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Ausländer in der CH – Perspektiven und Möglichkeiten


Betrifft: Trennung bzw. Scheidung eines binationalen Paares
Datum: 06.01.2018

A) Ausgangslage
1. Vorliegend stellen sich verschiedene Fragen. Es sei zu prüfen, wie die
Aufenthaltsregelung nach Auflösung der familiären Gemeinschaft aussieht und
welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit die Aufenthaltsbewilligung
nicht entzogen bzw. wieder verlängert wird. In einem weiteren Schritt werden die
verschiedenen Möglichkeiten einer Eheauflösung gemäss Schweizer Recht
aufgezeigt. Zudem wird zu prüfen sein, welche Rechte und Pflichten die Parteien
gegenüber dem Kind haben. Einige nützliche Tipps im Anbetracht einer eventuellen
Heirat mit einem ausländischen Staatsangehörigen. Zuletzt ein kurzer Exkurs
bezüglich Auswandern und einigen Hinweisen, wie sich die betroffene Person
rechtlich absichern kann.

2. Die nachfolgenden Ausführungen dienen dazu, eine möglichst lösungsorientierte


Antwort zu liefern, ohne eine wissenschaftliche Abhandlung zu erstellen. Der
Sachverhalt basiert auf mündliche Angaben.

NB. Das vorliegende Dokument hat zum Ziel einige Inputs zu geben, dient aber
nicht dazu, die Lösung zu liefern. Es ist als Leitfaden gedacht und im Anbetracht
dessen wird es für die Parteien von Bedeutung sein, sich mit den zuständigen
Behörden in Kontakt zu setzen. Zudem sei darauf aufmerksam zu machen, dass es
sich um «fiktive Möglichkeiten handelt», es in der Praxis aber anders zu und
hergehen kann. Es wird empfohlen, einen Anwalt beizuziehen.

B) Sachverhalt

X, kolumbianischer Staatsbürger, hat im April 2016 Y geehelicht. Die Ehe wurde in


der Schweiz anerkannt. Er absolviert derzeit eine Ausbildung, seine Frau ist als
Lehrerin tätig. Gemeinsam leben sie in Freiburg in einer Mietwohnung.
Die Ehefrau erwartet ihr erstes gemeinsames Kind, welches im Mai 2018 zur Welt
kommen soll. Es handelt sich vorliegend um keine Scheinehe. X setzt sich aber mit
dem Gedanken auseinander, sich von seiner Ehefrau zu trennen.
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C) AUFENTHALTSBEWILLIGUNG BEI AUFLÖSUNG DER EHEGEMEINSCHAFT


1. Rechtsgrundlagen

Rechtsgrundlage ist das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer


(AuG, SR 142.20)

2. Vorbemerkung

Bei einer binationalen Ehe erhält der ausländische Partner die Aufenthalts-
bewilligung B (Art. 42 ff. AuG). Meistens werden die Partner mittels
Familiennachzug in die Schweiz gebracht. Die obgenannte Bewilligung muss
jährlich erneuert werden.

3. Art. 50 AuG insbesondere

In Art 50 AuG werden die Voraussetzungen für die Verlängerung einer


Aufenthaltsbewilligung genannt: In der Schweiz besteht für ausländische
Staatsangehörige, ungeachtet des Herkunftsstaates, nach Auflösung der Ehe oder
der Familiengemeinschaft mit einem Schweizer oder einem Niedergelassenen ein
Anspruch auf Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung, wenn die
Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden und in der Schweiz gelebt
worden ist (BGE 136 II 13) und die betroffene Person gut integriert ist (Art. 50 Abs. 1
lit. a AuG). bzw. wichtige persönliche Gründe ihren weiteren Aufenthalt in der
Schweiz erforderlich machen. Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Der Anspruch gilt unter dem
Vorbehalt von Widerrufsgründen (Art. 51 Abs. 2 i.V.m. 62 AuG)

Unter den folgenden Voraussetzungen können Drittstaatenangehörige ausserhalb


der EU/EFTA-Staaten ein Gesuch um Erteilung einer Härtefallbewilligung stellen:

- Ehedauer von mindestens 3 Jahren


- Integration in der Schweiz (Beherrschen einer Landessprache, geregelte
Arbeitsstätigkeit)
- besondere Umstände (Kinder, besondere Scheidungsumstände)
- Gefährdung der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat

3.1 Ehedauer von drei Jahren

Die Ehegemeinschaft setzt voraus, dass eine tatsächliche gelebte Beziehung


bestand. Die gesetzliche Frist von drei Jahren gilt absolut (BGE 137 II 345). Die
Frist beginnt mit Beginn des Zusammenlebens in der Schweiz und endet mit dem
Zeitpunkt, ab dem die Ehegatten nicht mehr im gemeinsamen Haushalt
zusammenleben (Urteil 2C_556/2011 E. 4.1).1 So ist die Dauer der

1 Gemäss Bundesgericht werden sodann die im Ausland gelebten Ehezeiten nicht angerechnet,
können aber unter Umständen bei Härtefällen berücksichtigt werden (vgl. 136 II 113 E. 3.3).
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Haushaltsgemeinschaft massgebend, ausgenommen sind Konstellationen von Art.


49 AuG.

3.2 Erfolgreiche Integration

Wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre gedauert hat, ist zusätzlich zu
prüfen, ob eine erfolgreiche Integration besteht. Eine erfolgreiche Integration
besteht, wenn die rechtstaatliche Ordnung und die Werte der Bundesverfassung
respektiert und den Willen zur Teilnahme am Wirtschaftsleben und zum Erwerb der
am Wohnort gesprochenen Landessprache bekundet.2
Somit ist die Dauer der Anwesenheit, die persönlichen Beziehungen zu der
Schweiz (insb., wenn Kinder vorhanden sind), die berufliche Situation, das
persönliche Verhalten und die Sprachkenntnisse massgebend. Allfällige Gründe,
die das Erlenen der am Wohnort gesprochenen Sprache und die Wirtschaftliche
Integration behindert haben, sind zu berücksichtigen. Beispiel hierfür wäre eine
belastende familiäre Situation.
Bei der erfolgreichen Integration ist es wichtig, dass die betroffene Person weder
verschuldet, noch von der Sozialhilfe abhängig ist. Sie muss in der Lage sein, für
sich selber aufzukommen (Urteil 2C_43072011 E. 4.2).

3.3 wichtige persönliche Gründe

Darunter fallen Gründe wie der Ehegatte wurde Opfer ehelicher Gewalt oder die
Ehe wurde nicht mit freien Willen geschlossen. Ein weiteres Beispiel wäre, wenn
die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint. Hier
ist keine kumulative Erfüllung der Voraussetzung erforderlich.

3.4 Vorhandensein gemeinsamer Kinder

Ein weiterer Aufenthalt kann sich dann als erforderlich erweisen, wenn
gemeinsame Kinder vorhanden sind, zu denen eine enge Beziehung besteht und
in der Schweiz gut integriert sind. Ein wichtiger Faktor ist immer das Kindeswohl.
Es sollen weiter auch die Umstände berücksichtigt werden, die zur Auflösung der
Gemeinschaft geführt haben (Präzisierung der höchstrichterlichen Rechtsprechung
Urteil 2C_318/2013 E. 3.3.2 f; BGE 139 I 315 E. 2.5).

Das BGer hält dazu folgendes fest: „Gemäss den obenstehenden Ausführungen
drängt sich eine Präzisierung der Rechtsprechung im folgenden Sinne auf: Bei nicht
sorgeberechtigten ausländischen Elternteilen eines hier aufenthaltsberechtigten
Kindes, welche aufgrund einer inzwischen aufgelösten ehelichen Gemeinschaft mit
einem/-er schweizerischen Staatsangehörigen oder einer Person mit
Niederlassungsbewilligung bereits eine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz
besassen, ist das Erfordernis der besonderen Intensität der affektiven Beziehung
künftig bereits dann als erfüllt anzusehen, wenn der persönliche Kontakt im
Rahmen eines nach heutigem Massstab üblichen Besuchsrechts ausgeübt wird.

2 Für die Beurteilung einer erfolgreichen Integration s. https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/


rechtsgrundlagen/weisungen/integration/weisungen-integration-d.pdf, besucht am 05.01.2018.
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Bei Ausländern, welche erstmals um die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung


ersuchen, ist dagegen weiterhin das Bestehen einer besonders qualifizierten
Beziehung zum hier lebenden Kind zu verlangen: Erforderlich bleibt in jenen Fällen
ein grosszügig ausgestaltetes Besuchsrecht, wobei "grosszügig" dort im Sinne von
"deutlich mehr als üblich" zu verstehen ist.“

So kommt es in jedem Fall weiterhin darauf an, dass das Besuchsrecht


kontinuierlich und reibungslos ausgeübt wird. Zudem ist an den übrigen
Voraussetzungen einer Bewilligungsverlängerung festzuhalten: Nach wie vor ist es
erforderlich, dass auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine besondere intensive
Beziehung zwischen dem Kind und dem nicht sorgeberechtigten Elternteil besteht
und dass Letzterer sich tadellos verhalten hat (Urteil 2C_329/2013 E. 2.1. und 3.2).

3.5 Soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland

Ein Recht auf Verbleib in der Schweiz kann auch weiterbestehen, wenn die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint. Es stellt sich
dabei nicht die Frage, ob es für die betroffene Person leichter ist, in der Schweiz zu
leben, es gilt lediglich zu prüfen, ob bei einer Rückkehr ins Heimatland die
Bedingungen für die soziale Wiedereingliederung der betroffenen Person in
Anbetracht ihrer persönlichen, beruflichen und familiären Situation stark
beeinträchtigt sind.
Die alleinige Tatsache, dass die ausländische Person, Lebensbedingungen
vorfinden muss, die in ihrem Herkunftsland üblich sind, stellt keinen wichtigen
persönlichen Grund i.S.v. Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG dar. Dies gilt selbst dann nicht,
wenn diese Lebensbedingungen weniger vorteilhaft sind als diejenigen, welche die
betroffene Person in der Schweiz geniesst (Urteil 2C_1119/2012 E. 5.1;
2C_1258/2012 E. 5.1).

D) AUFLÖSUNG DER EHE NACH SCHWEIZERRECHT

1. Rechtsgrundlagen

Rechtsgrundlage ist das Schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB, SR 210)


Bei der Auflösung einer binationalen Ehe stellt sich die Frage, ob das
schweizerische oder das jeweilige ausländische Recht zur Anwendung kommt.
Grundsätzlich wird ein Verfahren in dem Land abgewickelt, in dem der erste
prozessuale Schritt eingeleitet wird. Es seien aber immer auch die gesetzlichen
Bestimmungen des Bunde Bundesgesetz über das Internationale Privatrecht
(IPRG, SR 291). Für das Verfahren kommt die Schweizerische Zivilprozessordnung
(ZPO, SR 272) zur Anwendung.

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2. Eheschutzmassnahmen

Wenn sich die Ehepartner trennen möchten, muss es nicht so gleich zur Scheidung
kommen. Es besteht zunächst die Möglichkeit den gemeinsamen Haushalt
aufzulösen. Dies kann im gegenseitigen Einvernehmen geschehen oder ein
Ehegatte kann dies einseitig beim Eheschutzgericht verlangen. Das
Eheschutzgericht versucht, wenn die Parteien sich nicht einig sind zu schlichten
und regelt nötigenfalls auch die Folgen des Getrenntlebens. Falls keine Einigung
erzielt werden kann, ordnet das Eheschutzgericht auf Begehren hin die im Gesetz
vorgesehenen Massnahmen an.

Das Verfahren richtet sich nach der Zivilprozessordnung. Örtliche Zuständigkeit:


Wohnsitz eines Ehepartners. Für die Kosten müssen die Verfahrenskosten und ev.
auch Anwaltskosten gerechnet werden.

3. Scheidung

3.1 Vorbemerkungen

Das Motiv, welches die Ehegatten gemeinsam oder einen Ehegatten alleine zum
Entschluss der Ehescheidung bringt, ist für das Gericht grundsätzlich irrelevant. Mit
Vorliegen eines Scheidungsgrundes geht der Gesetzgeber von einer unrettbar
zerrütteten Ehe aus. Ein Verschulden spielt für die Scheidungsberechtigung keine
Rolle.

3.2 Scheidungsarten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um eine Ehe aufzulösen. Vor allem wenn ein
Kind im Spiel ist, ist es von Vorteil Regelungen zu treffen. Das Scheidungsrecht
sieht drei Scheidungsgründe vor:

Falls der Ehepartner in die Scheidung einwilligt, bestehen zwei Möglichkeiten:


Einerseits die Scheidung auf gegenseitiges Einvernehmen mit umfassender
Einigung (Art. 111 ZGB). Dabei wird eine Scheidungskonvention aufgestellt, wobei
sich die Parteien über jegliche Scheidungspunkte einig sind und jene nach
Genehmigung des Gerichtes gelten.

Falls die Ehegatten sich einig sind, dass sie sich scheiden wollen, jedoch nicht über
alle Nebenfolgen eine Einigung finden konnten, kommt die Scheidung auf
gemeinsames Begehren mit Teileinigung (Art. 112 ZGB) zur Anwendung. In diesem
Fall entscheidet der Richter über die Nebenfolgen.

Verweigert ein Ehegatte die Scheidung, dann muss eine Scheidungsklage


eingereicht werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Eheleute schon seit mehr
als zwei Jahre getrennt leben (Art. 114 ZGB) oder wenn die Fortführung der Ehe,
wie auch das Abwarten der zweijährigen Trennungsfrist, aus objektiven Gründen
nicht zumutbar ist (Art. 115 ZGB).
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Neben der Scheidung kann auch die Trennung der Ehe verlangt werden (Art. 117
ZGB). Eine gerichtliche Ehetrennung kann unter denselben Voraussetzungen
erreicht werden wie eine Scheidung. Es braucht also entweder ein gemeinsames
Trennungsbegehren, die Eheleute müssen mindestens zwei Jahre getrennt gelebt
haben oder die Fortsetzung der Ehe muss objektiv unzumutbar sein

4. Nebenfolgen

Hauptziel ist die Scheidung der Ehe, jedoch sind aber eine Reihe von Nebenfolgen
zu beachten, die geregelt werden müssen.

Zu den Nebenfolgen gehören:

- Güterrechtliche Auseinandersetzung
Dabei geht es um die Aufteilung der Vermögensgüter.

- Aufteilung sozialversicherungsrechtlicher Ansprüche


Dabei geht es um die Aufteilung der beruflichen Vorsorge und AHV.

- Ehegattenunterhalt
Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass nach einer Scheidung ein sog.
„clean break“ besteht. Es kann aber Umständen sei, dass ein sog.
Ehegattenunterhalt geschuldet wird. Eine Person hat dann Anspruch auf
Unterhaltsleistungen, wenn es ihr nicht zumutbar ist für ihren Unterhalt
aufzukommen.

Das Gesetz kennt zu der Höhe und Dauer von Unterhaltszahlungen keine
allgemein gültigen, klaren Bestimmungen. Es gibt jedoch Richtlinien (Tabellen,
Rechtsprechung).
Die Kriterien für den Entscheid eines nachehelichen Unterhalts sind nicht
abschliessend in Art. 125 Abs. 1 und 2 ZGB aufgezählt. Es spielt dabei keine
Rolle, wer am „Scheitern der Beziehung schuld ist“ (Ausnahme in Art. 125 Abs.
3 ZGB). In Art. 125 Abs. 2 ZGB werden acht Punkte genannt, die dabei helfen,
den Unterhaltsbeitrag eruieren zu können. Dabei handelt es sich, wie oben
genannt, um einen exemplarischen Katalog.

In aller Regel werden die Unterhaltsbeiträge nur für eine befristete Dauer
zugesprochen. Eine nachträgliche Anpassung einer Scheidungsrente ist nur bei
einer erheblichen und dauernden Veränderung der Verhältnisse möglich (Art.
129 Abs. 1 ZGB).

Der Betrag wird anhand des Vermögens der Parteien zum Zeitpunkt der
Scheidung definiert. Es wird eine sog. Bedarfsrechnung aufgestellt. Wichtig ist
stets, dass das sog. Existenzminimum/Lebenshaltungskosten gedeckt ist.

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So hängt die Höhe eines Unterhaltsbeitrags von den konkreten Verhältnissen


ab. Im Normalfall also wird der sog. Notbedarf berechnet und wenn ein
Überschuss besteht, wird dies angemessen aufgeteilt.

Unter Umständen kann es sein, dass vorliegend Y X einen Unterhaltsbeitrag


leisten müsste.
Merke: Bei veränderten Vermögensverhältnisse müsste dies wiederum geprüft
werden.

- Kindesunterhalt
Wenn die Eltern sich scheiden, muss für die Kinder Unterhaltsbeiträge
festgesetzt werden. Es gibt dafür keinen einheitlichen Tarif. Die Höhe der
Beiträge hängt immer von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und den
Bedürfnissen den Kindern ab. Grundsätzlich ist bis zum Erreichen des 18
Lebensjahr oder bis zur Vollendung der ersten Ausbildung ein Unterhaltsbeitrag
geschuldet. Jährlich wird ca. 15 % des Einkommens an den Kindesunterhalt
geleistet (variabler Wert).

NB. Der Kindesunterhalt wird immer wieder angepasst.

Falls ein Elternteil sein Einkommen freiwillig vermindert oder darauf verzichtet,
mehr zu verdienen, obwohl er in der Lage wäre, wird der Unterhaltsbeitrag
anhand eines hypothetischen Einkommens bemessen.

NB: Seit 1.1.2017 gibt es ein neues Kindesunterhaltsrecht; Neu kann der
Unterhaltsbeitrag nur noch in Form in einer Geldleistung und nicht mehr durch
persönliche Betreuung erbracht werden, wen die Kinder nicht mehr in der Obhut
eines Elternteils stehen (Art. 276 Abs.2 ZGB).

- Kinderbelange
Hier geht es um die Zuteilung der elterlichen Sorge sowie um die Vereinbarung
ev. Besuchs- und Ferienrechte.

Bei der elterlichen Sorge handelt es sich um das Recht und die Pflicht, für das
Kind zu entscheiden, wo es noch nicht selbst in der Lage ist (Art. 296 ff. ZGB).
Wer die elterliche Sorge innehat entscheidet über Schul- und Berufswahl,
religiöse Erziehung, medizinische Eingriffe sowie die Bestimmung des
Aufenthaltsrechts des Kindes.
Grundsätzlich gilt die gemeinsame elterliche Sorge, damit die alleinige erteilt
werden kann, wenn dies zur Wahrung des Kindeswohl nötig ist. Die Obhut
(Tägliche Betreuung und Pflege) kann geteilt werden oder einem Elternteil
auferlegt werden. Es besteht weiter für den nicht obhutsberechtigten Ehepartner
ein Besuchsrecht.

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5. Zum Verfahren

5.1 Scheidung bei vollständiger Einigung (Art. 111 ZGB)

Bei einer Scheidung auf gemeinsames Begehren mit vollständiger Einigung sind
sich die Ehegatten im Zeitpunkt der Einreichung über das Scheidungsbegehren
und alle Scheidungsfolgen einig, d.h. in einer Scheidungskonvention sind die
Kinderbelange, der nacheheliche Unterhalt, die Aufteilung der beruflichen
Vorsorge, die güterrechtliche Auseinandersetzung sowie die restlichen
Nebenfolgen der Scheidung geregelt worden.

Zur Rechtsverbindlichkeit der Scheidung bedarf es einer gerichtlichen


Genehmigung. Die Scheidungskonvention muss klar, vollständig, rechtlich zulässig
und nicht offensichtlich unangemessen sein. Dadurch soll verhindert werden, dass
ein Ehegatte vom anderen übervorteilt wird.

Sofern sich die Ehegatten auf eine vollständige Scheidungskonvention geeinigt


haben, läuft die Scheidung in folgenden vier Verfahrensschritten ab
Einreichen des Scheidungsbegehrens und der vollständigen
Scheidungskonvention. Das Gericht prüft, ob alle nötigen Belege eingereicht
worden sind und verlangt allenfalls, dass bestimmte Dokumente nachgereicht
werden.
Anhörung durch das Gericht. Die Ehegatten werden vom Familienrichter
gemeinsam und getrennt befragt zum Scheidungsbegehren und zur Konvention.
Das Gericht vergewissert sich dabei davon, dass die Konvention dem freien Willen
der Ehegatten entspricht und die getroffenen Regelungen vollständig, angemessen
und klar sind.
Feststellen der Scheidung. Liegen die Bestätigungen beider Ehegatten dem
Gericht vor, spricht dieses die Scheidung aus. Seit dem 01.02.2010 ist die
zweimonatige Bedenkfrist für die Bestätigung der Scheidungskonvention
aufgehoben.

5. 2 Scheidung bei teilweiser Einigung (Art. 112 ZGB)

Die Eheleute können auch dann gemeinsam die Scheidung ihrer Ehe beantragen,
wenn sie nur eine Teileinigung über die Nebenfolgen treffen können. In diesem Fall
entscheidet das Gericht über die strittigen Punkte. Für die Punkte, über welche die
Parteien eine Einigung gefunden haben, findet das Verfahren über die
einvernehmliche Scheidung Anwendung.

5. 3 Scheidung auf Klage (Art. 114 ZGB)

Können sich die Ehegatten auch im Scheidungspunkt nicht einigen, dann muss auf
Scheidung geklagt werden. Die Scheidungsklage ist nur möglich, wenn die
Ehepartner bereits seit mindestens zwei Jahre getrennt sind oder die Weiterführung
der Ehe nicht mehr zumutbar ist.
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Derjenige Ehegatte, der die Scheidung will, reicht beim zuständigen Gericht (s.
ZPO) eine Scheidungsklage ein.

Sofern die Obhut über die Kinder, die Wohnungszuteilung, die Unterhaltsbeiträge
oder andere Belage bis zur Scheidung vom Gericht geregelt werden sollen, kann
ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen gestellt werden. Der Richter
entscheidet dann, was bezüglich der beantragten Punkte in der Zeit bis zur
Scheidung gelten soll (analog zum Eheschutzverfahren).

Der andere Ehegatte erhält die Möglichkeit auf die Scheidungsklage zu antworten.

Das Gericht kann zu einer Instruktionsverhandlung vorladen. Diese dient zur


Abklärung der Verhältnisse und kann dazu benutzt werden, doch noch eine
einvernehmliche Lösung zwischen den Parteien zu finden.

Im Rahmen der Hauptverhandlung haben die Parteien die in den Klageschriften


gestellten Rechtsbegehren zu begründen und es sind die entsprechenden Beweise
vorzulegen. Die Hauptverhandlung endet mit dem Urteil des Gerichts.

6. Kosten

6.1 Allgemein

Die Gerichtskosten werden nach kantonalem Recht bemessen und sind von
Kanton zu Kanton verschieden. Sie knüpfen an die vermögensrechtlichen
Interessen (Streitwert), die Schwierigkeit des Falles und an die Dauer des
Verfahrens an.

6.2 Scheidung auf gemeinsames Begehren

Es gelten die Bestimmungen über die Schweizerische Zivilprozessordnung. Es


muss mit Verfahrenskosten von ca. total CHF 1200.- gerechnet werden (Kosten im
Kanton Freiburg). Zuzüglich kommen allfällige Parteikosten hinzu (Anwaltskosten).
Bei einer einvernehmlichen Scheidung werden die Gerichtskosten von den
Ehegatten in der Regel je zur Hälfte getragen.

Bei den Anwaltskosten ist es üblich, dass jede Partei die eigenen Anwaltskosten
trägt. In der Scheidungskonvention kann eine abweichende Regelung getroffen
werden.

6.3 Strittiges Scheidungsverfahren (Scheidungsklage)

Im strittigen Scheidungsverfahren regelt die Zivilprozessordnung die Aufteilung der


Kostentragung. Dabei gilt der Grundsatz, dass die unterlegene Partei nach
Massgabe ihres Unterliegens die Gerichts- und die Anwaltskosten des Ehepartners
trägt (Art.104-112 ZPO). Hinzu kommen die Kosten des eigenen Anwalts.

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7. PROVISIO AD LITEM / UNENTGELTLICHE RECHTSPFLEGE (ART. 118 ZPO)

7.1 Provisio ad litem

Das Zivilgesetzbuch sieht eine Treue-, Beistands- und Unterhaltspflicht vor (Art.
159 Abs. 3 und Art. 163 ZGB). Das Bundesgericht hat aus diesen Prinzipien eine
gegenseitige Pflicht der Ehegatten zur Leistung von Prozesskostenvorschüssen
und Anwaltskosten abgeleitet, sofern ihre finanziellen Mittel dafür ausreichen.

Somit kann ein Gatte dazu verurteilt werden, die Prozess- und Anwaltskosten des
anderen vorzuschiessen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer
Provisio „ad litem“. Eine Provisio ad litem kann auch im Rahmen von
Eheschutzmassnahmen angeordnet werden (Urteil 5P.336/2004).

Wird einer Partei unentgeltliche Rechtspflege gewährt, so wird im Zuge dieser


Entscheidung meist eine Pflicht zur Beantragung der Provisio ad litem auferlegt.
Die Provisio ad litem kann als vorsorgliche Massnahme verweigert werden, um
dann aber am Ende des Scheidungsverfahrens zugesprochen zu werden (Urteil
5P.150/2005)

7.2 Unentgeltliche Rechtspflege

Falls die finanziellen Mittel nicht ausreichen, um die Gerichtskosten und einen
Rechtsvertreter zu bezahlen, kann jeder Ehegatte bereits beim Einreichen des
gemeinsamen Scheidungsbegehrens ein Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung und unentgeltlichen Rechtsbeistand stellen. Dies kommt aber nur
subsidiär zum Tragen, wenn die provisio ad litem nicht zum Tragen kommt.

Das Gesuch hat zwei Bedeutungen:

Befreiung von der Bezahlung von Vorschüssen, Kautionen und Gerichtskosten


Ernennung des beauftragten Anwalts als „unentgeltlicher Rechtsbeistand“ und
Bezahlung des Honorars durch den Staat. Die unentgeltliche Prozessführung wird
nur bewilligt, wenn tatsächlich nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen.
Sobald aber der Gesuchsteller über die nötigen Mittel verfügt, wird das Geld vom
Staat zurückverlangt.
Hierbei

E) HEIRAT MIT EINEM AUSLÄNDISCHEN PARTNER

1. Rechtsgrundlage
Rechtsgrundlage bei einer Heirat auf Schweizer Boden ist das Schweizerische
Zivilgesetzbuch (ZGB, SR 210)

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2. Voraussetzungen und benötigte Dokumente


Hier eine Homepage, die einen guten Überblick gibt:
http://www.binational.ch/de/?Ehe_%2F_Partnerschaft___Das_Eherecht, besucht
am 05.01.2018.

E) „AUSWANDERN“ - AUSLANDSAUFENTHALT
Vorliegend einige nützliche Links zum Thema auswandern bzw. sich ein bis zwei
Jahre ins Ausland absetzen wollen.

Es gibt eine Organisation, die nützliche Informationen liefert:


Seit 1916 vertritt die Auslandschweizer-Organisation die Interessen der
Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in der Schweiz, informiert diese
über das Geschehen in der Schweiz und bietet eine breite Palette von
Dienstleistungen an.

Mehr Informationen:
Auslandschweizer-Organisation
Alpenstrasse 26, CH-3006 Bern,
Tel. ++41 31 356 61 00
Fax ++41 31 356 61 01
info@aso.ch
www.aso.ch

Hinweis: man sollte vor allem darauf achten, dass man aus
sozialversicherungsrechtlicher Sicht gut abgesichert ist. Bsp. Verhinderung von
Beitragslücken der AHV.

Einige nützliche Links:

Ratgeber Rückkehr Auslandschweizer, einsehbar unter https://


www.eda.admin.ch/dam/eda/de/documents/publications/Auslandschweizerinnenu
ndAuslandschweizer/Ratgeber/ratgeber-rueckkehr-auslandschweizer_DE.pdf,
besucht am 05.01.2018

Die Krankenversicherung für Auslandschweizer ohne Versicherungspflicht in der


Schweiz, einsehbar unter: http://www.aso.ch/files/webcontent/rechtsdienst/
krankenvers_mit_Logo.pdf, besucht am 05.01.2018

Beratungsstelle in Bern: http://www.binational.ch/


de/userfiles/downloads/frabina_A5_Flyer_DE_Web.pdf, besucht am 05.01.2018

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