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Amtsgericht Mönchengladbach-

Rheydt
Familiengericht
-Geschäftsstelle-

-17-Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt - Postfach 200161 - 41201 Mönchengladbach-Rheydt 22.08.2016


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Herrn Rechtsanwalt Aktenzeichen


Langhans F 17 F 187/16
Adolph-Kolping-Straße 28 bei Antwort bitte angeben

86609 Donauwörth Bearbeiter


Herr
Durchwahl
ZE 02166/972--144
EINBE8AN8EN
BH

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

in der einstweiligen Anordnungssache


betreffend (*04.02.2002)

erhalten Sie die Anlage(n) zur Kenntnis.

Mit freundlfchen Grüßen

Justizhauptsekretär
- automatisiert erstellt, ohne Unterschrift gültig - Anschrift
Brucknerallee 115
41236 Mönchengladbach-
Rheydt
Sprechzeiten
Mo. - Fr. 8:30 - 12:00 Uhr
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021669720
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Rheydt
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Amtsgericht
Nichtöffentliche Sitzung Mönchengladbach-Rheydt, 12.08.2016
des Amtsgerichts - Familiengericht -

Geschäfts-Nr.:
17 F 187/16

Gegenwärtig:
Richterin am Amtsgericht G
als Richterin

- Ohne Protokollführer"gemäß §§ 160a ZPO, 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG - Protokoll


wurde vorl�ufig auf Tonträger aufgezeichnet. -

In der einstweiligen Anordnungssache


betreffend , geb. am 04.02.2002

erschienen bei Aufruf der Sache:

1. die Kindesmutter persönlich und Rechtsanwalt Langhans

2. vom Jugendamt Mönchengladbach Frau und Frau

3. in Vertretung für Frau ist erschienen Frau vom Fachbereich


Vormundschaften,

4. der Sachverständige, Herr

Ferner nehmen zwei Wachtmeister an der Verhandlung teil_.

Der Sachverständige wurde dem Gesetz entsprechend belehrt.

Den Beteiligten wird der Anhörungsvermerk über die Kindesanhörung vom


05.08.2016 ausgehändigt.
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beschlossen und verkündet:

Die Akten 17 F 198/15, 17 F 240/15, 17 F 186/15, 17 F 204/15, 17 F 83/15,


18 F 43/08, 17 F 1/16 sowie 17 F 63/16 werden beigezogen und sind Gegenstand
der Erörterung.

Das Gericht führt in den Sach- und Streitstand ein.

beschlossen und verkündet:

Der im Hauptsacheverfahren 17 F 198/15 bestellte Sachverständige soll im hiesigen


Verfahren ergänzend befragt werden.

Zur Person:

Ich heiße , bin 34 Jahre alt, von Beruf Psychologe, wohnhaft in


Düsseldorf.

Zur Sache:

Auf Fragen des Gerichts:

Ich habe den in der Einrichtung aufgesucht. Ich habe ihm erklärt, worum es
geht und dass die Teilnahme freiwillig ist. Ich habe ihm auch das Prozedere einer
Begutachtung erklärt. Er hat das abgelehnt. Das habe ich dann auch respektiert und
bin gegangen. Ich habe ihn eine Woche später noch einmal angerufen und gefragt,
ob er bereit wäre, mit mir zu sprechen, wenn man die Vorwürfe, die im Raum stehen,
ausklammert. Da hat er dann gesagt, dass man ihn in Ruhe lassen soll und war
etwas ärgerlich am Telefon. Auch das hat er also abgelehnt. Ich habe dann noch
informatofisch Gespräche mit Frau der Bezugsbetreuerin von
und mit Dr. geführt.
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Frau hat auch noch einen Fragebogen ausgefüllt zu psychischen und


emotionalen Verhaltensauffälligkeiten von Benjamin.

Des Weiteren habe ich auch noch die Kinder- und Jugendpsychiatrie kontaktiert. Dort
war der Behandler aber in Urlaub.

Auf Nachfrage des Gerichts:

hat keine Gründe angeführt für die Ablehnung. Er hat nur gesagt, d�ss er
nicht teilnehmen möchte.

Auf Fragen des Gerichts:

Die Reaktion ist schon eher ungewöhnlich für einen Vierzehnjährigen. Ich habe erst
einen Fall gehabt, wo das auch so der Fall war. Die meisten Kinder sprechen mit mir
und den Verfahrensbeteiligten.

Auf weitere Nachfrage des Gerichts erklärt der Sachverständige:

Über die Gründe für die ablehnende Haltung kann man nur spekulieren. Ich glaube,
dass er sich in der Einrichtung sehr unwohl fühlt, weil er e·ine 2�-Stunden-
Überwachung hat und das erlebt er als belastend. Ich kann mir aber auch vorstellen,
dass diese Haltung seinem Wunsch, nach Hause zurückzukehren, entspricht. Es gibt
einfach viele Gründe, die möglich sind. Zum Beispiel kann auch Angst vor Ärger mit
den Eltern der Fall sein. Man kann da, wie gesagt, nur drüber spekulieren. Um das
sagen zu können, müsste ich mit ihm sprechen.

Auf Nachfragen des Gerichts:

Typische Reaktionen gibt es eigentlich nicht. Also wenn ich den Sachverhalt als wahr
unterstelle, dann fällt das schon per Definition unter eine physische Misshandlung.
Dann wären in diesem Fall wesentliche Grundbedürfnisse des Kindes als verletzt
anzusehen. Hier zum Beispiel das Grundbedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit
und es soll ja auch zu einer unzureichenden Versorgung mit Nahrung gekommen
sein und er soll ja auch gefesselt worden sein. Da sehe ich die kindlichen
Grundbedürfnisse als verletzt an. Kritisch ist weiterhin zu betrachten, dass auch das
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Grl:Jndbedürfnis des Kindes nach einer vertrauensvollen Beziehung verletzt sein


kann. Ein Kind benötigt eine Hauptbezugsperson, die emphatisch auf die
Bedürfnisse des Kindes eingeht. Das müsste man hier auch in Frage stellen. Des
Weiteren zeichnet sich aus dem Akteninhalt ab, dass hier eine starke autoritäre
Erziehungshaltung der Mutter existiert. So wurde ja geschildert von dass
gute Noten verlangt werden und er sich auch schon mal in das Wohnzimmer stellen
musste und auch Hausarrest bekommen hat. Da sehe ich dann deutliche
Einschränkungen in der Erziehungskompetenz.

Auf Nachfrage ergänzt der Sachverständige:

Es gibt natürlich in der Literatur beschriebene typische Folgen von Misshandlungen.


Diese haben Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen. Hier ist zum Beispiel zu
benennen, dass die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigt ist. Die Kinder haben
dann zum Beispiel auch eine andere Art. der Informationsverarbeitung hinsichtlich
des Umweltgeschehens. Des Weiteren ist auch das Stresshormonsystem anders.
Man muss sich das so vorstellen, dass die Kinder unter chronischem Stress stehen
und dadurch mehr Ressourcen abgezogen werden. Das führt dann dazu, dass sie
Konzentrationsstörungen haben oder mehr anfällig sind für psychische Störungen.
Des Weiteren wirkt sich das auch negativ aus auf die kognitive und schulische
Entwicklung. Es zeichnet sich ab, dass diese Kinder unterdurchschnittliche
Schulleistungen aufweisen. Des Weiteren kommt es zu gehäuften Störungen des
Sozialverhaltens. Des Weiteren ist auch die sozial-emotionale Entwicklung
beeinträchtigt. Bei misshandelten Kindern sind kaum sichere Bindungsstrukturen
auffindbar. Das wirkt sich auf das kindliche Selbstvertrauen und Selbstbild negativ
aus. Ds wirkt sich auch darauf aus, wie Kindern in anderen neuen Beziehungen
empfinden und handeln. Des Weiteren erhöht sich die Bereitschaft zu aggressivem
Handeln. Des Weiteren kann es auch zu einer verzerrten Wahrnehmung kommen,
dass anderen gegenüber feindselige Absichten unterstellt werden. Dies führt auch zu
sozialer Ausgrenzung oder halt Schwierigkeit im Aufbau von Beziehungen im
späteren Leben.

Es kann auch zu einer negativen psychischen Entwicklung kommen. Es kann später


zu psychischen Auffälligkeiten kommen im Erwachsenenalter. Des Weiteren kann es
zu einer Störung des Sozialverhaltens kommen. Das ist ja bei schon
festgestellt worden.
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Auf weitere Fragen des Gerichts erklärt der Sachverständige:

Die seelische Entwicklung wird verstanden als die psychische Entwicklung.

Die Folgen von Misshandlung für diese Entwicklung habe ich eben geschildert.

Der Sachverständige erklärt:

Die Ausführungen, die ich eben gemacht habe, sind Mittelwerte aus
Übersichtsstudien. Man muss das natürlich am konkreten Einzelfall am Kind
überprüfen.

Auf weitere Nachfrage des Gerichts erklärt der Sachverständige:

Ich denke, dass das Problem war, dass der sich ungerecht behandelt
gefühlt hat und dass dies eine Belastung für die Beziehung zur. Mutter und zum
Stiefvater war. Ich kann mir das so erklären, dass es eine Art Teufelskreis war.
hat ein oppositionelles Verhalten gezeigt und das hat auf Seiten der Eltern
mehr Strafen erzeugt und dann hat sich das Ganze aufgeschaukelt.

Auf Nachfragen des Gerichts erklärt der Sachverständige:

Um eine gestörte Eltern-Kind-Beziehung aufzulösen ist wichtig


Veränderungsbereitschaft. Dies insbesondere von Bezugspersonen. Das wenige,
was ich von der Mutter und dem Stiefvater gelesen habe, ·stellen sie ja den
als krank und als Lügner qar. Das ist dann ungünstig für eine Auflösung.

Auf Nachfragen des Gerichts:

Es gibt Persönlichkeitsdispositionen, bei denen man aufmerksam werden muss.


Hinweise auf eine bipolare Störung, wie es in der Akte einmal beschrieben wurde,
ergaben sich nicht. Denn eine bipolare Störung ist ein Wechsel von depressiven und
manischen Zuständen. Das hat nichts damit zu tun, dass in diesem Fall eine erhöhte
Lügenkompetenz gegeben sei. Es ergibt sich für mich vielmehr die Diagnose, die
auch von Herrn Dr. erklärt wurde, nämlich die Störung des Sozialverhaltens.
Hinsichtlich der Phantasiegeschichten, die erzählen soll, hätte mari das
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grundlegend untersuchen müssen und vor allen Dingen in Kontext zu einem


neutralen Geschehen im Rahmen der aussagepsychologischen Begutachtung
setzen müssen. Das ist aber ein komplexer Prozess.

Die Sitzung wurde für zehn Minuten unterbrochen.

Die Sitzung wird nach einer zehnminütigen Unterbrechung auf Antrag des
Kindesmuttervertreters fortgesetzt.

beschlossen und verkündet:

Die Sitzung ist unterbrochen.

beschlossen und verkündet:

Die Verhandlung wird fortgeführt.

Es wird festgestellt, dass die Kindesmutter und ihr Prozessbevollmächtigter nach


Fortsetzung der Verhandlung der Sache nicht erschienen sind.

Auch nach nochmaligem Aufruf der Sache erschienen sie nicht.

Laut diktiert und genehmigt von dem Sachverständigen.

Die Ergänzungspflegerin stellt den Antrag, den Antrag zurückzuweisen.


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beschlossen und verkündet:

Termin zur Bekanntgabe einer Entscheidung wird bestimmt auf

Freitag, den 26. August 2016, 14.00 Uhr, Saal 112 .

..

Für die Richtigkeit der Übertragung vom Tonträger

Justizbeschäftigte (mD)
als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
17 F 187/16 Erlassen am 22.08.2016
durch Übergabe an die
Geschäftsstelle

Justizhauptsekretär
als Urkundsbeamter der
Geschäftsstelle

Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt
Familiengericht
Beschluss

In der einstweiligen Anordnungssache


betreffend (*04.02.2002)

wird der Bekanntgabetermin vom 26.08.2016 verlegt auf

Dienstag, 11.10.2016, 14:00 Uhr,

1. Etage, Sitzungssaal 112, Brucknerallee 115,

41236 Mönchengladbach-Rheydt.

Grund der Verlegung: Befangenheitsantrag.

Mönchengladbach-Rheydt, 22.August 2016.

Amtsgericht

Richterin

Beglaubigt

Justizhauptsekretär