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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Inhalt
Seite
Vorwort ........................................................................................................................................................... 3
1 Anwendungsbereich ........................................................................................................................ 5
2 Normative Verweisungen ................................................................................................................. 5
3 Einfügungsdämmung ....................................................................................................................... 6
3.1 Beschreibung .................................................................................................................................... 6
3.2 Messtechnische Ermittlung ............................................................................................................. 7
4 Messung am Versuchsaufbau im Labor ......................................................................................... 9
4.1 Prinzip der Messung am Versuchsaufbau ..................................................................................... 9
4.2 Versuchsaufbau .............................................................................................................................. 11
4.3 Messpunkte ..................................................................................................................................... 11
4.4 Messdurchführung ......................................................................................................................... 11
4.5 Auswertung und Ergebnisdarstellung ......................................................................................... 12
5 Messung im Betriebsgleis ............................................................................................................. 13
5.1 Allgemeines ..................................................................................................................................... 13
5.2 Messbedingungen .......................................................................................................................... 16
5.3 Messpunkte ..................................................................................................................................... 16
5.4 Messdurchführung ......................................................................................................................... 16
5.5 Auswertung ..................................................................................................................................... 18
5.6 Ergebnisdarstellung ....................................................................................................................... 18
Anhang A (informativ) Beispiele für die Abhängigkeit der Einfügungsdämmung von
verschiedenen Parametern ............................................................................................................ 19
Anhang B (informativ) Vergleich von Einfügungsdämmung und Durchlässigkeit ............................... 27
Anhang C (informativ) Beispiele von Versuchsaufbauten mit Ersatzanregung .................................... 32
Literaturhinweise ......................................................................................................................................... 38

2
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Vorwort
Diese DIN SPEC ist vom Arbeitsausschuss NA 001-03-15 AA (NALS/VDI C 15) „Schwingungsminderung in
der Umgebung von Verkehrswegen“ erarbeitet worden. Sie gehört zusammen mit DIN V 45673-4, die die
rechnerische Ermittlung der Einfügungsdämmung im eingebauten Zustand behandelt, zu den Normen der
Reihe DIN 45673 über elastische Elemente des Oberbaus von Schienenfahrwegen, die die Verminderung der
vom Schienenverkehr ausgehenden Schwingungen (Erschütterungen und Körperschall) zum Ziel haben.

Eine DIN SPEC nach dem Vornorm-Verfahren ist das Ergebnis einer Normungsarbeit, das wegen bestimmter
Vorbehalte zum Inhalt oder wegen des gegenüber einer Norm abweichenden Aufstellungsverfahrens vom DIN
noch nicht als Norm herausgegeben wird.

Zur vorliegenden DIN SPEC wurde kein Entwurf veröffentlicht.

Erfahrungen mit dieser DIN SPEC sind erbeten

vorzugsweise als Datei per E-Mail an nals@din.de in Form einer Tabelle. Die Vorlage dieser Tabelle
kann im Internet unter http://www.din.de/stellungnahme abgerufen werden;

oder in Papierform an den Normenausschuss Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik (NALS)


im DIN und VDI, 10772 Berlin.

Es wird auf die Möglichkeit hingewiesen, dass einige Elemente dieses Dokuments Patentrechte berühren
können. Das DIN ist nicht dafür verantwortlich, einige oder alle diesbezüglichen Patentrechte zu identifizieren.

Die Normenreihe DIN 45673 Mechanische Schwingungen — Elastische Elemente des Oberbaus von
Schienenfahrwegen besteht aus folgenden Teilen:

Teil 1: Begriffe, Klassifizierung, Prüfverfahren

Teil 2: Ermittlung statischer und dynamischer Kennwerte im Betriebsgleis

Teil 3: Messtechnische Ermittlung der Einfügungsdämmung im eingebauten Zustand (Versuchsaufbau


und Betriebsgleis)

Teil 4: Rechnerische Ermittlung der Einfügungsdämmung im eingebauten Zustand

Teil 5: Labor-Prüfverfahren für Unterschottermatten

sowie Beiblatt 1: Prüfvordruck; mit CD-ROM

Teil 6: Labor-Prüfverfahren für Besohlungen von Betonschwellen

sowie Beiblatt 1: Prüfvordruck; mit CD-ROM

Teil 7: Labor-Prüfverfahren für elastische Elemente von Masse-Feder-Systemen

sowie Beiblatt 1: Prüfvordrucke; mit CD-ROM

Teil 8: Labor-Prüfverfahren für kontinuierliche elastische Schienenlagerungen

sowie Beiblatt 1: Prüfvordruck; mit CD-ROM

Teil 9: Labor-Prüfverfahren für diskrete elastische Schienenbefestigungen

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Änderungen

Gegenüber DIN V 45673-3:2004-09 wurden folgende Änderungen vorgenommen:

a) weitere Verfahren zur Messung mit Ersatzanregung aufgenommen;

b) Differenzierung der Verfahren für Messungen im Labor oder im Betriebsgleis;

c) Unterscheidung der Einfügungsdämmung für die unterschiedlichen Messsituationen.

Frühere Ausgaben

DIN V 45673-3: 2004-09

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

1 Anwendungsbereich
Ziel der in dieser DIN SPEC beschriebenen messtechnischen Verfahren ist die Ermittlung der Einfügungs-
dämmung als Maß für die schwingungsmindernde Wirkung von elastischen Elementen des Oberbaus im
eingebauten Zustand. Diese Messverfahren (mit Ersatzanregung) lassen sich an elastischen Elementen im
eingebauten Zustand sowohl in einem Versuchsaufbau im Labor als auch im Betriebsgleis durchführen. Die
zur Messung im Betriebsgleis unter Abschnitt 5 beschriebenen Messverfahren lassen sich grundsätzlich auch
bei Messungen unter Fahrzeuganregung anwenden. Bei der Durchführung von Meesungen im Betriebsgleis
unter Fahrzeuganregung gelten auch die Anforderungen von DIN 45672.

Bei einem Versuchsaufbau im Labor können jedoch die realen Verhältnisse im Gleis nicht exakt nachgebildet
werden, sodass nur ein relativer Vergleich der schwingungsmindernden Wirkung der elastischen Elemente
möglich ist. Bei einer Ersatzanregung im Betriebsgleis werden die bei Zugüberfahrt entstehenden realen
Belastungen nicht oder nur zum Teil simuliert, sodass auch hier nur ein relativer Vergleich der schwingungs-
mindernden Wirkung der elastischen Elemente möglich ist.

ANMERKUNG 1 Ursache für die Unterschiede sind beispielsweise die Lasteinflüsse aus Auflast und bewegter Last.

Mit der ermittelten Einfügungsdämmung ist ein relativer Vergleich der elastischen Elemente (im Weiteren
Prüfkörper genannt) hinsichtlich ihrer schwingungsmindernden Wirkung im Oberbau im Frequenzbereich
zwischen etwa 10 Hz und 200 Hz, mit Sicherheit aber zwischen 20 Hz und 100 Hz möglich. Der Referenz-
aufbau (Versuchsaufbau ohne Prüfkörper) ergibt sich aus dem jeweiligen Anwendungsfall. Die Ersatz-
anregung erfolgt vertikal durch eine stoßartige (Hammer), stochastische (Rüttelplatte) oder harmonische
Anregung (Unwuchterreger, elektrodynamischer oder hydraulischer Schwingerreger usw.) auf den einge-
bauten und gegebenenfalls statisch vorbelasteten Prüfkörper.

Ermittelte Werte der Einfügungsdämmung, z. B. angegeben als Einfügungsdämm-Maß De( fTn) für ein
bestimmtes elastisches Element, gelten nur bei dem für die Simulation eines Anwendungsfalls gewählten
Referenzaufbau und der gewählten Ersatzanregung. Dieser Wert der Einfügungsdämmung kann im
Allgemeinen nicht auf andere Anwendungsfälle und andere Anregungen übertragen werden, gibt aber
Hinweise zur schwingungsmindernden Wirkung des elastischen Elements.

ANMERKUNG 2 Daher ist z. B. ein Vergleich der Einfügungsdämmung von elastischen Elementen für Schienen-
befestigungen (z. B. Zwischenlagen, Zwischenplatten) oder von kompletten Schienenlagern (Einzellager, kontinuierliche
Lager) mit der Einfügungsdämmung von Unterschottermatten nur dann möglich, wenn bei allen Versuchen ein identischer
Referenzaufbau verwendet wurde.

Die beschriebenen Verfahren mit Ersatzanregung können noch nicht genormt werden, da eine umfassende
Verifizierung der Ergebnisse der Messungen im Betriebsgleis bei Ersatzanregung gegenüber Messungen bei
Fahrzeuganregung aussteht. Ein relativer Vergleich der Ergebnisse bei gleichartiger Ersatzanregung ist
jedoch vielfach möglich.

Durch die Beschreibung von Verfahren mit Ersatzanregung in dieser DIN SPEC wird vor allem eine einheit-
liche Basis vorgegeben, um darauf aufbauend weitere Erfahrungen sammeln zu können.

ANMERKUNG 3 Neben der messtechnischen Ermittlung der Einfügungsdämmung ist auch eine analytische
Bestimmung möglich. Verfahren einer solchen rechnerischen Abschätzung werden in DIN V 45673-4 aufgezeigt.

2 Normative Verweisungen
Die folgenden Dokumente, die in diesem Dokument teilweise oder als Ganzes zitiert werden, sind für die
Anwendung dieses Dokuments erforderlich. Bei datierten Verweisungen gilt nur die in Bezug genommene
Ausgabe. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte Ausgabe des in Bezug genommenen Dokuments
(einschließlich aller Änderungen).

DIN 45669-2, Messung von Schwingungsimmissionen — Teil 2: Messverfahren

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

DIN 45672-1, Schwingungsmessungen in der Umgebung von Schienenverkehrswegen — Teil 1: Mess-


verfahren

DIN 45672-2:1995-07, Schwingungsmessungen in der Umgebung von Schienenverkehrswegen — Teil 2:


Auswerteverfahren

DIN EN ISO 266, Akustik — Normfrequenzen

DIN EN ISO 10846-2, Akustik und Schwingungstechnik — Laborverfahren zur Messung der vibro-akustischen
Transfereigenschaften elastischer Elemente — Teil 2: Direktes Verfahren zur Ermittlung der dynamischen
Steifigkeit elastischer Stützelemente bei Anregung in translatorischer Richtung

3 Einfügungsdämmung

3.1 Beschreibung

Die Einfügungsdämmung ist von der Art der Ermittlung, der Art der Anregung, der Amplitude der Anregung,
der Vorlast und dem Messort abhängig (siehe Beispiele in Anhang A). Sie wird als Einfügungsdämm-Maß in
dB dargestellt. Das Terzspektrum des Einfügungsdämm-Maßes De( fTn) stellt üblicherweise die Minderung
eines Körperschall-Terzpegelspektrums Lv2( fTn) oder La2( fTn) bei einem Versuchsaufbau gegenüber dem
Körperschall-Terzpegelspektrum Lv1( fTn) bzw. La1( fTn) bei einem Referenzaufbau dar:

De( fTn) = Lv1( fTn) – Lv2( fTn) (1)

oder

De( fTn) = La1( fTn) – La2( fTn) (2)

ANMERKUNG 1 Bei den zur Ermittlung des Einfügungsdämm-Maßes benötigten Terzpegelspektren handelt es sich um
dB-skalierte Spektren nach DIN 45672-2:1995-07.

ANMERKUNG 2 Wird die Einfügungsdämmung als Summenwert (Einzahlwert) dargestellt, ist dieser Wert vom
betrachteten Frequenzbereich abhängig. Es ist deswegen mindestens erforderlich, den betrachteten Frequenzbereich
anzugeben; besser ist es jedoch, die Einfügungsdämmung als Spektrum darzustellen

Die Einfügungsdämmung beschreibt die Veränderung der Pegel am Beobachtungspunkt, die durch
Hinzufügen eines (z. B. elastischen) Elementes oder durch Verwendung einer anderen Oberbauform entsteht.
Von der Einfügungsdämmung De zu unterscheiden sind weitere Größen, die zur Charakterisierung des
Einflusses eingebauter Elemente verwendet werden und die nicht mit der Einfügungsdämmung verwechselt
werden dürfen:

Pegeldifferenz !Lv in dB (auch Durchlässigkeit genannt). Diese kann über die Differenz der Pegel der
Schwinggeschwindigkeit oberhalb und unterhalb des hinzugefügten Elements – besonders bei elasti-
schen Lagerungen – einfach ermittelt werden;

Pegeldifferenz der Kräfte !LF in dB der oberhalb und unterhalb einer elastischen Lagerung übertragenen
Kräfte.

Die Einfügungsdämmung lässt sich sowohl rechnerisch als auch messtechnisch ermitteln. Im Folgenden wird
nur auf die messtechnische Ermittlung der Einfügungsdämmung eingegangen. In Anhang B sind vergleichend
an einem System mit einem Freiheitsgrad die mathematischen Beschreibungen der Einfügungsdämmung und
der Durchlässigkeit einander gegenübergestellt und beispielhaft die Ergebnisse der Berechnung der
Einfügungsdämmung und der Durchlässigkeit von zwei Oberbauformen gezeigt. Die Einfügungsdämmung
stellt eine physikalische Größe des Gesamtsystems dar. Es ist nicht zulässig, die Durchlässigkeit anstelle der
Einfügungsdämmung zu ermitteln.

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Die Messung der Einfügungsdämmung kann unter Ersatzanregung im Labor oder im Betriebsgleis erfolgen.
Weiterhin lässt sich die Einfügungsdämmung auch unter Fahrzeuganregung ermitteln. In Bild 1 sind die
verschiedenen Möglichkeiten zur Ermittlung der Einfügungsdämmung gegenübergestellt. Da nicht alle
Eigenschaften des Gesamtsystems bei den verschiedenen Messungen exakt erfasst werden können, stellen
die beschriebenen Messverfahren immer eine Näherung dar.

Es wird unterschieden zwischen

dem rechnerischen Einfügungsdämm-Maß (De,R),

dem Labor-Einfügungsdämm-Maß (De,L),

dem Betriebsgleis-Einfügungsdämm-Maß unter Ersatzanregung (De,E) und

dem Betriebsgleis-Einfügungsdämm-Maß unter Zuganregung (De,Z).

Bild 1 — Übersicht Ermittlung der Einfügungsdämmung

3.2 Messtechnische Ermittlung

Für die messtechnische Ermittlung der Einfügungsdämmung an einem Versuchsaufbau, der den realen
Verhältnissen weitgehend entsprechen muss, werden Versuchsaufbauten unterschiedlicher Größe eingesetzt.
Die Messungen können in abgeschlossenen Prüfräumen oder bei Verwendung großer Versuchsaufbauten
auch im Freien durchgeführt werden. Für die aufzubringende Ersatzanregung werden die in Bild 2 aufge-
listeten Verfahren eingesetzt.

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Bild 2 — Übersicht Ersatzanregung

Für Messungen zur Ermittlung der Einfügungsdämmung im Betriebsgleis werden die in Bild 3 zusammen-
gefassten Messverfahren angewandt. Bei der Verwendung des Links/rechts-Verfahrens (siehe 5.1) ist es in
der Regel erforderlich, die Übertragungsadmittanzen zu ermitteln und zur Bewertung der Messergebnisse
heranzuziehen. Beim Vorher/nachher-Verfahren kann zur Beurteilung der Messergebnisse die Ermittlung der
Übertragungsadmittanzen sinnvoll sein.

Bild 3 — Messverfahren zur Ermittlung der Einfügungsdämmung im Betriebsgleis

Bei Messungen nach dem Vorher/nacher-Verfahren (siehe 5.1) werden neben den Eigenschaften des
Versuchsaufbaus auch die Veränderungen der Übertragungseigenschaften des Bodens messtechnisch
erfasst. Daher kommt es bei diesem Verfahren darauf an, möglichst gleiche Verhältnisse bei beiden
Messungen zu realisieren. Durch die Messung von Übertragungsadmittanzen kann beispielsweise die
mögliche Veränderung der Übertragungseigenschaften des Bodens überprüft werden.

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

4 Messung am Versuchsaufbau im Labor

4.1 Prinzip der Messung am Versuchsaufbau

4.1.1 Allgemeines

Am Versuchsaufbau im Labor (Gebäude oder Freigelände) erfolgt die messtechnische Ermittlung der
Einfügungsdämmung von eingebauten elastischen Elementen und elastischen Oberbausystemen von
Schienenfahrwegen mit Ersatzanregung. Es sollte gegebenenfalls unter Verwendung einer geeigneten Vorlast
gemessen werden. Eine Vorlast lässt sich in vielen Fällen auf Grund der Randbedingungen der Messung
nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand realisieren. Bei Oberbausystemen mit hoher Eigenlast, wie z. B.
punktförmig gelagerte Masse-Feder-Systeme mit elastischen Elementen mit linearem Übertragungsverhalten,
wird der Einfluss der Vorlast sehr gering, während er bei geringer Eigenlast und elastischen Elementen mit
nichtlinearem Übertragungsverhalten jedoch sehr hoch sein wird. Insofern kann die Höhe der Vorlast
insbesondere bei Schienenlagern, Schwellenlagern und vollflächigen Masse-Feder-Systemen einen wesent-
lichen Einfluss auf den Wert der Einfügungsdämmung haben. Ist dies der Fall, ist eine dem Regelbetrieb
entsprechende Vorlast aufzubringen. Dies ist bei der Beurteilung derartiger Messungen zu beachten.

Als Ersatzanregung kommen eine Stoßanregung, eine harmonische Anregung und eine stochastische
Anregung in Betracht, die im Weiteren erläutert werden.

Die Verfahren lassen sich sowohl mit als auch ohne Messung der Anregekraft durchführen. Erfolgen sie ohne
Kraftmessung, ist sicherzustellen, dass der Referenzaufbau und der Versuchsaufbau mit derselben Kraft
angeregt werden. Die Verfahren mit Kraftmessung haben den Vorteil, dass

das absolute Kraftniveau bekannt ist,

eine Normierung durch Kraftbezug erfolgen kann,

mittels Betrachtungen der Übertragungsadmittanzen eine rechnerische Korrektur erfolgen kann.

Die Randbedingungen, unter denen die Messungen am Versuchsaufbau erfolgen, lassen sich nicht allgemein
festlegen. Sie sind vielmehr der Fragestellung der Untersuchung anzupassen.

4.1.2 Stoßanregung

Das Messverfahren mittels Stoßanregung ist für die Ermittlung der Einfügungsdämmung von elastischen
Elementen von Schienenbefestigungen (z. B. Zwischenlagen, Zwischenplatten), kompletten Schienenlagern
(Einzellager, kontinuierliche Lager) sowie kompletter elastischer Oberbausysteme geeignet. Die Stoß-
anregung als Ersatzanregung wird mit einem Prüfhammer (Impulshammer, Stoßhammer) oder einer Fall-
masse (siehe Beispiel in Anhang C) realisiert und gemessen, womit eine vertikale Anregung mit Frequenzen
von 5 Hz bis 200 Hz möglich ist. Werden für derartige Untersuchungen Prüfhämmer oder Fallmassen benutzt,
sind sie mit einer Kraftmesseinrichtung auszustatten. Um eine hohe Anregung im unteren Frequenzbereich
und damit ein möglichst realistisches Anregungsspektrum zu erhalten, ist der Prüfhammer (die Fallmasse) mit
einer geeigneten weichen Aufschlagfläche auszurüsten.

Zur Erzeugung einer Stoßanregung bestehen verschiedene Möglichkeiten. In Tabelle 1 sind diese zusam-
mengefasst und den möglichen Einsatzgebieten gegenübergestellt.

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Tabelle 1 — Übersicht Stoßanregung


Ungefähre Masse
Erreger Typ Einsatzgebiet
kg
klein unter 1 hier nicht geeignet
Zwischenlagen
Prüfhammer
mittel 1 bis 4 Zwischenplatten
(Impulshammer,
Schienenbefestigungen
Stoßhammer) a
Oberbauprüfkörper
groß über 4 bis 10
Masse-Feder-System
a
Oberbauprüfkörper
klein 5 bis 20
Masse-Feder-System
Fallmasse a
Oberbauprüfkörper
groß über 20 bis 100
Masse-Feder-System
a
z. B. Prüfkörper 2 nach DIN 45673-8

4.1.3 Harmonische Anregung

Eine harmonische Anregung kann mit einem Unwuchterreger, einem hydraulischen oder einem elektro-
dynamischen Schwingerreger im Erregerfrequenzbereich von 5 Hz bis zu einer oberen Grenzfrequenz fo
realisiert werden. Ein Vorteil dieser Erreger besteht darin, dass sich die harmonische Kraftamplitude einstellen
lässt. Empfohlene Kraftamplituden in Abhängigkeit von der Achslast zur Simulation eines Drehgestells sind in
Tabelle 2 aufgeführt.

Beispiele von harmonischen Schwingerregern sind in Anhang C angegeben.

Tabelle 2 — Kraftamplituden bei harmonischer Anregung

Achslast Kraftamplitude der Beispiel


harmonischen Anregung
zur Simulation eines
Drehgestells
t kN
10 2 bis 4 Straßenbahn
16 3 bis 6 S-Bahn
25 5 bis 10 Vollbahn

Eine harmonische Anregung kann auf zwei Arten erfolgen:

a) stufenlos über einen gewählten Frequenzbereich (Gleitsinusanregung);

b) stufenweise mit den Terzmittenfrequenzen fTn nach DIN EN ISO 266 im gewählten Frequenzbereich.

ANMERKUNG Bei Anregung in Frequenzstufen besteht die Gefahr, dass eine Resonanzüberhöhung zwischen
zwei Terzmittenfrequenzen nicht erkannt wird.

4.1.4 Stochastische Anregung

Der Einsatz einer Rüttelplatte für Bodenverdichtungsarbeiten, die auf einer Unterkonstruktion montiert ist
(siehe Beispiel in Anhang C), stellt eine stochastische Anregung dar. Indem die Rüttelplatte einschließlich
Unterkonstruktion vom Oberbausystem abhebt, wird der harmonischen Anregung entsprechend der Drehzahl
der Rüttelplatte eine impulsförmige Anregung überlagert, sodass sich die stochastische Anregung einstellt.

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Da die Erregerkraft meist nicht unmittelbar gemessen werden kann, ist die Ermittlung von Übertragungs-
funktionen nicht möglich. Es wird dann nur das Terzspektrum der Schwinggeschwindigkeit zu Vergleichs-
zwecken herangezogen, wobei ein absoluter Vergleich dieser Ergebnisse mit dem Einfügungsdämm-Maß
nach Abschnitt 3 nur möglich ist, wenn die Kräfte der unterschiedlichen Messungen in etwa gleich sind.

ANMERKUNG Erfahrungsgemäß lässt sich bei Verwendung von Rüttelplatten mit einer nominellen dynamischen Kraft
von ± 28 kN bis ± 34 kN (Herstellerangabe) der Emissionspegel einer Straßen- oder Stadtbahn sehr gut nachbilden.

4.2 Versuchsaufbau

Als Versuchsaufbau kommen je nach Fragestellung ein gesamtes Oberbausystem oder Teilsystem infrage.
Der Versuchsaufbau muss folgenden Anforderungen genügen:

Der Versuchsaufbau und der Einbau des Prüfkörpers müssen weitgehend den realen Verhältnissen beim
Oberbau entsprechen. Der Versuchsaufbau im Labor muss eine Mindestlänge von 1 m aufweisen. Bei
der Untersuchung von Zwischenplatten für Schienenlager kann die Messung an einem Lager
ausreichend sein, während bei der Untersuchung eines Masse-Feder-Systems und bei Untersuchungen
an einem Gleisstück ein Prüfkörper der Mindestlänge von 1 m zu klein ist.

Der Versuchsaufbau muss reproduzierbar einen relativen Vergleich der schwingungsmindernden


Wirkung von gleichartigen elastischen Elementen des Oberbaus oder unterschiedlicher Oberbauformen
ermöglichen. Der Referenzaufbau ist der Versuchsaufbau ohne das betrachtete elastische Element oder
die zum Vergleich herangezogene Oberbauform.

Der Prüfkörper kann je nach Art der Untersuchung und dem Anwendungsfall auf einem starren
Fundament mit hoher Impedanz des Unterbaus (siehe Beispiel in Anhang A sowie DIN EN ISO 10846-2)
oder einer den Untergrundsteifigkeiten der realen Einbausituation angepassten Steifigkeit aufgebracht
werden.

Der Versuchsaufbau sollte eine Vorbelastung enthalten. Die Vorbelastung kann ein- oder zweistufig
erfolgen, um die unabgefederte Radsatzmasse (1. Stufe) und die abgefederte Wagenmasse (2. Stufe) zu
simulieren. Die auf den Prüfkörper einwirkende Vorbelastung muss geeignet sein, gleiche charakteristi-
sche Eigenschaften (insbesondere die dynamische Steifigkeit) im Prüfkörper zu erzeugen wie im Gleis.
Es wird empfohlen, dass die Vorbelastung (1. Stufe) in etwa der unabgefederten Radsatzmasse bzw. – je
nach Versuchsaufbau – derjenigen eines Drehgestells entspricht. Sofern eine weitere Auflast (2. Stufe)
simuliert wird, ist diese durch elastische Elemente tief abzustimmen. Die Starrkörpereigenfrequenz muss
einen ausreichenden Abstand zur untersten zu untersuchenden Frequenz haben.

4.3 Messpunkte

Zur Ermittlung der Einfügungsdämmung unter Ersatzanregung im geschlossenen Labor wird an Messpunkten
an der Bauwerkssohle und/oder den Bauwerkswänden des Labors gemessen. Bei Anordnung des
Versuchsaufbaus im Gelände (Außenlabor) wird an definierten Geländemesspunkten neben dem Prüfkörper
gemessen. Darüber hinaus können weitere Messpunkte zur Bestimmung von Übertragungsfunktionen am
Schienenkopf, am Schwellenkopf oder an sonstigen Stellen am Versuchsaufbau vorgesehen werden.

4.4 Messdurchführung

4.4.1 Stoßanregung

Die Anregung erfolgt durch Stöße in vertikaler Richtung.

ANMERKUNG 1 In der Regel erfolgt die Krafteinleitung mit dem Stoßerreger am Schienenkopf. Es ist aber z. B. bei der
Untersuchung von Masse-Feder-Systemen auch möglich, die Betonplatte direkt anzuregen.

Es sind mehrere Messungen durchzuführen und die Güte der Messung anhand der Kohärenz zu prüfen.

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

ANMERKUNG 2 Der für die Messauswertung und die weitere Beurteilung relevante Frequenzbereich kann anhand der
Kohärenzfunktion festgelegt werden. Messwerte bei Frequenzen, bei denen die Kohärenz deutlich unter 0,8 liegt, sind in
der Regel für die Bestimmung der Einfügungsdämmung nicht geeignet.

Es ist jeweils die Übertragungsfunktion zwischen der Schwingungsgröße an dem gewählten Messort und der
Stoßanregung zu bestimmen.

4.4.2 Harmonische Anregung

Die Anregung erfolgt – gegebenenfalls unter der Verwendung einer geeigneten Vorlast (siehe 4.1.1) – vertikal
mit einer harmonischen Kraftamplitude, die über den Schienenkopf oder über beide Schienenköpfe in das
Oberbausystem eingeleitet wird. Es ist darauf zu achten, dass die Kraftamplitude weitgehend unabhängig von
der Erregerfrequenz konstant bleibt.

Bei jeder der Anregungsarten nach a) und b) sind mindestens zwei Messreihen am Referenzaufbau (ohne
den Prüfkörper) und am Versuchsaufbau (mit dem Prüfkörper) durchzuführen, bei denen die Schwingungs-
antworten mittels Schwingungsaufnehmern an den gewählten Messpunkten zu messen sind.

ANMERKUNG Der für die Auswertung geeignete Frequenzbereich ist von dem verwendeten Erregertyp und dem am
Messort vorhandenen Grundrauschen abhängig. Der Frequenzbereich kann anhand der Kohärenzfunktion festgelegt
werden. Messwerte bei Frequenzen, bei denen die Kohärenz deutlich unter 0,8 liegt, sind in der Regel für die Ermittlung
der Einfügungsdämmung nicht geeignet.

a) Gleitsinusanregung

Die Änderung der Frequenz bei der Gleitsinusanregung kann beispielsweise mit 0,25 Hz/s erfolgen. Für
einen Frequenzdurchlauf beispielsweise von 10 Hz bis 100 Hz beträgt dann die Versuchsdauer 6 min.
Bei der Gleitsinusanregung entspricht ein Frequenzdurchlauf einer Messreihe.

b) Anregung in Frequenzstufen

Bei der Anregung in Frequenzstufen besteht eine Messreihe aus den Einzelmessungen bei allen Terz-
mittenfrequenzen im gewählten Frequenzbereich.

4.4.3 Stochastische Anregung

Für die Messung wird die Rüttelplatte mit der Unterkonstruktion (siehe 4.1.4) auf dem Oberbau verfahren. Es
ist darauf zu achten, dass die Rüttelplatte einschließlich Unterkonstruktion vom Oberbausystem abhebt.

Die Rüttelplatte muss sowohl beim Referenzaufbau als auch beim untersuchten Versuchsaufbau in derselben
Art und Weise betrieben werden. Dies gilt für die Drehzahl und die Stellung des Gashebels.

4.5 Auswertung und Ergebnisdarstellung

4.5.1 Messung mit Erfassung der Erregerkraft

Für die Terzen entsprechend dem vom gewählten Messverfahren abhängigen Frequenzbereich sind die
Übertragungsadmittanzen zwischen der Antwort als Schwinggeschwindigkeit oder Schwingbeschleunigung
am gewählten Messpunkt und der Erregerkraft am Erreger zu bestimmen, und zwar sowohl am Referenz-
aufbau (ohne den Prüfkörper) als auch am Versuchsaufbau (mit dem Prüfkörper). Weiterhin sind die
gemessenen Terzpegel des Antwortsignals an den gewählten Messpunkten für den relevanten Frequenz-
bereich zu bestimmen. Dabei ist jeweils über die relevanten Einzelmessungen arithmetisch zu mitteln.

ANMERKUNG Die Terzspektren können entweder aus Schmalbandspektren berechnet oder direkt mit einem
Terzanalysator ermittelt werden. Wurden Schmalbandspektren ermittelt, können auch die Schmalbandspektren der
Schwingungsanregung und der Schwingungsantwort dargestellt werden.

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Das Einfügungsdämm-Maß ergibt sich aus der Differenz der gemittelten Übertragungsadmittanzen in
Terzpegeldarstellung des Referenzaufbaus zu denjenigen des Versuchsaufbaus:

De( fTn) = [Lv1( fTn) – LF1( fTn)] – [Lv2( fTn) – LF2( fTn)] (3)

Dabei ist

LFi( fTn) der Kraftpegel (Terzspektrum) des Referenzaufbaus (i = 1) und des Versuchsaufbaus (i = 2).

Es darf keine Umrechnung der Übertragungsadmittanz eines Schmalbandspektrums in ein Terzspektrum


erfolgen.

Folgende Ergebnisse sind mindestens anzugeben und nach DIN 45672-2 grafisch darzustellen (Beispiele
siehe Anhang A):

Terzpegel der aus mehreren Messungen arithmetisch gemittelten Übertragungsadmittanz des Referenz-
aufbaus,

Terzpegel der aus mehreren Messungen arithmetisch gemittelten Übertragungsadmittanz des Versuchs-
aufbaus (mit eingebautem Prüfkörper),

Einfügungsdämm-Maß De( fTn) in Terzdarstellung.

Es wird empfohlen, folgende Größen ergänzend darzustellen:

Schmalbandspektrum LF( f ) der Schwingungsanregung am Erreger und Schmalbandspektrum Lv( f ) oder


La( f ) der Schwingungsantwort am gewählten Messpunkt für den entsprechend der Anregung relevanten
Frequenzbereich,

Überprüfung der Güte der Übertragungsfunktionen z. B. mittels der Kohärenzfunktion,

Kraftspektren in Terzdarstellung,

Schwinggeschwindigkeitsspektren an den Messpunkten in Terzpegeldarstellung.

Versuchsaufbau und Randbedingungen sind zu dokumentieren.

4.5.2 Messung ohne Erfassung der Erregerkraft

Ohne Erfassung von Kraftgrößen ist das Einfügungsdämm-Maß nach Formel (1) oder (2) zu ermitteln; im
Übrigen gilt 4.5.1.

5 Messung im Betriebsgleis

5.1 Allgemeines

Bei der Durchführung von Messungen im Betriebsgleis wird nach Bild 3 zwischen dem Vorher/nachher- und
dem Links/rechts-Messverfahren unterschieden. Je nach den Randbedingungen ist es empfehlenswert, das
Vorher/nachher-Verfahren durch Einführung eines Kontrollquerschnitts zu präzisieren (siehe 5.5.3).

Das Vorher/nachher-Messverfahren kann bei Streckenabschnitten angewendet werden, bei denen die
Möglichkeit besteht, sowohl vor als auch nach der Umbaumaßnahme, bei der die vorgesehenen elastischen
Elemente zur Schwingungsminderung eingebaut werden, Messungen an denselben Messquerschnitten und
Messpunkten durchführen zu können (siehe Bild 4).

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

a) Situation „vorher“
Referenzoberbau (Oberbau ohne elastische Elemente) – Umbaumaßnahme noch nicht erfolgt

b) Situation „nachher“
Versuchsoberbau (Oberbau mit elastischen Elementen) – Umbaumaßnahme abgeschlossen
Legende
a
ohne elastische Elemente
b
mit elastischen Elementen

Bild 4 — Erläuterung Vorher/nachher-Verfahren

Das Links/rechts-Messverfahren kann bei Betriebsgleisen angewandt werden, die Streckenabschnitte mit und
Streckenabschnitte ohne elastische Elemente haben (siehe Bild 5). Die Messungen werden dann an zwei
Messquerschnitten mit unterschiedlichen Oberbauformen durchgeführt. Aufgrund der im Allgemeinen unter-
schiedlichen Untergrundverhältnisse an den gewählten Messquerschnitten müssen bei diesem Verfahren die
Übertragungsadmittanzen des Baugrunds gemessen werden, um bei der Auswertung den Einfluss der primär
relevanten Steifigkeit des Untergrunds mittels eines Korrekturterms zu berücksichtigen (siehe 5.5). Hierzu
sind Messungen mit direkter Anregung des Untergrunds durchzuführen. Die Anregung des Untergrunds muss
hierbei an den betrachteten Querschnitten gleichartig erfolgen

ANMERKUNG Die Anregung zur Ermittlung der Untergrundeigenschaften ist bevorzugt unter dem elastischen Element
auf dem Planum einzuleiten. Dies lässt sich meist nicht vor Ort realisieren, sodass es darauf ankommt, an allen zu
betrachtenden Querschnitten in gleicher Art und Weise diese Messung vorzunehmen. Die Anregung kann hierbei
beispielsweise auf dem Asphalt der Straße, dem Schotter oder der Tunnelsohle erfolgen.

14
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Legende
a
ohne elastische Elemente
b
mit elastischen Elementen

Bild 5 — Erläuterung Links/rechts-Verfahren:


Betriebsgleis mit Referenz- und Versuchsoberbau (zwei unterschiedliche Oberbauformen)

Bei dem Vorher/nachher- und dem Links/rechts-Messverfahren können die Messungen sowohl bei Fahrzeug-
anregung (Fahrzeuganregung aus Linienverkehr oder mit Einsatzfahrzeug) als auch mit Ersatzanregung
durchgeführt werden. Bei Fahrzeuganregung sind zusätzlich die Regelungen von DIN 45672 zu beachten.

Beide Verfahren haben ihre jeweiligen Vorteile (+) und Nachteile (–):

Links/rechts-Verfahren Vorher/nachher-Verfahren

+ weitestgehend Ausschluss des Einflusses + Untergrund- und Übertragungsbedingungen


der Fahrzeuge, da die zu vergleichenden identisch;
Messquerschnitte jeweils vom identischen
Fahrzeug während einer Überfahrt befahren – Beeinflussung des Ergebnisses durch
werden können; unterschiedliche Züge mit möglicherweise
unterschiedlichem Unterhaltungszustand
+ in der Regel kann (abgesehen von den oder Rollmaterial oder unterschiedlichen
elastischen Elementen) von sonst einheit- Geschwindigkeiten;
lichen Oberbaubedingungen (Schienen-
qualität, Unterhaltungszustand der Gleise, – möglicherweise unterschiedlicher und nicht
gleiche Stopfintervalle usw.) ausgegangen quantifizierbarer Gleis- und Instandhaltungs-
werden; zustand beim Vergleich vor und nach dem
Umbau;
+ gezielte Identifikation der Änderung einzelner
Parameter zwischen den beiden Mess- – beim Umbau werden oft mehrere Parameter
abschnitten möglich; verändert (z. B. neuer Schotter); das Mess-
ergebnis liefert nur den Summeneffekt aus
– Beeinflussung des Ergebnisses durch der gesamten Veränderung.
unterschiedliche Untergrund- und Über-
tragungsverhältnisse in den beiden Mess-
abschnitten möglich, daher Bestimmung der
Übertragungsadmittanzen erforderlich.

15
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Diese Vor- und Nachteile der beiden Verfahren sind bei der Planung der Messung und bei der Interpretation
der Messergebnisse zu beachten. Die Messung der Einfügungsdämmung stellt immer nur eine Annäherung
an die Realität dar. Soweit wie möglich sind bei Messungen die Randbedingungen gleich zu halten; dies gilt
insbesondere für die Fahrzeuggeschwindigkeiten.

Wenn die Einhaltung der Randbedingungen bei einem der Messverfahren nicht sichergestellt werden kann,
empfiehlt es sich, beide Verfahren zur Ermittlung der Einfügungsdämmung eines Systems anzuwenden.
Damit wird erreicht, dass die Information aller beeinflussenden Parameter verbessert wird.

Die in Abschnitt 4 beschriebenen Ersatzanregungen sind grundsätzlich auch für Messungen im Betriebsgleis
geeignet. Mittels Messungen im Betriebsgleis unter Ersatzanregung lassen sich Messergebnisse aus
Messungen an Versuchsaufbauten mit Ergebnissen aus Messungen unter realen Betriebsbedingungen
vergleichen. Hierdurch können die Ergebnisse von Messungen an elastischen Elementen des Oberbaus in
Versuchsaufbauten zukünftig besser zur Beurteilung der erreichbaren schwingungsmindernden Wirkung im
realen Gleis herangezogen werden.

Weiterhin kann die Messung unter Ersatzanregung im Rohbau eines fertig gestellten Tunnels oder im
Gelände einer geplanten Strecke bei der Auswahl und Auslegung des Oberbaus hilfreich sein.

5.2 Messbedingungen

Es wird am Gleis im vorgefundenen Zustand gemessen. Vorgefundene Randbedingungen sind zu


dokumentieren (siehe DIN 45672-1). Diese Randbedingungen sollten beim Referenz- und Versuchsoberbau
vergleichbar sein.

Bei Ersatzanregung ist gegebenenfalls auf eine geeignete Vorbelastung zu achten.

Im Schottergleis ist darauf zu achten, dass die Eigenschaften des Schotters (z. B. Korngröße, Verdichtungs-
grad) an allen Messquerschnitten gleich sind. Insbesondere ist ein Vergleich zwischen Messquerschnitten mit
frisch eingebrachtem und mit konsolidiertem Schotter zu vermeiden.

Messungen bei gefrorenem Boden sollten vermieden werden.

5.3 Messpunkte

Die Messpunkte sind je nach örtlicher Situation im benachbarten Gelände, an Tunnelsohle und Tunnelwand,
im benachbarten Gebäude oder sonstigen geeigneten Bauteilen (z. B. Bordstein) anzuordnen (siehe Bild 6).
Gegebenenfalls kann im Freifeld die Mittelung über mehrere Messpunkte notwendig werden. Die Hinweise in
DIN 45672-1 und DIN 45669-2 sind zu beachten.

5.4 Messdurchführung

Die Ersatzanregung erfolgt analog 4.4 mittels Stoßanregung, harmonischer Anregung oder stochastischer
Anregung. Es sind die jeweils für die Verfahren geeigneten Frequenzbereiche zu beachten.

Beim Links/rechts-Verfahren ist es erforderlich, die Übertragungsadmittanz des Baugrunds zu messen, sofern
sich eine geeignete Messung durchführen lässt. Beim Vorher/nacher-Verfahren kann auf die Messung der
Admittanzen verzichtet werden, sofern die gewählten Messpunkte beibehalten werden und die sonstigen
Gegebenheiten vorher wie nachher vergleichbar sind.

Bei allen Messungen sind die Pegel der Anregung aus der Umgebung (ambiente Anregung) an den unter-
schiedlichen Messpunkten zu erfassen.

16
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Maße in Meter

a) im Freifeld

b) im Tunnel

c) im Gebäude

Bild 6 — Beispiele von Messpunkten

17
DIN SPEC 45673-3:2014-04

5.5 Auswertung

5.5.1 Vorher/nachher-Verfahren

Wenn die Messung unter Ersatzanregung mit gleicher Kraft erfolgt, lässt sich das Einfügungsdämm-Maß
entsprechend vereinfacht nach Formel (1) bzw. Formel (2) ermitteln.

Wenn bei der Messung unter Ersatzanregung die Kraft erfasst wurde, ist das Einfügungsdämm-Maß nach
Formel (3) zu ermitteln.

5.5.2 Links/rechts-Verfahren

Die Auswertung der Einfügungsdämmung beim Links/rechts-Verfahren hängt von den Untergrundverhält-
nissen der beiden Messquerschnitte ab. Die im Allgemeinen unterschiedlichen Untergrundverhältnisse
können durch Berücksichtigung der jeweilgen Übertragungsadmittanzen bei der Berechnung des Einfügungs-
dämm-Maßes näherungsweise erfasst werden:

De( fTn) = [Lv1( fTn) – LF1( fTn) – LY1( fTn)] – [Lv2( fTn) – LF2( fTn) – LY2( fTn)] bei Ersatzanregung (4)

De( fTn) = [Lv1( fTn) – LY1( fTn)] – [Lv2( fTn) – LY2( fTn)] bei Fahrzeuganregung (5)

Dabei ist

LYi( fTn) der Pegel der Übertragungsadmittanz des Untergrunds am Referenzoberbau (i = 1) und am
Versuchsoberbau (i = 2);

LFi( fTn) der Kraftpegel (Terzspektrum) des Referenzoberbaus (i = 1) und des Versuchsoberbaus (i = 2).

5.5.3 Vorher/nachher-Verfahren mit Kontrollquerschnitt

Bei diesem Verfahren wird ein zusätzlicher Messquerschnitt (Kontrollquerschnitt) angeordnet, an dem wie im
Versuchsabschnitt eine Messung nach dem Vorher/nachher-Verfahren erfolgt, ohne dass eine Veränderung
am Oberbau durchgeführt wird. Nach dem Umbau im Versuchsabschnitt werden die Messungen an beiden
Querschnitten wiederholt. Ist bei dem Vergleich vorher/nachher im Referenzabschnitt keine Veränderung
eingetreten, kann die Einfügungsdämmung aus den Messergebnissen des Versuchsabschnitts direkt nach
Formel (1) oder (2) ermittelt werden.

Ergibt sich dagegen ein Unterschied aus der Vorher/nachher-Messung am Kontrollquerschnitt, so ist der
Messwert im Versuchsabschnitt zu korrigieren. Hierfür ist der Differenzpegel aus dem Kontrollquerschnitt
sinnvoll zu berücksichtigen.

5.6 Ergebnisdarstellung

Die Darstellung der Messergebnisse erfolgt analog 4.5.1 in Form von Terzpegeln.

Die Einfügungsdämmung beschreibt eine dynamische Eigenschaft des Gesamtsystems, bestehend aus dem
Oberbau, dem Untergrund, dem Fahrzeug und weiterer Einflüsse. Die Messverfahren unter Ersatzanregung
erfassen diese einzelnen Einflüsse nur bedingt oder teilweise gar nicht und liefern daher lediglich eine
Näherung der Einfügungsdämmung des betrachteten Gesamtsystems. Im Hinblick auf die Beurteilung der
Ergebnisse einer Messung unter Ersatzanregung ist daher eine detaillierte Beschreibung der Messdurch-
führung erforderlich.

18
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Anhang A
(informativ)

Beispiele für die Abhängigkeit der Einfügungsdämmung von


verschiedenen Parametern

–8
ANMERKUNG Der Bezugswert für Schwinggeschwindigkeitspegel beträgt 5 10 m/s, der Bezugswert für den Pegel
der Übertragungsadmittanz 1 m/s/N.

A.1 Beispiel für die Abhängigkeit der Einfügungsdämmung vom Messpunkt


Nach dem Vorher/nachher-Verfahren wurden zwei Gleisoberbauten miteinander verglichen. Beide Mes-
sungen wurden unter folgenden Randbedingungen durchgeführt:

! Linienbetrieb mit Niederflurfahrzeugen im Geschwindigkeitsbereich 30 km/h bis 40 km/h,

! gleiche mittlere Fahrzeuggeschwindigkeit für beide Messungen,

! Messdurchführung vor und nach dem Umbau der Rillengleisanlage,

! Messung an drei unveränderten Bordsteinmesspunkten,

! Mittelwertbildung aus mehreren Vorbeifahrten,

! Einfügungsdämmung für jeden Messpunkt ermittelt.

Die Bilder A.1 und A.2 zeigen die Vorher- und Nachher-Messwerte sowie die sich ergebende Einfügungs-
dämmung für jeden Messpunkt.

19
DIN SPEC 45673-3:2014-04

a) Vorher-Messwerte b) Nachher-Messwerte
Legende
Lv Schwinggeschwindigkeitspegel in dB
f Terzmittenfrequenz in Hz

Bild A.1 — Vorher- und Nachher-Messwerte an den drei Messpunkten 1, 2 und 3

Legende
De Einfügungsdämm-Maß in dB
f Terzmittenfrequenz in Hz

Bild A.2 — Einfügungsdämmung für jeden der drei Messpunkte 1, 2 und 3

20
DIN SPEC 45673-3:2014-04

A.2 Beispiel für die Abhängigkeit der Einfügungsdämmung vom Fahrzeug


Die Messungen erfolgten unter Verwendung von Einsatzfahrzeugen mit dem Ziel einer Vergleichsmessung an
zwei Oberbauformen für zwei unterschiedliche Fahrzeugtypen. Es zeigte sich, dass die Fahrzeuge am selben
Oberbau unterschiedliche Schwinggeschwindigkeitspegel hervorrufen. Dies wirkt sich auf die Einfügungs-
dämmung aus. Die Messbedingungen waren:

Einsatzfahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h,

Messung der Schwinggeschwindigkeit an drei Bordsteinmesspunkten,

Mittelwertbildung aus mehreren Vorbeifahrten und über die drei Bordsteinmesspunkte,

Einfügungsdämmung für beide Fahrzeuge ermittelt.

Die Bilder A.3 und A.4 zeigen die mittleren Schwinggeschwindigkeitspegel sowie die sich ergebende Ein-
fügungsdämmung.

a) Fahrzeugtyp 1 b) Fahrzeugtyp 2
Legende
Lv Schwinggeschwindigkeitspegel in dB 1 Referenzoberbau
f Terzmittenfrequenz in Hz 2 Versuchsoberbau

Bild A.3 — Gemittelte Schwinggeschwindigkeit bei verschiedenen Fahrzeugtypen

21
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Legende
De Einfügungsdämm-Maß in dB
f Terzmittenfrequenz in Hz

Bild A.4 — Einfügungsdämmung für jeden der beiden Fahrzeugtypen 1 und 2

A.3 Beispiel einer Messung mit punktförmiger Ersatzanregung


Bei der im Folgenden beschriebenen Messung wurde die Einfügungsdämmung eines auf Einzellagern
gelagerten Masse-Feder-Systems (MFS) mit Hilfe künstlicher Stoßanregung ermittelt. Als Referenzoberbau
wurde die Feste Fahrbahn gewählt, sodass als Referenz näherungsweise die Anregung auf der Tunnelsohle
genutzt werden konnte, d. h. die Messung fand unter folgenden Randbedingungen statt:

Impulsförmige Stoßanregung mit Kraftmessung,

Anregung sowohl auf der Fahrbahnplatte als auch auf dem Sohlbeton,

die Anregung auf der Tunnelsohle erfolgte durch geöffnete Revisions- und Lagerschächte,

Messung an drei verschiedenen Messpunkten (MP): MP1 und MP2 an zwei unterschiedlichen Tübbingen
(Tunnelwand) und MP3 auf der Sohle,

Auswertung der Übertragungsfunktion aus mehreren Impulsen (Stoßanregung),

Einfügungsdämmung für jeden Messpunkt und anschließende Mittelwertbildung.

Das Einfügungsdämm-Maß wurde für jeden Messpunkt nach Formel (A.1) berechnet:

De( fTn) = [Lv1( fTn) – LF1( fTn)] – [Lv2( fTn) – LF2( fTn)] (A.1)

Dabei ist

LFi( fTn) der Kraftpegel als Terzspektrum auf der Sohle (i = 1) bzw. auf dem MFS (i = 2);

Lvi( fTn) der Schwinggeschwindigkeitspegel als Terzspektrum am Tübbing bei Anregung auf der Sohle
(i = 1) bzw. auf dem MFS (i = 2).

22
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Die Prinzipskizze in Bild A.5 verdeutlicht das Verfahren.

Bild A.5 — Prinzipskizze zur Ermittlung der Einfügungsdämmung des Masse-Feder-Systems


gegenüber der Tunnelsohle

Die Bilder A.6 bis A.8 zeigen die Terzpegel der Übertragungsadmittanzen bei Stoßanregung, die zugehörigen
Kohärenzen zur Überprüfung der Güte der Übertragungsadmittanzen sowie die sich ergebende Einfügungs-
dämmung für jeden der drei Messpunkte.

a) MFS b) Tunnelsohle
Legende
LY Pegel der Übertragungsadmittanz in dB
f Terzmittenfrequenz in Hz

Bild A.6 — Übertragungsadmittanz für die drei Messpunkte 1, 2 und 3

23
DIN SPEC 45673-3:2014-04

a) MFS b) Tunnelsohle
Legende
Kohärenz
f Frequenz in Hz

Bild A.7 — Kohärenz für die drei Messpunkte 1, 2 und 3

Legende
De Einfügungsdämm-Maß in dB 1, 2, 3 Messpunkte
f Terzmittenfrequenz in Hz 4 Mittelwert

Bild A.8 — Resultierende Einfügungsdämmung des MFS gegenüber der Tunnelsohle

24
DIN SPEC 45673-3:2014-04

A.4 Beispiel einer Messung während Zugvorbeifahrten mit Untergrundkorrektur


Bei diesem Beispiel wurde die Einfügungsdämmung eines auf Streifen gelagerten Masse-Feder-Systems
(MFS) in einem Tunnel anhand von Zugvorbeifahrten bestimmt. Im Links/rechts-Verfahren wurden zwei
Gleisoberbauten miteinander verglichen. Der Referenzoberbau war eine Feste Fahrbahn. Beide Messungen
wurden unter folgenden Randbedingungen durchgeführt:

ein Referenzquerschnitt MQRef (Bereich ohne MFS),

zwei untersuchte Messquerschnitte MQPrüf1 und MQPrüf2 (Bereich mit MFS),

Messung der Schwinggeschwindigkeit an einem Tübbing (Tunnelwand) an drei verschiedenen Messquer-


schnitten,

Messung während Zugvorbeifahrten mit konstanter Fahrgeschwindigkeit,

jede Zugvorbeifahrt wurde an allen Querschnitten gleichzeitig aufgezeichnet,

die Einfügungsdämmung wurde aus jeder einzelnen Zugvorbeifahrt ermittelt und anschließend gemittelt.

Vor Einbau des MFS wurde die Übertragungsadmittanz an allen Messquerschnitten messtechnisch mittels
mehrfacher impulsförmiger Stoßanregung ermittelt:

a) Die Anregung erfolgte auf der Tunnelsohle;

b) Messung am Tübbing (Tunnelwand) an exakt gleichen Messpunkten.

In Bild A.9 a) ist die Schwinggeschwindigkeit am Referenzquerschnitt MQRef (Fahrbahn ohne MFS) für fünf
Vorbeifahrten dargestellt.

In Bild A.9 b) sind die Mittelwerte der Schwinggeschwindigkeit aller drei Messquerschnitte gegenübergestellt
(Referenzmessquerschnitt MQRef, untersuchte Messquerschnitte MQPrüf1 und MQPrüf2).

a) Schwinggeschwindigkeit am Referenz- b) Mittelwert der Schwinggeschwindigkeit an den


querschnitt MQRef (Fahrbahn ohne MFS) für fünf drei Messquerschnitten (MQRef im Bereich ohne
Zugvorbeifahrten 1 bis 5 sowie der Mittelwert 6 MFS und MQPrüf1, MQPrüf2 im Bereich mit MFS)
Legende
Lv Schwinggeschwindigkeitspegel in dB 1 MQRef 2 MQPrüf1 3 MQPrüf2
f Terzmittenfrequenz in Hz
Bild A.9 — Gemessene Schwinggeschwindigkeit

25
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Die Einfügungsdämmung wurde nach Formel (A.2) berechnet:

De( fTn) = [Lv1( fTn) – LY1( fTn)] – [Lv2( fTn) – LY2( fTn)] (A.2)

Dabei ist

LYi( fTn) der Pegel der Übertragungsadmittanz des Untergrunds am Referenzquerschnitt (i = 1) und am
untersuchten Messquerschnitt (i = 2);

Lvi( fTn) der Schwinggeschwindigkeitspegel als Terzspektrum bei Zugvorbeifahrt am Referenzquerschnitt


(i = 1) und am untersuchten Messquerschnitt (i = 2).

Bild A.10 a) zeigt für alle drei Messquerschnitte die zugehörige Übertragungsadmittanz des Untergrunds
LYi( fTn), die unter punktförmiger Stoßanregung ermittelt wurde. Es wird deutlich, dass MQPrüf2 und MQRef
annähernd gleiche Übertragungsadmittanzen aufweisen. Eine Korrektur des Einflusses des Untergrunds ist
hier nicht nötig. Dagegen weicht MQPrüf1 um bis zu 10 dB von der Übertragungsadmittanz des Referenz-
querschnitts ab. Hier ist eine Berücksichtigung der unterschiedlichen Admittanzen sinnvoll und daher
anzuraten. Im vorliegenden Beispiel wurde näherungsweise die unter punktförmiger Anregung ermittelte
Übertragungsadmittanz verwendet.

Bild A.10 b) zeigt schließlich für die Messquerschnitte MQPrüf1 und MQPrüf2 die resultierende Einfügungs-
dämmung gegenüber dem Referenzquerschnitt MQRef mit Berücksichtigung der Übertragungsadmittanz des
Untergrunds.

a) Übertragungsadmittanz LYi( fTn) des Unter- b) Resultierende Einfügungsdämmung mit


grunds an den drei Messquerschnitten 1 bis 3 Berücksichtigung der Übertragungsadmittanz
(die Nummern sind in Bild A.9 b) erläutert) des Untergrunds

Legende
LY Pegel der Übertragungsadmittanz in dB 1 Einfügungsdämmung zwischen MQRef und MQPrüf1
De Einfügungsdämm-Maß in dB 2 Einfügungsdämmung zwischen MQRef und MQPrüf2
f Terzmittenfrequenz in Hz

Bild A.10 — Ergebnisse

26
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Anhang B
(informativ)

Vergleich von Einfügungsdämmung und Durchlässigkeit

B.1 Mathematische Darstellung


Vielfach wird fälschlicherweise zur Beurteilung der schwingungsmindernden Wirkung eines Oberbaus die
messtechnisch ermittelte Durchlässigkeit Lv verwendet. Wie schon in 3.1 beschrieben, ist das Ergebnis einer
derartigen Messung nicht mit der Einfügungsdämmung De vergleichbar. Hier bedarf es einer weitergehenden
Interpretation der Messergebnisse. Daher ist in dieser Norm diese Messung nicht vorgesehen

Die folgend dargestellten Rechenansätze verdeutlichen die zu erwartenden Unterschiede der Kenngrößen
Durchlässigkeit und Einfügungsdämm-Maß eines Oberbaus. Die Rechenfunktionen gelten für den einfachen
in Bild B.1 gezeigten krafterregten Einmassenschwinger. Für einen über ein Rauheitsband erregten Radsatz
können ähnliche Beziehungen hergeleitet werden. Als Anregung wird eine harmonische (über der Zeit
sinusförmige) Kraft angesetzt.

Legende

1 Masse mit der Impedanz Z m " j ! m

2 Feder mit der Impedanz ZF " s /(j ! )

3 Fundament mit der Impedanz Z1 " F1 / v1

Bild B.1 — Betrachtetes mechanisches System

Die Größen F und v stellen die (komplexen) Amplituden dar. Als zusätzliches über die Kenngrößen zu
beschreibendes Element wird hier die Feder mit der Federimpedanz ZF betrachtet. Es ergibt sich für die
genannten Größen:

v02 2 2
Lv " 10 lg dB " 10 lg 1 $ Z1 / Z F dB " 10 lg 1 $ j (2# f )Z1 / s dB (B.1)
v12

2 2
F02 Z Z (2# f ) 2 m j (2# f ) m
L F " 10 lg dB " 10 lg 1 $ m $ m dB " 10 lg 1 % $ dB (B.2)
F12 ZF Z1 s Z1

27
DIN SPEC 45673-3:2014-04

2 2
Z1 Z m (2 f )2 m Z1
De # 10 lg 1 ! dB # 10 lg 1 " dB (B.3)
Z F ( Z1 ! Z m ) s Z1 ! j (2 f ) m

Es zeigt sich, dass zwischen den Größen ein erheblicher Unterschied bestehen kann. Ist z. B. die Impedanz
Z1 des Fundaments erheblich größer als die Federimpedanz ZF, so kann die Durchlässigkeit $Lv wesentlich
höher als die Einfügungsdämmung De sein. Dieser Vergleich verdeutlicht, dass die Durchlässigkeit nicht mit
der Einfügungsdämmung zu vergleichen ist.

B.2 Rechenbeispiel

B.2.1 Aufgabenstellung

Zur Verdeutlichung wird im folgenden Beispiel die Durchlässigkeit mit der Einfügungsdämmung quantitativ
verglichen.

Bei einer Festen Fahrbahn (FF) nach Bild B.2 a) waren die Messorte die Betonplatte und die Schiene, bei
dem Masse-Feder-System (MFS) in Bild B.2 b) waren die Messorte der Untergrund und die Schiene. Jedes
System wurde mit Ersatzanregung (Hammerschlag) angeregt.

a) Feste Fahrbahn b) Masse-Feder-System

Legende

1 Ersatzanregung 3 Platte

2 Schiene 4 Untergrund
a
Messung der Schwinggeschwindigkeit 5 Unterbeton

Bild B.2 — Orte der Anregung und Messung

B.2.2 Vorgehensweise

% Ermittlung der Durchlässigkeit mit einem numerischen Modell, wobei linear-elastisches Materialverhalten
angenommen wurde.

% Bildung der Pegeldifferenzen zwischen den Referenz- und den Versuchsanordnungen (Variation der
Stützpunktsteifigkeit, d. h. der Steifigkeit der Zwischenplatten Zwp).

% Variation der Stützpunktsteifigkeit bei der Festen Fahrbahn (Referenz ist die FF mit 22,5 kN/mm bzw.
45 kN/mm Stützpunktsteifigkeit), siehe Bilder B.3 und B.4.

% Variation der Abstimmfrequenz beim MFS (Referenz ist die FF mit 22,5 kN/mm Stützpunktsteifigkeit),
siehe Bild B.5.

28
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Legende

Y Einfügungsdämm-Maß De in dB bzw. Durchlässigkeit Lv in dB

1 Radsatzoberbauresonanz der Referenz ————— Einfügungsdämmung

2 Radsatzoberbauresonanzen der Varianten — — — — Durchlässigkeit

Bild B.3 — FF-Referenz mit Stützpunktsteifigkeit 22,5 kN/mm und


Variation der Stützpunktsteifigkeit 12,5 kN/mm und 17,5 kN/mm

ANMERKUNG Die Eigenfrequenz der unabgefederten Radsatzmasse auf der vertikalen Steifigkeit des Fahrwegs wird
als Radsatzoberbau-Resonanzfrequenz bezeichnet. Die im Gesamtsystem ebenfalls vorhandene Fahrzeugfederung ist im
Vergleich zur Steifigkeit des Fahrwegs so weich, dass sie vernachlässigt werden kann.

Die Radsatzoberbauresonanz stellt eine wesentliche Systemkenngröße bei der Betrachtung von Schwingungsemissionen
dar.

29
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Legende

Y Einfügungsdämm-Maß De in dB bzw. Durchlässigkeit Lv in dB

————— Einfügungsdämmung

— — — — Durchlässigkeit

Bild B.4 — FF-Referenz mit Stützpunktsteifigkeit 45 kN/mm und


Varianten mit Stützpunktsteifigkeit 12,5 kN/mm, 17,5 kN/mm und 22,5 kN/mm

30
DIN SPEC 45673-3:2014-04

Legende

Y Einfügungsdämm-Maß De in dB bzw. Durchlässigkeit Lv in dB

1 kleine Modulation bei Radsatzoberbauresonanz der Referenz ————— Einfügungsdämmung

2 Abstimmfrequenzen des MFS — — — — Durchlässigkeit

Bild B.5 — FF-Referenz mit Stützpunktsteifigkeit 22,5 kN/mm und schotterloses MFS
mit verschiedenen Abstimmfrequenzen bei gleicher Zwp

B.2.3 Ergebnisse
Bei linearem Verhalten der elastischen Elemente gilt:

! Die Durchlässigkeit zeigt tieffrequent die quasistatische Einsenkungsdifferenz.

! Hochfrequent (weit oberhalb der Abstimmfrequenz), wenn sich bei der FF die Schiene bzw. beim MFS
die Platte als reiner Wellenleiter verhält, stimmt die Durchlässigkeit mit der Einfügungsdämmung überein.

! Beim MFS setzt die Übereinstimmung von Durchlässigkeit und Einfügungsdämmung etwa bei der
doppelten Abstimmfrequenz ein, abgesehen von der kleinen „Modulation“ im Bereich der Radsatz-
oberbauresonanz der Referenz.

! Bei der FF setzt die Übereinstimmung von Durchlässigkeit und Einfügungsdämmung näherungsweise
direkt bei der Abstimmfrequenz (der leeren Schiene) ein.

! Bei der FF wird im mittleren Frequenzbereich die Einfügungsdämmung von den jeweiligen Radsatz-
oberbau-Resonanzfrequenzen geprägt. Dieses Verhalten lässt sich mit der Durchlässigkeit nicht abbilden.

! Tief- und mittelfrequent suggeriert die Durchlässigkeit eine viel zu hohe Dämmwirkung, da insbesondere
die Resonanzverstärkung nicht abgebildet wird.

Damit ist die Durchlässigkeit nicht geeignet, die Einfügungsdämmung wiederzugeben.

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Anhang C
(informativ)

Beispiele von Versuchsaufbauten mit Ersatzanregung

C.1 Beispiel eines Versuchsaufbaus mit großer Fallmasse


Siehe dazu 4.1.2.

Bild C.1 — Beispiel eines Versuchsaufbaus mit großer Fallmasse

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

C.2 Beispiel eines Versuchsaufbaus mit Rüttelplatte


Siehe dazu 4.1.4.

Bild C.2 — Beispiel eines Versuchsaufbaus mit Rüttelplatte,


die fest auf der Unterkonstruktion montiert ist

C.3 Beispiel 1 eines Versuchsaufbaus mit harmonischem Erreger


Siehe dazu 4.1.3. Der regelbare, von einem Bagger gehaltene hydraulisch angetriebene Unwuchtrüttler leitet
die Kraft über ein Stahlgestell in den Oberbau ein. Das Stahlgestell enthält eine Kraftmesseinrichtung.

Bild C.3 — Beispiel eines Versuchsaufbaus mit harmonischem Erreger auf einer Tunnelsohle

33
DIN SPEC 45673-3:2014-04

C.4 Beispiel 2 eines Versuchsaufbaus mit harmonischem Erreger


Siehe dazu 4.1.3.

Bild C.4 — Beispiel eines 4-Wellen-Unwuchterregers mit Kraftmesseinrichtung

34
DIN SPEC 45673-3:2014-04

C.5 Beispiel 3 eines Versuchsaufbaus mit harmonischem Erreger und Vorlast


Siehe dazu 4.1.3.

Legende
1 Vorlast 7 Prüfkörper Unterschottermatte
2 hochelastische Elemente 8 Sohlplatte
3 Unwuchterreger mit Trägerrost, 9 Maueranker
Gesamtmasse entsprechend der 10 entkoppelter Antrieb des Unwuchterregers
unabgefederten Radsatzmasse
MO 1 Messort am Schienenkopf
4 Gleisrost
MO 2 Messort am Schwellenkopf
5 Schotter
MO 3 Messort auf der Bauwerkssohle
6 Seitenmatte
MO 4 Messort an Bauwerkswänden

Bild C.5 — Beispiel eines Versuchsaufbaus mit Unwuchterreger

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

C.6 Beispiel 4 eines Versuchsaufbaus mit harmonischer Erregung und Vorlast


Siehe dazu 4.1.3.

Bild C.6 — Beispiel eines hydraulischen Schwingerregers mit Kraftmesseinrichtung

Bild C.7 — Beispiel des Einsatzes des hydraulischen Schwingerregers mit 30 t dynamisch
entkoppelter Vorlast durch zwei Zweiwegebagger

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

C.7 Beispiel eines fahrbaren hydraulischen Schwingerregers mit Vorlast


Siehe dazu 4.1.3.

Bild C.8 — Beispiel eines fahrbaren hydraulischen Schwingerregers mit Vorlast

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DIN SPEC 45673-3:2014-04

Literaturhinweise

[1] Müller, G., Möser, M. (Hrsg.) Taschenbuch der Technischen Akustik. Springer, Berlin, 3. Aufl. 2004,
Kapitel 17: Geräusche und Erschütterungen aus dem Schienenverkehr

[2] Lenz, U. Beurteilung elastischer Oberbauformen – Durchführung von Messungen im Betriebsgleis zum
Nachweis der emissionsmindernden Wirkung elastischer Oberbausysteme. Verkehr + Technik, Heft 11,
2010

[3] Mistler, M., Heiland, D. Erschütterungsprognose mit Hilfe künstlicher Anregungsmethoden. VDI-Berichte
Nr. 2063, 2009, S. 13-28

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