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Hafenstädte im Netzwerk britischer Weltherrschaft (Nissel)

Hafenstädte im Netzwerk britischer Weltherrschaft

Inhaltsübersicht
• Doppelfunktion der Hafenstädte – Anker und Knoten im kolonialen Netzwerk
• Die Frühphase – Europäische Rivalität und Merkantilismus
• Konsolidierung und Niedergang der East India Company
• Ausschaltung des indischen Widerstands und Glanzzeit des Imperialismus
• Herrschaft des British Empire zu Lande und zur See
• Hafenstädte und Eisenbahnen – Knoten und Netzwerke der Macht
• Bombay/Mumbai – von der britischen Hafenstadt zur indischen Megacity

Stadtentwicklung am Indischen Subkontinent während der Vorherrschaft des


Kolonialismus (1498 – 1947)

Der Verstädterungsprozess in der Kolonialzeit führte zu einer grundlegenden Veränderung


des Städtesystems. Zunächst erfolgte im Zeitalter des Merkantilismus ein Festsetzen
europäischer Mächte in kleinen Faktoreien an der Küste, die zuerst nur für den Austausch von
Handelsgütern gedacht waren. In einer zweiten Phase dürfen diese Umschlagplätze von
Truppen europäischer Mächte „geschützt“ werden. Es kommt zu einem Wettlauf, bei dem die
Briten sukzessive Franzosen, Holländer und Portugiesen ausschalten und die legendäre East
India Company (gegr. 1600) mit der schrittweisen Eroberung des Subkontinents beginnt. Mit
dem Niedergang der EIC übernimmt ab 1833 die britische Krone direkt das „Juwel“ des
größten Imperiums aller Zeiten, Indien. Beherrschung und Ausbeutung erfolgen über
Zerschlagung des indischen Handwerks und der Heimindustrie, Zwang zur Abnahme
englischer Industrieprodukte, Plantagenwirtschaft, politische und militärische Dominanz.
Das Städtesystem wird, um den kolonialen Interessen zu dienen, umgepolt auf eine
Aussenorientierung. Die Durchdringung des Subkontinents erfolgt über neu gebaute
Hafenstädte und die sie verbindenden Bahnlinien (Calcutta, Bombay, Madras, Colombo,
Karatchi). Im Binnenland werden neue Städte an ältere vorhandene in räumlicher Isolation
angegliedert. Dabei stehen die Cantonments (Militärstädte) und Civil Lines ( Verwaltung)
zunächst noch räumlich voneinander getrennt. Zusätzlich erfolgt die Anlage von Hill Stations.
In allen diesen Formen breitet sich britische Lebensart aus: Anglikanische Kirchen,
Bungalows, Clubs, Pferderennbahnen, Polo Grounds, Seen usw.
Ab Mitte des 19. Jhdts kommt es zur Verschmelzung britischer und indischer Architekturstile.
Bereits in der Phase des Niedergangs werden 1931 die Monumentalbauten von New Delhi
eröffnet. Die „Prachtbauten“ der Kolonialzeit prägen bis heute die Kernräume der großen
Metropolen Südasiens.

Die Engländer in Indien pflegten einen ausgesprochenen Bekleidungskult, der wie die
Wohnform, die Sprachgewohnheiten, der Lebensstil usw. ihre besondere Identität sowohl
gegenüber Indern, als auch gegenüber Briten und anderen Europäern dokumentieren sollte.
Ihre Kopfbedeckungen waren so ausgefallen, dass Europäer in Indien selbst heute noch
gelegentlich Toppe-Wallah („Hutmensch“) genannt werden.