Sie sind auf Seite 1von 352

Ulrich Krüger

Stahlbau
Teil 1 Grundlagen
4. Auflage
Ulrich Krüger
Stahlbau
Teil 1 Grundlagen
4. Auflage
Ulrich Krüger

Stahlbau
Teil 1 Grundlagen
4. Auflage
Professor Dr.-Ing. Ulrich Krüger
Hermann-Rombach-Straße 22
74321 Bietigheim-Bissingen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

ISBN 978-3-433-01869-9

© 2008 Ernst & Sohn


Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in andere Sprachen, vorbehalten.


Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgend-
einer Form – durch Fotokopie, Mikrofilm oder irgendein anderes Verfahren – reprodu-
ziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen,
verwendbare Sprache übertragen oder übersetzt werden.

All rights reserved (including those of translation into other languages). No part of
this book may be reproduced in any form – by photoprint, microfilm, or any other
means – nor transmitted or translated into a machine language without written
permission from the publisher.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kenn-


zeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, daß diese von jedermann
frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene
Warenzeichen oder sonstige gesetzlich geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie
als solche nicht eigens markiert sind.

Umschlaggestaltung: blotto design, Berlin


Druck: betz-druck GmbH, Darmstadt
Bindung: Litges & Dopf Buchbinderei GmbH, Heppenheim
Printed in Germany
Vorwor t
Nichts muntert mich mehrauf, als wenn ich etwasSchwe-
res verstandenhabe, und doch sucheich so wenig Schweres
verstehenzu lernen.Ich sollte esöfter versuchen.
Georg ChristophLichtenberg,1742 -1799
Professorin Göttingen
Mathematiker,Physiker,Sprachlehrer,Philosoph

Vorwor t zur 4. Auflag e


Die neue Grundnorm "Stahlbauten " DIN 18800 Teile 1 bis 4 ist im Weißdruck
1990 bauaufsichtlich eingeführt worden. Nach einer Übergangsfris t von 5 Jah-
ren, in der noch die "alten" Stahlbaunorme n angewende t werden durften,
wurde ihre Anwendung (neben einer probeweise n Anwendung der europäi-
schen Norm EC3) verbindlich.
Meine Stahlbau-Vorlesunge n an der Fachhochschul e Karlsruhe (jetzt: Hoch-
schule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft) hatte ich seit 1992 auf diese neue
Grundnorm umgestellt. Für die 5 Semester-Wochenstunde n umfassende n
Grundlagen zum Stahlbau im 3. und 4. Studiensemeste r hatte ich ein Manu-
skript herausgegeben , das auch außerhalb der Fachhochschul e Verbreitung
und Anerkennung gefunden hat und das auf Anregung von Herrn Dr. Stiglat,
Karlsruhe, ab 1998 in Buchform als "Stahlbau Teil 1" erschienen ist.
Die 4. Auflage ist insbesonder
e bezüglich des Standes der Baubestimmunge n
auf den neuesten Stand gebracht worden; Herrn Prof. Dr. Kindmann, Bochum,
danke ich für seine Unterstützung . Außerdem w u r d en einige redaktionelle
Änderungen und inhaltliche Ergänzunge n eingebracht.
Das Buch soll Studierende n wie Praktikern den Umgang mit dem Fachgebie
t
Stahlbau erleichtern, wofür außer der Einführungen in das Regelwerk vor
allem praxisbezogen e Beispiele stehen.
Mi t gleichem Ziel habe ich das Buch "Stahlbau Teil 2" (derzeit in 3. Auflage)
herausgebracht , das aus dem Manuskript für das 7. und 8. Studiensemeste r
entstande n ist. Es enthält zum einen eine gründliche Darstellung der wesentli-
chen Stabilitätsproblem e bei Stäben, Stabwerken und beim Plattenbeulen. Zum
andern werden Stahlhochba u und Industriebau praxisbezoge n und anschau -
lic h behandelt.
Die Bücher streben nicht nach vollständiger Darstellung des Fachgebiet
s "Stahl-
bau", was wohl ohnehin kaum möglich ist. Sie sollen übersichtlich gegliedert
i n die wichtigen Nachweisverfahre n einführen und dazu verhelfen, mit den
VI Vorwor t

Alltagsproblemen des Stahlbau-Statiker s zurecht zu kommen. Schließlich


sollen sie dazu befähigen, die Lösung schwierigerer Probleme an Hand weiter-
führender Literatur selbständig zu erarbeiten.
Die Grundlagenvorlesun g sollte die nach dem 4. Semeste r in die Praxisseme-
ster tretenden Studierende
n befähigen, unter Anleitung (insbesonder e zur Kon-
struktion) übliche Stahlbaute n bis zu mittleren Schwierigkeitsgrade n zu
berechnen . Die Vorlesung schloß deshalb mit der Durchsprach e und Berech-
nung von "Objekten" ab, welche die ganzheitliche Berechnung überschaubare r
Stahlbauten zum Inhalt hatte.
Aus eigener Erfahrung selten gebrauchte Regelunge n sollten die Studierenden
nicht belasten. So wurde z.B. darauf verzichtet, die Regelunge n für GV-Verbin-
dungen, Seile, mehrteilige Druckstäbe vollständig zu vermitteln.
Allen, die mir bei der Erstellung und Herausgab e meiner Bücher geholfen
haben, danke ich vielmals, wie auch dem Verlag Ernst & Sohn für die erfreuli-
che Zusammenarbeit , das sorgfältige Lektorat und die Drucklegung.
Wenn das Buch Studierende n die Einführung in das Fachgebie t Stahlbau
erleichtert und bei vielen Stahlbauern während der täglichen Arbeit in Griff-
nähe liegt u nd brauchbare Hilf e gibt, ist für mich das Ziel der Herausgab e
erreicht.

Bietigheim-Bissingen
, im Frühjahr 2006 U. Krüger
Inhaltsverzeichni s

Geschichtlich e Entwicklun g des Eisen - und Stahlbau s 1


1 Stahlba u - Begriffe , Besonderheiten , Baubestimmunge n
1.1 Grundbegriffe im Stahlbau 6
1.2 Eigenschaften von Stahl und Stahlbauten 7
1.3 Technische Baubestimmungen für den Stahlbau 10
2 Werkstof f Stahl und Stahlerzeugniss e
2.1 Stahl 13
2.2 Baustähle 15
2.3 Walzstahlerzeugnisse 17
3 Zeichnunge n
3.1 Unterschiedliche Pläne und Maßstäbe 20
3.2 Darstellung mit EDV, CAD, CAM 21
4 Bemessun g vo n Stahlbaute n
4.1 Allgemeine Angaben 22
4.2 Elemente der Bemessung 23
4.3 Begriffe und Formelzeichen in DIN 18800 24
4.4 Erforderliche Nachweise 26
4.5 Berechnung der Beanspruchungen aus den Einwirkungen 27
4.6 Berechnung der Beanspruchbarkeiten aus den Widerstandsgrößen 30
4.7 Verfahren beim Tragsicherheitsnachweis 32
4.7.1 Einteilung der Verfahren 32
4.7.2 Verfahren Elastisch-Elastisch (E-E) 32
4.7.3 Verfahren Elastisch-Plastisch (E-P) 35
4.7.4 Verfahren Plastisch-Plastisch (P-P) 39
4.7.5 Verhältnisse b/t 40
4.8 Stabilitätsfälle - Knicken von Stäben und Stabwerken 42
4.8.1 Stabilität und Traglast 42
4.8.2 Abgrenzungskriterien 42
4.8.3 Stabilitätsfälle 43
4.9 Berechnung von Querschnittswerten und b/t-Werten 44
4.9.1 Querschnittswerte für ein Walzprofil HEB-400 44
4.9.2 Untersuchung der b/t-Verhältnisse am Walzprofil HEB-400 45
4.9.3 Untersuchung der b/t-Verhältnisse am geschweißten Querschnitt 45
4.9.4 Querschnittswerte für Kreis- und Rohrprofile 46
4.10 Interaktion plastischer Schnittgrößen 47
4.10.1 Interaktion beim Rechteck-Querschnitt 47
4.10.2 Interaktion beim I-Querschnitt 49
4.11 Interaktion My-Vz bei elastischer Bemessung 53
4.12 Plastische Schnittgrößen und andere Kennwerte für Walzprofile 54
5 Schraubverbindunge n
5.1 Schraubenarten und ihre Wirkungsweise 56
5.1.1 Einsatzmöglichkeiten und Ausführungsformen 56
5.1.2 Schraubendurchmesser und Darstellung von Schrauben 58
5.2 Konstruktive Grundsätze 60
VIII Inhaltsverzeichni s

5.2.1 Stöße und Anschlüsse 60


5.2.2 Rand- und Lochabstände 62
5.3 Nachweise 63
5.3.1 Scher-Lochleibungsverbindungen 63
5.3.2 Gleitfeste Verbindungen 65
5.3.3 Schrauben auf Zug 65
5.3.4 Zug und Abscheren 66
5.3.5 Sonderformen und Sonderregelungen 66
5.3.6 Bolzen und Augenstäbe 67
5.3.7 Vereinfachung für die Berechnung 68
5.4 Ausgewählte Tabellenwerte für Schrauben 69
5.5 Beispiele 70
5.5.1 Flachstahl mit einschnittigem Anschluß 70
5.5.2 Flachstahl mit zweischnittigem Anschluß 72
5.5.3 Winkel mit Schraubanschluß 73
5.5.4 Mehrreihiger Stoß 74
5.5.5 Fachwerkknoten 75
5.5.6 Stoß eines 1/2-IPE 240 77
5.5.7 Stoß eines HEB 260 mit HV-Schrauben 79
5.5.8 Anschluß eines Doppel-U-Profils mit HV-Schrauben 81
5.5.9 Aufgehängter Träger 82
5.5.10 Ankerschrauben und Stützen einer Schilderbrücke 84
5.5.11 Schräg belastete Schrauben 86
6 Schweißverbindungen
6.1 Schweißverfahren 87
6.1.1 Allgemeines 87
6.1.2 Preßschweißverfahren 87
6.1.3 Schmelzschweißverfahren 88
6.1.4 Vorbereitung und Ausführung von Schweißnähten 92
6.1.5 Verformungen und Eigenspannungen 92
6.1.6 Überprüfung von Schweißnähten 93
6.1.7 Eignungsnachweise zum Schweißen 95
6.1.8 Schweißfachingenieur 96
6.2 Schweißnahtformen 97
6.2.1 Stumpfnähte 97
6.2.2 K-Naht, HV-Naht, HY-Naht 98
6.2.3 Kehlnähte 99
6.2.4 Darstellung von Schweißnähten 101
6.3 Nachweise 102
6.3.1 Rechenannahmen 102
6.3.2 Stumpfnähte, K-Nähte, HV-Nähte 102
6.3.3 Kehlnähte 102
6.3.4 Hals- und Flankenkehlnähte von Biegeträgern 104
6.3.5 Schweißnahtanschlüsse von Biegeträgern 104
6.3.6 Vereinfachung für die Berechnung 105
6.3.7 Stirnplattenanschluß ohne Nachweis 105
6.3.8 Druckübertragung durch Kontakt 105
6.4 Beispiele 106
6.4.1 Anschluß eines Doppelwinkels 106
6.4.2 Ausmittiger Anschluß eines Winkels 107
Inhaltsverzeichni s IX

6.4.3 Anschluß von einfachen Winkeln und T-Querschnitt 108


6.4.4 Ausmittiger Anschluß eines ausgeklinkten Winkels 109
6.4.5 Biegesteifer Trägeranschluß 110
6.4.6 Konsolträger-Anschluß 115
7 Zugstäb e
7.1 Querschnitte und Bemessung von Zugstäben 117
7.2 Querschnittsschwächungen 118
7.3 Seile 122
8 Druckstäb e
8.1 Der Druckstab als Stabilitätsproblem 123
8.1.1 Eulersche Knicklast am beidseits gelenkig gelagerten Stab 123
8.1.2 Knicklänge 125
8.2 Stabilitäts- und Spannungsproblem 127
8.3 Querschnitte von Druckstäben 129
8.3.1 Einteilige Druckstäbe 129
8.3.2 Mehrteilige Druckstäbe 129
8.4 Bemessung einteiliger Druckstäbe 130
8.4.1 Nachweismöglichkeiten - Ersatzstabverfahren 130
8.4.2 Biegeknicken 130
8.4.3 Verschiedene Knickmöglichkeiten 135
8.5 Beispiele 136
8.5.1 Pendelstütze 136
8.5.2 Pendelstütze mit unterschiedlichen Knicklängen 137
8.5.3 Zweigelenkrahmen 138
8.5.4 Stütze mit veränderlicher Normalkraft 139
8.5.5 Eingespannte Stütze mit angehängten Pendelstützen 140
9 Einachsig e Biegun g und Querkraf t
9.1 Schnittgrößen und Spannungen 142
9.1.1 Schnittgrößen 142
9.1.2 Normalspannungen 142
9.1.3 Schubspannungen 143
9.1.4 Vergleichsspannungen 143
9.2 Einfeldträger 145
9.2.1 Nachweis E-E 145
9.2.2 Nachweis E-E mit örtlich begrenzter Plastizierung 146
9.2.3 Nachweis E-P 146
9.3 Biegedrillknicken 146
9.3.1 Kein Nachweis erforderlich 147
9.3.2 Nachweis des Druckgurts als Druckstab 147
9.3.3 Vereinfachter Biegedrillknicknachweis 148
9.3.4 Genauer Nachweis auf Biegedrillknicken 148
9.4 Durchlaufträger 157
9.4.1 Nachweis E-E 157
9.4.2 Nachweis E-P 157
9.4.3 Nachweis P-P 157
9.4.4 Vereinfachte Traglastberechnung 158
9.4.5 Vergleich der verschiedenen Nachweismöglichkeiten 159
9.4.6 Biegedrillknicken 159
9.5 Nachweis der Gebrauchstauglichkeit 160
X Inhaltsverzeichni s

9.5.1 Ermittlung von Durchbiegungen 160


9.5.2 Durchbiegung am Einfeldträger 161
9.5.3 Durchbiegung an Mehrfeldträgern 161
9.6 Beispiele 162
9.6.1 Einfeldträger 162
9.6.2 Zweifeldträger mit gleichen Stützweiten 165
9.6.3 Dreifeldträger mit ungleichen Stützweiten 168
9.6.4 Geschweißter Träger 170
9.6.5 Geschweißter Träger 172
9.6.6 Rahmenriegel 173
10 Druc k und Biegung , zweiachsig e Biegun g
10.1 Einachsige Biegung mit Normalkraft 177
10.1.1 Stäbe mit geringer Normalkraft 177
10.1.2 Biegeknicken 177
10.1.3 Biegedrillknicken 179
10.2 Zweiachsige Biegung mit Normalkraft 179
10.2.1 Biegeknicken 179
10.2.2 Biegedrillknicken 181
10.3 Zweiachsige Biegung ohne Normalkraft 181
10.3.1 Biegenachweis 181
10.3.2 Biegedrillknicken 181
10.4 Beispiele 182
10.4.1 Pendelstütze mit unterschiedlichen Knicklängen 182
10.4.2 Ausmittig belastete Druckstützen 185
10.4.3 Zug- und Druckstab mit ausmittiger Belastung 187
10.4.4 Zug und zweiachsige Biegung 189
10.4.5 Durchlaufträger mit schiefer Biegung (Dachpfette) 189
10.4.6 Ausmittig belasteter Druckstab 195
10.4.7 Giebelwand 199
11 Stützenfüß e und Anschlüss e
11.1 Stützenfüße 205
11.1.1 Stützenfuß für mittige Druckbelastung 205
11.1.2 Stützenfuß für Druck und Horizontalschub 211
11.1.3 Stützenfuß mit echtem Gelenk 212
11.1.4 Eingespannte Stützen 213
11.2 Stützenköpfe 216
11.2.1 Gelenkiger Anschluß 216
11.2.2 Eingespannter Anschluß Stütze-Träger 217
11.3 Beispiele 218
11.3.1 Fußplatte für INP 260 218
11.3.2 Fußplatte für HEB-260 219
11.3.3 Einspannung mit Ankerplatte und Ankerschrauben 221
11.3.4 Köcherfundament 223
12 Träge r - Anschlüss e und Stöße
12.1 Steifenlose Krafteinleitung 225
12.2 Wandauflager von Trägern 226
12.3 Trägerstöße 227
12.3.1 Laschenstoß 227
12.3.2 Stirnplattenstoß 229
Inhaltsverzeichni s XI

12.3.3 Stirnplattenanschluß als "Typisierte Verbindung" 230


12.3.4 Stirnplattenanschlüsse in Rahmenkonstruktionen 238
12.3.5 Nachgiebige Stahlknoten mit Stirnplattenanschlüssen ..239
12.3.6 Schweißstöße 241
12.3.7 Trägerkreuzungen 242
12.3.8 Trägeranschlüsse 243
12.4 Beispiele 245
12.4.1 Universal-Schraubstoß 245
12.4.2 Stirnplattenstoß 247
12.4.3 Trägeranschluß mit Doppelwinkel 250
12.4.4 Trägeranschluß mit Stirnplatte und Schraubung 250
12.4.5 Trägeranschluß mit Stirnplatte und Knagge 250
12.4.6 Typisierte Trägeranschlüsse 251
12.4.7 Auflagerung auf Knagge ohne Stirnplatte 252
12.4.8 Trägerstoß mit Gelenkbolzen 252
13 Rahmentragwerk e
13.1 Systeme 254
13.2 Berechnungsmethoden 256
13.2.1 Ersatzstabverfahren 256
13.2.2 Theorie II. Ordnung 256
13.3 Rahmenecken 257
13.4 Beispiel - Eingespannter Rahmen 260
14 Fachwerkträge r und Verbänd e
14.1 Fachwerkträger 263
14.1.1 Ebene Fachwerke 263
14.1.2 Raumfachwerke 265
14.2 Verbände 266
14.2.1 Dachverbände 266
14.2.2 Wandverbände 268
14.3 Beispiel - Fachwerkträger 269
15 Objekt-Berechnunge n
15.1 Vorspann zur Statischen Berechnung 274
15.2 Statische Berechnung und Zeichnungen 274
15.3 Berechnete Objekte 275
A Werkstattgebäud e
Allgemeine Angaben 276
Zeichnungen 278
Statische Berechnung 281
B Flachdachhall e als Rahmenkonstruktio n
Allgemeine Angaben 306
Zeichnungen 308
Anlagen 311
Statische Berechnung 315
Anhang : Die wichtigste n Formel n für Stabilitätsfäll e 329
Literatu r 331
Sachregiste r 335
Geschichtlich e Entwicklun g
de s Eisen - un d Stahlbau s
Nach der Stein- und Bronzezeit wir d die Eisenzeit als dritte große vorgeschicht-
liche Periode benannt. Die ältere Eisenzeit datiert etwa ab 1400 bis 700 v. Chr.,
und die im vorderen Orient ansässige n Hethiter gelten als Erfinder der Eisen-
technik. Von dort kam das Eisen über Griechenland , den Balkan und Norditalien
bis in unsere Gegend (700 - 500 v. Chr.).

Das in einfachen Schachtöfe


n durch Reduktion von Eisenerz mit Holzkohle
gewonnene Eisen hatte niedrigen Kohlenstoffgehalt und war schmiedbar . Es
wurde durch wiederholtes Ausschmiede n und Zusammenschweiße n auf dem
Amboß zu Werkzeugen , Draht, Nägeln, Bolzen, Ketten, Panzern und Waffen ver-
arbeitet.

Entwicklung und Fortschritte in der Eisenproduktion brachte die industrielle


Revolution in England, vor allem im Zusammenhan g mit erhöhter Steinkohlen-
produktion. Erste Versuche zur Erzeugung von Roheisen im Hochofen datieren
aus dem 16. Jh., die wirtschaftliche Durchsetzun
g kam im 18. Jh.
1784 Puddelverfahre n zur Herstellung von Schmiedeeise n im Flammofen mit
Hilf e von Steinkohle; Eisenbad ca. 1500 °C. Der Frischvorgang im Luft-
überschuß der Flamme wir d durch Rühren (= puddle) unterbrochen .
Die Erfolge der Eisenverwendun
g am Bau zeigen sich vor allem im Brückenbau.
1777-79 Weltweit erste eiserne Brücke über den Severn bei Coalbookdale . Guß-
eiserne Bögen mit Rechteckquerschnit t von 31 m Spannweite. Große Pro-
bleme warf die Verbindung der Eisenteile auf: zimmermannsmäßig e
Ausführung mit Schwalbenschwanz , Nut und Feder, Bändern u.ä.

Bil d E.1 Coalbrookdal e Bridg e (Wales )


2 Geschichtliche Entwicklung des Eisen- und Stahlbaus

1803 Pont des Arts über die Seine in Paris.


Beide vorgenannte
n Brücken stehen gut renoviert heute noch!
Der Beurteilung gut zugänglich (und bei Fehlern relativ gutmütig) erwiesen sich
Hängebrücken , bei denen der Fahrbahnträge
r an Ketten aufgehäng t wurde.
Später w u r d en als Aufhänge-Elemen
t hochkant gestellte, durch Bolzen verbun-
dene Flachstähle verwendet, bis sich die Aufhängung an Seilen durchsetzte .
1826 Hängebrücke über die Menai-Strait (Wales), Hauptöffnung 176 m. Ketten
wurden später durch Flachstähle ersetzt. Existiert auch heute noch.
1832-34 Hängebrücke ''Grand Pont" über das Saane-Ta l bei Fribourg (Schweiz)
mit 273 m Spannweite. 4 (später 6) Tragkabel aus 1056 Drähten mit je 3 mm
Durchmesser . Fahrbahn aus Holz.

Bild E.2 Saanebrück e Fribour g

Entwicklung rationeller Walzverfahren: Lange Stäbe, deren Querschnitte statisch


und konstruktiv den Erfordernissen angepaß t sind.
1820 Walzen von Eisenbahnschienen
,
1830 Walzen von L-Profilen,
1850 Walzen von I- und U-Profilen.
Entwicklung des ingenieurmäßigen Brückenbaus . In der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts wurde in Europa eine gewaltige Anzahl von stählernen Brücken
gebaut, hauptsächlic
h im Zuge des Eisenbahnbaus .

Neben technologische n Verbesserunge n vollzog sich die Entwicklung der sta-


tisch-konstruktiven Beherrschun g der Elemente des Stahlbaus : Biegetheorie
(Spannungsberechnung , Gelenkträger, Durchlaufträger als statisch unbestimmte
Systeme), Fachwerktheori e (Auslegeträger, Durchlaufsysteme , Nebenspannun -
gen), Verbindungsmitte l (Nieten, Schrauben , Bolzen). Im 20. Jh. lösten Schweiß-
technik und hochfeste Schraube n die Nietbauweise ab. Die EDV ermöglicht in
der Neuzeit die statische Bearbeitung hochgradig unbestimmte r Probleme.
Geschichtliche Entwicklung des Eisen- und Stahlbaus 3

1846-50 Britannia-Brücke über die Menai-Strait. Eisenbahnbrück e mit zwei Voll-


wandkästen , Stützweiten 72 - 141 -141 - 72 m. Ober- und Untergurte aus
eng gestellten Walzträgern, Seitenwänd e aus zusammengenietete n Ble-
chen. Etwa 1975 ausgebrannt !

72 141 141 72 4270

Querschnitt eines
Bild E.3 Britanniabrück e Überbaus

I n Deutschland w u r d en für Eisenbahnbrücken statt der Vollwandbalken engma-


schige Gitterträger aus Flachstähle n gebaut: 1. Weichselbrücke Dirschau(1857)
,
Dombrücke über den Rhein in Köln (1859), Rheinbrücke bei Waldshut (1860, noch
i n Betrieb, wir d renoviert!).

Weiterentwicklung der Stahlherstellun


g in Technologie
und Wirtschaftlichkeit:
1855 Bessemer-Verfahre n zur Herstellung von Flußstahl.
Einblasen von Luft in das flüssige Roheisen in der
"Bessemer-Birne".
1870-80 Thomasverfahren zur Reduktion auch phos-
phorhaltiger (minderwertigerer
) Erze durch Aus-
kleiden der Bessemer-Birn
e mit basische
m Futter.
Im 19. Jh. fand das Eisen auch Eingang in den Hochbau:
1851 Kristallpalast in London,
1889 Eiffelturm, 300 m hoch (mit Antenne 320 m).
Beide Bauwerke stehen für eine weitgehende Auflösung
der Gesamtkonstruktion in genormte Einzel-Bauteile.

Brückenbau: Der Deutsch-Amerikane r J. A. Roebling ent-


wickelte in den USA für die Herstellung der Kabel von
Hängebrücke n aus dünnen Einzellitzen das "Luftspinn- Bild E.4 Eiffeltur m
verfahren", das bis heute für den Bau großer Hängebrük-
ken angewandt wird:
1855 Brücke über die Niagara-Schlucht
, Hauptöffnung 250 m. Hängebrücke mit
schrägen Abspannseilen , kombiniert für Eisenbahn und Straßenverkehr
.
1883 Fertigstellung der Brooklyn-Bridge (New York), Hauptöffnung 488 m.
4 Geschichtliche Entwicklung des Eisen- und Stahlbaus

n seien nur wenige (recht zufällig) genannt:


Von unzähligen Fachwerkbrücke
1883-90 Firth-of-Forth Railway-Bridge (Schottland). Gewaltige, genietete Fach-
werk-Rohrkonstruktion (über 7 Mio. Niete!). Auslegersyste m mit zwi-
schengehängte n Einhängeträgern , 2 Hauptöffnungen mit je 521 m. Die
Ausführungsart blieb ein Unikat; ein ähnlicher Versuch in USA endete mit
Einsturz.

Einhängeträger 107 m

521 m 80 Hauptöffnung 521 m 45 210 m

Bil d E.5 Firth-of-Fort h Railway-Bridg e

1889-91 Weichselbrücke
n Dirschau.
Eisenbahnbrücke n 6 x 129 m.
Linsenträger mit Doppelstre-
ben-Fachwerk , Mittelgurt,
unten angehängte Fahrbahn.
1872/93 Elbebrücken Hamburg,
System Lohse ("Linsenträger" Bild E.6 Weichselbrück e Dirscha u
= Doppel-Fachwerkbögen) .
2 zweigleisige Überbauten
, Spannweiten je 4 x 100 m.

Bild E.7 Elbebrücke n Hambur g (System Lohse)

1932 Sydney-Harbour-Bridge . Fachwerkbogenbrück e mit 503 m Spannweite.


1964 Fehmarnsundbrücke . Bogenbrücke mit gegeneinande r geneigten Bögen
und fachwerkartig verspannten Seilen, für Straßen- und Eisenbahnver -
kehr. Spannweite 248 m.

ca. 500 m ca. 250 m


Bild E.8 Sydne y Harbou r Bridg e Bild E.9 Fehmarnsundbrück e
Geschichtliche Entwicklung des Eisen- und Stahlbaus 5

Große Hängebrücke n entstanden in USA, Großbritannien und anderen Orten.


Diejenigen mit den größten Spannweiten werden heute in Japan gebaut.
1937 Golden Gate Bridge (San Fran-
cisco). Spannweite 1280 m.
Pylonenspitzen 228 m über dem
Wasser, Durchfahrtshöh e 67 m.
2 Tragkabel mit 924 mm Durch-
messer, bestehen d aus je 27572
Einzeldrähten. Gesamtläng e
343 1280 343
der Einzeldrähte: 128748 km,
Kabelgewicht: 22226 to (das ist Bil d E.10 Golde n Gat e Bridg e
etwa das 10-fache Gewicht der
Eisenbahnbrück e über den
Rhein bei Karlsruhe-Maxau!).
1970 Humber Bridge, England. Spannweite 1402 m. 1997 noch die weitest
gespannte in Betrieb befindliche Brücke in der Welt.
1998 Großer-Belt-Brücke (Dänemark), Spannweite 1624 m. Pylonen 254 m hoch.
2000 Akashi Kaikyo Bridge (Japan). Spannweite 1990 m.
Al s neuer Brückentyp wurde etwa ab 1955, zunächst hauptsächlic h in Deutsch-
land, die Schrägseilbrück
e entwickelt, die sich für Spannweite
n bis ca. 600 m und
darüber hinaus auf der ganzen Welt zunehmend durchsetzte .
1972 Köhlbrandbrücke in Hamburg. Schrägseilbrücke , 88 Seile. Mittelöffnung
325 m, Pylonen 135 m hoch, Durchfahrtshöh
e ca. 58,5 m.

97,5 325 97,5


Querschnitt
Pylon
Bild E.11 Köhlbrand-Hochbrück e Hambur g

1995 Normandie-Brücke (Le Havre), Mittelöffnung 856 m, Pylonen 215 m hoch.


Wenn heute auch höhere Türme gebaut werden als der Eiffelturm und die Hän-
gebrücken weiter gespann
t werden als bei der Golden Gate Bridge, so stehen doch
beide Bauwerke für Sinnbilder des Stahlbaus .

Zwar sind Brücken und Türme für die technische Entwicklung der Stahlbauweise
von überragende r Bedeutung, doch wir d der Hauptumsatz des Stahlbaus im
Hochbau und allgemeinen Industriebau getätigt. Aus den Höhenflügen des Stahl-
baus gilt es zurückzufinden zu den Bauwerken des Alltags, um an ihnen Kon-
struktion und Berechnung der Bauweise mit Stahl zu erlernen.
1 Stahlba u - Begriffe , Besonderheiten ,
Baubestimmunge n

1.1 Grundbegriff e im Stahlba u


Stahlba u
Bei Stahlbauten stellt die Stahlkonstruktion das eigentliche Bauwerk, insbeson-
dere seine tragenden Teile, dar. Hierzu gehören stählerne Konstruktionen aus
den Gebieten
• Geschoßba u und Hallenbau, allgemeiner Hochbau
• Brückenbau
• Mast- und Turmbau, Radioteleskop e
• Kräne und Kranbahnen
• Stahlwasserbau
• Behälterbau
Stahlhochba u
Zum Stahlhochba u zählen insbesonder
e der Geschoßbau , der Hallenbau, der all-
gemeine Industriebau sowie Sonderbauwerke, z.B. Tribünen und Überdachungen .

Bei den Konstruktionen des Hochbaus handelt es sich im allgemeinen um Bau-


werke mit vorwiegend ruhender Belastung im Sinne der Belastungs-Normen
.

Verbundba u
I m Verbundbau bestehe
n tragende Bauteile in ein und demselbe
n Querschnitt
aus unterschiedliche
n Werkstoffen.

Di e größte Bedeutung hat der Verbund von Stahl mit bewehrtem oder unbewehr-
tem Beton. Beispiele sind: Verbunddecken im Geschoßbau , Verbundstützen, Ver-
bundträger im Hochbau und Brückenbau.

Verbunddeck e
Verbun d
Verbundträge r Verbundstütz e Stahl-Hol z
Bild 1.1 Verbundquerschnitt e

Auch der Verbund von Stahl und Holz ist möglich. Beispiele: Dach- und Wand-
träger von leichten Hallenbauten
.
1.2 Eigenschaften von Stahl und Stahlbauten 7

1.2 Eigenschafte n von Stah l und Stahlbaute n


Stahl ist bezüglich seiner Werkstoffkennwerte wie Festigkeit, Zähigkeit, Elasti-
zität und bezüglich seiner Verarbeitbarkeit vom Herstellungsverfahre n her gut
steuerbar. Streuunge n sind im Vergleich zu anderen Baustoffen (Beton, Holz,
Stein) gering. Der hohe Grad an Übereinstimmun g von Berechnung und Wirk-
lichkeit bei Stahlkonstruktione
n wir d von keinem anderen Baustoff erreicht. Dies
ermöglicht einen hohen Ausnutzungsgra d des Werkstoffs Stahl.

Stahl hat im Vergleich mit anderen Baustoffen hohe und gleichmäßige Festig-
keiten gegenüber Beanspruchunge n auf Zug, Druck, Biegung und Schub bei sta-
tischer wie auch bei dynamische r Belastung. Im Verhältnis zur Eigenlast der
Konstruktion (Materialgewicht) können hohe Nutzlasten über große Spannwei-
ten abgetragen werden. Stützenquerschnitt e mit kleinen Abmessunge n können
große Lasten weiterleiten (geringer Platzverlust bei Geschoßbauten
, wirkt sich
besonders im Hochausba u aus).

Stahl hat gegenübe r anderen Baustoffen einen hohen Elastizitätsmodul


: 5 bis 10-
fach gegen Beton, etwa 20-fach gegen Holz. Das ergibt auch bei schlanken Kon-
struktionen relativ geringe Verformungen.

Stahl hat über das Erreichen der Fließ- oder Streckgrenze hinaus weitreichende
Verformungsmöglichkeite n im plastischen Bereich ohne Festigkeitsabfall und
ohne Verlust der elastische
n Verformungsmöglichkeiten . Traglastreserve
n lassen
sich planmäßig aktivieren und bieten Schutz gegen Überlastung aus Überschrei-
tung der planmäßige n Lasten, gegen Baugrund- und Bauwerksverformunge n
und Zwängungen aus Temperatur oder Schweißeigenspannungen .

Stahl ist vielseitig verarbeitbar und fügbar. Gießen, Schmieden, Walzen, Pressen
und Ziehen dienen der Formgebung und der Beeinflussung der Festigkeitseigen -
schaften. Verbinden erfolgt durch Schweißen , mit Schrauben
, Nieten oder Bolzen
sowie durch zahlreiche Sonderverfahren .

Stahl verliert bei hoher Temperatur an Festigkeit; gleichzeitig geht der Elastizi-
tätsmodul zurück. Bei 500 °C sind die Festigkeit wie auch der E-Modul auf ca.
2 /3 des Wertes bei 20 °C zurückgegangen . Schutzmaßnahmen : aktiver Brand-
schutz (Verhinderung von Bränden und deren Ausbreitung durch Sprinkleran-
lagen, Brandabschnitt e in Bauwerken) u n d / o d er passiver Brandschutz
(Ummantelung oder Beschichtung der stählernen Tragkonstruktion, Kühlwas-
serkreislauf in der Stahlkonstruktion) . Gefordert wird der „Brandschutz nach
Maß"! Überzogene Brandschutzanforderunge n beeinträchtige n die Konkurrenz-
fähigkeit des Werkstoffes Stahl. - Im Hochhausba u können die Brandschutzmaß -
nahmen zu einem entscheidenende n Kostenfaktor werden (siehe Bil d 1.4).
8 1 Stahlbau - Begriffe, Besonderheiten, Baubestimmungen

Di e Diagramme in Bil d 1.2 veranschauliche


n den Elastizitäts- und den Festig-
r Temperatur.
keitsverlust von Stahl bei steigende

E T /E 20 °c ó [N/mm 2]
20 °C
355
1,00 linearisierter und 250°C
kurvenförmiger 300
Verlauf von E(T)
(nach unterschied- 400 °C
lichen Quellen)

200
0,55 550 °C

700 °C
100
0,20 850 °C
T[°C]

0 100 400 600 700 1000 1200 0 0,001 0,002 å

Bild 1.2 Abhängigkei t de s E-Modul s un d der Festigkei t vo n der Temperatu r


fü r Stah l S 355 (idealisiert)

Stahl korrodiert (rostet) in unbehandelte m Zustand bei relativer Luftfeuchtigkeit


über 65 bis 70%. Zusätzlich greifen atmosphärisch e Verunreinigunge n (Indu-
strie- und Großstadtatmosphäre ) sowie salzhaltige Luft (Meeresatmosphäre ) den
Stahl an seiner Oberfläche an. Schutzmaßnahmen : Beschichtungen (Farbauftrag)
und Überzüge (Verzinken), evtl. Legieren (Wetterfester Stahl). Konstruktive
Maßnahmen : Minimieren von Oberflächen und Kanten (Rohrquerschnitte) , Ver-
meiden von Stellen, an denen sich Feuchtigkeit und Schmutz sammeln können.
„Korrosionsschutz nach Maß"! - Die Aufwendungen für Brand- und Korrosions-
schutz an einem extremen Beispiel des Hochhausbau s aus den USA zeigt Bil d 1.4.
Korrosionsbefal l
(qualitativ)
Brandschutz 30%

Korrosionsschutz 10%
Transport und Montage 7%

Werkstattfertigung 23%

Materialkosten Stahl 27%


65 % relativ e
Luftfeuchtigkei t Entwurf und Techn. Bearbeitung 3%

Bild 1.3 Korrosionsbefal l in Abhän - Bild 1.4 Kostenaufteilun g fü r ein Hoch -


gigkei t der Luftfeuchtigkei t hau s in Stahlbauweis e
(schematisch) (Extremes Beispiel aus den USA)
1.2 Eigenschaften von Stahl und Stahlbauten 9

Stahl hat gegenübe r Wärme und Schall gute, oftmals unerwünschte Leiter- und
Emissionseigenschaften . Die bauphysikalisch erforderlichen Schutzmaßnahme n
sind schon im Planungszustan d genau zu analysieren und festzulegen ; nachträg-
lich erforderliche Maßnahmen sind oft unwirtschaftlich. Auf die Verhinderung
möglicher Niederschlagsdurchfeuchtun g und Tauwasserbildun g ist zu achten.

Stahl ist Konstruktionsmaterial , dessen Einsatz in erster Lini e nach statisch-kon-


struktiven Gesichtspunkte n erfolgt. Stahlbaute n werden meist aus einfachen
Bau-Elemente n zusammengefügt ; hauptsächlich kommen eindimensional e Bau-
teile (Formstahl, Flachstahl) zum Einsatz. Flächige Bauteile werden eingesetz t
zum Abtrag von Flächenlaste n (Dächer, Decken, Stahlfahrbahne n von Brücken),
zum Raumabschlu ß (Wände) oder als Kombination beider Aufgaben (Behälter-
bau).

Stahlbauten sind wandlungsfähig . Auswechseln oder Verstärken einzelner Teile


oder auch ganzer Konstruktionen ist durch die Möglichkeiten der Anschlußtech-
niken (insbes. Schweißen) und der unterschiedliche n Beanspruchbarkei t des
Stahls (z.B. Umordnung der Beanspruchun g von Druck auf Zug) begünstigt.

Stahlbau ist Fertigteilbau mit hohem Verarbeitungsantei l in der Werkstatt (Witte-


rungsschutz , Gerätevorhaltung , geringere Personalproblem e als auf Baustellen).
Die Montage kann vor allem beim Einsatz von Schraubverbindunge n in kurzer Zeit
mit hohem Anteil an angelernte m Persona l erfolgen (anders beim Schweißen!).

Stahlbauten sind umweltfreundlich. Die meisten Bauwerke, gleichgültig aus


welchem Werkstoff erstellt, müssen heute als temporär verwendbar betrachtet
werden. Das gilt in hohem Maß für den Industriebau und Verkehrsbauten , in
geringerem auch für Wohnbauten . Ein Abbruch nach Erfüllung des Verwen-
dungszwecks oder nicht weiterer Verwendbarkeit ist bei Stahlbaute n relativ ein-
fach u nd kostengünstig. Die Faustformel "die Abbruchkosten sind durch den
Erlös aus dem Schrott gedeckt" stimmt nach Verfall der Schrottpreise nicht mehr
ganz. - Der Rohstoff Stahl wir d im Schrott problemlos seiner Wiederverwend -
barkeit zugeführt.

Stahlbau verlangt für Entwurf, Konstruktion und Berechnung eine intensive


Auseinandersetzun g mit den spezifischen Eigenheiten und „gründliche Fach-
kenntnisse" (DIN 18800 Teil 1). Planung und Konstruktion sollen möglichst früh
aufeinander abgestimmt werden.

Stahl ist ein teurer Werkstoff. Ökonomische r und materialgerechte r Einsatz sind
volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftlich e Grundforderungen . Wegen der
seit Mitt e der 50-er Jahre überproportionalen Steigerung des Lohnkostenanteil s
gegenübe r dem Materialanteil muß nicht die leichteste Konstruktion auch die bil-
ligste sein. Automatisierte Fertigungsverfahre n senken andererseit s die spezifi-
schen Fertigungszeite n und steuern der vorgenannte n Entwicklung entgegen .
10 1 Stahlba u - Begriffe , Besonderheiten , Baubestimmunge n

1.3 Technisch e Baubestimmunge n fü r den Stahlba u


Wichtige Grundlage für das Bauen sind die Bauordnunge n der Bundesländer. Die
Landesbauordnungen (LBO) sind Gesetze , die für bauliche Anlagen und Bau-
produkte gelten. Der Anwendungsbereic h der LBO erstreckt sich hauptsächlich
auf Gebäude . Ausgenommensind, soweit sie nicht Gebäude betreffen:
• öffentliche Verkehrsanlagen,
• Leitungen für Wasser, Abwasser, Gas, Elektrizität, Wärme, u.a.m.,
• Anlagen, soweit sie der Bergaufsicht unterliegen,
• Kräne und Krananlagen .
Gemäß LBO Baden-Württemberg (und ähnlich auch für andere Bundesländer )
sind bauliche Anlagen so anzuordnen und zu errichten, daß die öffentliche
Sicherheit oder Ordnung, insbesonder e Leben, Gesundheit oder die natürlichen
Lebensgrundlagen , nicht bedroht werden. Bezüglich der Standsicherheit gilt:
Bauliche Anlagen müssen sowohl im ganzen als auch in ihren einzelnen Teilen
sowie für sich allein standsicher sein. Die Standsicherhei
t muß auch während der
Errichtung und bei der Durchführung von Abbrucharbeite n gewährleistet sein.
Die Standsicherhei t anderer baulicher Anlagen und die Tragfähigkeit des Bau-
grunds des Nachbargrundstück s dürfen nicht gefährdet werden.

Bauprodukt e dürfen nur verwendet werden, wenn bei ihrer Anwendung die
baulichen Anlagen die Anforderungen der LBO erfüllen und gebrauchstauglic h
sind. Al s allgemein anerkannte Regeln der Technik gelten auch die von den Ober-
sten Baurechts-(Bauaufsichts-)behörde n der Bundeslände r durch öffentliche
Bekanntmachun g als Technische Baubestimmunge n eingeführten Regeln.

Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) macht im Einvernehme n mit den
Obersten Baurechtsbehörde n für Bauprodukte in der Bauregelliste A die tech-
nischen Regeln bekannt, die zur Erfüllung der an bauliche Anlagen gestellten
Anforderungen erforderlich sind. Diese Regeln gelten als allgemein anerkannte
Regeln der Technik.

Bauprodukte, für die technische Regeln in der Bauregelliste A bekannt gemacht


worden sind und die von diesen wesentlich abweichen oder für die es allgemein
anerkannte Regeln der Technik nicht gibt (nicht geregelte Bauprodukte), müssen
• eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung,
• ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder
• eine Zustimmung im Einzelfall
haben. Ausgenomme n sind Bauprodukte, die für die Erfüllung der Anforderun-
gen nur eine untergeordnete Bedeutung haben und die das DIBt im Einverneh-
men mit der Obersten Bauaufsichtsbehörde in einer List e C bekannt gemacht hat.
1.3 Technisch e Baubestimmunge n für den Stahlba u 11

I n Bauregelliste B werden Bauprodukte aufgenommen , die nach Vorschriften der


Mitgliedstaaten der Europäischen Union in den Verkehr gebracht werden dürfen.
Die List e der Technischen Baubestimmungen (LTB) umfaßt Regeln zur Standsi-
cherheit von Gebäude n sowie zum Brand-, Wärme-, Schall-, Erschütterungs - und
Gesundheitsschutz . Die LTB wir d auf der Basis einer die Bundeslände
r übergrei-
fend abgestimmte n Musterliste (MLTB) von jedem Bundesland gesonder t bekannt
gemacht und wir d damit verbindlich, in BW derzeit in der Ausgabe 11.05. Die fol-
gende Zusammenstellun g ist ein stahlbauspezifischer Auszug aus der LTB.

Grundnor m DI N 18800 - Stahlbauten


Teil 1 (11.90) Bemessun g und Konstruktion
Teil 2 (11.90) Stabilitätsfälle, Knicken von Stäben und Stab werken
Teil 3 (11.90) Stabilitätsfälle, Plattenbeulen . Änd. A1 (02.96) für Teile 1 bis 3
Teil 4 (11.90) Stabilitätsfälle, Schalenbeule n
Teil 5 (11.04) Verbundtragwerk e aus Stahl und Beton (Vornorm)
Teil 7 (09.02) Stahlbauten , Ausführung und Herstellerqualifikation
Fachnormen für verschiedene Anwendungsgebiete
DI N 4131 (11.91) Antennentragwerk e aus Stahl
DI N 4132 (02.81) Kranbahnen ; Stahltragwerke ; Grundsätze für
Berechnung, bauliche Durchbildung und Ausführung
DI N 4133 (11.91) Schornsteine aus Stahl
DI N 4420-1 (03.04) Arbeits- und Schutzgerüst e
DI N EN 12812 (09.04)Traggerüste-Anforderungen , Bemessung u nd Entwurf
DI N 18801 (09.83) Stahlhochbau ; Bemessung, Konstruktion, Herstellung
DI N 18806-1 (03.84) Verbundkonstruktionen ; Verbundstützen (veraltet!)
DI N 18807 (06.87) Trapezprofile im Hochbau. Änderungen A1 (05.01)
DI N 18808 (10.84) Tragwerke aus Hohlprofilen
DI N 18914 (09.85) Dünnwandige Rundsilos aus Stahl
DASt-Richtlinie 016 Bemessun g und konstruktive Gestaltung von Trag-
(02.92) werken aus dünnwandigen kaltgeformten Bauteilen
Die Fachnorme n sind teilweise noch nicht oder nicht vollständig auf das neue
Normen-Konzept umgestellt. Bei ihrer Anwendung ist die Anpassungsrichtlinie
Stahlbau (10.98), Sonderheft 11/2 der Mitteilungen des DIBt, zu beachten, nebst
Berichtigungen (DIBt-Mitteilungen Heft 6/1999, S. 201), sowie Änderungen und
Ergänzunge n (DIBt-Mitteilungen Heft 1/2002, S. 14).

I n [9] "Stahlbau-Kalender" sind die Grundnorm DIN 18800 Teile 1 bis 5 und 7
sowie DIN 18801 unter Einarbeitung von Anpassungsrichtlinie n abgedruckt und
kommentiert. In [9] finden sich stets aktualisiert die wichtigsten Normen, Richt-
linien, Zulassungen, die Musterliste und die Bauregelliste, jeweils in Auszügen
für den Stahlbau, außerde m eine Stahlsortenliste .
12 1 Stahlbau - Begriffe, Besonderheiten, Baubestimmungen

I n [26] "Stahlbaunormen - angepaßt" werden die übrigen Fachnorme


n in ent-
sprechend überarbeitete n Fassungen wiedergegeben . Beide Werke enthalten
auch vertiefte Ausführungen zu den baurechtliche
n Hintergründen.
Lastannahmen. Die wichtigsten Fachnorme
n sind
DI N 1055-100 (03.01) Einwirkungen auf Tragwerke. Grundlagen, insbesondere:
DI N 1055-3 (03.06) Eigen- und Nutzlasten
DI N 1055-4 (03.05) Windlasten, A1 (03.06)
DI N 1055-5 (07.06) Schnee- und Eislasten
Werkstoff Stahl. Von den Normen sei hervorgehobe
n
DI N EN 10025 (3.94) Baustähle; früher DIN 17100 (1.80)
Ander e Werkstoffe. Wo Stahlbaute n an andere Werkstoffe anschließe
n oder mit
ihnen zusammenwirken , gelten deren Fachnormen . Die wichtigsten sind
DI N 1045-1 (07.01) Tragwerke aus Beton, Stahlbeton u. Spannbeton, (A2 06.05)
DI N 1052 (08.04) Entwurf, Berechnung und Bemessun g von Holzbauwerken
DI N 1053-100 (08.04) Mauerwerk
DI N 1054 (01.05) Baugrund - Sicherheitsnachweis e im Erd- und Grundbau
Eurocode. Im Zuge der Harmonisierung des Binnenmarktes in der Europäische n
Gemeinschaf t sollen die im Eurocode (EC) festgehaltene
n internationalen Regeln
die zukünftige Grundlage für Regelunge n im Bauwesen darstellen.
EC 1 Grundlagen der Tragwerksplanun g und Einwirkungen auf Tragwerke
EC 2 Planung von Stahlbeton- und Spannbetontragwerke n
EC 3 Bemessun g und Konstruktion von Stahlbaute n
EC 4 Bemessun g und Konstruktion von Verbundtragwerke n aus Stahl und Beton
EC 5 Bemessun g und Konstruktion von Holzbauwerken
EC 6 Bemessun g und Konstruktion von Mauerwerksbaute n
EC 7 Entwurf, Berechnung und Bemessun g in der Geotechnik
EC 8 Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben
EC 9 Bemessun g und Konstruktion von Tragwerken aus Aluminiumlegierungen
Die EC wurden in Deutschland zunächst als europäisch e Vornormen ENV ver-
öffentlicht und durften bisher bei Bekanntgab e durch die Obersten Baurechtsbe-
hörden parallel zum entsprechende n nationalen Normenwerk probeweise (!)
angewende t werden, wobei ein nationales Anwendungsdokumen t (NAD) zu
berücksichtigen war. DIN-Normen werden jetzt in europäisch e Normen über-
führt, z.B. DIN 18800 in EC 3 bzw. DIN EN 1993-1-1 ff. Gegenwärtig (2006) läßt
sich nicht endgültig übersehen , wann, in welchem Umfang, mit welcher Verbind-
lichkeit und innerhalb welcher Fristen das europäisch e Normenwerk in die
Bemessun g in der Baupraxis Einzug halten wird. Die Anwendung der nationalen
Normen wir d noch längere Zeit die Alltags-Bemessun g darstellen.
Für Straßenbrücken gelten die in den Allgemeinen Rundschreibe n Straßenba u
(ARS) bekannt gemachte n Regelunge n der Straßenbaubehörden der Länder. Für
Baumaßnahme n der Eisenbahnen gilt eine eisenbahnspezifisch
e Liste ELTB.
2 Werkstof f Stah l un d Stahlerzeugniss e

2.1 Stah l
Stahl ist schmiedbare s Eisen
Dieses Schlagwort ist zwar nicht exakt (weil Stahl eine Legierung ist, Eisen jedoch
ein chemisches Element), jedoch ist es einprägsa m und enthält die wesentliche
Aussage der Schmiedbarkei t (oder Duktilität).

Stahl unterscheide t sich von Roh- bzw. Gußeisen insbesondere durch einen auf
0,20 - 0,25 % begrenzten Kohlenstoffgehalt, hauptsächlic
h wegen der geforderten
Schweißeignun g und Zähigkeit.

Darüber hinaus sind im Stahl auch unerwünscht


e Beimengunge
n begrenzt: P, S
(zusammen immer < 0,07 %) und N.

Zur Erzielung höherer Festigkeiten oder anderer gewünschte r Eigenschafte n


werden als Legierungsbestandteil e zugegeben : Si, Cr, Mn, Ni, Mo, Al , Ti, Ca
(zusammen immer < 5%). Die Stähle werden dadurch u.a. sprödbruchunemp -
findlicher, kaltverformbar, besser schweißbar
, insgesam t homogener.

Roheisen , Gußeise n
Im Hochofen wir d Eisenerz mit Koks und vorgewärmter Luft unter Zugabe von
Schlackebildner n (Kalk) aufgeschmolze n und reduziert. Ein Teil des Roheisens
wir d in Masseln gegosse n und in Eisengießereie
n zu Grauguß verschmolzen .

Gußeisen ist spröde, nicht schmiedba r und hat geringe Zugfestigkeit. Der C-
Gehalt ist hoch: 2 -6 %. Dafür ist Gußeisen weniger rostanfällig als Stahl.

Stahlerschmelzun g
Um aus Roheisen (mit unterschiedliche m Anteil an Schrott-Zugaben ) Stahl zu
erschmelzen , muß in erster Lini e der Kohlenstoffgehalt gesenkt werden. Dies
geschieht durch "Frischen", wobei der Kohlenstoff C mit dem Sauerstoff O2 der
Luft zur Reaktion gebracht wir d und als Kohlenmonoxid CO größtenteils gas-
förmig entweicht. Statt Luft kann auch reiner Sauerstoff angeboten werden.

Nach dem Erschmelzungsverfahre


n unterscheide
t man:

Thomasstahl . Gewinnung durch Windfrischen in Konvertern mit basische


r Aus-
kleidung. Verarbeitung stark phosphorhaltige
r Erze.

Bessemerstahl
. Konverter mit kieselsaure
r Auskleidung zur Verarbeitung phos-
phorarmer Roheisen.

Beide vorgenannte
n Verfahren sind praktisch bedeutungslo
s geworden.
14 2 Werkstoff Stahl und Stahlerzeugnisse

Sauerstoffblasstahl . Anstatt Luft wir d reiner Sauerstoff vom Konverterbode n


aus durchgeblasen . Dem Roheisen wir d Schrott zugegeben . - Das Sauerstoffblas-
verfahren hat sich zum heute mengenmäßigbedeutendstenVerfahren durchgesetzt .
Siemens-Martin-Stahl . Gas- oder Elektroheizung, Zugabe von Schrott. Verun-
reinigungen an P, S, N werden stark begrenzt. Besonders geeignet zur Herstellung
niedrig legierter Stähle hoher Güte. Teuer!
Elektrostahl. Hitze durch Lichtbogen oder Induktion. Höchster Reinheitsgrad
.
Edelstähle werden durch Beigabe von Legierungsbestandteilen erschmolzen .

Unberuhigte r Stah l (G1)


Beim Erstarren des flüssigen Stahls bilden sich durch Reak-
tion der Luft mit verbliebenen C-Teilen CO-Blasen, die nur
unvollkommen entweichen können. Dies ergibt Dopplungen,
(Materialauftrennun g in Dickenrichtung) insbesonder e bei
dickem Material (> 15 mm). An den dickeren Stellen der
Walzstahlquerschnitt e ergeben sich außerde m Anreicherun-
gen von P- und S-Verunreinigungen , die sich in Seigerungszo-
nen ansammeln . In der Umgebung von Seigerungszone n in
unberuhigten Stählen soll nicht geschweiß t werden. Bild 2.1 Seigerungs
-
zonen
Beruhigter Stahl (G2), besonders beruhigter Stahl (G3)
Zugaben von Si, Al , Ca, Ti binden den Sauerstoff in der Schmelze (Desoxidation)
und geben einen homogeneren , gut schweißbare n und sprödbruchunempfindli -
chen beruhigten Stahl. Die Zugabe erfolgt meist während des Abstichs. Unter-
scheidung G2 und G3 nach dem Beruhigungsgrad .
Die Kerbschlagarbei t ist ein Kennwert für die Zähigkeit; man versteht darunter die
Arbeit, die bei schlagartige m Durchbiegen einer gekerbten Probe bis zum Bruch
verbraucht wird. Sie ist Einschätzungsgrundlag e für die Sprödbruchneigun g (Ver-
halten bei mehrachsiger/schlagartige r Beanspruchun g sowie tiefer Temperatur).

Gießverfahre n
Bei den an die Stahlerschmelzun
g anschließende
n Gießverfahre
n unterscheide
t man:
Standguß. Der Stahl wir d in Formen (Kokillen, Brammen, Blöcke) gegossen . Er
wir d entweder im Tiefofen heiß gehalten, oder er muß bei späterer Weiterverar-
beitung wieder auf die hierfür erforderliche Temperatur werden.
Strangguß. Der Stahl wird nach der Erschmelzun g kontinuierlich (und ohne weitere
Energieverluste) fortbehandelt. Der Stahl wird in gekühlte Kupferkokillen gegosse n
und fließt daraus in Strängen nach unten ab, wobei diese Stränge äußerlich rasch
abkühlen und bei richtiger Dosierung des Strangflusse s nicht abreißen. Über Füh-
rungssystem e wird der Strang nach unten und dann in die Waagrechte geführt,
abgeschnitten und zur Weiterverarbeitun g (bevorzugt Warmwalzen) gebracht.
2.2 Baustähl e 15

2.2 Baustähl e
S 235 un d S 355 (St 37 und St 52)
Hinsichtlich der "Allgemeinen Baustähle" bezieht sich DIN 18800 (11.90) noch
auf DIN 17100 (1.80) und die dort verwendeten Bezeichnungen. DIN 17100 wurde
durch die europäisch e Norm DIN EN 10025 (3.94) "Warmgewalzte Erzeugniss e
aus unlegierten Baustählen " abgelöst. Nach Anpassungsrichtlini e Stahlbau
(10.98) zu [1/401] sind Stähle nach den in DIN EN 10025 niedergelegte
n Liefer-
bedingungen (Anforderungen, Prüfungen, siehe Tab. 2.1) zu verwenden.
Tab. 2.1 Baustähl e nac h DIN EN 10025 - Chemisch e Zusammensetzun g un d mechani -
sch e Eigenschafte n (Auszug) .
Wichtigst e Wert e fü r Materialdicke n vo n 3 bi s 40 mm

Chem. Zusammensetzung in Gew.-% Bruch- Zugfe- Streck-


dehnung stigkeit grenze
Stahlsorte C P S N % [N/mm 2 ] [N/mm 2 ]

Schmelzanalyse - Maximalwert e mi n von...bis mi n

S 235 JR 0,009 t < 16 mm


0,17-0,20
S 235 JR Gl 0,045 0,045 0,007 längs 26 235
340... 470
S 235 JR G2 0,009
0,17 quer 24 1 6 < t < 40
S 235 J2 G3 0,035 0,035 - 225

S 355 J2 G3 0,20 0,035 0,035 - 1. 22/q. 20 490... 630 3 5 5 / 3 45 |

Die Bezeichnung der Baustähle wird durch Euronorm DIN EN 10027 geregelt. DIN
EN 10027, Anhang C, enthält eine Liste der neuen europäische n und der früheren
nationalen Bezeichnunge n vergleichbarer Stähle. Eine weitere Gegenüberstellun g
enthält Bauregelliste A, die auszugsweise in Tab. 2.2 wiedergegebe n wird.
Tab. 2.2 Bezeichnun g warmgewalzte r Erzeugniss e aus unlegierte n Baustähle n

DI N EN 10025 (3.94) DI N EN 10025 (3.94)


EN 10027 Teil 2 (9.92) DI N 17100 (1.80)
DI N EN 10027 Teil 1 (9.92) Euronor m EN 25 (11.72)

S 235 JR 1.0037 St 37-2 Fe 360-B

S 235 JR G1 1.0036 USt 37-2 Fe 360 BFU

S 235 JR G2 1.0038 RSt 37-2 Fe 360 BFN

S 235 J2 G3 1.0116 St 37-3 N *) Fe 360 Dl

S 355 J2 G3 1.0570 St 52-3 N *) Fe 510 Dl

*) Der Zusatz "N" bei der Bezeichnun


g nach DIN 17100 bedeutet "normalgeglüht".

Im täglichen Sprachgebrauc h halten sich noch die Bezeichnungen St 37 und St 52.


Tab. 2.3 erläutert beispielhaft die neuenNorm-Bezeichnungen . Neu ist auch S 275.
16 2 Werkstoff Stahl und Stahlerzeugnisse

Tab. 2.3 Erläuterun g zur Bezeichnun g nac h EN 10027 Teil 1 - Beispie l fü r S 235 JR G2 *)

S 235 J R G2
Zusatz- Verwendung Mindest- Mindest- Prüftem- Desoxidationsart
symbol S = Stahlbau streckgrenze kerbschlag- peratur Gl = unberuhigt
möglich P = Druckbehälter für geringste arbeit R= +20 °C G2 = unberuhigt nicht zulässig
L = Rohrleitungen Erzeugnisdick
2
e 0= 0°C
G = Guß E = Maschinenba u [N/mm ] J = 27 Joule 2= -20 °C G3 = besonder s beruhigt, nor-
B = Betonstähle Häufigste K = 40 Joule 3= -30 °C malgeglüht (bei Flacherzeug -
Y = Spannstähle Werte: 4= -40 °C nissen normalisierend gewalzt )
L = 60 Joule
F = Feinstahl 235 = St 37 5= -50 °C G4 = besonder s beruhigt,
usw. (275 = St 44) 6= -60 °C Lieferzustand nach Wahl
355 = St 52 des Herstellers
*) Darstellung ähnlich einem von Dipl.-Ing. Steidl, Karlsruhe, vorgestellten Schema
.

Wahl der Stahlgütegruppe n bei S 235


Wahl der Stahlgütegruppe n (d.h. der Desoxidationsart ) für geschweißte Stahl-
bauten erfolgt nach DASt-Ri 009 (4.73) und Entwurf (9.98). Die Auswahl wir d in
Kombination verschiedene r Einflüsse durchgeführt:
• Spannungszustand . Ausnutzung der Querschnitte, Auftreten räumlicher
Spannungszustände , konzentrierte Lasteinleitungen, schroffe Quer-
schnittsübergänge.
• Bedeutung des Bauteils: Folgewirkung bei Versagen.
• Temperaturbereich : ungünstiger Einfluß bei tiefen Temperature n im
Gebrauchsfall.
• Werkstoffdicke: ungünstiger Einfluß großer Dicken.
• Kaltverformung bei der Fertigung.
In der heutigen Stahlbaupraxis werden Walzerzeugniss e der Stahlsorte S 235 mit
Dicken über 15 mm praktisch immer als S 235 JR G2 (RSt 37-2) geordert. Hier ist
universelle Schweißbarkei t gegeben. S 235 J2 G3 (St 37-3) ist Sonderanforderun -
gen (z.B. im Brückenbau) vorbehalten. S 355 J2 G3 (St 52-3) gibt die praktischen
Mindestanforderunge n für einen Stahl mit 355 N / m m2 Mindeststreckgrenze .
Terrassenbruch. Stahl hat senkrecht zur Dickenrichtung schlechtere Festigkeits-
und Verformbarkeitseigenschafte n als in Richtung der Auswalzung. Bei Bean-
spruchung senkrecht zur Dickenrichtung, die z.B. in Stirnplatten biegesteifer Ver-
bindungen auftritt, können terrassenförmig e Aufbrüche entstehen .
DASt-Ri 014: Empfehlungen zur Vermeidung von Terrassenbrüchen
. Es werden
sowohl werkstoffbezogen
e als auch konstruktive Maßnahmen vorgeschlagen ,
um mit ausreichende
r Sicherheit Terrassenbrüch
e zu vermeiden.

Ander e Baustähl e
Feinkornbaustähle nach DIN EN 10113-2 (früher DIN 17102): StE 355 hat ähnliche
Eigenschafte
n wi e S 355. Er wir d bisweilen bei großen Blechdicken gewählt, weil
2.3 Walzstahlerzeugnisse 17

hier etwas andere (engere) Grenzwerte und Toleranzen als nach DIN EN 10025
(früher DIN 17100) festgelegt sind.

Die Verwendung hochfester Feinkornbaustähl e StE 460 und StE 690 nach DASt-
Ri 011 erfordert bei der Verarbeitung (Schweißen!) besonder e Sorgfalt. Solche
Stähle werden im Hochhausbau , z.B. bei gedrungenen , hochbelasteten Stützen,
verwendet. Ihre Verwendung bedarf besondere r Zustimmung im Einzelfall.

Wetterfeste Baustähle nach DASt-Ri 007: S235 J2W (WTSt 37-3) und S355 J2G1W
(WTSt 52) haben mechanisch e Eigenschafte n wie S 235 bzw. S 355. Durch hohen
Kupferanteil in der Schmelze bilden sich bei Korrosion Makromoleküle, die eine
Schutzhaut für das Material ergeben. Der gewöhnliche Rostungsvorgan g wird
erheblich verlangsamt . Zum Ausgleich der Abrostung wird für unbeschichtet e WT-
Profile ein Dickenzuschlagzum statischen Querschnitt von ca. 1 mm verlangt. Bei
häufig feuchter Oberfläche ist auf jeden Fall zusätzliche Beschichtung erforderlich.

2.3 Walzstahlerzeugniss e
Formstahl. Höhen oder Schenkellänge n der Profile h > 80 mm.
Häufigste Profile (siehe dazu auch Tab. 2.4 und Bil d 2.2):
I (INP), IPE, HEA, HEB, HEM, HEAA, U, L, Z, T, coup I.
Stabstahl. Profile U, L, Z, T mit h < 80 mm,
Rundstahl mit d > 5 mm (und Halb- und Flachrundstahl) ,
Vierkantstahl mit h > 8 mm,
Flachstahl mit b = 10 ... 150 mm und t = 5 ... 60 mm, Längen 6 ... 12 m,
Sechs- und Achtkantstahl mit d > 10 mm.
Breitflachstahl. Flachstahl mit b = 150 ... 1250 mm, t = 4 ... 80 mm, L = 4 ... 12 m.
Bleche. Grob- und Mittelbleche mit Dicke t > 3 mm.
Bleche sind (im Gegensat z zu Flachstahl) nach zwei Richtungen ausgewalz t und haben
dadurch gleichmäßige Festigkeitseigenschafte n in allen Richtungen ihrer Ebene. Sie eignen
sich z.B. für Knotenbleche und Stegblech
e geschweißte r Träger, Behälterwandungen , u.a.
Rohre. Quadrat-, Rechteck-, Rund-Hohlprofile, nahtlos oder geschweißt
, t > 2 mm.
Rohre eignen sich auf Grund günstiger Querschnittswert e in allen Richtungen besonder s für
Druckstäbe,z.B. in Fachwerken . Bezüglich der Querschnittsfläch
e minimierte Oberflächen erge-
ben geringe Angriffsflächen für Korrosion und entsprechen d geringe Beschichtungsflächen .
Kaltproflle . Kalt ausgewalzt
e oder abgekantet
e Profile mit Dicken t > 0,5 mm.
Kaltprofile werden in großer Vielfalt hergestellt, z.B. als
• Trapezprofile für Dächer und Wände,
• U-, C-, Z- und andere Profile für Pfetten, Wandausfachungen
, Regalbau.
Mindestwanddicke: Bemessun g nach DIN 18800 setzt Bauteildicken t > 1,5 mm
voraus. Für dünnwandige kaltgeformte Bauteile gilt DASt-Ri 016.
Tab. 2.4 Verschieden e Walzprofil e mi t gleiche r Nennhöh e im Vergleic h

| Profil U 200 I 200 IPEa 200 IPE 200 IPEo 200 HEAA-200 HEA-200
h 200 200 197 200 202 186 190
b mm 75 90 100 100 102 200 200
s mm 8,5 7,5 4,5 5,6 6,2 5,5 6,5
t mm 11,5 11,3 7,2 8,5 9,5 8 10
r mm 6 4,5 12 12 12 18 18
A cm2 32,2 33,4 23,5 28,5 32,0 44,1 53,8
g kg/m 25,3 26,2 18,4 22,4 25,1 34,6 42,3
Iy cm4 1910 2140 1592 1940 2210 2944 3690

Wy cm3 191 214 162 194 219 317 389


4
Iz
148 117 117 142 169 1068 1340
cm4
wz cm3 27,0 26,0 23,4 28,5 33,1 107 134
IT cm4 11,9 13,5 4,11 7,02 9,41 12,7 21,1
C cm6 9070 10520 10500 12990 15570 84500 108000
M
N kN 773 802 563 684 767 1059 1292
p l ,k
V kN 222 196 118 149 165 136 162
pl,z,k
M kN m 57,2 59,7 43,6 53,0 59,9 83,3 103
pl,y,k
M M 1,247 1,162 1,121 1,138 1,140 1,095 1,103
pl,y/ el,y
2.3 Walzstahlerzeugnisse 19

ReR 80x40x4
QR 60x4
RuR 88,9x4

TB 60

T120

Rund 20

L90x9

Vierkant 22

L100x50x8 Z 120
N

IPE 100

1/2 HEB-200

1/2 IPE 200 Fl 80x10

Bfl 160x12

Bild 2.2 Verschieden e Walzstahlerzeugniss e


Die Bezeichnungen entsprechen nicht immer genau der Norm!
3 Zeichnunge n

3.1 Unterschiedlich e Plän e und Maßstäb e


Übersichtszeichnungen. Maßstäbe
: 1:50 / 1:100 / 1:200 (auch: 1:75 / 1:150).
• Angebots- und Baueingabepläne
,
• Übersichtsplän
e zur Konstruktion (Grundriß mit Stützenstellung und
Wänden, Dach- und Decken-Draufsichten
, Schnitte, Ansichten),
• Positionsplan zur Berechnung (Positionierung der Statischen Systeme),
• Positionsplan zur Fertigung und Montage (Positionierung der wesentlichen
Fertigungs- und Versand-Einheiten, der sog. Montage-Hauptpositionen) .

Werkstatt- , Konstruktions - oder Detailpläne. Maßstäbe


: 1:5 / 1:10 / 1:15 / 1:20.
Pläne für die Werkstattfertigung mit Angabe aller Einzelteile, der Einzel- und
Gesamtmaß e u nd aller Verbindungsmittel. Positionierung u nd Vermaßung aller
einzeln zu fertigenden Teile (z.B. Träger, Stirnplatten, Knotenbleche
, Futter, ...).

Einzelheiten, besondere Details- Maßstäbe 1:1 / 1:2 / 1:5.

Größere Maßstäbe sind erforderlich bei besonder


s kleinen Profilen und Abmes-
sungen und zur Darstellung schwer überschaubare r Einzelheiten.

Naturgrößen. Maßstab. 1.1.


Aufzeichnen in natürlicher Größe insbesonder e für Knotenbleche und Stirnplat-
ten bei schief zusammenlaufende n Anschlüssen. Das Konstruktionsteil wir d mit
allen vorgesehene n Bohrungen, Ausklinkungen, usw. auf dickes Papier, Pappe,
o.ä. aufgezeichnet. Die Naturgrößen dienen in der Werkstatt als Schablonen zum
direkten Anreißen der Umrisse und zum Vorkörnen der Bohrlöcher für die Kon-
struktionsteile. Mi t Ausbreitung der CAD/CAM-Systeme verliert diese Kommu-
nikationsart an Bedeutung.

Netzpläne. Maßstäbe 1:10 bis 1:50.


Aufzeichnen der Systemachse n und Vermaßung der Systemlängen, insbesonder
e
s der einzelnen Knotenpunkte werden
für Fachwerke. - Die Konstruktionsdetail
dann in größerem Maßstab herausgezogen .

Spezialplän e
• Pläne zur Verankerung der Stahlkonstruktion in Fundamenten
, Decken,...
• Verlegepläne für Dach- und Fassaden-Element
e (Trapezprofile für Dach,
Wand und Decke, Sandwich-Elemente , Porenbetonplatten
, ...).
3.2 Darstellung mit EDV, CAD, CAM 21

3.2 Darstellun g mit EDV, CAD, CAM


Seit etwa 1960 werden Statische Berechnungen EDV-unterstützt ausgeführt, mit
stetig wachsenden Möglichkeiten bezüglich rechenbare
r Systeme, Datenmenge n
und Berechnungsmethode n sowie steigendem Bedienungskomfort .

Seit etwa 1990 setzt sich in den Stahlbau bearbeitende n Betrieben und Ingenieur-
büros die Zeichnungserstellun g mit CAD (Computer aided design) immer mehr
durch. Zeichensystem e wurden zu 2D-Systeme n mit stahlbauspezifischen Modu-
len ausgebau t und sind in 3D-Systeme n in der Lage, alle räumlichen Verschnei-
dungen zu erfassen . Bibliotheken enthalten alle gängigen Stahlbauprofile und
deren typisierte Verbindungen untereinander . Einmal konstruierte Details lassen
sich speichern und wieder abrufen. Konstruktionen lassen sich anbeliebigen Stel-
len schneiden und aus unterschiedliche n Blickrichtungen darstellen.

Die Übergabe der Zeichnungen in die Fertigung mittels CAD/CAM-Systemen


(Computer aided manufacturing) bringt Zeit- und Kosteneinsparunge n sowie
Fehlerreduzierung . Stücklisten (maßhaltige Auflistung aller herzustellenden
Einzelteile vor dem Zusammenbau ) und Herstellungsanweisunge n für automa-
tische Säge-Bohr-Anlage n und automatisch e Brennschneid-Anlage n sollen ohne
Zwischenschritte aus den CAD-erstellten Zeichnungen übertragen werden.

Bei all den technische n Fähigkeiten, die in den CAD/CAM-Systemen stecken,


sind diese auch nur Arbeitsmittel, deren Intelligenz die des Programmierer s nicht
übersteigt. Einarbeitung und Umgang mit den Systemen verlangen oft erhebli-
chen Zeitaufwand, je nach System und Bediener. CAD-Darstellungen sind häufig
schwerer lesbar und prüfbar als konventionell am Brett erstellte Zeichnungen :
die Strichstärken sind nicht oder ungenügen d abgestuft, Schraubensymbol e sind
vereinfacht dargestellt, Einzelpositionen sind einer Hauptposition schlecht zuge-
ordnet, Einzelmaßkette n laufen nicht bis zum Summenma ß durch, Schnitte
zeigen noch weit entfernte Ebenen auf und werden dadurch unübersichtlich, die
Verträglichkeit einzelner Positionen untereinande r wir d nicht überprüft, u.a.m.

Zweifellos geht die Entwicklung zu immer perfekteren EDV-Werkzeugen hin.


Heute rechnet niemand mehr ein mehrfach statisch unbestimmte s System "von
Hand", und die Zukunft wird auch die letzten Zeichenbrette r aus den Konstruk-
tionssälen verschwinden lassen. Der Stahlbau-Ingenieu r muß aber den Überblick
über die automatisierte
n Berechnunge n behalten und diese kontrollieren können,
genauso wi e der Konstrukteur die wesentlichen Merkmale der Konstruktion auf
Grund der Berechnung selbst erarbeiten muß.

Ungeachtet dessen lassen sich ganze Konstruktionen, z.B. Hallen, typisieren und
für die Ausführung in Nachweisen , Plänen, Bestelldaten und Arbeitsanweisun-
gen auf die Eingabe der erforderlichen Eckdaten reduzieren. Örtliche Besonder-
heiten des Einzelauftrags lassen sich nachträglich in jeder Beziehung einpassen
.
4 Bemessun g vo n Stahlbaute n

4.1 Allgemein e Angabe n


Anwendungsbereic h
Dieses Buch nimmt Bezug auf DIN 18800 Teil 1 und 2. Abkürzend bedeuten z.B.:
[1/301] DIN 18800 Teil 1, Element (301),
(2/28) DIN 18800 Teil 2, Formel (28),
{1/13} DIN 18800 Teil 1, Tabelle 13.
Elemente, Formeln und Tabellen aus der Norm DIN 18800 sind hier nicht immer in vollem
Umfang oder wörtlich übernommen . Andererseits wurde der Text erläutert und erweitert.
DIN 18800 Teil 3 (Stabilitätsfälle, Plattenbeulen
) und Teil 4 (Stabilitätsfälle, Schalenbeulen
)
werden in diesem Grundlagenban d nicht behandelt.

[1/101] DIN 18800 ist anzuwende


n für die Bemessun
g und Konstruktion von
Stahlbauten.
In diesem Buch wir d die Bemessun g tragender Bauteile aus Stahl bei vorwiegend
ruhender Belastung behandelt. Bei der Konstruktion wir d in der Regel auf Bau-
werke und Bauteile des Stahlhochbausund des Industriebaus eingegangen . Son-
derbauteile, wi e z.B. Seile, werden nicht oder nur sehr knapp behandelt.

Anforderunge n
[1/103] Stahlbauten müssen standsicherund gebrauchstauglichsein. Ausreichende
räumliche Steifigkeit und Stabilität sind sicherzustellen
.

Bautechnisch e Unterlage n
[1/201] Die bautechnische
n Unterlagen müssen Angaben zu den maßgebliche n
Nutzungsbedingunge n der Konstruktion enthalten. Sie bestehe
n im wesentli-
chen aus den Teilen
• Baubeschreibung ,
• Statische Berechnung
,
• Zeichnungen .
Statisch e Berechnun g
[1/204] In der Statischen Berechnung sind Tragsicherheitund Gebrauchstauglichkeit
für alle Bauteile und Verbindungen nachzuweisen .
Wichtig: Anforderungen an die Statische Berechnung
:
• Vollständigkeit,
• Übersichtlichkeit,
• Prüfbarkeit,
4.2 Elemente der Bemessung 23

• Einheitlichkeit und Geschlossenheit


,
• Eindeutigkeit bezüglich der Angaben für die Ausführungszeichnungen
.
Die Statische Berechnung muß Angaben enthalten über
• Statische Systeme,
• Lastannahmen , Lastkombinationen ,
• ungünstigste Beanspruchungen , Beanspruchbarkeiten
, Werkstoffe,
• Querschnitte, Anschlüsse , Stöße, allgemeine Abmessungen
,
• Lastangabe n für abstützend e Systeme und Fundamente ,
• Formänderunge n (soweit erforderlich).
Zeichnunge n
[1/208] In den Zeichnungen sind alle für die Herstellung und Montage des Bau-
werks u nd seiner Einzelteile erforderlichen Angaben eindeutig, vollständig, über-
sichtlich und prüfbar zusammenzustellen .

4.2 Element e der Bemessun g


Die Bemessung von Stahlkonstruktione n umfaßt den Nachweis übergeordnete r
Systeme und einzelner Bauteile sowie den Nachweis der Verbindungsmittel.

Übergeordnet e System e
Übergeordnet e Systeme bestehe
n aus mehreren Einzelbauteilen
. Im Stahlhoch-
bau sind die wichtigsten:
• Stabwerke und Rahmen bestehe n aus mehreren, biegesteif u n d / o d er
gelenkig verbundenen Stäben,
• Fachwerke bestehen aus in den Knotenpunkten ideal gelenkig verbunde-
nen geraden Stäben; es können nur Einzellasten in den Knotenpunkten
angreifen.
Systeme können ebenoder räumlich angeordne
t u n d / o d er belastet sein.

Stäbe
Stäbe sind Elemente, deren Querschnittsabmessunge
n klein sind gegen die Stab-
länge. Die Stabachs
e kann gerade oder gekrümmt sein.
Die meisten Hauptkonstruktionsteil e im Stahlhochbau sind statisch gesehe
n ein-
dimensionale Elemente. Stäbe können aus übergeordnete n Systemen herausgelö -
ste Einzelteile sein. Je nach deren Beanspruchun g lassen sich unterscheiden:
• normalkraftbeansprucht e Stäbe (Zugstäbe und Druckstäbe),
• biege- und schubbeansprucht e Stäbe (ein- oder zweiachsige Biegung),
• Stäbe, die kombiniert auf Normalkraft, Biegung, Querkraft und evtl. Torsion
beanspruch t sind.
24 4 Bemessung von Stahlbauten

Verbindungsmitte l
Niete waren bis in die Fünfzigerjahre das hauptsächlich e Verbindungsmittel im
Stahlbau. Heiß geschlagen e Niete (ca. 900 °C) sind punktförmige Verbindungs-
mittel mit gutem Paßsitz. Niete sollen vorzugsweise senkrecht zur Nietachse (auf
Abscheren und Lochleibung) beanspruch t werden. - Die umständliche Verarbei-
tung, die mit Lärm und Gefahren besonder s auf den Baustellen verbunden ist,
hat heute zum vollständigen Verzicht auf dieses Verbindungsmitte l geführt.

Schrauben sind gleichfalls punktförmige, im Gegensat z zu den Nieten lösbare


Verbindungsmittel mit großer Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten . Schrau-
ben lassen sich gleichermaßen senkrecht wie parallel zur Schraubenachs e bean-
spruchen. Vorgespannt e Schraube
n lassen auch flächenartige Kraftübertragung
durch Reibschluß zu.

Schweißverbindunge n sind meist linienförmige Verbindungen. Schweißnäht e


können längs und quer auf Schub sowie auf Normalspannun g beanspruch t
werden. Sie lassen sich durch Variation der Form, Dicke und Länge der Naht den
Erfordernissen meist optimal anpassen .

Wichtig: Im Stahlhochba u gilt heute der Grundsatz: in der Werkstatt wir d


geschweißt, auf der Baustelle wird geschraubt
. Ausnahmen sind möglich.

Lager und Gelenke dienen zur planmäßige n Lastabtragung und Beweglichkeit


von Bauteilen untereinande r sowie andererseit
s zum Ausschalten von Schnitt-
größen und Verformungen. Sie können mit stahlbaumäßige n Mitteln konstruiert
sein (z.B. Bolzen als Gelenke oder Einspannungen mit Ankerplatten) oder als Son-
derkonstruktione n ausgeführt werden (z.B. Gummilager).

Sonderverbindungsmittel sind z.B. Setzbolzen, Schließringbolzen


, selbstschnei
-
dende oder gewindefurchende Schrauben , Blindniete.

Soweit es sich bei den Verbindungsmitteln nicht um Elemente handelt, die in den
Stahlbaunorme n genormt sind, bedürfen sie anderer normativer Grundlagen,
bauaufsichtliche r Zulassungen oder der Zustimmung im Einzelfall.

4.3 Begriff e und Formelzeiche n in DIN 18800


Die Norm DIN 18800 Teil 1 bis 4 (11.90) unterscheide
t sich in Aufbau, Darstellung,
Inhalt und Sicherheitskonzept grundsätzlich von früheren Stahlbaunormen . Die
Bezeichnunge n weichen erheblich von alten Festlegunge n und Gepflogenheiten ab.
Symbole und Formelzeiche n entspreche n weitgehend internationaler Normung.

Wesentlichste Neuerung ist die Abkehr vom Nachweis zulässiger Spannungen


zugunsten der Gegenüberstellung von Beanspruchunge
n und Beanspruchbarkeiten
.
4.3 Begriffe und Formelzeichen in DIN 18800 25

DI N 18800 ist in jedem Teil gegliedert in Kapitel und Elemente. Elemente sind
Abschnitte mit eigener Überschrift. Elemente, wie auch Formeln und Tabellen,
sind fortlaufend durchnumeriert .

Koordinaten , Schnittgrößen , Spannungen , Verformunge n [1/311]


x Stabachs e
Hauptachse n d. Querschnitts ,
i.a. so gewählt, daß I y ˆ I z
N Normalkraft,
gewöhnlich als Zug positiv,
bei Stabilitätsprobl. nach T. 2
jedoch als Druck positiv!
M y / Mz Biegemomente
Mx Torsionsmomen t
vy /v z Querkräfte (!) (früher Q y / Qz)
=ó Normalspannun g
óx
Schubspannun g
u, v, w Verschiebunge n nach x, y, z Bild 4.1 Koordinaten , Schnitt -
größen , Verformunge n
Verdrehung der Stabachs e

Physikalisch e Kenngrößen , Festigkeite n [1/312]


E, G E-Modul, Schubmodu l
Ely / EIz Biegesteifigkeit
Streckgrenze (y = yield = fließen)
Zugfestigkeit
(u = ultimate = grenz...)
Bild 4.2 Schubspannunge n im
Querschnittsgröße n [1/313] Trägerste g

W, Wel (W e l ,y / Wel,z) elastische


s Widerstandsmomen t
Mel (M e l ,y / M e l / z) elastische
s Grenzmomen t
M
pl (M pl,y / M pl,z) Biegemoment im vollplastischen Zustand
a = M p l / M el plastischer Formbeiwert
Npl Normalkraft im vollplastischen Zustand
V pl (V p l ,z / V p l , y ) Querkraft im vollplastischen Zustand

Systemgröße n [1/314]
1 Stablänge
NK i Knicklast (als Druckkraft positiv!)
Knicklänge eines Stabes

Einwirkungen , Widerstandsgrößen , Sicherheitselement e [1/315]


F Einwirkung (allgemeines Formelzeichen , F = force = Kraft)
G/ Q/ FA ständige/veränderliche/außergewöhnlich e Einwirkung
M Widerstandsgröß e (allgem. Formelzeichen, M = material)
26 4 Bemessung von Stahlbauten

ãp Teilsicherheitsbeiwert für Einwirkungen


ãM Teilsicherheitsbeiwert für Widerstandsgröße n
ø Kombinationswert für Einwirkungen
Sd Beanspruchun g
(S = stress = Beanspruchun g / d = design = Entwurf)
Rd Beanspruchbarkei t (R = resistance = Widerstand)
Ander e Nebenzeiche n [1/316]
k charakteristische r Wert
(z.B. fy,k = festgelegter Wert für die Streckgrenze
)
w Schweißen (weld)
b Schraube n (bolt), auch für Bolzen verwendet

4.4 Erforderlich e Nachweis e


[1/701] Die Trag- und Lagesicherheit sowie die Gebrauchstauglichkeit für das
Tragwerk, seine Teile und Verbindungen sowie seine Lager sind nachzuweisen .
Tragsicherheitsnachwei
s = Standsicherheitsnachwei
s (Nachweis gegen Versagen
, Einsturz)
Lagesicherheitsnachwei
s = Nachweis gegen Abheben von Lagern, Verschieben,..
.
Gebrauchstauglichkeitsnachwei
s = Formänderungsnachweis, Schwingungsnachweis,...

[1/702] Nachzuweise
n ist:
Beanspruchunge
n Sd ‡ Beanspruchbarkeite
n Rd
Sd ‡ Rd oder Sd / R d ‡ 1 (1/10)
Die Beanspruchungen Sd sind mit den Bemessungswertender Einwirkungen Fd (und ggf.
den Bemessungswerte n der Widerstandsgroße
n M d) zu bestimmen. Die Beanspruch-
barkeitenRd sind mit den Bemessungswertender Widerstandsgrößen M d zu bestimmen.

[1/703] Die Tragsicherheitist für einen oder mehrere der folgenden, vom gewähl-
ten Nachweisverfahrenabhängige n Grenzzuständ e nachzuweisen :
• Beginn des Fließens (= Plastizieren),
• Durchplastizieren eines Querschnitts ,
• Ausbilden einer Fließgelenkkette ,
• Bruch.
Ob Grenzzuständ
e wie Biegeknicken, Biegedrillknicken, Platten- oder Schalenbeule
n oder
Ermüden maßgeben d sein können, ergibt sich aus [1/739-741] und {1/12-14}.
Nachweisverfahre
n siehe [1/726] bzw. Abschnitt 4.7.

[1/704] Grenzzustände für den Nachweis der Gebrauchstauglichkeitsind, soweit sie


nicht in anderen Grundnormen oder Fachnorme n geregelt sind, zu vereinbaren .

[1/705] Wenn mit dem Verlust der Gebrauchstauglichkei t eine Gefährdung für
Leib und Leben verbunden ist, gelten für den Nachweis der Gebrauchstauglich-
keit die Regeln für den Nachweis der Tragsicherheit
.
4.5 Berechnung der Beanspruchungen aus den Einwirkungen 27

4.5 Berechnun g der Beanspruchunge n aus den Einwirkunge n


[1/706] Die Einwirkungen F sind nach ihrer zeitlichen Veränderlichkeit einzutei-
len in
• ständige Einwirkungen G,
• ständige Einwirkungen P infolge Vorspannung
,
• veränderliche Einwirkungen Q,
• außergewöhnlich e Einwirkungen FA.
Wahrscheinliche Baugrundbewegunge n = ständige Einwirkungen.
Vorspannung spielt für die Tragsicherhei t bei vorwiegend ruhender Beanspruchun g nur
beim Verfahren E-E eine Rolle, kann aber für die Gebrauchstauglichkei t (Durchbiegungen! )
von Bedeutung sein. Die Behandlung der Vorspannun g wird hier nicht weiter verfolgt.
Temperaturänderunge n = veränderliche Einwirkungen (in der Regel!).
Außergewöhnlich e Einwirkungen sind z.B. Lasten aus Anprall von Fahrzeugen .

[1/707] Die BemessungswerteFd der Einwirkungen sind die mit einem Teilsicher-
heitsbeiwert ãp und gegebenenfall
s mit einem Kombinationswert ø vervielfach-
ten charakteristische
n Werte Fk der Einwirkungen:
Fd = ãF · ø ·Fk (1/11)
Al s charakteristische Werte Fk der Einwirkungen F gelten die Werte der einschlä-
gigen Normen über Lastannahme n (z.B. DIN 1055 für Hochbauten) .
Dynamische Erhöhungen der Beanspruchunge n sind zu berücksichtige
n (z.B. bei Kran-
bahnen). Hier kann sich Vorspannung gezielt günstig auswirken.

Grundkombinatione n
[1/710] Für den Nachweis der Tragsicherhei
t sind Einwirkungskombinationen zu
bilden aus
• den ständigen Einwirkungen G und allen ungünstig wirkenden veränder-
lichen Einwirkungen Qj und
• den ständigen Einwirkungen G und jeweils einer der ungünstig wirkenden
veränderlichen Einwirkungen Qj.

Für die Bemessungswert


e der ständigen Einwirkungen G gilt
G d = ãF · Gk mit ãF = l,35 (1/12)
Für die Bemessungswert e der veränderlichenEinwirkungen Q gilt bei Berücksich-
tigung aller ungünstig wirkenden veränderliche n Einwirkungen Qj
Qi,d = ÃF · øi · Qi,k m i t ÃF =
1,50 und øi = 0,9 (1/13)
und bei Berücksichtigung nur jeweils einer ungünstig wirkenden veränderliche
n
Einwirkung Qj
Qi,d = ãF · Qi,k mit ÃF = 1,50 (1/14)
28 4 Bemessung von Stahlbauten

Die Definitionen der Einwirkungen Qj sind den Fachnorme


n zu entnehmen
.
Einwirkungen Qj können aus mehreren Einzeleinwirkungen bestehen ; z.B. sind in der
Regel alle vertikalen Verkehrslaste
n nach DIN 1055 Teil 3 eineEinwirkung Qj (gilt auch
für feldweise Belastung bei Durchlaufträgem!).
Auch die Lastkombinatione n (s + w/2) und (s/2 + w) gelten jeweils als eine Einwirkung
Qi. Werden diese beiden Lastkombinatione n (in Verbindung mit ständiger Last) nachge-
wiesen, so dürfen (nach DIN 1055 bzw. Anpassungsrichtlinie ) die Nachweise für s, w und
(s+w), jeweils zusamme n mit ständiger Last, entfallen.
s + w zusammengelten natürlich als mehrereEinwirkungen Qi.

[1/711] Wenn ständige Einwirkungen Beanspruchungen aus veränderlichen Ein-


wirkungen verringern, gilt für den Bemessungswer
t der ständigen Einwirkung
G d = ãF · Gk mit ãF = 1 ,0 (1/15)
Diese Regel gilt z.B. für den Nachweis von Dächern bei Windsog oder Unterwind.

Falls die Einwirkung Erddruck die vorhandene


n Beanspruchunge
n verringert, ist
F
E,d = ãF • FE,k m i t
ÃF = 0,6 (1/16)
Für Einwirkungen aus wahrscheinliche
n Baugrundbewegungen
, die Beanspru
-
chungen verringern, gilt ãp = 0.

Bei dieser Bedingung sind nicht einzelne ständige Einwirkungen zu betrachten


, sondern
alle zu einer Ursache gehörende n ständigen Einwirkungen.

[1/714] Die Beanspruchungen Sd für außergewöhnlicheKombinationen sind mit


den Bemessungslasten
Fd der Einwirkungen zu berechnen . Dabei gilt
• für ständige Einwirkungen G u nd veränderliche Einwirkungen Q in den
Gleichungen (1/12) u nd (1/13)
ãF = 1,0 und
• für die außergewöhnlich
e Einwirkung FA
FA,d = ãF ·FA,k mit ãF = l,0 (1/17)

[1/715] Teilsicherheitsbeiwerte
, Kombinationsbeiwerte u nd Einwirkungskombi-
nationen für den Nachweis der Gebrauchstauglichkeit sind, soweit sie nicht in
anderen Grundnormen oder Fachnorme n geregelt sind, zu vereinbaren .
Der Nachweis der Gebrauchstauglichkei
t ist meist der Nachweis von Verformungen. Die
Teilsicherheitsbeiwert
e und Kombinationsbeiwert e sind dabei in der Regel 1,0, d.h. es
wird mit den Gebrauchslastengerechnet
. Auch auf der Widerstandsseit e ist ãM = 1,0.
Evtl. muß das plastische Verhalten der Konstruktion berücksichtigt werden, wenn die
Konstruktion nach dem Verfahren P-P gemäß {1/11} bemesse n worden ist. In der Regel
bleiben jedoch auch bei Konstruktionen, die nach dem Verfahren P-P bemesse n worden
sind, die Spannunge n aus den Gebrauchlasten im elastische
n Bereich!
Wenn der Verlust der Gebrauchstauglichkei t mit einer Gefährdungfür Leib und Lebenver-
bunden ist, sind auch bei diesem Nachweis die Beanspruchunge n nach [1/710] bis [1/714]
zu berechnen ; auf der Widerstandsseit
e ist dann ãM = 1,1 zu setzen (siehe Abschn. 4.6).
4.5 Berechnung der Beanspruchungen aus den Einwirkungen 29

Einwirkunge n F
Charakteristisch e Werte Fk
(Gebrauchslasten)
z.B. aus DIN 1055
(Lastannahmen für Bauten)

ständig e Einwirkungen : Gk
veränderlich e Einwirkungen : Qk
außergewöhnlich e Einwirkungen : Fa,k

Bemessungswerte : Fd = ãF·ø·Fk

Besonderheiten :

G fall s G d günstig wirkt : ãF = 1.0


d =ãF·Gk ãF = 1,35

fall s nur eine veränder -


Q ø· Q lich e Einwirkun g (i=1): ØI = 1,0
d,i = ãF · k,i

in Kombinatio n mit FA,d gil t


A,d =ãF·FA,k ãF= 1,00 auch für G d und für Qd: ãF = 1,0

Beanspruchun g S d aus: F d = G d + ÓQd,i


oder bei außergewöhn-
F =G
lichen Einwirkungen aus: d d + Ó Qd,i + FA,d

Schema 4.1: Lasteinwirkunge n und Beanspruchunge n


Sonderfälle (z.B. Erddruck, Vorspannung) sind hier nicht erfaßt

Schema 4.1 zeigt den Rechengan g von den Einwirkungen zu den Beanspruchun-
gen. Unterschiedliche Kombinationen der veränderliche n und außergewöhnli -
chen Einwirkungen führen zu mehreren Grundkombinationen . Jedem Nachweis
ist die jeweils ungünstigste Grundkombination zugrunde zu legen.
30 4 Bemessung von Stahlbauten

4.6 Berechnun g der Beanspruchbarkeite n


aus den Widerstandsgröße n
[1/717] Die Bemessungswerte M d der Widerstandsgrößensind im allgemeinen aus
den charakteristische
n Größen Mk der Widerstandsgröße n durch Dividieren
durch den Teilsicherheitsbeiwer
t ãM zu berechnen .
M d = M k / ãM (1/18)

[1/718] Charakteristisch
e Werte der Festigkeiten fy,k und fu,k können {1/1-4} ent-
nommen werden.

[1/719] Die charakteristische


n Werte der Steifigkeiten sind aus den Nennwerten
der Querschnittswerte und den charakteristische n Werten für den E-Modul und
den Schubmodu l zu berechnen .

[1/720] Für die Bemessungswert e der Festigkeiten und Steifigkeiten beim Trag-
sicherheitsnachweis ist in der Regel der
Teilsicherheitsbeiwer
t ãM = 1,1 (1/19), (1/20)

Wichtig : Der Nachweis mit den ãM -fachen Bemessungswerte n der Einwirkungen


und den charakteristischen Werten der Widerstandsgröße n führt zum gleichen
Ergebnis wie der Nachweis mit den Bemessungswerte n der Einwirkungen und
der Widerstandsgrößen . Beim Nachweis mit ãM-fachen Bemessungswerte n
können insbesonder e auf der Widerstandsseit e die früher allgemein üblichen
Tabellenwerte für Querschnittswert e verwendet werden! Inzwischen sind jedoch
die meisten Tabellenwerke auf Bemessungsgröße n umgestellt.

Tab. 4.1 Charakteristisch e Wert e fü r Walzstah l un d Stahlgu ß nach {1/1} (Auszug)

Stahl nach Erzeugnisdicke t Streckgrenz


e fy,k Zugfestigkeit fu,k
DIN EN 10025 (3.94)
| (bzw. DIN 17100 (1.80)) mm N/mm2 N/mm2

t<40 240
S 235 (St 37) 360
40 < t ‡ 80 *) 215
t ‡40 275
S 275 410
40 < t ‡ 80 *) 255
t ‡40 360
S 355 (St 52-3) 510
40 < t ‡ 80 *) 355
GS 20 / GS 45 / GS 52 t<100 200 / 230 / 260 380 / 450 / 520
*) Für Erzeugnisdicke n t > 80 mm dürfen bei diesen Stählen als charakteristisch
e Werte für fy,k bzw.
f u,k die unteren Grenzwerte der Streckgrenze n bzw. der Zugfestigkeiten aus den jeweiligen
Technische n Lieferbedingunge n verwendet werden.
Elastizitätsmodu
l Schubmodu l Temperatur-Dehnzah
l
für alle aufgeführten Stähle 6
E = 210000 N/mm2 G = 81000 N/mm2 á T=12·10- /K J
4.6 Berechnung der Beanspruchbarkeiten aus den Widerstandsgrößen 31

Tab. 4.2 Charakteristisch e Wert e fü r Schraubenwerkstoff e nach {1/2}

Festigkeitsklasse 4.6 5.6 8.8 10.9

Streckgrenze fy,b,k [N/mm 2 ] 240 300 640 900

Zugfestigkeit fu,b,k [ N / m m2 ] 400 500 800 1000

DI N 18800 enthält in {1/3+4} weitere Angaben zu charakteristische


n Werten für
Nietwerkstoffe und für Werkstoffe von Kopf- und Gewindebolzen .

[1/722] Beim Nachweis der Gebrauchstauglichkeitist im allgemeinen der


Teilsicherheitsbeiwer
t ãM = 1,0 (1/22)

[1/724] Die Beanspruchbarkeite


n Rd sind aus den Bemessungswerte n der Wider-
standsgröße n M d zu bestimmen. - Den Weg hierfür zeigt Schema 4.2.

Widerstandsgröße n M:
Festigkeite n und Steifigkeite n

Charakteristisch e Werte Mk : Materialwerte , z.B.


aus DIN 18800
für Festigkeiten : f y,k (Streckgrenze), f u , k (Zugfestigkeit) Teil 1, Tab. 1 bis 4
für Querschnittswerte : M p l , k (plast. Moment), V p l , k , usw. aus Tabellenwerken

für Steifigkeiten : El (Biegesteifigkeit), GlT (Schubsteifigkeit), usw.

Bemessungswert e M d : char. Werte durch ãM dividieren (i.a. ãM = 1,1), z.B.


für Festigkeiten : f y,d = f y,k /ãM oder f u,d = f u,k /ãM
für Querschnittswerte : M pl, d = M pi, k / ãM oder V pl, d = V p l , k / ã M , usw. *)
für Steifigkeiten : El d = EI/ ãM (Biegesteifigkeit), GI T , d = GI T / ãM (Schubsteifigkeit)
*) die meisten Tabellenwerke geben hierfür
heute die Bemessungswerte wieder

Beanspruchbarkei t Rd, z.B.


für Spannungen : óR,d = fy,d (oder óR,d = f u,d ) je nach Nachweisart

für Querschnittswerte : M pl, d = óR,d · ápl · Wel V pl, d = ( ó R , d / 3 ) · A S t e g

Schema 4.2: Widerstandsgröße n un d Beanspruchbarkeite n


32 4 Bemessung von Stahlbauten

4.7 Verfahre n beim Tragsicherheitsnachwei s

4.7.1 Einteilun g der Verfahre n


[1/726] Die Nachweise sind nach einem der drei in {1/11} genannte
n Verfahren
zu führen.

Tab. 4.3 Nachweisverfahren , Bezeichnungen , nach {1/11}

Berechnung der Berechnung der


Kurzfor m Nachweisverfahren
Beanspruchungen Sd Beanspruchbarkeiten Rd

1 E-E Elastisch-Elastisc
h Elastisch Elastisch

2 E-P Elastisch-Plastisc
h Elastisch Plastisch

3 P-P Plastisch-Plastisc
h Plastisch Plastisch

Üblicherweise werden die Nachweise bei den einzelnen Verfahren geführt:


E-E mit Spannungen ,
E-P mit Schnittgrößen,
P-P mit Einwirkungen oder Schnittgrößen
.
[1/727] Beim Nachweis sind grundsätzlich zu berücksichtigen
:
[1/728] Tragwerksverformungen ,
[1/729-732] geometrische Imperfektionen,
[1/733] Schlupf in Verbindungen,
[1/734] planmäßige Außermittigkeiten.

4.7.2 Verfahre n Elastisch-Elastisc h (E-E)


[1/745] Beanspruchunge n und Beanspruchbarkeite
n sind nach der Elastizitäts-
theorie zu berechnen
. Es ist nachzuweisen
, daß
• das System im stabilen Gleichgewicht ist und
• in allen Querschnitte
n die nach [1/701 ff.] berechneten Beanspruchunge
n
höchstens den Bemessungswer t fy,d der Streckgrenz
e erreichen und
• in allen Querschnitten die Grenzwerte grenz (b/t) nach {1/12-14} einge-
halten sind oder ausreichend
e Beulsicherheit nach DIN 18800 Teil 3 nach-
gewiesen wird.
Beim Verfahren E-E wird auf den Grenzzustan
d des Fließbeginns nachgewiesen
. Plasti-
sche Querschnitts
- und Systemreserven werden nicht berücksichtigt.

Eine bedingte Berücksichtigun g der plastischen Reserve


n wird jedoch durch [1/749] "Ört-
lich begrenzte Plastizierung" und die erweiterte Anwendung auf Grund der Änderung
A1 zur DIN 18800 Teil 1 erlaubt, siehe Folgeseiten!
4.7 Verfahren beim Tragsicherheitsnachweis 33

Grenzspannunge
n [1/746]
Grenznormalspannun
g óR,d = f y,d = fy,k / Ã M (1/31)

Grenzschubspannun
g ôR,d= fy,d /3 (1/32)

Nachweise [1/747]
für Normalspannunge
n ó/ó
R,d ‡ 1 (1/33)

für Schubspannunge
n ô/ôR,d
(1/34)
bei gleichzeitiger Wirkung mehrerer Spannungen
für die Vergleichsspannun g ó V / ó R ,d ‡ 1 (1/35)

(1/36)

Bei einachsige
r Biegung ist (l/36a)

Bedingung (1/35) wir d für die alleinige Wirkung von óx und ô (oder von óy und
x, usw.) zu (l/36a) und gilt als erfüllt, wenn Ó/ÓR,d ‡ 0,5 oder Ô/ÔR,d ‡ 0,5 ist.

Örtlic h begrenzt e Plastizierun g


[1/749] In kleinen Bereichen darf die Vergleichsspannung ÓV die Grenzspannun g
ÓR,dum 10% überschreiten . Ein kleiner Bereich kann unterstellt werden, wenn
gleichzeitig (l/37a) und (l/37b) erfüllt sind:

und (l/37a+b)

Anmerkung: Siehe auch im folgenden "Nachweis der Tragsicherhei


t in einfachen Fällen",
wonach auch andere Voraussetzunge n die Erhöhung der Grenzspannunge n um 10 %
erlauben, ohne daß (l/37a+b) eingehalten sein muß.

[1/750] Für Stäbe mit doppeltsymmetrische m I-Querschnitt, welche die (b/t)-


Werte aus {1/15} (also für E-P!) einhalten, darf auch nachgewiese
n werden, daß

(1/38)

Für ápl* ist der jeweilige Formbeiwert einzusetzen


, jedoch nicht mehr als 1,25.

I n (1/38) darf für I-Walzprofile ápl,y * = 1,14 und ápl,Z* = 1,25 gesetzt werden.
Anmerkung: Gleichzeitig mit den Biegemomente n M y und M z treten meistens auch Quer-
kräfte V z und Vy auf. Damit ergeben sich außer den Normalspannunge n óx auch Schub-
spannunge n ôxy und ôzx. Es ist ggf. zu untersuchen, ob die Vergleichsspannun g óv den
Wert ÓR,dbzw. 1, 1 ÓR,Dnicht überschreitet .
Bei Doppelbiegung und Normalkraft ist oft der plastische Nachweis zweckmäßiger
!
34 4 Bemessung von Stahlbauten

Vereinfachun g fü r Schubspannun g in Stege n


[1/752] Die Schubspannun
g berechne
t sich gewöhnlich aus

Wenn für Stäbe mit I-Querschnitt der Größtwert der Schubspannun g nicht mehr
als 10 % über dem Mittelwert liegt, darf vereinfachen
d gerechne
t werden

(1/39)
A
Ste g
Bei I-Walzprofilen und geschweißten Trä-
gern mit ähnlichen Querschnittsverhältnis
-
sen ist A Steg gleich dem Produkt aus
Stegdicke s und mittlerem Abstand der
Flanschen (h -t). A
Gur t

Die genannten 10 % sind bei doppeltsym-


metrischem Querschnitt eingehalten
, wenn
A
Gurt/AStegˆ0, 6 Bil d 4.3 Stegfläche n be i Walzprofile n
un d bei geschweißte n Träger n
Bei Walzprofilen I, IPE, HEA, HEB ist die
Voraussetzun g immer eingehalten; lediglich das Profil HEA-1000 zeigt den Verhältniswert
0,59. Die Profile HEAA-800 bis HEAA-1000 erfüllen die Voraussetzun g nicht.

Infolge einer Querkraft V y wir d bei doppeltsymmetrische


n I-Trägern mit den
Flansch- bzw. Gurtflächen AG u rt

A
Gurt

Nachwei s der Tragsicherhei t in einfache n Fälle n


Änderung A I zur DIN 18800 Teil 1 (2.96) enthält als Anhang B die Ergänzung:
Falls
• die Tragsicherhei
t nach dem Verfahren E-E nachgewiese n wir d und
• keine Nachweise nach DIN 18800 Teil 2 bis 4 geführt werden müssen und
• beim Nachweis nicht von den Möglichkeiten [1/749] oder [1/750]
Gebrauch gemacht wird,
dürfen in den Nachweisgleichunge n (1/33) bis (1/35) die Beanspruchbarkeite
n
(Grenzspannunge n ÓR,d und ÔR,d) um 10 % erhöht werden.
Daß kein Nachweis nach DIN 18800 Teil 2 geführt werden muß, setzt u.a. voraus, daß die
Abgrenzungskriterie n [1/739] - kein Nachweis nach Theorie II. Ordnung erforderlich -
und [1/740] - kein Nachweis der Biegedrillknicksicherhei
t erforderlich - erfüllt sind.
4.7 Verfahren beim Tragsicherheitsnachweis 35

Zu [1/739] siehe Abschnitt 4.8.2

Zu [1/740] siehe Abschnitt 9.3.1. Hier ist zu ergänzen


, daß auch der Fall

als Fall "kein Nachweis erforderlich" gilt. Dieser Fall unterscheide


t sich von dem in
Abschnitt 9.3.2 behandelten Fall "Druckgurt als Druckstab" nur dadurch, daß dort in
[2/310] noch ein Beiwert kc für den Verlauf der Druckkraft berücksichtigt wird.

Es sind wirklic h nur die "einfachen Fälle", die sich nach der genannte
n Regelung
abhandeln lassen. Nur bei einachsige r Biegung mit Querkraft ergeben sich Vor-
teile gegenübe r den Regelunge n [1/749] + [1/750]. Bei großen Querkräften kann
diese Nachweisart günstigere Werte ergeben als ein Nachweis E-P.

Die Voraussetzunge
n sind jedenfalls sorgfältig zu überprüfen!

4.7.3 Verfahre n Elastisch-Plastisc h (E-P)


[1/753] Beanspruchunge n sind nach der Elastizitätstheorie
, Beanspruchbarkei-
ten unter Ausnutzung plastischer Tragfähigkeiten der Querschnitte zu berech-
nen. Es ist nachzuweisen
, daß
• das System im stabilen Gleichgewicht ist u nd
• in keinem Querschnitt die nach [1/701 ff.] berechnete n Beanspruchunge n
unter Beachtung der Interaktion zu einer Überschreitun g der Grenzschnitt-
größen im plastischen Zustand führen und
• in allen Querschnitten , in denen die elastischen Grenzschnittgröße n über-
schritten sind, die Grenzwerte grenz (b/t) nach {1/15} eingehalten sind. Für
die übrigen Bereiche genügt Einhaltung von grenz (b/t) nach {1/12-14}.
Beim Verfahren E-P wird bei der Berechnun g der Beanspruchungen linearelastisches
, bei
der Berechnun g der Beanspruchbarkeiten linearelastisch-idealplastische
s Werkstoffver-
halten angenommen . Damit werden die plastischen Reserven des Querschnitts ausge-
nutzt, nicht jedoch evtl. vorhandene plastische Reserve
n des Systems.

Momentenumlagerun g fü r Durchlaufträge r
[1/754] Wenn nach [1/739] Biegeknicken und nach [1/740] Biegedrillknicken
nicht berücksichtigt werden müssen, dürfen die nach E-Theorie ermittelten Stütz-
momente von Durchlaufträgern um bis zu 15% vermindert oder vergrößert
werden, wenn bei der Bestimmung der zugehörigen Feldmomente die Gleichge-
wichtsbedingunge n eingehalten werden. Für die Bemessun g der Verbindungen
sind dann [1/759 + 831 + 832] einzuhalten.

Diese Regelung berücksichtigt die bei Durchlaufträgern immer vorhandene n Systemre


-
serven. Eine vollständige Ausnutzung dieser Reserven gestattet das Verfahren P-P.

Dieses Verfahren mit - gegenübe


r dem Nachweisverfahre n P-P - umständliche
r
Regelung hat sich in der Anwender-Praxis nicht durchsetze
n können.
36 4 Bemessun g von Stahlbaute n

Schnittgröße n im vollplastische n Zustan d fü r I-Querschnitt e


[1/757] Nach den Regeln der Baustatik gilt für doppeltsymmetrischeI-Querschnitte:
A = Gesamtquerschnit
t
Wy = 2 • I y / h
h h
Steg = -t
Wz = 2 · I z/ b
t • b = Flanschquerschnit
t

Die Verteilung der Fließspannun g über einen I-Querschnitt bei vollplastischen


Schnittgrößen Mpl,y,d und Vpl,z,d bzw. Mpl,z,d und Vpl,y,d zeigt das folgende Bild.

Bild 4.4 Spannunge n im vollplastische n Zustan d


fü r doppeltsymmetrisch e I-Querschnitt e

Anmerkunge n zur Berechnun g der Schnittgröße n im vollplastische n Zustan d


[1/755] Zur Berechnung der Grenzschnittgröße
n im plastischen Zustand werden
folgende Annahmen getroffen:
• Linearelastisches-idealplastische
s Spannungs-Dehnungs-Geset
z mit der
Streckgrenze fy,d.
• Ebenbleiben der Querschnitte nach Gleichung (1/31).
• Für das Zusammenwirke n von Spannunge n aus verschiedene n Schnitt-
größen gilt die Fließbedingun
g nach Gleichung (1/36).
• Die Gleichgewichtsbedingunge n an jedem Stabelemen t sind einzuhalten.
4.7 Verfahren beim Tragsicherheitsnachweis 37

Die Dehnungen åx dürfen beliebig groß ange-


nommen werden, jedoch sind bei Sfafrquerschnit -
ten die Grenzbiegemoment e im plastischen
Zustand auf den 1,25-f achen Wert des elastische
n
Grenzbiegemoment s zu begrenzen . arc tan E

Auf die zuvor genannte Reduzierung darfbei Ein- Bild 4.5 Linearelastisches-ideal
-
feldträgern und bei Durchlauf trägem mit gleich- plastisches Spannungs-
bleibendem Querschnitt verzichtet werden. Dehnungs-Geset z
Bei I-Querschnitten
, insbesondere den üblichen I-Walzprofilen, sind die Rege-
lungen der beiden vorgehende n Absätze nur für das vollplastische Moment
Mpl,z,d von Bedeutung. Allgemein gilt damit:
Mpi,z,d = l-25 · Mel, z, d = l, 2 5 . Wz · óR, d (4.1)

Bei Einfeldträgern und Durchlaufträgern mit gleichbleibende m Querschnitt darf


die Einschränkun g entfallen, und es gilt die auf voriger Seite angegeben
e Formel:

Für Biegung um die z-Achse wirken praktisch ausschließlic h die Flanschen des
I-Profils, also 2 Rechtecke
. Für den Rechteck-Querschnit
t ist bekanntlich ápl = 1,5.
Das hiermit mögliche plastische Moment wir d mit Mpl,z,d* bezeichnet . Es gilt:

Bei Zutreffen der Voraussetzunge


n wir d Anwendung der Formel (4.3) empfohlen.
Vorsicht ist geboten bei A n w e n d u ng der Tabellen aus Lit . [6]: Angegeben sind in der 11.
Auflage die Werte M p l , z , d, in der 12. Auflage aber die Werte Mpl,z,d*, ohne d aß dies sehr
deutlich gekennzeichne t ist (die *-Bezeichnung ist nicht offiziell!) . Die Werte sind dort
nach Formel (4.2) berechnet . - Lit . [7] gibt beide Werte Mpl,z,d u nd Mpl,z,d* an.
Tab. 4.7 ff. in Abschnitt 4.12 geben die Werte Mpl,z,d nach Formel (4.1) an.

I n Abschnitt 4.9.1 wir d gezeigt, daß sich theoretisch Werte pl,z* ergeben, die
etwas größer sind als 1,5, wenn man auch den Steg des I-Profils zum Abtrag der
Querkraft V y hinzuzieht. Dies wir d als unrealistisch angesehen .

folgt ápl, y = 2 • maxSy/W


y für doppeltsymmetrisch
e Querschnitte
.

Für Walzprofile IPE, HEA, HEB ist 1,10 < á p l ,y < 1,17. HEM-100 erreicht á p l ,y = 1,24.
I n Fällen ápl,y, < 1, 14 rechnen manche Tabellen günstiger mit ápl,yl* = 1,14:

DIN 18800 erlaubt ápl,y* = 1,14 jedoch nur im Zusammenhan g mit [1/750] (Nachweis
E-E mit örtl. Piastizierung)! Die genannte Vorgehensweis
e ist nicht korrekt.
38 4 Bemessung v o n Stahlbauten

Interaktio n vo n Grenzschnittgröße n
11/757] Für doppeltsymmetrisch e I-Querschnitte und einachsige Biegung mit
Normalkraft darf nach {1/16} bzw. nach {1/17} nachgewiese n werden, daß die
Grenzschnittgrößen im plastischen Zustand nicht überschritten sind.
Tab . 4 . 4 V e r e i n f a c h t e I n t e r a k t i o n s b e z i e h u n g e n fü r I - P r o f i l e nac h { 1 / 1 6 + 1 7 }

Vereinfacht e Tragsicherheitsnachweis e fü r doppeltsymmetrisch e I-Profil e mi t N, My, V z nach {1/16}


Moment e um Gültigkeits-
di e y-Achs e bereich

Vereinfacht e Tragsicherheitsnachweis e fü r doppeltsymmetrisch e I-Profil e mi t N, M z , Vy nach {1/17}


Moment e um Gültigkeits-
di e z-Achs e bereich

*) E r h ö h u ng v on 0,9 auf 1,0 gemäß Anpassungsrichtlini


e Stahlbau, korrigierte Ausgabe 10.98!

Vereinfachend sind die Faktoren in {1/16+17}


auf 2 Ziffern gerundet. Deshalb ergeben sich
in Grenzfällen geringe Abweichungen der
einzelnen Beziehunge n gegeneinander .

Di e Beziehungen gelten für Querschnitte mit


konstanter Streckgrenze . Querschnitte mit
nicht konstanter Streckgrenz e sind z.B.
solche mit unterschiedliche r Erzeugnisdicke
nach {1/1} .

In {1/16+17} sind M p l , d , N p l , d und V p l , d


Grenzschnittgrößen . Auf die Begren-
zung von Mpl,z,d in allgemeinen Fällen
wir d hingewiesen .

Für doppeltsymmetrisch e I-Quer-


schnitte, die auf zweiachsigeBiegung mit
(und ohne) Normalkraft beanspruch t
werden (bei begrenzte n Querkräften),
Bild 4 6
gibt die N o r m sowohl ein N o m o g r a m m Interaktions-Polyeder nach {1/16}

als auch Formeln an.


4.7 Verfahren beim Tragsicherheitsnachweis 39

Wenn gleichzeitig für die Querkräfte Vz,d < 0,33·Vpl,z,d und Vy,d < 0,25·Vpl,y,d gilt,
kann die Interaktion N-My-M z {1/Bil d 19} entnommen werden (siehe Bil d 4.7).
Für N = 0 läßt sich die dort gegeben
e
Interaktionskurve durch folgende
Beziehung darstellen:

Vereinfacht liegt nachfolgende r


Nachweis auf der sicheren Seite:

Damit wir d im Interaktionsdia-


gramm die Diagonale dargestellt.

Bild 4.7 Interaktio n fü r Normalkraf t N un d Biege - Für allgemeine Formeln mit N:


moment e My un d M z nac h {1/Bil d 19} siehe DIN 18800, (1/40-42).

4.7.4 Verfahre n Plastisch-Plastisc h (P-P)


[1/758] Beanspruchunge n sind nach der Fließgelenk- oder nach der Fließzonen-
theorie, Beanspruchbarkeite
n unter Ausnutzung plastischer Tragfähigkeiten der
Querschnitte und des Systems zu berechnen . Es ist nachzuweisen, daß
• das System im stabilen Gleichgewicht ist und
• in allen Querschnitten die Beanspruchunge n unter Beachtung der Interak-
tion nicht zu einer Überschreitung der Grenzschnittgröße n im plastischen
Zustand führen und
• in den Querschnitte n im Bereich der Fließgelenke bzw. Fließzonen die
Grenzwerte grenz (b/t) nach {1/18} eingehalten sind. Für die übrigen Berei-
che genügt Einhaltung von grenz (b/t) nach {1/12-14}.
Beim Verfahren P-P werden plastische Querschnitts- und Systemreserve n ausgenutzt
. Das
System wird auf die rechnerisch
e Traglast nachgewiesen . Nur statischunbestimmteTrag-
werke weisen Systemreserve n auf; das Verfahren P-P ist also nur hier möglich!

Das Verfahren P-P eignet sich besonders zur Bemessun g von Durchlaufträgern
mit (annähernd) gleichen Stützweiten und Gleichstreckenlasten
.

Bei druckbeanspruchte n Systemen stößt die rechnerisch e Ermittlung der Traglast


meist auf große Schwierigkeiten; sie ist oft nur mit Hilf e spezieller Computer-
Programme zu bestimmen. Grundsätzlich kann aber auch auf Gleichgewichts-
systeme unterhalb der Traglast des Systems nachgewiese n werden.
40 4 Bemessung von Stahlbauten

4.7.5 Verhältniss e b/t


Die Ausnutzung der verschiedene n Nachweisarte n bedingt in jedem Fall die
Gewährleistung ausreichenden Verformungsvermögensder Gurte und Stege der
Querschnitte. Beim Verfahren E-E ist der Nachweis ausreichende r Beulsicherheit
nach DIN 18800 Teil 3 möglich, es darf aber auch (meist einfacher) die Einhaltung
der in Tab. {1/12+13} DIN 18800 Teil 1 angegebene n Grenzwerte grenz(b/t) auf-
gezeigt werden.

Mi t den Verfahren E-P und P-P steigt jeweils die Anforderung an die Rotations-
fähigkeit der Querschnitte , damit die rechnerisch vorausgesetzte n Fließgelenke
sich zumindest innerhalb örtlich begrenzte r Fließzonen bilden können. Hier muß
die Einhaltung der für den betreffenden Fall geforderten Werte grenz(b/t) aus {1 /
15+18} nachgewiese n werden.

Die Definition von b und t für die Berechnung von b /t geht aus nachstehende
m
Bil d hervor.

beidseiti g
gelagerte r
Plattenstreife n

einseiti g
gelagerte r
Plattenstreife n

Druckspannung am
gelagerten freien
Rand Rand
Bild 4.8 Definitio n der Abmessunge n b un d t fü r di e Wert e grenz(b/t) un d der Span -
nunge n bei Vollplastizierun g unterschiedlic h gelagerte r Plattenstreife n

Bei Walzprofilen sind die geforderten b/t-Werte für viele praktische Fälle ohne
weiteres eingehalten, wie aus der nachfolgenden Tabelle hervorgeht.

Danach sind in einer weiteren Tabelle allgemeingültige Werte für doppeltsymme-


trische I-Querschnitte (auch geschweißt
e Blechträger) angegeben, die für mittigen
Druck bzw. reine Biegung gelten.

Für allgemeine Spannungs-Verteilun g an unterschiedlich gelagerten Plattenstreife n


sind die Formeln in den genannte n Tabellen {1/12+13+15+18} DIN 18800 Teil 1 aus-
zuwerten. Siehe hierzu [5] "Stahlbau Teil 2", Stabilitätslehre
, Abschnitte 6.2 und 6.4.

I n {1/14} sind auch Werte grenz(d/t) für Rundrohre angegeben


. Siehe auch [5].
4.7 Verfahren beim Tragsicherheitsnachweis 41

Tab. 4.5 Nennhöhe n fü r Walzprofile , bi s zu dene n grenz(b/i) imme r eingehalte n is t

Beanspruchun
g auf mittigen Druck N auf reine Biegung M y

S 235 S 355 S 235 S 355

Nachweisverfahre
n E-E E-P P-P E-E E-P P-P alle E-E E-P P-P |

IPE 360 330 240 240 220 160 alle alle

bis 240
bis 240 bis 160 bis 160
HEA 600 550 450 450 320-
320-450 340+360 340-900
alle alle 1000

HEB 700 700 600 550 550 450 alle alle

HEM 900 900 700 700 700 650 alle alle

Beanspruchun
g auf mittigen Druck N auf reine Biegung M y

Stahlsorte S 235 S 355 S 235 S 355

Nachweisverfahre
n E-E E-P P-P E-E E-P P-P E-E E-P P-P E-E E-P P-P

bis 260 bis 120 bis 220 nur 100


bis bis 260 bis 120 bis 220 nur nur alle nur 100
HEAA 320- 450- 340- 550-
500 320-450 und 160 340-500 100 100 650-900
1000 1000 1000 1000

Tab. 4.6 Wert e grenz(b/t) fü r doppeltsymmetrisch e I-Querschnitt e

Beanspruchun
g auf mittigen Druck N auf reine Biegung M v

Nachweisverfahre
n E-E E-P P-P E-E E-P P-P

S 235 11,00 9,00


Gurte wi e bei mittigem Druck
S 355 8,98 7,35

S 235 37,00 32,00 74,0 64,0


Stege
S 355 30,21 26,13 60,4 52,3

Dabei ist ó1= ÓD,dder Größtwert der Druckspannun


g am betrachtete
n Plattenstreife
n in [N/mm ].

Für gilt für S 235: und für S 355: = 0, 816

Unsymmetrische Spannungsverhältnisse im Stegliegen vor bei reiner Biegung M y von Querschnit-


ten, die nur zur z-Achse symmetrisch sind oder bei Zug bzw. Druck und Biegung. Die angegebene n
b/t-Werte liegen dann auf der sicherenSeite, wenn der Wert der Druckspannun g Ó1 nicht größer
als derjenige der Zugspannun g am entgegengesetzte n Rand des Stegfeldes ist (bei reiner Biegung
My nur zur z-Achse symmetrische r Querschnitte heißt das: wenn die Schwerachs e des Quer-
schnitts näher am Biegedruckran d liegt).
42 4 Bemessung von Stahlbauten

4.8 Stabilitätsfäll e - Knicke n vo n Stäbe n und Stabwerke n

4.8.1 Stabilitä t un d Traglas t


Druckbeansprucht e Stäbe und Stabwerke versagen auch bei theoretisch perfek-
ten Tragsystemen bei Erreichen der Knicklast. Die Beanspruchbarkei t solcher
Systeme kann wesentlich geringer sein als diejenige nicht stabilitätsgefährdete
r
Systeme mit gleichen Querschnitten.

Die Imperfektion der Tragwerke, wie z.B. ungewollte Schiefstellung von Stützen,
vorgekrümmte Stabachse n oder ungewollt ausmittige Einleitung von Lasten
macht die Untersuchung der Auswirkung dieser zusätzlichen Verformungen auf
die Tragsicherhei
t notwendig.

Sowohl bei idealen Stabilitätsfällen als auch bei Traglastuntersuchungen für


imperfekte Tragwerke muß der Einfluß der VerformungendesSystemsauf dasGleich-
gewicht beachtet werden: man spricht von Berechnung nach Theorie IL Ordnung.

4.8.2 Abgrenzungskriterie n
[1/739] Für Stäbe und Stabwerke ist der Nachweis der Biegeknicksicherhei t nach
DI N 18800 Teil 2 zu führen. Das bedeutet: i.a. ist bei druckbeanspruchte
n Syste-
men nach Theorie IL Ordnung oder mit einem Ersatzverfahre n zu rechnen.

Der Einfluß der sich nach Theorie IL Ordnung ergebenden Verformungen auf das
Gleichgewicht darf vernachlässig t werden, wenn der Zuwachs der maßgebende n
Biegemomente infolge der nach Theorie I. Ordnung ermittelten Verformungen
nicht größer als 10 % ist.

Diese Bedingung darf als erfüllt angesehen werden, wenn eine der Bedingungen
für das betrachtete System eingehalten ist:
• N/NKi , d ‡ 0,1 N K i , d = Knicklast des Systems

• ëK ‡ 0, 3 • fy,d • A / N ëK = bezogene
r Schlankheitsgra
d des Systems
• ß· å ‡ 1 ß = Knicklängenbeiwert
, £ = Stabkennzah
l
Anmerkung: Die rechnerische Handhabun g dieser Formeln verlangt in jedem Fall die
Kenntnis der System-Knicklängen
, siehe dazu Kapitel 8.
In [5] wird gezeigt, daß alle drei genannte
n Bedingungen praktisch identisch sind.

[1/740] Abgrenzungskriterie
n für das Biegedrillknicken sind in Kapitel 9 einge-
arbeitet.

Für viele baupraktische Fälle wir d der erforderliche Nachweis nach DIN 18800
Teil 2 durch das Herausgreifen von druck- und biegebelasteten Einzelstäbe
n auf
den Nachweis entsprechende r Knickfälle reduziert ("Ersatzstabverfahren")
.
4.8 Stabilitätsfälle - Knicken von Stäben und Stabwerken 43

4.8.3 Stabilitätsfäll e
Knicke n
[2/103] Beim Knicken treten Verschiebunge
n v, w und Verdrehungen v der Stab-
achse auf, oder diese Verformungen kommen gleichzeitig vor. Knicken ist der
Oberbegriff für Biegeknicken und Biegedrillknicken.

Biegeknicke n
[2/103] Beim Biegeknicken treten nur Verformungen v oder w auf. Biegeknicken
setzt Druckbelastun
g in zumindest einer Symmetrie-Eben e voraus.

Biegedrillknicke n
[2/104] Beim Biegedrillknicken (BDK) treten Verschiebunge
n v u n d / o d er w und
Verdrehungen v auf.

Häufig zerfällt das Stabilitätsproblem für in der Symmetrie-Eben


e belastete Stäbe
i n die Stabilitätsfälle Biegeknicken und Biegedrillknicken.

Kippe n
Die frühere Stabilitätsnorm DIN 4114 (Knickung, Kippung, Beulung) verstand
unter Kippen das Biegedrillknickenbei Beanspruchun g symmetrischer Träger in
der Symmetrieachs e nur (oder überwiegend ) durch Biegemomente. DIN 18800
Teil 2 kennt diesen prägnanten Begriff nicht mehr.

Drillknicke n
Beim Drillknicken treten nur Verdrehungen v auf. Dieser Sonderfall wir d in DIN
18800 Teil 2 nicht hervorgehoben
. Gefährdet besonder s sind Stäbe mit dünnwan-
digen, offenen, wölbfreien Querschnitten
.

Beule n
[3/103] Beim Versagen einer Platte infolge Beulen treten Verschiebunge
n recht-
winkli g zu ihrer Ebene auf.

Gurte und Stege von Walz- und Blechträgern wirken bei Druckbeanspruchun g
als Platten mit unterschiedlichen Lagerungsbedingunge n und können beulge-
fährdet sein. Die Einhaltung der für die einzelnen Verfahren geforderten Werte
grenz (b/t) garantiert ausreichend e Beulsicherheit. Darüber hinaus darf ein
genauer Beulsicherheitsnachwei s nach DIN 18800 Teil 3 nur bei Anwendung des
Bemessungsverfahren s E-E geführt werden.

Bemessungsregel n fü r Stabilitätsfäll e
Knicken, Biegeknicken und BDK werden in Kapitel 8 bis 10 behandelt.
44 4 Bemessung von Stahlbauten

4.9 Berechnun g vo n Querschnittswerte n und b/t-Werte n

4.9.1 Querschnittswert e fü r ein Walzprofi l HEB-400

Elastisch e Biegemoment e fü r S 235

HEB-400
Maßstab 1: 10

Plastisch e Schnittgröße n fü r S 235


Geometrie
Höhe h = 400 mm
Breite b = 300 mm
Flanschen t = 24 mm
Steg s = 13,5 mm
Ausrundung r = 27 mm

Daraus:

Nach [1/750] darf für gewalzte I-Profile á* pl,y = 1,14 gesetzt werden.
Damit ist auch der Rechenwer
t Mpl,y,d = 1, 14 629 = 717 kNm möglich.

Hilfswerte
Ausrundung r = 27 mm
e1 21 mm
e2 6 mm
Fläche A = 1,564 cm2
Trägh.mom. I y = I z = 0,4 cm4

Bemerkunge
n zu Mpl,z,d*:
Mpl,z,d* = 240 kNm ist ein rein theoretisch errechnete
r Wert, der Durchplastiziere
n auch des Steges
mit beidseits der z-Achse unterschiedliche m Spannungs-Vorzeiche n voraussetzt .
4.9 Berechnung von Querschnittswerten und b/t-Werten 45

Empfohlen wird, mit ápl,z* = 1,5 zu rechnen:

Ist das untersuchte Tragwerk keinEinfeldträger und kein Durchlaufträger mit gleichbleibende
m
Querschnitt, so ist die Begrenzun
g auf (ápl,z = 1,25 zu beachten
. Dann wird:

Piastisch e Schnittgröße n fü r S 355


All e zuvor errechnete
n plastischen Schnittgröße
n für S 235 sind für den Werkstoff S 355 im Ver-
hältnis der Streckgrenze
n umzurechnen :

Der Multiplikator ist stets:

4.9.2 Untersuchun g der b/t-Verhältniss e am Walzprofi l HEB-400


b/t-Wert e

Flanschen
:

Steg:

Grenzwert e bei mittige m Druc k fü r S 355 (Tab. 4.6, Verfahre n P-P):


HEB-400
Flanschen
: grenz - = 7, 35 > 4, 84 = vorh -

Steg:

Mittiger Druck ist bezüglich der b/t-Verhältnisse der ungünstigste Fall. Da hier die Kriterien bei
S 355 eingehalte
n sind, können Walzprofile HEB-400 in S235 und S355 uneingeschränk t für alle Nach-
weisverfahren (E-E, E-P, P-P) eingesetz
t werden, sowohl auf Druck wie auf Druck und Biegung.

4.9.3 Untersuchun g der b/t-Verhältniss e am geschweißte n Querschnit t


Untersuchun g bezüglic h der Gurt e

Geometrie:

g allgemein (auf Druck und/oder Biegung)


Beanspruchun

S 235: - < 9, 00 = grenz - für Nachweisverfahre


n P-P.
Damit sind alle Nachweisverfahre
n zulässig.

Die Nachweisverfahre n E-E und E-P sind zulässig;


das Verfahren P-P ist unzulässig.
Untersuchun g bezüglic h des Steg s

Geometrie:
46 4 Bemessung von Stahlbauten

Beanspruchung auf reine Biegung M y

S 235: - = 63, 6 < 64 = grenz - für Nachweisverfahre


n P-P. Alle Verfahren sind zulässig.

grenz- für Verfahren E-P. Die Verfahren E-P und P-P sind unzulässig.

Für Verfahren E-E bei voll ausgenutzte


r Randspannun
g ist grenz
Das Nachweisverfahre t zulässig.
n E-E ist also uneingeschränk
Beanspruchung auf mittigen Druck

Wegen - = 63, 6 > 37, 8 = grenz - für Verfahren E-E für S 235 ist volle Ausnutzungder Grenzspan
-
nungen nicht möglich,für S 355 natürlich erst recht nicht.
Reduzierung der Druckspannunge n auf ód = 7,7 kN/cm2 ergibt für Verfahren E-E gerade aus-
reichende Werte zur Einhaltung der Werte grenz (b/t), gleichermaße
n für S 235 wie für S 355!
Bei gemischter Beanspruchun g durch eine Druckkraft N und Biegung M y müssen zur Ermittlung
von grenz (b/t) genauere Verfahren angewende t werden; siehe hierzu [5] "Stahlbau Teil 2"'.

4.9.4 Querschnittswert e fü r Kreis - un d Rohrprofil e


Kreisquerschnitt , Radiu s r

Schwerpunkts -
Kreisquerschnit t lage Halbkrei s

Kreisring , Außen - / Innenradiu s r a / ri

Kreisrin g dünne s Roh r

Beispiel : Roh r 273 x 7,1


r m = (27, 3 - 0, 71)/2 = 13,30 cm
Genau:
Rohrquerschnit t mi t geringe r Wanddick e t « r m

Al s dünnes Rohr gerechnet


:

(Grenzwert)
4.10 Interaktion plastischer Schnittgrößen 47

4.10 Interaktio n plastische r Schnittgröße n

4.10.1 Interaktio n bei m Rechteck-Querschnit t


Interaktio n M y -N
Querschnit t Spannunge n
Der Rechteck-Querschnit t wird in Bereiche für N und
für M aufgeteilt. Für N wählt man den der Momen-
tenachse (y-Achse) nahen Bereich, was das günstigste
M-N-Verhalten ergibt.

Setzt man:

so wird:

Die Interaktionskurve ist eine quadratisch


e Parabel.

Interaktio n M y -V z Annahm e A
Annahme A. Auch hier besteht (wie bei der M-N-
Interaktion) die (theoretische ) Möglichkeit, für die
Querkraft bzw. für die sie verursachende
n Schubspan -
nungen den der Momentenachs e nahen Bereich zu
reservieren.

Setzt man: -

wird wieder:

Die Interaktionskurve ist wieder eine quadratisch e Parabel.


Annahme B. Eine günstigere und auch realistischer e Möglichkeit besteht darin, den Verlauf der
Schub Spannunge n bis zum Erreichen der Fließschubspannun g f y / 3 parabelförmig über die
ganze Rechteckhöh e anzunehmen , Bereich (a). Siehe auch Darlegungen von Wippel [22].
Bei noch größerer Querkraft als 2/3 V pl geht man für den Verlauf der Schubspannunge n zur Para-
bel-Rechteck-For m über, Bereich (c).
Stelle (b) entspricht dem Übergang von (a) nach (c).
Annahm e ß
48 4 Bemessung von Stahlbauten

Im plastizierten Zustand gilt für die Vergleichsspannung


: Aô = Schubfläche
Aó= Normalspannungsfläche

Ausgehend von einer bekannten Schubspannun


g wird die
Normalspannung
:

Die Schubspannun
g erhält gemäß

Definition einen parabelförmige


n Verlauf, siehe Bild.

Normalspannung
: S = Schwerpunkt der Fläche Aó
Anmerkung:Für fy kann je nach Bedarfy,df oder
yk gesetzt werden.
Querkraft:

Normalkraft:

Moment, bezogen auf die y'-Achse:

Schwerpunkt, bezogen auf die y'-Achse:

Wertebeispiele für das M-V-Interaktionsdiagramm


:

Bereich a:

Stelle b:

(gemäß Definition)
4.10 Interaktion plastischer Schnittgrößen 49

Bereich c:

M = fy· (0,6095a ) • ( 2· 0,6443- a+ (h-2a) ) = fy• (0 , 609 5• a ) • (h-0,7114a )

M = fy• 0,152 4 • 0 , 82 2• h 2= 0,125 3• h 2• fy = 0 , 50 1• Mpl


Wertetabelle für das M-V-Interaktionsdiagram
m für den Rechteck-Querschnitt
:
Stelle b
v/v
pl Bereich a Bereich c
C |
1 1 |
1/6 1 |
1/4 0,984 1 |
0,971 3
1/2 0,927
0,785 0,669 |
0,501
0 0,327 0,302 |
0 |

Interaktionsdiagram m M-V
Verlauf A = parabelförmige r Verlauf,
Verlauf B gemäß vorhergehende r Berechnung ,
Verlauf C = Interaktion nach DIN 18800 Teil 1: Es ist zu beachten, daß beim Vergleich mit DIN
Für 18800 die Interaktion M z-V y herangezoge n
werden muß, weil diese Schnittgröße n nur auf
die Flansche n wirken, also praktisch auf zwei
Rechteckquerschnitte .

4.10.2 Interaktio n bei m I-Querschnit t


Die Berechnunge n werden am Beispiel
eines geschweißte n I-Profils, das ähnliche
Querschnittsabmessunge n wie das Walz-
profil IPE 500 hat, durchgeführt.
Der Querschnitt wird für die Berechnun g
plastischer Schnittgröße n so behandelt,
wie wenn die einzelnen Profilteile auf ihre
Mittellinien konzentriert wären.
Die geringen Fehler in den Querschnitts -
werten, die dadurch entstehen , können
hingenomme n werden. Andererseits
werden dadurch die Beziehunge n in den
Grenzübergänge n konsequent .
Al s Werkstoff wird S 235 zugrunde gelegt.
Gerechne t wird mit den Bemessungswer -
ten der Widerstandsgrößen . reale r Querschnit t Rechenquerschnit t
50 4 Bemessung von Stahlbauten

Plastisch e Schnittgröße n
A = A G + A S = 2 · 20 · 1, 6 +48, 4 · 1, 0 = 2-32,0 + 48,4 = 112,4 cm2 G = Gurte / S = Steg

Interaktio n My-N
Man hat 2 Bereiche zu unterscheiden :
A) 0 < N pl < Npl,s = 1056 kN
Wie beim Rechteckquerschnit t wird der zur y-Achse nahe Bereich der Normalkraft zugeordnet .
Der Anteil des Steg-Moment sMpl,snimmt quadratisch bis Null ab, das Gurt-Moment M p l ,G bleibt
erhalten.

Interaktion nach DIN 18800


Mi t Anwachsen über Npl,s hinaus genaue Interaktion
nimmt die Normalkraft auch Teilberei-
che der beiden Gurte in Anspruch. Der
Anteil des Gurt-Moments Mpl,G
nimmt linear bis Null ab.

Interaktionsdiagram m My-N
Im Diagramm ist dem genauen
Interaktions-Verlauf derjenige nach
DIN 18800 Teil 1 gegenübergestellt
:
4.10 Interaktion plastischer Schnittgrößen 51

Interaktio n M y -V z
Interaktion nach DIN 18800
Die Querkraft V z wird allein vom Steg
aufgenommen . Hier treten Stegmo- 0,33 / genaue Interaktion
ment M pl,S und Querkraft V z nach
Maßgabe der Verhältnisse beim Recht-
eckquerschnit t in Interaktion. Es wird
die Variante B) aus Abschnitt 4.10.1
angewendet .
Das Gurtmoment M pl,G bleibt
unangetastet .
Die frühere Forderung V/Vpl < 0,9 be-
steht nicht mehr. Es gilt: V/V pl < 1.
Die Wertetabelle aus Abschnitt 4.10.1
wird entsprechen d abgeändert :
M M/M pl
Rechteck- I-Quer-
DIN 18800
Querschn. schnitt
1 1 1 |
1/6 0,998
1/3 0,971 0,992
0,927 0,980 0,926 Interaktionsdiagram m M y -V z

| 2/3 0,785 0,941 0,856


| 1 0 0,726 0,716 Beim I-Querschnitt gilt dann:

(Rechteck) = 0, 726 + 0, 274 • (Rechteck)

f der nach DIN 18800 Teil 1 gegenübergestellt


Im Diagramm ist dem genauen Interaktionsverlau :
Interaktion nach DIN 18800 genaue Interaktion

Interaktio n M z -N
Das Moment M z wird allein von den
beiden Gurten aufgenommen .
Dieses Moment und der Normal-
kraftanteil NG treten nach der Maß-
gabe beim Rechteckquerschnit t in
Interaktion.
Die Normalkraft im StegNpl,Sbleibt
unangetastet . Bis zum Grenzwert

besteht also keine Beeinträchtigun g


für M z.
Im Bereich N / N p l > 0,431 ist der Ver- Interaktionsdiagram m M z -N
lauf eine quadratisch e Parabel.
52 4 Bemessun g von Stahlbaute n

Im vorstehende
n Diagramm ist dem genaue
n Interaktionsverlau
f derjenige nach DIN 18800 Teil 1
gegenübergestellt
:

Interaktio n Mz-Vy
Moment M z und Querkraft Vy werden praktisch beide allein von den Gurten aufgenommen . Die
, wie sie schon in Abschnitt 4.10.1 dar-
Interaktion ist also dieselbe wie beim Rechteckquerschnitt
gestellt worden ist.

Anmerkun g zu den Interaktionsgleichunge n der DIN 18800


Die errechnete n "genauen" Beziehunge n liegen fast überall günstiger als die aus der Norm. Man
muß dabei berücksichtigen , daß die Formeln der Norm allgemein gelten, also nicht jedem I-Quer-
schnitt in gleicher Weise gerecht werden können. Dagegen gelten die hier errechnete n Zahlen-
werte für genaue Interaktion nur für das spezielle Beispiel.
Grundsätzlich ist die Benutzung genauer Interaktionsgleichunge n natürlich erlaubt. Man wird
davon jedoch nur in Ausnahmefälle n Gebrauch machen. In der Regel benutzt man die verein-
fachten Interaktionsbeziehunge n nach DIN 18800 Teil 1, Tabellen 16 und 17.

Interaktionsbeziehunge n bei mehr als zwei Schnittgröße n


Auch hier empfiehlt es sich, die Regelunge n der DIN 18800 Teil 1 zu benutzen. Es sind jedoch
z.B. bei N-M y -M z-Interaktion die Begrenzungen der Querkräfte zu beachten .
Sofern man abweichend genauere Beziehunge n aufstellen will , teilt man den Querschnitt in für
die einzelnen Schnittgröße n zweckmäßig zugeordnet e Bereiche ein. Grundsätzlich ist dabei jede
Anordnung zulässig, wenn nur die Fließspannunge n für ó, x bzw. óv eingehalten sind.
Besonders schwierig wird bei Torsion nicht wölbfreier Querschnitte die Berücksichtigung von
Wölbnormalspannungen . Siehe dazu Ausführungen in [23], [24], [25] und in [9], Jahrgang 2002,
S. 76 f.

Anmerkun g zu den Tabellenwerte n für Walzprofil e in Abschnit t 4.12


Die Walzprofile IPE, HEA, HEB und HEM sind nach DIN 1025 in ihren Abmessunge n genormte
Profile. Entsprechen d sollte man annehmen , daß auch alle Tabellenwerke gleiche Querschnitts -
werte angeben . Das ist meist befriedigend erfüllt, aber nicht immer.
Abweichungen entstehe n einmal durch Rundungen . Unterschiedliche Werte erscheine n vor allem
bei den Werten für Mpl,y,d deshalb, weil hier in manchen Werken nicht der theoretisch richtige
Wert angegebe n ist, sondern von [1/750] Gebrauch gemacht ist, siehe dazu Abschnitt 4.7.3
"Anmerkungen zur Berechnun g der Schnittgröße n im vollplastischen Zustand". Im Sinne eines
homogene n Sicherheitsniveau s ist die Verwendung der mit ápl,y* = 1,14 errechnete n Werte für
Mpl,y,d nicht konsequent , und nach der Norm ist dies auch nicht zulässig.
Inzwischen ist sogar ein typengeprüfte s (!) Tabellenwerk [12] erschienen , das im günstigere n Fall
von der Regelungápl,y* = 1,14 Gebrauch macht, was eindeutig falsch ist. Auch [6] gibt die entspre-
chenden Werte an. [7] gibt die richtigen WerteMpl,y,dan und die hieraus errechnete n Werte ápl,y.
Die folgenden Tab. 4.7 bis 4.10 enthalten die konsequen t aus dem vollplastizierten Zustand errech-
neten Momente Mpl,y,d.
Mpl,z,dwurde für diese Tabellen mit der Begrenzun
g ápl,z = 1,25 berechnet
.
4.11 Interaktion My-Vz bei elastischer Bemessung 53

4.11 Interaktio n Mv -Vz bei elastische r Bemessun g


Bei elastischer Bemessun g ist für die Normalspannun g ó geradlinige Spannungsverteilun g vor-
ausgesetz t (Hooke) und für die Schubspannun g x die Verteilung proportional zum Statische n
Moment (siehe Abschnitt 4.7.2). Für die Vergleichsspannun g óv maßgeben d werden die Werte
ó1 und ôi am Punkt (i), dem Beginn der Ausrundung Steg-Flansc h (siehe Abschnitt 9.1.4).
n Werten für das Profil HEB-400 wird:
Mi t den bereits errechnete

Vergleichsspannun
g
g darf jedoch den Wert óv,R,d= fy,d = 21,82 kN/cm2 nicht übersteigen
Die Vergleichsspannun !
Zulässige elastische Querkraf t bei M = Mel,y,d

plastisch DIN 18800


Nachweisar t elastisch DIN 18800
für HEB-400
S 235 (St 37) 1,1 elastisch
"genau"
Zulässiges elastische
s Moment bei V = V plastisch

Dazu lassen sich Zwischenwerte berechnen


.
Vergleic h elastische r - plastische r Nachwei s
Es läßt sich der kleine grau angelegte Bereich
feststellen, innerhalb dessen der elastische
Nachweis günstiger ist als der plastische;
dies ist jedoch praktisch ohne Bedeutung.
Erheblicher ist schon, daß der 1,1-fache ela-
stische Nachweis (für "einfache Fälle", siehe
Abschnitt 4.7.2) im Bereich mittlerer bis
hoher Querkräfte günstigere Ausnutzung
erlaubt als der plastische Nachweis.
Der "genaue" plastische Nachweis schneidet meist etwas besser ab als der nach DIN 18800, doch
wird man sich in der Praxis selten der Mühe unterziehen
, diesen genauen Verlauf zu errechnen .
54 4 Bemessung von Stahlbauten

4.12 Plastisch e Schnittgröße n und


ander e Kennwert e fü r Walzprofil e
Tab. 4.7 Plastisch e Schnittgröße n (für S 235) un d Kennwert e fü r Walzprofil e IPE DIN 1025

M M
d Vpl,z, d pl,z, d vpl,y, d A Iy Iz iz i zG
IT I = C
M
IPE NplkN
, d pi,y,
kNm kN kNm kN cm2 cm4
iy
cm cm4 cm cm cm4 cm6
80 167 5,0 7 35, 8 1,2 7 60 7,6 4 80, 1 3,2 4 8,4 9 1,0 5 1,1 8 0,7 0 118
100 225 8,6 0 48, 7 1,5 8 79 10, 3 171 4,0 7 15, 9 1,2 4 1,4 0 1,2 1 351
120 288 13, 2 63, 0 2,3 6 102 13, 2 318 4,9 0 27, 7 1,4 5 1,6 3 1,7 4 890
140 358 19, 3 78, 8 3,3 6 127 16, 4 541 5,7 4 44, 9 1,6 5 1,8 7 2,4 5 1980
160 438 27, 0 96, 1 4,5 4 153 20, 1 869 6,5 8 68, 3 1,8 4 2,0 8 3,6 2 3960
1 18 0 521 36, 3 115 6,0 4 183 23, 9 132 0 7,4 2 101 2,0 5 2,3 2 4,8 0 7430
200 622 48, 1 135 7,77 214 28, 5 194 0 8,2 6 142 2,2 4 2,5 2 7,0 2 1299 0
220 728 62, 3 157 10, 2 255 33, 4 277 0 9,1 1 205 2,4 8 2,7 9 9,1 0 2267 0
240 853 80, 0 180 12, 9 296 39, 1 389 0 9,9 7 284 2,6 9 3,0 3 12, 9 3739 0
270 100 0 106 216 17, 0 347 45, 9 579 0 11, 2 420 3,0 2 3,4 1 16, 0 7058 0
300 1170 137 259 22, 0 404 53, 8 836 0 12, 5 604 3,3 5 3,7 9 20, 2 12590 0
330 137 0 175 301 26, 9 464 62, 6 1177 0 13, 7 788 3,5 5 4,0 2 28, 3 19910 0
| 36 0 159 0 222 350 33, 5 544 72, 7 1627 0 15, 0 104 0 3,7 9 4,2 9 37, 5 31360 0
400 184 0 285 419 39, 9 612 84, 5 2313 0 16, 5 132 0 3,9 5 4,4 9 51, 4 49000 0
450 216 0 370 516 48, 1 699 98, 8 3374 0 18, 5 168 0 4,1 2 4,7 2 67, 1 79100 0
500 252 0 479 622 58, 4 806 116 4820 0 20, 4 214 0 4,3 1 4,9 6 89, 7 1 24900 0
550 293 0 608 745 69, 3 910 134 6712 0 22, 3 267 0 4,4 5 5,1 6 124 1 88400 0
600 340 0 766 878 84, 0 105 0 156 9208 0 24, 3 339 0 4,6 6 5,4 1 166 2 84600 0

Tab. 4.8 Plastisch e Schnittgröße n (für S 235) un d Kennwert e fü r Walzprofil e HEA DIN 1025

N
pl, d M
pl,y, d Vpl,z, d Mpl,z, d vpl,y, d A iy Iz i i G IT I = C
M
HEA kN kN
Iy z z,

kN kNm kNm cm2 cm4 cm cm4 cm cm cm4 cm6


100 463 18, 1 55, 4 7, 3 202 21, 2 349 4,0 6 134 2,5 1 2,6 6 5,2 6 2581
120 553 26, 1 66, 8 10, 5 242 25, 3 606 4,8 9 231 3,0 2 3,2 1 6,0 2 647 2
140 685 37, 9 86, 3 15, 2 300 31, 4 103 0 5,7 3 389 3,5 2 3,7 5 8,1 6 1506 0
160 846 53, 5 108 21, 0 363 38, 8 167 0 6,5 7 616 3,9 8 4,2 6 12, 3 3141 0
180 987 70, 9 122 28, 0 431 45, 3 251 0 7,4 5 925 4,5 2 4,8 2 14, 9 6021 0
200 1170 93, 7 147 36, 4 504 53, 8 369 0 8,2 8 134 0 4,9 8 5,3 2 21, 1 10800 0
220 140 0 124 175 48, 5 610 64, 3 541 0 9,1 7 195 0 5,5 1 5,8 8 28, 6 19330 0
240 168 0 162 206 62, 9 726 76, 8 776 0 10, 1 277 0 6,0 0 6,4 0 41, 7 32850 0
260 189 0 201 224 76, 9 819 86, 2 1045 0 11, 0 367 0 6,5 0 6,9 1 52, 6 51640 0
| 28 0 212 0 243 259 92, 8 917 97, 3 1367 0 11, 9 476 0 7,0 0 7,4 6 62, 4 78540 0
300 246 0 302 296 115 106 0 113 1826 0 12, 7 631 0 7,4 9 7,9 7 85, 6 120000 0
320 271 0 355 334 127 1170 124 2293 0 13, 6 699 0 7,4 9 7,9 9 108 151200 0
340 291 0 404 375 135 125 0 133 2769 0 14, 4 744 0 7,4 6 7,9 9 128 182400 0
| 36 0 312 0 456 419 143 132 0 143 3309 0 15, 2 789 0 7,4 3 7,9 8 149 217700 0
400 347 0 559 514 156 144 0 159 4507 0 16, 8 856 0 7,3 4 7,9 4 190 2 94200 0
450 388 0 702 607 172 159 0 178 6372 0 18, 9 947 0 7,2 9 7,9 3 245 4 14800 0
500 431 0 862 706 188 174 0 198 8697 0 21, 0 1037 0 7,2 4 7,9 1 310 5 64300 0
550 462 0 100 8 812 197 181 0 212 11190 0 23, 0 1082 0 7,1 5 7,8 6 353 7 18900 0
600 494 0 116 7 925 205 189 0 226 14120 0 25, 0 1127 0 7,0 5 7,8 2 399 8 97800 0
650 527 0 1339 104 4 213 1965 242 17520 0 26, 9 1172 0 6,9 7 7,77 450 1102700 0
700 568 4 153 4 1211 221 2041 260 21530 0 28, 8 1218 0 6,8 4 7,7 0 515 1335200 0
800 623 6 189 8 144 0 230 2116 286 30340 0 32, 6 1264 0 6,6 5 7,5 8 599 1829000 0
900 699 3 235 9 1733 246 226 7 321 42210 0 36, 3 1355 0 6,5 0 7,4 9 739 2496200 0
100 0 756 7 279 8 1993 255 234 3 347 55380 0 40, 0 1400 0 6,3 5 7,4 1 829 3207400 0
4.12 Plastische Schnittgrößen und andere Kennwerte für Walzprofile 55

Tab. 4.9 Plastisch e Schnittgröße n (für S 235) un d Kennwert e fü r Walzprofil e HEB DIN 1025

N
pl, d Mpl,y, d Vpl,z,d Mpl,z,d v
pl,y, d A Iy iy Iz i x
z,Gur t IT l = C
M
HEB kN k N m kN k N m kN cm2 cm4 cm4 cm
z

cm cm4 cm6
cm
100 568 22, 7 68, 0 9,1 2 252 26, 0 450 4,1 6 167 2,5 3 2,6 9 9,2 9 3375
120 742 36, 0 89, 2 14, 4 333 34, 0 864 5,0 4 318 3,0 6 3,2 4 13, 9 9410
140 937 53, 5 113 21, 4 423 43, 0 1510 5,9 3 550 3,5 8 3,8 0 20, 1 2248 0
160 1180 77, 2 148 30, 3 524 54, 3 2490 6,7 8 898 4,0 5 4,3 1 31, 4 4794 0
180 1420 105 178 41, 3 635 65, 3 3830 7,6 6 1360 4,5 7 4,8 7 42, 3 9375 0
200 1700 140 210 54, 6 756 78, 1 5700 8,5 4 200 0 5,0 7 5,3 9 59, 5 17110 0
220 1990 180 244 70, 5 887 91, 0 8090 9,4 3 2840 5,5 9 5,9 5 76, 8 29540 0
240 2310 230 281 89, 2 1030 106 1126 0 10, 3 3920 6,0 8 6,4 7 103 48690 0
260 258 0 280 305 108 1150 118 1492 0 11, 2 5130 6,5 8 6,9 9 124 75370 0
280 2870 335 347 128 1270 131 1927 0 12, 1 6590 7,0 9 7,5 4 144 1 13000 0
300 325 0 408 389 156 1440 149 2517 0 13, 0 8560 7,5 8 8,0 6 186 1 68800 0
320 3520 469 434 168 1550 161 3082 0 13, 8 9240 7,5 7 8,0 6 226 2 06900 0
340 3730 525 481 176 1630 171 3666 0 14, 6 9690 7,5 3 8,0 5 258 2 45400 0
| 36 0 394 0 585 531 184 1700 181 4319 0 15, 5 1014 0 7,4 9 8,0 3 293 288300 0
400 4320 705 639 197 1810 198 5768 0 17, 1 1082 0 7,4 0 7,9 9 357 3 81700 0
450 4760 869 748 213 1970 218 7989 0 19, 1 1172 0 7,3 3 7,9 7 442 5 25800 0
500 5210 1050 862 230 2120 239 10720 0 21, 2 1262 0 7,2 7 7,9 4 540 7 01800 0
550 5540 1220 984 238 2190 254 13670 0 23, 2 1308 0 7,1 7 7,8 9 602 8 85600 0
| 60 0 5890 1402 1110 246 2270 270 17100 0 25, 2 1353 0 7,0 8 7,8 4 669 1096500 0
650 624 7 159 7 1248 254 2343 286 21060 0 27, 1 1398 0 6,9 9 7,8 0 741 1336300 0
700 6685 181 7 1431 263 2419 306 25690 0 29, 0 1444 0 6,8 7 7,7 3 833 1606400 0
800 7292 2232 1690 271 2494 334 35910 0 32, 8 1490 0 6,6 8 7,6 1 949 2184000 0
900 8101 2746 2015 287 2645 371 49410 0 36, 5 1582 0 6,5 3 7,5 2 1140 2946100 0
1000 872 7 3241 2308 296 2721 400 64470 0 40, 1 1628 0 6,3 8 7,4 3 1260 3763700 0

Tab. 4.10 Plastisch e Schnittgröße n (für S 235) un d Kennwert e fü r Walzprofil e HEM DIN 1025

N
pl, d M
pl,y, d Vpl,z, d Mpl,z, d vpl.,y, d A Iy iy Iz i 1z,Gur t I T I = C
M
HEM kN k N m kN k N m kN cm2 cm4 cm4
z

cm4 cm6
cm cm cm
100 1160 51, 5 151 20, 5 534 53, 2 1140 5,3 6 399 2,7 4 2,9 0 68, 5 9925
120 1450 76, 5 187 30, 4 667 66, 4 2020 5,5 1 703 3,2 5 3,4 5 92, 0 2479 0
140 1760 108 226 42, 8 809 80, 6 3290 6,3 9 1144 3,7 7 4,0 0 120 5433 0
160 2120 147 277 57, 8 962 97, 1 5100 7,2 5 1760 4,2 6 4,5 2 163 10880 0
180 2470 193 321 75, 7 1130 113 7480 8,1 3 2580 4,7 7 5,0 8 204 19930 0
200 2860 248 368 96, 7 1300 131 1064 0 9,0 0 3650 5,2 7 5,6 1 260 34630 0
220 3260 310 418 121 1480 149 1460 0 9,8 9 5010 5,7 9 6,1 6 316 57270 0
240 4360 462 540 179 2000 200 2429 0 11, 0 8150 6,3 9 6,7 8 630 1 15200 0
260 4790 551 584 213 2190 220 3131 0 11, 9 1045 0 6,9 0 7,3 1 722 1 72800 0
280 5240 647 646 249 2390 240 3955 0 12, 8 1316 0 7,4 0 7,8 6 810 2 52000 0
300 6610 890 796 341 3050 303 5920 0 14, 0 1940 0 8,0 0 8,4 7 1410 4 38600 0
320 6810 968 844 348 3110 312 6813 0 14, 8 1971 0 7,9 5 8,4 3 1510 5 00400 0
340 6890 1029 891 348 3110 316 7637 0 15, 6 1971 0 7,9 0 8,4 1 1510 5 58500 0
360 6960 1089 939 346 3100 319 8487 0 16, 3 1952 0 7,8 3 8,3 6 1510 6 13700 0
400 7110 1215 1040 344 3090 326 10410 0 17, 9 1934 0 7,7 0 8,2 9 1520 7 41000 0
450 7320 1381 1160 344 3090 335 13150 0 19, 8 1934 0 7,5 9 8,2 3 1530 9 25200 0
500 7510 1548 1280 341 3080 344 16190 0 21, 7 1915 0 7,4 6 8,1 5 1540 1118700 0
550 7730 1731 1410 341 3080 354 19800 0 23, 6 1916 0 7,3 5 8,0 9 1560 1351600 0
600 7930 1914 1530 339 3070 364 23740 0 25, 6 1898 0 7,2 2 8,0 1 1570 1590800 0 |
650 8153 2107 1662 339 3070 374 28170 0 27, 5 1898 0 7,1 3 7,9 6 1580 18 65000 0
700 8356 2299 1789 337 3064 383 32930 0 29, 3 1880 0 7,0 1 7,8 7 1590 2139800 0
800 8821 2725 2047 335 3053 404 44260 0 33, 1 1863 0 6,7 9 7,7 2 1650 2777500 0
900 9242 3151 2301 333 3043 424 57040 0 36, 7 1845 0 6,6 0 7,6 0 1680 3474600 0
| 100 0 9692 3615 2561 333 3043 444 72230 0 40, 3 1846 0 6,4 5 7,5 0 1710 4301500 0
5 Schraubverbindunge n

5.1 Schraubenarte n und ihr e Wirkungsweis e

5.1.1 Einsatzmöglichkeite n un d Ausführungsforme n


[1/506] Schrauben werden im Stahlbau bevorzugt zur Verbindung von Bauteilen
eingesetzt. Schraube n sind punktförmig wirkende, lösbare Verbindungsmittel.
Haupteinsatzgebie t für Schraubverbindunge n ist die Montage auf der Baustelle.

Schraubverbindunge n sind einfach zu montieren; sie bedürfen hierfür keiner auf-


wendigen Vorbereitungen , Hilfsmittel und Schutzmaßnahmen . Die sachgemäß e
Ausführung ist auch nachträglich einfach zu kontrollieren.

Schrauben können Kräfte sowohl senkrecht zur Schraubenachse, parallel zur


Schraubenachs
e als auch in Kombination beider Wirkungsweisen übertragen .

Schrauben können sowohl gewöhnlich (ohne Kontrolle des Anzugsmoments )


angezogen werden als auch (nur bei Festigkeitsklasse
n 8.8 und 10.9) mit plan-
mäßiger Vorspannung V eingesetz t werden. ZugbeanspruchteSchraube n Z der
Festigkeitsklasse
n 8.8 und 10.9müssenplanmäßig vorgespannt werden.

Schraubverbindunge n für Kraftübertragung senkrecht zur Schraubenachs e


können als Scher-Lochleibungsverbindunge n SL oder (bei Festigkeitsklasse
n 8.8
und 10.9) unter Ausnutzung besonders vorbereiteter Reibflächen und planmäßige r
Vorspannung als gleitfeste vorgespannte Verbindungen GV eingesetz t werden.

Schrauben können in Schraubenlöche r mit 1,0 bis 2,0 mm Spiel eingezoge


n werden
oder als Paßschrauben P mit einem Lochspiel < 0,3 mm eingezoge n werden.

[1/506] Die Ausführungsforme n für Schraubverbindunge


n sind nach {1/6} zu
unterscheiden, siehe Tab. 5.1.

Tab. 5.1 Ausführungsforme n von Schraubverbindunge n nach {1/6}

nicht oder planmäßig vorgespannt


e HV-Schrauben
Nennlochspiel
nicht planmäßig
Ausführungsart Ad = dL - dS ch
vorgespannt e ohne gleitfeste mit gleitfester
[mm]
Schrauben Reibfläche Reibfläche

ohne Passun
g 0,3 < Ad < 2,0 SL SLV GV

Paßverbindunge
n Ad < 0,3 SLP SLVP GV P

mit SL Scher-Lochleibungsverbindunge
n
SLP Scher-Lochleibungs-Paßverbindunge
n
SLV planmäßig vorgespannt
e Scher-Lochleibungsverbindunge
n
5.1 Schraubenarte n und ihr e Wirkungsweis e 57

SLVP planmäßig vorgespannt e Scher-Lochleibungs-Paßverbindunge


n
GV gleitfeste planmäßig vorgespannt
e Verbindungen
GVP gleitfeste planmäßig vorgespannte Paßverbindungen

Die verschiedene
n Schraubenfestigkeite n und deren charakteristisch
e Werte sind
{1/2} zu entnehmen (siehe Abschnitt 4.4).

Wichtig : Im Stahlhochba u werden zur Übertragung von Kräften senkrecht zur


Schraubenachs e meistens Rohschraube n 4.6 ohne Passung (SL) und HV-Schrau-
ben 10.9 ohne Passun g (SL oder SLV) verwendet. Diese Schraubverbindunge n
dürfen wegen des möglichen Lochspiels nicht in einem Stoßquerschnit t zusam-
men mit Schweißnähte n eingesetzt werden. - Bei Rahmentragwerke n und einem
Lochspiel > 1 mm müssen evtl. Zusatzbeanspruchunge n aus dem Lochschlupf
angesetz t werden, siehe hierzu [1/733+737+813 + 2/118].

Üblich ist die Verwendung von Schraube n mit glattem Schaft. Das Gewinde soll
dann außerhalb der Klemmlänge liegen; der Übergang vom Schaft zum Gewinde
liegt im Bereich der 8 mm dicken Scheibe.

Zur Übertragung von Kräften in Richtung der Schraubenachs


e werden im Stahl-
hochbau am häufigsten Rohschraube n 4.6, Ankerschraube
n 5.6 und besonders
HV-Schrauben 10.9 verwendet.
Scheibe A Sechskantmutter
Linsenkuppe nach DIN 7989 nach DIN 555

Bei Rohschrau -
ben genügt eine
mutterseitige
Unterlegscheibe.

Klemmlänge
Bil d 5.1 Rohschraub e DIN 7990 mi t Mutte r un d Unterlegscheib e

Scheibenach DIN 6916 Scheibenach DIN 6916


Linsenkuppe Sechskantmutter
nach DIN 6915 HV-Schraube
n
erhalten i.a.
beidseitig
U-Scheiben.
Bei einem Lochspiel von 2 mm
Kennzeichnung darf bei nicht planmäßig vorge-
Klemmlängi spannten HV-Schraube n auf
die kopfseitige U-Scheibe
verzichtet werden.
Bild 5.2 HV-Schraub e 10.9 DIN 6914 mi t Mutte r un d Unterlegscheibe n

Die früher im Stahlbau nicht verwendete


n HV-Schrauben 8.8 ("Maschinenschrau -
ben") werden heute vermehrt eingesetzt , wobei der Vorteil hoher Festigkeit ver-
bunden ist mit der Möglichkeit, bei durchgehende m Gewinde (kein glatter
Schaft!) weniger unterschiedliche Schraubenlänge n bereithalten zu müssen.
58 5 Schraubverbindungen

Paßverbindunge n mit einem Lochspiel < 0,3 mm sitzen sehr stramm. Wegen der
erforderlichen Paßgenauigkei t wir d zumeist ein Aufbohren der mit geringerem
Lochdurchmesse r vorgebohrten Löcher auf den Solldurchmesse r nach dem Heften
der zu verbindenende n Teile erforderlich (teuer!). Paßverbindungen dürfen in
einem Stoßquerschnitt zusammenwirken d mit Schweißnähte n eingesetzt werden.

Gleitfeste Verbindungen (nur mit planmäßig vorgespannte n HV-Schrauben )


wirken auf Grund der Vorspannung und entsprechen d vorbereiteter Reibflächen
planmäßig über Reibschluß. Dies ergibt sehr starre Verbindungen, die auch mit
Lochspiel 1 -2 mm in einemQuerschnitt zusammenwirken d mit Schweißnähte n
verwendet werden dürfen.

Planmäßige Vorspannung für HV-Schrauben wir d meistens mit Hilf e von Dreh-
momentenschlüssel n aufgebracht , die bei Erreichen eines einstellbaren Drehmo-
ments deutlich klacken, oder mit elektronisch geregelten Elektroschraubern . Das
einzustellende Drehmoment in Abhängigkeit von Schraubendurchmesse r u nd
Schmierung (eigentlich immer MoS2) ist DIN 18800 Teil 7, Tab. 1, zu entnehmen .

5.1.2 Schraubendurchmesse r un d Darstellun g vo n Schraube n


Übliche Schaftdurchmesse
r von Schraube
n sind
d S ch = 1 2 / 1 6 / 2 0 / 2 4 / 2 7 / 3 0 / 36 mm.

Größere Schraubendurchmesser sind möglich, kleinere Durchmesser sind für den


Stahlbau nicht genormt; im Leichtbau (z.B. Gewächshausbau ) werden auch
Schrauben M8 und M10 verwendet. - Der in den meisten Tabellen aufgeführte
Schraubendurchmesse r 22 mm wir d in der Praxis nicht mehr verwendet.

Die Darstellung der Schraube n erfolgte früher allgemein mit Sinnbildern nach DIN
407 Blatt 1 (Tab. 5.2). Diese Darstellung ist gut lesbar und wir d in diesem Buch bei
den meisten Bildern beibehalten .

Tab. 5.2 Schraubensinnbilde r nac h DIN 407 Blat t 1

Festigkeitsklasse Schraube M12 M16 M20 M24 M27 M30 M36

4.6 DI N 7990

10.9 DI N 6914

Anziehmoment [Nm]
100 250 450 800 1250 1650 2800
Schraube MoS2-geschmier
t

Zusatzsymbole
Baustellen- Baustellen- oben unten
schraube bohrung versenkt versenkt
5.1 Schraubenarten und ihre Wirkungsweise 59

I m Zeichen der CAD-Darstellung w u r d en Schraubensymbol


e vereinfacht u nd
neu in DIN ISO 5261 (2.83) genormt (Tab. 5.3).

Tab. 5.3 Schraubenbilde r nac h DIN ISO 5261

Zeicheneben
e senkrecht zur Schraubenachs
e parallel zur Schraubenachs
e
von vorn von hinten Mutter Senkung
Zusatzsymbol
e ohne ohne
gesenkt gesenkt rechts rechts

Bohrung und Einbau


in der Werkstatt

Bohrung in der Werkstatt


Einbau auf der Baustelle

Bohrung und Einbau


auf der Baustelle
Zusätzlich zu den Sinnbildern muß der Schraubendurchmesse r angegeben werden, im Zwei-
felsfall auch die Werkstoffgüte und in Werkstattpläne
n die Schraubenlänge
.
Bei der Darstellung nur von Bohrungen entfallen bei der Draufsicht der schwarze Kreis bzw.
beim Schnitt die senkrechte
n Querstriche
. Der Lochdurchmesse r ist zusätzlich anzugeben.
Auf das Zusatzsymbo l "Einbau auf der Baustelle" wird oft verzichtet, weil dies den konstruk-
tiven Normalfall darstellt. Schraube
n werden auch ohne die beiden Querstriche dargestellt.

I n Werkstattpläne n oder Stücklisten muß die Schraubenläng e in Abhängigkeit


der Klemmlänge (Gesamtdick e der verschraubte
n Bauteile) angegeben werden.
Tab. 5.4 gibt einen Auszug aus der Klemmlängen-Tabelle für Rohschrauben .

Tab. 5.4 Klemmlänge n fü r Schraube n nac h DIN 7990 (4.6) - Auszug

Schraubenläng
e [mm] M12 M16 M20 M24 M27 M30
30 6-9 - - - - -
35 10-14 6-10 - - - -
40 15-19 11-15 8-12 - - -
45 20-24 16-20 13-17 9-13 - -
50 25-29 21-25 18-22 14-18 - -

100 75-79 71-75 68-72 64-68 61-65 59-63


| 105 80-84 76-80 73-77 69-73 66-70 64-68

200 - - - 164-168 161-165 159-163

Di e vollständige Bezeichnung einer Schraube M16 (4.6) für 22 mm Klemmlänge


lautet: M16 x 50 DIN 7990 (mit Mutter DIN EN 24034 u nd Scheibe A DIN 7989).

Für HV-Schraube
n gilt eine andere Klemmlängen-Tabelle
.
60 5 Schraubverblndunge n

5.2 Konstruktiv e Grundsätz e

5.2.1 Stöß e un d Anschlüss e


[1/504] Stöße und Anschlüsse sollen gedrungen ausgebilde t werden. Unmittel-
bare und symmetrische Stoßdeckun g ist anzustreben. Einzelne Querschnittsteil
e
(z.B. Flansche und Steg eines Walzprofils) sollen für sich mit den anteiligen
Schnittgrößen angeschlossen oder gestoße n werden. Andernfalls treten Kräfte-
umleitungen, ausmittige Beanspruchungen , usw. auf, die nachzuweisen sind.

Ausmittige Verbindungen bewirken ungewollte Verbiegungen ; symmetrische


Verbindungen (ggf. zweischnittige) sind den unsymmetrische
n vorzuziehen.

[1/510] Der Kraftfluß soll möglichst direkt sein. Zwischenlagen und indirekte
Anschlüsse sind möglichst zu vermeiden. Bei mittelbarer Stoßdeckun g über m
Zwischenlagen ist die erforderliche Anzahl der Schraube n je Zwischenlage um
30 % zu erhöhen., siehe Bil d 5.3.

Stoß eines Doppelwinkel s w = Wurzelmaß


a) nu r in den senkrechte n Schenkel n
Die Stoßlasche wird ausmittig beansprucht!
In den Schrauben treten zusätzliche
Querbeanspruchungen auf!

b) in den senkrechte n un d
Zugstabsto ß waagrechte n Schenkel n
unsymmetrisch und symmetrisch Gleichmäßige Beanspruchung
der Stoßlaschen
2 Zwischenlagen (m = 2)

Schnit t

Gurtsto ß mi t 2 Zwischenlagen : n' = (1 + 0,3 m) n


hier: m = 2 / n = 3: n' = (1 + 0,3 • 2) • 3 = 4,8 < 5
Anschlu ß eine s Winkel s
mit Wurzelmaß w (ausmittig zur Schwerachse)
Bild 5.3 Stöß e un d Anschlüss e (Beispiele) Zusätzliche Querbeanspruchung V der Schrauben!
5.2 Konstruktive Grundsätze 61

Verbindun g mi t zwei hintereinande r liegende n Schraube n (ein-, zwei- und mehrschnittig)

Draufsich t
fü r all e 3 N
Verbindunge n

mittler e Loch -
leibungspressun g
einschnittig e N
Verbindun g N

mittler e Loch -
leibungspressun g N/2
N/2

zweischnittige N/2
symmetrische N
Verbindung N/2-

N1
mehrschnittig e N/2
symmetrisch e N2
Verbindun g N/2
N1

Einschnittig e Verbindun g mit 6 hintereinande r liegende n Schraube n

unterschiedliche Beanspruchung von für den Nach-


6 hintereinanderliegenden weis wird mit
Schrauben in einer Verbindung der mittleren
im elastischen Bereich Beanspruchung
N/6 gerechnet
Bild 5.4 Ein - un d mehrschnittig e Verbindunge n - Verlau f der Kräft e

Begrenzun g der Anzah l der Schraube n


[1/804] Liegen in einem Anschluß mehr als 2 Schraube n hintereinander
, so
werden die inneren Schraube n geringer beansprucht als die äußeren (zumindest
i m elastische
n Beanspruchungsbereich) , siehe Bil d 5.4. Bei unmittelbaren
Laschen- und Stabanschlüsse n dürfen daher nicht mehr als 8 Schraube n hinter-
einander in Rechnung gestellt werden. Der Nachweis erfolgt mit dem Mittelwert.
62 5 Schraubverbindungen

Wahl des Schraubendurchmesser s


Bei hauptsächlic h auf Abscheren beanspruchte n Rohschraube n 4.6 erfolgt die
Auswahl des Schraubendurchmesser s in Abhängigkeit von der kleinsten Blech-
dicke in dem von der betreffenden Schraube zusammengefaßte n Querschnitt. Al s
grobe Regel gilt für den Schaftdurchmesser :
dsch = min
t + 10 mm.
Für zugbeansprucht e Schrauben , insbesonder e für HV-Schrauben , gelten andere
Kriterien (z.B. die Biegebeanspruchun g von Stirnplatten). - Andererseits sollen
die Schraubendurchmesse r möglichst einheitlich festgelegt werden, um beson-
ders bei HV-Schrauben mit planmäßige r Vorspannung ein häufiges Wechseln der
Schraubenschlüsse l bzw. deren Einstellung für das Vorspannmomen t zu vermeiden.
Für Walzerzeugniss e wie I-Profile, Winkel u.a. sind in den Profilnormen Größt-
durchmesse r für Schraubverbindunge n angegeben , die beachtet werden müssen.

5.2.2 Rand - un d Lochabständ e


[1/513] Für die Größt- und Kleinstabständ e von Schraube n gilt {1/7} in Verbin-
dung mit Bil d 5.5. Dabei bedeutet t die kleinste Blechdicke in der Verbindung.

Tab. 5.5 Rand - un d Lochabständ e fü r Schraube n nach {1/7}

Randabstände Lochabstände

kleinster in Kraftrichtung e > 2,2 dL


kleinster in Kraftrichtung
Rand- und rechtwinklig e1 /2 > 1,2 dL Loch-
rechtwinklig e3 > 2,4 dL
abstand zur Kraftrichtung abstand zur Kraftrichtung

zur Sicherung gegen e , e3 < 6 dL


größter i n Kraftrichtung e1 / 2 < 3 dL größter lokales Beulen e , e3 < 12 t
Rand- und rechtwinklig Loch-
abstand zur Kraftrichtung e1 /2 < 6 t abstand wenn lokale Beul- e , e3 < 10 dL
gefahr nicht besteht e , e3 < 20 t

Bei gestanzte
n Löchern sind die kleinsten Randabständ
e 1,5 dL, die kleinsten Lochabständ
e 3 dL.
e dürfen vergrößert werden, wenn keine lokale Beulgefahr besteht und
Die Rand- und Lochabständ
durch besondere Maßnahmen ein ausreichende r Korrosionsschut
z sichergestell
t ist.

Lochdurchmesser

Kraftrichtung

Bild 5.5 Randabständ e e1 un d e2


un d Lochabständ e e un d e3
5.3 Nachweise 63

Ausnahme n
Bei Anschlüssen mit mehr als 2 Loch-
reihen in und rechtwinklig zur Kraft-
richtung brauchen die größten
Lochabständ e e u nd e3 nur für die
äußeren Reihen eingehalten zu
werden.

Wenn ein freier Rand z.B. durch die


Profilform versteift wird, darf der
maximale Randabstan d 8 • t betragen,
siehe Bil d 5.6.
Bild 5.6 Beispiele für die Versteifung
freier Ränder im Bereich v o n
5.3 Nachweis e Stößen und A n s c h l ü s s e n

5.3.1 Scher-Lochleibungsverbindunge n
Die senkrecht zur Schraubenachs e zu übertragende Kraft für eine Schraube bean-
sprucht den Schraubenschaft auf Abscheren (ScherSpannung ) und den Schaft wie
auch die Lochränder auf Lochleibungspressun g (Bil d 5.7).

Bild 5.7 Unbelastete HV-Schraube und Wirkungsweise einer belasteten


HV-Schraube als SL-Verbindung

Abschere n
[1/804] Die Grenzscherkraf
t ist

áa n der Festigkeitsklasse
= 0,60 für Schraube n 4.6, 5.6 und 8.8
áa = 0,55 für Schraube
n der Festigkeitsklass
e 10.9

Al s maßgebende
r Abscherquerschnit
t A ist dabei einzusetze
n
• der Schaftquerschnit
t A S c h, wenn der glatte Teil des Schafts in der Scher-
fuge liegt,
64 5 Schraubverbindungen

• der Spannungsquerschnit t A S p, wenn der Gewindeteil des Schafts in der


Scherfuge liegt. Bei Schrauben der Festigkeitsklass
e 10.9 ist in diesem Fall
áa = 0,44 zu setzen .
Nachzuweise n ist, daß die vorhandene Abscherkraft V a je Scherfuge und je
Schraubedie Grenzscherkraft Va,R,d nicht überschreitet
.

Bei mehrschnittige
n Verbindungen und bei Verbindungen aus mehreren Schrau-
ben werden die Grenzscherkräft
e addiert. Dann ist nachzuweisen
, daß

Lochleibun g
[1/805] Die Grenzlochleibungskraf
t ist

á1 ist abhängig von Rand- und Lochabstan d der Schrauben. Der Größtwert
max á1 = 3,0
ergibtsichbei Einhaltung der Rand- und Lochabständ
e nach {1/8} (siehe Tab. 5.6).

Tab. 5.6 Rand - un d Lochabständ e fü r größtmögl . Beanspruchbarkei t auf Lochleibun g

Abstände e > 3,5 dL e1> 3,0 dL e2 > l,5 dL e3 > 3,0 dL

Tab. 5.7 Bestimmungsgleichunge n fü r á1, wen n obig e Wert e nicht eingehalte n sin d

Gültigkeitsbereich

Für kleinere Rand- und Lochabständ e gelten die Gleichungen (1/50 a-d), die in
Tab. 5.7 wiedergegeben sind. Die Berechnung der Grenzlochleibungskräft e für
diese kleineren Abstände ist umständlich, weshalb man zweckmäßigerweis e auf
Tabellen für gebräuchliche Rand- und Lochabständ e zurückgreift.
Nachzuweise n ist, daß die vorhandene Lochleibungskraft V1 einer Schraube an
einer Lochwandung die Grenzlochleibungskraf
t V1,R,d nicht überschreitet
.
5.3 Nachweise 65

Einschnittig e ungestützt e Verbindunge n


[1/807] Einschnittige ungestützte Verbindungen mit nur einer Schraube in Kraft-
richtung erfahren bei Längsbeanspruchun g besonder s große ausmittige Lochlei-
bungsbeanspruchungen . Hierfür muß anstatt (1/52) nachfolgende Bedingung
erfüllt sein:
N N

Außerdem gilt für die Randabständ


e
Korrosionsgefahr!
und
Bild 5.8 Einschnittig e ungestützt e
Schraubverbindun g

Der Anschlußbereich kann erheblich verbogen werden. Sich dabei öffnende Spalte
bedeuten bei entsprechenden Umwelteinflüssen Korrosionsgefah r (Bild 5.8).

5.3.2 Gleitfest e Verbindunge n

[1/812] Für GV- und GVP-Verbindunge


n gelten die Voraussetzungen
:
• planmäßige Schraubenvorspannun
g Fv (siehe Tab. 5.2) und
• Reibflächenvorbehandlun
g nach DIN 18800 Teil 7.
Die Kraft wir d durch Anpreßdruck und
Reibung flächenhaft übertragen (Bil d
5.9). Die Verbindung ist daher beson-
ders starr. Die Reibflächen müssen
besonders vorbehandelt und die
Schrauben in jedem Fall vorgespann t
werden.

Der Nachweis hat im Gebrauchszustand


zu erfolgen. Er wird hier nicht behandelt.
Bild 5.9 Wirkungsweis e eine r belastete n
5.3.3 Schraube n auf Zug HV-Schraub e als GV-Verbindun g
[1/809] Der Nachweis erfolgt sowohl auf den Schaftquerschnit
t A S ch als auch auf
den Spannungsquerschnit t Asp (= mittlerer Gewindequerschnitt).

Für den kleineren der beiden Werte aus den beiden Gleichungen (l/55a,b) ist
nachzuweisen , daß die in der Schraube vorhandene Zugkraft N die Grenzzug-
kraft N R ,d nicht überschreitet.
66 5 Schraubverbindungen

Für Gewindestangen
, Schrauben mit Gewinde bis annähernd zum Kopf und auf-
geschweißte Gewindebolze
n ist anstatt Gleichung (l/55a,b) zu rechnen mit

5.3.4 Zug un d Abschere n


[1/810] Bei gleichzeitiger Beanspruchun g einer Schraube auf Zug und Abscheren
ist ein Interaktionsnachwei s zu führen:

Die Interaktionskurve ist ein Kreis.


Der Nachweis darf entfallen, wennN / N R , d ,< 0,25 oderV a /Va,R,d< 0,25 ist.

5.3.5 Sonderforme n und Sonderregelunge n


Schrauben mit großem Durchmesser. Größter Gewinde-Nenndurchmesse r für
übliche Stahlbau-Schraube n ist 39 mm. Die Nachweisformat e (1/55) bis (1/58)
gelten auch für Schraube n mit Durchmesse r größer 39 mm. Angaben zu Span-
nungsquerschnitte n für Gewinde-Durchmesse r bis M 210 (!) enthält Lit . [22].
Hammerschrauben nach DIN 7992 dienen der
Verankerung großer Zugkräfte in Fundamente n
o.ä. Die Kräfte werden durch Einhängen der Ham-
Vierkantteil
merköpfe in Schienen, Winkel, usw. eingeleitet.
Bei schief sitzenden Schienen können große aus-
mittige Beanspruchunge n auftreten, die beson-
ders nachgewiese n werden müssen. Siehe Lit . [22].

Sacklochverbindungen nehmen das Gewinde 45


einer Schraube oder einer Gewindestang e direkt
i n einem eingefrästen Innengewinde im Bauteil
oder einem speziellen Knotenstück auf; die
Schraubverbindun g hat also keine Mutter. Für das
Verhältnis î von Einschraubtiefe zum Außen-
durchmesse r des eingeschraubte n Teils gilt: Kerbe in Richtung des Kopfes
Bild 5.10 Hammerschraub e
DIN 7992

mit fu,k [N/mm2 ] char. Wert der Zugfestigkeit des Teils mit Innengewinde
,
fu,b,k [N/mm2 ] char. Wert der Zugfestigkeit des Teils mit Außengewinde .

Solche Verbindungen kommen z.B. an Raumfachwerke n vor, wo die räumlich


ankommende n Stäbe über Gewindestück
e in Stahlkugel-Knoten mit Innenge-
winden (in die Stabrichtungen
) zusammengeführ
t werden (Fa. Mero, Würzburg).
5.3 Nachweis e 67

[1/806] Senkschrauben (Bild 5.11) werden


eingesetzt, wenn kein Schraubenkop f überste-
hen soll. Bei der Bemessun g auf Lochleibung
ist anstelle der Querschnittsdicke der größere
der beiden Werte 0,8 t oder ts einzusetzen.

5.3.6 Bolze n un d Augenstäb e Bil d 5.11 Senkschraub e

Bolzen sind konstruktiv gesehe


n echte Gelenkpunkte , für die eine gewisse Rota-
tionsfähigkeit gegeben sein muß. Al s Bolzen können Schraube n mit glattem
Schaft in der Scherfuge oder mit Splinten o.ä. gesicherte echte Bolzen (ohne
Gewinde) verwendet werden.

Augenstäbe sind Stäbe oder Formteile zur Aufnahme der Bolzen (Bil d 5.12).

[1/815] Für Bolzen ist der Nachweis auf Abscheren nach [1/804] zu führen.

[1/816+817] Für Bolzen mit einem Lochspiel Ad < 0,1 dL, höchstens jedoch 3 mm,
sind Grenzlochleibungskraf t und Grenzbiegemomen t wie folgt zu ermitteln:

Gegenübe r (1/49) ist in (1/66) der áL-


Wert abgemindert , weil wegen der not-
wendigen Rotationsfähigkei t des Bol- Bolzen Augenstäbe
zens Beanspruchunge n im plastischen
Bereich (zumindest im Gebrauchszu -
stand) stark begrenzt sein müssen.

Aus (1/67) ist für die Beanspruchbarkei t


auf Biegung ein auf 80 % abgeminderte r
Wert vorgegeben . Das größte Biegemo-
ment im Bolzen darf berechnet werden als: Beanspruchun g
des Bolzen s
maxM = F · (2t1 + t2 + 4s) / 8

Die Formel geht von über die Stabdicke


jeweils gleichmäßige r Lochleibungs-
pressung am Bolzen aus.
Lochleibungs-
Es lassen sich günstigere Werte für max M pressungen
bestimmen, wenn man die Bauteildicken
rechnerisch reduziert, oder wenn bei Biegemoment e
Paßbolzen Einspannunge n rechnerisch im Bolzen
aktiviert werden dürfen.
Bild 5.12 Bolze n un d Augenstäb e
68 5 Schraubverbindunge n

[1/817+818] Folgende Nachweise sind zu erbringen:


und M/M R ,d < l (1/68) sowie

(1/69) i n den maßgebende


n Schnitten.

Der Nachweis darf entfallen, wenn M / M R,d < 0,25 oder V a / V a R ,d < 0,25 ist.
Zu beachten ist, daß in (1/69) M maxM aus der zuvor gegebene
n Gleichung ist.

[1/814] Für Augenstäbe gelten besondere Konstruktions- und Bemessungsre


-
geln, die hier nicht wiedergegebe
n werden.

5.3.7 Vereinfachun g fü r di e Berechnun g


[1/801] In doppeltsymmetrischen I-förmigen Biegeträgern mit Schnittgrößen N,
M y und V z dürfen Schraubverbindunge n vereinfacht mit folgenden Schnittgrö-
ßenanteilen nachgewiese n werden:

Zugflansch: (1/44)

Druckflansch: (1/45)
Die Vorzeichendefinition der Schnittgröße
n N und M entspricht dabei Bild 4.1.
hF ist der Schwerpunktsabstan d der Flanschen
. Bei Laschenstößen kann hF aus Gleich-
gewichtsgründe n durch den Schwerpunktsabstan d der Laschen hL ersetzt werden.
Steg: V st = V
z (1/46)
Bei Ermittlung der Schraubenkräft
e aus Vst ist zu beachten, daß in den Steglaschen außer
der Querkraft Vst auch das Moment M* = Vst • e übertragen werden muß. e ist der Abstand
von Stoßmitte zum Schraubenschwerpunk t im Steg (siehe dazu Abschnitt 12.3).

Querschnit t Stoßbil d
Schnittgröße n
Bild 5.13 Vereinfacht e Berechnun g vo n Schraubverbindunge n an Biegeträger n

Zur "genauen" Berechnung von Laschenstöße


n siehe Kapitel 12, Abschnitt 12.3.
5.4 Ausgewählte Tabellenwerte für Schrauben 69

5.4 Ausgewählt e Tabellenwert e fü r Schraube n


Tab. 5.8 Querschnittswert e un d Beanspruchbarkeite n fü r Schraube n ohn e Passun g

Querschnittswerte Nenndurchmesser
für Schrauben ohne Passung
M12 M16 M20 M24 M27 M30 M36
Vorspannwerte für Festigkeitsklasse 10.9
2
Schaftquerschnitt A
S ch [mm ] 113 201 314 452 573 707 1018
Spannungsquerschnitt A
Sp [mm ] 84 157 245 353 459 561 817

Vorspannkraf t (10.9) Fv [kN ] 50 100 160 220 290 350 510

Anziehmoment (M0S2) Mv [Nm] 100 250 450 800 1250 1650 2800
A B S C H E R EN 1
Scherfuge Form / Festigkeit Grenzabscherkraft V a , R ,d [kN ]

SL 4.6 24,7 43,9 68,5 98,6 125,0 154,3 222,1


glatter Schaft
i n der Scherfuge SL/SLV 10.9 56,5 100,5 157,0 226,0 286,5 353,5 509,0

SL 4.6 18,3 34,3 53,5 77,0 100,2 122,4 178,3


Gewinde
SL/SLV 8.8 36,7 68,5 106,9 154,0 200,3 244,8 356,5
i n der Scherfuge
SL/SLV 10.9 33,6 62,8 98,0 141,2 183,6 224,4 326,8

L O C H L E I B U N G

Längsabstand Bei- Grenzlochleibungskraft V 1 , R ,d [kN ] t = 10 mm; S 235


wert
vom Rand untereinander Voraussetzung
: Querabstand vom Rand e2/dL > 1,5
e1/dL e/dL á1 Querabstand untereinande
r e3/dL > 3,0

2,0 2,5 1,90 49,8 66,3 82,9 99,5 111,9 124,4 149,2

2,5 3,0 2,45 64,2 85,5 106,9 128,3 144,3 160,4 192,4

3,0 3,5 3,00 78,6 104,7 130,9 157,1 176,7 196,4 235,6

ZUG
Ausführungsfor m Vorsp. / Festigkeit Grenzzugkraft N R , d [kN ]

4.6 22,4 39,9 62,3 89,7 113,7 140,2 201,9


Schrauben mit
5.6 28,0 49,8 77,9 112,1 142,1 175,3 252,4
kurzem Gewindeteil
V 10.9 61,0 114,2 178,2 256,7 333,8 408,0 594,2

4.6 16,7 31,1 48,6 70,0 91,0 111,3 162,0


Schrauben mit
langem Gewindeteil 5.6 20,8 38,9 60,7 87,5 113,8 139,1 202,6
und Gewindesta ngen
V 8.8 44,4 83,0 129,6 186,7 242,8 296,7 432,1
70 5 Schraubverbindunge n

5.5 Beispiel e

5.5.1 Flachstah l mi t einschnittige m Anschlu ß


Zugstab und Schraubanschlu
ß sind nachzuweisen
.
Zugkraft (Gebrauchslas
t = charakteristische
r Wert der Einwirkung) allein aus Wind: Nk = 70 kN.
: 2 x M20, 4.6 (DIN 7990), Lochspiel 2 mm.
Werkstoff: S 235. Schrauben
A Schnit t A-A

Einwirkunge n
Eine veränderliche Einwirkung: ãF = 1,50
Bemessungswer
t für die Einwirkung = Beanspruchun
g des Zugstabes und des Anschlusses
:
NS,d = 1, 50 • 70 = 105 kN

Zugstab Fl. 80x8 Bezüglich der Bemessun


g von Zugstäben siehe Kapitel 7!
Brutto-Querschnitt
: A
Brutto = 0,8 · 8, 0 = 6, 40 cm2
Netto-Querschnitt
: A
N e t to = 0,8 · (8,0-2,20) = 4,64cm2

d ist also der Nachweis im lochgeschwächte


Maßgeben n Querschnitt (Netto-Querschnitt)
:

oder

Schraubenabstände
2 x M20, 4.6 (glatter Schaft in der Scherfuge = Regelausführun
g im Stahlbau).
Schraubendurchmesser
: dSch = 20 mm; Lochspiel: 2 mm.
5.5 Beispiele 71

Lochdurchmesser
: dL = 20 + 2 = 22 mm
Überprüfung der Einhaltung der Grenzwerte für die Abstände gemäß Tab. {1/7} :
längs untereinander
:

längs zum Rand:

quer zum Rand:

Ausführlicher Nachweis für die Schrauben


Abscheren:
Schraube 4.6:

Schraube dsch = 20 mm:

Grenzscherkraft
:

Nachweis:

Lochleibung:

Genaue Bestimmung des á1-Wertes:


Wegen
kann der Größtwert maxá1 = 3,0 nicht verwendet werden.
Mi t
und mit
Maßgeben
d also:
Damit wird
t = 8 mm; dSch- 20 mm:

Nachweis:

Vereinfachter Nachweis der Schrauben mit Tabellenwerten


Abscheren: Mit Tabelle 5.8:

oder
72 5 Schraubverbindunge n

Lochleibung: Schraubenabständ
e wie oben.
Mi t Tabelle 5.8: Es ist e1/dL > 2,0 und e/dL > 2,5 und e2 /d L > 1,5.
Anwendbar ist die Zeile für á1 = 1,9:
Damit

oder

5.5.2 Flachstah l mi t zweischnittige m Anschlu ß


Für den dargestellte
n Zugstab und seinen Schraubanschlu ß ist die Beanspruchbarkei t NR,d zu
berechnen g allein aus Windlast resultiert?
. Wie groß ist zul Nk, wenn die Beanspruchun
zul Nk ist der Wert für die größte übertragbar
e Gebrauchslast,die sich aus NR,d errechnen läßt.
n 4 x M20, 4.6 (DIN 7990). Lochspiel 2 mm.
Werkstoff: S 235. Schraube

Zugstab: Wie zuvor ist ABr/AN > 1,20, also ist der Nachweis im Nettoquerschnit
t maßgebend
.

Die Laschen werden nicht maßgebend


, weil tL aschen > tStab
Schrauben: 2 x M20, 4.6, zweischnittig.
Abscheren: Mit Tabelle 5.8 (wie zuvor):

Lochleibung: e/d-Werte wie zuvor, nur e1/dL = 44/22 = 2,0 (was im Ergebnis nichts ändert
Mi t Tabelle 5.8 und á1 = 1,9 (wie zuvor):
N ÓV
R,d = l,R,d = 2 · 1, 5 · 82, 9 = 248, 7 kN
Eine genauere Nachrechnung bezüglich der Lochleibung mit exaktem á1-Wert ist nicht notwer
dig, weil die Beanspruchbarkei
t des Zugstabes maßgeben d wird.
5.5 Beispiel e 73

Insgesamt: Die größte Beanspruchbarkei


t v on Zugstab und Anschluß ist also

Wenn die Belastung nur a us Windlasten resultiert, ist ãF = 1,5.


e Größe für die Einwirkung:
Damit w i r d die zulässige charakteristisch
zul N k = 227, 8 / 1 ,5 = 151, 9 152 kN

5.5.3 Winke l mi t Schraubanschlu ß


Der Schraubanschlu
ß eines Winkels ist zu entwerfen, rechnerisch n a c h z u w e i s n
e u nd maßstäblich
aufzuzeichnen
.
Es soll ein Einschrauben-Anschlu
ß wi e auch ein Anschluß mit 2 Schrauben ausgeführt w e r d e n,
wobei die Anschlußlänge n möglichst kurz gehalten w e r d en sollen.
Zugstab: L 100x50x10, Knotenblech t = 10 m m.
Werkstoff: S 235. HV-Schrauben 10.9 (DIN 6914).
Zugkraft (Gebrauchslas
t = charakteristische
r Wert der Einwirkung) allein aus Wind: N k = 105 kN.
L 100x50x10: größtmöglicher Lochdurchmesse r (nach Profiltabelle): dL = 25 m m.
Gewählt: HV M24 (10.9), dL = 26 m m.

Einschrauben-Anschluß
Verbände w e r d en in d en Schraubanschlüsse
n gewöhnlich mit 2 mm Lochspiel ausgeführt. Der
eine Millimeter Überschreitung des angegebene n größten Lochdurchmesser
s w i r d toleriert.

Stabkraft :

Zugstab:

oder

A b s c h e r e n:

oder

Lochleibung:

Anmerkung: Bei Einhaltung des Wurzelmaße


s und des Größtdurchmesser
s der Schraube
n aus
den Tabellen ist stets e2/dL > 1,5.
Gewählt: e1 = 80 mm;e1/dL = 80/26 = 3,08 > 3,0
Daraus folgt, daß maxá1= 3,0 verwendet werden kann (hierfür muß also der Randabstan
d in Kraft-
richtung e1/dL ˆ 3,0 sein, also e1 ˆ 78 mm). Mi t t = 10 mm wird:

Dann gilt: und


74 5 Schraubverbindunge n

Winke l mi t Mehrschrauben-Anschluß
Gewählt: 2 Schrauben HV M20 (10.9)

Zugstab:

80 % Abminderung auf den Vollquerschnitt


zur Berücksichtigung der Ausmittigkeit:

Abscheren:

Lochleibung: e / dL = 5 5 / 22 = 2,50 > 2,5 u nd e1/dL = 4 5 / 22 = 2,05 > 2,0

Daraus mit Tabelle 5.8 für á1 = 1,9:

A n m e r k u n g: Der genaue Wert ist á1 = 1,93 u nd damit V1/V1,R,d = 0,933 < 1.

5.5.4 Mehrreihige r Sto ß


Zugstab u nd Schrauben sind nachzuweisen
.
Gebrauchslaste
n = Charakteristisch
e Werte d er Einwirkungen:
aus ständiger Last: Gk = 212 k N,
aus Verkehr: Qk , l = 230 kN,
aus Wind: Qk , 2 = 88 k N.
Werkstoff: S 235. Schrauben
: 8 x M24, 4.6 (DI N 7990), Lochspiel 1 m m.
2 Fl. 220x10-35 5

Bemessungswerte der Einwirkunge n (Stabkraft):


N = 1,
G r u n d k o m b i n a t i on 1: s, d 35 · 212 + 1, 5 · 0, 9 · (230 + 88) = 715, 5 kN (maßgebend
)

G r u n d k o m b i n a t i on 2:
5.5 Beispiele 75

Zugstab:

Der Zugstab ist auf den Netto-Querschnit


t nachzuweisen
!

oder

Laschen: Wegen ÓtLaschen = 21,0 = 2,0 cm >tStab= 1/8 cm sind die Laschen nicht maßgebend
und brauchen nicht nachgewiese n zu werden.
Schrauben: 4 x M24 (4.6): Beanspruchun
g je Schraube (2-schnittig):
V a = V1 = 715,5/4 = 178,9 kN
ÓV
Abscheren: a,R,d = 2 · 98,6 = 197, 2 kN > Va = 178,9 kN

oder

Lochleibung: Lochabstände
: e/dL = 75/25 = 3,00 Tabellenwert á1 = 2,45
e1/dL = 50/25 = 2,00 maßgeben d für Tabelle: á1 = 1,90
e2 /dL = 55/25 = 2,20 > 1,5 also Tabelle anwendbar !
e3 /dL = 110/25= 4,40 > 3,0 desgl.
Nach Tabelle:

oder

Die genaue Berechnun


g á1 = 1,1 · e1 /d L - 0, 3 = 1,1 · 2, 0- 0,3 = 1, 90 führt hier natürlich zu
genaudemselbenErgebnis, weil der e1/dL-Wert genau den Grenzwert in der Tabelle trifft .
Der Anschluß ist also zu 100 % ausgenutzt
.

5.5.5 Fachwerkknote n
Die Anschlüsse der Diagonalen an das Knotenblech des Fachwerkträger
s sind nachzuweisen
.
Charakteristisch
e Werte der Einwirkungen:
Belastung aus: ständige Last Verkehr
Obergurt links -72 -108 kN
Obergurt rechts -120 -180 kN
Diagonale links -34 -51 kN
Diagonale rechts +34 +51 kN
Werkstoff: S 235. Schrauben
: M16, 4.6 (DIN 7990), Lochspiel 1 mm.
Für den Nachweis des Anschlusse
s der Druckdiagonale
n ist die Auswirkung der Ausmitte Stab-
achse-Schraubenachse zu untersuchen!
76 5 Schraubverbindungen

Schnittpunkt der Netzlinien Schnit t A-A

Beanspruchungen der Diagonalen


Stabkräfte: NS,d = 1, 35 • 34 + 1, 50 51 = 122, 4 kN (Zug bzw. Druck)

Zugdiagonale 2 x Fl. 60x8

Zugstab: 1, 40 > 1, 20 Nachweis Netto-Querschnitt


!

oder

Schrauben: 2 x M16, 4.6 (glatter Schaft)


Abscheren:

oder

Lochabstände
:
Tabelle 5.8 mit a1 = 1,9

Lochleibung:

oder

oder genau á1 = 1,965 und damit


5.5 Beispiele 77

Druckdiagonale 2 x L 70x7

Druckstab: Nachweis Brutto-Q.

I m Anschlußbereich ist für d en Stab kein besondere


r Nachweis erforderlich, weil d er Nachweis
als Druckstab (Knicknachweis) i m Fachwerk-Syste m ungünstiger ist.
Schrauben
: Beanspruchun ) einer Schraube M16 quer z ur Schraubenachse
g (Bemessungswert :
I n Längsrichtung:

I n Querrichtung:

Insgesamt
:

Abscheren:

Lochleibung:

5.5.6 Sto ß eine s 1/2-IPE 240


Zugstab u nd Schraubsto
ß sind nachzuweise
n für die Gebrauchslaste
n
aus ständiger Last N g = 50 kN,
aus Schneelas t N s = 90 kN.
Werkstoff: S 235. Schrauben
: M16, 4.6 (DIN 7990), Lochspiel 1 m m.

2 x Fl. 70x6 - 240


1/2 IPE 240

Fl. 120x10-240

Stab:
78 5 Schraubverbindunge n

Laschen: ASteg = 2 • 0, 6 • 7, 0 = 8, 40 cm2

Flansch = 1 ,0 · 12,0 = 12, 00 cm2

insgesamt: A
Brutto = 8, 4 0 + 12, 00 = 20, 4 0
cm2
A
Netto = 20, 40 - 1, 7 · 2 · (0, 6 + 1, 0) = 14, 96 cm2 (maßgebend!
)

Aufteilung der Stabkraft im Verhältnis der Bruttoflächen der Laschen:

Nachweis der Laschen ist nicht erforderlich, weil A L a g c h e n> A S t ab u nd der S c h w e r p u n kt der
Laschen etwa mit d em Schwerpunkt des Stabes zusammenfällt.
Steg: 2 x M16, 2-schnittig.
Abscheren: V 83, 4 /4 = 20, 85 kN < V.a,R,d 43, 9 kN
a,S,d
Lochleibung: e / dL = 5 0 / 17 = 2,94 > 2,5
e 1 / dL = 3 5 / 17 = 2,06 > 2,0
e 2 / d L = 3 5 / 17 = 2,06 > 1,5 Tabelle 5.8 mit á1 = 1,90.

V 1, S, d = 83, 4 /2 41, 7 kN = ca. V1, R, d = 0,62 · 66, 3 = 41,1 kN

Da die Reserven bei d en e/d-Werten nicht ausgeschöpf


t sind, ist die geringe Überschreitung des
Widerstands gegen Lochleibung unbedenklich, wi e nachfolgende Rechnung zeigt:
Genau wird: á1 = 1, 1 · 2, 06 – 0, 3 = 1, 966 u nd V1, R, d = 0, 62 • 1, 6 • 1, 966 • 2 4 / 1, 1 = 42, 55 kN

Flansch: 4 x M16, 1-schnittig.


Abscheren: V 119, 1/4 = 29, 8 kN < Va, R, d = 43, 9 kN
a,S,d
Lochleibung: e/d L = 50/1 7= 2,9 4 > 2, 5
e1/d L= 35/1 7= 2,0 6> 2, 0
e 2 /d L=26/17 = 1,5 3> 1, 5 Tabelle 5.8 mit á1 = 1,90.

V 119, 1/4 29, 8 kN < V1, R, d = 0, 98 • 66, 3 = 65, 0 kN


l,S,d
Es ist darauf zu achten, d aß die Lage des Schwerpunkts des gestoßene n Stabes einerseits u nd der
Stoßlasche n andererseit s möglichst n a he beieinanderliegen
. Sonst ist aus Gleichgewichtsgründe n
eine Aufteilung entsprechen d den Hebelarmen der Laschen zur Schwerlinie des Stabes erforder-
lich.
I m Beispiel liegt der Schwerpunkts der Laschenquerschnitt
e ca. 26 mm v om u n t e r en Stabrand
entfernt, also n ur 0,3 mm ausmittig zur Stabachse
.
5.5 Beispiel e 79

5.5-7 Sto ß eine s HEB 260 mi t HV-Schraube n


Zugstab u nd Schraubsto
ß sind für zwei unterschiedliche Lastkombinatione
n nachzuweisen
.
Fl. 260x20
480 Ig.

_FI. 260x20
480 Ig.

Gebrauchslasten
: Lastkombination 1 Lastkombination 2
aus ständiger Last N g = 450 kN N g = 450 kN
aus Verkehr N p = 900 kN N p = 1200 kN
Werkstoff: S 235. Schrauben: HV-M24, 10.9 (DIN 6914), Lochspiel 1 mm.
Für Lastkombination 2 soll nur der Steglaschensto
ß um jeweils eine Schraubenquerreih
e ergänzt
werden.

Lastkombination 1
Stoßausführung: Stegstoß
: 4 Schraube
n - Flanschstoß
: je 6 Schraube
n HV-M24.
Stab:

Laschen: ASteg = 2 • 0, 8 • 17, 0 = 27, 2 cm2

A =
F l a n s ch 2 · 2, 0 · 26, 0 = 104, 0 cm2

insgesamt
: A L a s c h en = 27, 2 + 104, 0 = 131, 2 cm2
Aufteilung der Stabkraft im Verhältnis der Bruttoflächen der Laschen:

Steg:

ÓN
Flanschen
: Flansch = 1958-406 = 1552 kN
80 5 Schraubverbindunge n

je Flansch: N F l a n s ch = 1552/2 = 776 kN

Nachweis der Laschen ist nicht erforderlich, weil A L a s c h en > A S t ab


Nachweis der Schrauben in Steg- und Flanschverbindungen
Steg: 4 x HV-M24, 2-schnittig. Lochspiel 1 mm. Stegdicke: 10 mm.

Abscheren: Va, S, d =406/ (2 · 4) = 50, 8 kN

Lochleibung: e/dL = 70/25 = 2,80 > 2,5


e1/dL = 50/25 = 2,00 = 2,0
e2 /d L = 45/25 = 1,80 > 1,5
e3 /d L = 80/25 = 3,20 > 3,0 Tabelle 5.8 mit á1 = 1,90

Reserven im Nachweis sind nicht vorhanden. Eine 2 %-ige Überschreitun


g des Grenzwerts wird
üblicherweise noch geduldet.
Flansch: 6 x HV-M24, 1-schnittig.

Abscheren: Va, S, d = 776/6 = 129, 3 kN


a, S, d

Lochleibung: e/dL = 70/25 = 2,80 > 2,5


e1/dL = 50/25 = 2,00 = 2,0
e2 /d L =60/25 = 2,40 > 1,5
e3 /d L = 140/25 = 5,60 > 3,0 Tabelle 5.8 mit á1 = 1,90

V = 7 7 6 /6 = 1 2
l,S,d 9, 3 kN

Lastkombination 2
Stoßausführung: Stegstoß
: 6 Schraube : je 6 Schraube
n - Flanschstoß n HV-M24.
Stab:

wie zuvor: NR, d = 2500 kN

ASteg
Laschen: wie zuvor = 27, 2 cm2 A
Flansch = 1 0 4, 0 c m 2

A
insgesamt
: Laschen = 27, 2 + 1 0 4,
0= 1 3 1, 2 c m 2

Aufteilung der Stabkraft im Verhältnis der Bruttoflächen der Laschen:

Nachweis der Laschen ist nicht erforderlich, weil A L a s c h en > A S t ab


5.5 Beispiele 81

Der kritische Nachweis w ar für Lastkombination 1 die Lochleibungsbeanspruchun


g i m Steg. Hier
ist eine zusätzliche Schraubenquerreihe erforderlich (damit n = 6):

5.5.8 Anschlu ß eine s Doppel-U-Profil s mi t HV-Schraube n


Zugstab u nd Schraubanschlu
ß sind nachzuweise
n für die Einwirkungen a us Gebrauchslasten
:
aus ständiger Last N g ,k = 400 kN
aus Schneelas
t Nq,kl = 500 kN
aus Verkehrslas
t N q , k2 = 1200 kN
Werkstoff: S 235. Schrauben
: HV-M27, 10.9 (DIN 6914), Lochspiel 1 m m.

Schnit t A-A

Stab, wie zuvor: NS,d = 1, 35 · 400 + 1, 50 · 0, 9 · (500 + 1200) = 2835 kN


N = 2 ·
Netto [ 7 7 , 3 - (3 · 2,8 · 1,4)] = 131, 1 cm2
A B r / A N = 2 · 77, 3/131, 1 = 1,179 < 1,20

Also: Nachweis ohne Berücksichtigun


g des Lochabzug
s erlaubt.

Nachweis:

Di e zu ü b e r t r a g e n d
e Kraft wir d auf alle Schrauben gleichmäßig verteilt; diese A n n a h me liegt
bezüglich d er Beanspruchbarkei t auf Lochleibung auf d er sicheren Seite. Die erforderliche
Schraubenzah l wir d errechnet u nd mit d er v o r h a n d e n e
n Schraubenzah
l verglichen:
Erforderlich e Schrauben-Zahl, HV M27 (10.9):
Mi t Tabelle 5.8 auf Abscheren: erf n = 2835/286,5 = 9, 90 < 18 = vorh n
auf Lochleibung für e1/dL > 2,0: mit á1 = 1, 90 erf n = 2 8 3 5 / ( 1 ,4 · 111, 9) = 18,1 > 18
82 5 Schraubverblndunge n

Benutzt man nur die Tabellenwerte, so kann hier der Nachweis ausreichende r Tragsicherheit nicht
erbracht werden. Die Überschreitun g ist allerdings nur 0,55 % und damit zweifellos hinnehmbar.
Trotzdem soll nachfolgend ein genauere r Nachweis geführt werden.
Der á1-Wert für die maßgebend e (linke) Schraubenreih e wird genau berechnet:
e/dL =100/28 = 3,57 > 3,5
e1/dL = 60/28 = 2,143 maßgeben d
e2/dL nicht relevant, wegen ausgesteifte
m Rand
e3 /d L = 100/28 = 3,57 > 3,0
Maßgebend
:

Die Tragsicherhei
t ist ausreichend
.

Die rechnerische Tragfähigkeit läßt sich voll ausnutzen


, wenn man für jede Schraubenreih
e den
ihr eigenen á1-Wert berechne
t und die Einzelwerte der Beanspruchbarkeite n addiert:
Linke Reihe: : á1 = 2,057 (s.o.) V1, R, d = 1,4 • 2, 7 • 2, 057 • 24/1,1 = 169, 7 kN
maßgebend
Mittelreihe: e/dL = e3 /d L > 3,5: á1 = 3,0 V1, R, d =1, 4 • 2, 7 • 3, 0 • 24/1, 1 = 247, 4 kN
Rechte Reihe: maßgebend
: á1 = 2,057 (s.o.) V1, R, d = 1,5 • 2, 7 • 2, 057 • 24/1, 1 = 181, 8 kN

Damit:

Abscheren: für die Schraube


n der Mittelreihe.

5.5.9 Aufgehängte r Träge r Schnit t A-A


Für den dargestellte n Anschluß der
sich kreuzende n Träger HEB-240
und IPE 240 (beide S 355) ist der
Grenzwert für die Anhängelas t FR,d HEB-240 HEB-240
(= Bemessungswer t der Bean- (S 355) 4 x M16 - w = 120
spruchbarkeit ) zu bestimmen :
a) für einen Anschluß mit Roh-
schraube n 4.6 (DIN 7990), wie dar- 4 x M16 - w = 68
gestellt,
IPE 240 IPE 240
b) für einen Anschluß mit HV- (S 355)
Schraube n 10.9 (DIN 6914).
c) Für die Schraubenkraf t NS,d =
= 40 kN ist die Lasteinleitung in den 120 68
Träger IPE 240 zu untersuchen .
Man beachte, daß für die eindeutige Darstellung des Anschlusse
s jede der beiden Einzeldarstel-
lungen genügt. Das Wurzelmaß w legt den Schraubenabstan d in Tiefenrichtung eindeutig fest!
a) Anschluß mit Rohschrauben M16
Für zugbeansprucht
e Schraube
n (mit kurzem Gewinde) gilt der Doppelnachweis
:
5.5 Beispiele 83

e M16 (4.6) ist:


Maßgebend für die Rohschraub
Für d en gesamten Anschluß (4 x M16) gilt:

b) Anschluß mi t Schrauben HV-M1 6 (10.9)


Hier gilt entsprechend
:

Maßgebend für die Schraube HV-M16 (10.9) ist: N R / d = 114,2 114 kN


Für d en gesamten Anschluß (4 x HV-M16) gilt: F R , d = 4 114 = 456 kN
Di e Grenzzugkräfte N R , d für die Schrauben können auch direkt aus Tab. 5.8 e n t n o m m en w e r d e n.
Der Zuganschluß mit HV-Schrauben (10.9) weist etwa 3,8 mal so h o he Beanspruchbarkei
t wi e
der Z u g a n s c h l uß mit Rohschraube
n (4.6) auf.
U m Klaffungen zwischen d en sich kreuzenden Trägern i m Anschlußbereic
h zu vermeiden, ist es
zweckmäßig, die auf Z ug beanspruchte n HV-Schrauben planmäßig mit der Vorspannkraft Fv
(siehe Tab. 5.8) v o r z u s p a n n e.n

c) Lasteinleitung i n den Träger IPE 240 (S 355) für eine Schraubenkraft N R , d = 40 kN

Es m uß zusätzlich untersucht w e r d e n, ob die am Träger IPE 240 auftretenden Zug-, Biege- u nd


Schub Spannunge n die Beanspruchbarkeite n nicht überschreiten.
Biege- u nd Schub Spannunge n im Flansch. Bei den Schrauben wir d eine Lastausbreitun g für die
mittragende Breite b m v on d en U-Scheiben w eg unter 1:2,5 a n g e n o m m n e (siehe hierzu Abschnitt
12.1). M a ß g e b e nd ist die Stabfase
r i (siehe Schnitt) am Beginn der A u s r u n d u ng des Walzprofils:

Nach Zeichnung: bm 130 mm W = 13 · 0, 9 82 / 6 2 ,1 c m3


M o m e nt an der Faser i: M = 40 • 1, 6 = 64 kNcm
Biegespannung
:
Schub Spannung:
Die Aufnahme der Zugspannun
g im Steg ist offensichtlich kein Problem; ohne weiteren Nachweis.

Draufsich t Schnit t
durch den angehängten Träger

Aus der v o r a u s g e g a n g e nne Rechnung sieht man, d aß die Aufnahme der möglichen Schrauben
-
kräfte 114 kN für HV-M16 nicht ohne wesentliche Verstärkungen u nd Aussteifungen möglich ist.
84 5 Schraubverbindunge n

Zu beachten ist auch, daß im Oberflansch des angehängten Trägers aus übergeordneter Bean-
spruchung Zugspannunge n entstehen, die mit den berechnete
n örtlichen Spannungen zu Ver-
gleichsspannunge n überlagert werden müssen. Dies kann die Ausnutzbarkeit herabsetzen
!

5.5.10 Ankerschraube n un d Stütze n eine r Schilderbrück e

QR 200x10

Schil d

CD
Ansich t

17.000 '
Seitensich t

Bl 300x25-120 0

Schnit t A-A

Für eine Schilderbrücke sind die Ankerschrauben am Stützenfuß zu bemessen


. Es sollen Rund-
stäbe mit aufgerolltem Gewinde, Güte 5.6 (BSt500S), verwendet werden.
Die Stütze HEB 220 ist am Stützenfuß nachzuweise
n (Stabilitätsuntersuchun
g nichterforderlich!).
Gebrauchslaste
n (= charakteristisch
e Größen der Einwirkungen):
Eigenlasten
: Stützen und Riegel,
Stützenfüße je: 2,0 kN,
Verkehrsschild: 6,0 kN.
Die Ausmitte von Verkehrsschild und Riegeln gegen die Stützenachs
e von 21 cm ist zu beachten
!
Windlast: w = 1,25 kN/m2 , maßgeben
d Wind von rechts.
Windangriffsfläche: Stützen, Riegel, Schild.
Die Berechnun g der Zugkraft in den Ankerschrauben soll vereinfacht so erfolgen, daß das Fuß-
moment in ein Kräftepaar mit 900 mm Abstand zerlegt wird und die Normalkraft (Druckkraft)
zur Hälfte der Zug- bzw. der Druckseite zugeschlagen wird. Die Betonpressun g ist auf 1/4 der
Fußplatte zu verteilen. (Zu den Rechenannahme n siehe Abschnitt 11.1.4.)
5.5 Beispiele 85

Ankerschraube
n
Charakteristisch
e Größen der Einwirkungen (Gebrauchslasten)
:
Schild: Gk = 6,0 kN
QR 200x10: Gk = 2 · 17 · 0,60 = 20,4 kN ausmittig angreifend insges. 26,4 kN
HEB 220: Gk = 2 · 7,0 · 0,72 = 10,1 kN
Gewicht der Fußkonstruktion (2 x): 4,0 kN
Gesamtgewich
t der Stahlkonstruktion:ca
. 40,5 kN, je Stütze: ca. 20,25 kN.
Maßgebend ist Lastfall "Win d von rechts", weil hier die Momente aus Eigenlast (Schild + Q-Rohr)
i m gleichen Sinn wirken. Weil die ständigen Lasten bezüglich der Ankerschraube n entlastend
wirken, ist für deren Bemessun g die Einwirkungskombination mit ãF,G = 1,0 zu untersuchen !
Bemessungswert
e der Einwirkungen (Grundkombination) am Stützenfuß:
N S ,d = 1,0 · 20,25 = 20,25 kN (Druckkraft)
M S ,d = 1,0 · 26,4/2 · 0,21 + 1,5 · 1,25 · (2,0 · 6,0 · 6,0 + 2 · 0,2 · 2,5 · 6,0 + 0,22 · 7,02 /2) = 159,0 k Nm
Aufteilung des Moments in Zug u nd Druck, gewählter H e b e l a rm = Schraubenabstan
d = 0,9 m.

Zugkraft in einer Schraube: N S ,d = 0,5 • (159/0,9 - 20,25/2) = 83,3 kN


Gewählt: Ankerschraube n M24, 5.6: N R , d = 87,5 kN N / N R , d = 83,3/87,5 = 0,95<1
Zur Berechnung der Betonpressun
g wirken die ständigen Lasten belastend, daher: ãF,G = 1,35.

N S ,d = 1,35 · 20,25 = 27,4 kN (Druckkraft)


M S ,d = 1,35 · 26,4/2 · 0,21 + 1,5 · 1,25 · (2,0 · 6,0 · 6,0 + 2 · 0,2 · 2,5 · 6,0 + 0,22 · 7,02 /2) - 1 6 0 k Nm

fürBetonC20/25

S t ü t z en
Auch für d en Nachweis der Stützen ist die Einwirkungskombination mit ãF,G = 1,35 maßgebend
.
Nachweis E-E:

Der Nachweis ist nicht erfüllt. Bei Berücksichtigung örtlicher Plastizierung mit (1/38) wir d jedoch:

oder ó/óR, d = 19, 3 7 / 2 1, 82 = 0,89 < 1

Nachweis E-P:
N
pl,d = 1 9 9 0 k N N S / d/ N pl = 27,4/1990 = 0,014 < 0,1 ( Nachweis o h ne Interaktion)
Mpl,d = 180 k N m M S , d/ M p l , d = 160/180 = 0,89 < 1 (Querkraft spielt keine Rolle)
A n m e r k u n g e n:
1) Wegen der geringen Normalkraft entfällt hier der Knicknachweis. Ein Nachweis ausreichende
r
Sicherheit gegen BDK ist jedoch noch erforderlich! Behandlung erfolgt später.
2) Die b / t - W e r te sind für Walzprofile in S 235 für reine Biegung bei allen Nachweisarte
n einge-
halten. Di e sehr kleine Normalkraft hat hierauf keinen Einfluß.
86 5 Schraubverbindungen

5.5.11 Schrä g belastet e Schraube n

Die HV-Schraube
n des Zugstab-Anschlusse
s sind zu bemessen
.
Die Schrauben sollen so ausgeleg t werden, daß der Querschnitt IPE 240 des Zugstabes auf die
Normalkraft N voll ausgenutz t werden kann (die Schweißnäht
e sollen voll durchgeschweißt und
die Nahtgüte kontrolliert werden).
Werkstoff: S 235 JR G2.
Zugstab:

je Schraube
:

Gewählt: HV-M24, 10.9 (SLV-Verbindung, d.h. planmäßige Vorspannung)


.

Nachweis:

Ein Nachweis auf Lochleibung erübrigt sich bei den großen Blechdicken.
Ein Nachweis der Schweißnäht e ist bei der o.g. Ausführungsar
t (durchgeschweißt
e Nähte, kon-
trolliert) nicht erforderlich.
Beim Konstruieren ist darauf zu achten, daß das obere Schraubenpaa
r auch wirklic h eingezoge
n
werden kann! Es ist erlaubt, die HV-Schraube n am Kopf anzuziehen.
6 Schweißverbindunge n
6.1 Schweißverfahre n

6.1.1 Allgemeine s
Unter Schweißen versteht man "das Vereinigen von Werkstoffen in der Schweiß-
zone unter Anwendung von Wärme u n d / o d er Kraft mit oder ohne Schweißzu-
satz. Es kann durch Schweißhilfsstoffe , z.B. Schutzgase, Schweißpulver oder
Pasten ermöglicht oder erleichtert werden. Die zum Schweißen notwendige Ener-
gie wi r von außen zugeführt" (DIN 1910 Teil 1).

Schweißverbindunge
n sind ohne Zerstörung nicht lösbar.Man unterscheidet
:
• Preßschweißverfahre
n (Vermischung durch Druck),
• Schmelzschweißverfahre n (Vermischung des örtlich aufgeschmolzene
n
Bauteilwerkstoffs mit dem abgeschmolzenen Zusatzwerkstoff).
In der Stahlbau-Werkstat
t ist die Schweißverbindun
g die weitaus am häufigsten
angewandte Verbindungsart .

Auf Baustellen ist die Schweißverbindung gegenübe r der Schraubverbindung oft


wirtschaftlich im Nachteil wegen der erschwerte n Zugänglichkeit (Gerüst,
Schweißen in Zwangslagen) , des erforderlichen Schutzes vor unerwünschte n
Umwelteinflüssen (Feuchtigkeit, Wind, Kälte, Schmutz) u nd der geforderten
hohen Qualifikation des Personals (Schweißer / Schweißaufsichtsperson).

Die Anwendung automatische


r Schweißverfahre n kann die Wirtschaftlichkeit der
Schweißverbindun
g in der Werkstatt und auf der Baustelle wesentlich erhöhen.

6.1.2 Preßschweißverfahre n
Die Werkstücke werden an der Nahtstelle bis zum oberflächlichen Aufschmelzen
erhitzt und ohneZusatzwerkstoffeunter Druck miteinander verschweißt. Die wich-
tigsten Verfahren sind:
• Feuerschweiße n im Schmiedefeuer . Dieses schon Jahrtausende bekannte
Verfahren ist kaum kontrollierbar und im Erfolg wesentlich vom Können
des Schmieds abhängig. Im Stahlbau ist das Verfahren nicht zugelassen
.
• Gas-Preßschweißen
. Die Gasflamme dient als Wärmequelle.
• Lichtbogenbolzenschweißen . Ein durch Kurzschluß eines elektrischen
Stromkreises erzeugter Lichtbogen zwischen Bolzen und Werkstück
erzeugt die zum Aufschmelzen von Bolzenende u nd Werkstück erforder-
liche Wärme. Der Bolzen wir d in das werkstückseitige Schmelzba d
gedrückt. Der Schweißvorgan g wird mit einem Bolzenschweißgerä t (teil-)
automatisiert durchgeführt. - Varianten: H u b z ü n d u ng / Spitzenzündung .
88 6 Schweißverbindungen

• Elektrische Widerstandsschweißung . Erhitzt wir d gleichfalls durch Kurz-


schluß; die Werkteile werden in besondere n Vorrichtungen geführt und
zusammengepreßt . - Geeignet zum Stumpfstoße n von Stabstähle n und
kleinen Profilstählen.
• Punktschweißung . Punktförmiges Anpressen dünner Bleche bei Kurz-
schlußstrom ergibt punktförmige Verbindungen. - Große Bedeutung hat
dieses Verfahren im Karosserieba u und bei der Herstellung von Baustahl-
matten. Im Stahlbau (Leichtbau) ist die Punktschweißun g für die Verbin-
dung dünner Bleche zugelassen .
• Thermitschweißung . Die Schweißhitze wir d durch eine chemisch-exo
-
therme Reaktion von Aluminiumpulver und Metalloxid erzeugt. - Nach
diesem Verfahren werden Eisenbahnschienen geschweißt .

Bolzenschweiße n und Punktschweiße n sind im Stahlbau Sonderverfahren


, für
die im Betrieb besonder
e Zulassunge n erworben werden müssen. Andere Preß-
schweißverfahre n haben im Stahlbau keine Bedeutung.

6.1.3 Schmelzschweißverfahre n
Beim Schmelzschweißverfahren werden die Schweißfläche n aufgeschmolzen
und mit oder ohne Schweißzusat
z in flüssigem Zustandmiteinander verbunden.

Das Gasschweißen(Autogenschweißen
) ist im Stahlbau nicht mehr üblich.

Das im Stahlbau allgemein übliche Schmelzschweißverfahre n ist das Lichtbogen-


schweißen.Durch Umsatz von elektrischer Energie in Wärme wir d der Werkstoff
) Nahträndern örtlich durch den Lichtbogen
an den (evtl. hierfür vorbereiteten
aufgeschmolzen ; der als Elektrode zugeführte Zusatzwerkstof f wir d ebenfalls
durch den Lichtbogen abgeschmolze n und in die Schweißfuge gebracht. Dort ent-
steht ein gemeinsame s Schweißbad .

Man unterscheide g sowie teil- und vollmechanische


t zwischen Handschweißun n
und vollautomatische
n Schweißverfahren
.

Elektrisch e Handschweißun g mit ummantelte n Elektrode n


Handschweißun g erfolgt mittels von Hand 1 = Wurzellage
2, 3 = Decklagen
geführter Elektroden. Der Werkstoff der 4 = Kapplage (nach Auskreuzen der
Elektroden und ihre Umhüllung sind so zu Wurzellage gegengeschweißt)
wählen, daß das Schweißgut, das sich aus
der Vermischung von Elektroden- und
Grundwerkstoff ergibt, in seinen Festig-
keitseigenschaften dem Grundwerkstoff
weitgehend entspricht. Dicke Nähte (über 5
bis 6 mm) müssen mehrlagig ausgeführt
werden (Bil d 6.1). Bild 6.1 Nahtlage n bei einer V-Naht
6.1 Schweißverfahren 89

Die Umhüllung bildet beim Aufschmelzen und Verdampfen eine Gasglocke um


den Lichtbogen, die diesen stabilisiert, und ergibt eine dünnflüssige Schlacke, die
den tropfenförmig übergehende n Zusatzwerkstof f und die geschweißt e Naht
(Schmelze) vor Luftzutritt und vor allem bei dünnen Nähten vor zu raschem
Abkühlen schützt. Die Schlacke muß entfernt werden.
Nach der Art der Umhüllung unterscheide
t man (EN 499):
B Basische Elektroden. Universell verwendbar, für die meisten Positionen und Stähle
gut verschweißbar. Gute mechanisch-technologisch e Werte. Meistgebrauchter Typ!
Die Umhüllung ist hygroskopisch . Trocken lagern, evtl. vor Verwendung nach Her-
stellerangab
e trocknen!
A, RA Saure Elektroden. Ergeben ein dünnflüssiges Schweißgut und eine dünnflüssige
Schlacke; sie erlauben somit hohe Schweißgeschwindigkeite n bei gutem Nahtausse
-
hen (daher gut für Decklagen). - Nicht geeignet für Schweiße
n in Zwangslagen.
R, RR Rutilelektroden. Aufgrund des grobtropfigen Werkstoffübergangs gute Spaltüber-
brückung. Gut geeignet zum Schweiße n auch dünner Bleche, auch in Zwangslagen
.-
Nicht geeignet zum Fallnahtschweißen
C Zellulose-Typ. Gut für Zwangslagen , gute Spaltüberbrückbarkeit und guter Einbrand.
Bevorzugte Anwendung bei Fallnähten (senkrech t oder schräg gerichteten Nähten). -
In kleineren Betrieben oft der "Allround-Typ".
Sondertype
n und Mischtypen: z.B. Rutilzellulose, rutilbasische u. rutilsaure Elektroden.

Anschlußwerte für den Schzveißtransformator:primär meist 380 V. Sekundär wir d


der Strom meistens gleichgerichtet, Leerlauf-Spannun
g 50 bis 60 V, Betriebsspan
-
nung bis 40 V. Stromstärke je nach Elektroden-Durchmesse r (2,5 bis 8 mm) und
Schweißposition etwa 50 bis 500 A.
Vorteile des Lichtbogen-Handschweißens : einfache Handhabung, kleiner Geräte-
aufwand, universell anwendba r für alle Nahtformen, Schweißpositionen und bei
erschwerter Zugänglichkeit. Einfache Anpassung an Werkstoff, Nahtart, Schweiß-
lage und Schweißpositio n durch Auswahl der jeweils günstigen Elektroden.

Nachteil des Lichtbogen-Handschweißens : vom Können des Schweißers abhän-


gig. Daher ist die Ausführung nur durch geprüfte Schweißer in hierfür zugelas-
senen Stahlbauwerkstätte n (Großer oder Kleiner Eignungsnachwei s nach DIN
18800 Teil 7) erlaubt.

Schutzgasschweiße n
Das Schutzgasschweiße n (manuell oder mechanisc h ausgeführt) ist für das
Schweißen in der Werkstatt von zunehmende r Bedeutung. Ein Schutzgas strömt
aus einem Düsenkranz um die meist automatisch zugeführte blanke Elektrode.
Dies verhindert den Zutritt von Luft an Schweißba d und Lichtbogen. Die auto-
matische Drahtzufuhr wir d über die Energiezufuhr geregelt; der praktisch
unendlich lange Draht erspart die beim Elektrodenhandschweiße n auftretende n
oftmaligen Unterbrechungen . Beim Schweißen findet keine Schlackebildung statt
(Zeitersparnis!).
90 6 Schweißverbindungen

Man unterscheidet
:
• WIG-Verfahren (Wolfram-Inertgas). Die Wolfram-Elektrode, um die das
reaktionsunfähige Edelgas (Argon, Helium) ausströmt, schmilzt nicht ab
(Schmelzpunkt von Wolfram bei 3400 °C). Der ggf. erforderliche Zusatz-
werkstoff wir d vorlaufend als artgleicher Schweißstab manuell oder
mechanisiert zugeführt. Vorzugsweise angewende t zur Schweißung
dünner Bleche, im Rohrleitungs- und Behälterbau
.
• MIG-Verfahren (Metall-Inertgas). Im Gegensatz zum WIG-Verfahren ist
die lichtbogenführend
e Elektrode der Zusatzwerkstoff. Anwendung:
Schweißung hochlegierter Stähle und von Aluminium.
• MAG-Verfahren (Metall-Aktivgas). Das reaktionsfähige Schutzgas (meist
CO2, auch Mischgase mit Ar und O2) ergibt hohe Abschmelzleistun g und
tiefen Einbrand. MAG-Schweißsyste m mit Fülldraht-Elektrode
, die eine
Seele als Schlackenbildne r enthält und geringere Schutzgasmenge verwen-
det. Sehr wirtschaftliches Verfahren zum Schweißen un- und niedrig legier-
ter Stähle (Aktivgas billiger als Inertgas).
• Innershield-Verfahren mit selbstschützenden Fülldraht-Elektroden. Es
wir d eine dünne Röhrchendraht-Elektrod
e (d = 3 mm) mit einer Füllung
von Schlacken- und Gasbildner verwendet.

Beim Schutzgasschweiße n kann schon geringer Wind die Schutzgas-Abschir -


mung stören. Deshalb sind diese Verfahren im Freien (auf der Baustelle) in der
Anwendung problematisch .
Kühlwasser
umhüllte Elektrode \ Drahtelektrode
Schutzgas
Umhüllung Schutzgas
Übergang Kühlwasser
von Metall Kerndraht
und Schlacke Schutzgasmantel Zusatz-
werkstoff
Schlacke
Lichtbogen Argon Wolfram-Elektrode
Lichtbogen Lichtboger

Grunc Sehmeizbad erstarrte


werkstoff Schweißgut Schweißgut Schutzgas
geschmol- Zone Argon Schmelzbad
zene Zone
Schweißrichtung Schweißrichtung Schweißrichtung

Lichtbogen-Handschweiße n WIG-Verfahre n MIG-Verfahre n

Bil d 6.2 Hand-Schweißverfahre n

Mechanisch e Schweißverfahre n
Mechanische Schweißverfahre n sind erheblich leistungsfähiger als Hand-
schweißverfahre n und ermöglichen gleichmäßigere Nähte mit hohem Gütegrad.
Nachteilig ist, daß meist nur in Wannenlage geschweiß t werden kann, daß ein
hoher Geräteaufwan d und gründliche Nahtvorbereitun g erforderlich sind.
6.1 Schweißverfahren 91

Anwendung bei langen geraden Nähten mit oftmaliger Wiederholung, z.B. bei
Halskehlnähte n von Trägern, Kehl- und Stumpfnähte
n bei ausgesteifte
n Blech-
tafeln, wi e orthotropen Fahrbahntafeln im Brückenbau.

A m Nahtanfang und -ende ergeben sich oft Unregelmäßigkeiten , die durch Nach-
schweißen von Hand oder An- u nd Auslaufstücke (Überlängen) ausgegliche n
werden können. Es wurden zahlreiche Verfahren entwickelt (viele werkseigene
Patente). A m wichtigsten ist das in Bil d 6.3 dargestellte UP-Schweißverfahren.
• UP-Schweiße n (Unterpulver-Schweißen) . In die z.B. mit einer Kupfer-
schiene unterlegte Schweißfuge wir d von einem entlang der Fuge fahren-
den Traktorfahrwerk mit Schweißkopf Schweißpulve r gegeben u nd eine
blanke im Lichtbogen abschmelzend e Drahtelektrode zugeführt. Nach
Z ü n d u ng erfolgt
Zufuhr des Drahtelektrode Schweißnaht
Schweißpulvers automatische r Vor-
Stromanschluß schub des Fahrwerks
erstarrte Schlacke
geschmolzenes Nahtoberfläche sowie Pulverabgab e
Pulver
und Schweißdraht -
Nahtvorbereitung nachführung. Es
werden qualitativ
Grundmaterial hochwertige Nähte
Stromanschluß
\ Schweißbad erreicht; Schweißpul-
Lichtbogen ver u nd Elektroden
Unterlage Schweißpulver Schweißrichtung"
sind auf d en Grund-
werkstoff abzustim-
Bild 6.3 Unterpulver-Schweißverfahre n (UP-Verfahren )
men.
Besonders geeignet für Stumpfnähte und andere Nähte in Wannenlage ,
auch bei dicken Blechen. UP-Schweiße
n ist bei langen Nähten und häufiger
Wiederholung bis zu 30-mal leistungsfähiger als Handschweißen .

Strahlschweißverfahre n
Laserstrahlschweißen. Die zum Aufschmelzen erforderliche Wärme wir d durch
einen kohärenten , monochromatische n Laserstrahl erzeugt, der durch Lichtleit-
faser (YAG-Laser) oder Spiegel (CO2-Laser) an die Bearbeitungsstell e gelenkt
wird. Aufgrund sehr guter Schweiß- oder Schneidergebniss e (kaum Verzug, sehr
wenig Nacharbeit) wir d der Laser zunehmend eingesetzt . Im Stahlbau ist das
Laserstrahlschweiße n zugelasse n zum Fügen von CrNi-Stählen mit Wanddicken
bis 5 mm. - Einsatz z um Fertigen beliebiger Edelstahlprofile.

Elektronenstrahlschweißen. Durch Umwandlung der kinetischen Energie hoch-


beschleunigte
r Elektronen beim Abbremsen auf der Werkstück-Oberfläch e wir d
die z um Aufschmelzen erforderliche Wärme erzeugt. Verfahrens-Varianten :
Elektronenstrahlschweißen unter Vakuum (Strahlerzeuge r u nd Werkstück im
Vakuum) oder an der Atmosphäre (Strahlerzeuger im Vakuum, Werkstück an der
Atmosphäre). - Geeignet für Fügen von CrNi-Stähle bis 20 mm Wanddicke.
92 6 Schweißverbindunge n

6.1.4 Vorbereitun g un d Ausführun g vo n Schweißnähte n


Schweißarbeiten müssen sorgfältig vorbereitet und zweckentsprechen
d ausge-
führt werden. Besonders zu beachten sind dabei:
• Werkstoff und Elektrode sowie ggf. halb- oder vollautomechanisch e
Schweißverfahren den gestellten Anforderungen entsprechend auswählen.
• Zulassung von Betrieb, Schweißaufsichtsperso n und Schweißern für die
gewählten Verfahren und Bauteilabmessunge n überprüfen.
• Nahtanhäufungen beim Konstruieren vermeiden. Nähte in Seigerungszo
-
nen vermeiden bzw. beruhigtes Material verwenden. Schweißnahtfolg
e
und Schweißanweisun g festlegen.
• Beim Schweißen im Freien für Schutz vor Wind und Regen sorgen. Nur
trockene Elektroden verwenden.
• Schweißnahtkante n vorbereiten (Kehlnähte bedürfen keiner Vorbereitung).
• Schmutz, Rost, Farbe, Zunder und Walzhaut sorgfältig entfernen. Spezielle
Fertigungsbeschichtunge n dürfen überschweiß t werden.
• Nähte möglichst in Wannenlage ausführen. Werkteile unverrückbar fest-
halten. Erdung und Stromanschlu
ß herstellen.
• Bauteile entsprechen
d Bauteildicken und Umwelteinflüssen vorwärmen.
• Schweißnah t porenfrei und ohne Schlackeneinschlu
ß ausführen!
• Schweißnah t vor zu schnellem Auskühlen schützen (Baustellenschwei -
ßung in der kalten Jahreszeit problematisch!).
• Schlacke entfernen und vor neuer Schweißlage Naht putzen.
• Fertige Nähte kontrollieren: Augenschein, Nachmessen der Schweißnaht-
dicke, Überprüfen auf Einschlüsse und Porenfreiheit durch Ultraschall,
Röntgen oder Farbeindringprüfung .

6.1.5 Verformunge n un d Eigenspannunge n


Beim Schweißen treten hohe Temperature n auf. Während des Schweißen s bleibt
auf Grund der praktisch nicht vorhandene n Festigkeit in der Schweißnah t und
ihrer unmittelbaren Umgebung dieser Bereich weitgehend spannungsfrei . Beim
Abkühlen wächst die Festigkeit im Nahtbereich an, gleichzeitig tritt Temperatur-
schrumpfung auf. Diese wirkt sich entweder in Verformungen aus oder in Span-
nungen, den sog. Eigenspannungen , die auf kleinerem oder größerem Bereich
kräftemäßig eine Gleichgewichtsgrupp e bilden.

Beim Verschweiße n von Blechen mittels Stumpfnähten treten bei unbehinderter


-
Verformungsmöglichkei t Winkelschrumpfunge n auf, die je nach Nahtart und
Schweißfolge 1° bis 10° ausmachen können. Bei freien Randbedingunge n kann
man dieser Schweißverformun g durch eine entsprechend e gegengerichtet
e
"Schweißzugabe " entgegenwirken .
6.1 Schweißverfahren 93

Sofern geometrische Zwänge vorliegen, läßt sich


durch die Schweißreihenfolg e großen Eigen- Ausrichten der Werkteile
spannunge n entgegenwirken . Beim Stumpf- mit Schweißzugabe
stoß eines Blechträgers wir d man z.B. zuerst
die dicken Stumpfnähte der Gurte ausführen,
wodurch zunächst nur lokale Eigenspannun - Nach dem Schweißen
gen entstehen. Danach schweißt man die dün-
nere Stegnaht. In der Stegnaht wird es beim
Abkühlen dieser Naht Zugspannunge n geben, in
den Gurten Druck. Schweißreihenfolge
Träger
Große unkontrollierte Schweißeigenspannun -
gen nach dem Schweißen dicker Bauteile lassen
sich durch Spannungsarmglühe n in Glühöfen
bei ca. 600-650 °C abbauen. Es gibt Öfen für
Werkteile von 15 m Länge und mehr.
Rasches Abkühlen der Schweißnah t kann
wegen möglicher Versprödung (Martensit-Bil-
dung) zu wesentlichem Verlust der duktilen Ansicht Schnitt
Eigenschaft im Nahtbereich führen; dies kann
schon Rißbildung beim Abkühlen bewirken. Bild 6.4 Schweißschrumpfung ,
Schweißreihenfolg e
Gefährdet sind Nähte mit geringer Lagendicke bei Bauteilen großer Dicke, die
eine schnelle Wärmeabfuhr bewirken. Gegenmaßnahme : Vorwärmen der zu ver-
schweißende n Bauteile läßt Nähte langsame
r abkühlen,
Sofern Verspröden der Nähte vermieden wird, beeinträchtige n Schweiß-Eigen -
spannunge n bei vorwiegend ruhend beanspruchte n Konstruktionen die Tragfä-
higkeit nicht, weil Spannungsspitze n "herausplastiziert
" werden können. Anders
verhält es sich bei dynamisch beanspruchte n Konstruktionen (z.B. Kranbahnen ,
Eisenbahnbrücken) , bei denen der Betriebsfestigkeitsnachwei
s neben dem stati-
schen Nachweis auch den Eigenspannungszustände n Rechnung tragen soll.

6.1.6 Überprüfun g vo n Schweißnähte n


Überprüfe n der Schweißnahtdick e bei Kehlnähte n
Das Nachmesse n der Schweißnahtdick e kann z.B. mit Hilf e einer einfachen
Schweißnahtlehr e (Blechscheibe wie in Bil d 6.5 dargestellt) erfolgen. Die Able-
sung wir d dadurch erschwert, daß die Schweißnahtoberfläch e mehr oder weniger
uneben ausfällt. Eine Genauigkeit von ± 0,5 mm ist i.a. möglich.

Sichtprüfun g
Schon die einfache Sichtkontrolle gibt dem Fachmann Aufschluß über die Naht-
beschaffenheit. Form, Gleichmäßigkeit und Oberflächenbeschaffenhei
t sind Kri -
terien der Qualität.
94 6 Schweißverbindungen

Methodisch e Prüfun g von Schweißnähte n


Insbesonder e stark beansprucht e
oder dynamisch beansprucht e Ablesung: a ~ 10,5 mm
Schweißnäht e müssen auf Poren in
der Naht, Risse, Bindefehler, Wur-
zelfehler, Schlackeneinschlüss
e und
andere Unregelmäßigkeite n über-
prüft werden, die eine Minderung
der Tragfähigkeit ergeben können.
Bei großen Bauvorhabe n muß ein
Naht
Plan oder Vordruck den Umfang der
Prüfung festlegen; die Ergebnisse Werkteil 1
müssen protokolliert werden.
a = rechnerisch e Nahtdick e
Es gibt verschieden
e Verfahren für
B i l d 6 .5
eine zerstörungsfrei
e Prüfung. Schweißnahtlehre

All e Verfahren erfordern zur Durchführung und Interpretation der Ergebnisse


hohe Sachkenntnis !

Ultraschallprüfung . Ultraschall ist Schall oberhalb der Hörfrequenz (ca. 16000


Hz). Für die Stahlprüfung werden Frequenzbereich e 1 bis 6 MH z herangezoge n
(Medizin 0,1 bis 1 MHz). Ultraschall breitet sich geradlinig aus und wir d gebro-
chen u nd reflektiert wie Licht. Schallgeschwindigkei
t in Stahl 5900 m / s ec (in Luft
333 m/sec).

Beim Impuls-Reflexions-Verfahre n werden auf dem Bildschirm Fehlerechos


abgebildet. Mi t diesem Verfahren können auch Dopplungen im Grundmateria
l
nachgewiese n werden.

Durchstrahlungsprüfung . Röntgenstrahle n sind elektromagnetisch e Schwin-


gungen von sehr kleiner Wellenlänge (10-6 bis 10-8 mm), daher sehr durchdrin-
gungsfähig. Erzeugung in hochevakuierte r Röhre mit Kathode (Glühfaden) und
Anode (Wolframblock) und angelegte r Hochspannun g (1 bis 400 kV). Bei Auf-
treffen der Elektronen auf die Anode entsteht "Bremsstrahlung " (= Röntgenstrah-
len).

Wirkung der Röntgenstrahle n chemisch (Fluoreszenzleuchtschirm), photogra-


phisch (Filmschwärzung ) und biologisch (Veränderung oder Zerstörung leben-
der Zellen). Strahlenschutzverordnun
g beachten !

Bei der Gammadurchstrahlun


g werden radioaktive Substanze
n als Strahlungs-
quelle verwendet.

Nähte werden durchstrahlt und belichten einen hinter der Naht liegenden Film.
Fehlstellen rufen Schwärzungen des Films hervor.
6.1 Schweißverfahren 95

Farbeindringprüfung . Nach Reinigen des zu untersuchende n Nahtbereichs wird


rote Farbe mit hoher Kapillarität aufgebracht
. Nach Abtrocknen und Abwaschen
der Oberfläche wir d eine weiße, dünne, saugfähige Schicht aufgebracht . Aus
Poren und Rissen tritt nun Farbe aus. Oberflächenfehle
r (Poren, Risse, Bindefeh-
ler) lassen sich mit diesem einfachen und preiswerten Verfahren nachweisen .

6.1.7 Herstellerqualifikatio n fü r das Schweiße n


Das Herstellen geschweißte r Bauteile aus Stahl erfordert in außergewöhnliche m
Maße Sachkenntniss e und Erfahrungen der damit betrauten Persone n sowie eine
besondere Ausstattung der Betriebe mit geeignete n Einrichtungen. Betriebe, die
Schweißarbeite n in der Werkstatt oder auf der Baustelle ausführen, müssen ihre
Eignung nachgewiese n haben. DIN 18800 Teil 7 (9.02) teilt ein in die Bauteilklas-
sen A b i s E (in aufsteigender Schwierigkeit).

Klasse A. Betriebe ohne Herstellerqualifikation. Es dürfen nur sehr einfache oder


untergeordnet e Bauteile geschweißt werden. Beschränkunge n bezüglich Abmes-
sungen (z.B. Treppen bis 5 m Lauflänge), Baustähle bis S 275, Materialdicke und
rechnerischer Beanspruchung .

Klasse B. Herstellerqualifikation für geschweißt e Stahlbaute n mit vorwiegend


ruhender Belastung.Erlaubt ist die Herstellung von Bauteilen aus unlegierten Bau-
stählen im Festigkeitsbereich bis S 275.

Al s Schweißaufsich
t wir d ein Schweißfachmann (mit Prüfzeugnis einer Schweiß-
technischen Lehr- u nd Versuchsanstalt (SLV) nach DVS-EWF 1171 (technische
Basiskenntnisse
) verlangt.

Klasse C. Wie Klasse B, aber auch für wetterfeste und nichtrostende Stähle und
Stahlgußsorten bis S 275, bei reiner Druckbeanspruchun g auch bis S 355.

Al s Schweißaufsich
t wird ein Schweißtechnike
r nach DVS-EWF 1172 (spezielle
technische Kenntnisse) verlangt.

Geltungsbereich für die Klassen B / C:


• Vollwand- und Fachwerkträge r bis 20 / 30 m Stützweite
• Maste u nd Stützkonstruktione n bis 20 / 30 m Höhe
• Treppen mit Verkehrslaste n < 5 kN / m2
• Erzeugnisdicken im tragenden Querschnitt bis 22 / 30 mm
• Dicke von Kopf- u nd Fußplatten bis 30 / 40 mm
• Behälter und Silos aus Blechen < 8 mm Dicke
Di e Aufzählung ist unvollständig. Erweiterungen des Geltungsbereich
s sind
möglich.
96 6 Schweißverbindungen

Klasse D. Herstellerqualifikation für alle Stahlbaute


n mit vorwiegend ruhender
Beanspruchung. Al s Schweißaufsich t wir d ein Schweißfachingenieur verlangt
(Prüfzeugnis nach DVS-EWF 1173, umfassend e technische Kenntnisse).

Klasse E. Herstellerqualifikation wie D, aber auch für Stahlbaute


n mit vorwiegend
ruhender Beanspruchung.Hierunter fallen Brückenbauwerk e und Kranbahnen .

Anforderungen an den Betrieb. Schweißaufsich t durch einen dem Betrieb ange-


hörenden Schweißfachmann,Schweißtechnikeroder Schweißfachingenieurmit Aus-
bildung entsprechen
d den Richtlinien des DVS. Der Betrieb muß über die für die
Durchführung der Schweißarbeite n erforderlichen Geräte und Einrichtungen
verfügen.

Zusätzlich e Anforderunge n
Für Tragwerke aus Hohlprofilen nach DIN 18808 (10.84) werden in Absatz 7
zusätzliche Anforderungen an betriebliche Einrichtungen (Anpassen zu ver-
schweißende r Hohlprofile) u nd Schweißer (insbesonder
e für das Verschweiße
n
von Rundrohren) gefordert.

6.1.8 Schweißfachingenieu r
Allgemeines , Voraussetzunge n
Ingenieure mit abgeschlossene m Studium können nach dem Besuch eines
Schweißfachingenieur-Lehrgang s die Prüfung als Schweißfachingenieu r able-
gen. Für Betriebe ist die Benennung eines Schweißfachingenieur s Voraussetzun g
für den Erwerb des Nachweises der Befähigung zum Schweißen , insbesondere
für den Großen Eignungsnachwei s nach DIN 18800 Teil 7 (Klasse D). Darüber
hinaus gibt die Qualifizierung als Schweißfachingenieur dem Ingenieur die Mög-
lichkeit, bei schweißtechnische n Belangen als maßgebliche r Ingenieur eines
Betriebes gegenübe r den Abnahmebehörde n zu wirken.

Voraussetzun
g für die Teilnahme an Lehrgang und Prüfung ist die bestanden
e
Ingenieur-Abschlußprüfung an einer Technischen Hochschule (Universität),
Fachhochschule oder Berufsakademie.

Ausbildun g
Der Lehrgang erfolgt entsprechend international einheitlicher Regeln. Die Aus-
bildungsdauer beträgt mindestens 480 Stunden. Darin sind neben Vorträgen und
Laborübungen wenigstens 80 Stunden praktische Grundlagen in Form von
Schweißübungen , Demonstratione n und Versuchen enthalten.
6.2 Schweißnahtformen 97

Der Lehrgang wir d als Tages-, Wochenend


- oder Abendlehrgan
g durchgeführt.

Das Lehrgangsprogram
m umfaßt:
• Fachkundliche Grundlagen: Schweißtechnisch
e Verfahren und Geräte,
Werkstoffe, Konstruktion (90 Stunden)
• Praktische Grundlagen: Gasschweißen
, Lichtbogenschweißen
, Schutz-
gasschweißen (60 Stunden)
• Hauptlehrgang: Schweißtechnische Verfahren u nd Geräte, Verhalten der
Werkstoffe beim Schweißen
, Konstruktion u nd Berechnung , Fertigung,
Betrieb, Anwendungstechni
k (330 Stunden)

Prüfung , Zeugni s
Schriftliche und mündliche Prüfungen beziehen sich auf den gesamte n im Unter-
richt vermittelten Stoff. Dazu werden 4 bis 10 schriftliche und eine mündliche
Prüfung durchgeführt; Gesamtdaue r rund 25 Stunden.

Di e Anforderungen sind hoch!

Bei bestandene r Prüfung wird das Schweißfachingenieur-Zeugni


s ausgestellt
.
Das Zeugnis ist international anerkannt.

Ausbildungsstätte n
I n Baden-Württemberg führen die Schweißtechnische
n Lehr- und Versuchsan
-
stalten (SLV) Schweißfachingenieur-Lehrgäng
e durch:
• SLV Fellbach (bei Stuttgart, Tel. 0711-575440
)
• SLV Mannheim GmbH (Tel. 0621-30040
)
I n anderen Bundesländern gibt es für die Ausbildung zum Schweißfachingenieu
r
entsprechend e Ausbildungsstätten .

Kosten von Lehrgang u nd Prüfung: ca. 5.000 EUR (unverbindliche Angabe).

6.2 Schweißnahtforme n

6.2.1 Stumpfnäht e
Stumpfnähte verbinden Bauteile, die in ein und derselben Ebene liegen, evtl. auch
mit stumpfem Winkel gegeneinande r geneigt sind.
Stumpfnähte werden voll durchgeschweiß t und je nach Nahtform evtl. gegen-
geschweißt. Die Nahtform richtet sich nach Blechdicke, Schweißlage und
Schweißverfahren (EN 29692, siehe Bil d 6.6).
Rechnerisch
e Nahtdicke für Stumpfnähte
: a= t
98 6 Schweißverbindungen

6...10 mm 0...3 mm 0...3 mm


I-Naht V-Naht Y-Naht Steilflankennah t X-Naht U-Naht
t ‡ 4 mm t = 3...25 mm t = 15...30 mm t > 16 mm t > 10 mm t ˆ 12 mm
einseitig oder Wurzel auskreuzen mit Unteriagplättchen zur Einsparung für sehr große
beidseitig schweißen und gegenschweißen! (wenn Gegen schweißen von Scnweiß- Blechdicken
nicht möglich ist) nahtvolumen
Bild 6.6 Nahtforme n fü r Stumpfnäht e

[1/515] Wechselt an Stumpfstöße n von


Querschnittsteile
n die Dicke um mehr
als 10 mm, so sind die Kanten wenig-
stens im Verhältnis 1:1 zu brechen.
Rechnerisch
e Nahtdicke: a = min t
Querschnittsprun g
Wegen der dynamische n Beanspru- einseiti g symmetrisc h
chung werden im Brückenbau schärfere
Anforderungen gestellt: die Quer- Bil d 6.7 Stumpfnäht e bei unterschiedlic h
dicke n Bleche n gemäß [1/515]
schnittsänderungen müssen dann in der
Neigung < 1:4 abgeschräg
t werden.
(Doppel-)HV-Nah t
oder K-Naht
6.2.2 K-Naht , HV-Naht , HY-Naht Kapplage

Wenn ein Blech auf ein anderes senk-


recht (oder annähernd senkrecht) HV-Nähte
zuläuft, so kann die Schweißverbin -
dung nach entsprechender Nahtvorbe-
reitung als durchgeschweißt
e K-Naht
(symmetrisch) oder als durch- oder
gegengeschweißt e HV-Naht (halbe V- Bild 6.8 K-Nah t un d HV-Naht
Naht) ausgeführt werden.
Rechnerisch
e Nahtdicke: a = t1
HY-Naht
Nicht durchgeschweißt e Nähte sind die
eventuell
HY-Naht (unsymmetrisch ) und die Kapplage
D(oppel) HY-Naht (symmetrisch) sowie
andere Nahtformen. Die rechnerisch e
Nahtdicke a ist in die Skizzen eingetra-
gen. Sie gilt für einen Öffnungswinkel DHY-Nah
mit Doppel-
von 60°. Bei kleineren Winkeln ist das kehlnaht
rechnerische a-Maß um 2 mm zu ver-
mindern (wovon in besondere n Fällen Bild 6.9 HY-Naht un d DHY-Naht mi t
wieder abgewichen werden kann). Doppelkehlnah t
6.2 Schweißnahtformen 99

Vollständige Angaben enthält Tabelle {2/19} .

All e Stumpfnähte und Nähte der Formen K, HY, DHY, u.ä. erfordern eine Bear-
beitung der Fugenflanken (Brennschnitte
, fräsen, hobeln oder schleifen). Freie
Nahtenden sollen durch die Verwendung von Auslaufblechen kraterfrei ausge-
führt werden.

6.2.3 Kehlnäht e
Kehlnähte dienen der Verbindung senkrecht oder schräg aufeinanderstoßende r
Teile, insbesonder
e wenn rechnerisch eine geringere Schweißnahtdick e als t1 des
anzuschließende n Teils ausreichen
d ist. Halskehlnähte verbinden Steg und Gurte
geschweißte r Träger. Stirn- und Flankenkehlnäht e verbinden aufeinanderlie -
gende Träger und Bleche von mehrlagigen Gurtpaketen .
Beim T-förmigen Anschluß wir d theoretische r Wurzelpunk t theoretisch e Wurzelpunkt e
meist eine Doppelkehlnah
t ausge-
führt.
Wichtig : Die Kehlnaht ist die im
Einfach e Kehlnah t Doppe l kehlnah t
Stahlhochba u weitaus am häufig-
sten vorkommende Nahtform.

Für Kehlnähte ist die rechnerisch


e
Nahtdicke a gleich der Höhe des
größten in den Nahtquerschnit t
schiefe r Doppelkehlnahtanschlu ß
einschreibbare n gleichschenkli- Mindestgröße des Kehlwinkels
gen Dreiecks (Bil d 6.10, siehe für tragende Nähte im spitzen Winkel
dazu auch Bil d 6.13). Bild 6.10 Kehlnäht e

Kehlnähte lassen sich mit einer Nahtlage bis a = 5 mm mühelos, mit Sorgfalt auch
bis a = 6 mm herstellen. Größere Nahtdicken erfordern wenigstens 2 Lagen. Kehl-
nähte mit a = 7 mm sollte man daher schon als Vorgabe in der Statischen Berech-
nung vermeiden.

I n den Werkstattpläne n des Stahlbaus ist oft ein Hinweis zu finden: "All e nicht
bezeichnete n Nähte sind als Kehlnähte a = 4 mm auszuführen. " Dieser Vermerk
erspart viel Zeichenarbeit, erhöht die Übersichtlichkeit der Pläne u nd macht die
Kehlnaht zum generellen Verbindungsmitte l seitlich aneinanderstoßende r Pro-
fil e und Bleche.

Nicht sehr sinnvoll ist der bisweilen auch zu findende Hinweis: "All e nicht
bezeichnete n Nähte sind als Kehlnähte mit a = 0,7 t (bei S 355 a = 0,5 t) auszu-
führen. " Dies erspart zwar (wie aus Abschnitt 6.3.7 ersichtlich) meistens den rech-
nerischen Nachweis der Kehlnähte, wir d aber oft zu statisch überdimensionierte n
(und damit unwirtschaftlichen) Nähten führen.
100 6 Schweißverbindungen

Grenzwert e fü r Kehlnahtdicke n
n mit t > 3 mm sollen folgende Grenzwerte für die
[1/519] Bei Querschnittsteile
Schweißnahtdicke a von Kehlnähten eingehalte n werden:
2 mm ‡ a ‡ 0,7 min t (1/4)
a ˆ maxt - 0, 5 (1/5) mit a und t in [mm].
In Abhängigkeit von den gewählten Schweißbedingunge n darf auf die Einhaltung
von Bedingung (1/5) verzichtetwerden,jedoch soll eingehalten werden:
für Blechdicken t > 30 mm die Kehlnahtdicke a > 5 mm.
Die angegebene n Grenzwerte nach (1/4) sind Empfehlungen . In der Konstruk-
tionspraxis ist die übliche Mindestdicke der Schweißnäht e a = 3 mm (weniger ist
bei Handschweißun g kaum machbar). - Eine Nahtdicke a > 0,7 min t ist bei Dop-
pelkehlnähte n nicht sinnvoll, weil sie statisch nicht ausgenutzt werden kann; bei
einfachen Kehlnähten ist sie wegen der Unsymmetrie nicht empfehlenswert .
Der Mindestwert nach (1/5) wird empfohlen, weil zu dünne Schweißnäht e auf
dicken Blechen bei der Herstellung großen Wärmeabfluß von der Naht weg bewir-
ken, wodurch die Nahtqualität in Frage gestellt sein kann. Bei besondere
n Maßnah-
men (evtl. Vorwärmen) kann eine geringere Nahtdicke gewählt werden.
Rechnerisch
e Schweißnahtlänge
n sind in Tabelle {1/20} festgelegt.

Kehlnah t oder HV-Naht


Flankenkehlnäht e Stirn - und Flankenkehlnäht e bei geschlitzte m Winke l

Ringsu m laufend e Kehlnah t


Schwerachs e näher zur
längere n Naht kürzere n Naht

Bild 6.11 Rechnerisch e Schweißnahtlänge n gemäß {1/20}


6.2 Schweißnahtformen 101

6.2.4 Darstellun g vo n Schweißnähte n


bildlic h sinnbildlic h

einfach e Kehlnah t a = 6 mm
auf der Ansichtsseite

einfach e Kehlnah t a = 5 mm
auf der abgewandten Seite

a4
Doppelkehlnah t
a = 4 mm
alternative
Darstellung

alternative
Darstellung

Zusatzsymbo l
umlaufende Kehlnaht

DV-Nah t - beidseits eingeebnet


Anmerkun g zur Darstellung von
Schweißnähten:
Nach DIN EN 22553 (8.94) wird
bei Kehlnähten vor der Nahtdicke
"a" eingetragen . Eine gestrichelte
Lini e gibt zudem die Gegenseit e
an. Beides ist insbesonder e im in-
ternationalen Austausch von
V - N a h t - gegengeschweißt
Zeichnungen zu beachten .
In weiteren Darstellungen (Bei-
spiele) wird auf diese Symbole
verzichtet; für den nationalen Be-
reich sind sie trotzdem eindeutig.
Zusatzsymbol e stehen für beson-
dere oder zusätzlich zu beachten-
de Ausführungsarten . Hier sind
nur wenige Zusatzsymbol e bei-
Bild 6.12 Darstellun g vo n Schweißnähte n (Beispiele) spielhaft aufgeführt.
102 6 Schweißverbindungen

6.3 Nachweis e

6.3.1 Rechenannahme n
Die rechnerisch
e Schweißnahtdick
e a ist in {1/19} festgelegt (siehe Abschnitt 6.2).

[1/820] Die rechnerische Schweißnahtläng e ist die geometrisch


e Länge entlang
der Wurzellinie. Kehlnähte dürfen beim Nachweis nur berücksichtigt werden,
wenn 1 > 6,0 a, mindestensjedoch 30 mm, ist.

[1/821] Die rechnerisch e ist A w =


e Schweißnahtfläch (a • 1) (1/70)
Beim Nachweis sind nur die Flächen derjenigen Schweißnäht e anzusetzen
, die
aufgrund ihrer Lage vorzugsweise imstande sind, die vorhandenen Schnittgrö-
ßen in der Verbindung zu übertragen.
[1/822] Für den rechnerische n Nachweis von Kehlnähten ist die Schweißnaht
-
fläche konzentriert in der Wurzellinie anzunehmen
.

[1/823] In unmittelbaren Laschen- und Stabanschlüsse


n darf als rechnerisch
e
Schweißnahtläng e 1 der einzelnen Flankenkehlnäht
e höchstens 150 a angesetz
t
werden.

Die rechnerische n Schweißnahtlänge


n bei Stabanschlüsse
n mit Winkelprofilen
sind in {1/20} festgelegt.

Wenn die rechnerisch e Schweißnahtläng e nach {1/20} bestimmt wird, dürfen die
Momente aus den Ausmitten des Schweißnahtschwerpunkt s zur Stabachs
e unbe-
rücksichtigt bleiben. Das gilt auch, wenn andere als Winkelprofile angeschlossen
werden.

6.3.2 Stumpfnähte , K-Nähte , HV-Näht e


Voll durchgeschweißt e Nähte müssen i.a. nicht besondersnachgewiesenwerden.
Die Spannunge n entsprechen denjenigen im Grundmateria l und können auf
Druck voll ausgenutzt werden. Auf Zug und Biegezug kann bei sehr hohem Aus-
nutzungsgra d ein Nachweis der Nahtgüte erforderlich werden, siehe {1/21} .

6.3.3 Kehlnäht e
[1/825] Für Kehlnähte sind die einzelnen Spannungskomponente n für
sich zu berechnen. Aus ihnen ist der Vergleichswert ów,v zu bilden:

(1/72)

Die Längsspannun g ó|| in der Schweißnah t (in Richtung der Schweißnaht) dient
nicht der Kraftübertragung . Sie wir d rechnerisch nicht berücksichtigt.
6.3 Nachweise 103

Für die Rechnung


Rechnerische denkt man sich die in
Nahtdicke
a der Winkelhalbieren -
den liegende kleinste
Schweißnahtfläch e auf
die Flanken der zu ver-
bindenden Bauteile
umgeklappt.
Kehlnahtspannunge n Ó und ô in den Flä-
chen C-D und D-E ent-
sprechen jeweils sich
gegenseitig
.

Bild 6.13 Kehlnaht : rechnerisch e Nahtdick e a un d Kehlnahtspannunge n

[1/829] Die G r e n z s c h w e i ß n a h t s p a n ng
u nist:

(1/74)

mit dem Beiwert áw = 0,95 ( á w = 1,0) für S 235


bzw. áw = 0,80 ( á w = 1,0) für S 355.

Di e Klammerwerte gelten bei nachgewiesene


r N a h t g ü te bzw. Druckbeanspru
-
chung v on durchgeschweißte
n u nd gegengeschweißte
n N ä h t en (siehe Tab. 6.1).

Der Nachweis lautet:

(1/71)

Di e S p a n n u n g n
e w e r d en auf die rechnerisch
e Schweißnahtdick
e a bezogen
.

Tab. 6.1 Grenzschweißnahtspannunge


n ó w , R ,d [N/mm2], entsprechen
d {1/21}

Nahtfor m Nahtgüte Beanspruchung S 235 S 355

alle Nahtgüten Druck


durchgeschweißte und
218 *) 327 *)
gegengeschweißt
e Nähte
nachgewiesen
Zu g
Stumpfnähte und HV-Näht e
nicht nachgewiese
n

nicht durchgeschweißte Nähte Zug und Druck 207 262


alle Nahtgüten
alle Nahtformen Schub

*) Diese Nähte müssen im allgemeinen statisch nicht nachgewiese


n werden.
Maßgebend ist der Bauteilwiderstand
!

Bei Stumpfstöße n von Formstahl aus S 235 JR (St 37-2) und S 235 JR Gl (USt 37-2)
mit t > 16 mm ist ów,R,d = 120 N / m m 2
104 6 Schweißverbindungen

6.3.4 Hals - un d Flankenkehlnäht e vo n Biegeträger n


Die Schweißnahtschubspannun
g in Längsnähte
n von Biegeträgern (Hals- oder
Flankenkehlnähten
) ist:

(1/73)

Sy , G u rt ist das Stat. Moment des von der betrachteten Schweißnah t angeschlos
-
senen Querschnittsteils . a ist die Summe der Dicken der tragenden Längsnähte.

6.3.5 Schweißnahtanschlüss e von Biegeträger n


Übertragung einer in der Schwerachs
e angreifende
n Längskraft N:

umfaßt alle Nähte des Schweißnahtanschlusses


.
Die Spannung ist überall in den Nähten gleichgroß. Schwerpunkt von Trägerquerschnit
t
und Schwerpunkt der Schweißnäht e sollen dafür möglichst nahe beieinande
r liegen!

Ü b e r t r a g u n g eines Biegemoments M y : Gurt- oder Flanschnähte: aF

Schwerachse
Schweißnähte ln einspringenden
Ecken werden die
I w , y = Trägheitsmomen t der Schweißnäht
e die Schweißnähte
überlappend
z = Abstand von der Naht-Schwerachs
e y-y Stegnähte: berechnet
beidseits aS-1 Schweißnahtlängen
Die Spannung verläuft linear mit der z-Koordinate. = Längen der
Naht e zu r Schweißnahtwurzeln
Übertragung einer Querkraft V z: Momenten -
übertragun g

Sy(z) = Statisches Moment des Trägers Schwerachse


des Trägers
Iy = Trägheitsmoment des Trägers
aS = Nahtdicke beidseitsdes Trägersteg
s
Die Spannung wird nur für die Stegnäht
e berechne
t

Vereinfacht darf auch gerechne


t werden: Näht e zur
Querkraft -
Übertragun g

A W,St = Nahtfläche des Steganschlusse


s Bil d 6.14 Schweißnahtanschlu ß
un d Trägerquerschnit t
6.3 Nachweise 105

6.3.6 Vereinfachun g fü r di e Berechnun g


[1/801] In doppeltsymmetrische n
I-förmigen Biegeträgern mit Schnitt-
größen N, My und V z dürfen Schweiß-
verbindungen vereinfacht mit
folgenden Schnittgrößenanteilen nach-
gewiesen werden (1/44-46):

Zugflansch:

Bild 6.15 Anschlußgröße n be i


Druckflansch: vereinfachte r Berechnun g

Steg:

Dabei ist hF der Schwerpunktabstan


d der Flanschen
:

6.3.7 Stirnplattenanschlu ß ohn e Nachwei s


[1/833] Der Anschluß oder Querstoß eines
Walzträgers mit I-Querschnitt oder eines I-
Trägers mit ähnlichen Abmessunge n darf
ohne weiteren Nachweis mit den Nahtdicken
aus {1/22} erfolgen.

Tab. 6.2 Nahtdicke n ohn e Nachweis , nach {1/22}

Werkstoff Nahtdicken

S 235 aFˆ 0,5 tF aSˆ 0,5 t s


Bild 6.16 Trägeranschlu ß ode r
Trägerquersto ß
S 355 aFˆ 0,7 tF aSˆ 0,7 t s ohn e weitere n Nachwei s

Anmerkung: Der rechnerischeNachweis von derart festgelegte n Schweißnähte


n ist mög-
licherweise nicht erfüllt. Die Regelung darf trotzdem angewand
t werden.

6.3.8 Druckübertragun g durc h Kontak t


[1/837] Druckkräfte normal zur Kontaktfuge dürfen vollständig durch Kontakt
übertragen werden, wenn seitliches Ausweichen der Bauteile am Kontaktstoß
ausgeschlossen ist. Ein rechnerische
r Nachweis muß gewöhnlich nicht geführt
werden. Die Kontaktflächen müssen hinreichend ebenbearbeitet sein.

Die ausreichend e Sicherung der gegenseitige


n Lage der Bauteile ist nachzuwei-
sen. Dabei dürfen Reibungskräfte nicht berücksichtigt werden.
106 6 Schweißverbindungen

6.4 Beispiel e

6.4.1 Anschlu ß eine s Doppelwinkel s


Die geschweißte n Anschlüsse von Doppelwinkeln an ein Knotenblech sind für die Anschluß-Zug-
kraft NS,d = 450 kN nachzuweisen .
Werkstoff: S 235.

Knotenblech
t = 12 mm

Anmerkung: Die bildliche Darstellung der Schweißnähte mit ist neben den Sinnbildern nicht erforderlich.
Sie erfolgt bei diesen Beispielen nur des besseren Überblicks wegen.

a) Nur Flankenkehlnähte
Überprüfung der Schweißnahtlängen
:
min l w = 120 mm > 6 aw = 24 mm,
> erf l w = 30 mm,
max l w = 200 mm < 150 a = 600 mm.
Anschlußkraft: NS,d = 450 kN

Für S 235 ist ów, R, d = áw · fy,k/ ãM = 0, 95 • 24/1, 1 = 20, 7 kN/cm2 (siehe auch Tabellenwert)
Berechnet man den Durchschnittswer
t der Schubspannun
g in den Schweißnähten
, so wird:

Bei der hier vorliegenden eindeutigen Aufteilung der angreifende


n Kraft N entsprechen
d den
Hebelarmen der Schweißnäht e rechnet man zutreffender:

Untere Naht:
6.4 Beispiel e 107

Obere Naht:

Die Reserve
n bei der unteren Schweißnah
t erweisen sich jetzt als erheblich geringer.

b) Flanken- und Stirnkehlnäht e


Überprüfung d er Schweißnahtlängen
: s.o.
Hier k a nn n ur mit d em Durchschnittswer
t d er S c h w e i ß n a h t s p a n n u n g
n egerechnet w e r d e n:

c) Flankenkehlnähte unterschiedlicher Dicke


Wie zuvor: N u = 323 kN und N o = 127 kN

Untere Naht:

Obere Naht:

6.4.2 Ausmittige r Anschlu ß eine s Winkel s


Der ausmittige Anschluß eines einfachen Winkels ist für die Anschluß-Zugkraft N S ,d = 225 kN
nachzuweisen .
Werkstoff: S 235.

Naht auch
verdeckte n
Bereic h

umlaufende Kehlnatt

Rechnerisch
e Nahtlänge nach {1/20} :
lw = 18 + 10 + 2 • 8 = 44 cm

A w = 0, 3 • 44 = 13, 2 c m2

Durchschnittliche Beanspruchun
g d er Schweißnähte
:
= ô = 225/13, 2 = 17, 05 k N / c m2 < ów,R,d = 20,7 k N / c m2
108 6 Schweißverbindunge n

6.4.3 Anschlu ß vo n einfache n Winkel n un d T-Querschnit t


Die dargestellte
n geschweißte
n Anschlüsse verschiedene
r Querschnitte sind für die Anschluß-
Zugkraft NS,d = 225 kN nachzuweisen
.
Werkstoff: S 235.

L 80x 8

umlaufend e
Kehlnah t a = 4 mm

Steg des Walzprofil s


abgetrennt ,
Knotenblec h
geschlitz t
1/2 IPE 180

Knotenblec h
s = 5,3 mm 1/2 IPE 180
t = 12 mm

Stumpfnaht ,
durch - und
gegengeschweiß t

a) Anschluß mit zugbeanspruchter Kehlnaht

b) Anschluß mit Kehlnaht und Stumpfnaht kombinier t


Spannung im Zugstab (1/2 IPE 180):
ó = 225/11, 95 = 18, 83 kN/cm2 < óR,d = 24/1,1 = 21,82 kN/cm2
Gesamte Schweißnahtfläche
:
A w = 4 0 ,4 · 6 + 0, 53·8,2 = 9,6 + 4,35 = 13,95 cm2
Durchschnittliche Beanspruchun
g der Schweißnähte
:
ô|| = ó = 225/13, 95 = 16, 13 kN/cm2 <ów,R,d= 20,7 kN/cm2
Zutreffender wird die Beanspruchun g auf Steg und Flansch verteilt. Nachweis des Stegs (Stumpf-
naht) nicht erforderlich. Nachweis des Flansch-Anschlusses :
N F1 = 9, 1·0, 8·18, 83 = 137 kN

Ô|| = 137/9, 6 = 14, 27 kN/cm2 <ów,R,d= 20,7 kN/cm2


6.4 Beispiele 109

6.4.4 Ausmittige r Anschlu ß eine s ausgeklinkte n Winkel s


Schweißnaht-Anschlu
ß u nd Stab sind nachzuweise
n für die Anschluß-Zugkraft NS,d = 170 kN.
Werkstoff Knotenblech: S 235. - Werkstoff Stahl: S 235 oder S 355, nach Erfordernis.

Blech t = 12 mm
Schnit t A-A

Detail B

Nachweis der Schweißnähte


Ausmitte Schweißnahtwurze l gegen Winkel-Schwer-
achse: ca. 15 m m. D a d u r ch zusätzliche Beanspruchun
g
der Schweißnäht e d u r ch ein Biegemoment :
M
Detail B
S, d = 170- 1,5 = 255 kNcm

Schweißnähte
:
A w = 2 • 0, 5 • 15 = 15 cm2

ô|| = 170/15 = l l , 33 k N / c m2

W w = 2 • 0, 5 • 1 52 / 6 = 37, 5 c m3

Schwerpunkt
des Winkels
Vergleichswert:

Nachweis des Stabes i m Netto-Querschnitt Schwerpunkt


Netto-Querschnitt
, näherungsweise
: des Winkels

Beanspruchun
g i m Netto-Querschnit
t d u r ch ein Biege-
moment:
Schwerachse
theoretischer
MS,
d = 170 · 0,5 = 85 kNcm Restquerschnitt Restquerschnitt
Netto-Querschnitt
110 6 Schweißverbindungen

Elastischer Nachweis:

S 235: óR, d = 24/1, 1 = 21, 82 kN/cm2 und damit

S 355: óR, d = 36/1, 1 = 32, 73 kN/cm2 und damit

Plastische
r Nachweis für S 235:
N p l , d = 9,0 · 24/1,1 = 196 kN

Mpl, d = 1, 5 • 6, 0 • 24/1, 1 = 196 kNcm

Interaktion für Rechteckquerschnitt


e (siehe Abschnitt 4.10.1):

Es ist: Der plastische Nachweis gelingt also auch nicht!

n Werten für S 355 liefert der plastische Nachweis:


Mi t den entsprechende
0,289 + 0,5782 = 0,623<1
Der Stab L 80x8 muß also auf jeden Fall in S 355 ausgeführt werden! Ein plastischer Nachweis
wäre für S 355 allerdings nicht mehr erforderlich gewesen, nachdem der elastische Nachweis
schon (angenähert ) zum Erfolg geführt hatte.

6.4.5 Biegesteife r Trägeranschlu ß


Am geschweißte n biegesteife
n Trägeranschlu
ß (S 235) sind die Schweißnäht
e für die folgenden
Lastfälle mit den gegebenen Bemessungswerte n der Einwirkungen nachzuweisen :

Bemessungswert
e Moment My,d [kNm] Querkraft Vz,d [kN] Längskraft N d [kN]

Lastfall 1 -250 200 -120


Lastfall 2 -300 250 -160
Lastfall 3 -300 300 -160
Lastfall 4 -350 300 -200
Lastfall 5 -400 300 -200

Für Lastfall 1 soll ein vereinfachte


r Nachweis geführt werden.
Für Lastfälle 2 und 3 sind die Nachweise nach Erfordernis mit genauere
n Methoden zu führen.
Für Lastfälle 4 und 5 sind die Schweißnäht
e entsprechen
d den Erfordernisse
n neu festzulegen
.
Für Lastfall 3 sind auch die Aussteifunge
n am Stützenste g nachzuweisen . Es ist ferner zu unter-
suchen, ob für diesen Lastfall die Halskehlnähte des Riegels ausreichen
.
6.4 Beispiel e 111

Schnit t A-A Schweißnäht e


rechnerisch e
Schweißnahtfläche n

Schnit t B-B

BI 100x16 - 320
Lastfal l 1
Schweißnähte
A =
w,Gurt 0, 8 · (20 + 2 · 2 + 19) = 0,8·43 = 34, 4 cm2
A
w,Steg = 2·0, 4 · 40 = 32,0 cm2

Vereinfachter Nachweis

Gurte:

Steg:

Lastfal l 2
Vereinfachter Nachweis

Gurte:

Nachweis ist nicht erfülltl


112 6 Schweißverbindungen

Genauerer Nachweis

Biegung:

Schub:
w 32

Vergleich:

Lastfal l 3
Genauerer Nachweis (wie zuvor)

Biegung:

Schub:

Vergleich: Nachweis ist nicht erfüllt1.

Genauer Nachweis auch für die Schubspannung


Träger:
S
Hals

maxSy

Stegnaht:

Vergleich:

Steemitte: All e Nachweise sind erfülltl

Lastfal l 4
Nachweis des Trägers, elastischer Nachweis (E-E) "i n einfachen Fällen"
Die Voraussetzunge
n für den Nachweis "i n einfachen Fällen" seien erfüllt (siehe Abschnitt 4.7.2).
Die Beanspruchbarkeite
n sind dann 10 % höher als in normalen Fällen, nämlich für S 235:
und
6.4 Beispiele 113

Träger:

(aber ô > ôR,d / 2, deshalb Nachweis óv)

S p a n n u ng am Trägerhals:

Vergleichsspannung
:

Anschluß ohne Nachweis der Schweißnähte


G u r t n ä h t e: aF = 0,5 tF = 10 m m,
Stegnähte
: aS = 0,5 tS = 5 m m.
Diese Nahtdicken dürfen u n a b h ä n ggi von der Nachweisart des Trägers immer v e r w e n d et
werden! Dabei wir d offensichtlich, d aß bei A u s n u t z u ng des Trägers, besonders nach der Nach-
weisart P die rechnerische
n Schweißnahtspannunge n aus d en Einwirkungen größer w e r d en als
die Widerstandswerte !

Lastfal l 5
Nachweis des Trägers, elastischer Nachweis (E-E) "i n einfachen Fällen"

(wi e zuvor ist

S p a n n u ng am Trägerhals:

Vergleichs Spannung:

Der Nachweis ist nicht erfüllt!

Nachweis des Trägers, plastischer Nachweis (E-P)


Träger:

Nachweis:

Interaktionsgleichung
:

Der Nachweis ist erfülltl


114 6 Schweißverbindunge n

Überprüfun g der Verhältnisse b/t


Für die Nachweisverfahre n E-P und P-P werden die vorhandene n Werte b /t den Grenzwerten
. Dabei kann für den Steg von den Grenzwerten für reine Biegung ausge-
b /t gegenübergestellt
gangen werden, weil der Normalkraftanteil am gesamte n Spannungsbil
d gering ist (N/N pl < 0,1).

Gurte: für E-P

für P-P

Steg: für E-P

für P-P

Die Ergebniss
e zeigen, daß die Grenzwerte für b /t bei weitem eingehalten sind.

Lastfal l 3
Nachweis der Aussteifungen am Stützensteg
Eingeleitete Kraft in die Steife etwa:

Anschlußnah : in Ordnung, weil genauso ausgeführt wie Naht Trägergurt-


t Steife-Stützengurt
Stützengurt.
Anschlußnah
t Steife-Stützenflansch
:

F = 270 kN

Naht:

M = 1552 kNm

Nachweis der Halskehlnähte des Trägers

Halsnaht:
6.4 Beispiele 115

6.4.6 Konsolträger-Anschlu ß
a) Der Konsolträge
r ist für eine vertikale Last Qd = 600 kN (Bemessungslast
) nachzuweisen
.
b) Die Belastbarkei
t des Konsolträger
s QR,d ist zu berechnen
.
Werkstoff: S 235.
Schnit t A-A

Schnittgröße
n Vz,S,d =600 kN,
My,S,d= 600 · 15 = 9000 kNcm.

Querschnittswert e Konsol e

Querschnitt A[cm 2] e [cm] A e [cm3] I [cm4] |


|Gur t 200x30 60,00 1,50 90,00 0
Steg 400x16 64,00 23,00 1472,00 8533
gesamt 124,00 12,60 1562,00 22843J

maxSy = 1, 6 30, 4 2 /2 = 739 cm 3

Querschnittswert e Schweißnäht e

Querschnitt A [cm2] e [cm] A e [cm3] I [cm4] |


200x10 20,00 0,00 0,00 0 Schwerachse
2 2 x 30x10 6,00 1,50 9,00 5 Schweißnähte
3 2 x 92x10 18,40 3,00 55,20 0
4 2 x 400x7 56,00 23,00 1288,00 7467
aS = 7 mm
gesamt 100,4 13,47 1352,20 19060J
116 6 Schweißverbindungen

Nachweis der Schweißnähte

Faser a: Keinesfalls maßgebend


!

Faser b:

Faser c:

Faser e:

Dies ist der rechnerisch


e Größtwert, der für die Schweißnahtspannunge
n auftritt.

Es ist

Bezüglich der Schweißnäht


e ist die Beanspruchbarkeit
:

Nachweis des Konsolträgers auf Schub (Nachweis E-E)

oder

Es ist also noch eine geringe Reserve bezüglich der Schubspannunge


n im Trägerste
g vorhanden.

Bezüglich der Schubspannunge


n ist die Beanspruchbarkeit
:

Dieser Wert ist für die Beanspruchbarkei


t der Konsole insgesamtmaßgebend.
Die b/t-Verhältnisse im Steg (lineare Druckspannung
) werden hier nicht näher untersucht.

Nachweis des Konsolträgers auf Biegung und Vergleichsspannung


Nachweise sind an und für sich überflüssig, weil für alle Schweißnäht
e aw ‡ t/2 ist.
Es wird nur die Vergleichsspannun
g am Trägerhals untersucht:

Faser b:

Weitere Nachweise sind offensichtlich nicht erforderlich.

Plastischer Nachweis für den Konsolträger


Beim vorhandene n kurzen Kragarm ist eine realistische plastische Spannungsverteilun g kaum
möglich. Wäre der Kragarm länger, so würde ein plastischer Nachweis sich wegen des schlanken
Steges verbieten; es ist b /t = 400/16 = 25, wobei der plastizierte Steg bezüglich des Grenzwertes
b /t dann wie der Gurt eines I-Profils angesehe n werden müßte, mit grenz (b/t) = 9.
Ein plastischer Nachweis sollte bei den vorliegenden Verhältnisse
n nicht geführt werden.
7 Zugstäb e
7.1 Querschnitt e und Bemessun g vo n Zugstäbe n
Zugstäbe kommen meist als Elemente von Verbänden und Fachwerken vor. Reine
Zugglieder sind Zuganker und Zuglaschen . Bei Zugstäben ohne Querschnitts -
schwächung hängt die Tragfähigkeit nur vom Werkstoff und vom Stabquerschnit t
ab. Statisch gesehe n ist daher jeder Querschnitt als Zugstab gleich geeignet. Die
Zugspannun g ist gleichmäßig über den Querschnitt verteilt. Die Wirkungslinie
der resultierende n Zugkraft fällt mit der Schwerachs e zusammen .

Für den Zugstab mit gleichbleibendem


, ungestörte
m Querschnitt A gilt:

Elastischer und plastischer Nachweis führen


i n diesem Fall zum selben Ergebnis. Bild 7.1 Zugsta b als Vollsta b

Für die Querschnittswah l entscheidend sind neben den statischen Notwendig-


keiten: Anschlußmöglichkeiten , räumliche Verträglichkeit (z.B. am Kreuzungs-
punkt von Zugdiagonale n in Verbänden) und im Hinblick auf Korrosionsbefall
eine möglichst geringe Oberfläche (vor allem bei Bauwerken im Freien).

Anschlußebenen

Stäb e mi t
unsymmetrische r
Anschlußeben e

Bild 7.2 Querschnitt e fü r gering e bi s mittler e Zugkräft e (mittiger und ausmittiger Anschluß)
118 7 Zugstäbe

Bild 7.3 Querschnitt e fü r groß e Zugkräft e (grundsätzlich symmetrischer Anschluß)

Spannungs-
Dehnungs-
7.2 Querschnittsschwächunge n Diagramm

A m häufigsten kommen Querschnittsschwä -


chungen infolge von Bohrungen oder Stanzun-
gen für Schrauben und Bolzen vor.
1) elastisch e Grenzlast .
1) Wird ein Stabquerschnit t durch ein Loch
geschwächt , so werden bei Zugbeanspruchun g
N in der Umgebung des Loches die Spannung -
strajektorien umgelenkt. Es kommt im vollela-
stischen Bereich zu einer Spannungskonzen -
tration am Lochrand (Faser 2). Mi t ó2 = fy
(Streckgrenze ) ist die elastische Grenzlast
erreicht: N1 = N e l .

2) Bei weiterer Laststeigerung N > Nel beginnt 2) plastisch e Grenzlas t


der Querschnitt zu plastizieren. Immer grö-
ßere Anteile des Querschnitts plastizieren, bis
der Querschnitt vollplastiziert ist: N 2 = N p l a s t.

3) Bei nochmaliger Laststeigerun g N > N p l a st


wir d schließlich am Lochrand die Zugfestig-
keit fu erreicht: der Stab reißt, ausgehen
d vom
Lochrand, im schwächste n Querschnitt: N 3 =
N
Bruch·
3) Bruchlas t
Im Nachweis auf die Zugfestigkeit fu nach (1/28)
nimmt man in Kauf, daß unter den ã-fachen
Lasten örtlich große Dehnungen auftreten. Bild 7.4 Spannungsverlau f am
gelochte n Querschnit t
7.2 Querschnittsschwächungen 119

Rundsta b
(ode r Rundroh r
ode r Quadratrohr ) a
in Lasch e eingeschweiß t a

Rundsta b mi t Gewind e
auf Winkelstüc k abgestütz t

Bild 7.5 Anschlüss e vo n Zugstäbe n un d Knote n vo n Verbände n (Beispiele)


120 7 Zugstäbe

n Stab lautet der Nachweis:


Für den lochgeschwächte

Besonder e Regelunge n [1/742]


I n zugbeanspruchte
n Querschnitte
n darf der Lochabzugentfallen, wenn

In Querschnitte n oder Querschnittsteile


n mit gebohrten Löchern darf die Grenz-
zugkraft NR,d im Nettoquerschnit
t auf die Zugfestigkeit des Werkstoffs bemesse
n
werden:

Bei der Ausnutzung der Zugfestigkeit werden im Lochbereich größere Verformungen


toleriert. Unter den zulässigen rechnerische
n Beanspruchungen können die Spannunge
n
im Wiederverfestigungsbereic h des Werkstoffs in Anspruch genommen werden, und
damit auch die entsprechen d großen Dehnungen .

Bei Benutzung von Gleichung (1/28) muß "Vorwiegend ruhende Belastung" besonder s
beachtet werden, damit kein Dauerbruch bei geringer Lastspielzah
l auftreten kann (low-
cycle-fatigue).

Die Anwendung von Gleichung (1/28) auf gestanzte Löcher ist wegen der sonst zu
befürchtenden Kerbbrüche (die allerdings nur bei entsprechende
r Überlastung auftreten
könnten) nicht zugelassen
.

Die allgemeine Gleichung für den ungelochten Stab aus S 235 in Verbindung mit
Gleichung (l/27a) und andererseit s Gleichung (1/28) führen im Grenzfall
A
Bruttc/ANetto = 1, 2 z u m gleichem Ergebnis für die Beanspruchbarkeit
:
Elastischer Nachweis:

für S 235!

Bei Anwendung von Gleichung (l/27b) für S 355 ist die Übereinstimmun
g mit
Gleichung (1/28) wegen Rundungsfehler
n nur annähernd gegeben .
7.2 Querschnlttsschwächungen 121

Außermittigkei t vo n Anschiüsse n [1/734]


Planmäßige Außermittigkeiten sind zu berücksichtigen
.
Bei Anschlüsse n mit mehrerenSchraube n hintereinander gelten die zuvor angege-
benen allgemeinen Beziehunge n (1/27+28). Liegen mehrere Schraube n nebenein-
ander, so ist darauf zu achten, daß der Anschluß symmetrisch ausgebilde t wird.

Einschrauben-Anschlu ß vo n Winkel n [1/743]


Für Niet- und Schraubanschlüss e galt früher die Regel, daß in jedem Anschluß
wenigstens zwei Schraube n liegen müssen. Mi t dem Aufkommen der HV-Schrau-
n worden. In der heutigen Konstruktions-
ben ist diese Regelung fallen gelasse
praxis werden für leichte Dach- und Wandverbänd e sehr gerne Einschrauben -
Anschlüsse gewählt.

Bei Zugstäben mit unsymmetrische m Anschluß (vor allem bei einfachen Winkel-
Querschnitten) durch nur eine Schraubeist gilt

Es ist leicht einzusehen


, daß im Grenzfall nicht mehr als
die halbe Längskraft durch den schwächere n Quer-
t werden muß. Der Einfluß
schnittsteil A* hindurchgeleite
der Biegespannunge n darf unberücksichtigt bleiben.

Genügend genau berechne


t man
Bild 7.6 Einschrauben-An -
schlu ß fü r Winke l
Mehrschrauben-Anschlu ß un d Schweißanschlu ß vo n Winkel n
Wenn die Zugkraft durch unmittelbaren
Anschluß eines Winkelschenkels eingeleitet
wird, dürfen die Biegespannunge n aus Aus-
mittigkeit unberücksichtigt bleiben, wenn bei
Anschlüssen mit mindestens 2 in Kraftrich-
tung hintereinande r liegenden Schraube n die
Beanspruchbarkei t auf 80 % abgeminder t wird.
Die Regelunge n (l/27a+b) und (1/28) für den
Lochabzug dürfen angewende t werden. Siehe
hierzu DIN 18801 (9.83), 6.1.1.3 und Erläuterunge
n
in Verbindung mit Anpassungsrichtlini e aus Gem.
Amtsblatt Baden-Württ. 32, 1992, mit sinngemä -
ßer Anwendung von DIN 18800 [1/742].
Bil d 7.7 Winkelanschlu ß
Die entsprechende Regelung gilt für Anschlüsse von Winkeln mit Flankenkehl-
nähten, die mindestens so lang sind wie die Winkelschenkelbreite
.
122 7 Zugstäb e

7.3 Seil e
Im Hochbau werden Seile z.B. zur Abspannung von Tribünendächern eingesetzt
.
Es können auch Seilnetze ausgebildet werden (Olympia-Dach in München!).

Im Brückenbau werden Seile als hochbelastbar e Zugglieder in verschiedene n


Ausführungsarte n und Anschlußmöglichkeite n genutzt. Es werden Seile bis etwa
150 mm Durchmesse r als patentverschlossene Seile oder Paralleldrahtbünde l ein-
gesetzt. Sie sind aus Drahtlitzen mit unterschiedliche n Querschnitte n aufgebaut:
Rundform für Paralleldrahtbündel , für verschlossen e Seile auch Z-Form u nd
Keilform. Die Litzen haben Durchmesse r von 5 bis 7 mm. Es werden Drahtfe-
stigkeiten bis 2000 N / m m2 (in Deutschland bis 1800 N / m m2 ) verwendet. - Im
Hochbau werden auch Spiralseile mit geringerer Festigkeit verwendet.

Kabel von großer Tragfä-


higkeit werden für Hän-
gebrücken benötigt,
wobei Kabeldurchmesse r
von 1 m erreicht werden.
Die Seile werden im Patentverschlossene s
Spinnverfahren aus Spiralsei l Seil mi t Z-Litze n Paralleldrahtbünde l
un d Rundlitze n
Rundlitzen aufgebaut
und mehrfach gebündelt.

Beanspruchbarkei t hoch-
fester Tragglieder: siehe Seilanschlu ß
DI N 18800 Teil 1, Ab- mit Kauschen
und Klemmen
schnitt 9. Es gilt: für Spiralseile Seilköp f
d = Seilnenndurchmesser
L = Konuslänge = 5 d
a = Konusneigung = 5 ... 9°
Bil d 7.8 Seilforme n un d Seilverankerun g

mit ZB,k = rechnerisch


e Bruchkraft,
z =
D,k Dehnkraft (0,2 %-Dehngrenze
, versuchsmäßi
g ermittelt).

Weitere Einzelheiten sind der Norm zu entnehmen


.

Hochfeste, kaltgereckte Stähle sind nicht schweißbar . Die Verankerung der Seile
erfolgt in Seilköpfen. Die Litzen werden zu einem "Seilbesen" aufgedrösel t und
vergossen ; das Vergußmateria l (Zink-Blei-Legierung, Kunstharz) muß bei Tem-
peraturen unter 400 °C fließfähig sein. - Spiralseile lassen sich durch Umlenkung
des Seils über Kauschen (Sattelstücke ) und Anbringen von Klemmen verankern.

Besondere Aufmerksamkeit ist dem Korrosionsschut z der Seile zu widmen. Er


kann durch Materialwahl (Verzinkung o.a.), Beschichtung oder Ummantelung
mit Verpressun
g erreicht werden.
8 Druckstäb e

8.1 Der Drucksta b als Stabilitätsproble m

8.1.1 Eulersch e Knicklas t am beidseit s gelenki g gelagerte n Stab


Die idealen Voraussetzungenzur Knicklastermittlung sind:
• Symmetrie des Stabquerschnitt
s zur dargestellte
n (Ausknick-)Ebene
,
• homogener
, isotroper Werkstoff mit unbeschränk
t gültigem Hooke 'schem
Spannungs-Dehnungsverhalten ,
• ideal gerader Stab mit gleichbleibende
m Querschnitt,
• ideal mittige Einleitung der Druckkraft N.
Senkrecht zur betrachteten x-z-Ebene soll ausreichende Stabilisierung der Stab-
achse gegeben sein. Erreicht bei andauernder Laststeigerung die Stabdruckkraft
N den Wert der idealen Knicklast NKI = EulerscheKnicklast, so weicht die Stab-
achse plötzlich aus der betrachteten Ebene aus. Der Stab knickt aus.

Die Herleitung der Knicklast verlangt eine Betrachtung nach Theorie IL Ordnung.
Das bedeutet: das Gleichgewicht wir d am verformten System formuliert:

M(x ) = N · w ( x)

Für den Biegebalken gilt:

Mi t w = w (x) :

Abkürzung:

Daraus ergibt sich die charakteristisch


e Gleichung:

Lösungsansatz
:

Bil d 8.1 Knicksta b

Durch Einsetzen in die charakteristisch


e Gleichung wir d die Lösung bestätigt.
124 8 Druckstäbe

Ermittlung der Integrationskonstante


n über die Randbedingungen
:

1) x =0 w =0 0 = A ·O+B· l B=0
2) x =l w =0 0 = A • sin (kl)

Aus der Gleichung 2) geht außer der Lösung A = 0 (—> keine Ausbiegung w, labiles
Gleichgewicht!) als Lösung hervor:
sin (kl) = 0

Von Interesse ist allein die Lösung:

Daraus folgt die ideale EulerscheKnicklast NKi :

Für diese Last N K i kann gleichzeitig keine Aussage über die Integrationskonstant
e
A gemacht werden. A ist beliebig groß! Das bedeutet, daß bei Erreichen der Euler-
schen Knicklast N K i der Stab die Gleichgewichtslag e mit gerader Stabachse ver-
läßt und sich unbestimmt großeAusbiegungen einstellen. Der ursprünglich gerade
Stab knickt aus!

Der Bemessungswertder Knicklast ist:

Andere Randbedingunge
n (Lagerungen
) ergeben auch andere Knicklasten!

Der Abstand der Wendepunkte der Knickbiegelinie entspricht der Knicklänge!

Bild 8.2 Die 4 Eulerfäll e


Knickbiegelinie n (verformt e Stabachs e mi t Wendepunkten) ,
Knicklänge n s K un d Knicklängenbeiwert e ß
8.1 Der Drucksta b als Stabilitätsproble m 125

8.1.2 Knickläng e
Für den Stab mit allgemeinenLagerbedingungenan den Stabende
n gilt

Dabei ist die Knicklänge

Der Faktor ß heißt Knicklängenbeiwert. Die Knicklänge sK läßt sich geometrisch


deuten als Abstand der Wendepunkte der Knickbiegelinie.

Für Stab- und Rahmentragwerk e lassen sich Knicklängenbeiwert e für die druck-
belasteten Stäbe angeben , siehe Bild 8.3. Stäbe mit veränderliche r Normalkraft
behandelt Bil d 8.4. Für Fachwerkstäb e gilt [2/503], siehe dazu Bil d 8.5.

Zweigelenkrahmen : Eingespannte r Rahmen :

insgesam t
n Pendel -
stütze n

Eingespannt e Stütz e mi t Eingespannt e Stütz e mi t


angelenkte r Pendelstütze : mehrere n Pendelstützen :

fü r all e Pendelstütze n
gil t in jede m Fall :

Sonderfall : P 1 = P und h 1 = h ß = 2,7

Bild 8.3 Knicklängenbeiwert e ß fü r Rahmen und Stabwerk e (Beispiele)


126 8 Druckstäb e

Die Formel ausgewertet:

0,20 0,40 0,60 0,80 1,00 I


0,20 0,92 1,27 1,55 1,78 2,00
0,40 1,07 1,36 1,60 1,80 2,00
0,60 1,35 1,53 1,70 1,85 2,00
0,80 1,67 1,76 1,84 1,91 2,00
| 1,00 2,00 2,00 2,00 2,00 2,OoJ

Bil d 8.4 Knicklängenbeiwert e ß für Stäbe mit veränderliche r Normalkraf t

s
K,z = Netzlänge

Knicklänge n vo n Gurten :
- in der Fachwerkebene:
S = s
K K,y = Netzlänge
- senkrecht zur Fachwerkebene:
abhängig von der seitlichen
Abstützung der Fachwerk-
knoten

Knickläng e vo n Strebe n
un d Pfosten :
- in der Fachwerkebene:
S
K= sK,y = 0,9 x Netzlänge
- senkrecht zur Fachwerkebene
S
K= sK,z = Netzlänge
(Unter-) Gurt

Bil d 8.5 Knicklänge n von Fachwerkstäbe n


8.2 Stabilitäts- und Spannungsproblem 127

8.2 Stabilitäts - und Spannungsproble m


Bei Berücksichtigung realer Verhältnisse treten baupraktischunvermeidliche Imper-
fektionen auf. Ursachen dafür sind:
• Die Stabachs
e ist nicht ideal gerade. Möglicherweise treten örtliche Knicke,
Rundungen und andere Abweichungen von der geraden Achse auf.
• Die Querschnitte sind nicht perfekt gleichbleibend. Abweichungen von
den Sollabmessunge n geben einen Versatz der Schwerachse.
• Die Auflagerbedingunge n entspreche n nicht den getroffenen Idealisierun-
gen. Die Lasten werden nicht exakt mittig zur Stabachs e eingeleitet.
• Verbiegung aus Eigenlast des Stabes oder ungleichmäßig e Erwärmung
(Temperaturgradienten
) werden meist rechnerisch nicht erfaßt.

Zu den genannte n Ursachen für äußere Imperfektionen kommen noch innere


Imperfektionen am Stab oder Tragwerk hinzu:
• Walz-, Schweiß- und sonstige Verarbeitungseigenspannungen
, ungleich-
n über den Querschnitt.
mäßige Verteilung der Festigkeitseigenschafte
Al s Folge der Imperfektionen stellt sich am realen Druckstab kein Stabilitätsfall
mit Gleichgewichtsverzweigun g ein. Es liegt vielmehr ein Spannungsproble m
vor. Im N-w-Diagramm (Last-Verformungs-Diagramm ) treten von Anfang an bei
Laststeigerun g Verformungen auf. Unter Berücksichtigung des Einflusses der
Verformungen auf das Gleichgewicht (Theorie II . Ordnung) ist bei druckbean-
spruchten Stäben das N-w-Verhalten überproportional . Die ideale Knicklast N K i
kann nie erreicht werden.

Berücksichtigt man außerde m ein wirklichkeitsnahes Spannungs-Dehnungs -


Verhalten, so tritt ab Erreichen der Streckgrenz e fy am stärker gedrückten Rand
des Querschnitts Teilplastizierung ein. Bei Steigerung der Stabkraft wir d der Stab
schließlich voll durchplastizieren : damit ist die Traglast des Stabes erreicht.
Last N
_ Verzweigungspunkt Stabilitäts - Spannungs- N
beim Stabiiitätsproblem proble m proble m

Spannungs - ideal-elastisches endlich große


Verformun g ers t Verformung nur
proble m Verhalten I
bei N = N K i bei N < NKi
Plastizierung
Größe der Ausbie Größe der Ausbie-
gung w unbestimmt gung w bestimmt
Knickfigur Biegelinie
bei Eulerlast bei Berechnung
F=NKi nach Th. II. Ordnung
ursprünglich ursprünglich
gerade Staoachse gekrümmte Stabachse
(Imperfektionsannahme)

Weg w
Bil d 8.6 N-w-Diagram m bei m Stabilitäts - un d bei m Spannungsproble m
128 8 Druckstäbe

Mi t Einführung eines Faktors KKi läßt sich ein Verhältnis von der idealen Knicklast
N K i zur plastischen Normalkraft N pl formulieren:

oder

Abkürzungen: Schlankheitsgra
d

bezogene
r Schlankheitsgra
d

Bezugsschlankheitsgra
d

Damit läßt sich KKi als Funktion des bezogene


n Schlankheitsgrad
s darstellen:

Es ergibt sich sehr einfach eine quadratisch


e Hyperbel (sog. Euler-Hyperbel).

Die Beziehung für KKi beruht aber noch auf einer unbeschränk t großen Streck-
grenze fr Berücksichtigt man, daß die Knicklast nie größer sein kann als die pla-
stische Grenzlast N p l , so ergibt sich KKi < 1.

Immer noch beruht auch die bei KKI = 1 abgeschnitten


e Euler-Hyperbel auf der Vor-
aussetzun
g der idealen Annahmen. Sie berücksichtigt also keine Imperfektionen.

Die Größe der Imperfektionen


' idealisiertes Kurvenende bei X= 0,2
kann nur praktischen Untersu-
chungen mit Zulassen einer
gewissen statistischen Fehlerfrak-
Euler-Hyperbel
til e entnommen werden. Die bei K = 1 abgeschnitten
Imperfektionen werden gewissen
Querschnittskategorie n (a ... d)
zugeordnet. Mi t Hilf e von Trag-
lastberechnunge n nach Theorie IL Knickspannungslinien a ... d
Ordnung kann daraus die Abhän-
gigkeit K = K(Ë) berechne t
werden. Diese werden von mathe-
matischen Modellen angenähert , Bil d 8.7 Knickspannungslinie n
den sog. Knickspannungslinien .

Genaue Angaben zu den Knickspannungslinien


: siehe Abschnitt 8.4.
8.3 Querschnitte von Druckstäben 129

8.3 Querschnitt e vo n Druckstäbe n

8.3.1 Einteilig e Druckstäb e


Druckstäbe mit einfach zusammenhängende n Querschnitte n oder Hohlquer-
schnitte, deren Querschnittsar
t auf die ganze Länge des Stabes beibehalten bleibt,
sind einteilige Druckstäbe.

HEA, HEB, HEM, 2 x lPE 2xU HEA + 2 x FI geschweißter


I, IPE HEAA, Sonderprofile verschweißt verschweißt verschweiß t Kasten

Rundroh r Quadratroh r Rechteckroh r


Wölbfreie Querschnitte mit
mit niedrigem Drillwiderstand
(drillknickgefährdet!)
Bild 8.8 Querschnitt e einteilige r Druckstäb e

8.3.2 Mehrteilig e Druckstäb e


Druckstäbe, bei denen Einzelteile des
Querschnitts innerhalb der Stablänge
nicht kontinuierlich miteinander ver-
bunden sind, bei denen aber die Einzel-
teile untereinande r durch Bindebleche
biegesteif oder über Vergitterungen
miteinander verbunden sind, werden
als mehrteilige Druckstäbe bezeichnet
.

Man unterscheide t Stäbe mit einer


stofffreien Achse und einer Stoffachse
von Stäben mit zwei stofffreien Achsen.
Besonders behandelt werden Stäbe mit
geringer Spreizung sowie über Eck
Bild 8.9 Mehrteilig e Druckstäb e als
gestellte Winkel. Gitter - un d Rahmenstäb e

Die Herstellung dieser aufgelösten Stäbe ist lohnintensiv, die relativ großen Ober-
flächen sind anfällig für Korrosion. Im Gegensat
z zu früher werden heute mehrteilige
Druckstäbe im Hochbau selten verwendet. Bevorzugtes Einsatzgebiet : Mastbau.
130 8 Druckstäbe

Bild 8.10 Querschnitt e mehrteilige r Druckstäb e

Die Bemessun g mehrteiliger Druckstäbe wir d wegen ihrer relativ seltenen Ver-
w e n d u ng hier nicht behandelt! Siehe dazu erforderlichenfalls [2/401 ff.] .

8.4 Bemessun g einteilige r Druckstäb e


Die Bemessung stabilitätsgefährdete
r (druckbeanspruchter) Stäbe und Stabwerke
von Stahlbaute
n erfolgt nach DIN 18800 Teil 2 (11.90).

8.4.1 Nachweismöglichkeite n - Ersatzstabverfahre n


[2/301] Druckbeanspruchte Stäbe können Einzelstäbe sein, die planmäßig mittig
auf Druck beanspruch t werden, oder es können aus einem Stabwerk für den
Nachweis gedanklich herausgelöste Stäbe sein. Biegeknickenu nd Biegedrillknicken
werden dabei getrennt untersucht.
Nachfolgende Bemessungsregel n basieren auf den Regelunge n zum "Ersatzstab -
verfahren". Auf die Möglichkeit einer Bemessun g nach "Theorie II. Ordnung" wird
hier nicht eingegangen; siehe ausführliche Abhandlung in "Stahlbau Teil 2" [5].

8.4.2 Biegeknicke n
[2/304] In die nachfolgende n Formeln für Biegeknickuntersuchunge n ist als Stab-
kraft N die als Druckkraft positiv definierte Stabdruckkraft nach Theorie I. Ord-
nung einzusetzen . Dabei ist N (= Nd) der Bemessungswertder Stab-Druckkraft.

Der Tragsicherheitsnachwei
s lautet für die maßgebend
e Ausweichrichtung:

(2/3)

Dabei bedeuten, wi e schon zuvor erläutert:


8.4 Bemessung einteiliger Druckstäbe 131

bezogene
r Schlankheitsgra
d

Schlankheitsgrad
, bezogen auf die jeweilige Querschnittsachs
e

Bezugsschlankheitsgra
d

d ist nur werkstoffabhängig


Der Bezugsschlankheitsgra :

Tab. 8.1 Bezugsschlankheitsgra d in Abhängigkei t vo n der Werkstoffgüt e

Werkstoffgüt e S 235 S 355 StE 460 StE 690

Bezugsschlankheitsgra
d ëa 92,93 75,88 67,12 54,81

Der Abminderungsfaktor K ist in Abhängigkeit vom bezogene n Schlankheitsgra


d
ëK und vom dem jeweiligen Querschnit t nach Tabelle {2/5} zugeordnete
n Knick-
spannungslinie zu ermitteln:
(2/4a)

(2/4b)

mit
Vereinfachend darf gerechne
t werden für
1
(2/4c)

Tab. 8.2 Paramete r a zur Berechnun g de s Abminderungsfaktor s K nac h {2/5}

Knickspannungslinie a b c d

0,21 0,34 0,49 0,76

Die Abminderungsfaktore
n K können
• mit obigen Gleichungen exakt berechne
t werden oder
• der graphische
n Darstellung (Bild 8.11) entnommen werden oder
• aus Tabelle 8.3 interpoliert werden.
Die Zuordnung der Querschnittsforme n zu den Knickspannungslinie
n kann
Tabelle 8.4 (abgewandel
t aus Tabelle {2/5} ) entnommen werden.
1,0
Euler-Hyperbe l

Biegedrillknickkurve n
0,8

0,6

Biegeknickkurve n
0,4

0,2

0 0,4 0,8 1,2 1,6 2,0 2,4 2

Bil d 8.11 Knickspannungsiinie n und Biegedrillknicklinie n


8.4 Bemessung einteiliger Druckstäbe 133

Tab. 8.3 Knickspannungslinie n a ... d un d Biegedrillknicklinie n fü r n = 1,5 ... 2,5

Knickspannungslinie
n Biegedrillknicken Euler-
a b c d n = 1,5 n = 2,0 n = 2,5 Hyperbel
0,2 1,000 1,000 1,000 1,000 1,000 1,000 1,000 25,000
3
I °' 0,977 0,964 0,949 0,923 1,000 1,000 1,000 11,111
0,4 0,953 0,926 0,897 0,850 1,000 1,000 1,000 6,250
I 0,5 0,924 0,884 0,843 0,779 0,924 0,970 0,988 4,000
0,6 0,890 0,837 0,785 0,710 0,878 0,941 0,970 2,778
0,7 0,848 0,784 0,725 0,643 0,822 0,898 0,940 2,041
0,8 0,796 0,724 0,662 0,580 0,759 0,842 0,893 1,563
0,9 0,734 0,661 0,600 0,521 0,694 0,777 0,831 1,235 |
1,0 0,666 0,597 0,540 0,467 0,630 0,707 0,758 1,000
1,1 0,596 0,535 0,484 0,419 0,569 0,637 0,681 0,826
1,2 0,530 0,478 0,434 0,376 0,512 0,570 0,607 0,694
1,3 0,470 0,427 0,389 0,339 0,461 0,509 0,538 0,592
1,4 0,418 0,382 0,349 0,306 0,415 0,454 0,477 0,510 |
1,5 0,372 0,342 0,315 0,277 0,374 0,406 0,423 0,444 |
1,6 0,333 0,308 0,284 0,251 0,338 0,364 0,377 0,391
1,7 0,299 0,278 0,258 0,229 0,306 0,327 0,337 0,346
1,8 0,270 0,252 0,235 0,209 0,278 0,295 0,302 0,309
1,9 0,245 0,229 0,214 0,192 0,253 0,267 0,273 0,277
2,0 0,223 0,209 0,196 0,177 0,231 0,243 0,247 0,250
2,1 0,204 0,192 0,180 0,163 0,212 0,221 0,225 0,227 |
2,2 0,187 0,176 0,166 0,151 0,195 0,202 0,205 0,207
2,3 0,172 0,163 0,154 0,140 0,179 0,186 0,188 0,189
2,4 0,159 0,151 0,143 0,130 0,166 0,171 0,173 0,174
2,5 0,147 0,140 0,132 0,121 0,154 0,158 0,159 0,160 |
2,6 0,136 0,130 0,123 0,113 0,143 0,146 0,147 0,148
2,7 0,127 0,121 0,115 0,106 0,133 0,136 0,137 0,137
2,8 0,118 0,113 0,108 0,100 0,124 0,127 0,127 0,128
2,9 0,111 0,106 0,101 0,094 0,H6 0,118 0,119 0,119 |
| 3,0 0,104 0,099 0,095 0,088 0,108 0,110 0,111 0,111
3,1 0,097 0,093 0,090 0,083 0,102 0,103 0,104 0,104
3,2 0,091 0,088 0,084 0,079 0,096 0,097 0,098 0,098
3,3 0,086 0,083 0,080 0,074 0,090 0,091 0,092 0,092
3,4 0,081 0,078 0,075 0,071 0,085 0,086 0,087 0,087
| 3,5 0,077 0,074 0,071 0,067 0,080 0,081 0,082 0,082
134 8 Druckstäbe

Tab. 8.4 Zuordnun g de r Querschnitt e zu de n Knickspannungslinie n a ... d nach {2/5}

Ausweichen Ausweichen
Querschnitt rechtwinkli g rechtwinkli g
zur y-Achse zur z-Achse

Hohlprofil e
warm gefertigt a a

kalt gefertigt b b

allgemein b b
geschweißte
Kasten-
querschnitte dicke Schweißnah t *)und
hy/ty < 30 und/oder c c

gewalzte I-Profil e
t < 40 mm a b

40 < t < 80 mm b c

t < 80 mm b c

t > 80 mm d d

t < 40 mm b c
geschweißte
I-Querschnitte
t > 40 mm c d

U-, L-, T- und Vollquerschnitte

c c

*) Als dicke Schweißnäht


e sind solche mit einer vorhandene
n Nahtdicke a > min t zu verstehen
.
In dieser Tabelle nicht aufgeführte Profile sind sinngemä
ß einzuordnen
. Die Einordnung soll dabei
nach den möglichen Eigenspannunge n und Blechdicken erfolgen.
8.4 Bemessung einteiliger Druckstäbe 135

8.4.3 Verschieden e Knickmöglichkeite n


Biegeknicken: Doppeltsymmetrische , mittig belastete gerade Stäbe können um
die y-Achse wi e um die z-Achse knicken. Maßgeben d ist i.a. die Achse, für die
sich der größere Schlankheitsgrad ergibt. Durch Zuordnung unterschiedliche r
Knickspannungslinie n zu den Achsen kann die Aussage noch relativiert werden.

Drillknicken : Bei geringem Torsionswiderstan d IT ist auch ein Ausweichen in


Form einer Verdrehung v = px um die Stablängsachs e als Versagensfor
m möglich.
Gefährdet sind hier insbesonder e wölbfreie, offene Querschnitte (Kreuz-Quer-
schnitt o.ä.). I-Querschnitte sind gewöhnlich nicht drillknickgefährdet.

[2/306]: Für Walzträger mit I-Querschnitt und geschweißte I-Träger mit ähnli-
chen Abmessunge n braucht kein Drillknicksicherheitsnachwei s geführt zu
werden. - Stäbe mit Hohlquerschnitte
n können nicht drillknicken.

Druckkraf t im Schwerpunk t -

doppelt-symmetrische r Querschnit t einfach-symmetrische r Querschnit t

Knicken um z-z Knicken um y-y Drillknicken Knicken um y-y Biegedrillknicken

Bild 8.12 Knickmöglichkeite n bei mitti g belasteten , symmetrische n Querschnitte n

Biegedrillknicken : Einfachsymmetrische , mittig belastete Stäbe können in Rich-


tung ihrer Symmetrieachs e biegeknicken. Außerdem besteht die Möglichkeit des
Biegedrillknickens, wobei der Stab senkrecht zur Symmetrieachs e ausweicht und
sich gleichzeitig um die Stabachs
e verdreht. Der Nachweis ist schwieriger als der-
jenige für Biegeknicken und wir d vorerst nicht behandelt.

Für unsymmetrisch e Querschnitte gibt es auch bei mittiger Belastung nur die
Möglichkeit des Biegedrillknickens. Eine zutreffende rechnerische Behandlung
ist mit vertretbaren Mitteln kaum möglich.
136 8 Druckstäb e

8.5 Beispiel e

Vorbemerkung
Bei allen folgenden Beispielen soll die Eigenlast der Konstruktion vernachlässig
t werden.

8.5.1 Pendelstütz e
Die Innenstütze einer Halle wird als 6,60 m lange Pendelstütz
e ausgebildet
.
Gebrauchslaste
n für die Normalkraft N:
aus ständiger Last 185 kN,
aus Schneelas t 360 kN.
Die Stütze ist für verschieden
e Querschnitte
nachzuweisen :
1) HEA-260,
2) HEB-160 + 2 x Fl. 140x10, HEB-160
+ 2 x FI. 140x10 QR 180x10
HEA-260
3) QR 180x10.
Werkstoff: S 235.
Anmerkung: Die Querschnitte haben alle etwa dieselbe Querschnittsfläche
.

Einwirkung : NS, d = 1, 35 • 185 + 1, 50 • 360 = 249, 75 + 540 ~ 790 kN

1) HEA-260 A = 86,8 cm2; iy = 11,0 cm; i z = 6,50 cm.


Querschnittswerte:
Npl,d = 86, 8 • 24/1, 1 = 1894 kN(oder mit Tabelle 4.8: N p l , d = 1890 kN)
Wegen sky = skz = 660 cm und i y > i z ist Knicken um die z-Achse maßgebend
.

Es ist h /b = 25/26 = ... < 1,2 Knickspannungslini


ec KC = 0, 488
Der Wert KC kann mit Gleichung (2/4b) errechnet werden. Oder: Interpolation mit Tabelle 8.3.

2) HEB-160 + 2 x Fl. 140x10


Querschnittswerte : A = 82,3 cm2; i y = 5,98 cm; i z = 5,95 cm. Damit ist i y ~ i z!
N = 82, 3 2 4 / 1, 1 = 1 7 96 k N
Pl , d ·

Geschweißter Kastenquerschnitt
:
Für Knicken um die y-Achse und Knicken um die z-Achse Knickspannungslini
e b.
8.5 Beispiele 137

Quadratrohr 180x10 A = 65,4 cm2; i = 6,87 cm.


Querschnittswerte:
Npl, d = 65, 4 • 24/1, 1 = 1427 kN
a) Rohrquerschnitt
, warmgefertigt Knickspannungslini
e (KSL) a.

b) Rohrquerschnitt
, kaltgefertigt KSL b Kb = 0,576

8.5.2 Pendelstütz e mi t unterschiedliche n Knicklänge n


fü r Knicke n um di e y-Achs e un d um di e z-Achs e
Eine 6,0 m lange Pendelstütz
e einer Hallenkonstruktion ist an Fuß- und Kopfpunkt gelenkig gela-
gert. Durch einen Verband ist die Knicklänge um die z-Achse auf L/ 3 = 2,0 m reduziert. Siehe
hierzu Darstellung zu Beispiel 10.4.1!
n für die Normalkraft N:
Gebrauchslaste
aus ständiger Last 75 kN,
aus Schneelast 125 kN.
1) Die Stütze ist als Walzprofil IPE 200, Werkstoff S 235, nachzuweisen
.
2) Es ist festzustellen, welche Querschnitte für die Walzprofile - IPE, HEA, HEAA, HEB, IPN -
erforderlich sind. Die Stabgewichte sind zu vergleichen, das wirtschaftlichste Profil ist festzu-
stellen. Es sollen auch ein Quadrat- und ein Rechteckroh r (warmgewalzt) untersucht werden.
3) Dabei soll auch untersucht werden, ob ein IPE-Profil in S 355 wirtschaftlicher ist, wenn ein
Faktor 1,2 für höhere Materialkosten berücksichtigt werden muß.

Einwirkung: NS, d = 1, 35 · 75 + 1, 50 · 125 = 101, 25 + 187, 50 = 288, 75 ~ 289 kN

IPE 200 A = 28,5 cm2, i y = 8,26 cm, i z = 2,24 cm.


Walzprofil h /b = 200/100 = 2,00 > 1,2; maxt = 8,5 mm < 40 mm.
Daraus folgt: Knickspannungslinie
n a bzw. b für Knicken um y-y bzw. z-z.
S 235: Np l , d = 28,5 · 24/1, 1 = 621, 8~622 kN

Knicken um y-y sky = 600 cm = 600/8, 26 = 72, 64

Knicken um z-z sk z = 600/3 = 200 cm ëz = 200/2, 24 = 89, 29

ëz = ëz\/ëa =89, 29/92, 93 = 0, 961 Kb = 0, 622

Maßgeben
d ist also (wegen des kleiner K-Wertes) Knicken um die z-Achse.
138 8 Druckstäbe

Nachweis

Untersuchun g für verschieden e Walzprofil e # = S 355 KSL = Knickspannungslinie

Querschnitt Knicke n um y 600 cm Knicke n um z-z / sk = 200 cm N


Profi l A N
pl,d ëy KSL Ky KSL kZ
K · Np
l,d
IPE 200 28,5 622 8,26 0,782 a 0,806 2,24 0,961 b 0,622 0,747

IPE 180 23,9 521 7,42 0,870 a 0,753 2,05 1,050 b 0,566 0,980
HEA-140 31,4 685 5,73 1,127 b 0,519 3,52 0,611 c 0,779 0,813

HEA-120 25,3 552 4,89 1,320 b 0,417 1,256


HEB-120 34,0 742 5,04 1,281 b 0,436 3,06 0,703 c 0,732 0,893
HEAA-160 30,4 663 6,50 0,993 b 0,601 3,97 0,542 c 0,819 0,725
HEAA-140 23,0 502 5,59 1,155 b 0,503 1,145
IPE 160 20,1 658 6,58 1,202 a 0,529 1,84 1,432 b 0,365 1,203
QR140x5,6 29,6 646 5,47 1,180 a 0,543 5,47 nicht relevant 0,872
160x90x5,6 25,9 565 5,75 1,123 a 0,580 3,67 0,586 a 0,895 0,882

Di e Querschnitte in den schattierten Reihen sind nicht ausreichend


!
Di e fettgedruckten K-Werte sind maßgebend .
Der wirtschaftlichste Querschnitt (bzw. Querschnitt mit d em geringsten Gewicht) für reine
D r u c k b e a n s p r u c h ugn ist d as Profil IPE 180 (S 235). Dies resultiert allerdings auch d a r a u s, daß
der A u s n u t z u n g s g rda v on 0,98 (zufällig) sehr gut ist. - Die V e r w e n d u ng eines IPE-Querschnitts
i n S 355 bringt gar nichts, weil hier derselbe Querschnitt gewählt w e r d en m uß wi e in S 235.

8.5.3 Zweigelenkrahme n
Der Zweigelenkrahme n ist n ur auf Normal-
P = 500 kN P = 500 kN
kraft belastet. Die vorgegebene n Bemessungs-
lasten sind jeweils P = 500 kN.
1) Der R a h m en ist in seiner Ebene auf Biege-
knicken der Rahmenstiele nachzuweisen .
2) Senkrecht z ur Rahmeneben e sind die Eck-
p u n k te des R a h m e ns gelenkig gelagert. Für die
Rahmenstiele ist zu untersuchen , ob hier a u s-
reichende Knicksicherheit besteht, oder ob die 20,0 m
Stiele zusätzlich noch in halber R a h m e n h ö h e
(gleichfalls senkrecht zur Rahmenebene )
gehalten w e r d en müssen. Stützenstellung im Grundriß

1) Knicken in Rahmenebene (um y-y)


8.5 Beispiel e 139

2) Knicken senkrecht zur Rahmenebene (um z-z)


a) Mit Knicklänge = Rahmenhöhe
: sK = 800 cm

N 500 500
= 1 , 5 1 3 >1 Nachweis nicht erßlltl
K •Npl,d 0,180 • 1840 330

b) Mit Knicklänge = halber Rahmenhöhe


: sK = 400 cm

Nachweis erfüllt!

8.5.4 Stütz e mi t veränderliche r Normalkraf t


Eine Bühnenkonstruktio
n ist auf 4
eingespannte
n Stützen gelagert,
Stützen-Querschnit
t HEB-400.
Werkstoff d er Stützen: S 235.
Di e eingetragene n Lasten sind
Bemessungslasten . Die Lasten grei-
fen mitti g an d en Stützen an.
Di e Stützen sind i m G r u n d r iß so
ausgerichtet , d aß d ie Vorderfront
deren x-z-Ebene darstellt, siehe
G r u n d r i ß.
All e 4 Stützen sind gleich belastet!
Di e Stützen sind nachzuweisen
.
Schrägbil d
Knicklängenbeiwert bei veränder-
licher Normalkraft:
Grundri ß
140 8 Druckstäbe

Knicken um y-y

oder aus der Tabelle in Bild 8.4 interpoliert:

Knicken um z-z

Maßgeben
d ist also Knicken um die y-Achse.

Nachweis

8.5.5 Eingespannt e Stütz e mi t angehängte n Pendelstütze n


System: Über eine eingespannt
e Stütze sind 3 Pendelstützen unterschiedlicher Höhe mitstabili-
t zur Zeicheneben
siert. Senkrech e sind alle Stützenköpfe gelenkig gelagert.
1) Die Belastbarkei
t NR,d der eingespannte
n Stütze HEB-200 ist zu berechnen
.
2) Es soll gezeigt werden, daß alle Pendelstütze
n HEA-180 für die unter 1) berechnet
e Last
N = NR,d ausreichen d dimensioniert sind.
Werkstoff für alle Stützen: S 235.

horizontal e Halterun g

©
Stützenstellung im Grundriß

1) Eingespannte Stütze HEB-200

Knicken um y-y Verhältniswerte von Lasten ni und Stützenlänge


n ái der Pendelstützen
:

Stütze 1

Stütze 3
8.5 Beispiele 141

Stütze 4

Insgesamt
:

Knicklängenbeiwert
:

Knicklänge:

Knicken um z-z Knicklänge:

Maßgeben
d ist also Knicken um die y-Achse.

Beanspruchbarkeit

2) Pendelstützen HEA-180
Maßgeben
d ist jeweils Knicken um die z-Achse mit der Knicklänge SK = Stablänge L

Stütze 1

Stütze 3

Stütze 4 wird offensichtlich nicht maßgebend


.
9 Einachsig e Biegun g un d Querkraf t

9.1 Schnittgröße n und Spannunge n

9.1.1 Schnittgröße n
Bei zur z-Achse symmetrische m Querschnitt, Querbelastung in der x-z-Ebene
(Streckenlasten , Einzellasten) und entsprechender Lagerung ergibt sich einach-
sige Biegung: es treten die Schnittgröße
n M y und V z auf.

Die folgenden Ausführungen gelten für I-Walzprofile und geschweißt e Quer-


schnitte mit ähnlichen Querschnitts-Abmessungen. In den Nachweisen bedeu-
ten immer M y = My,d und V z = Vz,d die Bemessungswert
e der Schnittgrößen
.

9.1.2 Normalspannunge n
Unter Beachtung der Vorzeichen für M y und den Abstand z von der y-Achse
werden die Biegenormalspannunge n óx = ó:

ó > 0 = Zugspannung
, ó < 0 = Druckspannung
.

Abstand der Randfaser n am Biegezug- bzw. Biegedruckran


d von der y-Achse:
zz bzw. zD. Damit lassen sich die Widerstandsmoment
e definieren:

Die Randspannunge
n sind die größten Zug- und Druckspannungen
:

Bil d 9.1 Querschnitt , Normalspannunge n und Schubspannunge n


9.1 Schnittgröße n und Spannunge n 143

9.1. 3 Schubspannunge n
Die größte Schubspannun g max ô infolge einer Querkraft V z tritt im Trägersteg
i n Höhe der Schwerachs
e auf:

Sy ist das Statische Moment einer Querschnittshälft


e um die y-Achse.

Die mittlere Schubspannun


g im Steg ist:

Der Größtwert der Schubspannun g max ô ist bei üblichen Walzprofilen ca. 5 bis
8 % größer als der Mittelwert ôm.

I n geschweißte
n Trägern ergeben sich Schubspannunge
n in den Hals- u nd Flan-
kenkehlnähten:

9.1.4 Vergleichsspannunge n
Bei einachsige
r Biegung sind außer den Spannungen óx und x infolge Querpres-
sung an den Auflagern und Lasteinleitunge
n auch Spannunge n óz möglich.

Treten Normalspannunge n óx und óz in den Richtungen x und z u n d / o d er Schub-


spannunge n ô = ôxz = ôzx an einer Stelle gleichzeitig auf, so lassen sich unterschied
-
liche Kriterien für die Beurteilung des Gesamt-Spannungszustand s denken:

Hauptspannungsnachwei s
Die Hauptspannunge n óH geben die Extremwerte der Spannunge
n in der bevor-
zugten schiefen Richtung an:

Die Hauptspannunge n lassen besonders die Beurteilung spröder Materialien zu


(Betonbau!). Im Stahlbau wird der Nachweis heute nicht mehr angewandt .

Vergleichsspannungsnachwei s
Aus dem Vergleich der Gestaltänderungsarbeitgeht die Vergleichsspannun
g óv
hervor:
144 9 Einachsige Biegung und Querkraft

Meist können Querspannunge n óz vernachlässig t werden (= einachsige


r Span-
nungszustand). Dann verbleibt mit óx = ó für die Vergleichsspannung:

Wichtig : Die Vergleichsspannungeignet sich besonder s zur Beurteilung der Bean-


spruchung duktiler Werkstoffe. Sie wir d im Stahlbau für den Nachweis ein- und
mehrachsige r Spannungszuständ e im Material angewandt .

Für den Vergleichsspannungsnachwei s sind natürlich an einer Stelle x der Stab-


achse im Querschnitt jeweils die Spannunge n ó und ô in ein und derselbenFaser zu
kombinieren. Für Walzprofile liegt die maßgebend e Faser " i " am Beginn der Aus-
rundung zwischen Steg und Flansch, beim geschweißte n Träger am Trägerhals.

Bild 9.2 Maßgebend e Querschnittsfaser n "i " für den Vergleichsspannungsnachwei s

Nachwei s des Vergleichswerte s


Für Schweißnähtewir d schließlich der Vergleichswertals Vektorsummation der ver-
schiedenen Spannunge n berechnet , wenn in Kehlnähten unterschiedlich gerich-
tete Schubspannunge n und Normalspannun g auftreten:

Der Vergleichswert stellt eine auf der sicheren Seite liegende Vereinfachung zur
Beurteilung von Spannungskombinatione n dar.

Wichtig : In der Schreibweise óv lassen sich Vergleichswert und Vergleichsspan


-
nung (leider!) nicht unterscheiden . Sie müssen auf Grund ihres jeweiligen
Anwendungsbereiche s und auch sprachlich auseinandergehalte n werden.
9.2 Einfeldträger 145

9.2 Einfeldträge r
e zwei Einfeldträger unter der Wirkung einmal
I n Bil d 9.3 werden vergleichsweis
einer Gleichstreckenlast , zum anderen einer Einzellast in Feldmitte betrachtet.

max M max M
max ó max ó

max v
max ô cons t

max M und max V treten an unter- max M und max M treten in Balkenmitte
schiedlichen Stellen x am Träger auf: gleichzeitig auf:
Vergleichsspannung (bzw. Interaktions- Vergleichsspannung (bzw. Interaktions-
beziehung) wird nie maßgebend! beziehung) kann maßgebend werden!

Bild 9.3 Einfeldträge r unte r Gleichstreckenlas t un d unte r Einzellas t

9.2.1 Nachwei s E-E


[1 / 747] Aus den elastisch bestimmten Schnittgrößen M y u nd V z werden die Span-
nungen ó u nd ô berechnet . Die Nachweise auf die Grenzspannunge n lauten:
(1/33)

(1/34)

Dabei dar fiür ô auch mit ôm gerechne


t werden.

Bei gleichzeitiger Wirkung von c und x ist die Vergleichsspannun


g nachzuweisen
:

(1/35)

[1/749] In kleinen Bereichen darf die Vergleichsspannung óv die Grenzspannun


-
gen ÓR,d um 10 % überschreiten . Der Nachweis lautet dann:

Dafür ist Voraussetzung


, daß c < 0, 8 · óR, d erfüllt ist. Dies ist bei einachsige
r Bie-
gung ohneNormalkraft an den für óv relevanten Fasern praktisch immer gegeben .
146 9 Einachsige Biegung und Querkraft

Der Nachweis der Vergleichsspannun g ist beim Einfeldträger offensichtlich nur


unter Einzellast(en) notwendig, weil nur hier die Größtwerte für Biegemomen t
M y und Querkraft V z gleichzeitig auftreten können (siehe Bil d 9.3).
Für den häufigen Fall ô < 0, 5 · ÔR, d gilt der Nachweis für óv als erfüllt.

9.2.2 Nachwei s E-E mit örtlic h begrenzte r Plastizierun g


Nachweis (1/38) auf einachsige Biegung vereinfacht, erlaubt die Berechnung

Bei Walzprofilen darf apl,y* = 1,14 gesetzt werden.

9.2.3 Nachwei s E-P


Mi t denselbe
n elastisch bestimmten Schnittgrößen wie zuvor lautet der Nachweis
auf das Biegemomen t im vollplastischen Zustand:

Für Walzprofile und geschweißt e Träger mit ähnlichen Abmessunge n ist der pla-
stische Formbeiwert ápl,y = M p l , y / M e l ,y etwa 1,14. Damit läßt sich i.a. gegenübe r
dem Nachweis E-E durch Ausnutzung der plastischen Reserven eine Steigerung
der Beanspruchbarkei t von etwa 14% erreichen. Der Nachweis ist beim Einfeldträ-
ger identisch dem vorherigen Nachweis E-E mit örtlich begrenzte r Plastizierung.
Ferner ist nachzuweisen
:

Für V z > 0, 33 •Vpl, z,d muß die Interaktionsbeziehun


g nachgewiese
n werden:

9.3 Biegedrillknicke n
Bei Momentenbeanspruchun g wil l der Druckgurt
seitlich ausweiche n (Biegeknicken), wird aber
durch den Steg und vor allem den Zuggurt zurück-
gehalten, wobei zum seitlichen Ausweichen eine
Verdrehung hinzukommt (Bild 9.4). Der Stabilitäts-
Bild 9.4 Biegedrillknicke n
fall wir d Biegedrillknicken (früher: Kippen) benannt. (Kippen)

Die Nachweise der Sicherheit gegen Biegedrillknicken (BDK) erfordern gemäß


Belastung, Randbedingungen und Genauigkeit sehr unterschiedlichen Aufwand.
9.3 Biegedrillknlcken 147

9.3.1 Kei n Nachwei s erforderlic h


Ein Nachweis auf Biegedrillknicken ist nicht erforderlich, wenn der gedrückte
Gurt auf Grund baulicher Maßnahmen senkrecht zur z-Achse nicht ausweiche n
kann. Dies ist z.B. ohne weiteres gegeben
, wenn auf dem Stahlträger eine Beton-
platte aufliegt. Andere Möglichkeiten sind:
• [2/308] Ausreichende Behinderung der seitlichen Verschiebung u n d / o d er
der Verdrehung des Druckgurtes durch Trapezbleche . Hierfür sind beson-
dere Nachweise zu erfüllen.
• [2/309] A n den Druckgurt seitlich anschließende s Mauerwerk, dessen
Dicke nicht geringer als die 0,3-fache Höhe des Stabes ist. Diese Forderung
kann vor allem für eingemauert e Stützen aktiviert werden.

[1/740] Der Nachweis auf Biegedrillknicken darf entfallen bei


• Stäben mit Hohlquerschnitt und
• Stäben mit I-förmigem Querschnitt bei Biegung um die z-Achse.

9.3.2 Nachwei s des Druckgurt s als Drucksta b


g nicht erfor-
[2/310] Bei I-Trägern ist eine genauere Biegdrillknickuntersuchun
derlich, wenn nachfolgende Bedingung erfüllt ist:

(2/12)

mit (2/13)

c Abstand der seitlichen Halterun-


, Traege r
gen des gedrückten Gurtes,
i Z,g Trägheitsradius um die z-Achse Bild 9.4a Definitio n de s Rechenquer -
des aus Druckgurt und 1/5 des schnitt s fü r Nachwei s (2/12)
Steges gebildeten Querschnitts,
Tab. 9.1 Druckkraftbeiwert e k c nach {2/8}
k c Beiwert für den Verlauf der
Druckkraft im Druckgurt, nach
{2/8} , siehe Tab. 9.1. Normalkraftverlau f Beiwert kc
Mi t kc = 1 liegt der Nachweis immer
auf der sicheren Seite und entspricht max N 1,00
(1/24) der Norm.
Aus (2/12+13) läßt sich ableiten: max N 0,94

grenz ëg für S 235, max N 0,86

grenzëg für S 355.


148 9 Einachsige Biegung und Querkraft

9.3.3 Vereinfachte r Biegedrillknicknachwei s


Ist die vorgenannte Bedingung nicht erfüllt, darf'ein vereinfachterNachweis geführt
werden:

K Abminderungsfakto r der Knickspannungslini


e c oder d nach (2/4)
für ëz, z aus (2/13).
Für geschweißt e Träger, die durch Querlast am Obergurt beanspruch t werden, ist Knick-
spannungslini e d zu wählen und zusätzlich nachzuweisen , daß h /t ‡ 44 · 240/fy, k ist.
f y,k ist dabei in [N/mm2 ] einzusetzen . h /t = Trägerhöhe/Gurtdicke .
In allen übrigen Fällen ist Knickspannungslini
e c zu wählen.

9.3.4 Genaue r Nachwei s auf Biegedrillknicke n


[2/311] Für I-Träger, sowie U- und C-Profile, bei denen keine planmäßige Torsion
auftritt, ist der Tragsicherheitsnachwei
s wie folgt zu führen:

(2/16)

Abminderungsfakto
r für Biegemoment
e in Abhängigkeit ëM

bezogene
r Schlankheitsgra
d für Momente M y

(2/17)

(2/18)

=
MKi,y,d ideales Biegedrillknickmoment
Für den Beiwert n in (2/18) gilt:
n = n* · k n mit
n* Trägerbeiwert nach Tab. {2/9} :
Walzträger n* = 2,5
geschweißte Träger n* = 2,0
ausgeklinkte Träger n* = 2,0
Wabenträge r n* = 1,5
Bild 9.5 Reduktionsfakto r k n
kn Reduktionsfakto
r nach Bil d (2/14) nach Bild (2/14)
9.3 BJegedrillknicken 149

Zur Berechnung von ëM muß das idealeBiegedrillknickmoment M K i , y bekannt sein.


Die genaue Beziehung hierfür lautet:

mit (2/19)

æ = Momentenbeiwer t für Gabellagerun


g an den Stabende n nach {2/10}
1 = Abstand der seitlichen Halterungen des gedrückten Gurtes
zp = Abstand des Lastangriffspunkte
s der Querlast von der y-Achse

ideale Knicklast für Knicken um die z-Achse

IÙ (oder CM oder Aùù ) = Wölbwiderstand [cm6]


IT = St. Venantsche d [cm4]
r Torsionswiderstan

Für I-Träger ist:


Bei der Berechnun g von M ki, y geht die Höhe des
Lastangriffs in das Ergebnis ein: Lastangriff am
Obergurt erhöht die Instabilitätsgefährdun g
gegenübe r Lastangriff in Höhe der Schwerachse .
Dagegen mindert andererseit s Lastangriff am
Untergurt die Gefahr des Biegedrillknickens.

Vereinfachenddarf für Walzträger mit Träger-


höhen h < 60 cm gerechnet werden: Bild 9.6 Einflu ß de s Lastangriff s

Die Beziehung (2/20) liegt gewöhnlich weit auf der sicheren


Seite, so daß aus ihr oft keinewesentliche Verbesserun
g gegen-
über dem vereinfachte n Nachweis (2/14) zu erwarten ist.
Setzt man den plastischen Formbeiwert á p l ,y = 1,14 an, so
lassen sich aus (2/20) die einfachen Beziehunge n folgern:
Bild 9.7 Walzprofil -
Abmessunge n fü r
für S 235, Gleichunge n (2/20+21]

für S 355.

Bei Trägerhöhe
n h < 60 cm darf KM = 1 gesetzt werden, wenn (2/21) erfüllt ist:

mit fy,k in [N/mm2 ] (2/21)

Die Einschränkun g (2/21) ist im allgemeinen sehr restriktiv, so daß von dieser Erlaubnis
für KM = 1 nur selten Gebrauch gemacht werden kann.
150 9 Einachsige Biegung und Querkraft

Lastangrif f
für zp = - h/2

Momentenverlauf Beiwert æ

Stützweit e l [m]
Bild 9.8 Kippspannungskurve n nach Mülle r für IPE-Profil e mit zp = - h/2

Das ideale Biegedrillknickmoment M K i , y , d kann auch mit Hilf e von Tabellen oder
Nomogrammen bestimmt werden. Die Fachliteratur ist auf diesem Gebiet reich-
haltig. Auch spezielle Computer-Programm e können weiterhelfen. Trotzdem
wir d man für viele Praxisfälle auf Näherungen angewiese n sein.

Müller-Nomogramm e (Bilder 9.8 bis 9.11)

Zur Bestimmung der Biegedrillknickspannung werden vier für die neue Norm
überarbeitete Kurventafeln aus Müller "Nomogramme für die Kippuntersu-
9.3 Biegedrillknicken 151

IPE zP = 0

Momentenverlauf Beiwert æ

Stützweit e l [m]
Bild 9.9 Kippspannungskurve n nach Mülle r für IPE-Profil e mit zp = 0

chung frei aufliegender I-Träger" [14] wiedergegeben . Ausgewählt wurden


Tafeln für IPE-Profile und für HEA-Profile (bis HEA-320). für Lastangriff an Ober-
kante Träger (zP = -h/2) und in Höhe der Trägerachs e (zP = 0). Die Tafeln gelten
für beidseits gabelgelagert e Einfeldträger.

Der Ablesewert óKi ist die ideale Biegedrillknickspannung (= Kippspannung ) in


Druckflanschmitte für konstanten Momentenverlau f über die ganze Trägerlänge ,
also für æ =1. Daraus folgt für das ideale Biegedrillknickmoment M k i , y , d unter
152 9 Einachsige Biegung und Querkraft

Lastangrif f
für zp = - h/2 HEA zP = -h/2

Momentenverlauf Beiwert æ

Stützweit e l [m]
Bild 9.10 Kippspannungskurve n nach Mülle r für HEA-Profil e mit zp = - h/2

Berücksichtigung des Beiwerts æ(zeta) für den wirklichen Momentenverlau


f und
s ÃM:
des Teilsicherheitsbeiwert

Man beachte: stetig linearer M-Verlauf (keine Krümmung, ohne Knick!) zwischen
den Gabellagern bedeutet, daß zwischen den Lagern keine Querbelastun g auf ritt;
deshalb ist in diesen Fällen immer zp = 0.
9.3 Biegedrillknicken 153

Lastangrif f
fü r zp = 0 HEA zP = 0

Momentenverlauf Beiwert

Stützweit e / [m]
Bild 9.11 Kippspannungskurve n nac h Mülle r fü r HEA-Profil e mi t zp = 0

Künzler-Nomogramm e (Bilder 9.12 bis 9.14)

Die Nomogramme von Künzler [15] erlauben einen sehr schnellen BDK-Nach-
weis. Der Ablesewert K M • Wpl ergibt nach Multiplikation mit fy,d direkt den
Nenner K M • M p l , y, d in (2/16).

Nachteilig ist nur, daß hier nicht nur für jede Profilgattung und für jeden zP-Wert,
sondern auch für jeden æ-Wer t ein eigenes Nomogramm gebraucht wird. Drei der
vielen Tafeln (für IPE, HEA und HEB-Profile, jeweils zP = - h /2 und æ =1,12) sind
auf den folgenden Seiten wiedergegeben . [15] enthält ein umfangreiches Tafel-
werk. Weitere BDK-Tafeln aus [15] finden sich auch in [5].
154 9 Einachsige Biegung und Querkraft

dicke Linien: S 235 (St 37)


dünne Linien: S 355 (St 52)

Bild 9.12 BDK-Kurve n nac h Künzle r fü r IPE-Profil e mi t zp = - h/2 un d æ = 1,12


9.3 Biegedrillknicken 155

dicke Linien: S 235 (St 37)


dünne Linien: S 355 (St 52)

Bild 9.13 BDK-Kurve n nach Künzle r für HEA-Profil e mit z P = - h/2 und æ =1,12
156 9 Einachsige Biegung und Querkraft

Bild 9.14 BDK-Kurve n nac h Künzle r fü r HEB-Profil e mi t z P = - h/2 un d æ = 1,12


9.4 Durchlaufträger 157

9.4 Durchlaufträge r

9.4.1 Nachwei s E-E


Die Schnittgröße n sind am Durchlaufträger nach der Elastizitätstheori
e zu ermit-
teln (mittels statisch unbestimmte r Rechnung nach dem Kraftgrößen-Verfahren ,
mit Weggrößen-Verfahren , Iteration, Tabellen oder EDV). Die Nachweise sind
dieselben wie beim Einfeldträger. Bei unterschiedliche n Querschnitte n über die
Trägerlänge kompliziert sich das Rechenverfahre n wegen des zu beachtende n
unterschiedliche n Trägheitsmoments .

Auch hier ist der Nachweis mit örtlich begrenzte


r Plastizierung erlaubt, der mit
ápl,y* = 1,14 für Walzprofile und andere I-Querschnitte mit ähnlichen Abmes-
sungen ohne weiteres eine um 14 % verbessert e Ausnutzung der Querschnitte
bringt.

Dieser Nachweis E-E eignet sich besonder s für ungleichmäßig und mit Einzel-
lasten belastete Träger und für Träger mit unterschiedliche
n Stützweiten.

9.4.2 Nachwei s E-P


Die Schnittgrößenwerde n wie beim Verfahren E-E ermittelt. Wenn nach Gleichung
(1/24) Biegedrillknicken nicht berücksichtigt werden muß, dürfen die Stützmo-
mente um bis zu 15% vergrößert oder verkleinert werden. Bei der Bestimmung
der zugehörigenFeldmoment e sind die Gleichgewichtsbedingungenzubeachten !

9.4.3 Nachwei s P-P


Hier können die Systemreserve
n konsequent ausgenutzt werden. Unter Wahrung
der Gleichgewichtsbedingungen können beliebige Schnittkraftverteilunge
n vor-
genommen werden.

Die Beanspruchbarkei
t der Querschnitte ist dieselbe wie beim Verfahren E-P.

Besonders große Vorteile bringt das Verfahren P-P für Durchlauf träger mit gleich-
bleibendem Querschnitt, gleichen Stützweiten und gleichmäßig verteilter Strek-
kenlast. In den Endfeldern wie über den ersten Innenstütze n wir d bei Erreichen
der Traglast das Biegemoment :

und in den Endfeldern direkt neben


den Innenstütze
n wir d die Querkraft:

Bild 9.15 Traglas t bei DLT (ohne M-V-Interaktion)


158 9 Einachsig e Biegun g und Querkraf t

Über den Innenstütze n der Durchlaufträger wird oft


V z/Vpl, z > 0,33. Dadurch kann wiederum das Stütz-
moment nicht auf Mpl,y ausgenutz t werden. Meist
genügt eine geringe Reduktion. An der Stütze gilt:

9.4.4 Vereinfacht e Traglastberechnun g Bild 9.16 Momente am DLT


Biegemoment e
DI N 18801 (9.83) ist noch auf dem "alten" Normenkonzep t aufgebaut. Abschnitt
6.1.2.3, erlaubt für Deckenträger
, Pfetten und Unterzüge, deren Querschnitte zur
Lastebene symmetrisch sind, als vereinfachend e Annahmen für die Biegemomente :
2
• M = q •12/ l l in den Endfeldern (und über der jeweils ersten Innenstütze)
,
• M = q •12/ 16 in den Innenfeldern und über den übrigen Innenstützen ,
wenn folgende Bedingungen eingehalten sind:
• Der Träger hat doppeltsymmetrische n Querschnitt,
• Stöße weisen volle Querschnittsdeckun g auf,
• die Belastung besteht aus feldweise konstanten , glezclzgerichtete
n Gleich-
streckenlaste
n q (deren Beträge nicht kleiner als Null sein dürfen),
• bei unterschiedlichen Feldlängen 1 darf die kleinste nicht kleiner als 0,8 der
größten Feldlänge sein (also min 1 > 0,8 max 1),
• die b/t-Verhältnisse für die Nachweisart P-P müssen eingehalten sein.
Gemäß Einführungserla ß zur DIN 18800 (11.90) und Anpassungsrichtlini e zur DIN
18801 des WM Baden-Württ. vom 20.10.92 ist mit den so vereinfacht ermittelten
Schnittgröße n die plastische Bemessung gestattet. Dies erleichtert die Berechnung
von Durchlaufsysteme n wesentlich, weil die Kontrolle der M-V-Interaktion wegfal-
len darf, sich trotzdem aber keine wesentliche Herabsetzun g der Traglast q ergibt.
Die Anwendung dieser Regelunge n erfreut sich in der Praxis großer Beliebtheit.
Die Nebenbedingung bezüglich voller Stoßdeckun g ist jedoch für Stöße in Nähe
der Momenten-Nullpunkte sehr ungünstig und darf angezweifelt werden.

Auflagerkräft e
Eine verbindliche Regelung für vereinfachte Berechnung von Auflagerkräften an
Durchlauf trägern existiert im Augenblick nicht. Al s sinnvoll und allgemein in der
Praxis angewandt darf für Auflager an Innenstütze n von Durchlauf trägern gelten:
• A = 1, 25 • q • 1 bei Zweifeldträgern mit gleichen Stützweiten,
• A = 1, 0 • q • 1 bei Trägern über mehr als 2 Felder, wenn min 1 > 0,8 max1.
Zweifeldträger sind deshalb als Dachpfetten möglichst zu vermeiden!
9.4 Durchlaufträger 159

9.4.5 Vergleic h der verschiedene n Nachweismöglichkeite n


Der Vergleich der Nachweismethoden , am konkreten Beispiel berechnet , hat zwar
nicht Allgemeingültigkeit für alle Verhältnisse, zeigt aber die Tendenze n klar auf.
Beim Zweifeldträger mit gleichen Stützweiten und Gleichstreckenlas t q ergibt ein
folgendes Beispiel (IPE 180, L = 2 x 5,0 m) als Vorteil gegenübe
r der Berechnung E-E:
• beim Verfahren E-E mit Ausnutzung örtlicher Plastizierung ca. 14 %
• beim Verfahren E-P mit Umlagerung des Stützmoment
s 34 %
2
• beim Verfahren P-P mit q l / H (DIN 18801) 57 %
• beim Verfahren P-P mit genauer Lösung 64 %

9.4.6 Biegedrillknicke n
Es sind dieselben Kriterien wie beim Einfeldträger maßgebend
, ob
• ein Nachweis nicht erforderlich ist,
• ein vereinfachter Nachweis genügt oder
• ein genauererNachweis notwendig wird.
Müssen für den Nachweis vom Momenten- bzw. Normalkraftverlauf abhängige Beiwerte
k c (für (2/13)) bzw. á (für (2/19)) herangezoge
n werden, fällt deren Bestimmung oftmals
schwer, wenn Vorlagen mit entsprechende n Verläufen fehlen. Auf der sicheren Seite liegt
stets kc = 1 bzw. æ =1. Die einschlägige Literatur enthält hierzu zahlreiche Angaben.

Bei nicht ausreichende r Sicherheit eines


Profils (auch bei genauem Nachweis) gegen
Biegedrillknicken bestehe n für den Einsatz
von Walzprofilen verschieden e konstruk-
tiv e Möglichkeiten der Verbesserung :
• Wahl des nächsthöhere
n Profils,
Bild 9. 17 Walzprofil e mit verstärkte m
• Wahl eines Breitflanschprofils Druckgur t
(anstatt z.B. eines IPE-Profils),
• Verstärkung des DruckgurtsamProfil,z.B.durchAnschweißenvonZusatz
-
lamellen, Winkeln, U-Profilen,
• Anordnung eines Verbandes zur Verringerung der maßgebende
n Länge,
• Anordnung genügend schub- und drehsteifer Decken- oder Dachscheibe
n
auf dem Obergurt des Profils.
Bei geschweißten Querschnitte n wählt man
vorteilhaft zur y-Achse unsymmetrisch e
Querschnitte, bei denen der Druckgurt ein
möglichst großes I z aufweist. - Der BDK-
Nachweis für diese Profile erfolgt zweck- Bild 9.18 Geschweißt e Querschnitt e
mäßig nach [2/310]. mit große m l z des Obergurt s
160 9 Einachsig e Biegun g und Querkraf t

9.5 Nachwei s der Gebrauchstauglichkei t


Al s Nachweis der Gebrauchstauglichkei
t steht bei Trägern, Decken, Rahmen u.a.
vor allem der Nachweis der Durchbiegung.

[1/704] Grenzzuständ e für den Nachweis der Gebrauchstauglichkei t sind, soweit


sie nicht in anderen Grundnormen oder Fachnorme n geregelt sind, zu vereinba-
ren. - Im Hochbau existieren derzeit keine derartigen Festlegungen . Es ist weit-
gehend Sache des Bauherrn (bzw. der ihn beratende n Fachleute), Grenzzuständ e
festzulegen.

Bei fehlenden Festlegunge n hat sich die Einhaltung einer Durchbiegungsbe -


schränkung für Träger, Decken, u.dgl. entsprechen d früher geltenden Normen
auf L/300 festgehalten . Für Dächer genügen geringere Werte, etwa L/150; doch
ist hier zu beachten , daß z.B. Wassersackbildun g (bei Schneeschmelze!) verhin-
dert werden muß. Auf Decken aufgestellte empfindliche Maschinen (z.B. Druk-
kereimaschinen ) können aber auch wesentlich schärfere Forderunge n verlangen.
Für Kranbahnträge r ist unter Last etwa L/800 bis L/500 einzuhalten.

Die Grenzzuständ t werden für die Gebrauchslasten


e der Gebrauchstauglichkei
(charakteristisch
e Werte der Einwirkungen) nachgewiesen!

[1/705] Ausnahme: Wenn mit dem Verlust der Gebrauchssicherhei t eine Gefährdung von
Leib und Leben möglich ist, gelten für den Nachweis der Gebrauchstauglichkei t die
Regeln für den Nachweis der Tragsicherheit . Der Nachweis ist dann mit denselbe
n Sicher-
heitsfaktoren zu führen. - Beispiel: Durch Verformungen werden Leitungen beschädigt ,
aus denen gefährdend e Stoffe austreten. Oder: Teile von Bauwerken für Kernreaktoren .

9.5.1 Ermittlun g vo n Durchbiegunge n


Zur Ermittlung von Durchbiegungen , sofern diese nicht direkt einer EDV-Aus-
gabe entnommen werden, stehen als Möglichkeiten zur Verfügung:
• Berechnung mit Hilf e des Arbeitssatzes , bei statisch unbestimmten Trag-
werken meist zweckmäßig in Verbindung mit dem Reduktionssatz . Die
Methode ist allgemein anwendbar , je nach Erfordernisse n können Normal-
kraft- u n d / o d er Schubverformunge n berücksichtigt werden.
• Tabellenwerke. Für Einfeldträger und Durchlaufträger mit gleichen Stütz-
weiten und regelmäßige r Belastung einfach zu handhaben .
Einfeldträger weisen gegenübe r Mehrfeldträgern oder Rahmen wesentlich grö-
ßere Durchbiegunge n auf. Hier kann der Gebrauchstauglichkeitsnachweis ent-
scheidend werden! Zu großen Durchbiegunge n kann jedoch auch mit
planmäßiger Vorverformung der Träger (Überhöhung) begegne t werden.

Tragwerke aus S 355 weisen voll ausgenutz t gegenübe r gleichartigen aus S 235
1,5-mal so hohe Durchbiegungen auf. Falsch ist es daher, wegen Verformungsbe -
schränkunge n einen höherwertigen Stahl zu wählen!
9.5 Nachweis der Gebrauchstauglichkeit 161

9.5.2 Durchbiegun g am Einfeldträge r


Häufig gebraucht
e Werte sind:

t q: max w
Gleichstreckenlas

mittige Einzellast F: max w

Tab. 9.2 gibt für doppeltsymmetrische Träger aus S 235 Grenzverhältniss e Trä-
gerhöhe h/Stützweite L für Einfeldträger an, bei deren Einhaltung die Anforde-
rung maxw = L/300 gewährleiste t ist:
Tab. 9.2 Wert e grenz(h/L) zur Einhaltun g max w = L/300 fü r I-Träge r au s S 235

Lastkombination q (bzw. F) nur ständige Last q = g q = g + p mit p : g = 2 : l

Bemessungsverfahre
n E-E E-P E-E E-P

Gleichstreckenlast q 0,048 0,055 0,045 0,051

Einzellast F 0,0385 0,044 0,036 0,041

9.5.3 Durchbiegun g an Mehrfeldträger n


Für Mehrfeldträger mit gleichen Stützweiten und Belastung mit Gleichstrecken
-
last q in allen Feldern gilt:

Zweifeldträger: max w =

Dreifeldträger: max w =

Vierfeldträger: max w =

Man erkennt, daß bei Mehrfeldträgern die größte Durchbiegung höchsten s halb
so groß ist wie beim Einfeldträger mit gleicher Stützweite und Belastung.
Bei Trägern über 3 oder mehr Felder treten die größten Durchbiegunge n jeweils
in den Außenfeldern auf. Für Träger mit mehr als 4 Feldern kann genügend genau
die Beziehung für den Vierfeldträger benutzt werden.
Feldweise unterschiedlich
e Belastung kann die größten Durchbiegunge
n gegen-
über durchgehender Belastung um bis zu 70 % erhöhen!
162 9 Einachsig e Biegun g und Querkraf t

9.6 Beispiel e

9.6.1 Einfeldträge r
Beidseits gabelgelagerte
r Einfeldträger.
Stützweite L = 5,00 m.
Querschnitt: IPE 400. Werkstoff: S 235.
Gebrauchslasten:
ständige Last g = 12,5 k N /m
Verkehrslast p = 22,5 k N /m
Lastangriff: Oberkante Träger.
1) All e notwendigen Nachweise, einschließlich Biegedrillknicknachweis
, sind zu führen.
2) Alternativ soll das etwa gleichgewichtige Profil HEA-260 untersucht werden.

Bemessungswert
e der Einwirkungen und Schnittgrößen
qS, d = 1,35 12, 5 + 1,50 · 22, 5 = 50, 62 k N /m
max = F
Vz, d A, d = 50, 62 · 5, 0 / 2 = 1 2 6, 56 k N

2
max My, d = 50, 62 • 5, 0 /8 = 158, 20 kNm

1) Querschnitt IPE 400


IPE 400: M pl,y,d = 285 kNm; V p l , z ,d = 419 kN; i z , G u rt = 4,49 cm.
Wenn der Tabellenwert für i z,g nicht vorliegt, rechnet man:

Tragsicherheitsnachweis E-P

Einfacher Momenten-Nachwei
s erfüllt.

Kein Interaktions-Nachwei
s erforderlich!

Nachweis gegen Biegedrillknicken

a) Kein Nachweis erforderlich, wenn:

Es ist: 500 cm nicht erfüllt!

b) Schärfergefaßt mit (2/12+13):

d.h. zusätzlich wird im Nachweis mit kc die Form des M-Verlaufs berücksichtigt.
9.6 Beispiel e 163

400 cm < c = 500 cm auchnicht erfüllt!

oder genauso
: grenz ëg nicht erfüllt!

c) VereinfachterNachweis:

Mi t (2/13): wird

Der K-Wert ist hier unabhängig von der Querschnittsfor


m nach KSL c zu wählen, sh. Abschn. 9.3.3!

Damit: Nachweis erfüllt!

d) Alternativ: Nachweis mit Künzler-Nomogramm


:
IPE-Reihe, zP = -h/2, æ =1,12:
Ablesewert = 8,33, Divisor 0,01.

Nachweis: Der Nachweis offenbart große Reserven


!

e) Alternativ: Nachweis mit Müller-Nomogramm:


IPE-Reihe, zP = -h/2: Ablesewert óKi = 17,5 kN/cm2
Momentenform-Beiwert : æ =1,12

Walzprofil, Stabendmoment
e

Nachweis:

f) Alternativ: Genaue Biegedrillknickberechnung


:

Momentenform-Beiwert
: æ =1,12
164 9 Einachsig e Biegun g und Querkraf t

Lastangriff OK Träger:

Damit: Mi t n = 2,5 (s.o.) und der genauen Formel für K M :

0, 639 oder man interpoliert wie bei e)

Nachweis: mit demselbe


n Ergebnis wie bei e)

Die Nachweise d) und e) führen - von Ablese-Ungenauigkeite n abgesehe n - zum selben Ergebnis
wie der "genaue" rechnerisch e Nachweis f). Es sei daraufhingewiesen, daß auch dieser Nachweis
nicht als "exakt" gelten darf; es handelt sich auch hier nur um ein Ersatzstab-Verfahren!

Nachweis der Gebrauchstauglichkeit


Al s Begrenzung der Durchbiegung unter Gebrauchslas
t wird i.a. der Wert L/300 angesehen
. Letz-
ten Endes hängt die Begrenzung von der Art und den Ansprüchen der Nutzung ab.

Biegesteifigkeit des Trägers: EI = 21000 • 23130/104 = 48573 kNm2

Damit Durchbiegung in Feldmitte: maxw

Einfacherläßt sich speziell die Einhaltung der Begrenzun


g auf L/300 nachweisen
:
Nach Tab. 9.2 ist bei Werkstoff S 235, Anwendung des Nachweisverfahrens E-P, Lastverhältnis
g/p ~ 1/2 und Einhaltung hT r > 0, 0465 L die Forderung maxw < L/300 immer erfüllt.
Hier ist: p /g = 22, 5/12, 5 ~ 2/1 und hT r = 40 cm > 0, 051 • 500 = 25, 5 cm
Die Anforderung maxw < L/300 ist also mit großer Reserve erfüllt.

2) Alternativ e Untersuchung für HEA-260


HEA-260: M pl,y,d = 201 kNm; Vpl,z,d = 224 kN; iz,Gurt = 6,91 cm.

Tragsicherheitsnachweis E-P
V/Vpl = 126,56/224 = 0,565 < 0,9
M/M pl = 158,20/201 = 0,787 < 1

Interaktion ist nicht erforderlich, weil V und M an unterschiedliche


n Stellen am Träger auftreten!

Biegedrillknicken

a) Kein Nachweis erforderlich, wenn:

nicht erfüllt!
9.6 Beispiel e 165

b)Mi t wird

Damit:

c) oder nach Künzler: HEA-Reihe, zP = -h/2, æ= 1,12: Ablesewert = 59,2

Nachweis:

Wieder werden im BDK-Nachweis größere Reserve


n gegenübe
r den vereinfachte
n Nachweis-Ver-
fahren aufgezeigt.

Durchbiegung: max w

9.6.2 Zweifeldträge r mit gleiche n Stützweite n


Zweifeldträger. Stützweiten L = 2 x 5,00 m.
Querschnitt: IPE 180.
Werkstoff: S 235.
Die Belastbarkei t grenz qd (= Bemes-
sungswert der möglichen Einwirkung)
ist nach verschiedene n Verfahren zu
ermitteln:
1) Nachweis-Verfahre
n E-E,
2) E-E mit örtlicher Plastizierung bzw. E-P,
3) Nachweis mit Momenten-Umlagerung
,
4) vereinfachte
s Traglastverfahren
,
5) genaues Traglastverfahren
.
Der Obergurt des Trägers ist gegen seitliches Ausweichen gehalten.

1) Nachweis E-E

Größtmomen
t über der Stütze:

Mi t

wird

Damit:
166 9 Einachsige Biegung und Querkraft

und MAX

Erlaubt ist auch:

Vergleichsspannunge
n müssen also nicht nachgewiese
n werden.

2a) Nachweis mit örtlic h begrenzter Plastizierung


Anstatt Wy darf gesetzt werden.

Der genaue Wert ist:

Erlaubt ist für I-Querschnitte: á*pl,y = 1, 14

Damit wird ohne weiteres: grenz qd = 1, 14 • 10, 19 = 11, 62 k N /m

Es wird dabei: x = 1, 14 • 3, 49 = 3, 98 kN/cm2 < 6,30 kN/cm2


Auch hier müssen Vergleichsspannunge
n nicht nachgewiese
n werden.

2b) Nachweis E-P

Nachweis: M pl,d = 36,3 kNm

Damit: grenz qd

Der Nachweis 2b) ist mit 2a) praktisch identisch.

3) Nachweis mit Momentenumlagerung


Umlagerung der Stützmoment e um 15 % ist erlaubt, wenn Knicken und BDK nicht berücksichtigt
werden müssen. min M wird also um 15 % abgemindert . Der Nachweis erfolgt E-P:

Damit wird ohne weiteres:

Zu kontrollieren ist, ob bei der Momentenumlagerun


g jetzt die Feldmomente so vergrößert
werden, daß diese für die Bemessung maßgeben
d werden:

Mi t

wird

An der Stütze:

und

Der Nachweis der Vergleichsspannun


g óv ist nicht erforderlich.
9.6 Beispiele 167

4) Nachweis mit qL 2/11 (nach DIN 18801)

Bemessungsmoment
: max M =

Daraus folgt: grenz qd =

Oder direkt: grenz qd =

r Nachweis 2) ergibt sich einfach der Faktor 11/8.


Begründung hierfür: gegenübe

5) Genauer Nachweis P-P


Betrachtet man allein die Biegemoment
e My, so ist die plastische Grenzlast erreicht, wenn:

Daraus:

Die gleichzeitig an der Stütze auftretende Querkraft ist:


V = 0, 586 • q • L = 0, 586 • 16, 93 • 5, 0 = 49, 6 kN
Damit: V/V pl = 49,6/115 = 0,431 > 0,33!
Wegen V / V pl > 0,33 muß Interaktion nachgewiese n werden. Sie ist natürlich für die oben errech-
nete Last nicht erfüllt, denn dort ist schon M = M pl . Die Interaktionsgleichung ergibt 1,040 > 1.
Das Stützmomen t muß also soweit wieder abgeminder
t werden, daß die Interaktionsbeziehunge
n
erfüllt sind, während das Feldmoment auf der vollen Größe M pl belassen werden kann (denn dort
ist ja V = 0)! Der Grenzlast nähert man sich am besten durch Probieren.
Versuch mit qd = 16,7 kN/m.

Es gilt:

Interaktion:

Der Nachweis ist praktisch exakt erfüllt. Mit sehr guter Näherung gilt: grenz qd = 16,70 kN/m

b/t-Verhältnisse
Die b/t-Verhältnisse müssen bei reiner Biegebeanspruchun g von Walzprofilen aus S 235 für alle
Nachweis-Verfahre n nicht überprüft werden. Siehe hierzu Tabelle 4.5.
168 9 Einachsige Biegung und Querkraft

9.6.3 Dreifeldträge r mi t ungleiche n Stützweite n


Dreifeldträger. Stützweiten L = 5,0 + 6,2 + 5,0 m.
Querschnitt: IPE 200. Werkstoff: S 235.
Ausreichende Sicherheit gegen Biegedrillknicken ist gegeben
.
Gebrauchslasten
: ständige Last gk = 4,75 k N /m
Verkehrslast pk = 8,40 kN/m
q =g +p

IPE 200
Feld 1 Feld 2 Feld 1'
5,00 m 6,20 m 5,00 m

t der Einwirkungen für Vollast: qd = 1, 35 • 4, 75 + 1, 5 • 8, 4 = 19, 0 k N /m


Bemessungswer
Aus einer EDV-Berechnun
g am Durchlaufträger sind folgende Angaben entnommen
:

max A max B min M B max M1 max M2


Einwirkunge n
[kN] [kN] [kNm] [kNm] [kNm]
char. Werte gk + feldw. verändert. pk 28,0 85,1 -45,3 29,9 30,6
ständige Last gd 11,9 39,1 -20,3 11,1 10,4
Bemes-
sungs- Vollast qd 35,4 118,5 -60,3 33,0 30,9
werte
gd + feldw. verändert. p d 40,7 123,3 -65,6 43,6 44,7

Für den Träger sind folgende Tragsicherheitsnachweis


e zu führen:
1) Nachweis E-E mit örtlicher Plastizierung.Es wird sich zeigen, daß der Nachweis nicht genügt!
2) Nachweis P-P. Die Momentenverteilun g soll hierfür zweckmäßig gewählt werden, z.B. aus-
gehend von voller Ausnutzung für das Feldmoment M 2. Die Auflagerkräfte aus den charak-
teristischen Werten der Einwirkungen getrennt nach g und p sind bereitzustellen
.
3) Vereinfachter Nachweis P-P. Es soll gezeigt werden, daß die Voraussetzunge n für die Anwen-
dung des Verfahrens gerade noch zutreffen. Dies gilt auch für eine vereinfachte Berechnun g
der Auflagerkräfte; die Werte sind mit den Ergebnissen aus 1) und 2) kritisch zu vergleichen.
4) Es soll gezeigt werden, daß unter Gebrauchslaste
n nirgends der elastische Grenzwert der
Normal Spannung überschritten wird.

IPE 200: Wy = 194 cm3; M pl,y,d = 48,1 kNm; V p l , z ,d = 135 kN


1) Nachweis E-E
Maßgeben
d ist das Stützmomen
t min M B = - 65,5 kNm für g + feldw. veränderl. p.

Der Nachweis ist nicht erfüllt!

2) Nachweis P-P
Das Feldmoment in Feld 2 (Mittelfeld) wird festgesetzt
: M 2 = Mpl, y, d = 48, 1 kNm
9.6 Beispiel e 169

Damit wird das Stützmoment


:

Die Querkraft im Mittelfeld unmittelbar neben der Stütze wird: Vz, d = 19, 0 • 6, 2/2 = 58, 9 kN
Die Querkraft im Seitenfeld unmittelbar neben der Stütze wird:
|Vz, d| = 19,0 · 5,0/2 + 43,2/5,0 = 47,50 + 8,64 = 56,14 kN < 58,9 kN

Nachweis der größten Querkraft:

n Stelle, unmittelbar rechts von Stütze B:


Interaktion an der maßgebende

Auflagerkräfte für die charakteristische n Werte der Einwirkungen durch Rückrechnun


g aus den
Bemessungswerte n A d = 47,5 - 8,6 = 38,9 kN
und Bd = 56,1 + 58,9 = 115,0 kN,
anteilig ca. 33 % aus gd und 67 % aus pd :

Kontrolle: V = 2 • (26, 9 + 79, 5) = 212, 8 kN,


Sollwert: V = (4, 75 + 8, 40) • 16, 2 = 213, 0 kN also: Berechnung in Ordnung!
Gegenübe
r den Werten bei feldweise veränderliche
r Verkehrslas
t sind die Werte bis ca. 7 % kleiner.

3) Vereinfachter Nachweis P-P


Es ist min L = 5,0 m = 0,806 maxL> 0,8 maxL. Damit ist das vereinfachte Verfahren anwendbar
!

: Außenfelder: q • 12/11 = 19, 0 • 5, 02 /11 = 43, 2 kNm


Bemessungsmomente
Innenfelder: q • 12/16 = 19, 0 • 6, 22/16 = 45, 65 kNm

Nachw.: M-V-Interaktion beim vereinf. Nachw. nicht erforä.l

Auflagerkräfte: wie oben: ca. 33 % aus gd und 67 % aus pd :

Gegenübe
r dem Wert bei feldweise veränderl. Verkehrslas
t ist der Wert bei B um 13,6 % zu klein.

4) Elastische Spannung unter Gebrauchslast

Spannunge
n bleiben unter der Fließgrenze
!
170 9 Einachsige Biegung und Querkraft

9.6.4 Geschweißte r Träge r


Einfeldträger. Stützweite L = 16,0 m.
Der Obergurt des Trägers ist in den
Angriffspunkten der Einzellasten ]
gegen seitliches Ausweichen gehalten.
Gebrauchslasten
:
ständige Last g = 5 k N /m
Fg = 3 x 10 kN
Verkehrslast Fp = 3 x 30 kN
Geschweißte
r Querschnitt.
Werkstoff: S 235.
Die notwendigen Tragsicherheits
- und Gebrauchstaug -
lichkeitsnachweis
e (Durchbiegung!) sind zu führen.

Bemessungswert
e für die Einwirkungen

Schnittgrößen
Stelle m:

Stelle 1:
Querschnitt

b/t-Wert e

Druckgurt: Nachweis E-E zulässig.

Nachweis E-P unzulässig


!
Daher ist nur das Nachweis-Verfahre
n E-E möglich! Nur darauf wird noch der Steg untersucht.

Steg: Nachweis E-E zulässig.

Weil der Wert der größten Druckspannun g im Steg kleiner ist als der Wert der größten Zugspan-
nung, liegt der Wert grenz(b/t) auf der sicheren Seite.
Nachweis E-E für Feldmitte:
9.6 Beispiel e 171

Nachweisetwaerfüllt!

Die Grenznormalspannun
g ist um 0,4 % überschritten
, was hingenomme
n werden kann.

Nachweiserfüllt!.

Der Nachweis der Druckspannun


g ist eigentlich gar nicht mehr erforderlich, weil diese kleiner
ist als die Zugspannung
.
Wegen der nicht ausgenutzte n Druckspannun g im Gurt könnte mit genauen Formeln der Wert
grenz(b/t) noch verschärft angegeben werden, was hier aber nicht erforderlich ist.
Schubspannung am Auflager

Kein Nachw. von óv erforderlich.

Halskehlnähte

nicht maßgebend.

Dünnere Nähte werden aus konstruktiven Gründen nicht gewählt.


Biegedrillknicken
Für die Untersuchunge
n ist die Bestimmung vonMpl,y,derforderlich, auch bei Nachweis E-E!

500 cm Nachw.erfüllt!

Ein eigentlicher BDK-Nachweis muß daher nicht geführt werden.


Durchbiegung unter Gebrauchslas
t in Trägermitte (Punkt m)
Berechnung für g und Fm mit geschlossene
n Formeln:

infolge

infolge
172 9 Einachsige Biegung und Querkraft

Berechnung für die beiden äußeren Einzellasten mit Arbeitssatz:

infolge F = 2 x 40 kN

Gesamte Durchbiegung: maxw = w m = 0,0205 + 0,0164 + 0,0178 = 0,0547 m = L/293 ~ L/300


Anmerkung: Erforderlichenfalls muß der Träger um ca. 6 cm überhöht werden.

9.6.5 Geschweißte r Träger

Einfeldträger. Stützweite L = 12,0 m.


Geschweißte
r Querschnitt. Werkstoff: S 235.
Gebrauchslasten
:
ständige Last g = 20 kN/m
Verkehrslast p = 43 kN/m
Der Obergurt des Trägers ist in den Viertelspunkten
gegen seitliches Ausweichen gehalten.
Die notwendigen Tragsicherheits - und Gebrauchstaug
-
lichkeitsnachweis
e sind zu führen.

Bemessungswert
e der Einwirkungen und Schnittgrößen

Querschnittswerte
9.6 Beispiel e 173

b/t-Werte: Druckgurt: Ohne weiteren Nachweis für alle Verfahren geeignet.

Steg:

Es kommt also nur ein Nachweis E-E in Frage!

Nachweis E-E für Feldmitte: erfüllt!

Schubspannung am Auflager:

oder

Es gelingt zwar nicht der Nachweis, daß ôm < ÔR,d/2bzw. maxx < ÔR,d /2. Es ist jedoch offensicht-
lich, daß keine Vergleichsspannun
g nachgewiese n werden muß.
Biegedrillknicken:

Die Halskehlnäht
e wurden konstruktiv mit a = 5 mm festgelegt, möglich wäre auch a = 4 mm.
Weitere Nachweise sind uninteressant
. Dies gilt bei dem hohen Träger (h/L ~ 1/12) auch für die
Durchbiegung. Tatsächlich errechne
t sich mit den Gebrauchslaste n max w = 18,1 mm = L/663.

9.6.6 Rahmenriege l
Riegel am Zweigelenkrahmen
, Walzpro-
fil IPE 400, S 235.
Siehe hierzu auch Statik Objekt B, Pos. 2.2.
Der Riegel von insgesam t etwa 20 m
Länge weist im mittleren Bereich den
dargestellten Momentenverlau f auf. Die
gleichzeitig auftretende Normalkraft ist
N = 62 kN (Druck). Die Querlast qd greift
Oberkante Riegel an.
Der Dachverban d der Gesamtkonstruktio n hat die Feldweite 5,00 m. In den dargestellte
n Punkten
ist der Träger in seinem Druckgurt seitlich gehalten. Wegen des antimetrische n Verlaufs der Ver-
formungsfigur beim BDK darf in diesen Punkten auch Gabellagerun g angenomme n werden.
Es sollen vergleichend verschiedene Methoden zum Nachweis ausreichende
r Sicherheit gegen
seitliches Ausweichen (Biegedrillknicken) durchgerechne
t werden.
174 9 Einachsige Biegung und Querkraft

1) Es soll gezeigt werden, daß gemäß [2/312], Gl. (2/22) alle Nachweise ohne Berücksichtigung
der Normalkraft N geführt werden dürfen.
2) Der Tragsicherheitsnachwei
s ist nach dem Verfahren E-P zu führen.
3) Gemäß [2/311], Gl. (2/21), ist zu untersuchen
, ob K M = 1 gesetzt werden darf. - Wäre dies
der Fall, müßte überhaupt keine Untersuchun g auf BDK geführt werden.
4) [2/310], Gl. 2/12+13): Untersuchun
g des Druckgurts als Druckstab.
5) [2/310], Gl. (2/14): Vereinfachter BDK-Nachweis.
6) [2/311], Gl. (2/20): Vereinfachte Methode zur Bestimmung von MKi,y,d. Damit Durchführung
des BDK-Nachweises .
Es wird sich zeigen, daß die Verfahren 3), 4) und 6) nicht zum Erfolg führen, d.h. es kann auf diese
Methoden keine ausreichend e Sicherheit gegen seitliches Ausweichen des gedrückten Gurtes
nachgewiese n werden. Folglich muß - sofern nicht konstruktive Änderungen getroffen werden
sollten - ein "genauer" BDK-Nachweis geführt werden. Allerdings genügt auch Verfahren 5)
knapp und erweist sich bei den gegebene n Verhältnisse n als das einfachste.
Für einen genauen BDK-Nachweis ist die Kenntnis des Beiwerts notwendig (siehe hierzu auch
Angaben in den Müller-Nomogrammen) . Oft läßt sich ænicht genau bestimmen, sondern nur
abschätzen . Auch Interpolation schafft nur Näherungswert e (und kann unsicher sein!).
Legt man für den obigen Fall die æ-Angaben der Fälle
1 bis 3 in nebenstehende r Tabelle zugrunde, so
erscheine
n folgende Abschätzunge n zulässig:
• Stets auf der sicheren Seite liegt æ =1.
• Aus der Anschauung auf der sicheren Seite:
æ= 1,12.
• Wichtung ähnlich wie beim Trapez
(etwas fragliches Verfahren!).
Der Schätzwert ergibt etwa: æ =1,26. Schatzwert
7) BDK-Nachweis mit Müller-Nomogramm für alle drei Schätzwerte æ.
8) BDK-Nachweis mit Künzler-Nomogram
m für æ =1,12.
Wertung der Ergebnisse : Auch mit æ =1 reicht der genaue BDK-Nachweis noch aus. Für æ =1,12 muß
sich nach "Müller" und "Künzler" dasselb e Ergebnis (wie auch bei einem rein rechnerische n Nach-
weis) einstellen. Der Nachweis mit dem Künzler-Nomogram m ist besonder s einfach. Die vereinfa-
chenden Verfahren 3) bis 6) lohnen die Untersuchun g meist nur, wenn die Ausgangswert e für einen
genauen Nachweis schwierig zu erhalten sind (z.B. bei nur einfach-symmetrische n Querschnitten) .

Schnittgrößen
: N = 62 kN (Druck); M y = 167 kNm/42 kNm; y = 42/167 ~ 0, 25.
Querschnitt: IPE 400, S 235 JR G2. Geometrie:h = 400 mm; b = 180 mm; t = 13,5 mm; s = 8,6 mm.
A = 84,5 cm2; I y = 23130 cm4; i y = 16,5 cm; I z = 1320 cm4; i z = 3,95 cm;
N p l , d = 1840 kN; M pl,y,d = 285 kNm.

Kb = 0, 399

BDK-Nachweis ohneN!
9.6 Beispiel e 175

Voraussetzun
g für K M = 1, kein BDK.

Es ist: Nachweis nicht erfüllt!

Es ist: oder Tabellenwert 4,49 cm

Der kc-Wert ist schwierig abzuschätzen


: er liegt zwischen den Werten
für konstanten N-Verlauf im Druckgurt:

für linearen N-Verlauf im Druckgurt:

Al s Mittelwert hieraus wird geschätzt


:

Damit: nicht erfüllt!

Für gewalzte Träger ist KSL c zu wählen:

Nachweis erfüllt.

Damit: Nachweis knapp nicht erfüllt!

BDK-Nachweis mit Müller-Nomogramm.


IPE-Profil, zP = -h/2: Ablesewert: óKi = 17, 8kN/cm2

Für K M -Werte in 7) und 8), gemäß 6): n = 2,5


Mi t der Abschätzung æ =1,0 (auf der sicheren Seite):
176 9 Einachsig e Biegun g und Querkraf t

K M = 0,598

Nachweis erfüllt.

Zum Vergleich wird zusätzlich mit schärfer abgeschätzten æ-Werte


n (bei b) und c) mit dem zuvor
aus dem Müller-Nomogramm abgelesene n óKi-Wert) nachgerechnet
, siehe Aufgabenstellung:

Nachweis erfüllt.

Nachweis erfüllt.

BDK-Nachweis mit Künzler-Nomogramm


.
IPE-Profil, zP = -h/2, = 1,12: Ablesewert: 8,3

Nachweis erfüllt.

Zum Vergleich wird der rechnerisc


h exakte Nachweis mit æ =1,12 geführt:

Nachweis erfüllt.

Es sei hier nochmals darauf hingewiesen, daß die unter 7), 8) und 9) gezeigten Verfahren bei glei-
chem æ-Wer t für die Momentenform zum selben Ergebnis führen müssen.Abweichungen begrün-
den sich aus den Ablese-Ungenauigkeite n in den Nomogramme n von Müller und Künzler.
10 Druc k und Biegung , zweiachsig e Biegun g
10.1 Einachsig e Biegun g mit Normalkraf t

10.1.1 Stäb e mi t geringe r Normalkraf t


[2/312] Stäbe mit geringer Normalkraft N (=Druckkraft!), welche die Bedingung

(2/22)

erfüllen, dürfen unter Vernachlässigung dieser Normalkraft wi e in Kapitel 9


(einachsige Biegung u nd Querkraft) nachgewiese n werden.

Anmerkung: K ist auf die jeweilige Ausknickachs


e y oder z mit der hierfür maßgebende
n
Knicklänge, bezogene m Schlankheitsgra d und Knickspannungslini e zu beziehen!

10.1.2 Biegeknicke n
[2/314] Nachweis nach dem Ersatzstabverfahren
:

(2/24)

mit
K r nach (2/4) in Abhängigkeit von ëK für die maßge-
Abminderungsfakto
bendeKnickspannungslini
e aus {2/5} für Ausweichen in der Momenten-
ebene
ßm Momentenbeiwer
t für Biegeknicken nach {2/11}
M größter Absolutwert des Biegemomente
s nach E-Theorie I. Ordnung
ohne Ansatz von Imperfektionen

jedoch An ‡ 0,1

Mi t der erlaubten Vereinfachung An = 0,1 liegt man also immer auf der sicheren Seite! Eine
genauere Berechnun g sollte nur ausgeführt werden, wenn der Nachweis mit An = 0,1 knapp
nicht erfüllt ist! Meist ist die Verbesserun
g im Nachweis mit genauem An gering.

Für den Sonderfall M = 0 geht (2/24) im Traglastzustandin (2/3), = mittiger Druck, über.

Bei der Berechnung von M p l ,d ist die Begrenzun


g zum Formbeiwert ápl, d ‡ 1,25 zu beachten
.

Bei doppeltsymmetrische n Querschnitten , die mindestens einen Stegflächenantei l von 18%


haben, darfin Bedingung (2/24) M p l ,d durch 1,1 M p l ,d ersetzt werden, wenn N / N p l , d > 0,2 ist.

Die erstgenannt
e Voraussetzun
g A S t/A ˆ 0,18 ist bei den üblichen Walzprofilen erfüllt.
178 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

Tab. 10.1 Momentenbeiwert e nach {2/11}

Momenten- Momenten- ßm ßM
verlauf verlauf
graphisch beschreiben
d für Biegeknicken für Biegedrillknicken

jedoch
und
Stabend- ßm < 1 ist nur zulässig
momente bei Stäben mit:
• unverschiebliche r Lage-
rung der Stabenden ,
• gleichbleib. Querschnitt,
• konstante r Druckkraft
• und ohne Querlast

a) Gleichlast:
Momente
aus
Querlast
b) Einzellast: ß

Momente MQ = | max M | nur aus


aus Querlast
Querlasten
mit AM: gemäß Momenten-
Stabend- skizzen
momenten

Verzweigungslastfakto
r mit N K i , d = = Eulersche Knicklast

[2/315] Der Einfluß der Querkräfte auf die Tragfähigkeit des Querschnitts ist zu
berücksichtigen, z.B. durch Reduktion der vollplastischen Schnittgröße n nach
{1/16+17}.
10.2 Zweiachsig e Biegun g mit Normalkraf t 179

[2/317] Bei der Bemessung von biegesteifen Verbindungen ist statt des vorhan-
denen Biegemoment s M das vollplastische Biegemoment Mpl,d zu berücksichti-
gen, sofern kein genauerer Nachweis geführt wir d (Theorie IL Ordnung mit
Ersatzimperfektionen).

10.1.3 Biegedrillknicke n
[2/320] Für Stäbe, bei denen keine planmäßige Torsion auftritt, mit konstanter
Normalkraft und doppelt- oder einfach symmetrischem , I-förmigem Quer-
schnitt, deren Abmessungsverhältniss e denen der Walzprofile entsprechen ,
sowie für U- oder C-Profile lautet der Nachweis:

(2/27)

Entsprechen
d den zuvor erläuterten Größen bzw. darüber hinaus bedeuten
:
KM Abminderungsfakto
r nach (2/17+18) in Abhängigkeit von ëM

KZ r nach (2/4) mit


Abminderungsfakto ëK, z für Ausweichen senkrecht z-z

bezogene
r Schlankheitsgra
d für Normalkraftbeanspruchun
g

NKi Knicklast senkrecht z-z oder Drillknicklast (!)


ßM,y Momentenbeiwer
t für Biegedrillknicken nach {2/11} bzw. Tab. 10.1
ky Beiwert zur Berücksichtigung des Momentenverlauf
s M y und des bezo-
genen Schlankheitsgrads ëK, z

jedoch

jedoch

Eine Näherung auf der sicheren Seite ist mit ky = 1 gegeben


.

Besonders bei U- und C-Profilen ist zu beachten , daß planmäßige Torsion mit Nachweis
(2/27) nicht erfaßt ist. T-Profile sind durch diese Regelung nicht erfaßt (Drillknickgefahr!).

10.2 Zweiachsig e Biegun g mit Normalkraf t

10.2.1 Biegeknicke n
Die Norm bietet zwei "gleichwertige" Nachweismethode n als Ersatzstabverfah
-
ren an; die Auswahl ist freigestellt. Es handelt sich jeweils um ein Formelwerk,
das auf schwierig durchschaubar e Art Momentenverlau f und Schlankheitsgrade
der Stäbe für beide Momentenrichtungen , wie sie ggf. aus den Knicklängen am
Gesamtsyste m (übergeordnete n System) hervorgehen , berücksichtigt.
180 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

[2/321] Nachweismethod e 1

(2/28)

mit
K = min (Ky, K Z ) der kleinere der beiden K-Werte aus der maßgebende
n KSL

jedoc h

jedoch

jedoc h

jedoc h mit
M y u nd M z Größter Absolutwert der Biegemoment
e nach Theorie I.O.
ohne Ansatz von Imperfektionen
Mpl,z,d Bemessungswer t des Biegemoment s M z , wobei die sonst übli-
che Beschränkun g ápl = 1,25 nicht gilt! Hier kann der Bemes-
sungswert Mpl,z,d* verwendet werden, siehe Abschnitt 4.7.3.
ß M , y u nd ßM , z ßM -Werte für Biegedrillknicken(!) nach {2/11} bzw. Tab. 10.1
ápl,y u nd ápl,Z plastische Formbeiwerte für Biegemomente , wobei die sonst
übliche Beschränkung auf ápl = 1,25 nicht gilt!
Eine Näherung auf der sicheren Seite ist mit ky = kz = 1,5 gegeben
.

[2/322] Nachweismethod e 2

(2/29)

mit
K = min (Ky,K z) sowie M y u nd M z wi e zuvor bei Nachweismethod
e 1
ß m , y u nd ßm , z ßm -Werte für Biegeknicken nach {2/11} bzw. Tab. 10.1
An wi e bei einachsige
r Biegung, mit ëK zugehörig zu K
ky u nd k z Beiwerte, die das Verhältnis der bezogenen Schlankheite
n um
beide Achsen berücksichtigen , siehe Tab. 10.2
Tab. 10.2 Beiwert e k y und k z
10.3 Zweiachsig e Biegun g ohn e Normalkraf t 181

10.2.2 Biegedrillknicke n
[2/323] Beziehung (2/27) lautet auf zweiachsige Biegung erweitert:

(2/30)

jedoch

jedoch ay < 0,9 wie Abschn. 10.1.3

jedoch k z < 1,5

jedoch az < 0,8 wie Abschn. 10.2.1,


Nachweismethod
e1
Eine Näherung auf der sicheren Seite ist mit ky = 1 und kz = 1,5 gegeben.
Auch hier kann als Bemessungswer t für M pl,z,d* angesetz
t werden, siehe Abschnitt 4.7.3.

I n allen Nachweisen des Abschnitts 10.2 ist planmäßige Torsion nicht erfaßt.

10.3 Zweiachsig e Biegun g ohn e Normalkraf t


Eine Erlaubnis zur Vernachlässigun g geringer Normalkräfte enthält die Norm
nicht. Es bestehen jedoch keine Bedenken, [2/312] mit Kriterium (2/22) auch hier
anzuwenden , d.h. Normalkräfte dann zu vernachlässigen , wenn gilt:

Mi t N = 0 ergeben sich aus den bekannten Formeln folgende Vereinfachungen


:

10.3.1 Biegenachwei s
Nachweis für zweiachsige Biegung, siehe Bil d 4.7 bzw. {1/19} , mitN / N p l , d= 0.
Der Vorbehalt bezüglich der Begrenzung der Querkräfte ist zu beachten .

Biegeknicken ist nicht möglich.

10.3.2 Biegedrillknicke n
Gleichung (2/30) vereinfacht sich zu
182 10 Druc k und Biegung , zweiachsig e Biegun g

10.4 Beispiel e

10.4.1 Pendelstütz e mit unterschiedliche n Knicklänge n


für Knicke n um die y-Achs e und um die z-Achs e
Die Pendelstütze n einer Hallen-
konstruktion sind an Fuß- und
Kopfpunkt gelenkig gelagert. N
Durch den Portalverban d ist die Dachbinde r
Knicklänge um die schwache gelenkige r Anschlu ß
Achse gedrittelt worden.
Stütz e Dachbinde r
Gebrauchslaste
n für Normalkraft N:
aus ständiger Last 75 kN, N
aus Schneelast 125 kN.
Portalverban d
Zusätzlich zu dieser aus Beispiel
8.5.2 bekannten Beanspruchun g gelenkige r
wird jede Stütze belastet: Anschlu ß

aus Windlast w = 1,90 kN/m. h/3


Stütz e
Werkstoff: S 235.
In den Knotenpunkten des Verban-
des soll die Stütze gegen Verschie-
h/3
ben in z-Richtung und gegen
Verdrehen gehalten sein. Syste m
Für die maßgebende Grundkombi- Räumliche Darstellung
nation sind die Nachweise für Bie- h/3
geknicken und Biegedrillknicken
zu führen.

Es werden die Ergebniss


e aus Beispiel 8.5.2 mitbenutzt.
Die Querkraft spielt für alle Nachweise keine Rolle.
IPE 200 N p l / d = 622 kN sky = 600 cm ëy = 0, 782 K = 0, 806
M
pl,d = 48,1 kNm skz = 200 cm ëz = 0, 961 KZ = 0, 622
Schnittgröße
n (Gebrauchslaste
n = charakteristisch
e Werte der Einwirkungen):
ständige Last: N = 75 kN M =0
Schnee: N = 125 kN M =0
Wind: N =0 M = 1, 90 • 6, 02 /8 = 8, 55 kNm
Grundkombinationen (GK) der Einwirkungen:
GK1: g + s NS, d = 1, 35 • 75 + 1, 50 • 125 = 289 kN
M = 0
S ,d

GK2: g + w NS, d = 1, 35 • 75 = 101 kN


MS,d = 1, 50 • 8, 55 = 12, 83 kNm
10.4 Beispiel e 183

GK3: g + s + w NS,d = 1, 35 • 75 + 1, 50 • 0, 9 • 125 = 270 kN


MS, d = 1, 50 • 0, 9 • 8, 55 = 11, 54 kNm
Untersuchun
g nur für Grundkombinatio n 3, die hier zweifellosmaßgeben
d wird.

Biegeknicken
Untersuchung
, ob Nachweis auf Biegeknicken notwendig ist:

(wegen Ky siehe Beispiel 8.5.2!)

Die Bedingung für "geringe Normalkraft" ist bei weitem nicht erfüllt! Ein Biegeknicknachwei
s
ist erforderlich. Für den Term mit dem M-Anteil gilt:
Parabelförmige r Momentenverlauf : ßm = 1
Es darf An = 0,1 gesetzt werden. Damit wird:

Erfüllt!

Wegen N/Npl, d = 270/622 = 0, 434 > 0, 2 dürfte erforderlichenfalls


anstatt Mpl,d auch 1,1 Mpl, d geschriebe
n werden.
Ebenfalls könnte An genau errechnet werden, was aber hier praktisch nichts bringt:

Eine genaue Berechnung von An lohnt um so mehr, je näher bei 0 oder bei 1 liegt.

Verschärft lautet der Nachweis also:

Biegedrillknicken (BDK)
Untersuchung
, ob beim BDK-Nachweis der N-Anteil vernachlässig
t werden kann:

(wegen KZ siehe Beispiel 8.5.2!)

Im BDK-Nachweis ist also der N-Anteil zu beachten (andernfalls hätte der gewöhnliche BDK-
Nachweis nach (2/16) oder ein vereinfachte
s Verfahren genügt)!
Vereinfachend darf mit K M = 1 gerechne
t werden, wennh < 60 cm (hier erfüllt) und nach (2/21):

Wegen 1 = 200 cm > 85 cm ist dies nicht erfüllt! Es darf also nicht mit K M = 1 gerechne
t werden.

Es ist ëM und darausKM ZU ermitteln. Dafür muß M Ki,y, d berechne


t werden.
MKi,y,d wird zunächst mit Hilf e der Näherungsforme
l (2/20) bestimmt, und mit dem daraus
errechneten KM-Wert wird der Nachweis versucht:
184 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

Anmerkung: Der Abstand der Kipphalterung ist mit 200 cm angesetzt . Es muß konstruktiv
gewährleiste
t sein, daß durch den Verband zumindest die Druckgurtseite gegen Ausweichen aus
der Systemebene ausreichen d gesichert ist.

Der M-Verlauf im mittleren Drittel des Stabes ist fast konstant. Es ist Mli = M re. Damit ist nach
Bil d 8.11: k n = 0,8 und n = n* • kn = 0, 8 • 2,5 = 2, 0

K M = 0, 732 interpoliert mit Tabelle 8.3

Genau rechnet man mit (2/28): K M = 0, 734

Damit

Vereinfachend darf ky = 1 gesetzt werden, und damit wird:

Weil der Nachweis knapp nicht erfüllt ist, wird jetzt auch noch ky genau berechnet
:

Tabelle {2/11} mit und

Maßgeben
d ist der Momenten-Verlau
f im mittleren Drittel des Stabes
:
Verlau f M y
Mi t
und

wird

(2/27):

Der Nachweis, bei dem M Ki,y, d mit (2/20) näherungsweise


bestimmt worden ist, ist nicht erfüllt.
Da i.a. in (2/20) noch Reserve
n vorhanden sind, wird nachfolgend M Ki,y, d "genau" berechne
t und
damit erneut der Nachweis versucht:

M-Verlauf im mittleren Drittel fast konstant, deshalb Momentenform-Beiwer


t î =1.
10.4 Beispiel e 185

zp = -10 cm wegen Lastangriff OK Träger

oder mit Müller-Tafel: Ablesewert: óKi = 32, 2 kN/cm2

Damit 0, 898 und mit n = 2,0 (wie zuvor): K M = 0, 778

Der Nachweis ist gerade erfüllt!

Der Term K M •Mpl, y,dläßt sich prinzipiell auch mit den Nomogramme n von Künzler bestimmen,
was hier nur daran scheitert, daß im Buch die entsprechend e Tafel fehlt (siehe aber Teil 2!).

Kriti k der Nachweis-Verfahre


n für Knicken und Biegedrillknicken nach dem Ersatzstab-Verfahren
:
Herkunft und Ermittlung der genaue n Beiwerte An und ky sind undurchsichtig und umständlich.

10.4.2 Ausmitti g belastet e Druckstütze n


Für die zwei 6,0 m langen Stützen .
mit unterschiedlichen Randbedin- N1
gungen und Querschnitte n gelten
dieselben Bemessungslasten :
N1 350 kN,
N2 50 kN,
H= ±6 kN.
Für die eingespannte und die beid-
seits gelenkig gelagerte Stütze ist
jeweils der Biegeknicknachwei s
um die y-Achse zu führen.
Senkrecht zur dargestellte n x-z-
Ebene seien beide Systeme ausrei-
chend stabilisiert, so daß Knicken
um die z-Achse bzw. Biegedrill-
knicken nicht nachgewiesen
werden sollen.
186 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

Eingespannte Stütze HEA-260


Lager reaktionen:

Schnittgrößen
:

Knicklänge für veränderliche Normalkraft N:

Verhältniswerte:

interpoliert:

Knicklänge:

Biegung: âm = 1,0 wegen oben verschiebliche m Stabende !


Wegen N/Npl, d = 400/1890 = 0, 21 > 0, 2 darf der M-Term durch 1,1 dividiert werden.

Nachweis:

Pendelstütze HEA-200
Knicklänge:

Biegung: Etwa dreieckförmiger M-Verlauf:


und beidseits unverschiebl. Lager:

Aber:

maßgebend
!

Wegen N / N pl,d = 400/1170 = 0, 34 > 0, 2


darf der M-Term durch 1,1 dividiert werden:

Nachweis:
10.4 Beispiele 187

10.4.3 Zug- und Drucksta b mit ausmittige r Belastun g


Der dargestellte genietete Querschnitt,
Werkstoff S 235, Niete d = 13 mm, aus
einer alten Stahlkonstruktion soll nachge-
rechnet werden für ausmittig zur y- Achse
angreifende Stablängskräfte :
1) Fd = + 555 kN, Kraftangriff am unte-
ren Querschnittsrand,
2) Fd = - 555 kN, Kraftangriff am oberen
Querschnittsrand ,
3) Fd = - 555 kN, Kraftangriff am unte-
ren Quer Schnittsrand .
Die angegebene n Kräfte sind die Bemes-
sungswerte für die Längskräfte.
Für die Druckstäbe ist die Knicklänge sky
= 8,00 m. Senkrech t zur z-Achse sei der
Stab gegen Ausweichen ausreichen d
gehalten.
Querschnittswerte:
A = 88,0 cm2; Iy = 7350 cm4

1) Zugkraf t am unteren Querschnittsrand


Lochabzug: A = 2 • 1, 3 • (1, 4 + 1, 13) = 6, 58 ~ 6, 6 cm2 Lochabzug nur im Zugbereich!

E-E:

Die Druckspannun g am oberen Querschnittsran d muß nicht nachgewiesen werden, weil deren
Wert auf jeden Fall kleiner ist als derjenige der Zugspannun g am unteren Rand.

2) Druckkraf t am oberen Querschnittsrand

E-E:

Der Knicknachweis erfordert die (etwas aufwen-


dige) Berechnun
g von M pl,y,d.
Dazu muß der Querschnitt in 2 flächengleiche
Teile zerlegt werden und es müssen die Stati-
schen Momente der beiden Querschnittshälfte n
(ges. A = 88 cm2) berechne
t werden. Ausmitte e
der Flächenhalbierenden gegen halbe Höhe I 200:
Fl. 160x14 A = 22,4 cm2
1/2 I 200 A = 167 cm2
Summe bis halbe
Höhe des I 200: A* = 39,1 cm2
188 10 Druc k und Biegung , zweiachsig e Biegun g

Halbe Gesamtfläche : A/ 2 = 88/2 = 44,0 cm2


Differenz: A = A/ 2 - A* = 44,0 - 39,1 = 4,9 cm2
Stegdicke des I 200: s = 0,75 cm
Abstand der Flächenhalbierende n von der halben Höhe des I 200: e = 4,9/0,75 = 6,5 cm

Statisches Moment oberer Teil des I 200: Sy, o, I = 124-6,5 16, 7 + 0, 75 6, 52/2 = 31, 3 cm3

Erklärung: max Sy,I = 124 cm3 1/2 AI = 16,7 cm2 Verschiebun


g Bezugslinie e = 6,5 cm
Schwerpunktsabst
. U 200 von Flächenhalbierender
: eU200 = 0, 85 + 3, 5 - 2, 01 = 2, 34 cm

: Sy, o = 31, 3 + 32, 2 • 2, 34 = 106, 6 cm3


Ges.s Stat. Moment der oberen Querschnittshälfte
Schwerpunktsabstand obere Querschnittshälft
e von der Flächenhalbierenden
:
eS, o = 106,6/44 = 2,42 cm

Entsprechen
d für die untere Querschnittshälfte
:
Sy, u, I = 124 + 6,5 · 16,7 + 0,75 · 6, 52/2 = 248,4cm3
Sy,u= 248, 4 + 22, 4 • 17, 2 = 633, 7 cm3
eS, u = 633,7/44 = 14,40 cm

Gesamte
r Hebelarm der Querschnittshälften
:

Damit erhält man das vollplast. Moment:

Biegemomen
t aus Ausmitte der Last:

Vollplastische Normalkraft:

Momentenbeiwer
t für Biegeknicken:

3) Druckkraf t am unteren Querschnittsrand


Biegemomen
t aus Ausmitte (negatives Moment!):

Der Nachweis ist praktisch exakt erfüllt!


Der Nachweis kann evtl. durch genauere Ermittlung von An verbesser
t werden:
10.4 Beispiel e 189

10.4.4 Zug un d zweiachsig e Biegun g


Schnittgröße
n (Bemessungswerte)
:

Querkräfte sind vernachlässigbar


:
Querschnitt: HEB-400. Werkstoff: S 235.
Die Bemessun g soll nach den Verfahren E-E (mit örtlicher Plastizierung) und E-P durchgeführt
werden. Die Ergebniss e nach beiden Verfahren sind zu vergleichen.

1) E-E mit örtl. Plastizierung:

2) Nachweis E-P:

Diese Momentenbeanspruchun
g läßt gemäß Bild 4.7 etwa noch zu:

Vorhanden: Der Nachweis ist erfülltl

3) Vergleich: E-E: Ausnutzung n = 20, 96/21, 82 = 0, 961


E-P: Versuch mit auf 1,4-fach erhöhten Schnittgröße n (entspricht T| = 0,714):
M y /M p l , y ,d = 490/705 = 0,695 und M z /M p l , z ,d = 58,8/197= 0,298
Bild 4.7 N / N p l , d ‡ ca. 0,36 ~ 1568/4316 = 0,363 Etwa noch möglich.
Ergebnis: Der plastische Nachweis zeigt erheblich günstigere Werte als der elastische Nachweis!

10.4.5 Durchlaufträge r mi t schiefe r Biegun g (Dachpfette )


r mit Stützweiten L = 3 x 6,0 m.
Die Dachpfetten eines 15° geneigten Daches sind Durchlaufträge
Querschnitt: HEA-120. Werkstoff: S 235.
Gebrauchslasten
: Dacheindeckung : gD = 0,12 kN/m2 (in der Dachebene!
)
Schnee: Schneelastzon
e II, Geländehöh
e h = 350 m.

Dachhau t

Für alle Aufgaben (mit Ausnahme von 4) soll angenomme n werden, daß die seitliche Stabilisie-
rung der Pfetten durch die Dachhaut gegeben ist (Biegedrillknicken ist dann nicht möglich).
190 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

1) Die Innenpfetten sind nach dem vereinfachte


n Traglastverfahre
n nachzuweisen
.
2) Es soll festgestellt werden, ob eine Pfette zusätzlich infolge Windbelastung eine mittige Zug-
kraft von 120 kN (= Gebrauchslast ) aufnehmen kann.
3) Es soll festgestellt werden, ob eine Pfette zusätzlich infolge Windbelastung eine Druckkraft
von 20 kN (= Gebrauchslast ) aufnehmen kann. Hierfür ist der Biegeknicknachwei s zu führen.
4) Wie 3), jedoch soll die Dachhaut nicht zur seitlichen Stabilisierung herangezoge
n werden.
Hierfür ist sind Biegeknicknachwei s und Biegedrillknicknachwei s zu führen.
5) Wie 1), jedoch sollen die Mittelpfetten als Querschnitt IPE120 ausgeführt werden. Die Pfetten
werden in Dacheben e jeweils in Feldmitte zwischen den Dachbindern abgehäng t (Halbie-
rung der Stützweite für Biegung um die z-Achse!).
Anmerkung: Eine zusätzliche Einwirkung aus Winddruck auf die Dachfläche muß bei Dächern
mit weniger als 25° Dachneigung nicht untersucht werden. Windsog wird in Verbindung mit den
Einwirkungen aus ständiger Last bei Gebäudehöhe n kleiner als 20 m und Dachneigunge
n kleiner
als 45° nie maßgebend .

1) Biege-Nachweis nach dem Verfahren P-P (mit vereinfachte


n Ansätzen für die Momente)
HEA-120

Lasten Eigenlast des Trägers: g = 0,20 k N /m


Schneelas t (Zone II, h = 350 m): s = 0,75 k N / m2 Dachneigung
: = 15°.
Bemessungswer
t für die Einwirkun g

Bemessungsmoment
e bei vereinfachtem Traglastverfahren

vereinfachte
P-P:
Interaktion

Gemäß [1/755] ist bei Einfeld- und Durchlaufträgern mit gleichbleibende m Quer-
schnitt ápl,z nicht begrenzt; daher darf hier mit dem Wert M pl,z,d* gerechne
t werden.

Beim Nachweis P-P ist die Einhaltung


beider Bedingungen zusamme n Vorausset -
zung für reine Interaktion N-M y -M z ohne
Berücksichtigung der Querkräfte.
10.4 Beispiel e 191

2) Zweiachsige Biegung + Zugkraf t


Bemessungswert
e für die Einwirkun g

P-P:

Bil d 4.7:

Der Nachweis ist erfüllt.

3) Zweiachsige Biegung + Druckkraf t (mit seitlicher Stabilisierung durch die Dachhaut)


Bemessungswert
e für die Einwirkun g

Wie vor: und

Biegeknicken um die y-Achse, bei gleichzeitiger Wirkun g von M z


Knicken um die z-Achse ist nicht möglich (Stabilisierung durch die Dachhaut).

Normalkraft nicht vernachlässigbar


.

Nachweismethode 1
Bei Nachweismethod e 1 ist ápl,z
unbegrenzt ! M pl,z,d* ist deshalb
mit á p l ,z = 1,5 berechne t worden.

Weil die Dachhaut zur seitlichen Stabilisierung der Pfette herangezoge n werden darf, ist Aus-
weichen um die z-Achse nicht möglich. Also gilt kz ‡ 1. Es wird kz = 1 gesetzt.
Auf der sicheren Seite liegend wird außerde
m ky = 1,5 gesetzt.

Nachweismethode 2
Bei Nachweismethod e2
ist ápl,z auf 1,25 begrenzt!
192 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

Weil Knicken um die z-Achse nicht möglich ist, gilt ëz = 0 und KZ = 1.

Es ist Ky = 0,417 < KZ = 1. Damit nach Tab. 10.2: ky = 1 und

Weil der M-Verlauf an einem Stabende "Null " ist, wird w = 0 und damit: ß = ß = 1.

Interaktion: n = 0, 117 + 0,390 1,0 + 0, 260 • 0, 915 + 0,1 = 0, 845 < 1

Beide Nachweismethode
n 1 und 2 sind noch nicht völli g ausgeschöpft
. Genaue Nachrechnung
:
Bei Nachweismethode 1 wird: ky = 1,142 und kz = 0, 976. Damit: n = 0,773 < 1.
Bei Nachweismethode 2 wird: An = 0, 031. Damit: n = 0,776 < 1.
Damit stimmen auch die Ergebniss
e nach beiden Methoden sehr gut überein.
Biegedrillknicken muß wegen vorausgesetzte
r seitlichen Stabilisierung nicht untersucht werden.

4) Zweiachsige Biegung + Druckkraf t (ohneseitliche Stabilisierung durch die Dachhaut)


Bemessungswert
e für die Einwirkun g wie zuvor:

Wie vor:

Jetzt ist jedoch der Knicknachweis um die z-Achse zu führen!

Nachweismethode 1
Mi t ky = kz = 1,5 (auf der sicheren Seite) wird:

Der Nachweis ist nicht erfüllt.


Für eine genaue Nachrechnun
g mit ky und kz müssen zunächst ßM , y und ßM , z errechnet werden.
Die Bemessun g nach dem vereinfachte n Traglastver-
fahren definiert über der Stütze M s = qL211, im Feld Momenten-Verlauf im Endfeld
2
ist dann M F ~qL /12. AM = M s + MF I

Moment nur aus Querlast: M Q =


bei durchschlagende
m Moment:
Stützweit e L

Damit: M s-Verhältnis:
10.4 Beispiel e 193

Einzelbeiwerte: und

Weil der M-Verlauf für M y und M z proportional ist, gilt:

Damit:

Also:

Also:

Damit:

Der Nachweis ist nicht erfüllt.

Nachweismethod
e2
Es ist Damit nach Tab. 10.2: kz = 1

Wie schon zuvor ist ß = ß = 1.

Zur Vereinfachung wird außerde


m An = 0,1 gesetzt:

= 0, 279 + 0, 390 • 0, 849 + 0, 260 • 1, 0 + 0,1 = 0, 970 < 1


Eine Nachrechnun
g mit dem genauen Wert für An ergibt:

Damit:

Der Nachweis ist erfülltl


Die mangelhafteÜbereinstimmungder Nachweismethode n 1 und 2 ist unbefriedigend . Nach neu-
sten Forschungen ist mit Gleichung (2/28), = Nachweismethod e 1, die Tragfähigkeit nicht immer
voll ausgeschöpft
. Siehe dazu [9], Ausgabe 2002: Kommentar zu DIN 18800 Teil 2, Element [2 /321].
194 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

Biegedrillknicknachweis
Es kommt nur der "genaue" BDK-Nachweis in Frage.
Die Ermittlung eines zutreffenden -Wertes ist schwierig. Abgeschätz t wird aus ähnlichen Bei-
spielen in der Literatur (siehe auch [5] "Stahlbau Teil 2"): î = 1,5.
Für HEA-Profile mit zP = -h/2, c = 6,0 m, aus Müller-Nomogramm:
Ablesewert: óKi = 19, 5 kN/cm2

Mi t den Werten ky = 1,0 und kz = 1,5 (auf der sicheren Seite) wird:

oder

Der Nachweis mit den vereinfachte


n Werten für ky und kz ist nicht erfüllt.
Es werden die genauen Werte für ky und kz errechnet:
Wie schon zuvor errechnet, ist ßM,y = ßM,z = 1,442.
Damit:

Also:

kz errechnet sich wie beim Biegeknicknachwei


s nach Methode 1. Also:
Mi t diesen genauen Werten für ky und kz wird die Interaktionsgleichung
:

Auch dieser genauere Nachweis führt nicht zum Ziel! Die BDK-Sicherheit ist nicht ausreichend.
Es sind konstruktive Änderungen erforderlich! - Der Nachweis wird nur knapp verfehlt, so daß
es durchaus möglich ist, daß eine Berechnun g nach Theorie II. Ordnung doch noch ausreichend
e
Sicherheit aufzeigt; ein solcher Nachweis ist ohne entsprechend e EDV-Programme kaum möglich.

5) IPE 120 als Dreifeldträger mit Abhängungen in der Dachebene


IPE 120 M pl,y,d = 13,3 kNm; M p l , z ,d = 2,36 kNm
Eigenlast Träger: g = 10,4 kg/m
Nachweis nach vereinfachte
m Traglastverfahre
n mit Abhängung in Feldmitte, L' = 3,0 m.
10.4 Beispiel e 195

Die Abhängung in der Dacheben e bewirkt eine Halbierung der Stützweite für Biegung um die
schwache Achse. Die Abhängung wird mit Zugstange n ausgeführt (Rundstahl mit Gewinde oder
Flachstahl oder leichtes Winkelprofil). Bei symmetrische
m Dachquerschnitt (Satteldach) kann die
Abhängung über den First geführt werden. Die Umlenkkraft belastet dann die Firstpfette und
über diese den Firstpunkt der Dachbinder. Die Abhängung kann von der letzten Normalpfette
auch schräg zu den Firstpunkten der Dachbinder geführt werden.
Bemessungswert
e der Einwirkun g und Schnittgrößen

Vereinfachte
P-P: Interaktion,
nicht erfüllt!

Genaue Interaktion, erfüllt.

Hinweis
Zum Nachweis kann auch das Interaktions-Diagram
m Bild 4.7 mit N / N p l = 0 verwendet werden.
Zugstangen
Die Zugkraft in einer Zugstange ist je abgehängt
e Pfette:
Fy = qy • L = q • siná • L' = 3, 37 • 0, 259 • 3, 0 = 2, 62 kN
Wenn die Zugstange n über einen (nicht dargestellten) First umgeleitet und damit im Gleichge-
wicht gehalten werden, erhält die Abhängung aus den 3 dargestellte
n Pfetten (etwa) die Zugkraft:
Z d = 3 • 2, 62 = 7, 9 kN
Gewählt: Gewindestange n M12, 5.6. Z R ,d = 20,8 kN > Z S ,d = 7,9 kN

10.4.6 Ausmitti g belastete r Drucksta b


Ansich t b-b
Punk t „B "

Schnit t a-a

Dach-
verband
Zugstange
Punk t „A "
siehe Detail!

6,0 m 6,0 m 3,2 m 3,2 m 3,2 m


196 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

Die dargestellte Konstruktion ist durch die


Anhängelast F beansprucht .
Charakteristisch
e Werte der Einwirkungen: HEA-160
aus ständiger Last Fg = 44 kN,
aus Verkehrslast Fp = 147 kN.
Die Zugstange ist nicht mittig auf den
Knickpunkt der beiden HEA-Profile (Punkt
; deshalb entsteht an dieser
„i" ) ausgerichtet
Stelle ein Biegemoment.
1) Der Druckstab HEA-160 (S 235) ist nach-
zuweisen unter Berücksichtigung des aus-
mittigen Angriffs der Zugstange
.
2) Die Zugstange (Spannschlo ß M 30, 5.6) ist
samt Schweißnahtanschlu ß und Gelenkbol-
zen (Paßschraub e M 27, 5.6) nachzuweisen .
Fl. 80x20 - 250
3) Der vertikale Hänger ist zu bemesse
n und 2 BI. 10
der Firstpunkt "B" zu entwerfen und aufzu-
zeichnen. Detail Punk t ..A"

Beanspruchungen und Schnittgrößen


Momentenverlau f
Bemessungswer
t für die Einwirkung F:
F d = 1, 35 • 44 + 1, 5 • 147 = 279, 9 * 280 kN

Aus Kräfte-Zerlegung Schrägstäbe: N = 175 kN (Druck)


Zugstange: N = 105 kN
Wegen ausmittigem Anschluß der Zugstange ergibt sich 105 kN
für die Schrägstäb
e i m Knickpunkt das Biegemoment: Zugstang e
M d = 175 • 0, 09 = 15, 75 k Nm

1) Druckstab HEA-160
Querschnittswerte
: Npl,d = 846 kN; M p l , y , d = 53,5 k Nm Kräftezerlegun g
(Bemessungslastwerte)
Biegeknicken

Momentenbeiwert
:

mit

Außerdem: Abminderung im M-Term erlaubt:


10.4 Beispiel e 197

Biegedrillknicken. Genauer Nachweis

Interaktionsgleichung
:

Knicklänge für Ausweichen senkrech


t zur z-Achse: sKz = 5,0 m (Dachverband!)
.

N-Anteil:

M-Anteil: mit Müller-Tafel, Ablesewert:

In jedem Fall weiter mit:

Randmomenten-Verhältnis
:

Walzprofil: Trägerbeiwert

Vereinfacht wird gesetzt: ky = 1

Es erweist sich also als überflüssig, den ky-Wert genau zu errechnen


.
Anmerkung: Wenn keine Müller-Tafel für zP = 0 zur Hand ist, sondern nur eine Tafel für zP = -h/2,
liegt der zugehörige Ablesewert (hier: óKi = 26, 8 kN/cm2) auf der sicheren Seite. Im behandelte
n
Fall läßt sich auch damit der Nachweis führen. Die Interaktionsgleichun
g ergibt 0,892 < 1.

Biegedrillknicken. Vereinfachter Nachweis


r Nachweis (Kriterium, daß kein Nachweis erforderlich ist) ist eigentlich nur für
Ein vereinfachte
die Wirkung aus Biegemomente n möglich. Deshalb wird der Einfluß der Normalkraft in ein
bezüglich der Spannung im Druckflansch etwa wirkungsgleiches Biegemomen t M* umgerechnet .
Knicklänge für Ausweichen senkrech
t zur z-Achse, wie zuvor: c = 5,0 m.

Mi t

und

wird

Das Kriterium ist gerade nicht erfüllt. Die Reserve


n bei diesem Verfahren sind meist erheblich, s.o.
198 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

2a) Zugstange mit Anschluß


Kräfte-Zerlegung ergibt für die horizontale Zugstange
:

Schweißnah
t Zugstange-Anschlußblech
:

Die Zugstange ist mit einem Spannschlo


ß versehen
, M 30, 5.6:

2b) Gelenkbolzen
Schraube M 27 (5.6): Paßschraube r als das Nennmaß!
n haben einen um 1 mm größeren Durchmesse

Schaftquerschnitt
:

Grenzmomen
t nach [1/817], (1/67):

Vorhandene
s Moment an der Scherstelle
:

Interaktion:

Grenzlochleibungskraf
t nach [1/816], (1/66):

Maximalmoment:

Der Bolzen ist, nach diesem vereinfachte n Nachweis,


nicht ausreichend . Würde man die seitlichen Bleche
auf 8 mm und den zwischenliegende n Flachstahl,
durch den der Bolzen gesteckt ist, auf 16 mm verrin-
gern, so wäre V1,R,d = 146,4 > 105 kN, also noch aus-
reichend. Jetzt würde sich max M = 42,0 kNm
ergeben.
Damit wären paradoxerweis e alle Nachweise in Ord-
nung. Die konsequent e Verfolgung des Traglast-
Gedanken s erlaubt diesen Vergleich, ohne daß effek-
tiv die Blechdicken geändert werden müssen.
Auch DIN 18800 merkt an, daß die benutzte Formel
für maxM auf der sicheren Seite liegt.

3) Konstruktio n des Firstpunktes


Hänger: Fd = 280 kN

Gewählt: Fl. 150x15, S 235.

Anschluß: 6 Schrauben M16 (4.6) mit 1 mm Lochspiel, o.w.N. - Schweißnäht


e konstruktiv.
10.4 Beispiel e 199

10.4.7 Giebelwan d

Ansich t

Grundri ß

5,25 m 5,25 m 5,25 m 5,25 m

Abstan d der anschließende n Hallenrahme n untereinande r und zur Giebelwand : 6,0 m

Al s Tragelement
e der Giebelwand sind nachzuweisen
:
1) Riegel IPE 180, wobei vorausgesetz
t werden darf, daß die Dachhaut den Riegel stabilisiert.
Belastung: g = g Dach = 1,2 kN/m + Eigenlast Riegel,
s = s 3,0
Dach = kN/m.
2) Innenstutze
n HEA-120. Belastung:
aus Pos. 1) + Eigenlast Stutze,
Porenbeton-Sturzplatten , 1,25 m hoch, +6,25 m
Dichte p = 1,08 kN/m2 ,
Wind auf die Giebelwand.
Es ist zu berucksichtigen
, daß aus den PB-Platten
auch ein Biegemomentin die Stutzen eingeleitet wird!
3) Eckstutze HEA-140. Belastung:
aus Pos. 1) + Eigenlast Stutze + PB-Sturzplatten
,
uber Eck + Wind auf die Giebelwand. +5,75 m

Lastfalle mit Wind auf die Langswand brauchen


nicht untersucht zu werden.
4) Windverband L 60x40x5, 1 x HV M16. Belastung:
Wind auf die Langswand Hw,
Stabilisierungslas
t H s t ab = ca. V/200.
Genugt zum Anschluß auch eineRohschraub
e M16
(4.6, DIN 7990)? +5,00 m
5) Konstruktionsaufgabe :
Die Punkte "A " und "B" sind konstruktiv zu entwer-
fen und in Ansicht und einem Schnitt darzustellen .
Die Befestigung von Dachhaut und PB-Fassaden -
platten muß nicht dargestellt werden.
200 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

1) Giebelwandriegel IPE 180


Vereinfachte Berechnun
g der Auflagerkräfte nach dem Traglastverfahren
.
Ständige Last: g = gD a ch + gE = 1, 2 + 0, 2 = 1, 4 k N /m
Ag = Eg = 0, 5 • 1, 4 • 5, 25 = 3, 68 kN
Bg = Cg = Dg = 1,4 • 5, 25 = 7,35 kN

Schnee: As = Es = 0, 5 • 3, 0 • 5, 25 = 7, 88 kN
Bs = Cs = D s = 3, 0 • 5, 25 = 15, 75 kN
Nachweis nach dem vereinfachte
n Traglastverfahren
.
e Lastkombination ist GK 1: g + s
Die maßgebend
Belastung: qd = 1, 35 • 1, 4 + 1, 5 • 3, 0 = 6, 39 kN/m

Schnittgröße
: M y = 6, 39 • 5, 252 /l l = 16, 0 kNm

M
IPE 180: pl,y,d = 3 6/ 3 k Nm

Nachweis auf BDK ist nicht erforderlich: voraussetzungsgemä


ß Aussteifung durch die Dachhaut.

2) Innenstütze HEA-120
HEA-120: A = 25,3 cm2; I y = 606 cm4; I z = 231 cm4; i y = 4,89 cm; i z = 3,02 cm;
N p l , d = 553 kN; M pl,y,d = 26,1 kNm; M pl,z,d = 10,5 kNm.
Lasten: ständige Last aus Giebelwandriegel : N = 7,88 kN
Eigenlast Stütze (halbe Last oben angreif.) N ~ 0,50 kN
Fassade : N = 1, 25 • 5, 25 • 1, 08 N = 7,09 kN
M = 7, 09 • 0, 132 M = 0,94 kNm
Schnee aus Giebelwandriegel
: N = 15,75 kN
Wind auf Giebelwand: w = 0, 8 • 0, 5 • 5, 25 w = 2,10 k N /m
Es ist
d.h. die Windlastfläche ist größer als 15 % der gesamte n Giebel-
fläche; andernfalls müßte der Faktor 1,25 berücksichtigt werden.
Maßgebend
e Lastkombination: GK 2: g + s + w
Schnittgrößen
: N d = 1, 35 • (7, 88 + 0, 50 + 7, 09 + 15, 75) = 42, 15 kN

aus Fassade
: M d = 1, 35 • 0, 94 = 1, 26 kNm
H u = 1, 26/5, 75 = 0, 22 kN

aus Wind: w d = 1, 35 • 2, 10 = 2, 84 kN/m


H u = 2, 84 • 5, 75/2 = 8, 15 kN

insgesamt
:

Biegeknicken um y-y: sk = 575 cm i y = 4,89 cm


10.4 Beispiel e 201

Knicknachweis erforderlich!

M/Mpj-Wert darf nicht durch 1,1 dividiert werden!

Der ßm-Wert wird wegen der überwiegende


n Querlast mit ßm,Q = 1,0 gewählt.

Biegedrillknicken: sk = 575 cm i z = 3,02 cm

Ermittlung von KM (genauer Nachweis):

Oder mit Müller-Nomogramm:

Odermit Künzler-Nomogramm
:

Weiterrechnun
g mit dem genauen Wert für K M · Mpl und mit ky = 1:

Nachweis nicht erfüllt. Deshalb genaue Ermittlung von ky.


Der ßM -Wert wird wegen der überwiegende
n Querlast mit ÂM,Q = 1,3 gewählt.
202 10 Druc k und Biegung , zweiachsig e Biegun g

a = 1 - (0, 405 • 0, 250) = 0, 899 < 1

k y = 0,405+ 0,648 · 0,899 = 0, 988 < 1

Anmerkung: Die Porenbeton-Fassaden-Platte n über und unter dem Fensterban d wirken zwei-
fellos stabilisierend bezüglich BDK, dürfen aber nicht in Rechnung gestellt werden, weil die Nach-
giebigkeit der Verankerung schwierig zu erfasse n ist.

3) Eckstütze HEA-140
HEA-140:

Lasten: ständige Last aus Giebelwandriegel : N ~ 4,0 kN


Eigenlast Stütze (halbe Last oben angreif.) N ~ 0,5 kN
Fassade : N = 1, 25 • (5, 25/2 + 0, 25 + 6, 0/2) • 1, 08 N ~ 8,0 kN
My ~M ~ 8, 0/2 • 0, 15 ~ 0,60 kNm
Schnee aus Giebelwandriegel
: N ~ 8,0 kN
Wind auf Giebelwand: w ~ 1, 25 · 0, 8 • 0, 5 • (5, 25/2 + 0, 25) = 1, 45 k N /m

Hier mußder Faktor 1,25 beim Windlastwert berücksichtigt werden!


e Lastkombination ist GK 2: g + s + w
Maßgebend
Schnittgrößen
: N d = 1, 35 • (4, 0 + 0, 5 + 8, 0 + 8, 0) = 27, 7 kN
aus Fassade
: My, d ~ Mz, d = 1, 35 • 0, 60 = 0, 81 kNm H u = 0, 81/5, 75 = 0, 14 kN

aus Wind: w d = 1, 35 • 1, 45 = 1, 96 kN/m H u = 1, 96 • 5, 75/2 = 5, 63 kN

insgesamt
: an der Stelle xu = 5,78/1,96 = 2,95 m

zugehörig:
Nachweismethode 1 für Biegeknicken bei zweiachsige
r Biegung und Normalkraft.
Biegeknicken um z-z: sk = 575 cm i z = 3,52 cm

KC = 0, 244

Knicknachweis erforderlich!

= 0,166 + 0,016 + 0,699 = 0, 881 < 1


Vereinfachend wurde ky = kz = 1,5 gesetzt. Ein Nachweis mit genauen ky- und kz-Werten ist relativ
aufwendig. Alternativ wird für eine genauere Rechnung die Nachweismethod e 2 vorgestellt.
10.4 Beispiel e 203

Nachweismethod
e 2:

k y = cy = 1/1,088 = 0,919 und kz = 1

= 0, 165 + 0, 007 + 0, 727 + 0, 026 = 0, 925 < 1


Nachweis der Sicherheit gegen Biegedrillknicken ist offensichtlich nicht erforderlich, weil der
Momentenanteil um die y-Achse sehr klein ist. Bei reiner Biegung um die z-Achse am I-Profil ist
BDK nicht möglich!

4) Windverband
Wind-Angriffslänge: halber Rahmenabstan
d + 25 cm Überstand über die Rahmenachse
.
Wind-Angriffshöhe mit 40 cm Dachüberstand
.

Stabilisierung: zu stabilisieren sind die Vertikallasten Giebelwand, die aus den Normalkräften
(charakteristische Werte = Gebrauchlasten ) der vorherigen Positionen ermittelt werden.
Ständ. Last: Vg = 3 • 15, 5 + 2 • 12, 5 = 71, 5 kN H = 71, 5/200 = 0, 36 kN
Schnee: V s = 3 • 15, 75 + 2 • 8, 0 = 63, 3 kN Hs = 63, 3/200 = 0, 32 kN
Die Stabilisierungslaste
n sind sehr gering. Deshalb:
e Lastkombination ist GK 3: g + w(quer).
Maßgebend
H = 1,350, 36+1,5-8, 02 = 12,52 kN

Diagonalstab
:

L 60x40x5:

Geometrie:
HV M16:

M16, DIN 7990: wie


genügt auch. V1,R,d zuvor.
204 10 Druck und Biegung, zweiachsige Biegung

5) Konstruktio n
Zu den Themen "Stützenkopf" und "Stützenfuß" siehe Kapitel 11 und 12.

5a) Stützenkopf
Riegel IPE 180 auf Stütze HEA-120 mit Kopfplatte t = 15 mm. Auflagerlast (siehe unter 2):
Lasten: ständige Last aus Giebelwandriegel : N = 7,9 kN
Schnee aus Giebelwandriegel : N = 15,8 kN
Bemessungswert: N d = 1, 35 • 7, 9 + 1, 5 • 15, 8 = 34, 4 kN
Lastausbreitung für steifenlose Krafteinleitung:
l1 = sSt + 5 · (tPl + Rie) = 5 + 5- (15 + 17) = 165 mm
Damit: FR, d = s • 1 · fy, d = 0, 53 • 16, 5 • 21, 82 = 190, 8 kN > FS,d = 34,4 kN
Anschluß konstruktiv mit 4 x M12 (4.6) und Kopfplatte t = 15 mm, o.w.N.

5b) Stützenfuß
Stütze HEA-120 auf Fußplatte 125x225x15 mm auf gleichgroße einbetonierte Platte geschraubt
.
Lasten: ständige Last insgesamt : 7,88 + 1,00 + 7,09 = N = 16,0 kN
Schnee aus Giebelwandriegel : N = 15,8 kN
Bemessungswert: N d = 1, 35 • 16, 0 + 1, 5 • 15, 8 = 45, 3 kN

Betonpressung unter einbetonierte r Platte (rechnerisch


e Teilflächenpressung)
:
2 2
ób = 45, 3/(12, 5 • 12, 5) = 0, 29 kN/cm < óR, cd = 1, 35 kN/cm (C 20/25)

Biegebeanspruchun
g in den Fußplatten: o.w.N.
Abhebende Kräfte über Verband (mit min N):
Lasten: ständige Last Stütze (Bemessungswert)
: N d = 1, 35 • 16, 0 = 21, 6 kN
abheben
d aus Diagonale (Bem.wert): N d = -18, 6 • 5, 75/7, 7S6 = -13, 7 kN
Am Stützenfuß treten keine abhebende n Lasten auf. Verankerung der Fußplatte konstruktiv mit
einbetonierte
m Kopfbolzendübel , d = 19 mm. Stütze an Fußplatte mit 4 Aufschweißbolzen M 12.

Schnit t a-a Stützenkop f Alle nicht Stützenfu ß


bez. Nähte:
Kehlnähte
a w = 4 mm

Fußplatte
an Stütze
125x15-225
aufgeschraubt 2 x 2 Schraub-
bolzen
d = 12 mm
w = 60 mm

2 Kopfbolzendübel einbetonierte
d = 19 mm Fußplatte
L = 150 mm 125x15-225
11 Stützenfüß e un d Anschlüss e
Stützen werden je nach gewähltem Sta
tischem System planmäßig unterschied
lich belastet:
a) + b) Fuß und Kopf einer Pendel-
stütze: mittige Normalkraft.
c) Fußpunkt als Gelenk:
Normalkraft + Horizontalkraft.
d) Eingespannte Stütze: Normalkraft
+ Horizontalkraft + Biegemoment .
e) Biegesteife Rahmenecken
. Bil d 11.1 Stützenanschlüss e

Die Einleitung der planmäßige n Stützenkräfte am Stützenkopf und die Weiter-


leitung von Kräften und Momenten am Fußpunktder Stützemüssennachgewiese n
werden. Die im Statischen System zugrunde gelegten Mechanisme n zur Über-
tragung von Schnittgröße n werden konstruktiv zuweilen stark abweichend aus-
geführt, insbesonder e bei Gelenken. Wesentlich ist, daß die aus der Statik
zugewiesene n Anschluß-Schnittgröße n sicher übertragen werden können. Ein-
geschränkte Beweglichkeit der Mechanisme n kann oftmals hingenommen werden
wegen der sich bei Überbeanspruchun g ausbildende n plastischen Verformungen.

11.1 Stützenfüß e

11.1.1 Stützenfu ß fü r mittig e Druckbelastun g


Konstruktiv e Ausbildun g
A m Fuß von Pendelstütze n sind ausschließlich vertikal gerichtete Druckkräfte
zu übertragen. Die Druckkraft aus der Stütze soll über eine an den Stützenschaf
t
angeschweißt e Fußplatte möglichst gleichmäßig auf die anschließend e Beton-
konstruktion verteilt werden. Einige konstruktive Möglichkeiten:
a) An den Stützenschaf t wir d eine stählerne Fußplatte angeschweißt . Bei der
Montage wir d die Stahlstütze auf dem gründlich gereinigten Betonfunda-
ment aufgestellt u nd mittels Stahlkeilen ausgerichtet . Die 2 bis 5 cm dicke
Fuge zwischen Fußplatte und Fundamentkörpe r wir d mit Zementmörtel satt
unterstopft. Bei großen Fundamentplatte n sind Entlüftungs- u nd Kontrol-
löcher vorzusehen . Die Stahlkeile werden nach ausreichende r Erhärtung des
Mörtels entfernt; die dabei entstandene n Löcher sollennachgestopf t werden.
Gegen unbeabsichtigt e seitliche Verschiebung des Stützenfuße s wir d auch
bei mittiger Belastung die Fußplatte mit wenigstens zwei Ankerschraube n
(Steinschrauben , Dollen, Dübeln) gesichert (konstruktiv meist M16 ... M24).
206 11 Stützenfüße und Anschlüsse

b) Um von einbetonierte n Ankerschraube n und den damit verbundene n mög-


lichen Ungenauigkeite n der Lage unabhängig zu sein, kann nachträglich mit
zugelassenen Dübeln verankert werden oder aber die Anker werden nach
Montage der Stütze in entsprechend e Aussparunge n geführt. Auf genügend
Platz zum Einbringen u nd Verdichten des Betons ist zu achten!
c) Beieinbetonierte
r Fußplatte kanndie Stützenfußplatt e angeschweißtwerden .
Nachteil: Höhenmäßige s nachträgliche s Ausrichten mit Futterplatten ist
schwierig. Außerdem bewirkt dieser Anschluß eine ungewollte Einspan-
nung; die Lösung ist nur für Profile mit geringer Höhe (h < 140 mm) geeignet.
Öffnung zum
seitlichen Ein-
füllen und Ver-
dichten des
Beton s Baustellennaht
- Fußplatt e
Mörtelfug e
2 Ankerschraube n
Verankerung
nachträglich z.B. Kopf-
ausbetonieren! bolzendübel

A-A Bewehrung

Bild 11.2 Stützenfüß e - konstruktiv e Ausbildun g

Grenzpressun g im Beto n bzw . in der Mörtelfug e [1/767]


Die Grenzpressun g für Beton Ó R , cd in Lagerfugen ist ßR/1,3 mit ßR nach DIN 1045
(7.88). Betongüten nach EC 2 bzw. DIN 1045 (7.01) sind entsprechen d einzuordnen .
Der Index c steht für conrete = Beton.

Tab. 11.1 Grenzpressun g in Lagerfuge n

Betongüte nach DI N 1045 (7.88) B15*) B 25 B 35 B 45 *)

Betongüte nach EC 2 / DI N 1045-1 C 12/15 *) C 20/25 C 30/37 C 40/50*)

Rechenfestigkeit ßR [N/mm 2] 10,5 17,5 23,0 27,0

Grenzpressung ó R , cd = ßR /l,3 8,1 13,5 17,7 20,8

*) Von der Verwendung im Zusammenhan


g mit Stützenfüße
n wird abgeraten
.

Bei Teilflächenpressun g (im Bereich des Betons) ist die Erhöhung gemäß DIN 1045,
17.3.3, erlaubt. Im Extremfall ergeben sich fast die 3-fachen Grenzpressungen. Die
geometrische n Voraussetzunge n hierfür sind jedoch sorgfältig zu prüfen.

Spezielle Fugenmörte l sind besser gieß- bzw. verdichtbar als normale Zement-
mörtel nach DIN 1045. Mörtel mit entsprechende r bauaufsichtliche
r Zulassung
erreichen hohe Festigkeiten (bis ca. 100 N / m m2 ) .
11.1 Stützenfüße 207

Bei Mörtelfugen aus Zementmörte l muß


das Verhältnis der kleinsten tragenden
Fugenbreite zur Fugendicke b / dˆ 7 sein.

Die Beton- bzw. Mörtelpressun g unter Fußplatt e


der Fußplatte der Stahlstütze ist Mörtelfug e

2 Ankerschraube n

rechnerische
Die Pressun g unter der Fußplatte ist Pressung ócd
wegen der ungleichmäßig verteilten wirkliche
Auflast aus der Stahlstütze u nd der Ver- Pressung
biegung der Fußplatte infolge dieser
Pressung auch ungleichmäßig verteilt. Schnit t A-A
Gewöhnlich rechnet man jedoch mit
gleichmäßiger Verteilung der Druck-
spannung, was schließlich auch wieder Bild 11.3 Stützenfuß mit Mörtelfug e
dem Traglastgedanke n entspricht.

Bemessun g der stählerne n Fußplatt e


Die Fußplatte mit der Dicke t muß als Kragplatte mit der Kraglänge u die Biegung
aus der Flächenlas t ócd aufnehmen . Bei elastischem Biegenachwei s gilt für die
Spannung in der Stahlplatte:

Fußplatten werden (wegen der Verformungen) grundsätzlich aus S 235 hergestellt,


also ist:

Aufgelöst nach der erforderlichen Dicke t wir d damit:


Dimensionen: t und u [cm] und ócd [kN/cm2 ] !

Achtung: Die Formel für t ist nicht dimensionsrein


. Sie darf nur in den angegebene
n
Dimensionen benutzt werden!

Bei plastischem Biegenachwei


s (mit der Beschränkun
g ápl = 1,25) gilt:
208 11 Stützenfüße und Anschlüsse

I n diesem Nachweis ist der Querschnitt möglicherweise auf Biegung voll ausge-
nutzt. Die Interaktion mit der Querkraftistnichtberücksichtigt.Machtmanhierfür
einen generellen Abzug von ca. 5 % bei óR,d, so gilt für t:

Dimensionen [cm] und [kN/cm2] wie zuvor!

Umgekehrt kann man auch für eine vorgegeben


e Dicke t der Fußplatte den zuläs-
sigen Überstand u bestimmen:

Al s alternative Vorgehensweis e bietet sich folgendes Verfahren an: man teilt die
Fußplatte in entsprechend e Bereiche ein, für die zul u nicht überschritten ist. So
ergibt sich die Tragfähigkeit der Fußplatte aus:
N A
R ,d = * · óR, cd
Anmerkung: Die Fläche der Löcher für
die Ankerschraube
n ist ggf. abzuziehen
!

Beim letztgenannte n Verfahren wir d der


nicht zur Fläche A* gehörende Teil der
Fußplatte rechnerisch gar nicht genutzt;
die Fußplatte kann also auch entspre- Schraffierte Fläche + Stützenquerschnitt = A*
chend verkleinert werden. Bild 11.4 Traglas t eine r Fußplatt e

Schweißnahtanschlu ß
Die Fußplatte steht rechtwinklig zur Stützenachse . Der Stützenschaft wir d aus-
reichend planeben abgelängt (z.B. Sägeschnitt) . Die Schweißnah t zur Verbindung
Stützte-Fußplatt e hat keine statische Funktion, muß nicht nachgewiese n werden
und ist konstruktiv festzulegen, wobei die Empfehlung Gleichung (1/5) nicht unbe-
dingt eingehalten werden muß (siehe Kapitel 6).

Bemessun g von Fußplatte n nach der Plattentheori e


Wenn das Seitenverhältni n Platte mehr als 1:2 beträgt,
s der linienartig abgestützte
wir d vorteilhaft die Plattenwirkung berücksichtigt. Die elastische n Schnittmo-
mente bestimmt man am angenäherte n System nach der Plattentheorie , z.B. mit
Hilf e von Tabellenwerken .

Nachfolgende Momentenwerte für Rechteckplatte


n sind entnommen Hahn [16].
11.1 Stützenfüß e 209

Dreiseiti g gestützt e Platt e mit


eingespannte m hintere m Rand

Belastung

K = q·ly·lx
Randmomen
t M xr = K / mx r Platt e
Einspannmomen
t Mey = K / m ey

Seitenverhältnis å = ly/lx

£ 1,5 1,4 1,3 1,2 1,1 1,0 0,9 0,8 0,7 0,6 0,5 0,4 0,3 0,25

m
xr 13,1 12,5 12,1 11,7 11,5 11,4 11,5 12,0 13,0 15,2 19,4 29,4 60,2 105
-m
ey 12,1 11,3 10,5 9,8 9,1 8,5 7,9. 7,4 7,1 6,8 6,8 7,1 8,1 9,0
Dreiseiti g eingespannt e Platt e

Belastung q = óc

K = q · ly · lx

Randmomen
t M xr = K / mx r
Einspannmoment
e M er = K / m er

K
M ey = / m ey

Seitenverhältnis å = 1y/1x

å 1,5 1,4 1,3 1,2 1,1 1,0 0,9 0,8 0,7 0,6 0,5 0,4 0,3 0,25

m 35,8 33,4 31,0 28,6 26,4 24,3 22,4 20,9 19,9 19,8 21,3 26,8 46,4 77,0
xr
-mer 17,8 16,6 15,3 14,1 12,8 11,6 10,4 9,3 8,2 7,4 6,8 6,8 7,6 8,6
-m 18,7 17,8 17,0 16,2 15,6 15,0 14,5 14,3 14,2 14,7 15,8 18,1 23,0 27,2
em
-m 26,4 24,6 22,8 19,3 17,6 15,8 14,2 12,6 11,1
ey 21,1 9,8 9,0 9,0 9,6

Anmerkung: Der seitliche Überstand u muß für die Anwendung der Werte einer dreiseitig
eingespannte n Platte wenigstens (etwa) so groß sein, daß durch das Kragmoment dem
Wert M em das Momentengleichgewich t gehalten wird. Für die dreiseitig eingespannt
e
Platte ist die Beanspruchun g auch für den Überstand u nachzuweisen .

Die m-Werte in den unterlegten Zeilen ergeben jeweils die größten Biegemomente
!
210 11 Stützenfüße und Anschlüsse

Aussteifun g von Fußplatte n


Bei hohen Stützenlaste n können sehr große Dicken für die Fußplatte erforderlich
werden. Die Dicke kann reduziert werden, wenn man die Fußplatte mit lastver-
teilenden Steifen versieht. Bei großer Aussteifungsläng e istjedoch die Möglichkeit
einer Winkeldrehung eingeschränkt ; die Funktion des "Gelenkes" am Stützenfuß
darf d a nn angezweifelt werden.

Entlüftungs -
/ Öffnun g

Bild 11.5 Ausgesteift e Fußplatte n und Stützenfüß e


11.1 Stützenfüße 211

11.1.2 Stützenfu ß für Druc k und Horizontalschu b


A m gelenkigen Fuß von Rahmentragwerke n oder bei horizontaler Belastung von
Pendelstützen (z.B. Wind, Anprallasten) haben Fußgelenke außer Druckkräften
auch Horizontalkräfte zu übertragen.

Bei sehr kleinen H-Lasten können die Ankerschraube


n zusammen mit Haftung
und Reibung in der Fuge zur Übertragung ausreichen
.

Häufig wir d an die Fußplatte ein kurzes L- oder I-Profil als Schubknagg
e ange-
schweißt, das die H-Lasten planmäßig in den Beton weiterleiten soll.
a) Eine montagefreundlich e Möglichkeit ist das vorherige Einbetonieren einer
Gegenplatte (mit I-Stück und Dollen), auf die mittels nachdem Einbetonieren
aufgeschweißte r Gewindestück e die Stütze dann einfach aufgeschraub t wird.
Dies verlangt jedoch sehr sorgfältiges Einjustieren der Platte, weil ein Fut-
terausgleich in der Praxis meist unbefriedigend e Ergebnisse aufzeigt.
b) Nachträgliches Einbetonieren von Ankern und Schubknagge n umgeht diese
Schwierigkeiten, erfordertjedoch stets höheren Aufwand beim Aufrichten der
Stahlkonstruktion.

aufgeschweißte
Gewindestücke

Schubkinagge

Gewindestücke der Gegenplatte nach dem Ausrichten


(durch Löcher in der Stahlkonstruktion
Fußplatte gesteckt ausbetonieren
A-A und verschraubt)
Stützenfuß- Achtung: seitlich
platte ausreichend Raum
zum Einbringen des
Betons und Einführen
Gewindestücke (werden der Rüttelflasche
auf die einbetonierte vorsehen!
Platte geschweißt)
B- B Rippenstahl
einbetonierte Entlüftungslöcher
Gegenplatte
Schubknagg e

Bild 11.6 S t ü t z e n f ü ß e mi t S c h u b k n a g g e n
212 11 Stützenfüße und Anschlüsse

11.1.3 Stützenfu ß mi t echte m Gelen k


Bei den bisher gezeigten Lösungen wurde in Kauf genommen, daß sich der Stüt-
zenfuß planmäßig nur verdrehen kann, wenn an gewissen Stellen Überbeanspru -
chungen bzw. Plastizierunge n aufgetreten sind. Wegen der guten Duktilität des
Werkstoffes S 235 und der Befestigungsschrauben4. 6 ist dies im allgemeinenzuläs
-
sig und hat sich in der Praxis bewährt.

BeigroßenStützenlastenundStützenquerschnittenkannesjedochnotwendigwer -
den, daß sich die Verformungen planmäßig einstellen sollen bzw. es kann
gewünscht werden, daß die Lasten aus der Stütze planmäßig durch ein Fußgelenk
geleitet (zentriert) werden. Es muß ein echtes Gelenk ausgebilde
t werden.

•r- B Rippen zur


Lasteinleitung
Detail „X "

HA

Zentrierleiste
B-B Knagge

eventuell :
Auftraqsschweißun g
(gehärte t und poliert )
Bild 11.7 Stützenfu ß mi t echte m Gelen k

Unter der Zentrierleiste wird die Hertzsche Pressun


g aus der Linienlast q:
Charakteristisch
e Werte für den Grenzdruck nach Hertz
gemäß Anpassungsrichtlinie DIN 18800 (7.95) an:

| Werkstoff S 235 S 355 C 35 N


q = Linienlast in [kN/m] 9 800 1000 950
längs der Zentrierleiste Grenzdruck óH,k [N/mm ]

Anstatt der gerundete


n Zentrierleiste kann auch einfach ein Flachstah
l verwendet werden, wobei
man wiederum plastische Verformungen entlang den Kanten in Kauf nimmt.
11.1 Stützenfüß e 213

11.1.4 Eingespannt e Stütze n


Stützen, die außer Vertikal- und Horizontalkräften am Stützenfuß planmäßig auch
Biegemomente übertragen sollen, müssen insbesonder e auf Zug verankert und
nachgewiese n werden. Es bieten sich zwei unterschiedliche Konstruktionsmög -
lichkeiten an.

Eingespannt e Fußplatt e mi t Zuganker n


Der Stützenfuß wir d konstruktiv in Richtung der Momentenwirkung vergrößert.
Das Biegemomen t wir d in ein vertikal gerichtetes Kräftepaar zerlegt. Die resul-
tierende Zugkraft wir d von Zugankern aufgenommen , z.B. Hammerschrauben .
Die Horizontalkraft wird über Schubknagge n übertragen .

Hammerkopf -
schraube n

Beanspruchunge
n im Anschluß: a/8 etwa a/8

Zugkraft
Schnittgröße n
Druckkraft Unterkant e
Fußplatt e

Betonspannun
g

Die Querkraft V wird von der etwa a/4


Schubknagge übertragen . D
Für die Berechnung der Betondruckspan
- z~3a/4
nungen ist grundsätzlich auch eine
andere Aufteilung der Pressungsfläche
erlaubt. Wesentlich: Gleichgewicht! Bild 11.8 Eingespannte Fußplatte mit Zugankern
214 11 Stützenfüß e un d Anschlüss e

Einspannun g in Köcherfundamen t
Diese Ausführungsar t wir d in der Praxis zunehmend bevorzugt. Die Stahlstütze
wir d in den Köcher eingesetzt , ausgerichtet und einbetoniert.
Rechnerisch wir d das Biegemomen t M* (in mittlerer Höhe der Einspanntiefe t)
i n ein horizontales Kräftepaar H o / H u zerlegt. Die Kraftübertragung erfolgt auf
der jeweiligen Druckseite vom Stützenflansc h auf den Beton. Die Kräfte H o / H u
müssen im Stahlbetonköche r durchentsprechend e Bewehrung weitergeleitetwer -
den. Für die Übertragung der Vertikalkraft genügt meist die Fußplatte; andernfalls
können zusätzlich Schubdübe l (Knaggen) angeschweiß t werden.
Bei der Berechnung der I-Querschnit t
Beanspruchunge n im Ein- Flanschbreit e b

spannbereic h kann man Schnittgröße n


Oberkant e
sehr vereinfachen d von Köcherfundamen t
geradlinig verteilter Beton-
druckspannun g ausgehen :

Betondruckspannun g
unte r der Annahm e
lineare r Verteilun g
Druckstrebe n
im Beto n

Bil d 11.9 Einspannun g


in den Köche r

Für eine Vördimensionierun


g der Einspanntiefe t rechnet man zweckmäßig:

Der so bestimmte Wert erf t muß zumindest um 10 bis 20 % erhöht werden, weil
er wegen M* > M auf der unsicheren Seite liegt.
Querbiegespannunge n im Flansch aus óo und óu werden i.a. nicht nachgewiesen
,
weil sich die einbetonierte
n Flanschen gar nicht entsprechen d verformen können.
11.1 Stützenfüß e 215

Beim Nachweis óco ‡ óR, cd läßt sich in begrenzte


m Rahmen auf erhöhte Werte
wegen Teilflächenpressun g (siehe Abschnitt 11.1.1) zurückgreifen.

Die größte QuerkraftimStegde


r Stütze entspricht der unterenHorizontalkraftH
u.

Daraus folgt max x s = Stegdicke

Hier können erhebliche Schubspannunge n auftreten, was in der Praxis oft nicht
beachtet wird! Ist ÔR,d bzw. Vpl überschritten
, m uß der Steg verstärkt oder die
Einspanntiefe vergrößert werden.

Umgekehrt läßt sich für einen Stützenquerschnit


t auch die notwendige Einspann-
tiefe bezüglich der Schubspannun g berechne
n zu

mit A =
s t eg ( h – t) • s

Auch dieser Wert liegt wegen M* > M etwas auf der unsicheren Seite. Andererseits
enthält der plastische Nachweis noch einige rechnerische Reserven .

Bei Stützen, die als Hohlprofil ausgebilde


t sind, muß
die Biegebeanspruchun g im Einspannbereic h unter- Köcherwandun g
sucht werden; am besten ist der plastische Nachweis
auf M = óc • b2 / 16
c

Maßnahmen gegen die bei unverstärkte m Quer-


schnitt häufig weit überzogen e Beanspruchun g sind
Aussteifungen oder Manschette n oder Ausbetonie-
ren des Querschnitts ; letzterer Maßnahme steht oft Bil d 11.10 Betondruckspan -
entgegen, daß Entsorgungsleitunge n (Dachentwäs - nun g am einge -
serung!) im Innern der Stütze geführt werden sollen. spannte n Hohlprofi l

Ander e Rechenannahme n für die Einspannun g


Die Annahme linear-elastische r Beton-Druckspannunge n über die Einspanntiefe
vereinfacht die realen Verhältnisse.Sieist besondersbe
i großer Einspanntiefe frag-
lich. Bei Annahme nicht-linearer Spannungs-Dehnungs-Beziehunge n für den
Werkstoff Beton ergeben sich abweichend e Bemessungsformeln .

[19] gibt Beziehungen für ein Spannungs-Dehnungs-Verhalte n in Parabel-Recht-


eck-Form, kombiniert mit Reibung und Haftung an. Daraus ergeben sich kürzere
Einspannlängen , dafür aber höhere Querkraftbeanspruchun g der eingespannten
Stahlstütze. Konstruktive Fragen sind bei Leonhardt [17] behandelt, auch die
Bewehrung der Köcher. Peterse n setzt sich in [4] kritisch mit unterschiedliche
n
Rechenmodelle n auseinander . Eine Zusammenfassun g der verschiedenen Berech-
nungsmethode n und grafische Bemessungshilfe n gibt Friedrich [20] an.
216 11 Stützenfüß e und Anschlüss e

Bei der Einspannung von Stahlbetonstüt -


zen in Köcher- oder Blockfundamente R = Resultierend e Dre Kräfteec k
aus N, V und M zur Fest-Mlegun g
wir d oft mit der Annahme rauher Köcher- der Druck -
strebe n
u nd Stützenwandun g u nd dem Bemes-
sungskonzep t der Stabwerkmodelle eine
gedrungene Einspanngeometri e u nd
günstige Bewehrung erreicht. Siehe
hierzu bei Steinle [18].
Die Übertragung dieses Prinzips auf die
Einspannung von Stahlstütze n ist nicht
unproblematisch : es muß sorgsam über-
prüft werden, ob die angenommene n
Druck- streben Dli und D r e ihre Kräfte auch
wirklic h in die Stahlstütze n einleiten
können. Zur Krafteinleitung können
Flachstähle oder Winkel auf die Stützen- Bild 11.11 Köcherfundamen t
flanschen aufgeschweiß t werden; für mit rauhe r Wandun g
große KräfteeignensichKopfbolzendübel .
Grundsätzlich ist zu den unterschiedlichen Berechnungs-Annahme n zu sagen:
nach dem Traglast-Prinzip ist es gleichgültig, was für eine Spannungs - bzw.
Kräfte Verteilung angesetz t wird. Es müssen jedoch in allen Bereichen die pla-
stischen Begrenzunge n der Spannunge n bzw. Schnittgröße n eingehalten sein,
u nd es m uß natürlich überall Gleichgewicht herrschen.

11.2 Stützenköpf e

11.2.1 Gelenkige r Anschlu ß


Stützenköpfe, die der Auflagerung ein- oder mehrfeldriger Träger dienen, wer-
den meist als gelenkige Anschlüsse berechnet . Die Ausführung eines wirklic h
funktionsfähigen Gelenks ist (ähnlich wie bei Stützenfüßen
) umständlich, teuer
und zumeist auch überflüssig. Die bei üblichen Konstruktionen mit Stirnplatten
erzeugte Einspannung wir d gewöhnlich rechnerisch nicht verfolgt.
Stützenköpfe w u r d en zur sicheren Lastüberleitung früher meist konstruktiv mit
Steifen (Rippen) versehen . Aus wirtschaftlichen Gründen bevorzugt m an heute
steifenlose Trägerverbindungen , die sich für gewöhnlich auftretende Lasten als
ausreichen d erwiesen haben (siehe auch Kapitel 12).
Grundsätze
, siehe Bil d 11.12:
a) Träger mit Steifen sollen vermieden werden!
b) Steifenlose Lasteinleitung, Stege übereinander
. Wegen der großen mittragen-
den Länge 1 ist der Anschluß problemlos.
11.2 Stützenköpfe 217

maßgebende Länge 1

wenn statisch
möglich:
vermeiden !

Bild 11.12 Stützenköpf e für gelenkige n Anschlu ß

g kreuzt Trägersteg
c) Steifenlose Lasteinleitung. Stützenste . Lasteinleitungs
-
länge 1 wi e dargestellt. Zur Berechnung
: siehe Trägerkreuzungen!

11.2.2 Eingespannte r Anschlu ß Stütze-Träge r


Bei mehrstieligen Rahmen können auch die inneren Stützen in die Riegel einge-
spannt werden. Die planmäßige Übertragung von Biegemomente n zwischen
Stütze und Riegel verlangt entsprechende Nachweise, wobei die Schubspannun -
gen im "Schubfeld" zwischen den Steifen besonder
s zu beachten sind (siehe auch
"Rahmenecken" , Kapitel 13).

Konstruktiv ergeben sich viele Möglichkeiten, z.B.:


a) Bemessun
g des Anschlusse
s als typisierte Verbindung,
b) bei großem Anschluß-Momen t wir d der Anschluß zweckmäßig auf gespreizt,
um im Schubfeld geringere Schubbeanspruchunge n zu erreichen.
Al s Schraube
n werden in jedem Fall HV-Schrauben (10.9) verwendet, die plan-
mäßig voll vorzuspannen sind. Auch bei einseitig größerem anzuschließendem
Moment bildet man die Anschlüsse zweckmäßig symmetrisch aus.

Bild 11.13 Einspann-Anschlu ß - konstruktiv e Möglichkeite n


218 11 Stützenfüße und Anschlüsse

11.3 Beispiel e

11.3.1 Fußplatt e fü r INP 260


Die Fußplatte unter einem I 260 (I-Normalprofil = INP 260) ist nachzuweise
n für eine Bemes-
sungslas
t N S ,d = 600 kN.
Werkstoffe: Stahl S 235; Beton C 20/25.
Verlangt:
1) Elastische
r Nachweis für Plattendicke t = 30 mm. Die Schweißnahtdicke
n sind festzulegen
.
2) Plastischer Nachweis, wobei die Plattendicke so weit wie möglich reduziert werden soll. Die
Interaktionsbeziehunge n sind nachzuprüfen .

I 260

BI 160x30 ... 420

Mörtelfuge
d = 30 mm

2 Ankerschrauben M20
Beto n C20/25

Schnit t A-A

80 260 80 I
420

Pressung in der Mörtelfug e

Der Lochabzug für die Schraubenlöche


r für das Ergebnis ist unbedeutend
.

Fußplatte, Elastischer Nachweis


Der größte Überstand der Fußplatte ist u = 80 mm.
Damit: erf t = 0,37 • 8, 0 · 0, 90 = 2, 8 cm < vorh t = 3,0 cm
11.3 Beispiel e 219

Plastischer Nachweis
er/t = 0, 3 4 - 8 , 0 - 7 0 90 = 2, 5 8 - 2 , 6 cm
Kontrolle der Interaktionsbedingunge
n für t = 26 mm:

Kein Interaktionsnachwei
s erforderlich!

Es gelten die Interaktionsbedingunge


n für Rechteck-Querschnitte , und damit gilt gemäß Tab. 4.4
die Grenze V/Vpl < 0,25 für Nachweise ohne Interaktion. Begründung: beim I-Profil wirkt das Bie-
gemoment M z nur auf Rechteck-Querschnitt e (nämlich die beiden Flanschen) .
Bei der üblichen Abstufung der Blechdicken muß die Fußplatte 30 mm dick ausgeführ t werden.
Die Nachweise für eine nur 25 mm dicke Fußplatte führen beim Moment zu 1,3 % Überschreitun g
der Einwirkung M gegen den Widerstand Mpl,d. Dies könnte man hinnehmen, doch sollte man
bedenken , daß die Rechen-Annahme n für die Ermittlung von M auch nicht völli g einwandfrei sind.
Auch auf die "genaue''Interaktion am Rechteck-Querschnit
t nach Abschn. 4.10.1 sei hingewiesen
.
Bei Anwendung derselben sollten allerdings die Platten-Moment e genauer errechnet werden!

Schweißnähte
EmpfohleneSchweißnahtdick
e für Plattendicke t = 30 mm:
aw
min = maxt – 0, 5 = V30 - 0, 5 ~ 5 mm
w
n dieses Maß oft etwas unterschritten
In der Praxis wird bei Fußkonstruktione : gewählt a = 4 mm.

Da gewöhnlich der Stützenfuß ausreichen


d planeben abgelängt wird, darf die Kraftübertragung
i.a. auf Kontakt angenommen werden. Ein Nachweis ist dann nicht erforderlich.

11.3.2 Fußplatt e fü r HEB-260


Die Fußplatte einer Pendelstütz
e HEB-260 ist für die Bemessungslas
t N S ,d = 1000 kN nachzuweisen
.
Werkstoff: Stahl S 235; Beton C 20/25.
Verlangt: Berechnun
g der Beanspruchbarkei
t NR,d und Nachweis für die gegeben
e Belastung.

1) Nachweis als Platte

Nachweis auf Plattenüberstan


d u = 9,5 cm, plastischer Nachweis:
erf t = 0,34 • 9,5 • 0, 74 = 2, 78 cm < 3,0 (bei elast. Nachweis erft = 3,0 cm)
Nachweis im Plattenbereic
h (zwischen den Flanschen
) mit Hilf e der Tafeln von Hahn [16].
Platte mit drei eingespannte
n Rändern und einem freien Rand. Als Stützweiten werden die Achs-
maße von Steg und Flansche n angesetzt
. Plattengröße 15 x (26 - 1,75) = 15 x 24,25 cm:
K = 0, 74 • 15 • 24, 25 = 269 kN
220 11 Stützenfüße und Anschlüsse

HEB-260

Bl 300x30... 450

Mörtelfuge
d = 30 mm

2 Ankerschrauben M24
Beto n C20/25

Schnit t A-A

95 260 95
450

Maßgeben d ist das betragsmäßi . Es ist M = K/m, also ist der kleinste Bei-
g größte Biegemoment
wert m festzustellen.

Seitenverhältnis
:

Damit:

Nachweis plastisch:

Interaktion ist o.w.N. erfüllt.

2) Nachweis über zulässigen Plattenüberstand und A*


Ausgehend von der Plattendicke 30 mm wird bei völli -
ger Ausnutzung des Grenzwertes der Betonpressun g
der maximal zulässige Plattenüberstan
d zul u ermittelt:
Plastisch: zul u = 2, 95 • 3, 0/1, 35 = 7, 6 cm
95 260 95
Mi t diesem Überstand u wird die zugehörige Fläche A* 450
errechnet:
A* = 2 · 26 · (2 · 7,6 + 1,75) + [26- (2· 7,6 + 1,75)] • (2 · 7,6 + 1,0) = 881 + 147 = 1028 cm2
11.3 Beispiel e 221

Die Schraubenlöcher sind dabei nicht abgezogen


; sie liegen im wesentlichen außerhalb der A*-
Fläche.
Aus der A*-Fläche ergibt sich die Beanspruchbarkeit
:
NR, d = 1028 • 1, 35 = 1388 kN > 1000 kN
Die Fußplatte könnte ohne weiteres auf das erforderliche Maß 260x420 verkleinert werden!

Stützenfu ß fü r ein e eingespannt e Stütz e in verschiedene n Ausführunge n


Für den Stützenfuß eines Einspannrahmens (siehe auch Beispiel Abschnitt 13.4) sind die maß-
gebende n Bemessungswert e der Einwirkungen (positive Wirkung in Pfeilrichtung) aus der
Grundkombination GK2 (g+s+w) in der eingetragene n Bezugshöh e ±0:
N d = 125 kN V z,d = 75 kN M y,d = 140 kNm
Werkstoffe: Stahl S 235; Beton C 20/25.
Der Anschluß der Stütze ist für verschieden
e konstruktive Ausführungen nachzuweisen
.

11.3.3 Einspannun g mi t Ankerplatt e un d Ankerschraube n


Die Einwirkungen sind für die Nachweise auf UK Ankerplatte (-320 mm) umzurechnen
!
Nachzuweise
n sind:
1) Betondruckspannun g in der Mörtelfuge,
2) Bemessung der Ankerschrauben ,
3) Biegespannunge n in der Fußplatte infolge der Druckspannunge n in der Mörtelfuge,
4) Biegespannunge n in der Fußplatte infolge der Zugkräfte in den Ankerschrauben ,
5) Anschlußnähte (1) zwischen Stützenflansche n und Traversenblechen ,
6) Anschlußnähte (2) zwischen Traversenbleche n und Fußplatte im Bereich der Zuganker,
7) Aufnahme des Horizontalschubs
.
Bemessungswert
e der Einwirkungen in Höhe UK Ankerplatte (-320 mm):
Nx, d = 125, 0 kN
V z, d = 75, 0 kN
M S, d = 140 + 75 • 0, 32 = 164, 0 kNm
Annahme: Hebelarm der Kräfte z = 2 • 0, 29 = 0, 58 m, Beton-Druckfläche 17 x 55 = 935 cm2
164 125
1) Druckkraf t

2) Zugkraf t Z = 282, 8 – 62, 5 ~ 220 kN und Z s = 220/2 = 110 kN


Gewählt: Ankerschraube
n M 30 (5.6) mit durchgehende
m Gewinde, Z R ,d = 139,1 kN > HO kN
3) Fußplatte: Beanspruchun
g infolge Druckspannun
g in der Mörtelfuge.
Überstand: u = 10,5 cm
er/t = 0, 34 • 10, 5 • 70,37 = 2, 2 cm < vorh t = 3,0 cm (plastischer Nachweis)
Für den übrigen Druckbereich ist ein Nachweis offensichtlich nicht erforderlich (Plattenwir-
kung!).
222 11 Stützenfüß e und Anschlüss e

HEB-300

Bl 290x20x73 0

Bl 550x30x75 0

HEB-120 ... 120 Ig.

Schnit t A-A

4) Fußplatte Beanspruchun
g infolge Zugkraft in den Ankerschrauben
:
M = 110 • 5, 0 = 550 kNcm
Unterlegscheibe
: dScheibe = 66 m m
mitwirkende Breite etwa: b m = 180 mm
11.3 Beispiele 223

5) Zugkraf t im Flansch

h die gesamte Kraft im Zugflansch durch die senk-


Wenn (als ungünstige Annahme) rechnerisc
rechten Nähte aufgenommen werden soll:

6) Aufnahme der Zugkraf t

Doppelkehlnaht
, ca. 17 cm Länge:

7) Aufnahme des H-Schubs an der Schubknagge


HEB-120: V/Vpl , d = 75/89, 2 = 0, 84 < 1, 0
M/Mpl ,d = 75 • 0, 06/36 = 0, 125
Interaktion: n = 0, 88 • 0, 125 + 0, 37 • 0, 84 = 0, 42 < 1
Schweißnaht : x = V / [2aw • (h - 2c) ] = 75/ (0, 8 • 7, 4) = 12, 7 kN/cm2 < 20,7

Betonpressung
:

11.3.4 Köcherfundamen t
Mi t den Einwirkungen wie zuvor sind für Einspannun
g in ein Köcherfundamen
t nachzuweisen
:
1) Betondruckspannungen
,
2) Aufnahme der größten Querkraft im eingespannte
n Teil der Stahlstütze
,
3) Aufnahme der Normalkraft. Kann die Normalkraft auch ohne die Fußplatte unter der Stahl-
stütze aufgenomme
n werden?
4) Bodenpressun g (zul ó = 0,25 MN/m 2 ) und Gleitsicherheit ((p = 27,5°) für das Fundament
.
Dabei ist mit einer Erdüberschüttun
g bis auf ±0 zu rechnen.
5) Bewehrung des Köchers und der Fundament-Fußplatte
.
±0

Erdreich ,
Auffüllun g
Fußplatte Alle Maße in [cm]!
280x15-60

Beto n C 20/25

85 25 27,5 27,5 25 85
105
105
275
150
224 11 Stützenfüße und Anschlüsse

Bemessungswert e der Einwirkungen: Nx,d = 125,0 kN


(OK Köcher = ±0) V z,d = 75,0 kN
My,d = 140,0 kNm
Moment Mitt e Einspanntiefe t: M* = 140 + 75 · 0, 65/2 ~ 165 kNm
Einspannung
: t = 65 cm A b = 1950 cm2
b = 30 cm Wb = 21125 cm3

1)

2)

Schubspannun
g im Steg des HEB-300:

Ein Nachweis der Vergleichsspannun g ist nicht erforderlich, weil die Biegenormalspan
-
nungen in der Stütze in Mitt e Einspanntiefe nicht mehr sehr groß sind.

3) Mi t Fußplatte:

Ohne Fußplatte: Ausführung nicht möglich.

4) t (p = 25 kN/m3) + Erdüberdeckun
Gewicht Fundamen g (p = 18 kN/m3) von ±0 bis -1,10 m:
GF + E = 2, 75 • 1, 5 • (0, 3·25 + 0, 8 • 18) + 1, 05 ·1, 05 • 0, 8 · (25 - 18) = 96, 5 kN
Für die Gebrauchslaste
n aus GK2 (g+s+w) werden die Schnittgröße
n auf Höhe -1,10 m:
N d = 125/1,35 + 96,5 = 92,6 + 96,5 = 189 kN
V =
z,d 75/1,35 = 55, 6 kN
My , d = 140/1, 35 + 55, 6 • 1, 10 = 103, 7 + 61, 2 ~ 165 kNm

Lastausmitte
:

Teilflächenpressung
:

Gleitsicherheit:

5) Köcher. Berechne
t wird die oben bzw. unten erforderliche Horizontalbewehrung
:

gewählt: 3 x 4 d=10 mm = 9,5 cm2

gewählt: konstruktiv wie oben.

Vertikale Bewehrung: konstruktiv, Querschnitt zumindest so groß wie AS,o.


12 Träge r - Anschlüss e un d Stöß e

12.1 Steifenlos e Krafteinleitun g


[1/744] Werden in Walzprofile mit I-förmigem Querschnitt Kräfte ohne Ausstei-
fung eingeleitet, so gilt für die Grenzkraft FR,d im allgemeinen

(1/30)

Nur wenn die Querdruckspannun g óz und die Längsspannun g óx unterschiedliche


Vorzeichen haben (wenn óx also eine Zwgspannun g ist) und óx > 0,5 fy,k ist, gilt

(1/29)

Hierin bedeuten
:
s Stegdicke des Trägers
1 mittragende Länge im Trägersteg
óx Normalspannun g im maßgebende n Schnitt mit der Länge 1
a Auflagerkraf t am Trägerend e Einze l las t im Feld oder
Auflagerkraf t an Zwischenstütz e
1:2,5

Träge r auf Träge r Deckenträge r

Unterzu g

Bild 12.1 Steifenlos e Krafteinleitun g bei Walzprofile n u. Schweißprofile n mit I-Querschnit t

Bei den nach (1/29+30) bemessene


n Krafteinleitungen muß die Vergleichsspan
-
nung óv nicht nachgewiesen werden!
226 12 Träger - Anschlüsse und Stöße

12.2 Wandauflage r vo n Träger n


Trägerlager müssen planmäßig i.a. nur vertikale Kräfte übertragen . Meist werden
(im Gegensat z zu den Berechnungsannahmen ) lauter unverschiebliche Lager aus-
geführt. Dies ist möglich, wenn die Träger relativ kurz und die Durchbiegunge n klein
sind und (vor allem im Gebäude-Inneren ) Temperaturdehnun g keine Rolle spielt.
Die Träger müssen durch Aussteifungen in der Trägereben
e selbst oder Festhal-
tungen an den Lagern gegen seitliches Verschieben
, Verdrehen und Umkippen
gesichert werden.
a) Für kleine Abmessunge n und Kräfte genügt die Auflagerung auf Mörtelbett.
Wegen der Verdrehbarkeit der Auflagerung in Richtung der Trägerachs e soll
die Länge der Mörtelfuge begrenzt werden auf max c = h /3 + 10 cm.
Die Pressun g in der Mörtelfuge ist nachzuweisen . Wegen der Trägerverdre -
hung unter Last wir d die Vorderkante am stärksten beansprucht . Man geht
daher rechnerisch von dreieckförmiger Spannungsverteilun g aus.
Die Mörtelfuge wir d zweckmäßig ca. 2 bis 5 cm von der Vorderkante der Wand
rückversetzt, damit die Mauerwerkskant e nicht abgescher t werden kann.
b) Bei mittleren Kräften legt man den Träger auf eine einbetonierte Stahlplatte
auf. Durch eine Auflagerleiste kann die Last planmäßig zentriert werden. Der
Träger kann an die Leiste angeschweiß t werden (Baustellen-Naht!).
c) Bei der Einleitung größerer Kräfte bringen Neoprene-Lage r Vorteile: der
Träger kann sich (fast) zwanglos verdrehen, die Druckspannunge n im Mau-
erwerk werden (etwa) konstant, geringe Längsdehnunge n werden ausgegli-
chen. Gewöhnliche Gummilager sind 5 bis 30 mm dick; zulässige
Querpressun g geht bis ca. 5 N / m m2 (je dünner und größer, desto mehr),
zulässige Winkelverdrehung bis ca. 4/100 (je dicker und kleiner, desto mehr).

Zentrierleist e

Mörtelfug e Stahlplatte Neoprenelager


mit Dollen
Rückversatz
2-5cm
Bild 12.2 Trägerlage r auf Wänden

Ausreichende Sicherheit gegen axiales Verdrehen und seitliches Verschieben des


Trägers erreicht man durch Festhalten des Unterflansche
s (bei Lösung b) gegeben)
,
seitliche Abstützung des Oberflansche s gegen die Hauptkonstruktion oder durch
entsprechend e Verbände und Streben in der Stahlkonstruktion (Trägerrost).
Siehe dazu DIN 4141 Teil 1 (9.84 - Lager im Bauwesen - Allgemeine Regelungen) ,
Teil 3 (7.84 -Lager für Hochbauten), Teil 15 (1.91 - Unbewehrte Elastomere-Lager)
.
12.3 Trägerstöße 227

12.3 Trägerstöß e

12.3.1 Laschensto ß
Genauer Nachwei s
Beim geschraubte n Laschensto
ß eines symmetrische
n I-Querschnitts werden die
SchnittgrößenMy , V z undNentsprechendderSteifigkeitderStoßlaschenaufgeteilt
.
Gurt-un d Steglaschen : A Gur t

Schwerpunkt der A
Ste g
Schraubengruppe
des Steges = beide
rechts vom Stoß Laschen

Gur t

Aufteilun g der M V N
Schnittgrößen

Schnittgrößen Gurt
am Stoß

Steg

A = 2 A G + A St = gesamte Laschenfläch
e (brutto)
I = I G + I St = gesamte
s Trägheitsmomen
t der Laschen
Bil d 12.3 Geschraubte r Laschensto ß mit IG = AG ·h2/2

Gurtstoß:

d einer Stoßseite auf den ideellen Schwer-


Stegstoß: Wegen der zum Schraubenbil
punkt S* ausmittig angreifende
n Querkraft V entsteht ein Zusatzmomen t V • e.

Das idelle Stegmomen


t wir d damit: M St* = |MSt + | V • e|

Die Schraubenkräfte VS,i werden proportional zum


Abstand ri von S* angenommen . Für die einzelne
Schraube S gilt dann:
228 12 Träger - Anschlüsse und Stöße

n ist dabei die Anzahl der Schraube


n im Steg auf einer Stoßseite
.
Damit wir d für eine Schraube mit den Koordinaten xS /zS bezüglich S*:

Vertikalkomponente
:

Horizontalkomponente
:

Gesamte Schraubenkraft
:

Vereinfachter Nachweis
[1/801] In doppeltsymmetrische
n I-förmigen Trägern dürfen die Verbindungen
vereinfacht berechne
t werden mit:
Zug-/Druckflansch: NZ, D = N / 2 ± M y / h F (1/44,45)

und V = VSt Zu beachten ist trotzdem M S t* = V • e

Siehe hierzu Abschnitt 5.3.6.

Deckblechsto ß
geschweiß t
Ander e Nachweisverfahre n
Die Anwendung der zuvor angegebene n
Formeln setzt voraus, daß die Gurt- und
Steglasche
n etwa den Verhältnissen des
ungestoßene n Trägers angepaß t sind.

Bei hohen, zur y-Achse unsymmetri-


schen Trägern (z.B. im Brückenbau)
berechnet man die Schraubenkräft e Fx
zutreffender nach dem auf sie entfallen-
den Kraftanteilen aus dem Verlauf der Gurtsto ß
Normalspannunge n óx. symmetrisc h
Bild 12.4 Sto ß hohe r geschweißte r Träg e
I m Steg ist: VS, x = óm • am • tSteg
für die jeweilige Schraube bei einreihigem Stoß.
VS,Z folgt aus V = VSt und M St* = V • e. Damit wir d wieder:

Die Schraube n im Gurtstoß berechne t man entsprechen


d dem Normalkraftanteil
aus den Spannunge n im Gurt und dem Stückchen bis zum Bereich der untersten
Schraube des Stegstoßes. - Wegen eines evtl. Zusammenwirken
s mit dem Schweiß-
stoß im Deckblech sind besonder e Bedingungen zu beachten!
12.3 Trägerstöße 229

12.3.2 Stirnplattensto ß

Stirnplattenverbindunge n mit HV-Schrauben sind besonder s geeignet für biege-


steife Stöße u nd Anschlüsse von Trägern und Stützen aus I-Querschnitten sowie
von Rahmenecken . Die Trägerenden werden über Kehlnähte mit den biegesteifen
Stirnplatten verbunden. Die Stoßverbindun g stellen planmäßig voll vorgespannt e
HV-Schrauben (SL-Verbindung) her. Die Schraube n werden auf Zug und (in meist
wesentlich geringerem Maß) auf Abscheren beansprucht .

Vereinfacht e Berechnun g
Bündig e Stirnplatte n
Zerlegung des Biegemoment
s M y:

und

hSwir d vereinfacht von Schraubenachs


e
auf Außenkante Träger gerechnet .
dp dp
Die Druckkraft D wir d ohne weiteren Bild 12.5 Stirnplattenstoß , bündi g
Nachweis auf Kontakt übertragen.

Die Querkraft V z wir d nur den Schraube


n im Druckbereich zugeordnet
.

Je Schraube ist:

Die Aufnahme der Querkraft spielt rechnerisch i.a. eine untergeordnet


e Rolle,
weshalb hierfür die Schraube
n oft gar nicht nachgewiese n werden.

Mindestdicke der Stirnplatte:


min dp = 1, 5 • dS

Zugseiti g überstehend e Stirnplatte n


Die Zugkraft Z wir d auf alle Schraube
n
i m Zugbereich gleichmäßig verteilt:

hp = h - t = mittlerer Flanschabstan
d

Mindestdicke der Stirnplatte:


min dp, = 1, 0 • dS
Bild 12.6 Stirnplattenstoß , überstehen d
230 12 Träger - Anschlüsse und Stöße

Der Schweißnaht-Anschlu ß Stirnplatte gegen I-Querschnitt wir d wie üblich


berechnet: vereinfachte Aufteilung nach [1/801] oder Anschluß ohne weiteren
Nachweis nach [1/833]. - Die Tragfähigkeit des Trägers selbst ist auf jeden Fall
nachzuweisen .
Eine zusätzlich zu M y und V z auftretende Normalkraft N läßt sich entsprechen d
der Hebelgesetz e einfach auf die Zugkraft Z anrechne n (siehe Beispiel 12.4.2).

12.3.3 Stirnplattenanschlu ß als "Typisiert e Verbindung "


Für Walzprofile in Werkstoff S 235 wurden auf Grundzahlreiche r Traglastversuch e
und theoretische r Überlegunge n Berechnungsgrundlage n für eine möglichst
zutreffende und wirtschaftliche Bemessun g von Stirnplattenanschlüsse n entwik-
kelt. Die Ergebnisse sind in "Bemessungshilfe n für profilorientiertes Konstruie-
ren" [12] zusammengefaßt ; das Tabellenwerk ist seitens des Bundeslande s NRW
amtlich typengeprüft.
Typisiert sind zweireihige und vierreihige biegesteife Anschlüsse für Schraube
n
von HV-M 16 bis HV-M 30 sowohl mit bündiger als auch mit zugseitig überste-
hender Stirnplatte für Walzprofile ab 120 mm Nennhöhe.
HEA-Profil e HEB-Profi l IPE-Profi l

IH1A IH2A IH3A IH 4A IH1B IH1E

Bild 12.7 Typisiert e Stoßbilde r - Schraubenbilde r un d Bezeichnunge n

Voraussetzun
g für die Anwendung typisierter Stirnplattenstöß
e sind:
a) vorwiegend ruhende Beanspruchun g der zu verbindenden Bauteile,
b) Walzprofile entsprechen d DIN 1025 aus S 235 JR G2 (IPE, HEA, HEB),
c) Stirnplatten aus S 235 JRG2, auf einwandfreie Walzung geprüft (z.B. Schallen),
d) Vorgespannt e hochfeste Schraube n nach DIN 6914, Festigkeitsklasse 10.9.
Wesentliche Vorteile bei der Anwendung typisierter Anschlüsse sind:
a) einfacher Statischer Nachweis: tabellierte Beanspruchbarkeiten , normierte
Angaben für den Konstrukteur (Kurzbezeichnun g der Typen),
b) einfache zeichnerisch e Bearbeitung, insbesonder e beim Einsatz von CAD,
wenn entsprechend e Makros abgerufen werden können,
c) einfache Fertigung: nur Kehlnähte, keine Schweißkanten-Vorbereitung , nor-
mierte Platten, die vorgefertigt werden können,
d) einfache Montage: wenige Schrauben , einheitliche Schraubendurchmesser .
12.3 Trägerstöß e 231

Die Stirnplattendicke dp ist vom Stoßtyp (Schraubenbild ) u nd vom Schrauben


-
durchmesse r dS abhängig:
Tab. 12.1 Stirnplattendick e dp in Abhängigkeit von der Anschlußform

Anzahl der vertikalen


Form der Stirnplatt e Stirnplattendick e
Schraubenreihen

2 1,00 d s
überstehend
4 1,25 d s

2 1,50 d s
bündi g
4 1,70 ds

Al s Beanspruchbarkeite n werden in [12] Grenzbiegemoment e MR,d und Grenz-


querkräfte VR,d für vier verschieden e Schraubenbilder angegeben . Für M R ,d wer-
den Versagenszuständ e von Stirnplatte, Schweißnähte n und HV-Schrauben
untersucht, und es wir d auf die Begrenzung der Verformungen geachtet. Für VR,d
werden die nicht zugbeanspruchte n Schrauben bzw. die Stegnähte herangezogen .
I n [12] sind als Grenzwerte der Beanspruchbarkeite n für die Stirnplattenstöß e
1,1 Mel,y,d und 0,9 Vpl,z,d sowie Va,R,d für die nicht zugbelastete n Schraube n
zugrunde gelegt woraen. Aus formalen Gründen erreicht der Momenten-Grenz -
wert nie Mpl,y,d. Es erscheint jedoch nicht sehr sinnvoll, wenn die Grenzwerte
für Momente, Querkräfte und Schraube n eine Mischung von elastische n und plasti-
schen Größen sind, zumal der Schritt von 1,1 Mel,y,d zu Mpl,y,d sehr geringfügig ist.
Die angegebene n Grenzschnittgröße n der Verbindungen sagen nichts über die
Tragfähigkeit der Träger aus; ein Tragsicherheitsnachwei
s (Interaktion M y -V z ) ist
zusätzlich erforderlich.

In [12] werden für jedes gängige Walzprofil auf einer Doppelseite alle relevanten
Querschnittswert e zusammengestellt . Dazu sind Winkelanschlüsse , Stirnplatten-
anschlüsse , Trägerverbindunge n und Trägerausklinkunge n typisiert. Schließlich
sind die biegesteifen Stirnplattenanschlüsse in allen sinnvollen Formen typisiert,
d.h. nichtnurstatisch, sondern auch geometrischfestgelegt. Ein Auszugfürdas Profil
HEA-300 wird nachfolgend wiedergegeben .
I n [12] werden die Werte Mel,y,d und Vel,z,dals um 10 % erhöhte wirkliche Werte (für
einen "Nachweis der Tragsicherhei t in einfachen Fällen", siehe Abschnitt 4.7.2) ange-
geben; diese gelten nur, wenn keine Stabilitätsnachweis e geführt werden müssen.
Tab. 12.4 bis 12.6 geben eine auszugsweis e Zusammenstellun g der Tragfähigkeits-
werte für IPE-, HEA- und HEB-Profile (letztere begrenzt bis 450 bzw. 500 mm Nenn-
höhe) und deren typisierte Stirnplattenstöß e nach [12] wieder. - Die Tabellenwerte
M e l , y , d, Mpl,y,d und Vpl,z,d sind, abweichend von [12], hier die korrekt errechneten
Werte.
232 12 Träger - Anschlüss e und Stöße

Nach Mitteilung des Autors sind in der Folgeauflage noch Änderungen zu den
Voraussetzungen u nd Rechenannahme n zu erwarten.

Trägerausklinkunge n
Typbezeichnung
: IK # #.##
# = Ty p / Ausklinkungshöhe e [cm ] / Ausklinkungslänge a [cm ]
Einseitig e Ausklinkunge n Beidseitig e Ausklinkunge n

Typ lK 1: d = 17 mm Typ lK 3: r = 8,5 mm Typ IK 2: d = 17 mm Typ IK 4: r = 8,5 mm


d = 17 mm: Ausrundun g durc h Abbohre n
r = 8,5 mm: Ausrundun g mit r = 8,5 mm

Tabelliert ist die Grenzanschlußkraf


t FA,R,d für den ausgeklinkten Bereich.

Querkraftbeansprucht e Stirnplattenanschlüss e
Typbezeichnung
: IS(H) ## # ##
# = Sehrauben- Anzahl der Schraube
n / Wurzelmaß w [cm]
H steht bei Verwendung von Schrauben der Güteklasse 10.9
Tabelliert sind:
FA,R,d Grenzanschlußkraf t
su erforderliche Dicke des lastannehmende n Bauteils
a Dicke der Doppelkehlnah t
hp Stirnplattenhöhe; max hP = h - 1,5 t - r
dp Stirnplattendicke

Querkraftbeansprucht e Winkelanschlüss e
Typbezeichnung
: IW(H ) ## ## Hstehtbei Schraube n der Güteklasse 10.9
## = Schrauben-0
## = Schraubenzah
l in horizontaler/vertikale
r Richtung
Tabelliert sind:
FA,R,d Grenzanschlußkraf t
su erforderl. Dicke des lastannehmende
n Bauteils
s Stegdicke des anzuschließende n Profils
wt Anreißmaß
hWi Höhe des Winkels

Außerdem sind rippenlose Trägerverbindunge


n typisiert (hier nicht dargestellt).
12.3 Trägerstöße 233

Tab. 12.2 Anschlüsse , Verbindungen , Ausklinkunge n fü r Profi l HEA-30 0 aus [12]

HEA-300 S 235 (St37) fy,k = 240 N/mm2 ãM= 1,1

Winkelanschlüsse, querkraftbeansprucht Winkelanschlüsse, querkraftbeansprucht


gleichschenklig, Schraubenfestigkeitsklasse 4.6 ungleichschenklig, Schraubenfestigkeitsklass
e 4.6
Typ Winkel Typ Winkel u F
A,R,d s
u w
t
IW 16 21 L 150x75x9 16 43,84 4,2 109 70
IW 16 12 L 90x9 65,65 2,4 109 120 IW 16 22 L 150x75x9 12 109,9 4,2 109 120
IW 16 13 L 90x9 128,9 2,7 109 170 IW 16 23 L 150x75x9 8 195,8 4,2 109 170
IW 20 21 L 180x90x10 23 59,92 4,8 129 80
IW 20 12 L 100x10 96,26 2,7 129 150 IW 20 22 L 180x90x10 17 163,6 4,8 129 150
IW 20 13 IW 20 23
IW 20 14 IW 20 24
IW2421 L 200x100x12 25 71,22 3,9 129 100
IW 24 12 L 120x12 114,4 2,7 149 180 IW 24 22 L 200x100x12 19 194,6 4,2 129 180
IW 24 13 IW 24 23
IW 24 14 IW 24 24
IW 24 15 IW 24 25

Winkelanschlüsse, querkraftbeansprucht Winkelanschlüsse, querkraftbeansprucht


gleichschenklig, Schraubenfestigkeitsklasse 10.9 ungleichschenklig, Schraubenfestigkeitsklasse 10.9
Typ Winkel FA,R,d Typ Winkel F
A,R,d
IWH 16 12 L 90x9 124,5 3,6 109 200 IWH 16 21 L 150x75x9 48,55 3,7 109 100
IWH 20 12 IWH 20 21 L 180x90x12 59,92 3,6 129 120
IWH 20 13
IWH 24 12 IWH 24 21 L 200x100x12 71,21 3,1 129 150
IWH 24 13

Stirnplattenanschlüsse, querkraftbeansprucht Rippenlose Krafteinleitun g


Schraubenfestigkeitsklass
e 4.6 Schraubenfestigkeitsklass
e 10.9 Endauflager Kreuzung
Typ FA,R,d su a hP Typ FA,R,d su a hP C
A F
A,R,d C
A
F
A,R,d
IS 16 2 82,45 3,9 3 70 ISH 16 2 117,8 5,6 3 100 0 190,1 0 380,2
IS 16 4 141,3 4,2 3 120 ISH 16 4 235,6 5,6 3 200 5 199,4 10 398,7
IS 16 6 200,2 4,0 3 170 10 208,6 20 417,3
15 217,9 30 435,8
IS 20 2 94,22 3,6 3 80 ISH 20 2 141,3 5,4 3 120 20 227,2 40 454,4
IS 20 4 176,7 3,6 3 150 ISH 20 4 282,7 5,4 3 240 25 236,5 50 472,9
IS 20 6 259,1 3,5 3 220 ISH 20 6 30 245,7 60 491,5
IS 20 8 35 255,0 70 510,0
40 264,3 80 528,5
IS 24 2 117,8 3,7 3 100 ISH 24 2 176,7 5,6 3 150 45 266,0 90 531,9
IS 24 4 212,0 3,8 3 180 ISH 24 4 50 266,0 100 531,9
IS 24 6 ISH 24 6 55 266,0 110 531,9
IS 24 8 60 266,0 120 531,9
IS 24 10
Für M16 bis M24: dP=10mm Für M16 und M20: dP=10 mm Lasteintragungsb
i eite: 122 mm
Für M24: dp = 12 mm

Trägerausklinkungen, einseitig Trägerausklinkungen, zweiseitig


FA,R,d für lK1 d = 17 mm FA,R,d für IK2. d = 17 mm
e ha a= 40 60 80 100 120 140 150 e ha a= 40 60 80 100 120 140 150
50 240 189,3 189,3 189,3 189,3 189,3 189,3 189,3 50 190 135,8 135,8 113,1 92,51 78,28 67,84 63,60
60 230 180,6 180,6 180,6 180,6 180,6 180,6 178,6 60 170 120,1 113,7 88,43 72,36 61,22 53,06 49,74
70 220 171,9 171,9 171,9 171,9 171,9 171,9 163,0 70 150 104,4 85,92 66,83 54,68 46,26 40,10 37,59
80 210 163,3 163,3 163,3 163,3 163,3 157,9 148,1 80 130 86,83 62,02 48,24 39,47 33,40 28,49 27,13
F
A,R,d f ü r IK3 r
= 8 , 5 mm FA,R,d für IK 4 r = 8,5 mm
50 240 196,7 196,7 196,7 196,7 196,7 196,7 196,7 50 190 149,2 149,2 136,4 111,6 94,42 81,83 76,71
60 230 188,0 188,0 188,0 188,0 188,0 188,0 188,0 60 170 133,5 133,5 109,2 89,33 75,58 65,51 61,41
70 220 179,3 179,3 179,3 179,3 179,3 179,3 176,2 70 150 117,8 109,3 85,00 69,55 58,85 51,00 47,81
80 210 170,6 170,6 170,6 170,6 170,6 170,6 160,7 80 130 102,1 82,09 63,84 52,24 44,20 38,31 35,91
234 12 Träger - Anschlüsse und Stöße

Tab. 12.2 zeigt beispielhaft die linke Seite aus [12] für das Walzprofil HEA-300
i n S 235. Aus der dort gegenüberliegende n Seite für dasselbe Profil wir d in Tab.
12.3 nur die Zusammenstellun g der Paramete r für die verschiedene n Typen von
Stirnplattenanschlüsse n wiedergegeben , einschließlich Definition der Geometrie.

Tab. 12.3 Typisiert e Stirnplattenanschlüss e fü r HEA-30 0 aus [12] - Geometrie

c (2 )
I Ty p MR, d MR , d * V
R, d dS dp hP bP a1
»2 a2 e1 e
2 e
3 e
4 w1 w
2 w3 aF a
s
167, 0 167, 0 266, 0 30 40 330 300 75 20 140 95 150 75 94 6 4
IH1 A 135, 5 135, 5 266, 0 27 40 330 300 75 20 140 95 150 75 100 5 4
106, 1 106, 1 266, 0 24 30 330 300 65 20 160 85 150 75 106 4 4
289, 4 289, 4 266, 0 30 45 330 360 75 20 140 95 130 70 45 74 7 4 (1)

263, 4 263, 4 266, 0 27 45 330 340 75 20 140 95 130 65 40 80 7 4


IH2 A
197, 3 197, 3 266, 0 24 35 330 300 65 20 160 85 110 60 35 66 7 4
155, 5 155, 5 266, 0 20 30 330 300 55 20 180 75 90 70 35 53 6 4
302, 3 122, 9 266, 0 27 30 410 300 60 20 40 135 140 150 75 100 7
4(l)
IH3 A 250, 3 100, 4 266, 0 24 25 395 300 50 20 35 115 160 150 75 106 7 4
188, 3 77.4 9 266, 0 20 20 380 300 40 20 30 95 180 150 75 113 7 4
IH4 A 302, 3 146, 7 266, 0 20 25 380 300 40 20 30 95 180 90 70 35 53 7 4(1)
M R , d* ist ein negatives Moment! (1) aw = s/2 im Stegzugbereic
h auf einer Länge von min (b/2; h/2)
aF / as = Kehl nahtdicken Flanschen/Ste
g (2) c = w1 Außendurchmesse r der Unterlegscheibe

IH 1A IH 2A IH 3A IH 4A

Die gleichfalls auf dieser Seite zu findenden Querschnittswert


e für das Profil sind
hier nicht wiedergegeben ; sie können auch anderen Tabellenwerke n entnommen
werden; siehe auch Kapitel 4, Tab. 4.7 ff.
Außerdem ist in [12] ein Interaktionsdiagram
m My,d - Vz,d für die Nachweisverfahre
n
E-P und E-E dargestellt, dessen Angaben aber mit Vorsicht zu gebrauche n sind:
• Mpl,y,d ist wegen der Verwendung von ápl* = 1,14 nicht korrekt,
• V / V p l , z ,d ist noch auf den Wert 0,9 begrenzt,
• Mel,y,d und Vel,y,d sind die für den "Nachweis in einfachen Fällen" um 10 %
erhöhten tatsächliche n Werte, was in der Bezeichnung nicht zutreffend ist
und bei der Anwendung leicht zu Verwechslunge n führen kann.

Bezüglich solcher Interaktionsdiagramm


e sei auf Abschnitt 4.11 verwiesen.
12.3 Trägerstöße 235

Tab. 12.4 Typisiert e Stirnplattenanschlüss e - Tragfähigkeitstabell e fü r IPE nach [12]

Tragfähiekeitswerte
Walzprofils

M M Vpl,z,d
el,y,d Pl ,y,d
| 120 11,6 13,2 63,0 16 12,7 56,7
| 140 16,9 19,3 78,8 16 18,6 70,9

| 160 23,7 27,0 96,1 16 26,1 86,5


20 35,1 103,3
180 31,9 36,3 114,8
16 30,2 103,3
20 46,6 121,6
200 42,4 48,1 135,1
16 34,1 121,6 46,6 29,9 121,6
20 56,0 141,0
220 55,0 62,3 157
16 38,6 141,0 60,5 35,9 141,0
24 77,8 161,8
240 70,8 80,0 180 20 61,7 161,8
16 43,3 161,8 77,8 40,3 161,8
24 97,1 194,4
270 93,6 105,6 216 20 70,7 194,4
16 50,2 194,4 102,9 46,9 194,4
27 133,7 232,9
24 108,8 232,9
300 121,5 137,1 259
20 80,4 232,9 133,7 232,9
16 132,2 54,0 201,1
27 159,2 270,8
24 121,6 270,8
330 156 176 301
20 90,9 270,8 171,2 270,8 171,2 51,2 270,8
16 145,5 56,3 201,1
| 30 209,4 315,0
27 166,8 315,0
360 197 222 350 24 128,5 315,0 216,9 315,0 216,9 74,5 315,0
20 95,8 314,2 191,8 315,0 195,6 66,9 314,2
16 158,6 65,4 201,1
| 30 234,9 376,8
| 27 188,4 376,8
400 252 285 419 24 146,1 376,8 277,5 376,8 277,5 89,3 376,8
20 109,8 314,2 215,9 376,8 221,2 85,7 314,2
16 176,6 76,4 201,1
| 30 267,7 464,0
27 216,9 464,0 359,9 464,0
450 326 370 516 24 169,4 452,4 340,6 464,0 341,6 116,6 452,4
20 128,9 314,2 248,9 464,0 | 255,5 113,8 314,2
| 30 304,8 559,7
27 247,9 559,7 462,7 559,7 462,7 171,2 559,7
500 421 479 622
24 195,5 452,4 385,2 559,7 385,4 153,1 452,4
20 151,1 314,2 287,0 559,7 288,5 135,4 314,2
| 30 327,5 670,5 585,7 670,5
27 266,7 572,6 532,0 670,5 542,7 179,6 572,6
550 532 608 745 24 210,1 452,4 406,3 670,5 433,7 166,3 452,4
20 305,5 628,3 | 325,4 145,9 314,2
30 369,5 706,9 736,7 790,4 724,8 234,3 706,9
27 302,3 572,6 590,7 790,4 595,5 221,8 572,6
600 670 766 878 24 241,5 452,4 459,5 790,4 483,4 218,3 452,4
[ 20 357,0 628,3 357,0 173,3 314,2
236 12 Träger - Anschlüsse und Stöße

Tab. 12.5 Typisiert e Stirnplattenanschlüss e - Tragfähigkeitstabell e fü r HEA nach [12]


Walzprofi l 1
Nennhöhe

Tragfähigkeitswerte
des Walzprofil s

M M V
el,y,d pl,y,d pl,z,d
| 120 | 23,2 26,1 66,8 19,3 60,1 25,2 60,1 25,2 17,6 60,1

140 33,9 37,9 86,3 16 21,2 77,6 37,3 77,6 37,3 20,0 77,6
20 35,1 97,3 52,8 97,3
160 48,0 53,5 108,1
16 25,1 97,3 51,2 97,3 52,8 24,2 97,3
64,8 109,9
180 64,1 70,9 122,1 20 41,5 109,9 70,5 109,9
29,4 109,9 58,6 109,9 70,5 28,8 109,9
24 63,8 132,6
200 84,8 93,7 147,4 20 47,4 132,6 93,3 132,6 93,3 40,5 132,6
16 34,0 132,6 66,9 132,6 82,2 34,0 132,6
24 73,0 157,9 123,7 157,9
220 112,4 124,0 175 20 54,6 157,9 108,8 157,9 120,1 51,0 157,9
16 90,9 40,0 157,9
27 101,2 185,4 162,0 185,4
24 77,6 185,4 126,9 185,4 162,0 64,6 185,4
240 147,3 162 206
20 57,9 185,4 107,3 185,4 135,5 54,2 185,4
16 99,6 42,6 185,4
27 111,9 201,9 200,7 201,9
24 86,2 201,9 144,5 201,9 200,7 80,0 201,9
260 182 201 224
20 65,0 201,9 126,8 201,9 153,3 60,9 201,9
16 108,5 48,6 201,1
| 30 151,9 233,1 243,1 233,1
27 122,9 233,1 236,2 233,1
280 221 243 259 24 95,3 233,1 163,8 233,1 227,1 89,9 233,1
20 139,9 233,1 170,6 68,1 233,1
16 117,4 55,2 201,1
| 30 167,0 266,0 289,4 266,0
27 135,5 266,0 263,4 266,0 302,3 122,9 266,0
300 275 302 296 24 106,1 266,0 197,3 266,0 250,3 100,4 266,0
20 155,5 266,0 188,3 77,5 266,0 302,3 146,7 266,0
| 30 328,9 300,5
27 291,9 300,5 331,5 135,9 300,5
320 323 355 334
24 227,8 300,5 269,0 112,3 300,5
20 200,9 88,5 300,5 355,0 163,6 300,5 |
| 30 366,0 337,6 402,8 152,3 337,6
27 315,6 337,6 355,1 140,5 337,6
340 366 404 375 24 247,6 337,6 288,5 115,9 337,6
| 20 213,9 91,2 314,2 402,8 166,8 337,6
30 342,1 377,0 444,0 171,2 377,0
27 319,7 377,0 376,6 152,7 377,0
360 413 456 419
24 247,7 377,0 306,0 127,0 377,0
20 226,8 101,5 314,2 | 431,8 182,4 377,0 |
| 30 421,7 462,7 498,4 208,9 462,7
27 370,2 462,7 422,9 177,2 462,7
400 504 559 514 24 291,4 462,7 341,4 149,2 452,4 554,7 232,3 462,7
| 20 253,1 121,7 314,2 486,3 213,5 462,7 |
| 30 524,1 546,3 566,3 255,7 546,3
27 432,1 546,3 480,6 211,2 546,3
450 632 702 607
24 344,1 546,3 385,6 180,8 452,4 695,1 301,7 546,3
20 285,8 151,8 314,2 554,5 257,6 546,3
12.3 Trägerstöße 237

Tab. 12.6 Typisiert e Stirnplattenanschlüss e - Tragfähigkeitstabell e fü r HEB nach [12]


Nennhöhe
Walzprofi l

Tragfähigkeitswerte
des Walzprofil s
od

el,y,d Mpl,y,d
X

M V
pl,z,d ds
| 120 31,4 36,0 89,2 19,9 80,3 34,6 19,9 80,3

140 47,0 53,5 112,9 16 22,6 101,6 51,6 22,6 101,6

20 38,3 133,3 74,8 27,1 133,3


160 68,0 77,2 148,1
16 27,7 133,3 71,6 27,7 133,3
24 55,5 160,0
180 92,9 105,0 178 20 45,2 160,0 95,0 38,5 160,0
16 75,8 33,6 160,0
24 69,4 188,8 120,4 188,8 136,7 54,3 188,8
200 124,3 140,2 210 20 53,0 188,8 101,8 188,8 110,3 49,8 188,8
16 73,9 188,8 84,5 40,5 188,8
24 79,4 219,7 144,1 219,7 167,2 72,3 219,7
220 160,5 180 244 20 61,6 219,7 116,4 219,7 125,4 58,2 219,7
16 93,2 48,5 201,1
27 108,2 252,8 197,9 252,8 225,2 83,9 252,8
24 85,0 252,8 144,8 252,8 189,4 80,2 252,8
240 205 230 281
20 123,1 252,8 141,2 62,6 252,8 225,2 95,0 252,8
16 | 101,9 50,9 201,1
30 147,0 274,9 239,9 274,9
27 119,9 274,9 224,4 274,9 260,9 103,3 274,9
260 250 280 305 24 94,9 274,9 166,3 274,9 211,7 90,1 274,9
20 137,3 274,9 156,6 71,0 274,9 275,4 119,3 274,9
| 30 161,6 311,9 278,7 311,9 330,3 128,1 311,9
27 132,2 311,9 255,6 311,9 289,3 120,6 311,9
280 300 335 347
24 196,4 311,9 234,9 100,3 311,9
| 20 152,2 311,9 | 173,9 80,2 311,9 330,3 144,2 311,9 |
| 30 178,3 350,4 319,4 350,4 377,5 158,2 350,4
27 146,5 350,4 280,4 350,4 320,3 134,2 350,4
300 366 408 389
24 220,7 350,4 258,6 113,0 350,4 402,7 175,9 350,4
20 170,2 350,4 191,7 92,2 314,2 368,4 181,1 350,4 |
| 30 365,5 390,5 404,8 180,6 390,5
27 306,3 390,5 343,5 148,9 390,5
320 420 469 434
24 243,2 390,5 275,6 126,9 390,5 462,4 208,2 390,5
20 204,3 105,8 314,2 396,4 181,0 390,5
| 30 404,6 433,3 430,4 182,7 433,3
27 331,3 433,3 365,3 154,2 433,3
340 471 525 481
24 264,5 433,3 293,1 131,3 433,3 517,5 269,1 433,3
20 217,3 109,4 314,2 421,5 215,6 433,3
| 30 392,2 478,3 458,9 202,6 478,3
27 340,3 478,3 387,1 168,0 478,3
360 524 585 531 24 270,6 478,3 310,6 144,2 452,0 575,9 229,0 478,3
20 230,2 120,3 314,2 451,0 202,8 478,3
| 30 469,5 575,5 511,2 234,2 575,5
| 27 389,1 575,5 431,3 195,2 572,6
400 629 705 639
24 312,2 575,5 346,0 169,8 452,4 644,5 282,7 575,5
| 20 | 256,5 134,0 314,2 502,4 237,8 575,5 |
[ 30 | 551,4 673,0 580,0 278,0 673,0
450 775 869 748 27 454,7 673,0 486,3 233,4 572,6 852,1 383,4 673,0
24 369,4 673,0 390,2 206,5 452,4 732,4 354,1 673,0
| 30 605,4 775,9 645,7 309,3 706,9
500 936 1050 862 27 500,5 775,9 541,4 261,3 572,6 1029 417,7 775,9
24 [ 407,6 775,9 434,4 232,7 452,4 [ 821,7 391,1 775,9
238 12 Träger - Anschlüsse und Stöße

12.3.4 Stirnplattenanschlüss e in Rahmenkonstruktione n


Bei Rahmenkonstruktione n können die Anschlüsse von Trägern an Stützen mit
typisierten Verbindungen ausgeführt werden. Dabei ist zu beachten
:
a) Für die Stützenflanschdicke
n t sind Mindestwerte einzuhalten. Werden diese
unterschritten, so müssen die Flanschen unter den HV-Schrauben mit last-
verteilenden Futtern versehen werden. Die Grenzwerte für t werden auch
davon abhängig gemacht, ob der Anschluß in der Stütze mit oder ohne Steifen
ausgeführt wird.
Tab. 12.7 Mindestdick e t der Stützenflansche n

Anzahl der Mindestdick e I


Anschlußart Form der Stirnplatt e vertikalen des
Schraubenreihen Stützenflansches |
2 0,80 d s
überstehend
4 1,00 d s
2 1,00 d s
bündi g
4 1,25 d s
2 1,10 d s
überstehend
4 1,40 d s
2 1,00 d s
bündi g
4 1,30 d s
Stützenflanschdicke
n t < 0,5 dp sind in keinem Fall zulässig
Die Konstruktionspraxis bevorzugt hier die
Ausführung mit Steifen! Die Steifen werden
meist von Flansch zu Flansch durchgeführt
und gewährleiste n die einwandfreie Einlei-
tung der Zug- und Druckkräfte in den Stüt-
zensteg. Außerdem werden bei dieser
Ausführung die Verformungen im Anschluß
gering gehalten.
Nicht durchgeführte Steifen haben den Vor-
teil von weniger Einpaß- und Schweißarbei t nicht
durch-
und auch geringerer Eigenspannunge n aus geführt
dem Schweiß-Schrumpfen . Dagegen ist die Steife n
ausmittige Krafteinleitung zu beachten , die durch-
am Steg-Anschluß Schubkraft und Moment geführt
ergibt (siehe Beispiel 6.4.5) Bild 12.8 Futterplatte n un d Steife n

Die Futter sind mittig unter den Schraube n zu plazieren und unter Berücksich-
tigung der örtlichen Schweißnäht e und der Stegausrundunge n so groß wi e mög-
lich auszuführen . Gewählt wir d dF ~ dp .
12.3 Trägerstöße 239

b) Im "Schubfeld" des Lasteinleitungsbereich


s (im Stützensteg
) entstehe n hohe
Schubspannungen . Schubfeldersin
d sorgfältig nachzuweisen, ggf. müssen die
Stützensteg
e in diesem Bereich verstärkt werden.
Die Stirnplattendicke
n sind so bemessen , daß i.a. der Einfluß der Verformungen
i m Knoten auf die Schnittgrößen im Tragwerk (Schnittgrößen-Umlagerun g bei
Berechnung nach Theorie IL Ordnung) nicht berücksichtigt werden muß.
Anschlüsse mit überstehende n Stirnplatten sind steifer als solche mit bündigen.

Schweißnäht e zwische n Träge r un d Stirnplatt e


Gewöhnlich werden Träger und Stirnplatten durch Kehlnähte verbunden. Kehl-
nähte gewährleiste n einen günstigen Kraftfluß in der Stirnplatte, besonder
s bei
Schraubenanordnungmitüberstehende r Stirnplatte. Ohne Nachweis dürfenKehl-
nähte mit jeweils Nahtdicke gleich halber Flansch-bzw. Stegdicke ausgeführt wer-
den, siehe Abschnitt 6.3.7. Kehlnahtdicken für abgestufte Beanspruchun g sind
i n [12] tabelliert.

Bündige Stirnplatten auf der Zugseite können gemäß Bild 12.9 angeschlosse
n wer-
den. Auf der Druckseite können die Schweißnähte konstruktiv ausgebilde
t werden.

Kehlnäht e HV-Naht mi t Kehlnah t Keh l näht e

Trägerflansch;

a G = 1,2 a F

Träger Trägersteg Träger

Bild 12.9 Ausführungsmöglichkeite n fü r Schweißnäht e am Trägerzugflansc h

12.3.5 Nachgiebig e Stahlknote n mi t Stirnplattenanschlüsse n


Das Bemühen um wirtschaftliche Konstruktionen hat in jüngster Zeit auch zum
Einsatz von steifenlosen Knoten mit dünneren Stirnplatten geführt, bei denen
bewußt Knotenverformunge n (Rotationen ) in Kauf genommen werden.

[9] enthält detaillierte Angabenzur Ausbildung solcher Knoten, deren Berechnung


i n Anlehnung an EC 3 und tabellierter Stützen-Riegel-Anschlüsse . Riegelprofile
IPE oder HEA sind an Stützenprofile HEB oder HEA angeschlossen , Werkstoff
ist generell S 235. Zum Anschluß werden Schraube n der Güteklasse n 10.9 und
8.8 verwendet.
240 12 Träger - Anschlüsse und Stöße

Die geometrischen Abmessunge n der Stirnplatten sind gleich gehalten wie in [12],
die Stirnplattendicke
n aber auf das statische Minimum ausgereizt . Es sind nur
AnschlüssemitbündigenStirnplattenerfaßt , wobei die zugseitige (obere) Flansch-
naht versenkt ausgebilde
t werdenkann; damit vermeidetmanbe i Verbundträger n
ungewollte Endverdübelun g zwischen Stahlrahme n und Betondecke .
versenkte Naht aG
(Doppelkehlnah t
wi e unte n möglich )

Z s = F/2 + K

Schraubenkräft e Z s
Anschlu ß Randknote n (ß = 1) Anschlu ß Innenknote n (ß = 0) bei Abstützkräfte n K

Bild 12.10 Nachgiebig e Stirnplattenanschlüss e

Außer den statischen Anschlußwerte n sind auch die gegenseitige n Verdrehunge n


i m Knoteninder Form des F e d e r w e r t e s M / [ k N m / r a]d angegeben
. Die Steifigkeit
des Anschlusses ist unterschiedlich , je nachdem, ob (etwa) symmetrisch belastete
Innenknoten (Beiwert ß = 0) oder Randknoten (ß = 1) vorliegen.

Die Versagensbilde r sind wegen der weichen Stirnplatten kompliziert. Hier tritt
auch der Fall auf, daß die Flanschzugkraf t F in den beiden zugbeanspruchte n
Schrauben wegen der Abstützkräfte K im Bereich der Stirnplattenkante n Schrau-
benkräfte ZS = F /2 + K hervorruft. Auch sind die Verhältnisse im Schubfeld
schwieriger zu erfassen als bei ausgesteifte
n Knoten.

I n der Konstruktionspraxis erscheine n diese und andere Randbedingunge n für


eine Handrechnun g zu kompliziert. Auch die Anwendung der Tabellenwerte aus
[9] hat sich bisher in der Praxis nicht durchsetze n können. Hier ein Vergleich:

Tab. 12.8 Anschlu ß eine s Riegel s IPE 400 an ein e Innenstütz e (ß = 0) - Vergleic h

Stirnplatt e Schweiß- M R,d V


R,d
Anschlußart Stütze Schrauben
b x h x dp nähte [kNm] [kN] [ k N m / r a d] |

Nachgiebiger HEB-200 180x430x20 104,4 363 51366 |


Stahlknoten mit aF = 7 mm
HEB-260 180x430x25 124,2 363 58472
Stirnplatten - 4 Stück aS= 5 mm
anschluß HEB-320 H V M24 180x430x30 141,5 363 60141 |
(10.9)
Typisiert e 180x460x35 aF = 6 mm i.a. keine
Verbindun g beliebig ggf. Fu-platten 146,1 377 rechn. Nach-
IH1E-M24 an der Stütze aS=3 mm giebigkeit
12.3 Trägerstöß e 241

12.3.6 Schweißstöß e
Geschweißte Stöße von Formstählen (IPE, HEA, ...) werden vor allem als Werk-
stattstöße ausgeführt. Sie können erforderlich werden, wenn
• Profile über Lieferlängen hinaus verlängert werden müssen,
• Profile mit Winkelabweichunge t werden müssen (z.B.
n zusammengesetz
Dachbinder im Firstpunkt),
• Profilsprünge auftreten.
Baustellen-Schweißstöß
e können z.B. erforderlich werden, wenn
• an vorhandene Konstruktionen angeschlosse
n werden soll oder
• nicht genügend Platz für einen Schraubsto
ß vorhanden ist.
Die Stoßflächen sollen rechtwinklig zur Stabachs
e liegen.

Stumpfstoß mit durchgeschweißten Stumpfnähten


Bei Beanpsruchun g der Träger auf Druckund Bie-
gedruck erhalten die Nähte ganz oder überwie-
gend Druckspannungen . Ein rechnerische r
Nachweis der Nähte ist nicht erforderlich.

AufZttgwndB/egezwgbeanspruchteStumpfstöß e
sollen möglichst vermieden werden. Sollen sie
doch ausgeführt werden, bemüht man sich, die
Stoßstelle nicht an die Stelle statischer Größtbe-
anspruchun g zu legen. Bei statisch voll ausge-
nutzten, zugbeanspruchte n Nähten muß die
Nahtgüte nachgewiesenwerden. Für Formstähle
S 235 mit t > 16 mm ist beruhigter Stahl zu ver-
wenden (sh. {1/21} : Schweißnahtspannungen) .

Konstruktiv e Verbesserungsmöglichkei t
Stoßausbildun g mit zwischengelegter Stirn-
platte mit beidseitigen Kehlnahtanschlüssen
.

Stoßausbildun g mit Zuglasche: Die "Angstla-


sche" erweist sich meist als statisch überflüssig.
Bil d 12.11 Schweißstöß e
Stoß hohe r Blechträge r
Beim Stoß geschweißte r Blechträger wir d dem Stumpfstoß in einer Ebene oft die
versetzte Anordnung von Gurt- und Stegstoß vorgezogen . Bei voller Ausnutzung
der im Zugbereich liegenden Nähte muß die Nahtgüte nachgewiese n werden!
242 12 Träge r - Anschlüss e un d Stöße

Zur Vermeidung großer Schrumpfspannunge n ist die Schweißnaht-Reihenfolg e


wichtig: Zuerst die Gurtnähte mit großem Schweißnaht-Volume n ausführen (bei
vielen Schweißlage n evtl. wechselseitig oben und unten), dann erst die dünneren
Stegnähte .

12.3.7 Trägerkreuzunge n Zuglasche

Trägerkreuzunge n entstehen , wenn sich


durchlaufende Systeme (z.B. Haupt- Ausklinkung
und Nebenträger ) kreuzen oder bei sog. Neben- Winkel zur
träge r Querkraft-
Trägerrosten . Liegen die Träger überein- übertragung
ander, ist lediglich zu untersuchen , ob
Steifen erforderlich sind (siehe - Kontaktstück
Abschnitt 12.1). kritischer (einpassen!)
Schnitt für,
Schubspannung Hauptträge r
Liegen die Träger in gleicher oder annä-
Zuglasche
hernd gleicher Höhe, so wir d der Neben-
träger gestoßen . Das Biegemomen t muß
durchgeführt werden; es wir d in Zug- Ausklinkung
und Druckkraft aufgelöst. Nach Mög-
lichkeit führt man die Zuglasche durch
M
und überträgt die Druckkraft über Kon-
takt. Die einzuleitende n Querkräfte
- Stirnplatte
bereiten meist keine Schwierigkeiten.

Schweißstöß e werden auch auf der Bau-


stelle dannbevorzugt, wenn wegenPaß - Baustellennahl
ungenauigkeite n ein Schraubsto ß
schwierig ist.

Ungünstig ist meistens ein laschenfreie


r Kontaktstück - austeilennaht
Schweißstoß zubeurteilen: der zweiach-
sige Spannungszustan d und die coup HEB
Kerbspannunge n an den Übergänge n zur Querkraft-
übertragung
müssen beachtet werden. Die Ver-
gleichsspannun g im Gurt des Hauptträ-
gers ist nachzuweisen :

Auch beim heute oft verwendeten Stirn-


plattenanschluß für den Nebenträge r
muß bei unterschiedlichem Vorzeichen Heingeschweißtes
für ÓX und óy die Vergleichsspannun g Steoblenh

nachgewiese n werden. Bild 12.12 Trägerkreuzunge n


12.3 Trägerstöße 243

12.3.8 Trägeranschlüss e
Querkraftbeanspruchte r Anschlu ß mi t Doppelwinke l
Dies ist der von der Nietbauweise über- Schnit t a-a
Hauptträger a
nommene klassische Anschluß, bei dem
die Schraube n nur senkrecht zur Schrau-
benachse beanspruch t werden (wie das
bei Nietbeanspruchun g gefordert war). Neben-
träger
Berechnung des Anschlusse
s am Haupt-
träger:

Zusätzlich zur vertikalen Beanspru-


chung der Schraube n tritt ein Moment Anschlu ß Hauptträge r Anschlu ß Nebenträge r
M* = V · e /2 aus der Lastausmitte auf,
das H-Komponenten in den Schraube n
einerseits und eine Gegen-Druckkraf t
i m unteren Anschlußteil andererseit s
hervorruft. Wegen des großen Hebel-
arms bis zur obersten Schraube werden
die H-Komponenten meist relativ klein
und in der Berechnung auch meist ver-
Bild 12.13 Anschlu ß mi t Doppelwinke l
nachlässigt.

Berechnung des Anschlusse


s am Nebenträger
:

Hier müssendie H-Komponenten aus dem Moment M* = V • e unbedingt berück-


sichtigt werden. Die Berechnung entspricht dem Nachweis des Stegstoße
s in
Abschnitt 12.3.1.

Vertikalkomponente
:

Horizontalkomponente
:

Gesamte Schraubenkraft
:

Sind Haupt- und Nebenträge r gleich-


hoch oder sollen beide Träger gleiche
beidseiti g
Oberkanten aufweisen, so m uß der ausgeklinkte r einseitig
Nebenträge r ausgeklinkter
Nebenträger ausgeklinkt werden. Der Nebenträger
ausgeklinkte Teil des Nebenträger
s muß
auf Schub und Biegung nachgewiese n
werden! hier Nachweis des N.Tr.
Bild 12.14 Ausgeklinkt e Trägeranschlüss e
244 12 Träger - Anschlüsse und Stöße

Bei hoch beanspruchte


n Anschlüsse
n können ungleichschenklige Winkel gewählt
werden und der Anschluß im Nebenträger kann zweireihig ausgeführt werden.

Anschlüsse mit Doppelwinkeln sind in großer Variationsbreite in den "Bemes-


sungshilfen für profilorientiertes Konstruieren" [12] einschließlich der zulässi-
gen Belastunge n normiert und typengeprüft.

Querkraftbeanspruchte r Anschlu ß mi t Stirnplatte n


Wie bei Tragerstoße n setzen sich auch Hauptträger a
bei Trägeranschlüsse n die Konstruktio-
nen mit Stirnplatten in der Praxis immer
mehr durch. Neben -
träge r
Die Vorteile sind auch hier:
• einfachere Konstruktion,
• einfachere Berechnung
,
• einfachere Montage. Bild 12.15 Anschluß mit Stirnplatte
Auch für diese Anschlüsse gibt es in [12] normierte Unterlagen.
Der Anschluß an Stützen ist auch mit Stirnplatten einfach auszuführen
.

Querkraftbeanspruchte r Anschlu ß mi t Auflagerknagg e


Auflagerknaggen bieten den Vorteil
noch einfacherer Montage und sind sta-
tisch-konstruktiv eindeutig. Die Aufla- Stirn- Schrauben zur;
platte Lagesicherung
gerlast wir d jeweils über die vertikalen
Nähte an den beiden Knaggen aufge- Schweißnähte zur Lastübertragung
nommen. Die Schraube n dienen nur zur Knagge Träge r
Lagesicherung .

Auflagerknaggen werden am häufigsten


fürdenAnschlußvonTrägernanStütze n
eingesetzt. Schnit t a-a

Die Wirkungsweise des Knaggen-


Anschlusses kommt der eines echten
Punk t B
Gelenks sehr nahe. Allerdings ist die
Lasteinleitung in die Stütze nicht mittig.

Bild 12.16 Anschlu ß mi t Stirnplatt e


12.4 Beispiel e 245

12.4 Beispiel e

12.4.1 Universal-Schraubsto ß
Der dargestellte Schraubsto
ß eines HE A-300 ist als SLV-Verbindung ausgeführt. An der Stoßstelle
sind die Bemessungswert e der Schnittgrößen :
M y,d = 225 kNm Vz,d = 90 kN N x d = 115 kN
Werkstoff: S 235, HV-Schraube
n mit 2 mm Lochspiel.
Fl. 300x15 - 520 12 x HV M24

2 Fl. 200x6 - 360 12xHVM1 6

Fl. 300x15-50 0 12 x HV M24

1) Der Träger ist im maßgebende n Netto-Querschnit t (und mit dem dort auftretenden Biege-
moment) nachzuweisen .
2) Die Bemessun g soll mit "genauer" Aufteilung der Schnittgrößen auf Steg- und Flanschla-
schen durchgeführt werden.
3) Alternativ ist zu untersuchen , ob auch ein vereinfachter Nachweis für die Aufteilung der
Schnittgröße n nach [1/801] genügt.

1) Nachweis des Trägers


HEA-300: A = 113 cm2, I y = 18260 cm4, Wy = 1260 cm3, Sy = 692 cm3
h = 290 mm, t = 14 mm, s = 8,5 mm
Betrachtung der Zugseite des Querschnitts (etwa eine Querschnittshälfte)
.
Lochabzug für 2 x dL = 26 mm im Flansch, 1 x dL = 18 mm im Steg:

Also: Nachweis ohneBerücksichtigun


g der Lochschwächun
g zulässig.
Für den Nachweis des Trägers wird das Biegemomen t an der Stelle der letzten (rechten) Schrau-
ben-Querreih e extrapoliert. Das Moment muß wegen der vorhandene n Querkraft dort größer sein
als direkt an der Stoßstelle.
Es wird:

Nachweis E-E:
246 12 Träger - Anschlüss e und Stöße

2) Genauer Nachweis des Stoßes


Aufteilung der Schnittgrößen
: M ~ I (Laschen); V nur auf den Steg; N ~ A(Laschen)

A
Laschen [cm2] ILaschen [cm4] M[kNm] V[kN ] N[kN] |
Laschen Flanschen 2 x 300x15 2 x 45,0 20930 216,7 2 x 45,4
Laschen Steg 2 x 200x6 24,0 800 8,3 90,0 24,2
Insgesamt 114,0 21730 225,0 90,0 115,0 |

Darin ist für die Flanschlaschen


: I = 2 • 45, 0 • (30, 5/2)2 = 20930 cm4

Flanschstoß (Zugseite)

Laschenkraft:

Lasche:

Schrauben
, 6 x HV M24:

Stegstoß

Gesamte Schraubenkraft
:

HV M16, 2-schnittig:

Lochabstände
:
mit á1= 2,45

Ein Nachweis der Steglasch e ist offensichtlich nicht erforderlich.


Man sollte sich klar machen, daß mit der errechnete n maximalen Schraubenkraf t im ganzen Stoß
nur eineSchraube belastet wird; alle anderen Schraubenkräft e sind geringer!
12.4 Beispiel e 247

3) Vereinfachter Nachweis
Gemäß [1/801] und (1/44-46) ist folgende Aufteilung bei I-förmigen Biegeträger
n erlaubt:

Zugflansch:

Schrauben
, 6 x HV M24:

Flanschlaschen
: (alle Beanpruchbarkeite
n wie zuvor)
Stegstoß
:

insgesamt
:

HV M16, 2-schnittig:
Lochabstände
:
mit á1= 2,45
Nachweis der Steglasch
e ist auch hier nicht erforderlich.

12.4.2 Stirnplattensto ß
Mi t denselbe n wie zuvor ist der Träger HE A-300 mittels Stirnplattensto
n Schnittgröße ß zu stoßen.
1) Der Stoß ist mit überstehende
r Stirnplatte zu entwerfen und nachzuweisen
.
2) Zum Vergleich ist ein typisierter Stirnplattensto
ß zu wählen. Die nach [12] möglichen Stoß-
formen sollen festgestellt und verglichen werden.

1) Rechnerischer Nachweis
248 12 Träger - Anschlüss e und Stöße

Zugkraft:

Druckkraft:

Schraubenkraft
:

Gewählt: 4 x HV M24:
Stirnplatte: gewählt dp = 25 mm
Flanschnähte
:

Erforderliche Nahtdicke:erf gewählt: aF = 8 mm

oder: nach [1/833]: Stirnplattenanschlu


ß ohne Nachweis (siehe Tabelle 6.2):

gewählt: aF = 7 mm

Querkraft: V a , S c h r a u be =

Stegnähte
: konstruktiv gewählt: aS =3 mm

Damit:

Zu beachten ist hier allenfalls noch die empfohleneMindestdicke für Schweißnähte


:
m
in aw = maxt - 0,5 = 25 - 0,5 = 4, 5 mm
w
Bei Stirnplattenanschlüsse
n werden die empfohlenen Werte meist etwas unterschritten
.

2) Nachweis als Typisierte Verbindung


Äquivalentes Moment aus M und N zum Vergleich der Tabellenwerte für die Biegemomente
:

Mi t den Werten Tabelle 12.4 aus [12] läßt sich für das Walzprofil HEA-300 zusammenstellen
:

Stoßform Schrauben M y , R ,d [kNm ] V Z , R , d [kN ] dP hP bP aF aS

IH1 A - M 3 0 4 x HV M 30 167,0 < 241! hier nicht ausführbar!

IH2A-M2 7 8xHVM2 7 263,4 266,0 45 330 340 7 4

IH3 A - M 2 4 6 x H V M 24 250,3 266,0 25 395 300 7 4

IH4A-M2 0 12 x HV M 20 302,3 266,0 25 380 300 7 4

Auch die Schrauben-Abständ e sind in [12] normiert. Die Darstellung auf der vorhergehende
n
Seite entspricht (auch mit ihren Symbolen) dem typisierten Stoß IH3A - M 24.
Gemäß Typenprüfbeschei
d ist zusätzlich der Tragsicherheitsnachwei
s für den Träger zu führen:
N / N p l , d = 115/2455 < 0,1 V/V p l , d = 90/296 < 0,33 M/M pl,d = 225/302 < 1
12.4 Beispiel e 249

Verschieden e Trägeranschlüss e
Die dargestellte
n Trägeranschlüss
e sind jeweils für die AuflagerkraftAS,d = 200 kN nachzuweisen
.
Werkstoff: S 235, alle Schraube
n M 20 (4.6) mit 2 mm Lochspiel.
Verteilun g der
Schraubenkräft e

IPE 400 HEA-500

Schnit t a-a

HEB 300 IPE 400

Detai l "A "


Ansichte n Schnitt e a-a
250 12 Träger - Anschlüss e und Stöße

12.4.3 Trägeranschlu ß mit Doppelwinke l


Anschlußseite Nebenträger
4 Schraube
n M 20 (4.6), zweischnittig. Anschlußwinkel: 2 L 70x7.

kN

Abscheren:
Lochleibung:

Anschlußseite Hauptträger
2 x 3 Schraube
n M 20 (4.6), einschnittig.

Vereinfacht nur:

Genauer: außerde
m

Damit insgesamt
:

Abscheren:

Lochleibung:

12.4.4 Trägeranschlu ß mit Stirnplatt e und Schraubun g


Vereinfachend wird am Anschluß zur Stirnplatte im Trägerste
g gleichmäßig verteilte Scherspan
-
nung angenommen
: T

Schweißnaht
: Nw, R, d

4 Schraube
n M 20 (4.6):

Lochleibung:

12.4.5 Trägeranschlu ß mit Stirnplatt e und Knagg e


Schweißnah
t an Knagge: Nw, R, d = 2 • 15 • 0, 5 • 20, 7 = 310 kN > A S,d = 200 kN

Stirnplatte am Träger wie vor, Schraube


n ohne statische Funktion. Querpressun
g an Knagge o.w.N.
12.4 Beispiel e 251

12.4.6 Typisiert e Trägeranschlüss e


Ein Nebenträge r HEA-300 ist mit der Anschlußkraft A S,d = 80 kN an einen Hauptträger anzu-
schließen. Es sollen die Möglichkeiten typisierter Anschlüsse genutzt werden (Tabellenwerte
siehe Tab. 12.2 + 12.3).
Für eine rippenlose Trägerkreuzun
g von zwei Profilen HEA-300 ist die übertragbar
e Last fest-
zustellen.

Trägerausklinkun g
Bei gleicher Trägerhöhe von Haupt- und Nebenträge r muß der Nebenträge
r beidseitig ausge-
klinkt werden. In Frage kommen die Typen IK 2 und IK 4.
Aus der Flanschbreite des Hauptträgers von 300 mm ist das Maß a > 140 mm.
IK 2 ist einfacher herzustellen (Ausrundung durch Abbohren). Mit a > 140 mm ist jedoch:
FA , R ,d = 67,84 kN < FA, d = 80 kN
In Frage kommt deshalb nur Typ IK 4 5.14:
F
A,R,d = 81,83 kN > FA, d = 80 kN
mit dem Parameter
: hP = 190 mm
Schraube
n und Schweißnah t an Stirnplatte (tp = 10 mm) sind gesonder
t nachzuweisen
. Dies kann
wiederum mit typisierten Werten erfolgen:

Querkraftbeanspruchter Stirnplattenanschluß
Gewählt: Typ IS 16 2 (2 Schraube
n M 16, 4.6):
FA,R,d = 82,45 kN > FA, d = 80 kN
mit den Parametern
: su = 3,9 mm < vorh. su = 8,5 mm (Stegdicke HEA-300)
a = 3 mm Doppelkehlnah t Steg-Stirnplatte
hp = 70 mm < vorh. ha = 190 mm
dp = 10 mm = vorh. dp (gemäß Mindest-Vorgabe IK-Stöße)

Querkraftbeanspruchter Winkelanschluß
Gewählt: Typ IW 20 12 (2 Schraube
n M 20, 4.6):
FA,R,d = 96,26 kN > FA, d = 80 kN
mit den Parametern
: su = 2,7 mm < vorh. su = 8,5 mm (Stegdicke HEA-300)
hW i = 129 mm < vorh. ha = 190 mm
w t = 109 mm Anreißmaß am Hauptträger

Rippenlose Trägerkreuzung
Lasteinleitungsbreit
e für HEA-300: cK = 122 mm
Größter Tabellenwert für Lasteinleitung: maxcK = 120 mm < 122 mm
F
Dafür ist die übertragbar
e Kraft: K,R,d = 5 3 1 ,9 kN
Zum Maß cK
siehe Bild 12.1 (b)
Diese Begrenzung beinhaltet den Bezug F K , r , d < 2 • 0, 9 •Vpl,z,d
Da die Begrenzung der Querkraft auf 0,9Vpl,z,dinzwischen aufgehobe n worden ist, werden über-
arbeitete Tabellen wahrscheinlich höhere Werte ausweisen .
252 12 Träge r - Anschlüss e un d Stöß e

12.4.7 Auflagerun g auf Knagg e ohn e Stirnplatt e


Die Tragkraft AR,d des dargestellte
n Trägeranschlusse
s ist zu berechnen
.

Pressungsfläch e A1 : 109 x 8,6

Fl. 100x12 - 140


(nur zur Stabilisierung )

HEB 300 IPE 400

M. 1:10

Pressungsfläch e A2

Pressungsflächen
: A1 = (3, 3 + 8, 6) • 0, 86 = 10, 2 cm2

A 2 = 11 • 3, 3 = 36, 3 cm2 > 10,2

Auflagerkraft: A R, d = 10, 2 • 21, 82 = 223 kN > A S,d = 200 kN


Knagge wie oben: N R ,d = 310 kN > 223 kN; nicht maßgebend
.

12.4.8 Trägersto ß mi t Gelenkbolze n


Der Gelenkstoß ist für die Querkraft V z,d = 60 kN nachzuweisen
.
Werkstoff: S 235, Schraube
n M20 (4.6) mit 2 mm Lochspiel.
Gelenkbolzen M24 (4.6) mit 0,5 mm Lochspiel.
Träger: INP 240 = I-Normalprofil 240. Stegdicke s = 8,7 mm.
12.4 Beispiel e 253

Nachweis Gelenkbolzen als Schraube M 24 (4.6)


Gelenkkraft: Fd = 60 kN
Lochspielbegrenzung
: Ad = 2 mm < 0,1 dL = 2,6 mm und Ad = 2 mm < 3 mm
M
Schraube M 24 (4.6): Wenn auch 0, 25 ist, so wird
M
R,d
der Interaktionsnachwei
s gefordert!
Grenzmomen
t nach [1/817], (1/67):

Vorhandene
s Moment an der Scherstelle
:

Also ist der Interaktionsnachwei


s erforderlich:

Grenzlochleibungskraf
t nach [1/816], (1/66):

Maximalmoment:

Nachweis der Schrauben


Horizontalkomponente
:

Vertikalkomponente
: Lochbil d
und
Aktione n

Schraube (1):

Schraube
n (2,3):

Reaktione n
Maßgeben
d also Schraube
n (2 und 3). Gesamte Schraubenkraf
t jeweils:

Schraube
n M 20 (4.6):

Lochleibung:
mit á1 = 1,9 (o.w.N.)
13 Rahmentragwerk e

13-1 System e
Rahmen sind Tragwerke mit wenigstens einer biegesteifen Ecke. Räumliche
Rahmentragwerke sind möglich; am häufigsten werden ebene Systeme gebildet.

Rahmen werden vor allem als Quersystem e von Hallen verwendet und können
sehr unterschiedlich ausgebildet werden. Die Wahl des Systems hängt ab von den
geometrische n Abmessunge n des Bauwerks (Spannweite , Höhe), Nutzung und
vorgesehen e Belastung des Systems (z.B. Kranbahnen in der Halle), den Mög-
lichkeiten für die Gründung (Baugrundverhältnisse , Nachbarbebauung) , u.a.

Die nachfolgend dargestellte


n Systeme stellen nur eine Auswahl der am meisten
verwendeten Typen dar. Die beiden rechten Systeme sind keine Rahmen!

Einspannstütz e
Einspannrahme n einhüftige r Einspannrahme n mit Pendelstütz e
(kein Rahmen! )

Zweigelenkrahme n einhüftige r Rahmen 2 Einspannstütze n


(kein Rahmen! )

Bil d 13.1 Verschieden e System e zur Queraussteifun g

Unter den gezeigten Systemen stellt der Zweigelenkrahmenden weitaus häufigst


angewendete n Typ dar. Er verbindet die Eigenschafte n problemloser Lagerung
(weil ohne teure Einspannung ) und relativer Steifigkeit (auf Grund der biege-
steifen Ecken).

I m folgenden Bil d sind einige Systemvariante


n gezeigt:
a) gewöhnlicher Rahmen mit waagerechte
m Riegel,
b) Rahmen mit geknicktem Riegel: diese Form kann z.B. wegen besondere
r Vor-
gabe der Dachneigung in Bebauungspläne n notwendig werden,
13.1 System e 255

c) Rahmen mit geknicktem Riegel und Zugband: die Biegemoment e der Rah-
menriegel werden stark reduziert, jedoch ist das Lichtraumprofil der Halle
durch das Zugband etwas eingeschränkt ,
d) Rahmen mit Fachwerkriegel
: für weitgespannt
e Hallen ab etwa 25 m,
e) Rahmen mit zentraler Pendelstütze : für Spannweite
n ab etwa 30 m. Hier kann
man die Pendelstütz e z.B. nur an jedem zweiten Rahmen aufstellen und die
dazwischenliegende n Rahmen in ihrer Mitt e über Längstraverse n abfangen;
dies ergibt weniger Stützen im Halleninnern.

0 © ©
Zweigelenkrahme n
Zweigelenkrahme n Zweigelenkrahme n
mit geknickte m Riege l
(Grundform ) mit geknickte m Riege l
un d Zugban d

Z weigelenkrahme n
mi t Fachwerkriege l © Zweigelenkrahme n mi t
zentrale r Pendelstütz e

Bil d 13.2 Systemvariante n bei horizonta l verschiebliche n Zweigelenkrahme n

Unverschieblich sind Rahmen, bei denen der oder


die Riegel horizontal festgehalten sind. Rahmen
mit unverschiebliche n Knotenpunkten können
also nicht der Aussteifung in der Rahmeneben e
dienen, sie sind vielmehr selber schon gehalten.
Diese Halterung kann durch Verbände oder Wand-
scheiben im Rahmen gegeben sein oder durch Fest-
Bil d 13.3 Unverschiebliche r
halten des Systems an einem anderen, ent- Zweigelenkrahme n
sprechend ausgesteifte n System.

Verschiebliche Rahmen sind erheblich weicher und stabilitätsgefährdeter als


unverschiebliche Rahmen und daher meistens aufwendiger zu berechnen .

Auf die Behandlung mehrstöckige r u n d / o d er vielstieliger Rahmen soll hier


nicht eingegange n werden; die gezeigten Berechnungsmethode n lassen sich
jedoch i.a. auch auf diese Systeme übertragen . Besonderheite n sind DIN 18800
Teil 2 zu entnehmen .
256 13 Rahmentragwerk e

13.2 Berechnungsmethode n
I n Rahmensysteme n sind die Stiele immer, die Riegel meistens Stäbe, die auf
Druck und Biegung beanspruch t werden. Dementsprechen d sind die Nachweise
für diese Stäbe in der Regel unter besonderer Beachtung von DIN 18800 Teil 2
zu führen. Für die Untersuchung der Systeme in Rahmeneben e stehen vor allem
zwei unterschiedlich e Methoden zur Verfügung:
• das Ersatzstabverfahren
,
• die Berechnung nach Theorie II . Ordnung.
Beide Verfahren stehen gleichwertig nebeneinander
, sind in der Anwendung
jedoch grundverschieden.

13.2.1 Ersatzstabverfahre n
Beim Ersatzstabverfahre n werden die einzelnen Stäbe des Rahmens jeweils für
sich mit den üblich berechnete n und unter Berücksichtigung
n Schnittgröße
ihrer Knicklänge in Rahmeneben e nachgewiesen. Außerdem sind die druckbe-
anspruchte n Stäbe auch auf Ausweichen aus der Rahmeneben e (Biegedrillknic-
ken) nachzuweisen . Stabilisierungslaste
n müssen nicht angesetz
t werden.

Das Verfahren ist für einfache Rahmen gut anwendbar. Bei komplizierten Syste-
men (z.B. Rahmen mit ungleichen Stiellängen, geknicktem Riegel, zusätzlichen
Pendelstützen, ungleichmäßig verteilten Lasten) kann die Bestimmung der
Knicklänge jedoch schwierig werden.

13.2.2 Theori e II. Ordnun g


Theorie II . Ordnung bedeutet, daß das Gleichgewicht am verformten System
berechnet wird. Berechnunge n druck- und biegebeanspruchte r Systeme nach
Th. II.O. zeigen einen nichtlinearen Zusammenhan g zwischen Last und Verfor-
mung. Das Superpositionsgeset r Last-
z für die Überlagerung unterschiedliche
fälle oder verschiedener Laststufen kann nicht mehr angewende t werden.

Außerdem ist für Nachweise nach Th. II.O. in der Regel eine Vorverformung
anzusetzen, die baupraktisch unvermeidliche Imperfektionen des Systems
berücksichtigen soll.

Ansatz der Vorverformungen und nichtlineares Verformungsverhalte n gestalten


die Berechnung nach Th. II.O. schwieriger als entsprechend e Berechnunge n nach
Th. I.O. Der große Vorteil der Berechnung nach Th. ILO. liegt in der universellen
Anwendbarkeit für alle Systeme und Lasten. Die Schwierigkeiten bei der Berech-
nung werden durch den Einsatz leistungsfähige r EDV-Programme für den Prak-
tiker kaum noch sichtbar. Aus diesem Grund erfreut sich das Verfahren in der
Praxis einer wachsende n Verbreitung bei Berechnunge n von Rahmentragwerken .
13.3 Rahmenecken 257

13.3 Rahmenecke n
Aus Fertigungs-, Transport- und Montagegründe n sind Rahmen üblicherweise
an den Ecken (oder in deren Nähe) gestoßen
, meist mittels HV-Verbindungen als
Stirnplattenstoß oder mit Zuglaschen.

Wegen des steilen Anwachsens der Biegemoment e im Rahmenriege l auf die Ecken
zu werden die Riegel fast immer mit Vouten versehen , die eine wirtschaftlichere
Dimensionierung erlauben als unverstärkt durchlaufende Querschnitte . Zudem
bringt die Voute den Vorteil größerer Konstruktionshöh e beim Stoß in der Ecke.

Das bei den meisten Stoß- und Eckausbildunge n auftretende "Schubfeld" ist auf
Schub, Normal- und Vergleichsspannunge n sorgfältig zu untersuchen . Typi-
sierte Stirnplattenstöß
e sind deshalb nicht ohne Zusatznachweis e anwendbar !

Rahmenecke mit a2
äußeren Lasten a1
e und He q = Gleichstreckenlast auf dem Riegel
I

i = maßgebende Stell
für den Nachweis der Zerlegung der Schnitt-
Vergleichsspannung positive Definition der großen an der Stelle 1
Schnittgrößen an der in Zugkraft Z (für die
Rahmenecke HV-Schrauben) und
Druckkraft D

Bild 13.4 Schnittgröße n an Rahmeneck e

Gleichgewicht an der Stelle (e):

Stelle (1):

Stelle (2):

Stelle (3):
-Abdeckun g

-Randwinke l Abdichtun g

Wärmedämmun g

2 H V - S c h r a u b e n 1 0 . 9 (bei großen Rahmen

Lastvert .
platt e
übrig e Schraube n 4.6
Schubfel d

Gurtblech
Vout e
Schweißnaht a = t eingeschwei ß
Steife n mit Gegenschweißung
(beidseits ) Stegblec h
Stirnplatt e

Stütz e
(Walzprofil) Bild 13.5 Rahmeneck e
13.3 Rahmenecken 259

Zuglasche

obere Schrauben: HV-Schrauben


Stirnplatte

Stirnplattenanschlu ß Anschlu ß mi t Zuglasch e


Zugkraft durch die oberen HV- Vorteil: keine dicke Stirnplatte,
Schrauben. Hebelarm der inneren Kräfte in
Am häufigsten angewandte der Ecke größer.
Ausbildung von Rahmenecken. Nachteil: keine ebene Oberflä-
che des Rahmens.

warm machen
und aufbiegen
Zwickel
einschweißen
Vollständi g geschweißt e
Vout e durc h Profilaufschneide n Rahmeneck e
Vorteil: geringerer Materialver-
-Vorteil: minimierter Material-
brauch, klare Form.
verbrauch, evtl. auch durch
Nachteil: hohe Lohnkosten für
konisch verlaufende Stütze,
Schneiden und Schweißen
sowie Stoß nahe M-Nullpunkt.
machen diese Lösung unattraktiv.
Nachteil: viel Schweißarbeit.

2 HV-Schrauben

HV-Schrauben

Eck e mi t eingeschweißte r Diagonal-Schraubsto ß


diagonale r Stirnplatt e Vorteil: keine hohen Vergleichs-
Vorteil: keine hohen Vergleichs- spannungen.
spannungen. Stoß außerhalb Nachteil: geometrische Zwänge
der Rahmenecke (nahe Momen- (wie zuvor), herausstehende
ten-Nullpunkt). Stirnplatte, inneres HV-Schrau-
Nachteil: geometrische Zwänge benpaar schwer zugänglich.
(Stütze und Riegel in der Rah- Diese Lösung ist auch mit ange-
menecke möglichst gleich hoch). vouteten, geschweißten Trä-
gern für Stützen und Riegel
Bild 13.6 Grundforme n fü r Rahmenecke n (Beispiele) möglich.
260 13 Rahmentragwerk e

13.4 Beispie l - Eingespannte r Rahmen


Am dargestellte
n eingespannte
n Rahmen sind die charakteristische
n Werte der Einwirkungen:
a) ständige Last: g = 4,2 k N /m G = 12 kN
b) Schneelast: s = 6,0 k N /m S = 2 kN
c) Wind + Stabilisierungslas
t von links: Hli = 13,3 kN
d) Wind + Stabilisierungslas
t von rechts: H r e = 13,3 kN
Grundkombination 1 (GK1): ständige Last + Schnee (g + s)
Grundkombination 2 (GK2): g + s + Wind von rechts
Werkstoff: S 235.

EDV-Ergebnis für die Lastfälle a, b, d - Elastische Berechnun


g - N und V in [kN] ; M in [kNm]

Rahmenpunkt 1 2 (unten) 2 (rechts) 3

Einwirkun g N vz My N vz My N vz My N vz My

a stand. Last •43/5 -20,2 33,4 -43,5 -20,2 -67,4 -20,2 31,5 -67,4 -20,2 0 50,7

b Schnee -47,0 -28,8 47,7 -47,0 -28,8 -96,3 -28,8 45,0 -96,3 -28,8 0 72,5

d H (rechts) -1,5 -6,6 22,0 -1,5 -6,6 -11,1 -6,6 1,5 -11,1 -6,6 1,5 0

1) Für die Einspannfundament e


sind die Bemessungs-Schnitt -
größen für die maßgebende
Grundkombination zusam-
menzustellen Ein Einspann-
fundament für diese Schnitt-
HEB-300
größen ist bereits in Beispiel
11.3.4 behandelt.
2) Die Knicklänge der Rahmen-
stiele ist zu ermitteln.
3) Für GK2 soll gezeigt werden,
daß nach DIN 18800 Tl nicht
mit Th. II. Ordnung gerechne
t
werden muß (Abgrenzungs -
kriterium).
4) Für Stützen und Riegel sind die erforderlichen Tragsicherheitsnachweise nach Verfahren
E-P zu erbringen. Rahmenriege l und Stiele seien gegen Biegedrillknicken ausreichend
gesichert.
Warum wird kein Knicksicherheitsnachwei
s für Riegel und Stiele erforderlich?
5) Welche Stabilisierungslas
t ist bei Durchrechnun
g der GK2 in Höhe des Rahmenriegel
s anzu-
setzen?
6) Die Durchbiegung in Riegelmitte infolge g+s ist zu berechnen
. Es soll kontrolliert werden,
ob die Forderung w m < L/300 eingehalten ist.
7) Für die Stelle unmittelbar rechts der Rahmeneck e (2) ist ein Stirnplattensto
ß der Form IH3B
zu entwerfen, für GK2 nachzuweise n und im skizzieren. Vouten sind nicht zugelassen ! Das
Schubfeld ist zu untersuchen .
13.4 Beispie l - Eingespannte r Rahmen 261

1) Maßgebende Grundkombinatio n
Für die Einspannstelle (1) w e r d en die G r u n d k o m b i n a t i o n n
e bereitgestellt:
GK1: g+s My, d = 1, 35 • 33, 4 + 1, 5 • 47, 7 = 116, 6 4 k Nm
V z, d = - 1 , 35 • 20,2 - 1,5 • 28, 8 = - 7 0 ,5 kN
Nx, d = - 1 , 3 5 - 4 3 , 5 - 1 , 5 - 4 70, = -129, 2 kN

GK2: g + s + H(rechts): My, d = 1, 35 • (33, 4 + 47, 7 + 22, 0) = 139,19 - 140 k Nm


V z, d = 1,35- ( - 2 0 , 2 - 2 8 , 8 - 6 , 6) = - 7 5 , 0 6 - - 7 5 kN
Nx, d = 1, 35 • (-43, 5 - 47, 0 - 1, 5) = -124, 20 = -125 kN

Maßgebend ist GK2.


: siehe Beispiel 11.3.4!
Nachweise für die S t ü t z e n e i n s p a n n ugn i m Köcherfundament
2) Knickläng e

Steifigkeitsbeiwert:

Knicklängenbeiwert
:
Knicklänge der Stützen:
3) Abgrenzungskriterium

Bezogene
r Schlankheitsgrad
:

Abgrenzungskriterium
: ist erfülltl

ist gleichfalls erfülltl

t werden.
Das heißt: Es darf nach Theorie I. Ordnung gerechne
4) Rahmenecke
Umrechnung der Schnittgröße
n auf Unterkante Rahmenecke
:
GK2: kNm

Nachweis:
M pl,d 408
V 75
= 0,193 < 0,33

Weitere Nachweise für Stützen oder Riegel sind offensichtlich nicht erforderlich.
262 13 Rahmentragwerke

Ein Knicksicherheitsnachweis (Biegeknicken nach Ersatzstabverfahren oder Th. ILO.) ist


dann nicht notwendig, wenn das Abgrenzungskriteriu
m gezeigt hat, daß nicht nach Th. ILO.
gerechnet werden muß!
Ein BDK-Nachweis wird dadurchnicht überflüssig, ist hier jedoch wegen der entsprechende
n
Angaben in der Aufgabenstellun
g nicht notwendig.

5) Stabilisierungslast

Reduktionsfaktoren
:

Vertikallasten für GK2

Stabilisierungslast
:

Die Stabilisierungslas
t ist gleichzeitig und gleichgerichte
t mit der Windlast anzusetzen
.
6) Durchbiegung in Riegelmitte
Berechnung mit dem Arbeitssatz
Schnittgröße
n aus den Gebrauchslaste
n für GK1, siehe Bild!
M am beidseits gelenkig gelagerten Riegel (Reduktionssatz!)
:

7) Stirnplattenstoß mit oben überstehende


r Stirnplatte an der Rahmeneck
e

Schrauben
: HV M 24,10.9: ZR, d = 256, 7 kN > 186,4
Darstellun g bei Punk t 4 |
Stirnplattendicke
: dp = 25 mm > 1,0 ds
Schweißnähte
: Flansch: aw,F1 = 10 mm Steg: aw,Steg =5 mm o.w.N.
Dicke der Flanschen
: tF1 = 19 mm = 0,8 ds ausreichend
, kein Futter erforderlich.
V/V =
Schubfeld: P l,d 745/389 = 1,92>1 zusätzliche Schubblech
e notwendig!
Gewählt: e t = 8 mm, ringsum verschweißt mit aw = 6 mm.
beidseits Zusatzblech
Die Querkraft verteilt sich proportional zu den Stegflächen
; M/M p l , d bleibt aber!
Querkraft: Óts = 2 • 8 + 11 = 27 mm V/Vpl , d = 11/27 • 1, 92 = 0, 78 < 1
Interaktion: 0,88 • 0, 578 + 0, 37 • 0, 78 = 0, 80 < 1
14 Fachwerkträge r un d Verbänd e
14.1 Fachwerkträge r
Fachwerke sind Systeme, die aus geraden Stäben zusammengesetz t sind, in deren
Schnittpunkten (Fachwerkknoten ) für die Berechnung reibungslose Gelenke ange-
nommen werden. Man unterscheide t ebene Fachwerke u nd Raumfachwerke .
Äußere Lasten können in Fachwerken nur in den Knotenpunkten angesetz t wer-
den. Fachwerkstäbe können daher primär nur auf Normalkraft (Zug oder Druck)
beansprucht werden.
Sekundär können Stäbe auch auf Biegung (z.B. durch Querbelastung)beanspruch t
werden. Bei großen Fachwerken (z.B. im Brückenbau) kann auch die Fiktion der
reibungsfreien Gelenke aufgegebe n werden. Dies erfordert zusätzliche Untersu-
chungen an Sekundärsystemen .
Fachwerke sind geeignet, große Spannweite n bei relativ geringem Materialauf-
wand zu überspannen . Dem steht ein erhöhter Fertigungsaufwan d gegenüber .
I m Hallenbau werden Fachwerke mit Vorteil ab Spannweite n von ca. 25 m ein-
gesetzt, nach oben bestehe
n keine praktischen Grenzen. Raumfachwerk e in Kup-
pelform können größte Flächen überdecken .

14.1.1 Ebene Fachwerk e


Parallelgurtbinde r
Nachfolgend sind einige der häufig ver- Obergurt Diagonale
wendeten Fachwerke für Hallendäche r
dargestellt. Die Lasteinleitung erfolgt
Untergurt Pfosten
i.a. über Dachpfetten in den Obergurt-
knoten. Bei pfettenloser Dacheindek- Binde r mi t geneigte m Obergur t
kung oder Pfettenlagerun g zwischen
den Knoten entsteht sekundär Biegung
i n den Gurtstäben.

Parallelgurtbinde
r haben eine beson- Dreiecksbinde r
ders einfache Geometrie. Eine geringe
Dachneigung kann durch verschiede n
hohe Unterfütterung der Pfettenerreich
t
werden. Werden etwas größere Dach- Stützweite I
neigungen gewünscht, erhält der Ober-
gurt dachförmige Neigung. Bild 14.1 System e ebene r Fachwerk e

Für größere Dachneigunge r besonder


n eignen sich Dreiecksbinde s gut.
Methoden zur Ermittlung der Stabkräfte in Fachwerken
:
• zeichnerisch mit Cremonapla
n (kann im EDV-Zeitalter niemand mehr),
264 14 Fachwerkträger und Verbände

• rechnerisch aus Gleichgewichtsbedingunge n (Ritter-Schnitt), bei statisch


unbestimmten Fachwerken unter Zuhilfenahme von Verformungsbedin -
gungen u nd Überlagerung (statisch unbestimmte Rechnung),
• mit entsprechende
n EDV-Programme
n für Fachwerke oder Stab werke.
Die Bemessun g der Fachwerkstäb e erfolgt nach den üblichen Verfahren für Zug-
und Druckstäbe unter besondere r Beachtung der Knicklängen (siehe Abschnitt
8.1.2), bei Sekundärbeanspruchun g auf Biegung (durch direkte Belastung) entspre-
chend den Regelunge n für Druck und Biegung (Biegeknicken, Biegedrillknicken).
Zur Berechnung der Stabkräfte dient als Grundlage ein Fachwerknetz . Die Netz-
linien stellen die Schwerlinien der Stäbe dar. Bei der Konstruktion der Fachwerk-
knoten soll darauf geachtet werden, daß sich die Schwerlinien auch wirklic h in
einem Punkt schneiden . Aus konstruktiven Gründen können jedoch auch aus-
mittige Anschlüsse der Stäbe in Kauf genommen werden, wofür ggf. die Momente
des ausmittigen Lastangriffs statisch nachgewiese n werden müssen.
Stabquerschnitte: Für Gurte eignen sich liegende U-Profile und I-Profile, liegend
oder stehend, oder Rohrprofile (Rund/Rechteck) . Für Füllstäbe (Pfosten und
Diagonalen) eignen sich besonders Rohrprofile, die den Vorteil guter Ausnutz-
barkeit auf Druckbeanspruchun g mit dem einer geringen Oberfläche (kleinerer
Unterhalt!) verbinden. Es werden auch Winkel (Zugstäbe) u nd Doppelwinkel
(zweiteilige Druckstäbe), Doppel-U-Profile und I-Profile als Füllstäbe eingesetzt.

Der Anschluß der Stäbe erfolgt direkt durch Schweißung (Bil d 14.2) oder über
Knotenbleche (Schweißung oder Schraubung) . Für Tragwerke aus Rohrprofilen
ist DIN 18808 (10.84) zu beachten
; die Norm regelt besonder
s die Dickenverhält-
nisse der Rohre und deren Schweißverbindungen .

Bild 14.2 Rohr-Fachwerkknote n (Beispiele aus DIN 18808)

Es werden möglichst große Einheiten in der Werkstatt gefertigt. Auf der Baustelle
werdendie Träger vorder Montage am Bodengestoßen , wobei die Stöße geschraubt
ausgeführt werden sollen (Laschensto ß oder Stirnplattenstoß). Auch Baustellen-
schweißung ist möglich. Danach erfolgt die Montage des Fachwerkträger s mög-
lichst in einem Stück, oft mit mehreren Kranen.
14.1 Fachwerkträge r 265

14.1.2 Raumfachwerk e
Für weitgespannte Konstruktionen
eignen sich Raumfachwerk
e mit unter-
schiedlichen Formen:
• Dreigurt- und Mehrgurtbinder als
Fachwerkträger ,
• ebene Fachwerke für waagerecht e
Überdachungen ,
• räumlich gekrümmte Fachwerke
für tonnenförmige oder kuppei-
förmige Überdachunge n in großen
Abmessungen .
Ein Dreigurtbinder entsteht durch Anein-
anderreihen von Pyramiden über recht-
eckiger Grundfläche; dies ergibt ein
statisch bestimmtes Raumfachwerk . Bil d 14.3 Dreigurtbinde r

Der Vorteil dieser Träger liegt in den zwei Obergurten (= Druckgurte) gegenübe
r
einem Untergurt (= Zuggurt) und der einfachen und sehr wirksamen seitlichen
Aussteifung der gedrückten Obergurte durch einwaagerechtliegende s Fachwerk.
Die Berechnung der Gurtkräfte ist so einfach wie bei einem ebenen Fachwerk,
bei der Berechnung der Diagonalen ist beim Gleichgewicht die räumliche Schräge
zuberücksichtigen!-De r Dreigurtbinderläß t sichauchumgedrehtmiteine m Ober-
und zwei Untergurten ausführen.
Legt man zwei Dreigurtbinder nebeneinande r und verbindet auch die beiden
Untergurte gleichfalls durch Diagonalen und Pfosten, entsteht ein Fünfgurtbinder
mit großer Tragkraft und sehr guter räumlicher Stabilität.
Reiht man immer mehr Fachwerkbinde r aneinande
r und verbindet sie entspre-
chend, entsteht ein Raumfachwerk , das übergeordnet wie eine Platte wirk t und
auch entsprechen d als Flächentragwerk berechne
t werden kann. Grundelemen t
ist vorzugsweise die Pyramide über quadratische
m Grundriß (halber Oktaeder).

Durch unterschiedlich
e Ablängung der Stäbeeines Raumfachwerk s in Obergurten
(=Außenhaut) und Untergurten (= Innenhaut) erreicht man die einfache oder dop-
pelte Krümmung für gekrümmte Träger oder für Schalentragwerke .

Für Raumfachwerk e gibt es besonder e Systeme (Mero, Mannesmann , u.a.), bei


denen die Stäbe, die aus verschiedenen Richtungen ankommen, in speziell gefer-
tigte Knoten (Gußstücke ) eingedreht werden können. Stäbe und Gewinde sind
den unterschiedlich großen Stabkräften angepaßt . Besondere Vorkehrungen wer-
den getroffen, um ein ausreichend weites Einschrauben der Gewinde garantieren
und kontrollieren zu können.
266 14 Fachwerkträger und Verbände

14.2 Verbänd e
Bei Hallenbauten benötigt man i.a. Verbände in Dachebene
, in den Längswände
n
und in den Giebelwände n um
• ankommende Horizontallasten weiterzuleiten,
• Knicklängen gedrückter Stäbe oder Gurte zu reduzieren.
Das gängigste System für Verbände sind gekreuzte Diagonalen bzw. in verschie-
denen Feldern gegenläufig gerichtete Diagonalen, die immer nur auf Zug bemes-
sen werden u nd bei allfälliger Druckbeanspruchun g einfach ignoriert werden.
Diagonalen, die rechnerisch auf Zug und Druck beanspruch t werden, vermeidet
man nach Möglichkeit.

Dargestellt ist eine Halle mit Verbänden. Die hintere Giebelwand ist als Rahmen
ausgeführt, um z.B. die Halle in dieser Richtung problemlos später verlängern
zu können. Die Beanspruchun g der Verbände erfolgt durch Wind längs oder quer
Distanzstäbe (im Verbandsfeld
Die Lasten Q und W Q=G+ S = Pfosten des Dachverbands)
sind Flächenlasten!

Dach-Querverband

Endrahmen
(z.B. für spätere
Hallenerweiterung
Pendel- Rahmen (mit Vouten
stützen in den Rahmenecken)
Längswandverband
Giebel wand-
verband
Wlängs
Bild 14.4 Hall e mi t Zweigelenkrahme n un d Verbände n

sowie die Stabilisierungslaste


n aus ständiger Last G und Schneelas
t S bzw. durch
die Abtriebskräfte aus Imperfektionen im Druckgurt des Dachbinders und in den
gedrückten Rahmenstiele n und Stützen.

14.2.1 Dachverbänd e
Bei Hallen, deren Quersyste
m aus Rahmen besteht (wie in Bil d 14.4), ist ein Dach-
Querverband erforderlich. Der Verband liegt möglichst nahe der Ebene der
gedrückten Gurte der Dachbinder (= Rahmenriegel) . Seine Elemente sind:
• Gurte (Zug- u nd Druckgurt) = Obergurte der Dachbinder,
• Pfosten, die drucksteif ausgebilde
t sein müssen,
• Diagonalen, die nur auf Zug bemesse n werden.
14.2 Verbände 267

Bei der Berechnung der Schnittgröße


n des Verbandes sind anzusetzen
:
• die Windlast w in Höhe des Verbandes ,
• die zu stabilisierende
n Gurt-Druckkräfte ÓHi aller n Dachbinder (i = 1...n).

Stabilisierungslas t

windiastw
Obergurt = Dachbinder-Druckgurt

V Zugdiagonale
Pfosten

Untergurt = Dachbinder-Druckgurt
Spannweite L

Bild 14.5 Dachverban d

Berechnungen müssen die Einflüsse aus Theorie IL Ordnung berücksichtigen


; als
Grundlage hierfür müssen Annahmen zur Imperfektion des Systems aufgestellt
werden.

I n der Praxis werden hierfür häufig die von Gerold [21] hergeleitete
n Beziehunge
n
benutzt (hier wir d die Bezeichnung Q für die Querkraft beibehalten!):

Der Einfluß der Th. ILO. ist für die Windlast w leicht zu erkennen, für die Gurt-
kraftsumme ÓHi bringt Th. ILO. überhaupt erst einen Einfluß!

Aus M ergeben sich zusätzliche Kräfte für den Druckgurt der Dachbinder:

max AH = ± M / a mit a = Fachwerkhöh


e = Binderabstan
d

Die Aufnahme dieser Zusatzkräfte bereitet meistens keine Schwierigkeiten, weil


die Teilsicherheitsbeiwert
e günstiger sind als bei den Nachweisen ohne Wind-
und Stabilisierungslasten
.

Aus Q ergeben sich die Kräfte V für die Pfosten und D für die Diagonalen:

max V = max Q