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Thesenblatt: Karin Hausen – Die

Polarisierung der
„Geschlechtscharaktere“
admin
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geschlechtscharaktere/

„Geschlechtscharaktere“ heute nicht mehr gängiges Wort, entstand


im 18./19. Jahrhundert und beschreibt die unterschiedlichen
Eigenschaften von Männern und Frauen.

“Geschlechtscharakterliche” Aufteilung der Arbeit als


Funktionselement der Gesellschaft

“Geschlechtscharaktere” haben sozio-ökonomischen Hintergrund


Herrschendes Modell der Arbeitsteilung durch Sozialisationsmuster
geprägt
“Rollenkonzepte” sind Arbeitsteilung zugeordnet und damit hat die
Arbeitsteilung hohe soziale Akzeptanz und hohe Intensität (durch
Sozialisation)
geschichtliche Entwicklung ideologisch interpretiert, in
vordiskursives Feld abgeschoben

–> komplementäre “Geschlechtscharaktere” führen zu komplementären


Aufgaben

These: Die “Geschlechtscharaktere” sind nicht natürlich erwachsen

in Lexika bis ins 20. Jahrhundert finden sich


“Geschlechtscharaktere”.
sind natürlich, da seit jeher Unterschiede zwischen den
Geschlechtern.
Äußere Unterschiede werden auf innere, psychische Eigenschaften
verlagert.
“Geschlechtscharaktere” als ein Mix aus Biologie, Bestimmung und
Wesen.

–> Soll die “naturgegebenen” Merkmale von Mann und Frau festlegen

Männliche “Charaktere” verweisen auf gesellschaftliche Produktion,


aktiv;Weibliche auf die private Reproduktion, passiv

–> Begriffspaar Aktivität-Passivität leitet sich vom Geschlechtsakt,


Rational Emotional vom sozialen Betätigungsfeld ab

Auswertung diverser Lexika des 18.Jahrhunderts:

Weibliche “Charaktere” Männliche


“Charaktere”

Innen, Nähe, Häusliches Leben Außen, Weite, Öffentliches Leben

Passivität: Schwäche, Hingebung, Aktivität: Energie, Kraft, Willenskraft,

Bescheidenheit Tapferkeit
Sein: abhängig, emsig, bewahrend, Tun: Selbstständig, strebend,
empfangend wirksam,

gebend
Anpassung, Liebe, Güte, Durchsetzungsvermögen, Gewalt
Selbstaufgabe
Emotionalität: Gefühl, Empfindung, Rationalität: Geist, Vernunft, Denken,
Verstehen,
Wissen, Urteil
religiös
Tugend: Schamhaft, Keusch, Takt,
Anmut,

Schönheit

Frauen definiert nach Fortpflanzungszweck; Männer nach


Kulturzweck: vermeintlich wissenschaftlich fundiert.

These: “Geschlechtscharaktere” als neues Orientierungsmuster im


Wandel der Zeit
Die Menschen (Männer) brauchten wegen neuer Werte ebenso neue
Maßstäbe. Somit entstanden “Geschlechtscharaktere”. Es war der
Wechsel des theologischen zum naturwissenschaftlichen Weltbild.
Zeitlich einzuordnen ist dies im Übergang in den Industriekapitalismus.
Erst mit Trennung von Hausarbeit und Industriearbeit im
Industriekapitalismus wurde der Mann Alleinverdiener.

Dadurch blieb die Frau zu Hause, wo sie für die Kindererziehung


zuständig war. In der Gesellschaft war die Folge auch die praktische
Ausbildung der Frau zu ihrer “Bestimmung als Gattin, Hausfrau und
Mutter”. Der Mann wird der Ernährer und damit Vorstand der Familie. Die
Trennung von Öffentlichem und Privatem Leben war vollzogen. Sie zog
sich allmählich durch die ganze Gesellschaft und letztlich analog dazu
zwischen die Geschlechter.

Die Ehe wurde aus Legitimationsgründen als Vertrag konzipiert.

These: “Geschlechtscharaktere” haben einen


Patriarchatstragenden Aspekt

Führte zu Privilegien der Männer (ökonomische Abhängigkeit der


Frau, “Mann hat das Sagen”)
Natürlichkeit der Trennung von je her Gleichmachung unnatürlich
Mensch = Mann; keine Rechte für Frauen

“..vielfache Ungleichheit zwischen dem Mann und der Frau, so große


Verschiedenheit ihrer Lebensaufgaben und ihrer Kräfte, also auch
ihrer Rechtsverhältnisse…” Welcker 1815

Bildung wurde Frauen versagt, da dies zum Schaden der


Geburtsfähigkeit führen würde
Rationalität war Männersache: Frauen erlernten emotionale
Handlungen, die aus Männersicht ein “Phänomen” waren
Frauen passiv, daher zu Hause ; Männer aktiv, gehen in die Welt
hinaus -> Ergänzung als Argumentationsmethode
Ideologisch: Hart arbeitende Mann kommt nach Hause und wird von
der Frau umsorgt. Hausarbeit entwertet, da es nicht bezahlt wird
und “unsichtbar” bleibt
Emanzipation der Frau bedroht Familie und damit die Werte.
Entrechtung der Frauen durch soziale Akzeptanz ermöglicht, da
familiale Qualitäten erstrebenswert waren
Da nur Mann und Frau zusammen eine harmonische, vollkommenen
Einheit bilden, die alleine komplementär zueinander stehen, wird die
Frau erst Frau wenn sie verheiratet ist.

Zusammenfassung des Textes von Karin Hausen: “Die Polarisierung der


“Geschlechtscharaktere”. Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs-
und Familienleben”, aus: Werner Conze (Hg.), Sozialgeschichte der
Familie in der Neuzeit Europas. Neue Forschungen, Stuttgart 1976, Seiten
363-393.

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