Sie sind auf Seite 1von 3

KANZLEI NICKERT

WIR DENKEN SCHON MAL VOR.

Frank Lienhard, Katharina Zapf

Aktivierung von immateriellen Vermögensgegenständen zur Er-


höhung der Eigenkapitalquote

Aktivierung von immateriellen Vermö- gensgegenstand separat benutzt werden kann oder nur zusam-
men mit anderen Bestandteilen. Ferner können verschiedene Nut-
gensgegenständen zungsdauern ein Indiz für die Selbständigkeit darstellen. Zur selb-
ständigen Bewertbarkeit gehört, dass abgrenzbare Aufwendungen
Durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) wurden
entstanden sein müssen, die mit einem bestimmten Wertmaßstab
Gedanken aus der internationalen Rechnungslegung in die deut-
zu erfassen sind. Immaterielle Vermögensgegenstände sind un-
schen Rechnungslegungsvorschriften integriert. Anders als das
körperliche Güter ohne oder mit keiner wesentlichen Substanz.
bisherige Rechnungslegungssystem soll dies weniger dem Gläubi-
gerschutz (Ausschüttungssperren), als dem Ausweis der Wirt- Aktiviert werden dürfen selbständig erworbene immaterielle Ver-

schaftskraft dienen. In diesem Zusammenhang wurde eine Vor- mögensgegenstände nur, wenn hieraus mit der erforderlichen

schrift geändert, die bislang die Aktivierung von Entwicklungskos- Gewissheit künftige Erträge zu erzielen sind. D. h. Entwicklungs-

ten untersagte. kosten von stillgelegten oder ergebnislosen (gescheiterten) Projek-


ten dürfen nicht abgeschrieben werden, sondern sind sofort auf-
§ 248 Abs. 2 HGB lautet:
wandswirksam zu erfassen.
„Selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des
Interessant und bedeutend wird die Möglichkeit damit für Ent-
Anlagevermögens können als Aktivposten in die Bilanz aufge-
wicklungskosten. Werden solche Kosten zur Prozessoptimierung
nommen werden. Nicht aufgenommen werden dürfen selbst ge-
getragen, können diese aktiviert und über die Abnutzungsdauer
schaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder
abgeschrieben werden.
vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlage-
vermögens.“ Steuerrecht
Vermögensgegenstand Selbst erstellte immaterielle Wirtschaftsgüter dürfen auf Grund
des Aktivierungsverbots des § 5 Abs. 2 EStG nicht bilanziert werden.
Von einem Vermögensgegenstand im Sinne des HGB spricht man,
Insoweit greift die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steu-
wenn es sich um einen wirtschaftlichen Wert handelt, der selb-
erbilanz für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2009 beginnen,
ständig bewertbar und einzeln veräußerbar ist (BFH vom 7.8.2000
nicht. Bei Wirtschaftsjahren, die vor dem 31.12.2009 begonnen ha-
BStBl. 2000 II 632). Dies gilt grundsätzlich auch für immaterielle
ben, gibt es keine Abweichung zwischen Handels- und Steuerbi-
Vermögensgegenstände. Bei diesen ist allerdings die Abgrenzung
lanz.
im Sinne der obigen Merkmale schwierig. Außerdem sind die im-
materiellen Vermögensgegenstände schwer bewertbar. Dokumentation
Entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände wer-
Aus der Dokumentation muss sich ergeben, dass abgrenzbare
den aktiviert und, soweit abnutzbar, abgeschrieben. Problematisch
Aufwendungen entstanden sind, um den Vermögensgegenstand
sind nur selbst entwickelte immaterielle Vermögensgegenstände.
zu erlangen. Dabei ist es zulässig, die Kosten aus der Kosten- und
Zur Prüfung einer Aktivierungsmöglichkeit muss entschieden wer- Leistungsrechnung mit den Vollkosten anzunehmen, § 255 Abs. 2 a
den, ob der Vermögensgegenstand selbständig ist oder ob er zu- Satz 1, Abs. 2 HGB.
sammen mit anderen Bestandteilen eine Bewertungseinheit bildet.
Dies wird anhand des Kriteriums des Nutzungs- und Funktionszu-
sammenhangs festgemacht. Indizien hierfür sind, ob der Vermö-

Whitepaper, 13. September 2010 Seite 1


www.kanzlei-nickert.de
KANZLEI NICKERT
WIR DENKEN SCHON MAL VOR.

Ferner muss sich aus der Dokumentation ergeben, dass aus dem
Anwendungszeitraum
Vermögensgegenstand künftige Erträge resultieren. Dies ist z. B.
durch eine integrierte Planungsrechnung (Unternehmensplanung, Mit der Neufassung des § 248 Abs. 2 HGB durch das BilMoG kommt
Businessplan) möglich. für selbst geschaffene immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlage-
vermögens eine Aktivierung in Frage, wenn mit der Entwicklung in
Passive latente Steuern Geschäftsjahren, die nach dem 31.12.2009 beginnen, begonnen
wurde (Art. 66 Abs. 7 EGHGB, streitig). D. h. in Wirtschaftsjahren,
Da das handelsrechtliche Ergebnis bei Aktivierung höher ist als das
die vorher begonnen haben, ist nur bei entgeltlichem Erwerb eine
steuerliche Ergebnis, müssen sogenannte passive latente Steuern
Aktivierung möglich aber auch geboten, § 255 HGB.
in Höhe der auf die Differenz entfallende Steuerbelastung passi-
viert werden. Dies mindert insoweit das Ergebnis. Tatsächlich er-
Empfehlungen
höht sich also das handelsbilanzielle Eigenkapital um die Differenz
aus aktivierten Vermögensgegenständen und der hierauf resultie- Sofern eine Aktivierung nicht möglich ist, kann darüber nachge-
renden Steuerbelastung. Da diese Aktivierung steuerlich nicht zu dacht werden, die Entwicklung durch eine Konzern- oder Verbund-
berücksichtigen ist, „kostet“ diese Eigenkapitalerhöhung keine gesellschaft machen zu lassen, um diese dann entgeltlich von die-
Steuern. ser zu erwerben. Aber auch hier gilt, dass die Werthaltigkeit dann
dokumentiert und für sachverständige Dritte in angemessener Zeit
Ausschluss von der Aktivierung nachvollziehbar sein muss. Etwaige negative steuerliche Konse-
quenzen könnten in einem derartigen Fall durch einen Organ-
Eine Aktivierung ist gem. § 248 Abs. 2 Satz 2 HGB ausnahmsweise
schaftsvertrag ausgeglichen werden.
nicht zulässig bei:
Die Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensge-
selbst geschaffene Marken,
genstände ist grundsätzlich möglich und sollte zur Erhöhung der
Drucktitel, Eigenkapitalquote und damit zur Verbesserung der Kreditwürdig-

Verlagsrechte, keit (Rating) genutzt werden, Ruhnke, Sanyang, Schmiele, DB


2009, 2725. Steuerlich hat dieses Vorgehen keine Auswirkung, d. h.
Kundenlisten oder
die Liquidität wird durch diese Eigenkapitalmaßnahme nicht belas-
vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des tet.
Anlagevermögens

Unter vergleichbaren immateriellen Vermögensgegenständen des


Anlagevermögens sind beispielsweise Urheberrechte, Internet-
Domainnamen oder Geschmacks- und Gebrauchsmuster zu ver-
stehen.

Ebenso sind Forschungs- und Vertriebskosten von der Aktivierung


ausgeschlossen, § 255 Abs. 2 Satz 4 HGB.

Ausschüttungssperre
In Höhe der Differenz aus aktiviertem Vermögensgegenstand und
der gebildeten passiven latenten Steuer besteht eine Gewinnaus-
schüttungssperre, § 268 Abs. 8 Satz 1 HGB.

Whitepaper, 13. September 2010 Seite 2


www.kanzlei-nickert.de
KANZLEI NICKERT
WIR DENKEN SCHON MAL VOR.

Über KANZLEI NICKERT, Offenburg:

KANZLEI NICKERT ist eine Unternehmerkanzlei im besten Sinne: Sie bietet in den Bereichen Rechtsberatung, Steuerberatung und
betriebswirtschaftliche Beratung all diejenigen Dienstleistungen an, die ein Unternehmen / Unternehmer klassischerweise benö-
tigt. Zudem hat sie Kompetenzzentren für die Bereiche Bau, Sanierungsberatung sowie Personalwesen eingerichtet. Rechtsanwäl-
te, Fachanwälte für Steuerrecht und Steuerberater arbeiten dabei Hand in Hand.

KANZLEI NICKERT ist seit März 2009 zertifiziert nach ISO 9001:2008 und für die Steuerberatung zusätzlich nach dem DStV-Quali-
tätssiegel, dem Qualitätsstandard des Deutschen Steuerberaterverbandes. 2009 wurde die Kanzlei von FOCUS MONEY in die Liste
der TOP-Steuerberater aufgenommen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.kanzlei-nickert.de

Disclaimer:

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich
zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine
Haftung übernehmen.

Whitepaper, 13. September 2010 Seite 3


www.kanzlei-nickert.de