 9 Operationstechnik Maschineneinsatz, Maschinenbetrieb,
Ausführungsvarianten näher untersucht, um ver- Arbeitstechnik der Maschinen
trägliche Lösungen aufzudecken. Die Ergründung Tab. 4.1: Arbeitsschritte der Erdbaubetriebsplanung (nach
der Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten er- KÜHN, 1984)

Bild 4.2: Einflüsse auf ein System (nach CHESTNUT, 1970 und PFARR, 1972)
24

Insgesamt wird deutlich, dass die Systemtechnik material (Sand, Kies oder Steine) auf die Gelände-
ein wesentliches Planungs- und Steuerungsinstru- oberfläche aufgeschüttet und infolge Eigengewicht
ment beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Un- und/oder mit Unterstützung von Hilfsmaßnahmen
tergrund ist, um das unter Berücksichtigung mög- (z. B. Sprengung, Fallplatten etc.) im Untergrund
lichst aller vorhandenen Einflüsse wirtschaftlichste versenkt. Die Struktur des Systems lässt sich damit
Lösungskonzept für eine konkrete Bauaufgabe zu auf die in Bild 4.4 dargestellten Grundformen
finden. zurückführen.

Hat sich im Zuge der Entwurfsplanung für ein


4.2.3 Handlungssystem Massenumlagerung bei
Straßenbauwerk ergeben, dass ein Bodenersatz
den Bodenersatzverfahren
notwendig wird, gilt es, das Handlungssystem ent-
Ein Straßendamm stellt ein typisches Linienbau- sprechend den vorstehend genannten Strukturen
werk dar. Die Anlage dieses Erdbauwerkes bedingt zu instrumentieren (Tabelle 4.1 und Bild 4.3).
daher auch die Einrichtung und den Betrieb einer
Linienbaustelle, was von entscheidender Bedeu-
tung für den Materialfluss zwischen den verschie-
denen Betriebspunkten und für die einzelnen Ferti-
gungsprozesse ist.

Die verfahrenstechnische Gliederung der in den


Kapiteln 4.5 und 4.6 beschriebenen Bodenersatz-
verfahren ist im Bild 4.3 dargestellt. Entsprechend
der Behandlung des nicht tragfähigen Baugrundes
wird unterschieden in Verfahren mit Bodenaus-
tausch und in Verfahren mit Bodenverdrängung.
Bei den Bodenaustauschverfahren wird zunächst
der wenig tragfähige Boden in mehr oder weniger
großem Umfang entfernt und anschließend trag-
fähiges Ersatzmaterial eingebracht, auf dem der
Straßendamm aufgebaut wird. Dagegen wird bei Bild 4.4: Strukturen der Massenumlagerung bei den Bodener-
den Bodenverdrängungsverfahren rolliges Boden- satzverfahren (I bis VII: Teilbetriebe)

Bild 4.3: Verfahrenstechnische Gliederung der Bodenersatzverfahren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Untergrund
25

Die zu wählende Bauweise ist eng verbunden mit men sowie die Auflösung der Transportkette und
der Art des Bodenersatzverfahrens und dem be- die Weiterverwendung der beteiligten Geräte für
nutzten Transportsystem. Daneben ist sie u. a. ab- andere Arbeiten. Darüber hinaus ist der Bagger-
hängig von den Boden- und Grundwasserverhält- Lkw-Betrieb sehr anpassungsfähig an wechselnde
nissen, von vorhandener Nachbarbebauung, von Bauzustände. Die wirtschaftliche Förderweite liegt
der Konstruktion des Erdbauwerks, von der Ein- zwischen ca. 3 km und 10 km (KÜHN, 1984). Die-
baumethode der Ersatzmaterialien, von dem Um- ses Transportsystem ist insbesondere deshalb für
fang der Baumaßnahme, von den vorhandenen Linienbaustellen geeignet, da hierbei die bereits
Maschinen und von qualitativen Kostenvorgaben. fertig gestellten Auftragungs- und Auffüllungsberei-
Während die Erdarbeiten bei der Bodenverdrän- che als Baustrassen genutzt werden können. Vo-
gung im Allgemeinen trocken, d. h. ohne direkten raussetzung ist eine genügende Tragfähigkeit der
Einfluss von Wasser, stattfinden, können Bode- Auffüllungen, um die hohen Bodenpressungen der
nentnahme und -einbau bei einem Bodenaus- Reifen aufnehmen zu können. Die erzielbare För-
tausch auch nass, d. h. unter Wasser erfolgen. Bei derleistung hängt wesentlich von der Fahrzeug-
einem trockenen Bodenaustausch ist zu unter- größe und der erzielbaren Fördergeschwindigkeit
scheiden, ob er mit oder ohne Grundwasserhal- ab, die wiederum abhängig ist von der Leistungs-
tung erfolgt und bei einem nassen Bodenaus- fähigkeit der Ladegeräte und dem Zustand der
tausch, ob er landgebunden oder schwimmend be- Baustraße. Genauere Angaben zu diesem Trans-
werkstelligt wird. Die Bodenverdrängung erfolgt, portsystem finden sich in KÜHN (1984).
immer kontinuierlich, während beim Bodenaus- Die hydraulische Förderung kann sowohl bei der
tausch je nach zeitlicher Abfolge von Aushub und Bodenentnahme im Nassen (Nassbaggertechnik)
Einbau zwischen kontinuierlichen und diskontinu- als auch bei der Bodenentnahme im Trockenen zur
ierlichen Bauweisen unterschieden werden kann. Anwendung kommen. Die notwendigen Vorausset-
Bei einer kontinuierlichen Bauweise erfolgen Aus- zungen für ihre Anwendung sind lediglich, dass
hub und Einbau nahezu zeitgleich, während der genügend Spülwasser vorhandenen ist und dass
Einbau bei einer diskontinuierlichen Bauweise erst die zu transportierenden Bodenmassen spülfähig
nach Fertigstellung des Aushubes über die kom-
plette Austauschstrecke bzw. eines Abschnittes er-
folgt. Aufgrund der Längenausdehnung von
Straßenbauwerken kann man im weitesten Sinne
immer von spurgebundenen Bauweisen sprechen,
denn der maßgebliche Baufortschritt erfolgt immer
in Richtung der Trassenachse.

Die Wahl des Transportsystems wird im Wesentli-


chen bestimmt durch die Beschaffenheit des zu er- Bild 4.5: Einfluss des Fördergutes auf die Auswahl des Trans-
wartenden Fördergutes, durch die Tragfähigkeit portsystems (KÜHN, 1984)
des Untergrundes und durch die notwendige För-
derweite. Die Bilder 4.5 bis 4.7 verschaffen einen
Überblick auf die Anwendungsbereiche der im Erd-
bau üblichen Transportsysteme.

Bei den Bodenaustauschverfahren sollte das


Bild 4.5: Einfluss der Tragfähigkeit des Untergrundes auf die
Transportsystem nach Möglichkeit in der Lage Auswahl des Transportsystems (KÜHN, 1984)
sein, sowohl die Aushubmassen als auch die Er-
satzmaterialien zu befördern. Das Gleiche gilt aller-
dings auch für die Bodenverdrängungsverfahren,
wenn zur Geländeoberfläche ausweichende Bo-
denmassen abgetragen werden müssen. Die der-
zeit bei den Bodenersatzverfahren präferierten
Transportsysteme sind der Bagger-Lkw-Betrieb
und der Hydrauliktransport. Das Bagger-Lkw-Sys-
tem ist sehr flexibel im Hinblick auf die Vorhaltung Bild 4.57 Einfluss der Förderweite auf die Auswahl des Trans-
von Fahrzeugen durch das ausführende Unterneh- portsystems (KÜHN, 1984)
26

sind. Der Einsatz des Hydrauliktransportes ist hier turen verfahren wird, und bestimmt damit die
in der Gruppe der Bodenersatzverfahren aus- Grundanforderungen an die für die Umsetzung der
schließlich beim Bodenaustausch sinnvoll. Das Be- Erdbewegung notwendigen Geräte, d. h. die Ver-
triebssystem besteht bei diesem Transportsystem fahrenstechnik. Andererseits kann die Fertigungs-
aus einem Fördergerät zum Abbau des zu lösen- technik auch durch die Geräteart festgelegt wer-
den Bodens, einer Baggerpumpe zum Erzeugen den, wenn bestimmte bereits vorhandene Maschi-
und Inganghalten des Förderstromes, einer Rohr- nen zum Einsatz kommen sollen. Eine weitere Un-
leitung als Transportmittel und einer Spülkippe zur tergliederung der Bauausführung in Teilleistungen
Ablagerung des auszutauschenden Bodens. Die erfolgt nach verfahrenstechnischen Aspekten. Beim
Nenndurchmesser der Spülrohre variieren zwi- Bodenaustausch (Bild 4.4a) besteht der Teilbetrieb I
schen 500 mm und 1000 mm und die üblichen För- beispielsweise aus den Teilleistungen Lösen,
derlängen liegen zwischen 1 bis 2 km. Maßgebend Laden, Einbau und Verdichtung (je nach Ersatzma-
für die erreichte Förderweite sind die Druckhöhe terial). Bei der Bodenverdrängung (Bild 4.4b) sind
der Pumpe auf der einen und der summarische beim Teilbetrieb I im Wesentlichen die Teilleistungen
Rohrleitungswiderstand auf der anderen Seite. In Einbau und Verdichtung zu erbringen. Jede dieser
Form von Zwischenpumpen können zusätzliche Teilleistungen kann in Abhängigkeit von der Bau-
Antriebsquellen in den Förderstrom eingeschaltet weise und vornehmlich von den Bodeneigenschaf-
werden, um die Reichweite bzw. die Förderleistung ten in Grundoperationen zerlegt werden. Beispiels-
zu steigern. Die wirtschaftliche Gesamtförderweite weise kann das Lösen beim Bodenaustausch in
liegt bei 1 bis 5 km (KÜHN, 1984). Auch dieses Form von Saugen, Spülen, Greifen, Schneiden, Frä-
Transportsystem bietet sich für die hier betrachte- sen, Schürfen usw. erfolgen. Kombinationen wie
ten Linienbaustellen an, da diese eine weit gehend das Spülen + Saugen oder das Fräsen + Saugen
stationäre Lage der Förderwege zulassen. Die sind ebenfalls möglich. Sind die Grundoperationen
Rohrleitungen können auf einem zumindest grob festgelegt, können die hierzu notwendigen Werk-
planierten Geländestreifen neben der Dammtrasse zeuge, die notwendige Arbeitskinematik und da-
verlegt werden. Bei Schwimmbaggerarbeiten wer- nach die hierfür notwendigen Baumaschinen be-
den die durch flexible Gummischläuche verbunde- stimmt werden. Der letzte Schritt zur Realisierung
nen Rohrleitungen im Wasser durch kleine Pontons der Bauaufgabe „Bodenersatz“ erfolgt durch die
gestützt (Schwimmleitung) und an Land geführt. baubetriebliche Operationstechnik, mit deren Hilfe
Systemextern hängt die erzielbare Förderleistung der Einsatz und der Betrieb der operierenden Ma-
von der Leistung der Aufnahmeeinrichtung bzw. schinen geplant und gesteuert werden.
der Ladegeräte ab. Systemintern hängt sie von der
Leistung der Förderanlage ab, welche die Größe Das Ziel der vorstehenden Beschreibungen ist es,
der Strömungsgeschwindigkeit in den Rohrleitun- grob die erdbautechnologische Struktur der Bo-
gen und den Förderdruck regelt. Insgesamt sind denersatzverfahren aufzuzeigen. Bereits hierbei
sowohl die systemexternen als auch die systemin- wird jedoch deutlich, dass es innerhalb der einzel-
ternen Leistungsparameter von den Eigenschaften nen Ersatzverfahren zum Teil zahlreiche Variations-
des zu transportierenden Bodens abhängig. Die möglichkeiten bezüglich der Bauweise und der Ins-
hydraulische Förderung hat den Vorteil, dass ihre trumentierung gibt. Da eine detailliertere Darlegung
Leistungsfähigkeit weit gehend witterungsunab- der oben angesprochenen erdbautechnologischen
hängig ist. Detaillierte Beschreibungen und Erläu- Aspekte den Rahmen der vorliegenden Betrach-
terungen zu diesem Transportsystem finden sich in tungen sprengen würde, sei an dieser Stelle auf die
KÜHN (1974), ZIMMERMANN (1981a), ZIMMER- weiterführende Literatur verwiesen. Allgemeine An-
MANN (1981b), FÜHRBÖTER (1961b) und DETT- gaben zur Erdbautechnologie finden sich beispiels-
MERS (1963). weise in KNAUPE (1975), KÜHN (1984) und
PIETSCH/ROSENHEINRICH (1993).
Die Fertigungstechnik, d. h. die Art und Weise, wie
die mit dem gewählten Bodenersatz verbundene
Massenumlagerung praktisch vollzogen wird, ist 4.3 Konstruktionsprinzipien
abhängig von der zur Ausführung gelangenden
4.3.1 Allgemeines
Bauweise und dem Konstruktionsprinzip des Erd-
bauwerks (z. B. Querschnittsform des Ersatzkör- In Kapitel 2 wurde erläutert, wie sich der Entwurfs-
pers). Sie legt fest, wie mit den bewegten Erdkuba- prozess beim Straßenbau auf wenig tragfähigem
27

Untergrund prinzipiell gestaltet und welche Fakto- bestimmten Bauverfahren nur Ersatzmaterialien mit
ren die Gestaltung des Erdbauwerkes beeinflus- besonderen Eigenschaften verarbeitbar oder eine
sen. festgelegte Geometrie und Konstruktionsweise sind
nur mit speziellen Ersatzmaterialien realisierbar.
Im Allgemeinen stehen bei der Gestaltung des Er-
satzkörpers zunächst die nach erdstatischen Maß- Prinzipiell wird immer angestrebt, dem Bodener-
gaben erforderliche Standsicherheit und zulässige satzkörper eine vorbestimmte Geometrie zu verlei-
Verformung im Vordergrund. Die Praktikabilität, d. hen, die entsprechend den erdbaustatischen Maß-
h. die Umsetzbarkeit eines Gestaltungsentwurfes, gaben für das Gesamtbauwerk (z. B. Standsicher-
ist in jeder Planungsphase zu überprüfen. Diese heit, Spannungs- und Setzungsverlauf usw.) opti-
Überprüfung bezieht sich auf die Realisierung ge- miert ist. Hier muss unterschieden werden zwi-
wünschter Systemeigenschaften, wie z. B. eines schen Verfahren mit und ohne vorprofiliertem Quer-
angestrebten äußeren Tragverhaltens etc., durch schnitt. Die Bodenaustauschverfahren stellen die
die Teilleistung „Einbau des Ersatzmaterials“. Die erste und die Bodenverdrängungsmaßnahmen die
diesbezüglich bestimmenden Faktoren für einen zweite Gruppe dar. Damit wird bereits ein grund-
Bodenersatz sind die Geometrie des Bodenersatz- sätzlicher Qualitätsunterschied zwischen diesen
körpers, die Stoffeigenschaften des wenig tragfähi- beiden Verfahrensgruppen aufgezeigt, welcher die
gen Bodens als auch des Ersatzmaterials und die Steuerung der Querschnittshomogenität des Bo-
Konstruktionsweise des Bodenersatzkörpers. Um denersatzkörpers und damit auch dessen erdstati-
sicherzustellen, dass die angestrebten Systemei- sche Eigenschaften betrifft.
genschaften im Zuge des Bauprozesses auch er-
Hinsichtlich der nutzbaren Ersatzmaterialien sind
reichbar sind, ist die Berücksichtigung grundlegen-
mit diesen beiden Verfahrensgruppen ebenfalls
der Konstruktionsprinzipien der verschiedenen
Einschränkungen verbunden. Im Falle eines Bo-
Bauverfahrensgruppen notwendig. Die Kenntnis
denaustausches kann, unter Rücksicht auf alle
dieser Konstruktionsprinzipien wird somit zu einem
übrigen Einflüsse, grundsätzlich jedes erdbautech-
wichtigen Entscheidungskriterium für bzw. gegen nisch geeignete Ersatzmaterial verwendet und an
die Wahl eines Bauverfahrens oder einer Verfah- eine Geometrie angepasst werden. Bei einer Bo-
rensvariante. Die grundsätzlichen Zusammenhänge denverdrängung muss das Material entweder von
zu dieser Thematik werden nachfolgend erläutert. selbst oder unter Nutzung von Hilfsmaßnahmen in
Das Anpassen des Bodenersatzes an vorgegebene der Lage sein, eine benötigte stabile Geometrie
Randbedingungen wird ausschließlich über die ge- anzunehmen. Bezogen auf den Herstellungspro-
nannten drei Parameter Geometrie, Baustoffe und zess des Bodenersatzkörpers ist im Hinblick auf
Konstruktionsweise gesteuert (Bild 4.8). Diese drei die Nutzbarkeit von Ersatzmaterialien zu unter-
Parameter stehen immer in einer Wechselbezie- scheiden zwischen primären und sekundären Ein-
hung zueinander und zu den Konstruktionsprinzipi- flussparametern. Als Primärfaktoren können bei-
en der Bauverfahren. Beispielsweise sind bei einem spielsweise die Festigkeit und Verformbarkeit des
wenig tragfähigen Bodens, anstehendes Grund-
wasser, aber auch die Festigkeit und Verformbar-
keit des Ersatzmaterials selbst angesehen werden.
Diese Parameter beeinflussen die Qualität des Bo-
denersatzes schon unmittelbar während der Her-
stellung. Sekundärfaktoren beinhalten Einflüsse auf
die Eigenschaften des Bodenersatzkörpers, die
zeitlich betrachtet erst nach Abschluss des Her-
stellungsprozesses wirksam werden. Darunter fal-
len beispielsweise physikalische und chemische
Umwandlungsprozesse der Ersatzmaterialien oder
auch das zeitverzögerte Verformungsverhalten
(z. B. Kriechen) des wenig tragfähigen Bodens bei
einem Teilbodenaustausch.

Unter der Konstruktionsweise ist die Fertigungs-


technik, mit welcher der Bodenersatzkörper aufge-
Bild 4.8: Einflussparameter auf die Wahl eines Bauverfahrens baut wird, zu verstehen. Sie ist abhängig von dem
28

vorgesehenen Ersatzmaterial sowie von der Bau- Ersatzmaterial wird auf einem möglichst schmalen
weise und dem Transportsystem. Vor allem ist sie Streifen schichtweise auf die Geländeoberfläche
aber auch der angestrebten Geometrie entspre- geschüttet und versinkt dabei aufgrund der nur ge-
chend zu wählen, oder umgekehrt kann die Geo- ringen Scherfestigkeit des Weichbodens (z. B.
metrie auch der Konstruktionsweise angepasst Mudden mit etwa ϕ' ≤ 12°, c' ≈ 0 und w ≥ 250 %)
werden. Auch hier muss hervorgehoben werden, unmittelbar im Untergrund. Unter idealen Verhält-
dass sich die beiden genannten Verfahrensgrup- nissen entsteht hierbei ein dammförmiger Ersatz-
pen deutlich in den Möglichkeiten zur Ausbildung körper auf der tragfähigen Basis, dessen Bö-
der Fertigungstechnik unterscheiden. schungswinkel in Abhängigkeit von der Dichte des
weichen Bodens größer ist als derjenige einer ver-
4.3.2 Verfahren ohne Vorprofilierung (Boden- gleichbaren trockenen Schüttung in lockerer Lage-
verdrängung) rung. Die Verbreiterung des Querschnittes ist mög-
lich, indem zusätzlicher Ersatzboden jeweils seit-
Verfahrenstechnisch betrachtet, steht bei diesen lich über die Böschungen abrutschend im Unter-
Verfahren die Bodenverdrängung bei der Teil- grund versenkt wird. Neben dem Verdrängungs-
leistung „Einbau“ im Vordergrund. Die Verdrängung körper zeigen sich dabei flache Anhebungen mit
kann annähernd vollständig als auch teilweise er- verhältnismäßig großer Ausdehnung (Bild 4.9a).
folgen. Bei einer annähernd vollständigen Verdrän- Nach STEINFELD (1965) sind selbst bei kleinen
gung wird angestrebt, den wenig tragfähigen Straßendämmen Anhebungen mit Breitenausdeh-
Boden im gesamten gewollten Querschnittsbereich nungen von 150 m neben dem Verdrängungskör-
des Bodenersatzkörpers und über die komplette per beobachtet worden. Bei Weichböden mit
Höhe der weichen Schicht zu verdrängen. Der Bo- größer Scherfestigkeit erfolgt das Ausweichen der
denersatzkörper liegt auf dem unterhalb anstehen- Massen über Grenzgleitflächen. Hierbei wird das
den tragfähigen Boden auf und der spätere Stra- Ersatzmaterial auf einem schmalen Streifen schnell
ßendamm erhält eine stehende Gründung. Bei überhöht auf der Geländeoberfläche aufgetragen,
einer teilweisen Verdrängung erfolgt die Verdrän- bis die Auflast ausreicht, um ein Grundbruchversa-
gung nicht über die komplette Höhe der Weich- gen des Weichbodens zu bewirken (Bild 4.9b). Das
schicht. Das Auflager des Bodenersatzkörpers liegt Ersatzmaterial versinkt dann im Untergrund und
im Bereich der Weichschicht, womit der spätere verdrängt die anstehenden Bodenmassen seitlich
Straßendamm eine schwimmende Gründung er- über verhältnismäßig kurze Gleitflächen nach oben.
hält. Unmittelbar neben dem Verdrängungskörper ent-
Bei der Bodenverdrängung ist zu differenzieren in stehen Aufwölbungen der Geländeoberfläche, die
aktive und passive Verdrängung. Aktiv bedeutet je nach Mächtigkeit der Weichschicht auf bis zu
Verdrängung des wenig tragfähigen Bodens unter 4-5 m anwachsen können (STEINFELD, 1965). Die-
alleiniger Wirkung des Eigengewichtes des Ersatz-
materials (Kapitel 4.6.1). Das Ersatzmaterial muss
also eine ausreichende Wichte besitzen, um den
Verdrängungsprozess einleiten und aufrechterhal-
ten zu können. Daneben muss es in der Lage sein,
bei diesem Vorgang den gewünschten Ersatzkör-
per zu bilden. Nach Möglichkeit sollte sich ein ho-
mogener dammförmiger Querschnitt einstellen, der
sowohl standsicher als auch verformungsarm ist.
Hierfür kommen natürliche rollige Materialien wie
Sand, Kies und Steine oder aber industrielle Ne-
benprodukte bzw. Recyclingbaustoffe mit entspre-
chenden Eigenschaften in Frage. Die Verdrän-
gungswilligkeit der Weichschichtmassen ist abhän-
gig von ihrer Struktur und ihrer Konsistenz. Daher
sind zwei grundlegende Verdrängungsmechanis-
men zu unterscheiden. Bei sehr weichen bis nahe-
zu flüssigen Böden gleicht das Ausweichen der
Massen dem Fließen einer zähen Flüssigkeit. Das Bild 4.9: Verdrängungsmechanismen
29

ser Verdrängungsvorgang wird durch die Erzeu- nicht, den Weichboden unterhalb des Ersatzkör-
gung eines Porenwasserüberdruckes infolge der pers vollständig zu verdrängen. Die Mächtigkeit der
Belastung sowie einer mit zunehmender Verdrän- erwähnten Einschlüsse bzw. Restmassen der
gung einhergehenden Verflüssigung des Weichbo- Weichböden ist aber für gewöhnlich so gering,
dens begünstigt. Unter idealen Verhältnissen ent- dass deren Konsolidierung sehr schnell abge-
steht auch hierbei ein dammförmiger Ersatzkörper schlossen ist. Demnach ist bei diesem Verfahren
über der tragfähigen Basis. Die über die Gelände- immer mit entsprechenden Setzungsdifferenzen
oberkante nach oben verdrängten Bodenmassen und nicht homogenen Scherfestigkeitseigenschaf-
wirken als Kontergewicht auf den jeweiligen ten im Ersatzkörperquerschnitt zu rechnen.
Grundbruchkörpern und können die Verdrängung
insgesamt oder lediglich die seitliche Ausdehnung Zur Vermeidung bzw. Reduzierung der vorstehend
des Ersatzkörpers behindern (Bild 4.9b). In solchen genannten Effekte können verschiedene Hilfsmittel
Fällen sind die seitlichen Bodenmassen so weit zu eingesetzt werden, um den Verdrängungsprozess
entfernen, dass sich der Verdrängungsprozess besser steuern zu können. In der Tabelle 4.2 sind
fortsetzt und sich der gewünschte Ersatzkörper bil- die wichtigsten Hilfsmittel getrennt nach Verfah-
det. Die Verbreiterung des Querschnittes erfolgt rensgruppen genannt.
analog zu dem oben erläuterten Verdrängungsvor- Die so genannte „Sandmatratze“ (Bild 4.11) soll
gang, indem zu den Seiten überhöhte Schüttungen eine ungleichmäßige Verteilung des Ersatzmateri-
auf die Geländeoberkante aufgebracht werden und als über den Querschnitt verhindern. Dabei wird
somit vom bestehenden Ersatzkörper weggerich-
zunächst eine Schicht Sand oder gleichwertigen
tete Grundbrüche erzeugen (Bild 4.32).
Ersatzmaterials mit einem Geotextil umwickelt. Auf
Eine wichtige Rolle für die Qualität des fertigen Er- der Überlappungslänge Lü sind die beiden Geotex-
satzkörpers spielen die Homogenität des jeweils tillagen miteinander zu vernähen. Die Matratze hat
anstehenden Bodens als auch die Kontinuität der die Breite der späteren Ersatzkörperbasis. Sie wird
Verdrängungsarbeiten. Wird der Bauprozess bei nach Fertigstellung kurzfristig so lange mit Ersatz-
noch nicht vollständiger Verdrängung unterbro- material überschüttet, bis der Grundbruch eintritt
chen, erhöhen sich von da an die effektiven Span- und der Ersatzkörper annähernd die tragfähige
nungen und damit die Scherfestigkeit im jeweiligen Basis erreicht hat.
Weichboden. Diese mobilisierte Scherfestigkeit
Seitenschlitze sollen dazu dienen, den Eintritt des
verhindert ein selbstständiges Fortschreiten des
Grundbruches zu beschleunigen, die Richtung des
Verdrängungsprozesses. Ist die erzeugte Scherfe-
Grundbruches vorzubestimmen oder die Ausdeh-
stigkeit im Querschnitt unterschiedlich, besteht die
nung des Grundbruches einzuschränken (Bild
Gefahr, dass das Ersatzmaterial bei einer Wieder-
aufnahme des Verdrängungsprozesses nicht
gleichmäßig im Boden versinkt und seitlich aus- aktive Verdrängung passive Verdrängung
bricht (Bild 4.10). Ähnliche Effekte sind zu erwar- - „Sandmatratze“ - Sprengung
ten, wenn die Bodeneigenschaften im betroffenen - Seitenschlitze - Eintreiben
Querschnittsbereich bereits von vornherein stark - Spüllockerung
variieren. Neben dieser ungleichmäßigen Verteilung Tab. 4.2: Hilfsmittel der Bodenverdrängung
des Ersatzmaterials neigt diese Form der Boden-
verdrängung zu Einschlüssen weichen Bodens im
Ersatzkörper. Außerdem gelingt es im Allgemeinen

Bild 4.10: Ungleichmäßige Bodenverdrängung im Querschnitt Bild 4.11: Bodenverdrängung mit Hilfe einer Sandmatratze
30

4.12). Mechanisch betrachtet wird bei dieser Me- feldspülungen, Vorkopfspülungen und in Hauptfeld-
thode die stützende seitliche Auflast bzw. der stüt- spülungen in der Mitte der bereits auf die Ge-
zende seitliche Erdwiderstand reduziert. Funktio- ländeoberfläche aufgebrachten Schüttung. Die
niert diese Methode, dann gelingt bis zu einem ge- klassische Arbeitsweise bei der Spüllockerung be-
wissen Grad auch die Steuerung der Verteilung des steht darin, die gesamte Dammbasis vor Aufbrin-
Ersatzmaterials. Dennoch bleibt auch die Proble- gen der Ersatzkörperschüttung mit Auflockerungs-
matik der Einschlüsse von Weichboden unterhalb spülungen im Verbund zu zerstören. Anschließend
des Ersatzkörpers bestehen. Weitere Probleme tre- wird die Ersatzkörperschüttung auf voller Trassen-
ten insbesondere bei beengten Verhältnissen auf länge entweder schichtweise oder gleich auf ganzer
(Bild 4.12b), wenn die Bruchfuge den Seitenschlitz Höhe aufgebracht. Mit Vorfeldspülungen – das sind
unterläuft oder die Bewegungsenergie des Bruches Spülungen beidseitig außerhalb des Schüttkörpers
so groß ist, dass auch der dahinter liegende Bo- – wird der seitlich stützende Bodenbereich aufge-
denbereich mit in Bewegung gerät. Bei dieser in weicht und damit der Grundbruch eingeleitet.
den Niederlanden in der Vergangenheit oft ange- Durch eine bewusste Staffelung der Tiefe der Vor-
wandten Methode erfolgt das Aufbringen des Er- feldspülungen ist die Steuerung der Bruchkörper-
satzmaterials häufig zusätzlich im freien Fall, um ausdehnung möglich (Bild 4.13). Bei Vorkopfschüt-
auf diese Weise eine Verflüssigung des weichen tungen und schrittweiser Verdrängung – der Grund-
Bodens zu erreichen. bruch erfolgt hierbei nicht in Querrichtung, sondern
in Richtung der Trassenlängsachse – werden die
Bei der Spüllockerung werden Spüllanzen zum
den Bruch auslösenden Spülungen um den Kopf
Zwecke der Auflockerung in den wenig tragfähigen
herum angesetzt (Vorkopfspülungen). Hauptfeld-
Untergrund eingespült. Entsprechend dem Zeit-
spülungen nach dem Aufbringen der Ersatzkörper-
punkt und dem Ort der Spülungen muss unter-
schüttung – d. h. Spülungen durch den bestehen-
schieden werden in Auflockerungsspülungen, Vor-
den Schüttkörper hindurch – werden notwendig,
wenn der Bruchvorgang trotz der vorstehend erläu-
terten Spülmaßnahmen nicht eintritt.

4.3.3 Verfahren mit Vorprofilierung (Bodenaus-


tausch)

Bei dieser Gruppe sind vom verfahrenstechnischen


Standpunkt betrachtet zwei Teilleistungen zu er-
bringen, der „Aushub“, bestehend aus dem Lösen
und Laden der auszutauschenden Weichböden,
sowie der „Einbau“, bestehend aus dem Auftrag
und der Verdichtung des Ersatzmaterials. Die Bo-
denaustauschverfahren erfordern deshalb einen
wesentlich aufwändigeren Maschineneinsatz als
die Verdrängungsverfahren. Diesem Nachteil steht
jedoch der Vorteil einer genaueren Steuerung der
Qualität des Ersatzkörperquerschnittes gegenüber.
Durch den Aushub ist es prinzipiell möglich, den
Bild 4.12: Bodenverdrängung mit Hilfe von Seitenschlitzen Ersatzkörperquerschnitt unter Berücksichtigung
bestimmter Konstruktionsregeln nahezu beliebig
an die jeweils einzuhaltenden erdstatischen Maß-
gaben anzupassen (direkte Formgebung).

Die Konstruktionsweise bei den Bodenaustausch-


verfahren lässt sich nach den folgenden Gesichts-
punkten unterscheiden (vgl. Bild 4.3).

a) Ersatzumfang

Entsprechend dem Umfang des Bodenersatzes


Bild 4.13: Bodenverdrängung mit Hilfe von Spüllanzen wird unterschieden zwischen vollständigem und
31

teilweisem Bodenaustausch. Bei einem vollständi- · Bei diskreter Auflagerung auf Reibungsfüßen
gen Bodenaustausch wird der wenig tragfähige unter den Dammschultern
Boden über die gesamte Breite des späteren Stra-
ßendammes bis zur Oberkante der tragfähigen - Vergleichmäßigung der Setzungsmulde un-
Schicht entfernt und durch tragfähiges Material er- terhalb des Dammes durch Erhöhung der
setzt. Damit erhält der Straßendamm eine kontinu- Auflast im Randbereich („schwimmende“
ierliche Auflagerung in Form einer „stehenden“ Reibungsfüße),
Gründung. - Verhinderung des seitlichen Ausfließens or-
ganischer Weichschichten durch Einspan-
Bei einem teilweisen Bodenaustausch ist zu diffe-
nung („stehende“ Reibungsfüße),
renzieren zwischen einem Teilersatz bezogen auf
die Breite des Dammauflagers und einem Teilersatz - Gewährleistung der Standsicherheit des
bezogen auf die Dicke der Weichschicht. Im ersten Dammes durch Erhöhung der Reibung in der
Fall erfolgt der Bodenaustausch nur in Teilbe- Gleitfuge,
reichen des Dammauflagers und kann bis zur
Oberkante der tragfähigen Schicht durchgeführt - Sicherungsmaßnahme bei Anschüttungen
werden oder innerhalb der Weichschicht enden an bestehende Dämme.
(„schwimmende Gründung). Der Straßendamm er- · Bei diskreter Auflagerung auf im Raster ange-
hält damit eine quasi diskrete Auflagerung. Im ordneten Entwässerungsschlitzen unter der
zweiten Fall erfolgt der Bodenaustausch zwar über Dammsohle („stehende“ Gründung)
die gesamte Breite des Dammauflagers, aber nicht
bis zur Oberkante der tragfähigen Schicht. Der - Reduzierung der Gesamtsetzung des
Straßendamm erhält damit eine kontinuierliche Straßendammes durch partiell steifere Aufla-
Auflagerung in Form einer „schwimmenden“ Grün- gerbedingungen,
dung. - Standsicherheit des Dammes durch Er-
höhung der Reibung in der Gleitfuge,
Mit einem Teilbodenaustausch sollen im Wesentli-
chen die nachfolgend genannten Wirkungen er- - Verkürzung der Konsolidationszeit durch
reicht werden: schnellere Entwässerung der Weichschich-
ten unterhalb der Dammsohle infolge der
· Bei kontinuierlicher Auflagerung
Verkürzung der Sickerwege.
(Polstergründung)

- Reduzierung der Restsetzungen nach Fertig- b) Ersatzmaterialien


stellung des Straßendammes durch Verklei-
Infolge der direkten Formgebung beim Bodenaus-
nerung der Weichschichtmächtigkeit unter-
tausch kann unter Einsatz eventuell notwendiger
halb des Dammauflagers,
Hilfsmittel prinzipiell jedes Ersatzmaterial verwen-
- Reduzierung von Differenzsetzungen durch det werden, dessen Eignung für den vorliegenden
Vergleichmäßigung der Auflagerbedingun- Zweck nachgewiesen ist (vgl. Kapitel 4.4). Vom
gen bei anstehenden Weichschichten unter- konstruktiven Standpunkt aus betrachtet, sollte es
schiedlicher Dicke und Konsistenz, im eingebauten Zustand möglichst verformungs-
arm sein und die Standsicherheit des Erdbauwerks
- Reduzierung der Setzungen infolge starker gewährleisten. Hinsichtlich der Art der für einen
dynamischer Verkehrsbelastung auf Däm- Bodenaustausch in Frage kommenden Ersatzma-
men mit geringer Höhe durch Lastverteilung terialien ist zu unterscheiden zwischen Primär-, Se-
und Dämpfung, kundär- und Leichtbaustoffen. Als Primärbaustoffe
- Gewährleistung der Standsicherheit des werden alle natürlichen Böden und als Sekundär-
Dammes durch Erhöhung der Reibung in der baustoffe werden künstlich veränderte Naturbö-
Gleitfuge, den, industrielle Nebenprodukte sowie Recycling-
Baustoffe bezeichnet. Leichtbaustoffe sind natürli-
- Erhalten einer natürlichen Grundwasser- che oder künstliche Baustoffe mit geringer Dichte.
sperrschicht in Form der verbleibenden Hierbei kann es sich um reine Primärbaustoffe (z.
Weichböden (z. B. in Wasserschutzgebie- B. Bims), um thermisch aus primär schwereren Mi-
ten). neralböden erzeugte Sekundärbaustoffe (z. B.
32

Blähton, Blähschiefer) oder um chemisch gefertig- ist also maßgebend für den Erfolg bei dieser Me-
te Baustoffe (z. B. EPS-Hartschaumstoffe) handeln. thode, was einen reibungslosen baubetrieblichen
Die Eigenschaften eines Ersatzmaterials (z. B. Ablauf voraussetzt. Werden die Erdarbeiten unter-
Festkörpergeometrie) bestimmen dessen Verarbei- brochen, ist der jeweils aktuelle Aushubbereich zu-
tungsmethoden und haben damit maßgeblichen mindest für die Dauer der Arbeitsunterbrechung
Einfluss auf die Bauweise eines Bauverfahrens temporär zu verfüllen, um ein Aufbrechen der Sohle
sowie auf die Konstruktionsprinzipien des Ersatz- oder ein Versagen der Aushubböschung zu vermei-
körpers. Aufgrund der Vielzahl möglicher Ersatz- den (Bild 4.15).
materialien sei hinsichtlich der für die Fertigungs-
Auch beim Bodenaustausch unter Wasser ist eine
und Verfahrenstechnik zu berücksichtigenden Ei-
kontinuierliche Bauweise durchführbar. In den Ka-
genschaften an dieser Stelle auf das Kapitel 5.4
piteln 4.5.3 und 4.5.4 werden Beispiele hierfür be-
und die dort erwähnte Literatur verwiesen.
schrieben. Hierbei sind jedoch weniger erdstati-
sche Erfordernisse maßgebend für die Wahl der
c) Zeitliche Abfolge von Aushub und Einbau Bauweise als vielmehr baubetriebliche Sachzwän-
ge wie beispielsweise das Ausnutzen vorhandener
Wie bereits erwähnt, ist im Hinblick auf die zeitliche
Maschinen oder operationstechnische Gründe wie
Abfolge des Aushubes und des Einbaues bei einem
beispielsweise die Koordination des Maschi-
Bodenaustausch zwischen kontinuierlichen und
neneinsatzes auf der gesamten Erdbaustelle.
diskontinuierlichen Bauweisen zu differenzieren
(Kapitel 4.2.3). Lassen die bodenmechanischen Verhältnisse es
zu, dass nicht mit Standsicherheitsproblemen der
Eine kontinuierliche Bauweise liegt vor, wenn der
Einbau nahezu unmittelbar nach dem Aushub er-
folgt. Die Notwendigkeit einer derartigen Bauweise
ergibt sich bei einem Bodenaustausch insbesonde-
re dann, wenn bei entsprechenden Boden- und
Grundwasserverhältnissen die Gefahr eines Bau-
grubensohlaufbruches als Folge eines hydrostati-
schen Auftriebs bzw. eines Strömungsdruckes (hy-
draulischer Grundbruch) besteht, aber aufgrund
umweltpolitischer, technischer bzw. wirtschaftlicher
Aspekte oder wegen der zur Verfügung stehenden
Geräte auf eine Wasserhaltung verzichtet werden
muss. Im Zusammenhang mit dieser als Andeck-
bauweise bezeichneten Methode spricht man auch
von einem Bodenaustausch „Zug um Zug“, da der
Bild 4.14: Arbeitsablauf sowie Geräteeinsatz und -anordnung
auszutauschende Boden herausgenommen und
bei der Andeckbauweise (QUAST, 1980)
unmittelbar anschließend zumindest so viel Ersatz-
material eingebracht wird, bis eine ausreichende Si-
cherheit gegen Aufbruch der Baugrubensohle er-
reicht ist. Der Bodenaustausch „Zug um Zug“ ist
sowohl bei Teil- als auch bei Vollauskofferungen
möglich. Ein möglicher Arbeitsablauf und Maschi-
neneinsatz des Teilbetriebs „Bodenaustausch“ sind
für die Andeckbauweise bei einer Teilauskofferung
schematisch in Bild 4.14 dargestellt.

Bei dieser Bauweise wird bewusst der Zeitraum


ausgenutzt, der voraussichtlich nach Erreichen des
Sollaushubzustandes bis zum Versagensfall ver-
bleibt, um das Ersatzmaterial einzubauen. Auf-
grund dieser Maßgabe ist auch der maximale Ab-
stand a (Voreilmaß) zwischen Aushub und Einbau Bild 4.15: Voreilmaß und Verfüllung des Aushubbereiches bei
festzulegen (Bild 4.15). Die Arbeitsgeschwindigkeit Arbeitsunterbrechungen
33

vorstehend genannten Art zu rechnen ist, dann spruch genommene Grundfläche möglichst klein
kann die Baugrube zunächst in vollem Umfang zu halten.
ausgehoben werden. Erst nach Beendigung der
Aushubarbeiten erfolgt schließlich der Einbau des Als Verbaukonstruktion werden im Wesentlichen
Ersatzmaterials. Derartige Verhältnisse liegen vor, Spundwände oder speziell für die Belange des Bo-
wenn infolge tief liegenden oder abgesenkten denaustausches entwickelte Verbausysteme ein-
Grundwasserspiegels kein Einfluss des Grundwas- gesetzt. Derartige Verbausysteme wurden unter
sers vorhanden ist (Aushub im Trockenen) oder der der Prämisse entwickelt, einen qualitativ hochwer-
Bodenaustausch im Nassen stattfindet. Im letztge- tigen Bodenaustausch bei möglichst zügigem Ar-
nannten Fall muss der Wasserstand in der Baugru- beitsfortschritt und gleichzeitiger Kostenminimie-
be immer so hoch sein, dass im Bereich der Bau- rung zu ermöglichen (Kapitel 4.5.5 und 4.5.6).
grubenwandungen mindestens ausgeglichene Daher sind diese Verbausysteme mit einer kontinu-
Druckverhältnisse vorhanden sind oder eine Strö- ierlichen Bauweise verbunden, bei der das jeweili-
mung von der Baugrube in den umgebenden ge System installiert, der Bodenaustausch in des-
Boden stattfindet. Der Vorteil der hier beschriebe- sen Schutz durchgeführt und das System an-
nen diskontinuierlichen Bauweise liegt darin be- schließend zum nächsten Austauschabschnitt um-
gründet, dass Aushub und Einbau unabhängig gesetzt oder verschoben wird. Der klassische
voneinander stattfinden und somit einfacher zu ko- Spundwandverbau kommt bei einer diskontinuierli-
ordinieren sind. chen Bauweise zum Einsatz. Auch der Spund-
wandverbau wird im Allgemeinen wiedergewon-
nen. Nur in Fällen, bei denen benachbarte Bauwer-
d) Aushubprofil ke oder Bauteile gegen die eventuellen Folgewir-
Üblicherweise, d. h., wenn die Platzverhältnisse es kungen des Bodenaustausches (z. B. Seitendruck
zulassen, kann der Bodenaustausch in einer nicht auf Pfähle) zu schützen sind, wird er im Boden be-
verbauten Baugrube, also frei geböscht, erfolgen. lassen (Kapitel 5). Die Bemessung der Verbau-
Im Nahbereich zu bestehenden baulichen Anlagen systeme für den Bauzustand erfolgt nach den Maß-
muss er ggf. örtlich im Schutze eines Baugruben- gaben der entsprechenden Regelwerke (DIN 4124
verbaues durchgeführt werden. Als Konsequenz und EAB).
ergeben sich je nach Baugrubensicherungsmaß-
Nach dem Rückbau der Verbausysteme verbleibt
nahme unterschiedliche Aushubprofile und damit
im Randbereich des Bodenersatzkörpers eine Kon-
auch unterschiedliche Querschnittsgeometrien des
taktfuge zwischen dem Ersatzmaterial und dem
Ersatzkörpers. Daneben wird die Form des Ersatz-
umgebenden wenig tragfähigen Boden. Bei Ver-
körperquerschnittes durch die Stoffeigenschaften
wendung rolligen Ersatzmaterials muss zur Sicher-
des Ersatzmaterials im Hinblick auf dessen Verhal-
stellung der Stabilität des Ersatzkörpers im Rand-
ten während und nach Beendigung der Baumaß-
bereich ein ausreichendes Kräftegleichgewicht
nahme bestimmt. Beispielhaft seien hier die sich
herrschen. Dem aus dem Ersatzkörper herrühren-
in Abhängigkeit von der Einbaumethode (z. B.
den Erddruck in der Trennfuge muss ein ausrei-
Spüen etc.) einstellenden Böschungsneigungen
chender Erddruck aus dem umgebenden Boden
rolliger Ersatzmaterialien (Kapitel 4.5.4) oder das
entgegenwirken. Zur Vermeidung größerer Hori-
erdstatische Verhalten des Ersatzkörpers im Ge-
zontalverschiebungen sollte der entgegenwirkende
brauchszustand (Kapitel 7.2) genannt. In allen Fäl-
Erddruck dem maximal zur Hälfte mobilisierten
len müssen die resultierenden Verformungen und
Erdwiderstand (ηp = 2,0) entsprechen. Bei sehr
mögliche Versagenszustände sowohl für den Bau-
weichen Schichten kann zum Vergleich auch der
als auch für den Endzustand mit dem Ziel abge-
hydrostatische Druck (σh = γ ⋅ z) als entgegenwir-
schätzt werden, das Aushubprofil und den Ersatz-
kend angesetzt werden (STEINFELD, 1965). Mit
körperquerschnitt so zu gestalten, dass die Verfor-
dieser Vergleichsbetrachtung soll vermieden wer-
mungen der Konstruktion minimiert und deren
den, dass an der Oberkante des Ersatzkörpers zu
Standsicherheit gewährleistet werden können. An-
große Setzungen und damit Schäden im darüber
gestrebtes Ziel bei der Festlegung des Aushub-
liegenden Straßendamm als Folge der Horizontal-
querschnittes ist es, diesen unter den gegebenen
verschiebung entstehen.
Randbedingungen zu minimieren und damit die zu
bewegenden Aushub- sowie Ersatzmaterialmas- Ist der für den Gleichgewichtszustand zu mobilisie-
sen als auch die vom Bodenersatzkörper in An- rende Erdwiderstand größer als zuvor genannt,
34

müssen zusätzliche konstruktive Maßnahmen er- stehenden Böden und sind aus diesem Grund auch
griffen werden, um die Verschiebungen einzugren- nicht auf erdstatischer Grundlage zu verallgemei-
zen. Hierbei kann es sich um Maßnahmen zur Er- nern. Sie beruhen vielmehr auf praktischen Erfah-
höhung des mobilisierbaren Erdwiderstandes oder rungen mit lokal vorhandenen Konditionen, für wel-
zur Verringerung des aktiven Erddruckes (z. B. Ein- che sie allerdings ausreichend sichere Konstruktio-
bau gröberen Schüttmaterials) handeln. Bei Ver- nen ergeben. Die FGSV (1988) gibt zwei Regel-
wendung von Spundwänden können diese im Un- querschnitte für den Bodenaustausch beim Stra-
tergrund belassen werden und somit alternativ eine ßenaufbau auf wenig tragfähigem Baugrund inner-
Art Einspannung des Ersatzkörpers bewirken. halb Deutschlands an (Bild 4.16).
Bei unverbauten Baugruben wird das Aushubprofil Danach wird die seitliche Ausdehnung eines aus
bestimmt durch die mögliche Böschungsneigung rolligem Schüttmaterial bestehenden Ersatzkör-
der wenig tragfähigen Bodenschichten als auch pers im Allgemeinen unter Ansatz eines Lastaus-
durch das Verformungsverhalten sowie die Stand- breitungswinkels von 45° ausgehend vom Bö-
festigkeit des Ersatzmaterials während und nach schungsfußpunkt des Straßendamms festgelegt
dem Einbau. (Bild 4.16a). Der Schnittpunkt zwischen der Aus-
Gemäß FGSV (1988) hängt die Neigung der Aus- hubsohle und der Aushubböschung (Punkt A in
hubböschung von folgenden Faktoren ab: Bild 4.16a) kann bei ausreichendem Erdwiderstand
der wenig tragfähigen Böden weiter zum Damm
· der Scherfestigkeit und Dicke der wenig trag- gelegt werden, aber höchstens bis zum Schnitt-
fähigen Bodenschichten, punkt eines unter 45° von der Dammschulter aus-
gehenden Lastausbreitungsstrahls mit der Aushub-
· dem Bauverfahren (z. B. trockene Baugrube
sohle (Punkt A1 im Bild 4.16a). Stehen besonders
oder Aushub unter Wasser, Wasserstand, zeitli-
weiche Böden an (z. B. organische Kleiböden mit
cher Abstand zwischen Aushub und Verfüllung),
Wassergehalten von w > 150 % oder Torf mit
· der Auflast und möglichen dynamischen Bean- einem Wassergehalt von w > 500 %), kann der
spruchungen, Aushubquerschnitt entsprechend Bild 4.16b ver-

· den Witterungseinflüssen.

Aus wirtschaftlichen Gründen wird angestrebt, den


Aushubquerschnitt möglichst steilwandig anzule-
gen. Unter Berücksichtigung der genannten Fakto-
ren erfolgt die Festlegung der Böschungsneigung
daher schließlich mit Hilfe von Standsicherheitsun-
tersuchungen (Böschungsbruch) für den Bauzu-
stand bei maximaler Aushubtiefe.

Für die geneigte Kontaktfuge zwischen Ersatzkör-


per und umgebendem Boden gelten ähnliche
Überlegungen wie für die vertikale Kontaktfuge bei
verbauten Baugruben. Infolge der Böschungsnei-
gung überlagern sich hier jedoch zwei Effekte. Zum
einen geben die Böschungen durch vertikales Zu-
sammendrücken der Weichschichten und zum an-
deren durch horizontales Verdrängen der wenig
tragfähigen Bodenschichten nach.

Die Festlegung der seitlichen Ausdehnung des Er-


satzkörpers erfolgt in erster Linie nach empirischen
Regeln. Beispiele hierfür aus verschiedenen Län-
dern werden in OECD (1979) genannt.

Diese Regeln berücksichtigen weder die Stoffei- Bild 4.16: Aushubquerschnitte beim Straßenbau auf wenig
genschaften des Ersatzmaterials noch die der an- tragfähigen Böden (nach FGSV, 1988)
35

breitert werden, um in der Folge Schäden am 4.4 Ersatzmaterialien


Straßendamm zu vermeiden. Alternativ kann auch
gröberes Material zumindest im Randbereich des 4.4.1 Allgemeines
Ersatzkörpers eingebaut werden, wobei die Filter-
Traditionell wurden in der Vergangenheit fast aus-
stabilität – ggf. durch Einbau eines Vlieses – zu
schließlich Primärstoffe als Material für einen
berücksichtigen ist. Zur Erhöhung des mobilisier-
Bodenersatz benutzt. Die Annahme, dass diese
baren Erdwiderstandes der Weichböden können
Materialien im Überfluss vorhanden seien, war
auch auflasterhöhende Bermen neben dem Damm
dabei das Hauptargument für ihre Verwendung.
angelegt werden. Hierfür können möglicherweise
Wirtschaftliche und technische, zum Teil aber auch
die Aushubmaterialien verwendet und somit
ökologische Aspekte haben dazu geführt, dass
gleichzeitig eventuell sonst notwendige Entsor-
in jüngster Zeit zunehmend auch Sekundär-
gungskosten eingespart werden.
und Leichtbaustoffe beim Bodenaustausch Be-
Prinzipiell gelten die vorstehend genannten Grund- rücksichtigung finden. Sekundärbaustoffe sind
sätze sowohl für einen vollständigen als auch für heutzutage in ausreichendem Maße in Form von in-
einen teilweisen Bodenaustausch. Neben der Bö- dustriellen Nebenprodukten bzw. Restprodukten
schungsbruchsicherheit des Aushubquerschnittes oder als Endprodukte bestimmter Recycling-
im Bauzustand müssen beim Letzteren jedoch zu- prozesse erhältlich. Leichtbaustoffe bieten sich
sätzlich die Grundbruchsicherheit sowie der Set- insbesondere dann an, wenn die Verwendung an-
zungsverlauf für die verschiedenen Bauzustände derer Materialien unzulässige Setzungen oder den
bei der Ermittlung des Aushubprofiles berücksich- Verlust der Stabilität des Erdbauwerks zur Folge
tigt werden (FGSV, 1988). hätte.

Die zur Umsetzung eines bestimmten Bauvorha-


e) Übergangsbereiche im Längsprofil bens notwendigen Eigenschaften von Baustoffen
für den Bodenersatz sind abhängig von den indivi-
In Übergangsbereichen von Streckenabschnitten duellen Rahmenbedingungen des Bauvorhabens.
mit vollständigem zu teilweisem Bodenaustausch Aus diesem Grunde macht weder die ZTVE-Stb
entstehen unterschiedliche Setzungen. Um derarti- (1994) noch die FGSV (1988) Angaben über spezi-
ge Setzungsdifferenzen zu vermeiden, müssen die fische Eigenschaften von Ersatzmaterialien. Viel-
Setzungen im Übergangsbereich durch zusätzliche mehr ist die Eignung eines Materials für ein kon-
Maßnahmen (z. B. Vertikaldräns, Vorbelastung etc.) kretes Bauvorhaben im Einzelfall durch das Gut-
möglichst abgestuft vorweggenommen werden. achten einer fachkundigen und erfahrenen Prüf-
Der Übergang sollte möglichst flach (etwa 1 : 10) stelle nachzuweisen. Bei diesen Eigenschaften
angelegt werden, um mögliche Setzungsunter- handelt es sich im Wesentlichen um Materialeigen-
schiede in diesen Bereichen zu strecken. Zur Ver- schaften (Wichte, Festigkeit, Verformbarkeit, Zeit-
meidung von Grundbrüchen ist das Austauschma- beständigkeit usw.), denen ein Baustoff unter
terial möglichst lagenweise einzubauen. Das Bild Berücksichtigung vorhandener technischer Richtli-
4.17 zeigt beispielhaft den Aushubübergang im Be- nien genügen muss. Daneben sind aber auch ver-
reich einer Überführungsrampe. fahrenstechnische (Verarbeitungsmethoden usw.)
und umwelttechnische Belange relevant. Die erfor-
derlichen Eigenschaften sind während der Ent-
wurfsplanung exakt festzulegen und im Zuge einer
Qualitätssicherung vor, während und nach dem
Bauprozess zu kontrollieren.

In den folgenden Abschnitten werden mögliche Er-


satzmaterialien genannt. Hierbei wird kein An-
spruch auf Vollständigkeit erhoben, da lediglich ein
grober Überblick geschaffen werden soll. Im Hin-
blick auf detaillierte Angaben zu den Stoffeigen-
schaften, zur Verarbeitbarkeit sowie eventuell zur
Bild 4.17: Aushublängsschnitt am Beispiel einer Überführungs- Umweltverträglichkeit sei auf die angegebene Lite-
rampe (FGSV, 1988) ratur verwiesen.
36

Ihrer Herkunft und Stoffart nach sind künstliche Ge-


steinskörnungen (Verbrennungsrückstände und in-
dustrielle Nebenprodukte) von Recycling-Baustof-
fen zu unterscheiden. Im Hinblick auf die Verfüg-
barkeit und die Einsatzmöglichkeiten von Sekun-
därbaustoffen bestehen große Unterschiede darin,
ob sie von vornherein mit geeigneten bautechni-
schen Eigenschaften anfallen, ob sie erst nach einer
Vorbehandlung bautechnische Eigenschaften an-
nehmen, ob sie nur in Einzelfällen zur Verwendung
kommen können oder ob für sie keine bautechni-
sche Verwendung besteht. Neben den technischen
Anwendungskriterien (Materialeigenschaften und
-verarbeitung etc.) richtet sich die Verwendung von
Sekundärbaustoffen als Bodenersatzmaterial auch
nach wirtschaftlichen (Verfügbarkeit etc.) und öko-
logischen (Umweltverträglichkeit etc.) Kriterien.
Bild 4.18: Dreieckdiagramm mit Hauptkorngruppen gemäß DIN
18196 (FLOSS, 1997) Im spezifischen Anwendungsfall sind Untersuchun-
S = SW, SI, SE und G = GW, GI, GE gen sowie spezielle Eignungsprüfungen über die Ei-
genschaften, Kornzusammensetzungen und Ein-
4.4.2 Primärbaustoffe baukriterien erforderlich. Im Allgemeinen erweisen
sich die Stoffe als geeignet, wenn sie frost- und
Die Benennung und Beschreibung von Bodenarten
raumbeständig sind und sich dauerhaft standfest
erfolgt nach DIN 4022-1 (1987). Zur Beschreibung
verdichten lassen. Außerdem sind neben den bau-
der bautechnischen Eigenschaften und Eignung
technischen Anforderungen die Richt- und Grenz-
erfolgt gemäß DIN 18196 (1988) eine Einteilung der
werte für wasserwirtschaftliche Merkmale einzuhal-
Bodenarten in Gruppen mit annähernd gleichem
ten und durch Eluatanalysen nachzuweisen.
stofflichen Aufbau und ähnlichen bodenphysikali-
schen Eigenschaften. Wird der Bodenersatzkörper Soweit noch keine Erfahrungen vorliegen, ist es
als Straßenuntergrund im Sinne der ZTVE-StB zweckmäßig, Probeschüttungen auszuführen, um
(1994), Abs. 1.2, betrachtet, eignen sich nach DIN das für die Bauausführung zweckmäßige Arbeits-
18196 (1988) vornehmlich Böden der Gruppen SW, verfahren zu optimieren und Gütewerte für das Ver-
SI, SE, GW, GI und GE als Baustoffe für den Bo- dichten zu ermitteln. Vor allem bei sehr heterogen
denersatz (Bild 4.18). Böden der Gruppen SU, ST, zusammengesetzten Stoffen empfehlen sich diese
GU und GT sind hierfür nur bedingt geeignet. vorbereitenden Maßnahmen. Die für Primärstoffe
geltenden Verdichtungsanforderungen lassen sich
Für die Einteilung der Bodenarten nach ihrer Verar-
nämlich nicht ohne weiteres auf diese Stoffe über-
beitbarkeit sind die DIN 18300 (1996) und die DIN
tragen.
18311 (1992) zu berücksichtigen.
Die Technischen Lieferbedingungen für Mineral-
4.4.3 Sekundärbaustoffe stoffe im Straßenbau, TL Min-StB (2000) enthalten
eine Beschreibung der bautechnischen und was-
Die Sekundärbaustoffe zeichnet eine große Vielfalt serwirtschaftlichen Anforderungen an künstliche
bezüglich Herkunft und Stoffart aus. Ihre Zusam- Gesteinskörnungen und Recycling-Baustoffe, die
mensetzung und technischen Eigenschaften kön- im Straßenbau Verwendung finden, und nennen die
nen herstellungs- und zeitabhängig in relativ anzuwendenden Prüfverfahren zum Nachweis der
großen Bandbreiten wechseln. In aller Regel han- geforderten Güteeigenschaften. Nachfolgend wer-
delt es sich deshalb um mehr oder weniger un- den die in der TL Min-StB spezifizierten Sekundär-
gleichmäßige Stoffe, die ihre potenzielle Wertigkeit baustoffe kurz beschrieben.
als Ersatzstoff dann erreichen, wenn keine organi-
schen Stoffe enthalten sind, keine Quellung oder
a) Künstliche Gesteinskörnungen
Verwitterung bei Wasseraufnahme stattfindet und
keine oder nur geringfügige Mengen von wasser- Aus Hochofenschlacke, die als Gesteinsschmelze
löslichen Stoffen vorkommen. bei der Herstellung von Roheisen aus Erzen und
37

mineralischen Zuschlägen im Hochofen entsteht, dener oder ungebundener Form eingesetzt waren.
sowie aus Schlacke bei der Kupfererzeugung wer- Wieder verwendbare Baustoffe fallen vor allem an
den entweder nach langsamer Abkühlung der beim Abbruch, Umbau, Aufbruch und Ausbau von
Schlacke in entsprechenden Aufbereitungsanlagen Hoch- und Tiefbauten, Straßen, Wegen und Flug-
Schotter, Splitt und Brechsand oder nach schneller plätzen sowie Schienenwegen und sonstigen Ver-
Abkühlung mit Wasser in Granulationsanlagen fein- kehrsflächen. Bei den ungebundenen Stoffen han-
körniger Hüttensand gewonnen. delt es sich meist um Dammbaustoffe, Mineral-
stoffgemische aus Verkehrsflächen, Schotter sowie
Stahlwerksschlacken, die als Gesteinsschmelze Werksteine. Die gebundenen Stoffe können hy-
bei der Erzeugung von Rohstahl entstehen, werden draulische oder bituminöse Bindemittel enthalten.
beispielsweise in Asphaltschichten, in Tragschich- Die Materialien weisen in der Regel eine große He-
ten ohne Bindemittel unter Asphaltschichten oder terogenität auf und können schädliche Bestandtei-
unter Betondecken eingesetzt. le (z. B. Gips, Holz, Glas, Kunststoffe, Kleber) ent-
Steinkohlenflugasche fällt in den Filteranlagen zur halten. Die schädliche Wirkung bestimmter Be-
Rauchgasreinigung von Steinkohlekraftwerken mit standteile kann sich dabei beispielsweise auf die
Staub- und Rostfeuerungen an. Deren Verwendung Raumbeständigkeit des Ersatzkörpers, die Verun-
als Ersatzmaterial im Straßenbau erfolgt nach einer reinigung des Grundwassers oder die Dauerhaftig-
Stabilisierung mit hydraulischen Bindemitteln. keit von im Ersatzkörper eingebauten Bauteilen be-
ziehen. In aller Regel werden die Aufbereitung und
Bei der Verbrennung von Steinkohle in Kraftwerken oft auch das Abtrennen von schädlichen Bestand-
mit Schmelzfeuerungen fällt Schmelzkammergra- teilen erforderlich sein. Mit pechhaltigen Bindemit-
nulat an, das aus den in der Feuerung einge- teln gebundene Stoffe sowie bindige Böden, ver-
schmolzenen mineralischen Beimengungen der witterte und witterungsempfindliche Gesteine dür-
Steinkohle nach deren anschließender schockarti- fen nicht wieder verwendet werden.
ger Abkühlung entsteht. Wegen seiner ohne Prü-
Als Ersatzmaterialien für den Straßenbau kommen
fung gegebenen ausreichenden Frost- und Raum-
grundsätzlich im Wesentlichen folgende wieder ge-
beständigkeit ist das Schmelzkammergranulat als
wonnene Stoffgruppen in Frage:
Ersatzmaterial für den Straßenbau gut geeignet.
· Festgestein,
Hausmüllverbrennungsasche entsteht aus der Auf-
bereitung von Rohasche, die bei der Verbrennung · Sand und Kies,
von Siedlungsabfällen, Hausmüll und hausmüllähn-
lichen Gewerbeabfällen in Hausmüllverbrennungs-
· Beton und andere hydraulisch gebundene Stof-
fe,
anlagen anfällt. HMVA-Aschen sind Gemenge aus
gesinterten Verbrennungsprodukten, Glas- und Ke- · Schlacken,
ramikscherben sowie anderen mineralischen Be-
standteilen, die für den Einsatz im Straßenbau nur · Asphalt bzw. Asphaltgranulat,
einen sehr geringen Anteil unverbrannter Reste · Klinker, dichte Ziegel und Steinzeug,
enthalten dürfen. Wegen ihrer relativ großen Poro-
sität weisen die HVMA-Aschen eine 10 bis 35 % · Kalksandstein, weich gebrannte Ziegel, Putze
geringere Wichte als z. B. natürliche Sande auf, und ähnliche Stoffe,
weshalb ihre Einsatzmöglichkeiten auf setzungs- · mineralische Leicht- und Dämmstoffe, wie Gas-
empfindlichen Böden begünstigt werden. beton und Bimsbeton.
Weitere künstliche Gesteinskörnungen, die als Er- Insbesondere die Anteile der Leicht- und Dämm-
satzstoffe im Straßenbau eingesetzt werden kön- stoffe sowie der Fremdstoffe sind auf maximal 1 %
nen, sind Gießereirestsande sowie gebrochene und bzw. 0,2 % der Gesamtmasse zu begrenzen.
klassierte Gießerei-Kupolofenstückschlacke.
4.4.4 Leichtbaustoffe
b) Recycling-Baustoffe
Der Gebrauch leichter Baustoffe als Ersatzmaterial
Recycling-Baustoffe sind wieder verwendbare Ge- steht an, wenn die Belastung von verformungs-
steinskörnungen, die zuvor schon als natürliche empfindlichen wenig tragfähigen Untergrundböden
oder künstliche mineralische Baustoffe in gebun- gering gehalten werden muss, um Stabilitäts-
38

Prüfung nach Einheit Prüfungsergebnis

Mindestrohdichte DIN 53420 kg/m3 15 20 30


B 1, schwer B 1, schwer B 1, schwer
Baustoffklasse DIN 4102
entflammbar entflammbar entflammbar
Druckspannung bei 10 % Stauchung DIN 53421 kN/m2 60 – 110 110 – 160 200 – 250
Dauerdruckbelastung bei Gesamtstauchung 1,5 %
kN/m2 25 – 30 40 – 50 70 – 90
– 2,0 %
Biegefestigkeit DIN 53423 kN/m2 60 – 30 150 – 390 330 – 570

Scherfestigkeit DIN 53427 kN/m2 80 – 130 120 – 170 210 – 260

E-Modul (Druckversuch) DIN 53457 kN/m2 1600 – 5200 3400 – 7000 7700 – 11300

Wasseraufnahme bei Unterwasserlagerung (Vol.-


Vol.-
Anteile) Probekörper 50 mm Kantenlänge nach 7 DIN 53433 ≤7 ≤7 ≤7
%
Tagen

Tab. 4.3: Physikalische Eigenschaften von EPS-Hartschaumstoffen (BASF, 1994)

und Setzungsprobleme zu vermeiden. Damit litätskriterium für Druckbeanspruchungen wird


schränkt sich ihre Anwendung bei der vorliegend nach DIN 53421 die Druckspannung bei einer
betrachteten Problematik auf Maßnahmen mit Teil- Stauchung von 10 % und für Dauerdruckbelastung
bodenaustausch für eine Polstergründung ein. bei einer Stauchung von 1,5 bis 2,0 % festgelegt.
Bei Schubbeanspruchung sind die Scherfestigkeit
Eine Übersicht auf mögliche Leichtbaustoffe für
und das Reibungsverhalten des Materials maßge-
den Straßenbau geben die IARC (1995) sowie
bend. Als Reibungskoeffizient für die Reibung in
FLOSS (1997). Im spezifischen Anwendungsfall
den Blockfugen oder zwischen Block und Boden
sind ggf. Untersuchungen und spezielle Eignungs-
kann m µ ≈,5 angesetzt werden.
prüfungen über die Eigenschaften und Zusammen-
setzungen der leichten Baustoffe sowie über die Bezüglich der Verarbeitung und der Bauweisen mit
Einbaukriterien erforderlich. Die Anwendung setzt EPS-Hartschaumblöcken sei auf die BASt (1993)
zudem eine auf die spezifischen Beanspruchungen und die FGSV (1995) verwiesen.
abgestimmte erdstatische Spannungs-Verfor-
mungsanalyse voraus. Die Standsicherheitsnach-
b) Blähton
weise sind sowohl für ungünstige Bauzustände als
auch für den Endzustand des Gesamtbauwerkes Blähton entsteht durch das Brennen von Tonen in
ggf. unter Berücksichtigung der Sicherheit gegen Drehöfen. Durch die hohen Temperaturen von ca.
Auftrieb zu führen. Exemplarisch folgen für die zwei 1000 bis 2000 °C reißt der Ton in Stücke und formt
wichtigsten dieser Baustoffe zusätzliche Angaben sich zu Kugeln unterschiedlichster Größe. Die
über ihre Eigenschaften. Oberfläche der Kugeln sintert hierbei, wodurch ein
keramischer Zustand entsteht. Gleichzeitig bilden
sich im Inneren der Kugeln geschlossene Luftpo-
a) Expandierte Polystyrolhartschaumstoffe – EPS ren, deren Entstehung in den Dehn- und Quellvor-
(FGSV, 1995) gängen unter Hitze begründet ist. Durch den hohen
Luftporengehalt erlangt der Blähton seine geringe
Die EPS-Hartschaumstoffe bestehen aus thermo-
Dichte.
plastischem, geschlossenzelligen Schaumpolysty-
rol und werden aus Granulat in Quader- oder In der Tabelle 4.4 sind die in FGSV (2001) angege-
Blockform für den Damm- und Verkehrsbau herge- benen physikalischen bzw. mechanischen Kenn-
stellt. werte von Blähton aufgeführt.

Die Tabelle 4.3 zeigt verschiedene Baustoffklassen Die Herstellung eines Ersatzkörpers kann durch
mit den zugehörigen physikalischen Eigenschaf- Schüttung oder Ausblasen des Blähtons erfolgen.
ten. Die Druck-, Biegezug- und Scherfestigkeit Sofern Blähton unterhalb des Wasserspiegels ein-
sowie die Wasseraufnahme richten sich maßgeb- gebaut wird, ist die Auftriebssicherheit nachzuwei-
lich nach der Rohdichte des Materials. Als Qua- sen. Um zu vermeiden, dass der umgebende Bo-
39

Bandbreite Bodenaustausch in einer unverbauten Baugrube


Rechen-
der Versuchs- erfolgt.
Bezeichnung wert
werte je nach
Blähton
Hersteller
Schüttdichte im Trockenzustand
200 – 400 - 4.5.2 Austausch in trockener Baugrube
[kg/m3] Werksangaben
Dichte im eingebauten Zustand,
250 – 400 450 Das Arbeiten in einer trockenen Baugrube ist in drei
trocken [kg/m3]
Dichte im eingebauten Zustand Fällen möglich:
oberhalb des Grundwassers 400 – 550 600
[kg/m3] · Im Untergrund steht ein tief liegender Grund-
Dichte, wassergesättigt wasserspiegel an, so dass im Zuge eines Bo-
1.000 – 1.150 1.200
– nach langer Zeit – [kg/m3] denaushubes kein Wasserandrang in die offene
Dichte unter Auftrieb, eingebau-
ter Zustand [kg/m3]
250 – 350 400 Baugrube gegeben ist.
Reibungswinkel [Altgrad] ≥ 40 37,5 · Bei oberflächennah anstehendem Grundwas-
Steifemodul nach serspiegel bzw. bei hoch liegender Druckwas-
≥ 25 ≥ 25
Plattendruckversuch [MN/m2]
serlinie von gespannt anstehendem Grundwas-
Kornrohdichte [kg/m3], Trocken-
zustand nach DIN 4226, Teil 3, 400 – 700 ser kann ein Wasserandrang in die Baugrube mit
mit Tauchwägung Hilfe einer Wasserhaltung verhindert werden.
Kornfestigkeit [kN]
6 – 13
nach DIN 4226, Teil 3 · Durch zügige Arbeitsweise in örtlich begrenzten
Korndruckfestigkeit [kN/m2]
1.200
Austauschflächen (Andeckbauweise) kann ein
nach DIN 4226, Teil 3 Wasserandrang in die Baugrube über die Aus-
Verformungsmodul nach DIN
hubsohle oder die Aushubböschungen kurzfris-
18134 mit Platte d = 600 [mm] ≥ 25 < 3,0
20 – 30 < 3,0 tig ausgeschlossen werden.
ohne Ring; Ev2 [MN/m2], Verhält- Mittelwert
niswert Evv2/Ev1 [-]
Der Bodenaustausch erfolgt bei trockenen Baugru-
Körnungslinie nach DIN 18123 - -
ben üblicherweise im Bagger-Lkw-Betrieb. Dabei
Kursivschrift: Werte sind mit Versuchen abzusichern werden die wenig oder nich ttragfähigen Boden-
schichten durch Bagger oder Schürfraupen ent-
Tab. 4.4: Mechanische Eigenschaften von Blähton (FGSV, 2001)
fernt und mittels Lkw abtransportiert. Die Baugru-
be ist dann idealerweise durch lagenweise einge-
den infolge Belastung in die Hohlräume der bautes, verdichtetes Ersatzmaterial wieder aufzu-
Blähtonschüttung gelangt, muss der Blähtonkörper füllen. Die hierzu notwendigen Verdichtungsgeräte
stets vollständig mit einem Vlies als Trennschicht und -verfahren sowie die Verdichtungsanforderun-
eingeschlagen werden. gen werden in der einschlägigen Literatur be-
Blähton kann auch als Sekundärbaustoff bei der schrieben (FLOSS, 1997, VOß et. al., 1968 und
thermischen Reinigung kontaminierter Böden an- STRIEGLER et. al. 1973).
fallen. JESSBERGER/GRUNDHOFF (1992) unter- Bei diesem auch als Baggerschüttverfahren be-
suchen und beschreiben die bodenmechanischen zeichneten Bauverfahren wird die mögliche Aus-
Eigenschaften sowie die Wiederverwendungsmög- hubtiefe maßgeblich durch den Standort und die
lichkeiten solcher Materialien. Größe des Baggers bestimmt. Im Allgemeinen er-
folgen Aushub und Einbau vor Kopf, wobei sich fol-
4.5 Bodenaustauschverfahren gende Arbeitsschritte ergeben:

· Aushub und Transport


4.5.1 Vorbemerkungen
Der Baggerstandort kann sowohl oberhalb als
Im Nachfolgenden werden die wichtigsten erprob-
auch unterhalb der Arbeitsebene der Bagger-
ten Bodenaustauschverfahren, die beim Straßen-
schaufel liegen (z. B. in mittlerer Lage innerhalb
bau auf wenig tragfähigem Untergrund Anwendung
der Baugrube).
finden können, beschrieben.
· Verfüllung
Die folgenden Darstellungen beschränken sich auf
den Austausch der wenig tragfähigen Böden gegen Die Verfüllung mit nicht bindigen Austauschbö-
nicht bindige, gut tragfähige Böden. Erfolgt kein den erfolgt meist seitlich von der Ebene des
gesonderter Hinweis, wird vorausgesetzt, dass der Baggerstandortes.
40

Besonders wirtschaftlich ist der Trockenaushub,


wenn die auszutauschende Schicht eine geringe
Mächtigkeit (< 3,0 bis 4,0 m) besitzt und eine
Grundwasserabsenkung nicht erforderlich ist. Der
Aushub im Trockenbetrieb in Verbindung mit einer
Grundwasserabsenkung beschränkt sich sinnvol-
lerweise auf Ausnahmefälle. Zu berücksichtigen ist,
dass der Betrieb einer Wasserhaltungsanlage im
Einflussbereich bestehender Bauwerke im Allge-
meinen als kritisch zu betrachten ist, da die Grund-
wasserabsenkung zu Schäden an der bestehenden
Bebauung führen kann. Zudem gewinnt die scho-
nende Behandlung des Grundwassers zunehmend
an Bedeutung, weshalb die Möglichkeiten einer
Grundwasserabsenkung seitens der Gesetzge-
bung und der Verwaltung immer weiter einge-
schränkt werden.
Bild 4.19: Baggerschüttverfahren (nach STRIEGLER, 1998) Die Aushubböschungen der Weichböden müssen
zumindest kurzzeitig standsicher sein, was durch
Gegenüber der geometrischen Massenermittlung eine Wasserhaltung z. B. mittels Vakuumlanzen
ergibt sich beim Baggerschüttverfahren ein Mehr- wesentlich unterstützt werden kann. Bei der An-
aushub, der an der zukünftigen Sohle und an den deckbauweise ist zu berücksichtigen, dass sich
Grenzflächen zwischen Aushubmaterial und Er- horizontal auf die Aushubböschung gerichtete
satzerdstoff zwangsläufig entsteht (Bild 4.19). Die- Wasserdrücke innerhalb der gesättigten Weichbö-
ser Mehraushub ist von der Standfestigkeit der den entwickeln, welche die Standsicherheit der
zeitweiligen Böschungen (Weichboden und Verfül- Böschung erheblich abmindern.
lungsmaterial) abhängig und sowohl beim Aus-
QUAST (1980) beschreibt am Beispiel des Baues
tausch in trockener Baugrube als auch beim Aus-
der so genannten Marschenlinie (BAB A 25) einige
tausch mit Unterwasserbaggerung (Kapitel 4.5.3) in
Probleme, die beim Teilbodenaustausch im Trocke-
Kauf zu nehmen. Bedingt durch die Verdichtung
nen auftreten können. Bei der Baumaßnahme
des Ersatzmaterials, das Ausweichen der seitlichen
wurde in einigen Abschnitten im diskontinuierlichen
Querschnittsböschungen und/oder die Setzungen
und in anderen im kontinuierlichen Trockenbetrieb
verbliebener Weichschichtmassen unterhalb des
gearbeitet. Bei der zuletzt genannten Andeckbau-
Ersatzkörpers beim Teilbodenaustausch muss mit
weise erfolgte der Aushub mit einem Schlepp-
Differenzen zwischen Aushub- und Verfüllvolumina
schaufelbagger, der auf dem wenig tragfähigen Un-
gerechnet werden.
tergrund stand und die Lkw nach Abkippen des Er-
Beim Bodenaustausch im Schutze einer Grund- satzsandes vor Kopf mit Austauschboden belud
wasserabsenkung muss außerdem der Einfluss (Bild 4.14). Die Erfahrung zeigte, dass rd. 1,0 m
von Sackungen berücksichtigt werden. Wird bei- Sand unter den Rädern der Lkw erforderlich war,
spielsweise erdfeucht eingebrachter Sand, der eine um deren Einsinken zu verhindern. Dies hatte zur
große scheinbare Kohäsion aufweist, beim Wieder- Folge, dass wegen der aus Standsicherheitsgrün-
anstieg des abgesenkten Grundwassers überflutet, den (Grundbruch) erforderlichen flachen Neigung
so tritt eine Kornumlagerung auf, die zu einer Ver- der Verfüllböschungen die Lkw in vielen Fällen
größerung der Lagerungsdichte führt, wobei sich nicht mehr von der Schleppschaufel erreicht wer-
die jeweiligen Sandhorizonte senken. Dieser Vor- den konnten. Hätte man die Verfüllböschungen
gang wird als Sackung bezeichnet. Das Maß der steiler angelegt, um den Abstand zwischen Bagger
Sackung ist im Wesentlichen von der Korngröße, und Lkw zu verkürzen, wären örtlich Grundbrüche
von der Kornverteilung, besonders aber von der und infolgedessen Schlammwalzenbildungen vor
Lagerungsdichte des nicht bindigen Bodens ab- den Böschungsfüßen zu erwarten gewesen. Das
hängig. Im lockeren Zustand kann die Sackung rd. Bild 4.20 zeigt die Sandverteilung im Bereich der
5 % der Schichtdicke, aber auch bei dichtem Sand Verfüllböschungen mit der Schleppschaufel eines
noch rd. 1 % erreichen. Baggers sowie mit Schubraupen.
41

Bild 4.22: Aushub und Einbau vor Kopf (FGSV, 1988)

Bild 4.20: Vorkopfbetrieb bei der Andeckbauweise (QUAST,


1980)

Bild 4.23: Bagger auf wenig tragfähigem Untergrund und Ein-


bau vor Kopf (FGSV, 1988)

wird und somit der Aushub der Weichböden und


der Einbau des Ersatzmaterials zumindest teilweise
unter Wasser erfolgen. Zur Vermeidung von Stand-
sicherheits- bzw. Auftriebsproblemen ist dabei
meist die Zugabe von Wasser erforderlich. Weil die
zum Einsatz kommenden Bagger landgebunden
arbeiten, entspricht die baubetriebliche Organisati-
Bild 4.21: Schlammwalzenbildungen im Trockenbetrieb (QUAST, on des Maschineneinsatzes (Bagger-Lkw-Betrieb)
1980) demjenigen beim Austausch im Trockenen.

Zum Aushub werden üblicherweise Bagger mit lan-


Ein anderes Problem stellte der Zutritt von Wasser
gen Gitterauslegern eingesetzt, die je nach Arbeits-
in den Aushubbereich dar. Durch den Baggerbe-
weise auf dem eingefüllten Material stehen oder
trieb – maßgebend ist hierbei die auflockernde Wir-
auch auf dem wenig tragfähigen Boden. Im zuerst
kung der Reißzähne gewesen – verwandelte sich
genannten Fall heben die Bagger den wenig trag-
die verbleibende Weichschicht von rd. 0,6 bis 0,8 m
fähigen Boden vor Kopf aus und füllen gleichzeitig
Dicke nahezu in eine Flüssigkeit. Beim Versuch, die
den neben oder hinter ihnen abgekippten Ersatz-
Weichschichten mit Hilfe einer Moorraupe in dün-
boden in den Aushub (Bild 4.22).
nen Lagen mit Sand zu überdecken, wurden diese
nun weit gehend flüssigen Weichschichten ver- Steht der Bagger auf dem wenig tragfähigen Boden,
drängt, so dass es zwangsläufig zu einem nahezu kann zwischen dem Aushub und dem Verfüllen des
vollständigen Austausch der Weichschichten kam. Ersatzbodens vor Kopf jeweils ein Abschnitt frei
Dass es aber auch in den Bereichen ohne Andeck- bleiben. Der Bodenaushub kann dann seitlich zur
bauweise zu Schlammwalzenbildung vor den Ver- späteren Verwendung abgesetzt werden (Bild 4.23).
füllböschungen gekommen ist, zeigt das Bild 4.21. Im Winter bei Frost ist es dabei unter Umständen
auch möglich, die gefrorene Weichschicht von voll
beladenen Lkw befahren zu lassen und so das Aus-
4.5.3 Austausch mit Unterwasserbaggerung
hubmaterial gleich abzutransportieren. Der Abstand
Ebenfalls zu den Baggerschüttverfahren zählend zwischen Aushub des weichen und Einbau des trag-
erfolgt der Bodenaustausch mit Unterwasserbag- fähigen Bodens ist von der Aushubtiefe und der Bö-
gerung analog zu dem im Trockenbetrieb. Der ent- schungsneigung der bereits eingebauten tragfähi-
scheidende Unterschied ist, dass ein hoch anste- gen Böden abhängig, sollte aber möglichst gering
hender Grundwasserspiegel nicht abgesenkt sowie sein. Vorwiegend sollte ein Abstand von 5,0 m ≤ a ≤
dem Wasser freier Zutritt in die Baugrube gewährt 10,0 m eingehalten werden.
42

Während des Aushubs ist eine laufende Kontrolle · Transportieren und Einbauen des Austausch-
der Aushubsohle, z. B. mittels Schappe, Boden- materials durch Verklappen oder Aufspülen.
greifer oder Saugpumpe, erforderlich, um festzu-
stellen, ob der gewünschte Zustand (z. B. Vollaus- Im Kontext dieses Kapitels umfasst der Begriff
hub bestimmter Bodenschichten) erreicht ist. Das Nassbaggerung alle Verfahren, bei denen der Un-
Aushubniveau ist durch Lotungen zu kontrollieren. terwasseraushub mit schwimmendem Gerät er-
Gemäß ZTVE-StB (1994) sind für Schüttungen folgt. Die Transportmethode des Aushub- und des
unter Wasser beständige Schüttmaterialien zu ver- Ersatzmaterials sowie die damit verbundenen Ein-
wenden und die Schüttung ist oberhalb der Was- baumethoden sind mit diesem Begriff noch nicht
serlinie so zu verdichten, dass die Verdichtungswir- festgelegt; üblicherweise sind die vorstehend ge-
kung noch bis mindestens 1,0 m unter die Wasser- nannten Varianten möglich. Hingegen beinhaltet der
linie reicht. Alternativ dazu kann der gesamte ein- Begriff Spülverfahren neben einer Aussage über die
gebaute Boden nachträglich mit dem Rütteldruck- Aushubmethode zusätzlich sowohl eine konkrete
verfahren oder durch schwere Fallplatten nach Aussage über die Transportmethode als auch über
dem Verfahren der dynamischen Intensivverdich- die Form des Einbaus der transportierten Materia-
tung verdichtet werden. Der Verdichtungserfolg lien, wie nachstehend detaillierter erläutert wird.
lässt sich durch Sondierungen mit Ramm- oder Das Spülverfahren hat sich vor allem im Bereich
Drucksonden überprüfen. der norddeutschen Tiefebene, wo die geologi-
Ein Bodenaustausch unter dem in der Baugrube schen, hydrologischen und topografischen Verhält-
anstehenden Wasserspiegel hat sich bis etwa 6 m nisse für seine Anwendung im Straßenbau beson-
bis 8 m Tiefe bewährt. Der Austausch von Böden ders günstig sind, als wirtschaftliche Methode er-
unter Grundwasser mit Greif-, Löffel- oder Eimer- wiesen (LÖWENBERG et. al., 1978). So wurden
kettenbagger oder mit Schrapper und das Verfüllen beispielsweise beim Bau eines 34 km langen Ab-
im Vorkopfbetrieb haben jedoch nicht mehr die schnittes des Bundesautobahn A 27 zwischen Bre-
frühere Verbreitung, insbesondere dort nicht, wo men und Bremerhaven, wo etwa 26 Mio. m3 Sand
bei hohem Grundwasserstand das Nassbaggerver- und nicht tragfähiger Boden bewegt werden muss-
fahren angewendet werden kann. Das ist darin be- ten, 75 % der Bodenmassen im Spülverfahren
gründet, dass die Unterwasserbaggerung für den gelöst, transportiert und eingebaut.
Austausch von großen Bodenmassen meist zu Gemäß ESpE-NS (1977) setzt sich das Spülverfah-
lohnintensiv ist. Das Herstellen und Unterhalten der ren im Wesentlichen aus folgenden Arbeitsphasen
Transportfahrstrassen für den Lkw-Betrieb sind zusammen:
ebenfalls kostenintensiv.
a) Lösen von Boden unter Wasser
4.5.4 Austausch im Nassbaggerverfahren
Das Lösen von Torf und bindigen Böden erfolgt
Das Lösen und Fördern von Boden werden relativ in der Regel mechanisch mit Hilfe eines
umso billiger, je größer die umzusetzenden Massen Schneidkopfsaugbaggers (Cuttersauger). Bei
sind. Für den Bodenaustausch ergeben sich darum grobkörnigen Böden und großen Entnahmetie-
besonders wirtschaftliche Möglichkeiten, wenn fen ist dagegen der Einsatz eines hydraulisch
schwimmendes Gerät für die nachfolgend genann- lösenden Saugbaggers mit Grundsaugeinrich-
ten Tätigkeiten eingesetzt werden kann (SMOLT- tung (Grundsauger) – ggf. in Verbindung mit Un-
CZYK et. al., 1992): terwasserjetpumpen und Wasserstrahldüsen
zur Auflockerung des Bodens – üblich. Eine
· Lösen des Bodens unter Wasser mit mechani- ausführliche Darstellung der Konstruktion sowie
schen Mitteln (Eimerkettenbagger, Schneidrad- der Arbeitsweise der genannten Saugbaggerar-
bagger, mit Einschränkungen Tieflöffelbagger) ten ist bei BLAUM/v. MARNITZ (1963) zu finden.
oder in Kombination mit Spülhilfen (Schneid-
kopfsauger, Spüler);
b) Ansaugen eines Boden-Wasser-Gemisches im
· Transportieren des gelösten Materials in Rohr- Saugrohr durch die Pumpe des Baggers
leitungen oder schwimmenden Behältern;
Bei den für die hydraulische Förderung einge-
· Gewinnen des Austauschmaterials (Schneid- setzten Baggerpumpen handelt es sich um
kopfsauger, Hopperbagger); Kreiselpumpen, deren Förderschaufeln in einem
43

Gehäuse laufen, das seitlich eine Öffnung für variationen von 1 : 2,25 ab. Im Bereich der Was-
den tangentialen Austritt des Förderstromes serflächen liegen die Rohre auf schwimmenden
und axial die Ansaugöffnung aufweist. Bagger- Tragkörpern auf, wobei die einzelnen Rohr-
pumpen werden für Förderströme von ca. 600 schüsse durch Kugelgelenke und Gummi-
m3/h bis zu 20.000 m3/h gebaut. Sie werden schlauchstücke flexibel miteinander verbunden
entweder mit Diesel- oder mit Elektromotoren sind. Im Neuzustand sind die Rohre für einen
angetrieben und haben je nach Größe eine Leis- Betriebsdruck von 12,0 bar ausgelegt, der je-
tungsaufnahme von 400 kW bis zu 4.000 kW. doch mit zunehmender Nutzungsdauer ab-
Beim Bau von Verkehrswegen werden überwie- nimmt, da die Rohre im Spülbetrieb einem er-
gend Baggerpumpen mit Leistungsaufnahmen heblichen Verschleiß durch Abrieb unterliegen.
von 700 kW bis 1.200 kW eingesetzt. Diese er- Angaben über Saugrohrleitungen sowie weitere
möglichen in weit gehend ebenem Gelände Informationen über die Ausführungsarten, den
wirtschaftliche Förderweiten von bis zu 2,0 km. Verschleiß und die Verlegung von Druckrohrlei-
Die Saughöhe üblicher Baggerpumpen kann bis tungen sind bei HIRSCHBERGER (1992) und
zu 6,0 m Wassersäule betragen und der Förder- bei BLAUM/v. MARNITZ (1963) zu finden.
druck kann bis zu ca. 6,0 bar erreichen. Weiter-
Bei größeren Spülentfernungen wird der Einsatz
führende Hinweise über die Prinzipien der Bo-
von einer oder mehreren Zwischenpumpensta-
denförderung im Saugverfahren, über die Form
tionen erforderlich, wofür die gleichen Pumpen-
und Gestaltung der Aufnahmeeinrichtungen
anlagen wie bei den Baggern verwendet wer-
(Schneidkopf, Saugrohrmundstück etc.) sowie
den. Um ein Abreißen des Spülstromes zu ver-
der Baggerpumpe als auch über die rechneri-
hindern, werden die Zwischenpumpenstationen
sche Dimensionierung von Baggerpumpen fin-
so angelegt, dass in den Leitungen immer ein
den sich bei BLAUM/v. MARNITZ (1963) und bei
Überdruck von wenigstens 1,0 bar vorhanden
DETTMERS (1963).
ist. Überdies sind Zwischenpumpenstationen
Der Aushub wird in Stufen durchgeführt, die am nur dann wirtschaftlich, wenn die Förderleistung
Baggergrubenrand der mittleren Profilneigung ohne Zwischenpumpenstationen um mehr als
entsprechen. Die Höhe dieser Stufen ist von der 30 % absinken würde. Durch rutschende Spül-
Art und Größe der eingesetzten Geräte sowie gutbewegung erhöht sich die Abnutzung der
von der Bodenart abhängig. Die ordnungs- Rohrleitung erheblich, außerdem steigt der
gemäße Ausführung der Baggerung kann durch Druckhöhenverlust um ein Vielfaches an. Aus
moderne Vermessungsverfahren (z. B. Echolot diesem Grunde müssen die Pumpen eine sol-
in Verbindung mit Global Positioning System che Leistung aufweisen, dass eine Fließge-
(GPS)) überwacht werden. Technisch bedingt schwindigkeit entsteht, bei der sich möglichst
kommt es bei allen zum Aushub einsetzbaren kein Spülgut in den Rohren absetzt und das
Geräten zur Bildung einer mehr oder weniger Korn schwebend mitgenommen wird. Die hierzu
dicken Störschicht auf der Aushubsohle, z. B. notwendige Mindestströmungsgeschwindigkeit
infolge von Bodenverlusten beim Baggern, (kritische Geschwindigkeit) ist abhängig vom
durch eventuelle Störungen der Aushubsohle Rohrdurchmesser, von der Feststoffkonzentrati-
und durch laufenden Schlickanfall. Diese Stör- on und von den Korndurchmessern des Förder-
schicht ist vor der Wiederverfüllung zu beseiti- gutes. Die Berechnungsverfahren für hydrauli-
gen, um unerwünschte Weichschichteinschlüs- sche Förderungen finden sich bei FÜHRBÖTER
se im Ersatzkörper zu vermeiden. Die Kontrolle (1961a), und ausführliche Erläuterungen der
der Aushubsohle erfolgt mit den in Kapitel 5.5.3 Vorgänge, die bei der Förderung von Wasser-
genannten Methoden. Feststoff-Gemischen auftreten, können FÜHR-
BÖTER (1961b), KAHLE (1983) und KAZANSKIJ
c) Transport des Boden-Wasser-Gemisches durch (1981) entnommen werden.
Spülrohrleitungen zur Ablagerfläche bzw. Ein-
baustelle d) Einspülen des Boden-Wasser-Gemisches auf
der Ablagerfläche bzw. Einbaustelle
Als Druck-Förderleitungen werden im Straßen-
bau heute hauptsächlich Stahlrohre mit Nenn- Für die Spülfelder zum Ablagern des unbrauch-
weiten von 400 mm bis 600 mm verwendet. baren Bodens werden große, möglichst zusam-
Diese Leitungsdurchmesser decken Leistungs- menhängende Flächen von gedrungener Form
44

benötigt; für etwa 1,5 m3 abgebauten Boden ist Sandart Ungleichför- Mittlere Lagerungs-
eine Fläche von etwa 1,0 m2 zu veranschlagen. migkeitsgrad Korngröße dichte D [-]
U [-] d50 [mm]
Die Ablagerungsflächen werden mit Spüldäm-
Feinsand beliebig < 0,15 0,35 bis 0,55
men eingefasst und durch Zwischendämme in
Mittelsand 0,25 bis 0,50 0,15 bis 0,35
Teilpolder unterteilt, um ein wechselseitiges
Aufspülen zu ermöglichen. Die Höhe dieser Tab. 4.5: Erzielbare Lagerungsdichten bei Aufspülungen von
Sand unter Wasser (EAU, 1996)
Dämme kann je nach Tragfähigkeit des vorhan-
denen Untergrundes etwa 2,0 m bis 3,0 m be- Beim Einspülen können sich beim Teilboden-
tragen. Die Dämme können aus dem in den Ab- austausch in gewissem Umfang Schlammwal-
lagerungsflächen anstehenden Boden aufge- zen vor dem Fuß des Spülstrandes bilden, die
baut werden, wobei zur Vermeidung von Unter- von der nachfolgenden Sandeinspülung vor-
spülungen allerdings keine stark wasserdurch- weggeschoben oder unter Umständen über-
lässigen Schichten freigelegt werden sollten. schüttet werden, wenn sie nicht zwischendurch
Um die Gefahr von Grundbrüchen bei den Au- abgesaugt werden. Der Abstand zwischen dem
ßendämmen – insbesondere wenn der Unter- Ausbau nicht tragfähigen Bodens und dem
grund wenig tragfähig ist – zu verringern, darf Einspülen tragfähigen Materials ist auch hier-
der Boden für diese Dämme nicht aus dem bei von der Aushubtiefe sowie der Böschungs-
äußeren Dammvorland oder unmittelbar vor neigung des eingespülten Bodens unter Wasser
dem Dammfuß gewonnen werden. Da ihre Ei- abhängig, sollte aber – u. a. zur Vermeidung von
gensetzungen vor dem Einspülen aus Standsi- seitlichen Kantenabbrüchen – möglichst gering
cherheitsgründen wenigstens teilweise abge- sein (a ≤ 200 m). LÖWENBERG (1963) gibt Er-
klungen sein sollten und die Spülrohre auf den fahrungswerte für Böschungsneigungen von
Außendämmen verlegt werden, sind diese früh- Böden an, die unter Wasser aufgespült werden,
zeitig herzustellen. und dokumentiert durch umfangreiche Unter-
suchungen die maßgebenden Einflüsse auf
Beim ersten Spülvorgang darf das unbrauchba-
die Verdichtung des eingespülten Ersatzmateri-
re Spülgut nur bis zu etwa 1,0 m hoch aufge-
als.
spült werden, um Dammbrüche aufgrund zu
hoher hydrostatischer Drücke zu vermeiden. Weitere Angaben zum Einbau und Verdichten
Nach ausreichender Konsolidierung und Ab- des Spülgutes sowie zur Planung und Beschaf-
trocknung des Spülgutes können weitere Lagen fung von Seitenentnahmen und Ablagerung fin-
von 0,3 m bis 0,5 m Dicke bis zu einer endgülti- den sich in den ESpE-NS (1977).
gen Gesamthöhe von 1,5 m bis 2,0 m aufge-
spült werden.
e) Rückführen des Wassers zur Entnahmestelle
Um eine möglichst große Lagerungsdichte des durch Rücklaufgräben oder Rohrleitungen
als Ersatzmaterial dienenden Spülgutes zu
erzielen, sollte es beim Einspülen auf der Ein- Um die Störungen des Wasserhaushaltes einzu-
baustelle an der Luft und nicht unter Wasser grenzen, sollten die Änderungen des Grundwas-
ausströmen (ESpE-NS, 1977). Hierbei ist zu serspiegels an allen Betriebspunkten der Bau-
berücksichtigen, dass sich die Feststoffe so- maßnahme möglichst gering gehalten werden,
fort und die Schwebstoffe erst nach einer Beru- indem ein geschlossener Wasserkreislauf ge-
higungszeit absetzen, weshalb der Gehalt an schaffen wird. Insbesondere beim Ausspülen
Feinanteilen mit einem Korndurchmesser des nicht tragfähigen Bodens aus der Trasse
d < 0,06 mm im Ersatzmaterial höchstens 10 % sollte der Grundwasserspiegel möglichst nicht
betragen sollte (EAU, 1996, E. 175). Bei Auf- abgesenkt werden, um zu vermeiden, dass die
spülungen von Sand unter Wasser werden seitlich anstehenden Weichböden ausfließen
gemäß EAU (1996), E 175, im Allgemeinen etwa oder abgleiten. Der Grundwasserspiegel kann
die in Tabelle 4.5 genannten Lagerungsdichten durch Rückleitung des Spülwassers und eventu-
erzielt. ell durch Einleitung von Zusatzwasser auf die er-
forderliche Höhe eingestellt werden. Weitere
Bezüglich der Verdichtungskontrolle und einer konstruktive Hinweise zur Spülwasserrück-
eventuell notwendigen Nachverdichtung gelten führung sind bei HIRSCHBERGER (1992) nach-
die Angaben in Kapitel 4.5.3. zulesen.
45

Die Kosten für einen Spülbetrieb werden wesent- Zusammengefasst bietet sich das Spülverfahren in
lich durch Auf- und Abbau der Geräte und Leitun- wirtschaftlich-technischer Hinsicht an, wenn fol-
gen und deren Vorhaltung bestimmt. Da diese gende Voraussetzungen erfüllt sind:
Kosten hoch sind, kann das Spülverfahren nur
wirtschaftlich sein, wenn große Mengen gefördert
· hoher Grundwasserstand;
werden sollen. Vergleicht man die Kosten zwischen · gGeeignete Bodenarten (enggestufte Sande,
Trockeneinbau mit Lkw-Transporten und dem Torfe, Schlick);
Spülverfahren für den Straßendammbau in Marsch-
gebieten, so kann das Spülverfahren ab ca.
· großer Massenbedarf bzw. Massenanfall (mind.
200.000 m3 Füllboden);
200.000 m3 Dammvolumen kostengünstiger wer-
den, solange keine außergewöhnlichen Umstände · bestimmte Mächtigkeiten der abzubauenden
vorliegen. Natürlich kommt es auf die Transport- Bodenschichten (Mindestdicke der unbrauch-
entfernung für die Lastkraftwagen an und die baren Schicht etwa 5,0 m, maximale Aus-
Förderweite für den Spülbetrieb sowie zusätz- tauschtiefe etwa 15,0 m und Entnahmetiefe
liche Hilfsbauten für die jeweiligen Verfahren. Auch mindestens 2,5 m unter dem Arbeitswasser-
darf bei dem Vergleich nicht unberücksichtigt stand);
bleiben, dass durch schweren Lkw-Verkehr beste-
hende Straßen stark beschädigt werden können
· keine übergroßen Spülentfernungen (maximal
etwa 7,0 km bei Austauschsanden sowie 10,0
und erhebliche Belästigungen für Anwohner auf-
km bei Torf und Schlick);
treten. Außerdem ist bei dem Vergleich zu untersu-
chen, ob denn für beide Verfahren die gleiche · Vorhandensein ausreichend großer Ablage-
Seitenentnahme benutzt werden kann und welche rungsflächen für die nicht tragfähigen Böden;
indirekten Kostendifferenzen sich daraus ergeben.
Weiter ist zu berücksichtigen, wie der aufzubauen-
· Rücksichtnahme bei Grenzbebauung (empfoh-
lene Grenzabstände siehe ESpE-NS (1977),
de Erdkörper gegliedert ist. Es kommt vor, dass
3.7);
die Herstellung von Straßendämmen abschnitts-
weise zu bestimmten, vorgegebenen Zeiten erfol- · ungünstige Gelände- und Straßenverhältnisse
gen muss. Dies ergibt sich aus Verkehrsumle- für einen Bodentransport mit Lkw.
gungen während der Bauzeit, freizuhaltenden Be-
ERLENBACH (1967) berichtet über die Anwendung
reichen für Bauwerke und zur Vermeidung von
des Nassbaggeraushubs bei einer Baumaßnahme
Grundbrüchen. Wenn wegen solcher Bedingungen
in der Nähe von Neustadt. Die Bundesautobahn E
die Erdarbeiten in viele kleinere Abschnitte ge-
4 (Vogelfluglinie) führt hier über einen früheren Bin-
gliedert sind, die weder räumlich noch zeitlich in un-
nensee, der bis in 14,0 m Tiefe mit Mudde und Torf
mittelbarem Anschluss aneinander ausgeführt wer-
gefüllt war. Die wirtschaftlichste Lösung war auf-
den können, ist das Spülverfahren nicht wirtschaft-
grund der großen Mächtigkeit der nicht tragfähigen
lich; der Umbau der Rohrleitungen und das Vo-
Bodenschicht und des hohen Grundwasserstan-
rhalten der Geräte in Wartezeiten verursachen
des eine Nassbaggerung mittels Schneidkopfbag-
zu hohe Kosten. Im Übrigen hängt die Wirtschaft-
ger. Günstig wirkte sich aus, dass Sand als Ersatz-
lichkeit immer von der Gewinnung des Bodens
material in der Nähe anstand. Bild 4.24 zeigt den
oder dessen Antransport sowie den Grundwasser-
Längsschnitt und die Draufsicht der Baggergrube,
ständen und den Bedingungen für das Rücklauf-
womit die Arbeitsweise des Saugbaggers verdeut-
wasser ab. Für jeden Einzelfall muss eine verglei-
licht wird. Der Füllsand wurde bei dieser Baumaß-
chende Kostengegenüberstellung für die Erstellung
nahme mit Lkw beigefahren und mit Schubraupen
der Gesamtmaßnahme aufgestellt werden. Zur Ori-
verteilt und eingebaut. Dabei betrugen die Kosten
entierung kann hinsichtlich der Fördermengen je
zum Zeitpunkt der Baumaßnahme (1967) für den
nach Anlage pro Achtstundenschicht von etwa
Aus- und Einbau etwa 6,38 DM/m3 Boden.
1.500 bis 5.000 m3 Boden ausgegangen werden.
Nicht zu vernachlässigen ist die Behinderung des Über die Anwendung des Spülverfahrens bei einem
Spülbetriebes durch Stein- oder Holzeinlagerungen Teilbodenaustausch im Zuge des Baus der BAB A
im Untergrund. Hierdurch verursachte Unterbre- 25 berichtet QUAST (1980). Hier ergaben sich in
chungen (Stillstandszeiten) können ein Nassbag- einem Bereich, in dem überwiegend Torfe und
gerverfahren ebenfalls unwirtschaftlich werden Mudden anstanden, Probleme. Nachdem im Nass-
lassen. baggerbetrieb – Bild 4.25 zeigt den Cutter – gera-
46

de der Bodenaushub fertig gestellt worden war, Boden-Suspension auf und ragten nur knapp ober-
schwammen wegen ihres geringen Raumgewich- halb der Wasserlinie heraus. Sie mussten durch
tes bereichsweise größere Torfschollen in der einen erneuten Cuttereinsatz beseitigt werden.
durch den Cutterbetrieb hervorgerufenen Wasser-
Das Aufschwimmen des Torfes wurde unter ande-
rem auch durch den Saugstrom des Schneidkop-
fes begünstigt, dem nur durch einen entsprechen-
den Wasserüberdruck wirksam begegnet werden
konnte. Ein weiteres Problem trat bei der Sandein-
bringung mittels Spülbetrieb ein. Durch die sich
unter Wasser relativ steil einstellende Spülstrand-
böschung traten ständig Grundbrüche am Bö-
schungsfuß auf, die zu Schlammwalzenbildungen
führten. Um dies zu verhindern und eine gleich-
mäßige Überdeckung der verbleibenden Weich-
schichten zu gewährleisten, wurde das Spülrohr
auf einem Schwimmelement montiert und kontinu-
ierlich durch die Baggergrube bewegt, so dass eine
gleichmäßige Berieselung der Aushubsohle mit
Sand erfolgte (Bild 4.26).

4.5.5 Bodenaustausch mit Rüttelkästen und


Rüttelrohren
Bild 4.24: Arbeitsweise des Saugbaggers im Längsschnitt und
in der Draufsicht (ERLENBACH, 1967) Das Prinzip des so genannten Rüttelkastenverfah-
ren ist schematisch in Bild 4.27 dargestellt. Bei die-
sem Verfahren erfolgt der Austausch im Schutze
eines speziellen Verbausystems.

Bild 4.25: Cutter für den Nassbaggerbetrieb (QUAST, 1980)

Bild 4.26: Schwimmelement zur Berieselung der Weichschich- Bild 6.27: Geometrie und Arbeitsschema beim Bodenaus-
ten (QUAST, 1980) tausch mit Rüttelkästen
47

Zunächst wird ein Arbeitsplanum z. B. durch einen setzten Universalbaggers ist entscheidend für den
herkömmlichen Bodenaustausch vorbereitet. Da- Baufortschritt und damit für den notwendigen Zeit-
nach werden von diesem Arbeitsplanum aus volu- aufwand bei dieser Bodenaustauschmethode.
minöse Stahlkästen durch den unzureichend trag-
In den einzelnen Kästen kann die lagenweise Ver-
fähigen Baugrund bis zur Solltiefe bzw. bis zum
dichtung des Austauschbodens mit einem Ober-
tragfähigen Boden eingerüttelt. Im Schutz dieser
flächenvibrator vorgenommen werden. Dabei kann
allseitig geschlossenen Kästen wird anschließend
das zur lagenweisen Verdichtung benötigte Gerät
der nicht tragfähige Boden entfernt. Unmittelbar
mit Hilfe des Grundgerätes z. B. in Form eines Auf-
nach dem Bodenaushub erfolgt die Wiederverfül-
lastvibrators realisiert werden. Eine oftmals bereits
lung mit dem Austauschboden. Durch Anwendung
ausreichende Verdichtung des Ersatzbodens erzielt
des Pilgerschritt-Verfahrens gelingt es, den nicht
man durch Vibration der Stahlkästen während des
tragfähigen Boden nahezu restlos auszubauen und
Ziehens bei mehrfach phasenweisem Heben und
durch tragfähigen Füllboden zu ersetzen.
Senken der Kästen. Im Normalfall werden diese
Der für dieses Austauschverfahren notwendige beiden Verdichtungsmethoden miteinander kombi-
Maschinenkomplex besteht aus einem Grundgerät niert. Wie die Erfahrung aus durchgeführten Ver-
mit spezieller Mäklerausrüstung, womit die Senk- dichtungsversuchen zeigt, ist diese Vorgehenswei-
kästen sowohl einvibriert als auch gezogen werden se auch die zweckmäßigste (RICHTER, 1992).
können (Bild 4.28), sowie einem Universalbagger
In Abhängigkeit von den Bodeneigenschaften und
mit Greiferausrüstung zum Aushub des ungeeigne-
der Leistungsfähigkeit der benutzten Maschinen
ten und Einbau des Austauschbodens. Der Trans-
können mit dem Verfahren derzeit Arbeitstiefen von
port des Aushub- als auch des Ersatzbodens er-
bis zu ca. 7,0 m erreicht werden. Die Grundriss-
folgt mit Lastkraftwagen. Die Leistung des einge-
größe der Kästen kann prinzipiell je nach Bedarf ge-
wählt werden. Die bisher üblichen zur Anwendung
gekommenen Grundrissabmessungen der Kästen
betragen 1,5 m x 3,0 m. Der Bodenaustausch mit
dem Rüttelkastenverfahren ist sowohl im Trocken-
als auch im Unterwasserbetrieb möglich.

Die Anwendung des Rüttelkastenverfahrens


kommt besonders dann in Betracht, wenn der Ab-
stand zu bestehenden baulichen oder Verkehrsan-
lagen gering und der herkömmliche Bodenaus-
tausch nicht mehr möglich oder zulässig ist. Es eig-
net sich daher insbesondere auch als Bauverfahren
bei der Verbreiterung bestehender Straßendämme,
wenn hierbei ein Bodenaustausch vorgenommen
werden soll. Zu berücksichtigen sind jedoch die
Wirkung der durch die Vibration erzeugten Boden-
Bild 4.28: Ziehen bzw. Einvibrieren der Stahlkästen beim Rüt- schwingungen bzw. die Erschütterungswirkungen
telkastenverfahren auf die bestehenden Bauwerke. Bild 4.29 zeigt die
Anwendung des Verfahrens bei der Verbreiterung
der Bundesautobahn A 27 Bremen – Bremerhaven.

Analog zu dem vorstehend erläuterten Verfahren


kann der Bodenaustausch auch im Schutze von ein-
gerüttelten Stahlrohren mit großem Durchmesser
(ca. 1,5 m ≤ D ≤ 3,0 m), wie sie auch für das Her-
stellen von Großbohrpfählen üblich sind, vorgenom-
men werden. Statt des vollflächigen Bodenaustau-
sches erfolgt hierbei nur ein Austausch in
rasterförmig dimensionierten Abständen. Selbst bei
Bild 4.29: Bodenaustausch zur Verbreiterung der BAB A 27 tangierender Anordnung verbleibt in den Zwickeln
(MÖBIUS, 1999) zwischen den Rohren eine Restmenge nicht trag-
48

fähigen Bodens von theoretisch ca. 23 % bezogen Mit dem Vorschubgerät werden variable Arbeits-
auf die Gesamtkubatur. In der Praxis verbleiben breiten von 4,0 m bis 6,0 m und Arbeitstiefen von
dabei jedoch bis zu 50 % nicht tragfähigen Bodens bis zu ca. 5,0 m abgedeckt. Das Gerät arbeitet
im Untergrund (MÖBIUS, 1999). nach dem Fertigerprinzip mit einer maschinellen
Ausrüstung, die den Bodenaushub und die Wie-
Der für dieses Verfahren benötigte Maschinenkom-
derverfüllung des Ersatzbodens kombiniert. Im
plex entspricht weitestgehend dem des Rüttelkas-
Vorderbereich wird der Boden mit konventioneller
tenverfahrens. Das Rohr wird mit einem Vibrator ein-
Baggertechnik mittels Hydraulikbagger ausgeho-
gerüttelt, der durch den am Grundgerät montierten
ben und seitlich mit Lastkraftwagen abtransportiert
Mäkler gehalten und geführt wird. Alternativ können
die Rohre auch eingerammt werden. Mit Hilfe eines
oder vor Ort zwischengelagert. Im hinteren Verfüll-
an einem Seilbagger angehängten Schalengreifers bereich wird der Ersatzboden lagenweise einge-
wird der wenig tragfähige Boden entfernt und durch baut und nachlaufend verdichtet. Nach dem Aus-
den Austauschboden ersetzt. Die Verdichtung er- hub im vorderen Bereich und Verfüllung und Ver-
folgt hier ausschließlich durch phasenweises vibrie- dichtung im hinteren Bereich wird die bewegliche
rendes Ziehen der Rohre. Im Vergleich zum Rüttel- Druckwand mittels Hydraulikzylinder gegen die
kastenverfahren lassen sich Böden bis in größere Verfüllung gedrückt und bewirkt den Vorschub der
Tiefen über und unter Wasser austauschen. Seitenwände um jeweils 2,0 m bis 2,5 m.

Unter Grundwasser lässt sich bei beiden Verfahren


ein hydraulischer Grundbruch vermeiden, wenn der
4.6 Bodenverdrängungsverfahren
Aushub und die Wiederverfüllung in sofort aufei-
nander folgenden Phasen vollzogen werden. Außer- 4.6.1 Verdrängung durch Auflast
dem müssen die Rüttelkästen bzw. Stahlrohre in die
Grundwasser führenden Bodenschichten einbinden. Mit den Darlegungen der Konstruktionsprinzipien
der aktiven Bodenverdrängung in Kapitel 4.3.2 sind
4.5.6 Bodenaustausch mit dem Vorschubgerät die wesentlichen Grundzüge dieses Verfahrens be-
reits erläutert. Der Bauablauf bei dieser auch als
Für den flachen gestützten Bodenaustausch wurde Verdrängungsschüttverfahren bezeichneten Bau-
das so genannte Vorschubgerät speziell entwickelt, weise wird schematisch in Bild 4.31 dargestellt.
das den seitlich stehen bleibenden Boden ver-
gleichbar einem „mitlaufenden Verbau“ vorüberge- Das Verdrängungsschüttverfahren besteht im We-
hend stützt und deshalb besonders auch für Stra- sentlichen aus folgenden Arbeitsphasen:
ßenverbreiterungen Vorteile bietet. a) Entfernen der oberen festen Bodenschichten
Das Vorschubgerät ist ein rahmenartig geschlosse- (z. B. Verwitterungskruste) im Bereich der
nes und allseits abstützendes Verbausystem, das Schüttung;
mit hydraulischen Pressen vorwärts geschoben
b) Verdrängung vor Kopf (Bild 4.31a und c);
wird. Im Bild 4.30 ist die Arbeitsweise des Gerätes
schematisch dargestellt. c) Verdrängung seitlich (Bild 4.31b);

Bild 4.30: Arbeitsweise des Vorschubgerätes (CHILIAN, 1994) Bild 4.31: Bauablauf beim Verdrängungsschüttverfahren
49

d) Entfernen der verdrängten weichen Bodenmas- chen Randbereich erfolgt, um die Standsicherheit
sen; der Dammböschungen nicht zu gefährden.

e) Ausführen eventuell notwendiger zusätzlicher Der für dieses Verfahren notwendige Maschinen-
Überschüttungen zur Konsolidierung verbliebe- komplex entspricht weitestgehend demjenigen
ner Restweichschichten. beim Bodenaustausch im Trockenen (Kapitel
4.5.2). Für die Beseitigung der verdrängten Massen
Als Folge der beschriebenen Arbeitsweise erfolgt
kann entweder ein seitlich bzw. vor Kopf auf dem
vor Kopf eine wellenartige Verdrängung der nicht
nicht tragfähigen Untergrund stehender Hydraulik-
tragfähigen Böden in Richtung des Baufortschrit-
bagger oder ein auf der Sandschüttung stehender
tes (Bild 4.32). Die sich dabei vor Kopf bildenden
Bagger mit langem Ausleger eingesetzt werden.
Aufwölbungen weichen Bodens, die eine weitere
Der Vorteil bei der letztgenannten Variante liegt
Verdrängung verhindern oder Einschlüsse nicht
darin, dass der Bagger als zusätzliche Last der Be-
tragfähiger Böden bewirken können, müssen im
schleunigung des Grundbrucheintrittes dienen
Zuge des Baufortschrittes laufend durch Bagger
kann. Der Abtransport des beseitigten nicht trag-
beseitigt werden. Die durch die dammverbreitern-
fähigen Bodens als auch der Antransport des Er-
de seitliche Verdrängung erzeugten Aufwölbungen
satzmaterials erfolgen mittels Lkw. Zusätzlich wer-
können belassen werden, sofern sie die Konterge-
den Schubraupen für die Verteilung des Ersatzbo-
wichtwirkung und auch keine sonstigen negativen
dens und zur Profilierung des Dammquerschnittes
Auswirkungen haben. Nach jedem Schüttvorgang
eingesetzt.
schließt sich eine Liegezeit an, in der die Brucher-
scheinungen ausklingen können. In dieser Phase Gemäß FGSV (1988) werden die Grenzen der An-
der Beruhigung der weichen Sedimente tritt eine wendungsmöglichkeiten des Verdrängungsschütt-
Konsolidierung ein. Zur Beschleunigung der Kon- verfahrens bestimmt durch das Verhältnis von Auf-
solidierung werden Überschüttungen vorgenom- last zur Dicke der Weichschicht. Außerdem maßge-
men oder vertikale Dränagen eingebaut. Insbeson- bend für die Anwendbarkeit ist die Homogenität
dere bei teilweiser Verdrängung ist darauf zu ach- der anstehenden Weichböden. Weichschichten mit
ten, dass nach Abschluss des Verdrängungsver- unterschiedlicher Konsistenz können eine un-
fahrens kein weiterer Bodenabtrag mehr im seitli- gleichmäßige Verdrängung oder Einschlüsse wei-
cher Böden im Ersatzkörper zur Folge haben (Bild
4.10).

Das Verdrängungsschüttverfahren bietet sich als


Bauverfahren an, wenn bei einem Austausch im
Baggerverfahren zu erwarten ist, dass die seitlich
verbleibenden Weichschichten nachfließen oder
Kantenabbrüche entstehen. Gelingt die gewünsch-
te Verdrängung nicht ohne weiteres, können die
bereits in Kapitel 4.3.2 erläuterten Hilfsmittel ge-
nutzt werden, um die aktive Bodenverdrängung
durch die statische Einwirkung des aufgeschütte-
ten Ersatzmaterials zu unterstützen. Die Hilfsmittel,
bei denen die Bodenverdrängung im Wesentlichen
eine Folge dynamischer Einwirkungen darstellt,
werden in den Kapiteln 4.6.2 und 4.6.3 separat be-
handelt. Trotz der genannten zur Verfügung ste-
henden Hilfsmaßnahmen, die dem Zweck dienen,
die geforderte Qualität des Ersatzkörpers sicherzu-
stellen, hat die Bodenverdrängung zurzeit an Be-
deutung verloren.

Die Kontrolle des Erfolges der Verdrängungsmaß-


nahme kann durch Setzungsmessungen erfolgen.
Bild 4.32: Wirkungsweise der Verdrängungsschüttung (STRIEG- In Ergänzung können zusätzliche Aufschlussboh-
LER, 1998) rungen oder Drucksondierungen ausgeführt wer-
50

den. Hinsichtlich der Anforderungen an die Lage- zip dieses Verfahrens beruht darin, mit Hilfe der
rungsdichte des Ersatzbodens sowie die für eine Sprengungen die weichen, nicht tragfähigen Bo-
Verdichtung einzusetzenden Geräte sei auch hier denmassen so weit zu beseitigen, dass der Damm
auf die bereits in Kapitel 4.5.2 erwähnte Literatur nach der Verdrängung dieser organischen Sedi-
verwiesen. mente eine feste Auflage auf dem tragfähigen Bau-
grund erhält. Auch dieses Bauverfahren bietet sich
Beispielhaft für die erfolgreiche Anwendung des
insbesondere dann an, wenn beim Bodenaus-
Verdrängungsschüttverfahrens sei auf die von
tausch im Baggerverfahren technische Schwierig-
FLÜGEL (1972) erläuterte Sanierung des Nord-Ost-
keiten der Art zu erwarten sind, dass sich weiche
see-Kanals und auf den von BADIOU et. al. (1977)
Moorschichten durch Nachfließen oder Überkippen
beschriebenen Deichbau verwiesen. Eine inge-
mit dem Schüttgut des Dammkörpers vermischen.
nieurgeologische Untersuchung verschiedener
Im Allgemeinen wird das Verfahren für eine Mäch-
norddeutscher Fallbeispiele für das Verfahren fin-
tigkeit der organischen Schichten von etwa 15,0 m
det sich bei RUCK (1977).
bis 20,0 m angewendet. In besonders schwierigen
Fällen können auch Dicken bis etwa 30,0 m ver-
4.6.2 Verdrängung durch Sprengung drängt werden (MARTIN, 1958).
Beim Bau von Autobahnen sowie zur Gründung Der Begriff Moorsprengung dient hier als Oberbe-
umfangreicher Dammbauten für Eisenbahnen im In- griff für die zwei Verfahrensgruppen Sprengschütt-
und Ausland ist die Moorsprengung in der Vergan- verfahren und Schüttsprengverfahren, die sich in
genheit vielfach eingesetzt worden (KORTH 1972 der Reihenfolge der einzelnen Arbeitsphasen un-
und KEIL/STRIEGLER, 1959). Moor ist ein geografi- terscheiden (Bild. 4.33).
scher Begriff, der hier im Zusammenhang mit der
Verdrängung organischer Weichschichten (Torf, Die Herstellung des Ersatzkörpers beim Spreng-
Mudde) verwendet wird. Durch seine konsequente schüttverfahren (Moorauswurfs- bzw. Graben-
technologische Weiterentwicklung konnte dieses sprengung) untergliedert sich in drei Phasen:
Verfahren im Vergleich zu anderen bautechnischen
· Einbringen der Minen,
Lösungen (z. B. aufgeständerte Konstruktionen) oft-
mals wirtschaftlich angewendet werden. Das Prin- · Sprengung,

Bild 4.33: Verfahrensgliederung der Moorsprengung (STRIEGLER, 1998)


51

· Dammschüttung – Überhöhungsschüttung. bis auf den tragfähigen Grund hergestellt. In diese


Löcher werden die Minen, mit elektrischem Zünder
Beim Sprengschüttverfahren werden also zunächst und Zünddraht versehen, hinabgelassen. Zur Ver-
die Sprengkörper nach einem vorgegebenen Sche- dämmung werden die Löcher mit Sand verfüllt. Die
ma bis in die erforderliche Tiefe in die weichen Anordnung der Sprengkörper im Grundriss sowie
Schichten eingespült. Sind alle Minen planmäßig die Zündfolge richten sich nach den Gelände- und
eingebaut und verdrahtet, so erfolgt die Zündung. Schichtverhältnissen. Prinzipiell – d. h. je nach
Infolge der Sprengung wird ein Großteil der organi- Sprengverfahren – können die Sprengladungen vor
schen Weichschichten zum Auswurf gebracht, so Kopf (Vorkopfminen), seitlich des Dammes (Vor-
dass ein offener Graben entsteht. Im weitesten feldminen) und unter dem Schüttvolumen (Haupt-
Sinne erfolgt hierbei demnach eine Verdrängung minen) angeordnet werden. Sind alle Minen plan-
der Weichschichten in vertikaler Richtung. Das im mäßig eingebaut und verdrahtet, so erfolgt die
Anschluss in den entstandenen Graben einzubau- Zündung. Die Sprengung erfolgt mit Hilfe von Milli-
ende Ersatzmaterial kann die verbliebenen Torf-
bzw. Muddemassen, analog zu dem in Kapitel
4.6.1 erläuterten Verfahren, weit gehend verdrän-
gen.

Bei der Herstellung des Ersatzkörpers nach dem


Schüttsprengverfahren (Moorverdrängungs- bzw.
Tiefensprengung) ergibt sich eine andere Reihen-
folge der drei Arbeitsphasen:

· Dammschüttung – Überhöhungsschüttung,

· Einbringen der Minen,

· Sprengung.

Im Gegensatz zum Sprengschüttverfahren wird


also beim Schüttsprengverfahren ein bereits ge-
schütteter Damm durch Beseitigung der weichen
Schichten mit Hilfe der Sprengwirkung bis an-
nähernd auf den tragfähigen Baugrund abgesenkt.

Die organischen Ablagerungen können dabei auch


unter dem Wasserspiegel liegen. Vor der Damm-
schüttung sind jedoch die festeren Oberflächen-
schichten (Grasnarbe, verfilzte Pflanzen- und Wur-
zelreste etc.) durch Auflockerungs- bzw. Ober-
flächensprengungen zu zerstören oder mittels Bag-
ger abzutragen. Zunächst wird der Damm so lange
in Höhe geschüttet, bis keine relevanten Setzungen
mehr eintreten. Hierbei wird schon ein großer Teil
des Moores statisch verdrängt. Anschließend er-
hält der Damm eine Überhöhung, die etwa der zu
erwartenden Setzung infolge der Sprengung ent-
spricht. Dies ist in der Regel die Stärke der noch
verbliebenen Weichschicht unter dem Dammkör-
per, was sich durch Schlitzsondierungen oder ähn-
liche Erkundungen leicht feststellen lässt. Die
Sprengminen werden vom Lieferwerk nach Ge-
wicht in zylindrischer Form hergestellt und auf der
Baustelle planmäßig zu den erforderlichen Größen
zusammengefügt. Mit einem Spülgerät werden Bild 4.34: Phasen der Dammherstellung beim Schüttspreng-
Löcher mit einem Durchmesser von etwa 30,0 cm verfahren (GARRAS, 1966)
52

sekunden-Zündern. Durch die Zündung der einzel- a) Kleinsprengverfahren (Bild 4.36a)


nen Sprengladungen wird eine Explosion aus-
Kleinsprengungen werden ausgeführt, wenn
gelöst, deren Explosionsdruck sich allseitig aus-
sich in der Nähe Gebäude befinden. Nachdem
breitet. Durch diese plötzliche dynamische Bean-
der Rand des Moores 4,0 bis 5,0 m tief ausge-
spruchung der druck- und setzungsempfindlichen
baggert worden ist, erfolgt der weitere Vortrieb
Schichten wird der Gefügewiderstand (Reibungs-
schrittweise, indem der Boden in kurzen Ab-
und Kohäsionsfestigkeit) weit gehend beseitigt,
schnitten von etwa 3,0 bis 5,0 m geschüttet wird
die Torf- und Faulschlammmassen werden verflüs-
und anschließend die Sprengung erfolgt. Dabei
sigt, und der Staudruck der nicht bewegten Mas-
kann der Vortrieb in drei verschiedenen Arbeits-
sen wird überwunden. Aus diesem Grunde wer-
weisen geschehen (GARRAS, 1966):
den diese Sprengungen auch Verflüssigungs- oder
Sumpfungssprengungen genannt. Infolge der · Vortreiben des Dammes in voller Breite in
Sprengwirkung sowie der daran unmittelbar an- Dammrichtung,
schließenden Absenkung des Ersatzmaterials wird
· Vortreiben eines schmalen Dammes in
hierbei eine vorwiegend seitliche Verdrängung der
Dammrichtung und einseitige Verbreiterung
organischen Schichten erzielt. Durch die Explosion
quer zur Dammrichtung,
wird darüber liegendes Ersatzmaterial um mehrere
Meter angehoben. Die Dammauflast wirkt hierbei · Vortreiben eines schmalen Dammes in
also als Verdämmung und muss so groß sein, dass Dammrichtung und Verbreiterung nach bei-
keine Ausbläser entstehen. Außerdem wächst die den Seiten quer zur Dammrichtung.
Energie des nach der Explosion niedergehenden
Bei allen drei Arbeitsweisen wird der Ersatzbo-
Dammes und damit auch die Verdrängungswirkung
den so lange vor Kopf auf den weichen Moorbo-
mit der Größe der Auflast. Generell besteht jedoch
den gekippt, bis der gewünschte „Vorschub“ er-
das Risiko, dass unterhalb des Dammes Reste der
folgt ist. Dann werden die Sprengminen durch
organischen Weichschicht, insbesondere auch in
den Sand bis auf den tragfähigen Untergrund
unterschiedlicher Mächtigkeit, verbleiben und zu
eingespült. Anschließend wird Ersatzboden etwa
entsprechenden späteren Setzungen bzw. Set-
4,0 bis 5,0 m hoch über die Minen aufgescho-
zungsdifferenzen führen.
ben, und dann erfolgt die Sprengung. Anschlie-
Bild 4.35 zeigt das Zusammenwirken der verschie- ßend wird dieser Vorgang wiederholt. Die organi-
denen Einflussfaktoren bei der Moorverdrängungs- sche Weichschicht schiebt sich vor dem Damm
sprengung. her. Da sie sich dabei verfestigen kann, muss sie
gegebenenfalls gesondert durch Sprengungen
Grundsätzlich sind drei verschiedene Verfahren, wieder aufgelockert, durch Druckwasser verflüs-
die Sprengung durchzuführen, zu unterscheiden sigt und durch Bagger ausgehoben werden.
(Bild 4.36).
Je nach örtlichen Verhältnissen können mit dem
Verfahren täglich 1.000 bis 2.000 m3 Boden ge-
schüttet und die gleiche Menge Moor verdrängt
werden. Im Allgemeinen werden eine Reihe
Hauptminen mit 10 bis 40 kg Gewicht im Ab-
stand von 2 bis 3 m und eine Reihe Vorfeldminen
mit 5 bis 20 kg Gewicht vorgesehen. Die Vorfeld-
minen werden 1 Sekunde vor den Hauptminen
gezündet. Um die Erschütterungen im Unter-
grund abzumindern, werden Millisekundenzün-
der verwendet, die mit einer Zeitverzögerung von
etwa 0,035 Sekunde arbeiten. Die Sprengwir-
kung wird aber durch die Verwendung von Milli-
sekundenzündern in keiner Weise beeinträchtigt.

b) Großsprengverfahren (Bild 4.34 und 4.36b)

Bild 4.35: Zusammenwirken der Einflussfaktoren bei der Moor- Das Großsprengverfahren kann im Allgemeinen
verdrängungssprengung (STRIEGLER, 1998) bei mehr als 5,0 m mächtigen nicht tragfähigen
53

Schichten mit einem Wassergehalt von mindes- bis zwei Reihen Vorfeldminen (Gewicht 5 bis 30
tens 400 % angewendet werden. Der Erddamm kg) vorgesehen.
wird dabei zunächst in ganzer Länge der Moor-
c) Keilsprengverfahren (Bild 4.36c)
strecke aufgeschüttet. Der Vortrieb kann dabei
in den gleichen drei Arbeitsweisen erfolgen wie Beim Keilsprengverfahren wird der Damm zu-
beim Kleinsprengverfahren. Treten keine erheb- erst in ganzer Länge und in voller Breite ge-
lichen Setzungen mehr auf, erhält der Damm schüttet. Treten keine erheblichen Setzungen
auf voller Länge die erforderliche Überhöhung. mehr auf, erhält der Damm auf voller Länge und
Anschließend erfolgen Einbau der Minen und Breite die erforderliche Überhöhung. Danach
die Sprengung. Die Vorfeldminen explodieren folgt erst einmal der Einbau von etwa drei Rei-
zuerst. Die Sprenggase, die sich ausdehnen, hen um den Dammkern konzentrierter Hauptmi-
schaffen einen Hohlraum, der die Oberfläche nen und deren Sprengung. Die Sprenggase bil-
aufwölbt. Etwa eine Sekunde nach den Vorfeld- den unter dem Damm einen Hohlraum, in den
minen werden die Hautminen gezündet. Die das Ersatzmaterial aus dem Dammkernbereich
Sprenggase heben den Damm 2,0 bis 3,0 m an nachsackt und damit den weichen Boden ver-
und drücken das weiche Bodenmaterial in den drängt. Im Anschluss daran erfolgt das Absen-
bereits vorhandenen Hohlraum der Vorfeldmi- ken der Dammflanken analog zur Herstellung
nen. Je nach Bauweise kann anschließend eine der Dammverbreiterung beim Großsprengver-
einseitige oder beidseitige Verbreiterungsschüt- fahren mit von außen nach innen ablaufender
tung mit entsprechender Überhöhung und ana- Zündfolge.
logem Einbau der Minen sowie analog von au-
ßen nach innen durchgeführter Sprengung fol- Als Anhaltswert kann bei den Schüttsprengverfah-
gen. Bei den Bauweisen ohne und mit nach- ren mit einem Sprengmittelverbrauch, der abhän-
träglicher beidseitiger Dammverbreiterung wer- gig ist vom Wassergehalt und der Konsistenz des
den im Allgemeinen drei bis fünf Reihen Haupt- Moorbodens, von etwa 0,25 bis 0,50 kg/m3 ver-
minen mit 40 bis 150 kg Gewicht im Abstand drängten Bodens gerechnet werden. GARRAS
von 4,0 bis 7,0 m in beiden Richtungen und eine (1966) gibt Sprengkosten von etwa DM 3,00 bis
oder zwei Reihen Vorfeldminen mit 5 bis 30 kg 5,60 je m3 verdrängten Boden an.
Gewicht angeordnet. Bei einer Bauweise mit Aufgrund von Erfahrungen sind Torfe und Mudden
nachträglicher einseitiger Dammverbreiterung (Faulschlamm) prinzipiell sprengfähig, wenn sie die
werden üblicherweise zwei bis drei Reihen in der Tabelle 4.6 angegebenen Bodenkennziffern
Hauptminen (Gewicht 40 bis 150 kg) und eine aufweisen. Die Anforderungen an das Ersatzmate-
rial enthält die Tabelle 4.7.

Außer den zum Einspülen der Sprengminen zusätz-


lich notwendigen Bohrgeräten entspricht die Zu-
sammensetzung des Maschinenkomplexes bei der

Bodenart Wassergehalt Steifemodul


w [ %] Es [MN/m2]
Torf 150 bis 1.500
Mudde 130 bis 400 0,3 bis 1,0

Tab. 4.6: Sprengfähige Moorböden (GARRAS, 1966)

Bodenart Kornverteilung Ungleich- Wasser-


Korngröße Anteil an der förmig- durch-
Gesamtmasse keitsgrad lässigkeit
d [mm] [%] U [-] k [m/s]
Mittel- bis 0,2 bis 2,0 30 bis 60
10-5
Grobsand
≥3 bis
(mS-gS) > 0,063 ≤ 10
10-3
o. Ä.

Bild 4.36: Sprengverfahren bei der Tiefensprengung (nach Tab. 4.7: Anforderungen an das Ersatzmaterial (nach STRIEG-
STRIEGEL, 1998) LER, 1998)
54

Moorsprengung derjenigen beim Verdrängungs- ten können mit solchen Raupenfahrzeugen Ge-
schüttverfahren nach Kapitel 4.6.1. Entsprechen- wichte mit 20 t aus bis zu 20,0 m Höhe fallen ge-
des gilt für die Erfolgskontrolle der Verdrängung lassen werden (HILMER/SMOLTCZYK, 1979).
sowie für die Anforderungen bezüglich der Lage- Diese Ausrüstung entspricht derjenigen, wie sie für
rungsdichte des Ersatzmaterials. eine Dynamische Intensivverdichtung notwendig
ist. Analog entspricht auch die Arbeitsweise des
Im Hinblick auf Ausführungsbeispiele sei exempla-
Gerätes derjenigen bei der dynamischen Intensiv-
risch auf die detaillierten Darstellungen von GAR-
verdichtung. Der Antransport des einzutreibenden
RAS (1966), MARTIN (1958) und DÜCKER/STEIN-
Materials und der unter Umständen notwendige
METZ (1964) verwiesen.
Abtransport seitlich abgetragenen Weichbodens
erfolgen mit Lastkraftwagen. Im letztgenannten Fall
4.6.3 Verdrängung durch Eintreiben von Stei- ist zusätzlich der Einsatz eines Baggers notwendig
nen
und zum Einplanieren entsprechend der einer
Für wenig tragfähige Böden mit höheren Scherfes- Schubraupe.
tigkeiten, die eine Anwendung der Verdrängungs-
Das Bauverfahren liefert im Allgemeinen ein stand-
schütt- oder des Schüttsprengverfahrens verhin-
festes Steingerüst für den Unterbau, sofern nicht
dern, bietet sich die Verdrängung durch Eintreiben
größere Mengen weicher Böden unter der Stein-
von Steinen an. Das Prinzip des Verfahrens besteht
schüttung verbleiben. Seine Anwendung be-
darin, große Felssteine, unsortiertes Steinbruch-
schränkt sich jedoch auf Schichtdicken des wenig
material oder Geröllblöcke nach und nach so lange
tragfähigen Bodens von maximal 5,0 m (FSGV,
mit einer mittelschweren bis schweren Fallplatte in
1988).
den vorhandenen wenig tragfähigen Boden einzu-
treiben, bis sich ein standfestes, selbststützendes
Stein- bzw. Blockgerüst ausgebildet hat (Bild 4.37).
Der weiche Boden wird dabei verdrängt, durch- 5 Maßnahmen beim Ausbau be-
dringt aber auch die Zwischenräume des eingetrie- stehender Straßen sowie bei
benen Materials. Soweit notwendig, muss seitlich
benachbarten, anschließenden
der Trasse verdrängter Boden einplaniert oder ent-
fernt werden. und kreuzenden Bauwerken
Der für dieses Verfahren notwendige Maschinen- 5.1 Maßnahmen beim Ausbau beste-
komplex besteht aus einem Seilbagger mit Gitter- hender Straßen
ausleger und dem dazugehörigen Fallgewicht. Ent-
sprechend den heutigen technischen Möglichkei- 5.1.1 Allgemeines

Im Gegensatz zum Neubau ist beim Ausbau einer


bestehenden Straße, d. h. bei ihrer Verbreiterung,
ein bestehendes Erdbauwerk in die Entwurfs- als
auch in die Ausführungsplanungen der Baumaß-
nahme einzubeziehen. Infolge der vorausgegange-
nen Baumaßnahmen liegen bei wenig tragfähigem
Untergrund nämlich stets besondere Randbedin-
gungen vor, welche die Konstruktionsweise des
neuen Erdbauwerkes prägen. im Wesentlichen sind
folgende Punkte zu berücksichtigen:

· die konstruktive Durchbildung des vorhandenen


Erdbauwerkes (z. B. stehende oder schwim-
mende Gründung, Ersatzmaterial etc.);

· die sich seit seiner Errichtung eingestellten Bau-


grundverhältnisse im Bereich des vorhandenen
Erdbauwerkes (z. B. unterschiedliche Konsoli-
dierungszustände innerhalb der Weichschich-
Bild 4.37: Eintreiben von Steinen in wenig tragfähigen Böden ten etc.);
55

· innerhalb und im Einflussbereich der Baumaß- bau bestehender Straßen entwickeln lassen. Sie
nahme außerhalb des vorhandenen Erdbauwer- stellen keine Universallösungen dar; vielmehr kön-
kes liegende empfindliche bauliche Anlagen nen unter veränderten Randbedingungen andere
(z. B. Rohrleitungen, Nachbarbauwerke etc.); oder modifizierte Lösungen zweckmäßig sein.

· der Verkehrsfluss und die Verkehrsführung (z. B.


5.1.2 Verbreiterung mit Neuaufbau des vorhan-
Priorität der Verkehrsführung gegenüber dem
denen Straßenkörpers
Baubetrieb usw.);
Oftmals erfordert die Nutzungsänderung einer be-
· die Bau- und Unterhaltungskosten (z. B. Abwä-
stehenden Straße – z. B. ihre Einstufung in eine
gung der Kostenarten gegeneinander im Rah-
höhere Straßenkategorie als Folge eines erhöhten
men des Qualitätsmanagements).
Verkehrsaufkommens – auch erhöhte Ansprüche
Zur Entwicklung von Ausführungslösungen ist auf an die Qualität des Straßenbauwerks (vgl. Kapitel
bereits erprobte Bauverfahren zurückzugreifen, die 2). Können diese gewachsenen Qualitätsan-
den besonderen Randbedingungen anzupassen sprüche an das Erdbauwerk – beispielsweise im
sind. Bei der bodenmechanischen Beurteilung ist Hinblick auf dessen Gesamtverformungen oder auf
zu beachten, dass im Grundflächenbereich des be- mögliche Differenzsetzungen zwischen Bestand
stehenden Erdbauwerkes grundsätzlich andere und Neubau – bei einer Verbreiterung unter Einbe-
Baugrundverhältnisse oder zumindest andere Bau- ziehung des vorhandenen Straßenkörpers mit wirt-
grundzustände vorhanden sind als im Nachbarbe- schaftlich vertretbarem Aufwand nicht erfüllt wer-
reich. Aus diesem Grunde ist zusätzlich zu den im den, kann der alte Straßenkörper nicht erhalten
neu zu überbauenden Bereich durchzuführenden bleiben. Bei einem Neuaufbau wird der bestehende
Baugrunderkundungen der Straßenkörper – beste- Straßenoberbau abgetragen und im Zuge der Stra–
hend aus Untergrund, Unterbau und Oberbau – zu ßenverbreiterung neu erstellt. Zur Schaffung eines
erkunden und zu beurteilen. Die unterschiedlichen ausreichend tragfähigen Untergrundes für das
Baugrundverhältnisse bzw. -zustände können bei- neue breitere Straßenbauwerk werden dieselben
spielsweise künftige Setzungsunterschiede zwi- Bauverfahren wie beim Neubau einer Straße ange-
schen dem Verbreiterungsbereich und dem alten wandt (vgl. Kapitel 4). Im Unterschied zum reinen
Straßenkörper bedingen. Daher sind sie insbeson- Neubau muss der Bodenersatz hier jedoch ab-
dere in den rechnerischen Nachweisen der Stand- schnittsweise im Querschnitt erfolgen. Um den lau-
sicherheit und der Verformungen zu berücksichti- fenden Verkehr aufrechtzuerhalten, muss der Bo-
gen, um ein gewähltes Bauverfahren derart an denersatz zunächst im Bereich der Verbreiterung
diese Verhältnisse anzupassen, dass die Differenz- und erst nach deren Fertigstellung bzw. Inbetrieb-
setzungen und sonstige Verformungen minimiert nahme im Bereich des bestehenden Straßenkör-
werden sowie die Standsicherheit des Erdbauwer- pers erfolgen. Für die Bauausführung sind außer-
kes in allen Zustandsphasen sichergestellt ist. dem die geänderten Baugrundverhältnisse bzw.
-zustände (z. B. die Konsolidierung verbliebener
Soll der Ausbau mittels Bodenersatzverfahrens er-
Weichschichten) im Bereich des alten Straßenkör-
folgen, sind grundsätzlich zwei Vorgehensweisen
pers zu berücksichtigen. Unter Umständen ist der
zu unterscheiden, die sich jeweils abhängig von
Ersatzumfang, d. h. die Austauschtiefe oder die Art
den im Einzelnen zu berücksichtigenden Randbe-
des Ersatzmaterials im Querschnitt, zu variieren
dingungen anbieten und nachfolgend erläutert
und somit der Bodenersatz an die unterschiedli-
werden: die Verbreiterung mit Neuaufbau des vor-
chen Bodenverhältnisse anzupassen.
handenen Straßenkörpers und die Verbreiterung
unter Einbeziehung des vorhandenen Straßenkör-
5.1.3 Verbreiterung unter Einbeziehung des
pers. Alle dabei aufgezeigten Ausführungsbeispie-
vorhandenen Straßenkörpers
le sind jedoch lediglich unter Zugrundelegung be-
stimmter Voraussetzungen – wie z. B. hinsichtlich Der alte Straßenkörper kann immer dann in die
der Bodenkennwerte, der Bebauungsart oder der neue Konstruktion einbezogen werden, wenn er
Verkehrsbedeutung der Straße usw. – umsetzbar. verformungsarm, d. h. beispielsweise mit einem
Sie stellen exemplarisch dar, wie sich im Einzelfall vollständigen Bodenaustausch, hergestellt worden
mit der im Kapitel 4.2 erläuterten Methodik und ist. In diesem Fall ist zur Verbreiterung ebenfalls ein
unter Zugrundelegung der in den Kapiteln 4.3 bis Bauverfahren mit vollständigem Bodenaustausch
4.6 dargestellten Verfahren Lösungen für den Aus- zu wählen, um den neuen Teil des Straßenkörpers
56

genauso verformungsarm herzustellen. Auf diese stellte Aushub in einer unverbauten Baugrube ist
Weise werden größere Differenzsetzungen zwi- möglich, weil die Verteilung der Lasten aus dem
schen dem alten und neuen Teil des Straßenkör- bestehenden Straßenoberbau im Wesentlichen in-
pers vermieden. Analoge Überlegungen gelten, nerhalb des alten Ersatzkörpers stattfindet. Bei der
wenn der alte Straßenkörper mit einer vollständi- in Bild 5.2 gezeigten Situation ist der vollständige
gen Bodenverdrängung hergestellt worden ist und Austausch des wenig tragfähigen Untergrundes
eine ausreichende Qualität besitzt. aufgrund der gegebenen Ersatzkörpergeometrie
nicht möglich, weshalb er hier im Schutze eines
Die Bauweise beim Bodenaustausch ist dabei in
Spundwandverbaues erfolgt.
Abhängigkeit von den gegebenen Randbedingun-
gen so zu wählen, dass die Standsicherheit des Die sinnvolle Anwendung ist jedoch u. a. abhängig
alten Straßenkörpers in allen Bauphasen gewähr- von der Größe der Auskofferungstiefe. Da zunächst
leistet ist. Zusätzlich ist sicherzustellen, dass in grundsätzlich davon ausgegangen werden muss,
Folge der Baumaßnahme nach Möglichkeit keine dass eine Rückverankerung im Bereich des beste-
bzw. nur geringfügige Verformungen des bestehen- henden Straßenkörpers nicht möglich ist, steht zur
den Straßenkörpers auftreten. Vor allem dürfen im Abstützung lediglich ein eingespanntes Spund-
Bereich des bestehenden Straßenoberbaus keine wandsystem zur Verfügung. Hierbei ist mit zuneh-
unzulässigen Verformungen auftreten, um eine mender Aushubtiefe jedoch mit Verformungen in
Störung des Verkehrsflusses oder gar eine Beein- Größenordnungen zu rechnen, bei denen eine
trächtigung der Verkehrssicherheit auszuschließen. schädigende Wirkung auf den bestehenden Stra-
In diesem Kontext ist im Allgemeinen der maxima- ßenkörper zu erwarten ist. Zur Beschränkung der
le Aushubzustand als ungünstigste Bauphase zu Verformungen der Spundwand sollte der Aus-
betrachten, die entsprechende rechnerische tausch daher bei größeren Aushubtiefen ab-
Standsicherheits- und Verformungsnachweise er- schnittsweise derart erfolgen, dass eine räumliche
fordert. Tragwirkung des Systems vorhanden ist. Alternativ
sind natürlich auch die Austauschverfahren gemäß
Die Bilder 5.1 und 5.2 zeigen zwei Möglichkeiten
den Kapiteln 4.5.5 und 4.5.6 anwendbar.
der Gestaltung eines vollständigen Bodenaustau-
sches im Rahmen einer Straßenverbreiterung, die Die Verbreiterung lässt sich grundsätzlich aber
u. a. auch abhängig ist von der Geometrie des vor- auch mit Hilfe von Verdrängungsverfahren bewerk-
handenen Straßenkörpers. Der in Bild 5.1 darge- stelligen, wenn der alte Straßenkörper mit einem

Bild 5.1: Verbreiterung mit Bodenaustausch in freigeböschter Baugrube

Bild 5.2: Verbreiterung mit Bodenaustausch im Schutze eines Spundwandverbaues


57

vollständigen Bodenaustausch oder ebenfalls mit cherheit der bestehenden Straße auszuschließen,
einer Bodenverdrängung hergestellt wurde. Der muss die Standsicherheit des vorhandenen
Herstellvorgang des Ausbaues bei einer aktiven Straßenkörpers in allen Bauzuständen gewährleis-
Verdrängung entspricht dann dem bereits in Kapi- tet sein. Unabhängig von der Art des bei der Ver-
tel 4.3.2 erläuterten Konstruktionsprinzip bei einer breiterung angewandten Bauverfahrens können
Verbreiterung. Zur besseren Steuerung und Kon- horizontale und vertikale Verformungen des alten
trolle derartiger Verdrängungsschüttungen können Straßenkörpers im Falle einer derartigen Grün-
Seitenschlitze und Spüllockerungen eingesetzt dungssituation nicht vollkommen ausgeschlossen
werden. Voraussetzung für die Anwendung dieses werden. Daher sind sowohl die konstruktive Durch-
Verdrängungsverfahrens ist, dass der bestehende bildung einer Verbreiterung als auch die Ferti-
Straßenkörper ein ausreichend standsicheres und gungstechnik eines zur Anwendung gelangenden
verformungsarmes Widerlager darstellt. Besteht z. Bauverfahrens so zu wählen, dass diese Verfor-
B. die Gefahr, dass sich der alte Straßenkörper auf- mungen auf ein verträgliches Maß eingeschränkt
grund seines Zustandes als Folge einer seitlichen werden. Bei einem frei geböschten Bodenaus-
Verdrängung horizontal verschiebt, sollte die An- tausch neben der alten Fahrbahn können bei-
wendung dieses Verfahrens vermieden werden. spielsweise größere Verformungen infolge länger-
zeitig fehlender seitlicher Abstützung beim Aushub
Bild 5.3 zeigt das Beispiel einer Verbreiterung mit
auftreten. Deshalb sollte jede Auskofferung nach
Verdrängung durch Eintreiben von Steinen (vgl. Ka-
Möglichkeit sofort wieder verfüllt werden. Die den-
pitel 4.6.3). Vorteil dieser Bauweise ist, dass der
noch auftretenden Verformungen lassen sich durch
Bodenersatz ohne vorherigen Aushub erfolgt und
Bodenaushub in räumlich kleinen Abschnitten ver-
damit Verformungen des alten Straßenkörpers in-
ringern. Lassen sich größere Verformungen damit
folge fehlender seitlicher Stützung oder eine Ge-
nicht hinreichend vermeiden, sind zusätzliche
fährdung seiner Standsicherheit vermieden wer-
Stützmaßnahmen vorzusehen (vgl. Kapitel 4.3.3,
den. Nachteilig können sich jedoch die durch das
4.5.5 und 4.5.6).
schlagende Eintreiben der Steine verursachten Er-
schütterungen auswirken, wenn hierdurch Eigen- Bild 5.4 auf Seite 58 zeigt als Beispiel den sche-
setzungen des bestehenden Straßenkörpers infol- matischen Bauablauf bei einer Verbreiterung mit
ge unzureichender Lagerungsdichte erzeugt wer- vollständigem Bodenaustausch und gleichzeitiger
den. Aus diesem Grunde ist die Lagerungsdichte Absicherung des schwimmend gegründeten Stra-
des bestehenden Straßenkörpers bei diesem Ver- ßenkörpers mittels Spundwand.
fahren im Vorwege immer zu überprüfen.
Die Verbreiterung mit Hilfe einer Bodenverdrän-
Sind unterhalb des alten Straßenkörpers noch gung kommt bei einer schwimmenden Gründung
Weichschichten vorhanden, z. B. wenn er mit Hilfe des alten Straßenkörpers nicht in Betracht, da die
eines Konsolidierungsverfahrens oder mit einem Verdrängung der im Untergrund verbliebenen
teilweisen Bodenaushub in Form einer Polstergrün- Weichschichten dessen Horizontalverschiebung
dung hergestellt wurde, ist bei Verbreiterungsmaß- bewirkt und somit zu Verwerfungen im Trassenver-
nahmen besondere Vorsicht geboten. Um ernst- lauf führen kann.
hafte Schäden an dem bestehenden Erdbauwerk
zu vermeiden und eine Gefährdung der Verkehrssi- Ein interessantes Ausführungsbeispiel einer Ver-
breiterung mittels vollständigem Bodenaustausch
wird von RADEKE (1998) beschrieben. Die BAB A 9
wurde nördlich von Bayreuth im Bereich der Bind-
lacher Ebene auf etwa 3,5 km Länge zweimal ver-
breitert. In diesem Bereich stehen unmittelbar unter
der Geländeoberkante wenig tragfähige Böden des
Holozäns in Mächtigkeiten zwischen 0,8 m und 4,5
m an. Die holozänen Böden setzen sich aus fein-
sandigen weichen bis steifen, lokal auch breiigen
Schluffen und Tonen zusammen, die örtlich bis zu
2,0 m mächtige Torfeinlagerungen enthalten und
Bild 5.3: Verbreiterung mit Verdrängung durch Eintreiben von von gut tragfähigen Kiesen des Pleistozäns unter-
Steinen (nach FGSV, 1988) lagert werden.
58

Im Zuge der ersten Verbreiterung im Jahre 1972


wurden auf beiden Seiten der Autobahn Stand-
streifen angebaut. Hierbei wurde zur Herstellung
des Planums ein Teilbodenaustausch bis etwa 2,0
m Tiefe vorgenommen. Als Ersatzmaterial wurde
zerkleinerter Diabas bzw. zerkleinerter Beton der
alten Fahrbahnplatten mit der Körnung 0/300 mm
verwendet. Um eine Verzahnung des Austausch-
materials mit den verbliebenen Weichböden zu er-
zielen, wurde es mit schweren Fallplatten in den
Untergrund eingestampft. Da die Bodenaus-
tauschmaßnahmen in der trockenen Jahreszeit
durchgeführt wurden, war eine Wasserhaltung
nicht erforderlich.

Wie schon beim ersten Umbau wurde die Auto-


bahn bei der zweiten Ausbaumaßnahme 1996
beidseitig verbreitert. Es entstand eine sechsstrei-
fige Fahrbahn mit Seitenstreifen. Weil die Verbreite-
rung in einigen Abschnitten an bestehende Bebau-
ung angrenzt und auf einer Seite eine Ferngaslei-
tung in geringem Abstand verlegt ist, wurde sie mit
einem Vollbodenaustausch hergestellt. In den Be-
reichen der Ferngasleitung und der benachbarten
Bauwerke wurde als Austauschmaterial leicht ver-
dichtbarer Sand der Körnung 0/2 mm mit einem
Feinkornanteil ∅ ≤ 0,06 mm von weniger als fünf
Gewichtsprozent verwendet. Der Austausch erfolg-
te hier ohne Grundwasserabsenkung in Abschnit-
ten von 10 bis 20 m Länge, in denen bis zum an-
stehenden Kies freigeböscht ausgekoffert und
Bild 5.4: Einseitige Verbreiterung mit vollständigem Bodenaus- anschließend sofort wieder verfüllt wurde. Dabei
hub im Schutze eines Spundwandverbaues wurde bis ca. 0,5 m über dem Grundwasserspiegel

Bild 5.5: Schemaquerprofil der BAB A 9 (RADEKE, 1998)


59

ohne Verdichtung geschüttet. Erst ab diesem Füll- kung zwischen Boden und bestehendem Bauwerk
niveau erfolgte eine Verdichtung mit leichten Rüt- bzw. Bauteil und können beispielsweise auftreten
telplatten. Auf diese Weise konnten die Erschütte- als
rungseinwirkungen auf die bestehenden Bauwerke
auf ein Minimum reduziert werden.
· Verschiebungen in vertikaler Richtung (Setzun-
gen, Hebungen);
In den übrigen Bereichen wurden jeweils auf den
gesamten Ausbaustreckenabschnitten zuerst der
· Verschiebungen in horizontaler Richtung;
vollständige Aushub und anschließend die Wieder- · Belastungen in Form von Schubspannungen
verfüllung mit Felsmaterial der Körnung 100/300 (z. B. negative Mantelreibung);
mm durchgeführt. Da auch hier keine Absenkung
des Grundwasserspiegels erfolgte, wurde das Auf- · Belastungen in Form von Normalspannungen
füllmaterial bis ca. 0,5 m über dem Grundwasser- (z. B. Erddruck, Seitendruck).
spiegel geschüttet und erst darüber mit schweren Dabei können die verschiedenen Einwirkungen
Stachelradwalzen verdichtet. auch gleichzeitig auftreten und sich überlagern.
Das im Bild 5.5 dargestellte Schemaprofil zeigt den Vielmehr noch als bei der in Kapitel 5.1 geschilder-
Umfang des im Zuge der beiden Ausbauphasen ten Problematik steht hier die Wechselwirkung zwi-
vorgenommenen Bodenersatzes. Die in diesen schen dem benachbarten Bauwerk und dem die-
zwei Ausbauphasen hergestellten Verbreiterungs- sen unmittelbar umgebenden Untergrund (Boden-
bereiche haben sich als nahezu setzungsfrei erwie- Bauwerks-Interaktion) im Mittelpunkt der Betrach-
sen, so dass die beiden angewandten Bauweisen tungen. Die in das Bauwerk (z. B. erdverlegte
im vorliegenden Fall als gleichwertig eingestuft Rohre) oder in einzelne Bauteile des Bauwerkes
werden können. Die Bereiche mit angrenzender (z. B. Fundamente oder Pfähle) induzierten zusätzli-
Bebauung und mit in geringem Abstand verlaufen- chen Spannungen bewirken eine Reaktion des
der Ferngasleitung sind in diesem Bild nicht darge- Tragwerkes, bis ein Gleichgewichtszustand erreicht
stellt. ist. Der Gleichgewichtszustand kann vor oder nach
dem Versagen der Bauwerkskonstruktion erreicht
sein. Im ersten Fall sind die resultierenden Span-
5.2 Maßnahmen bei benachbarten Bau- nungszustände in den einzelnen Bauteilen verträg-
werken lich für die Konstruktion; ein Materialversagen bzw.
das Erreichen eines Grenzzustandes der Tragfähig-
5.2.1 Allgemeines keit tritt nicht ein. Allerdings muss die Verträglich-
Auch bei Bodenersatzverfahren, die in der Nähe keit der mit dem Erreichen dieses Gleichgewichts-
bestehender Bauwerke durchzuführen sind, liegen zustandes verbundenen Verformungen im Hinblick
besondere Randbedingungen vor, die es bei der auf die weitere Gebrauchstauglichkeit des Bauwer-
Entwicklung von Ausführungslösungen zu berück- kes überprüft werden. Im zweiten Fall, dem Einstel-
sichtigen gilt, damit Schäden an diesen Bauwerken len des Gleichgewichtszustandes nach dem Versa-
vermieden werden. gen der Bauwerkskonstruktion, tritt entweder lokal
oder global ein Materialversagen innerhalb des
Im Rahmen der Planungen für einen Straßenbau Tragwerkes auf; die weitere Gebrauchstauglichkeit
mit Bodenersatz ist zunächst zu prüfen, ob sich einzelner Bauteile oder gar des gesamten Bauwer-
umliegende Bauwerke im Einflussbereich der Bau- kes ist nicht mehr gewährleistet. Dabei muss kein
maßnahme befinden. Hierbei ist zu untersuchen, in Versagen des Bodens (z. B. Grundbruch) vorliegen,
welcher Form und welchem Ausmaß die durch Än- um ein Versagen der Tragkonstruktion eines Bau-
derung des natürlichen Gleichgewichtszustandes werkes bzw. einzelner Teile davon zu bewirken
des Untergrundes erzeugten geotechnischen Me- oder umgekehrt.
chanismen infolge der Baumaßnahme (Kapitel 2.4)
zu Einwirkungen auf bestehende Bauwerke führen. Es wird deutlich, dass zur realistischen Abschät-
Derartige Untersuchungen müssen für alle Bauzu- zung der Boden-Bauwerks-Interaktion sowohl die
stände erfolgen, da die von der Baustelle ausge- durch eine bestimmte Teilleistung möglicherweise
henden Wirkungen auf den umgebenden Unter- ausgelösten Wirkungen und Vorgänge im Boden
grund je nach Bauphase unterschiedlich sind. Die als auch die konstruktive Ausbildung eines Bau-
Einwirkungen sind abhängig von der Wechselwir- werks (Gründungssituation, statisches System
60

etc.) bekannt sein müssen. Erst dann, wenn die eine Verflüssigung des Bodens unterhalb benach-
Reaktionen des Bauwerks auf die v. g. Einwirkun- barter Flachgründungen und somit ein Grund-
gen aus der Straßenbaumaßnahme quantifiziert bruchversagen derselben bewirken. Dennoch ist
sind, kann beurteilt werden, ob diese verträglich für prinzipiell auch die Anwendung dieser Verfahren im
das Bauwerk sind und ob dessen Gebrauchstaug- Bereich benachbarter Bauwerke denkbar, wenn
lichkeit auch weiterhin gewährleistet bleibt. Ist zu zuvor entsprechende Abschirmmaßnahmen, z. B.
erwarten, dass die Einwirkungen unverträglich sind in Form von Schlitzen, ergriffen werden.
für das Bauwerk und dessen Standsicherheit ge-
Die Ausführung eines Bodenaustausches neben
fährden oder dass die Gebrauchstauglichkeit des
bestehenden Flachgründungen kann je nach Bau-
Bauwerkes nicht gewährleistet bleibt, muss der
verfahren bzw. Konstruktionsprinzip, und wenn
Bauablauf bzw. die Konstruktion des Straßenbau-
keine weiteren Schutzmaßnahmen eingerichtet
werkes der Situation entsprechend angepasst wer-
werden, unterschiedliche Folgen haben für die be-
den und/oder es sind Schutzmaßnahmen zu ergrei-
nachbarte Gründung:
fen, welche das Bauwerk vollkommen oder zumin-
dest teilweise vor den Einwirkungen abschirmen. · Setzungen durch fehlende seitliche Auflast im
Aushubzustand;
Aufgrund der Vielzahl möglicher Situationen kön-
nen auch hier keine Universallösungen angegeben · Grundbruch infolge fehlender seitlicher Auflast
werden. Im Nachfolgenden werden anhand der im Aushubzustand;
aufgeführten Beispiele lediglich exemplarisch mög-
liche Auswirkungen einer Straßenbaumaßnahme
· Horizontalverschiebungen infolge fehlender
seitlicher Stützung im Aushubzustand;
auf wenig tragfähigem Untergrund auf benachbar-
te Bauwerke dargestellt. Die dabei aufgeführten · Mitnahmesetzungen durch seitliche Auflasten
Maßnahmen sind als Ausführungsvarianten aufzu- bei der Wiederverfüllung eines Teilbodenaus-
fassen, deren Anwendung sowohl durch techni- tausches;
sche (z. B. bodenmechanische Verhältnisse) als
auch ganz entscheidend durch ökonomische (z. B.
· Horizontalverschiebungen infolge seitlichen
Ausweichens des Weichbodens bei der Wieder-
Wertigkeit des bestehenden Bauwerks) Randbe-
verfüllung eines Teilbodenaustausches;
dingungen bestimmt wird.
· Horizontalverschiebungen infolge seitlichen
Ausweichens des Weichbodens aufgrund zu
5.2.2 Flachgründungen
großen aktiven Erddruckes des Verfüllmaterials
Die Durchführung einer Bodenverdrängung neben auf die Aushubböschung;
flach, d. h. im vorliegenden Falle schwimmend, ge-
gründeten Bauwerken sollte aufgrund der damit
· Setzungen als Folge einer Grundwasserabsen-
kung im Aushubbereich.
verbundenen, häufig weit reichenden Auswirkungen
auf die Umgebung prinzipiell vermieden werden. Der Bodenaustausch sollte aus den genannten
Durch seitlich verdrängte Bodenmassen könnten Gründen daher immer analog den Regeln der DIN
benachbarte Flachgründungen ohne weitere Maß- 4123 oder aber im Schutze eines verformungsar-
nahmen ungewollte Hebungen und/oder Horizon- men Verbaues erfolgen. Zur Sicherung bestehen-
talverschiebungen erfahren, die für die Bauwerks- der Bauwerke gegen die vorstehend genannten
konstruktion unverträglich sind. Lediglich wenn si- Folgen bei der Wiederverfüllung können beispiels-
cher davon ausgegangen werden kann, dass die weise Schutzmaßnahmen in Form von im Unter-
seitliche Verdrängungswirkung durch Anwendung grund verbleibenden Spundwänden oder Maßnah-
der bereits in Kapitel 4.3.2 beschriebenen Hilfsmit- men zur Lastreduzierung (z. B. Verfüllung mit
tel wie z. B. Seitenschlitze steuerbar eingeschränkt Leichtbaustoffen) ergriffen werden. Zur Verhinde-
oder aber vom Bauwerk weg gelenkt werden kann, rung von Setzungen infolge einer Grundwasserab-
ist die Durchführung einer Bodenverdrängung ggf. senkung können ggf. Wiederversickerungsmaß-
im Bereich von Flachgründungen möglich. nahmen im Bereich bestehender Bauwerke einge-
setzt werden.
Bei den Verfahren der passiven Verdrängung sind
die durch die benutzten Hilfsmittel verursachten Er- Bild 5.6 zeigt schematisch den vollständigen Bo-
schütterungswirkungen auf die Umgebung zu denaustausch im Zuge einer Straßenbaumaßnah-
berücksichtigen. Diese könnten ursächlich sein für me auf wenig tragfähigem Untergrund im Nahbe-
61

· Seitendruck infolge von Horizontalverschiebun-


gen der Weichschichten.

Im Zuge der Planung einer Bodenersatzmaßnahme


ist zu überprüfen, ob diese u. U. auftretenden Ein-
wirkungen von einer bestehenden Pfahlgründung
schadlos und mit für das aufgehende Bauwerk ver-
träglichen Verformungen aufgenommen werden
können oder ob zusätzliche Sicherungsmaßnahmen
notwendig sind. Die möglichen Sicherungsmaßnah-
men entsprechen dabei denjenigen, wie sie bereits
Bild 5.6: Vollständiger Bodenaustausch im Schutze eines im vorstehenden Kapitel 5.2.2 erläutert wurden.
Spundwandverbaus im Bereich bestehender Flach-
gründungen

5.3 Maßnahmen bei anschließenden


und kreuzenden Bauwerken
5.3.1 Allgemeines

Wird beim Bau von Straßen auf wenig tragfähigem


Untergrund kein vollständiger Bodenaustausch
durchgeführt, so treten im Übergangsbereich zu
Brücken sowie im Bereich von kreuzenden Bauwer-
ken (z. B. Rohrleitungen) besondere Probleme auf.
Sie liegen z. B. im unterschiedlichen Setzungsver-
halten des Straßenkörpers und der o. g. Bauwerke
sowie in horizontalen Verschiebungen bzw. Belas-
Bild 5.7: Einsatz von Blähton und EPS als Ersatzmaterialien
zum Zwecke der Lastreduzierung
tungen aus dem Straßendamm. Zu ihrer Verminde-
rung sind je nach Bauwerk, Baugrund und Straßen-
reich bestehender flach gegründeter Gebäude. dammhöhe unterschiedliche Maßnahmen erforder-
Hier kann es sich um eine innerörtliche Baumaß- lich.
nahme handeln. Der Bodenaushub erfolgt hierbei Werden keine derartigen Maßnahmen getroffen,
im Schutze eines Baugrubenverbaues mittels besteht die Gefahr, dass Schäden an den Ver-
Spundwänden, die auch nach der Wiederverfüllung kehrsflächen oder den betroffenen baulichen Anla-
als Abschirmung im Untergrund verbleiben. gen entstehen, die kostenaufwändige Sanierungs-
Im Bild 5.7 wird die Durchführung einer innerörtli- maßnahmen zur Folge haben. Bei derartigen Schä-
chen Baumaßnahme gezeigt, bei der verschiedene den kann es sich beispielsweise um Schiefstellun-
Leichtbaustoffe (Blähton und EPS) als Ersatzmate- gen von Widerlagerwänden, abgerissene Flügel,
rial Verwendung finden. geöffnete Bewegungsfugen und weit verbreitet
auch um Setzungsstufen und -mulden im Über-
gang vom Bauwerk zum Damm oder um Biegezug-
5.2.3 Tiefgründungen risse in kreuzenden Rohrleitungen handeln.
Die Ausführung eines Bodenersatzes im Nahbe- Bodenersatzverfahren in Form einer Bodenver-
reich bestehender tief gegründeter Bauwerke be- drängung kommen bei den in diesem Kapitel erläu-
darf ebenso wie im Falle einer benachbarten Flach- terten Maßnahmen nicht in Betracht und werden
gründung einer sorgfältigen Planung und Abwä- daher nicht weiter erwähnt.
gung der Folgen. Je nach Bauverfahren bzw. Kon-
struktionsprinzip können die damit verbundenen
5.3.2 Anschließende Brückenbauwerke
geotechnischen Mechanismen im Wesentlichen
folgende zusätzliche Einwirkungen auf die alten Brücken in Gebieten mit wenig tragfähigem Unter-
Pfahlgründungen erzeugen: grund erhalten im Regelfall eine Tiefgründung.

· negative Mantelreibung infolge von Setzungen Flachgründungen sind dort anwendbar, wo das
der Weichschichten, Bauwerk die auftretenden Setzungsdifferenzen
62

aufnehmen kann und Setzungen über entspre- vorzusehen.


chende Lagerausrichtungen leicht und schnell aus-
geglichen werden können. Flachgründungen sind
· Flach gegründete Brücken
als so genannte Kompensationsgründungen mög- Flach gegründete Brücken sind auf wenig trag-
lich, d. h., die Brückenlasten entsprechen in etwa fähigem Untergrund nur dann möglich, wenn
dem Bodenaushub bzw. dem erforderlichen Abtrag
der Dammschüttung. - die zu erwartenden Setzungsdifferenzen für
das Bauwerk verträglich sind,
· Tief gegründete Brücken - die zu erwartenden Horizontalbewegungen
Tief gegründete Brücken erfahren im Regelfall für das Bauwerk verträglich bleiben,
nur Setzungen in der Größenordnung von weni- - statisch einfache und leicht überschaubare
gen Zentimetern, während die Setzungen des Konstruktionen vorliegen,
anschließenden Straßendammes ein Vielfaches
davon betragen können. Zur Vermeidung bzw. - Lagernachjustierungen vorgesehen werden.
Verminderung eines Setzungssprunges sind am
Zur Begrenzung der zu erwartenden Setzungs-
Bauwerk bautechnische Maßnahmen wie z. B.
differenzen bieten sich die so genannten Kom-
der Einbau von Schlepp-Platten vorzusehen.
pensationsgründungen an. Hierbei wird die
Am Damm kommen Maßnahmen wie Dammschüttung zunächst überhöht auch im
späteren Brückenbereich vorgenommen. Nach
- eine Polstergründung in Verbindung mit weit gehendem Abklingen der Setzungen wird
einer Überschüttung u. U. in Verbindung mit sie im Brückenbereich soweit wieder abgetra-
Vertikaldräns (Vorkonsolidierung), gen, bis der Abtrag mindestens den Brückenla-
- eine diskrete Auflagerung auf Sandsäulen sten entspricht. Bedingt durch die so erreichten
oder Sandschlitzen oder weit gehend gleichen Belastungsverhältnisse im
Brücken- und Straßendammbereich wird ein
- eine keilförmige Teilauskofferung im Längs- weicher Übergang zwischen Brücke und Damm
profil (vgl. Kapitel 4.3.3.e) erreicht. Die zu erwartenden Setzungsdifferen-
in Betracht. zen können eine verträgliche Größenordnung
annehmen.
Im Übergangsbereich Brücke – Straßendamm
entstehen nach Fertigstellung des Straßenober- Zur Aufnahme der Horizontalkräfte aus dem Erd-
baues stets Setzungsdifferenzen. Sie sind ent- druck bzw. zur Verhinderung von Horizontalbe-
sprechend dem zu erwartenden Zeitsetzungs- wegungen und Verdrehungen des Überbaues
verlauf unter Berücksichtigung wirtschaftlicher kann je nach Brückenkonstruktion der Einbau
Gesichtspunkte in vertretbaren Grenzen zu hal- von Aussteifungsriegeln zwischen den Widerla-
ten. gern erforderlich werden. Alternativ sind auch
flexible Konstruktionen möglich, wie z. B. Beton-
Die möglichen Auswirkungen eines Bodenersat- fertigteilketten oder Multiplatekonstruktionen.
zes auf die Brückengründung entsprechen den
in Kapitel 5.2.3 erläuterten. Da beim Aufbringen
der Dammschüttung große Verformungen zu er- 5.3.3 Kreuzende überschüttete Bauwerke
warten sind, sollte angestrebt werden, Brücken-
Sollen bestehende Durchlässe oder Leitungen
gründungen erst nach Erreichen eines festzule-
überbaut werden, muss geprüft werden, ob sie den
genden Konsolidierungsgrades des Untergrun-
Belastungen aus dem neuen Straßendamm stand-
des im Bauwerksbereich einschließlich erforder-
halten und ob sie die zu erwartenden Verformun-
licher Überschüttungen zu erstellen. Sofern die
gen schadlos aufnehmen können. Andernfalls sind
Seitendrücke von der Brückengründung mit
abschirmende Maßnahmen erforderlich, um derar-
wirtschaftlich vertretbarem Aufwand nicht auf-
tige Bauwerke zu sichern.
genommen werden können, sind
Abschirmungen können schwimmend oder tief ge-
- Abschirmwände (z. B. Spundwände) oder
gründet werden. Sie sind jeweils seitlich des Dam-
- Schutzschächte um die Pfähle herum (z. B. mes aus der Dammsetzungsmulde herauszu-
Rohre) führen.
63

Nachteile der schwimmenden Abschirmung sind 6 Kosten


u. a. Lageveränderungen der Leitungen und damit
verbundene Nachjustierarbeiten. 6.1 Allgemeines
Nachteile von tief gegründeten Abschirmungen lie- Die Straße ist originärer Bestandteil eines funktio-
gen darin, dass sich Setzungssprünge zu den an- nierenden Staats- und Wirtschaftswesens und hat
grenzenden Dammbereichen ergeben. daher eine entsprechende Bedeutung. Im Laufe der
letzten Jahrzehnte ist der Bau von Straßen jedoch
Für das Verlegen von neuen flach gegründeten zunehmend schwieriger geworden. Anspruchsden-
Durchlässen und Rohren innerhalb von Straßen- ken, Besitzstandswahrung, Umweltbewusstsein
dämmen, die auf wenig tragfähigem Untergrund und anderes haben zu einer Flut von Gesetzen und
liegen, kommen beispielsweise folgende Verfahren Richtlinien geführt (ZILLENBILLER, 1997 und
in Betracht: DURTH, 1994). Eine Straßenbaumaßnahme steht
heute nicht mehr nur im Dienst der Allgemeinheit,
- Ein Damm auf einer Polstergründung wird vor-
sondern greift auch in die Interessensbereiche von
zeitig als Vorbelastung auf Sollhöhe geschüttet
Anliegern und Nutzern, von Organisationen und Un-
und nach erfolgter ausreichender Konsolidation
ternehmen, von Naturschutz und Volkswirtschaft
des Untergrundes trogförmig ausgehoben, um
ein. Die Realisierung eines Straßenbauprojektes ist
den Durchlass bzw. das Rohr zu verlegen.
bei der Vielzahl der zu berücksichtigenden Interes-
- Im Bereich des Durchlasses oder Rohres wird sen und Belange daher nicht nur langwierig und
ein vollständiger Bodenersatz mit allseitigen schwierig, sondern auch kostspielig. Dabei unterlie-
Überständen – d. h. sowohl in Dammachse als gen die Kosteneinflüsse im Straßenbau einem steti-
auch quer dazu – ausgeführt. gen Wandel. Die Kosten der Bauausführung haben
immer den wesentlichen Anteil an den Gesamtkos-
- Bei einem Damm auf einer Polstergründung ten für eine konkrete Straßenbaumaßnahme, wobei
wird die Konsolidierung des Untergrundes be- die Kosten für die Gründung der Straße – das sind
rücksichtigt, indem flexible Durchlässe bzw. im vorliegenden Fall die Kosten für die Verbesse-
Rohre mit kurzen, nicht biegesteif verbundenen rung des Untergrundes – nur einen Teil der Bauaus-
Elementen gewählt und überhöht mit einem der führungskosten darstellen.
erwarteten Setzungsmulde entsprechenden Aufgrund der Komplexität sowie der mehrfach ver-
Stich verlegt werden. koppelten Abhängigkeiten der zahlreichen Fakto-
ren werden in diesem Kapitel zunächst die Kos-
- Insbesondere verformungsempfindliche Leitun-
teneinflüsse im Straßenbau in allgemeiner Form er-
gen unter einem schwimmend gegründeten
läutert. Hiermit wird das Ziel verfolgt, den Stellen-
Damm (Polstergründung) sind in Schutzrohren
wert der Bau- bzw. Herstellungskosten im Rahmen
oder in größeren Tiefen zu verlegen.
der Gesamtkostenzusammensetzung zu verdeutli-
- Zur Reduzierung der durch die geometrisch be- chen. Im Anschluss daran werden Kostenspannen
dingten, spreizförmig wirkenden Kräfte auf für einige der im Kapitel 4 angesprochenen Bau-
Durchlässe und Rohre aus der Dammlast kön- leistungen angegeben.
nen die Dammböschungen in den Durchfüh-
rungsbereichen abgeflacht werden. Bei Polster- 6.2 Kosteneinflüsse
gründungen wird hierdurch die Setzungsmulde
abgeflacht und die durch Setzungen verursach- 6.2.1 Ökonomische Grundlagen
ten Biegezugspannungen in den kreuzenden
überschütteten Bauwerken reduziert. Kosten sind der bewertete Verbrauch von Produk-
tionsfaktoren (Geräte, Material und Dienstleistun-
Im Hinblick auf tief gegründete Durchlässe und gen) für die Erstellung und Verwertung der betrieb-
Rohre sei an dieser Stelle auf die in Kapitel 5.3.2 lichen Leistungen und die Aufrechterhaltung der
gemachten Angaben verwiesen. hierfür erforderlichen Kapazitäten (SCHENK, 1994
und DIEDERICHS, 1999). Bild 6.1 zeigt die Kosten
im Straßenbau systematisiert im Hinblick auf Cha-
rakteristik, Bewertung und Herkunft in Gegenüber-
stellung zu den Opportunitätskosten.
64

Nach HECHTL (1998) bedeuten im Einzelnen: · Absolute Kostenhöhe


· Kostenabhängigkeiten Die absolute Kostenhöhe dient der Beurteilung
Aufgrund der zahlreichen Einflussfaktoren im der Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes im
Straßenbau sind die Kosteneinflüsse durch Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse und er-
vielzählige Abhängigkeiten untereinander ge- möglicht eine Aussage über die Gewichtung
kennzeichnet. Mit dem Grad der Kostenabhän- einzelner Kosteneinflussfaktoren.
gigkeiten sind Aussagen über die Vernetztheit · Marktstruktur und Wettbewerb
der Kosteneinflüsse möglich.
Die Zusammensetzung und das Gefüge eines
· Kostenelastizität Marktes (z. B. für Bauleistungen, Grundstücke,
Die Kostenelastizität charakterisiert das Verhält- usw.) sowie die Intensität von Wettbewerb
nis der relativen Änderung der Kosten zur relati- haben einen signifikanten Einfluss auf die Zu-
ven Änderung der Kosteneinflussgröße. sammensetzung und Höhe der Gesamtkosten
eines Projektes.
· Originär interne Kosten
Originär interne Kosten sind Kosten, die unmit-
telbar der Interessensphäre des Straßenbau-
lastträgers zuzurechnen sind, wie z. B. der ver-
fügbare bzw. geforderte technische Standard
und die Verkehrsbelastung etc.
· Internalisierte externe Kosten
Internalisierte externe Kosten sind Kosten, die
dem Straßenbaulastträger aus Interessenberei-
chen Dritter – z. B. Träger öffentlicher Belange,
Bild 6.1: Ökonomische Kostenbetrachtungen im Straßenbau betroffener Bürger usw. – auferlegt werden.
(HECHTL, 1998)

Bild 6.2: Kostenbeeinflussung bei Straßenbauprojekten über die Zeit


65

· Externe Kosten · Öffentliche Belange


Externe Kosten sind dann gegeben, wenn ne- Öffentliche Belange erstrecken sich auf die In-
gative Auswirkungen einer Baumaßnahme nicht teressen von Personengruppen, von öffentli-
in der Kostenrechnung des Baulastträgers in Er- chen Ver- und Entsorgungsunternehmen sowie
scheinung treten und Verursacher und Betroffe- der Allgemeinheit und stehen im Interesse des
ner damit nicht unmittelbar übereinstimmen. Gemeinwohls. Die öffentlichen Belange werden
von speziellen Rechtsgebieten, wie z. B. dem
· Opportunitätskosten
Umweltrecht erfasst, und die Interessenwahr-
Die kalkulatorische Ermittlung der Opportu- nehmung erfolgt im öffentlich rechtlichen Be-
nitätskosten erlaubt die Bewertung des Nutzens reich durch die sog. Träger öffentlicher Belange
einer – möglicherweise nicht gewählten – Alter- (z. B. Bund für Naturschutz).
native. Bei Straßenbauprojekten liegen dieser
Bewertung primär die konkurrierenden Basis-
· Private Belange
ziele Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Verkehrs- Private Belange erstrecken sich auf die Interes-
qualität und Umweltverträglichkeit zugrunde. sen von durch eine Straßenbaumaßnahme be-
troffenen Privatpersonen. Dieser Kosteneinfluss
Neben den ökonomischen Kostenbetrachtungen
äußert sich insbesondere im Immissionsschutz
ist auch die zeitliche Dimension eines Straßenbau-
und im Grunderwerb, aber auch im baulichen
projektes zu berücksichtigen, da diese einen er-
Schutz bestehender Bebauung (vgl. Kap. 5.2).
heblichen Einfluss auf die Gesamtkosten des Pro-
jektes hat (FIRK, 1996 und OBERLENDER, 1993). · Straßenrecht
Aus Bild 6.2 wird ersichtlich, dass die Möglichkei-
ten der Kostenbeeinflussung mit dem Fortschreiten Das Straßenbaurecht regelt außer den verkehrs-
innerhalb der Wertschöpfungskette abnehmen. erheblichen Nutzungen alle sonstigen Nutzun-
Aufgrund dessen sind die kostenrelevanten Einwir- gen der Straße sowie den Vorgang ihres Baues
kungen des Gesamtprojektes – das sind Einflüsse, und ihrer Unterhaltung. Kosteneinflüsse erge-
die sich im Rahmen der Planung, der Bauaus- ben sich u. a. daraus, dass der Träger der Stra-
führung und des Betriebs auf die Gesamtkosten ßenbaulast beim Bau dem Verkehrsbedürfnis
auswirken – möglichst frühzeitig planerisch zu sowie den öffentlichen Belangen einschließlich
berücksichtigen. Andererseits steigen die Kosten
infolge von Planungsänderungen mit zunehmen-
dem Projektfortschritt.

6.2.2 Kosteneinflussfaktoren

Wie erwähnt, wird ein Straßenbauprojekt heutzuta-


ge durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst,
welche einen Kosteneinfluss darstellen und damit
auch direkt oder indirekt Einfluss nehmen auf die
Baukonstruktion bzw. das zur Anwendung gelan-
gende Bauverfahren. Bild 6.3 gibt einen Überblick
über die verschiedenen Kosteneinflüsse im Stra-
ßenbau.

Der Übergang zwischen den in Bild 6.3 dargestell-


ten Kosteneinflussarten ist grundsätzlich unscharf
und weist Überschneidungen auf, so dass eine ein-
deutige Zuordnung der einzelnen Kosteneinflüsse
zu Kosteneinflussarten nicht immer möglich ist. Se-
kundäre Kosteneinflüsse, wie etwa Tarifabschlüsse
im Bauhauptgewerbe oder den Baustoffpreis be-
einflussende Währungsschwankungen usw., sind
in den genannten Kosteneinflussarten enthalten
und werden nachfolgend nicht weiter erläutert. Bild 6.3: Kosteneinflüsse im Straßenbau (HECHTL, 1998)
66

Umweltschutz Rechnung zu tragen hat. Weiter- Beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Unter-
hin hat er dafür einzustehen, dass seine Bauten grund sind die schlechten Baugrund- und
allen Anforderungen der Sicherheit und Ord- ungünstige Reliefverhältnisse Kennzeichen der
nung genügen. Als übergeordneter technischer Straßentrassen, die oftmals aufwändige, die
Qualitätsstandard werden hierbei die allgemein Gesamtkosten einer Straße signifikant beein-
anerkannten Regeln der Technik herangezogen flussende Zusatzmaßnahmen erfordern.
(HECHTL/NAWRATH, 1996).

Von der Straßenbaulast zu unterscheiden ist die 6.3 Qualitative Kostenstruktur


Verkehrssicherungspflicht. Kosteneinflüsse aus
der Verkehrssicherungspflicht ergeben sich in- Der bauliche Zustand einer hoch belasteten Stra-
sofern, als notwendige und zumutbare Vorkeh- ßenbaukonstruktion – insbesondere bei schlechten
rungen zu treffen sind, um Schäden Dritter zu Untergrundverhältnissen – verschlechtert sich im
vermeiden. Als Maßstab dienen die gewöhnli- Laufe der Zeit zunehmend. Dabei kann die Abnah-
chen Sicherheitserwartungen des jeweiligen me des Qualitätszustandes einer Konstruktion in
Verkehrs. Abhängigkeit von den auftretenden Lasten sowie
von der vorhandenen Materialqualität verschiede-
Das Straßenrecht ist also eng verknüpft mit dem ne Formen jeweils als Funktion der Zeit annehmen:
einzuhaltenden Qualitätsstandard bei einer Stra-
ßenbaukonstruktion und daher mitbestimmend · eine stetig wachsende Abnahme;
in Hinblick auf die qualitative Kostenstruktur, die
· eine mehr oder weniger konstante Abnahme;
den Planungen zugrunde liegt (vgl. Kap. 6.3).
· eine sich stetig verlangsamende Abnahme;
· Politik und Verwaltung
· ein plötzliches Versagen.
Die Politik übt einen Kosteneinfluss dahinge-
hend aus, als sie die gesetzlichen Rahmenbe- Während seines planmäßigen Lebenszyklus sollte
dingungen festlegt und beschließt sowie den der Zustand eines Straßenkörpers zu jedem Zeit-
Fachverwaltungen vorsteht und auf deren Tätig- punkt wenigstens minimalen Qualitätsanforderun-
keit Einfluss nimmt. Die Verwaltung ihrerseits gen genügen, die es zu erhalten gilt. Schon wäh-
beeinflusst Kosten, als ihr grundlegende Pla- rend des Entwurfsprozesses muss festgelegt wer-
nungsphasen, die Projektsteuerung, die Be- den, in welcher Form der Qualitätsabnahme – ge-
standsverwaltung und dergleichen übertragen nauer gesagt den möglichen Ursachen der Qua-
sind. Schließlich sind Politik und Verwaltung litätsminderung – im Bauentwurf Rechnung getra-
auch von sich aus Kostenverursacher. gen werden soll. Diese Festlegung ist ganz ent-
scheidend für den mit einem Bauverfahren zu errei-
· Preisbildung bei Ingenieur- und Bauleistungen
chenden Qualitätsstandard und damit für die Kos-
Eine Hauptkostenstelle im Straßenbau sind die ten einer Baumaßnahme.
Aufwendungen für Bauleistungen. Die Kosten
Grundsätzlich werden dementsprechend zwei Ent-
für Ingenieurhonorare sind dagegen durch den
wurfstypen unterschieden, nämlich der Entwurf mit
Rahmen der HOAI (1996) vorgegeben. Die Höhe
hohem und der Entwurf mit niedrigem Unterhalts-
des effektiven Preisniveaus für Bauleistungen
aufwand. Bei einem Entwurf mit niedrigem Unter-
richtet sich zwar nach Angebot und Nachfrage,
haltsaufwand wird vorgegeben, dass während des
ist aber auch ganz wesentlich von den markt-
planmäßigen Lebenszyklus lediglich geringfügige
technischen und wettbewerbsrechtlichen Rah-
Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden müs-
menbedingungen abhängig (HECHTL, 1996).
sen (Bild. 6.4).
· Bautechnik und Straßenplanung
Die Kosten der Baumaßnahme sind in diesem Fall
Planerische und bautechnische Kosteneinflüsse verhältnismäßig hoch. Am Ende des planmäßigen
ergeben sich etwa aus den Baugrundverhältnis- Lebenszyklus muss die Straßenbaukonstruktion
sen und der Geomorphologie, aus der Ver- wenigstens noch den minimal notwendigen Qua-
kehrsbelastung und deren Zusammensetzung, litätsanforderungen genügen. Werden die geringfü-
aus den Umwelteinflüssen, aus der Trassierung gigen Erhaltungsmaßnahmen nicht durchgeführt,
und aus den allgemein anerkannten Regeln der kann der Qualitätsabbau auch schneller verlaufen
Technik (DIN-Normen etc.). und der Qualitätsstandard der Konstruktion unter-
67

schreitet am Ende des planmäßigen Lebenszyklus 6.4 Wirtschaftlicher Verfahrensver-


den Minimalwert. gleich
Bei einem Entwurf mit hohem Unterhaltsaufwand
Beim Verfahrensvergleich unter wirtschaftlichen
wird angenommen, dass im Zeitraum des plan-
Aspekten sind mögliche Kriterien des Auftragneh-
mäßigen Lebenszyklus eine oder mehrere umfang-
mers Kapitalbedarf, Möglichkeit der Weiterverwen-
reiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wer-
dung von Geräten und Kosten des Verfahrens. Auf
den (Bild 6.5). Das Qualitätsniveau des Straßenkör-
der Auftraggeberseite sind die Kosten bzw. der
pers ist nach Beendigung der Baumaßnahme ge-
Preis der Bauleistung das wirtschaftliche Kriterium.
ringer als bei einem Entwurf mit niedrigem Unter-
Zur Wirtschaftlichkeitsanalyse des Bauherrn eignet
haltsaufwand, so dass auch die Investitionskosten
sich der kalkulatorische Verfahrensvergleich, bei
für den Bau bedeutend niedriger liegen. Dies hat
dem die beim Einsatz eines Verfahrens wahr-
zur Folge, dass das minimale Qualitätsniveau
früher erreicht wird und daher umfangreichere Er- scheinlich auftretenden Kosten ermittelt werden.
haltungsmaßnahmen notwendig werden. Es werden folgende Methoden unterschieden
(SEELING, 1980):
Die Entscheidung für einen dieser Entwurfstypen
wird von vielen Faktoren bestimmt, wie z. B.: · absoluter kalkulatorischer Verfahrensvergleich;

· von der Dauer des planmäßigen Lebenszyklus; · Grenzkostenbestimmung durch einen kalkula-
torischen Vergleich.
· von der Investitionshöhe;
Bild 6.6 gibt einen Überblick auf den wirtschaftli-
· von den Kosten für Sanierungsmaßnahmen;
chen Verfahrensvergleich.
· von der Risikoakzeptanz während der Nutzung;
Beim absoluten Kostenvergleich werden die Kos-
· von der Finanzierungsform usw. ten der zu vergleichenden Verfahren für eine be-
stimmte Menge und einen festgelegten Zeitraum
ermittelt und zueinander in Beziehung gesetzt. Da-
bei können die Kosten als Gesamtkosten K [DM]
oder als Kosten je Einheit k [DM/E] angegeben
werden.

Bei der Ermittlung der Wirtschaftlichkeitsgrenze


werden die Wirtschaftlichkeitsbereiche zweier Ver-

Bild 6.4: Entwicklung des Qualitätsniveaus bei niedrigem Un-


terhaltsaufwand

Bild 6.5: Entwicklung des Qualitätsniveaus bei hohem Unter- Bild 6.6: Wirtschaftlicher Verfahrensvergleich (nach SCHNELL/
haltungsaufwand VAHLAND, 1997)
68

fahren voneinander getrennt. Dazu müssen die mgr = (K2fix – K1fix)/(k1var – k2var) (6.3)
Kosten in Abhängigkeit von einer Einflussgröße
Grundsätzlich unterscheidet sich der kalkulatori-
(z. B. Menge, Bauzeit) dargestellt werden. Hierzu
sche Verfahrensvergleich nicht von den im Bauwe-
ist die Berechnung der fixen und variablen Kosten-
sen üblichen Methoden der Kostenermittlung, es
anteile eines Verfahrens notwendig. Durch diese
sind jedoch folgende Besonderheiten zu berück-
Unterscheidung errechnen sich die Gesamtkosten
sichtigen:
eines Verfahrens zu

K = Kfix + m ⋅ kvar (6.1)


· Richtige Leistungskennwerte ansetzen

Das Problem jeder Kalkulation ist die Richtigkeit


und die Kosten je Einheit errechnen sich zu
der benutzten Leistungskennwerte. Auf die
k = 1/m ⋅ Kfix + kvar (6.2) Höhe der Kennwerte wirken vielfältige Einflüsse
ein, wie z. B. Baustellensituation, Witterung und
mit
das Verfahren der Kennwertermittlung selbst.
Kfix fixe Kostenanteile in DM Es gehört viel Erfahrung dazu, solche für unter-
schiedliche Verfahren ermittelten Kennwerte bei
kvar variable Kostenanteile bezogen auf die Ein- einem Verfahrensvergleich realistisch anzuset-
heit in DM/E zen.
m Einflussgröße (z. B. Menge, Bauzeit etc.). · Nur verursachungsgerechte Kostenbestandteile
Die Wirtschaftlichkeitsgrenze mgr zwischen zwei zu Unterschiedliche Verfahren werden in unter-
vergleichenden Verfahren (Bilder 6.7 und 6.8) er- schiedlichem Maße Baustellengemeinkosten,
rechnet sich aus der Gleichsetzung ihrer Kosten- allgemeine Geschäftskosten und Kosten für Ri-
funktionen (Glg. 6.1 bzw. 6.2) und nach Umfor- siken erzeugen. Wenn man diese Kosten nicht
mung zu verursachungsgerecht erfassen kann, ist es
besser, sie nicht zu berücksichtigen.

· Bewertung der Lohnkosten


Die den Verfahren zuzuordnenden Lohnstun-
den sind mit dem Mittellohn ASL (Mittellohn
einschließlich Soziallasten und Lohnnebenkos-
ten) zu bewerten. Gehälter für den Polier brau-
chen nur bei unterschiedlichem Verhältnis der
Anzahl der Poliere zur Anzahl der Arbeitskräfte
oder bei unterschiedlichen Bauzeiten einbezo-
gen werden.

· Nur unterschiedliche Kosten verfolgen


Bild 6.7: Gesamtkosten in Abhängigkeit von einer Einfluss-
Zur Vereinfachung sollte man beim kalkulatori-
größe (nach SCHNELL/VAHLAND, 1997)
schen Verfahrensvergleich nur die Kosten ver-
folgen, die tatsächlich in unterschiedlicher Höhe
anfallen. So ist es z. B. unnötig, beim Vergleich
von zwei unterschiedlichen Geräten bei gleicher
Bauzeit die Lohnkosten für den Geräteführer zu
berücksichtigen.

6.5 Kostenspannen für Bodenersatz-


verfahren
Grundvoraussetzung für einen sinnvollen wirt-
schaftlichen Verfahrensvergleich ist das Zugrun-
Bild 6.8: Einheitskosten in Abhängigkeit von einer Einfluss- delegen einheitlicher Bewertungsmaßstäbe. Das
größe (nach SCHNELL/VAHLAND, 1997) bedeutet, dass die Bezugsgrößen der Kosten-
69

betrachtungen – etwa das Qualitätsniveau einer Kosten für das Liefern


Baukonstruktion z. B. in Hinblick auf zu erwartende und das Einspülen des Er-
Verformungen usw. – als konstant vorausgesetzt satzbodens einschließlich
werden müssen; die miteinander zu vergleichenden Verdichtung: DM 10,-- bis 15,-- pro m3
Bauverfahren müssen ein qualitativ gleichwerti-
ges Ergebnis liefern. Unter Berücksichtigung der · Bodenaustausch im Nassbaggerverfahren
hier und in den vorstehenden Kapiteln genannten Weichboden: Torf
Gesichtspunkte sind die nachfolgend exemplarisch Ersatzmaterial: Sand
angegebenen Kostenspannen für Bodenersatz-
Austauschtiefe: 8 bis 12 m
verfahren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem
Untergrund zu betrachten und zu verwenden. Die Kubatur: ~ 150.000 m3
angegebenen Einheitspreise (Kostenstand für das Kosten für den Aushub
Jahr 1999) enthalten die anteiligen Baustellen- mit Seitenablagerung
einrichtungskosten auf der Basis der angegebenen und den Einbau des
Kubaturen. Die Preise haben lediglich einen infor- Ersatzbodens durch
mativen und keinen normativen Charakter. Spülen: DM 25,-- bis 30,-- pro m3

Aufgrund der Tatsache, dass einige der in Kapitel 4 · Bodenverdrängung durch Auflast
genannten Bauverfahren zurzeit in der Praxis kaum Weichboden: Torf
noch zur Anwendung kommen bzw. Spezialanwen- Ersatzmaterial: Sand
dungen darstellen, die ausschließlich von einzelnen
Austauschtiefe: 4 bis 5 m
Firmen angeboten werden, ist dafür die Angabe
von Kostenspannen aufgrund fehlender Auskünfte Kubatur: ~ 50.000 m3
nicht möglich. Kosten für das Verdrängen
mit Abtrag und Abfuhr
· Bodenaustausch im Trockenen verdrängten Bodens
Weichboden: Klei einschließlich Verdichtung
Ersatzmaterial: Sand des Ersatzbodens: DM 30,-- bis 35,-- pro m3
Austauschtiefe: 4 bis 5 m Kosten für das Verdrängen
ohne Abtrag und Abfuhr
Kubatur: ~ 50.000 m3
verdrängten Bodens
Kosten für den Aushub einschließlich Verdichtung
mit Abfuhr: DM 20,-- bis 25,-- pro m3 des Ersatzbodens: DM 20,-- bis 25,-- pro m3
Kosten für den Aushub
ohne Abfuhr (d. h. · Bodenverdrängung im Schüttsprengverfahren
Seitenablagerung): DM 10,-- bis 15,-- pro m3 Weichboden: Torf
Kosten für das Liefern Ersatzmaterial: Sand
und das Einbauen des Austauschtiefe: 4 bis 5 m
Ersatzbodens im Schütt- Kubatur: ~ 50.000 m3
verfahren einschließlich
Kosten für das Auftragen
Verdichtung: DM 20,-- bis 25,-- pro m3
des Ersatzmaterials
· Bodenaustausch mit Unterwasserbaggerung einschließlich der
Sprengkosten: DM 35,-- bis 40,-- pro m3
Weichboden: Klei
Ersatzmaterial: Sand · Leichtbaustoffe
Austauschtiefe: 4 bis 5 m EPS-Hartschaumblöcke DM 100,--/m3
Kubatur: ~ 50.000 m3 Blähton DM 70,--/m3
Kosten für den Aushub Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die
mit Abfuhr: DM 25,-- bis 30,-- pro m3 jeweiligen Marktpreise sowohl regional als auch in
Kosten für den Aushub Abhängigkeit von der Wettbewerbssituation und
ohne Abfuhr (d. h. . der Größe des Bauvorhabens stark variieren und
Seitenablagerung): DM 15,-- bis 20,-- pro m3 von den v. g. Kostenspannen abweichen können.
70

7 Spannungen und Ver- Bewegungen der Bodenpartikel in Form von Inei-


nandergleiten und Ineinanderrollen bewirken an
formungen den Berührungspunkten eine strukturelle Kornum-
lagerung. Außerdem kann der Boden an diesen
7.1 Einführung
Berührungspunkten Scherspannungen übertragen.
Wie schon erwähnt, müssen während verschiede- Das Konzept der effektiven Spannungen wurde
ner Entwurfsprozesse für den Bau von Straßen- von TERZAGHI entwickelt. Eine Spannungseinheit
dämmen Vorberechnungen durchgeführt werden, repräsentiert die Differenz zwischen den totalen
um die Konsequenzen der Ergebnisse abschätzen Spannungen und dem Porenwasserdruck. Daher
zu können. Allgemein muss Folgendem Beachtung sind die effektiven Spannungen wie folgt definiert:
geschenkt werden:
σ‘ = σ – u (7.1)
· den zu erwartenden Verformungen,
mit σ‘: effektive Normalspannung, σ: totale Span-
· der Geschwindigkeit, mit der die Verformungen nung und u: Porenwasserdruck.
stattfinden,
In einer homogenen Bodenschicht mit einem
· der Möglichkeit eines Stabilitätsverlustes Grundwasserbezugsniveau an der Oberkante die-
während der Bauzeit, ser Bodenschicht nehmen die vertikalen Spannun-
· dem Einfluss von angrenzenden Bebauungen. gen unter dem Bodeneigengewicht linear mit der
Tiefe zu. Dabei wird angenommen, dass keine
Um den Einfluss der v. g. Faktoren für alle relevan- Scherspannungen an den Seiten der Bodenele-
ten Zustände (Bauzustände und Endzustand) rich- mente übertragen werden. Dies ist eine plausible
tig einschätzen zu können, ist ein gewisses theore- Annahme, wenn die Schicht flach, unendlich aus-
tisches Wissen über das Spannungs-Verformungs- gedehnt, homogen und die gleiche erdgeschichtli-
verhalten des Bodens notwendig. che Entstehung hat.
Verschiedene mögliche Mechanismen werden ana- Die Belastungen auf die Bodenstruktur können un-
lysiert, indem man ein Spannungs-Verformungs- terschiedliche Ursachen haben. Verschiedene Ar-
verhalten für den Boden annimmt. Der Aufwand an ten von Belastungen sind nachstehend aufgezählt:
Berechnungen und die Wahl des Spannungs-Ver-
formungsmodells hängen hauptsächlich von der · Belastung infolge Wichteänderung beim Bo-
Art und Bedeutung der geforderten Informationen denaustausch,
ab. Näherungsberechnungen, die auf der Basis · negative Belastung durch Aushub,
einer vorläufigen und eingeschränkten Bodenana-
lyse beruhen, benötigen eine andere Verfahrens- · permanente Auflast (Bauwerke),
weise als genaue Vorhersagen, für die eine detail-
· variable Auflast (Verkehrslasten etc.),
lierte Bodenanalyse notwendig ist. Projekte mit
einem relativ geringen Schadensrisiko erfordern · Belastung durch die Änderung von Porenwas-
ebenfalls eine andere Vorgehensweise als Projekte, serdrücken.
bei denen die Gefahr hoher Schadensersatzan-
Die Belastungen verursachen eine Zunahme der
sprüche besteht.
Normal- und Scherspannungen in der Gründungs-
sohle. Die Zunahme der Spannungen wird be-
stimmt durch:
7.2 Spannungen
· die Größe der Auflast,
In wassergesättigten Böden werden Kräfte durch
Spannungen im Korngerüst und im Porenwasser · die Abmessungen der belasteten Fläche,
übertragen. Die totalen Spannungen oder Boden-
· die Position im Boden, wo die Spannungen im
spannungen werden teilweise durch das Korn-
Verhältnis zur Position der Auflast (horizontal
gerüst über die Berührungspunkte zwischen den
und vertikal) bestimmt werden.
einzelnen Kornpartikeln und teilweise durch den
Porenwasserdruck, das Wasser, das die Bodenpar- Wenn die Auflast eben verteilt und unendlich ange-
tikel umgibt, aufgenommen. Die Kontaktkräfte be- nommen wird, ist die Zunahme der Spannungen im
wirken die Verformungen des Korngerüstes. Die Boden in jeder Tiefe theoretisch gleich der Auflast.
71

Wenn die vertikalen Lasten nicht unendlich ausge- · Je nach Art und Anteil der organischen und an-
dehnt sind, werden allgemeine Theorien, die aus organischen Komponenten liegen die Korndich-
der angewandten Mechanik kommen und sich mit ten ρs zwischen 1,4 und 2,5 g/cm3 (Torfe 1,4 bis
der Verteilung von Spannungen beschäftigen, be- 1,6 g/cm3) und die Wichten γ zwischen 10 und
nutzt, die Spannungen im Boden zu berechnen. 17 kN/m3 (Torfe und Mudden 10 bis 14 kN/m3).
Hinsichtlich weiterführender Details zur Span-
· Die Durchlässigkeit nimmt mit ansteigendem
nungsermittlung sei hier auf DIN 4019 (1979) und
Konsolidationsdruck ab. Dies gilt insbesondere
die EVB (1993) verwiesen.
für Torfböden, deren Durchlässigkeit im unbelas-
In vielen Fällen wird angenommen, dass der Boden teten Zustand etwa 10-3 bis 10-5 cm/s, nach
sich wie z. B. Stahl linear elastisch verhält. In Wirk- Konsolidierung unter Auflasten von etwa 30 bis
lichkeit ist das Spannungs-/Verformungsverhalten 80 kN/m2 nur noch 10-5 bis 10-7 cm/s betragen
von Böden nicht linear, während die Verformungen kann. Die horizontal gerichtete Durchlässigkeit
außerdem zeitabhängig sind. Berechnungen von ist im Allgemeinen größer als die vertikale,
Spannungsverteilungen, die auf der Annahme wobei bis zu 50fache Differenzbeträge nicht un-
eines elastischen Verhaltens beruhen, werden in gewöhnlich sind.
der Regel als akzeptable Näherungslösungen be- · Konsolidationsversuche im Oedometer ergeben
trachtet. Für eine genaue Bestimmung der erwarte- unter Belastungen bis zu etwa 0,2 MN/m2 für
ten Verformungen benötigt man Berechnungsver- Torfe und Mudden Steifemoduln von 0,3 < Es <
fahren, die kompliziertere Berechnungsmodelle zu- 2,0 MN/m2.
grunde legen (z. B. Methode der finiten Elemente · Die Scherfestigkeit steigt mit dem wirksamen
oder Methode der finiten Differenzen). Überlagerungsdruck an. Abnehmen kann sie
dagegen dann, wenn faseriger Torf in amorph
zersetzten oder in besonders weichen tonigen
Boden übergeht. Der Reibungswinkel für drä-
7.3 Materialeigenschaften von „Weich- nierte Bedingungen ergibt sich für Torfe und or-
böden“ ganogene Böden zu 10° < ϕ‘ < 20°. Die Kohäsi-
on für dränierte Bedingungen c‘ ist im Zustand
Unter dem Begriff des „weichen Untergrundes“ der Erstkonsolidierung meist sehr gering, kann
sind junge Ablagerungen wenig tragfähiger und aber Werte bis zu etwa c‘ = 10 kN/m2 erreichen.
sehr setzungsempfindlicher Böden mit hohem Für die Kohäsion im undränierten Zustand cu
Wassergehalt zu verstehen, die normal konsolidiert können Werte in der Bandbreite von 5 kN/m2
sind, d. h., die nie zuvor einer größeren wirksamen < cu < 40 kN/m2 vorkommen.
Normalspannung als der aus den überlagernden
Das Spannungsdehnungsverhalten des Bodens ist
Schichten ausgesetzt waren. Im Einzelnen sind so-
maßgebend für die elastischen und plastischen
wohl genetisch als auch bodenphysikalisch orga-
Verformungen des Bodens, wenn Belastungen auf-
nogene Schluffe und Tone, zu denen Klei, Schlick
gebracht werden. Bei sehr niedrigen Belastungen
und Seekreide gehören, sowie rein organische
sind die Verformungen relativ gering und mehr oder
Böden mit den Mudden (z. B. Faulschlamm, Gyttja)
weniger elastischer Natur. Werden die Belastungen
als sedentäre Ablagerungen zu unterscheiden. Sie
erhöht, nehmen nicht nur die Verformungen zu,
können entweder von Schluff, Ton, Mergel, Sand,
sondern auch der Anteil an plastischen Verformun-
Kies oder Fels unterlagert sein, was die Standsi-
gen steigt. Letztendlich werden die Verformungen
cherheit maßgeblich beeinflusst.
so groß, dass der Boden versagt. Ursprünglich
Der potenzielle Streubereich ihrer bodenphysikali- wurden Verformungs- und Versagensverhalten mit
schen Eigenschaften ist außergewöhnlich groß: Hilfe von empirischen Methoden manuell berech-
net. Später wurden fortschrittlichere Methoden
· Der Wassergehalt kann bei organogenen Tonen entwickelt, die höher entwickelte Berechnungsme-
Werte um 500 %, bei Torfböden und Mudden thoden erfordern. Aktuelle und detaillierte Zusam-
bis 1.000 %, gelegentlich sogar über 1.000 % menfassungen zu den mechanischen Materialei-
ihres Trockengewichts erreichen. Wassergehal- genschaften der im Kontext dieses Berichtes ge-
te unter 500 % weisen im Allgemeinen darauf nannten typischen Weichböden sowie weiter-
hin, dass die Böden auch anorganische Be- führende Literaturhinweise hierzu finden sich bei
standteile enthalten LEROUEIL et al. (1990) sowie beim CUR (1996).
72

7.4 Erforderliche Standsicherheits- und Berechnungen für das Langzeitverhalten


Verformungsnachweise · Der Nachweis der Standsicherheit des Dammes
für konsolidierte, dränierte Untergrundbedin-
Aus der Praxis des Entwurfs heraus hat sich auf
gungen (Endzustand) erfolgt nach den Grund-
der Grundlage einer umfassenden Bodenerkun-
sätzen der DIN 4084 mit den Scherparametern
dung das nachfolgend beschriebene systemati-
ϕ' und c' nach DIN 18137.
sche Vorgehen bis zur Entscheidung für eine be-
stimmte Lösung als zweckmäßig erwiesen. · Zusätzlich muss der Nachweis der Sofort- und
Konsolidationssetzungen sowie der Sekundär-
Allgemeine Angaben zu Lastannahmen und den zu
verformungen nach Größe und zeitlichem Ver-
führenden Standsicherheitsnachweisen finden sich
lauf erfolgen.
in DIN 1054.

Berechnungen für die Bauphase

· Die Berechnung der Geländebruchsicherheit für 7.5 Methoden zur Berechnung der Ver-
die Konstruktions- und Anfangsphase des formung des Untergrundes
Dammes erfolgt nach der ϕ=0-Analyse (DIN
7.5.1 Setzungen
4084), d. h. mit der Scherfestigkeit für undrä-
nierte Bedingungen cu nach DIN 18137. Die ver- Soweit die Erdauflast keinen Grenzzustand her-
fügbare Zeit zwischen dem Baubeginn und dem beiführt und die Randbedingungen einer unendlich
Herstellen der Fahrbahndecke sowie ein vorerst ausgedehnten weichen Schicht vorliegen, stellt
möglicher Zwischenausbau der Straße sind sich ein hauptsächlich einaxial gerichteter Span-
dabei zu berücksichtigen. nungs- und Verformungszustand ein. Nach allge-
meiner bodenmechanischer Modellvorstellung be-
Wenn die zeitliche Veränderung der Scherfestig-
stehen die Gesamtverformungen der weichen
keit in die Berechnungen eingehen soll, ist es
Schicht, in der Zeitfolge gesehen, anteilig aus So-
zweckmäßig, die Sicherheit mit den effektiven
fortsetzungen s0 sowie primären Setzungen s1
Scherparametern ϕ' und c' zu berechnen und
(Konsolidierungssetzungen) und sekundären Set-
den Porenwasserüberdruck ∆u sowie die Vertei-
zungen s2 (Kriechen):
lung des Porenwasserüberdruckes in der Gleit-
fläche rechnerisch bzw. durch Erfahrungswerte s = s0 + s 1 + s 2 (7.2)
aufgrund von Messungen abzuschätzen. Ziel
dieser Untersuchungen ist es, die Standsicher- Die Setzungsanteile s0 und s1 lassen sich nach
heit in allen Bauzuständen nachzuweisen. Größe und Zeitablauf mit Hilfe von Verfahren
gemäß DIN 4019 (1979) bzw. EVB (1993) nähe-
Aus der Berechnung der Anfangsstandsicher- rungsweise ermitteln. Der Setzungsanteil s2 lässt
heit soll auch die Beziehung zwischen der sich nur empirisch oder aus experimentellen
zulässigen Schütthöhe h und dem Sicherheits- Druck-Setzungslinien abschätzen.
grad η für jede Schüttphase hervorgehen, mit
der es möglich wird, den Damm kontrolliert auf-
Sofortsetzungen
zubauen. Bei mehreren Schüttphasen kann die
Sicherheit ggf. mit erhöhten cu-Werten ermittelt Die Sofortsetzungen entstehen unmittelbar bei
werden, wenn sich diese durch die Konsolidie- Lastaufnahme als Folge von volumenkonstanten
rung aus der jeweils vorhergehenden Phase Schubverformungen und/oder der Sofortverdich-
nachweisen lassen. tung. S0 ergibt sich nach der Elastizitätstheorie an-
· Zusätzlich muss eine überschlägliche Vorbe- genähert zu (FGSV, 1988):
rechnung der Größe und des Zeitverlaufs der
Setzungen des Dammuntergrunds durchgeführt
werden.
darin bedeuten (Bild 7.1)
· Ist die Standsicherheit nicht gegeben, kann der
b´ mittlere Dammbreite
Damm nicht ohne Sondermaßnahmen auf dem
weichen Untergrund gegründet werden (z. B. fs Einflussfaktor in Abhängigkeit vom Verhältnis
Einbau von Armierungsgeweben). d/b´
73

Bild 7.1: Einflussfaktor fs zur Ermittlung der Sofortsetzung unter


der Damm-Mitte (FGSV, 1988)

Ev Verformungsmodul aus Setzungsbeobachtun-


gen

In grober Näherung gilt (FGSV, 1988):

EV ≈ k ⋅ cu (7.4)

mit k ≈ 150 bis 500.

Eine andere Gleichung zur Ermittlung von s0 wird


von JANBU et al. (1956) angegeben und in den
EVB (1993) erläutert. Bild 7.2: Einflussfaktor fo für Vertikaldruck infolge Dammlast
(FGSV, 1988)

Primärsetzungen
Im Falle eines Bodenaustausches ist die Aushub-
Die Primärsetzungen stellen den wesentlichen An- entlastung als Abzug bei der Spannungs- bzw. Set-
teil der Gesamtsetzungen dar und charakterisieren zungsermittlung infolge der Wiederverfüllung und
die Konsolidationsphase, in der Porenwasser auf- anschließenden Dammschüttung zu berücksichti-
grund einer Druckbelastung aus dem Boden aus- gen.
strömt. Die äußere Belastung ∆σ eines bindigen,
wenig durchlässigen Bodens wird anfangs aus- Die in Gleichung 7.5 einzusetzenden Steifemoduli
schließlich vom Porenwasser aufgenommen und Es können für grobe Setzungsabschätzungen Er-
bewirkt eine Erhöhung des Porenwasserdruckes u fahrungswerte für die anstehenden Bodenschich-
um den Porenwasserüberdruck ∆u. Der Porenwas- ten, wie sie z. B. in der EAU (1996) angegeben sind,
serüberdruck ∆u entspricht zum Zeitpunkt t = 0 der sein. Werden für genauere Setzungsermittlungen
äußeren Belastung ∆σ. In Abhängigkeit von der Ergebnisse aus bodenmechanischen Laborversu-
Durchlässigkeit des Bodens und der Dicke der bin- chen herangezogen, so muss der zur Ermittlung
digen bzw. organogenen Bodenschicht baut sich des Steifemoduls angesetzte Spannungsbereich
der Porenwasserüberdruck durch Ausströmen von etwa der Summe der Bodenspannung aus geosta-
Porenwasser zu den durchlässigen Rändern mehr tischer Last und Zusatzspannung in Schichtmitte
oder weniger langsam annähernd vollständig ab. der betrachteten Bodenschichten entsprechen.
Eine grobe Abschätzung der zu erwartenden voll- Wenn ein komplizierter Schichtenaufbau vorliegt
ständigen Primärsetzungen kann mit Hilfe der Glei- und/oder die Setzungsverläufe in Längs- und Quer-
chung 7.5 vorgenommen werden: richtung des Dammes – z. B. auch die Mitnahme-
S1v ≈ ∆σ1d1/Es1 + ∆σ2d2/Es2 (7.5) setzungen außerhalb des Dammkörpers –ermittelt
werden sollen, so kann die Berechnung der Primär-
Die Zusatzspannungen ∆σ1 und ∆σ2 ergeben sich setzungen genauer mit Hilfe der lotrechten Span-
aus der Dammlast in Abhängigkeit von der Ein- nungen im Boden gemäß DIN 4019 erfolgen.
bauhöhe h und dem Verhältnis der Tiefe zi zur
Dammbreite b' (Einflussfaktor fo gemäß Bild 7.2) zu Die Konsolidationszeit nimmt mit dem Quadrat der
Dicke der zusammendrückbaren Schicht zu und ist
∆σ ≈ γ ⋅ h ⋅ fo (7.6)
umso größer, je weniger durchlässig die Boden-
Die Tiefe zi liegt jeweils in der Mitte der betrachte- schichten sind. Der ungefähre zeitliche Verlauf der
ten Bodenschicht. Die Breite b' bezieht sich auf die Primärsetzungen kann aus den Zeit-Setzungslinien
Böschungsmitten des Dammes. des Kompressionsversuches abgeleitet werden.
74

Bei Schichten, deren Porenwasser nach oben und Der Konsolidierungs- bzw. Verfestigungsgrad U
unten abfließt und deren Dicke im Verhältnis zur (zwischen 0 und 1,0) nach einer bestimmten Zeit t
Dammbreite klein ist, beträgt das Verhältnis der wird in Abhängigkeit von der bezogenen Konsoli-
Zeit t2 für die Setzung des Dammes zur Zeit t1 für dierungszeit Tv aus Bild 7.3 ermittelt.
die Zusammendrückung der Probe ungefähr wie in
Gleichung (7.7) beschrieben (DIN 4019). Für eine zweiseitig entwässernde Schicht gilt un-
abhängig vom Spannungszustand die Kurve A in
Bild 7.3.

Die bezogene Konsolidierungszeit Tv errechnet


mit d2 Schichtdicke sich aus den Gleichungen (7.11) und (7.12).

d1 Probendicke · Einseitige Entwässerung


Bei einseitiger Entwässerung nach oben oder
unten ist die zweifache Dicke der Bodenschicht an-
zusetzen.

Die theoretische Konsolidationszeit lässt sich für


· Zweiseitige Entwässerung
einen Verfestigungsgrad von 95 % – dies ent-
spricht einer bezogenen Konsolidierungszeit von
Tv ≈ 1,0 – grob näherungsweise mit den Gleichun-
gen (7.8) und (7.9) abschätzen. Die nach der Zeit t eingetretene Primärsetzung s1(t)
ergibt sich aus
· Einseitig entwässernde Schicht
s1(t) = U ⋅ s1v (7.13)

· Zweiseitig entwässernde Schicht Sekundärsetzungen

Die Sekundärsetzungen kennzeichnen Kriechver-


formungen, die mit geringer Setzungsgeschwindig-
keit über lange Zeit ablaufen.
Der Konsolidierungsbeiwert cv entspricht dem
Ausdruck Aus den Gleichungen (7.11) und (7.12) ergibt sich,
dass die Konsolidation nach der Zeit t = d22/cv
bzw. t = d2/(4 ⋅ cv) praktisch abgeschlossen ist. So-

Der Konsolidierungsbeiwert wird jedoch genauer


aus den Zeit-Setzungslinien des Kompressionsver-
suches ermittelt.

Für grobe Abschätzungen der Konsolidationszeit


können die Konsolidierungsbeiwerte cv der Tabelle
7.1 entnommen werden.

Bodenart Konsolidierungs- Stoffkonstante


beiwert cv [m2/s] CB
Torf 10-4 bis 10-6 0,1 bis 0,5
Mudde 10-3 bis 10-6 0,01 bis 0,2
Faulschlamm 10-4 bis 10-6 0,1 bis 0,5
Seekreide 10-5 bis 10-6 0,002 bis 0,004
Auelehm 10-5 bis 10-6 0,002 bis 0,0004
Klei, stark sandig 10-4 bis 10-5 0,001 bis 0,002
Klei, stark organisch 10-5 bis 10-6 0,005 bis 0,03
Bild 7.3: Verfestigungsgrad U in Abhängigkeit von der Konsoli-
Tab. 7.1: Ansatzwerte für Zeitsetzungskennwerte unvorbelas- dierungszeit Tv für verschiedene Spannungszustände
teter Böden (FGSV, 1988) A, B, C (FLOSS, 1997)
75

weit eine Erstverdichtung stattfindet, lässt sich die Die waagerechten Spannungen im Baugrund infol-
Sekundärsetzung für t = d22/cv gemäß FGSV ge lotrechter Lasten lassen sich nach Verfahren der
(1988) näherungsweise wie folgt ermitteln: Elastizitätstheorie und mit Hilfe der Methode der
Finiten Elemente ermitteln, wobei in allen Fällen auf
Erfahrungen bei vergleichbaren Verhältnissen
In dieser Formel ist d3 die Dicke des bindigen Bo- zurückgegriffen werden soll.
denbereichs, d. h. die Schichtdicke nach Beendi- Für die Ermittlung der waagerechten Verschiebun-
gung der Konsolidation. Die Stoffkonstante CB ist gen aus diesen Spannungen ist es wesentlich,
Tabelle 7.1 zu entnehmen. d2 ist die entsprechend dass die eingesetzten Bodenkenngrößen auf Mes-
den Entwässerungsbedingungen maßgebende sungen im Gelände beruhen.
Schichtdicke.
An einem Einschnitt verformt sich der Boden durch
Die Kriechsetzungen nehmen linear mit dem Loga- den Aushub etwa so, wie es Bild 7.4a zeigt. Die
rithmus der Zeit ab. Sie vollziehen sich meist über nach der Elastizitätstheorie berechnete Horizontal-
viele Jahre und z. T. auch Jahrzehnte. verschiebung u und die Setzung s der Oberkante
sind in Bild 7.4b und c dargestellt. Der Verfor-
7.5.2 Horizontalverformungen mungsmodul Ev wird zweckmäßig aus in gleichem
Boden gemessenen Verschiebungen ermittelt. Die
Horizontale Verschiebungen messbarer Größe tre-
Sohle hebt sich weniger weit, als sich die Kante
ten beim Bauen auf weichem Untergrund i. W. auf
setzt. Neben dem Einschnitt treten erfahrungs-
bei der Herstellung von tiefen Baugruben bzw. Ein-
gemäß messbare Verschiebungen bis zur Entfer-
schnitten (Bodenaustausch) sowie neben und
nung a ≈ 1,5 bis 2 h auf.
unter Dämmen. Dabei werden waagerechte Kräfte
über Schubspannungen auf benachbarte Boden- Annähernd zutreffende Vorhersagen waagerechter
bereiche übertragen. Dieser Vorgang löst zum Teil Verschiebungen können oft nur aufgrund empiri-
erhebliche Verschiebungen aus, insbesondere scher Erfahrungen mit vergleichbaren Böden und
wenn der Boden bis an die Grenze der Scherfes- Belastungszuständen getroffen werden.
tigkeit beansprucht wird.
Bei Dammbauwerken betragen die Horizontalver-
Insbesondere bei nahe gelegenen Bebauungen formungen des weichen Untergrundes am Bö-
oder Rohrleitungen kann die Einschätzung mögli- schungsfuß erfahrungsgemäß je nach Böschungs-
cher Horizontalverformungen vor Beginn einer neigung und Steifigkeit des Untergrundes etwa 10
Dammbaumaßnahme erforderlich werden. Allge- bis 15 % der Setzung in der Mitte des Dammes.
mein gültige Verfahren für die unmittelbare Berech- Bei sehr weichen Böden können auch wesentlich
nung von waagerechten Verschiebungen liegen größere Horizontalverformungen auftreten.
nicht vor und sind auch wegen der komplizierten
Stoffgesetze für die Böden kaum zu erwarten. Vor- In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, die
liegende Berechnungen sind meist auf Sonderfälle Horizontalverformungen des Untergrundes mess-
beschränkt (siehe z. B. EVB, 1993). technisch – z. B. durch Inklinometermessungen –
zu kontrollieren (Beobachtungsmethode).

Bild 7.4: a) Verformung eines Einschnitts, b) und c) Verschiebungen der Oberkante (aus: GUDEHUS, 1981)
76

7.6 Methoden zur Berechnung der Bei der Berechnung von Böschungen sind Verein-
Standsicherheit fachungen und Idealisierungen unumgänglich. Die
Standsicherheit von Straßendämmen gegenüber
Bei Stabilitätsanalysen von Dämmen sind eine Bö- dem Bruchzustand kann entweder nach der Elasti-
schungsrutschung oder ein Böschungsfußbruch zitätstheorie oder nach Berechnungsverfahren er-
(Grundbruch) als Rutschung im tieferen Untergrund mittelt werden, die auf der Bildung des Grenz-
zu unterscheiden. Die Standsicherheitsanalyse von gleichgewichtes (η = 1) beruhen.
Böschungen kann nach folgenden Möglichkeiten
durchgeführt werden: Bei der Bemessung von Straßendämmen ist es
zweckmäßig, die Sicherheit gegenüber dem
· Auf der Grundlage bodenmechanischer Kenn- Bruchzustand (Traglastverfahren) als die Sicherheit
werte und Varianten möglicher Gleitflächen (De- gegenüber örtlicher Überbeanspruchung zu be-
terministische Verfahren). stimmen. Es kann das Verfahren der wirksamen
· Anwendung der Finite-Elemente-Methode. Spannungen (ϕ',c'-Verfahren) oder das Verfahren
der Gesamtspannungen Anwendung finden (ϕ' = 0-
· Mit Hilfe der Statistik und der Wahrscheinlich- Verfahren).
keitstheorie ist die Bruchwahrscheinlichkeit des
Erdkörpers zu bestimmen (probabilistische Ver- DIN 4084 (1974) erläutert die in Deutschland ge-
fahren). bräuchlichsten Berechnungsverfahren und das
CUR (1996) gibt einen detaillierten Gesamtü-
· Eine weitere Möglichkeit der Böschungsberech-
berblick auf die zurzeit international zur Anwen-
nungen besteht darin, Erfahrungswerte für Bö-
dung gelangenden deterministischen Nachweis-
schungsneigungen zu verwenden. Bei diesem
verfahren. Exemplarisch seien hier in Anlehnung an
empirischen Verfahren erfolgt die Bemessung
DIN 4084 folgende Verfahren genannt:
der Böschung nach Tafeln und Diagrammen, die
in der Regel auf der Grundlage systematischer · Lamellenverfahren nach KREY und BISHOP,
Untersuchungen aufgestellt worden sind.
· Lamellenverfahren nach FRÖHLICH und BO-
Hinsichtlich der Standsicherheit sind grundsätzlich ROWICKA.
Anfangs-, alle relevanten Zwischen- und Endzu-
stände nachzuweisen. Bei der Anwendung der deterministischen Berech-
nungsverfahren für die Standsicherheit von Bö-
Der zunächst weiche Boden ist im Regelfall so un- schungen sind folgende Bedingungen zu beach-
durchlässig, dass er während der Überschüttung ten:
noch nicht fester wird. Es darf daher nur so hoch
geschüttet werden, dass die anfangs vorhandene · Aus einer repräsentativen Anzahl von Laborun-
Scherfestigkeit zur Verhinderung eines Bruches tersuchungen sind zuverlässige Rechenwerte
ausreicht. Wenn der vorgesehene Damm höher ist, zu bestimmen.
darf zunächst nur ein unterer Teil geschüttet wer-
· Die Gleitflächen müssen so angesetzt werden,
den (stufenweiser Aufbau). Danach ist so lange zu
dass sie kinematisch möglich sind. Dafür kom-
warten, bis die Scherfestigkeit des Untergrundes
men kreiszylindrische Gleitflächen, logarithmi-
durch Zusammendrückung die für die volle Damm-
sche Spiralen und zusammengesetzte ebene
höhe erforderliche Größe erreicht hat. Nach voller
Gleitflächen in Frage.
Konsolidierung ist die Standsicherheit höchstens
dann nicht ausreichend, wenn der Boden sich zer- · Obwohl die meisten Gleitflächen von Rutschun-
setzen kann oder der Damm zusätzliche Lasten gen räumliche Krümmungen besitzen, bauen die
aufzunehmen hat. Berechnungsverfahren auf dem ebenen Span-
Im Hinblick auf die einzuhaltenden Sicherheiten sei nungszustand (ebener Deformationszustand)
hier auf die einschlägigen Normen verwiesen, wie auf und untersuchen die Kräfte, die in parallelen
die DIN 1054 und DIN 4084. vertikalen Ebenen senkrecht zur Böschungskan-
te stehen. Die Verfahren setzen eine unendlich
lange Böschung voraus. Verschiedene Untersu-
7.6.1 Deterministische Verfahren
chungen ergaben jedoch, dass für gedrungene
Die deterministischen Verfahren sind so weit ent- Rutschkörper bei kurzen Böschungslängen der
wickelt, dass alle praktischen Aufgaben im ebene Spannungszustand nicht mehr gilt. Der
Straßendammbau gelöst werden können. ebene Spannungszustand liegt erst vor, wenn
77

die Böschungslänge l ≥ 2,5 h (h Böschungs- · Die Stabilität einer Böschung kann durch die
höhe) aufweist. Wahrscheinlichkeit ausgedrückt werden, dass
in einem vorgegebenen Zeitraum eine Rut-
· Beim Rutschvorgang muss über die gesamte
schung eintritt. Diese Bruchwahrscheinlichkeit
Gleitfläche die Scherfestigkeit τ = c + σ tan ϕ
hängt von einer Anzahl von Kenngrößen ab, wie
mobilisiert werden. Die am Rutschkörper an-
Böschungshöhe und -neigung, Rohwichte, Rei-
greifenden Kräfte (Eigengewicht, Verkehrslast,
bungswinkel, Kohäsion u. a.
Porenwasserdruck) müssen mit den Gleitflä-
chenreaktionen in der Schnittfläche im Gleich- · Die Auswertung kann z. B. nach der Monte-
gewicht stehen. Carlo-Methode erfolgen, eine numerische Me-
Die Böschungsbruchsicherheit wird anhand fol- thode zur Lösung mathematischer Probleme
gender Definitionen ermittelt: mit Hilfe der Modellierung von Zufallsgrößen.
Diese probabilistischen Verfahren sind in der Ent-
· Kräftevergleich wicklung und können in Zukunft neue Wege der
Böschungsberechnungen erschließen. Eine allge-
η = Bewegung entgegenwirkende Kräfte
Bewegung verursachende Kräfte meine unmittelbare und praxisgerechte Anwen-
dung ist zur Zeit jedoch nicht gegeben.
· Momentenvergleich Weiterführende Hinweise zu dieser Berechnungs-
methode finden sich beispielsweise beim CUR
η = Momente der widerstehenden Kräfte (1990).
Momente der bruchauslösenden Kräfte

· Schubspannungsvergleich 7.6.4 Empirische Verfahren

Zur Ermittlung der größtmöglichen Schütthöhe von


η = aufnehmbare Schubspannungen
vorhandene Schubspannungen Straßendämmen auf wenig tragfähigem Unter-
grund im Anfangszustand gibt die FGSV (1988) fol-
gende Näherungsformel an:
7.6.2 Finite-Elemente-Methode (FEM)

Die FEM ist ein verallgemeinertes Verfahren, mit


dessen Hilfe numerische Berechnungen zur Lö-
Der Tragfähigkeitsfaktor Ncβ hängt dabei vom Ver-
sung des Spannungs-Verformungsproblems kom-
hältnis der Schichtdicken h/d, der Böschungsnei-
plexer ingenieurtechnischer Aufgaben möglich
gung β und dem Reibungswinkel ϕ' des Damm-
sind. Einen allgemeinen Überblick zur FEM geben
baustoffes ab (Bild 7.5); γ ist die Wichte des
ZIENKIEWICZ (1977) sowie BATHE (1990) und eine
Dammbaustoffs.
zusammenfassende Abhandlung zu ihrer Anwen-
dung im Grund- und Erdbau findet sich bei GUß- Bei der Voruntersuchung genügt es, γ nach DIN
MANN/SCHAD (1990). 1055 zu wählen und mit dem Teilsicherheitsfaktor
ηγ = 1,1 zu erhöhen.
7.6.3 Probabilistische Verfahren

Die Grundlagen sind folgende:

· Die aus bodenmechanischen Kennwerten und


geometrischen Größen bestehenden Eingangs-
werte sind vom Typ her keine determinierten
Größen, sondern aufgrund ihrer Streuung Zu-
fallsgrößen, die den Gesetzen der Stochastik
unterliegen. Das gilt auch für die Ergebnisse der
Stabilitätsanalyse.

· Beide Gruppen von Zufallsgrößen, die Aus-


gangsvariablen und die Ergebnisvariablen, sind Bild 7.5: Ermittlung des Tragfähigkeitsfaktors Ncβ (FGSV, 1988)
über eine Kausalität miteinander verknüpft.
78

Bodenart Kompressionsbeiwert bei Pfahl O Pfahl


Erstbelastung Cc BRINCH-HANSEN p = 6,4 ⋅ cu ⋅ d p = 7,5 ⋅ cu ⋅ d
Torf 0,7 bis 3 WENZ p = 7,0 ⋅ cu ⋅ d p = 8,3 ⋅ cu ⋅ d
Mudde 0,2 bis 0,5 SCHENCK/SMOLTCZYK p = 2,5 ⋅ cu ⋅ d p = 3,6 ⋅ cu ⋅ d
Faulschlamm 0,4 bis 0,7
Seekreide 0,1 bis 0,2 Tab. 7.3: Ansätze für den Fließdruck p weicher bindiger Böden
auf einen Einzelpfahl (FLOSS, 1977)
Auelehm 0,1 bis 0,2
Klei, stark sandig 0,05 bis 0,15
Klei, stark organisch 0,2 bis 0,4
gen. Der mit c', ϕ' ermittelte Erddruck erhöht sich
dann um den gleichförmig verteilten Porenwas-
Tab. 7.2: Erfahrungswerte für Kompressionsbeiwerte Cc
serüberdruck.
(FGSV, 1988)

Ein häufiger Praxisfall ergibt sich bei Pfählen, die


Infolge der Zusammendrückung bzw. Konsolidie- weiche Bodenschichten durchdringen und dort
rung weicher bindiger Bodenschichten nimmt die quer zur Pfahlachse auf Querkräfte und Biegung
undränierte Scherfestigkeit cu zu. Die Zunahme durch Seitendruck beansprucht werden. Dabei
des cu-Wertes kann nach GUDEHUS (1981) in Ab- werden Schrägpfähle durch Setzungen der wei-
hängigkeit von der zum Zeitpunkt t1 erwarteten chen Schicht infolge der Auflast zusätzlich durch
oder eingetretenen Setzung bzw. der Porenzahlän- Quer- und Längskräfte beansprucht. Diese Pfahl-
derung (eo – e) und vom Kompressionsbeiwert Cc beanspruchungen können auch wesentlichen Ein-
mit Hilfe der Gleichungen 7.16 und 7.17 abge- fluss auf die Gesamtstandsicherheit des Bauwer-
schätzt werden. Die verringerte Porenzahl beträgt: kes ausüben. In diesen Fällen ist nicht nur die
e ≈ e0 – (1 + e0) ⋅ (S1 + S2)/d (7.16) Geländebruchsicherheit nach DIN 4084 längs
Gleitflächen unterhalb der Pfahlspitzen, sondern
Damit erhöht sich die undränierte Scherfestigkeit auch oberhalb unter Berücksichtigung des Seiten-
von cu0 auf oder Fließdrucks nachzuweisen. Die Wirkung des
Erddrucks auf das oberirdische Bauwerk ist auch
unterhalb der Pfahlkopfplatte zu verfolgen.

Ausführlich werden diese Beanspruchungsfälle von


Erfahrungswerte für den Kompressionsbeiwert cc
der FGSV (1994) behandelt. Die Tabelle 7.3 enthält
können Tabelle 7.2 entnommen werden.
einige aus der Literatur entnommene Ansatzwerte
Der Nachweis des Scherfestigkeitszuwachses ist für den Fließdruck p auf einen Einzelpfahl mit dem
über bauzeitliche Setzungsmessungen und Flü- Durchmesser d.
gelsondierungen in situ zu führen.
Eine Verminderung des Seitendrucks weicher bin-
diger Böden kann z. B. durch einen Teilbodenaus-
7.7 Einwirkungen auf Nachbarbau- tausch oder eine Bodenverbesserung erreicht wer-
werke den.

7.7.1 Seitendruck auf Bauteile


7.7.2 Negative Mantelreibung
Seitendruck weicher bindiger Böden auf Bauteile
entsteht dann, wenn der das Bauteil einschließen- Negative Mantelreibung entsteht, wenn sich eine
de Boden horizontale Verformungen erleidet. Der noch nicht auskonsolidierte Weichschicht in der
Seitendruck wird entweder als Differenz der Erd- Umgebung eines Bauwerkes oder Pfahles im Laufe
drücke auf die gegenüberliegenden Flächen oder der Zeit setzt. Infolge der hierdurch verursachten
als Fließdruck des Bodens, der das Bauwerk um- Relativverschiebung zwischen Boden und Pfahl
fließt, berechnet. Beide Werte werden mit charak- verursachen die sich setzenden Weichschichten
teristischen Bodenkenngrößen ermittelt. Der klei- und die darüber liegenden Bodenschichten eine
nere der beiden Werte ist maßgebend. nach unten gerichtete Mantelreibung auf den Pfahl
bzw. das Bauwerk, die so genannte negative Man-
Bei bindigen Böden, die nicht konsolidiert und
telreibung, welche den Pfahl zusätzlich belastet.
wassergesättigt sind und durch Auflasten schnell
belastet werden, ist der Einfluss des Porenwas- Nach BURLAND (1973) ergibt sich der Grenzwert
serüberdruckes auf den Erddruck zu berücksichti- der Mantelreibung vereinfacht zu
79

τmf = Ko ⋅ γ ⋅ z ⋅ tan ϕ' = β ⋅ σz (7.18) 8.2 Bundesstraße B 5


mit 8.2.1 Bauaufgabe
β = Ko ⋅ tan ϕ' = (1 - sin ϕ' ) ⋅ tan ϕ' (7.19) Um eine Entlastung der alten Ortsdurchfahrt zu er-
Formal ändert sich bei der negativen Mantelrei- reichen, sollte mit der Verlegung der Bundesstraße
bung lediglich das Vorzeichen in Gleichung B 5 zwischen Itzehoe und Wilster eine Ortsumge-
hung für Heiligenstedten geschaffen werden (Bild
-τmf = –β ⋅ σz (7.20) 8.1). Im Zuge dieser Verlegung war im Streckenab-
In weichen Bodenschichten, in denen die Verände- schnitt zwischen Bau-km 3+200 und 6+120 der
rung von Ko durch die Einbringung des Pfahles re- Unterbau der neuen Straße mit einem Regelquer-
lativ geringer als in festen Böden ist, hat sich die li- schnitt RQ12 entsprechend FGSV (1982) zu planen
neare Zunahme mit der Tiefe z entsprechend und herzustellen.

-τmf = Ko ⋅ γ ⋅ z ⋅ tan (-ϕ´) ≈ -0,25 ⋅ γ ⋅ z (7.21) Die Gradiente verläuft in diesem Streckenabschnitt
planmäßig auf Höhen zwischen rd. NN +0,1 m und
wie durch Messungen nachgewiesen, tatsächlich NN +2,3 m und damit etwa 1,9 m bis 2,6 m über
eingestellt (JOHANNESSEN/BJERRUM, 1965). dem Gelände.
Für die negative Mantelreibung macht die DIN Bei etwa Bau-km 3+353 und 3+390 kreuzt die neue
1054 folgende Angaben: Straße die vorhandenen Hochwasserschutzdeiche
der Bekau. Die Deichkrone liegt hier rd. 0,2 m unter
· bei Sandschüttungen: τmf = 20 kN/m2,
der Gradienten auf einer Höhe von ca. NN +2,1 m.
· bei erstbelasteten bindigen Böden: τmf = cu
bzw. τmf = σ' Ko tan ϕ'. 8.2.2 Geologische Randbedingungen
Man beachte, dass im Verlauf der Konsolidierung, Der Baugrund wurde im Bereich des v. g. Strecken-
welche die negative Mantelreibung verursacht, cu abschnittes durch Bohrungen gemäß DIN 4021
erhöht wird. Streng genommen müsste man also (1990) mit Endteufen von bis zu 16 m untersucht.
den Endwert von cu bei der Berechnung der nega- Die Ergebnisse dieses Baugrundaufschlusses wer-
tiven Mantelreibung berücksichtigen. den in GSP (1988) detailliert dargestellt und erläu-
tert. Die wesentlichen darin enthaltenen Darlegun-
gen bezüglich des Baugrundaufbaus sowie der Bo-
8 Beispiel einer durchgeführten deneigenschaften werden nachfolgend wiederge-
geben.
Baumaßnahme
Im Streckenabschnitt zwischen Bau-km 3+200 und
8.1 Einführung 5+770 wurden, ausgehend von der Geländeober-
fläche, im gesamten Erkundungsbereich holozäne
Ein typisches Beispiel für eine Straßenbaumaßnah-
Weichschichten aus Klei und Torf mit Einlagerun-
me auf wenig tragfähigem Untergrund stellt der
gen aus Wattsanden bis in Tiefen von maximal
Neubau eines Streckenabschnittes der Bundes-
14,4 m (Bau-km 4+770) unter Ansatzpunkt ange-
straße B 5 dar. Aufgrund planerischer Vorgaben
troffen. Dadurch dass die holozänen Weichschich-
sowie gegebener geologischer Randbedingungen
ten teilweise in Form kleiigen Torfes bzw. als torfi-
sind bei dieser Baumaßnahme unterschiedliche
ger Klei anstanden, waren die Übergänge vom Torf
Bauverfahren in Kombination angewandt worden.
zum Klei fließend.
Unter anderem wurde in einem Bauabschnitt von
etwa 380,0 m Länge ein Teilbodenaustausch im Von Bau-km 5+770 bis zum Ende der Baustrecke,
Trockenbetrieb, und zwar in Andeckbauweise, mit Ausnahme der Stationen Bau-km 5+810 und
durchgeführt. Die nachfolgenden Ausführungen 5+883, wurden ab der Ansatzhöhe überwiegend
beschreiben detailliert die geologischen Randbe- sandige Auffüllungen mit Mächtigkeiten zwischen
dingungen, die Baudurchführung (Bauverfahren, 1,5 m und 1,7 m erbohrt, welche wiederum von
zeitlicher Bauablauf, Baustoffe), die im Rahmen der den vorgenannten holozänen Weichschichten un-
Planung durchgeführten erdstatischen Nachweise, terlagert wurden. Unterhalb der organischen
die durchgeführten Kontrollmessungen sowie die Weichschichten wurden bis zur Endteufe der Boh-
angefallenen Baukosten der Baumaßnahme. rungen holozäne Sande angetroffen.
80

Bild 8.1: Übersichtsplan des neuen westlichen Streckenabschnittes der B 5 zwischen Wilster und Itzehoe (Bau-km 3+000 bis
6+120)

In den Streckenabschnitten zwischen Bau-km 0,1 m (Bau-km 5+370) und rd. 3,1 m (Bau-km
3+200 und dem Fluss Bekau sowie zwischen Bau- 5+570) unter Ansatzpunkt, bezogen auf Normal-
km 4+890 und 6+050 wurden oberflächennah, ört- Null auf Höhen zwischen ca. NN +0,2 m (Bau-km
lich ab 0,6 m unter Ansatzpunkt (Bau-km 5+130), 5+810) und ca. NN -4,3 m (Bau-km 5+530), ange-
Torfschichten mit Mächtigkeiten von bis zu 4,7 m troffen.
(Bau-km 5+170) festgestellt, die von Klei unterla-
gert werden. Der Grundwasserstand in den unteren holozänen
Sanden schwankte im Beobachtungszeitraum auf
In Bild 8.2 sind der Verlauf der Geländeoberkante
Höhen zwischen NN -0,45 m und NN -1,75 m.
sowie der Baugrundaufbau in Trassenachse exem-
plarisch für den Streckenabschnitt zwischen Bau-
Die auf Grundlage von Erfahrungen und durchge-
km 5+008 und 5+570 dargestellt.
führten bodenmechanischen Laborversuchen fest-
Auf bzw. innerhalb der holozänen Weichschichten gelegten Bodenkennwerte der anstehenden Böden
wurden Stauwasserstände in Tiefen zwischen rd. sind in der Tabelle 8.1 angegeben.
81

Bild 8.2: Baugrundaufbau in der Trassenachse

Bodenart Bodenklasse Wichte Scherfestigkeit Steifemodul Wassergehalt


(DIN 18300) γ/γ' ϕ' c' Es w
kN/m3 ° kN/m2 MN/m2 %
Torf 2/3 215 % ≤ w ≤ 708 %
je nach Wassergehalt Mittel aus 30 Versuchen:
200 % ≤ w ≤ 400 % 10,5/0,5 17,5 2 0,4 w = 384 %
w > 400 % 10,0/0 15 2 0,3
Basistorf 2/3 12/ 2 17,5 5 0,7
Klei 2/4 33,8 % ≤ w ≤ 73,0 %
verwittert 17/ 7 20 10 1,5 Mittel aus 17 Versuchen:
oberer Klei 15/ 5 17,5 10 0,8 bis 1,0 w = 53,6 %
humoser Klei mit
Übergängen zum Torf 13/ 3 15 5 0,6
134 % ≤ w ≤ 195 %
unterer Klei 16/6 17,5 10 1,2 Mittel aus 5 Versuchen:
w = 161 %
Wattsand 2/3 18/10 30 0 10 bis 15
Sand 3 19/11 35 0 30 bis 50
vorhandene sandige
Auffüllung 3 18/10 32,5 0 15 bis 25
Dammschüttung aus
verdichtetem Sand 3 19/11 35 0 40

Tab. 8.1: Maßgebende Bodenkennwerte der anstehenden Böden

8.2.3 Baumaßnahme Abschnitt Bauverfahren/Baustoffe


Bau-km 3+200 bis Bekaudeich Einbau von Vertikaldränagen, Poly-
Die Planung und Umsetzung der Baumaßnahme estervlies und Armierungsgewebe
waren insbesondere durch zeitliche Vorgaben Bau-km 4+000 bis Bau-km 4+820 Polyestervlies und Armierungs-
sowie strenge Vorgaben hinsichtlich der Bau- und gewebe
Unterhaltskosten geprägt. Aufgrund dieser Maßga- Bau-km 4+820 bis Bau-km 5+070 Einbau von Vertikaldränagen, Poly-
estervlies und Armierungsgewebe
ben sind, unter Berücksichtigung der geologischen
Bau-km 5+070 bis Bau-km 5+110 Übergangsbereich: Teilbodenaus-
und bauwerksseitigen Randbedingungen, ver- tausch und Einbau von Vertikal-
schiedene Bauverfahren bzw. Verfahrenskombina- dränagen
tionen bei diesem Bauvorhaben zum Einsatz ge- Bau-km 5+110 bis Bau-km 5+490 Teilbodenaustausch und Einbau von
Armierungsgewebe
kommen, die nachfolgend kurz erläutert werden.
Bau-km 5+490 bis Bau-km 5+530 Übergangsbereich: Teilbodenaus-
tausch und Einbau von Vertikal-
Bauverfahren dränagen
Bau-km 5+530 bis Bau-km 6+120 Einbau von Vertikaldränagen, Poly-
Einen Überblick auf die in den einzelnen Strecken- estervlies und Armierungsgewebe
abschnitten angewandten Bauverfahren gibt Tabel- Tab. 8.2: Angewandte Bauverfahren in den einzelnen Teilab-
le 8.2. schnitten der Baumaßnahme
82

Bild 8.3: Querschnitt des Straßendammes im Bereich des Bodenaustausches (Bau-km 5+110 bis 5+490)

Maßgebend für die im Verlauf der Trasse örtlich un- größeren Sandeinlagerungen in den holozänen
terschiedliche Anwendung von Bauverfahren Weichschichten vorhanden waren, konnte ein Was-
waren die Höhenlage der Torfschichten unterhalb serandrang aus dem unteren Grundwasserleiter in
der Geländeoberkante sowie deren Mächtigkeit. die Baugrube vermieden werden. Hierdurch war ein
Bodenaustausch im Trockenen möglich, der aller-
Da die Dammhöhe über dem bestehenden Gelän-
dings Zug um Zug erfolgen musste, um das Auftre-
de im Endzustand maximal etwa 2,6 m betrug,
ten eines hydraulischen Grundbruches zu verhin-
konnte der Straßendamm daher mit Ausnahme des
dern.
Streckenabschnitts zwischen Bau-km 5+070 und
5+530 auf dem vorhandenen Gelände standsicher Um horizontale Schubverformungen infolge der in
gegründet werden. Hierbei wurde nach Abtrag des der Dammsohle auftretenden Spreizspannungen
Oberbodens zunächst ein als Trennschicht dienen- zu vermeiden, wurde ein Armierungsgewebe über
des vernadeltes Polyestervlies über der Dammauf- die Länge des gesamten Bauabschnittes in Höhe
standsfläche verlegt, auf das anschließend der des Dammlagers eingelegt (Bild 8.3).
Straßendamm geschüttet wurde. Zur Reduzierung
der Konsolidationszeiten für die Primärsetzungen Zur Verkürzung der Konsolidierungsphase wurde
wurden in einigen Bereichen zusätzlich Vertikaldrä- im gesamten Bauabschnitt eine etwa 1,5 m dicke
nagen in einem Dreiecksraster mit Abständen von Überschüttung auf den Straßendamm aufgebracht,
ca. 2,0 m angeordnet. welche erst kurz vor Beginn der Oberbauarbeiten
entfernt wurde.
Zur Verminderung von Sekundärsetzungen und
Schubverformungen, die aus den Torfeinlagerun-
gen hätten resultieren können, wurde im Strecken- Zeitlicher Bauablauf
bereich zwischen Bau-km 5+110 und 5+490 nach
dem Oberbodenabtrag ein Bodenaustausch von Die Dauer der Bauarbeiten für den kompletten
ca. 3,5 m bis 4,0 m unter Gelände vorgenommen. Bauabschnitt betrug von der Baustelleneinrichtung
Dabei wurden die Übergange zu den Bereichen bis zur Fertigstellung der Überschüttung etwa 10
ohne Bodenaustausch unter einer Neigung von Monate. Nach einer Liegezeit der Überschüttung
etwa 1:10 ausgebildet und ebenfalls mit Verti- von etwa 2 Jahren wurde die Restauflast innerhalb
kaldränagen ausgestattet. Im Querschnitt erfolg- einer Woche entfernt und das Planum für den
te der Bodenaustausch über die volle Breite des Straßenoberbau geschaffen. Somit kann ein Zeit-
Dammlagers, einschließlich eines unter 45° an- raum von rd. 3 Jahren, der bis zur Schaffung des
genommenen seitlichen Druckausstrahlungsberei- Planums für den Straßenoberbau benötigt wurde,
ches. Das Bild 8.2 zeigt den Geländelängsschnitt in als Gesamtdauer der Erdbaumaßnahme angege-
Trassenachse und das Bild 8.3 den Querschnitt ben werden. Die jeweiligen Zeitspannen der einzel-
des Erdbauwerks im Bereich des Teilbodenaustau- nen Bauphasen können der folgenden Aufzählung
sches. Da im Bereich des Bodenaustausches keine entnommen werden.
83

I. Vorbereitende Arbeiten VI. Herstellen des Straßenplanums


Zeitraum: November 1988 bis März 1989 Zeitraum: September 1991
Tätigkeiten: Tätigkeiten:

· Baustelle einrichten · Abtrag der Restüberschüttung


· Freimachen des Baufeldes von Bäumen und · Herstellen des Planums für den Straßeno-
Sträuchern berbau
· Abtragen des Mutterbodens
· Höhenausgleich der Geländeoberkante und Baustoffe
Anlegen der Kehrgewende
· Verlegen eines Polyestervlieses als Trenn- Bei der Baumaßnahme wurden die nachfolgend
schicht zwischen Dammschüttung und Un- genannten Baustoffe verwendet.
tergrund außerhalb des Bodenaustauschbe-
I. Trennvlies
reiches Material: endlos vernadeltes Polyestervlies
· Aufbringen einer etwa 0,5 m dicken Sand- Materialeigenschaften:
schicht als Arbeitsebene außerhalb des Bo-
denaustauschbereiches · Flächengewicht: ca. 300 g/cm3
· Streifenzugfestigkeit nach DIN 53857
II. Baugrundverbesserungsmaßnahmen · Kette ≥ 1500 N/10 cm
Zeitraum: März 1989 bis Juni 1989 · Schuss ≥ 2000 N/10 cm
Tätigkeiten: · Dehnung: ≥ 20 %
· Teilbodenaustausch im oben genannten
· Stempeldruckfestigkeit nach DIN 54307
Streckenabschnitt (Tab. 8.2)
· N 25 % (x-s) > 2500 N
· Einbau der Vertikaldränagen in den vorge-
· Wasserdurchlässigkeit bei 20 cm Wasser-
säule: K ≥ 2 ⋅ 10-3 m/s
nannten Bereichen (Tab. 8.2)
· Einbau des Armierungsgewebes in Höhe der II. Teilbodenaustausch, Damm und Überschüttung
Dammaufstandsfläche, rechtwinklig zur Material: grobkörniger Boden der Bodengruppe
Straßenachse SI, SW, SE, GI, GW oder GE nach DIN 18196
· Herstellung der Deichkreuzung Verdichtung: Der geforderte Verdichtungsgrad
von ρPr ≥ 97 % wurde geprüft und eingehalten.
III. Messeinrichtungen
Zeitraum: Mai 1989 bis Juni 1989 III. Vertikaldräns
Tätigkeiten: Material: Kunststoffdräns
Materialeigenschaften:
· Einbau von jeweils vier über den Dammquer-
schnitt verteilten Platten- bzw. Stangenpe- · unbekannt
geln in Höhe der Dammsohle IV. Armierungsgewebe
Material: Stabilenka 200
IV. Dammschüttung (1. Schüttstufe)
Materialeigenschaften:
Zeitraum: Juni 1989
Tätigkeiten: · Reißfestigkeit ≥ 200 kN/m bei einer Dehnung
von rd. 10 %
· Schüttung des Straßendammes bis auf Gra-
· Kriechmaß bei 50%iger Belastung ≤ 2 % in-
dientenhöhe
nerhalb von 2 Jahren
· Schütt- und Liegezeit der Dammschüttung
etwa 3 bis 4 Monate
8.2.4 Rechnerische Nachweise
V. Aufbringen der Überschüttung (2. Schüttstufe)
Im Rahmen der Entwurfs- und Ausführungspla-
Zeitraum: September 1989
nung wurden verschiedene erdstatische Berech-
Tätigkeiten:
nungen durchgeführt. Erstens war hiermit die
· Aufbau der Überschüttung von h = 1,5 m Standsicherheit des Erdbauwerkes in allen Bauzu-
über Gradiente ständen nachzuweisen bzw. umgekehrt der Bau-
· Schütt- und Liegezeit der Überschüttung ablauf festzulegen (z. B. maximale Schütthöhen,
etwa 24 Monate Liegezeiten usw.). Zweitens waren die zu erwarten-
84

den Endsetzungen und die relevanten Setzungs- Die Nachweise belegten, dass die gewählte
zeiträume für den Straßendamm zu prognostizie- Konstruktion auch langfristig ausreichend
ren. standsicher sein würde.

Die nachfolgende Aufzählung der wichtigsten


durchgeführten Nachweise erfolgt ohne Erläute- Verformungsberechnungen
rung von Berechnungsdetails, da sie lediglich dem
I. Setzungsberechnung
Zwecke dient, einen Überblick auf die im Rahmen
der Planung zu führenden Nachweise zu geben. Unter Zugrundelegung der in Tabelle 8.1 ge-
nannten Bodenkennwerte wurden für verschie-
dene Punkte des Bauabschnittes Setzungsbe-
Standsicherheitsnachweise
rechnungen mit dem Ziel durchgeführt, die
I. Standsicherheit der Dammschüttung für den Größenordnung der zu erwartenden Gesamt-
Anfangszustand (1. Schüttstufe) setzungen zu ermitteln. In den Berechnungen
wurde der jeweilige örtliche Baugrundaufbau
Zur Ermittlung der maximalen Schütthöhe in der
berücksichtigt.
ersten Schüttstufe wurden Standsicherheitsun-
tersuchungen für die Bereiche zwischen Bau- II. Konsolidierungsberechnung
km 3+200 bis zur Bekau, hier wasserseitig des
Mit der Konsolidationsberechnung mussten im
Bekaudeiches, und zwischen Bau-km 4+000
Wesentlichen drei Fragen beantwortet werden.
bis 6+120 durchgeführt. Es wurde die Schüt-
Zunächst war die Liegezeit der ersten Schütt-
tung des Dammes in einem Zuge bis in Gradi-
stufe abzuschätzen, welche erforderlich sein
entenhöhe mit und ohne Armierungsgewebe in
würde um den zum standsicheren Aufbringen
der Dammsohle untersucht.
der Überschüttung notwendigen Konsolidie-
Daraus ergab sich, dass die erste Schüttung bis rungsgrad zu erreichen. Außerdem war die Lie-
auf Höhe der späteren Gradiente in einem Zuge gezeit der zweiten Schüttstufe abzuschätzen, in
auch ohne Armierungsgewebe möglich sein der die Konsolidierungssetzungen weit gehend
würde. abgeklungen sein würden, und letztendlich war
der Betrag der Restsetzung abzuschätzen, der
II. Standsicherheit der Dammschüttung für den
nach Abtrag der Überschüttung noch zu erwar-
Zwischenzustand (2. Schüttstufe)
ten war.
Mit dem Ziel, den zum Aufbringen der Über-
Die Ergebnisse waren, dass die Überschüttung
schüttung erforderlichen Konsolidierungsgrad
des Dammes um rd. 1,5 m frühestens nach
zu ermitteln, wurden in den beiden genannten
einer Schütt- und Liegezeit der ersten Schütt-
Bauabschnitten weitere Geländebruchuntersu-
stufe von 3 bis 4 Monaten möglich sein würde,
chungen für die zweite Schüttstufe durchge-
dass die Konsolidierungssetzungen unter der
führt. Dabei wurde die Überschüttung in einem
Auflast der zweiten Schüttstufe nach etwa 2
Zuge um rd. 1,5 m über der Gradientenhöhe un-
Jahren weit gehend abgeklungen sein würden
tersucht.
und dass nach Abtrag der Überschüttung mit
Hieraus folgte, dass der Konsolidierungsgrad Restsetzungen in der Größenordnung von unter
des Untergrundes frühestens nach einer i. M. 30 cm gerechnet werden musste.
Schütt- und Liegezeit der ersten Schüttstufe
von 3 bis 4 Monaten ausreichend sein würde, 8.2.5 Setzungsmessungen
um den Damm um rd. 1,5 m überschütten zu
Mit der Durchführung von Setzungsmessungen bis
können.
zur Fertigstellung des Unterbaus der neuen Straße
III. Standsicherheit der Dammschüttung für den wurden im Wesentlichen vier Ziele verfolgt:
Gebrauchszustand
· Aufgrund der nur punktuell durchgeführten Bau-
In den beiden genannten Bauabschnitten wurde grundaufschlüsse war nicht auszuschließen,
außerdem die langfristige Standsicherheit des dass örtlich Abweichungen zu dem festgestell-
Erdbauwerkes für den Gebrauchszustand unter ten Baugrundaufbau vorhanden waren. Ein lo-
Berücksichtigung von Verkehrslasten unter- kales Versagen in Form von Geländebrüchen
sucht. war demnach, insbesondere im Hinblick auf die
85

geringe Anfangsstandsicherheit, nicht vollkom- des Untergrundes auftreten, ist das tatsächlich
men auszuschließen. Das erste Ziel der Mess- eingebrachte Schüttvolumen nur unter Berück-
aufgabe bestand daher darin, die aktuelle sichtigung der Setzungen zu ermitteln.
Standsicherheit der Dammschüttung zu jedem
Aus den genannten Gründen wurde ein Messpro-
Zeitpunkt der Bauausführung beurteilen zu kön-
gramm aufgestellt, welches nach Art und Umfang
nen.
an dieser Stelle kurz beschrieben wird. Die wesent-
· Im zweiten Teil der Messaufgabe galt es, den lichen Messergebnisse werden ebenfalls exempla-
kürzestmöglichen Liegezeitraum des Dammes risch wiedergegeben.
vor Aufbringen der Überschüttung zu bestim-
men. Nach der Dammschüttung war anhand Messeinrichtungen, Messstrecke und Anordnung
der Messergebnisse der erreichte Konsolidie- der Messpunkte
rungsgrad abzuschätzen und der Zeitpunkt der
weiteren Schüttung festzulegen. Für die Setzungsmessungen wurden Stangenpegel
eingesetzt. Die Setzungspegel bestehen aus einer
· Der dritte Teil der Messaufgabe bestand darin, Betonplatte mit Verankerungsteil und verlängerba-
die Setzungen und Setzungsdifferenzen nach ren Messstäben sowie PVC-Schutzrohren.
dem Aufbringen der Überschüttung zu kontrol-
lieren. Die Setzungsmessungen sollten zu Aus- Insgesamt wurden 164 Messpegel im Streckenab-
sagen darüber führen, ab welchem Termin die schnitt zwischen Bau-km 4+000 und 5+700 einge-
Überschüttung abgetragen und mit der Herstel- baut. Davon lagen 56 Stück im Abschnitt des Teil-
lung des Straßenplanums begonnen werden bodenaustausches einschließlich der Übergangs-
konnte, ohne dass anschließend noch größere bereiche (Bild 8.4). Die Pegel waren in Messquer-
Setzungsdifferenzen entstehen. schnitten angeordnet, deren Achsabstand unter-
einander rd. 40 m betrug. Jeder dieser Messquer-
· Das vierte Ziel der Messaufgabe war schließ- schnitte bestand aus vier Einzelpegeln, die über
lich, eine Grundlage für die Ermittlung der den Dammquerschnitt verteilt installiert waren. Je
tatsächlich geschütteten Bodenmassen zu lie- zwei der Stangenpegel waren an den Dammfüßen
fern. Die Aufschüttung eines Dammes erfolgt im und die anderen zwei im Bereich der Dammschul-
Allgemeinen immer auf ein vorgegebenes tern angeordnet. Das Setzen der Pegel erfolgte un-
Höhenniveau. Da jedoch schon während des mittelbar nach Einbau des Armierungsgewebes auf
laufenden Aufschüttvorganges Verformungen Höhe der 2. Basislinie (Bild 8.3).

Bild 8.4: Anordnung der Messquerschnitte im Bereich des Teilbodenaustausches


86

Messzeitraum und Durchführung der Messungen Zeitraum von zwei Jahren, d. h. bis zum Ende der
Liegezeit der Überschüttung, in regelmäßigen Ab-
Unmittelbar nach der Installation der Stangenpegel
ständen Folgemessungen an den Stangenpegeln
erfolgte deren lage- und höhenmäßige Einmes-
in den Achsen unterhalb der Dammschultern (Rei-
sung. Nach dieser Nullmessung sind über einen
hen P 2 und P 3 in Bild 8.3) durchgeführt worden.
Über diesen Zeitraum hinaus liegen keine brauch-
baren Messergebnisse vor.

Die Setzungen, welche während des Teilbodenaus-


tausches eingetreten sind, wurden nicht ermittelt.
Lediglich für den kurzen Zeitraum zwischen dem
Ende des Teilbodenaustausches und dem Beginn
der Dammaufschüttung wurde von der bauaus-
führenden Firma auf der Strecke zwischen den Sta-
tionen km 5+100 und km 5+500 eine mittlere Set-
zung der OK Bodenersatz von rd. 34 cm durch
Geländenivellement ermittelt.

Auch die Setzungen der Stangenpegel wurden mit-


tels Nivellement gemessen.

Zusammenfassung der Messergebnisse

In Bild 8.5 sind für den vorstehend erwähnten


Messzeitraum exemplarisch die Zeit-Setzungsver-
läufe von 4 Pegelpaaren dargestellt. Die repräsen-
tierten Zeit-Setzungslinien markieren die in der
Darstellung besonders angedeutete obere und un-
tere Grenze des mit den Messungen aller Pegel
Bild 8.5: Zeit-Setzungsverläufe ausgesuchter Messpunkte vom
Beginn der Dammschüttung bis zum Ende der Liege- festgestellten Setzungsbereiches; alle übrigen Zeit-
zeit der Überschüttung Setzungslinien liegen zwischen diesen Grenzen.
Somit ergaben sich vom Beginn der Dammschüt-
tung bis zum Ende der Liegezeit der Überschüt-
tung Setzungen in dem betrachteten Bereich zwi-
schen rd. 48 cm und rd. 81 cm. Deutlich erkennbar
ist die Zunahme der Setzungsgeschwindigkeiten
an den einzelnen Messstellen zum Zeitpunkt des
Beginns der Überschüttung.

Bild 8.6 zeigt die Setzungsverläufe in der Längsab-


wicklung des Bodenaustauschbereiches. Darge-
stellt sind die Setzungen zu den in Bild 8.5 mit (2),
(3) und (4) benannten Zeitpunkten. Bis zum Ende
der Dammschüttung ergaben sich im Mittel rd. 7
cm Setzung im Austauschbereich. Zu Beginn der
Überschüttung lag die mittlere Setzung bei rd. 20
cm und zum Ende der Liegezeit der Überschüttung
war im Mittel eine Setzung von rd. 65 cm erreicht.
Das Diagramm verdeutlicht weiterhin, dass die Set-
zungen in den verschiedenen Messquerschnitten
insgesamt sehr gleichmäßig verliefen und nur an
wenigen Messstationen deutliche Setzungsdiffe-
Bild 8.6: Setzungsverläufe in den beiden Längsachsen (P 2 und renzen in Querrichtung auftraten (z. B. Station km
P 3) unterhalb der Dammschultern 5+460 – Pegel 146 und 147).
87

8.2.6 Baukosten Gesamtkosten Netto DM 1.360.840,--


MwSt. 15 % DM 204.126,--
In diesem Kapitel werden die Gesamtmengen und
Brutto DM 1.564.866,--
die resultierenden Kosten für die wesentlichen Po-
sitionen der Erd- und Entwässerungsarbeiten im Bezogen auf einen Kubikmeter Austauschvolumen
Bereich des Bodenaustausches inklusive der Über- beliefen sich die Nettokosten demnach auf etwa
gangsbereiche (Bau-km 5+070 bis 5+530) zusam- DM 26,--.
mengestellt. Die genannten Nettokosten sind aus
den Abrechnungsunterlagen und die angegebenen 8.2.7 Deichkreuzung
Gesamtmengen aus den dazugehörigen Mengen-
ermittlungen der Aufmaße ermittelt worden. Bei etwa Bau-km 3+353 und 3+390 kreuzt die neue
Straße die vorhandenen Hochwasserschutzdeiche
Kostenzusammenstellung: der Bekau. Bild 8.7 zeigt die Baumaßnahme sche-
1. Baustelle einrichten und räumen matisch in der Draufsicht und im Querschnitt.
pauschal DM 23.000,-- Um in der Deichkreuzung einen ausreichend stand-
2. Vollflächiger Bodenabtrag im Querprofil festen Unterbau gewährleisten zu können, wurde
15.360 m2 DM 192.000,-- im Bereich der Deichkrone ein Bodenaustausch
durchgeführt. Hierbei wurde der Klei des Deiches
3. Baugrube herstellen bis etwa 1,5 m unter Gradiente abgetragen und
(Teilauskofferung im Trockenen) durch den Boden der neuen Dammschüttung er-
52.200 m3 DM 290.000,-- setzt.
4. Austauschboden liefern und einbauen Gleichzeitig war sicherzustellen, dass zu jedem
52.200 m3 DM 350.000,-- Zeitpunkt der Kreuzungsbaumaßnahme ein ausrei-
5. Armierungsgewebe liefern und einbauen chender Hochwasserschutz gegeben war. Zu die-
9.520 m2 DM 104.720,-- sem Zweck wurde im Kreuzungsbereich eine
Spundwand in der Deichachse eingebaut. Diese
6. Aufbau des Dammes und der Überschüttung
(Boden liefern und einbauen)
Damm 20.713 m3
Überhöhung 8.300 m3
Setzungsanteil 3.154 m3
gesamt 32.167 m3 DM 268.590,--
7. Kunststoffdräns liefern und einbauen
9.100 m DM 18.930,--
8. Stangenpegel liefern und einbauen
56 Stck. DM 8.400,--
9. Verlängerungsrohre für die Stangenpegel
56 Stck. DM 1.540,--
10. Entwässerungsmulden anlegen
1.380 m DM 5.720,--
11. Anspritzen der Dammoberfläche zur Siche-
rung gegen Oberflächenerosion
13.400 m2 DM 13.400,--
12. Dränanlage anlegen DM 63.000,--
13. Abtragen der Restüberschüttung
5.000 m3 DM 20.000,--
Bild 8.7: Schematisierte Darstellung der Baumaßnahme in den
14. Herstellen des Planums Kreuzungsbereichen des neuen Straßendammes mit
den Hochwasserschutzdeichen der Bekau (Bau-km
6.240 m2 DM 1.540,-- 3+353 und 3+390)
88

Spundwand bindet seitlich neben dem Straßen-


dammquerschnitt etwa 5 m und unterhalb des
Austauschkörpers etwa 3 m in den vorhandenen
Kleideich ein.

9 Fallbeispiele
Bild 9.1: Systemquerschnitt
9.1 Einführung
Im vorliegenden Kapitel werden die Ergebnisse von Bodenart Schichtmächtigkeit

exemplarisch durchgeführten Standsicherheits- Verwitterungszone 0,5 m


Torf 3,5 m
und Verformungsberechnungen für einen Boden-
Klei 4,0 m
austausch in einer frei geböschten Baugrube dar-
Sand ≥ 27,0 m
gestellt. Aus der Kombination aller der Aufgaben-
stellung zu Grunde liegenden variablen Eingangs- Tab. 9.1: Bodenaufbau des Profils BI
größen (Geometrie, Bodenaufbau und Bodenkenn-
werte) sich ergebenden sehr hohen Zahl an mögli- 9.2.2 System
chen Fallbeispielen werden sinnvollerweise nur
Bei dem Querschnitt des Dammes handelt es sich
ausgewählte Beispiele betrachtet. Im Kapitel 9.2
um einen Regelquerschnitt RQ 26 mit einer Höhe
wird das Fallbeispiel eines teilweisen Bodenaus-
von 4 m, einer Dammkronenbreite von 26 m und
tausches für ein vorgegebenes Bodenprofil voll-
einer Böschungsneigung von 1:1,5.
ständig erläutert. Ziel ist es, einerseits den Umfang
der zu führenden Betrachtungen sowie die Variati- Der Austauschkörper hat eine Tiefe von 4 m und
onsbreite der möglichen Baumaßnahmen zu ver- seine Querschnittsabmessungen sind entspre-
deutlichen und andererseits die notwendigen rech- chend den in Bild 4.16 dargestellten Regeln festge-
nerischen Nachweise in der Anwendung vorzu- legt worden. Die Geometrie des Systems ist in Bild
führen. Im Kapitel 9.3 hingegen werden die Ergeb- 9.1 dargestellt.
nisse von Setzungsberechnungen an Bodenaus-
tauschmaßnahmen für verschiedene ausgesuchte
Boden- und Dammaufbau
Fallbeispiele mit dem Ziel erläutert, den Einfluss
der wesentlichen Eingangsgrößen (Bodenprofil, Als Bodenprofil wird das Profil BI mit den in Tabel-
Dammhöhe und Austauschtiefe) auf die zu erwar- le 9.1 angegebenen Bodenarten und Schichtmäch-
tenden Setzungen zu verdeutlichen. tigkeiten gewählt.
Die Frage der Standsicherheit der Aushubbaugru- Als Ersatzmaterial wird Sand angenommen, der mit
ben wird in Kapitel 9.4 erörtert. Im Kapitel 9.5 wer- seinen Materialeigenschaften dem Dammbaustoff
den Beispiele für das Zeit-Setzungsverhalten beim entspricht. Grundwasser steht bis 0,5 m unter
Teilbodenaustausch gegeben und die gemessenen Geländeoberkante an.
Setzungen im Bereich der Bundesstraße B 5 (vgl.
Kapitel 8) mit den Ergebnissen der Fallbeispiele
verglichen. Bodenkennwerte

Die in den Berechnungen anzusetzenden Boden-


9.2 Fallbeispiel mit Standsicherheits- kennwerte der verschiedenen Böden sind in Tabel-
und Setzungsberechnungen le 9.2 dargestellt.

Die Standsicherheitsberechnungen für die Baupha-


9.2.1 Allgemeines
sen und den Anfangszustand des Dammes erfol-
Nachfolgend werden für einen Straßendamm, der gen nach der ϕ=0-Analyse (DIN 4084), d. h. mit der
auf einer Polstergründung im Bodenaustauschver- Scherfestigkeit cu für undränierte Bedingungen.
fahren hergestellt wird, Standsicherheitsberech- Die Standsicherheitsnachweise für das Langzeit-
nungen für den Anfangszustand und den Endzu- verhalten des fertig gestellten Dammes erfolgen
stand sowie Setzungsberechnungen durchgeführt. nach der ϕ'/c'-Analyse, d. h. mit der Scherfestig-
Im Bau- und Endzustand wird eine Verkehrs- keit für konsolidierte, dränierte Untergrundbedin-
flächenlast von p = 10 kN/m2 angesetzt. gungen ϕ', c'.
89

Bodenart γ γ‘ ϕ' c‘ cu Es [MN/m3] bei σ = k–Werte [m/s] bei σ =


40 kN/m2 80 kN/m2 160 kN/m2 40 kN/m2 80 kN/m2 160 kN/m2
kN/m3 kN/m3 ° kN/m2 kN/m2 MN/m2 MN/m2 MN/m2 m/s m/s m/s
Sand/
Dammbau-
stoff 19 11 35 0 0 100 1 E-05
Verwitte-
rungszone 16 6 27,5 5 30 0,56 0,80 1,13 7 E-10 4 E-10 2 E-10
Torf 2 11,5 2 10 5 15 0,21 0,30 0,42 1 E-08 5 E-09 1 E-09
Klei 2 15 5 20 7,5 15 0,42 0,60 0,85 1 E-09 5 E-10 2 E-10
Seekreide 2 19 11 27,5 0 25 7,1 10 14,1 4 E-09 1 E-09 2 E-10
See-/
Beckenton 2 21 12 25 5 20 10,6 15 21,2 2 E-11 1 E-11 5 E-12

Tab. 9.2: Bodenkennwerte der in den Fallbeispielen anzusetzenden Böden

Den Setzungsberechnungen liegen die in Abhän- Die einzelnen Zustände werden im Folgenden kurz
gigkeit vom Spannungszustand ermittelten Steife- beschrieben und die dazugehörigen Berechnungs-
moduli entsprechend dem Verfahren der Setzungs- ergebnisse für den Bauzustand I in Tabelle 9.3 und
ermittlung mit Hilfe der lotrechten Spannungen im für den Bauzustand II als auch für den Anfangs-
Boden (DIN 4019) zugrunde. und den Endzustand nach Dammfertigstellung in
Tabelle 9.4 zusammengefasst.

9.2.3 Erdbaustatik
Bauzustand I
Der Bauablauf gestaltet sich grob wie nachstehend
beschrieben. Zunächst werden die Verwitterungs- Im Bauzustand wird der anstehende Boden unter
einer Böschungsneigung von 1:1 bis in 4 m Tiefe
zone und der Torf vollständig ausgehoben und
ausgehoben.
durch Sand ersetzt. Anschließend wird der Stra-
ßendamm in zwei Stufen aufgeschüttet. Die Standsicherheitsbetrachtungen werden im wei-
teren für zwei verschiedene im Straßenbau übliche
Für die unterschiedlichen Bauzustände, den An-
Bodenersatzverfahren durchgeführt.
fangs- und Endzustand werden entsprechende
Standsicherheits- und Setzungsberechnungen · Verfahren mit Austausch unter Wasser (vgl. Ka-
durchgeführt. pitel 4.5.3).

· Verfahren mit Austausch im Trockenen (vgl.


Betrachtete Bauzustände Kapitel 4.5.2).
Folgende Bauzustände werden betrachtet: · Bodenaustausch unter Wasser
· Bauzustand I: Aushub bis auf 4 m Tiefe; Bau- Beim Verfahren mit Austausch unter Wasser
grube frei geböscht wird das Grundwasser, welches bis 0,5 m unter
der Geländeoberkante ansteht, nicht abge-
Im Anschluss an den Aushub erfolgt das Einbrin- senkt. Der Aushub und der Einbau des Ersatz-
gen des Ersatzkörpers in einem Zug und danach materials finden vollständig unter Wasser statt.
das Aufbringen der ersten Schüttstufe des Stra- Während der Aushubarbeiten muss dabei stän-
ßendammes. dig Wasser zugegeben werden, um die Auf-
bruchsicherheit an der Aushubsohle zu gewähr-
· Bauzustand II: Aufschüttung auf eine Höhe
leisten.
von h = 2,5 m

Nach einer Liegezeit von 4 1/2 Monaten erfolgt das


· Bodenaustausch im Trockenen
Aufbringen der zweiten Schüttstufe bis auf eine Beim Verfahren mit Austausch im Trockenen sind
Höhe von h = 4,6 m. Darin ist eine Überschüttung hinsichtlich des nahe unter der Geländeoberkan-
zum Ausgleich der zu erwartenden Konsolidations- te anstehenden Grundwasserdruckniveaus
setzungen enthalten. grundsätzlich zwei Fälle zu unterscheiden:
90

a) ohne Grundwasserabsenkung Anfangsstandsicherheit nach Baufertigstellung


Der anstehende Boden wird im Andeckver-
Nach den 4 1/2 Monaten Liegezeit der ersten
fahren, d. h. kleinräumig „Zug um Zug“ steil
Schüttstufe wird der Damm um weitere 2,3 m auf
geböscht, bis in die gewählte Tiefe ausgeho-
eine Gesamthöhe h = 4,6 m aufgeschüttet. Die An-
ben und anschließend wird der Ersatzboden
fangsstandsicherheit beträgt η = 1,37 bei einer un-
unverzüglich wieder verfüllt. Wegen des
dränierten Scherfestigkeit des Kleis von cu = 25
dabei wirksamen räumlichen Spannungszu-
kN/m2 (s. Anlage 09048/4).
standes (Gewölbewirkung) kann auf einen
Standsicherheitsnachweis verzichtet werden.
Endstandsicherheit
b) mit Grundwasserabsenkung
Vor Beginn des Aushubs wird das Grund- Nach vollständiger Konsolidation des Kleis durch
wasser bis auf ein Druckniveau abgesenkt, die Auflast aus Damm und Austauschkörper be-
bei dem bezogen auf das Aushubniveau eine trägt die Endsetzung rd. s = 60 cm. Dabei hat der
ausreichende Auftriebssicherheit herrscht. Damm rechnerisch seine Endhöhe von h = 4,0 m
erreicht. Die Standsicherheit im Endzustand – d. h.
Die Ergebnisse der Standsicherheitsberechnungen
unter Ansatz der effektiven Scherparameter des
für den Bauzustand I bei beiden Verfahren sind in
Kleis von c’ = 7,5 kN/m2 und ϕ’ = 20° für konsoli-
Tabelle 9.3 angegeben. Die Systemdarstellungen
dierte dränierte Verhältnisse – beträgt η = 1,67
und einzelne Teilergebnisse sind in den Anlagen
(s. Anlage 09048/5). Tabelle 9.4 gibt einen
09048/1 und 2 enthalten.
Überblick auf die Berechnungsergebnisse für den
Für beide Verfahren kann eine ausreichende Stand- Bauzustand II sowie für den Anfangs- und Endzu-
sicherheit im Bauzustand I (Lastfall 2 gemäß DIN stand nach Dammfertigstellung.
1054) von ηerf ≥ 1,3 nachgewiesen werden.
Die rechnerische Überprüfung hat ferner gezeigt,
dass eine Aufschüttung des Straßendammes in
Bauzustand II einem Zug auf eine Höhe von h = 4,0 m nicht mög-
lich ist, da hierbei lediglich eine Anfangsstandsi-
Nach Einbau des Ersatzmaterials wird der Damm
cherheit von η = 1,00 < 1,3 = ηerf. vorhanden ist.
auf eine Höhe von h = 2,5 m aufgeschüttet. Die An-
Aus diesem Grunde wird der oben beschriebene,
fangsstandsicherheit dieser Aufschüttung beträgt
stufenweise Bauablauf gewählt.
η = 1.41 (s. Anlage 09048/3). Die unterhalb des
Austauschkörpers verbliebene Kleischicht beginnt
aufgrund der höheren Auflast aus dem Damm und 9.2.4 Bewertung
des Austauschkörpers zu konsolidieren und setzt
sich innerhalb einer Liegezeit von 4 1/2 Monaten Der Teilbodenaustausch der setzungsempfindlichen
um rd. s = 20 cm. Die Höhe des Dammes beträgt oberen Torfschicht ist technisch machbar und wirt-
nach dieser Liegezeit daher lediglich noch rd. schaftlich vertretbar, bedingt jedoch, dass nach Ab-
h = 2,3 m über der Geländeoberkante. Die undrä- schluss der Baumaßnahme Restsetzungen in der
nierte Scherfestigkeit des Kleis erhöht sich im Zuge Größenordnung von ca. 50 cm zu erwarten sind.
dieser Konsolidation rechnerisch von cu = 15 Diese Restsetzungen werden wegen des Kriechver-
kN/m2 auf etwa cu = 25 kN/m2. haltens der organischen Weichschichten erst im
Laufe von vielen Jahren vollständig abgeklungen
sein. Aufgrund der in der Natur üblichen heteroge-
Bodenaustausch unter Wasser im Trockenen mit
GW-Absenkung
nen Baugrundverhältnisse (Dicke der Weichschich-
Standsicherheit η 2,15 1,34 ten und Bodenkennwerte) sind außerdem Setzungs-
differenzen in Längs- und Querrichtung der Straße
Tab. 9.3: Standsicherheiten η für den Bauzustand zu erwarten, die während der Betriebsphase des
Bauzustand Aufschüt- Standsi- Setzung Straßenbauwerkes entsprechende Sanierungsmaß-
tung ∆h [m] cherheit η [-] s [cm] nahmen erfordern werden. Um die gewünschte Soll-
Bauzustand II 2,5 1,41 20 höhe des Dammes zu erreichen, müssen außerdem
Anfangszustand 2,3 1,37 erhebliche Mengen an Sand – in Dammachse in
60
Endzustand 0 1,67 einer Schichtmächtigkeit von etwa 80 cm – zusätz-
Tab. 9.4: Standsicherheiten und Setzungsbeträge für den Bau- lich aufgeschüttet werden, um die Setzungen des im
zustand II sowie den Anfangs- und Endzustand Untergrund verbliebenen Kleis auszugleichen.
91

Aus diesen Gründen wären im vorliegenden Fall für geln für eine Polstergründung. Damit besitzen die
einen kalkulatorischen Vergleich beispielsweise ein Straßendämme stets eine Kronenbreite von 26 m
vollständiger Austausch des Torfes in Kombination sowie eine Böschungsneigung von 1:1,5m und die
mit einem teilweisen Austausch des Kleis im Quer- Neigung der Aushubböschung des Ersatzkörper-
schnitt (z. B. Reibungsfüße), ein Bodenaustausch querschnitts beträgt stets 1:1. Die Breite der Dam-
in Kombination mit einer Armierungseinlage in maufstandsflächen sowie die Querschnittsmaße
Form eines Geotextils sowie eine ergänzende Vor- der Ersatzkörper sind von der jeweiligen Damm-
belastung durch Überschüttung und ggf. der Ein- höhe und der jeweiligen Austauschtiefe abhängig
satz von Leichtbaustoffen als alternatives Boden- und werden entsprechend angepasst.
ersatzverfahren zu untersuchen. Dieses Fallbeispiel
zeigt, welche Vielfalt an Alternativen vorhanden ist, Tabelle 9.5 verschafft einen Überblick auf die in den
um einen Straßendamm auf wenig tragfähigem Un- Berechnungen miteinander kombinierten Damm-
tergrund mittels Bodenersatzverfahren standsicher höhen und Austauschtiefen in Bezug zu den aus-
und verformungsarm zu gründen. Die Entschei- gewählten Bodenprofilen.
dung, welches Bodenersatzverfahren in wirtschaft-
licher und technischer Hinsicht als optimal angese- Bodenprofile und Bodenkennwerte
hen wird, kann jedoch nicht pauschal anhand von Die den Berechnungen zugrunde liegenden Bo-
Fallbeispielen getroffen werden, sondern ist vom denprofile sind in Bild 9.2 dargestellt. Beispielhaft
Einzelfall abhängig. werden die Bodenprofile A1, A2, B1, C1 und D1
untergesucht. Die Bodenkennwerte der einzelnen
9.3 Fallbeispiele mit Setzungsberech- Böden sind der Tabelle 9.2 zu entnehmen. Wie
nungen schon in den Berechnungen des Kapitels 9.2 liegen
den hier durchzuführenden Setzungsberechnun-
9.3.1 Allgemeines gen die in Abhängigkeit vom Spannungszustand
nach den Empfehlungen der EVB (1993) ermittelten
In den folgenden Fallbeispielen werden ausschließ- Steifemoduli zugrunde.
lich Setzungsberechnungen durchgeführt. Dabei
werden die Setzungen von Straßendämmen unter-
schiedlicher Höhe bei variierender Bodenaus-
tauschtiefe für verschiedene ausgewählte Boden-
profile ermittelt.

9.3.2 Systeme
Nachstehend werden die Geometrien, die unter-
schiedlichen Bodenprofile und die Bodenkennwerte,
die den Berechnungen zugrunde liegen, erläutert.

Geometrien

Die Geometrien der im Einzelnen betrachteten


Damm- und Ersatzkörperquerschnitte richten sich
– auch in Abhängigkeit von der Dammhöhe – nach
den Regelmaßen des Querschnittes RQ 26 und ori-
entieren sich an den in Bild 4.16 dargestellten Re- Bild 9.2: Bodenprofile für die Berechnungsbeispiele

Dammhöhe [m] 1,5 4,0 8,0


Austauschtiefe [m] 0 1 2 3 4 6 8 0 2 4 0 2 4
A1 66 62 50 28 <1 - - - - - - - -
A2 35 30 22 12 <1 - - 65 35 - 97 51 -
Boden-
B1 98 - 92 - 54 29 <1 188 143 76 275 203 104
profil
C1 181 - 191 - 189 154 107 - - - - - -
D1 4 - 3 - 2 1 <1 10 8 6 20 18 16
Beispiele mit Zeit-Setzungslinien sind grau hinterlegt

Tab. 9.5: Endsetzungen in [cm] für verschiedene Dammhöhen, Austauschtiefen und Bodenprofile
92

9.3.3 Setzungsberechnungen denaustausch von z. B. 2 m nur zu einer vernach-


lässigbaren Verringerung der Setzungen. Der Knick
Die Setzungsberechnungen erfolgen EDV-gestützt
aller Setzungskurven bei der Austauschtiefe 4 m
mit Hilfe des Verfahrens der lotrechten Spannun-
zeigt an, dass der Teilbodenaustausch des weiche-
gen im Boden gemäß DIN 4019. Die nachfolgend
ren Torfes eine deutlich größere Setzungsminde-
genannten Setzungsbeträge sind Endsetzungen,
rung zur Folge hat als ein tiefer reichender Aus-
die sich jeweils im mittleren Dammbereich unter
tausch im Bereich des Kleis.
Berücksichtigung einer mittleren Verkehrsflächen-
last von 10 kN/m2 ergeben. Aufgrund der ver- Der in Bild 9.5 dargestellte Vergleich der Setzungen
gleichsweise geringen anzusetzenden Steifemodu- bei einem Bodenprofil aus Seekreide und Becken-
li ist davon auszugehen, dass in den berechneten ton (D1) mit vergleichsweise höherer Steifigkeit
Setzungsbeträgen der Kriechanteil enthalten ist. zeigt, dass die zu erwartenden, ohnehin relativ ge-
Dieser Ansatz entspricht der allgemein üblichen ringen Setzungen durch einen Teilbodenaustausch
Praxis und ist begründet durch die labortechnische bei allen Dammhöhen nur minimal verringert wer-
Bestimmung des Steifemoduls, bei der die Sekun- den.
därsetzungen auch weit gehend enthalten sind.
Die Bilder 9.6 bis 9.8 verdeutlichen den Einfluss der
Um die Vergleichbarkeit der Berechnungsergebnis-
Austauschtiefen auf die Setzungen bei jeweils un-
se im Hinblick auf die Zusatzlasten aus den unter-
terschiedlichen Dammhöhen. Ergänzend zu den
schiedlichen Dammhöhen zu gewährleisten, sind
vorausgegangenen Beurteilungen zeigt die Set-
Überhöhungen der Straßendämme zur Kompensa-
zungskurve für das Bodenprofil C 1 (16 m Weich-
tion der zu erwartenden Setzungen nicht berück-
schichtmächtigkeit) in Bild 9.6, dass ein Teilboden-
sichtigt worden.

9.3.4 Berechnungsergebnisse (Gesamtsetzun-


gen) und Beurteilung

Nachstehend werden folgende Vergleiche der sich


aus den Berechnungen ergebenden Setzungsbe-
träge bei unterschiedlichen Austauschtiefen ge-
führt:

· Einfluss unterschiedlicher Dammhöhen bei


demselben Bodenprofil

· Einfluss unterschiedlicher Bodenprofile bei der-


selben Dammhöhe.

Die rechnerisch ermittelten Beträge der gesamten


Bild 9.3: Profil A2, Vergleich der Setzungen bei unterschiedli-
Setzungen in den Dammachsen sind in den Dia- chen Dammhöhen und Austauschtiefen
grammen der Bilder 9.3 bis 9.8 dargestellt. In Ta-
belle 9.5 sind alle Ergebnisse der durchgeführten
Berechnungen zusammengefasst.

Die Wichteerhöhung im Austauschbereich wirkt


sich bei geringer Dammhöhe (1,5 m) in Form von
zunächst vergleichsweise geringeren Setzungsab-
minderungen im Verhältnis zur Austauschtiefe aus
(Bild 9.3). Je größer die Dammhöhe ist, desto we-
niger schlägt dieser Einfluss durch, weshalb die
Setzungsminderung annähernd linear mit der Aus-
tauschtiefe zunimmt.

Bild 9.4 zeigt, dass sich der v. g. Effekt beim Teil-


bodenaustausch im Torf und bei insgesamt größe-
rer Weichschichtmächtigkeit (8 m) noch verstärkt. Bild 9.4: Profil B1, Vergleich der Setzungen bei unterschiedli-
Bei geringer Dammhöhe (1,5 m) führt ein Teilbo- chen Dammhöhen und Austauschtiefen
93

austausch im sehr weichen Torf und bei sehr zu vermindern. Wenn z. B. nur örtlich begrenzt or-
großer Weichschichtmächtigkeit wegen der Wich- ganische Weichschichten in Bereichen quer zur
teerhöhung im Austauschbereich zu größeren Set- Straßentrasse verlaufender geologischer Rinnen-
zungen führen kann als ohne Bodenaustausch. Bei strukturen bis in begrenzte Tiefen anstehen, kommt
diesem Beispiel ist erst ab einer Austauschtiefe ein vollständiger Austausch dieser setzungsemp-
von etwa 6 m eine Setzungsabnahme zu verzeich- findlichen Schichten in Frage. Wenn jedoch z. B. in
nen. Ein Teilbodenaustausch macht auch beim Bo- Marschgebieten die organischen Weichschichten
denprofil A1 mit Torf bis 4 m unter GOK keinen weit verbreitet und bis in große Tiefen anstehen,
Sinn, weil die Setzungen bis etwa 2 m Austausch- wie im Fall der Bodenprofile B1 und C1, können mit
tiefe nur minimal verringert werden (vgl. Bild 9.6). einem Teilbodenaustausch der oberen, besonders
Außerdem ist bei jedem Teilbodenaustausch weichen Schicht (Torf), die oft auch unregelmäßig
wegen der verbleibenden Weichschichten mit bzw. linsenförmig ansteht, eine erhebliche Ver-
Standsicherheitsproblemen im Bauzustand zu gleichmäßigung und Verringerung der noch zu er-
rechnen. wartenden Restsetzungen erreicht werden. Das
Bodenprofil B1 mit insgesamt 8 m Weichschicht-
Die Bodenschichtung wird in der Natur niemals so mächtigkeit stellt einen klassischen Fall für die An-
homogen anstehen, wie in den v. g. Fallbeispielen wendung des Teilbodenaustausches dar. Der Aus-
angenommen. Der wichtigste Anwendungsbereich tausch der bis 4 m Tiefe reichenden Torfschicht ist
eines Teil- oder Vollbodenaustausches besteht ge- in trockener Baugrube wirtschaftlich machbar. In
rade darin, diese Inhomogenität mit der Folge von Abhängigkeit von der geplanten Dammhöhe wird
ungleichmäßigen Setzungen auf kurzen Distanzen jedoch zur Verminderung der Restsetzungen zu-

Bild 9.5: Profil D1, Vergleich der Setzungen bei unterschiedli- Bild 9.7: Dammhöhe 4,0 m, Vergleich der Setzungen bei unter-
chen Dammhöhen und Austauschtiefen schiedlichen Bodenprofilen und Austauschtiefen

Bild 9.6: Dammhöhe 1,5 m, Vergleich der Setzungen bei unter- Bild 9.8: Dammhöhe 8,0 m, Vergleich der Setzungen bei unter-
schiedlichen Bodenprofilen und Austauschtiefen schiedlichen Bodenprofilen und Austauschtiefen
94

sätzlich eine mehr oder minder ausgeprägte Set- geringen Setzungen ein Bodenaustausch generell
zungsvorwegnahme durch eine Vorbelastung bzw. weder erforderlich noch sinnvoll ist. Ein Teilboden-
Überschüttung ggf. in Kombination mit dem Ein- austausch würde eine nur unverhältnismäßig gerin-
satz von Vertikaldränagen oder der Einbau von ge Verminderung der zu erwartenden Setzungen
Leichtbaustoffen im Dammkörper erforderlich sein. bewirken.
Wie das Beispiel in Kapitel 9.2 gezeigt hat, ist die
Bei den Bodenprofilen A1 und A2 (Torf bzw. Klei bis
erforderliche Standsicherheit im Bauzustand in be-
t = 4 m Tiefe) kommt entweder ein vollständiger
stimmten Fällen nur zu erreichen, indem der Damm
Bodenaustausch oder – um ggf. eine hydrogeolo-
bzw. die Überschüttung zeitlich abgestuft aufge-
gische Barriere zu erhalten – ein Teilbodenaus-
bracht wird.
tausch bis 3 m Tiefe in Frage. Beim vollständigen
Am Beispiel des Bodenprofils C1 werden die An- Bodenaustausch ergibt sich aufgrund von Standsi-
wendungsgrenzen der Bodenersatzverfahren deut- cherheitsbetrachtungen keine Einschränkung hin-
lich. Der Austausch des bis in 8 m Tiefe reichenden sichtlich des zu wählenden Bauverfahrens. Ein
Torfes ist zwar technisch mit der Unterwasserbag- Trockenaushub für den Teilbodenaustausch schei-
gerung bei geringem Austauschvolumen oder dem det aus, weil dafür zur Gewährleistung der Auf-
Nassbaggerverfahren mit Cutterbetrieb bei großem bruchsicherheit der Baugrubensohle eine Grund-
Massenanfall möglich. Jedoch betragen die Rest- wasserabsenkung um etwa 2,5 m erforderlich wäre
setzungen nach dem Austausch des Torfes schon und diese sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus
bei einer geringen Dammhöhe von 1,5 m immer ökologischen Gründen nicht vertretbar ist. Der Teil-
noch etwa 1,0 m, weshalb in diesem Fall mit ande- bodenaustausch könnte entweder im Andeckver-
ren Bauverfahren, wie z. B. aufgeständerten Grün- fahren, d. h. kleinräumig „Zug um Zug“, oder unter
dungspolstern oder dem Konsolidationsverfahren, Wasser erfolgen, wobei die Standsicherheit der
bei großen Dammhöhen ggf. in Kombination mit Aushubbaugrube ohne weiteren Nachweis gege-
dem Einsatz von Leichtbaustoffen, das Ziel der ben ist.
Verringerung und Vergleichmäßigung der zu erwar-
Beim Bodenprofil C1 mit einer Weichschichtmäch-
tenden Setzungen effektiver und wirtschaftlicher
tigkeit bis 16 m unter GOK käme ein Teilbodenaus-
als mit dem Bodenaustausch erreicht wird.
tausch im Trockenen bis etwa 3,5 m unter GOK
Die v. g. Ergebnisse zeigen, dass die technisch auch ohne Grundwasserabsenkung in Frage, je-
sinnvollen und wirtschaftlich vertretbaren Grenzen doch wären hierbei wegen der verbleibenden Torf-
der Anwendung des Bodenersatzverfahrens bei und Kleischichten größere Setzungen zu erwarten
großen Weichschichtmächtigkeiten und/oder gro- als ohne Bodenaustausch (vgl. Tabelle 9.5). Wie die
ßen Dammhöhen überschritten werden. In wenigen Ergebnisse der Setzungsberechnungen in Kapitel
Fällen kann ein Teilbodenaustausch in Kombination 9.3 gezeigt haben, kommt das Bodenersatzverfah-
mit dem Einsatz von Leichtbaustoffen zur weiteren ren für das Bodenprofil C1 wegen der sehr großen
Setzungsminderung in Frage kommen. Wegen der Weichschichtmächtigkeit zur standsicheren und
vergleichsweise sehr hohen Kosten der Leichtbau- verformungsarmen Gründung von Straßendämmen
stoffe ist deren Verwendung im Straßenbau jedoch generell nicht in Frage.
auf ausgewählte Einzelfälle mit besonderen Rand-
Der Trockenaushub mit Grundwasserabsenkung ist
bedingungen begrenzt.
aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen
sowie wegen des Setzungseinflusses auf die Um-
9.4 Standsicherheit der Aushubbau- gebung bzw. die Nachbarbebauung unter den ge-
gruben gebenen Baugrundverhältnissen generell keine
sinnvolle Alternative zu den übrigen Bauverfahren,
Die Frage möglicher anwendungstechnischer Ein- weshalb sich entsprechende Standsicherheitsun-
schränkungen der Bodenaustauschverfahren auf- tersuchungen erübrigen.
grund von Standsicherheitsproblemen beim Aus-
hub der auszutauschenden Böden lässt sich für die
v. g. Fallbeispiele wie folgt beantworten: 9.5 Zeit-Setzungsverläufe beim Teilbo-
denaustausch
Für das Bodenprofil D1 (Seekreide, See-/Becken-
ton) sind Betrachtungen zur Standsicherheit über- Von den in Kapitel 9.3 betrachteten Fallbeispielen
flüssig, da aufgrund der in Kapitel 9.3.4 ermittelten werden die Beispiele für Zeit-Setzungsermittlungen
95

ausgewählt, bei denen ein Teilbodenaustausch an- Für konkrete bautechnische Anwendungen sind
gesichts der zu erwartenden Gesamtsetzungen diese Aufteilungen aufgrund der Ergebnisse von
sinnvoll erscheint (s. Tabelle 9.5). Kompressionsversuchen den jeweiligen Bodenei-
genschaften anzupassen.
Zur Klärung der Frage, ob die jeweils vorgesehene
Dammhöhe in einer Schüttstufe aufgebracht wer- Die Konsolidierungsbeiwerte cv werden nach Glei-
den kann, wurden zunächst Standsicherheitsunter- chung 7.10 unter Berücksichtigung der span-
suchungen durchgeführt. Die Ergebnisse der Bö- nungsabhängigen Steifemoduli Es und Durchläs-
schungsbruchberechnungen für den Bauzustand sigkeitsbeiwerte k gemäß Tabelle 9.2 ermittelt.
(Ansatz der undränierten Scherfestigkeit cu der or-
Weil der Übergang von den Primär- zu den Sekun-
ganischen Weichschichten) sowie den Endzustand
därsetzungen fließend ist, wird davon ausgegan-
(Ansatz der effektiven Scherparameter ϕ‘ und c‘)
gen, dass die Sekundärsetzungen bereits ab einem
sind in Tabelle 9.6 zusammengefasst. Die System-
Konsolidierungsgrad von U = 50 % einsetzen.
darstellungen und Einzelergebnisse der Berech-
nungen sind den Anlagen 09048/6 bis 09048/16 zu Die Ergebnisse der Zeit-Setzungsberechnungen
entnehmen. sind für Liegezeiten der Straßendämme von 1, 3, 6,
12, 24 und 48 Monaten für die ersten fünf Fallbei-
Angesichts des anzunehmenden Zeitbedarfs zwi-
spiele der Tabelle 9.6, bei denen die Dammschüt-
schen dem Aushub der organischen Weichschich-
tung in einem Zuge aufgebracht werden kann, in
ten bis zum Erreichen der endgültigen Dammhöhe
Tabelle 9.7 angegeben und in Bild 9.9 grafisch dar-
beim Fallbeispiel A 2/4,0/2 kann die errechnete Bö- gestellt.
schungsbruchsicherheit von η = 1,22 im Bauzu-
stand als gerade noch ausreichend betrachtet wer- Die in Tabelle 9.7 und Bild 9.9 dargestellten Set-
den. Die kontinuierliche Aufschüttung eines zungsverläufe zeigen, dass ein nennenswerter An-
Straßendammes bis auf 8 m Höhe beim Bodenpro- teil der Gesamtsetzungen bereits in einem Zeit-
fil A2 nach 2 m Bodenaustausch würde einen Bö- raum von drei bis sechs Monaten nach Lastauf-
schungsbruch auslösen (η = 0,93). In diesem Fall bringung eintritt. Die beim Fallbeispiel B1/1,5/4 im
ist ähnlich wie beim Fallbeispiel B1/4,0/4 (vgl. Ka- Vergleich zu den übrigen Beispielen weniger flach
pitel 9.2) eine Dammschüttung in zwei Stufen er- verlaufende Zeit-Setzungskurve verdeutlicht den
forderlich. Nach Aufbringen der ersten Schüttstufe
bis h1 = 5,0 m über GOK ergibt sich eine ausrei- Fallbeispiel* Bauzustand Endzustand
chende Anfangsstandsicherheit von η = 1,27 (s. A 1 / 1,5 / 3 2,15 ( 6) 2,12 ( 7)
Anlage 9048/17). Nach einer Liegezeit von etwa 4 A 2 / 1,5 / 1 1,84 ( 8) 2,41 ( 9)
Monaten ist der Klei so weit teilkonsolidiert, dass A 2 / 1,5 / 2 2,03 (10) 2,58 (11)
die endgültige Dammhöhe von h2 = 8,35 m über B 1 / 1,5 / 4 1,47 (12) 2,11 (13)
GOK (planmäßige Dammhöhe = 8 m zuzüglich 0,35 A 2 / 4,0 / 2 1,22 (14) 1,83 (15)
m als Kompensation für die erwarteten Setzungen) A 2 / 8,0 / 2 0,93 (16)
aufgebracht werden kann. Zum Zeitpunkt der * Bodenprofil/Dammhöhe/Austauschtiefe Zahlen in Klammern
Dammfertigstellung beträgt die Böschungsbruch- geben die Anlagennummern an
sicherheit η = 1,39 (s. Anlage 09048/18) und im Tab. 9.6: Standsicherheiten η für den Bau- und Endzustand
Endzustand η = 1,50 (s. Anlage 09048/19). ausgewählter Fallbeispiele

Die Berechnung der zeitabhängigen Verformungen Liegezeit Bodenprofil/Dammhöhe/Austauschtiefe


des Untergrundes erfolgt für die organischen A2/1,5/2 A1/1,5/3 A2/1,5/1 A2/4/2 B1/1,5/4
Weichschichten auf der Grundlage folgender, auf 0 0 0 0 0 0
umfangreichen Erfahrungen beruhender Aufteilun- 1 7,5 16,0 7,5 11,0 11,5
gen der Gesamtsetzungen auf die einzelnen Set- 3 12,0 16,5 11,0 16,5 16,0

zungsanteile: 6 15,5 17,0 15,0 23,0 21,0


12 17,5 18,0 20,0 26,5 27,5
Klei Torf 24 18,0 20,5 23,5 28,5 36,0
48 18,5 24,5 24,5 30,0 43,0
Sofortsetzung 10 % 10 % Gesamt-
setzungen 22,0 28,0 30,0 35,0 54,0
Primärsetzung 65 % 40 %
Tab. 9.7: Setzungen in [cm] für verschiedene Fallbeispiele und
Sekundärsetzung 25 % 50 % Liegezeiten
96

angegeben und in Bild 9.10 grafisch dargestellt.


Beim Fallbeispiel B1/4/4 wird die erste Schüttstufe
auf eine Höhe von h1 = 2,5 m über GOK und die
zweite Schüttstufe auf h2 = 4,6 m über GOK aufge-
bracht. Für das Fallbeispiel A2/8/2 betragen die
Schüttstufen h1 = 5,0 m und h2 = 8,35 m.

Die in Tabelle 9.8 und Bild 9.10 dargestellten Zeit-


Setzungsverläufe für zwei Fallbeispiele mit stufen-
weiser Dammschüttung zeigen, dass in Abhängig-
keit von der Mächtigkeit der verbleibenden Weich-
schichten nach einem Zeitraum von etwa 4,5
Bild 9.9: Zeit-Setzungsverläufe für verschiedene Fallbeispiele
Monaten bzw. vor dem Aufbringen der zweiten
Schüttstufe bereits ca. ein Drittel (A2/8/2) bzw. ca.
ein Viertel (B1/4/4) der Gesamtsetzungen eingetre-
ten sind. Bereits etwa 1,5 Monate nach Aufbringen
der zweiten Schüttstufe sind schon ca. die Hälfte
bzw. ca. ein Drittel der Gesamtsetzungen zu erwar-
ten.

Ein unmittelbarer Vergleich der Setzungsmesser-


gebnisse im Bereich der Bundesstraße B 5 (vgl.
Kapitel 8) mit den Ergebnissen der Fallbeispiele ist
aus verschiedenen Gründen nur bedingt möglich.
Einerseits sind die Baugrundverhältnisse in situ im
Bild 9.10: Zeit-Setzungsverläufe für zwei Fallbeispiele mit stu- Gegensatz zu den Vorgaben der Fallbeispiele rela-
fenweiser Dammschüttung
tiv heterogen und durch die ausgeführten Bau-
grunderkundungen können nicht alle Bereiche hin-
Liegezeit [Monate] Bodenprofil/Dammhöhe/Austauschtiefe
länglich genau erfasst werden, andererseits wer-
A2/8/2 B1/4/4
den Setzungsmessungen oft nicht mit der notwen-
0 0 0
digen Systematik durchgeführt, die für einen Ver-
1,0 10,0 12,0
gleich mit Setzungsberechnungen erforderlich
3,0 15,0 17,0
wäre. Schließlich wird in der Praxis häufig eine
4,5 17,5 19,0
Kombination des Bodenersatzverfahrens mit den
6,0 27,0 24,5
Konsolidationsverfahren ausgeführt, wie auch beim
12,0 37,0 35,0
Beispiel der Baumaßnahme an der B 5, wo zusätz-
24,0 40,5 48,5
lich zum Bodenaustausch z. T. Vertikaldränagen
48,0 42,0 59,5
angeordnet wurden und im gesamten Bauab-
Gesamtsetzungen 51,0 76,0
schnitt eine etwa 1,5 m hohe Überschüttung zur
Tab. 9.8: Setzungen in [cm] für zwei Fallbeispiele mit stufen- Setzungsvorwegnahme aufgebracht wurde.
weiser Dammschüttung
Für einen qualitativen Vergleich der Ergebnisse
überproportionalen Einfluss der nach einem Teilbo- kommt hinsichtlich der Bodenaustauschtiefe und
denaustausch verbleibenden Weichschichtmäch- der im Untergrund verbliebenen Weichschicht-
tigkeit (in diesem Beispiel 4 m). In den Formeln zur mächtigkeit das Bodenprofil B1 mit 4 m Aus-
Ermittlung der bezogenen Konsolidierungszeit Tv tauschtiefe am ehesten in Frage. Bei der Baumaß-
geht die Mächtigkeit der konsolidierenden Schicht nahme B5 wurde die Überschüttung erst etwa drei
quadratisch ein, während sich alle anderen Fakto- Monate nach der Dammschüttung aufgebracht,
ren nur linear auf das Zeit-Setzungsverhalten aus- weshalb hinsichtlich der Dammhöhe die stufenwei-
wirken (vgl. Gleichungen 7.11 und 7.12). se Belastung des Fallbeispiels mit 4 m Dammhöhe
(B1/4/4) für einen Vergleich herangezogen werden
Die Ergebnisse der Zeit-Setzungsberechnungen für
kann.
die beiden Fallbeispiele, bei denen die Damm-
schüttung aus Standsicherheitsgründen stufenwei- Die bei der B5 gemessenen Zeit-Setzungskurven
se aufgebracht werden muss, sind in Tabelle 9.8 (vgl. Bild 8.5) und der Zeit-Setzungsverlauf für das
97

Fallbeispiel B1/4/4 (vgl. Bild 9.10) zeigen einen 10 Einfluss der Randbedingun-
qualitativ ähnlichen Verlauf mit einer kontinuierli-
chen Abnahme der Setzungsgeschwindigkeiten im
gen auf die Wahl des Boden-
Verlauf der ersten zwei Jahre und einer temporären ersatzverfahrens
Beschleunigung des Setzungsvorgangs nach Auf-
Bei der Beurteilung der Relevanz der wesentlichen
bringen der zweiten Laststufe. Während für das
Randbedingungen auf die Auswahl des Bodener-
Fallbeispiel B1/4/4 nach drei Monaten Liegezeit der
satzverfahrens werden die folgenden drei Gruppen
ersten Laststufe rd. 17 cm Setzung ermittelt wurde,
betrachtet:
zeigen die Setzungsmessungen an der B 5 nach
etwa demselben Zeitraum Setzungen von im Mittel a) vollständiger Bodenaustausch,
etwa 20 cm (vgl. Bild 8.6). Nach einem Zeitraum
von insgesamt zwei Jahren beträgt die rechneri- b) teilweiser Bodenaustausch,
sche Setzung für das Fallbeispiel etwa 50 cm. Die c) Bodenverdrängung.
gemessenen Setzungen an der B5 liegen nach die-
sem Zeitraum in der Größenordnung von etwa 50 Es ist davon auszugehen, dass der Teilbodenaus-
cm bis 80 cm und im Mittel bei ca. 65 cm. Für den tausch meist in trockener Baugrube vorgenommen
Vergleich ist jedoch zu beachten, dass bei der B5 wird, während für den vollständigen Bodenaus-
angabegemäß ca. 34 cm Setzungen bereits vor der tausch sowohl der Trockenaushub als auch die Un-
Dammschüttung eingetreten waren. terwasserbaggerung oder das Nassbaggerverfah-
ren zur Anwendung kommen.
Hinsichtlich der erheblichen Differenzen zwischen
den gemessenen Setzungen und den für das Fall- Zu den wesentlichen Randbedingungen, die Ein-
beispiel rechnerisch ermittelten Setzungen wird auf fluss auf die Wahl des Bodenersatzverfahrens neh-
die v. g. Unzulänglichkeiten der Grundlagen für men, gehören:
einen quantitativen Vergleich verwiesen. So ist z. B. · Verfügbarkeit und Kosten der Ersatzstoffe,
auch die in den Fallbeispielen notwendigerweise
vorgegebene scharfe Trennung zwischen den ein- · Verfügbarkeit geeigneter Deponieflächen,
zelnen Bodenschichten in situ nicht gegeben. Auch · Vorhandensein angrenzender Bebauung,
die Baugrunderkundung zur Baumaßnahme B5
hatte ergeben, dass die Übergänge vom Torf zum · Mächtigkeit der Weichschichten und Grund-
Klei fließend sind und die holozänen Weichschich- wasserverhältnisse,
ten teilweise als kleiiger Torf bzw. torfiger Klei an- · Höhe der Gradiente über Gelände,
stehen. Dem Baugrundaufbau in der Trassenachse
ist ferner zu entnehmen, dass auch unterhalb des · Verkehrsbelastung und Bedeutung der Straße.
Bodenaustauschbereiches noch Torf in lokal unter- Die Beurteilung der Bedeutung der einzelnen
schiedlicher Mächtigkeit ansteht. Die geringere Randbedingungen für die genannten drei Gruppen
Steifigkeit der in situ unterhalb des Bodenaus- von Bodenersatzverfahren ist in Bild 10.1 grafisch
tauschbereiches anstehenden Böden und die geo- dargestellt, wobei eine Bewertungsskala von 1
metrischen Abweichungen (überwiegend größere (vernachlässigbar) bis 5 (maßgebend) gewählt
Mächtigkeit der im Untergrund verbliebenen wurde.
Weichschichten) im Vergleich zu dem Fallbeispiel
sowie die örtlich eingebauten setzungsbeschleuni- Die Verfügbarkeit und Kosten der Ersatzstoffe
genden Vertikaldränagen müssen nach den be- haben beim vollständigen Bodenaustausch maß-
trachteten Zeiträumen zwangsläufig zu deutlich gebenden Einfluss, der beim Teilbodenaustausch
höheren Setzungen geführt haben, als sie für das und bei den Verdrängungsverfahren wegen der ge-
Fallbeispiel ermittelt wurden. Schließlich ist die Zu- ringeren Ersatzvolumina entsprechend abnimmt.
verlässigkeit der Setzungsmessungen – insbeson-
Der Einfluss der Verfügbarkeit von geeigneten De-
dere des Setzungsanteils vor der Dammschüttung
ponieflächen entspricht beim vollständigen und
– nicht generell als gesichert anzunehmen.
teilweisen Bodenaustausch wegen der gleichen
Aushub- und Einbaumassen dem Kriterium der
Verfügbarkeit der Ersatzstoffe. Bei der Bodenver-
drängung ist ein deutlich geringerer Anteil des Er-
satzkörpervolumens zu entsorgen oder ggf. kann
98

Teilbodenaustausch ggf. zu keiner oder nur einer


geringen Verminderung der nach Bauausführung zu
erwartenden Setzungen führen. Beim vollständigen
Bodenaustausch und der Bodenverdrängung hat
die Mächtigkeit der Weichschichten insbesondere
große wirtschaftliche Bedeutung und Einfluss auf
die spezielle Auswahl der jeweiligen Verfahren.

Die Höhe der Gradiente über dem Gelände ist beim


teilweisen Bodenaustausch wegen der davon ab-
hängigen Setzungen der verbleibenden Weich-
schichten von entscheidender Bedeutung. Beim
vollständigen Bodenaustausch bzw. den Boden-
verdrängungsverfahren hat die Gradiente hingegen
einen vernachlässigbaren oder geringen Einfluss
auf die Wahl dieser Verfahren.

Den größten Einfluss haben die Verkehrsbelastung


und Bedeutung der Straße bei der Wahl eines teil-
weisen Bodenaustauschverfahrens, weil hierbei die
größten Restsetzungen nach Baufertigstellung zu
erwarten sind. Nach einem vollständigen Boden-
austausch bzw. einer Bodenverdrängung, die auch
annähernd bis zur Unterkante anstehender Weich-
Bild 10.1: Einfluss der Randbedingungen auf die Auswahl des
schichten erfolgt, ist die Relevanz der Verkehrsbe-
Bodenersatzverfahrens lastung und Straßenbedeutung vernachlässigbar
bzw. mäßig.
der Abtrag seitlich entstehender Aufwölbungen
ganz entfallen, weshalb der Einfluss der Entsor-
gung von Aushubboden hier eine untergeordnete 11 Zusammenfassung
Rolle spielt.
Der vorliegende Forschungsbericht über die Bo-
Dem Vorhandensein angrenzender Bebauung wird
denersatzverfahren ist eingebettet in eine Reihe
generell eine große Bedeutung hinsichtlich der Ver-
von drei Forschungsarbeiten, welche alle die Ziel-
fahrensauswahl beigemessen. Während beim Bo-
setzung verfolgen, den „Stand der Technik“ für die
denaustausch mit entsprechendem Aufwand Si-
unterschiedlichen Bauverfahrensgruppen beim
cherungsmaßnahmen zum Schutz der vorhande-
Straßenbau auf wenig tragfähigem Untergrund zu
nen Bebauung relativ zuverlässig angewandt wer-
dokumentieren.
den können, lässt sich der seitliche Einfluss bei der
Bodenverdrängung nur schwer vorherbestimmen Entsprechend der Zielsetzung liegen die Schwer-
bzw. durch Abschirmmaßnahmen steuern. Außer- punkte des Berichtes in der Beschreibung der ver-
dem haben die bei den Bodenverdrängungsverfah- schiedenen Bodenersatzverfahren und deren An-
ren auftretenden Erschütterungen eine weit rei- wendungsgrenzen, der ausführlichen Beschrei-
chende räumliche Wirkung, weshalb die angren- bung einer ausgeführten Baumaßnahme mit einem
zende Bebauung maßgebenden Einfluss auf die Teilbodenaustausch und in der Dokumentation und
Wahl der Bodenverdrängung hat. Interpretation der Ergebnisse von Standsicher-
heits- und Verformungsberechnungen an Fallbei-
Den insgesamt größten Einfluss auf die Wahl eines
spielen. Abschließend wird der Einfluss der we-
Bodenersatzverfahrens haben die anstehende
sentlichen Randbedingungen auf die Wahl des Bo-
Mächtigkeit und Qualität der Weichschichten sowie
denersatzverfahrens diskutiert.
die Grundwasserverhältnisse. Wie die Ergebnisse
der Fallbeispiele in Kapitel 9 gezeigt haben, sind Bodenersatzverfahren lassen sich unterscheiden in
diese Kriterien insbesondere entscheidend bei der Bodenaustauschverfahren und Bodenverdrän-
Wahl des Teilbodenaustausches. Bei großen Weich- gungsverfahren. Bei den Bodenaustauschverfah-
schichtmächtigkeiten und Dammhöhen kann der ren sind die Teilleistungen Aushub der Weich-
99

schichten und Einbau des Ersatzmaterials zu er- sen und Zusatzlasten aus der Damm- und Ersatz-
bringen. Hiermit ist ein relativ aufwändiger Einsatz körperschüttung abhängigen Austauschtiefe neh-
von Maschinen und Personal verbunden, dem je- men die resultierenden Setzungen deutlich ab.
doch der Vorteil einer genaueren Steuerung der
Für die Praxis lässt sich aus den durchgeführten
Qualität des Ersatzkörpers und im Zusammenhang
Betrachtungen folgern, dass die Bodenersatz-
mit Sicherungsmaßnahmen in Form eines Verbau-
verfahren unter Berücksichtigung eines anzustre-
es die Anpassungsfähigkeit an besondere Randbe-
benden Qualitätsniveaus für ein Straßenbauwerk
dingungen (z. B. benachbarte bestehende Bauwer-
auf wenig tragfähigem Boden sowohl in techni-
ke) gegenüberstehen. Hingegen erfordern die Bo-
scher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht zwar
denverdrängungsverfahren einen wesentlich weni-
in vielen Fällen, jedoch nicht immer als Alternative
ger aufwändigen Maschinen- und Personaleinsatz,
für das Konsolidierungsverfahren oder die Verfah-
da hierbei i. W. lediglich die Teilleistung Einbau zu
ren mit aufgeständerten Gründungspolstern in
erbringen ist. Dies drückt sich auch in den resultie-
Frage kommen. Bei tief reichenden Weichschich-
renden Kosten aus; im Vergleich zu den klassi-
ten werden die technisch sinnvollen Anwendungs-
schen Austauschverfahren sind die Kosten der Ver-
grenzen des Bodenersatzes überschritten und ein
drängungsverfahren bei gleicher Ersatzkörperku-
Teilbodenaustausch kann zu unzulässig großen
batur geringer. Nachteilig bei der Bodenverdrän-
Restsetzungen führen. Aus wirtschaftlicher Sicht
gung ist jedoch, dass eine ausreichende Qualität
führt die zunehmende Austauschtiefe wegen einzu-
des Ersatzkörpers, auch bei Einsatz entsprechen-
haltender Böschungsneigungen und aus baube-
der Hilfsmittel (z. B. Sprengung), wesentlich
trieblichen Gründen zu überlinear steigenden Kos-
schwieriger und weniger zuverlässig zu erreichen
ten.
ist als bei den Bodenaustauschverfahren.

Durchgeführte Standsicherheits- und Verfor-


mungsberechnungen an Fallbeispielen zeigen,
dass eine Vielfalt an Alternativen und Variationen 12 Literatur
innerhalb der Gruppe der Bodenaustauschverfah-
ren vorhanden ist, um einen beliebigen Straßen- BADIOU, J. P., NADAUD, J. C., FLORENTIN, J.,
damm auf wenig tragfähigem Untergrund standsi- DUPAS, J. M., FLORENTIN, P., PECKER, A.
cher und verformungsarm zu gründen. Bei einem (1977): Digues Construites sur Argile Marine à
Teilbodenaustausch sind unter ungünstigen Bau- Singapour. Proceedings IXth ICSMFE, Tokyo,
grundverhältnissen mit tief reichenden Weich- Volume I, 377-380
schichten nennenswerte Restsetzungen nach Fer- BATHE, K. J. (1986): Finite-Element-Methoden.
tigstellung eines Straßendammes hinzunehmen. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York,
Neben der Setzungsverminderung führt der Teilbo- Tokio
denaustausch jedoch insbesondere bei geringen
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wendung von Geotextilien, auch zu einer Vergleich- Straßen. Mitteilung Heft S4, Köln
mäßigung der Setzungen bzw. Verringerung von
Setzungsdifferenzen. BASF (1994): Technische Information – Styropor
Formel TI 1-810d 26073, Mannheim
Eine Serie von durchgeführten Setzungsberech-
nungen für verschiedene angenommene Boden- BJERRUM, L. (1973): Problems of soil mechanics
austauschmaßnahmen zeigt, dass das Verhältnis and construction on soft clays and structurally
zwischen der Zusatzlast aus der Damm- sowie der unstable soils. Proceedings 8th ICSMFE, Mos-
Ersatzkörperschüttung sowie der Mächtigkeit und kau, General Reports 3, S. 111-159
Qualität der im Untergrund verbliebenen Weich- BLAUM, R., v. MARNITZ, F. (1963): Die Schwimm-
schicht entscheidend ist für den Erfolg eines teil- bagger – Erster Band: Bodentechnische Grund-
weisen Bodenaustausches. Aufgrund der Wich- lagen, Saugbagger. Springer-Verlag, Berlin
teerhöhung im Austauschbereich können bei zu
geringen Austauschtiefen unter ungünstigen Bau- BRUNNER, U. (1979): Submarines Bauen – Ent-
grundverhältnissen größere Setzungen eintreten wicklung für den Einsatz auf dem Meeresboden.
als ohne Bodenaustausch. Erst nach Überschrei- In: V. IMB Heft F 22, Karlsruhe (entnommen aus
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100

CHESTNUT, C. W. (1970): Prinzipien der System- waltung. Niedersächsisches Landesverwal-


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bautaschenbuch, 4. Auflage, Teil 2, Kap. 2.1,
Verlag Ernst & Sohn, Berlin

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tragfähigen Böden. Vortrag Neumünster

STRIEGLER, W. (1998): Dammbau in Theorie und


Praxis. 2. Auflage, Verlag für Bauwesen, Berlin
103

Schriftenreihe S 18: 2. Erfahrungsaustausch über rechnergestütztes Straßen-


erhaltungsmanagement € 14,50
S 19: Einfluß der Bruchflächigkeit von Edelsplitten auf die Stand-
Berichte der Bundesanstalt festigkeit von Asphalten
Teil 1: Literaturauswertung
für Straßenwesen Beckedahl, Nösler, Straube
Teil 2: Einfluß des Rundkornanteils auf die Scherfestigkeit von
Gesteinskörnungen
Unterreihe „Straßenbau“ H.G. Diel € 16,50

1993 1999
S 1: Verwitterungsbeständigkeit von Recycling-Baustoffen S 20: 36. Erfahrungsaustausch über Erdarbeiten im Straßenbau
Guth kostenlos € 14,00
S 21: Walzbeton: Ergebnisse aus neuester Forschung und lang-
S 2: Eignung von Grubenbergen als Baustoff für Tragschichten jähriger Praxis – Kompendium
ohne Bindemittel Birmann, Burger, Weingart, Westermann
Guth kostenlos
Teil 1: Einfluß der Zusammensetzung und der Verdichtung von
S 3: Altlastenerfassung durch geophysikalische Methoden Walzbeton auf die Gebrauchseigenschaften (1)
Faust kostenlos Schmidt, Bohlmann, Vogel, Westermann
S 4: EPS-Hartschaum als Baustoff für Straßen Teil 2: Einfluß der Zusammensetzung und der Verdichtung von
Bull-Wasser kostenlos Walzbeton auf die Gebrauchseigenschaften (2)
Weingart,Dreßler
S 5: Baubegleitende Messungen B 73n Teil 3: Messungen an einer Versuchsstrecke mit Walzbeton-Trag-
Heinisch, Blume kostenlos schicht an der B54 bei Stein-Neukirch
S 6: Eignung überdeckter Fugen mit Querkraftübertragung Eisenmann, Birmann
Fleisch, Bartz kostenlos Teil 4: Temperaturdehnung, Schichtenverbund, vertikaler Dichte-
verlauf und Ebenheit von Walzbeton
€ 17,00
1994 Burger

S 7: 33. Erfahrungsaustausch über Erdarbeiten im Straßenbau


€ 14,00
2000
S 22: 3. Bund-Länder-Erfahrungsaustausch zur systematischen
1995 Straßenerhaltung – Nutzen der systematischen Straßenerhaltung
€ 19,50
S 8: Anleitung Qualitätsmanagementplan Asphalttragschichten S 23: Prüfen von Gesteinskörnungen für das Bauwesen
Freund, Stöckner € 12,50 Ballmann, Collins, Delalande, Mishellany,
S 9: Meßwert- und rechnergestütztes Management der Stra- v. d. Elshout, Sym € 10,50
ßenerhaltung – Niederschrift und Referate des Erfahrungsaus-
tausches am 16. und 17. Mai 1995 in Berlin € 13,00
2001
S 10: 34. Erfahrungsaustausch über Erdarbeiten im Straßenbau S 24: Bauverfahren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Un-
€ 14,00 tergrund - Konsolidationsverfahren -
Teil 1: Vergleichende Betrachtung von Konsolidationsver-fahren
1996 beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Untergrund
Teil 2: Erfahrungsberichte über ausgeführte Straßenbauprojekte
S 11: Der Einfluß der Textur auf Reifen/Fahrbahngeräusch und
auf wenig tragfähigem Untergrund unter Verwendung von
Rollwiderstand
Konsolidationsverfahren
Ullrich, Glaeser, Sander € 15,00
Koch € 17,50
S 12: Offenporige Asphaltdeckschichten auf Außerortsstraßen –
S 25: 37. Erfahrungsaustausch über Erdarbeiten im Straßenbau
Projektgruppe „Lärmmindernde Straßendecken“ € 10,00
€ 16,50
S 13: Qualität von mineralischen Straßenbaustoffen
€ 16,50
Tabbert
2002
1997 S 26: Bauverfahren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Un-
tergrund - Aufgeständerte Gründungspolster
S 14: 35. Erfahrungsaustausch über Erdarbeiten im Straßenbau Rogner, Stelter € 14,00
€ 16,50
S 27: Neue Methoden für die Mustergleichheitsprüfung von
S 15: Anforderungen an Fugenfüllsysteme aus Temperaturdeh- Markierungsstoffen – Neuentwicklung im Rahmen der Einführung
nungen der ZTV-M 02
Eisenmann, Lechner € 12,50 Killing, Hirsch, Boubaker, Krotmann € 11,50
S 16: Sicherheitswirksamkeit ausgewählter Straßenbaumaßnah- S 28: Rechtsfragen der Bundesauftragsverwaltung bei Bundes-
men im Lande Brandenburg fernstraßen – Referate eines Forschungsseminars der Universi-
Schnüll, Handke, Seitz € 22,00 tät des Saarlandes und des Arbeitsausschusses „Straßenrecht“
am 25./26. September 2000 in Saarbrücken € 13,00
1998 S 29: Nichtverkehrliche Straßennutzung – Referate eines For-
S 17: Restnutzungsdauer von Asphaltschichten schungsseminars der Universität des Saarlandes und des Arbeits-
Wolf € 13,00 ausschusses „Straßenrecht“ am 24./25. September 2001 in Saar-
brücken € 13,50
104

2003
S 30: 4. Bund-Länder-Erfahrungsaustausch zur systematischen
Straßenerhaltung – Workshop Straßenerhaltung mit System –
€ 19,50
S 31: Arbeitsanleitung für den Einsatz des Georadars zur Gewin-
nung von Bestandsdaten des Fahrbahnaufbaues „Straßenrecht“
am 23./24. September 2002 in Saarbrücken
Golkowski € 13,50
S 32: Straßenbaufinanzierung und -verwaltung in neuen Formen
– Referate eines Forschungsvorhabens der Universität des Saar-
landes und des Arbeitsausschusses „Straßenrecht“ am 23. und
24. September 2003 in Saarbrücken € 13,50
S 33: 38. Erfahrungsaustausch über Erdarbeiten im Straßenbau
€ 17,50
S 34: Untersuchungen zum Einsatz von EPS-Hartschaumstoffen
beim Bau von Straßendämmen
Hillmann, Koch, Wolf € 14,00

2004
S 35: Bauverfahren beim Straßenbau auf wenig tragfähigem Un-
tergrund – Bodenersatzverfahren
Grundhoff, Kahl € 17,50

Alle Berichte sind zu beziehen beim:

Wirtschaftsverlag NW
Verlag für neue Wissenschaft GmbH
Postfach 10 11 10
D-27511 Bremerhaven
Telefon: (04 71) 9 45 44 - 0
Telefax: (04 71) 9 45 44 77
Email: vertrieb@nw-verlag.de
Internet: www.nw-verlag.de

Dort ist auch ein Komplettverzeichnis erhältlich.