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Faserland

Inhaltsangabe
- erfahren nicht, wie Erzähler heißt (vermutlich Mann Ende 20, Geld spielt für den Yuppie keine
Rolle, obwohl er keiner bezahlten Tätigkeit nachzugehen scheint, von einem festen Wohnsitz
lesen wir auch nichts; wenn er nicht bei einem Freund übernachtet, nimmt er sich ein
Hotelzimmer)

- Bei Fisch-Gosch in List auf Sylt begegnen wir ihm zum ersten Mal → trinkt er im Stehen Jever
aus der Flasche & isst eine zweite Portion Scampi mit Knoblauchsoße, obwohl ihm das Bier
nicht schmeckt und ihm bereits nach der ersten Portion übel geworden ist
- Neben ihm steht Karin (kennen sich aus Salem und sahen sich ein paar Mal im Traxx in
Hamburg und im P1 in München) → Karin studiert in München BWL
- Sie ist mit dem S-Klasse-Mercedes ihres Bruders hier, der in Frankfurt Warentermingeschäfte
macht, Statt Jever trinkt sie Chablis

- fahren mit dem Mercedes nach Kampen (wollen dort ins Odin)
- Unterwegs hält K. auf dem Parkplatz des Nacktbadestrands Buhne 16 (Sergio und Anne
abholen → bezahlt 12 D-Mark Eintritt)
- die beiden sitzen in einem weiß-blau gestreiften Strandkorb und trinken Champagner in
Plastikbechern
- Sergio, er ist Kolumbianer, folgt Karins Mercedes in einem Land Cruiser

- Im Odin trinken sie Roederer (Erzähler bezahlt zwei Flaschen, um Sergio zu beeindrucken)
- er und Karin verabschieden sich von dem Paar
- am Parkplatz sehen sie, wie ein Betrunkener gegen die Tür seines Porsches kotzt, während er
versucht, das Schloss aufzukriegen

- Am nächsten Tag trinkt der Erzähler im Zug nach Hamburg fünf Flaschen Ilbesheimer Herrlich
(denkt darüber nach, wie es war, als die Exkremente aus den Zugtoiletten einfach aufs Gleis
fielen und zerstoben. Wer aus einem der Fenster schaute, die man damals noch öffnen konnte,
hielt sein Gesicht in den Sprühnebel. In Kassel fielen die Ausscheidungen von einer Brücke,
unter der Anwohner ihre Grillfeste feierten. Schlimmer noch soll es unter einer Brücke
irgendwo in Belgien oder Luxemburg sein: Da stürzen sich des Öfteren Selbstmörder in die
Tiefe „[...] weil genau diese Brücke bei Selbstmördern so beliebt ist, jedenfalls springen die
immer da runter und, genau wie bei der Brücke in Kassel, fallen den Leuten auf die Häuser
oder purzeln mitten ins schönste Grillfest. Die Körper sind dann immer ganz zerquetscht, die
müssen sie dann mit einer Schaufel zusammenkratzen“)

- Im Bahnhof Altona nimmt er sich ein Taxi und gibt die Adresse eines in Pöseldorf wohnenden
Freundes an. Der Fahrer redet nicht, vermutlich weil er auf Demos geht und der gleichaltrige
Fahrgast ein Jackett von Davies & Sons trägt (Erzähler nimmt allerdings auch an
Demonstrationen teil, nicht weil er sich für Politik interessiert oder glaubt, etwas verändern zu
können, sondern weil er die Atmosphäre mag)

- Nigel nimmt seinen Besucher mit zu einer Party (Dort trifft der Erzähler auf Anne)
- Obwohl sie sich erst am Vortag auf Sylt sahen, tut sie so, als kenne sie ihn nicht und redet
weiter auf Jürgen Fischer ein, den Chefredakteur eines Lifestyle-Magazins: "Tempo" oder
"Wiener"
- Nigel quatscht mit einem Ziegenbart-Acid-Jazz-Hörer, der eine Baseballkappe von Stüssy
verkehrt herum auf hat (Ein schwarzes Model steht bei ihnen „Das Model fasst beide, Nigel und
den Ziegenbart um die Schultern, die kann das, weil sie ja viel größer ist als die beiden, sonst
wäre sie ja auch kein Model“)

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-Der Ziegenbart verteilt Partydrogen. Auch der Erzähler spült eine Pille mit Prosecco hinunter.

- Eine junge Frau, mit der er kurz gesprochen hat, geht ins Bad und schließt nicht ab (Das
versteht er als Aufforderung und folgt ihr, aber sie sitzt auf dem Rand der Badewanne und
kotzt → Ihm ist auch übel)
- Er geht wieder hinaus und erinnert sich an seine erste Liebe (Als Sarah ihn ihren Eltern
vorstellte, trank er beim Abendessen zu viel und wurde eingeladen, im Gästezimmer zu
übernachten. Mitten in der Nacht wachte er auf und merkte, dass er ins Bett gekotzt und
geschissen hatte. Da stand er auf und lief davon. Sarah sah er niemals wieder)

- Irgendwann stellt der Erzähler fest, dass Nigel nicht mehr da ist → Daraufhin fährt er in
einem Taxi zu dessen Wohnung und sperrt mit dem Schlüssel auf, den sein Freund ihm
anvertraute
- Aus dem Schlafzimmer hört er Geräusche → Er reißt die Türe auf → Nigel liegt nackt auf dem
Bett und schleckt zwischen den Beinen des ebenfalls nackten Models, während der auf der
Bettkante sitzende Ziegenbart die Brüste der Frau knetet und an Nigels Penis rubbelt
- Das Model fordert ihn zum Mitmachen auf, aber er zieht es vor, seine Sachen zu packen.

- Ohne sich zu verabschieden, verlässt er die Wohnung und nimmt ein Taxi zum Flughafen.
Dort checkt er für die nächste Lufthansa-Maschine nach Frankfurt ein(„ [...] laufe ich zu dem
Rondell, diesem großen Korb mit den Ballistos und den Salamibrötchen, den die Lufthansa
neben der Kaffeemaschine aufgestellt hat, weil die Stewardessen zu faul sind, während des
Fluges irgendetwas aufzutischen, und hole mir vier Salamibrötchen und sechs Ballistos und
zwei Joghurts von Ehrmann und stopfe sie mir in die Taschen meiner Barbourjacke“) → Als ihn
ein anderer Reisender entrüstet anschaut, steckt er demonstrativ noch zwei Ballistos, zwei
Ehrmann-Joghurts und acht Plastiklöffel ein

- Obwohl er im Nichtraucher-Bereich sitzt, zündet er sich eine Zigarette an, und niemand
beschwert sich. Dann lässt er sich Kaffee und Bourbon bringen. Die alte Frau neben ihm
schlägt ein Buch von Ernst Jünger auf. Der Erzähler liest wenig, und Ernst Jünger schon gar
nicht, denn Nigel erzählte ihm einmal, der habe den Krieg verherrlicht. Es beginnt nach Pfirsich
zu riechen, und auf seinem Sitz wird es nass: Die Joghurts sind ausgelaufen.
(- Er erinnert sich, wie er in Salem mit der Schulklasse die Filme "Panzerkreuzer Potemkin"
und "Triumph des Willens" anschauen musste. Wobei die Lehrer immer gesagt haben,
Eisenstein wäre ein Genie und Riefenstahl eine Verbrecherin, weil die Riefenstahl sich hat
einspannen lassen von der Ideologie und der Eisenstein nicht. In der Paris-Bar in Berlin stieß er
einmal auf Wim Wenders. Der stand da mit einem Künstler, der vor allem nackte Männer unter
der Dusche malt → „ [...] jedenfalls habe ich ihn, Wenders, gefragt, ob er den Anfang seines
Films so meinte wie in Triumph des Willens, und er hat nur geglotzt aus seiner blöden roten
Werber-Brille und nichts mehr gesagt und sicher gedacht, ich wäre ein kleines Arschloch, das
sich wichtig machen will mit Kulturfragen an ihn“)

- Nach der Ankunft im Rhein-Main-Flughafen zieht er seine Barbourjacke aus, legt sie auf den
Fußboden und zündet sie an. Dann geht er zum Taxistand und lässt sich zum Hotel Frankfurter
Hof bringen. („Unterwegs sehe ich aus dem Fenster, und ich muss mal wieder erkennen, dass
keine Stadt in Deutschland hässlicher und abstoßender ist als Frankfurt, nicht mal Salzgitter
oder Herne.“)

- Er fragt sich ob er Alexander besuchen soll (Sie waren zusammen in Salem) → Alexanders
Eltern kamen bei einem Autounfall ums Leben und hinterließen ein Vermögen, das es
Alexander ermöglichte, durch die ganze Welt zu reisen
- Der Erzähler greift in seinem Hotelzimmer zum Telefon, aber der Hörer fällt ihm aus der Hand
und prallt gegen den Mahagoni-Tisch. Plastikteile splittern ab. Dann kotzt er auch noch einen
Schwall auf den Teppich und besudelt seine Kleidung. Er zieht sich aus und geht ins Bad.

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(„Während ich in der Wanne lag, hat irgendjemand das Bett aufgeschlagen, die Kotze vom
Teppich weggewischt, das kaputte Telefon ausgewechselt und meine vollgekotzte Kleidung
abgeholt. Das finde ich irgendwie wahnsinnig rührend und nett.“)

- Frisch angezogen ruft er ein Taxi, denn er will ins Eckstein. („Als er auf die Duftwürfel im
Urinal pisst und der scharfe Geruch aufsteigt, läuft ihm ein angenehmer Schauer über den
Rücken.“)
- An der Bar trinkt er Äbbelwoi. Zufällig kommt Alexander herein, läuft jedoch an ihm vorbei,
ohne ihn zu beachten und hängt seine Barbourjacke über eine Stuhllehne, bevor er in den
Keller hinuntergeht, wo Techno-Musik wummert → Der Erzähler zahlt, nimmt Alexanders Jacke,
zieht sie an und geht.

- Im Bord-Treff des Interregio nach Karlsruhe trifft er Matthias Horx, für den er mit Nigel
zusammen einmal ein Musical mit dem Titel "Horxiana!" schreiben wollte → Um nicht mit Horx
bis Karlsruhe fahren zu müssen, steigt er bereits in Heidelberg aus.

- In der Max Bar lernt er einen Mann namens Eugen kennen → Der nimmt ihn mit zu einer
Party in der Villa von Freunden → in einem Zimmer, in dem ein 40-Jähriger unter dem Pullover
eines Mädchen herumfummelt, öffnet Eugen ein Tütchen, streut Kokain auf die Hülle einer
Mozart-CD und schnupft mit einem silbernen Röhrchen eine Linie
- Er drängt seinen Gast, es ihm nachzumachen, legt ihm eine Hand aufs Gesäß und fasst ihm
mit der anderen vorn in die Hose → Der Erzähler reißt sich los und verlässt den Raum

- Im Keller sieht er Nadja liegen, eine auf erfrischende Art dumme Frau, mit der er gerade
noch redete. Sie ist weggetreten; die Spritze steckt noch im Knöchel (Neben ihr liegt Nigel,
dessen Arm mit seinem Ledergürtel abgebunden ist)

- Ein Bekannter namens Rollo nimmt den Erzähler in seinem Porsche mit nach München. Sie
kennen sich vom Bodensee, aber Rollo war nicht in Salem, sondern in der Waldorf-Schule
(Jetzt wohnt er in München-Bogenhausen) → Sie fahren zu einem Rave am Stadtrand („Wir
trinken jeder ein langweilig schmeckendes Bier. Weil wir ordentliche Kleidung tragen, also keine
Techno-Stiefel und orangefarbene T-Shirts und Bundeswehr-Hosen, und weil wir keine
rasierten Schädel haben und keinen Ring in der Nase und irgendwelche tätowierte Drachen auf
dem Nacken, werden wir pausenlos gemustert und prüfend von der Seite angesehen. Das ist
aber eigentlich ganz lustig, dass man so durch Erscheinen provozieren kann, und Rollo meint,
die Irren hier würden denken, wir seien vom Drogendezernat“)

- Das Schumanns, das sie gegen 1 Uhr nachts aufsuchen, verlassen sie nach fünf Minuten
wieder, weil Maxim Biller dort einen Salon abhält. Im Ksar ist der Neonazi Uwe Kopf. Von dem
möchte der Erzähler nicht gesehen werden
- Schließlich übernachtet er bei Rollo → Der nimmt ihn am nächsten Tag mit zu seiner
Geburtstagsparty im Elternhaus in Meersburg (Rollos Vater ist in Indien. Seit 20 Jahren
spendet er einem Aschram bei Bangalore eine halbe Million pro Jahr. Rollos Mutter befindet sich
in einer Klinik bei Stuttgart. Die Villa liegt direkt am See) → Bedienstete begrüßen Rollo, man
trägt Abendgarderobe. Karin und Sergio sind auch da; sie waren zwischendurch noch in
London.

- Als der Erzähler sieht, wie Rollo leicht schwankend allein am Seeufer steht, geht er hin. Rollo
weint und murmelt etwas von Schlaftabletten. Sein Freund drückt ihm den Arm und sagt, er
hole sich etwas zu trinken → Aber stattdessen packt er seinen Koffer, nimmt Rollos
Autoschlüssel und fährt mit dem Porsche los
- Am Flughafen in Zürich legt er die Schlüssel ins Handschuhfach und lässt den Wagen stehen.
Dann nimmt er sich ein Zimmer im Hotel Baur au Lac → Zwei Tage später liest er in der

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Zeitung, dass ein Millionärssohn während seiner Geburtstagsparty eine Überdosis Valium
schluckte und im Bodensee ertrank.
- Der Erzähler hält die Filmschauspielerin Isabella Rossellini für die schönste Frau der Welt. Er
träumt davon, mit ihr Kinder zu haben und auf einer Insel zu wohnen
→ („Ich würde ihnen von Deutschland erzählen, von dem großen Land im Norden, von der
großen Maschine, die sich selbst baut, da unten im Flachland. Und von den Menschen würde
ich erzählen, von den Auserwählten, die im Inneren der Maschine leben, die gute Autos fahren
müssen und gute Drogen nehmen und guten Alkohol trinken und gute Musik hören müssen,
während um sie herum alle dasselbe tun, nur eben ein ganz klein bisschen schlechter. Und
dass die Auserwählten nur durch den Glauben weiter leben können, sie würden es ein bisschen
besser tun, ein bisschen härter, ein bisschen stilvoller … Von den Deutschen würde ich
erzählen, von den Nationalsozialisten mit ihren sauber ausrasierten Nacken, von den Raketen-
Konstrukteuren, die Füllfederhalter in der Brusttasche ihrer weißen Kittel stecken haben, fein
aufgereiht. Ich würde erzählen von den Selektierern an der Rampe, von den Geschäftsleuten
mit ihren schlecht sitzenden Anzügen, von den Gewerkschaftern, die immer SPD wählen, als
ob wirklich etwas davon abhinge, und von den Autonomen, mit ihren Volxküchen und ihrer
Abneigung gegen Trinkgeld. Ich würde auch erzählen von den Männern, die nach Thailand
fliegen, weil sie so gerne mächtig und geliebt wären, und von den Frauen, die nach Jamaica
fliegen, weil sie ebenfalls mächtig und geliebt sein wollen. Von den Kellnern würde ich
erzählen, von den Studenten, den Taxifahrern, den Nazis, den Rentnern, den Schwulen, den
Bausparvertrags-Abschließern, von den Werbern, den DJs, den Ecstasy-Dealern, den
Obdachlosen, den Fußballspielern und den Rechtsanwälten“)
- Während er Hermann Hesse, Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt schon in der Schule
dämlich fand ("entsetzlich langweilige und schlecht geschriebene Sachen"), machte ihm
Thomas Mann Spaß → Deshalb fährt er am Abend mit dem Taxi zum Friedhof von Kilchberg
und sucht nach dem "blöden Grab" von Thomas Mann (Aber er findet es nicht)

→ Am Ufer des Zürichsees fragt er einen Mann mit einem Boot, ob er ihn für 200 Franken
über den See rudern würde. Der Mann ist einverstanden, und schon bald erreichen sie die
Mitte des Sees

Charakterisierung des Erzählers: Junger Erwachsener; trägt Markenkleidung; trinkt sehr viel
Alkohol; nimmt Drogen (will es aber nicht und hat negative Haltung gegenüber denen, die
Drogen nehmen (siehe Nigel)); langweilt sich sehr schnell; angespanntes Verhältnis zu
deinen Eltern (nur gutes Verhältnis zu der Haushälterin Bina); sehr kritisch gegenüber der
NS-Vergangenheit (assoziiert alle älteren Menschen mit Nazis → denkt das alle Rentner Nazis
wären); selektive, oberflächliche Wahrnehmung (achtet nur auf Marken); kann keine
zwischenmenschlichen Beziehungen eingehen (→ hat keine wirklichen wahren Freunde →
kann sich nicht mit den Problemen seiner (vermeintlichen) Freunde auseinandersetzen und
flieht vor denen und verdrängt alle Auseinandersetzungen); kein ausgeprägtes Werte- und
Normensystem (→ Menschen werden nur aufgrund ihrer Äußerlichkeit beurteilt, sein
(eingeschränktes) Wertesystem beruht lediglich auf den materialistischen Dingen → das Bild
was er sich von Menschen macht heftet sich das an das Äußere, das mit negativen,
stereotypen Vorstellungen von sozialen Rollen und Positionen verknüpft wird);
wohlhabend, dekadent (→ hat keinen Job, gibt aber viel Geld aus → stammt aus einer reichen
Familie und hat viel geerbt); sexuelle Ambivalenz (→ große Abneigung gegen Homosexuelle,
aber kann Frauen auch nicht näher kommen → da er keine zwischenmenschlichen Beziehungen
eingehen kann, kann er auch keine sexuelle Beziehung führen); sehr negatives
Deutschlandbild (reine Männergesellschaft); Barbourjacke (zentrale Rolle bei dem Erzähler
→ hier sogar eine Art Schutz- und Abgrenzungsfunktion); Interesse an oralen und
analen Vorgängen (hat eine infantile Fixierung auf Ausscheidungsvorgängen →
Beispiele: 1) als Kind schon Vorstellungen wie sich der Urin im Fahrtwind einer Zugfahrt ihm
im Gesicht verteilt, 2) hat das Haus verlassen nach dem er in der Nacht mit Sarah sich im
Gästezimmer „eingekotet und einuriniert hatte“, 3) verliert das erotische Interesse an einem
Mädchen auf Nigels Party sofort als er sieht wie sie sich übergeben muss); Unfähigkeit zur
Kommunikation (→ hört seinen Mitmenschen nie richtig zu, schweift während des

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Gespräches während der andere redet gedanklich ab → steht in Verbindung mit seiner
Bindungsunfähigkeit)

Fazit:
Namenslosigkeit des Protagonisten:
→ es handelt sich beim Protagonisten nicht um eine bestimmte Person, Individuum, sondern
um einen allgemeinen Typus einer gesamten Generation ( d. Popliteraten)
→ er wird anonymisiert
→ hat keine wirklichen Charakterzüge
→ geht in der Masse unter
Kindheit des Erzählers:
→ sieht die Vergangenheit äußerst ambivalent
→ negativ ist die Abwesenheit der Eltern, verinnerlichte Verbote und emotionale Verarmung
→ positiv sind die Erinnerung an das Kindermädchen Bina und unbeschwerte Zeit mit einem
Freund Henning
→ Darstellung der Geschichte vermischt Realität und Fiktion
Wahrnehmung des Erzählers:
→ Eigene Wahrnehmungen und scheinbare Informationen aus den Medien verschmelzen zu
einer Vorstellung, die nicht der Realität entspricht, sondern die subjektive, partielle und
klischeehafte Konstruktion von Wirklichkeit, mit Vorurteilen gepaart, im Kopf des Ich-
Erzählers aufdeckt
Charakerisierung von Karin: trägt Markenkleidung; redet sinnlos; studiert BWL in München;
besucht das Elite-Internat Schloss Salem; küsst den Ich-Erzähler
Charakerisierung von Nigel: telefoniert mit Anlageberatern; mag schmutzige Bars;
regelmäßiger Partygänger; ist kommunikationsunfähig; wohnt in Hamburg; kennt
Protagonisten schon lange; Gegenteil von Erzähler (→ keine Orientierung an Marken → trägt
„schäbige“ Klamotten → konsumiert Drogen → Protagonist flüchtet vor seinen Problemen (→
körperliche Ohnmacht))
Charakerisierung von Rollo: Millionärserbe; liest viele Bücher, hört viel Musik; Bezug zu
Angestellten, nicht zu Eltern; trinkt und nimmt Valium; oberflächliche Freundschaften; stirbt
am Bodensee, wo er aufgewachsen ist, weil der Erzähler ihn alleine am See zurück lässt;
Ähnlichkeit zum Erzähler ( → reich; Flucht vor anderen; gleiche Probleme)
Charakerisierung von Alexander: wohnt in Frankfurt; teilte sich mit Protagonisten das Zimmer
in Salem; unternimmt Weltreise; „Hippie“, provoziert durch seine scheinbare Anti-Haltung;
seine Barbour-Jacke wird von dem Erzähler geklaut; Bruch mit dem Protagonisten aufgrund
der Beziehung mit Varna
Fazit der Nebencharaktere:
→ alle besitzen genügend Geld (keiner scheint arbeiten zu müssen)
→ alle konsumieren Drogen
→ alle besuchen Partys
→ alle sind materialistisch eingestellt (außer Karin: nicht so stark)

Sprache des Erzählers: Präsens; parataktischer Satzbau → Mündlichkeit (oft lange Sätze mit
Unsicherheiten oder kurze Sätze); Ellipsen, Neologismen; Umgangssprache; Benutzen von
Fäkalsprache (z.B. „Kacke“); Floskeln, floskelhafte Attributierung („blöde“, „idiotisch“,
„wahnsinnig“, „super“); Relativierungen („ich glaube“, „ich meine“); unbestimmte oder
wertende Adjektive; ungenaue Wortwahl; Temporaladverbien („jetzt“, „gerade“, „plötzlich“);
scheinbare Spontanität des Erzählers („dabei fällt mir ein“ → der Zuschauer soll sich in der
Rolle eines Zuhörers befinden); Wortphrasen, die zu dem Leser eine Vertrauensbasis aufbauen
sollen („hab ich noch niemanden erzählt“, „würde ich meinen Freunden nie sagen“);
Füllwörter; Inversionen; manchmal Umstellung eines Kausalsatzes von einem Neben- in einen
Hauptsatz; Wortverkürzungen („mal“ statt „einmal“); nachgestellte Aussagen und
Extrapositionen; Wiederholung von Demonstrativpronomen
Fazit:
→ Der semantische Wechsel in der Sprachebene zwischen vulgärer Umgangs- und
Standardsprache ist charakteristisch für das kalkulierte Spiel mit Stilmöglichkeiten, das Krachts

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Roman von anderen Texten der Popliteratur unterscheidet; selbst Elemente der Literatur- und
Bildungssprache werden dabei wie Zitate verwendet
→ Erzähler versucht Vertrautheit zum Leser herzustellen
→ Erzähler inszeniert Mündlichkeit
→ Erzähler imitiert auf der semantischen Ebene den Sprechgestus einer jüngeren Generation,
die Sichtweisen und Wertungen nicht differenziert artikuliert, sondern durch floskelhafte
Attributierungen herausstellt
Inhalte, die der Erzähler öfters anspricht: Schilderung einer öffentlichen Gegebenheit; Treffen
mit Bekannten; Wertungen; Erinnerungen aus der Kindheit

Bezüge zu anderen Epochen: → zu der Epoche der Romantik:


- eingeschobenen Kindheitserinnerungen des Ich-Erzählers (diese werden die ganze Zeit
beschönigt, scheinen wie ein Fluchtort/Rückzugsort für den Ich-Erzähler in Momenten der
Gemeinschaftsunfähigkeit)
→ Vergleich "Der Sandmann": die grausame Erinnerung an die Kindheit im Erwachsenenleben
rückt sehr stark in den Vordergrund → eine Art Phobie davon, so wie der Erzähler aus
Faserland
- die Einstellung zu Frauen (→ "Isabella Rosselini": träumt während des Fluges nach Frankfurt
von ihr, kommt ihr aber nicht zu nahe → stetige, respektierende und vorsichtige Distanz)
→ Vergleich „Der Sandmann“: Beziehung von Nathanael zu Clara
- Flucht in eine Traumwelt, in der sich der Ich-Erzähler gelegentlich befindet
→ ausschlaggebendes Motiv der Romantik: Flucht in das Fantastische, Übernatürliche,
Träumerische → aus aus den Grenzen und der Tristheit der realen Welt

Symbol der Barbourjacke: Ausdruck von Individualität und Exklusivität; Zugehörigkeit zu


einer Gruppe; Symbol einer vom Ich-Erzähler positiv gesehene Lebensweise; trägt Spuren
seines Lebens; Schutz vor Außen; Medium (=das Biografische auf Oberflächenphänomene
reduziert); fungiert als Statussymbol, an dem man „Gleichgesinnte“ erkennt
Fazit:
Die Barbourjacke ist eine Identitätsträgerin, die das äußere Erscheinungsbild ihres Besitzers
bestimmt und Aufschluss über seine Herkunft und seinen Status gibt. Sie beherbergt im Falle
des Protagonisten von Faserland seine Schätze (vgl zum Beispiel S 17, 50 und 60) und gibt
Halt und Trost (vgl S 16) → ist somit eine Schutzhülle vor der Welt und gleichzeitig eine
Art Maske, hinter der man sich verbergen kann

Adoleszenz:
Kriterium (nach Hurrelmann) Verhaltensweisen des Ich-Erzählers
Übernahme von selbstverantwortlichen, - keine Ausübung eines Berufs bzw. einer
anforderungsvollen Leistungstätigkeiten Ausbildung/eines Studiums
- aus dem Internat Salem „rausgeschmissen“
worden
- keine erkennbaren Hobbys oder sonstigen
individuellen kreativen Tätigkeiten
Fester Aufbau einer eigenen Partnerbeziehung - Aufbau einer Beziehung zu Karin trotz
zum anderen Geschlecht sexuellen Interesses nicht möglich
- extreme körperliche Reaktion beim
Übernachten bei der ersten Freundin, danach
Flucht
- Schock und Flucht bei Einladung zum
Gruppensex
- ungeklärtes Verhältnis zur Homosexualität
Das Wert- und Normensystem ist - Gleichgültigkeit gegenüber leidenden
entfaltet/verantwortliches und berechenbares Mitmenschen (Erbrechen des Mädchen auf der
Handeln möglich Hamburger Party)
- Unfähigkeit, guten Freunden beizustehen
(z.B. Abwendung von Rollo & dessen
Depressionen)
- Provokation und Beschimpfung anderer

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Menschen ohne erkennbaren Grund
(Flughafenhalle)
- Amusement auf Kosten anderer (die
Belustigung über den Hippie auf der Rave-
Party)
- Diebstahl (Alexanders Jacke)
Im Konsum- & Freizeitsektor ist ein hoher - übertriebener Alkohol- und
Grad an Selbstständigkeit der eigenen Zigarettenkonsum
Verhaltenssteuerung eingetreten -übertrieben hoher Stellenwert von Mode- &
Geschmacksfragen
- ständiger Besuch von Partys, Clubs und
Kneipen
Such- und Tastphase zu einem vorläufigen - spontanes Herumreisen ohne Ziel
Ende gekommen - Drogenkonsum zur Bekämpfung von
Unsicherheit
- sprunghafter Wechsel bei der Beurteilung
von Menschen, Orten und Waren
Psychische und soziale Ablösung von den - unklar: der Begriff „Ablösung“ erfordert,
eigenen Eltern dass zuvor überhaupt eine Bindung vorhanden
war, was im Roman nicht deutlich wird
- andererseits_ offenbar existiert eine
materielle Abhängigkeit von der Familie, da
der Ich-Erzähler kein eigenes Geld verdient

Adoleszenzroman:
- Erzählende Texte, die Erlebniswesen, Erfahrungen, Denkweisen und Gefühlsmuster der
Jugendlichen in der Adoleszenz (Spätpubertät bis Mitte 20) darstellen
- Konflikte zwischen Selbstfindung und starren gesellschaftlichen Normen sowie seiner Umwelt
- Prozess der Identitätssuche und Suche nach dem Sinn
- Verfolgung des inneren Reifeprozess bis zu einem gewissen Grad der inneren
Vervollkommnung
- der Held stellt das Zentrum der dargestellten Welt dar
Ist Faserland ein Adoleszenz-Roman?
Pro:
- Reflektieren/Auseinandersetzen mit sich und der Umwelt seitens des Erzählers
- Ich-Erzähler
- autobiographische Züge
- Scheitern der Ich-Konzeption
Contra:
- flieht vor Problemen und Konflikten
- oberflächliche Wahrnehmung bleibt
- Entwicklung ist nur ansatzweise zu finden
Fazit:
Faserland ist kein Entwicklungsroman, da keine Entwicklung des Protagonisten von statten
geht bzw. erst am Ende eintrifft, als der Erzähler in der Schweiz angekommen ist. Die
Entwicklung bricht durch den eventuellen Tod ab.
Merkmale der Popliteratur:
 Inhalt:
- Beschreibung der aktuellen gesellschaftlichen Situation
- Gegenwärtigkeit und latenter Hang zum eigenen Leben
- Urbanität
- hohes Maß an Ich-Bezüglichkeit (autobiografische Nähe)
- Faszination Oberfläche: Mode, Design, Haltung ("Ästhetik rules")
- Fokus auf Warenwelt, Produktmarken, Zeichen
- Außenseiterrolle, Drogen, Homo-,Bi-,Heterosexualität wird behandelt
- Patriotismus der Protagonisten
- unstetes Leben fernab der gewohnten Werte
- Unterdrückung und Verzweiflung eines Individuums

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- Suche nach Identität
- provokante Exzentrik, Obszönität, Unsinnigkeit und Primitivität
- Sinn für Details
 Sprache/Aufbau:
- einfache syntaktische Strukturen
- Umgangs-/Alltagssprache
- Chronologie und Kausalität in der Erzählweise
- häufige Verwendung von Anglizismen
- sinnliche Opulenz (Sexualität, Erotik, Gewalt) z.T. vulgärer, ordinärer
Sprachgebrauch
- Redundanz
- leichte Verständlichkeit
 Haltung:
- Abgrenzung von der Elterngeneration
- sich von anderen abheben, anders sein
- Identifikation des Lesers
- Bekenntnis zum selektiven Blich auf gesellschaftliche Wirklichkeit
- Nonchalance gegenüber der deutschen (NS-) Vergangenheit
- Verstöße gegen die "political correctness"
- A-Moralität (d.h. Lust auf Schockwirkung und Tabubruch)