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Philosophie der Zeit


aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Begriff Zeit bezeichnet in der Philosophie die vom


menschlichen Bewusstsein wahrgenommene Form der Veränderungen
oder der Abfolge von Ereignissen. Diese Veränderungen
begründen den Eindruck einer „Richtung der Zeit“. Bestimmungen
des Wesens der Zeit wurden von Philosophen wie etwa Platon,
Aristoteles, Augustinus, Leibniz, Kant oder Bergson in
unterschiedlicher Weise vorgenommen.

Inhaltsverzeichnis
1 Allgemein
2 Geschichte
3 Zeitbewusstsein
3.1 Entwicklung
3.2 Chronobiologie
3.3 Identität
3.4 Gegenwartsbewusstsein
3.5 Zeitbewusstsein und Seele
4 Siehe auch
5 Literatur
6 Weblinks
7 Fußnoten Tizian, „Allegorie der Zeit“ -
Allegorische Darstellung des
Verhältnisses von Vergangenheit,
Allgemein Gegenwart und Zukunft und zugleich der
Lebensalter: Der Greis (Vergangenheit)
Unsere Alltagserfahrung lässt uns vermuten, dass Zeit auch blickt zurück, der Jüngling (die Zukunft)
unabhängig von bewusst wahrgenommenen Objekten und ihrer nach vorne; nur der Mann (die Gegenwart)
Veränderlichkeit existiert. Das Problem der Zeitvorstellung
hat sein Gesicht dem Betrachter
war deshalb schon immer mit der Frage verknüpft, ob sie erst
durch eine spezielle Anschauung im menschlichen Bewusstsein zugewandt.
'erschaffen' wird oder unabhängig davon objektiv gegeben ist.
Die Beantwortung dieser Frage war jahrtausendelang ausschließlich eine Angelegenheit der Philosophie,
Theologie und Mystik. Wichtige Erkenntnisse dazu erbringen mittlerweile aber auch die Physik, Astronomie,
Neurologie, Chronopsychologie, Chronobiologie und andere Wissenschaften.

Die Frage nach der Existenz der Zeit ist allerdings selbst schon problematisch, denn es ist schwierig
anzugeben, was der Existenz-Begriff in Bezug auf die Zeit bedeuten soll. Neuere Erkenntnisse der
Hirnforschung, Molekularbiologie und Psychologie legen den Schluss nahe, dass Wahrnehmung, Gedankenprozesse,
Erinnerungen, Zeitgefühl und Bewusstsein im Menschen so eng miteinander verknüpft sind, dass sie im Erleben
normalerweise nicht getrennt werden können. Zeitgefühl, Gedanken und das menschliche Bewusstsein erscheinen
also nur gemeinsam. In einer subjektivistischen Auffassung würden denn Zeit und Zeitgefühl eng zusammen
rücken. Die Vorstellung einer objektiven Zeit wäre hier dann nur die Vorstellung einer Identität, die auf
Erinnerungen basiert und nach Sicherheit und Kontinuität strebt.

Geschichte
Die ersten systematischen Gedanken über die Zeit sind uns von Platon überliefert. Für ihn sind nur die
ewigen Ideen das eigentlich Seiende (Ideenlehre). Die Formen, die uns in Raum und Zeit erscheinen, sind
dagegen nur bewegte Abbilder davon. Er verschiebt damit die Frage nach der Zeit auf die Frage nach dem Sein.
Zeit ist bei ihm nur noch ein Ausdruck, ein Abbild der Ewigkeit, des ewigen Seins.

Für Aristoteles ist der Zeitbegriff untrennbar an Veränderungen gebunden. Veränderungen geschehen in der
Zeit, aber von der Zeit selbst gilt das nicht. Sie selbst ist keine Bewegung, sondern das Maß jeder
Bewegung. „Wir messen nicht nur die Bewegung mittels der Zeit, sondern auch mittels der Bewegung die Zeit
und können dies, weil sich beide wechselseitig bestimmen“ (Phys. IV 12, 220b 14-16). Er geht aber nicht
soweit, die Zeit auf eine reine Maßeinheit im modernen Sinn zu reduzieren. So war Aristoteles der
Auffassung, dass sich die Zeit in unendlich viele Zeitintervalle einteilen lässt. Damit hat er die
Vorstellung eines Kontinuums von Raum und Zeit vertreten. Obwohl es heutzutage Überlegungen in Richtung
einer diskreten Struktur der Zeit gibt, werden diese Kontinuumstheorien bis heute der Physik zugrunde
gelegt.

Nach Augustinus' Confessiones sind Vergangenheit und Zukunft nur Erinnerungen bzw. Erwartungen in der
Gegenwart. Wir könnten das Ewige nur in der Erscheinungsform des Nacheinander erfassen. Wie bei Aristoteles
ist bei Augustinus Zeit (und Raum) untrennbar von der Welt und den Veränderungen, sie „entstand“ erst durch
die Schöpfung, d. h. Gottes Erschaffung der Welt. Die Zeit (und der Raum) existiert insbesondere im
geschöpflichen, d. h. vor allem im menschlichen Bewusstsein. Für Gott ist dagegen alles eine Gegenwart. Bei
Augustinus erfolgt auch erstmals eine Unterscheidung zwischen einer physikalisch exakten Zeit, die mit Hilfe

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von Zeitmessgeräten bestimmt wird, und einer psychologisch-erlebnisbezogenen Zeit, die Zugang zu subjektiven
und alltäglichen Interpretationen findet.[1]

Für Isaac Newton bilden die Zeit und der Raum die „Behälter“ für Ereignisse, sie sind für ihn ebenso real
und mit Eigenschaften ausgezeichnet wie die Objekte. Er definierte die Zeit mit den Worten: „Zeit ist, und
sie tickt gleichmäßig von Moment zu Moment.“[2] Im Gegensatz dazu hat Leibniz behauptet, dass Zeit und Raum
nur gedankliche Konstruktionen sind, um die Beziehungen zwischen Ereignissen zu beschreiben. Aus seiner
Sicht gibt es damit kein „Wesen“ und keinen Fluss der Zeit. Er definiert die Zeit so: „Die Zeit ist die
Ordnung des nicht zugleich Existierenden. Sie ist somit die allgemeine Ordnung der Veränderungen, in der
nämlich nicht auf die bestimmte Art der Veränderungen gesehen wird.“.[3]

Innerhalb der Wissenschaft hat sich Newtons Auffassung durchgesetzt. Der große Vorteil davon ist die
Möglichkeit, Zeit und Raum unabhängig von einem realen Bezugspunkt und ohne konkreten Beobachter beschreiben
zu können. Ernst Mach hat den idealisierten Modell-Charakter einer solchen Abstraktion kritisiert und
gefolgert, dass alle Dinge und Prozesse nur voneinander abhängig sind und nicht von einer „transzendenten“
Zeit. Für die moderne Physik ist die Krümmung des Objektes „Raumzeit“ nicht verschieden von Eigenschaften
wie Masse oder Ausdehnung eines beliebigen anderen Objektes.

Für Immanuel Kant ist die Zeit ebenso wie der Raum eine „reine Anschauungsform“ und zwar die des inneren
Sinnes. Sie ist unser Zugang zur Welt, gehört also zu den subjektiv-menschlichen Bedingungen der
Welterkenntnis und ist somit die besondere Form, die das menschliche Bewusstsein den Sinneseindrücken
verleiht. Wir können uns aus unserer Erfahrung die Zeit nicht wegdenken, da sie eben selbst eine Art und
Weise unserer Anschauung (Wahrnehmung) ist. Zwar kommt sie nicht einer - wie auch immer gearteten - Welt an
sich zu, dennoch wird der Zeit eine empirische Qualität zugeschrieben. So werden Zeitmessungen benutzt, um
zu quantifizieren, wie weit entfernt Ereignisse voneinander stattfinden.

In seinem Hauptwerk „Sein und Zeit“ betrachtet Martin Heidegger die Zeitlichkeit als die zutiefst das
Menschsein prägende Wirklichkeit. Die menschliche Existenz, das Dasein wird von Heidegger verstanden als
faktisches Schon-sein-in der Welt, das durch seine Ausrichtung auf die Zukunft (Sich-vorweg-Sein) im
Ergreifen der eigenen Möglichkeiten sein eigenes Seinkönnen bestimmt. Die Stimmung der Angst erschließt dem
Menschen sein In-der-Welt-sein: der Mensch kommt ohne sein eigenes Hinzutun in die Existenz und hat diese
nun zu übernehmen, indem er Entscheidungen trifft. Das Ende alles Ergreifens von Möglichkeiten stellt der
Tod dar. Angesichts des Todes ergibt sich für den Menschen ein endlicher Entscheidungsspielraum. Es ist
daher für Heidegger die Zeitlichkeit des konkreten Daseins, das in seiner Existenz für sich und andere sorgt
und aus welcher sich erst die rechnerische Zeit ergibt. Dasein rechnet mit Zeit, weil es in seiner eigenen
Endlichkeit für sich Sorge zu tragen hat. Zu einer wirklichen Ausarbeitung des Begriffs der Zeit aus der
Zeitlichkeit des Daseins kommt es jedoch in dem Fragment gebliebenen Werk „Sein und Zeit“ nicht mehr.

Die neuere Philosophie geht inzwischen von einer Unterscheidung absoluter Zeit-Bestimmungen (sog. A-Reihe,
z. B. vergangen, gegenwärtig, zukünftig), wie bei Augustinus, und relativer Zeit-Bestimmungen (sog. B-Reihe,
z. B. früher als, gleichzeitig, später als), wie bei Kant und den modernen Naturwissenschaften, aus.
Aufbauend auf diesen Zeitreihen hat John McTaggart die Unwirklichkeit der Zeit gelehrt. Seine Ausführungen
sollen zeigen, dass jede Veränderung als eine Bewegung von Ereignissen von der Zukunft zur Gegenwart in die
Vergangenheit beschrieben werden kann. Diese Veränderungen seien aber weder Teil der Ereignisse, noch eine
Relation zwischen ihnen. Er kommt zu dem Schluss, dass auch die Zeitreihen selbst, in denen die
Veränderungen stattfinden, nicht existieren.

Nachdem mit Hilfe der Philosophie der Sprache Argumente dafür geliefert wurden, dass Begriffe der einen
Zeitreihe nicht in Begriffe der anderen übersetzt werden können, gibt es demnach drei mögliche Versionen für
die Begründung der B-Reihe (tenseless theory; beinhaltet keine indexikalische Zeitbestimmung): eine
zeichenanalytische (token-reflexive), eine Version auf Basis der Zeitpunkte (date version) und eine neuere
Version der Satztypen (sentence-type).

Zeitbewusstsein
Zeitbewusstsein ist ein Bewusstseinszustand, in dem die Welt und das eigene Leben in einem zeitlich
abstrakten Rahmen erfahren wird.

Entwicklung

Der Zeitbegriff ist als eine spezifisch menschliche Vorstellung stark an die menschliche Form des
Bewusstseins gebunden und nach gängiger Auffassung durch die Evolution entstanden. Tiere können zwar in
ihrem Verhalten auf vergangene oder zukünftige Ereignisse Bezug nehmen. Es gibt aber keine Anhaltspunkte
dafür, dass sie eine Vorstellung von Vergangenheit oder Zukunft selbst haben. Stephen Jay Gould beschreibt
die unterschiedlichen Lebenszyklen der Tiere (Lebenszeit und Lebensgeschwindigkeit), wenn man sie relativ zu
ihrer physischen Größe und nicht zu einer absoluten Zeit betrachtet, als „erstaunlich gleichmäßig“.

Das Zeitbewusstsein entwickelt sich beim Kind in einem mehrstufigen Prozess. Der Säugling lebt noch
vollständig in der Gegenwart. Nach Heinrich Roth entwickelt sich das Zeitbewusstsein von der „Phase des
naiven Zeiterlebens“ beim Kleinkind, über die „Phase des Zeitwissens“, die ab dem Schulalter beginnt, hin
zur „Phase der Zeiterfahrung und Zeitreflektion“.

Chronobiologie

In der Chronobiologie gilt das Zeitgefühl als ein Produkt von neuronalen Aktivitäten und
Stoffwechselvorgängen. Der Zeitbegriff in der Biologie basiert auf rhythmischen, periodischen Abläufen in
der Natur und den Lebewesen. Der Physikochemiker Ilya Prigogine postuliert eine Eigenzeit für jedes

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Lebewesen, die durch zyklische Prozesse „selbst“ erzeugt wird. So würden alle Eindrücke, die das Gehirn
verarbeitet, über eine Periode von 30 bis 40 Millisekunden „gesammelt“ und als ein Ereignis interpretiert.
Der Eindruck eines stetigen Übergangs der Ereignisse werde dagegen mit der Integration dieser Informationen
in der so genannten Gegenwartsdauer von drei Sekunden in Verbindung gebracht. Diese „Gegenüberstellung“ von
Ereignissen in der Gegenwartsdauer erzeuge eine Vorstellung von Vergangenem und Zukünftigem und bildet so
das Gefühl von einem „Fließen der Zeit“. Auch der Eindruck eines linearen Ablaufs aller Ereignisse werde von
diesen Prozessen erzeugt.

Aus der Existenz dieser „Systemzustände“ kann aber keine Aussage über das Leib-Seele-Problem, also ob das
Bewusstsein ausschließlich eine Folge neuronaler Prozesse ist oder auch unabhängig vom Gehirn existiert,
abgeleitet werden. Sie scheinen aber zu bewirken, dass Ereignisse (Gedanken oder Wahrnehmungen) und das
Bewusstsein von ihnen in der Entstehung nicht zu trennen sind.

Es existieren auch Tagesrhythmen auf biologischer Basis, die das Gefühl von Zeitdauer in einem größeren
Rahmen erzeugen. Ein Zeitbewusstsein, das durch die Funktion des Langzeitgedächtnisses vermittelt wird,
führt letztlich zum Bewusstsein für Identität.

Identität

Identitätsbewusstsein basiert auf einer Selbstwahrnehmung, die zwischen Ich und Nicht-Ich trennt. Alles
bewusst Erlebte wird vom Erlebenden auf eine subtile Weise getrennt. Auch die Zeit wird aus der Position
eines unveränderlichen „Außenstehenden“ erfahren. Ebenso setzt ein Identitätsbewusstsein Erinnerungen
voraus, die sich im Gedächtnis gebildet haben. Es definiert sich beim Menschen somit normalerweise als ein
Zeitbewusstsein. Vergangenheit ist als begriffliche Größe in Form von Erinnerungen und Urteilen zumindest
unbewusst ständig gegenwärtig. Ähnliches gilt auch für Wunschvorstellungen, die auf die Zukunft gerichtet
sind.

Gegenwartsbewusstsein

Von Zeit und Zeiterfahrung zu sprechen, ergibt vor diesem Hintergrund nur Sinn, wenn man sie im Zusammenhang
mit einer spezifisch menschlichen Form des Bewusstseins betrachtet.

Zeitbewusstsein und Seele

In der Tradition der Philosophia perennis argumentiert der Realismus, dass ein Identitäts- und
Zeitbewusstsein nur dann möglich ist, wenn der menschlichen Wahrnehmung und Erkenntnis eine immaterielle,
nicht-zusammengesetzte Substanz zugrunde liegt. Diese wird geistige Seele oder kurz Geist genannt. Der Geist
garantiere die Kontinuität und Identität der jeweiligen menschlichen Person, obwohl der Leib aufgrund des
Stoffwechsels im Laufe des Lebens mehrfach vollständig 'ausgetauscht' wird. Ebenso sei es nur durch den in
gewisser Weise unveränderlichen Geist möglich, Veränderungen wahrzunehmen, über Veränderungen bzw. Zeit
nachzudenken und sie als solche zu erkennen.

Plotin beschreibt die Möglichkeit in einen Zustand der Zeitlosigkeit einzutreten. Dieser ist bei ihm durch
völlige Selbsterkenntnis, Gegenwärtigkeit und das Loslassen von Wünschen und Zukunftsvorstellungen
gekennzeichnet. Ewigkeit ist für ihn eine raum- und zeitlose Gleichzeitigkeit. Ähnliche Aussagen finden sich
in vielen Schriften von Theologen, Mystikern und der Philosophia perennis wieder. Um die „Gottesgeburt in
der Seele“ zu verwirklichen, so lehrt Meister Eckhart, muss man die Vorstellung von Zeit aus dem
alltäglichen Leben entfernen. Die Erfahrung der Zeitlosigkeit erfordere die Aufgabe der Identifikation mit
Sinneswahrnehmungen, und in einem gewissen Sinne auch mit dem Verstand bzw. Wissen, mithin den Grundlagen
der Alltagserfahrung und Wissenschaften.

Als konkreten Weg dahin empfiehlt der „Philosophenkaiser“ Marc Aurel das Nachdenken über den Tod. Meister
Eckhart lehrt unter anderem die Übung der Achtsamkeit, betont dabei aber, dass das Einüben dieses
Bewusstseinszustandes gewöhnlich nur durch langjährige Übung erreicht wird und vergleicht es mit dem
Erlernen von Lesen und Schreiben. In traditionellen östlichen Weisheitslehren wie dem Zen-Buddhismus haben
diese Übungen eine lange klösterliche Tradition. Hier wird der Wechsel des Identitätsbewusstseins vom
Zeitbewusstsein in das Gegenwartsbewusstsein in verschiedenen Abstufungen beschrieben, letztlich aber als
eine Erleuchtungserfahrung bezeichnet. Aber auch im islamischen Sufismus werden ähnliche Anweisungen für den
„Weg der Derwische“ gegeben. Einig sind sich alle Traditionen darin, dass der Mensch grundsätzlich die
Anlage besitzt, im Gegenwartsbewusstsein zu leben.

Voltaire lehnte in einem seiner Lettres philosophiques diese transzendentale Auslegung des Bewusstseins des
Zeitflusses ab, weil sie ohne Rückgriff auf voraufklärerische, religiös-mystische Argumentation kaum zu
begründen sei. Alleine durch die Reinheit und Klarheit des Denkens und durch Selbstreflexion der Veränderung
der Bewusstseinsinhalte sei es jedoch möglich, sich die Bedeutung der Zeit zu vergegenwärtigen.

Durch die Fülle und Ähnlichkeit der Traditionen und Schriften dazu lässt sich das Phänomen der mystischen
Erfahrung der Zeitlosigkeit zwar phänomenologisch gut beschreiben, eine objektive Deutung gestaltet sich
aber schwierig. Aus psychoanalytischer Sicht ist es entweder eine Regression, ein Rückfall in archaische
Bewusstseinszustände oder eine Bewusstseinsprogression. Für letzteres spricht die Klarheit und Gelassenheit,
mit der die Erfahrung der Zeitlosigkeit einhergeht. Einen theoretischen Rahmen zur Beschreibung und
Einordnung versucht die transpersonale Psychologie zu erstellen. Einige moderne Mystiker gehen sogar soweit,
im Gegenwartsbewusstsein eine neue Evolutionsstufe des Menschen zu sehen.

Was der Zustand des Gegenwartsbewusstseins aber physiologisch bedeuten soll, ist in der Wissenschaft noch
größtenteils ungeklärt. Da hier die persönliche Erfahrung im Vordergrund steht, bleibt es fraglich,
inwieweit sich die modernen empirischen Wissenschaften überhaupt eignen, mehr als nur deskriptive und
statistische Aussagen darüber machen zu können.

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Siehe auch
Chronopsychologie
Homogenität der Zeit
Über die Zeit
Zeitsoziologie
Zeitwahrnehmung

Literatur
Wissenschafts- und Philosophiegeschichte

Kurt Flasch: Was ist Zeit? Augustinus von Hippo. Das XI. Buch der Confessiones. Text - Übersetzung -
Kommentar. Vittorio Klostermann GmbH, Frankfurt/M., 2. Aufl. 2004 (Reihe: Seminar Klostermann).
Richard Sorabji: Time, Creation and the Continuum, London: Duckworth 1983 Umfassende Darstellung von
Zeittheorien von der Antike bis ins Mittelalter, Standardwerk
Walther Ch. Zimmerli/Mike Sandbothe (Hrsg.): Klassiker der modernen Zeitphilosophie, 2. Auflage,
Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007.
Thorsten Streubel: Das Wesen der Zeit. Zeit und Bewusstsein bei Augustinus, Kant und Husserl,
Würzburg 2006.

Kulturgeschichte und Soziologie

Gertrud Bodmann: Jahreszahlen und Weltalter, Zeit- und Raumvorstellungen im Mittelalter, Frankfurt am
Main: Campus 1992. Mit Grundinformationen zur Chronologie
Rudolf Wendorff: Zeit und Kultur. Geschichte des Zeitbewußtseins in Europa. Opladen 1980 Hans-Joachim
Braun: Review (http://www.jstor.org/sici?sici=0040-165X(198204)23%3A2%3C229%3AZUKGDZ%3E2.0.CO%3B2-J)
in: Technology and Culture 23/2 (1982), 229-230
Mike Sandbothe/Walther Ch. Zimmerli (Hrsg.): Zeit-Medien-Wahrnehmung, Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft 1994.
G. J. Whitrow: Die Erfindung der Zeit, Hamburg: Junius 1991, ISBN 3-88506-183-X
Hartmut Rosa: Beschleunigung, Frankfurt/Main: Suhrkamp 2005, ISBN 3-518-29360-5
Armin Nassehi: Die Zeit der Gesellschaft. Auf dem Weg zu einer soziologischen Theorie der Zeit.
Neuauflage mit einem Beitrag ‚Gegenwarten‘. 2. Aufl. VS, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15855-6
Kristóf Nyíri: Zeit und Bild: Philosophische Studien zur Wirklichkeit des Werdens, Bielefeld:
Transcript, 2012, ISBN 978-3-8376-1904-1

Klassiker der Philosophie der Raumzeit

Hans Reichenbach: Philosophie der Raum-Zeit-Lehre. de Gruyter, Berlin & Leipzig 1928. (Neuaufl.
Braunschweig 1977). ISBN 3-528-08362-X

Systematische Darstellungen

David Albert: Time and Chance, Harvard University Press, Boston 2001.
Julian Barbour: The end of time, Paperback Edition, 2000, ISBN 0-7538-1020-4.
Craig Callender (Hg.): Time, reality & experience, Cambridge University Press, Cambridge 2002.
Hans Michael Baumgartner (Hrsg.): Das Rätsel der Zeit. Philosophische Analysen. Alber-Reihe
Philosophie, Freiburg / München 1993. ISBN 3-495-47763-2
Hans Michael Baumgartner (Hrsg): Zeitbegriffe und Zeiterfahrung. Grenzfragen (Naturwissenschaft,
Philosophie, Theologie) Band 21. Alber, Freiburg / München 1994. ISBN 3-495-47799-3
Barry Dainton: Time and space, Montreal u. a.: McGill-Queen's Univ. Press 2001, ISBN 0-7735-2302-2
Andreas Deußer / Marian Nebelin (Hgg.): Was ist Zeit? Philosophische und geschichtstheoretische
Aufsätze, Berlin 2009.
E. Freeman / Wilfried Sellars (Hgg.): Basic Issues in the Philosophy of Time, Open Court Publishing
Company, La Salle 1971.
Robin LePoidevin / Murray MacBeath (Hgg.): The Philosophy of Time, Oxford University Press, Oxford -
New York 1993.
Robin LePoidevin: Wie die Schildkröte Achilles besiegte, Oder: Die Rätsel von Raum und Zeit, Reclam
Verlag, Leipzig 2004, ISBN 3-379-00819-2, dt. Übers. von Travels in four dimensions - the enigmas of
space and time Sehr gut zugängliche Darstellung eines der führenden Experten zum Thema.
Hugh Mellor: Real Time II, Routledge, London 1998.
Thomas Müller (Hg.): Philosophie der Zeit: Neue analytische Ansätze, Vittorio Klostermann 2007, ISBN
3465040457.
L. Nathan Oaklander (Hg.): The Philosophy of Time, 4 Bde., Routledge 2008, ISBN 978-0-415-43727-1.
(versammelt auf 1600 Seiten die wichtigsten Beiträge zum Thema, Inhalt
(http://www.philtimesociety.typepad.com/pts/files/philosophy_time_std.pdf); PDF; 449 kB)
Ewald Richter: Ursprüngliche und physikalische Zeit, Duncker & Humblot, Berlin 1996, ISBN
3-428-08522-1.
Michael Tooley: Time, Tense, and Causation, Oxford University Press, Oxford 1997.
Rolf Elberfeld: Phämenologie der Zeit im Buddhismus. Methoden des interkulturellen Philosophierens.
Verlag Frommann Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2. Aufl 2010, ISBN 978-3772822278 Elberfeld

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diskutiert Texte zum Zeit-Phänomen von vier Denkern aus Indien, China und Japan,

Weblinks
Wikisource: Zeit – Quellen und Volltexte

Ned Markosian: Time. (http://plato.stanford.edu/entries/time/). In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford


Encyclopedia of Philosophy
Bradley Dowden: Time. (http://www.iep.utm.edu/time). In: Internet Encyclopedia of Philosophy.
Bradley Dowden: What Science Requires of Time. (http://www.iep.utm.edu/requires/). In: Internet
Encyclopedia of Philosophy.
Milic Capek: Time (http://xtf.lib.virginia.edu/xtf/view?docId=DicHist/uvaGenText/tei/DicHist4.xml;
chunk.id=dv4-52;toc.depth=1;toc.id=dv4-52) im Dictionary of the History of Ideas
Regine Kather: Über die Zeit (http://www.akademieforum.de/grenzfragen/open/Grundlagen/Ka_Zeit
/frame.htm), leicht verändert auch in: Brockhaus Red. (Hg.): Mensch, Natur, Technik, Bd.6: Die
Zukunft unseres Planeten, Leipzig - Mannheim 2000, S. 14ff.
Gesellschaft für Geschichte der Neuzeit: Zeitvorstellungen (http://www.sbg.ac.at/hai/neuzeit
/zeitvorstellungen.htm)
The Nature of Time Essay Contest (http://fqxi.org/community/forum/category/10), FQXi Forum
(zahlreiche als PDF zugängliche Aufsätze, u.a. von Callender, Kiefer, Rovelli)
Hansjörg Pfister: Was ist Zeit oder kann man mit Hilfe einer Zeitmaschine dieselbe Party zweimal
feiern? (http://www.sine-metaphysica.de/zeit.pdf) (PDF; 479 kB), amüsant geschriebenes
philosophisches Essay.
Rüdiger Graf: Zeit und Zeitkonzeptionen in der Zeitgeschichte (http://docupedia.de
/zg/Zeit_und_Zeitkonzeptionen_Version_2.0_R%C3%BCdiger_Graf), Version: 2.0, in: Docupedia
Zeitgeschichte, 22. Oktober 2012.

Fußnoten
1. Aurelius Augustinus: Was ist Zeit? (Confessiones XI / Bekenntnisse 11). Eingel., übersetzt und mit
Anm. versehen von Norbert Fischer. Lat.-dt., Felix Meiner Verlag, Hamburg, 2000.
2. Warum ist nicht nichts? In: Der Spiegel. Nr. 39, 2004, S. 190 (online (http://www.spiegel.de/spiegel
/print/d-32205256.html) 20. September 2004, Interview mit Brian Greene).
3. Das Zitat stammt aus Gottfried Wilhelm Leibniz: „Die metaphysischen Anfängen der Mathematik“ in
Handschriften zur Grundlage der Philosophie II, S. 35 ff. Zitiert aus: Leibniz Zitate von Annette
Antoine und Annette von Boetticher, Matrix Media Verlag Göttingen 2007.

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Kategorien: Naturphilosophie Philosophische Mystik Zeit

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