Sie sind auf Seite 1von 2

Die Vierte Macht und das Giftgas – Die Perspektive aus Damaskus

2018-04-15 12:04:20 Andreas van de Kamp

Thierry Meyssan, ein nach Syrien “geflüchteter” Franzose , räsonniert anhand des westlichen Raketenschlags
gegen angebliche Giftgas-Labore Baschar al Assads über die Frage, inwiefern Medien Kriege (mit) auslösen können.
Wenngleich dieser Blogger Meyssans Analyse nicht ganz teilt, ist sie es wert, referiert zu werden, denn:

Es gibt ohne Zweifel eine Art abgekartetes Spiel zwischen


“kriegstreiberischen Politicos” und den von diesen protegierten Schoßhündchen-Medien, im aktuellen Fall und auch
historisch. NB: Ghouta und Douma. NB 2: Douma und Ghouta.
Comment des journalistes peuvent provoquer des guerres beginnt mit einem Faksimilie einer 2016 (auf arabisch)
geschlossenen Vereinbarung von Dschihadisten über Damaskus, die auch von einer angeblichen Hilfsorganisation
(“Weißhelme”) unterzeichnet wurde (und deren Echtheit und Relevanz dieser Blogger schlicht nicht beurteilen kann).
Es folgt der Hinweis darauf, dass US-Verteidigungsminister James Mattis erklärt habe, dass er über keine Beweise für
das auslösende Motiv des westlichen Raketenschlags, einen Giftgaseinsatz östlich von Damaskus verfüge;
dass aber “glaubwürdige Medien” darüber berichtet (und die Schuld der syrischen Regierung zugewiesen) hätten.
Schon 1898 hätten die USA einen komplett auf Lügen gegründeten Krieg (damals gegen Spanien) begonnen, erinnert
daraufhin Meyssan.
Damals hätten sich US-amerikanische Politiker auf glaubwürdige Artikel in Zeitungen des Presse-Zaren Randolph
Hearst berufen, sie sich nachträglich freilich als völlig falsch herausgestellt hätten.
Ähnliches finde nun in Syrien statt.
Die der Kriegspropaganda schuldigen “westlichen Journos” seien aber schon bisher nicht verfolgt worden, obwohl
Kriegspropganda spätestens seit Beginn des Zweiten Weltkriegs international geächtet bzw. verboten sei.
***
Ungeachtet der prinzpiell problematischen Idee, Journalisten für ihre Schreibe gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen,
steht für diesen Blogger das Urteil über die westliche Militäraktion in den frühen Morgenstunden des Samstag
(MESZ) noch aus.
Es könnte sich tatsächlich um eine symbolische Aktion zur Besänftigung innenpolitischer Kritiker gehandelt haben, die
nicht unbedingt auf einen Krieg hinauslaufen muss (dass “internationales Recht verletzt” worden ist, sei unbestritten).
Speziell eine direkte Konfrontation mit dem russischen Militär ist vermieden worden – und das konnte daran liegen,
dass die Russen sich bewusst waren, dass sie im in Frage stehenden theatre den Kürzeren gezogen hätten, aber auch
daran, dass die Amerikaner penibel darauf achteten, den russischen Basen nicht “zu nahe zu treten”.
Und es könnte sein, dass Washington sowieso “nur ein Feuerwerk wollte”, pardon.
Bild: US-DoD (public domain) via Wikimedia Commons
Nachbemerkung, 15.4.2018, 14.00 Uhr: Dieser Blogger hat vielleicht (zusammen mit Michael Lüders) Ghouta, einen
Stadtteil von Homs, mit Douma, einer Stadt nordöstlich von Damaskus verwechselt.
Das war möglicherweise (m)ein Fehler.
Ein unwillentlich aussagekräftiger, wie sich ihr Fehlermacher beeilt anzufügen.
Er offenbart eine Regelmäßigkeit.
Nämlich das gehäufte Auftreten von Giftgasanschlägen in Situationen, in denen die von den Golfarabern und dem
“MI6-Westen” unterstützten Dschihadisten eingeschlossen sind bzw. in denen sie in langwierigen Straßenkämpfen von
zunehmend erfolgreichen Regierungstruppen zerschlagen bzw. gefangen genommen werden.
Die Frage wäre nun, für wen in einer solchen Situation der Einsatz von Giftgas gegen Zivilisten und die
“Einmischung” westlicher Mächte besonders vorteilhaft ist. Cui bono?
Nachbemerkung 2, 15.4.2018, 15.15.20 Uhr: Ein Ghouta gibt es nicht nur in Homs, sondern auch in der Peripherie von
Damaskus, hat man mir gesagt.
Und dort hat sowohl die Attacke von 2013 als auch die von Anfang April 2018 stattgefunden.
Dass es in beiden Fällen viele tote Zivilisten durch einen chemischen Kampfstoff gegeben hat, steht außer Frage –
strittig ist, welche Seite schuld ist.
Der “Westen” sagt: Assad, die Syrer und die Russen sagen: die Oppositionskoalition, i.e. die Dschihadis.

Andreas van de Kamp

Unabhängiger Journalist