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19 Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können; [op 132]

20 denn sonst würde etwas in mir vorgestellt werden, was gar nicht gedacht
21 werden könnte, welches eben so viel heißt als: die Vorstellung würde entweder
22 unmöglich, oder wenigstens für mich nichts sein. Diejenige Vorstellung,
23 die vor allem Denken gegeben sein kann, heißt Anschauung.
24 Also hat alles Mannigfaltige der Anschauung eine nothwendige Beziehung
25 auf das: Ich denke, in demselben Subject, darin dieses Mannigfaltige
26 angetroffen wird. Diese Vorstellung aber ist ein Actus der Spontaneität,
27 d. i. sie kann nicht als zur Sinnlichkeit gehörig angesehen werden.
28 Ich nenne sie die reine Apperception, um sie von der empirischen
29 zu unterscheiden, oder auch die ursprüngliche Apperception, weil sie
30 dasjenige Selbstbewußtsein ist, was, in dem es die Vorstellung: Ich denke,
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01 hervorbringt, die alle andere muß begleiten können und in allem Bewußtsein
02 ein und dasselbe ist, von keiner weiter begleitet werden kann. Ich
03 nenne auch die Einheit derselben die transscendentale Einheit des
04 Selbstbewußtseins, um die Möglichkeit der Erkenntniß a priori aus ihr
05 zu bezeichnen. Denn die mannigfaltigen Vorstellungen, die in einer gewissen
06 Anschauung gegeben werden, würden nicht insgesammt meine
07 Vorstellungen sein, wenn sie nicht insgesammt zu einem Selbstbewußtsein
08 gehörten, d. i. als meine Vorstellungen (ob ich mich ihrer gleich nicht als
09 solcher bewußt bin) müssen sie doch der Bedingung nothwendig gemä
10 sein, unter der sie allein in einem allgemeinen Selbstbewußtsein zusammenstehen [op 133]
11 können, weil sie sonst nicht durchgängig mir angehören würden.
12 Aus dieser ursprünglichen Verbindung läßt sich vieles folgern.