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EUROPÄISCHE NORM SCHLUSS-ENTWURF

EUROPEAN STANDARD FprEN 16212


NORME EUROPÉENNE
April 2012

ICS 27.010

Deutsche Fassung

Energieeffizienz und -einsparberechnung - Top-Down- und


Bottom-Up-Methoden

Energy Efficiency and Savings Calculation, Top-down and Efficacité énergétique et calcul d'économies - Méthodes
Bottom-up Methods top-down (descendante) et bottom-up (ascendante)

Dieser Europäische Norm-Entwurf wird den CEN-Mitgliedern zur formellen Abstimmung vorgelegt. Er wurde vom Technischen Komitee
CEN/CLC/JWG 4 erstellt.

Wenn aus diesem Norm-Entwurf eine Europäische Norm wird, sind die CEN und CENELEC-Mitglieder gehalten, die CEN und CENELEC-
Geschäftsordnung zu erfüllen, in der die Bedingungen festgelegt sind, unter denen dieser Europäischen Norm ohne jede Änderung der
Status einer nationalen Norm zu geben ist.

Dieser Europäische Norm-Entwurf wurde vom CEN und CENELEC in drei offiziellen Fassungen (Deutsch, Englisch, Französisch) erstellt.
Eine Fassung in einer anderen Sprache, die von einem CEN und CENELEC-Mitglied in eigener Verantwortung durch Übersetzung in seine
Landessprache gemacht und dem Management-Zentrum des CEN-CENELEC mitgeteilt worden ist, hat den gleichen Status wie die
offiziellen

CEN- und CENELEC-Mitglieder sind die nationalen Normungsinstitute und elektrotechnischen Komitees von Belgien, Bulgarien,
Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta,
den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Spanien, der
Tschechischen Republik, der Türkei, Ungarn, dem Vereinigten Königreich und Zypern.

Die Empfänger dieses Norm-Entwurfs werden gebeten, mit ihren Kommentaren jegliche relevante Patentrechte, die sie kennen, mitzuteilen
und unterstützende Dokumentationen zur Verfügung zu stellen.

Warnvermerk : Dieses Schriftstück hat noch nicht den Status einer Europäischen Norm. Es wird zur Prüfung und Stellungnahme
vorgelegt. Es kann sich noch ohne Ankündigung ändern und darf nicht als Europäischen Norm in Bezug genommen werden.

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© 2012 CEN/CENELEC Alle Rechte der Verwertung, gleich in welcher Form und in Ref. Nr. FprEN 16212:2012 D
welchem Verfahren, sind weltweit den nationalen Mitgliedern
von CEN und den Mitgliedern von CENELEC vorbehalten.
FprEN 16212:2012 (D)

Inhalt Seite

Vorwort ................................................................................................................................................................4
Einleitung .............................................................................................................................................................5
1 Anwendungsbereich .............................................................................................................................7
2 Normative Verweisungen ......................................................................................................................7
3 Begriffe ...................................................................................................................................................7
4 Merkmale der Top-Down- und Bottom-Up-Methoden ..................................................................... 13
4.1 Merkmale ............................................................................................................................................. 13
4.2 Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz ........................................................................ 14
4.3 Arten von Energieeinsparungen ....................................................................................................... 15
4.3.1 Gesamte, unabhängige und politikbezogene Einsparungen ......................................................... 15
4.3.2 Ausgangsbasis und zusätzliche Einsparungen .............................................................................. 18
4.4 Art der verwendeten Daten ................................................................................................................ 18
4.5 Systemgrenzen ................................................................................................................................... 18
5 Top-Down-Einsparberechnungen ..................................................................................................... 19
5.1 Energieeffizienz-Kenngrößen ............................................................................................................ 19
5.1.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 19
5.1.2 Strukturelle Effekte und Disaggregation .......................................................................................... 19
5.1.3 Auswahl der Kenngrößen und Bestimmung der Einsparungen .................................................... 20
5.2 Allgemeine Berechnung von Top-Down-Energieeinsparungen .................................................... 20
5.2.1 Ansatz für die Berechnung ................................................................................................................ 20
5.2.2 Bestimmung der Typen von Kenngrößen ........................................................................................ 21
5.2.3 Berechnung der Werte der Kenngrößen .......................................................................................... 21
5.2.4 Berechnung der Energieeinsparung je Kenngröße ........................................................................ 23
5.3 Weitere Schwierigkeiten bei der Berechnung von Top-Down-Einsparungen .............................. 25
5.3.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 25
5.3.2 Berechnungsalternativen ................................................................................................................... 25
5.3.3 Einheiten für den Energieverbrauch ................................................................................................. 26
5.3.4 Verschiedenes..................................................................................................................................... 28
6 Bottom-Up-Einsparberechnungen .................................................................................................... 28
6.1 Einzelheiten über das zu beurteilende Objekt ................................................................................. 28
6.1.1 Elementareinheit für Maßnahmen und normierte Energieeinsparungen ..................................... 28
6.1.2 Optionen für die Ausgangsbasis für Maßnahmen beim endgültigen Einsatz .............................. 29
6.1.3 Typen von Einsparungen aus Bottom-Up-Berechnungen ............................................................. 30
6.2 Allgemeine Berechnung von Bottom-Up-Energieeinsparungen ................................................... 31
6.2.1 Berechnungsansatz ............................................................................................................................ 31
6.2.2 Schritt 1: Berechnung der normierten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen ......................... 33
6.2.3 Schritt 2: Berechnung der gesamten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen ........................... 38
6.2.4 Schritt 3: Berechnung der gesamten jährlichen Energieeinsparungen ........................................ 40
6.2.5 Schritt 4: Berechnung der verbleibenden Energieeinsparungen für das Zieljahr ....................... 42
6.2.6 Berechnung der gesamten Bottom-Up-Energieeinsparungen unter Berücksichtigung von
Überlappungen .................................................................................................................................... 43
Anhang A (informativ) Beispiele für Energieeffizienz-Kenngrößen ............................................................ 45
A.1 Einleitung ............................................................................................................................................. 45
A.2 Sektoren und Kenngrößen ................................................................................................................. 45
A.2.1 Einbezogene Sektoren ....................................................................................................................... 45
A.2.2 Auswahl der Kenngrößen bezüglich Energieeinsparungen........................................................... 45
A.3 Kenngrößen für den Wohnsektor ...................................................................................................... 47
A.3.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 47

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FprEN 16212:2012 (D)

A.3.2 Raumheizung ....................................................................................................................................... 47


A.3.3 Warmwasser ........................................................................................................................................ 48
A.3.4 Große Elektrogeräte ............................................................................................................................ 49
A.3.5 Beleuchtung und andere Geräte ........................................................................................................ 49
A.3.6 Gesamter Stromverbrauch ................................................................................................................. 49
A.3.7 Gesamter Energieverbrauch, außer Elektrizität ............................................................................... 49
A.4 Kenngrößen für den Dienstleistungssektor ..................................................................................... 49
A.4.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 49
A.4.2 Gesamter Energieverbrauch .............................................................................................................. 50
A.4.3 Gesamter Stromverbrauch ................................................................................................................. 50
A.4.4 Gesamter Energieverbrauch, außer Elektrizität ............................................................................... 51
A.4.5 Brennstoffe und erzeugte Wärme für Heizzwecke ........................................................................... 51
A.4.6 Elektrizität für Beleuchtung oder Klimatisierung ............................................................................. 51
A.4.7 Elektrizität für IKT und andere Einrichtungen .................................................................................. 51
A.5 Kenngrößen für den Transportsektor ............................................................................................... 51
A.5.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 51
A.5.2 Kraftstoffverbrauch von Autos .......................................................................................................... 52
A.5.3 Kraftstoffeinsatz im Gütertransport auf der Straße ......................................................................... 53
A.5.4 Energieeinsatz für andere Systeme ................................................................................................... 53
A.6 Kenngrößen für den Industriesektor ................................................................................................. 54
A.6.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 54
A.6.2 Energieintensive Industrie.................................................................................................................. 54
A.6.3 Andere industrielle Branchen ............................................................................................................ 55
Anhang B (informativ) Detaillierungsgrad und Handhabung von Daten in Bottom-Up-
Berechnungen ..................................................................................................................................... 56
B.1 Detaillierungsgrad in Einsparberechnungen.................................................................................... 56
B.2 Harmonisierung und Handhabung der Daten................................................................................... 57
Anhang C (informativ) Bottom-Up-Anwendungen für Gebäude — Austausch eines Kessels ................. 59
C.1 Einleitung ............................................................................................................................................. 59
C.2 Mögliche Beispiele für Berechnungen .............................................................................................. 60
C.3 Beispiel für Kategorie 2: Austausch der Heizungsanlage in Wohn- und Bürogebäuden ............ 61
C.3.1 Schritt 1: Berechnung der normierten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen .......................... 61
C.3.2 Schritt 2: Gesamte jährliche Brutto-Energieeinsparungen ............................................................. 64
C.3.3 Schritt 3: Gesamte jährliche Energieeinsparungen ......................................................................... 65
C.3.4 Schritt 4: Gesamte verbleibende Energieeinsparungen für das Zieljahr ...................................... 66
Literaturhinweise .............................................................................................................................................. 67

3
FprEN 16212:2012 (D)

Vorwort
Dieses Dokument (FprEN 16212:2012) wurde vom Technischen Komitee CEN/CLC/JWG 4 „Energieeffizienz-
und Einsparberechnungen“ erarbeitet, dessen Sekretariat vom NEN gehalten wird.

Dieses Dokument ist derzeit zur formellen Abstimmung vorgelegt.

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FprEN 16212:2012 (D)

Einleitung
Aufgrund von Unwägbarkeiten bei der Versorgung mit Energie sowie der Notwendigkeit zur Begrenzung des
Treibhauseffektes haben die europäischen Länder eine Politik zur Verbesserung der Energieeffizienz und
zum Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energiequellen eingeführt. Die von jedem Land für sich
einzusparende Energiemenge sowie die Gesamtmenge für die Europäische Union (EU) wurden in
internationalen Abkommen offiziell bekannt gegeben. In den letzten Jahren hat die EU als Teil ihrer
Anstrengungen zur Verbesserung der Energieeffizienz auf EU-Ebene eine Reihe von Richtlinien
verabschiedet. Ein Beispiel ist die Richtlinie 2006/32/EG über Endenergieeffizienz und Energiedienst-
leistungen (EDL-Richtlinie). Die EDL-Richtlinie legt für 2016 einen Richtwert für das nationale Energie-
einsparziel fest, der 9 % des Endenergieverbrauchs in fünf Jahren vor 2007 beträgt. Dieses Ziel soll durch
Energiedienstleistungen und andere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz erreicht werden.

Die Formulierung von Politiken und Zielen hat zu der Notwendigkeit einer Harmonisierung von
Überwachungs- und Bewertungsmethoden für Energieeinsparungen auf internationaler und europäischer
Ebene geführt. Darüber hinaus benötigen auch zahlreiche Länder, die in die Überwachung der erreichten
Energieeinsparungen einbezogen werden oder unter dem Einfluss der eingeführten Politiken und
Maßnahmen stehen, diese Berechnungsmethoden.

Diese Europäische Norm behandelt die folgenden Themen:

 Methoden und allgemeine Regeln für die Berechnung;

 Terminologie und Definitionen;

 Parameter und Daten, einschließlich Datenqualität und Datenquellen.

Diese Norm betrachtet sowohl Top-Down- als auch Bottom-Up-Berechnungsmethoden. Die


Top-Down-Methode basiert auf energiebezogenen Kenngrößen (z. B. mittlerer Gasverbrauch je Wohnung),
welche häufig aus statistischen Daten berechnet werden. Die Bottom-Up-Methode betrachtet Endnutzer-
Aktivitäten und Unterstützungsmaßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz. Für den Top-Down-Ansatz
nutzt diese Norm die Ergebnisse aus früheren Arbeiten bezüglich Kenngrößen aus dem ODYSSEE-Projekt
und im Rahmen der EDL-Richtlinie. Für die Bottom-Up-Methode baut die Norm auf die Ergebnisse des
EMEEES-Projektes auf, welches ursprünglich im Rahmen der Einführung der EDL-Richtlinie durchgeführt
wurde. Diese Ergebnisse sind der Ausgangspunkt für diese von ihrer Natur her allgemeine Norm, die für eine
größere Bandbreite von Einsatzgebieten und Nutzern anwendbar ist als die von der EU getriebene
EDL-Richtlinie.

ANMERKUNG 1 Das ODYSSEE-Projekt entwickelt und aktualisiert Energieeffizienz-Kenngrößen, die für eine Top-
Down-Berechnung von Energieeinsparungen in den 27 EU-Ländern zuzüglich Norwegen und Kroatien verwendet werden
können.

ANMERKUNG 2 Das EMEEES-Projekt befasste sich mit der Definition von Top-Down- und Bottom-Up-Berechnungs-
methoden zur Überwachung der durch die EDL-Richtlinie erzielten Einsparungen.

Die Top-Down- und Bottom-Up-Berechnungsmethoden werden als zwei eigenständige Berechnungs-


methoden dargestellt. Die Kombination von Top-Down- und Bottom-Up-Methoden ist nicht Gegenstand dieser
Norm. Dennoch werden Unterschiede und Anwendung beider Methoden erläutert.

Diese Norm bietet einen allgemeinen Rahmen für die Berechnung von Energieeinsparungen. Für die Top-
Down-Methode werden Beispiele spezifischer Berechnungen für jede Kenngröße separat dargestellt. Für die
Bottom-Up-Methode wird beispielhaft ein spezifischer Anwendungsfall — Energienutzung in Gebäuden —
dargestellt.

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FprEN 16212:2012 (D)

Nach den normativen Verweisungen (Abschnitt 2) und den Begriffen (Abschnitt 3) werden die Merkmale der
Top-Down- und Bottom-Up-Methoden in Abschnitt 4 dargestellt. Die Top-Down-Berechnungsmethode wird in
Abschnitt 5 und die Bottom-Up-Berechnungsmethode in Abschnitt 6 beschrieben. Anhang A spezifiziert Kenn-
größen als Beispiele für die Verwendung in Top-Down-Berechnungen. Anhang B befasst sich mit der Detail-
tiefe, bei der Bottom-Up-Methoden verwendet werden können. Anhang C beschreibt das Fallbeispiel eines
Bottom-Up-Ansatzes für Gebäude.

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FprEN 16212:2012 (D)

1 Anwendungsbereich
Diese Norm bietet einen allgemeinen Ansatz für Energieeffizienz- und Energieeinsparberechnungen mittels
Top-Down- und Bottom-Up-Methoden. Der allgemeine Ansatz ist anwendbar auf Energieeinsparungen von
Gebäuden, Fahrzeugen, Geräten, industriellen Prozessen, usw.

Die Norm deckt den Energieverbrauch in allen Bereichen der Endenergienutzung ab. Die Norm behandelt
nicht die Versorgung mit Energie, z. B. durch Kraftwerke, da sie den Endenergieverbrauch betrachtet.

Die Norm betrachtet die Einsparungen bei der an den endgültigen Nutzer gelieferten Energie. Die
Einspeisung einiger Formen erneuerbarer Energien „nach dem Zähler“ (z. B. von solaren Wassererhitzern)
senkt den Energiebedarf und können dadurch als Teil der berechneten Energieeinsparungen betrachtet
werden. Den Anwendern dieser Norm sollte bewusst sein, dass diese erneuerbare Energie nach dem Zähler
ebenfalls als erzeugte Energie betrachtet wird.

Die Norm dient zur Durchführung von Ex-post-Bewertungen von erzielten Einsparungen sowie von Ex-ante-
Bewertungen von erwarteten Einsparungen.

Die Norm ermöglicht Einsparberechnungen für jeden gewählten Zeitraum. Allerdings können für bestimmte
Anwendungen Einschränkungen, wie z. B. kurze Datenreihen, diesen Zeitraum begrenzen.

Diese Norm ist nicht zur Berechnung von Energieeinsparungen einzelner Haushalte, Unternehmen oder
anderer Endnutzer vorgesehen.

2 Normative Verweisungen
Die folgenden zitierten Dokumente sind für die Anwendung dieses Dokuments erforderlich. Bei datierten
Verweisungen gilt nur die in Bezug genommene Ausgabe. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte
Ausgabe des in Bezug genommenen Dokuments (einschließlich aller Änderungen).

CWA 15693:2007, Saving Lifetimes of Energy Efficiency Improvement Measures in bottom-up calculations

CEN/CLC TR 16103:2010, Energy management and Energy efficiency — Glossary of terms

ISO 13600:1997, Technical energy systems — Basic concepts

3 Begriffe
Für die Anwendung dieses Dokuments gelten die folgenden Begriffe.

3.1
Anpassungsfaktor
quantifizierbarer Parameter, der einen Einfluss auf den Energieverbrauch hat

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Anpassungsfaktoren werden hauptsächlich bei der Bottom-Up-Methode verwendet.

BEISPIEL Wetterbedingungen, verhaltensabhängige Parameter (Innentemperatur, Helligkeit), Arbeitszeiten, Durch-


satz in der Produktion, usw.

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FprEN 16212:2012 (D)

3.2
Ausgangsbasis
Basislinie
berechneter oder gemessener, mithilfe von Anpassungsfaktoren normierter Energieverbrauch als Referenz-
wert ohne eine Aktivität zum endgültigen Einsatz

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Die Ausgangsbasis stellt einen Referenzwert dar, gegen den Messungen
vorgenommen bzw. verglichen werden können.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: Die Ausgangsbasis kann andere Aktivitäten enthalten, jedoch nicht die in Frage
stehende Aktivität.

3.3
Bottom-Up-Einsparungen
mit Bottom-Up-Methoden berechnete Energieeinsparungen

3.4
Bottom-Up-Methode
Ermittlung von Energieeinsparungen bei Endnutzer-Aktivitäten mithilfe von normierten Einsparungen und
Elementareinheiten für Maßnahmen

3.5
Kenngröße für die Verbreitung
Kenngröße, welche die Verbreitung Energie sparender Systeme (z. B. effiziente Einrichtungen oder effiziente
Transportarten) mit einer gegebenen Einsparung je System aufzeigt

BEISPIEL Anzahl der solaren Wassererhitzer, effizienter Lampen oder elektrischer Geräte mit der Kennzeichnung
A+ oder A++, Anteil öffentlicher Verkehrsmittel am Passagiertransport oder Gütertransport zu Wasser und auf der Schiene

3.6
Doppelzählung
mehrfache Inanspruchnahme von Energieeinsparungen für zwei oder mehr Unterstützungsmaßnahmen, die
auf dieselbe Aktivität des Endnutzers abzielen

ANMERKUNG 1 zum Begriff: In den meisten Fällen werden die durch die Kombination zweier
Unterstützungsmaßnahmen erreichten Einsparungen geringer sein als die Summe der Einsparungen aus getrennten
Maßnahmen.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: Doppelzählung kann das Ergebnis von Überlappung sein.

3.7
Treiber
Größe, von der anzunehmen ist, dass sie für die betrachtete Energienutzung in Top-Down-Methoden
bestimmend ist

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Ein Treiber kann sowohl eine Aktivität (z. B. Produktion) als auch die Beschaffenheit
eines Systems (z. B. Geschossgröße) sein.

3.8
Elementareinheit für Maßnahmen
Objekt, für welches normierte Energieeinsparungen definiert und aufsummiert werden können

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Im Allgemeinen ist hiermit ein Energie nutzendes System oder der Teilnehmer an
einem Energieeinsparprogramm gemeint.

3.9
Maßnahme beim endgültigen Einsatz
Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz, die seitens des Endnutzers umgesetzt wird

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FprEN 16212:2012 (D)

3.10
Energieträger
Stoff oder Phänomen, der bzw. das zur Erzeugung mechanischer Arbeit, Wärme oder zum Betrieb
chemischer oder physikalischer Prozesse verwendet werden kann

[ISO 13600:1997]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Der Energiegehalt von Energieträgern wird durch deren spezifischen Brennwert
(= obere Heizleistung) angegeben.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: Beispiele für Energieträger sind Koks, Öl, Gas, Fernwärme und Elektrizität.

3.11
Energieverbrauch
Menge der genutzten Energie

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Obwohl technisch nicht korrekt, ist der Begriff Energieverbrauch weit verbreitet.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: Die Einheit für Energieverbrauch kann sowohl in Relation zum verwendeten
Energieträger angegeben werden, als auch in der Standardeinheit für Energie, Joule.

ANMERKUNG 3 zum Begriff: Die Art und Weise der Energieverwendung wird als Energienutzung bezeichnet.

3.12
Energieeffizienz
Verhältnis zwischen einer erzielten Leistung bzw. einem Ertrag an Dienstleistungen, Gütern oder Energie und
der eingesetzten Energie

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Sowohl der Einsatz, wie auch der Ertrag müssen hinsichtlich Quantität und Qualität
exakt definiert und messbar sein.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: Energieeffizienz wird verbreitet verwendet, um den gesamten Prozess zu bezeichnen,
der sicherstellen soll, dass Energie entweder effizienter oder unter wirtschaftlichen Kostenaspekten möglichst effizient
genutzt wird. Diese Norm wird den Begriff in seinem engeren, eher technischen Sinn verwenden.

ANMERKUNG 3 zum Begriff: Eine verbreitete Bedeutung von Energieeffizienz ist, zumindest dasselbe mit weniger
Energie zu tun.

3.13
Verbesserung der Energieeffizienz
Erhöhung der Energieeffizienz als Ergebnis technologischer, verhaltensbezogener und/oder wirtschaftlicher
Veränderungen

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Abgekürzt als EEI (en: Energy Efficiency Improvement).

3.14
Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz
EEI-Maßnahme (en: Energy Efficiency Improvement, EEI)
Aktivität, die normalerweise zu einer überprüfbaren, messbaren oder abschätzbaren Verbesserung der
Energieeffizienz führt

[CEN/CLC TR 16103:2010]

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FprEN 16212:2012 (D)

ANMERKUNG 1 zum Begriff: In der EDL-Richtlinie umfasst der Begriff sowohl Maßnahmen beim endgültigen Einsatz
als auch Unterstützungsmaßnahmen, die im vorliegenden Dokument getrennt voneinander definiert sind.

3.15
Energieeffizienz-Kenngröße
bezüglich der Energieeffizienz aussagefähiger Wert

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Hauptsächlich als Metrik in der politischen Bewertung und in makroökonomischen
Studien der Energieeffizienz verwendet.

3.16
Endnutzer von Energie
Einheit, die Endenergie verbraucht

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Der Endnutzer von Energie kann sich von dem Kunden unterscheiden, der Energie
zwar kauft, aber nicht notwendigerweise nutzt.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: Die Endnutzung von Energie kann unter Verwendung des Europäischen statistischen
NACE-Code-Systems oder einer nationalen Systematik zu Wirtschaftszweigen nach NACE gruppiert werden.

3.17
Energieeinsparung
Verringerung des Energieverbrauchs nach Umsetzung der Maßnahme(n) beim endgültigen Einsatz

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Die Verringerung wird durch den Vergleich mit der Ausgangsbasis unter
Berücksichtigung sämtlicher Anpassungsfaktoren erreicht.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: Energieeinsparungen können nach einer Beurteilung potentiell oder nach der
Umsetzung von Maßnahmen tatsächlich vorhanden sein.

ANMERKUNG 3 zum Begriff: Wenn eine vorgesehene Maßnahme beim endgültigen Einsatz zu einem Anstieg des
Energieverbrauchs führt, dann sind die berechneten Energieeinsparungen negativ.

3.18
Energienutzung
Art bzw. Methode der Anwendung von Energie

[CEN/CLC TR 16103:2010]

BEISPIEL Beleuchtung, Lüftung, Heizung, Prozesse, Produktionslinien

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Die Menge der verwendeten Energie wird als Energieverbrauch bezeichnet.

3.19
Energie nutzendes System
definierte physikalische, Energie nutzende Betrachtungseinheit mit Grenzen, Energieeinsatz und Ertrag

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Ein Energie nutzendes System kann ein Gebäude, ein Fahrzeug oder eine Anlage/ein
Standort bzw. ein Teil hiervon wie z. B. eine Einrichtung, eine Maschine, ein Produkt, etc., sein.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: Der Ertrag kann Energie, eine Dienstleistung, ein Produkt sein.

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FprEN 16212:2012 (D)

3.20
Abschätzung
Prozess der Beurteilung eines oder mehrerer Werte, die einer Menge zugerechnet werden

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Eine Abschätzung durch einen Fachmann mit ausreichender Erfahrung kann Daten mit
einer vertretbaren Genauigkeit liefern.

3.21
Unterstützungsmaßnahme
Energieeffizienzdienstleistung oder Programm zur Verbesserung der Energieeffizienz, die/das einem
Endnutzer von Energie zur Verfügung gestellt wird

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Eine Unterstützungsmaßnahme wird durch eine dritte Partei angeboten, die nicht
Endnutzer von Energie ist.

3.22
Endenergie
von einem Energie nutzenden System aufgenommene Energie

[CEN/CLC TR 16103:2010]

3.23
Mitnahmeeffekt
Energieeinsparungen im Zusammenhang mit einer Unterstützungsmaßnahme, die auch ohne diese
Maßnahme erzielt worden wären

BEISPIEL Mitnahmeeffekte sind die Nutzung von Subventionsregelungen, obwohl die subventionierte Endnutzer-
Maßnahme auch ohne diese Regelung umgesetzt worden wäre.

3.24
Brutto-Energieeinsparung
Energieeinsparungen vor der Korrektur

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Beispiele von Korrekturen sind technische Wechselwirkung, Doppelzählung,
Multiplikationseffekt und Mitnahmeeffekt.

3.25
Messung
Prozess der Gewinnung eines oder mehrerer Werte, die einer Menge zugerechnet werden können

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Eine Messung bedeutet Vergleich und Zählung von Mengen.

3.26
Überwachung
Aufzeichnung und Überprüfung von Zählerwerten und anderen Daten über einen Zeitraum

[CEN/CLC TR 16103:2010]

3.27
Multiplikationseffekt
fortdauernde Auswirkung einer Unterstützungsmaßnahme nach Beendigung dieser Maßnahme

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Die zeitlich begrenzte Förderung effizienter Geräte verändert den Markt für diese
Geräte dergestalt, dass diese sich auch nach Beendigung der Fördermaßnahme weiter verbreiten.

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FprEN 16212:2012 (D)

3.28
Normalisierung
Anpassung des Energieverbrauchs über einen Zeitraum bezüglich der Einflussgrößen, die in der Berechnung
der Energieeinsparungen nicht berücksichtigt werden sollen

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Die Korrektur wird durch einen Anpassungsfaktor vorgenommen, der kleiner oder
größer als 1 sein kann.

3.29
Rebound-Effekt
Änderung im Energienutzungsverhalten, das zu vermehrter Nutzung bzw. zu vermehrtem Konsum als
Ergebnis der Ergreifung einer Maßnahme beim endgültigen Einsatz führt

BEISPIEL Haushalte mit niedrigem Einkommen machen sich die Vorteile von Verbesserungen der Energieeffizienz
häufig in Form höherer Innentemperaturen zunutze und verbrauchen so mehr Energie, als aufgrund der vorgenommenen
Maßnahmen berechnet wurde.

3.30
erneuerbare Energie
Energie aus einer Quelle, die durch die Entnahme nicht erschöpft wird

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Beispiele für erneuerbare Energie sind Solarenergie (thermisch und photovoltaisch),
Wind, Wasserkraft und Biomasse, die nach der Ernte erneut angebaut wird.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: In ISO 13602-1:2002 ist erneuerbare Ressource definiert als „natürliche Ressource, für
welche das Verhältnis zwischen der Erzeugung der natürlichen Ressource und dem Ausstoß aus der Natur in technische
Bereiche größer oder gleich eins ist“.

3.31
Lebensdauer der Einsparung
Anzahl der Jahre, für die die bei Umsetzung der Endnutzer-Maßnahme ursprünglich erzielten Einsparungen
bestehen bleiben

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Siehe festgelegte Lebensdauer in CWA 15693.

3.32
spezifischer Energieverbrauch
Energieverbrauch je physikalischer Einheit für den Ertrag

[CEN/CLC TR 16103:2010]

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Der spezifische Energieverbrauch kann auf Ebene von Teilsektoren definiert werden
und stellt einen Zusammenhang zwischen dem jährlichen Energieverbrauch und der jährlichen physikalischen Produktion
her.

ANMERKUNG 2 zum Begriff: In dieser Norm kann er ebenso für Energie nutzende Systeme definiert werden und
stellt dann einen Zusammenhang zwischen dem gesamten Energieverbrauch und der Anzahl der Systeme her: er ist dann
gleich der mittleren jährlichen Energienutzung je System.

BEISPIEL Gigajoule (GJ) je Tonne Stahl, kWh je m2 Wohnfläche, kWh je Kühlgerät, Liter/100 km für Fahrzeuge

3.33
Systemgrenze
physikalische oder virtuelle Hülle um ein Energie nutzendes System, für welches jeglicher Energietransfer
durch diese Hülle (nach innen und außen) für die Energieeffizienz und -einsparberechnung maßgeblich ist

3.34
technische Wechselwirkung
Verhältnis der Elementareinheit für Maßnahmen zum umgebenden technischen System oder zu anderen
Elementareinheiten für Maßnahmen, welche die normierten Energieeinsparungen beeinflussen

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FprEN 16212:2012 (D)

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Im Fall von technischen Wechselwirkungen zwischen Elementareinheiten für
Maßnahmen dürfen die Energieeinsparungen unterschiedlicher Maßnahmen nicht einfach aufsummiert werden.
Beispielsweise sind die durch die Kombination einer thermischen Isolierung und einem neuen effizienten Kessel erzielten
Einsparungen geringer als die Summe der durch jede Maßnahme separat erzielbaren Einsparungen.

3.35
Top-Down-Einsparungen
mit Top-Down-Methoden berechnete Energieeinsparungen

3.36
Top-Down-Methode
Ermittlung von Energieeinsparungen durch die Variation von Kenngrößen für den Energieverbrauch über
einen Zeitraum, ausgehend von aggregierten statistischen Daten auf nationaler Ebene oder auf Sektorebene

BEISPIEL In der Industrie ist eine Reduzierung des Energieverbrauchs je Euro nicht allein eine Folge der
Einsparung von Energie, sondern auch von strukturellen Veränderungen in der industriellen Produktion. Deshalb werden
separate Kenngrößen für die Zementproduktion, Stahlproduktion, usw. berechnet. Die Einsparungen je geplanter Energie-
nutzung ergeben in Summe die Energieeinsparung der Industrie.

3.37
normierte Energieeinsparung
berechnete Energieeinsparung je Elementareinheit für Maßnahmen

ANMERKUNG 1 zum Begriff: Wird auch als „jährliche normierte Bottom-Up Brutto-Energieeinsparung“ bezeichnet.
„Brutto“ bedeutet, dass Korrekturen vorgenommen werden können und „Bottom-Up“ weist auf die alleinige Verwendung in
Bottom-Up-Berechnungen hin.

4 Merkmale der Top-Down- und Bottom-Up-Methoden

4.1 Merkmale

Diese Norm sieht separate Top-Down- und Bottom-Up-Berechnungsmethoden vor. Derzeit gibt es keine
Bestrebungen, Top-Down- und Bottom-Up-Methoden in einem integrierten Berechnungssystem zu kombi-
nieren.

Dennoch ist in der Praxis ein Verständnis dafür notwendig, wie die Ergebnisse der Top-Down- und Bottom-
Up-Methoden im Verhältnis zueinander stehen. Deshalb beschreibt dieser Abschnitt die (verschiedenen)
Merkmale beider Methoden bezüglich:

 Art der EEI-Maßnahme (4.2);

 Art der ermittelten Einsparungen (4.3);

 Art der verwendeten Eingangsgrößen (4.4);

 Systemgrenzen (4.5).

Ein Überblick der Merkmale findet sich in Tabelle 1.

13
FprEN 16212:2012 (D)

4.2 Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz

Eine Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz (EEI-Maßnahme) kann eine physikalische, organisa-
torische oder verhaltensbezogene Aktivität sein, die in der Anlage/am Standort (oder Gebäude, Einrichtung,
usw.) des Endnutzers durchgeführt wird, welche die Energieeffizienz der Anlagen/Standorte oder Einrich-
tungen des Endnutzers verbessert und somit Energie einspart. Allerdings kann dies auch eine an den End-
nutzer verkaufte Energiedienstleistung oder ein Programm zur Verbesserung der Energieeffizienz sein, das
dem Endnutzer von einem Akteur, der nicht Endnutzer ist (z. B. Regierung oder Unternehmen) angeboten
wird, mit dem Ziel, den Endnutzer bei der Umsetzung spezifischer technischer, organisatorischer oder
verhaltensbezogener Aktivitäten zu unterstützen.

In dieser Norm wird klar zwischen den beiden Bedeutungen des Begriffs EEI-Maßnahme unterschieden:

 Endnutzer-Aktivität;

 Unterstützungsmaßnahme.

Endnutzer-Aktivitäten sind Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz, welche durch den Endnutzer
umgesetzt werden. Unterstützungsmaßnahmen, wie z. B. Regulierung, Subventionsregelungen oder frei-
willige Vereinbarungen, sind ein Anreiz für Endnutzer-Aktivitäten.

Unterstützungsmaßnahmen resultieren nicht (unmittelbar) in Energieeinsparungen. Stattdessen zielen sie auf


die Umsetzung von Endnutzer-Aktivitäten ab, die ohne die Unterstützungsmaßnahme nicht stattgefunden
hätten. Der Einspareffekt von Unterstützungsmaßnahmen wird sichtbar in Form von Endnutzer-Aktivitäten und
deren Auswirkungen auf den Energieverbrauch. Deshalb liegt das Hauptaugenmerk bei der Berechnung von
Energieeinsparungen auf den Endnutzer-Aktivitäten. Diese Endnutzer-Aktivitäten können physikalischer,
organisatorischer oder verhaltensbezogener Art sein.

Die Top-Down-Methoden verwenden energiebezogene Kenngrößen, z. B. den mittleren Gasverbrauch je


Wohneinheit, zur Berechnung von Energieeinsparungen. Diese Kenngrößen setzen den Energieverbrauch auf
(Teil-)Sektorebene in ein Verhältnis zu einem statistisch repräsentativen „Treiber“. Beispielsweise steht der
Energieverbrauch für die Raumheizung im Verhältnis zur Anzahl der Wohneinheiten. Die Veränderung des
Wertes der Kenngröße wird zur Berechnung der Einsparung verwendet (in diesem Beispiel ein geringerer
mittlerer Gasverbrauch je Wohneinheit). Diese Top-Down-Einsparungen sind das Ergebnis aller Endnutzer-
Aktivitäten, die auf die von der Kenngröße erfasste Energienutzung abzielen (in diesem Beispiel Dach/
Hohlwandisolierung, Doppelverglasung und hocheffiziente Boiler).

Endnutzer-Aktivitäten können die Folge von Unterstützungsmaßnahmen sein, sie können aber auch durch
andere Faktoren wie hohe Energiekosten, unabhängiger Fortschritt, Marktkräfte oder nicht-energiebezogene
Regierungspolitik getrieben werden. Die Werte der energiebezogenen Kenngrößen beziehen sowohl die
Auswirkung der Unterstützungsmaßnahmen als auch andere Faktoren mit ein. In der Regel können diese
Kenngrößen den Einfluss von Unterstützungsmaßnahmen nicht separat ausweisen.

Einige Top-Down-Kenngrößen betrachten die Energienutzung auf einer (sehr) niedrigen Aggregationsstufe,
z. B. Stromverbrauch von Kühlgeräten. In diesem Fall könnte eine direkte Beziehung zwischen einer
spezifischen Endnutzer-Aktivität (Kauf eines hocheffizienten Kühlgerätes) und einer Unterstützungs-
maßnahme (Kennzeichnungsschema für effiziente Kühlgeräte) hergestellt werden.

Bottom-Up-Methoden konzentrieren sich auf den Einspareffekt von EEI-Maßnahmen zur Steigerung der
Energieeffizienz. Die Methoden können auf die Wirkung einer Unterstützungsmaßnahme, z. B. Energie-
einsparung infolge einer Auditregelung, abzielen. Mithilfe dieser Methoden kann auch der Einspareffekt einer
Endnutzer-Aktivität, z. B. Dachisolierung für bestehende Wohngebäude, berechnet werden.

Im Falle von Unterstützungsmaßnahmen wird der Einspareffekt häufig von der Wirkung der hierdurch
geförderten Endnutzer-Aktivitäten abgeleitet (z. B. bei Audits die in dem Audit erwähnten Endnutzer-
Aktivitäten). Im Falle von Endnutzer-Aktivitäten kann der Einspareffekt unmittelbar berechnet und gegebenen-
falls einer oder mehreren Unterstützungsmaßnahmen zugeschrieben werden.

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FprEN 16212:2012 (D)

In der Praxis zielen einige Bottom-Up-Methoden auf aggregierte Endnutzer-Aktivitäten als Ergebnis einer oder
mehrerer Unterstützungsmaßnahmen ab. Ein Beispiel sind die gesamten Einsparungen bei neuen Wohn-
gebäuden durch Wärmedämmung, hocheffiziente Boiler, Wärmerückgewinnung und solaren Warmwasser-
geräten als Folge von Standards für die Leistung, Subventionen für solare Warmwassergeräte und freiwilligen
Vereinbarungen mit Bauunternehmen. Andere Bottom-Up-Methoden konzentrieren sich auf sehr spezielle
Unterstützungsmaßnahmen, die auf eine Endnutzer-Aktivität ausgerichtet sind, wie z. B. ein Lampen-
austauschprogramm.

4.3 Arten von Energieeinsparungen

4.3.1 Gesamte, unabhängige und politikbezogene Einsparungen

Die Bewertung von Energieeinsparungen kann entweder auf die Gesamteinsparung oder auf durch die Politik
veranlasste Einsparungen abzielen. Die Gesamteinsparungen sind wichtig, da sie die Entwicklung der
tatsächlichen Energienutzung aufzeigen. Dies ist in Bild 1 dargestellt, in dem die obere Kennlinie die Tendenz
der Endenergie infolge eines Anstiegs der Aktivitäten, der Anzahl der Energie nutzenden Geräte usw.
zwischen einem Basisjahr und einem Zieljahr aufzeigt. Änderungen der Art der Aktivitäten können den
Anstieg der Energienutzung beschränken (siehe strukturellen Effekt in Bild 1). Der strukturelle Effekt kann
jedoch ebenfalls die Energienutzung anregen, z. B. eine intensivere Anwendung von Energie nutzenden
Geräten. Die gesamten Einsparungen verringern den Anstieg der Energienutzung, was zu einer tatsächlichen
Tendenz der Energienutzung führt. Die Veränderung der tatsächlichen Energienutzung kann aufwärtsgerichtet
sein (siehe Bild 1), jedoch kann sie mit ausreichenden Einsparungen ebenfalls abwärtsgerichtet sein.

Ein Teil der gesamten Einsparungen kann eine durch die Politik ausgelöste Einsparung sein, die unter dem
Gesichtspunkt der Wirksamkeit politischer Maßnahmen wichtig ist, da sie die tatsächlichen Errungenschaften
politischer Maßnahmen aufzeigen.

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FprEN 16212:2012 (D)

Legende
1 Energienutzung 6 Gesamteinsparungen
2 Basisjahr 7 unabhängige Einsparungen
3 Zieljahr 8 politikbezogene Einsparungen
4 Tendenz der Endenergie infolge Wachstums 9 Tendenz der tatsächlichen Endenergie
5 struktureller Effekt 10 Veränderung der Endenergienutzung

Bild 1 — Unabhängige, durch Politik ausgelöste und gesamte Energieeinsparungen

Den Unterschied zwischen gesamten und durch die Politik ausgelösten Einsparungen machen die
unabhängigen Einsparungen aus (siehe Bild 1). Unabhängige Einsparungen werden ohne eine bewusste
Anstrengung zum Einsparen von Energie weder auf Seiten der Nutzer selbst, noch von Seiten anderer
Akteure erzielt. Diese Einsparungen können von technologischem Fortschritt herrühren, z. B. Dieselmotoren
anstelle von Dampfmaschinen für den Schienentransport, oder die Produktion von Basischemikalien bei
niedrigerer Temperatur durch die Verwendung von Katalysatoren. Häufig werden unabhängige Einsparungen
durch den wettbewerbsbedingten Druck zur Einsparung von Energiekosten getrieben. Deshalb sind unab-
hängige Einsparungen teilweise von hohen Energiekosten abhängig. In der Praxis kann die Abgrenzung
zwischen durch die Politik ausgelösten Einsparungen und unabhängigen Einsparungen unklar sein. In Bild 2
sind die gesamten Einsparungen aus Bild 1 einzeln als Differenz zwischen der Referenztendenz der Energie
(infolge des Anstiegs und der strukturellen Effekte) und der Tendenz der tatsächlichen Energie dargestellt.
Mithilfe von Top-Down-Methoden werden die Einsparungen von Endnutzer-Aktivitäten berechnet, seien sie
nun das Ergebnis von Unterstützungsmaßnahmen (z. B. Politik) oder unabhängiger Entwicklungen (z. B.
höhere Energiekosten oder technologischer Fortschritt). Jede Top-Down-Methode behandelt einen Teil der
Energienutzung, z. B. Energie zur Raumheizung in Gebäuden oder Elektrizität für die industrielle
Verwendung, und führt zu berechneten Energieeinsparungen. Bild 2 zeigt, wie diese berechneten
Einsparungen (TD 1 und TD 2) zu den Gesamteinsparungen beitragen. Wird die gesamte Energienutzung
durch Top-Down-Fälle erfasst, ergeben sich die Gesamteinsparungen aus Bild 1.

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FprEN 16212:2012 (D)

Legende
1 Energienutzung 5 tatsächliche Tendenz der Endenergie
2 Basisjahr 6 Fall TD 1
3 Zieljahr 7 Fall TD 2
4 Gesamteinsparungen 8 Referenztendenz der Endenergie

Bild 2 — Gesamte Einsparungen und berechnete Top-Down-Einsparungen

Bottom-Up-Methoden zielen auf die Einsparungen infolge spezifischer Endnutzer-Aktivitäten ab, egal ob im
Zusammenhang mit Unterstützungsmaßnahmen oder nicht. Bottom-Up-Methoden können zur Bewertung der
durch die Politik ausgelösten Energieeinsparungen und der gesamten Einsparungen angewendet werden. In
Abhängigkeit von der hinsichtlich der Ausgangsbasis getroffenen Wahl (siehe Abschnitt 6) kann die Berech-
nung politikbezogene oder gesamte Einsparungen oder auch eine Mischung von beiden ergeben.

Bild 3 zeigt die gesamten, die durch die Politik ausgelösten und die unabhängigen Einsparungen aus Bild 1
getrennt auf. Im Bild sind die berechneten Bottom-Up-Einsparungen infolge von zwei Endnutzer-Aktivitäten,
z. B. Wärmedämmung (Fall BU1) und Wärmepumpen (Fall BU2), dargestellt. Der Beitrag setzt sich aus den
jährlichen, zu Einsparungen führenden, Aktivitäten zusammen, die bis zum Zieljahr fortgeführt werden, oder
auch nicht. Die Bottom-Up-Einsparungen können nur durch die Politik ausgelöste Einsparungen darstellen
(Wärmepumpen, BU2) oder auch unabhängige Einsparungen (Wärmedämmung, BU1), was von der
Spezifikation der Bottom-Up-Methode abhängt.

Legende
1 Energienutzung 6 Gesamteinsparungen
2 Basisjahr 7 tatsächliche Tendenz der Endenergie
3 Zieljahr 8 Referenztendenz der Endenergie
4 unabhängige Einsparungen 9 Fall BU 1
5 politikbezogene Einsparungen 10 Fall BU 2

Bild 3 — Politikbezogene/unabhängige/gesamte Einsparungen und berechnete Bottom-Up-


Einsparungen

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FprEN 16212:2012 (D)

4.3.2 Ausgangsbasis und zusätzliche Einsparungen

Für Bottom-Up-Berechnungen sollte eine Ausgangsbasis definiert werden, welche die Situation ohne jegliche
Endnutzer-Aktivitäten und Unterstützungsmaßnahmen darstellt. Beispielsweise kann im Fall einer Subvention
für hocheffiziente Kessel die „normale“ Verbreitung dieser Kessel ohne Subventionen als Ausgangsbasis
dienen. Die Ausgangsbasis betrachtet außerdem das Referenzsystem, gegen welches der hocheffiziente
Kessel getauscht wird, z. B. die üblicherweise eingebaute Kesselart. Die Differenz im Energieverbrauch
verglichen mit der Ausgangsbasis stellt die sogenannten zusätzlichen Einsparungen hocheffizienter Kessel
dar.

Sowohl die normale Verbreitung als auch das Referenzsystem können mehrdeutig sein. Deshalb sind die
durch Bottom-Up-Berechnungen ermittelten Einsparungen in hohem Maße abhängig von der Wahl der
Ausgangsbasis.

Für unterschiedliche Fälle, z. B. Sanierung von Gebäuden oder neue Gebäude, wird eine unterschiedliche
Ausgangsbasis definiert. Durch geeignete Wahl der Ausgangsbasis können die berechneten zusätzlichen
Einsparungen die Wirkung politischer Maßnahmen darstellen. Auf diese Thematik wird in Abschnitt 6 näher
eingegangen.

In Top-Down-Berechnungen werden die Gründe für die gestiegene Verbreitung hocheffizienter Kessel nicht
weiter unterschieden. Deshalb benötigen Top-Down-Methoden keine spezielle Ausgangsbasis und liefern
ausschließlich Gesamteinsparungen.

4.4 Art der verwendeten Daten

Top-Down-Berechnungen beruhen in der Regel auf aggregierten statistischen Daten, z. B. Energieverbrauch


und Produktion in Teilsektoren der Industrie oder gesamter Kraftstoffverbrauch von Autos und die mit diesen
Autos gefahrenen Kilometern.

Bottom-Up-Berechnungen verlangen normalerweise detaillierte Daten, wie z. B. die Anzahl der subventionier-
ten Kessel oder die verkauften Geräte je Kennzeichnungsklasse. Diese Daten sind zumeist, aber nicht
notwendigerweise, nicht-statistischer Natur.

In einigen Fällen wird der Unterschied in der Aggregationsstufe zwischen Top-Down- und Bottom-Up-Einspar-
berechnungen sehr gering. So können zum Beispiel die Top-Down-Kenngrößen für die Verbreitung solarer
Wasserheizgeräte dieselbe Aggregationsstufe und verwendete Datenart aufweisen wie die Bottom-Up-
Analyse von Subventionsregelungen für solare Heizgeräte.

4.5 Systemgrenzen

Die Systemgrenze definiert das zu beurteilende Objekt sowie die berechneten Energieeinsparungen. Hier ist
die Systemgrenze beschränkt auf die Energienutzung durch Endnutzer, in einem Bereich, der von einer
großen Gruppe (z. B. ein Sektor) bis zu einem spezifischen Teil (z. B. Waschmaschinen) reicht.

Obwohl Endnutzer-Aktivitäten ausschließlich innerhalb der Systemgrenzen durchgeführt werden können,


ergeben sich in der Regel zusätzliche Einsparungen im Energieversorgungssystem außerhalb der System-
grenzen, wenn diese Aktivitäten zu Stromeinsparungen führen. Diese zusätzlichen Einsparungen ergeben
sich aus einem geringeren Bedarf, der zu niedrigeren Umwandlungs- und Übertragungsverlusten führt. Um
diese Einsparungen aus den Endnutzer-Aktivitäten zu erfassen, können Einsparungen elektrischer Energie
optional in Primäreinheiten mithilfe eines Umrechnungsfaktors angegeben werden (siehe auch 5.3.3.2 und
6.2.2.6).

Bei der Berechnung von Energieeinsparungen bleibt die Nutzung von Energie als Rohmaterial, die
sogenannte „nicht-energetische Nutzung“, häufig unberücksichtigt. Vielmehr werden allein die Einsparungen
bezüglich einer Reduzierung der für energetische Zwecke genutzten Energie betrachtet.

ANMERKUNG Beispiele für nicht-energetische Nutzung sind: petrochemische Ausgangsmaterialien, Asphalt,


Schmierstoffe.

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FprEN 16212:2012 (D)

Im Allgemeinen werden für spezifische Top-Down-Methoden die Systemgrenzen durch die statistische
Definition des Energieverbrauchs festgelegt (siehe Anhang A). Bei Bottom-Up-Methoden können die System-
grenzen erheblich variieren, und zwar von nahezu der gesamten Endnutzung zur Berechnung der Einspar-
ergebnisse einer umfänglichen Auditregelung, bis hin zur Energienutzung durch eine einzelne Geräteart in
Haushalten zur Berechnung der durch eine Subventionsregelung für diese Geräteart erzielten Einsparungen.

Tabelle 1 — Überblick über die Merkmale von Top-Down- und Bottom-Up-Berechnungsmethoden

Top-Down Bottom-Up
Sektor, Endnutzung der der Geplante Energienutzung,
Anwendungsbereich der Methode
Endenergie, Anlage Unterstützungsmaßnahmen
Endnutzer-Aktivitäten Endnutzer-Aktivitäten mit/ohne
EEI-Maßnahme
(aggregiert) Unterstützungsmaßnahmen
Resultierende Energieeinsparung Gesamt Zusätzlich (politikbezogen) — Gesamt
Überwachung, Erhebungen,
Repräsentative statistische
Verwendete Daten Prüfergebnisse hinsichtlich der Anlage
Daten auf Analyseebene
usw.
Systemgrenzen Statistisch festgelegt Abhängig von der Maßnahme

5 Top-Down-Einsparberechnungen

5.1 Energieeffizienz-Kenngrößen

5.1.1 Allgemeines

Energieeffizienz-Kenngrößen setzen den Energieverbrauch in ein Verhältnis zu einem Treiber, vorzugsweise


einem physikalischen Ertrag oder die Anzahl der Energie nutzenden Systeme. Die Veränderung des Wertes
der Kenngröße über einen bestimmten Zeitraum wird für die Top-Down-Berechnung von Energie-
einsparungen verwendet. Die Abschnitte 5.1.2 und 5.1.3 befassen sich mit der Anwendbarkeit von Kenn-
größen für die Top-Down-Berechnung von Energieeinsparungen.

5.1.2 Strukturelle Effekte und Disaggregation

Auf einer hohen Aggregationsstufe kann die Tendenz des Energieverbrauchs die Auswirkungen von struktu-
rellen Veränderungen enthalten und damit auch die Berechnung der Einsparungen beeinflussen. Für die
Berechnung von Energieeinsparungen sollten die Kenngrößen deshalb so weit wie möglich um strukturelle
Effekte korrigiert werden.

Ein Weg, die sogenannten strukturellen Effekte infolge von Strukturveränderungen auszusondern, ist die
Disaggregation von Aktivitäten. Anstatt beispielsweise das Verhältnis zwischen Energieverbrauch und den
Treibern auf Ebene der gesamten Industrie zu analysieren, kann diese Analyse auf der Ebene der
Zementproduktion oder Stahlproduktion vorgenommen werden. Für Haushalte können separate Analysen für
Raumheizung, Warmwassernutzung und Geräte erfolgen, sofern zuverlässige Daten vorliegen. Auf einer
niedrigeren Aggregationsstufe sind die Kenngrößen bei der Berechnung von Energieeinsparungen weniger
durch strukturelle Effekte verzerrt.

Eine Kenngröße kann außerdem bezüglich Faktoren korrigiert werden, welche die tatsächlich erzielten
Einsparungen verschleiern. So kann zum Beispiel die Nutzung von Energie für die Raumheizung aufgrund
eines Übergangs von Einzelraumheizung auf Zentralheizung korrigiert werden, was in der Tendenz zu einem
zusätzlichen Energieverbrauch und möglicherweise zur Feststellung negativer Energieeinsparungen führt.
Durch die Korrektur um den gestiegenen Energiebedarf aufgrund des Übergangs auf Zentralheizung wird die
Kenngröße in der Regel positive Energieeinsparungen ausweisen.

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FprEN 16212:2012 (D)

Infolge der eingeschränkten Verfügbarkeit von Daten ist es nicht immer möglich, eine Korrektur bezüglich
Faktoren vorzunehmen, die als strukturelle Effekte betrachtet werden. Die auf Statistiken basierenden Kenn-
größen stellen die aggregierte Entwicklung für Gruppen von Endnutzern dar, entweder deren gesamten
Energieverbrauch oder Teile davon. Außer der nationalen Ebene können die Kenngrößen geographische
Gebiete, wie z. B. Regionen, abdecken, sofern statistische Daten verfügbar sind.

5.1.3 Auswahl der Kenngrößen und Bestimmung der Einsparungen

Einige Faktoren, die den Wert der Kenngröße beeinflussen, können sowohl als struktureller Effekt, als auch
als Teil der Energieeinsparungen angesehen werden. So ist zum Beispiel der mittlere Kraftstoffverbrauch je
Personenkilometer bei Fahrzeugen nicht nur von der Effizienz des Motors abhängig, sondern auch von der
Masse des Fahrzeuges, wechselnder Nutzung der Klimatisierung, Mustern im Fahrverhalten (z. B. aufgrund
von Staus) und der Anzahl der gemeinsam in einem Fahrzeug fahrenden Personen.

Liegt das Augenmerk auf der technischen Effizienz, sollten Korrekturen bezüglich aller Faktoren außer der
Effizienz des Motors und der Kraftübertragung vorgenommen werden, da alle anderen Faktoren strukturelle
Effekte darstellen. Liegt das Augenmerk auf der Gesamteffizienz des Fahrzeugs, ist lediglich eine Korrektur
bezüglich Verkehrsbedingungen und Besetzung des Fahrzeugs erforderlich. Sofern schließlich das Augen-
merk auf der Effizienz des Straßentransports liegt, sind überhaupt keine Korrekturen erforderlich.

Abhängig von der Bestimmung der Einsparung kann aus verschiedenen Kenngrößen ausgewählt werden. Im
Beispiel eines Fahrzeugs kann zwischen „Liter/Passagier-km“ oder „Liter/km“ gewählt werden. Liegt das
Augenmerk auf einer Einschränkung der Fahrzugnutzung (z. B. Anregung zur Nutzung von Fahrrädern oder
öffentlichen Verkehrsmitteln), ist „Liter/Fahrzeug/Jahr“ als Kenngröße besser geeignet.

In der nachfolgenden allgemeinen Berechnung von Top-Down-Einsparungen wird keine Auswahl bezüglich
der geeigneten Kenngröße getroffen. Der Anwender dieser Norm muss entscheiden, welcher Typ von Kenn-
größen am besten zu dem Augenmerk und der Bestimmung der Energieeinsparungen passt. Abhängig von
dieser Auswahl müssen Korrekturen bezüglich der Faktoren vorgenommen werden, die in dem speziellen Fall
als strukturelle Effekte betrachtet werden.

In einigen Fällen ist die Auswahl alternativer Kenngrößen nicht allein vom Augenmerk und der bevorzugten
Abgrenzung der Energieeinsparungen abhängig, sondern auch von der Verfügbarkeit von Daten. Beispiels-
weise kann in Ländern ohne separate Daten für Raumheizung eine alternative Kenngröße, wie z. B. der
Verbrauch aller nicht-elektrischen Energieträger je Wohneinheit, gewählt werden. Die Verwendung alter-
nativer Kenngrößen lässt sich dadurch rechtfertigen, dass somit jedes Land in der Lage ist, zumindest eine
Kenngröße zur Beurteilung der Energieeinsparungen zu verwenden. Natürlich besteht hier ein Kompromiss
mit der Genauigkeit der berechneten Einsparungen.

5.2 Allgemeine Berechnung von Top-Down-Energieeinsparungen

5.2.1 Ansatz für die Berechnung

Grundsätzlich bestehen die Berechnungsmethoden aus zwei Hauptelementen:

I) einem Berechnungsmodell oder einer Gleichung, einschließlich Normalisierung;

II) einer Zusammenstellung von Daten und den zu verwendenden Parametern (Anhang A).

Im Folgenden wird das Thema I, also das allgemeine Top-Down-Berechnungsmodell, beschrieben. Das
Thema II, die Zusammenstellung von Daten und die Parameter, ist Teil der Berechnungen für spezifische
Top-Down-Kenngrößen. Es wird deshalb nicht an dieser Stelle, sondern in Anhang A behandelt.

Die Berechnungsschritte sind folgende:

 Bestimmung der Typen von Kenngrößen (5.2.2);

 Berechnung der Werte der Kenngrößen (5.2.3);

20
FprEN 16212:2012 (D)

 Berechnung der Energieeinsparungen je Kenngröße (5.2.4).

In Abschnitt 5.3 werden andere Themen bezüglich der Schritte zur Berechnung von Top-Down-Energie-
einsparungen beschrieben.

5.2.2 Bestimmung der Typen von Kenngrößen

Für die Top-Down-Berechnung von Energieeinsparungen können folgende Typen von Kenngrößen verwendet
werden:

5.2.2.1 Typ-A-Kenngröße

Typ A, der spezifische Energieverbrauch auf Ebene eines Teilsektors, setzt den Energieverbrauch ins Verhält-
nis zur einer physikalischen Produktion (z. B. MJ/Tonne Stahl) in einem bestimmten Zeitraum, in der Regel
ein Jahr. Auf Sektorebene, z. B. Industrie insgesamt, kann die physikalische Produktion aufgrund der
Diversität der Produktion nicht einheitlich definiert werden. Aus diesem Grund wird der spezifische Energie-
verbrauch nur auf Ebene von Teilsektoren festgelegt (3 oder mehr Stellen in der internationalen Klassifi-
zierung wirtschaftlicher Aktivitäten).

Ist kein physikalischer Ertrag verfügbar, so kann ein Produktionsindex auf Basis des Wertes verwendet
werden, der in konstanten Preisen ergänzt wird. Dieser Treiber dient als Näherung für einen physikalischen
Ertrag.

5.2.2.2 Typ-B-Kenngröße

Typ B, der spezifische Energieverbrauch für Energie nutzende Systeme, setzt den Gesamtenergieverbrauch
für bestimmte Systeme ins Verhältnis zur Anzahl oder zur Größe der Systeme. Wenn die Anzahl verwendet
wird, liefert diese den jährlichen Energieeinsatz je System: z. B. GJ/Wohneinheit, kWh/Kühlgerät oder Liter je
Fahrzeug. Wenn die Größe verwendet wird, liefert diese beispielsweise eine Kenngröße GJ/m2 für Geschoss-
größen von Gebäuden.

5.2.2.3 Typ-C-Kenngröße

Typ C, Kenngrößen für die Verbreitung, welche die Verbreitung Energie sparender Systeme aufzeigen,
werden manchmal verwendet, wenn jährliche Energieverbrauchsdaten nicht mit einem hinreichenden
Detaillierungsgrad vorliegen. In diesem Fall können die Energieeinsparungen mithilfe der Kenngröße für die
Verbreitung in Kombination mit einer gegebenen Energieeinsparung je System berechnet werden.

BEISPIEL Beispiele von Kenngrößen für die Verbreitung sind die Anzahl an energieeffizienten Fahrzeugen oder
Geräten.

Die Kenngrößen für den spezifischen Energieverbrauch, Typ A und Typ B, unterscheiden sich bezüglich der
Art des Treibers (5.2.3.2), d. h. der Bezugsgröße für den Energieverbrauch. Allerdings wird für die
Berechnung von Einsparungen mit diesen Kenngrößen dieselbe Berechnungsmethode verwendet. Die
Kenngrößen für die Verbreitung stellen eine spezielle Kategorie dar, für die alternative Berechnungsregeln
gelten.

5.2.3 Berechnung der Werte der Kenngrößen

5.2.3.1 Normalisierung des klimaabhängigen Energieverbrauchs

Für die Kenngrößen für den spezifischen Energieverbrauch (Typ-A- und Typ-B-Kenngrößen) wird ein Wert für
den Energieverbrauch benötigt. Für die Typ-C-Kenngröße für die Verbreitung wird kein Wert für den Energie-
verbrauch benötigt, da hier Annahmen für die Energieeinsparung verwendet werden (siehe Anhang A).

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Die Werte für den jährlichen Energieverbrauch können normalisiert werden, d. h. sie werden bezüglich der
Abweichung von durchschnittlichen Klimabedingungen, welche den Energieverbrauch beeinflussen, korrigiert
(siehe Gleichung (1)). Die Normierung kann Raumheizung und Raumkühlung in Betracht ziehen. Die
Normierung ist für Sektoren mit einer wesentlichen Energienutzung für Heizung und Kühlung erforderlich
(z. B. hauptsächlich Wohngebäude- und Dienstleistungssektor).

NEC (t ) = EC (t ) × SHC (t ) × AF + EC (t ) × [1 − SHC (t )] (1)

Dabei ist

NEC normalisierter Energieverbrauch (en: normalised energy consumption);

EC jährlicher Energieverbrauch entsprechend Statistiken (en: energy consumption);

SHC klimaabhängiger Anteil des jährlichen Energieverbrauchs (en: solar, heating, climate);

AF Anpassungsfaktor (en: adjustment factor) bezüglich Klimabedingungen (größer oder kleiner


als 1);

t Jahr der Berechnung.

Für Heizung basiert die Normierung auf der Anzahl von Gradtagen, welche angibt, wie viel Grad die mittlere
Tagestemperatur während der Heizperiode unterhalb eines bestimmten Schwellenwertes liegt. Dieser kann
von Land zu Land unterschiedlich sein; so gilt beispielsweise in Frankreich für die Temperatur ein Schwellen-
wert von 18 °C, während im Vereinigten Königreich 15,5 °C angesetzt werden. Der Anpassungsfaktor wird
üblicherweise als das Verhältnis zwischen der normalen und der tatsächlichen Anzahl von Gradtagen
definiert. Der „normale“ Winter basiert auf einer langfristig, normalerweise über 20 bis 30 Jahre, ermittelten
Anzahl von Gradtagen. Eurostat legt beispielsweise eine langfristig ermittelte Anzahl von Gradtagen über
einen Zeitraum von 25 Jahren fest.

ANMERKUNG 1 Einige Länder haben jedoch den Referenzzeitraum verkürzt und berechnen den Mittelwert seit 1990,
um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Winter seit 1990 wärmer geworden sind. Einige Länder verändern
darüber hinaus den Zeitraum (gleitender Referenzzeitraum), was dazu führt, dass es keinen festen Wert für die normale
Anzahl von Gradtagen gibt.

Die Korrektur wird nur auf den klimaabhängigen Anteil des Energieverbrauchs angewendet. Für Haushalte
umfasst der SHC-Anteil lediglich die Raumheizung, nicht aber den Energieeinsatz für Heißwasser und
Kochen. Sind keine Daten verfügbar, kann dieser Anteil geschätzt werden. Die Korrektur kann noch weiter auf
einen bestimmten Teil des Verbrauchs für die Raumheizung (z. B. 90 %) eingeschränkt werden, um der
Tatsache Rechnung zu tragen, dass der Energieverbrauch erwiesenermaßen nicht allein von der Anzahl an
Gradtagen abhängt. Weist die Anzahl der Gradtage innerhalb eines Landes wesentliche regionale
Unterschiede auf, dann sollten die nationalen Daten entsprechend der Bevölkerungsdichte gewichtet werden.

ANMERKUNG 2 In ODYSSEE werden zum Beispiel nur 90 % des Energieverbrauchs für die Raumheizung korrigiert.
Einige Länder verwenden für die Normierung offizielle Verfahren mit anderen Anteilen.

Für Kühlung ist der Ansatz ähnlich, da dort eine Anzahl von Gradtagen für Kühlung verwendet wird, d. h. die
Anzahl von Sommertagen mit einer Temperatur oberhalb eines bestimmten Wertes, der üblicherweise um
einige Grad über dem Basiswert für die Gradtage für Heizung liegt.

Die Normierungen enthalten keine Korrekturen bezüglich anderer Anpassungsfaktoren, wie z. B. Belegungs-
zahlen für Gebäude oder Produktionsniveau. In den aggregierten Top-Down-Berechnungen wird die
Belegungszahl nicht berücksichtigt. Der Anpassungsfaktor des Produktionsniveaus ist bereits abgedeckt,
wenn die Typ-A-Kenngröße den Energieverbrauch zur Produktion in Beziehung setzt.

5.2.3.2 Festlegung der Typen von Treibern

Der Energieverbrauch je Teilsektor oder der Energieeinsatz stehen im Verhältnis zu einem Treiber (siehe
Anhang A). Anhängig vom Typ der Kenngröße, haben die folgenden Treibertypen Gültigkeit:

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Typ-A-Treiber: physikalische Produktion

Wenn nicht verfügbar, kann ein Produktionsindex auf Basis des Wertes, der in konstanten Preisen
hinzugefügt wird, verwendet werden.

Der Wert eines Typ-A-Treibers wird bestimmt als die Netto-Jahresproduktion eines physikalischen Erzeug-
nisses mit einheitlicher Beschaffenheit, angegeben in einer zweckmäßigen Einheit oder als Produktionsindex
für eine Fabrik mit mehreren Produkten.

Typ-B-Treiber: Anzahl oder Größe der Energie nutzenden Systeme

Der Wert eines Typ-B-Treibers ist definiert als die Anzahl (oder einem jährlichen Mittelwert) gleicher Energie
nutzender Systeme, oder definiert als die Größe eines Energie nutzenden Systems, wie z. B. ein Gebäude.

Im Falle von Kenngrößen für die Verbreitung (Typ-C-Kenngrößen) wird kein Energieverbrauch benötigt, da die
Energieeinsparungen unmittelbar aus den Einsparungen je System und der Anzahl der Systeme berechnet
werden. Aus diesem Grund wird kein Treiber benötigt.

5.2.3.3 Berechnete Werte für die Kenngrößen

Für Kenngrößen zum spezifischen Energieverbrauch (d. h. ohne Kenngrößen für die Verbreitung) wird der
Wert entsprechend Gleichung (2) berechnet, wobei der normierte Energieverbrauch (NEC) durch den Wert
des Treibers DV für das Jahr t dividiert wird.

NEC (t )
IND(t ) = (2)
DV (t )

Dabei ist

IND Wert der Kenngröße (en: indicator value);

NEC normalisierter Energieverbrauch (en: normalised energy consumption);

DV Wert des Treibers (en: driver value);

t Jahr der Bewertung.

5.2.3.4 Kenngrößen für die Verbreitung

Für Kenngrößen für die Verbreitung ist der Wert der Kenngröße gleich der Anzahl der Energie einsparenden
Systeme, z. B. die Gesamtzahl der auf Wohngebäuden installierten solaren Wasserheizgeräte. Die Kenn-
größe kann auch als Durchdringungsfaktor angegeben werden, z. B. der Anteil von Wohngebäuden, die mit
Wasserheizgeräten ausgestattet sind, oder der Anteil öffentlicher Verkehrsmittel.

5.2.4 Berechnung der Energieeinsparung je Kenngröße

5.2.4.1 Veränderungen des Wertes der Kenngröße

Für Kenngrößen zum spezifischen Energieverbrauch (d. h. ohne Kenngrößen für die Verbreitung) wird die
Veränderung des Wertes der Kenngröße entsprechend Gleichung (3) berechnet. Sofern sich Energie-
einsparungen ergeben, wird sich der Wert der Kenngröße über die Zeit verringern und die Veränderung einen
positiven Wert ausweisen.

CIND = IND(t0) − IND(t) (3)

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Dabei ist

CIND Veränderung des Wertes der Kenngröße (en: change in indicator value);

IND Wert der Kenngröße (en: indicator value);

t0 Basisjahr;

t Jahr der Bewertung.

Wenn der Wert für die Kenngröße für das Jahr t größer ist als für das Jahr t0, ergibt sich ein negativer Wert,
es sei denn, es werden strukturelle Effekte berücksichtigt (siehe 5.3.4). Es sollte sichergestellt werden, dass
der Grad der Disaggregation über den Berechnungszeitraum gleich bleibt.

Für Kenngrößen für die Verbreitung (Typ C) ist die Veränderung gleich der Zunahme der Anzahl Energie
einsparender Systeme (siehe Gleichung (4)).

CDIND = DIND(t) − DIND(t0) (4)

Dabei ist

CDIND Veränderung des Wertes der Kenngröße für die Verbreitung (en: change in diffusion indicator
value);

DIND Wert der Kenngröße für die Verbreitung (Anzahl der Anteile) (en: diffusion indicator) von
Energie einsparenden Systemen;

t0 Basisjahr;

t Jahr der Bewertung.

Wird die Kenngröße für die Verbreitung als Absolutwert angegeben, bezieht sich auch die Veränderung auf
Absolutwerte. Wird die Kenngröße für die Verbreitung als Anteil angegeben, z. B. für solare Wasserheizgeräte
der Anteil der mit solchen Geräten ausgestatteten Wohngebäude, so muss die Veränderung des Anteil mit der
Anzahl der Wohngebäude multipliziert werden.

5.2.4.2 Energieeinsparungen je Kenngröße

Für Top-Down-Kenngrößen, außer denen für die Verbreitung (Typ C), werden die Energieeinsparungen je
Kenngröße berechnet aus der Veränderung des Wertes der Kenngröße multipliziert mit dem Wert des
Treibers im Jahr der Bewertung (siehe Gleichung (5)).

ESPI = [IND(t0) − IND(t)] × DV(t) (5)

Dabei ist

ESPI Energieeinsparung je Kenngröße (en: energy savings per indicator);

IND Wert der Kenngröße (en: indicator value);

DV Wert des Treibers (en: driver value);

t0 Basisjahr;

t Jahr der Bewertung.

24
FprEN 16212:2012 (D)

So werden beispielsweise die Energieeinsparungen für die Zementproduktion im Jahr t abgeleitet aus der
Verringerung des mittleren Energieverbrauchs je Tonne Zement im Zeitraum zwischen dem Jahr t und einem
Referenzjahr t0. Dieser Wert in GJ/Tonne wird mit der Gesamtproduktion von Zement im Jahr t multipliziert.

Für Kenngrößen für die Verbreitung werden die Energieeinsparungen wie folgt berechnet (siehe
Gleichung (6)).

ESDI = [DIND(t) − DIND(t0)] × DS(t) (6)

Dabei ist/sind

ESDI Energieeinsparungen je Kenngröße für die Verbreitung (en: energy savings per diffusion
indicator);

DIND Wert der Kenngröße für die Verbreitung (en: diffusion indicator value);

DS angenommene Einsparungen (en: deemed savings);

t0 Basisjahr;

t Jahr der Bewertung.

Die Berechnung angenommener (geschätzter) Energieeinsparungen ist Teil der Beschreibung spezifischer
Kenngrößen (Anhang A).

Die berechneten Energieeinsparungen je Kenngröße stellen Einsparungen dar für:

 einen bestimmten Sektor bzw. Teilsektor oder eine geplante Endnutzung (Typ A);

 ein Energie nutzendes System (Typ B oder Typ C).

5.3 Weitere Schwierigkeiten bei der Berechnung von Top-Down-Einsparungen

5.3.1 Allgemeines

Im Zusammenhang mit den in den vorhergehenden Abschnitten beschriebenen Schritten wirft die Berechnung
von Top-Down-Einsparungen die folgenden technischen Schwierigkeiten auf.

5.3.2 Berechnungsalternativen

5.3.2.1 Geglättete Werte für die Kenngrößen

Die jährlichen Werte für die Kenngrößen unterliegen bisweilen erheblichen Schwankungen, trotz der
Normierung klimatischer Einflüsse. Abgesehen von fehlerbehafteten Daten können andere Faktoren, wie z. B.
kurzfristige Geschäftszyklen, diese Effekte hervorrufen. Vor allem sind Abweichungen für das erste und letzte
Jahr (welche die Gesamtauswirkung über einen Zeitraum bestimmen) zu vermeiden. Aus diesem Grund wird
empfohlen, anstelle jährlicher Werte gleitende 3-Jahres-Mittelwerte für die Kenngrößen zu verwenden.

ANMERKUNG Die traditionell in der Statistik angewendete Methode zur Berechnung gleitender 3-Jahres-Mittelwerte
besteht darin, für das Jahr t die Mittelwerte für die Jahre t−1, t und t+1 zu nehmen. Allerdings kann in diesem Fall das
letzte beobachtete Jahr nicht dargestellt werden. Die Verwendung der Jahre t−2, t−1 und t erlaubt es, neuere Zahlen für
die Einsparungen anzugeben, möglicherweise etwas zu Lasten der Genauigkeit.

25
FprEN 16212:2012 (D)

5.3.2.2 Berechnung mit gleitendem Basisjahr

Top-Down-Einsparungen werden mithilfe der Veränderung der Werte von Kenngröße und Treiber berechnet.
Im Ansatz mit einem festen Basisjahr erfolgt die Berechnung unmittelbar mit den Werten aus dem Startjahr t0
und dem Endjahr t, ohne Berücksichtigung der Ereignisse dazwischen (siehe Gleichung (5)).

Im Ansatz mit gleitendem Basisjahr werden die Einsparungen Jahr für Jahr berechnet. In jedem Jahr des Zeit-
raums ergeben sich die Einsparungen aus der Veränderung des Wertes der Kenngröße in einem Jahr und
dem aktuellen Wert des Treibers. Dies bedeutet, dass in Gleichung (5) „t“ jedes Mal für ein anderes Jahr und
„t0“ für das vorhergehende Jahr steht. Die jährlichen Einsparungen werden über den Zeitraum von t0 bis t
aufaddiert. Dieser Ansatz, in dem das frühere Jahr als Basis für das folgende Jahr dient, wird auch verkettete
Berechnung genannt.

Die Wahl zwischen den beiden Methoden kann von den Umständen abhängen:

 Sollen die Energieeinsparungen bezogen auf ein bestimmtes Jahr berechnet werden, eignet sich der
Ansatz mit festem Basisjahr am besten.

BEISPIEL Beispiele sind freiwillige Vereinbarungen oder politische Verpflichtungen, die bezogen auf ein bestimmtes
Basisjahr festgelegt wurden.

 Wenn die Energieeinsparungen auf jährlicher Basis berechnet und über verschiedene Zeiträume auf-
summiert werden müssen, dann ist der Ansatz mit gleitendem Basisjahr besser geeignet; unabhängig
von einem festen Basisjahr können die Ergebnisse für jede Zwischenperiode berechnet werden.

Im Falle schneller Veränderungen von Jahr zu Jahr wird empfohlen, den Ansatz mit gleitendem Basisjahr
anzuwenden. Der Ansatz mit gleitendem Basisjahr ist komplizierter, liefert aber oftmals genauere Energie-
einsparungen als der Ansatz mit festem Basisjahr, vor allem im Falle schneller Veränderungen des Treibers
(z. B. der Bestand einer Geräte- oder Fahrzeugart) oder des spezifischen Energieverbrauchs. Deshalb ist der
Ansatz mit gleitendem Basisjahr für Top-Down-Einsparberechnungen vorzugsweise zu verwenden.

5.3.2.3 Wert des Treibers für das Basisjahr oder für das Jahr der Bewertung

Energieeinsparungen werden aus der Veränderung des Wertes für Kenngröße und Treiber (z. B. die
Verringerung des Gasverbrauchs je Wohneinheit mal die Anzahl der Wohneinheiten) berechnet. Für den Wert
des Treibers kann entweder das Startjahr (Basisjahr) oder das Jahr der Bewertung, d. h. das Jahr, für
welches die Energieeinsparungen berechnet werden, zugrunde gelegt werden. In dieser Norm wird der Wert
des Treibers im Jahr der Bewertung verwendet.

Wie im folgenden Beispiel gezeigt, werden die Ergebnisse unter Verwendung des Basisjahres oder des
Bewertungsjahres in Abhängigkeit von der Schwankungsbreite des Wertes des Treibers, unterschiedlich sein.

BEISPIEL Der mittlere Energieverbrauch von Kühlschränken hat sich von 400 kWh/Einheit im Jahr 1990 auf
300 kWh/Einheit im Jahr 2008 verringert. Die Anzahl der Kühlschränke hat sich von 0,6 Millionen auf 1 Million Geräte im
Jahr 2008 erhöht. Verwendet man den Wert des Treibers im Jahr der Bewertung (2008), so ergibt sich für die Einsparung
elektrischer Energie (400 − 300) × 1 000 000 = 100 GWh. Mit dem Wert des Treibers für das Basisjahr ergeben sich
Einsparungen von (400 − 300) × 600 000 = 60 GWh.

Um die Unterschiede aufgrund des Treiberwerts im gewählten Bezugsjahr zu begrenzen, kann der Ansatz mit
gleitendem Basisjahr als alternative Berechnungsmethode verwendet werden (siehe 5.3.2.2).

5.3.3 Einheiten für den Energieverbrauch

5.3.3.1 Einheit für den Verbrauch


3
Energieverbrauch und -einsparungen können mithilfe verschiedener Einheiten, wie z. B. Joule, m für Gas,
Liter für Treibstoffe für Motoren, kWh für Elektrizität oder (aus historischen Gründen) toe, angegeben werden.
Überwachungsstellen können die Energieeinsparungen in der geeignetsten Einheit angeben, z. B. in Litern

26
FprEN 16212:2012 (D)

Treibstoff für die Energieeinsparungen von Fahrzeugen. Dennoch müssen diese Werte für Berechnungen
entsprechend dieser Norm in die SI-Einheit für den Energieverbrauch, Joule (MJ, GJ oder PJ), umgerechnet
werden.

5.3.3.2 Energieeinsparungen in Primäreinheiten

Nationale Statistikämter sowie Eurostat stellen Daten über den Energieverbrauch in Endenergieeinheiten
bereit. Dies bedeutet, dass Elektrizität entsprechend ihres Wärmeinhalts 1 ) bewertet wird. Werden diese
Bewertungsregeln ebenfalls für die Berechnung von Energieeinsparungen verwendet, hat dieser Ansatz zwei
Konsequenzen:

 Überschätzung der Energieeinsparungen beim Ersatz von Brennstoffen durch Elektrizität. Für Heiz-
zwecke bei Endnutzern ist Elektrizität effizienter als Gas, Öl, Kohle oder Biomasse, da hiermit keine
Umwandlungsverluste verbunden sind. Die Produktion von Elektrizität verursacht jedoch an anderer
Stelle erhebliche Umwandlungsverluste;

 Unterschätzung der durch die Einsparung von Elektrizität erzielten Gesamteinsparungen, da die in Kraft-
werken vermiedenen Umwandlungsverluste nicht mit bewertet werden.

Aus diesem Grund können die Einsparungen von Elektrizität auf Basis des Energieverbrauchs in Primär-
einheiten berechnet werden. Für die Umrechnung des Endverbrauchs an Elektrizität in Primäreinheiten sollte
ein Primärfaktor verwendet werden, der den mittleren Wirkungsgrad des relevanten Energieerzeugungs-
systems darstellt. Die Berechnung der Einsparungen ergibt nun die Energieeinsparungen in Primäreinheiten,
welche die in der Energieversorgung vermiedenen Verluste mit bewerten (in Kraftwerken sowie beim
Transport und der Verteilung von Elektrizität).

ANMERKUNG 1 Sind keine zuverlässigen geographisch basierten Daten verfügbar, enthält die Energiedienst-
leistungsrichtlinie (EDR) einen Umrechnungsfaktor [NO] von 2,5 für Elektrizität, was bedeutet, dass das Äquivalent von
1 kWh in Primäreinheiten angegeben 2,5 × 3,6 = 9 MJ beträgt.

ANMERKUNG 2 Für ein Land mit einem hohen Anteil an Wasser- oder Windkraft wird der Umwandlungsfaktor
niedriger als 2,5 sein, für ein Land mit viel Kohle- oder Kernkraft wird der Faktor höher liegen.

Für Wärme, die über ein Fernwärmesystem an die Endnutzer geliefert wird, kann ein Ansatz mit Primär-
einheiten verwendet werden. Im Standard-Berechnungsverfahren wird Fernwärme auf Grundlage des
Energiegehaltes erfasst. Im Vergleich zum Brennstoffverbrauch sind damit jedoch keine Umwandlungs-
verluste beim Endnutzer verbunden. Hinsichtlich der Verluste bei der Erzeugung von Wärme andernorts, kann
in zwei Fälle unterschieden werden: Wärme aus Kraftwerken und Wärme aus Zentralheizkesseln.

Wenn Kraftwerke auch Wärme für die Nutzung an anderer Stelle produzieren (Kraft-Wärme-Kopplungs-
Anlagen), wird zur Erzeugung einer Einheit Wärme weniger als eine (zusätzliche) Einheit eingesetzter Brenn-
stoff benötigt. Der Endenergie-Ansatz lässt die sehr effiziente Produktion der Wärme außer Acht. Die Vorteile
können den Verbrauchern zugeschrieben werden, indem bei der Umrechnung der Wärme in Primäreinheiten
ein Primärfaktor kleiner eins angesetzt wird. Der niedrigere Energieverbrauch in Primäreinheiten führt zu
höheren berechneten Einsparungen.

Wird die Wärme in großen Wärmeerzeugern erzeugt und über ein Netz an die Endnutzer verteilt, wird der
Brennstoffverbrauch je Wärmeeinheit aufgrund der Verluste bei der Verteilung höher sein als für den
einzelnen Wärmeerzeuger. In diesem Fall kann für die Umrechnung der Wärme in Primäreinheiten ein Primär-
faktor größer eins verwendet werden.

Um die Berechnung in Primäreinheiten zu ermöglichen, muss der Gesamtenergieverbrauch in Brennstoffe,


Fernwärme und Elektrizität aufgeteilt werden, wie im Beispiel für die Raumheizung in Anhang A gezeigt.

1) Eine kWh entspricht 3,6 MJ.

27
FprEN 16212:2012 (D)

5.3.4 Verschiedenes

5.3.4.1 Kenngrößen, die negative Einsparungen ergeben

Für Kenngrößen für den Energieverbrauch, wie z. B. in Anhang A gezeigt, stellt sich normalerweise im Laufe
der Zeit ein rückläufiger Wert für die Kenngrößen ein, was bedeutet, dass Energieeinsparungen erzielt
wurden. Dennoch zeigt in einigen Fällen die Kenngröße eine steigende Tendenz, was zu negativen Energie-
einsparungen führt.

Das Ergebnis kann tatsächlich im Zusammenhang mit einer sinkenden Energieeffizienz stehen, kann aber
auch die Folge eines unzureichenden Grades an Disaggregation sein, wobei sich tatsächliche Einsparungen
mit strukturellen Effekten vermischen. Ist es nicht möglich, diese strukturellen Effekte zu korrigieren, kann die
Entscheidung getroffen werden, diese negativen Einsparungen bei der Berechnung von Energieeinsparungen
unbeachtet zu lassen.

5.3.4.2 Einschätzung der Qualität der Zahlenangaben für Top-Down-Energieeinsparungen

Die Qualität der errechneten Zahlenwerte für die Einsparung kann durch die Bestimmung des Unsicher-
heitsbereichs für die resultierenden Zahlen bewertet werden. Wegen der Komplexität des Verfahrens wird
dies allerdings selten durchgeführt. Aus diesem Grund gibt diese Norm auch keine Leitlinien für die
Einschätzung der Qualität der Zahlenangaben für die Einsparung.

ANMERKUNG Die Energiedienstleistungsrichtlinie erwähnt für Mitgliedstaaten die Möglichkeit, die Methode zur Quanti-
fizierung der Unsicherheit in Bezug auf Werte der Energieeinsparung anzuwenden.

5.3.4.3 Gesamte Top-Down-Energieeinsparungen

Energieeinsparberechnungen, die einen Satz von Kenngrößen verwenden, ergeben die gesamten Top-Down-
Energieeinsparungen, die repräsentativ für alle Einsparungen eines Sektors oder eines Landes sein können.
Die Gesamteinsparungen werden berechnet, indem die aus jeder Kenngröße abgeleiteten Energie-
einsparungen, die jeweils einen Teil der Endnutzung abdecken, aufsummiert werden. Um eine Überlappung
der Einsparungen je Kenngröße zu vermeiden, sollte jeder Teil der Endnutzung bei der Aggregation der
gesamten Top-Down-Energieeinsparungen nur durch jeweils eine Kenngröße abgedeckt werden.

6 Bottom-Up-Einsparberechnungen

6.1 Einzelheiten über das zu beurteilende Objekt

6.1.1 Elementareinheit für Maßnahmen und normierte Energieeinsparungen

Energieeinsparungen werden durch Endnutzer-Maßnahmen realisiert, die physikalischer, organisatorischer


oder verhaltensbezogener Art sein können. Physikalische Maßnahmen stehen in Beziehung zu einer Ver-
änderung von Einrichtungen oder Systemen, häufig als Folge einer Investitionsentscheidung. Organisato-
rische Maßnahmen stellen Veränderungen organisatorischer Prozesse dar, die einen Einfluss auf den
Energieeinsatz haben. Eine Art von verhaltensbezogenen Maßnahmen ist eine Veränderung im persönlichen
Verhalten, die den täglichen Energieeinsatz betrifft. Für organisatorische und verhaltensbezogene Maß-
nahmen bedarf es im Allgemeinen keiner umfangreichen Investitionen.

Eine Endnutzer-Maßnahme besteht aus einer Elementareinheit für Maßnahmen, aus der normierte Energie-
einsparungen erwachsen, die zu den gesamten Energieeinsparungen aufgrund der Endnutzer-Maßnahme
aufsummiert werden können.

Beispiele für eine Elementareinheit für Maßnahmen, nach Art der Endnutzer-Maßnahme, sind:

 physikalisch: alle Arten von Einrichtungen, Gebäuden als physikalische Einheiten, Fahrzeugarten,
bestimmte industrielle Prozesse;

28
FprEN 16212:2012 (D)

 organisatorisch: Unternehmen, Institution, Büro, Verkaufsstelle, Schule;

 verhaltensbezogen: Nutzer eines Geräts, Bewohner einer Wohneinheit, Mitarbeiter, Fahrzeugführer,


Teilnehmer an einem Effizienzprogramm.

Beispiele für normierte Energieeinsparungen sind:

 physikalisch: Einsparung in kWh für einen mit „A“ gekennzeichneten Kühlschrank, Einsparungen im
Gasverbrauch in m3 für eine nach höherem Standard ausgeführte Wohneinheit, niedrigerer Verbrauch in
l/km für ein neues Fahrzeug, Reduzierung in toe je Tonne Zement für eine Fabrik;

 organisatorisch: geringerer Energieeinsatz für Schulen mit guter Organisation oder Firmen mit
eingeführtem Energiemanagementsystem;

 verhaltensbezogen: niedrigerer Verbrauch in l/km für Teilnehmer an Schulungen für umweltfreundliches


Fahren, Reduzierung des Stromverbrauchs in kWh je Haushalt, der Informationen über den tatsächlichen
Energieeinsatz erhält.

Elementareinheiten für Maßnahmen können auf sehr unterschiedlichen, hierarchisch verbundenen


Aggregationsstufen definiert werden:

1) das Gesamtsystem, wie z. B. ein Gebäude, ein Produktionsprozess, Straßentransport von Personen,
eine Organisation, eine Region oder eine Dienstleistung;

2) ein Teilsystem, wie z. B. Heizung/Kühlung/Lüftung, Gebäudehülle, Beleuchtung, Fahrzeug, Kommu-


nikation, Druckluft;

3) einzelne Komponenten, wie z. B. Kessel, Klimageräte, Geräte, Verbrennungsmaschine eines Fahr-


zeugs, Elektromotoren, etc.

6.1.2 Optionen für die Ausgangsbasis für Maßnahmen beim endgültigen Einsatz

Um die durch bestimmte Endnutzer-Maßnahmen erzielten Energieeinsparungen berechnen zu können, muss


die Situation bezüglich des Energieeinsatzes mit einer Ausgangsbasis verglichen werden, d. h. der Situation
ohne diese Maßnahme. Die Ausgangsbasis sollte jeweils für die normierten Energieeinsparungen festgelegt
werden. Die Wahl der Ausgangsbasis beeinflusst, durch die normierten Einsparungen, die für eine Maßnahme
beim endgültigen Einsatz berechneten Energieeinsparungen.

ANMERKUNG Eine Ausgangsbasis kann auch die Anzahl der Elementareinheiten für Maßnahmen betrachten, vor
allem wenn eine bestimmte Unterstützungsmaßnahme bewertet werden soll. Die Wahl der Ausgangsbasis beeinflusst die
Anzahl der Elementareinheiten für Maßnahmen sowie die Höhe der einer bestimmten Unterstützungsmaßnahme
zurechenbaren Einsparung. Beispielsweise muss die unabhängige Verbreitung effizienter Elektromotoren bei der
Ermittlung der zusätzlichen Verbreitung aufgrund einer Subventionsregelung berücksichtigt werden.

Für physikalische Maßnahmen beim endgültigen Einsatz können unterschiedliche Situationen bezüglich der
Ausgangsbasis von Bedeutung sein. Für die Gruppierung der Optionen für die Ausgangsbasis für ein Gesamt-
system, ein Teilsystem oder eine einzelne Komponente können drei Situationen zugrunde gelegt werden:

 Erweiterung zur Energieeinsparung; bedeutet, dass einem bestehenden System Funktionen zur
Verbesserung der Energieeffizienz unter Beibehaltung der ursprünglichen Funktion hinzugefügt werden;

 Ersatz; Ersatz eines physikalischen Systems durch ein solches gleicher Funktion, aber besserer
Energieeffizienz;

 neues System; bedeutet ein Energie nutzendes System, für welches kein Vorgängersystem im Einsatz
war.

29
FprEN 16212:2012 (D)

Diese drei Situationen können in zwei allgemeine Ansätze zur Auswahl der Situation bezüglich der Ausgangs-
basis unterteilt werden:

a) Referenzsituation; die beiden am häufigsten verwendeten sind:

1) basierend auf einer Bestandssituation;

2) basierend auf einer Marktsituation;

b) die „Vorher“-Situation.

Option a) kann auf Erweiterungen, Ersatz und neue Systeme angewendet werden. Die Gleichungen (9) und
(10) in 6.2.2.3 legen die Optionen a)1. und a)2. dar. Option b) ist auf die Fälle Erweiterung und Ersatz
anwendbar. Option b) kann nicht für neue Systeme (die kein anderes ersetzen) verwendet werden, da es
keine tatsächliche „Vorher“-Situation gibt. Wird Option b) auf Erweiterungen angewendet, sind die normierten
Energieeinsparungen gleich der Differenz zwischen dem Energieverbrauch vor und nach der Anpassung des
Energie nutzenden Systems. Im Fall des Ersatzes entspricht die „Vorher“-Situation dem ersetzten technischen
Gerät.

Für neue Systeme muss eine virtuelle Situation bezüglich der Ausgangsbasis festgelegt bzw. geschaffen
werden, z. B. könnte dies für Wohneinheiten mit höherem Standard eine vergleichbare Wohneinheit ent-
sprechend dem aktuellen Standard sein. Eine neue Einrichtung könnte ebenso mit anderen Optionen
verglichen werden, wie z. B. dem Marktdurchschnitt oder dem durchschnittlichen Bestand an Einrichtungen
mit der gleichen Funktion.

Für organisatorische und verhaltensbezogene Maßnahmen ist die Situation bezüglich der Ausgangsbasis
zumeist entsprechend der Option b), also dem Verbrauch vor der Umsetzung der Endnutzer-Maßnahmen.

Für physikalische, organisatorische oder verhaltensbezogene Maßnahmen ist es möglich, in Abhängigkeit von
der Verfügbarkeit von Energieverbrauchsdaten für die Elementareinheit für Maßnahmen, zwei Ansätze zu
unterscheiden. Im Ansatz I sind solche Daten direkt verfügbar, wogegen in Ansatz II der Energieverbrauch,
wie in 6.2.2.2 erläutert, unter Verwendung von Parametern abgeschätzt wird.

In allen Fällen wird angenommen, dass sich das Niveau der Energieversorgung nicht ändert; die Änderung
des Energieverbrauchs beruht allein auf der Verbesserungen der Energieeffizienz.

6.1.3 Typen von Einsparungen aus Bottom-Up-Berechnungen

Bottom-Up-Berechnungen legen das Augenmerk auf Einsparungen durch bestimmte Endnutzer-Maßnahmen


durch die Verwendung von Basislinien für normierte Einsparungen und elementare Einheiten von Maß-
nahmen. In Abhängigkeit von der bezüglich der Basislinien getroffenen Wahl kann die Berechnung entweder
durch die Politik veranlasste Einsparungen oder Gesamteinsparungen infolge von Endnutzer-Maßnahmen,
oder aber einer Mischung aus beiden ergeben.

Die Gesamteinsparungen umfassen Einsparungen, die resultieren aus:

 fortschreitender technischer Entwicklung;

 durch (höhere) Energiekosten getriebene Endnutzer-Maßnahmen;

 physikalischen, organisatorischen oder verhaltensbezogenen Maßnahmen infolge der Politik (Unter-


stützungsmaßnahmen);

 anderen physikalischen, organisatorischen oder verhaltensbezogenen Maßnahmen.

30
FprEN 16212:2012 (D)

Werden die Basislinien so gewählt, dass sie unabhängige (technologische und kostengetriebene)
Einsparungen mit einschließen, sind die berechneten Energieeinsparungen entweder durch die Politik
veranlasst oder die Folge von Maßnahmen anderer Parteien. Beispiele für Maßnahmen anderer Parteien sind
Umweltkampagnen von Nichtregierungsorganisationen oder Maßnahmen öffentlicher Wohnungsgenossen-
schaften, Gewerkschaften oder sozial verantwortlicher Unternehmen.

Die Basislinien können auch derart festgelegt werden, dass die durch die Politik ausgelösten Einsparungen
(nahezu) gleich den Gesamteinsparungen, einschließlich unabhängiger und kostengetriebener Einsparungen
sind. Wird beispielsweise das ersetzte System als Ausgangsbasis definiert, und wird jede Ersetzung
unabhängig von ihrem Grund mitgerechnet, ergibt das Ergebnis die Gesamteinsparungen.

6.2 Allgemeine Berechnung von Bottom-Up-Energieeinsparungen

6.2.1 Berechnungsansatz

Die Berechnungsmethoden setzen sich im Allgemeinen aus drei Hauptelementen zusammen:

 einem Berechnungsmodell oder einer Gleichung, das/die Basislinien und Normierung enthält;

 Techniken zur Erhebung der Daten, die als Eingangsgrößen für das Berechnungsmodell nötig sind;

 einem Satz von Referenz- oder Standardwerten.

In den folgenden Abschnitten wird das Berechnungsmodell detailliert beschrieben. Diese Berechnungen
können unter Berücksichtigung von Referenzwerten und datentechnischen Erfordernissen aus verschiedenen
Detaillierungsebenen durchgeführt werden. Der Detaillierungsgrad kann in jedem Berechnungsschritt gewählt
werden. In Anhang B wird der Detaillierungsgrad der Berechnung im Verhältnis zur Datenerhebung und der
Qualität der Zahlenwerte für die Einsparungen betrachtet. Die Techniken zur Datenerhebung sowie Referenz-,
bzw. Standardwerte werden hier nicht beschrieben, da sie nur für bestimmte Bottom-Up-Fälle festgelegt
werden können. Ein Beispiel ist für den Fall von Gebäuden in Anhang C zu finden.

Die Bottom-Up-Berechnung von Energieeinsparungen je Endnutzer-Maßnahme besteht aus den folgenden


Schritten:

Schritt 1: normierte jährliche Brutto-Energieeinsparung;

Schritt 2: gesamte jährliche Brutto-Energieeinsparung;

Schritt 3: gesamte jährliche Energieeinsparungen in Bezug auf das Gebiet, die Gruppe von End-
nutzern, usw.;

Schritt 4: gesamte verbleibende Energieeinsparungen für das Zieljahr.

Diese Schritte sind in Bild 4 dargestellt, und werden in den Abschnitten 6.2.2 bis 6.2.5 beschrieben. Die
Ergebnisse der Endnutzer-Maßnahmen können aufsummiert werden, um unter Berücksichtigung jeglicher
Überlappungen die gesamten Bottom-Up-Energieeinsparungen für eine Gesamtheit von Maßnahmen zu
ermitteln, wie in 6.2.6 beschrieben.

31
FprEN 16212:2012 (D)

ANMERKUNG Basierend auf Vreuls et al 2008 [6], figure 1: a four steps calculation process

Bild 4 — Die vier Schritte zur Berechnung von Bottom-Up-Energieeinsparungen

ANMERKUNG In Schritt 2 werden die normierten Einsparungen über alle Teilnehmer oder Einrichtungen aufsummiert.
In der Praxis kann dies auch die Multiplikation der Einsparungen mit der Anzahl der Teilnehmer oder Einrichtungen sein.
Die normierten Einsparungen mal der Anzahl der Elementareinheiten (Teilnehmer, Einrichtung) ergibt die jährlichen
Bruttoeinsparungen. Nach der Korrektur bezüglich ausgewählter Faktoren ergeben sich die jährlichen Einsparungen. Der
verbleibende Teil dieser Einsparungen im Zieljahr wird über die Lebensdauer der Einsparungen bestimmt. Die Ergebnisse
je EEI-Maßnahme werden zur Ermittlung der gesamten Bottom-Up-Energieeinsparungen aufsummiert. Überschneidet
sich jedoch der Wirkungsbereich zweier EEI-Maßnahmen, so muss die Überschneidung berücksichtigt werden (siehe
6.2.6).

Jeder dieser vier Schritte umfasst mehrere Teilschritte, in denen bestimmte Berechnungen durchgeführt
werden. Der Prozess der Berechnung von Bottom-Up-Energieeinsparungen ist in Bild 5 dargestellt. In
Schritt 3 sind die Korrekturen 3.c bis 3.e nicht immer notwendig.

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FprEN 16212:2012 (D)

Bild 5 — Schritte und Teilschritte zur Berechnung von Bottom-Up-Energieeinsparungen

6.2.2 Schritt 1: Berechnung der normierten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen

6.2.2.1 Schritt 1.a: Definition der Elementareinheit für Maßnahmen

Die normierten Einsparungen sind an die gewählte Elementareinheit für Maßnahmen gekoppelt, z. B. eine
neue Wohneinheit oder ein Kühlschrank. Für eine neue Wohneinheit können die normierten Energie-
einsparungen den verringerten Energieverbrauch für Raum- oder Wasserheizung oder auch anderer
Funktionen, wie z. B. Beleuchtung oder Klimatisierung, darstellen, während die normierten Energie-
einsparungen für einen Kühlschrank dem geringeren Stromverbrauch entsprechen. Zur Berechnung der
normierten Einsparungen muss in einem ersten Schritt die Elementareinheit für Maßnahmen einschließlich
der Systemgrenzen definiert werden.

Die Elementareinheit für Maßnahmen kann auf unterschiedlichen Aggregationsstufen definiert werden, z. B.
alle Haushalte, alle Wohneinheiten, alle freistehenden Häuser, das Heizungssystem, der Kessel oder gar die
Kesselpumpe.

Ergeben sich im Laufe der Zeit wesentliche Veränderungen im Gebrauch oder den Merkmalen einer Elemen-
tareinheit, z. B. für die Elementareinheit für Maßnahmen „Fernseher“ der Übergang von Schwarz-Weiß- auf
Farbfernsehen, muss dies mit betrachtet werden, z. B. können zwei verschiedene Elementareinheiten für
Maßnahmen definiert werden.

Außer für physikalische Systeme kann eine Elementareinheit für Maßnahmen auch für eine organisatorische
Einheit oder einen Teilnehmer stehen (siehe Beispiele in 6.1.1).

Die Elementareinheit für Maßnahmen sollte so ausgewählt werden, dass keine größeren technischen
Wechselwirkungen mit anderen Elementareinheiten für Maßnahmen zu erwarten sind. Kann diese Bedingung
nicht erfüllt werden, so muss diese technische Wechselwirkung berücksichtigt werden:

33
FprEN 16212:2012 (D)

1) durch Ermittlung, Dokumentation und Bewertung der potenziellen technischen Wechselwirkungen


mit der Elementareinheit für Maßnahmen und deren Einfluss auf die normierten Energie-
einsparungen;

2) durch Quantifizierung des Einflusses der technischen Wechselwirkungen auf die normierten
Einsparungen;

3) und — soweit erforderlich — durch Anpassung der normierten jährlichen Brutto-Energieein-


sparungen infolge sich verändernder technischer Wechselwirkungen bezüglich der Situation ohne
jegliche Endnutzer-Maßnahmen sowie der Situation mit Endnutzer-Maßnahmen (siehe Schritt 1.e
Technische Wechselwirkung).

6.2.2.2 Schritt 1.b: Allgemeine Gleichung

6.2.2.2.1 Zwei Ansätze

Die allgemeine Gleichung zur Berechnung normierter Energieeinsparungen legt fest, wie der Energie-
verbrauch und die Veränderung des Energieverbrauchs bestimmt werden. Es können zwei Ansätze
verwendet werden:

 Ansatz I für Fälle, in denen Verbrauchsdaten verfügbar sind;

 Ansatz II für Fälle, in denen Verbrauchsdaten konstruiert werden müssen.

6.2.2.2.2 Ansatz I, Energieverbrauchsdaten stehen unmittelbar zur Verfügung

Die Situation ohne Umsetzung von Endnutzer-Maßnahmen wird mit (0) gekennzeichnet, die Situation mit
Umsetzung von Endnutzer-Maßnahmen wird mit (1) gekennzeichnet. Ist der jährliche Brutto-Energieverbrauch
(en: gross annual energy consumption) für die Situationen (0) und (1) aus Energierechnungen, Zähler-
ablesungen oder Messungen unmittelbar bekannt, so ist in den meisten Fällen die „Ohne-Maßnahme“-
Situation (0) gleich der Situation vor der Umsetzung. Die allgemeine Berechnungsgleichung ist in der
folgenden Gleichung angegeben:

UGAES = [GAEC]0 × AF0 − [GAEC]1 × AF1 (7)

Dabei ist

UGAES normierte jährliche Brutto-Energieeinsparung (en: unitary gross annual energy savings);

[GAEC]0 Situation bezüglich des jährlichen Brutto-Energieverbrauchs ohne Maßnahme


[Ausgangsbasis];

[GAEC]1 Situation bezüglich des jährlichen Brutto-Energieverbrauchs mit Maßnahme;

AF0 Anpassungsfaktor ohne Maßnahme [Ausgangsbasis];

AF1 Anpassungsfaktor mit Maßnahme.

Mit der Verwendung von Anpassungsfaktoren soll der Energieverbrauch bezüglich Einflüssen angepasst
werden, die in der Berechnung der Energieeinsparungen nicht berücksichtigt werden, wie z. B. Wetter-
bedingungen oder Belegungszahlen — siehe Schritt 1.d (6.2.2.4).

34
FprEN 16212:2012 (D)

6.2.2.2.3 Ansatz II, Energieverbrauchsdaten sind nicht direkt verfügbar

Der Brutto-Energieverbrauch wird unter Verwendung von Parametern beurteilt, die für den Energieverbrauch
relevant sind und für die Daten entweder verfügbar sind oder geschätzt werden können. Die allgemeine
Berechnungsgleichung ist dann:

UGAES = function(P00,P01…P1n) × AF0 − function(P10,P11…P1n) × AF1 (8)

Dabei ist

UGAES normierte jährliche Brutto-Energieeinsparung;

P00…P0n Parameter;

AF Anpassungsfaktor;

0 ohne Maßnahme (Ausgangsbasis);

1 mit Maßnahme;

function ein Algorithmus, der den jährlichen Brutto-Energieeinsatz definiert.

In der Praxis findet der Anpassungsfaktor AF in den meisten Fällen keine Verwendung, da die Normalisierung
zumeist mithilfe veränderbarer Parameter in der Gleichung erreicht wird (siehe Schritt 1.d).

BEISPIEL Ersatz eines Beleuchtungssystems. Hierfür sind die relevanten Parameter:


 Parameter P00: elektrische Leistungsaufnahme der Standardlampen [W];

 Parameter F: Anzahl der Betriebsstunden [h].

Die Gleichung für die normierten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen ist: P00 × F − P10 × F.

Beim Ersatz einer 60-W-Lampe durch eine 12-W-Kompakt-Leuchtstofflampe, mit jeweils 2 500 Betriebsstunden jährlich,
betragen die normierten Energieeinsparungen 60 W × 2 500 h − 12 W × 2 500 h = 120 kWh. Es wird angenommen, dass
keine Veränderung des beleuchteten Bereiches vorgenommen wird und deshalb keine Normalisierung erforderlich ist.

Die Berechnungsgleichung eröffnet eine beachtliche Freiheit bezüglich der Wahl von Parametern und Berech-
nungsregeln. Dennoch ist es wichtig, dass die getroffene Auswahl von allen relevanten Parteien akzeptiert
wird. Deshalb ist die bevorzugte Reihenfolge bei der Auswahl der Parameter und der Gleichung:

1) international akzeptierte Gleichungen;

2) national akzeptierte Gleichungen;

3) Quellen aus der Literatur;

4) selbst entwickelte und dokumentierte Gleichungen.

Die erste Präferenz wären typischerweise andere EN- oder ISO-Normen oder EU-Richtlinien.

Es sollte auf den Umgang mit fehlerhaften Datensammlungen geachtet werden. Wenn beispielsweise nicht
die Anzahl der installierten Kompakt-Leuchtstofflampen untersucht wird, sondern Verkaufsdaten verwendet
werden, kann die Anzahl zu hoch liegen, da einige Kompakt-Leuchtstofflampen im Haushalt gelagert werden
(als Ersatzleuchten) oder eine Kompakt-Leuchtstofflampe ersetzen oder nicht im privaten Haushalt sondern in
kleinen und mittelständischen Unternehmen verwendet werden.

35
FprEN 16212:2012 (D)

6.2.2.3 Schritt 1.c: Basislinien und spezifische Gleichungen

6.2.2.3.1 Zwei Ansätze

Die Ausgangsbasis (d. h. die Situation ohne Maßnahme beim endgültigen Einsatz) kann mit zwei Ansätzen
behandelt werden. Ein Ansatz ist die Verwendung einer Referenzsituation (Ansatz A) und der andere Ansatz
ist die Verwendung einer „Vorher“-Situation (Ansatz B).

6.2.2.3.2 Ausgangsbasis Ansatz A

Als Situation für die Ausgangsbasis wird eine Referenzsituation gewählt. Dies kann für physikalische,
organisatorische oder verhaltensbezogene Maßnahmen der Fall sein. Der Energieverbrauch wird von einer
gewählten Referenzanordnung abgeleitet, wie z. B. neue Einrichtungen, neue Fahrzeuge oder neue
Gebäude. Es können die folgenden beiden Referenzfälle ermittelt werden (Gleichungen (9) und (10)).

In Gleichung (9) basiert die Auswahl der Referenzanordnung auf einem Marktmodell, d. h. ein spezifisches
oder durchschnittliches Gerät auf einem Markt für neue Geräte. Der Referenzmarkt könnte der inländische
Markt oder derjenige der gesamten Europäischen Union sein. Die normierten Energieeinsparungen werden
nach folgender spezifischer Gleichung berechnet:

„Marktübliche“ normierte Energieeinsparungen der Geräte = [Energieverbrauch für aktuellen


Markt/Referenzmarkt] − [Energieverbrauch für neuen/effizienten Markt] (9)

In Gleichung (10) wird für die Definition der Referenzanordnung anstelle des Marktmodells ein Bestands-
modell 2 verwendet. Die Vorher-Situation basiert auf vorhandenen (durchschnittlichen) Anordnungen. Der
Referenzbestand ist üblicherweise der inländische Bestand oder der eines vergleichbaren Landes. Die
Energieeinsparungen werden gemäß folgender spezifischer Gleichung berechnet:

„Bestandsübliche“ normierte Energieeinsparungen der Geräte = [Energieverbrauch für aktuellen


Bestand/durchschnittlichen Bestand] − [Energieverbrauch für neuen/effizienten Bestand] (10)

Für neue Technologien ist weltweit keine Referenz verfügbar. Deshalb muss eine virtuelle Ausgangsbasis-
Situation definiert oder geschaffen werden. So können beispielsweise Wohnungen, die strengeren Bau-
vorschriften genügen, mit solchen verglichen werden, die existierenden Bauvorschriften entsprechen.

6.2.2.3.3 Ausgangsbasis Ansatz B

Es wird davon ausgegangen, dass die „Vorher“-Situation eine gute Referenz darstellt. Häufig sind Energie-
verbrauchsdaten aus gemessenen oder geschätzten Daten verfügbar (z. B. unter Verwendung von Energie-
rechnungen und/oder Kontrollgruppen), die sich normalerweise über das Jahr vor der Umsetzung der
Endnutzer-Maßnahmen erstrecken. Dieser Fall bezieht sich auf Erweiterungen zu bzw. den Ersatz von
vorhandenen Anordnungen, da hier der Energieverbrauch „vorher“ unmittelbar als Ausgangsbasis dient. Wird
diese Ausgangsbasis verwendet, dann sollte der Energieverbrauch durch die Anwendung von Anpassungs-
faktoren normalisiert werden, soweit dies erforderlich ist, um die „Mit“- und „Ohne“-Situation vergleichbar zu
machen (siehe Schritt 1.d). Sind Energieverbrauchsdaten nicht unmittelbar verfügbar, so wird der Brutto-
Energieverbrauch unter Verwendung von Parametern beurteilt, die für den Energieverbrauch relevant sind
(siehe Schritt 1.b).

2 Das Bestandsmodell führt zu vergleichbaren Basislinien wie der erste, den „Vorher“-Verbrauch bewertende, Ansatz.
Die Ausgangsdaten sind jedoch unterschiedlich; im ersten Ansatz sind die Ausgangsdaten im Allgemeinen
Verbrauchsdaten der Energie.

36
FprEN 16212:2012 (D)

6.2.2.4 Schritt 1.d: Normalisierung des Energieverbrauchs

Die Normalisierung des Energieverbrauchs muss angewendet werden, um die Vergleichbarkeit sicherzu-
stellen, mit der die Situationen mit und ohne Maßnahmen beim endgültigen Einsatz bei der Berechnung der
Energieeinsparungen in korrekter Weise verglichen werden können. Zu diesem Zweck werden die Energie-
verbrauchswerte bezüglich externer Faktoren, welche die Berechnung der Energieeinsparungen nicht
verfälschen sollten, normalisiert. Beispiele für solche externen Faktoren sind:

 Wetterbedingungen;

 Belegungszahlen;

 Öffnungs- oder Betriebszeiten für Nicht-Wohngebäude;

 Intensität der installierten Einrichtungen (Durchsatz einer Anlage); Produktmix;

 Höhe der Produktion, Volumina oder Wertschöpfung;

 (Fahr-)Pläne für Anlagen und Fahrzeuge;

 Bezug zu anderen Einheiten.

Die Auswirkung jedes externen Faktors wird in Form eines Anpassungsfaktors angegeben. Jeder Wert kann
größer oder kleiner als 1 sein. Sie werden jeweils als Mittelwerte für die „Mit“- und „Ohne“-Maßnahmen-
Situation definiert.

Die Normalisierung darf nur für den Anteil des Energieverbrauchs durchgeführt werden, der durch die
relevanten externen Faktoren beeinflusst wird. So bezieht sich beispielsweise die Anpassung bezüglich der
Wetterbedingungen nur auf den wetterabhängigen Teil des Energieverbrauchs. In den meisten Fällen wird
eine Schätzung dieses Anteils notwendig sein.

Für den Fall, dass Energieverbrauchsdaten verfügbar sind (Ansatz I), kann die Normalisierung mithilfe eines
(aggregierten) Anpassungsfaktors (AF, siehe Gleichung (7)) vorgenommen werden.

Sofern Energieverbrauchsdaten nicht unmittelbar verfügbar sind (Ansatz II), wird der Energieverbrauch unter
Verwendung einer Reihe von Parametern konstruiert (siehe Gleichung (8)). In der Praxis wird die
Normalisierung häufig dadurch erreicht, dass gleiche Werte für die Parameter gewählt werden, welche die
externen Faktoren berücksichtigen. Je nach Fall sind entsprechende Werte in Normen oder nationalen
Referenzwerten zu finden (z. B. für Gebäude: Gradtage für Heizung oder Kühlung in Abhängigkeit vom
geographischen Ort).

6.2.2.5 Schritt 1.e: Technische Wechselwirkung

Sind technische Wechselwirkungen vorhanden, die einen Einfluss auf die normierten Energieeinsparungen
haben, so muss dieser Effekt berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass bei der Berechnung der
Energieeinsparungen die Situation mit Umsetzung der Maßnahme mit der Situation ohne Maßnahme
verglichen werden kann. Technische Wechselwirkungen können das Ergebnis eines Bezuges zu anderen
Elementareinheiten für Maßnahmen oder aber dem umgebenden physikalischen System sein.

Sind Energieverbrauchsdaten verfügbar (Ansatz I), so ist eine Anpassung bezüglich technischer Wechsel-
wirkungen nicht erforderlich, sofern die für die Berechnung der normierten Energieeinsparungen verwendeten
Verbrauchsdaten aus Messungen an einem Ort abgeleitet wurden, der alle relevanten technischen Wechsel-
wirkungen widerspiegelt. Beispielsweise können die normierten Energieeinsparungen infolge eines Kessel-
tauschs aus den Verbrauchsdaten für die Brennstoffversorgung des gesamten Gebäudes errechnet werden.

Für den Fall, dass Energieverbrauchsdaten nicht unmittelbar verfügbar sind (Ansatz II), wird der Energie-
verbrauch unter Verwendung einer Reihe von Parametern konstruiert. In diesem Fall kann die Anpassung
bezüglich technischer Wechselwirkungen dadurch erreicht werden, dass für den Fall mit Umsetzung der

37
FprEN 16212:2012 (D)

Maßnahmen und für den Ausgangsfall unterschiedliche Werte für die Parameter gewählt werden, die die
Wechselwirkung mit dem umgebenden technischen System oder mit anderen Elementareinheiten für
Einsparungen widerspiegeln. So wird beispielsweise bei der Berechnung der Wirkung der Wärmedämmung
einer Gebäudehülle der durchschnittliche jährliche Wirkungsgrad der Heizungsanlage im Fall mit Umsetzung
der Maßnahmen ein anderer sein als im Ausgangsfall.

Das Problem der technischen Wechselwirkungen kann üblicherweise dadurch umgangen werden, dass man
die Energieeinsparungen für ein System auf einer „höheren“ Ebene berechnet, z. B. auf Ebene der Wohn-
einheiten anstatt separat für Wärmedämmung und Kessel.

6.2.2.6 Schritt 1.f: Anwendung von Umrechnungsfaktoren

Energieverbrauch und Einsparungen können in verschiedenen Einheiten angegeben werden, wie z. B. Joule,
m3, Liter, kWh oder toe. Häufig wird die geeignete Einheit durch die Maßnahme bestimmt, z. B. Liter für
effiziente Fahrzeuge und kWh für effiziente Elektrogeräte. Sollen in unterschiedlichen Einheiten angegebene
Einsparungen aufsummiert werden, so müssen die verschiedenen Einheiten in Joule — die Standardeinheit
für den Energieverbrauch (MJ, GJ oder PJ) — umgerechnet werden. Die Umrechnung in eine der
spezifischen Einheiten, wie z. B. kWh, verschleiert den Unterschied zwischen Elektrizität und Energie im
Allgemeinen, und birgt somit das Risiko von Fehlern.

Um systemweite Einsparungen zu erhalten, können Energieverbrauch und Energieeinsparungen in Primär-


einheiten angegeben werden. Dies trifft vor allem auf Elektrizität zu, kann aber ebenso auf Fernwärme
angewendet werden oder auf einen zur gleichen Zeit stattfindenden Ersatz von Brennstoff, wenn die Energie-
effizienz dadurch verbessert wird (siehe 5.3.3). Zu diesem Zweck werden Einsparungen von Elektrizität auf
Basis des Verbrauchs in Primäreinheiten berechnet. Zur Umrechnung des endgültigen Stromverbrauchs in
Primäreinheiten wird ein Primärfaktor verwendet. Die Berechnung der Einsparungen ergibt nun Energie-
einsparungen in Primäreinheiten, welche die vermiedenen Verluste im Energieversorgungssystem (Kraft-
werke, Transport und Verteilung von Elektrizität) mit berücksichtigen.

Es sollte ein Primärfaktor verwendet werden, der den mittleren Wirkungsgrad des relevanten Strom-
erzeugungssystems darstellt, um den Endverbrauch an Elektrizität in Primäreinheiten umzurechnen. Die
Einsparberechnungen ergeben nun Energieeinsparungen in Primäreinheiten, welche die vermiedenen
Verluste der Energieversorgung ausgleichen (in Kraftwerken sowie beim Transport und der Verteilung von
Elektrizität).

ANMERKUNG 1 Sind keine zuverlässigen geographisch basierten Daten verfügbar, enthält die Energiedienstleistungs-
richtlinie (EDR) einen Umrechnungsfaktor [NO] von 2,5 für Elektrizität, was bedeutet, dass das Äquivalent von 1 kWh in
Primäreinheiten angegeben 2,5 × 3,6 = 9 MJ beträgt.

ANMERKUNG 2 Für ein Land mit einem hohen Anteil an Wasser- oder Windkraft wird der Primärfaktor niedriger als 2,5
sein, für ein Land mit viel Kohle- oder Kernkraft wird der Faktor höher liegen.

Wird ein Primärfaktor verwendet, so muss sichergestellt werden, dass für Energieeinsparberechnungen in der
„Vorher“- und „Nachher“-Situation, wie auch für die energiebezogenen Ausgangszahlen, derselbe Wert
verwendet wird.

ANMERKUNG 3 Wenn es vorgesehen ist, die Veränderungen der Primärenergienutzung zu ermitteln, dann muss eine
zusätzliche Analyse durchgeführt werden.

6.2.3 Schritt 2: Berechnung der gesamten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen

6.2.3.1 Zwei Teilschritte

In Schritt 2 werden die normierten Energieeinsparungen je Elementareinheit für Maßnahmen und die Anzahl
der Elementareinheiten für Maßnahmen zur Berechnung der gesamten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen
kombiniert.

38
FprEN 16212:2012 (D)

Schritt 2 für die gesamten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen besteht aus folgenden Teilschritten:

Schritt 2.a: Berechnung der Anzahl der Elementareinheiten für Maßnahmen;

Schritt 2.b: Aufsummierung der normierten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen.

6.2.3.2 Schritt 2.a: Berechnung der Anzahl der Elementareinheiten für Maßnahmen

Elementareinheiten für Maßnahmen in diesem Schritt können sein (siehe 6.1.1):

 physikalische Einheiten oder Prozesse: Einrichtungen, Gebäude, Fahrzeuge und bestimmte


industrielle Prozesse usw.;

 organisatorische Einheiten: Unternehmen, Institut, Büro, Verkaufsstelle, Schule, usw.;

 verhaltensbezogene Einheiten: Mitarbeiter, Fahrzeugführer oder Teilnehmer an einem Effizienz-


programm, etc.

Der beste Weg zur Aufsummierung dieser Elementareinheiten für Maßnahmen hängt davon ab, wie die
Einheit berücksichtigt bzw. beurteilt wird. Generell kann die Anzahl der Elementareinheiten für Maßnahmen:

 unmittelbar gezählt werden; oder

 mittelbar beurteilt werden.

Eine unmittelbare Zählung der Anzahl ist möglich, wenn die Umsetzung von Endnutzer-Maßnahmen in
Relation zu gezielten Förderinstrumenten steht, wie z. B. Subventionsregelungen für bestimmte Einrich-
tungen. In diesem Fall kann die Anzahl der subventionierten Einrichtungen gleich der Anzahl der Elementar-
einheiten für Maßnahmen gesetzt werden. Gleiches gilt für Gutscheine oder durchgeführte Energieaudits, die
in vergleichbaren Fällen erstellt werden.

In anderen Fällen muss die Anzahl mittelbar beispielsweise mithilfe einer Analyse von Verkaufszahlen für die
Einrichtungen beurteilt werden, wobei die Ergebnisse jährlicher Erhebungen zur Verbreitung effizienter
Einrichtungen oder auch andere Analysemethoden Verwendung finden. Es sollte auf den Umgang mit fehler-
haften Datensammlungen geachtet werden, z. B. die Verwendung von Verkaufsdaten für Einrichtungen als
Näherungswert für tatsächlich eingebaute Einrichtungen.

Eine steigende Anzahl von Elementareinheiten für Maßnahmen infolge von Unterstützungsmaßnahmen für
die Endnutzer können berechnet werden, indem der Mechanismus analysiert wird, mit dem diese Förder-
instrumente Energieeinsparungen realisieren wollen. Beispielsweise ist im Falle einer Schulung für umwelt-
freundliches Fahren die Elementareinheit für Maßnahmen nicht die Person, die sich eines ökologischen
Fahrstils bewusst ist, sondern die Person, die ihren Fahrstil tatsächlich und messbar verändert hat.

6.2.3.3 Schritt 2.b: Aufsummierung der normierten Energieeinsparungen

Da zur Berechnung der normierten Energieeinsparungen (in Schritt 1.b) Ansatz I oder II gewählt werden kann,
ist das Verfahren zur Aufsummierung für diese beiden Ansätze unterschiedlich.

 Aufsummierung der Einsparungen in Ansatz I

In Ansatz I mit unmittelbar verfügbaren Energieverbrauchsdaten ist die Elementareinheit für Maßnahmen
häufig ein einzelnes Unternehmen, bzw. ein Gebäude oder ein Teilnehmer. In dieser Situation ist die
Aufsummierung unkompliziert, und die gesamten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen werden mit folgender
Gleichung berechnet:

n
TGAES (einzelne Elementareinheit für Maßnahmen) = ∑ GAESI (i) (11)
i =1

39
FprEN 16212:2012 (D)

Dabei ist

TGAES gesamte jährliche Brutto-Energieeinsparung;

GAESI jährliche Brutto-Energieeinsparung für die einzelne Elementareinheit.

Diese Gleichung kann auch zur Aufsummierung der Einsparungen von Elementareinheiten für Maßnahmen
verwendet werden, die eine Kombination aus Systemen, Einheiten und Teilnehmern darstellt. Für das Audit ist
die Elementareinheit für Maßnahmen der Energienutzer, wobei die Energieeinsparungen je Elementareinheit
für Maßnahmen unterschiedlich sind. Der Energieverbrauch vor und nach dem Audit bestimmt die normierten
Energieeinsparungen.

 Aufsummierung der Einsparungen in Ansatz II

In Ansatz II ohne unmittelbar verfügbare Energieverbrauchsdaten hängt die Aufsummierung von der
Zusammensetzung der allgemeinen Gleichung für die normierten Einsparungen (siehe Schritt 1.b) sowie der
Art der Ausgangsbasis (siehe Schritt 1.c) ab. Die Methode zur Berechnung der Anzahl der Elementareinheiten
(siehe Schritt 2.a) beeinflusst den Prozess der Aufsummierung ebenfalls.

Resultiert die allgemeine Gleichung für normierte Einsparungen in Einsparungen für einzelne Fälle, so stimmt
die Summierung mit der in Gleichung (11) überein.

Für Einrichtungen und Gebäude werden die Energieeinsparungen nicht für jede einzelne Einheit geschätzt.
Die normierten Einsparungen werden hier für eine durchschnittliche Elementareinheit für Maßnahmen
definiert. In dieser Situation werden die jährlichen Brutto-Energieeinsparungen entsprechend folgender
Gleichung berechnet:

Gesamte Energieeinsparungen (durchschnittliche Elementareinheit für Maßnahmen) =


mittlere normierte Energieeinsparungen × Anzahl der Elementareinheiten für Maßnahmen (12)

Der Mittelwert muss für den Bestand Gültigkeit haben, für welchen die Anzahl berechnet wird. Treten bei den
Energieeinsparungen größere Unterschiede auf, z. B. aufgrund verschiedener Versionen, Typen oder
Ausführungen der Elementareinheit, so sollte die Gleichung soweit möglich für jede Version separat berech-
net werden.

6.2.4 Schritt 3: Berechnung der gesamten jährlichen Energieeinsparungen

6.2.4.1 Allgemeines

In Schritt 3 werden die gesamten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen, soweit erforderlich, korrigiert. Dies
wird üblicherweise vorgenommen, um Energieeinsparungen in Übereinstimmung mit einem definierten
Energieeinsparziel darzustellen. Schritt 3 besteht aus folgenden Teilschritten:

Schritt 3.a: Berechnung der gesamten jährlichen Energieeinsparungen;

Schritt 3.b: Korrektur von Doppelzählungen;

Schritt 3.c: Korrektur von Multiplikationseffekten;

Schritt 3.d: Korrektur von Mitnahmeeffekten;

Schritt 3.e: Korrektur von Rebound-Effekten.

6.2.4.2 Schritt 3.a: Berechnung der gesamten jährlichen Energieeinsparungen

Die gesamten jährlichen Energieeinsparungen werden entsprechend folgender Gleichung berechnet:

TAES = f (DC) × f (MP) × f (FR) × f (RE) × TGAES (13)

40
FprEN 16212:2012 (D)

Dabei ist

TAES gesamte jährliche Energieeinsparung (en: total annual energy savings);

TGAES gesamte jährliche Brutto-Energieeinsparung (en: total gross annual energy savings);

DC Doppelzählung (en: double counting);

MP Multiplikationseffekt (en: multiplier effect);

FR Mitnahmeeffekt (en: free rider effect);

RE Rebound-Effekt;

f ein Faktor.

Diese Faktoren sind dimensionslose positive Werte. Die meisten Faktoren sind kleiner als eins, der Faktor für
Multiplikationseffekte wird jedoch größer als eins sein. Wird ein Faktor nicht benötigt, so ist dessen Wert
gleich eins.

Die Entscheidung über die Einbeziehung von Faktoren muss zur Wahl der Basislinien in Schritt 1.c passen.

In vielen Fällen kann die Bewertung der Auswirkungen eines Faktors aufgrund von Einschränkungen in der
Datenlage problematisch oder nahezu unmöglich sein. Ist die Vernachlässigung der möglichen Auswirkungen
eines Faktors auf die festgestellten Einsparungen vertretbar, so kann der Faktor ignoriert werden.

Die Entscheidung, einen Faktor nicht zu verwenden, sollte erläutert werden.

6.2.4.3 Schritt 3.b: Korrektur von Doppelzählungen

Doppelzählungen können dort auftreten, wo zwei oder mehrere Unterstützungsmaßnahmen auf dieselben
Endnutzer-Maßnahmen abzielen, z. B. ein Kennzeichnungssystem und eine Subventionsregelung, die beide
die Anschaffung effizienter Geräte fördern. Der Einspareffekt kann für jede dieser Unterstützungsmaßnahme
berechnet werden, allerdings können die kombinierten Einsparungen geringer ausfallen als die Summe der
beiden einzelnen Einspareffekte.

Eine Doppelzählung kann nicht isoliert für eine einzige Unterstützungsmaßnahme vorgenommen werden, da
es notwendig ist zu wissen, welche anderen Unterstützungsmaßnahmen vorhanden sind. Deshalb muss eine
Doppelzählung für jede spezifische Situation separat bewertet und als Faktor in der Gleichung für die Energie-
einsparungen angegeben werden.

In seltenen Fällen können die kombinierten Einsparungen größer sein als die Summe der Einzeleffekte, z. B.
in dem Beispiel von Kennzeichnungen und Subventionen. Deshalb kann der Faktor für die Doppelzählung
größer als eins sein.

6.2.4.4 Schritt 3.c: Korrektur von Multiplikationseffekten

Der Multiplikations- oder Überschusseffekt verstärkt die anfängliche Wirkung von Fördermaßnahmen zur
Anregung von Endnutzer-Maßnahmen. Die Förderung effizienter Geräte kann so erfolgreich sein, dass die
Geschäfte nach einiger Zeit ihren Kunden nur noch effiziente Geräte anbieten. Dementsprechend werden die
Energieeinsparungen nach dem Förderzeitraum realisiert. Die durch diese Marktumstellung erzielten
Einsparungen können zu den unmittelbaren Energieeinsparungen infolge der Fördermaßnahme hinzu addiert
werden.

Der Multiplikationseffekt wird durch den Faktor in der Gleichung für die Energieeinsparungen berücksichtigt.
Der Faktor wird größer als eins sein, ist aber oft sehr schwer abzuschätzen.

41
FprEN 16212:2012 (D)

6.2.4.5 Schritt 3.d: Korrektur von Mitnahmeeffekten

Unterstützungsmaßnahmen sind darauf angelegt, Maßnahmen beim endgültigen Einsatz durch die Energie-
nutzer anzuregen, z. B. eine Subvention für die Wärmedämmung von Wohngebäuden zielt darauf ab, die
Anzahl der Endnutzer, die eine Wärmedämmung anbringen, zu erhöhen. „Mitnehmer“ sind Teilnehmer oder
Verbraucher, die die Maßnahme beim endgültigen Einsatz auch ohne die bewertete(n) Unterstützungs-
maßnahme(n) umgesetzt hätten. Der Faktor ist kleiner als eins.

6.2.4.6 Schritt 3.e: Korrektur von Rebound-Effekten

Der Rebound-Effekt (oder Rücknahmeeffekt) verringert die Energieeinsparungen, da ein Teil des anfänglichen
Gewinns durch Verhaltensweisen aufgehoben wird, die den Energieeinsatz erhöhen. Beispielsweise können
nach einer Wärmedämmung von Wohngebäuden die Bewohner eine höhere Raumtemperatur einstellen, da
sich die Heizung als weniger kostenträchtig als zuvor erweist. Der Rebound-Faktor ist kleiner als eins.

6.2.5 Schritt 4: Berechnung der verbleibenden Energieeinsparungen für das Zieljahr

Die in den vorherigen Schritten beschriebenen Berechnungen ergeben die Energieeinsparungen für ein
bestimmtes Jahr in einem Bewertungszeitraum. Wird diese Berechnung für das Anfangsjahr, d. h. für das
erste Jahr nach Umsetzung der Endnutzer-Maßnahmen, durchgeführt, so ergeben sich die anfänglichen
Energieeinsparungen.

CWA 15693:2007 definiert die Entwicklung der Energieeinsparungen über die Zeit. Die Energieeinsparungen
werden von der Umsetzung der Elementareinheit für Maßnahmen bis zu dem Zeitpunkt, ab dem die
Maßnahme nicht mehr wirksam ist, kumuliert. Die kumulativen Einsparungen werden demnach durch drei
Elemente bestimmt:

1) die anfänglichen Energieeinsparungen;

2) den Zeitraum für Einsparungen;

3) die Abweichung von den anfänglichen Energieeinsparungen während des Zeitraums für
Einsparungen.

Bei der Festlegung des Zeitraums für Einsparungen für die Elementareinheiten für Maßnahmen kann
entweder die harmonisierte oder berechnete Lebensdauer für Einsparungen entsprechend CWA 15693:2007
verwendet werden. Mithilfe dieser Lebensdauern kann festgelegt werden, ob die gesamten Energie-
einsparungen nach einer bestimmten Anzahl von Jahren immer noch gezählt werden. Wenn das Alter einer
Endnutzer-Maßnahme in einem bestimmten Zieljahr kleiner oder gleich seiner Lebensdauer ist, so werden die
Energieeinsparungen in diesen Zieljahr mitgezählt, ansonsten zählen sie überhaupt nicht.

Zusätzlich zur Lebensdauer für Einsparungen kann die Berechnung der Energieeinsparungen für das Zieljahr
auch die im Laufe der Zeit auftretende Divergenz (üblicherweise eine Reduzierung) von Energieeinsparungen
berücksichtigen, die ein Ergebnis ist von:

 Verschlechterungen: Für physikalische Systeme bedeutet eine Verschlechterung der Einspareffekte,


dass die anfänglichen Einsparungen infolge Alterung erodieren, z. B. durch Verschmutzung des Brenners
eines Kessels; im Falle von verhaltensbezogenen Endnutzer-Maßnahmen ist die Verschlechterung
gleichbedeutend mit einer Veränderung (meistens eines Verlustes) der Einsparleistung in der Gruppe der
Teilnehmer.

 Instandhaltungsregeln: Für viele physikalische Endnutzer-Maßnahmen beeinflusst die Qualität der


Instandhaltung in starkem Maß die Höhe der im Laufe der Zeit erzielten Energieeinsparungen; der
maximale Einfluss ist gleich dem Unterschied zwischen den für diese Endnutzer-Maßnahme erzielten
Einsparungen ohne und mit optimaler Instandhaltung; die Instandhaltung kann die Verluste in den
jährlichen Energieeinsparungen infolge von Verschlechterungen bis zu einem gewissen Grad
kompensieren.

42
FprEN 16212:2012 (D)

Der Einfluss von Verschlechterungen und die Instandhaltungsregeln können berücksichtigt werden, sofern
Daten bezüglich des Energieverbrauchs für jedes Jahr der Lebensdauer der Endnutzer-Maßnahme verfügbar
sind. In anderen Fällen — d. h. wenn Energieverbrauchsdaten nur für das Anfangsjahr oder aber überhaupt
nicht verfügbar sind — können Verschlechterungen und Instandhaltungsregeln durch plausible Faktoren, die
den Einfluss dieser Faktoren auf den Energieverbrauch angeben, dargestellt werden.

6.2.6 Berechnung der gesamten Bottom-Up-Energieeinsparungen unter Berücksichtigung von


Überlappungen

Elementareinheiten für Maßnahmen können auf sehr unterschiedlichen Aggregationsstufen definiert werden,
von einem Gesamtsystem über Teilsysteme bis hin zu einzelnen Komponenten (siehe 6.1.1).

Die Wahl der Aggregationsstufe in Einsparberechnungen hängt von einer Reihe von Aspekten ab:

 Verfügbarkeit von Daten: Daten bezüglich des Energieverbrauchs sind häufig eher auf der Ebene des
Gesamtsystems verfügbar als für die Ebene von Teilsystemen oder Komponenten;

 einfache Berechnung der Einsparungen: für Komponenten kann die Berechnung auf Basis normierter
Einsparungen und der Anzahl der Einrichtungen recht einfach sein;

 potenzielle Wechselwirkungen zwischen den Energieeinsparungen durch verschiedene Endnutzer-


Maßnahmen, wie sie vor allem auf Ebene von Komponenten und Teilsystemen auftreten; auf Ebene des
Gesamtsystems werden diese Wechselwirkungen automatisch in den Gesamtergebnissen berücksichtigt.

Die vorhergehenden Schritte haben die Berechnungen der Gesamteinsparungen für eine Endnutzer-
Maßnahme gezeigt. Zur Ermittlung der gesamten Bottom-Up-Energieeinsparungen für die Gesamtheit aller
Endnutzer-Maßnahmen müssen die Ergebnisse je Endnutzer-Maßnahme aufsummiert werden.

Stehen die Endnutzer-Maßnahmen auf verschiedenen Aggregationsstufen in einer hierarchischen Beziehung


zueinander, dann sind die Energieeinsparungen auf einer höheren Stufe gleich der Summe der Einsparungen
auf einer niedrigeren Aggregationsstufe. Sind die Endnutzer-Maßnahmen derart definiert, dass sie sich weder
bezüglich ihres geplanten Energieeinsatzes, noch bezüglich ihres Wirkungsbereiches überlappen, so können
deren Einsparungen aufsummiert werden.

Im Falle einer Überlappung sollte bezüglich der Überlappung im Wirkungsbereich eine Korrektur
vorgenommen werden, die von der Art der Endnutzer-Maßnahme abhängt. Bezieht diese sich auf zwei
Endnutzer-Maßnahmen, wie z. B. sektorübergreifend auf effiziente Elektromotoren und Einsparungen im
industriellen Stromverbrauch, so folgt die Korrektur aus dem gemeinsamen Wirkungsbereich, d. h. den
Einsparungen bei Elektromotoren in der Industrie, welche durch die Einsparungen im industriellen Strom-
verbrauch ebenfalls abgedeckt sind. Bei zwei Unterstützungsmaßnahmen, z. B. eine Energiesteuer auf
jegliche Endnutzung und eine freiwillige Vereinbarung zur Verbesserung der Energieeffizienz in einem
bestimmten Sektor, sollte die Wechselwirkung zwischen den Auswirkungen der beiden Maßnahmen bereits
durch bei der Korrektur bezüglich Doppelzählungen berücksichtigt worden sein.

Es ist zu beachten, dass die Überlappung etwas anderes ist als die Korrektur bezüglich technischer Wechsel-
wirkungen, die die Auswirkungen auf einzelne Endnutzer-Maßnahmen betrachtet.

Es wird angenommen, dass der Wirkungsbereich einer jeden Endnutzer-Maßnahme bekannt ist und die Über-
lappung bezüglich des Energieeinsatzes mit allen anderen Endnutzer-Maßnahmen bestimmbar ist. Für die
erste Endnutzer-Maßnahme wird die Überlappung mit nachfolgenden Maßnahmen angegeben als der Anteil
des Energieeinsatzes, der durch die erste Endnutzer-Maßnahme abgedeckt ist. In gleicher Weise erfolgt dies
für die zweite und alle weiteren Endnutzer-Maßnahmen. Auf diese Art wird die Überlappung nur einmal
berücksichtigt.

43
FprEN 16212:2012 (D)

Die gesamten Bottom-Up-Energieeinsparungen (unter Berücksichtigung des Überlappungsfaktors) werden


entsprechend der folgenden Gleichung berechnet:

n
OBUES = ∑ [ESEUA(i )× Überlappungsfaktor (i, j )] (14)
i =1

Dabei ist

OBUES gesamte Bottom-Up-Energieeinsparung;

ESEUA Endnutzer-Maßnahme für Energieeinsparungen;

Überlappungsfaktor (i,j) Matrix der Überlappungsanteile zwischen der Maßnahme i und der
Maßnahme j.

Gibt es keine Überlappung, so sind alle Faktoren gleich eins, und die gesamten Energieeinsparungen sind
gleich der Summe aus allen Endnutzer-Maßnahmen.

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FprEN 16212:2012 (D)

Anhang A
(informativ)

Beispiele für Energieeffizienz-Kenngrößen

A.1 Einleitung
Die Top-Down-Einsparberechnungen verwenden energiebezogene Kenngrößen. Um die Anwendungs-
möglichkeiten der allgemeinen Berechnungsmethode aufzuzeigen, wird hier eine Übersicht über häufig
verwendete energiebezogene Kenngrößen gegeben. Diese Kenngrößen entstammen entweder dem
Odyssee-Projekt, welches durch das „Intelligent-Energy“-Programm der EU-Kommission finanziert wurde,
und/oder sie wurden dem EDMC (Energy Demand Management Committee) seitens der EU-Kommission,
vorgeschlagen.

A.2 Sektoren und Kenngrößen

A.2.1 Einbezogene Sektoren

Die einbezogenen Sektoren umfassen Industrie, Transport, Wohnbereich (Haushalte) und Dienstleistungen
(Tertiärsektor). Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei werden nicht mit einbezogen, da sie hinsichtlich des
Energieeinsatzes im Allgemeinen kleinere Sektoren sind. Für Länder mit einem wesentlichen Energieeinsatz
für Treibhäuser kann ein ähnlicher Ansatz wie für den Dienstleistungssektor verwendet werden. Das gleiche
gilt für die Forstwirtschaft, wo ein dem Industriesektor vergleichbarer Ansatz verwendet werden kann.

Die Energieumwandlung (zentrale Strom- und Wärmeerzeugung, Raffinerien) wird hier nicht betrachtet.

A.2.2 Auswahl der Kenngrößen bezüglich Energieeinsparungen

Allgemeine Kriterien für die Auswahl von Kenngrößen sind:

 Art der Einsparungen, die gemessen werden sollen (Definition der Energieeinsparungen);

 Höhe der durch die Kenngröße belegbaren Einsparungen;

 Notwendigkeit zur Korrektur von strukturellen Effekten;

 Verfügbarkeit und Qualität der Daten.

Die Definition der Energieeinsparungen ist abhängig von der Art der Treiber, die hinter den Veränderungen im
Energieverbrauch stehen: wirtschaftliche, technische oder verhaltensbezogene Faktoren. Im ersten Fall wird
jegliche Reduzierung der benötigten Energie je Einheit eines wirtschaftlichen Ertrages (z. B. kWh/€) als
Energieeinsparung betrachtet, selbst wenn aus technischer Sicht keine Energieeinsparung vorliegt. Zur
Beurteilung einer technischen Effizienz wird üblicherweise der spezifische Energieverbrauch je physikalischer
Einheit berechnet.

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FprEN 16212:2012 (D)

Energieeinsparungen können sich auch aus Verhaltensänderungen ergeben. Im Transportbereich können


Energieeinsparungen aus einem Systemwechsel resultieren, z. B. von der Straße zur Schiene, da der
Schienentransport einen geringeren Energieeinsatz je Passagierkilometer aufweist als der Straßentransport.
Einsparungen für Fahrzeuge können sich aus einer Erhöhung der Auslastung, möglicherweise durch Bildung
von Fahrgemeinschaften, ergeben. Abhängig von der Art der zu messenden Energieeinsparungen kann eine
andere Kenngröße betrachtet werden. Beispielsweise ist für Fahrzeuge die Kenngröße Liter/Fahrzeug-km
geeignet für die Messung technisch bedingter Einsparungen, die Kenngröße Liter/Passagier-km misst sowohl
technisch bedingte als auch nicht technisch bedingte Energieeinsparungen (Belegungsgrad), während die
Kenngröße Liter/(Jahr und Fahrzeug) auch die Einsparungen infolge einer Reduzierung der Mobilität je Fahr-
zeug (z. B. durch einen Systemwechsel zu Bus, Bahn oder Fahrrad) mit berücksichtigt.

Das zweite Kriterium ist bedeutsam, wenn Gesamtenergieeinsparungen mit begrenzten Ressourcen bezüg-
lich Erhebung und Analyse von Daten berechnet werden müssen. Häufig ergeben sich 80 % der belegbaren
Einsparungen aus 20 % der zu definierenden Kenngrößen.

Kenngrößen zu Energieeinsparungen schließen häufig Veränderungen im Energieverbrauch ein, die zwar


einen Einfluss auf den Wert der Kenngröße haben, aber nicht als Teil der Energieeffizienz betrachtet werden.
Die so genannten versteckten strukturellen Effekte verzerren die Berechnung der Energieeinsparungen.
Beispielsweise enthält die Berechnung der Einsparungen infolge der Reduzierung des spezifischen
Energieverbrauchs je Wohneinheit die Auswirkungen größerer Wohneinheiten. Eine Berechnung der
2
Einsparungen unter Verwendung der alternativen Kenngröße MJ/m korrigiert diesen Effekt. Ein anderes
Beispiel ist die Verbreitung der Zentralheizung, die den Energieverbrauch je Wohneinheit erhöht. Die
technisch bedingten Einsparungen werden unterschätzt, wenn sie nicht bezüglich des Übergangs von
dezentraler zu zentraler Heizung korrigiert werden, was durch die Verwendung einer Kenngröße mit für das
Heizungssystem „normalisierten“ Wohneinheiten geschieht.

Strukturelle Effekte stehen in Verbindung mit der Definition der Top-Down-Einsparungen, was wiederum
bestimmend ist für die Auswahl der Kenngrößen. Die gewählte Kenngröße bestimmt ebenfalls, was als
versteckter struktureller Effekt (siehe 6.1) betrachtet werden kann. Liegt in den Beispielen das politische
Augenmerk auf einem niedrigeren Energieverbrauch je Wohneinheit, sollte keine Korrektur bezüglich der
bereits erwähnten versteckten strukturellen Effekte vorgenommen werden.

Die Verfügbarkeit von Daten entscheidet in erheblichem Maße darüber, auf welcher Aggregationsstufe die
Kenngrößen festgelegt werden und wie viele Kenngrößen berechnet werden können. Häufig sind anstelle der
„besten“ Kenngrößen alternative Kenngrößen notwendig, um einer eventuell lückenhaften Datenlage
Rechnung zu tragen. Beispielsweise kann für Länder ohne Daten zur Raumheizung als minimale Kenngröße
der gesamte Brennstoffverbrauch je Wohneinheit verwendet werden. Allerdings besteht hier ein Zielkonflikt
zwischen der Qualität der berechneten Einsparungen und dem Aufwand für die Datenerhebung.

Im folgenden Abschnitt werden mögliche Kenngrößen beschrieben, die in den meisten Ländern verwendet
werden können. Die Berechnung dieser Kenngrößen wird zu einem späteren Zeitpunkt genormt. Die Kenn-
größen sind entsprechend dem Sektor für die Endnutzung gruppiert:

 Wohnbereich;

 Dienstleistungssektor;

 Transport;

 Industrie.

46
FprEN 16212:2012 (D)

A.3 Kenngrößen für den Wohnsektor

A.3.1 Allgemeines

Im Wohnsektor können Energieeffizienz-Kenngrößen berechnet werden für:

 Raumheizung;

 Warmwasser;

 große Elektrogeräte;

 Beleuchtung;

 gesamten Stromverbrauch;

 gesamten Energieverbrauch, außer Elektrizität.

Die ersten vier Kenngrößen können berechnet werden, wenn genügend Daten vorhanden sind. In anderen
Fällen kann sich die Berechnung der Energieeinsparungen auf die Kenngrößen für den gesamten Einsatz von
Elektrizität und anderen Energieformen abstützen.

Große Geräte umfassen Kühlschränke, Gefriergeräte, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Trockner sowie


Fernseh- und Klimageräte. Sind hinreichende Daten verfügbar, so können weitere Kenngrößen für Herde und
zahlreiche kleinere Elektrogeräte (z. B. IKT, Kaffeemaschinen, Videorekorder) berechnet werden, die für
einen steigenden Anteil am Haushaltsstromverbrauch verantwortlich sind.

A.3.2 Raumheizung
2
Die Kenngröße repräsentiert den mittleren Energieverbrauch für Raumheizung je m Grundfläche von
(bewohnten) Wohneinheiten. Das Gebäudevolumen in m3 oder das beheizte Volumen kann alternativ zur
Raumheizung in m2 verwendet werden, da die Daten für die Volumen schwieriger zu erhalten sind.

Die Berechnung enthält:

 Energieverbrauch für Raumheizung;

 Anzahl der bewohnten Wohneinheiten;

 Grundfläche je Wohneinheit oder Gebäudevolumen in m3;

 Korrekturen.

Der Energieverbrauch für Raumheizung besteht hauptsächlich aus Brennstoffen wie z. B. Erdgas, Heizöl,
teilweise Kohle sowie gelegentlich Holz oder Torf. Die durch ein Fernwärmesystem bereitgestellte Wärme ist
ebenfalls zu berücksichtigen. In einigen Ländern ist die Nutzung von Elektrizität für die Raumheizung weit
verbreitet. Diese Strommenge muss vom gesamten Stromverbrauch abgezogen und dem Energieverbrauch
für die Raumheizung zugeschlagen werden.

Der Energieverbrauch muss unter Verwendung von Gradtagen (siehe 5.2.3) an die normalen Klima-
bedingungen angepasst werden, um eine Korrektur bezüglich der von Jahr zu Jahr auftretenden Klima-
schwankungen zu erreichen.

Der Bestand an Wohneinheiten kann entweder zur Jahresmitte oder aus dem Mittelwert der Zahlen zum
1. Januar und 31. Dezember bestimmt werden.

47
FprEN 16212:2012 (D)

Der Energieverbrauch hängt von der Belegung der Wohneinheiten ab, da zum Beispiel Sommerhäuser und
Häuser, die auf einen neuen Käufer oder Mieter warten, eine ganz andere Struktur beim Energieeinsatz
aufweisen. Deshalb sollten nur Wohneinheiten betrachtet werden, die über das ganze Jahr hinweg bewohnt
sind: die so genannten permanent bewohnten Wohneinheiten. Die Anzahl der permanent bewohnten Wohn-
einheiten wird üblicherweise in Statistiken ausgewiesen. Falls keine Informationen über die Anzahl der dauer-
haft belegten Wohneinheiten vorliegen, stellt die Anzahl der Haushalte den besten Näherungswert dar (siehe
A.3.7).

Die mittlere Grundfläche (MFS, en: mean floor space) je Wohneinheit umfasst alle Wohnräume, üblicherweise
aber keine Keller und Dachböden, die für gewöhnlich nicht beheizt werden. Damit ist sie gleich der beheizten
Grundfläche. Für Länder, in denen Dachböden bzw. Keller oder andere unbeheizte Flächen in den
statistischen Werten für die Grundfläche mit eingeschlossen sind, kann ein Korrekturfaktor eingeführt werden,
der dem Anteil der beheizten Grundfläche entspricht.

In Abhängigkeit von der Verfügbarkeit von Daten und dem Einfluss auf den Wert der Kenngröße können
weitere Korrekturen vorgenommen werden für:

 die Art des Heizungssystems (Zentralheizung, Einzelraumheizung);

 die Art der Wohneinheiten (freistehend, Reihenhäuser oder Mehrfamilienhäuser/Wohnungen);

 den verwendeten Brennstoff: Elektrizität, Gas, Öl, Kohle, Fernwärme oder Biomasse.

Eine Einzelraumheizung hat für die Heizung einen geringeren Energieverbrauch als eine Zentralheizung, da
nicht alle Räume beheizt werden (lediglich einige Räume werden mit Öfen beheizt). Um eine Korrektur für die
Zentralheizung zu ermöglichen, wird in der Gleichung für die Berechnung der beheizten Gesamtfläche eine
Unterscheidung zwischen zentral beheizten Wohneinheiten und solchen mit Einzelraumheizung getroffen.

ANMERKUNG Entsprechend der Definition von Eurostat umfasst Zentralheizung Fernwärme, Blockheizkraftwerke,
Zentralheizkessel und Elektroheizung (sofern in jedem Raum Konvektoren vorhanden sind).

Freistehende Wohneinheiten haben, gemessen an der Grundfläche, eine relativ große Fläche der Gebäude-
hülle; für Mehrfamiliengebäude wie z. B. Häuser mit Miet- oder Etagenwohnungen gilt das Gegenteil. Deshalb
unterscheidet sich der Energieverbrauch ungeachtet der Unterschiede in der Grundfläche (die bereits
behandelt wurden). Bezüglich der Art der Wohneinheiten kann auf den normalisierten Energieverbrauch eine
Korrektur angewendet werden. Allerdings ist eine derartige Korrektur nur dann aussagekräftig, wenn die
Energieeinsparungen über einen langen Zeitraum berechnet werden müssen, da sich die Zusammensetzung
des Bestandes an Wohneinheiten nur langsam ändert.

Ein Ersatz des Brennstoffes, z. B. Kohle oder Öl durch Gas, führt zu einem niedrigeren Energieverbrauch
infolge eines höheren Wirkungsgrades bei der Umwandlung von Gas. Häufig wird dieser niedrigere Energie-
verbrauch als Energieeinsparung betrachtet. Allerdings führt der verstärkte Einsatz von Biomasse (Holz) zur
Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu einem höheren Energieverbrauch. Deshalb kann eine Korrektur
bezüglich des Ersatzes von Brennstoffen notwendig sein.

A.3.3 Warmwasser

Die Energieeinsparungen werden unter Verwendung einer Kenngröße zum spezifischen Energieverbrauch für
Warmwasser je Person in einem Haushalt berechnet.

Die Kenngröße kann „erneuerbare Energien hinter dem Zähler“ mit einschließen, beispielsweise solare
Wasserheizgeräte, die zu einem niedrigeren Stromverbrauch für warmes Wasser führen. Die mit der
Verbreitung solarer Wasserheizgeräte verbundenen Einsparungen können separat berechnet werden, indem
eine Kenngröße für die Verbreitung verwendet wird.

Falls erforderlich, können die Gesamteinsparungen aufgeteilt werden in einen Beitrag erneuerbarer Energie-
quellen (z. B. ein Warmwasser-Solarkollektor) und „echten“ Energieeinsparungen, d. h. einer höheren
Effizienz unabhängig von der verwendeten Energiequelle.

48
FprEN 16212:2012 (D)

A.3.4 Große Elektrogeräte

Für große Elektrogeräte weist die Kenngröße den Stromverbrauch je Gerät aus: Kühlschränke, Gefrier-
schränke, Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspülmaschinen und Fernsehgeräte. Der spezifische
Verbrauch kann korrigiert werden bezüglich der Größe der Geräte (z. B. kleine oder große Kühlschränke,
angegeben in Litern Aufbewahrungskapazität) oder der Intensität der Nutzung (z. B. kg der je Zyklus
gewaschenen und getrockneten Kleidung und Anzahl der Zyklen).

A.3.5 Beleuchtung und andere Geräte

Die Beleuchtung wird mit anderen Geräten kombiniert, da der Einsatz von Elektrizität für den Verbrauch der
Beleuchtung in einigen EU-Mitgliedstaaten nicht bekannt ist. Bei anderen elektrischen Geräten und
Beleuchtungen stellt die Kenngröße den Stromverbrauch je Haushalt dar. Anpassungen können bezüglich der
Verbreitung von mehr Leuchten oder Geräten vorgenommen werden. Da die Beleuchtung jedoch zu der
„Gerätegruppe“ mit dem höchsten Stromverbrauch in Haushalten geworden ist, sollte deren Behandlung
getrennt von jeglichen anderen Geräten befürwortet werden.

A.3.6 Gesamter Stromverbrauch

Die Kenngröße ist definiert als der gesamte Stromverbrauch je Haushalt. Soweit relevant und möglich, kann
ein wesentlicher Stromverbrauch für Raumheizung vom gesamten Stromverbrauch abgezogen werden. Wenn
hinsichtlich der gestiegenen Anzahl an Geräteeigentümern keine Korrekturen vorgenommen werden, erhöht
sich Wert der Kenngröße in den meisten Ländern und es werden keine Einsparungen ermittelt.

A.3.7 Gesamter Energieverbrauch, außer Elektrizität

Die Kenngröße repräsentiert den gesamten Energieverbrauch außer Elektrizität im Verhältnis zur Anzahl der
Haushalte, Wohneinheiten oder dem Einkommen. Normalerweise ist die Anzahl der (ständig bewohnten)
Wohneinheiten gleich der Anzahl der Haushalte.

Diese Kenngröße kann für die Abschätzung der Energieeinsparungen für die Raumheizung verwendet
werden, wenn die vorher vorgestellte Kenngröße aufgrund von Einschränkungen in der Datenlage nicht
berechnet werden kann. In diesem Fall sollte der Einsatz von Elektrizität für die Raumheizung zum Energie-
verbrauch hinzugerechnet werden (siehe auch A.3.6).

A.4 Kenngrößen für den Dienstleistungssektor

A.4.1 Allgemeines

Der Dienstleistungssektor umfasst öffentliche und gewerbliche Dienstleistungen. Gewerbliche Dienst-


leistungen umfassen Groß- und Einzelhandel, Hotels/Restaurants, Banken, Versicherungen, Reparatur/
Instandhaltung, Kommunikation, etc. Öffentliche Dienstleistungen umfassen Bildung (Schulen, Universitäten),
Pflege (Krankenhäuser, Alteneinrichtungen), Kultur- und Sportstätten sowie Regierungen (Ministerien,
Kommunen), obwohl zahlreiche dieser Funktionen in einigen Ländern durch den gewerblichen Sektor erbracht
werden.

Im Dienstleistungssektor sollten die Energieeinsparungen (vorzugsweise) je Teilsektor berechnet werden, um


die strukturellen Änderungen in der Zusammensetzung einzelner Sparten zu korrigieren. Entsprechend der
NACE-Klassifizierung (Rev. 2) können bis zu 7 Teilsektoren betrachtet werden: Verwaltung oder öffentlicher
Sektor, Groß-/Einzelhandel, private Büros, Hotels/Restaurants, Bildung/Forschung und Gesundheitswesen/
soziale Dienste. Außerdem sollte bedacht werden, dass Mitgliedstaaten entsprechend einer Verordnung
1893/2006/EG entweder die NACE-Klassifizierung (Rev. 2) oder die entsprechende nationale Anwendung, die
eine vergleichbare Struktur wie die allgemeine Klassifizierung besitzt, umsetzen können.

49
FprEN 16212:2012 (D)

Energieeffizienz-Kenngrößen können berechnet werden für:

 den gesamten Energieverbrauch;

 den gesamten Stromverbrauch;

 den gesamten Energieverbrauch, außer Elektrizität;

 Brennstoffe und erzeugte Wärme für Heizzwecke;

 die Elektrizität für Beleuchtung;

 die Elektrizität für Klimatisierung;

 die Elektrizität für IKT und andere Einrichtungen.

Die letzten vier Kenngrößen können nur berechnet werden, wenn detaillierte Daten verfügbar sind. Sind diese
Daten nicht verfügbar, so können die Energieeinsparungen auf Basis der drei ersten gesamthaften Kenn-
größen berechnet werden.

ANMERKUNG Brennstoffe und Wärme; dies sollte in Ländern mit einer wesentlichen Verbreitung von elektrischer
Heizung auch Elektrizität mit einschließen.

A.4.2 Gesamter Energieverbrauch

Die Energieeinsparungen können berechnet werden, indem der gesamte Energieverbrauch ins Verhältnis zur
Anzahl der Mitarbeiter oder dem Umsatz in Euro oder nationalen Währungen gesetzt wird.

Werden die Energieeinsparungen branchenweise berechnet, so kann der Energieverbrauch ins Verhältnis zu
branchenspezifischen tätigkeitsbezogenen Kenngrößen gesetzt werden, wie z. B. NACE-Klassifizierung
(Rev. 2):

 Groß-/Einzelhandel: Umsatz;

 Anbieter von Unterkünften und Speisen: Anzahl der Personen-Nächte;

 Bildung/Forschung: Anzahl der Schüler/Studenten;

 Gesundheitswesen/soziale Dienste: Anzahl der Betten;

 andere (öffentliche Verwaltung oder private Büros): Anzahl der Mitarbeiter.

A.4.3 Gesamter Stromverbrauch

Der gesamte Stromverbrauch kann ins Verhältnis zur Anzahl der Mitarbeiter gesetzt werden. Allerdings zeigt
die Kenngröße kWh/Mitarbeiter häufig eine steigende Tendenz infolge von mehr IKT und einer höheren
Qualität der Innenausstattung (Klimatisierung).

Alternativ kann die Kenngröße kWh/Euro verwendet werden. Diese Kenngröße setzt den Verbrauch ins
Verhältnis zu einem Ertrag (Wertschöpfung oder Umsatz), anstatt zu einem Einsatz (Mitarbeiter).

Falls möglich, kann der Energieverbrauch eines Teilsektors ins Verhältnis zum branchenspezifischen
Beschäftigungsgrad gesetzt werden. Auch hier kann dies infolge jeglicher Art von strukturellen Änderungen,
die den spezifischen Einsatz von Elektrizität erhöhen, zu negativen Einsparungen führen.

50
FprEN 16212:2012 (D)

A.4.4 Gesamter Energieverbrauch, außer Elektrizität

Der gesamte Energieverbrauch, außer Elektrizität, besteht aus verschiedenen Brennstoffen und Fernwärme,
hauptsächlich in Verbindung mit der Raumheizung. Der Verbrauch kann ins Verhältnis gesetzt werden zur
Anzahl der Mitarbeiter, Grundfläche in m2 oder Umsatz in Euro. Daten zu Umsatz und, in geringerem
Ausmaß, Mitarbeitern sind normalerweise verfügbar, wobei jedoch die die Bedeutung der Tendenz der
berechneten Kenngröße nicht eindeutig ist. Für die Berechnung der Energieeinsparungen für die Raum-
heizung in Teilsektoren mit vielen Büroräumen kann der Verbrauch am besten ins Verhältnis zur Grundfläche
gesetzt werden.

A.4.5 Brennstoffe und erzeugte Wärme für Heizzwecke

Gebäude im Dienstleistungssektor können entweder mit Brennstoffen oder mit Wärme aus Fernwärme-
systemen beheizt werden.

Bezüglich der Beheizung kann zwischen Bürogebäuden für Verwaltungstätigkeiten und Gebäuden für
Besucher unterschieden werden. Für die erstgenannte Art von Gebäuden sollte der Energieverbrauch für die
Raumheizung vorzugsweise ins Verhältnis zur Grundfläche in m2 gesetzt werden. Für Besuchergebäude,
z. B. Geschäfte, Restaurants, Schulen und Krankenhäuser, kann die Struktur des Energieeinsatzes sehr
2
spezifisch sein. Anstelle der Grundfläche in m kann der branchenspezifische Beschäftigungsgrad verwendet
werden.

A.4.6 Elektrizität für Beleuchtung oder Klimatisierung

Dieser Anteil des Stromverbrauchs steht im Verhältnis zur Grundfläche in m2, da die Grundfläche der
bedeutendste Treiber für Beleuchtung oder Klimatisierung ist. Der Stromverbrauch für die Klimatisierung kann
bezüglich jährlicher Schwankungen in der Anzahl warmer oder heißer Tage durch die Verwendung von
Gradtagen für die Kühlung korrigiert werden.

A.4.7 Elektrizität für IKT und andere Einrichtungen

Die Energieeinsparungen können ausgehend vom spezifischen Energieverbrauch je Mitarbeiter gemessen


werden. Für einen derartigen Stromeinsatz, einschließlich Kochen und Warmwasser, zeigen die
Berechnungen wegen der steigenden Nutzung von IKT-Anwendungen normalerweise keine Einsparungen.
Um Einsparungen aufzuzeigen, sind bezüglich der steigenden Verbreitung von IKT-Geräten je Mitarbeiter
Korrekturen erforderlich.

A.5 Kenngrößen für den Transportsektor

A.5.1 Allgemeines

Im Transportsektor gibt es zwei Möglichkeiten, Energie zu sparen:

 Verbesserung der Effizienz von Fahrzeugen und im Fahrverhalten;

 Wechsel zwischen Transportsystemen (z. B. von Autos zu öffentlichen Verkehrsmitteln).

Es wird empfohlen, die folgende Aufschlüsselung je Hauptsystem zu verwenden:

 Straßentransport: Autos, Lastwagen, Lieferwagen, Motorräder, Busse;

 Schienentransport: Güter und Passagiere;

 Inlands-Lufttransport;

51
FprEN 16212:2012 (D)

 Transport auf Wasserwegen (Binnenschiffe).

Für jedes der Haupt-Transportsysteme setzt eine Kenngröße den Energieverbrauch ins Verhältnis zur
Transportleistung. Für Passagiersysteme wird die Leistung im Allgemeinen in Passagier-km, für Güter in
Tonnen-km gemessen.

Für den Straßentransport kann eine weitere Unterscheidung zwischen den Fahrzeugarten vorgenommen
werden: Autos, Lastwagen, Lieferwagen, Busse und Motorräder. Für die Schiene kann eine weitere Unter-
teilung zwischen Passagieren und Gütern vorgenommen werden.

Sind keine nach Art des Straßenfahrzeugs differenzierten Daten verfügbar, so werden die Einsparungen
unmittelbar für den Straßentransport insgesamt berechnet. Allerdings enthält diese aggregierte Kenngröße
strukturelle Effekte, wie z. B. den Wechsel zwischen Fahrzeugarten.

ANMERKUNG Eine Reduzierung der Transportaktivität (z. B. durch Heimarbeit) kann eine Quelle für Energie-
einsparungen sein, allerdings ist dies mit Kenngrößen, die den Energieverbrauch ins Verhältnis zu einer Transportleistung
wie z. B. gefahrene km setzen, schwierig zu erfassen. Um die Einsparungen infolge einer geringeren Transportaktivität
berechnen zu können, muss eine gemeinsame Maßzahl für die Leistung des Transportfalles und des Nicht-Transportfalles
definiert werden. Für Heimarbeit könnte die gemeinsame Leistung die „Erledigung der Arbeitsaufgabe“ sein, aber bereits
dies wirft viele Fragen hinsichtlich der Vergleichbarkeit der „Leistung“ auf. Deshalb wird diese Art von Einsparungen
aufgrund des Mangels an Daten und ihres noch geringen Beitrags hier nicht betrachtet. Aus diesem Grund ist ein
Bottom-Up-Ansatz besser geeignet, um die Einsparungen für diesen Analysetyp zu bewerten.

A.5.2 Kraftstoffverbrauch von Autos

Der größere Teil des für Transportzwecke verbrauchten Kraftstoffes wird in Autos verwendet. Es ist deshalb
notwendig, eine möglichst detaillierte Berechnungsmethode anzuwenden. Die gesamten Einsparungen für
Autos können in verschiedene Arten aufgeschlüsselt werden:

 Einsparungen in Verbindung mit einer verbesserten Technologie von Fahrzeugen (weniger l/km für einen
Standard-Fahrzyklus);

 Einsparungen durch den Kauf kleinerer oder weniger leistungsstarker Fahrzeuge;

 Einsparungen aufgrund von Änderungen im Fahrverhalten (z. B. geringere Geschwindigkeit oder


umweltbewusster Fahrstil);

 Einsparungen infolge erhöhter Fahrzeugbelegung (z. B. durch Bildung von Fahrgemeinschaften).

Um diese Einsparungen separat messen zu können, werden die folgenden Kenngrößen benötigt:

a) Der mittlere Kraftstoffverbrauch neuer Fahrzeuge (in Liter/100 km) erfasst sowohl technisch bedingte
Einsparungen als auch die aus einem Wechsel zu kleineren oder weniger leistungsstarken Fahrzeugen
resultierenden Einsparungen. Letztere Einsparungen können berechnet werden als die Differenz
zwischen der genauen Berechnung je neuem Fahrzeugtyp (z. B. nach Effizienzklassen) und der
Berechnung des Mittelwerts für die Flotte.

b) Der mittlere spezifische Kraftstoffverbrauch des gesamten Fahrzeugbestandes (in Liter/100 km) weist die
kombinierte Auswirkung technologischer Verbesserungen und von Veränderungen im Fahrverhalten aus.
Die Einsparungen infolge veränderten Fahrverhaltens sind gleich der mit Kenngröße b berechneten
Einsparungen minus der mit Kenngröße a berechneten Einsparungen.

c) Der mittlere Kraftstoffverbrauch des Autotransports (in Liter/Passagier-km) erfasst alle Arten von Ein-
sparungen; er schließt zusätzlich Änderungen in der Fahrzeugbelegung (Anzahl der Personen im
Fahrzeug) mit ein. Die sich aus der Bildung von Fahrgemeinschaften ergebenden Einsparungen sind
gleich den gesamten Einsparungen minus den mit Kenngröße b berechneten Einsparungen.

52
FprEN 16212:2012 (D)

Zur Messung der Einsparungen in Verbindung mit der Substitution von Kraftstoffen zwischen unterschied-
lichen Kraftstoffen können die Einsparungen separat für die mit diesem Kraftstoff gefahrenen Kilometer
berechnet und anschließend aufsummiert werden. Die Differenz zum Ergebnis für den gesamten Fahrzeug-
bestand (d. h. alle Kraftstoffarten zusammen) zeigt die Auswirkung der Substitution von Kraftstoffen, die eine
positive oder negative Einsparung sein kann.

Aufgrund von Fahrzeugen mit Elektroantrieb und Fahrzeugen, die mit alternativen Brennstoffen angetrieben
werden, sollte die Einheit Liter/km zukünftig durch eine gebräuchlichere Einheit, wie z. B. MJ/km oder
ktoe/km, ersetzt werden.

A.5.3 Kraftstoffeinsatz im Gütertransport auf der Straße

Ein weiterer großer Teil wird für den Gütertransport auf der Straße verbraucht. Hierin eingeschlossen sind
Lastwagen und Lieferwagen (Leichtfahrzeuge). Folgende Kenngrößen können berechnet werden:

 mittlerer Kraftstoffverbrauch je Fahrzeug (Liter/100 km);

 mittlerer Kraftstoffverbrauch für den Transport je Verkehrseinheit (Liter/Tonnen-km).

Die erste Kenngröße weist technisch bedingte Einsparungen, aber auch die Auswirkungen einer langsameren
und umweltbewussten Fahrweise aus. Allerdings enthalten die berechneten Einsparungen auch den durch
Stauungen verursachten Effekt.

Die zweite Kenngröße weist auch betriebswirtschaftliche Energieeinsparungen infolge einer intelligenteren
Nutzung der Fahrzeugflotte aus, z. B. eine höhere Auslastung, reduzierte Leerfahrten oder eine Kapazitäts-
erhöhung (höhere maximale Nutzlast je Fahrzeug). Diese Kenngröße liefert die gesamten Einsparungen. Die
Differenz zu den Einsparungen aus der ersten Kenngröße repräsentiert die Einsparungen aus einer
effizienteren Logistik.

A.5.4 Energieeinsatz für andere Systeme

Für die anderen Systeme können folgende Kenngrößen für die Berechnung der Energieeinsparungen definiert
werden:

 Busse: Kraftstoffverbrauch je Personen-km;

 Motorräder: Kraftstoffverbrauch je Fahrzeug;

 Inlands-Lufttransport: Kraftstoffverbrauch je Personen-km;

 Passagiertransport auf der Schiene: Energieverbrauch je Passagier-km;

 Gütertransport auf der Schiene: Energieverbrauch je Tonnen-km;

 Gütertransport auf Wasserwegen: Kraftstoffverbrauch je Tonnen-km.

Für den Passagiertransport auf dem Schienen- und Luftweg dient normalerweise als Kenngröße der Energie-
verbrauch je Passagier-km, da der Verbrauch je Fahr- bzw. Flugzeug aufgrund der sehr unterschiedlichen
Kapazität zu große Unterschiede aufweist.

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FprEN 16212:2012 (D)

A.6 Kenngrößen für den Industriesektor

A.6.1 Allgemeines

Für den Industriesektor können die Einsparungen nach industriellen Branchen unter Berücksichtigung der
Höhe des Energieverbrauchs je Branche berechnet werden. Die Aufschlüsselung folgt dem zweistelligen oder
dreistelligen Nummerncode der NACE-Klassifizierung (Rev. 2) 3) d. h.:

 Bergbau;

 Baugewerbe;

 Nahrungsmittel und Getränke;

 Textilien und Leder;

 Papier und Zellstoff sowie Druckereigewerbe;

 Chemikalien;

 Kunststoff- und Gummiverarbeitung;

 nicht-metallische Mineralien (Baustoffe);

 Stahl;

 Nichteisenmetalle;

 Metallerzeugnisse/Metallbearbeitung;

 Maschinenbau;

 Transportfahrzeuge;

 andere.

A.6.2 Energieintensive Industrie

Die energieintensiven Industrien werden weiter unterteilt, um ein einigermaßen homogenes Ergebnis zu
erhalten. Beispielsweise kann die Grundmetallindustrie unterteilt werden in Stahl und Eisen sowie in Nicht-
eisenmetalle (Aluminium, Zink, etc.), und Baustoffe können unterteilt werden in Zement, in Bausteine, usw.
Dies erlaubt es, die Kenngrößen auf Basis eines physikalischen Ertrags zu definieren, z. B. Tonnen Stahl oder
Zement.

Für diese energieintensiven Branchen wird der spezifische Energieverbrauch berechnet als das Verhältnis
zwischen dem Endenergieverbrauch der Branche und der Produktion, gemessen in physikalischen Einheiten
(z. B. Kilotonnen).

3) Siehe: EUROSTAT 2008 Statistical classification of economic activities in the European communities NACE (Rev. 2);
ISSN 19977-0375

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FprEN 16212:2012 (D)

Für Länder mit einem hohen Energieverbrauch für einige energieintensive Produkte wie z. B. Zement, Stahl,
Petrochemie kann eine weitere Aufschlüsselung nach Art des Produkts oder Prozesses vorgenommen
werden, um die Einsparungen in Verbindung mit Änderungen im Prozess-Mix messen zu können, voraus-
gesetzt, die Daten sind verfügbar. In diesem Fall können die Energieeinsparungen in zwei Komponenten
aufgeteilt werden: Einsparungen in Verbindung mit Veränderungen im Prozess-Mix (z. B. von Sauerstoff-
blasverfahren zu Elektrostahl oder vom Nassverfahren zum Trockenverfahren bei Zement) und Verbesse-
rungen der Energieeffizienz innerhalb eines jeden Prozesses (z. B. bessere Organisation, Wärmerück-
gewinnung, Vorwärmung).

Für Länder mit wesentlichen strukturellen Änderungen innerhalb einiger Teilsektoren (z. B. in der chemischen
Industrie, von anorganischen Grundstoffen zu Kosmetik oder pharmazeutischen Produkten) ist eine weitere
Aufschlüsselung nötig, um die berechneten Einsparungen bezüglich dieser strukturellen Änderungen zu
korrigieren.

A.6.3 Andere industrielle Branchen

Wenn keine physikalische Produktion definiert werden kann, so kann der Energieverbrauch ins Verhältnis
zum Umsatz oder der Wertschöpfung in Euro gesetzt werden.

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FprEN 16212:2012 (D)

Anhang B
(informativ)

Detaillierungsgrad und Handhabung von Daten


in Bottom-Up-Berechnungen

B.1 Detaillierungsgrad in Einsparberechnungen


Hinsichtlich des Aufwandes für die Bewertung können die Berechnungen auf drei Stufen durchgeführt werden
(siehe Bild B.1). Diese Stufen stehen entweder für minimalen, mittleren oder erhöhten Aufwand.

Diese Stufen definieren außerdem:

 die Art der verwendeten Daten;

 den Grad der Harmonisierung zwischen den EU-Ländern.

Diese Daten können entweder bereits verfügbar sein, mit allgemein bekannten Methoden erhoben werden,
oder es handelt sich um spezifische Daten, die zugeschnittene Erhebungsverfahren benötigen.

Referenzwerte, wie z. B. angenommene Einsparungen, sind auf Stufe 1 EU-Werte, auf Stufe 2 länder-
bezogene Werte und auf Stufe 3 maßnahmenbezogene Werte.

Wie in Abschnitt 6 festgelegt, kann der Detaillierungsgrad für jeden Berechnungsschritt gewählt werden, z. B.
die Verwendung eines EU-Vorgabewertes (Stufe 1) für die normierten Einsparungen (in Schritt 1) und
spezifische Werte je Mitgliedsstaat (Stufe 2) für die Anzahl der Teilnehmer (in Schritt 2).

Dieser dreistufige Ansatz führt zu einem optimalen Kompromiss zwischen den Kosten für die Bewertung und
der Genauigkeit, d. h. zwischen dem Aufwand für Berechnung und Datenerhebung und der Qualität der
erhaltenen Zahlenwerte für die Einsparungen. Der Kompromiss kann von der Situation in verschiedenen
Ländern abhängen.

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FprEN 16212:2012 (D)

Quelle (modifiziert): Broc et al [13] ; figure 3: levels of evaluation efforts related to data collection techniques

Bild B.1 — Drei Stufen für die Berechnung und Harmonisierung

B.2 Harmonisierung und Handhabung der Daten


Wenn diese Norm zu Einsparberechnungen auf konkrete Fälle angewendet wird, so ist eine Harmonisierung
der in den verschiedenen europäischen Ländern angewendeten Parameter notwendig. Eine eventuelle har-
monisierte Berichterstattung über die Bottom-Up-Auswertung ist entsprechend der vorher beschriebenen drei
Aufwandsstufen strukturiert und in dem EMEEES-Abschlussbericht zusammengefasst (siehe Tabelle B.1).

Die drei Stufen entsprechen den Situationen, die bei der Bewertung der Energieeinsparungen in Verbindung
mit einer bestimmten EEI-Maßnahme auftreten können:

 Es sind bezüglich dieser Maßnahme nur begrenzte Daten verfügbar (z. B. Anzahl der Teilnehmer) und
die Berechnungen werden unter Verwendung allgemeiner (europäischer) Vorgabewerte durchgeführt
(= Stufe-1-Bewertung);

 Die Energieeinsparungen können hauptsächlich unter Verwendung von Daten auf nationaler Ebene (z. B.
nationale Statistiken oder Erhebungen) bewertet werden; es wird eine zusätzliche Dokumentation über
die Datenqualität angefertigt, Datenerhebungen werden durchgeführt und es werden allgemein aner-
kannte Regeln angewendet (= Stufe-2-Bewertung);

 Die Energieeinsparungen können unter hauptsächlicher Verwendung von (detaillierten) für die zu
bewertende Maßnahme spezifischen (z. B. Register der Teilnehmerdaten) Daten bewertet werden; es
werden wenigstens standardisierte Berichte bezüglich aller wesentlichen Datenquellen angefertigt
(= Stufe-3-Bewertung).

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FprEN 16212:2012 (D)

Tabelle B.1 — Drei Stufen der Harmonisierung und Handhabung von Daten

Datenverarbeitung und
Datenebene Wesentliche Datenquellen
Dokumentation
Vorhandene/verfügbare Vertrauenskoeffizient
Europäische
Stufe 1 Europäische Regulierung, entsprechend der Datenbasis
Vorgabewerte
Studien und Statistiken für den Vorgabewert
Aktuelle nationale Statistiken, Anforderungen = mindestens
Repräsentative
Stufe 2 Erhebungen, Stichproben, Berichterstattung über
nationale Werte
Register Datensatz und Begründungen
Detaillierter Bericht über
Spezifische spezifische Daten und
Programm- oder
Stufe 3 Überwachungssysteme, Register, Begründungen wird gefordert
teilnehmerspezifisch
Erhebungen, Messungen (mindestens standardisierter
Bericht vorhanden)
Quelle: Vreuls et al 2008 [6]; figure 2: three levels of harmonisation

Die Vorgabewerte auf Stufe 1 können auf einen konservativen Wert gesetzt werden, um die Gefahr einer
Überschätzung der Einsparungen zu reduzieren.

Allgemeine Leitlinien auf Stufe 2 können Leitfäden (Werkzeuge für die Bewertung) und Mindestanforderungen
(Schwellenwerte oder Qualitätskriterien zur Sicherstellung eines Mindest-Qualitätsniveaus, z. B. Mindestgröße
von Stichproben) enthalten.

Auf Stufe 3 gibt es dieselben Leitlinien und Mindestanforderungen, die allerdings auch auf einer detaillierteren
Ebene anzuwenden sind, während außerdem auch andere Werkzeuge notwendig sein können (z. B. Mess-
kampagnen, vertiefte ingenieurtechnische Analyse).

58
FprEN 16212:2012 (D)

Anhang C
(informativ)

Bottom-Up-Anwendungen für Gebäude — Austausch eines Kessels

C.1 Einleitung
Dieser Anhang enthält ein Anwendungsbeispiel der Norm auf Gebäude und zeigt außerdem Varianten für
detailliertere Berechnungsmethoden auf den Aufwandsstufen 2 und 3, wie in Anhang B dargestellt, auf.

Dieser Anhang enthält Elemente, die in Berechnungen verwendet werden können, enthält aber keine Mindest-
stufen oder Mindestanforderungen an Elemente, die zu verwenden sind.

Die Standards in der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD = Energy Performance
of Buildings Directive) bieten die Möglichkeit zur Berechnung des Energieeinsatzes in einem Gebäude und
der Energieeinsparung durch eine Veränderung entweder der Randbedingungen oder der Ausrüstung. Die
Berechnungsergebnisse werden in EN 15603:2008 zusammengefasst. Ein Überblick über die EPBD-
Standards findet sich in CEN/TR 15615.

Die Begriffe entsprechen denen nach CEN/TR 15615. Für das Beispiel bezüglich Energieeinsparungen
aufgrund des Austausches der Heizungsanlage in Wohn- und Bürogebäuden werden keine zusätzlichen
Begriffe benötigt.

Die Einheiten, für welche die Energieeinsparungen berechnet werden, können sehr verschieden sein. Zur
Organisation der Objekte in vier separate Bereiche, die von „übergeordnet“ bis spezifisch angeordnet sind,
wird ein systembezogener Ansatz gewählt:

1) der Ursprung der Veränderung: eine externe Maßnahme;

2) das System: dies wird als das zentrale Element verstanden und kann ein Gebäude (Haus,
Geschäftsgebäude, Schule, etc.), eine Organisation (Service-Center, Regierung, etc.), eine Region
(Innenstadtbereich, Stadt, Region, etc.) oder eine Dienstleistung (Energiemanagement) sein;

3) das Teilsystem: aus den Teilsystemen können folgende Betrachtungseinheiten ausgewählt werden:
Heizung und Kühlung, Lüftung, Gebäudehülle, Beleuchtung, Gruppe aus Kommunikationsgeräten,
Gerätegruppe für Speisen und Getränke, Gerätegruppe für Reinigungszwecke;

4) die einzelne Komponente: eine einzelne Komponente ist ein Produkt. Beispiele hierfür sind Kessel,
Klimageräte, Ventilatoren, Wärmedämmungsmaterial, Glühlampen, Computer, TV-Geräte, Kühl-
geräte und Waschmaschinen.

Die Festlegung der Systemgrenzen ist von entscheidender Bedeutung, um die Energieeffizienz-Ergebnisse
dem System zuordnen zu können, das sie verursacht hat. Bei der Festlegung der Systemgrenze müssen
Teilsysteme und Komponenten, die Wechselwirkungen mit dem zu beurteilenden Objekt haben, mit
einbezogen werden.

Eine Möglichkeit besteht darin, das System als „Black Box“ zu betrachten. In diesem Fall ist unerheblich, in
welchem Teilsystem die Veränderungen auftreten. Die Energieeinsparung ist die Differenz zwischen dem
(gemessenen) Energieeinsatz auf Systemebene mit und ohne Maßnahme.

BEISPIEL 1 Für die Energieeinsparung aufgrund der Verbesserung der Wärmedämmung einer Gebäudehülle kann
das Gebäude als physikalische Grenze betrachtet werden. Es ist nicht notwendig zu wissen, ob die Veränderung in der
Dach-, Wand- oder Bodendämmung oder im Austausch von Fenstern und Glasflächen besteht. Der der Heizung des
Gebäudes zugeordnete gemessene Energieeinsatz ist der Ausgangspunkt für die Energieeinsparberechnung.

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Eine andere Möglichkeit ist, den Energieverbrauch für ein Teilsystem oder eine Komponente zu messen bzw.
zu schätzen oder zu berechnen. In diesem Fall gibt es zwei Wege zur Aufsummierung der Einsparungen. Der
erste Weg besteht in der Aufsummierung der Einsparungen jeder einzelnen Komponente. Der andere Weg ist
die Aufsummierung der verschiedenen komponentenbezogenen Einsparungen innerhalb des Teilsystems und
die anschließende Aufsummierung der Teilsysteme.

BEISPIEL 2 Die Energieeinsparungen infolge eines Kesselaustausches können entweder auf die Komponente
„Kessel“ beschränkt oder aber als eine Veränderung im Teilsystem Heizung betrachtet werden.

BEISPIEL 3 Die Energieeinsparungen infolge eines Kesselaustausches können in Kombination mit einer
Veränderung der Wassertemperatur, der Heizkörper oder der Wärmedämmung der Rohrleitung bewertet werden und
insgesamt als eine Veränderung des Teilsystems „Heizung“ betrachtet werden.

Befindet sich ein Teil des Gebäudesystems (z. B. Kessel, Kühlaggregat, Kühlturm, etc.) außerhalb der
Gebäudehülle, ist aber Bestandteil der beurteilten Haustechnik, so wird dies als innerhalb der Systemgrenzen
liegend betrachtet und dessen Systemverluste werden folglich mit berücksichtigt.

C.2 Mögliche Beispiele für Berechnungen


Der Ansatz für Gebäude besteht aus 3 Hauptkategorien für Maßnahmen beim endgültigen Einsatz. Die
Kategorien sind „Nachrüsten“, „Austausch“ und „Neu“. Jede dieser Kategorien hat Elemente in der Bottom-
Up-Energieeinsparberechnung, die sich von den anderen unterscheiden (z. B. gewählte Ausgangsbasis,
unmittelbare Verfügbarkeit von Energieverbrauchsdaten). Nachfolgend sind Beispiele für diese Kategorien
dargestellt.

In zukünftigen Bottom-Up-Anwendungen könnten die folgenden Beispiele für Energieeinsparberechnungen


entwickelt werden:

Kategorie 1 (Nachrüsten und betriebliche Verbesserungen; Erweiterungen):

 Modernisierungsmaßnahmen in bestehenden Wohn- und Bürogebäuden (Gebäudehülle und


Heizungssystem);

 Maßnahmen zur Modernisierung der Wärmedämmung, die an der Gebäudehülle bestehender


Wohn- und Bürogebäude vorgenommen werden (Wände, Dächer, Fenster);

 Beleuchtung in Bürogebäuden (System oder Komponenten);

 Einstellung der Regelung (z. B. Einstellung der korrekten Auslegungstemperatur, der korrekten
Heizkurve oder der korrekten Nutzungszeit).

Kategorie 2 (Austausch)

 Austausch der Heizungsanlage in Wohn- und Bürogebäuden;

 Austausch der Warmwasserbereitung in Wohn- und Bürogebäuden;

 Austausch von Split-Klimasystemen in Wohn- und Bürogebäuden;

 Austausch von Haushaltsgeräten (Kühlgeräte, Waschmaschinen, Geschirrspüler, TV-Geräte,


etc.) in Wohngebäuden;

 Austausch von Bürogeräten in Bürogebäuden;

 Austausch der Beleuchtung in Wohngebäuden (Lampen);

 Austausch der Beleuchtung in Bürogebäuden (Lampen).

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Kategorie 3 (zusätzliche neue energieeffiziente Einrichtungen oder Bau von neuen, energieeffizienten
Gebäuden):

 neues Gebäude, errichtet in Übereinstimmung mit den Bauvorschriften für neue Gebäude im
Wohn- bzw. Tertiärsektor;

 neue Bürogeräte in Bürogebäuden;

 Installation neuer Split-Klimasysteme in Wohn- und Bürogebäuden;

 Neuinstallation von Heizungssystemen in Wohn- und Bürogebäuden;

 solare Warmwasserbereitung in Wohn- und Bürogebäuden;

 neue Beleuchtung in Wohngebäuden (Lampen);

 neue Beleuchtung in Bürogebäuden (System oder Komponente).

C.3 Beispiel für Kategorie 2: Austausch der Heizungsanlage in Wohn- und


Bürogebäuden 4)

C.3.1 Schritt 1: Berechnung der normierten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen

Die normierten Einsparungen sind abhängig von der Definition der Elementareinheit für Maßnahmen
(Teilnehmer oder technisches System). Die Berechnung ist abhängig von der Stufe für den Bewertungs-
aufwand (siehe Anhang B). Auf Stufe 1 ist der Energieverbrauch gleich der eingekauften (= gemessenen)
Energie für die Elementareinheit. Auf Stufe 2 wird die von einem Teilnehmer/technischen System zu einem
anderen externen Teilnehmer/technischen System (kein Energieverteilungsunternehmen) gelieferte Energie
mit berücksichtigt. Stufe 3 bietet die Möglichkeit zur Einbeziehung spezieller Einzelheiten bezüglich Energie-
einsparungen, wie die Energieeinsparungen über den gesamten Produktlebenszyklus.

Die Berechnung der Energieeinsparungen kann entweder auf Ebene der Teilnehmer, Systeme oder Teil-
systeme vorgenommen werden. Die Berechnungen der Energieeinsparungen innerhalb von Systemen und
Teilsystemen von Gebäuden erfordern unterschiedliche Gleichungen infolge divergierender Variablen je
Einheit/System und Teileinheit/System. Die relevanten Gleichungen werden nachstehend dargestellt,
beginnend mit der Berechnung der normierten jährlichen Energieeinsparung für die für jede Maßnahme bzw.
jedes Programm zur Verbesserung der Energieeffizienz relevante Einheit. Danach wird die Bottom-Up-
Gleichung zur Berechnung der normierten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen angesprochen, mit deren
Hilfe sich die gesamten Energieeinsparungen je Teilnehmer berechnen lassen.

Schritt 1.a: Definition der Elementareinheit für Maßnahmen

Dieses Beispiel befasst sich nur mit einem Kessel.

Schritt 1.b: Allgemeine Gleichung

Die meisten Komponenten, einschließlich Kessel, werden nicht einzeln überwacht oder gemessen, weshalb
keine Daten über den Energieverbrauch verfügbar sind. Deshalb kommt Ansatz II, Energieverbrauchsdaten
sind nicht direkt verfügbar, zur Anwendung.

4) Dieses Beispiel basiert auf der EMEEES-Anwendung 4 für den Bottom-Up-Fall, Brennwertkessel für Wohn-
gebäude [14].

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 1 1 
UGAES =  −  × SHDi × A
 [kWh/Einheit × Jahr] (C.1)
 N 0 N1 

Dabei ist

UGAES normierte jährliche Brutto-Energieeinsparung;

N0 mittlere jährliche Energieeffizienz der Heizungsanlage vor der Austauschmaßnahme (saisonal);

N1 mittlere jährliche Energieeffizienz der neuen Heizungsanlage (saisonal);

SHDi spezifischer Wärmebedarf (en: specific heating demand), [kWh/Einheit × Jahr];

A mittlere Größe der durch die Heizungsanlage beheizten Fläche (Haushalt, Büro, etc.), [m 2];

0 Situation ohne Maßnahme [Ausgangsbasis];

1 Situation mit Maßnahme.

Diese Gleichung ist nur anwendbar, wenn allein der Kessel getauscht wird und alle anderen Rand-
bedingungen unverändert bleiben. Werden weitere Maßnahmen ergriffen, so sollten technische Wechsel-
wirkungen (siehe Schritt 1.e) mit betrachtet werden.

Die Anwendung eines Anpassungsfaktors ist nicht notwendig, da der spezifische Wärmebedarf (SHD) bereits
normalisiert ist.

Zur Bestimmung des Wertes für N0 in der Gleichung gibt es mehrere Alternativen. Für die Ausgangssituation
hängen die Alternativen mit der Wahl der Ausgangsbasis zusammen (siehe Schritt 1.c).

Für SHD gibt es drei Möglichkeiten zur Wahl eines (Standard-)Wertes:

a) ein EU-Mittelwert;

b) ein nationaler Mittelwert;

c) ein gebäudespezifischer Wert.

Für die mittlere Größe der beheizten Fläche A gibt es drei Möglichkeiten zur Wahl eines (Standard-)Wertes:

d) ein spezifischer EU-Mittelwert, z. B. für einen bestimmten Gebäudetyp;

e) ein spezifischer nationaler Mittelwert, z. B. für einen bestimmten Gebäudetyp;

f) ein gebäudespezifischer Wert.

Für Berechungen auf der niedrigsten Aufwandsstufe (Stufe 1) werden EU-Mittelwerte für SHD und die
beheizte Fläche A verwendet.

BEISPIEL Für den EU-Mittelwert von 3 207 Gradtagen für Heizung (SHD), einen EU-Mittelwert für den Heizenergie-
bedarf von 86 kWh/m2 (Werte aus [15], Tabelle 3, Seite 17 und Tabelle 4, Seite 18) lautet die Gleichung:

UGAES = (1/N0 − 1/N1) × 86 × 90 kWh

Für Berechnungen auf mittlerer oder erhöhter Aufwandsstufe (Stufen 2 und 3) werden nationale oder
gebäudespezifische Werte für SHD und A verwendet.

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Für Berechnungen auf Stufe 2 oder 3 kann die Effizienz der ersetzten oder angepassten Heizungsanlage im
Falle der Verwendung des EU-Standard-Mittelwertes für die Effizienz der Anlage mithilfe der folgenden
Gleichung bestimmt werden:

Effizienz der ersetzten oder angepassten Heizungsanlage =


Effizienz des ersetzten Kessels × Effizienz des ersetzten Heizstrahlers (C.2)

Die Gleichung zur Berechnung der Energieeffizienz der effizienteren oder angepassten Heizungsanlage lautet
wie folgt:

Effizienz der effizienteren oder angepassten Heizungsanlage =


Effizienz des effizienten Kessels × Effizienz des effizienten Heizstrahlers ×
Effizienz des effizienten Verteilungsnetzes × Effizienz des effizienten Reglers (C.3)

Wenigstens eine der Komponenten in der vorstehenden Gleichung muss effizienter als vorher sein. Die
vorhandene Effizienz der verbleibenden Komponenten kann sodann zur Vervollständigung der Gleichung zur
Bestimmung der Effizienz der ersetzten oder angepassten Heizungsanlage verwendet werden.

Schritt 1.c: Ausgangsbasis für normierte Einsparungen

Im Ansatz „Ausgangsbasis mit Referenzsituation“ (Ansatz A) bieten sich zwei Alternativen an: Markt oder
Bestand. Der Referenzmarkt könnte jeweils der Binnenmarkt der gesamten Europäischen Union sein. Die
Referenz kann für konventionelle Kessel und Brennwertkessel festgelegt werden. Die Auswahl führt in der
Gleichung zu unterschiedlichen Werten für N0 sowie unterschiedlichen normierten jährlichen Brutto-
Einsparungen:

Im Ansatz A1 lautet das marktbezogene Modell für konventionelle und Brennwertkessel:

 A1a: N0 ist die mittlere jährliche Energieeffizienz eines durchschnittlichen konventionellen Kessels
auf dem Markt;

BEISPIEL 1 Für den EU-Markt für konventionelle Kessel wird ein mittlerer Wirkungsgrad von 89 % gewählt (Wert aus
[15], Tabelle 1, Seite 14). Unter der Annahme, dass der neue Kessel einen Wirkungsgrad von 96 % aufweist, ergeben
sich:

UGAES = (1/0,89 − 1/0,96) × 86 × 90 = 634 kWh.

 A1b: N0 ist die mittlere jährliche Energieeffizienz eines durchschnittlichen Brennwertkessels auf dem
Markt;

BEISPIEL 2 Für den EU-Markt für Brennwertkessel wird ein mittlerer Wirkungsgrad von 94 % gewählt (Wert aus [14],
Tabelle 1, Seite 14). Unter der Annahme, dass der neue Kessel einen Wirkungsgrad von 96 % aufweist, ergeben sich:

UGAES = (1/0,94 − 1/0,96) × 86 × 90 = 172 kWh.

In Ansatz A2 wird für die Definition der Referenzanlage anstelle des marktbezogenen Modells ein Bestands-
modell verwendet. Die “Vorher”-Situation basiert auf den vorhandenen (durchschnittlichen) Kesseln. Der
Referenzbestand kann der einer ausgewählten regionalen Ebene (EU, national, Region) sein. Die Energie-
einsparungen werden entsprechend folgender spezifischer Gleichung berechnet:

 A2a: N0 ist die mittlere jährliche Energieeffizienz eines durchschnittlichen konventionellen Kessels im
Bestand;

BEISPIEL 3 Für den EU-weiten Bestand an konventionellen Kesseln wird ein mittlerer Wirkungsgrad von 82 %
gewählt (Wert aus [14], Tabelle 2, Seite 15). Unter der Annahme, dass der neue Kessel einen Wirkungsgrad von 96 %
aufweist, ergeben sich:

UGAES = (1/0,82 − 1/0,96) × 86 × 90 = 1 377 kWh.

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FprEN 16212:2012 (D)

 A2b: N0 ist die mittlere jährliche Energieeffizienz eines durchschnittlichen Brennwertkessels im


Bestand.

BEISPIEL 4 Für den EU-weiten Bestand an Brennwertkesseln wird ein mittlerer Wirkungsgrad von 93 % gewählt
(Wert aus [15], Tabelle 1, Seite 14). Unter der Annahme, dass der neue Kessel einen Wirkungsgrad von 96 % aufweist,
ergeben sich:

UGAES = (1/0,93 − 1/0,96) × 86 × 90 = 260 kWh.

Im Ansatz B vollzieht sich die Berechnung wie folgt:

N0 ist die mittlere jährliche Energieeffizienz des alten Kessels (in der „Vorher“-Situation).

BEISPIEL 5 Unter der Annahme, dass der alte Kessel einen Wirkungsgrad von 80 % und der neue Kessel von 96 %
aufweist, ergeben sich

UGAES = (1/0,80 − 1/0,96) × 86 × 90 = 1 612 kWh.

Schritt 1.d: Normalisierung

Eine Normalisierung ist nicht erforderlich, da der nach ISO 13790 berechnete spezifische Wärmebedarf (SHD)
bereits normalisiert ist.

Schritt 1.e: Technische Wechselwirkungen

Technische Wechselwirkungen kommen dann zum Tragen, wenn die Bauvorschriften Normen für
verschiedene Effizienzmaßnahmen enthalten: Austausch des Kessels in Verbindung mit Wärmedämmung
führt zu einer geringeren Energienutzung des Kessels. Da sich die Berechnungsmethode in diesem Beispiel
im Einklang mit dem methodischen Rahmen der EPBD befindet, sind die Auswirkungen technischer Wechsel-
wirkungen bereits in die Berechnungsmethode mit eingeflossen.

Schritt 1.f: Anwendung von Umrechnungsfaktoren (soweit relevant)

Der Umrechnungsfaktor ist in solchen Situationen von Bedeutung, in denen der Austausch des Kessels mit
einem Wechsel des Energieträgers (Brennstoff) einhergeht. Beispielsweise könnte der alte Kessel Öl
verwendet haben, während der neue Kessel mit Gas oder Holz befeuert wird, wobei Liter Öl, m 3 Gas und m3
Holz in Joule angegeben werden könnten.

C.3.2 Schritt 2: Gesamte jährliche Brutto-Energieeinsparungen

Die gesamten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen sind das Ergebnis einer Aufsummierung der normierten
Brutto-Energieeinsparungen für die einzelnen Kessel. Die gesamten jährlichen Brutto-Energieeinsparungen
werden nun berechnet als:

C
TGAES = ∑ UGAES (C.4)
i =1

Dabei ist

TGAES gesamte jährliche Brutto-Energieeinsparung;

UGAES normierte jährliche Brutto-Energieeinsparung;

C Anzahl der Einheiten.

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BEISPIEL Für Option A2a für die Ausgangsbasis (EU-weiter Bestand für konventionelle Kessel), in dem die
normierten Brutto-Energieeinsparungen 1 377 kWh betragen und einer Anzahl von 20 000 ausgetauschten Kesseln lautet
die Gleichung:

TGAES = 20 000 × 1 151,8 = 27 540 kWh.

C.3.3 Schritt 3: Gesamte jährliche Energieeinsparungen

Schritt 3.a: Gleichung für die gesamten jährlichen Energieeinsparungen

Die gesamten jährlichen Energieeinsparungen werden nach folgender Gleichung berechnet:

TAES = f (DC) × f (MP) × f (FR) × f (RE) × TGAES (C.5)

Dabei ist

TAES gesamte jährliche Energieeinsparung;

TGAES gesamte jährliche Brutto-Energieeinsparung;

DC Doppelzählungen (en: double counting);

MP Multiplikationseffekte (en: multiplier effect);

FR Mitnahmeeffekte (en: free rider effect);

RE Rebound-Effekte;

f Faktor.

Schritt 3.b: Korrektur von Doppelzählungen

Doppelzählungen sind dann von Bedeutung, wenn mehr als eine Unterstützungsmaßnahme Anreize für den
Austausch des Kessels bietet, z. B. ein lokaler Energieplan und eine nationale Subventionsregelung, die
beide den Austausch gegen hocheffiziente Kessel fördern.

Schritt 3.c: Korrektur von Multiplikationseffekten

Der Multiplikations- oder Überschusseffekt verstärkt die anfängliche Wirkung von Fördermaßnahmen zur
Anregung von Endnutzer-Maßnahmen. Die Förderung des Kessels kann so erfolgreich sein, dass der weniger
effiziente Kessel nach dem Förderzeitraum nicht mehr auf dem Markt ist und die Marktumstellung vollzogen
wurde. Die so erzielten Einsparungen können zu den unmittelbaren Energieeinsparungen infolge der Förder-
maßnahme hinzu addiert werden.

Schritt 3.d: Korrektur von Mitnahmeeffekten

„Mitnehmer“ sind Teilnehmer oder Verbraucher, die die Maßnahme beim endgültigen Einsatz auch ohne die
bewertete(n) Unterstützungsmaßnahme(n) umgesetzt hätten.

BEISPIEL Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass im Durchschnitt 20 % der Käufer auch einen Brennwert-
kessel ohne Unterstützungsmaßnahmen als Subventionen gewählt hätten. Dieser Wert kann jedoch in Ländern mit einem
hohen Marktanteil hocheffizienter Kessel deutlich höher sein.

Schritt 3.e: Korrektur von Rebound-Effekten

Der Rebound-Effekt (oder Rücknahmeeffekt) verringert die Energieeinsparungen, da ein Teil des anfänglichen
Gewinns durch Verhaltensweisen aufgehoben wird, die den Energieeinsatz erhöhen. Es kann vorkommen,
dass die Bewohner eine höhere Raumtemperatur einstellen, da sich die Heizung als weniger kostenträchtig
als zuvor erweist. In diesem Fall ist der Rebound-Faktor von Bedeutung.

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C.3.4 Schritt 4: Gesamte verbleibende Energieeinsparungen für das Zieljahr

Es werden nur die Endnutzer-Maßnahmen gezählt, die im Zieljahr noch nicht das Ende ihrer Lebensdauer für
Energieeinsparungen erreicht haben.

BEISPIEL Der EU-weite harmonisierte Wert/Vorgabewert für die Lebensdauer für Energieeinsparungen für kleinere
Kessel nach CWA 15693:2007 beträgt 17 Jahre. Demnach kann im Zieljahr eine maximale Anzahl von 17 jährlichen
Einsparungen berücksichtigt werden.

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Literaturhinweise

[1] Richtlinie 2006/32/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. April 2006 über
Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen, Amtsblatt Nr. L114 vom 27.04.2006 (ESD)

[2] Top down evaluation methods of energy savings — Summary report, B. Lapillonne (Enerdata),
D. Bosseboeuf (ADEME) and S. Thomsa (WI), WP5, EIE-06-128 EMEEES, March 2009

[3] Annex to the summary report on top-down evaluation methods — Odyssee and ODEX indicators that
can be used in top-down evaluation of energy savings, B. Lapillonne (Enerdata), WP5, EIE-06-128
EMEEES, March 2009

[4] www.odyssee-indicators.org, definitions of energy efficiency indicators

[5] Richtlinie 2006/32/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2002 über die
Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD)

[6] General bottom-up data collection, monitoring and calculation methods (WP-4 final summary report,
H. Vreuls (SN), S. Thomas (WI) and J-S. Broc (Armines), EIE-06-128 EMEEES, April 2009

[7] Evaluation and monitoring of energy efficiency in the EU 25, EIE project ODYSSEE/MURE; 2007

[8] Evaluating energy efficiency policy measures & DSM programmes — volume I: evaluation guidebook,
H. Vreuls, W. de Groote, P. Bach, R. Schalburg et al. Report for the IEA-DSM task IX, October 2005

[9] Harmonised calculation of energy savings for the ESD — development, assessment and a combined
top-down and bottom-up approach, P.G.M. Boonekamp (ECN) & S. Thomas (WI), WP 61, EIE-06-128
EMEEES, April 2009

[10] EN 15603:2008, Energieeffizienz von Gebäuden — Gesamtenergiebedarf und Festlegung der


Energiekennwerte

[11] CEN/TR 15615:2008, Erläuterung der allgemeinen Zusammenhänge zwischen verschiedenen


Europäischen Normen und der europäischen Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von
Gebäuden (EPBD) — Übergreifendes Dokument

[12] ISO 23045:2008, Building environment design — Guidelines to assess energy efficiency of new
buildings

[13] The development process for harmonised bottom-up evaluation methods of energy savings, JS Broc
et al., EIE-06-128 EMEEES, March 2009

[14] EMEEES Bottom-up case application 4: residential condensing boilers in space heating, Adnon et al,
EIE-06-128 EMEEES, April 2009

[15] ISO 13602-1:2002, Technical energy systems — Methods for analysis Part 1:General

[16] ISO 13780:2008, Energy performance of buildings — Calculation of energy use for space heating and
cooling

[17] CEN TR 15615, Erläuterung der allgemeinen Zusammenhänge zwischen verschiedenen


Europäischen Normen und der europäischen Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von
Gebäuden (EPBD) — Übergreifendes Dokument

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