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Silvia Irina Zimmermann

Unterschiedliche Wege, dasselbe Ideal

Das Königsbild im Werk Carmen Sylvas und in


Fotografien des Fürstlich Wiedischen Archivs

1
Schriftenreihe der
FORSCHUNGSSTELLE CARMEN SYLVA
FÜRSTLICH WIEDISCHES ARCHIV
Herausgegeben von
Silvia Irina Zimmermann
Hans-Jürgen Krüger
Edda Binder-Iijima
Ralf Georg Czapla

ISSN 2199-2940

Band 1

In Vorbereitung:

2 Silvia Irina Zimmermann, Edda Binder-Iijima (Hg.)


"Ich werde noch vieles anbahnen"
Carmen Sylva: Die Schriftstellerin und erste Königin von Rumänien
im Kontext ihrer Zeit
ISBN 978-3-8382-0564-9

Die Schriftenreihe versteht sich als Publikationsforum der Forschungsstelle Carmen Sylva
des Fürstlich Wiedischen Archivs Neuwied. Ziel ist es, die wissenschaftliche
Beschäftigung mit Elisabeth zu Wied, der ersten Königin von Rumänien und
Schriftstellerin Carmen Sylva, zu fördern. Die Bände der Forschungsstelle Carmen Sylva,
die in loser Reihenfolge erscheinen, sollen neue Brücken in der interdisziplinären und
interkulturellen Carmen-Sylva-Forschung schlagen und die Forschungsergebnisse einer
interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen.
Silvia Irina Zimmermann

UNTERSCHIEDLICHE WEGE, DASSELBE IDEAL

Das Königsbild im Werk Carmen Sylvas und


in Fotografien des Fürstlich Wiedischen Archivs

Mit einem Vorwort von


Hans-Jürgen Krüger

ibidem-Verlag
Stuttgart
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im
Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Die Deutsche Nationalbibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliografie;
detailed bibliographic data are available in the Internet at http://dnb.d-nb.de.

Coverabbildung: © Fürstlich Wiedisches Archiv Neuwied, digitale Bearbeitung und


Umschlaggestaltung: Silvia I. Zimmermann.

Gedruckt auf alterungsbeständigem, säurefreien Papier


Printed on acid-free paper

ISSN: 2199-2940

ISBN-13: 978-3-8382-0655-4

© ibidem-Verlag
Stuttgart 2014

Alle Rechte vorbehalten

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Printed in Germany
S. D. Carl Fürst zu Wied
in Dankbarkeit gewidmet

5
6
Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Die Hohenzollern und die Wieds................................................. 9


Vorwort der Autorin: Das deutsche Königspaar Rumäniens ................. 13
Carmen Sylvas Hommage an König Carol I. von Rumänien.................. 17
König Carol I. von Rumänien im literarischen Werk Carmen Sylvas ... 23
Der siegreiche Fürst ................................................................................. 23
Der Bauherr und Förderer ...................................................................... 31
König Carols Schloss Pelesch und Carmen Sylvas „Pelesch-Märchen“ ........ 31
Die Urkunde zur Einweihung von Schloss Pelesch.......................................... 39
Der Beitrag des Königs zur Modernisierung Rumäniens ................................ 40
Der weise König und sein Lebenswerk ................................................ 45
Exkurs: Königin Elisabeth über die Armut der Bauern in Rumänien ............ 46
Die Donaufahrt der Königsfamilie im Mai 1904 ............................................... 49
Der Lebenspartner ................................................................................... 59
Die gemeinsame Mission als Königspaar .......................................................... 59
Die Tragik des kinderlosen Königspaares ......................................................... 65
Ein weiser Partner ................................................................................................. 67
Ein wahrer Ritter ................................................................................................... 70
Ein weitsichtiger Lehrer ....................................................................................... 72
Der ideale Herrscher ..................................................................................... 75
Der Landesvater ....................................................................................... 75
Aphorismen über den Herrscher und das Volk, Politik und Geschichte
.......................................................................................................................... 79
Der Herrscher ........................................................................................... 80
Der Herrscher und das Volk................................................................... 83
Politik ......................................................................................................... 84
Geschichte ................................................................................................. 86
Die Königin ............................................................................................... 87

7
Über den Herrscher in republikanischen Zeiten....................................... 89
Warum braucht man Könige? ................................................................ 95
Carmen Sylvas literarische Tätigkeit im Dienst der Krone Rumäniens
........................................................................................................................ 105
Das erste Königspaar Rumäniens: unterschiedliche Wege, dasselbe
Ideal ............................................................................................................... 107
Der Reisebericht Carmen Sylvas zur Donaufahrt der Königsfamilie vom
10. bis 16. Mai 1904 ...................................................................................... 111
Rheintochters Donaufahrt..................................................................... 113
Das Königspaar Carol I. und Elisabeth in Fotografien .......................... 171
Das Fürstenpaar Carol I. und Elisabeth. Der Unabhängigkeitskrieg.
Das Königreich Rumänien .................................................................... 177
Der König als Bauherr. Die Königin als Schriftstellerin und
Künstlerin ................................................................................................ 215
König Carol I. als Begründer der rumänischen Dynastie. Die
Königsfamilie in offiziellen und persönlichen Fotografien.............. 259
Zeittafel ......................................................................................................... 329
Bibliografie ................................................................................................... 341

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Vorwort: Die Hohenzollern und die Wieds

Es mag hilfreich sein, in ein paar kurzen Zeilen zu umreißen, daß die Ehe
Karls von Hohenzollern-Sigmaringen mit Elisabeth zu Wied, der Literatin
Carmen Sylva, nicht die einzige Verbindung zwischen den Häusern Ho-
henzollern und Wied war. Der folgende knappe Abriß entstammt dem Heft
Das Fürstenhaus Wied, Grafen zu Isenburg, Herren von Runkel und Neuerburg1:

„Im 19. Jahrhundert hatte das Haus Wied enge Verbindungen zu den Ber-
liner Hohenzollern. Den jungen preußischen Prinzen (späteren Kronprin-
zen und Kaiser) Friedrich Wilhelm, damals Student in Bonn, sah die Fami-
lie Wied dort fast täglich als ihren Gast im ehemaligen kurfürstlichen
Sommerschlößchen Vinea Domini, wo sie 1851-1853 jeweils für mehrere
Monate wohnte. Der Vater des Prinzen, der spätere Kaiser Wilhelm I., hatte
in jenen Jahren als Militärgouverneur in der preußischen Rheinprovinz und
in Westfalen seinen Dienstsitz im Schloß zu Koblenz. Er und seine Familie,
Prinzessin Augusta mit Töchterchen Luise (der späteren Großherzogin von
Baden), und die Familie Wied, Fürst Hermann (1814-1864) und Fürstin
Marie (1825-1902) mit Töchterchen Elisabeth (der späteren Carmen Sylva,
1843-1916), luden sich gegenseitig zum Tee ein, sei es in Koblenz, sei es in
Neuwied und Monrepos. Kronprinz Friedrich Wilhelm gab seinen Jugend-
freund Hauptmann Mischke dem jungen Prinzen Wilhelm zu Wied (1845-
1907) auf dessen Studienreise 1865/66 durch Italien, Ägypten und den
Vorderen Orient als Mentor mit. In den Kriegen 1866 und 1870/71 nahm er
Wilhelm in seinen Armee-Stab auf. Man gewinnt den Eindruck, daß er den
im liberalen Elternhaus Wied aufgewachsenen und in der Republik
Schweiz aufs Baseler Gymnasium geschickten Prinzen in seinen engeren
Kreis zog, um einen weiteren Helfer mit gleichen politischen Ansichten zu
haben, wenn er die Nachfolge als König und Kaiser antrat. Ein Brief vom
20.2.1885 begann mit der Anrede ‚Mein lieber Wilhelm‘ und endete: ‚Dir
diese meine Auffassungen angelegentlichst empfehlend, grüße ich Maria
wie Deine Mutter aufs allerherzlichste als Dein treuer alter Freund Fried-
rich Wilhelm.‘ Man rechnete damit, daß der Kronprinz nach der Inthronisa-
tion als Kaiser den Freiherrn Franz von Roggenbach zum Reichskanzler
berufen und eine die Hoffnungen der Liberalen im Lande erfüllende ande-
re Politik einleiten werde. Roggenbach, vormals Außenminister des Groß-
herzogtums Baden, war nach dem Tod des Fürsten Hermann zu Wied mit
der verwitweten Fürstin Marie zu Wied in morganatischer Ehe verbunden.

1 Hans-Jürgen Krüger: Das Fürstenhaus Wied, Grafen zu Isenburg, Herren von Runkel und Neuer-
burg, Reihe „Deutsche Fürstenhäuser“, Heft 14, Werl: Börde Verlag, Erstauflage 2005, 2. Auf-
lage 2011, S. 66-70 und 73-76.

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Marie zu Wieds Großmutter mütterlicherseits, Charlotte von Mecklenburg-
Strelitz, verheiratet mit Herzog Friedrich von Sachsen-Altenburg, war eine
Schwester der ‚Preußenmadonna‘ Königin Luise. Maries Mutter Luise, ver-
heiratete Herzogin von Nassau, war also eine Kusine der Preußenkinder
König Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm I. Die Fürstin Marie zu
Wied war somit deren Großkusine. Ihre Großtante Friederike, die andere
Schwester der Königin Luise, war in 3. Ehe Königin von Hannover. Maries
Bruder Adolf regierte bis 1866 das Herzogtum Nassau und war ab 1890
Großherzog von Luxemburg. Maries Sohn Wilhelm heiratete 1871 Prinzes-
sin Marie der Niederlande (1841-1907), Enkelin der Königin Luise von
Preußen und des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. sowie des nie-
derländischen Königspaares Wilhelm I. und Wilhelmine Prinzessin von
Preußen. Sie war Tochter der Prinzessin Luise von Preußen und damit
Nichte des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. und des Kaisers Wil-
helm I. Die zur Fürstin Wied gewordene Königliche Hoheit Prinzessin Ma-
rie der Niederlande war somit die Kusine des preußischen Kronprinzen
Friedrich Wilhelm, 1888 für 99 Tage Kaiser. Auch durch Patenschaften wa-
ren die Hohenzollern den Wieds verbunden. Carmen Sylva, 1843 geboren
als Elisabeth zu Wied, war Patenkind der Königin Elisabeth von Preußen,
der Gemahlin König Friedrich Wilhelms IV. Als der Sohn Hermann (1874-
1877) des Ehepaares Wilhelm und Marie zu Wied getauft wurde, kam Kai-
ser Wilhelm I. nach Neuwied und übernahm die Taufpatenschaft. Erbprinz
Hermann (1899-1941) hatte zum Taufpaten Kaiser Wilhelm II. und Königin
Wilhelmine der Niederlande. […]

Die Verbindungen zu anderen Höfen Europas waren nicht minder eng. Die
jüngste Halbschwester Sophie der Fürstin Mutter Marie zu Wied aus Nas-
sau war Königin von Schweden und Norwegen, verheiratet mit König
Oskar II. Die ältere Schwester Luise der Fürstin Marie zu Wied aus den
Niederlanden war ebenfalls Königin von Schweden und Norwegen, ver-
heiratet mit Oskars älterem Bruder, König Karl XV. Deren Tochter Luise,
also die Nichte der niederländischen Marie zu Wied, war Königin von Dä-
nemark. Der Bruder von Marie zu Wieds Vater war König Wilhelm II. der
Niederlande. Ihre Tante Charlotte, Schwester ihrer preußischen Mutter,
war unter dem Namen Alexandra Feodorowna Zarin, verheiratet mit Zar
Nikolaus I. Königin Emma der Niederlande, Gemahlin Wilhelms III., des
Vetters der jüngeren Fürstin Marie zu Wied, war Nichte der Fürstinmutter
Marie zu Wied (Nassau). – Das war Alteuropas Adelsherrschaft. Heute und
mit Bezug auf andere gesellschaftliche Gruppen spricht die Soziologie von
‚Netzwerk‘ oder von ‚Kanalarbeitern‘.[…]

In den Jahren 1854 bis 1856 meldete sich im Schloss Neuwied häufiger ein
junger Mann zu Besuch an, der auch nicht versäumte, den Geburtstag der
ins Backfisch-Alter hineinwachsenden Prinzessin Elisabeth zu Wied mitzu-

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feiern. Dieser Gratulant war Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der
spätere Kaiser der 99 Tage im Jahr 1888. Des Prinzen Mutter, die spätere
Königin-Kaiserin Augusta, hielt in ihrem Tagebuch fest: ‚An unserem Hofe
erzählt man sich, daß ihre [der Fürstin Marie zu Wied] kleine Tochter [Eli-
sabeth] zur künftigen Kronprinzessin von Preußen ausersehen sei.‘ Auch in
Berlin eine Kaiserin Elisabeth? Um ein Frauenhaar: ja. Der junge Prinz ent-
schied sich dann doch anders und heiratete die Tochter Vicky der Queen
Victoria. Aber er wies seinen Vetter und Freund Karl von Hohenzollern-
Sigmaringen, den die Rumänen 1866 als Fürsten ins Land gerufen hatten,
auf die Prinzessin Wied hin. Karl machte ihr, nachdem beide sich zwei
Stunden lang unterhalten hatten, einen Heiratsantrag. Elisabeth erbat sich
eine Viertelstunde Bedenkzeit und sagte dann ‚Ja‘. Also keine Liebes-
romanze, aber auch keine dynastische Heirat aus Staatsräson: denn die
gegen frühere Werber abweisend gewesene und deshalb in die Vorberei-
tung von Karls Werbung nicht eingeweihte Braut entschied sich frei: für
einen Mann von Charakter: ‚Mit dem kann man reden.‘ Elisabeth trat in die
Ehe wie die Neuwieder Herrnhuterinnen, die Missionare in Labrador oder
in Südafrika heirateten. ‚Den Mann kennen sie weder in dem einen noch in
dem anderen Fall und werden tüchtige Frauen, die ihren Beruf mit aller
Kraft erfüllen.‘ So wurde aus der wiedischen Prinzessin Elisabeth 1869 die
Fürstin und 1881 die Königin Elisabeta von Rumänien.
Die ‚Neuwieder Zeitung‘, indem sie weitsichtig an die Vermarktung des
heimischen Edelgetränks dachte, sagte beim Abschied voraus:

Und fließen auch wohl heute stille Thränen,


daß uns verläßt ein lieblich Fürstenkind,
du, edler Fürst, du bringst sie den Rumänen
als theures Pfand, als bestes Angebind‘.
D’rum schenket ein
den Wein vom Vater Rhein:
Die Braut wird nie vergessen sein!

Elisabeth aber hätte gern ewas mitgenommen:

Wir wohnten beisammen am grünen Rhein,


der Wald und ich und die Lieder mein,
wir waren gar traute Gesellen,
und was wir gesungen, geträumt und gedacht,
wir sagten es leis‘ in der Mondscheinnacht
ganz heimlich den silbernen Wellen.

Doch einst mußt‘ ich ziehn in die Welt hinaus,


ich sollte mir bauen mein eigenes Haus,
im Osten in schimmernder Weite.

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Ihr Freunde, ich sag euch für immer Ade!
Wie tut mir das Scheiden, das Scheiden so weh!
Gibt keiner von euch mir’s Geleite?

Da schütteln das Haupt wohl der Rhein und der Wald:


Wir sind zum Wandern schon lange zu alt,
wie sehr wir dir auch gewogen!
Doch als ich trat in mein neues Heim,
erklang mir gar fröhlich dort Reim auf Reim –
die Lieder sind mit mir gezogen!“

Hans-Jürgen Krüger
Fürstlich Wiedisches Archiv

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Vorwort der Autorin: Das deutsche Königspaar Rumäniens

Im Jahr 2014 erinnern gleich drei Ereignisse an das deutschstämmige erste


Königspaar Rumäniens, Karl von Hohenzollern-Sigmaringen (Carol I.) und
Elisabeth zu Wied. Zwei dieser Ereignisse, die sich jähren, haben in
Deutschland stattgefunden: 175 Jahre seit der Geburt von Karl von Hohen-
zollern-Sigmaringen am 20. April 1839 in Sigmaringen und 145 Jahre seit
der Hochzeit am 15. November 1869 in Neuwied des seit 1866 in Rumänien
herrschenden Fürsten Carol mit Prinzessin Elisabeth zu Wied. Der Tod des
Königs Carol I. von Rumänien am 10. Oktober 1914 in Schloss Pelesch (Si-
naia, Rumänien), der sich 2014 zum 100. Mal jährt, markiert das Ende der
so genannten Carol-Epoche in der Geschichte Rumäniens, einer bedeuten-
den Zeit, in der das Land die staatliche Unabhängigkeit gewann und zum
Königreich erhoben wurde. Während der 48-jährigen Regierungszeit
Carols I. erlebte das Land eine rasante Modernisierung und einen neuen
Wohlstand, der jedoch nicht alle sozialen Schichten erreichte. Es war eine
Zeit der Umbrüche und Kontraste, der Erfüllung einiger Visionen wie die
staatliche Unabhängigkeit, aber auch wiederholter Hungersnöte in der
armen Landbevölkerung und der Bauernrevolten von 1888 und 1907, denn
die Bodenreformen in Rumänien sollten erst nach dem ersten Weltkrieg
durchgesetzt werden.1 Dennoch ist die Bedeutung der Carol-Epoche für die
Anfänge des modernen Staates und der modernen Kultur in Rumänien
unbestreitbar. Zugleich ist die Carol-Epoche auch aus deutscher Sicht inte-
ressant, denn es bestanden sehr enge und vielfältige deutsch-rumänische
Beziehungen in Politik, Wirtschaft und Kultur, angeregt durch das erste
Königspaar Rumäniens, das neue Ansichten und Ansprüche mit nach Ru-
mänien brachte und die Modernisierung und Annäherung des Landes an
den Westen Europas entscheidend mitförderte.
Dieses Buch jedoch setzt sich nicht das Ziel, eine umfassende Kulturge-
schichte oder eine Geschichte der Politik Carols I. in Rumänien wiederzu-
geben2, sondern es untersucht einen besonderen Aspekt der Kulturpolitik

1 Mehr dazu in den Studien des Historikers Ion Bulei: In vechiul Regat, Bucureti: Tritonic,
2013 und Viaa în vremea lui Carol I, Bucureti: Tritonic, 2005. Zur Frage nach der „als Erfolg
gewerteten Fürstenkarriere“ vgl.: Edda Binder-Iijima: Die Institutionalisierung der rumänischen
Monarchie unter Carol I. (1866-1881), München: Oldenburg Verlag, 2003, hier insbesondere S.
592-594. Mehr über Geschichte, Politik und Kultur der Carol-Zeit siehe in: Binder-Iijima,
Edda/ Löwe, Heinz-Dietrich/ Volkmer Gerhard (Hgg): Die Hohenzollern in Rumänien 1866-
1947. Eine monarchische Herrschaftsordnung im europäischen Kontext, (Studia Transylvanica; Bd.
41), Köln/ Weimar/ Wien: Böhlau 2010.
2 Ausführlicher zur Kulturgeschichte und zur höfischen Kultur bei Klaus Heitmann: Deutsche

und rumänische Kultur am Hofe Carols I. und Carmen Sylvas, in: Höfische Kultur in Südosteuropa,
hrsg. von Reinhard Lauer und Hans Georg Majer, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,
1994, S. 305-338. Zur „femininen Seite der Hofkultur“ vgl. auch Edda Binder-Iijima: Europäi-

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des ersten Königspaares von Rumänien, der bisher weitgehend unbekannt
geblieben ist. Im Fokus der Betrachtung steht hier die literarische und die
fotografische Erinnerung an König Carol I. aus der Sicht jener Person, die
ihm im Leben und auf dem Thron am nächsten stand: Königin Elisabeth
von Rumänien, geborene Prinzessin zu Wied (1843-1916) und Schriftstelle-
rin unter dem Pseudonym Carmen Sylva.
Aus dem vielseitigen und sehr umfangreichen Werk Carmen Sylvas haben
vor allem ihre Märchen und Aphorismen sowie ihre Übersetzungen zeit-
genössischer rumänischer Dichter Anerkennung gefunden und sind bis
heute lesenswert und kulturgeschichtlich relevant. Die politische, prody-
nastische Tendenz ihrer Werke dagegen wurde bisher kaum untersucht,
obwohl die literarische Öffentlichkeitsarbeit der Königin wesentlich zur
Wahrnehmung des 1881 gegründeten Königreichs Rumänien in Westeuro-
pa beigetragen hat. Aus heutiger Sicht ist die schriftstellerische Tätigkeit
Carmen Sylvas ein erfolgreiches Beispiel von Public Relations durch Story-
telling in einer Zeit, als diese Begriffe noch gar nicht erfunden waren.
Dieser Band enthält eine erste ausführlichere Studie über das Bild des Kö-
nigs Carol I. von Rumänien in den veröffentlichten Werken von Carmen
Sylva, den Reisebericht der Königin „Rheintochters Donaufahrt“ sowie ein
Album mit zahlreichen Fotografien aus dem Fürstlich Wiedischen Archiv.
Diese Fotografien sandte Elisabeth an ihre Familienmitglieder in Neuwied
und gewährte ihnen Einblick in ihr Leben in der neuen Heimat.

Danksagung

Ich danke allen, die mich während der Arbeit an diesem Buchprojekt un-
terstützt und ermutigt haben.
Mein verbindlichster Dank an S. D. Carl Fürst zu Wied für die Unterstüt-
zung der Initiative „Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedi-
schen Archivs“, die 2012 gegründet wurde, so dass dieses Buch als Band
der Schriftenreihe der Forschungsstelle erscheinen kann.
Herrn Dr. Hans-Jürgen Krüger, Leiter des Fürstlich Wiedischen Archivs
Neuwied, meinen herzlichen Dank für die zahlreichen Anregungen im
Laufe des gesamten Buchprojekts sowie durch die Bereitstellung und Ge-
nehmigung zur Veröffentlichung des Bildmaterials aus dem Fürstlich Wie-
dischen Archiv Neuwied. Mein Dank gilt gleichermaßen Herrn Wolfgang

sche Integration durch Hofkultur. Die Höfe Bukarest, Sinaia, Sigmaringen und Neuwied und ihre
Vermittlungs- und Repräsentationsfunktionen, in: Binder-Iijima, Edda/ Löwe, Heinz-Dietrich/
Volkmer Gerhard (Hgg): Die Hohenzollern in Rumänien 1866-1947, S. 99-121 und insbesondere
117-119. Zur literarischen Vermittlung und Rezeption Rumäniens in Deutschland siehe ins-
besondere Klaus Heitmann: Das Rumänenbild im deutschen Sprachraum 1775-1918, Köln/
Wien: Böhlau, 1985.

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Horbert für die Unterstützung bei der Auswahl des fotografischen Ar-
chivmaterials.
Mein größter Dank dem wissenschaftlichen Beirat der Forschungsstelle für
die vielen Anregungen, die teilweise auch in dieses Buch mit eingeflossen
sind: Dr. Ruxanda Beldiman, Dr. Edda Binder-Iijima, Prof. Dr. Mihai Cos-
ma, Dr. Sorin Cristescu, Prof. Dr. Ralf Georg Czapla, Prof. Dr. Dr. h.c. mult.
Volkmar Hansen, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Klaus Heitmann, Prof. Dr. Maria
Sass, Prof. Dr. Nicolae-erban Tanaoca und Bernd Willscheid.
Für die freundliche Unterstützung durch Informationen zu verschiedenen
Aspekten der Kunstgeschichte Rumäniens für die Zeit König Carols I. und
zur Geschichte der rumänischen Königsfamilie danke ich auch: Dr. tefania
Ciubotaru, Macrina Oproiu, Dr. Carmen Tnsoiu und Dr. Mircea Horto-
pan.
Herrn Christian Schön, Leiter des ibidem-Verlags Stuttgart, und Frau Vale-
rie Lange danke ich für die Aufnahme eines weiteren Buches über Carmen
Sylva in das ibidem-Verlagsprogramm sowie für die stets freundliche und
umsichtige Betreuung.
Kai-Otto und Robert danke ich für ihre Liebe, Geduld, Ermutigung und
Unterstützung. Für wertvolle Anregungen, wiederholtes Korrekturlesen,
die zahlreichen gemeinsamen Gespräche – und nicht zuletzt für die Idee zu
diesem Buch – danke ich von ganzem Herzen meinem Ehemann Kai-Otto
Zimmermann.

Silvia Irina Zimmermann

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http://www.ibidemverlag.de/Reihen-Schriftenreihen-Institutsreihen/Schriftenreihe-der-Forschungsstelle-Carmen-Sylva-Fuerstlich-Wiedisches-Archiv/