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Geschlechteralltag in der Schulklasse- Ethnografische Studien zur Gleichaltrigenkultur

Georg Breidenstein, Helga Kelle

Frage des gesamten Buches:

Welchen Gebrauch machen Kinder einer Schulklasse von der Geschlechterunterscheidung?

Vorhaben:

Die Aktivitäten um Verliebtsein als solche analysieren und in ihrer Bedeutung die Kultur der Kinder
beschreiben.

Fragestellung: Welche Implikationen haben die Formen und Regeln der Durchführung für die
Inhalte des Themas?

Beitrag zu der Fragestellung des gesamten Buches.

Ethnografische Beobachtungsfragen:

Worin besteht die besondere Anziehungskraft des Themas der Verliebtheit? (S. 199)

In welcher Form (welchen Formen) findet sich die Thematisierung von Geschlechterunterschieden
bei den Kindern selbst? (S. 203)

Wie und in welcher Gestalt findet das Wissen von der Verschiedenheit der Geschlechter Verwendung
in alltäglichen Interaktionen von Jungen und Mädchen? (S. 203)

These:

Betrachtung der Praktiken der gruppenöffentlichen Inszenierung von Verliebtheit anschlußfähig an


die Fragestellung einer Soziologie der Gefühle. (Vgl. Breidenstein & Kelle 1998, S. 182)

Alle Gestalten der Verliebtheit lassen sich mit leichten Verschiebungen von der vierten bis zu
sechsten Klasse gleichzeitig beobachten, die realisierten Paare stehen nicht am Endpunkt der
Aktivitäten, sondern bilden vor allem weiteres Material für den Diskurs. (Vgl. Breidenstein & Kelle
1998, S. 182)

Methodischen Vorgehen:

Ethnografische Beobachtung

Analyse der Beobachtung

Kategorisierung in kodierte Gestalten von Verliebtheit

1. Unterstellung des Verliebtseins bei anderen

2. Das Zugeben des eigenen Verliebtseins

3. Darstellung von Verliebtheit in Paarbeziehungen


Unterfütterung der eigenen Beobachtungen mit literarischen Verweisen

Wichtige Argumente/ Theoriebezüge:

 Verliebtsein als Kommunikationscode unter Schulkindern (S. 183)


 Grundlage des Verliebtheitsspiels ist die Einteilung der Teilnehmer nach
Geschlechtszugehörigkeit (S. 184)
 Der Verliebtheitsdiskurs umfasst nur die Mitglieder der eignen Schulklasse. (S. 184)
 Das Spiel mit der Verliebtheit erfährt eine „Rahmenanalyse“ nach (Goffmans 1980). (S. 185)
 Es geht nicht um einen Sexualdiskurs, sondern um einen Verliebtheitsdiskurs. (S. 188)
 Dieser erzeugt eine selbstständige Wirklichkeit. (S. 190)
 „Zu den Bedingungen des Verliebtheitspiele gehört die Vertrautheit der Akteure
untereinander, die wichtigste Ressource ist die gemeinsame zu verbringende Zeit.“
(Breidenstein & Kelle 1998, S. 190)
 Verliebtheitsspiel ist ein Regelspiel es beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. (S. 192)
Wechselspiel zwischen Enthüllen und Verbergen. (S. 193)
 Inszenierung einer Paarbeziehung als weitere Spielart. (S. 196)
 „Das für Verliebtheit konstitutive Merkmal des Außeralltäglichen stellt sich in zumindest drei
verschiedenen Dimensionen her: Als Geheimnis im Kontrast zu Öffentlichkeit der Gruppe, als
Spiel und Ritual gegenüber der Selbstverständlichkeit anderer Beziehungen, und als der
Bezug auf Kinder anderen Geschlechts im Gegensatz zur „Normalität“ des eigenen
Geschlechts.“ (S. 199)

Ergebnis:

„Abschließend werden wir Vermutungen dazu äußern, was jene Aktivitäten rund um Verliebtheit so
attraktiv und spannend für die Kinder macht und wie diese interne Struktur und Unterschiede
innerhalb der Schulklasse erzeugen“ (Breidenstein & Kelle 1998, S. 182)

„Das Anliegen dieser Studie war es, die Leistungen der Geschlechterunterscheidungen für eine
Strukturierung der Alltagspraxis an einem exemplarischen Feld herauszuarbeiten.“ (Breidenstein &
Kelle 1998, S. 270)

Bezug zum Kontext Kindheitsforschung:

Kindheit als gesellschaftliche Institution und Kindheit als Teil des Lebenslaufes sind gleichberechtigte
Themen der Forschung. Es ist wichtig Kinder als Handelnde und Mitgestaltende der soziokulturellen
Umwelt zu betrachten. Sie sind Akteure dieser Welt.

„Der Titel „Kindheiten“ verweist darauf, daß es um die wissenschaftliche Erschließung von kindlichen
Lebenswelten an unterschiedlichen Orten und in verschiedensten Zweiträumen geht.“ (Behnken &
Zinnecker 1998, S. 1)