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DRUCKSACHE G-10/020

INFORMATIONS -VORLAGE

Dezernat/Amt: Verantwortlich: Tel.Nr.: Datum

III/Büro des Bürgermeisters Herr Kosse 3010 15.01.2010


von Kirchbach

Betreff:

Bürgerschaftliches Engagement in Freiburg - Sachstandsbericht


hier:
Interfraktioneller Antrag vom 25.06.2009

Beratungsfolge Sitzungstermin Öff. N.Ö. Empfehlung Beschluss

1. HA 25.01.2010 X

2. GR 02.02.2010 X

Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO): nein

Abstimmung mit städtischen Gesellschaften: nein

Ergebnis:

Der Gemeinderat nimmt den in der Drucksache G-10/020 dargestellten Sachstand


zum Bürgerschaftlichen Engagement in Freiburg zur Kenntnis.
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Anlagen:
1. Interfraktioneller Antrag, Bürgerschaftliches Engagement in Freiburg,
2. Bestandsübersicht: BE-Aktivitäten städtischer Dienststellen und Ämter

1. Ausgangslage

Die Gemeinderatsfraktionen Junges Freiburg/DIE GRÜNEN, CDU, SPD und Un-


abhängige Listen beantragten am 26.06.2009 in einem interfraktionellen Antrag
das Thema „Bürgerschaftliches Engagement (BE) in Freiburg“ nach Vorberatung
in den zuständigen Fachausschüssen auf die Tagesordnung des Gemeinderates
zu setzen und hierzu eine Informationsvorlage zu folgende Punkten aufzubereiten:

 Überblick über die verschiedenen Formen des BE in Freiburg


 Stand der aktuellen Engagementförderung mit kurz- und mittelfristigen Zielset-
zungen
 Aufgaben und Tätigkeiten der Stabsstelle BE beim Dez. III.

Am 21.10.2009 fand ein Fachgespräch für Mitglieder des Gemeinderates statt.


Dort wurden die o. g. Punkte dargestellt, ein Überblick über die Zielrichtung gege-
ben und Schwerpunkte der städtischen Engagementförderung diskutiert. An der
Gesprächsrunde haben Gemeinderatsmitglieder verschiedener Fraktionen teilge-
nommen.

In den nachfolgenden Sachstandbericht sind die Fragestellungen und die Themen


des Fachgesprächs eingeflossen. Die Vorlage beschränkt sich im wesentlichen
auf die städtische Engagementförderung.

2. Stellenwert und Bedeutung

Nach der Definition der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Zu-


kunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ umfasst BE vielfältige Aktivitäten. Ne-
ben dem Engagement in Vereinen und Verbänden, Kirchen, karitativen und ande-
ren gemeinnützigen Organisationen, umfasst es Selbsthilfegruppen, Nachbar-
schaftsinitiativen, Bürgerinitiativen, Nichtregierungsorganisationen, Parteien, Ge-
werkschaften und schließt auch Bürgerbeteiligungen, Freiwilligendienste, gemein-
nützige Stiftungen und gemeinwohlorientierte Aktivitäten von Unternehmen mit
ein.

Gemäß bundesweiter Bestandsaufnahmen wie dem Freiwilligensurvey des Bun-


desministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von 2004
liegt die Engagementquote bei durchschnittlich 36 %. Ein weiteres Drittel der Be-
völkerung wäre demnach bereit sich zu engagieren, wenn geeignete Engage-
mentmöglichkeiten angeboten werden. Nach Berechnungen des Prognos - Enga-
gementatlas 2009 erreicht das bundesweite Engagement einen Umfang, welcher
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der Arbeitskraft von 3,2 Mio. Vollzeit-Beschäftigten und rd. 7,5 % der geleisteten
Arbeitszeit in Deutschland entspricht.

Die Studien belegen, dass die Engagementquoten von Frauen und Männer in Ba-
den-Württemberg in etwa gleich, in den Engagementfeldern jedoch unterschiedlich
stark vertreten sind. Entlang der klassischen „Rollenzuschreibungen“ engagieren
sich Frauen stärker in sozialen Bereichen wie Bildung, Kindergärten und Kirchen.
Männer hingegen sind mehr in Bereichen wie Sport, Kultur, Politik und im Ret-
tungs- und Feuerwehrdienst aktiv. Festzustellen ist, dass Männer sich deutlich
stärker in hierarchischen Strukturen und in Wahlämtern engagieren, was sich in
der geringen Repräsentanz von Frauen in Vorstands- und Leitungsfunktionen wi-
derspiegelt.

3. Lokales Engagement

Die Basis der Engagementkultur liegt in den Kommunen und Gemeinden. Hier e-
xistieren vielfältige Engagementbereiche. Der Freiwilligensurvey von 2004 stellt
hierzu für Baden-Württemberg folgende Anteile der Aktiven zusammen, in der sich
im Wesentlichen auch die Engagementkultur in Freiburg abbildet.

Engagementbereiche Anteil der Engagierten


in Prozent
Sport und Bewegung 11
Schule und Kindergarten 7
Kirchen- und Religionskreise 6
Kultur und Musik 5,5
Sozialer Bereich 5,5
Freizeit und Geselligkeit 5
Unfall- u. Rettungsdienst / Feuerwehr 3
Berufliche Interessenvertretung 2,5
Politik und Interessenvertretung 2,5
Umwelt- /Natur- und Tierschutz 2,5
Jugendarbeit / Bildung 2,5
Lokale Bürgerschaftliche Aktivitäten 2
Gesundheitsbereich 1
Justiz / Kriminalität 0,5

Für Freiburg ermittelte die Bürgerumfrage von 2001 vom Amt für Bürgerservice
und Informationsverarbeitung, dass 25 % der Befragten ehrenamtlich tätig waren
und ein weiteres Viertel sich interessiert für ehrenamtliche Tätigkeit zeigte.
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In Freiburg existieren von je her neben traditionellen auch moderne Formen des
Engagements und der Engagementförderung. Zu den traditionellen Engagement-
bereichen gehören Tätigkeiten in Freiwilligen Feuerwehren, in sozialen Einrichtun-
gen oder Kirchengemeinden. Beispielhaft für moderne Ansätze zur offenen und
feldübergreifenden Engagementwerbung und Vermittlung steht hier u. a. die Kur
und Reha GmbH in Freiburg, die seit mehr als fünfzehn Jahren das Selbsthilfe-
büro und seit über zehn Jahren die Freiwilligen Agentur betreibt. Weit über 150
Selbsthilfegruppen und über 160 Einrichtungen werden aktuell von den beiden
Diensten durch Beratung und Begleitung unterstützt.

Nach Schätzungen gibt es in Freiburg zwischen 5.000 und 7.000 Vereine. Mit
Blick auf die registrierten gemeinnützigen Vereine beim Finanzamt Freiburg Stadt
(siehe nachfolgende Tabelle) lässt sich feststellen, dass die Zahl der gemeinnützi-
gen Vereine in den letzten zehn Jahren um 18 %, d. h. pro Jahr um durchschnitt-
lich mehr als 25 Vereine angewachsen sind.

Datum Registrierte gemeinnützige Vereine


01.01.1999 1.489
01.01.2009 1.754

Beispielhaft sind hier die vielen Freiburger Orts-, Lokal- und Bürgervereine zu
nennen, die stadtteilspezifische Interessen bündeln, vielfältiges für die Stadtteile
leisten und zur Engagementförderung beitragen.

4. Formen und Strukturen städtischer Engagementförderung

Die BE-Förderung hat für die Politik und Verwaltung von je her eine große Rele-
vanz. Beispielhaft herauszustellen sind hier u. a.:

- die ehrenamtliche Tätigkeit der Gemeinde- und Ortschaftsräte


- die Beteiligung von sachkundigen und sachverständigen Einwohnerinnen und
Einwohnern in den gemeinderätlichen Gremien
- die Unterstützung der ehrenamtlichen Tätigkeit in der freiwilligen Feuerwehr,
im Katastrophenschutz und in den Sanitätsdiensten
- die Mietzuschüsse für kleinere gemeinnützige Vereine in Höhe von jährlich rd.
90.000,00 €.

Die herausragende Stellung des BE in Freiburg belegen auch die Würdigungen


von Personen der Stadt. Aktuell und beispielhaft sind das Engagement von Frau
Zita Kaiser, Frau Mechthild Herder, Schwester Inge Kimmerle, Herr Eugen Martin
und Herr Horst Zahner herauszustellen, die mit Bundesverdienstorden ausge-
zeichnet wurden. Herrn Eugen Martin wurde darüber hinaus die Ehrenbürgerwür-
de der Stadt durch den Gemeinderat verliehen.
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Seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre betreibt die Stadtverwaltung verschiedene
neue Aktivitäten und Ansätze zur Engagementförderung. Hierzu gehören:

4.1 Lokale Agenda 21

Basierend auf der Charta von Aalborg wurde in Freiburg das Thema Lokale Agen-
da 21 von der Stadt aufgegriffen und 1998 eine Geschäftsstelle eingerichtet, die
seit 2007 beim Referat für Stadtentwicklung und Bauen angesiedelt ist. Auf der
Basis breiten bürgerschaftlichen Engagements und orientiert an den Prinzipien der
Nachhaltigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen wurden in den letzten zehn
Jahren über die Geschäftsstelle weit über hundert Initiativen und Projekte geför-
dert. Freiburg gehört zu den ersten deutschen Städten, die im Jahre 2006 die Aal-
borg Commitments unterschrieben haben. Zu deren Umsetzung wurden auf loka-
ler Ebene ein Nachhaltigkeitsrat berufen und die Beteiligungsstrukturen weiter-
entwickelt.

4.2 Treffpunkt Bürgerschaftliches Engagement

Zu den zentralen Projekten in der Startphase der Lokalen Agenda 21 gehörte die
Schaffung einer zentralen Anlaufstelle und eines Treffpunktes für Gruppen und
Initiativen. Im Herbst 2000 hat die Stadt den Treffpunkt Freiburg in der Wilhelm-
straße mit Sitzungsräumen und Bürotechniken eröffnet. Ende 2007 wurde der
Standort in das Zentrum Oberwiehre (ZO) verlegt (siehe auch Pkt. 5.2).

4.3 Modellstandort BE

Gemeinsam mit dem Landkreis- und Städtetag Baden-Württemberg betreibt das


Landesministerium für Arbeit und Soziales seit 1996 das „Landesprogramm Bür-
gerschaftliches Engagement“. Freiburg gehört seit 1999 zu den Modellstandorten
und ist Partner im hierzu geschaffenen „Städtenetzwerk“. In dem Verbund werden
die Bemühungen um Engagementförderung und der Erfahrungsaustausch zwi-
schen den Städten gefördert.

4.4 Stabsstelle BE

Im Jahr 2001 hat der Gemeinderat die Einrichtung einer BE- Koordinationsstelle
als Ämter und Dienststellen übergreifenden Geschäftsbereich beschlossen
(Drucksache G-01/014). Die BE-Stelle fungiert als Stabsstelle und ist als Vollzeit-
stelle dem Dezernat III zugeordnet (siehe hierzu Pkt. 5).

4.5 Bürgerbeteiligung bei städtischen Planungen

Mit zahlreichen Bürgergesprächen, Stadtteilkonferenzen und Runden Tischen


durch den Oberbürgermeister, die Dezernenten und von Ämtern werden interes-
sierte und betroffene Bürgerinnen und Bürger informiert und in Planungen einbe-
zogen.
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Darüber hinaus wurden über die letzte Dekade beispielgebende und modellhafte
Verfahren und Konzepte zur Bürgerbeteiligung entwickelt und umgesetzt. Hierzu
gehören:

 das Konzept „Zukunft Freiburg“


 der Flächennutzungsplan 2020
 die Stadtteilentwicklungspläne (STEP) zu Zähringen und Haslach
 der Sportentwicklungsplan 2004
 das „Kulturkonzept“
 der Beteiligungshaushalt 2009/2010.

4.6 Aktivitäten städtischer Ämter und Dienststellen

Vielfältige Aktivitäten zur BE-Förderung erfolgen auf der Ämterebene. Einen Über-
blick hierzu bietet die Bestandsübersicht in der Anlage 2. Stellvertretend sind hier
zu nennen:

 „Freiburg packt an - Aktion für eine saubere Stadt“: Seit 2004 werden im
Sommerhalbjahr gemeinsam mit vielen Vereinen und Unternehmen genera-
tionsübergreifend Maßnahmen und Aktivitäten unter breiter Beteiligung für ein
sauberes Freiburg durchgeführt. Von Patenschaften auf Zeit für Spielplätze
und Parkanlagen bis zum Engagement der 50 Freiburger Bachpaten betei-
ligen sich viele hundert Freiburger Bürgerinnen und Bürger.
 „Leselernpatenschaften“: Leselernpaten engagieren sich in Freiburger
Schulen und praktizieren Leselernförderung. Mit über 190 Leselernpaten er-
zielt das Angebot große Resonanz.
 „Stiftung WaldHaus Freiburg“: Sie wurde 2005 errichtet und informiert zum
Thema Wald und Nachhaltigkeit. Von dem Angebot haben in den letzten
Jahren weit über 100 Schulklassen und knapp 8.000 Besucherinnen und
Besucher profitiert.

5. Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement

Die Arbeitsschwerpunkte und Tätigkeitsfelder der BE-Stelle werden nachfolgend


dargestellt. Sie richten sich nach folgenden Zielen aus:

 Förderung einer aktivierenden und ermöglichenden Verwaltung


 Schaffung von Netzwerken und Entwicklung von Kooperationsmöglichkeiten
 Engagementförderung durch Werbung und Öffentlichkeitsarbeit
 Wertschätzung und Anerkennung der Engagementaktivitäten
 Förderung gegenseitiger Wahrnehmung und des Erfahrungsaustauschs.
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5.1 Überregionale und lokale Netzwerkarbeit

Im Rahmen bundes- und landesweiter Engagementförderer ist die BE-Stelle in


vielfältige Kooperations- und Austauschbeziehungen eingebunden. Hierzu zählen:

 Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement


 Bundesverband Freiwilligendienste
 Städtenetzwerk und Fachkräftenetzwerk Baden-Württemberg
 Paritätisches Bildungswerk Baden-Württemberg
 Stabsstelle BE des Sozialministeriums Baden-Württemberg.

Auf der lokalen Ebene bestehen u. a. folgende Dialogstrukturen:

 Arbeitskreis Ehrenamt/Bürgerschaftiches Engagement der Vereinigung


Freiburger Sozialarbeit (VFS)
 Teamsitzung Treffpunkt Bürgerschaftliches Engagement
 Initiativkreis Freiburger Stiftungstag
 Initiativkreis Freiburger Freiwilligendienste
 Dialog Bürgerschaftliches Engagement mit Gemeinderäten im Treffpunkt BE.

Verwaltungsintern koordiniert die BE-Stelle im halbjährlichen Rhythmus Informa-


tions- und Abstimmungsrunden mit Vertreterinnen und Vertretern städtischer Äm-
ter und Dienststellen. Hier werden geplante und laufende Aktivitäten vorgestellt.
Themen sind u. a. Öffentlichkeitsarbeit, Rollenprobleme zwischen Haupt- und Eh-
renamtlichen, Suche nach Projekt-Partnerinnen und Partnern.

5.2 Entwicklung von Förderstrukturen

Hierzu sind schwerpunktmäßig folgende Bereiche herauszustellen:

a) Treffpunkt Bürgerschaftlichen Engagements

Seit 2008 ist der Treffpunkt im südöstlichen Randbereich des Zentrums Ober-
wiehre (ZO) untergebracht. Hier bietet er über 250 qm Büro- und Raumnut-
zung sowie Bürotechnik und Präsentationsflächen für Engagementaktivitäten
an. Die Anzahl der Nutzergruppierungen ist seit der Gründung im Herbst 2000
kontinuierlich angewachsen und liegt aktuell bei etwas über 90 Gruppen. Re-
gelmäßige Nutzerinnen und Nutzer kommen wöchentlich, zweiwöchentlich
oder monatlich in den Räumlichkeiten zusammen. Daneben finden Informa-
tions- und Fortbildungsveranstaltungen sowie Netzwerktreffen statt.

Für die Koordinationsaufgaben wurde 2006 der Treffpunkt Freiburg e.V. ge-
gründet, dem sich zahlreiche Nutzergruppierungen angeschlossen haben. Der
Vorstand des Vereins besteht aus vier Vertreter/innen von Nutzergruppen und
zwei Vertretern der Stadtverwaltung (Dezernat III).
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Seit der Gründung des Treffpunktes sind dort das Agenda 21-Büro und der
FARBE e.V. untergebracht. Auf Initiative der Stadt haben Ende 2007 die Frei-
willigen Agentur und das Selbsthilfebüro ihre bisherigen Standorte aufgegeben
und befinden sich seit Anfang 2008 ebenfalls im Treffpunk BE. Neben der Be-
ratung von Engagierten, Initiativen und Vereinen geben die beiden Dienste
gemeinsam mit dem Treffpunkt e.V. halbjährlich das Kursprogramm „Enga-
giert und Kompetent“ (e&k) heraus. Aktuell wird das Kursprogramm mit Ange-
boten des Initiativkreises Freiburger Freiwilligendienste (IFF) erweitert.

b) Mentorinnen und Mentoren bürgerschaftlichen Engagements

Dank der Förderung der Landesstiftung Baden-Württemberg und des Paritäti-


schen Bildungswerkes wurden in Freiburg und dem Umland interessierte Bür-
gerinnen und Bürger gewonnen, die als Brückenbauerinnen und Brückenbau-
er Ideen, Interessierte und Förderer zusammenführen. In diesem Rahmen
wurden 50 Bürgerinnen und Bürger qualifiziert zu Themen wie Öffentlichkeits-
arbeit, Mittelakquise, Projektförderung und Netzwerkarbeit.

Anfang Oktober 2009 fanden mit Unterstützung des Landes und des Paritäti-
schen Bildungswerks in Freiburg die „Akademietage 2009 - Netzwerkarbeit im
Mentorat“ statt. Die Veranstaltung zu regionalen Aktivitäten von Mentoren
wurde vom Oberbürgermeister eröffnet.

c) Jugend engagiert sich (jes)

Die Initiative der Landesstiftung Baden-Württemberg wurde auch in Freiburg


umgesetzt. In dem Rahmen hat die BE-Stelle rd. 40 Projekte mit unterstützt.
Von der Stadt wurden in diesem Programm weit über hundert Engagierte zwi-
schen 12 und 27 Jahren zertifiziert. Bis Ende 2008 wurden die Projekte zu
gleichen Teilen von Stadt und Landesstiftung finanziert. Ende 2008 wurde
Freiburg von der Landesstiftung Baden-Württemberg für die Durchführung von
„jes“ Projekten ausgezeichnet.

d) Unternehmerisches Engagement

Stadtweit wird dem unternehmerischen Engagement ein hoher Stellenwert


beigemessen. Um dafür zu werben und öffentlichkeitswirksam Anregungen
anzubieten, fanden 2005 und 2006 jeweils ein Fachtag statt. Partner der Fach-
tage waren die IHK Wirtschaftsjunioren und das Zentrum für Zivilgesellschaft-
liche Entwicklungen (Evangelische Hochschule). Unterstützt wurden die Fach-
tage von der Solarfabrik AG, der badenova AG & Co KG, dem Wirtschafts-
verband der Industriellen Badens (wvib), der Badischen Zeitung, dem SWR
sowie Antenne Südbaden.
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Seit 2007 beteiligt sich die BE-Stelle an der Gemeinschaftsinitiative „Gute Ge-
schäfte - Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige“ des Caritasverban-
des der Erzdiözese Freiburg und des Diakonischen Werkes der Landeskirche
Baden. Mit der Initiative werden „Marktplätze“ initiiert, auf denen lokale Unter-
nehmen mit gemeinnützigen Einrichtungen gegenseitige Unterstützung aus-
handeln. Der 1. Markplatz fand 2008 und der nächste findet am 11.03.2010
statt. Partner sind u. a. die Sparkasse Freiburg/Nördlicher Breisgau, die
Volksbank Freiburg, die Freiburger Stiftungsverwaltung, der Arbeitskreis
Evangelischer Unternehmer und der Bund Katholischer Unternehmer.

e) Freiburger Stiftungstag

Das Stiftungswesen ist in der Region Freiburg ein bedeutender Faktor. Laut
dem Bundesverband Deutscher Stiftungen liegt Freiburg im Ranking von Stif-
tungsvermögen pro Einwohnerin / Einwohner bundesweit an 16. Stelle und in
Baden Württemberg hinter Stuttgart und Ulm an dritter Stelle. Hier sind bei-
spielhaft zu nennen sind die Stiftungsverwaltung Freiburg mit der fast 900-
jährigen Geschichte der Heiliggeistspitalstiftung und aktuelle Stiftungsgrün-
dungen wie die Freiburger Bürgerstiftung und die Bürgerschaftsstiftung Sozia-
les Freiburg. Um die Popularität und die Potenziale des Stiftungswesens für
die Zukunftsfähigkeit der Stadt wie der Region zu gewinnen, konnte ein Initia-
tivkreis lokaler Stiftungen und die Sparkasse Freiburg/Nördlicher Breisgau für
die Ausrichtung eines Freiburger Stiftungstages gewonnen werden. Vorgese-
hen ist, alle zwei bis drei Jahre einen Stiftungstag zu organisieren, um für das
Stiftungswesen zu werben und Kooperationen zu fördern.

Mitglieder der Initiative sind die Stiftungsverwaltung Freiburg, die Ida- und
Otto-Chelius Stiftung, die Freiburger Bürgerstiftung und die Wilhelm Oberle
Stiftung. Partner der Veranstaltung sind das Regierungspräsidium Freiburg
und der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Aktuell laufen die Vorbereitun-
gen für den 2. Freiburger Stiftungstag, der mit dem Schwerpunkt „Lernen erle-
ben / Region der Zukunft“ für den 10.11.2010 geplant ist.

f) Initiativkreis Freiburger Freiwilligendienste (IFF)

Auf Initiative der BE-Stelle wurde Mitte 2008 der IFF gegründet, um den Frei-
willigendienst in der Region Freiburg zu fördern. Seit 2009 wird der IFF im
Rahmen der Initiative „Alter Schafft Neues“ vom BMFSFJ als einer von vier
landes- bzw. 46 bundesweiten Leuchttürmen gefördert.

Mitglieder des IFF sind der Caritasverband Freiburg Stadt e.V., das Badische
Rote Kreuz Kreisverband Freiburg e.V., die Kur + Reha GmbH (Freiwilligen
Agentur) und die Stadt Freiburg (Büro für Migration u. Integration). Am
17.11.2009 fand im Schlossbergsaal des SWR die 1. Regionalkonferenz zum
Freiwilligendienst aller Generationen statt. Der Freiburger Initiativkreis gilt,
aufgrund der verbandsübergreifenden Zusammenarbeit zum Freiwilligendienst
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und der Bündelung der Qualifizierungsangebote in dem e&k-Bildungs-


programm der Treffpunkt Einrichtungen, landesweit als beispielgebend.

5.3 Öffentlichkeitsarbeit / Anerkennung und Würdigung

In der Öffentlichkeitsarbeit und Wertschätzung des BE werden zentrale Formen


der Engagementförderung gesehen. Im Bereich der Wertschätzung übernahm die
Stadt eine Vorreiterrolle, so dass in den letzten Jahren das Thema von vielen Ver-
bänden und Vereinen aufgegriffen wurde. Besonderes Kennzeichen der städti-
schen Veranstaltungen ist, dass sie im Verbund mit Partnern durchgeführt wird.
Damit wird die Ehrung auf eine breite gesellschaftliche Basis gestellt. Beispielhaft
sind zu nennen:

a) Internationaler Volunteersday

Seit 2001 organisiert die BE-Stelle städtische Festveranstaltungen mit Bezug


zum Internationalen Volunteersday am 05. Dezember. Im Rahmen der Fest-
veranstaltung werden Einzelpersonen und Projekte des lokalen bürgerschaftli-
chen Engagements von der Stadt als beispielhaft gewürdigt. Die Auswahl der
Projekte und Personen erfolgt durch eine Jury unter der Leitung von Bürger-
meister von Kirchbach.

Seit 2002 wird die Festveranstaltung mit jährlich wechselnden lokalen Partne-
rinnen und Partnern durchgeführt. Gewonnen werden konnten der SC-
Freiburg, das Theater Freiburg, die Pfizer AG, die Badenova AG & Co KG, die
Rhodia AG, das Studentenwerk mit der Universität Freiburg und die Hand-
werkskammer mit der Gewerbe Akademie. Die letzte Veranstaltung fand am
03.12.2009 in den Räumen der Mercedes Benz NDL statt und für 2010 hat die
FWTM ihre Unterstützung zugesagt. Die Veranstaltungen stoßen auf große
Resonanz mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern zwischen 250 und 450 En-
gagierte aus allen Engagementbereichen. Die Ehrungen werden durch den
Oberbürgermeister oder in Vertretung durch Bürgermeister von Kirchbach
durchgeführt.

b) Bürgerpreis der Sparkasse

Auf Initiative der BE-Stelle konnte für die lokale Wertschätzung des BE die
Sparkasse Freiburg/Nördlicher Breisgau gewonnen werden. Im Rahmen der
bundesweiten Kampagne des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes
(DSGV) „für mich, für uns, für alle“ vergibt die Sparkasse Freiburg/Nördlicher
Breisgau seit 2004 die Freiburger Bürgerpreise in drei Kategorien (Junioren,
Projekte und Lebenswerk).
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Neben der Stadt sind die Badische Zeitung und die lokalen Bundestagsabge-
ordneten als Partner beteiligt. Seit 2005 tragen auch die Landkreise Breisgau-
Hochschwarzwald und Emmendingen mit den dortigen Bundestagsabgeord-
neten die Initiative mit. In den Jahren 2004 und 2005 wurden jeweils Freibur-
ger Bürgerpreise auch mit dem Bundespreis der DSGV Kampagne ausge-
zeichnet.

c) Internetauftritt der Stadtverwaltung

Zur öffentlichen Wahrnehmung und Förderung der Engagementangebote


wurde die Bürgerberatung von der BE-Stelle geschult. Gleichzeitig wurde auf
die Homepage der Freiburger Stadtverwaltung eine Übersicht mit Angeboten
und Kontakten zu lokalen Engagementförderern eingerichtet. Informiert wird
über Beratungsmöglichkeiten, Ehrungen, Engagement- und Raumangebote.

5.4 Sonstige Arbeitsfelder

Über den engen Rahmen des BE hinaus ist die Stabstelle für weitere Bereiche zu-
ständig. Folgende Aufgaben werden hier aktuell wahrgenommen:

 Organisation regionaler Arbeitsmarktkonferenzen, die gemeinsam mit den


Landkreisen Emmendingen / Breisgau Hochschwarzwald und Partnern wie
der IHK, HWK, FWTM und der Kontaktstelle Frau und Beruf veranstaltet wer-
den.
 Begleitung von Aktivitäten im Rahmen der Kommunalen Kriminalprävention
mit Koordinationsratssitzungen und Arbeitskreisen sowie Sicheres Freiburg
e.V. mit Aktivitäten zu Zivilcourage und dem Solidarmodell Anti-Graffiti.
 Geschäftsführung der Preisvergabe Fritz Munder Stiftung.
 Entwicklung und Begleitung der Konzeption Toleranz und Kommunikation Au-
gustinerplatz.

6. Zukünftige Themen und Handlungsfelder

Das Bundeskabinett hat im Juli 2009 Eckpunkte einer nationalen Engagementstra-


tegie verabschiedet. Hierzu sollte das „Nationale Forum für Engagement und Par-
tizipation“ im Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement bis zum Jahresen-
de 2009 Handlungsvorschläge erarbeiten. Für den Bereich kommunale Engage-
mentförderung behandelt das Nationale Forum fünf wesentliche Fragen:

 Wie sollte die Infrastruktur zur Engagementförderung (Anlauf-, Beratungs- und


Vermittlungsstellen) ausgebaut werden?
 Wie können Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für Freiwillige ver-
stärkt werden?
 Wie können neue Gruppen für das freiwillige Engagement erschlossen wer-
den?
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 Wie kann die Engagementförderung durch Unternehmen verbessert werden?


 Welche neuen Formen und Möglichkeiten des Engagements sollten entwickelt
werden?

Die Auflistung der Fragestellungen zur kommunalen Engagementförderung an das


Nationale Forum verdeutlicht, dass die dargestellten Aktivitäten der BE-Stelle im
Kontext bundesweiter Debatten und Überlegungen stehen und die Freiburger BE-
Förderung sich hier aktuellen Anforderungen und Handlungsbedarfen stellt.
Gleichzeitig wird unterstrichen, dass diese Aktivitäten fortzusetzen und wenn mög-
lich auszubauen sind. Hier sollen in Zukunft insbesondere noch verstärkt ge-
schlechterbezogene Analysen und Förderaspekte Beachtung finden.

Mit Blick auf den demographischen Wandel, mit einer veränderten Altersstruktur
und wachsender Migration zur Nutzung der Engagementpotenziale für das gesell-
schaftliche Miteinander, zeigen sich für die Zukunft folgende Herausforderungen:

 Nutzung des Engagementpotenzials von älteren Mitbürgerinnen/Mitbürgern


 Gewinnung von Engagementinteressierten
 Einbeziehung von Menschen mit Migrationhintergrund.

a) Nutzung des Engagementpotenzials von älteren Bürgerinnen und Bürgern

Die Potenziale einer älter werdenden Gesellschaft für das kommunale Ge-
meinwesen zu gewinnen, bietet viele Vorteile u. a. junge Familien zu entlas-
ten, Schülern Nachhilfeangebote zu offerieren, Jugendliche bei dem Be-
rufseinstieg zu unterstützen oder pflegebedürftige Menschen zu begleiten.
Seitens der BE-Stelle wird geprüft, gemeinsam mit erfahrenen Partnern und
mittels lokaler Persönlichkeiten kostenfreie Qualifizierungs- und Schnuppe-
rangebote öffentlichkeitswirksam zu präsentieren und vermitteln zu können.

b) Gewinnung von Engagementinteressierten

Die BE-Statistiken machen deutlich, dass die Anzahl der Aktiven genauso
groß ist, wie das der Engagementinteressierten. Vorgesehen ist, in Zukunft
noch stärker mit Verantwortlichen und Multiplikatoren einzelner Engagement-
felder bedarfsgemäße Angebote zu entwickeln und öffentlich darzustellen, um
dieses Potenzial stärker zu erschließen.

c) Einbeziehung von Migrantinnen und Migranten

Mit Blick auf die geringe Engagementquote von Migrantinnen wird ein Schwer-
punkt darin gesehen, die wachsende Zahl von Initiativen und Vereinen, die es
hier gibt, als Partnerinnen und Engagementbegleiter für die Engagementwer-
bung und Vernetzung anzusprechen und zu gewinnen.
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Das für 2011 ausgerufene „Europäische Jahr der Freiwilligen“ bietet eine Platt-
form, die für örtliche Öffentlichkeitsarbeit und Engagementförderung genutzt wer-
den soll. Geplant ist, gemeinsam mit lokalen Partnern und Netzwerken Veranstal-
tungen zu konzipieren. Wie im Internationalen Freiwilligen Jahr 2001 soll in der
Stadt die Breite und Vielfalt des lokalen Engagements präsentiert und für das En-
gagement geworben werben.

7. Fazit

Das gesellschaftliche Engagement ist nicht nur Ausdruck der Festigkeit des zivil-
gesellschaftlichen Kerns einer modernen Stadt, es ist auch Indiz für die Lebens-
qualität einer Gesellschaft; die sich im Umfang der Aktivitäten und in der Bereit-
schaft zur Beteiligung von Bürgerinnen und Bürger spiegelt. BE ist in Freiburg ein
lebendiges und tragfähiges Element der Stadtentwicklung und des sozialen, kultu-
rellen und sportlichen Lebens mit einer hohen Angebotsvielfalt.

Freiburg besitzt gute Rahmenbedingungen und verlässliche Strukturen, um die


Potenziale und Ressourcen des bürgerschaftlichen Engagements zu pflegen und
zu aktivieren. Neben den kommunalen Handlungsfeldern sind die umfänglichen
ehrenamtlichen Leistungen und Projekte der Fachverbände im Gesamtkontext mit
zu berücksichtigen. Auch wenn sie in ihrer Gesamtheit und Qualität hier nur an-
satzweise dargestellt werden konnten, bieten sie im Hinblick auf die gesellschaftli-
chen Wandlungsprozesse ein großes zivilgesellschaftliches Potenzial.

Für Rückfragen steht Herr Rieger, Dezernat III, Tel.: 0761/201-3052, zur Verfügung.

- Bürgermeisteramt -