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DRUCKSACHE UA-10/005

INFORMATIONS-VORLAGE

Dezernat/Amt: Verantwortlich: Tel.Nr.: Datum

II/Umweltschutzamt Herr Dr. Wörner 6100 15.09.2010

Betreff:

Bürgerschaftliches Engagement in Freiburg


hier:
Kooperationen mit dem Umweltschutzamt

Beratungsfolge Sitzungstermin Öff. N.Ö. Empfehlung Beschluss

UA 22.09.2010 X

Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO): nein

Abstimmung mit städtischen Gesellschaften: nein

Ergebnis:

Der Umweltausschuss nimmt die Kooperationen des Umweltschutzamtes auf


dem Gebiet des Bürgerschaftlichen Engagements zur Kenntnis.
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1. Ausgangslage

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 02.02.2010 auf Grundlage der Drucksa-
che G-10/020 die Verwaltung beauftragt, das Thema "Bürgerschaftliches Engage-
ment in Freiburg" in die relevanten Fachausschüsse einzubringen. Mit der Beratung
in den Fachausschüssen sollen die Aktivitäten im bürgerschaftlichen Engagement
auf der Ebene der Ämter und Dienststellen stärker in den Blick genommen und
themen- und zielgruppenspezifisch aufbereitet werden.

Ziel der Beratung in den Fachausschüssen ist es, Strategien zu entwickeln, wie wei-
tere Engagementpotenziale erschlossen werden können.

Das Thema wird neben dem Umweltausschuss in folgende weitere Ausschüsse


eingebracht werden: Ausschuss für Schule und Weiterbildung, Bau- und Umle-
gungsausschuss, Hauptausschuss, Kinder- und Jugendhilfeausschuss, Kulturaus-
schuss, Migrationsausschuss, Sozialausschuss, Sportausschuss.

2. Bürgerschaftliches Engagement in Kooperation mit dem Umweltschutzamt

Grundsätzlich ist darauf hinzuweisen, dass nahezu die Gesamtheit der naturschutz-
fachlichen Beratung der unteren Naturschutzbehörden (UNB´s) in Baden-Würt-
temberg ehrenamtlich organisiert ist. Sowohl die drei Naturschutzbeauftragten des
Stadtkreises, als auch der Naturschutzbeirat und die vor Ort vorrangig in den
Schutzgebieten agierenden Naturschutzwarte sind ehrenamtlich tätig.

Daneben liegt der Schwerpunkt des bürgerschaftlichen Engagements im Bereich


Naturschutz in der Kooperation des Umweltschutzamtes, insbesondere der UNB
und der Wasserwirtschaft mit Gruppierungen/Mitgliedern der örtlichen Naturschutz-
gruppen.

Mit den folgenden Kooperationspartner besteht seit Jahren eine konstruktive, enge
Zusammenarbeit:

Badischer Landesverein für Naturkunde und Naturschutz e.V. (BLNN)


Der BLNN hat sich der Erforschung und dem Schutz der Natur Süddeutschlands
verschrieben und ist Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitung zu Geologie,
Geographie, Fauna und Flora Südwestdeutschlands. Eine enge Zusammenarbeit
besteht insbesondere mit den Arbeitsgruppen "Fledermausschutz (AGF)" und "Na-
turschutz (AGN)".

Tätigkeitsschwerpunkte der AGF sind die Schaffung neuer sowie die Sicherung be-
stehender Quartiere und Lebensräume für Fledermäuse, die Pflege verletzter Tiere
und die Information der Bevölkerung über den Fledermausschutz. Als herausragen-
de Kooperationsprojekte mit dem Umweltschutzamt sind die Naturschutzveranstal-
tung "Nacht der Umwelt", die Erstellung eines Flyers über Beobachtungsmöglichkei-
ten von Fledermäusen am Waldsee und die fachliche Beratung der UNB bei Ge-
bäudesanierungen oder Dachausbauten zu nennen.
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Die AGN widmet sich schwerpunktmäßig dem Schutz und der Entwicklung wertvol-
ler Lebensräume wie Streuobstwiesen oder Kleingewässern, am Schönberg und
Schlierberg speziell für Gelbbauchunken sowie von FFH (Flora-Fauna-Habitat)-
Fließgewässern zum Libellenschutz. Die AGN gibt der UNB regelmäßig Rückmel-
dung über die Populationsentwicklungen der Amphibien. Die UNB ihrerseits unter-
stützt die AGN bei der Flächenbereitstellung für Schutzmaßnahmen und berät sie
bei der Beantragung von Fördermitteln.

BUND Regionalverband - Gruppe Freiburg


Die Gruppe Freiburg des BUND betreut im Stadtgebiet schwerpunktmäßig die Am-
phibienwanderung im Kappeler Kleintal und führt Gewässerpflegemaßnahmen am
Welchentalbach durch unter Erfassung der Amphibien-Bestandsentwicklung.

Förderverein Bachpatenschaften Freiburg e. V.


Der Förderverein verfolgt das übergeordnete Ziel des Erhalts der Biodiversität, spe-
ziell durch Schutzmaßnahmen für die Libellen-, Fledermaus-, Vogel- und Amphi-
bienfauna sowie durch die Zurückdrängung von Neophyten. Im Vordergrund stehen
naturschutzpädagogische Projekte unter Einbeziehung von Kindern und Jugendli-
chen in Kooperation mit Schulen, Kindergärten und internationalen Jugendorganisa-
tionen in Arbeitseinsätzen und mit Veranstaltungen unter Einsatz des „Wasserfloh“
als fahrendem Gewässeruntersuchungslabor. Der Förderverein beteiligt sich regel-
mäßig an größeren Veranstaltungen der Naturschutzverwaltung, z. B. beim "Tag
der Artenvielfalt".

NABU Gruppe Freiburg e. V.


Der NABU engagiert sich schwerpunktmäßig in den Naturschutzgebieten "Arles-
heimer See" und "Humbrühl-Rohrmatten" sowie bei Schutzmaßnahmen für Amphi-
bien- und Höhlenbrüter. Zu den Aktivitäten gehören u. a. die Anlage und Pflege von
Teichen, Hecken, Streuobst- und Flachlandmähwiesen und eine nach landschafts-
ökologischen Kriterien ausgerichtete Landbewirtschaftung, häufig gemeinsam mit
Landwirten. Als erfolgreiche Langzeitprojekte sind der Amphibienschutz am Wald-
see, durchgeführt von der Jugendorganisation des NABU, NAJU genannt (unter
Leitung von Frau Friederich) sowie die Aktion "Alpensegler" besonders hervorzuhe-
ben.

Regelmäßige Kontakte zur UNB existieren hinsichtlich der vom NABU geplanten
Entwicklungsmaßnahmen in den Schutzgebieten oder hinsichtlich Meldungen über
Gefährdungen von Niststätten der Alpen- und Mauersegler sowie durch die Über-
mittlung vom NABU erfasster Monitoringdaten zur Vogelfauna im Rieselfeld als Vor-
aussetzung rechtzeitig behördliche Maßnahmen ergreifen zu können.

Bürgerforum Flückiger See bei der Ökostation


Das Bürgerforum wurde eingerichtet als Plattform zur Bürgerbeteiligung an den Nut-
zungsinteressen am Seepark und zur Abstimmung derselbigen mit Umweltschutz-
amt (zur Frage der Wasserqualität und der Verbesserung derselben) und Garten-
und Tiefbauamt. Gruppen aus dem Bürgerforum betätigen sich bei Messungen der
Seewasserqualität, Beschilderungen oder bei der Regulierung der Schwanenpopu-
lation.
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Naturschutz-AG des Bürger- / Bürgerinnenvereins Rieselfeld


Eine Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils Rieselfeld widmet
sich der Erhaltung und Entwicklung der Biotopstrukturen im Naturschutzgebiet
"Freiburger Rieselfeld". Regelmäßig beteiligt sich die Gruppe an Pflegeeinsätzen im
Naturschutzgebiet unter fachlicher Anleitung des Umweltschutzamtes.
Der Einsatz der Bürgerschaft aus dem neuen Stadtteil Rieselfeld ist als idealtypisch
für das Natur- und Artenschutz- Engagement direkt vor der Haustüre zu betrachten.

Jugendprojekt am Kunzenhof e. V.
Der 300 Jahre alte Kunzenhof liegt als eines der letzten landwirtschaftlichen Anwe-
sen am östlichen Stadtrand von Freiburg. Ein Aufenthalt auf dem Kunzenhof eröff-
net Kindern und Jugendlichen Einblicke in das elementare landwirtschaftliche Le-
ben und Arbeiten. Neben grundlegenden Kulturtechniken am Hof und in der Land-
schaftspflege erlernen die Kinder und Jugendlichen den Umgang mit den Hoftieren
(Esel, Ziegen, Enten, Hühner, Hund, Katzen), trainieren ihr Geschick in land- und
forstwirtschaftlichen Fähigkeiten, der Herstellung elementarer Nahrungsmittel. Die
Erfahrungen auf dem Hof fördern zum einen das Verständnis für die heutige Situa-
tion der bäuerlichen Landwirtschaft und die globalen wirtschaftlichen, klimatischen
und sozialen Zusammenhänge unserer Erde. Durch den praktischen Ansatz lernen
die Kinder und Jugendlichen Nachhaltigkeit nicht nur als Begriff zu verstehen, son-
dern sie erhalten auch Anregungen für ihr eigenes nachhaltiges Handeln. Der Kun-
zenhof wird sowohl von Kindergartengruppen besucht wie auch von Schülern und
Schülerinnen und Kindern mit geistiger Behinderung.

3. Erfahrungen und Problemlagen

Die über Jahre gewachsenen Kommunikationsstrukturen mit den ehrenamtlichen


Naturschutzgruppierungen ermöglichen dem amtlichen Naturschutz ein frühzeitiges
und wirkungsvolles Tätigwerden im Bereich Biotop- und Artenschutz. Die Datener-
hebungen sind Entscheidungshilfen für Vorhaben und Planungen. Ohne das bür-
gerschaftliche Engagement wären die sog. Artenhilfsprogramme, z. B. für den Al-
pensegler, die Gelbbauchunkenpopulation am Schönberg oder die Amphibien am
Waldsee, undenkbar.

Angefangen von der sehr engagierten Kinder- und Jugendnaturschutzarbeit bis hin
zu generationsübergreifenden Aktivitäten im Bürgerforum Flückiger See stoßen
sämtliche Angebote auf breiten Anklang. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind
auf allen geschilderten Ebenen willkommen um für den Natur- und Artenschutz tätig
zu werden. Zudem profitiert die Bevölkerung von der vielfältigen und umfangreichen
Öffentlichkeitsarbeit der Gruppen mit Vorträgen, Führungen, Zeitungs- und Inter-
netbeiträgen, Kameraübertragungen des Brutgeschehens von Alpenseglern oder
Störchen, Filmen etc.
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Die UNB unterstützt die Naturschutzgruppen schwerpunktmäßig bei der Bereitstel-


lung von Flächen für Naturschutzmaßnahmen und bei der Beantragung von För-
dermitteln. Gerade im Zusammenhang mit der Fördermittelbeantragung bestehen
regelmäßige Treffen, um laufende und geplante Aktivitäten fachlich abzustimmen
und weiter zu entwickeln. Perspektivisch ist vorgesehen, die ehrenamtlich Tätigen
im Naturschutz in das auf Beschluss des Gemeinderates zu erstellende kommunale
Artenschutzkonzept (das in öffentlicher Sitzung des Umweltausschusses im Okto-
ber 2010 beraten werden soll) eng einzubinden und folglich die Kooperation weiter
zu intensivieren.

Festzustellen ist ein Generationswandel im Naturschutzengagement. So halten sich


die jüngeren Jahrgänge bei Naturschutzaktivitäten zunehmend zurück, vor allem
beim Naturschutzwartedienst

Insgesamt kann für die dargestellten bürgerschaftlichen Aktivitäten herausgestellt


werden, dass sie sich über viele Jahre äußerst bewährt haben, insgesamt erfolg-
reich und gut organisiert sind und Vorbildcharakter haben.

IV. Ausblick

Vorgesehen ist, die wesentlichen Inhalte der Beratungsvorlage zusammen mit der
Diskussion im Ausschuss und den Ergebnissen der anderen Fachausschüsse in
einer Gemeinderatsdrucksache zusammenzuführen. Mit dieser Drucksache soll
eine gesamtstädtische Schwerpunktsetzung zur Engagementförderung vorgelegt
werden, verbunden mit Vorschlägen, wie im kommenden Europäischen Freiwilligen-
jahr 2011 Impulse für noch mehr ehrenamtliches Engagement gegeben werden
können.
Die Beratung der Gemeinderatsdrucksache ist für Mitte Januar 2011 geplant.

Ansprechpartner ist Herr Lehn, Umweltschutzamt, Tel.: 0761/201-6120.

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