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Der Himmelstempel in Peking

Der Himmelstempel in Peking ist eines der bekanntesten und meist besuchten historischen
Bauwerke der chinesischen Hauptstadt, der sich mitten in einem weiträumigen Park befindet.
Er stammt aus der Zeit der Ming-Dynastie, die China im späten Mittelalter regierte. Seit
Kaiser Yongle den Tempelkomplex zwischen 1406 und 1420 errichten ließ, pilgerten die
Kaiser der Ming- und Qing-Dynastie (unter Ausschluss des gemeinen Volkes) regelmäßig
hier her, um den Himmel mit Hilfe von Tieropfern um gute Ernten zu bitten.

Religiöse Bedeutung

Mehrmals im Jahr hielt der Kaiser ein Gespräch mit dem Himmel, von dem er sein Recht zu
herrschen bekommen hat. Der Himmel ist weder mit einem Ort, einer Person oder mit Gott
gleichzusetzen, sondern ein abstrakter Begriff. Auf der Erde könne aber nur Gleichgewicht
herrschen, wenn das auch im Makrokosmos der gesamten Existenz der Fall sei. Also musste
der Kaiser die Existenz beschwören, um sich vor Rache der Natur in Form von Unwetter
oder Dürre zu schützen. Das war wichtig für die Ernte. Der Kaiser zog also mit großer
Anhängerschaft aus dem Palast nach Süden- die Himmelsrichtung, die mit dem Himmel in
Verbindung gebracht wird. Er wohnte dann eine Nacht im Palast der Abstinenz im Westen
der Tempelanlage und fastete. Am nächsten Tag betrat der Kaiser den Ehrenweg Richtung
Norden bis er ein Zelt vorfand, in dem er sich für die Zeremonien umkleidete. Den Rest des
Wegs legte er barfuß zurück, schritt durch das Tor des Ernteopfers in den großen Innenhof,
den die runde Halle des Ernteopfers dominiert. Hier opferte der Kaiser am 15. Tag des
ersten Mondmonats mit der Bitte um eine gute Ernte. Dafür wurden die Geistertafeln des
Himmels und die Ahnentafeln der kaiserlichen Vorfahren vom Himmelsgewölbe hierher
gebracht. Der Kaiser brachte Weihrauch, Tiere, Wein, Jade und Seide dar, und während
draußen das Palastorchester spielte, führte er den Kotau aus, den sonst die Untertanen vor
ihm zu absolvieren hatten: drei tiefe Verbeugungen und neunmaliges Niederwerfen auf den
Boden. Nach Abschluß dieser Zeremonie ging der Kaiser zurück auf den langen Ehrenweg
Richtung Süden. Dabei kam er am Himmelsgewölbe vorbei, einer einstöckigen runden Halle,
die wie eine verkleinerte Kopie der Halle des Ernteopfers wirkt. Sie ist heute von der
Echomauer umgeben.
Architektur

Weil der Tempel für die Kaiser errichtet wurde, fällt er besonders pompös aus. Überall sieht
man goldene Drachen und Phönixe (kaiserliche Symbole) in der Sonne. Das war aber nicht
immer so, denn mit dem Ende des Kaiserreichs fühlte sich niemand für den Tempel
verantwortlich und er zerfiel, bis er immer wieder erneuert und restauriert wurde. Allerdings
zählt er seit 1998 zum Weltkulturerbe und wird uns somit lange erhalten bleiben.

Die Halle des Ernteopfers nimmt Betrachter jedoch wegen ihrer perfekten Proportionen ein.
Sie ist 38 m hoch und 30 m im Durchmesser, steht auf drei Terrassen und hat ein
dreistufiges Dach. Die drei Dächer sind mit 50.000 blauen Glasurziegeln bedeckt und von
einer goldenen Perle gekrönt. Zierliche Dekorationen sind auf den Balustraden zu sehen, wie
im Kaiserpalast leiten schlanke Drachenköpfe das Wasser ab.

Auffällig ist das Aufeinandertreffen von eckigen und runden Grundrissen. Diese Symbolik
stellt die eckige Erde und den runden Himmel dar. Die vier inneren Säulen tragen das
oberste Dach und repräsentieren die vier Jahreszeiten. Die nächste Runde besteht aus zwölf
Säulen, die für die zwölf Monate stehen, während die äußeren zwölf Säulen die zwölf
Doppelstunden des Tags symbolisieren.

Außerdem ist die Anlage mit einer runden Mauer umgeben- die Echomauern. Es heißt, wenn
man gegen die Wand spricht, kann man auf der anderen Seite gehört werden.

Das Herzstück der Anlage ist der eigentliche Himmelstempel. Sein wörtlicher Name
(Himmelsaltar) ist allerdings treffender. Er ist eher ein über Treppchen zu erreichendes
Steinplateau, in dessen Mitte ein besonderer Stein platziert ist. Hier soll die Akustik
besonders gut sein. Weil der Altar optisch nicht viel hermacht, ist wohl ein anderer Teil des
Tempels ein Wahrzeichen von Peking geworden: die Erntehalle. Wirklich alt ist das Gebäude
übrigens nicht. Die Halle brannte Ende des 19. Jahrhunderts ab und wurde daraufhin neu
aufgebaut.

Zahlensymbolik

Sehr auffällig ist die Zahlensymbolik am Himmelsaltar. Wie der Himmel, der Süden und die
Sonne gehören auch die ungeraden Zahlen zum Element yang, mit der Neun an oberster
Stelle. So mißt die oberste Plattform des Altars 9 zhang (etwa 27 m) im Durchmesser, die
mittlere 3 mal 5 zhang, die untere 3 mal 7 zhang. Auch die Säulen folgen einem
Neunerrhythmus, oben 36 (9 mal 4), in der Mitte 72 (9 mal 8) und unten 108 (9 mal 12);
insgesamt sind es 216 (9 mal 24). Da dürfen natürlich auch die Bodenplatten nicht aus dem
Rahmen fallen, so daß sich um die große runde Platte in der Mitte 9 Platten legen. Jeder
folgende Ring hat 9 Platten mehr, bis auf der obersten Ebene 81 (9 mal 9) erreicht sind. Auf
der nächsten Ebene geht es mit 90 (9 mal 10) weiter bis 162 (2 mal 9 mal 9), auf der dritten
Ebene bis 243 (3 mal 9 mal 9).

Halle der Ernteopfer

Himmelsgewölbe

Himmelsaltar