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Notfälle in der

Suchtmedizin
Prim. Dr. Hannes Bacher
FA für Psychiatrie und Psychotherapie
Arzt für Allgemeinmedizin
Notarzt
Substitutionsmedizin
Klinikhygiene
Ärztl. Leiter der Suchthilfe Kliniken
gem. GesmbH Salzburg
Gerichtlich beeid. und zert. SV für
Psychiatrie und Psychotherapie
Psychiatrische Notfälle in der
Suchtmedizin
• Erscheinungsformen:
• Verwirrtheit, Konfusionszustände
• Gehemmtheit bis zum Mutismus und Akinesie
(Bewegungslosigkeit)
• Agitiertheit
• Angst
• Intoxikation mit entsprechenden somatischen
Erscheinungsformen
• Aggressivität
• Gewaltsamkeit
• Suizidgefahr
• Bewußtlosigkeit
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Neurobiologie des Suchtprozesses

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Transmittersysteme

• Gaba erges System


• Glutaminerges System
• Noradrenerges System
• Dopaminerges System
• Adrenerges System
• Serotonerges System
• System der endorphinen Stoffe

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Notfallmedizin

• Behandlung akut auftretender körperlicher Zustände, die potentiell


lebensbedrohend sind. (Dies betrifft weniger den Psychiater, als
vielmehr den Notfallmediziner).

• Handelt es sich um psychische Notfallssituationen, die durch eine


Substanz ausgelöst wird, spricht man von der Notfallspsychiatrie.

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Einzelne Suchtsparten

• 1.: Alkohol:
• Statistisch:
• Etwa 700.000 Österreicher haben ein Alkoholproblem,

• 350.000 sind manifest alkoholkrank.


• Das bedeutet, dass 350.000 potentielle Notfälle möglich sind…..

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• 2.: Drogen:
• Statistisch:
• Etwa 37.000 Patienten mit Drogenabhängigkeit in Österreich (Opiate).
• ( Die Patienten sind als polytoxikoman zu bezeichnen, da meist auch
andere Substanzen konsumiert werden).

• 3.: Benzodiazepine:
• Statistisch:
• Etwa 13.000 Patienten mit einer Abhängigkeit in Österreich.

• Folgende Drogen/Substanzen werden auch häufig konsumiert:


• Nikotin
• Cannabis
• Amphetamine
• Kokain
• Partydrogen/Psychoaktive Stoffe/ Biologische Substanzen WER SUCHT.
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Multimodales System

Substanz(en) Psychische Erkrankung


Grunderkrankung

NOTFALL Körper

Internistische Erkrankungen
Symptom

Soziales Umfeld

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Problem der Erkennung von Notfällen
durch Substanzen
• Wer
• Was
• Wann
• Wo
• Welche Substanz
• Welche Menge
• Welche Zusatzstoffe/ Substanzen

• Cave: Der „Drogenpatient“ ist gewohnt,


nicht immer die Wahrheit zu sagen!!!!
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Was lösen wir zuerst?
•1
• Der bewußtlose Patient:
• Primär ist wie bei jeder Art der Notfallmedizin hier die
• A-B-C Regel anzuwenden:
• A: Atemwege freimachen

Lebensgefahr!!
• B: Beatmung in Gang bringen
• C: Cirkulation (Kreislauf) in Gang bringen

• Es besteht potentiell akute


LEBENSGEFAHR!!
!!
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Überprüfung mit all unseren Sinnen
•2
• ANAMNESE erheben( auch Aussenanamnese)
• Angehörige, Freunde????
• Puls/ Blutdruckfeststellung
• Spontanatmung??????? (Erbrochenes???)
• Überprüfung : Einstiche / Farbstoffe nach
Inhalation, oraler Aufnahme (z.B.:
Patentblau!!!!!!!!!)8, Ausdünstung, Geruch
(Gase,Schnüffelstoffe, THC)/Finden von
Medikamenten/Blistern/Spritzen/ Flaschen,
alkohol. Getränke
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• Pupillomotorik (enge oder weite Pupillen?)
• Reflexsystem
• Körpertemperatur
• Blutzuckermessung

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•3
• Therapie

• Erhaltung/ Wiederherstellung lebenswichtiger


Funktionen

• Medikamentengabe (Antidota, Adrenalin,


kardioakt./kreislaufstabil. Substanzen, Benzodiazepine)

• Transport in Schwerpunktzentrum Intensivmedizin

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Antidota
Narcanti: Naltrexonhydrochlorid (0,4mg/1ml),
(Achtung: Kurze HWZ !!! Reaktivierung der
Opiatwirkung nach ca. 1 Stunde)

Anexate: Flumazenilhydrochlorid (5mg/5ml)

Valium: Diazepam (10mg/2ml)/ Midazolam. O.ä.


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Notfälle bei Bewußtsein
• Internistisch (auszugsweise):
• Vorschädigungen durch die Abhängigkeit:
• Cerebral (cave Hirnblutungen chr./akut)/
Insultgeschehen/Encephalopathien,

• Hämatologisch (Gerinnungsstörungen),

• Artifiziell: Intravenöse Applikation von Feststoffen (Talkum,


Aluminium, Wachs, Farbstoffe, Filterfäden) mit

• pulmonalen oder generalisierten Komplikationen,

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• Immunsystem : Infektionskrankheiten i. Sinne banaler
Infekte, HIV, Hepatitis,

• Schädigung des GI Traktes ( Blutungen, Ulzerationen),

• Schädigung von Leber, Nieren, Herz, Lunge,


Bauchspeicheldrüse

• Nervensystem: Neurologische periphere Erkrankungen


(Polyneuropathien), Lähmungen durch
Druckschädigungen des Nervensystems

• Sehstörungen (Methylalkohol!!! )

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Psychiatrische Notfälle
• Substanzinduziert:
• Überdosierungen
• Entzugssymptome
• Psychosen /Wahninhalte
• Angst
• Aggression
• Manien
• Depressionen
• Suizidalität

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Internistische Notfälle !!!!!!!!!!!

• Oben angeführte Problemstellungen treten sehr oft


sowohl im Ambulanzbetrieb als auch in der ärztlichen
Praxis auf.

• Klinische und apparative Untersuchungen sind ein Muß


!!!!

• Ein Patient mit einer Abhängigkeitserkrankung von


Substanzen ist erst dann als psychogen zu
diagnostizieren , wenn körperliche Ursachen für die
Entstehung des vermeintlich psychischen Problemes
ausgeschlossen werden konnten!!!!!!
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•Entzugsdelire
verschwinden niemals
von selbst
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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Vorgehensweise

• Erheben der Substanz


• Letzte Einnahme
• Verifizierung der psychischen Auffälligkeit
• Möglicherweise Talking down
• Triagierung: Unterbringung indiziert/
nicht indiziert

• Gabe von Medikamenten


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Gängige Medikamente:
• Benzodiazepine ( in Entgiftungsphasen vorwiegend Oxazepam
[Anxiolit, Praxiten] aufgrund HWZ),

• Antipsychotika
• Firstline im Akutfall immer noch Haloperidol mit Biperiden
[Akineton]), in weiterer Folge alle atypischen Antipsychotika

• Pantoprazol
• ( als Protonenpumpenhemmer zur Vermeidung von Streßulcera),

• Antidepressiva
• Alle Arten möglich, Kombinationen aus TZA und modernen Ads
erhöhen die Wirkung bis auf den Faktor 80% !!!

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• Antiepileptika: ( Carbamazepin, [Tegretol, Trileptal])
Besonders bei Benzodiazepin – und Alkoholentzügen zur
Vermeidung epileptiformer Anfälle bei Überreaktion des
glutamatergen Systemes cerebral,

• Vitamin B-Präparate
• Vermeidung von Nervenschäden durch neurotoxische Wirkung der
Substanzen.
Vit B1 Mangel: z.B. Vermeidung Wernicke Encephalopathie und
Morbus Korsakow

• Niedrigpotente Neuroleptika:
• Als Ersatz zu den Benzodiazepinen

• Anti Craving Substanzen:


• Langzeitprophylaxe / (inkl. Lioresal)

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Danke !!!!!!!

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