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Handout Sozialisations- und Kindheitsforschung

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Strukturfunktionalismus

Klassische Sozialisationstheorien

Talcott Parsons (1902 – 1979) = Was hält moderne Systeme zusammen? Wie ist soziale Ordnung möglich?

1. Sozialisation im Strukturfunktionalismus

Aufgabe:

den Heranwachsenden einer Gesellschaft die Fähigkeit zum Handeln in Rollen beizubringen

zu sorgen, dass sie die Wertorientierungen einer Gesellschaft im Interesse der Bestandserhaltung des Gesamtsystems als Orientierungsmuster des Handelns übernehmen.

2. Theorie und zentrale Begriffe

Der Strukturfunktionalismus betrachtet die Gesellschaften als komplexe Systeme, die zu ihrem Fortbestand Strukturen entwickeln, welche spezifische Funktionen für die Bestandserhaltung des Gesamtsystems erfüllen. Die Funktion (bzw. Wirkung) wird erst durch das Handeln ermöglicht, welche sich am »frame of reference« orientiert. Dadurch entsteht ein Verhaltensmuster (bzw. Rolle), wodurch die stabile Ordnung möglich ist.

Action frame of referance ( handlungstheoretischer Bezugsrahmen)

Rolle: verschiedene Rollen mit differenzierte Rollenerwartungen, eine Person kann mehrere soziale Rollen haben (Mutter, Ehefrau, Arzt)

3. Bezüge zur Pädagogik - Sozialisation in der Schule

Schule als Übergang von Gemeinschaft zu Gesellschaft

Schlüsselfunktion: Einführung in universalistische Wertorientierungen, durch Selektion und Rollenübernahme

4. Pattern Variables

"Orientierungsalternativen des (Rollen-)Handelns"

5 Grundlegende Dimensionen, 2 Pole

 

Gemeinschaft

vs.

Gesellschaft

 

Affektivität

Affektive Neutralität

 

Ausmaß an emotionaler Beteiligung

Kollektivinteresse

Selbstinteresse

 

Handlungsbezug?

Partikularismus

Universalismus

 

Der Horizont von Handlungen?

Funktional diffus

Funktional spezifisch

 

Grad der Ausschließlichkeit, mit der Themen behandelt werden

Zugeschrieben

Leistungsorientiert

 

Ausmaß der Eigenbeteiligung der (Leistung - Zuschreibung ) Handelnden

23.10.2017

Johanna Lott, Liliane Andreade, Isablle Mähler

 

Handout Sozialisations- und Kindheitsforschung

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Klassische Sozialisationstheorien

Symbolischer Interaktionismus

George Herbert Mead (1863-1931) = Interaktion zwischen einzelnen Personen, Gruppen, Rollen- und Perspektivübernahme und Sozialisationsvorgängen in Hinblick auf die aktive Gestaltung des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft.

1.

Soziale Kommunikation

3 Formen: Zeichen/Symbole/Gesten

- Zeichen: Reaktionen, die durch Sinnesreize ausgelöst werden

- Symbole: Zeichen oder Begriffe, die sinnbildlich für etwas stehen

- Gesten: bestimmte Handlungen/Reaktionen, die die Vermittlung deren verstärken

Der Mensch ist ein „soziales Wesen“.

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„Unter sozialer Interaktion versteht George H. Mead die wechselseitigen Beziehungen und Austauschprozesse zwischen Personen, die mit Hilfe von Verbaler und nichtverbaler Kommunikation stattfinden.“ ²


Soziale Interaktion beinhaltet 2 Arten:

- Nicht-symbolische Intersktion (Bsp.:

- Symbolische Interaktion (Bsp.:

2.

Perspektivübernahme

Fähigkeit, sich in das Gegenüber hineinversetzten zu können, aus der Handlungsperspektive zu denken und mögliche Erwartungen/Reaktionen abzuschätzen.

3.

Identitätsbildung

Bestandteil der sozialen Interaktion. Sie beinhaltet 2 Stufen:

- 1. Stufe: „play“: Reproduktionen der Reaktionen der Personen aus der unmittelbaren kindlichen Umwelt (Bedeutsame Andere)

- 2. Stufe: „game“: Rollenübernahme mehrerer Personen – Perspektivübernahme Gruppe (Verallgemeinerte Andere)

Das Denken des Individuums: das „I“, „Me“(„Self“)

- „I“- umfasst individuelle Bereiche der Person (Bedürfnisse, Empfindungen, Erfahrungen)

23.10.2017 Johanna Lott, Liliane Andreade, Isablle Mähler

Handout Sozialisations- und Kindheitsforschung

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Klassische Sozialisationstheorien

- „Me“ - umfasst die Gesamtheit der Interaktionen des Individuums (Vorstellungen, Erwartungen anderer) & Bewertungsinstanz für die Kontrolle des „I“

- Interaktionen Individuum mit seiner Umwelt & Bestandteile des „Me“ + „I“ = „Self“

4.

Bezug zur Pädagogik

- Bsp:

Marxistische und kritische Theorie zu Sozialstruktur und Klasse

Karl Marx (*1818 - †1883) und Friedrich Engels (*1820 - †1895) begründeten im 19. Jhdt. eine Gesellschaftstheorie (wirtschaftliche, politische, philosophische Aspekte)

Revolution der Klassengesellschaft klassenlose Gesellschaft

1. Zentrale Begriffe des Marxismus

Die Gesellschaft

Marx: Urgesellschaft klassenlos, Jäger und Sammler besaßen ähnliche Tätigkeiten und Vermögenswerte

Sesshaftigkeit führte zu Klassengesellschaft

Produktivkräfte erzeugten Mehrprodukt zur allgemeinen Versorgung

Verwaltung der Vorräte durch (kleinere) herrschende Klasse

Gesellschaft ist „die vollendete Wesenseinheit des Menschen mit der Natur.“ (Marx (1844): Ökonomisch-philosophische Manuskripte. MEW Bd. 40, S. 546)

Das Individuum

sofortiger Kontakt mit der Gesellschaft

Beziehungen zu anderen formt den Charakter

kein wirkliches Individuum, da Ergebnis gesellschaftlicher Verhältnisse und politischer und ökonomischer Systeme; verhindern Auseinandersetzung mit wirklichen Interessen und Bedürfnissen

Gesellschaft und Individuum nicht trennbar

„Die Gesellschaft besteht nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehen.“ (Marx (1858): Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. MEW Bd. 42, S. 176)

Die Klassen

Gesellschaft bildete zwangsläufig Klassen, diese werden objektiv bestimmt durch Stellung zu Produktionsmitteln, Existenzbedingungen, Lebensweise, Interessen, Bildung

und

Klassenbewusstsein

entwickeln

gesellschaftliche Aufgaben

übernehmen

erfüllen

23.10.2017 Johanna Lott, Liliane Andreade, Isablle Mähler

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Klassische Sozialisationstheorien

Unterbau und Überbau

Unterbau bildet ökonomische Basis; Infrastruktur, Entwicklungsstand der Produktionsverhältnisse, Arbeiterklasse

Unterbau bestimmt Überbau

Überbau bildet den Staatsapparat (rechtl. und polit. Einrichtungen)

Überbau wirkt auf Unterbau zurück Erfindungen, technische Entwicklung, Fortschritt, Effizienz

Bewusstseinsformen der Gesellschaft = politische, religiöse, philosophische, sonstige Vorstellungsweisen der Menschen

Überbau und Bewusstseinsformen getrennte Erscheinungen auf einer Ebene

2.

Die Marxistische Theorie – Eine klassenlose Gesellschaft

Menschenbild: aktiv handelndes Individuum; Entwicklung eigener Kräfte und Fähigkeiten; Interaktion mit anderen Selbstvertrauen

kein Privatbesitz an Produktionsmitteln; gesellschaftliches Eigentum

Basisdemokratie macht Staat überflüssig

gleiche Arbeitsbedingungen; Bedürfnisse der Menschen können erfüllt werden

Voraussetzung: keine Ausbeutung der Menschen durch den Menschen; Weltrevolution

3.

Die Kritische Theorie

Die Frankfurter Schule

Gruppe von Philosophen und Wissenschaftlern am Institut für Sozialforschung (1923) in Frankfurt am Main

bezogen sich auf Theorien von Hegel, Marx und Freud

Begründer und Hauptvertreter der Kritischen Theorie: Max Horkheimer, Theodor Adorno, Herbert Marcuse

Begriff „Kritische Theorie“ in Horkheimers Aufsatz „Traditionelle und kritische Theorie“ (1937) erstmals definiert

4.

Hauptaussagen „Die Vernunft, die einst eine aufklärerische Rolle gespielt habe, sei in der modernen Welt zu einer instrumentellen verkommen. Unter zunehmendem Verlust der Individualität würden die Menschen zu Vollzugsorganen und Objekten einer wissenschaftlich-technischen Naturbeherrschung in einer zunehmend verbürokratisierten Welt.“ (Adorno/Horkheimer (1947):

Dialektik der Aufklärung)

drei Schwerpunkte: ökonomische Basis; psychische Entwicklung des Individuums; kultureller Bereich

Gesellschaft unterdrückt Entfaltung des Individuums

5. Bezüge zur Pädagogik

Kinder von Beginn an zum kritischen/dialektischen Denken und Hinterfragen anregen; kein blinder Gehorsam

Erkenntnis: gegenwärtige Gesellschaft kann verändert, revolutioniert werden

Erziehung beinhaltet Demokratisierung Subjekte mit eigener Autorität

23.10.2017 Johanna Lott, Liliane Andreade, Isablle Mähler

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Klassische Sozialisationstheorien

Lehrpläne werden transparent gehalten; geeignete Lehrmethoden mit Rücksicht auf demokratisches Miteinander

Demokratiepädagogik

Literaturverweise

Zur 1. Theorie

Abels, Heinz/König, Alexandra, Sozialisation: Soziologische Antworten auf die Frage, Wie Wir Werden, Was Wir

Sind, Wie Gesellschaftliche Ordnung Möglich ist und Wie Theorien der

Sozialwissenschaften; 2010 Blömeke, Sigrid/Herzig Bardo, Gestaltung von Schule: Eine Einführung in Schultheorie und Schulentwicklung, Klinkhard, Julius, 2007

Abbildung: Talcott Parsons Quelle: Lord, Lois, Wikipedia Prof. Dr. Eckert, Thomas, Vorlesung „Grundbegriffe der Pädagogik“, unter:

Edition), VS Verlag für

Zur 2. Theorie

Betscher-Ott, Sylvia/Gotthart, Wilfried/Hobmaier, Hermann/Ott, Wilhelm/Pöll, Rosemarie (2006): Soziologie. 1. Auflage. Bildungsverlag EINS. Troisdorf.

² :Betscher-Ott, Sylvia/Gotthart, Wilfried/Hobmaier, Hermann/Ott, Wilhelm/Pöll, Rosemarie (2006): Soziologie. 1. Auflage. Bildungsverlag EINS. Troisdorf. S.155

https://content.stg-openclass.com/eps/sanvan/api/item/b24b022b-f37a-4b3e-80f7-1cbe688c8b4b/1/file/

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Zur 3. Theorie

Primärliteratur Marx, Engels (1956): Marx-Engels-Werke, 43 Bände Marx (1844): Ökonomische und philosophische Manuskripte Marx, Engels (1848): Das kommunistische Manifest Marx (1867): Das Kapital, Band I-III Engels (1882): Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft Marx, Engels (1932): Die deutsche Ideologie Horkheimer (1937): Traditionelle und kritische Theorie Adorno, Horkheimer (1947): Dialektik der Aufklärung

Quellen Bühler-Niederberger, D. (2015): Sozialisation in der Kindheit. In: Hurrelmann, K. / Bauer U. / Grundmann, M. / Walper, S. (Hrsg.): Handbuch Sozialisationsforschung. 8. Auflage, Weinheim und Basel: Beltz, S. 833 – 849. Dörpinghaus, A. / Uphoff, I. K. (2011): Grundbegriffe der Pädagogik. Darmstadt: WBG. Hurrelmann, K. / Bauer, U. (2015): Einführung in die Sozialisationstheorie. Das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung. 11. Auflage, Weinheim und Basel: Beltz Verlag. Koroljow, F. F. / Gmurman, W. J. (1973): Allgemeine Grundlagen der marxistischen Pädagogik. Pullach bei München: Verlag Dokumentation.

www.degede.de/demokratiepaedagogik.0.html besucht am 21.10.2017 um 10.46 Uhr www.bildungsserver.berlin-brandenburg.de/themen/demokratiebildung/demokratiepaed-agogik/ demokratiepädagogik100/ besucht am 21.10.2017 um 11.03 Uhr

23.10.2017 Johanna Lott, Liliane Andreade, Isablle Mähler