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Alice-Salomon-Hochschule

Erziehung und Bildung im Kindesalter


Seminar: Integrationspädagogik
Dozent: Felix Hellbach
WiSe: 4.Semester (15.12.2017)
Körperliche Behinderung

Körperliche Behinderung

Madeleine Holeschovsky
M.holle@hotmail.de
45492
Florian Utzmeier
florian-utzmeier@web.de
45755
Kübra Özdemir
kiwi-71@hotmail.de
45884

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Alice-Salomon-Hochschule
Erziehung und Bildung im Kindesalter
Seminar: Integrationspädagogik
Dozent: Felix Hellbach
WiSe: 4.Semester (15.12.2017)
Körperliche Behinderung

Gliederung:
⁃ Definition Begriff Behinderung/ Begriff „körperliche Behinderung“
⁃ Behinderungsformen/ Arten der körperlichen Behinderung
⁃ Ursachen
⁃ Statistiken

Definition Behinderung/ Körperbehinderung:


Nach Bundessozialhilfegesetz (BSHG) : „...eine nicht nur vorübergehende erhebliche
Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit, die auf dem Fehlen oder auf
Funktionsstörungen von Gliedmaßen oder auf anderen Ursachen beruht...

Bleidick 1985 : „Eine Körperbehinderung ist- im allgemeinen Sprachgebrauch- eine


überwindbare oder dauernde Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit infolge einer
Schädigung des Stütz- und Bewegungssystems oder einer anderen organischen
Schädigung.“

Beeinträchtigung = Erschwerte Entwicklung (körperlich, geistig, emotional)


Behinderung = massive Beeinträchtigung
Differenzierung körperlicher Behinderung zwischen 2 Aspekten:
<somatisch> und <sozial>
Somatisch = den Körper betreffend
Sozial = das soziale Umfeld des Betroffenen (Auswirkungen auf das Verhalten)

„(...)behindern ist heilbar.“

Behinderungsformen:
⁃ Geistig (Autismus)
⁃ Lernfähigkeit - wahrnehmen, verstehen (LRS, Analphabetismus)
⁃ Hören (Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit)
⁃ Sehen (Sehbehinderung, Blindheit)
⁃ Mehrfache Behinderung (Kombination aus mehreren Beeinträchtigungen)
⁃ Einteilung in unterschiedliche Schweregrade

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Körperliche Behinderung

Ursachen:
⁃ Genetisch / angeboren (Trisomie 21)
⁃ Zerebrale Bewegungsstörung (ICP)
„Folgen einer progredienten Hirnschädigung, die in der Zeit zwischen der frühen
Schwangerschaft und dem 3. Lebensjahr eingetreten sind.“(Schlack 1994, S.186)

„Unter einer infantilen Zerebralparese versteht man eine bleibende, aber nicht
unveränderbare Haltungs- und Bewegungsstörung infolge einer prä-, peri- oder
postnatalen zerebralen Funktionsstörung, die eingetreten ist, bevor das Gehirn seine
Reifung und Entwicklung abgeschlossen hat.“ (Ferrari 1998, S.15)
Grobe Einteilung: Spastik, Dyskinesien, Ataxie, gemischte Formen
weitere Ursachen einer körperlichen Behinderung:
⁃ Unfall /Berufskrankheit
⁃ Krankheit
⁃ Fortgeschrittenes Alter
⁃ Kriegsbeschädigung

Statistiken 2015 Destatis


⁃ 9,3 % der deutschen Bevölkerung schwerbehindert (50 oder mehr Grad)
⁃ knapp 1/3 32% 75 Jahre und älter
⁃ 44 % 55- 74 Jahre alt
⁃ 2 % Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre
⁃ 86% durch Krankheit
⁃ 4% angeboren oder im 1. Lebensjahr
⁃ 2% durch Unfall / Berufskrankheit
⁃ 61% körperliche Behinderungen :
⁃ 25% Organsystem betroffen, 13% eingeschränkte Funktion Arme und Beine, 12%
Wirbelsäule und Rumpf, 5% Sehbehinderung oder Blindheit, 4%
Schwerhörigkeit/ Gleichgewichts- Sprachstörungen
⁃ 9% zerebrale Störungen
⁃ 12% geistig/ seelisch
⁃ Übrigen 18% Art der Behinderung nicht ausgewiesen

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Inklusion in Deutschland:
- Jahresende von 2015 lebten ca. 7,6 Millionen schwerbehinderte Menschen in
Deutschland.
- 2,7Millionen Menschen waren leicht behindert
- Mehr als die Hälfte waren hauptsächlich Männer

(Statistische Bundesamt, Wiesbaden 2016)

UN-Behindertenrechtskonvention:
-Deutschland unterzeichnet im Jahre 2006 die UN-Behindertenrechtskonvention
-Seit 2009 in Deutschland in Kraft getreten
-Das normale Bildungssystem in ein inklusives Bildungssystem umsetzen

(Vgl. Sarimski, S.12, 2012)

Inklusives Bildungssystem:
- Heterogene Lerngruppen schaffen
- Homogene bzw. separierende Lerngruppen (Förder- und Sonderschulen)
abschaffen
- Besonders auch bei weiter führenden Schulen muss Inklusion herrschen
- Nicht das Individuum soll sich dem System anpassen, sondern das System soll sich
an die individuellen Bedürfnisse des Lernenden anpassen

(Vgl. http://inklusion-schule.info/inklusion/definition-inklusion.html)

Inklusion-ein langer Weg:


- Der Inklusionsanteil im Schuljahr 2013/14 stieg um ca.71% im Vergleich zum
Schuljahr 2008/09
- Probleme treten auf
- Kein einheitliches Konzept in Deutschland

- Schulen müssen Barrierefrei umgebaut werden (Fahrstühle, Rampen, barrierefreie


Stellplätze, Türöffner, Kommunikationssysteme)
- Breitere Bewegungsflächen in Räumen, Sanitäranlagen
- Trittsichere Bodenbeläge
- Sichtbare und tastbare Orientierungshilfen, Beleuchtung, Akustik
- Sportplätze, Sporthallen, Schwimmbäder
- Hohe Kosten, aber kein Geld

(Vgl. https://nullbarriere.de/inklusive-schule-planungsgrundlagen_seite01.html)

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Schulungen für Lehrer:


- Fortbildung
- Jahrelange Erfahrungen
- Integrationshelfer, Logopädie
- Sonderpädagogische Fachkraft
- Überforderung

(Vgl. http://www.zeit.de/2014/14/inklusion-schule-finanzen)

Inklusive Schulen in Berlin:


-In Deutschland unterscheidet man 8 Förderschwerpunkte
-Lernen
-Geistige Entwicklung
-Emotionale und soziale Entwicklung
-Sprache
-Körperliche und motorische Entwicklung
-Hören
-Sehen
-Für Berlin sind insgesamt 36 inklusive Schwerpunktschulen geplant.

Vgl. https://www.institut-bildung-coaching.de/wissen/lernen-
hintergrundwissen/inklusion-foerderschwerpunkte.html

1. Pädagogik und Behandlung


⁃ in Bezug auf cerebrale Bewegungsstörung

Bildungsprozesse

Grundbedingungen des Lernens bei ICP-Kindern durch eingeschränkte Explorations-


, Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten, visuelle Aufnahmefähigkeit und
verminderte Ansprechbarkeit auf Signalreize beeinträchtigt.

→ Aufgabe der Pädagogik: Erfahrungswelten und Gelegenheiten schaffen, in denen


Kindern mit der Welt in Beziehung treten können und den Zugang zu Diesen
erleichtern oder ermöglichen.

Zu viele Anregungen und Förderungen können eher zu Entwicklungsproblemen


führen, anstatt die selbstständige Entwicklung zu fördern.
(vgl. Wieczorek 70f)

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Bereiche der Förderung


⁃ Motorik
⁃ Perzeption
⁃ Kognition
⁃ Emotion
⁃ Kommunikation
(vgl. Kallenbach 48)

Rahmenbedingungen
⁃ Barrierefreiheit
⁃ Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
⁃ Spezifische Hilfsmittel
⁃ Räumliche, zeitliche und personelle Ressourcen für Pflege und Therapie
⁃ Sonder- und allgemeinpädagogische Fachkräfte
⁃ Flexible Organisationsformen des Schullebens
(vgl. Jennessen 123)

Frühförderung

Ziel der Frühförderung ist es, die Wahrnehmung, die Bewegung und die
Sprachfähigkeit des Kindes zu fördern. (Bereich der Physiotherapie, Logopädie und
Ergotherapie)

Erfolgskriterien beim Kind: - Entwicklungs- und Intelligenzquotient


Meilensteine der Entwicklung
Eltern-Kind-Interaktion
körperlicher Zustand, Krankheitsanfälligkeit

Entwicklungsneurologische Behandlung (Bobath): Nach dem Prinzip der


Reflexhemmung und Bewegungserleichterung. Bringt das Kind in Reflex-hemmende
Stellung und erleichtert normale Bewegungen und versucht diese in den Alltag zu
integrieren.

Kritik: - Spontane Entwicklungsschritte von Therapieerfolg nicht klar trennbar.


Therapie muss von sozialer-emotionaler Qualität sein und kindgemäß und
spielerisch gestaltet werden.
(vgl. Kallenbach 44ff.)

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Förderung der Mundmotorik

Ziel: Förderung der Ess- und Sprechleistung.


Bsp. Regulationstherapie Castillo – Morales:
⁃ pathologische Körperhaltung als Ausgangspunkt um Muskeltonus zu
normalisieren.
⁃ Intensivierung der Atmung durch Druck auf Brustkorb.
⁃ Entspannung des Gesichts durch Kopfbewegungen und Stimulation durch
Haarpinsel und Kälte- und Wärmekissen.
⁃ Unterstützung zur Zungenkontrolle und Mundschluss durch stimulierende
Gaumenplatte.
⁃ Hemmung des primitiven Beiss -, Saug-, und Schluckreflexe durch verschiedene
Übungen.
⁃ Gezielte Verbesserung der Nahrungsaufnahme.
(vgl. Kallenbach 81 f.)

Bewegungsförderung

Ziel: Förderung der Beweglichkeit und Reduzierung von unkontrollierten


Bewegungen.
⁃ Individuelles Bewegungsangebot, das Probleme des alltäglichen Lebens anbietet.
⁃ Orientiert sich an der Gesamtheit der kindlichen Bewegungsmöglichkeiten. Mehr
als nur die mechanisierte Einübung von Bewegungsabläufen.
⁃ Im frühen Alter: Erwerb von Fähigkeiten oder Verbesserung
⁃ Im späteren Alter: Verhütung von Bewegungskrankheiten und Muskelschwäche
⁃ Aufgabe des Therapeuten: interessantes abwechslungsreiches Angebot zur
Auswahl stellen.
(vgl. Kallenbach 78 f.)

Wahrnehmungsförderung:
Ziel: Verbesserung der Verarbeitung und Interpretation von Wahrnehmung in
verschiedenen Sinnesbereichen.
Die Förderung ist entweder an Grob- Psychomotorik oder an feinmotorisches
Bewegungsaktivitäten orientiert.

Grob- Psychomotorik: Bsp. Sensorische Integrationsbehandlung:


⁃ Vermittlung von vestibulären, propriozeptiven und taktilen Reizen (Tast-/Spür-
/Geruchssinn, Gleichgewichtswahrnehmung, Tiefenwahrnehmung)
⁃ Material: Kletterleitern, Schaukeln, Schaumstoffpolster, o.ä.
⁃ Aufgabe des Therapeuten: sinnvolles, interessantes und abwechslungsreiches
Angebot zur Auswahl stellen. Benötigt viel Erfahrung, genaue Beobachtungen
und gute Schlussfolgerungen.

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Feinmotorik:
⁃ Verbesserung der Hand-Augen-Koordination und der Augenbewegung
⁃ Wahrnehmungsmaterial nach Montessori (Bsp. Schattenmemory)
⁃ Trainingsmaterial nach Fröbel (Bsp. Paper-Pencil-Form)
⁃ Förderung der Augenkoordination, Muskelbewegung und Blickfixierung durch:
Sehspiele, Ballspiele, Videospiele, elektrische Eisenbahn, Kinobesuche, usw.
(vgl. Kallenbach 83 f.)

Interaktives Spiel
⁃ Das kindliche Spiel hat große Bedeutung für die Entwicklung und Ausbildung neuer
Kompetenzen.
⁃ Möglichkeiten des Spiels:
⁃ - Grob- oder Feinmotorische Spiele (Ballspielen, – Malen, Perlen auffädeln)
⁃ - Konstruktionsspiele (Lego, Bauklötze)
⁃ - Rollenspiele (Verkäufer, Arzt)
⁃ - Gesellschaftsspiele (Mensch ärgere dich nicht)
⁃ - Handwerken
⁃ * Konkrete Beispiele geben Deters und Rodi in: ...und raus bist du noch lange
nicht! ,2005
⁃ (vgl. Deters, Rodi 15 ff.)

Quellen:
Literatur

Deters Alexandra, Rodi Alexandra (2005): ...und raus bist du noch lange nicht. Ein Handlungsleitfaden
mit praktischen Spielanpassungen zur Integration körperbehinderter Kinder im Alter von 5-7 Jahren.
Dortmund

Grieb, O.: Gewalt gegen behinderte Kinder und Jugendliche – Folgen und Formen der Verarbeitung
von Diskriminierungen; Marbug, Tectum Verlag (2002)

Haupt Ursula, Wieczorek Marion (2007): Brennpunkte der Körperbehindertenpädagogik. Stuttgart

Haupt, U.: Behindert und gefördert – Kinder mit Körperbehinderungen in unserer Gesellschaft;
München, Buch&media GmbH (2011)

Jeltsch – Schudel, B.: Identität und Behinderung – Biographische Reflexionen erwachsener Personen
mit einer Seh-, Hör- und Körperbehinderung; 1. Auflage, Oberhausen, Athena Verlag (2008)

Jenessen Sven et al. (2010): Leben mit Körperbehinderung. Perspektiven der Inklusion. Stuttgart

Kallenbach Kurt (2006): Körperbehinderungen. Schädigungsaspekte, psychosoziale Auswirkungen


und pädagogische Maßnahmen. 2. Auflage, Frankfurt am Main.

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Reichert, J. :Zur kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung körperbehinderter Kinder – Eine


Entwicklungsverlaufskontrolle; Hamburg, Verlag Dr. Kovac (2003)

Sarimski.K., (2012): Behinderte Kinder in inklusiven Kindertagesstätten, Stuttgart: W. Kohlhammer


GmbH.

Haupt, U.: Behindert und gefördert – Kinder mit Körperbehinderungen in unserer Gesellschaft;
München, Buch&media GmbH (2011)

Internet

https://behinderung.org/definition-behinderung.htm Stand: 06.12.2017


https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Behinderte/Tabellen/Geschle
chtBehinderung.html Stand 08.12.2017
https://www.heilpaedagogik-info.de/medizin-psychologie/213-behinderung-ursachen-organisch.html
Stand: 08.12.2017
https://freie-referate.de/paedagogik/sonderpaedagogik-definition-behinderung-stoerung-gefaehrdung
Stand: 08.12.2017
http://www.paradisi.de/Freizeit_und_Erholung/Gesellschaft/Behinderte/Artikel/22040.php
Stand: 08.12.2017
https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/bauen-
wohnen/hochbau/barrierefreies_bauen/Charaktierisierung_Personengruppen_2009-07-08.pdf Stand:
08.12.2017
http://www.heilpaed.ch/heilpaedphysio/cerebralebewegungsstoerung.htm Stand: 12.12.2017
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Behinderte/BehinderteMensc
hen.html Stand: 13.12.2017

http://inklusion-schule.info/inklusion/index.html Stand 13.12.2017

https://www.bertelsmann-
stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_IB_Klemm-
Studie_Inklusion_2015.pdf Stand 13.12.2017

https://nullbarriere.de/inklusive-schule-planungsgrundlagen_seite01.htm Stand 13.12.2017

http://www.zeit.de/2014/14/inklusion-schule-finanzen Stand 13.12.2017

https://www.gew-berlin.de/public/media/beiratsempfehlungen_endfassung.pdf Stand 13.12.2017

https://www.institut-bildung-coaching.de/wissen/lernen-hintergrundwissen/inklusion-
foerderschwerpunkte.html Stand 13.12.2017