Sie sind auf Seite 1von 251

Tragverhalten von Stabanschlüssen und

Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Vorgelegte
Dissertation

zur

Erlangung des Grades


Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.)

der

Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften


Ruhr-Universität Bochum

von

Dipl.-Ing. Jan Vette


geboren am 19.11.1977 in Nordhorn

Bochum, Mai 2011


Doktorarbeit eingereicht am: 30. November 2010
Tag der mündlichen Prüfung: 23. Februar 2011

Berichter:
Prof. Dr.-Ing. R. Kindmann, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr.-Ing. habil. P. Mark, Ruhr-Universität Bochum
Vorwort

Die vorliegende Arbeit entstand in den Jahren 2006 bis 2010 während meiner
Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für konstruktiven
Ingenieurbau der Ruhr-Universität Bochum. Sie wurde von der Fakultät für Bau- und
Umweltingenieurwissenschaften als Dissertation angenommen.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Professor Dr.-Ing. R. Kindmann für die Betreuung
und Unterstützung während der Entstehung dieser Arbeit sowie der Übernahme des
Referates.

Herrn Prof. Dr.-Ing. habil. P. Mark danke ich sehr herzlich für die Übernahme des
Koreferates.

Weiterhin gilt mein Dank allen meinen Kollegen, die durch ihre
Diskussionsbereitschaft zum Entstehen dieser Arbeit beigetragen haben.

Schließlich danke ich meiner Familie insbesondere meiner Frau Sandra und meinem
Vater Bernd Vette für ihre verständnisvolle Unterstützung während der Erstellung
dieser Arbeit.

Mai 2011 Jan Vette


Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Stand der Forschung 6
1.3 Bezeichnungen 7
1.4 Annahmen und Berechnungsgrundlagen 8
1.4.1 Vorbemerkungen 8
1.4.2 Materialverhalten 8
1.4.3 Betrachtungsweisen und Beanspruchungen in Rechteckquerschnitten 10
1.4.4 Nachweis der Tragfähigkeit auf Grundlage der Elastizitätstheorie 11
1.4.5 Nachweis der Tragfähigkeit auf Grundlage der Plastizitätstheorie 14
1.4.6 Nachweis der Tragfähigkeit von Schweißnähten 17
1.4.7 Stabilitätsnachweise von Druckstäben mit veränderlichen Querschnitten 18

2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der


Tragfähigkeit 20
2.1 Vorbemerkungen 20
2.2 Nachweismethoden nach dem Stand der Technik 20
2.2.1 Beanspruchungen unter ingenieurmäßiger Betrachtung 20
2.2.2 Berechnung der Querschnittstragfähigkeit in den maßgebenden Schnitten 22
2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung 22
2.3.1 Vorbemerkungen 22
2.3.2 Nachweisverfahren nach Adam / Zhang, [2] 22
2.3.3 Nachweisverfahren nach Suppes, [82] und [54] 26
2.3.4 Nachweisverfahren nach Klinkenberg, Peter und Saal, [75] 31
2.3.5 Nachweisverfahren nach Hertle, [27] 32
2.3.6 Berechnungsmethode nach Kindmann / Stracke, [40] 35

3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode 37


3.1 Vorbemerkungen 37
3.2 Verwendete Elemente und Hinweise zu den FEM-Berechnungen 38
3.2.1 Schalenelement SHELL181 38
3.2.2 Schalenelement SHELL281 39
3.2.3 Balkenelement BEAM188 39
3.2.4 Nichtlineares Berechnungsverfahren in ANSYS 40
3.3 Modellierung der Anschlüsse 40
3.4 Systemmodellierungen 44
3.4.1 Vorbemerkungen 44
3.4.2 Druckstab mit ausgeschnittenen Anschlussblechen 44
3.4.3 Fachwerk 45
3.4.4 Stabilitätsuntersuchungen 46
3.5 Auswertung der Berechnungen an Schnitten 47
3.6 Konvergenzverhalten und Stabilität der Berechnungen 49
II 1

4 Beanspruchungen in Fachwerkdiagonalen 55
4.1 Vorbemerkungen 55
4.2 Strebenbeanspruchungen eines beispielhaften Fachwerkträgers 56

5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen 61


5.1 Vorbemerkungen 61
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner
Zugbeanspruchung 62
5.2.1 Kraftfluss im Grenzzustand der Tragfähigkeit 62
5.2.2 Versagensmechanismen im Anschlussblech und zugehöriger Kraftfluss 69
5.2.3 Kraftfluss unterhalb des Ausschnitts im Anschlussblech 72
5.2.4 Tragfähigkeiten in Abhängigkeit der verschiedenen Parameter 75
5.3 Untersuchung an schräg abgeschnittenen Knotenblechen 80
5.3.1 Tragverhalten und Kraftfluss im Grenzzustand der Tragfähigkeit 80
5.3.2 Tragfähigkeiten in Abhängigkeit der verschiedenen Parametern 84
5.4 Untersuchungen an unsymmetrischen Knotenblechen 88
5.4.1 Vorbemerkungen 88
5.4.2 Tragverhalten eines Anschlusses mit einer schmalen und einer breiten
Anschlussseite 89
5.4.3 Tragverhalten eines Anschlusses mit einer schmalen und einer breiten
Anschlussseite und mit unterschiedlichen Anschlusslängen 92
5.4.4 Tragverhalten eines Anschlusses mit unterschiedlich breiten
Anschlussseiten und unterschiedlichen Anschlusslängen 94
5.5 Kraftfluss infolge einer Biegebeanspruchung 98
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 104
5.6.1 Vorbemerkungen 104
5.6.2 Ermittlung von Verzweigungslasten mit der FEM 104
5.6.3 Einfluss der Anschlussblechgeometrie auf die Verzweigungslast NKi 107
5.6.4 Vergleich der Verzweigungslast mit reinen Stabwerksmodellen 113
5.7 Zusammenfassung der Erkenntnisse aus den Untersuchungen 122
5.7.1 Vorbemerkungen 122
5.7.2 Erkenntnisse zu Zugstabanschlüssen mit rechteckigen Anschlussblechen 122
5.7.3 Erkenntnisse zu Zugstabanschlüssen mit schräg abgeschnittenen
Anschlussblechen 125
5.7.4 Erkenntnisse zu Zugstabanschlüssen mit unsymmetrischen
Anschlussblechen 126
5.7.5 Erkenntnisse zu Stabanschlüssen mit reiner Biegebeanspruchung 126
5.7.6 Erkenntnisse zur Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben mit
schräg abgeschnittenen Anschlussblechen 127

6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen


Knotenblechen 129
6.1 Vorbemerkungen 129
6.2 Grenztragfähigkeiten von symmetrischen Fachwerkknoten 130
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 133
6.3.1 Vorbemerkungen 133
1.1 Problemstellung und Zielsetzung III

6.3.2 Kraftfluss im Knotenblech 133


6.3.3 Tragfähigkeit der Anschlussbereiche 146
6.3.4 Horizontales Schubversagen im Knotenblech 150
6.3.5 Erreichen der Querschnittstragfähigkeit im vertikalen Schnitt durch
Knotenblech und Gurt 154
6.3.6 Zusammenstellung der Versagensmechanismen 155
6.4 Vergleich der Untersuchungen mit Versuchsergebnissen aus [82] 157
6.5 Stabilität von auf Druck beanspruchten Fachwerkstreben 161
6.5.1 Ermittlung von Verzweigungslasten mit der FEM 161
6.5.2 Untersuchung des Einflusses der Knotenblechgeometrie auf die
Verzweigungslast NKi 163

7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse 171


7.1 Vorbemerkungen 171
7.2 Berechnung der Schnittgrößen im Anschlussbereich nach der
Elastizitätstheorie 172
7.3 Berechnung der Schnittgrößen im Anschlussbereich nach der
Plastizitätstheorie 173
7.3.1 Vereinfachte Annahme des Kraftflusses 173
7.3.2 Plastischer Kraftfluss in rechteckigen Anschlussblechen 173
7.3.3 Plastischer Kraftfluss in schräg abgeschnittenen Anschlussblechen 175
7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich 177
7.4.1 Maßgebender Versagensfall 177
7.4.2 Tragfähigkeit im Versagensfall 1 178
7.4.3 Tragfähigkeit im Versagensfall 2 180
7.4.4 Tragfähigkeit im Versagensfall 3 184
7.4.5 Tragfähigkeit im Versagensfall 4 185
7.4.6 Tragfähigkeit im Versagensfall 5 188
7.4.7 Tragfähigkeit der Schweißnaht zwischen Zugstab und Anschlussblech
(Versagensfall 6) 188
7.4.8 Tragfähigkeit der Schweißnaht zwischen Anschlussblech und
Querträger (Versagensfall 7) 190
7.5 Tragfähigkeitsnachweis für unsymmetrische Zugstabanschlüsse 191
7.6 Tragfähigkeitsnachweis für Stabanschlüsse mit Biegebeanspruchung 192
7.7 Tragfähigkeitsnachweis des Anschlusses von auf Druck beanspruchten
Stäben 193
7.8 Bemessungsmethode für Stabanschlüsse mit beliebiger Beanspruchung 196
7.9 Empfehlung für Konstruktion und Bemessung von Zugstabanschlüssen 197

8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen


Knotenblechen 199
8.1 Vorbemerkungen 199
8.2 Kraftfluss und Tragfähigkeit der seitlichen Anschlusslaschen
(Versagensfall A) 201
8.2.1 Kraftfluss in den seitlichen Anschlusslaschen 201
8.2.2 Tragfähigkeit der seitlichen Anschlusslaschen 202
IV 1 Einführung

8.3 Tragfähigkeit des Knotenblechs im horizontalen Schnitt


(Versagensfall B) 203
8.4 Tragfähigkeit des Fachwerkknotens im vertikalen Schnitt
(Versagensfall C) 206
8.5 Tragfähigkeit des Gurtstabstegblechs (Versagensfall D) 209
8.6 Erreichen der Querschnittstragfähigkeit in den einzelnen
Stabquerschnitten (Versagensfall E) 211
8.7 Schweißnahtverbindung des Knotenblechs an die Diagonalen
(Versagensfall F) 211
8.8 Schweißnahtverbindung des Knotenblechs an den Gurtstab
(Versagensfall G) 212
8.9 Konstruktionsempfehlungen für Fachwerkknoten mit
Druckstabanschlüssen 213
8.10 Statistische Bewertung des Modells mit den Versuchsergebnissen 215
8.11 Konstruktionsempfehlungen und Erweiterungsmöglichkeiten 215

9 Berechnungsbeispiele 218
9.1 Vorbemerkungen 218
9.2 Anschluss eines Stabanschlusses an einen Querträger 218
9.3 Fachwerkknoten 223
9.4 Vergleich und Bewertung der verschiedenen Bemessungsmodelle 231

10 Zusammenfassung und Ausblick 235

Literatur 239
1 Einführung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Fachwerkträger werden im Stahlhochbau sehr häufig zur Lastabtragung bei großen


Spannweiten eingesetzt. Im Gegensatz zu Vollwandträgern bieten Fachwerkträger
aufgrund des geringeren Materialaufwandes wirtschaftliche Vorteile ab Spannweiten
von ca. 25 m. Nachteilig gegenüber Vollwandträgern sind jedoch der höhere Ferti-
gungsaufwand und der ebenfalls höhere Aufwand für die statischen Nachweise.
Bild 1.1 zeigt beispielhaft einen ausgeführten Fachwerkträger.

Bild 1.1 Fachwerkträger einer Lagerhalle

Die vertikalen Belastungen, hervorgerufen z.B. durch das Eigengewicht des Dachs
oder durch Schneelasten, werden über Normalkräfte in den Pfosten und Streben in die
Auflager geleitet. In den Gurtstäben entstehen ebenfalls Normal-
kraftbeanspruchungen, die dem Biegemoment bei Vollwandträgern entsprechen. Die
Fachwerkstäbe bilden jeweils stabile Dreiecksformen aus und werden daher überwie-
gend durch Normalkräfte beansprucht. In den Fachwerkknoten, in denen die Pfosten
und Streben mit den Gurtstäben verbunden sind, muss das Kräftegleichgewicht
erfüllt werden.

Der statische Nachweis von Fachwerkträgern umfasst eine Vielzahl von Einzelnach-
weisen. In einem ersten Schritt werden die Schnittgrößen in den Einzelstäben des
Fachwerks berechnet und anschließend die Querschnittstragfähigkeit nachgewiesen.
Dabei gilt nach DIN 18801 [11] für Fachwerkträger im Stahlhochbau die Annahme,
dass in den Knoten reibungsfreie Gelenke angesetzt werden dürfen, siehe Bild 1.2
links. Eventuelle Anschlusssteifigkeiten werden nicht berücksichtigt. In
DIN EN 1993-1-1 [13] werden Gelenktragwerke eingeführt, an die gewisse Bedin-
gungen gestellt werden. Bei Fachwerkträgern im Brückenbau sind nach DIN-Fach-
bericht 103 [16] sekundäre Momente im Hinblick auf die Gebrauchstauglichkeit zu
berücksichtigen, siehe Bild 1.2 rechts. Daher stellt sich die Frage: Welche Bean-
2 1 Einführung

spruchungen wirken tatsächlich in den Stäben von Fachwerkträgern und inwie-


weit können diese zutreffend bestimmt werden?

In einem zweiten Schritt werden Stabilitätsuntersuchungen an druckbeanspruchten


Stäben durchgeführt. Als grundlegende Annahme werden Knicklängen angenommen,
die der Stablänge entsprechen. Bei genaueren Untersuchungen darf diese gemäß den
o. g. Normungen zusätzlich verringert werden. Der Einfluss der Anschlüsse auf die
Stabilität wird bislang nicht berücksichtigt. Schließlich werden die Fachwerk-
knoten konstruiert und im Hinblick auf die Tragfähigkeit untersucht. Allerdings gibt
es eine Vielzahl möglicher Knotenverbindungen, die von einer Fülle an Parametern
abhängen. Beispiele hierfür sind die verwendeten Profilquerschnitte, die mögliche
Verbindungsart, die Fertigung und Montage des Bauteils, die gewählte
Fachwerkgeometrie und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit.

Bild 1.2 Fachwerke mit gelenkigen und biegesteifen Knoten, aus [40]

Für Fachwerkknoten ohne Knotenbleche existieren in der Fachliteratur Bemes-


sungsverfahren und auch in DIN EN 1993-1-8 [14] werden zu Fachwerkknoten mit
Hohlprofilen und I-Querschnitten ohne Knotenbleche zahlreiche Angaben zur Be-
messung gemacht. Unter Berücksichtigung des tatsächlichen Tragverhaltens werden
geometrische Grenzbedingungen angegeben, um die zu untersuchende Anzahl der
möglichen Versagensmechanismen zu reduzieren.

Seit ca. 20 Jahren werden in der Baupraxis vermehrt Fachwerkträger mit vorzugs-
weise ausgeschnittenen Knotenblechen eingesetzt. Es existiert für derartige Fach-
werkknoten nur eine überschaubare Anzahl an Bemessungsverfahren, die in Ihrer An-
wendung auf reine Zugkraftübertragung begrenzt und z. T. schwer nachvollziehbar
sind. Sie werden in Abschnitt 1.2 benannt und in Kapitel 2 vorgestellt. Der Nachweis
der Fachwerkknoten mit Knotenblechen wird daher bei baupraktischen Anwendun-
gen üblicherweise konstruktiv gelöst, ohne dabei weitergehende statische Nachweise
zuführen. Gerade diese Knoten sind jedoch hoch belastete Bereiche in dem Tragwerk.
Darüber hinaus beeinflusst die gewählte Anschlusskonstruktion die Konstruktion des
Gesamttragwerks. Weisen zum Beispiel die Systemlinien der Stäbe einen Versatz im
Anschlussbereich auf, so dass sie sich nicht in einem Punkt schneiden, dann ist dieser
Versatz bzw. das dadurch verursachte Biegemoment sowohl bei dem Nachweis des
Knotens als auch bei den vorangegangenen Stabilitäts- und Querschnittstrag-
fähigkeitsnachweisen zu berücksichtigen.
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 3

Bild 1.3 zeigt die Ansicht eines Knotens des Fachwerkträgers aus Bild 1.1. Als Ver-
bindung zwischen den einzelnen Stäben ist ein Knotenblech auf den Gurtstab ge-
schweißt. Die Diagonalen sind in die Ausschnitte des Knotenblechs geführt und da-
mit verschweißt. Es sind deutlich die großen Ausschnitte im Knotenblech zu erken-
nen.

Bild 1.3 Ansicht eines Fachwerkknotens mit ausgeschnittenen Knotenblechen

In [40] werden zwei Fälle aufgeführt, bei denen es in der jüngeren Vergangenheit zu
Schäden an Fachwerkträgern mit Anschluss- oder Knotenblechen kam. Im Bei-
spiel eines Montagegerüstes beim Kraftwerksbau, siehe Bild 1.4, ist die äußere
Druckdiagonale seitlich ausgeknickt, was zu einem Systemversagen führte, siehe
Bild 1.5.

Bild 1.4 System des geschädigten Fachwerkträgers, aus [78]

Die Diagonalen bestanden aus geschweißten Hohlprofilen, die für die einwirkende
Normalkraft von N = 3700 kN ausgelegt waren. Die Ursache für dieses Stabilitäts-
4 1 Einführung

versagen lag nach [78] darin, dass im Bereich der Anschlüsse das ober- und untersei-
tige Blech der Druckdiagonalen aus Montagegründen nicht durchgezogen wurde und
der Druckstab im Anschlussbereich lediglich aus den beiden seitlichen Blechen be-
stand. Diese Bleche wiesen nur eine geringe Biegesteifigkeit aus der Ebene auf und
waren über weite Bereiche ungestützt, siehe Bild 1.5. Die verminderte Steifigkeit im
Anschlussbereich führte zu einer starken Verringerung der Verzweigungslast und
somit zu einer erhöhten Stabilitätsgefahr. In [78] wird dieses Versagen als außerge-
wöhnlich bezeichnet, da es zu diesem Problem kaum Erkenntnisse gibt.

Bild 1.5 Ausgeknickte Auflagerknoten, aus [78]

Ein weiterer Schadensfall betrifft ebenfalls die Knoten von Stahlfachwerkträgern.


Bild 1.6 zeigt das ausgeschnittene Knotenblech und die Beanspruchungen aus den
angreifenden Stäben. Die Fachwerkknoten sollten gemäß [40] planmäßig mit 60 mm
langen Schweißnähten an das Knotenblech angeschlossen werden. Infolge von
unvollständigen Zeichnungen und Fertigungsungenauigkeiten waren diese bereichs-
weise nur 55 mm lang. Darüber hinaus waren die Knotenbleche zu klein, so dass ein
Nachweis der Kraftübertragung nicht möglich war. Für eine Beurteilung der Trag-
fähigkeit derartiger Fachwerkknoten ist die Kenntnis des Kraftflusses von ausschlag-
gebender Bedeutung. Es werden zwar in der Literatur Verfahren und Methoden zum
Nachweis von ausgeschnittenen Anschluss- und Knotenblechen vorgeschlagen, siehe
Abschnitt 1.2 und Kapitel 2, die auf Versuchergebnissen und Traglastberechnungen
mit der Finite Elemente Methode beruhen, jedoch werden unterschiedliche Annah-
men bezüglich des Kraftflusses getroffen und verschiedene Versagensmechanismen
überprüft. Schlussfolgernd kann keine eindeutige Aussage über die Tragfähigkeit von
Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen getroffen werden. Es stellt sich
die Frage, inwieweit die Annahmen mit dem tatsächlichen Kraftfluss
übereinstimmen und die Versagensmechanismen dabei in zutreffender Weise
erfasst werden.
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 5

Bild 1.6 Knoten mit ausgeschnittenem Knotenblech, aus [40]

Mit den beiden aufgezeigten Schadensfällen wird deutlich, dass es unmittelbaren Klä-
rungsbedarf gibt, um die Tragfähigkeit solcher Detailpunkte und deren Auswirkung
auf das Gesamttragverhalten richtig einschätzen und die zutreffenden Versagens-
mechanismen überprüfen zu können. Das Tragverhalten von Stabanschlüssen und
Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen stellt aus diesem Grund den
Schwerpunkt dieser Arbeit dar und soll anhand des Kraftflusses und der eintreten-
den Versagensmechanismen aufgezeigt werden. Aufgrund dieser Vielfalt an
möglichen Knotenverbindungen ist es wünschenswert, übertragbare Erkenntnisse
über das Tragverhalten von Fachwerkknoten zu erhalten, die auch auf
individuelle Problemstellung angewendet werden können.

Zusammenfassend lassen sich die folgenden Ziele dieser Arbeit formulieren:

1. Diskussion der Beanspruchung in Fachwerkdiagonalen am Beispiel eines


Fachwerks und Vergleich mit dem derzeitigen Stand der Technik.

2. Analyse des Tragverhaltens von Stabanschlüssen mit ausgeschnittenen An-


schlussblechen infolge von Zugbeanspruchungen. Die Untersuchungsergeb-
nisse sollen für beliebige Anschlussblechgeometrien gelten. Dabei sollen die
möglichen Versagensarten und der sich einstellende Kraftfluss geklärt werden.

3. Analyse des Tragverhaltens von Stabanschlüssen mit ausgeschnittenen An-


schlussblechen infolge einer Biegebeanspruchung.

4. Eigenwertuntersuchungen von auf Druck beanspruchten Stäben mit ausge-


schnittenen Anschlussblechen zur Abschätzung der Stabilitätsgefahr.

5. Untersuchungen an Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen


zur Klärung des Kraftflusses und der möglichen Versagensmechanismen.

6. Eigenwertanalysen an beispielhaften Fachwerken, um die Stabilitätsgefahr


von auf Druck beanspruchten Fachwerkdiagonalen abschätzen zu können. Bei
diesem Punkt ist vorrangig die Frage zu klären, inwieweit die Knotenaus-
bildung Einfluss auf die Stabilität des Systems hat.
6 1 Einführung

7. Überprüfung vorhandener Bemessungsmodelle und Entwicklung eines neuen


Bemessungsmodells für Stabanschlüsse mit ausgeschnittenen Anschluss-
blechen mit beliebiger Anschlussblechform für beliebige Beanspruchungen in
der Ebene.

8. Entwicklung und Überprüfung eines neuen Bemessungsmodells für Fach-


werkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen.

1.2 Stand der Forschung

Die gegenwärtig verfügbaren Bemessungsverfahren lassen sich einteilen einmal in


Methoden, die dem Stand der Technik und in Methoden, die dem Stand der For-
schung entsprechen. Als Stand der Technik werden die in der Praxis üblichen Nach-
weismethoden angesehen, bei denen es vorrangig um das baupraktische Ingenieur-
modell geht, siehe Abschnitt 2.2. In Abschnitt 2.3 werden Bemessungsmethoden und
Modelle aufgezeigt, die in den letzten Jahren zu diesem Thema erschienen sind und
als derzeitiger Stand der Forschung angesehen werden können. Diese jüngeren Be-
messungsverfahren haben bislang allerdings nur einen begrenzten Eingang in die
Praxis gefunden. Adam und Zhang haben in [2] bereits 1994 eine Methode vorge-
stellt, bei der ein Stabwerksmodell für den direkten Anschlussbereich verwendet
wird. Mit Hilfe des Stabwerks können die Beanspruchungen in dem Knotenblech er-
mittelt und Nachweise zur Tragfähigkeit geführt werden. In diesem Modell werden
zum ersten Mal die Zwängungsspannungen durch den Diagonalensteg berücksichtigt,
die sich traglaststeigernd bei Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen
auswirken. Suppes schlägt in [83] und [55] eine neue Methode, bei der eine Annahme
des Kraftflusses getroffen wird und die in großen Teilen auf dem Kräftegleichgewicht
beruht, wobei diese Methode mit Versuchsergebnissen verifiziert wird. Zeitgleich
wurde von Klinkenberg et al. in [76] eine Methode zur Ermittlung der Tragfähigkeit
vorgestellt, bei der mehrere Versagensmodi im Anschlussbereich untersucht werden.
2004 hat Hertle in [27] eine Methode zum Nachweis von nicht ausgeschnittenen und
ausgeschnittenen Knotenblechen für Pfostenfachwerke vorgeschlagen, bei der eben-
falls Schnitte durch das Knotenblech geführt werden und die Beanspruchungen er-
mittelt werden können. Wagenknecht greift in [86] die Methode von Suppes nach [55]
auf. Auch Kindmann führt in [40] mehrere Schnitte durch das Knotenblech. Bei dem
anschließenden Querschnittstragfähigkeitsnachweis können die Beanspruchungen in
der Ebene an beliebigen Stellen des Knotens ermittelt werden. Als Nachweiskri-
terium wird die Vergleichsspannung nach von Mises mit zweiaxialer Normal-
spannung und Schubspannung verwendet.
1.3 Bezeichnungen 7

1.3 Bezeichnungen

Zunächst werden die wichtigsten in dieser Arbeit verwendeten Formelbezeichnungen


und Definitionen angegeben. Weitere Parameter werden bei erstmaliger Verwendung
erläutert. In Kapitel 2 werden einige in der Literatur beschriebene Berechnungs-
modelle und -methoden vorgestellt. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährlei-
sten, werden dabei ausschließlich die hier beschriebenen Formelzeichen verwendet,
auch wenn im Originaldokument abweichende Bezeichnungen definiert werden.

Koordinaten

x Stablängsachse
y, z Hauptachsen in der Querschnittsebene

Querschnittsabmessungen

h Querschnittshöhe
b Querschnittsbreite
tg Gurtdicke
ts Stegdicke
r Ausrundungsradius

Knotenblechparameter

Lw Einbindelänge der Pfosten und Streben in das Knotenblech


Lb Länge des Knotenblechs in Stablängsrichtung des Gurtstabes
hb Höhe des Knotenblechs
tb Blechdicke des Knotenblechs
bi Breite der Anschlussbleche im Bereich des Ausschnitts
αi Neigungswinkel der Diagonale Nr. i
a Spaltmaß zwischen Pfosten bzw. Strebe und dem Knotenblech
u rechtwinkliger Versatz am Ausschnitt für die Diagonalen

Werkstoffkennwerte

E Elastizitätsmodul
G Schubmodul
ν Querkontraktion, Poissonsche Zahl
fy Streckgrenze der Stahlbauteile
fu Zugfestigkeit der Stahlbauteile
εel Elastische Grenzdehnung
8 1 Einführung

Indices

G Gurtstab
D Diagonale
P Pfosten
el elastische Grenze:
Wenn die Streckgrenze in einem Punkt erreicht wird.
pl plastische Grenze
Wenn der Querschnitt unter Berücksichtigung aller plastischen
Reserven ausgenutzt ist.
1,....,12 Schnittnummer
d Bemessungswerte
k charakteristische Werte

1.4 Annahmen und Berechnungsgrundlagen

1.4.1 Vorbemerkungen

In der vorliegenden Arbeit wird das Tragverhalten von Anschlüssen mit ausge-
schnittenen Abschlussblechen untersucht. Für eine genaue Analyse des Kraftflusses
und der Traglasten können neben Versuchsergebnissen auch Berechnungen mit der
Finite Element Methode (FEM) herangezogen werden. Dabei wird versucht, die zu
untersuchende Konstruktion möglichst genau abzubilden. Allerdings müssen für die
Analyse und den darauf basierenden Berechnungsverfahren und Bemessungs-
methoden auch Annahmen bezüglich des Materials getroffen werden. Die getroffenen
Materialannahmen und die Tragfähigkeitsnachweisverfahren auf Grundlage der Elas-
tizitäts- und Plastizitätstheorie werden anschließend vorgestellt.

1.4.2 Materialverhalten

Das Werkstoffverhalten von allgemeinem Baustahl ist in Bild 1.7 abgebildet, das auf
dem im Zugversuch ermittelten Verhalten basiert. Für die nachfolgenden Berechnun-
gen wird das Werkstoffverhalten idealisiert. Neben der tatsächlichen Spannungs-
Dehnungslinie ist die idealisierte Spannungs-Dehnungsbeziehung ebenfalls in Bild
1.7 dargestellt. Im ersten Teil wird bis zum Erreichen der Streckgrenze fyd ein linear-
elastisches Verhalten angenommen. Die Beziehung zwischen Spannung und Deh-
nung wird als Hookesches Gesetz σ = E ⋅ ε beschrieben. Der zweite Teil wird mit
einer horizontalen Geraden beschrieben. Es handelt sich um die Plastizierung des
Werkstoffs Stahl. Eine Werkstoffverfestigung wird im Rahmen der Traglastunter-
suchungen nicht berücksichtigt.
1.4 Annahmen und Berechnungsgrundlagen 9

Bild 1.7 Nichtlineare Spannungs-Dehnungsbeziehung, aus [43]

Die Materialkennwerte für die in dieser Arbeit verwendeten üblichen Baustähle sind
in Tabelle 1.1 zusammengestellt.
Tabelle 1.1 Materialwerte für Baustahl gemäß DIN 18800 [10]

Elastizitäts- Schub-
ν fy,k fy,d
Stahlgüte modul E modul G
[kN/cm2] [kN/cm2] [-] [kN/cm2] [kN/cm2]
S 235 24,0 21,82
21000 8100 0,3
S 355 36,0 32,73

Bei den Berechnungen gilt die Gestaltänderungshypothese nach von Mises. Das heißt,
es tritt ein Versagen des Bauteils auf, wenn die Gestaltänderungshypothese den
Grenzwert der Streckgrenze fyd überschreitet. Der Grenzwert der Vergleichsspannung
σv kann für jeden beliebigen Punkt wie folgt berechnet werden:

σ v = σ 2x + σ 2y + σ2z − σ x ⋅ σ y − σ x ⋅ σ z − σ y ⋅ σ z + 3 ⋅ τ xy + 3 ⋅ τ xz + 3 ⋅ τ yz (1.1)

Bei den untersuchten Anschlüssen werden Bleche verwendet, die als Scheiben und
Platten beansprucht werden. Daher können die Spannungen in Blechdickenrichtung
vernachlässigt werden. Aus diesem Grund reduziert Gl. (1.1) zu:

σ v = σ 2x + σ 2z − σ x ⋅ σz + 3 ⋅ τ xz (1.2)

Aus Gl. (1.2) ist erkennbar, dass die Normalspannungen σx und σz gekoppelt sind und
daher in Abhängigkeit zueinander stehen. Sind beide Spannungskomponenten positiv
bzw. negativ, dann beeinflussen sich die Spannungen bei der Vergleichsspannung
günstig und es können sich Normalspannungen ergeben, die größer sind als die
Streckgrenze. Ein negativer Effekt tritt ein, wenn die Spannungen verschiedene Vor-
zeichen haben, siehe [32]. Unabhängig von den Normalspannungen gehen die Schub-
spannungen τxz in Gl. (1.2) ein. Die Normalspannungen σx und σz sind nicht mit τxz
gekoppelt und können aus diesem Grund keinen traglaststeigernden Effekt hervor-
rufen. Die zulässige Grenzschubspannung
10 1 Einführung

f yd
τRd = (1.3)
3
kann in keinem Punkt überschritten werden. Die elastische Grenzgleitung γel und die
elastische Grenzdehnung εel sind die Verzerrungen, bei denen das linear elastische
Materialverhalten in das ideal plastische übergeht. Sie ergeben sich für einen Bau-
stahl S 235 wie folgt:
fy 24 1
ε el = = ≈ (1.4)
E 21000 875
fy 24 1
γ el = = ≈ (1.5)
3 ⋅G 3 ⋅ 8100 585

1.4.3 Betrachtungsweisen und Beanspruchungen in


Rechteckquerschnitten

In den folgenden Abschnitten werden die beiden Nachweisverfahren zur Beurteilung


der Querschnittstragfähigkeit vorgestellt. Für eine Nachweisführung ist es erforder-
lich, die Beanspruchungen zu kennen und diese den Beanspruchbarkeiten gegenüber-
zustellen. In der Regel werden an beliebigen Stellen Schnitte geführt und Schnitt-
größen als Beanspruchungen berechnet. In dieser Arbeit werden im Wesentlichen
Rechteckquerschnitte betrachtet, so dass sich die Schnittgrößen aus Normalkräften,
Querkräften sowie Biegemomenten und einem Torsionsmoment Mx zusammensetzen.
Da die betrachteten rechteckigen Querschnitte ausschließlich auf einachsige Biegung
mit Normalkraft belastet werden, reduzieren sich die Schnittgrößen auf die Normal-
kraft N, die Querkraft V und das Biegemoment M. Mit der Kenntnis dieser
Beanspruchungen kann der Querschnittstragfähigkeitsnachweis wie in Ab
schnitt 1.4.4 nach der Elastizitätstheorie und nach Abschnitt 1.4.5 nach der
Plastizitätstheorie geführt werden.

Eine zweite Betrachtungsweise für Beanspruchungen an virtuellen Schnitten ist die


Betrachtung mit einer Kraftresultierenden, die auf einer Wirkungslinie verschoben
werden kann. Normalkraft und Querkraft können als Kraftresultierende R zusammen-
gefasst werden und die Exzentrizität e beschreibt, welchen Abstand die resultierende
Kraft zum Schwerpunkt des Querschnitts in diesem Schnitt besitzt. Die Kraftresultie-
rende hat einen Neigungswinkel β zur senkrecht zum Schnitt verlaufenden System-
linie. In Bild 1.8 ist der Zusammenhang zwischen Schnittgrößen und der exzentrisch
angreifenden Kraftresultierenden an einem infinitesimalen Element dargestellt. Die
beiden Betrachtungsweisen sind gleichwertig.
1.4 Annahmen und Berechnungsgrundlagen 11

Bild 1.8 Definition von Schnittgrößen und einer exzentrischen Kraftresultierenden


als Beanspruchungen

1.4.4 Nachweis der Tragfähigkeit auf Grundlage der


Elastizitätstheorie

Die Grundlage zur Berechnung der Tragfähigkeit sowohl nach der Elastizitätstheorie
als auch nach der Plastizitätstheorie ist, dass die Gleichgewichtsbedingungen
zwischen Schnittgrößen und Spannungen im Querschnitt erfüllt sein müssen. Die
vorhandenen Spannungen in Querschnitten können durch gedanklich angreifende
Kräfte zusammengefasst werden. Das Gleichgewicht kann zum Beispiel mit Hilfe des
Prinzips der virtuellen Arbeit oder mit dem Kräftegleichgewicht aufgestellt wer-
den. In Bild 1.9 ist das Gleichgewicht für ein infinitesimales Element dA dargestellt.

Bild 1.9 Aufstellen des Gleichgewichts zwischen den Schnittgrößen und den
Spannungen, aus [32]
12 1 Einführung

Die Spannungen an beliebigen Schnitten können durch die in Bild 1.10 angegebenen
Integrationen zu Schnittgrößen zusammengefasst werden. In der vorliegenden
Betrachtung sind an einzelnen Schnitten die Beanspruchungen in Form von Schnitt-
größen berechnet. Bei umgekehrter Vorgehensweise können ebenso Spannungen aus
berechneten Schnittgrößen ermittelt werden.

Bild 1.10 Spannungen σx und τxz infolge N, My und Vz, aus [32]

Wie in Bild 1.10 dargestellt, ergeben sich Normalspannungen σx infolge von N und
My. Diese Normalspannungen lassen sich mit Gl. (1.6) getrennt berechnen und auf-
addieren. Aus Gl. (1.6) ist außerdem ersichtlich, dass die Größe der Spannungen in-
folge des Biegemomentes über die Höhe veränderlich ist und infolge der Normalkraft
im Querschnitt konstant ist.
N My
σx ( z ) = + ⋅z (1.6)
A Iy

Neben den Normalspannungen σx treten infolge der Querkraft Vz Schubspannungen


τxz auf, die sich wie folgt berechnen lassen:
Vz ⋅ Sy (z)
τx z ( z ) = − mit: Sy (z) = ∫ z ⋅ dA (1.7)
Iy ⋅ t A

Die maximale Schubspannung τxz ergibt sich für Rechteckquerschnitte im Schwer-


punkt und kann folgendermaßen berechnet werden:
Vz
max τ xz = 1,5 ⋅ (1.8)
A
1.4 Annahmen und Berechnungsgrundlagen 13

Bild 1.11 Elastische Grenzschnittgrößen und Spannungsverteilungen, aus [32]

Für einen Nachweis nach DIN 18800 ist entscheidend, dass die Vergleichsspannung
σv nach von Mises gemäß Gl. (1.2) kleiner ist als die Streckgrenze fyd.

Setzt man für einachsige Biegung mit Normalkraft die Vergleichsspannung σv gleich
der Streckgrenze fyd und fügt Gln. (1.6) und (1.7) in Gl. (1.2) ein, dann erhält man die
folgende Grenzbedingung im elastischen Zustand:
2 2
 N My   Vz ⋅ Sy (z) 
σv =  + ⋅ z  + 3⋅  −  ≤ f yd (1.9)
 A Iy   I ⋅ t 
   y 

Dabei werden die Querspannungen σz zunächst vernachlässigt. Um den Einfluss die-


ser Spannungen zu verdeutlichen, wird, wie in Bild 1.12 oben dargestellt, ein Recht-
eckblech untersucht, das durch reine Normalkraft maximal beansprucht wird. Auf der
linken Seite wird das Blech senkrecht zur Außenkante geschnitten und die Normal-
spannungen werden angetragen. Auf der rechten Seite wird ein Schnitt mit einem
Neigungswinkel von 30° geführt. Die Normal- und Schubspannungen werden in die
schräge Lage transformiert und die Vergleichsspannung ohne Berücksichtigung von
Querzugspannungen ermittelt. Bei dem Fall, dass der Nachweis auf der linken Seite
gerade noch erfüllt ist, ergibt sich jedoch auf der rechten Seite eine Überschreitung
der Vergleichsspannung.

In Bild 1.12 unten ist der Mohr`sche Spannungskreis dargestellt. Bei einer Drehung
von 30° ergeben sich die bereits berechneten Spannungen σx und τxz. Außerdem tre-
ten Querzugspannungen auf, die bei der Berechnung der Vergleichsspannung einen
positiven Einfluss haben, so dass die Vergleichsspannung gleich der Streckgrenze ist.
14 1 Einführung

Bild 1.12 Zugstabbetrachtung ohne und mit Berücksichtigung von


Querzugspannungen

1.4.5 Nachweis der Tragfähigkeit auf Grundlage der Plastizitäts-


theorie

Aufgrund des in Bild 1.7 dargestellten nichtlinearen Materialgesetzes können


plastische Reserven von Querschnitten ausgenutzt werden. In [32] wird die Trag-
fähigkeit auf Grundlage der Plastizitätstheorie ausführlich hergeleitet. Nachfolgend
wird die Berechnung der Tragfähigkeit auf Grundlage der Plastizitätstheorie
vorgestellt. Die plastischen Spannungsverteilungen und die plastischen
Grenzschnittgrößen sind in Bild 1.13 dargestellt.
1.4 Annahmen und Berechnungsgrundlagen 15

Bild 1.13 Plastische Grenzschnittgrößen und zugehörige Spannungsverteilungen,


aus [32]

Bei Biegebeanspruchung mit Normalkraft unter Berücksichtigung der Querkraft kann


mit Hilfe der in Tabelle 1.2 angegebenen N-M-V-Interaktion eine ausreichende Quer-
schnittstragfähigkeit nachgewiesen werden.

Tabelle 1.2 Überprüfung der plastischen Grenztragfähigkeit für N, M und V, nach [32]

Schritt Nachweis Rechenwerte

τ  V 
τ = 
1 ≤1 τR  Vpl 
τR
mit: Vpl = τR ⋅ h ⋅ t
2
 τ 
2 red fy = fy ⋅ 1 −  
 N 
2   + |M| ≤ 1  τR 
 Npl,τ  Mpl,τ
  1
Npl,τ = red fy ⋅ h ⋅ t und Mpl,τ = ⋅ red fy ⋅ t ⋅ h2
4

In Bild 1.14 ist die vorgestellte N-M-V-Interaktion grafisch dargestellt. Auf der lin-
ken Seite wird die nichtlineare Interaktion von Normalkraft und Biegemoment ge-
zeigt. Auf der rechten Seite ist der Einfluss der Querkraft auf die N-M-Interaktion ab-
gebildet. Es ist erkennbar, dass eine 60%-ige Tragfähigkeit der σ-Schnittgrößen bei
einer einwirkenden Querkraftbeanspruchung von 80% Vpl erhalten bleibt.
16 1 Einführung

Bild 1.14 N-M-V-Interaktion des Rechteckquerschnitts, aus [32]

Durch Ausnutzung von plastischen Reserven des Rechteckquerschnitts kann eine


deutliche Steigerung der Beanspruchungen erreicht werden. In Bild 1.15 werden die
elastische und plastische Grenztragfähigkeit infolge Normalkraft und Biegemoment
gegenübergestellt. Es ist erkennbar, dass die Steigerung der Beanspruchungen vom
Verhältnis der Schnittgrößen abhängig ist. Die maximale Laststeigerung beträgt
ca. 70% bei einem Verhältnis von N / Npl = 0,2. Bei einem Verhältnis von N / Npl = 1
ist offensichtlich, dass keine plastischen Reserven mehr ausgenutzt werden können
und daher keine Laststeigerungen möglich sind.

Bild 1.15 Plastische Reserven bei der N-M-Interaktion von Rechteckquerschnitten,


aus [32]
1.4 Annahmen und Berechnungsgrundlagen 17

Bei den folgenden Untersuchungen werden für die Beanspruchungen häufig bezoge-
ne Schnittgrößen verwendet, die sich auf die plastische Grenztragfähigkeit beziehen
und wie folgt berechnet werden:
n = N / Npl
v = V / Vpl (1.10)
m = M / Mpl
Die plastischen Grenzschnittgrößen werden nach Tabelle 1.2 und Bild 1.15 berech-
net.

1.4.6 Nachweis der Tragfähigkeit von Schweißnähten

Die Tragsicherheitsnachweise für Schweißnähte können nach DIN 18800-1 [10] oder
nach DIN EN 1993-1-8 [14] geführt werden. Die Beanspruchungen von Schweißnäh-
ten werden wie bei Querschnitten als Spannungen berechnet. Die Schnittgrößen bean-
spruchen die Schweißnahtverbindungen, so dass Spannungen in der Schweißnaht ent-
stehen. In Bild 1.16 sind die auftretenden Schweißnahtspannungen für eine Kehlnaht
abgebildet.

Bild 1.16 Schweißnahtspannungen in der Anschlussebene einer Kehlnaht, aus [40]

Nach DIN 18800 ist nachzuweisen, dass der Vergleichswert der Schweißnahtspan-
nung σw,v kleiner ist als die Grenzschweißnahtspannung, siehe Gl. (1.11).
σ w ,v
≤1 Mit: σ w ,v = σ ⊥2 + τ⊥2 + τ2 (1.11)
σ w ,Rd

Im Vergleich zu Abschnitt 1.4.4 ist es für den Tragsicherheitsnachweis nicht erfor-


derlich, die Vergleichsspannung nach von Mises, siehe Gl. (1.1), zu ermitteln. Die
Berechnung der einzelnen Spannungskomponenten in der Schweißnaht, siehe
Bild 1.16, erfolgt aufgrund des spröden Materialverhaltens im Schweißnahtbereich
nicht nach der Plastizitätstheorie gemäß Abschnitt 1.4.5. Im Kommentar zur
DIN 18800 [56] wird darauf hingewiesen, dass für die Verfahren Elastisch-Plastisch
und Plastisch-Plastisch Schweißnähte nur dann im Bereich von großen plastischen
18 1 Einführung

Verformungen verwendet werden dürfen, wenn in ihnen nur Schubspannungen τ


auftreten. Das heißt, dass im Bereich der Schweißnähte keine plastischen Reserven
infolge von Normalspannungen σx, bzw. Schweißnahtspannungen σ⊥ und τ⊥ ausge-
nutzt werden dürfen. Suppes geht in [83] noch einen Schritt weiter, dergestalt dass
plastische Reserven auch für die Schweißnahtspannungen gemäß Abschnitt 1.4.5 aus-
genutzt werden dürfen. Hier werden für die Nachweisführung der Schweißnähte die
in Bild 1.17 dargestellten Schweißnahtspannungen verwendet.

Bild 1.17 Schweißnahtspannungen bei rechteckigen Teilquerschnitten, aus [40]

1.4.7 Stabilitätsnachweise von Druckstäben mit veränderlichen


Querschnitten

Fachwerkstäbe, die mit Hilfe eines ausgeschnittenen Knotenblechs an die Gurte ange-
schlossen sind, oder einzelne Druckstäbe mit ausgeschnittenen Anschlussblechen
sind stabilitätsgefährdet. Es ist nahe liegend, sie als Druckstäbe mit veränderlichen
Querschnitten nachzuweisen. Hierzu werden in den Stahlbaugrundnormen DIN
18800-2 [10] und DIN EN 1993-1-1 [13] Vorgehensweisen zur Nachweisführung an-
gegeben. Nachfolgend wird die Vorgehensweise aus DIN 18800 vorgestellt. Diese ist
analog zu der in DIN EN 1993-1-1 [13], so dass sie weitgehend übernommen werden
kann.

Der Nachweis mit dem Ersatzstabverfahren kann für jeden verwendeten Querschnitt
wie folgt geführt werden:
N
≤1 (1.12)
κi ⋅ N pl,i,d
1.4 Annahmen und Berechnungsgrundlagen 19

Der Abminderungsfaktor κi ist abhängig von der bezogenen Schlankheit λ K,i und
dem jeweiligen Querschnitt. Nach Tabelle 5 aus DIN 18800 [10] können die Quer-
schnitte einer Knickspannungslinie zugeordnet werden. κi errechnet sich somit mit
den folgenden Gleichungen:
λ K ,i ≤ 0, 2 : κi = 1
1
λ K ,i > 0, 2 : κi =
k i + k i2 − λ K ,i
1 + α i ⋅ ( λ K ,i − 0, 2 ) + λ 2K ,i
ki = (1.13)
2
vereinfachend für
1
λ K ,i > 3,0 : κi =
λ K ,i ⋅ ( λ K ,i + α )

Der Faktor α kann gemäß Tabelle 4 aus DIN 18800 bestimmt werden. Auf der siche-
ren Seite kann für alle Querschnitte die Knickspannungslinie c mit α = 0,49 ange-
setzt werden. Die bezogene Schlankheit ist für jeden Querschnitt des Druckstabes
einzeln wie folgt zu berechnen:
N pl,i
λ K ,i = (1.14)
N Ki

Zur Berechnung der bezogenen Schlankheit ist die Kenntnis der Verzweigungslast
NKi des Systems erforderlich. Zusätzlich zu dem Nachweisverfahren nach Gl. (1.12)
für alle maßgebenden Querschnitte müssen folgende Bedingungen eingehalten wer-
den:
N Ki
ηK ,i = ≥ 1, 2 (1.15)
N
und
min M pl,i ≥ 0,05 ⋅ max M pl,i (1.16)
2 Berechnungsmethoden im rechnerischen
Grenzzustand der Tragfähigkeit

2.1 Vorbemerkungen

In diesem Kapitel werden die aktuellen Berechnungsmethoden für Stabanschlüsse mit


ausgeschnittenen Anschlussblechen vorgestellt. Es wird dabei zwischen dem Stand
der Technik und dem Stand der Forschung unterschieden. Der Grund für die Diffe-
renzierung liegt darin, dass in der Praxis zur Berechnung der Anschlüsse fast aus-
schließlich die in Abschnitt 2.2 vorgestellte ingenieurmäßige Betrachtung des Kno-
tens angewendet wird. Die weiteren Modelle in Abschnitt 2.3 stellen den Stand der
Forschung dar. Sie haben bislang keinen Eingang in die Normen gefunden und auch
in der Praxis werden diese Modelle nur in Ausnahmefällen angewendet.

2.2 Nachweismethoden nach dem Stand der Technik

2.2.1 Beanspruchungen unter ingenieurmäßiger Betrachtung

Als Nachweismethode nach dem Stand der Technik kann nach [40] ein einfaches
Ingenieurmodell angesehen werden. Bei diesem Modell wird das Knotenblech für
sich betrachtet. Die Beanspruchungen werden dabei in den Schweißnähten übertragen
und das Knotenblech muss für sich im Gleichgewicht stehen.

Bild 2.1 Kraftfluss im Fachwerkknoten bei ingenieurmäßiger Betrachtung


2.2 Nachweismethoden nach dem Stand der Technik 21

In Bild 2.1 ist beispielhaft ein Fachwerkknoten mit ausgeschnittenem Knotenblech


veranschaulicht. Die Diagonalen sind aus dem Knoten herausgetrennt und in den
Schweißnähten wird die zu übertragene Normalkraft an das Knotenblech dargestellt.
Da die Diagonale in der Regel an beiden Gurten an das Knotenblech geschweißt
wird, kann die Diagonalkraft aufgeteilt werden, so dass jede Anschlussnaht die Hälfte
zu übertragen hat. Weitere Schnittgrößen infolge Zwängungen werden in diesem
Schnitt nicht angenommen.

Im zweiten Schritt können die Schnittgrößen in den maßgebenden Schnitten berech-


net werden. Diese Schnitte liegen am Ende der Diagonalen bzw. des Ausschnitts und
verlaufen rechtwinklig zur Außenkante in horizontaler und vertikaler Richtung, siehe
Bild 2.2.

Bild 2.2 Anschlussbereich des Knotenblechs mit Kräftegleichgewicht

Ein weiterer Schnitt, der untersucht wird, ist der Anschluss des Knotenbleches an den
Fachwerkgurtstab. Die Beanspruchungen setzten sich zusammen aus der Differenz
der Normalkräfte im Knoten des Fachwerkstabes und dem Versatzmoment dieser
horizontalen Kraft. Die Exzentrizität e ist der Abstand der Systemlinie vom betrach-
teten Anschluss.

Im Anschluss an die Schnittgrößenberechnung in den betrachteten Schnitten kann die


Querschnittstragfähigkeit untersucht werden.
22 2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der Tragfähigkeit

2.2.2 Berechnung der Querschnittstragfähigkeit in den


maßgebenden Schnitten

Der Nachweis der Tragfähigkeit kann auf Grundlage der Elastizitätstheorie und auf
Grundlage der Plastizitätstheorie mit den in Abschnitt 2.2.1 ermittelten Beanspruch-
ungen erfolgen. Außerdem sind die Verbindungsschweißnähte für die angenomme-
nen Beanspruchungen nach Bild 2.1 nachzuweisen. Die Nachweise können mit den in
den Abschnitten 1.4.4 bis 1.4.6 vorgestellten Beziehungen geführt werden.

2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung

2.3.1 Vorbemerkungen

Der Stand der Forschung gelten die Berechnungsmethoden und Bemessungsverfah-


ren, die in der jüngeren Vergangenheit entwickelt worden sind und bislang noch nicht
den Eingang in die Praxis gefunden haben. Für die in dieser Arbeit betrachteten Fach-
werkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen sind als Stand der Forschung die
folgenden Verfahren in zeitlicher Reihenfolge zu nennen:
Tabelle 2.1 Übersicht über die Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung

Literatur-
Abschnitt Kraftfluss Nachweis
quelle

gemäß elastischer Plastischer Querschnitts-


Adam , Zhang 2.3.2 [2]
Stabwerksberechnung tragfähigkeitsnachweis

Schnitte und
festgelegter Kraftfluss im
Suppes, Lange, Schweißnähte unter
2.3.3 [83] und [55] Übergang Diagonale /
Friemann Ausnutzung von
Knotenblech
plastischen Reserven

festgelegter Kraftfluss in
Klinkenberg, Plastischer Querschnitts-
2.3.4 [44] Abhängigkeit des
Peter, Saal tragfähigkeitsnachweis
Versagensmechanismus

Nachweis der
Kindmann, reine Gleichgewichts-
2.3.5 [40] Vergleichsspannung nach
Stracke beziehungen
von Mises

2.3.2 Nachweisverfahren nach Adam / Zhang, [2]

In [2] schlagen Adam und Zhang eine Bemessungsmethode vor, um die Tragfähigkeit
von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen beurteilen zu können. Sie
haben erkannt, dass es eine Interaktion der beiden Anschlussseiten durch den Diago-
nalsteg gibt. Die im Folgenden als Zwängungsspannungen genannte Wirkung zwi-
2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung 23

schen den beiden Anschlussseiten wirkt sich günstig auf das Tragverhalten und auf
die Traglast aus. Um den Kraftfluss unter Berücksichtigung des Diagonalsteges erfas-
sen zu können, wird ein Stabwerksmodell für die Krafteinleitung der Diagonalkraft in
das Knotenblech vorgeschlagen. In Bild 2.3 ist der Anschlussbereich mit den erfor-
derlichen Parametern dargestellt. Es werden dafür folgende Annahmen getroffen:

• Die Normalkraft der Diagonalen wird zu gleichen Teilen auf beide Anschluss-
seiten verteilt.
• Die Anschlussseiten werden durch ein einzelnes Blech idealisiert. Eventuell
vorhandene größere Steifigkeiten durch die Gurte der Diagonalen werden
vernachlässigt.
• Die Spannungsberechnung erfolgt innerhalb der elastischen Grenze.
• Stabilitätsuntersuchungen können mit dem vorgestellten Modell nicht unter-
sucht werden.

Bild 2.3 Überführung des Anschlussbereichs in ein Stabwerksmodell und


Definition von Parametern, aus [2]

Der Anschlussbereich wird in ein statisches Ersatzsystem überführt, siehe Bild 2.4.
Die seitlichen Anschlusslaschen werden dabei als Biegebalken mit veränderlichem
Querschnitt abgebildet. Der Diagonalsteg wird in mehrere (n) Pendelstäbe unterteilt,
die als Verbindung zwischen diesen Laschen wirken. Die Diagonalenkraft wird je zur
Hälfte punktuell in der Mitte der Anschlussseiten eingeleitet. Die Beanspruchungen
werden wie folgt ermittelt:
24 2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der Tragfähigkeit

ZD α
Pk = ⋅ sin k
2 2
Z α
N k = D ⋅ cos k mit: k = 1, 2 (2.1)
2 2
Z ⋅L α
M k = D k ⋅ sin k
4 2

Bild 2.4 Statisches Ersatzsystem mit n-Pendelstäben, aus [2]

Die gesuchten Kraftgrößen sind die Normalkräfte in den Pendelstäben sowie die Bie-
gebeanspruchungen in den beiden Kragbalken. Zur Berechnung der Beanspruchun-
gen in den beiden Anschlussseiten schlagen Adam und Zhang ein Matrizenverfahren
vor, das auf dem Prinzip der virtuellen Kräfte basiert. Eine weitere Möglichkeit be-
steht darin, die Beanspruchungen mit einem Stabwerksprogramm zu lösen.

Die Verschiebungen der beiden eingespannten Biegebalken ergeben sich nach dem
Prinzip der virtuellen Kräfte wie folgt:
Ωi (x1 ) ⋅ Ωj (x1 ) Ωi (x 2 ) ⋅ Ωj (x 2 )
δij = ∫ ⋅∫ (2.2)
E ⋅ I1 E ⋅ I2

Mit:
Ωi (x k ) = 0 0 ≤ x k ≤ x k,i
(2.3)
Ωi (x k ) = x k − x k,i x k,i ≤ x k ≤ L k

Da das weitere Vorgehen in [2] ausführlich erläutert wird und da die Matrizenrech-
nungen gegenüber der Lösung mit einem Stabwerksprogramm wesentlich aufwändi-
ger sind, wird im Rahmen dieser Arbeit auf eine weitere Darstellung der Matrizenme-
thode verzichtet.
2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung 25

Zur Vereinfachung werden in [2] tabellarisch die bezogenen Spannungen


σd , σ1 und σ2 in Abhängigkeit von dem Geometrieparameter Θ angegeben. Diese
werden hier als Diagramme in Bild 2.5 aufgetragen, so dass sie in Abhängigkeit der
Diagonalenneigung α abgelesen werden können. Mit den ebenfalls in Bild 2.5 ange-
gebenen Formeln können die maximalen Spannungen σ1,max und σ2,max in den An-
schlussseiten des Knotenblechs und σd,max in der Diagonalen berechnet werden. Der
Hilfswert Θ kann wie folgt bestimmt werden:
tb ⋅ hD
Θ= (2.4)
ts ⋅ Lw

Diese müssen kleiner sein als die Streckgrenze fy,d, um die Tragfähigkeit des An-
schlusses nachzuweisen.

Bild 2.5 Zur Berechnung der maximalen Spannungen im Anschlussbereich von


Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblech

Im Anschluss an den Nachweis des Anschlussbereiches können mit den Gleich-


gewichtsbeziehungen nach Bild 2.4b die Beanspruchungen und mit Bild 2.4c die
Spannungen im vertikalen Schnitt B berechnet werden. Für den Tragsicherheitsnach-
weis muss die daraus resultierende Vergleichsspannung ebenfalls kleiner sein als die
Streckgrenze.
26 2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der Tragfähigkeit

2.3.3 Nachweisverfahren nach Suppes, [83] und [55]

2.3.3.1 Vorbemerkungen
In [83] werden von Suppes experimentelle Untersuchungen zur Traglast von Fach-
werkknoten mit Knotenblechen durchgeführt. Die Ergebnisse werden mit Berechnun-
gen nach der FE Methode gestützt und das Tragverhalten des Fachwerkknotens unter-
sucht. Als Ergebnis wird ein Bemessungsverfahren in [83] und [55] vorgestellt, in
dem fest vorgegebene Beanspruchungen das Knotenblech, die Diagonalen und den
Gurtstab beanspruchen. An den herausgestellten Schnitten werden die Schnittgrößen
mit Hilfe von Gleichgewichtsbeziehungen berechnet und auf Grundlage der Plastizi-
tätstheorie der Querschnittstragfähigkeitsnachweis geführt. Die Schnittführungen
werden wie in [83] mit römischen Zahlen gekennzeichnet, um eine Verwechselung
mit denen in den Kapiteln 6 und 8 zu vermeiden.

2.3.3.2 Querschnittstragfähigkeitsnachweise und Nachweise im


Knotenblech

Als Grundlage des Bemessungsmodells dient die Annahme, dass die Diagonalen aus
dem Fachwerkknoten herausgelöst werden und dass zwischen Diagonalen und Kno-
tenblech eine vorgegebene Schnittgrößenkombination aus Querkraft und Biege-
moment auftritt.

Bild 2.6 Annahme der Beanspruchungen im Übergang von der Diagonalen zum
Knotenblech (Schnitt I), nach [55]

Bild 2.6 zeigt beispielhaft einen Anschluss einer Fachwerkdiagonalen, bei dem die
angesetzten Schnittgrößen an die Verbindungsnähte (Schnitt I) angetragen werden. Es
handelt sich um eine Querkraft und ein Biegemoment. Die Kräfte, die jede An-
schlussseite aufzunehmen hat, verlaufen gemäß der Annahme in Bild 2.6 parallel zur
Systemlinie. Das Biegemoment kann als Versatz dieser Anschlusskraft interpretiert
werden. Die dargestellte Zugkraft wird symmetrisch auf beide Anschlussseiten
2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung 27

verteilt. Durch die Festlegung der Beanspruchung in Schnitt I können mit Hilfe von
Gleichgewichtsbeziehungen die Schnittgrößen in weiteren Schnitten ermittelt werden,
um anschließend die Querschnittstragfähigkeit zu untersuchen. Diese Schnitte werden
in Bild 2.7 definiert.

Bild 2.7 Symmetrischer Knoten eines Strebenfachwerks mit maßgebenden


Schnitten nach [55]

Die beschriebene Vorgehensweise wird neben den symmetrischen Knoten von


Strebenfachwerken auch für Pfostenfachwerke vorgeschlagen. Ein Fachwerkknoten
und die zugehörigen maßgebenden Schnitte sind in [55] beispielhaft dargestellt. Die
Vorgehensweise ändert sich gegenüber dem Strebenfachwerk nur geringfügig. Der
horizontale Schnitt VII im oberen Bereich des Knotenblechs wird durch den Schnitt
VI ersetzt, der horizontal durch Pfosten und Knotenblech verläuft.

In Tabelle 2.2 sind die Berechnungsformeln für die einwirkenden Beanspruchungen


zusammengestellt. Der Nachweis der Querschnittstragfähigkeit kann nach Gl. (2.6)
erfolgen, wenn die Bedingung in Gl. (2.5) eingehalten wird, siehe auch 1.4.5.
V
≤1 (2.5)
Vpl

M N2
+ ≤1
V2  V 2 
(2.6)
M pl ⋅ 1 − 2 N 2pl ⋅ 1 − 2 
Vpl  Vpl 
 
28 2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der Tragfähigkeit

Tabelle 2.2 Schnittführungen mit zugehörigem Kräftegleichgewicht nach Suppes [83]

Detailskizze Beanspruchungen und Beanspruch-


barkeiten in den untersuchten Schnitten
Schnitt I: Beanspruchungen:

VI,d = Zd / 2 = 0,9 ⋅ Vpl,I,d


MI,d = 0,19 ⋅ Vpl,I,d ⋅ L w

Beanspruchbarkeiten:
fy,d
Vpl,I,d = L w ⋅ t ⋅
3
L2w ⋅ t ⋅ fy,d
Mpl,I,d =
4

Schnitt II: Beanspruchungen:

NII,d = VI,d ⋅ cos α = 0,9 ⋅ Vpl,I,d ⋅ cos α


VII,d = VI,d ⋅ sin α = 0,9 ⋅ Vpl,I,d ⋅ sin α
L w ⋅cosα+u ⋅ sinα
MII,d = VI,d ⋅ sinα ⋅ − MI,d
2

Beanspruchbarkeiten:

Npl,II,d = (L w ⋅ cos α + u ⋅ sin α ) ⋅ t ⋅ fy,d


fy,d
Vpl,II,d = (L w ⋅ cos α + u ⋅ sin α ) ⋅ t ⋅
3

Mpl,II,d =
(L w ⋅ cos α + u ⋅ sin α ) 2
⋅ t ⋅ fy,d
4

Schnitt III: Beanspruchungen:


NIII,d = 0

VII,d = 0
MIII,d = MI,d =0,19 ⋅ Vpl,I,d ⋅ L w

Beanspruchbarkeiten:

LIII2
Mpl,III,d = ⋅ t s,Diagonale ⋅ fy,d
4
mit :
LIII = L w + 2,5 ⋅ (t g,Diagonale + r)
2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung 29

Tabelle 2.2 Fortsetzung

Schnitt IV: Beanspruchungen:


Zd
NIV,d = VI,d ⋅ cos α + NG,d = ⋅ cosα + NG,d
2
Zd
VIV,d = VI,d ⋅ sinα = ⋅ sinα
2
MIV,d =MI,d -VI,d ⋅ cosα ⋅ x so +NG,d ⋅ ∆x s

Beanspruchbarkeiten:
( )
Npl,IV,d = m ⋅ t + A G,ges ⋅ t ⋅ fy,d

( )
fy,d
Vpl,IV,d = m ⋅ t + A G,Steg ⋅ t ⋅
3
IG
Mpl,IV,d = 1,14 ⋅ ⋅ 2 ⋅ fy,d
hG
Mit:
m ⋅ t ⋅ (HG + m) H
∆x s = und x so = G + m − ∆x s
2 ⋅ (A G + m ⋅ t) 2
Schnitt V: Beanspruchungen:
Z
NV,d = - d ⋅ cosα + NG,d
2
VV,d = VI,d ⋅ sinα
MV,d = MI,d -VI,d ⋅ cosα ⋅ x so +NG,d ⋅ ∆x s

Beanspruchbarkeiten:
Npl,V,d =Npl,IV,d
Vpl,V,d = Vpl,IV,d
Mpl,V,d =Mpl,IV,d

Schnitt VI: (bei Pfostenfachwerken) Beanspruchungen:


Z
NVI,d = d ⋅ sinα
2
Z
VVI,d = VI,d ⋅ cosα = d ⋅ cos α
2
MVI,d = MI,d -VI,d ⋅ sinα ⋅ x so +Zd ⋅ sin α ⋅ ∆x s

Beanspruchbarkeiten:
( )
Npl,VI,d = n ⋅ t + AP,ges ⋅ t ⋅ fy,d

( )
fy,d
Vpl,VI,d = n ⋅ t + A P,Steg ⋅ t ⋅
3
IP
Mpl,VI,d = 1,14 ⋅ ⋅ 2 ⋅ fy,d
hP
30 2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der Tragfähigkeit

Tabelle 2.2 Fortsetzung

Schnitt VII: (bei Strebenfachwerken) Beanspruchungen:


NVII,d = 0
VVII,d = 2 ⋅ VI,d ⋅ cosα =Zd ⋅ cos α
MVII,d = 2 ⋅ MI,d -VI,d ⋅ sinα ⋅ L VII

Beanspruchbarkeiten:
fy,d
Vpl,VII,d = L VII ⋅ t ⋅
3
L2VII
Mpl,VII,d = ⋅ t ⋅ fy,d
4

2.3.3.3 Nachweise der Verbindungsschweißnähte


Neben den Nachweisen des Knotenblechs und des Gurtquerschnitts mit aufgesetztem
Knotenblech in den vorgeschlagenen Schnitten schlägt Suppes in [83] und [55] auch
Beanspruchungen und Beanspruchbarkeiten für den Nachweis der Schweißverbin-
dungen vor. Es handelt sich dabei um die Nachweise für die Schweißnaht zwischen
Knotenblech und Gurtprofil sowie für die Schweißnähte zwischen Diagonalen und
Knotenblech. In der Regel werden diese Schweißverbindungen als Doppelkehlnähte
ausgeführt. Es sei darauf hingewiesen, dass abweichend von Abschnitt 1.4.6 ein
plastisches Tragverhalten für die Schweißnähte vorausgesetzt wird.

Schweißnaht zwischen Knotenblech und Diagonale


Die vorhandenen Beanspruchungen entsprechen der Annahme im Schnitt I, siehe
Bild 2.6:
VI,d = ZD / 2 = 0,9 ⋅ Vpl,I,d
(2.7)
M I,d = 0,19 ⋅ Vpl,I,d ⋅ L w
Die Querschnittswerte der Schweißnähte ergeben sich wie folgt:
A w,D =L w ⋅ ∑ a
L2w (2.8)
Ww,D = ⋅∑a
4

Schweißnaht zwischen Knotenblech und Gurtstab


Die Beanspruchungen in der Schweißnaht setzen sich nach Gl. (2.9) zusammen aus
den horizontalen Anteilen der Diagonalenkräfte und dem zugehörigen Versatzmo-
ment von der Systemlinie bis zur Gurtoberseite.
Vd = ( ZD +D D ) ⋅ cosα
hG (2.9)
M d =Vd ⋅
2
2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung 31

Die Querschnittswerte der Schweißnähte ergeben sich nach Gl.(2.11) und der Nach-
weis des Vergleichswertes der Schweißnahtspannung erfolgt gemäß Abschnitt 1.4.6.
A w,G =L w ⋅ ∑ a
L2w (2.10)
Ww,G = ⋅∑a
4

2.3.4 Nachweisverfahren nach Klinkenberg, Peter und Saal, [76]

In [76] schlagen Klinkenberg, Peter und Saal ein Berechnungsmodell für ge-
schweißte Anschlüsse in ausgeschnittenen Knotenblechen vor. Bei der Entwicklung
dieses Modells werden verschiedene Finite Elemente Berechnungen durchgeführt und
die Ergebnisse mit den Versuchsergebnissen aus [83] verglichen.

Das Berechnungsmodell geht von folgenden drei Versagensmechanismen im An-


schlussbereich von ausgeschnittenen Knotenblechen aus:
• Fließen des Blechs zum parallelen Rand
• Fließen des Blechs zum schrägen Rand
• Schubversagen im Blech entlang der Schweißnaht

In Bild 2.8 ist beispielhaft ein Zuganschluss dargestellt. Für jede Versagensart wird
ein statisches Ersatzmodell entwickelt und eine maximale Traglast auf dieser Grund-
lage vorgestellt. Die statischen Modelle bestehen jeweils aus einem Pendelstab. Auf-
grund der Neigung dieses Ersatzstabes ergibt sich auch eine horizontale Kraftkompo-
nente, die durch den Zugstabsteg mit der gegenüberliegenden Anschlussseite kurzge-
schlossen werden kann.

Mit Hilfe der statischen Ersatzmodelle und der plastischen Querschnittstragfähigkeit


ergeben sich für die drei beschriebenen Versagensmechanismen folgende Grenzzug-
kräfte:
2 ⋅ fy ⋅ tb ⋅ b
Z1,Rd =
27 ⋅ b 2 (2.11)
1+
25 ⋅ L2w
Z2,Rd =k T ⋅ L w ⋅ t b ⋅ f yd

Mit: kT =
(
2 ⋅ k α ⋅ 5 − 3 ⋅ k γ ⋅ sin γ )
( 5 ⋅ cos γ )2 + 3 ⋅ ( 3 ⋅ k γ − 5 ⋅ sin γ )
2 (2.12)

u
k γ = sin γ + ⋅ cos γ
Lw
Z3,Rd =1,04 ⋅ L w ⋅ t b ⋅ f yd (2.13)
32 2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der Tragfähigkeit

Die minimale Traglast aus den Gln. (2.11) bis (2.13) ist gleichzeitig die Traglast des
Anschlusses. Weitere Untersuchungen im Knotenblech bzw. im übrigen Fachwerk-
knoten werden nicht vorgestellt.

Bild 2.8 Statische Modelle der drei Versagenszustände nach [76]

2.3.5 Nachweisverfahren nach Hertle, [27]

Die aktuellste Bemessungsmethode wurde 2004 von Hertle in [27] vorgestellt. Sie ist
für den Nachweis von Knotenblechen in Pfostenfachwerken entwickelt worden. Das
Knotenblech wird vom Gurt und Pfosten gelöst. Über die Steifigkeiten der Profile
werden die Beanspruchungen an den Schnittkanten berechnet. In einem weiteren
Schritt werden Schnitte durch das Knotenblech geführt und die Schnittgrößen über
2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung 33

das Kräftegleichgewicht bestimmt, mit denen der Nachweis der Querschnittstrag-


fähigkeit erfolgen kann.

Das Knotenblech wird an den Anschlussnähten mit dem Gurtstab bzw. dem Pfosten
von der Konstruktion getrennt. Der horizontale Schnitt zum Gurtstab wird als
Schnitt 1 definiert und der vertikale als Schnitt 2, siehe Bild 2.9. An den beiden Ver-
bindungsstellen werden die folgenden Normalkräfte, Querkräfte und Biegemomente
als resultierende Schnittgrößen angesetzt:
3 b2
N1,KB = ZD ⋅ sin α ⋅ e D,1 ⋅ ⋅
2 L IG (2.14)
b
3
+ h 3b ⋅
IP

3 h2
N 2,KB = − ZD ⋅ sin α ⋅ e D,1 ⋅ ⋅
2 L3 ⋅ IG + h 3 (2.15)
b b
IP

1
M1,KB = ⋅ N1,KB ⋅ b (2.16)
6
1
M 2,KB = ⋅ N 2,KB ⋅h b (2.17)
6
V1,KB = − Z D ⋅ cos α + H 2,KB (2.18)

V2,KB = − ZD ⋅ sin α + V1,KB (2.19)

In Bild 2.9b werden beliebige Schnitte durch den Eckpunkt A und mit dem Winkel ϕ
geführt. Mit der Kenntnis der Schnittgrößen an den Schweißnähten (Bild 2.9) können
die Beanspruchungen zunächst für nicht ausgeschnittene Knotenbleche in diesen
Schnitten in Abhängigkeit des Winkels ϕ berechnet werden. Auf die Herleitung der
Beziehungen wird im Rahmen dieser Arbeit auf [27] verwiesen.

Für ausgeschnittene Knotenbleche ist der Teil des Knotenblechs, der durch den
Schnitt 3 mit dem Winkel β vom Knotenblech abgetrennt wird, erneut zu unterteilen,
siehe Bild 2.10. Aufgrund des Ausschnitts ergeben sich zwei Anschlussseiten. In
Bild 2.10 sind die Schnittgrößen der Teilschnitte dargestellt, die sich auf die
Eckpunkte a und b beziehen.
34 2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der Tragfähigkeit

Bild 2.9 Knoten eines Pfostenfachwerks mit Maßen und herausgeschnittenes


Knotenblech mit Schnittgrößen nach [27]

In Abhängigkeit der Geometrie von ausgeschnittenen Knotenblechanschlüssen


können mit Hilfe der Diagramme in [27] die Hilfsparameter ηi und Faktoren xi zur
Auswertung der Bezuglängen im Schnitt 3 abgelesen werden. Die Eingangsparameter
sind die Diagonalenneigung α und der Faktor ε . Dabei ist ε wie folgt definiert:
Lw
ε= (2.20)

Mit den abgelesenen Werten können Beanspruchungen ermittelt werden.


Anschließend können beliebige Schnitte durch das Anschlussblech geführt werden
und die Tragfähigkeit dieser Schnitte untersucht werden. Auf die komplette
Nachweisführung wird im Rahmen dieser Arbeit verzichtet und auf [27] verwiesen.
2.3 Nachweismethoden nach dem Stand der Forschung 35

Bild 2.10 Schnitt rechtwinklig zur Kraftrichtung mit Beanspruchungen aus [27]

2.3.6 Berechnungsmethode nach Kindmann / Stracke, [40]

Kindmann / Stracke stellen in [40] Fachwerke mit Knotenblechen vor und erläutern
neben konstruktiven Details auch Erkenntnisse zum Tragverhalten. Ausgehend von
einem typischen Knoten mit Knotenblech ohne Ausschnitte werden horizontale und
vertikale Schnitte geführt und die Vergleichsspannungen in den Kreuzungspunkten
der Hilfsschnitte berechnet. In Bild 2.11 wird der typische K-Knoten in der Schweiß-
naht vom Knotenblech zum Gurtstab getrennt und es werden die einwirkenden
Schnittgrößen angetragen. Diese entsprechen der Ingenieurmodellannahme in Bild
2.1.

Bild 2.11 Beanspruchungen zwischen Knotenblech und Gurtstab, aus [40]


36 2 Berechnungsmethoden im rechnerischen Grenzzustand der Tragfähigkeit

Bei der Schubspannungsverteilung wird ein gleichmäßiger Verlauf angenommen, der


einem plastischen Schubspannungsverlauf entspricht. Die Normalspannungen werden
auf Grundlage der Elastizitätstheorie gemäß Abschnitt 1.4.4 angenommen.
Die vertikalen Schnitte können anschließend an beliebiger Stelle geführt werden. Die
Schnittgrößen in dem vertikalen Schnitt können über das Kräftegleichgewicht be-
stimmt und die Spannungen in horizontaler Richtung berechnet werden. Die zwei-
axiale Spannungsbeanspruchung führt nach dem von Mises-Kriterium zu einer Ver-
gleichsspannung, siehe Gl. (1.2).

Bild 2.12 Schnittgrößen in der Mitte des Knotenblechs, aus [40]


3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

3.1 Vorbemerkungen

In diesem Kapitel werden die untersuchten Anschlusstypen vorgestellt und die für die
Berechnung mit der Finiten Elemente Methode notwendigen Annahmen und
Grundlagen erläutert. Bei den Anschlüssen handelt es sich um:
• Einen Stabanschluss mit ausgeschnittenem Anschlussblech an einen senkrecht
dazu verlaufenden Träger
• Einen Fachwerkknoten mit ausgeschnittenem Knotenblech

Die verwendeten Stabquerschnitte sind gewalzte I-Profile, vorrangig aus den


Profilreihen HEA, HEB und HEM, d.h. Querschnitte der Querschnittsklasse 1 gemäß
DIN EN 1993-1-1 [13]. Ziel der Untersuchungen ist es, Erkenntnisse über das Trag-
verhalten und die Versagensmechanismen mit Hilfe der FEM-Berechnung zu
gewinnen, die für eine Modellentwicklung genutzt werden können. Die
Berechnungen werden physikalisch und geometrisch nichtlinear durchgeführt. Das
bedeutet, dass das in Abschnitt 1.4.2 vorgestellte linear-elastische, ideal-plastische
Materialgesetz verwendet wird und dass bei den Berechnungen große Verformungen
und insbesondere große Verzerrungen berücksichtigt werden.

Für die Berechnung werden die Einzelbleche der Detailpunkte mit


zweidimensionalen Schalenelementen abgebildet. Das räumliche Schalenmodell wird
mit vierknotigen Schalenelementen (SHELL181) oder mit achtknotigen
Schalenelementen (SHELL281) diskretisiert. Die Lagrangeschen Formfunktionen der
Scheibe bei den beiden verwendeten Elemente sind in Tabelle 3.1 zusammengestellt.
Tabelle 3.1 Interpolationspolynome der verwendeten Schalenelemente, nach [38]
38 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

Die Ansatzfunktionen zur Berechnung der Knotenverschiebungen beziehen sich auf


das lokale Koordinatensystem des einzelnen Elementes mit den lokalen Achsen η
und ζ. Die Grenzen der Elemente betragen jeweils −1 ≤ η ≤ 1 und −1 ≤ ζ ≤ 1 . Die
Beschreibung der Verschiebungen u(η, ζ ) je Knoten an den Knoten des Elementes
mit n-Knoten ergeben sich daher wie folgt:
 u(η, ζ )  n  ui  n  a1,i b1,i  ϕx,i 
r⋅t    
u(η, ζ ) = v(η, ζ ) = ∑ fi ( η, ζ ) ⋅  vi  + ∑ fi ( η, ζ ) ⋅ i
 
a 2,i b 2,i  ⋅   (3.1)
    2
 w(η, ζ )  i =1  w i 
i =1 
 a 3,i b3,i   ϕ y,i 
 

Mit:
ui, vi, wi Verschiebungen der Knoten i
r Koordinate in Dickenrichtung
ti Elementdicke im Knoten i
 a1 
a = a 2  Einheitsvektor in Richtung der lokalen η-Achse
 a 3 
(3.2)
 b1 
b =  b2  Einheitsvektor in der Plattenebene senkrecht auf a
 b3 
ϕx,i Verdrehung im Knoten i um den Einheitsvektor a

ϕx,i Verdrehung im Knoten i um den Einheitsvektor b

Da bei den in dieser Arbeit behandelten Detailpunkten fast ausschließlich eine


Scheibenwirkung der Elemente vorliegt, ergeben sich als Elementfreiheitsgrade
lediglich die lokalen Verschiebungen u und v in der Elementebene. Die übrigen
lokalen Verformungsgrößen sind der Plattenwirkung zuzuordnen.

3.2 Verwendete Elemente und Hinweise zu den FEM-


Berechnungen

3.2.1 Schalenelement SHELL181

Zur Erfassung des Spannungszustandes in den Knoten werden die einzelnen Bleche
bei der Analyse mit der FEM mit Hilfe des Programmsystems ANSYS [18] durch
Schalenelemente, d.h. Scheiben-Platten-Elemente, diskretisiert. Ein bei den
Berechnungen verwendetes Element ist das vierknotige Element "SHELL181". Es
besitzt an jedem Knoten sechs Freiheitsgrade. Die Freiheitsgrade setzten sich
zusammen aus drei Verschiebungen und drei Verdrehungen. In Bild 3.1 ist das
verwendete Element mit den vier Eckknoten abgebildet.
3.2 Verwendete Elemente und Hinweise zu den FEM-Berechnungen 39

Bild 3.1 Vierknotiges Schalenelement mit linearen Lagrangeschen


Interpolationspolynomen, aus [38]

Als Ergebnisse der FEM-Berechnung werden die Verschiebungen und Spannungen in


Blechmitte aufgrund der überwiegenden Scheibenbeanspruchungen für weitere
Analysen verwendet werden. Gemäß den Empfehlungen in [47] wird zur Vermeidung
von Schub-Locking Effekten bei der Modellierung versucht auf eine möglichst
quadratische Diskretisierung zu achten und es wird vorrangig die reduzierte
Integration verwendet.

Das Element bietet die Möglichkeit, ein nichtlineares Werkstoffverhalten zu imple-


mentieren. Bei den Untersuchungen wird das isotrope Werkstoffverhalten als linear-
elastisch und ideal-plastisch angenommen, siehe Bild 1.7, siehe Abschnitt 1.4.2.

3.2.2 Schalenelement SHELL281

Neben dem vierknotigen Element werden in der vorliegenden Arbeit auch Elemente
mit acht Elementknoten verwendet. Das Element wird in ANSYS als "SHELL281"
bezeichnet. Es besitzt neben den vier Eckknoten auch jeweils einen Knoten in der
Mitte der Elementränder. Bei diesem Element handelt es sich ebenfalls um ein
Scheiben-Platten-Element, bei dem das linear-elastisch und ideal-plastischen
Materialgesetz verwendet wird.

3.2.3 Balkenelement BEAM188

Zur Modellierung von ganzen Tragsystemen, z.B. von ganzen Fachwerken, werden
neben den oben genannten Schalenelementen auch Balkenelemente verwendet. Diese
zeigen sich bei der Berechnung als vorteilhaft, da die Anzahl der Freiheitsgrade
gegenüber einer vollständigen Modellierung mit Schalenelementen sinnvoll reduziert
wird und der Berechnungsaufwand begrenzt werden kann. Die Balkenelemente be-
sitzen jeweils zwei Knoten mit den zuvor bei den Schalenelementen erwähnten sechs
Freiheitsgraden.
40 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

3.2.4 Nichtlineares Berechnungsverfahren in ANSYS [18]

Die Bereiche von Stabanschlüssen und von Fachwerkknoten mit Knotenblechen


weisen ein physikalisch und geometrisch nichtlineares Tragverhalten auf. Zur
Ermittlung des Gleichgewichtszustandes ist daher ein inkrementelles Berechnungs-
verfahren erforderlich. In dem verwendeten FEM-Programm ANSYS [18] wird daher
das Newton-Raphson-Verfahren angewendet, bei dem die Last in inkrementellen
Teilschritten aufgebracht wird. Für jeden Lastschritt wird in Abhängigkeit des
momentanen Beanspruchungszustands die Steifigkeitsmatrix des Systems bestimmt
und der Gleichgewichtszustand berechnet. Dabei ist es erforderlich ein Gleichgewicht
der äußeren aufgebrachten Kräfte und der inneren Kräfte des Systems zu ermitteln, so
dass die Differenz zwischen der inneren und äußeren Arbeit vernachlässigbar klein
wird. Aus dem Gleichgewichtszustand ergibt sich dann der Verformungszuwachs ∆u.
Diese Vorgehensweise kann solange durchgeführt werden, bis kein
Gleichgewichtszustand mehr ermittelt werden kann. In der Nachlaufrechnung können
anhand der tangentialen Steifigkeitsmatrix und des ermittelten Verformungszustandes
die Spannungen bei den Flächenelementen oder die Schnittgrößen bei den
Balkenelementen berechnet werden.

Bild 3.2 Reines Newton-Raphson-Verfahren

3.3 Modellierung der Anschlüsse

Wie eingangs erwähnt, werden im Rahmen dieser Arbeit zwei Anschlusstypen unter-
sucht. Es handelt sich dabei um einen einfachen Stabanschluss und einen symmetri-
schen Fachwerkknoten. Das Knotenblech selber wird ebenfalls mit Doppelkehlnähten
auf den Obergurt des Gurtstabes befestigt. In den Bildern 3.2 und 3.4 sind beispiel-
haft je ein Zugstabanschluss und ein Fachwerkknoten dargestellt.
3.3 Modellierung der Anschlüsse 41

Bild 3.3 Untersuchtes System eines Zugstabanschlusses mit ausgeschnittenem


Anschlussblech

Bei den Zugstabanschlüssen werden zwei Anschlussformen untersucht, die in Bild


3.4 prinzipiell vorgestellt werden. Die Belastungen in den Stäben bestehen aus reinen
Normalkräften oder einer Biegebeanspruchung. Zur Untersuchung des Kraftflusses in
den Anschlüssen werden die Berechnungen ohne Berücksichtigung von Stabilitäts-
einflüssen durchgeführt. Das bedeutet, dass mit den Berechnungen eine maximale
Traglast des Zuganschlusspunktes ermittelt wird.
42 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

Bild 3.4 Untersuchte Formen des ausgeschnittenen Anschlussblechs

Bei der Verwendung von den in Abschnitt 3.2.1 und 3.2.2 beschriebenen Schalenele-
menten werden die einzelnen Bleche auf ihre Mittellinie reduziert. Aufgrund der
überwiegenden Scheibenbeanspruchung ist es zweckmäßig, das Mittellinienmodell
mit Überlappung bei der Modellierung zu verwenden und einen konstanten Span-
nungsverlauf in Blechdickenrichtung anzunehmen.

Bei der Modellierung der Systeme wird der gesamte Zugstabanschluss, Bild 3.3 und
Bild 3.4, bzw. der gesamte Fachwerkknoten, Bild 3.5, als dreidimensionale Struktur
aus Schalenelementen abgebildet. Die Stege der Walzprofile werden zum Schnitt-
punkt mit den Gurten geführt. In gleicher Weise wird der Übergang vom Anschluss
bzw. vom Knotenblech zur Diagonalen oder dem Pfosten modelliert. Im Bereich des
Anschlusses wird das Anschlussblech bis zum Schnittpunkt mit dem Gurtblech ge-
führt. Aus diesem Grund ist die Überbrückung vom Anschlussblech zum Walzprofil
gewährleistet, ohne dass Abweichungen der Ausschnittsmaße oder des Walzprofils
auftreten. Die verbindenden Schweißnähte werden in der Finite Elemente Berech-
nung nicht berücksichtigt, siehe Bild 3.6. Nachdem die einzelnen Bleche als
"AREAS" modelliert sind, können sie mit dem Befehl "AGLUE" miteinander schub-
fest verbunden werden.

Die Detailpunkte werden durch eine manuell adaptive Diskretisierung abgebildet. Die
Elementlängen betragen im Knotenblechbereich 0,8 cm, im Gurtstab und in den
Diagonalen 5 cm und im Übergangsbereich vom Knotenblech zur Diagonalen 0,2 cm.
Die Wahl der relativ kleinen Elementlänge im Übergangsbereich ist mit der
Konvergenz, die in Abschnitt 3.6 näher untersucht wird, und mit der Auswertung an
definierten Schnitten gemäß Abschnitt 3.5 begründet.
3.3 Modellierung der Anschlüsse 43

Bild 3.5 Räumliche Darstellung des untersuchten Fachwerkknotens mit


ausgeschnittenem Knotenblech

Die Lagerung der beiden untersuchten Systeme für den Zugstabanschluss ist in Bild
3.3 und für den Fachwerkknoten in Bild 3.5 dargestellt. Beim Zugstabanschluss wer-
den die Enden und die Mitte des Gurtstabprofils in der Ebene des Anschlussblechs in
vertikaler Richtung gehalten. Diese Punkte werden auch aus der Ebene in horizonta-
ler Richtung verschiebungsverhindert. In Gurtlängsrichtung wird die Mitte des Unter-
gurtes gelagert. Die Belastung besteht lediglich aus einer Normalkraft am Kopf des
Zugstabes.

Bei den Fachwerkknoten wird das rechte Gurtstabende in horizontaler und in vertika-
ler Richtung unverschieblich gehalten. Das linke Ende wird in und aus der Ebene und
ebenfalls in vertikaler Richtung gelagert. Die Enden der Diagonalen werden aus-
schließlich aus der Ebene gehalten. Die Enden der Diagonalstäbe können sich frei
verformen und es treten keine Zwängungen auf. Das Eigengewicht bleibt bei der
Berechnung unberücksichtigt. Stabilitätsuntersuchungen von Fachwerkknoten werden
in diesem Abschnitt mit den durchgeführten Berechnungen nicht ausgeführt.

Als Kontrolle der Berechnungsergebnisse können unter anderem die Gleichgewichts-


bedingungen ∑ H = 0 und ∑ V = 0 herangezogen werden.
44 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

Bild 3.6 Modellierung des Diagonalenanschlusses in der Knotenblechtasche

3.4 Systemmodellierungen

3.4.1 Vorbemerkungen

Neben den Berechnungen an den beschriebenen Detailpunkten werden für eine Dis-
kussion der Beanspruchungen und für Stabilitätsuntersuchungen auch ganze Systeme
mit der FEM modelliert. Der einfache Druckstab mit ausgeschnittenen Anschluss-
blechen wird in Abschnitt 3.4.2 vorgestellt und das untersuchte Fachwerk in Ab-
schnitt 3.4.3.

3.4.2 Druckstab mit ausgeschnittenen Anschlussblechen

Für die Untersuchung von auf Druck beanspruchten Stäben mit ausgeschnittenen An-
schlussblechen ist es notwendig, das in Abschnitt 3.3 vorgestellte Finite Element Mo-
dell eines auf Zug beanspruchten Stabanschlusses zu erweitern. Die Erweiterung be-
steht in der spiegelbildlichen Ergänzung der oberen Hälfte des Druckstabes, siehe
Bild 3.7. Bei den horizontal liegenden Querträgern, an denen die Anschlusslaschen
angeschweißt werden, sind die Verdrehungen um die Längsachse durch Halterungen
an Ober- und Untergurt verhindert. Für die durchgeführten Untersuchungen werden
die Profile HEM 300 als Gurtquerschnitt und HEA 160 als Druckstab verwendet.
3.4 Systemmodellierungen 45

Bild 3.7 Systemmodellierung des Druckstabes

3.4.3 Fachwerk

Bei der Systemmodellierung des Fachwerks mit der FEM werden die Knoten 1 bis 3
mit Schalenelementen modelliert, ansonsten werden Balkenelemente verwendet,
siehe Bild 3.8. Das System soll mit dem verwendeten Modell möglichst realitätsnah
und gleichzeitig mit einem minimal erforderlichen Rechenaufwand erfasst werden.
Unterhalb des Systembildes ist das Detail des Fachwerkknotens dargestellt. Die
Verbindung zwischen den Balken- und den Schalenelementen erfolgt mit einer sehr
steifen Übergangsplatte, so dass ein stetiger Übergang gewährleistet ist. Die Über-
gangsplatte ist daher aus Schalenelementen modelliert, bei der der Elastizitätsmodul
10000-fach höher ist als der vom verwendeten Baustahl.
46 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

Bild 3.8 Systemmodellierung des Fachwerkträgers

3.4.4 Stabilitätsuntersuchungen

Neben den Untersuchungen zur Tragfähigkeit und des Kraftflusses sollen mit Hilfe
der Finite Elemente Methode (FEM) Erkenntnisse zum Stabilitätsversagen gewonnen
werden, die für die Bemessung von Druckstabanschlüssen in ausgeschnittenen An-
schlussblechen genutzt werden können. Ein wichtiger Parameter zur Beurteilung der
Stabilität ist die Verzweigungslast NKi des Druckstabes. Zur Ermittlung der Verzwei-
gungslast wird der Spannungszustand nach Theorie I. Ordnung in einem Druckstab
berechnet. Anschließend wird das folgende homogene Gleichungssystem gelöst:
( K − ηKi ⋅ G ) ⋅ v = 0 (3.3)

In Gl. (3.3) ist K die Gesamtsteifigkeitsmatrix des Systems. G ist die geometrische
Steifigkeitsmatrix, bei der die destabilisierenden Druckbeanspruchungen die System-
3.5 Auswertung der Berechnungen an Schnitten 47

steifigkeiten reduzieren. Der Eigenwert oder Verzweigungslastwert ηKi definiert den


Punkt, bei dem die Systemsteifigkeiten gleich den destabilisierenden Einflüssen ist
und das stabile in ein labiles Gleichgewicht wechselt. Der Vektor v beschreibt die
zum Eigenwert gehörige Eigenform. Diese besitzt eine große Bedeutung, da anhand
der Verschiebungsfigur der sich einstellende Stabilitätsfall erkannt und analysiert
werden kann. Mit Hilfe von ANSYS [18] lassen sich die Eigenwerte sowie die zuge-
hörigen Eigenformen berechnen. Dafür wird der Befehl „BUCKLE“ verwendet.

Ein bedeutsamer Aspekt bei der Stabilitätsanalyse ist die Frage, mit welchen Span-
nungen die geometrische Steifigkeitsmatrix aufgebaut wird. Befinden sich die Span-
nungen infolge einer definierten Beanspruchung im elastischen Bereich, dann verän-
dert sich die Verzweigungslast des Systems nicht. Stellen sich infolge der aufge-
brachten Beanspruchung plastische Bereiche mit Spannungen ein, die gleich der
Streckgrenze sind, dann nimmt die Systemsteifigkeit in der Steifigkeitsmatrix K ab
und die Verzweigungslast des Systems kann in Abhängigkeit der aufgebrachten Last
variieren. Die Stabilitätsuntersuchungen in der vorliegenden Arbeit werden aus-
schließlich mit Spannungen im elastischen Bereich durchgeführt, so dass keine zu-
sätzliche Abhängigkeit zu dem aufgebrachten Spannungszustand existiert, d.h. für die
Berechnungen wird die linearisierte Tangentialsteifigkeit des Systems zu Grunde
gelegt. Aus diesem Grund können die Verzweigungslasten miteinander verglichen
und wichtige Zusammenhänge und Erkenntnisse aus den Untersuchungen gewonnen
werden.

3.5 Auswertung der Berechnungen an Schnitten

Neben den Traglasten wird auch der Kraftfluss in den untersuchten Verbindungen
näher untersucht. Deshalb werden die ausgegebenen Spannungen entlang von Schnit-
ten zusammengefasst. Die Schnittführung wird in ANSYS mit dem Befehl "PATH"
aufgerufen und es werden mindestens zwei Punkte benötigt, die die Lage des Schnit-
tes definieren, siehe Bild 3.9 links. Der Schnitt wird in eine festgelegte Anzahl an
Abschnitten unterteilt und an den Unterteilungen werden mit Hilfe des Befehls
"PDEF" die ausgewählten Berechnungsergebnisse der umliegenden Knoten interpo-
liert, siehe Bild 3.9 rechts. Im vorliegenden Fall werden die Spannungen, die sich auf
das Hauptachsensystem beziehen, berechnet und ausgelesen.

Es ist bei der Schnittführung darauf zu achten, dass nur die intendierten Knoten bei
der Interpolation der Werte berücksichtigt werden. Liegt der geführte vertikale
Schnitt im Anschlussbereich, wie z. B. in Bild 3.13, zu nah an den senkrecht zum
Anschlussblech verlaufenden Gurtblechen, so beeinflussen und verfälschen die Gurt-
blechknoten die interpolierten Werte. Die Schnitte sind daher um mindestens eine
Elementlänge von störenden Einflüssen entfernt zu führen. Für den senkrechten
Schnitt zwischen Anschlussblech und Zugstab wird bei einer Elementkantenlänge
von 2 mm der Schnitt im Abstand von ca. 3 mm geführt. Bei dem horizontalen Aus-
gangsschnitt wird ein Spalt von 2 cm vorgesehen und bei einer Elementlänge von
48 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

maximal 8 mm wird der Schnitt in Höhe des halben Spaltes geführt. In den nachfol-
genden Untersuchungen wird der Schnitt in 40 Abschnitte eingeteilt.

Bild 3.9 Definition von Schnitten, nach [18]

In einem nächsten Schritt werden die Spannungen auf die örtliche Lage des Schnitts
transformiert. Die transformierten Spannungen werden anschließend zu Schnitt-
größen zusammengefasst, um den Kraftfluss in den untersuchten Systemen untersu-
chen zu können. Für jeden Abschnitt werden die jeweiligen Abschnittschnittgrößen
berechnet und zu Gesamtschnittgrößen aufsummiert. In Bild 3.10 ist die beschriebene
Vorgehensweise dargestellt.

Bild 3.10 Berechnung von Schnittgrößen aus Spannungen

In Tabelle 3.2 wird das schrittweise Vorgehen zur Ermittlung von Schnittgrößen an
definierten Schnitten beschrieben. Für den genauen Eingabetext wird auf [18] verwie-
sen.
3.6 Konvergenzverhalten und Stabilität der Berechnungen 49

Tabelle 3.2 Vorgehensweise für die Auswertung an definierten Schnitten

 Aufrufen des Befehls "PATH" und Definition von Namen und Abschnitten im
Postprocessor von ANSYS
 Angabe des Anfangs- und Endpunktes von dem deklarierten Pfad mit dem Befehl
"PPATH"
 Auswahl der Ergebnisse, die ausgelesen werden sollen, mit dem Befehl "PDEF"

 Speicherung der Ergebnisdaten

 Einlesen der ausgewählten Ergebnisse mit einem Tabellenkalkulationsprogramm, z.B.


Microsoft Excel
 Transformation der Ergebnisse in die lokale Richtung des Pfades

 Aufintegration der Spannungen zu Schnittgrößen, siehe Bild 3.10

3.6 Konvergenzverhalten und Stabilität der Berechnungen

Das Konvergenzverhalten der Finite Elemente Berechnungen wird anhand des in Bild
3.11 gezeigten Beispiels eines Zugstabanschlusses untersucht. Neben den Angaben
des Zugstabanschlusses sind in Bild 3.11 die Traglasten in Abhängigkeit der Elemen-
tierung des Knotenblechs für die verwendeten Schalenelemente "SHELL181" und
"SHELL281" dargestellt. Es ist erkennbar, dass bei feinerer Diskretisierung die maxi-
malen Traglasten konvergieren. Bei der Berechnung mit „SHELL181“ konvergiert
die Traglast gegen ca. 265 kN und bei der Verwendung von „SHELL281“ gegen
ca. 255 kN, was ungefähr der zweifachen plastischen Querkrafttragfähigkeit des An-
schlussblechs im Anschlussbereich entspricht.

Die plastische Querkrafttragfähigkeit des vertikalen Schnitts im Anschlussbereich


zwischen dem Knotenblech und dem Zugstab beträgt:
Vpl,Rd = t ⋅ L w ⋅ τRd = 1,0 ⋅10, 0 ⋅12, 6 = 126,0 kN (3.4)
Da je Anschluss zwei Anschlussseiten vorhanden sind, kann die maximale Zugkraft
maximal die zweifache plastische Querkrafttragfähigkeit dieses vertikalen Schnittes
betragen. Bild 3.11 ist zu entnehmen, dass die maximale berechnete Zugkraft ZEd,max
des Anschlusses höher ist als es bezüglich des oben beschriebenen Versagenskrite-
rium nach von Mises möglich ist. Aus diesem Grund werden im Anschlussbereich die
Elementierungen noch feiner gewählt. Die maximale berechnete Traglast Zmax verän-
dert sich dadurch allerdings nicht mehr nennenswert.
50 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

Bild 3.11 Konvergenzverhalten von unterschiedlichen Elementen

In Bild 3.12 ist der Anschlussbereich mit den vorhandenen Gleitungen γxz in zwei
unterschiedlichen Belastungszuständen abgebildet. Dabei wird das Element
"SHELL181" verwendet. Die maximalen Kantenlängen der Elemente betragen im
Knotenblech 0,8 cm und im Anschlussbereich 0,2 cm (nz = 50 Elemente). Bild 3.12
links zeigt den Zustand bei 2 Vpl,d und rechts bei der rechnerisch maximalen Traglast.
Es ist zu erkennen, dass sich die Gleitungen γxz um 600 % bei einer Steigerung der
Last um 5,6 % erhöhen. Die Gleitungen betragen im errechneten Grenzzustand
bereits das 155-fache der elastischen Grenzgleitung.

Bild 3.12 Gleitungen γxz in zwei verschiedenen Berechnungszuständen

Bild 3.13 zeigt die zugehörigen Spannungsverläufe der beiden Zustände mit den da-
raus resultierenden Schnittgrößen im vertikalen Schnitt zwischen Anschlussblech und
3.6 Konvergenzverhalten und Stabilität der Berechnungen 51

Zugstab. Es ist erkennbar, dass die Querkraft im linken Fall mit der aufgebrachten
Belastung gut übereinstimmt. Im Zustand der rechnerisch maximalen Last hat die re-
sultierende Querkraft gegenüber dem linken Zustand leicht abgenommen, obwohl
sich die Traglast erhöht hat. Dieses Phänomen ist mit einem sich ausbildenden Zug-
band am oberen Anschlussende zu erklären, das sich bei sehr starken Gleitungen ein-
stellt. Die Elemente stehen in einem derartigen Winkel, dass die Querkraft über ein
schräges Zugband in diesem Bereich vom Zugstab an das Knotenblech übertragen
wird.

Bild 3.13 Spannungen in zwei verschiedenen Berechnungszuständen im vertikalen


Schnitt zwischen Anschlussblech und Zugstab

Tabelle 3.3 Aufintegrierte Schnittgrößen in den betrachteten Berechnungszuständen

Aufgebrachte Querkraft aus


Aufintegrierte Schnittgrößen Abweichung
Zugkraft Gleichgewichtsbeziehung
Z N V M V* ∆V/V*
[kN] [kN] [kN] [kNcm] [kN] [-]
256 45,89 121,53 -109,4 128 -5,1%
270 45,94 116,03 78,11 135 -14,1%

Durch Integration der Spannungsverläufe ergeben sich die in Tabelle 3.3


zusammengefassten Schnittgrößen in dem betrachteten vertikalen Schnitt. Es ist
auffällig, dass sich eine Differenz zwischen Auswertung der FEM und einer reinen
Gleichgewichtsbetrachtung ergibt. Die Differenz beträgt im letzten errechneten
52 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

Lastschritt bereits 14,1 %. Aus diesem Grund wird bei den Berechnungen in den
folgenden Abschnitten die maximale Traglast auf Vpl,d der vertikalen Schnitte im
Anschlusspunkt begrenzt.

Bild 3.14 Vergleich zwischen aufgebrachter Beanspruchung und aufintegrierter


Schnittgröße und Einfluss der Überfestigkeiten in Bezug auf die
Anschlusslänge

Bild 3.14 links zeigt, wie sich die Querkraft im vertikalen Schnitt mit steigender Zug-
kraft ändert. Bis zu einer Zugkraft von ca. 250 kN verlaufen die Kurven von der rech-
nerisch ermittelten Querkraft, die sich aus der Gleichgewichtsbetrachtung ergibt, und
die aufintegrierte Querkraft kongruent. Bei steigender Zugkraft entwickelt sich eine
nichtlineare Kurve. Die Querkraft nimmt bis zum letzten möglichen Berechnungszu-
stand noch etwas ab. Dem Bild 3.14 rechts ist zu entnehmen, inwieweit die Traglas-
ten aus der FEM-Berechnung gegenüber der plastischen Querkraft im vertikalen
Schnitt abweichen. Die Differenz wird mit steigender Anschlusslänge kleiner. Daraus
ist abzuleiten, dass dieser aufgezeigte Effekt zwar unabhängig von der Anschluss-
länge auftritt, der Einfluss mit steigender Einbindelänge jedoch kleiner wird.

Bild 3.15 Grenzzustände der Berechnungen eines beispielhaften Fachwerkknotens


mit den beiden verwendeten Elementen
3.6 Konvergenzverhalten und Stabilität der Berechnungen 53

Für die nachfolgenden Berechnungen werden die beiden genannten Elemente


„SHELL181“ und „SHELL281“ verwendet. Das Element „SHELL281“ liefert, wie in
Bild 3.11 gezeigt, eine bessere Konvergenz. Jedoch hat das Element numerische
Nachteile. Bei den Berechnungen von Fachwerkknoten weist es eine deutlich
schlechtere Stabilität auf. Die errechneten maximalen Traglasten mit den beiden Ele-
menten liegen sehr weit auseinander, siehe Bild 3.15. Es ist auch sichtbar, dass auf
der linken Seite die tatsächliche Traglast erreicht ist, während der Knoten auf der
rechten Seite offensichtlich noch Tragreserven hat.

Für den Aufbau der Steifigkeitsmatrix wird die numerische Integration verwendet.
Das Programm ANSYS bietet die Möglichkeit, die Schalenelemente reduziert inte-
griert bzw. zuverlässig integriert zu verwenden. Bei einer reduzierte Integration wird
für das vierknotige SHELL181 ein Integrationspunkt verwendet und für eine
zuverlässige Integration 2 x 2 = 4 Integrationspunkte. Die reduzierte Integration zeigt
sich bei den Berechnungen gerade im Bereich von Singularitäten, z. B. einspringende
Ecken im Bereich des Übergangs von der Diagonale an das Knotenblech, als
numerisch stabiler und wird daher bevorzugt verwendet. Des Weiteren können durch
die reduzierte Integration gemäß [47] Schub-Locking Effekte gemildert werden. Die
zuverlässige Integration dagegen bietet den Vorteil, dass keine Null-Energie-Eigen-
formen auftreten können.

Bild 3.16 Relative Abweichung e zur plastischen Querkraft in Abhängigkeit der


Diskretisierung

In Bild 3.16 ist die relative Abweichung der maximalen Zugkraft zu der vollplasti-
schen Querkraft, siehe Bild 3.14 rechts, in Abhängigkeit des Diskretisierungsgrades
54 3 Untersuchungen mit der Finite Elemente Methode

nz = Lw / Lelement aufgetragen. Es handelt sich um das Beispiel gemäß Bild 3.11, bei
dem die Einbindelänge variiert wird. Die maximale Kantenlänge der Elemente im
Übergangsbereich beträgt hierbei 2 mm. Bei einer Mindesteinbindelänge von 10 cm
und einer maximalen Elementlänge von 2 mm ergibt sich eine Mindestanzahl von 50
Elementen in vertikaler Richtung, die den nachfolgenden Berechnungen zugrunde
liegt. Die Abweichung e der maximalen Zugkraft zur vollplastischen Querkraft
beträgt bei der aufgezeigten Mindestanzahl an Elementen ca. 6,9 %. Zusätzlich wird
daher die maximale Zugkraft auf 2 Vpl,d begrenzt. Die Elementlängen betragen im
übrigen Knotenblech maximal 8 mm und in den Fachwerkstäben maximal 5 cm. Es
wird infolgedessen manuell eine adaptive Diskretisierung der Detailpunkte vorge-
nommen.

Es werden für die Berechnungen in der Regel die Elemente SHELL181 verwendet.
Um keine Ungenauigkeiten bei der Bestimmung der Beanspruchungen und des Kraft-
flusses zu erhalten, werden die Schnittgrößen von Zugstabanschlüssen nicht im verti-
kalen Schnitt der Schweißnaht bestimmt, sondern in einem horizontalen Schnitt in
Höhe des Spaltes. Dieser Schnitt wird nachfolgend Ausgangsschnitt genannt und ist
in Bild 3.3 für Zugstabanschlüsse dargestellt. In diesem Schnitt tritt keine Differenz
zwischen aufgebrachter Last und berechneter Schnittgröße auf. Ein weiterer Vorteil
bei der Auswertung mit Hilfe dieses Schnittes besteht in der einfachen Kontrollier-
barkeit der Berechnungsergebnisse. Aufgrund des Kräftegleichgewichtes und der
Symmetrie muss bei symmetrischen Zugstabanschlüssen die Hälfte der vertikalen
Zugkraft je Anschlussseite übertragen werden. Auch hat diese gewählte Vorgehens-
weise numerische Vorteile bei der Finite Elementee Berechnung. Da bei dem Schnitt
die Spannungen der angrenzenden Elemente interpoliert werden, können störende
Einflüsse z. B. durch senkrecht zum Knotenblech verlaufende Gurtbleche ausge-
schlossen werden. Mit den Beanspruchungen in diesem Schnitt werden die Unter-
suchungen zur Tragfähigkeit und des Kraftflusses im Anschlussbereich geführt.
4 Beanspruchungen in Fachwerkdiagonalen

4.1 Vorbemerkungen

Werden Fachwerkträger durch vertikal wirkende Kräfte beansprucht, so entstehen in


den einzelnen Stäben hauptsächlich Normalkräfte, Bild 4.1. In Bild 4.1a ist ein
Fachwerk dargestellt, bei dem die Stäbe ausschließlich nur durch Normalkräfte
beansprucht werden, während in Bild 4.1b die Biegesteifigkeit der Stäbe aktiviert ist.
Nach DIN 18801 [11] ist es im Stahlhochbau zulässig, von einer reinen
Normalkraftbeanspruchung in den Fachwerkstäben auszugehen und es dürfen in den
Knoten reibungsfreie Gelenke angenommen werden.

Bild 4.1 Fachwerke mit gelenkigen und biegesteifen Knoten, aus [40]

Die beschriebene Annahme wird durch die Aussage gestützt, dass sich eventuelle
Biegemomente durch örtliches Plastizieren der Anschlüsse minimieren und deshalb
vernachlässigt werden können. Eventuelle Anschlusssteifigkeiten müssen daher bei
der Berechnung der Beanspruchungen und den nachlaufenden Nachweisen nicht be-
rücksichtigt werden. In DIN EN 1991-1-1 [13] wird die Berechnung der Bean-
spruchungen nicht explizit angesprochen, sondern es wird der Begriff Gelenktrag-
werk verwendet. Für eine Berechnung als Gelenktragwerk sind folgende Bedingun-
gen einzuhalten:

- Eine gelenkige Verbindung ist so auszubilden, dass keine größeren Momente


entstehen, die für die Bauteile schädlich wären.
- Gelenkverbindungen sollten die ihnen zugewiesenen Kräfte übertragen und die
unterstellten Gelenkverdrehungen aufnehmen können.
- Das Rotationsvermögen von gelenkigen Verbindungen sollte groß genug sein,
damit sich im Grenzzustand der Tragfähigkeit alle notwendigen Fließgelenke
bilden können.

Eine Anschlussausbildung mit ausgeschnittenen Knotenblechen entspricht auf dem


ersten Blick nicht den oben genannten Bedingungen und somit nicht einer gelenkigen
Verbindung in der Fachwerkebene. Der Gurtstab wird in der Regel durchgeführt und
die Streben werden in die ausgeschnittenen Knotenbleche geschoben und an den
Gurten mit dem Knotenblech verschweißt, so dass eine Übertragung von Biegemo-
menten möglich ist. Daher ist es erforderlich, die auftretenden Beanspruchungen zu
56 4 Beanspruchungen in Fachwerkdiagonalen

kennen und eine eventuelle Vereinfachung auf reine Normalkräfte in den Stäben ab-
zusichern.

4.2 Strebenbeanspruchungen eines beispielhaften


Fachwerkträgers

Im Folgenden werden die Beanspruchungen eines beispielhaften Fachwerks mit der


Finite Elemente Methode untersucht und mit den Ergebnissen einer elastischen Stab-
werksberechnung und den Stabkräften bei einer reinen Fachwerkbeanspruchung dis-
kutiert. Dabei gilt das Finite Elemente Modell als das Näherungsverfahren, das die
Realität am zutreffensten abbilden kann. Die Vorgehensweise bei der Modellierung
und bei der Berechnung wird in Abschnitt 3.4.3 beschrieben. Das statische System
des Fachwerkträgers ist ein Einfeldträger mit einer Einzellast in Feldmitte. Das
bedeutet, dass in allen Streben betragsmäßig ungefähr die gleichen Normalkräfte
auftreten. Das System, an dem die Untersuchungen vorgenommen werden, ist in
Bild 4.2 dargestellt. Weitere erforderliche Abmessungen können dem Bild 3.8
entnommen werden. Es ist der Spannungszustand im Grenzzustand der Tragfähigkeit
bei einer Einzellast in Feldmitte von Fv = 359 kN abgebildet. Es ist zu erkennen, dass
in den einzelnen Stäben eine gleichmäßige Beanspruchung auftritt. Im Bereich der
Knoten zeigt sich ein relativ komplizierter Kraftfluss, so dass sie als
Diskontinuitätsbereiche bezeichnet werden können.

Um die Beanspruchungen untersuchen und miteinander vergleichen zu können, wer-


den in den zwei Bezugspunkten die Schnittgrößen ermittelt. Sie befinden sich auf der
Systemlinie und mittig im Anschlussbereich zwischen der Diagonalen und dem Kno-
tenblech.

Die Schnittgrößen in den Bezugpunkten werden in Tabelle 4.1 und in den Diagram-
men in Bild 4.3 den Berechnungen mit denen eines kommerziellen
Stabwerksprogrammes gegenübergestellt. Bei der elastischen Stabwerksberechnung
mit dem Stabwerksprogramm werden Balkenelemente verwendet, die die Knoten
ohne Versätze miteinander verbinden.

Bei der idealen Fachwerkausbildung können die Stabkräfte über einfache Kräfte-
gleichgewichtsbeziehungen in den Knoten bestimmt werden. Bei der Berechnung
wird die in Bild 4.1 links dargestellte Annahme von reibungsfreien Gelenken voraus-
gesetzt.
4.2 Strebenbeanspruchungen eines beispielhaften Fachwerkträgers 57

Bild 4.2 Beispielhafter Fachwerkträger im Grenzzustand der Tragfähigkeit mit


Vergleichsspannungszustand
58 4 Beanspruchungen in Fachwerkdiagonalen

Bild 4.3 Beanspruchungen in den Bezugspunkten B1 und B2 der Fachwerkdruck-


strebe in Abhängigkeit von der Belastung Fv

Es ist offensichtlich, dass die größte Beanspruchung der Fachwerkstrebe in allen


Berechnungsmethoden die Normalkraft ist. Neben der Normalkraft treten bei der
FEM Berechnung und bei der Stabwerksberechnung allerdings auch ein relativ
kleines Biegemoment und eine Querkraft auf, so dass offenbar keine ideale
Gelenkausbildung vorliegt. Alle Schnittgrößen steigen zunächst linear an, verflachen
dann allerdings, so dass sich durchaus erkennbare Umlagerungen bilden. Der
Momentennullpunkt liegt etwa in der Mitte der Diagonalen. Die Schnittgrößen, die
mit dem Stabwerksprogramm berechnet sind, zeigen eine gleiche Tendenz wie die,
die sich bei der FEM Berechnung ergeben. Jedoch sind die Schnittgrößen V und M
dabei wesentlich kleiner.
Tabelle 4.1 Beanspruchungen in den Bezugpunkten Bi der betrachteten
Druckdiagonale

Anschlussblechdicke t = 10 mm
Ideales
Belastung Bezugs- Finite Elemente Berechnung Stabwerksprogramm
Fachwerk
FV punkt
N V M N V M N
[kN] [-] [kN] [kN] [kNcm] [kN] [kN] [kNcm] [kN]
B1 -85,8 0,40 59,0 -86,1 0,12 27,0 -86,6
61,3
B2 -85,8 0,40 -71,5 -86,1 0,12 -14,3 -86,6
B1 -171,6 0,90 125,1 -172,2 0,23 54,1 -173,2
122,5
B2 -171,6 0,90 -151,0 -172,2 0,23 -28,6 -173,2
B1 -261,7 1,52 198,4 -262,5 0,36 82,5 -264,2
186,8
B2 -261,7 1,52 -237,2 -262,5 0,36 -43,6 -264,2
B1 -294,9 1,75 223,7 -295,9 0,40 93,0 -297,8
210,6
B2 -294,9 1,75 -265,5 -295,9 0,40 -49,2 -297,8
B1 -330,0 1,99 246,3 -331,1 0,45 104,0 -333,2
235,6
B2 -330,0 1,99 -289,7 -331,1 0,45 -55,0 -333,2
4.2 Strebenbeanspruchungen eines beispielhaften Fachwerkträgers 59

Tabelle 4.1 Fortsetzung

Anschlussblechdicke t = 15 mm
Ideales
Belastung Bezugs- Finite Elemente Berechnung Stabwerksprogramm
Fachwerk
FV punkt
N V M N V M N
[kN] [-] [kN] [kN] [kNcm] [kN] [kN] [kNcm] [kN]
B1 245,11 1,53 209,58 -245,95 0,33 77,25 -247,49
175,0
B2 245,11 1,53 -197,58 -245,95 0,33 -40,85 -247,49
B1 418,25 3,04 376,94 -419,80 0,57 131,86 -422,43
298,7
B2 418,25 3,04 -441,34 -419,80 0,57 -69,73 -422,43
B1 449,30 3,25 395,92 -450,85 0,61 141,62 -453,68
320,8
B2 449,30 3,25 -462,12 -450,85 0,61 -74,89 -453,68
B1 493,07 3,46 399,91 -494,70 0,67 155,39 -497,80
352,0
B2 493,07 3,46 -465,21 -494,70 0,67 -82,18 -497,80
B1 502,97 3,61 411,41 -504,54 0,69 158,48 -507,70
359,0
B2 502,97 3,61 -475,91 -504,54 0,69 -83,81 -507,70

Anschlussblechdicke t = 20 mm
Ideales
Belastung Bezugs- Finite Elemente Berechnung Stabwerksprogramm
Fachwerk
FV punkt
N V M N V M N
[kN] [-] [kN] [kN] [kNcm] [kN] [kN] [kNcm] [kN]
B1 -245,15 1,63 216,01 -245,95 0,33 77,25 -247,49
175,0
B2 -245,15 1,63 -204,01 -245,95 0,33 -40,85 -247,49
B1 -419,31 3,25 390,72 -420,78 0,57 132,17 -423,42
299,4
B2 -419,31 3,25 -455,12 -420,78 0,57 -69,90 -423,42
B1 -458,49 3,54 414,31 -459,99 0,63 144,48 -462,87
327,3
B2 -458,49 3,54 -480,51 -459,99 0,63 -76,41 -462,87
B1 -517,25 4,03 436,68 -518,74 0,71 162,94 -521,99
369,1
B2 -517,25 4,03 -501,98 -518,74 0,71 -86,17 -521,99
B1 -561,80 3,89 429,79 -561,18 0,76 176,27 -564,70
399,3
B2 -561,80 3,89 -494,29 -561,18 0,76 -93,22 -564,70

In Tabelle 4.2 werden die Schnittgrößen der vereinfachten Berechnungsverfahren für


das System mit einer Knotenblechdicke von tb = 20 mm auf die mit der FEM Berech-
nung ermittelten genauen Werte bezogen. Die Abweichungen von der Normalkraft
sind für beide vereinfachten Verfahren sehr gering. Die Abweichung der Querkraft
dagegen ist mit ca. 80 - 85 % extrem auffällig. Daher ergeben sich auch für die ein-
wirkenden Biegemomente große Abweichungen zur FEM Berechnung. Ein Grund für
die sehr unterschiedlichen Ergebnisse mag darin liegen, dass der Knoten mit dem
Knotenblech als Scheibe sehr steif ist und der Fachwerkstab dadurch bereits im An-
schluss an das Knotenblech annähernd biegesteif angeschlossen ist. Das führt dazu,
dass die Biegesteifigkeit der Fachwerkstrebe steigt und die Biegebeanspruchungen
sich vergrößern.
60 4 Beanspruchungen in Fachwerkdiagonalen

Tabelle 4.2 Abweichungen der Schnittgrößen zur FEM Berechnung


Ideales
Belastung Bezugs- Stabwerksprogramm
Fachwerk
FV punkt
N V M N
[kN] [-] [kN] [kN] [kNcm] [kN]
B1 0,3% -79,4% -64,2% 1,0%
175,0
B2 0,3% -79,4% -80,0% 1,0%
B1 0,3% -82,4% -66,2% 1,0%
299,4
B2 0,3% -82,4% -84,6% 1,0%
B1 0,3% -82,3% -65,1% 1,0%
327,3
B2 0,3% -82,3% -84,1% 1,0%
B1 0,3% -82,5% -62,7% 0,9%
369,1
B2 0,3% -82,5% -82,8% 0,9%
B1 -0,1% -80,4% -59,0% 0,5%
399,3
B2 -0,1% -80,4% -81,1% 0,5%

Als Ergebnis der Untersuchungen an dem Berechnungsbeispiel lassen sich folgende


Schlüsse bezüglich der Beanspruchungen in Fachwerkträgern festhalten:
• Bei einer Berechnung der Schnittgrößen mit Hilfe eines Finite Elemente Pro-
gramms ergeben sich neben einer Normalkraftbeanspruchung auch eine Quer-
kraft sowie ein Biegemoment. Für das betrachtete Beispiel können diese
gegenüber den Normalkräften als eher klein eingeschätzt werden. Bei einer
Steigerung der Last bis zur Traglast wird die Zunahme dieser zusätzlichen
Schnittgrößen geringer, so dass von Lastumlagerungen auszugehen ist. Es
stellt sich allerdings die grundsätzliche Frage, ob bei solchen Verbindungen
die Annahme von reibungsfreien Gelenken noch zutreffend ist.
• Vergleichend zu den FEM Untersuchungen können die Schnittgrößen mit ver-
einfachten Berechnungsverfahren berechnet werden. Dabei handelt es sich um
eine elastische Stabwerksberechnung und die Kräftegleichgewichtsbe-
ziehungen unter der Annahme von reibungsfreien Gelenken. Bezüglich der
Normalkraftbeanspruchung liefern beide Methoden nur geringe Differenzen.
Die Abweichungen der Stabwerksberechnung von Querkraft und Biegemo-
ment sind jedoch erheblich. Es zeigt sich, dass zwar Biegebeanspruchungen
auftreten, die von der Tendenz richtig sind, betragsmäßig aber weit von der
exakten Lösung entfernt sind.
• Für exakte Berechnungen der Schnittgrößen von Fachwerkdiagonalen eignet
sich weder das elastische Stabwerksmodell noch das einfache Kräftegleichge-
wicht.
• Im Rahmen von zukünftigen Untersuchungen können mit Hilfe von Para-
meterstudien weitere Eigenschaften aufgezeigt und Verbesserungen an dem
Stabwerksmodell vorgenommen werden. Dabei kann als Ziel gelten, mit einer
modifizierten Stabwerksberechnung die Beanspruchungen von Fachwerken
mit ausgeschnittenen Anschlussblechen zutreffend zu bestimmen.
5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Staban-
schlüssen

5.1 Vorbemerkungen

Im Folgenden werden Anschlüsse eines senkrechten Zugstabes an einen horizontal


verlaufenden Querträger mit ausgeschnittenen Anschlussblechen mit Hilfe der Finite
Elemente Methode untersucht. Der T-Knoten ist in Bild 5.1 abgebildet. Der vertikale
Pfosten ist ein HEA 160 und wird mit der Zugkraft Z belastet. Der horizontale Träger
besteht aus einem HEM 400. Als Stahlgüte für alle Stahlbauteile wird Baustahl S 235
verwendet. Um den Einfluss von Biegeverformungen des Trägers auf das Knoten-
blech zu minimieren, wird der horizontal liegende Träger in vertikaler Richtung an
den Enden und im Anschlussbereich gelagert.

Die grundsätzlichen Berechnungsannahmen werden in Abschnitt 1.4 zusammenge-


fasst. Die Modellierung des Zugstabanschlusses ist in Kapitel 3 ausführlich vorge-
stellt worden. Es folgt eine Analyse des Tragverhaltens und des Kraftflusses.

Bild 5.1 Anschluss eines Zugstabes mit rechteckigem Anschlussblech

Neben den maximalen Traglasten werden die Spannungen an definierten Schnitten zu


Schnittgrößen aufintegriert. Diese Beanspruchungen dienen als Grundlage, um den
sich einstellenden Kraftfluss aufzuzeigen. Die Vorgehensweise zur Ermittlung von
Beanspruchungen in definierten Schnitten wird in Abschnitt 3.5 erläutert.
62 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Im Rahmen von Parameterstudien wird die Geometrie des Anschlussbleches variiert.


Dabei werden zunächst symmetrische und rechteckige Anschlussbleche untersucht.
Die Abmessungen der Anschlussbleche werden in Grenzen verändert, die in Tabelle
5.1 zusammengestellt sind. Im Anschluss daran werden in Abschnitt 5.3 Anschlüsse
mit schräg abgeschnittenem Anschlussblech untersucht und in Abschnitt 5.4 die Be-
rechnungsergebnisse an unsymmetrischen Anschlussblechen erläutert und analysiert.
Tabelle 5.1 Übersicht der variierenden Geometrieparameter des ausgeschnittenen
Anschlussblechs von Zugstabanschlüssen

Parameter Minimale Größe Maximale Größe Beschreibung


[cm] [cm]
Anschlusslänge zwischen
Lw,i 10 25
Anschlussblech und Zugpfosten
Breite der seitlichen
bi 2 40 Anschlussseiten im
Ausschnittsbereich
tb 0,2 2,5 Dicke des Anschlussblechs

Die Breite b1 = b2 = b der Anschlusslaschen wird im Bereich von 2 bis 40 cm verän-


dert. Die Länge Lw1 = Lw2 = Lw der Anschlussschweißnaht vom Knotenblech an den
Zugstab wird variiert zwischen 10 und 25 cm. Außerdem werden die Untersuchungen
für unterschiedliche Knotenblechdicken durchgeführt, die zwischen tb = 2 mm und
25 mm betragen.

Als ergänzende Untersuchungen werden in Abschnitt 5.5 das Tragverhalten und der
Kraftfluss bei biegebeanspruchten Stäben aufgezeigt und in Abschnitt 5.6 die Ver-
zweigungslasten NKi mit den dazugehörigen Eigenformen vorgestellt. Diese Ergeb-
nisse sollen als Eingangsparameter eines Biegeknicknachweises mit Abminderungs-
faktoren dienen.

In Abschnitt 5.7 werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst, so dass sie


als Grundlage eines Bemessungsverfahrens für Stabanschlüsse mit ausgeschnittenen
Anschlussblechen dienen können, dass in Kapitel 7 entwickelt wird.

5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter


reiner Zugbeanspruchung

5.2.1 Kraftfluss im Grenzzustand der Tragfähigkeit

Anhand eines beispielhaften Anschlusses (Bild 5.1) soll in einem ersten Schritt der
Kraftfluss von dem Zugstab durch das Anschlussblech in das horizontal liegende
Gurtprofil untersucht werden. In Bild 5.2 ist die linke Hälfte dieses Zuganschlusses
mit den dazugehörigen Abmessungen abgebildet. Die Anschlussblechhöhe hr vom
Spalt bis zum Untergurt beträgt 15 cm. Unterhalb der Systemskizze sind die Span-
nungsverläufe im Ausgangsschnitt im Grenzzustand der Tragfähigkeit dargestellt. Es
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 63

ist zu erkennen, dass neben den vertikalen Normalspannungen σz auch horizontale


Normalspannungen σx und Schubspannungen τxz auftreten. Die vertikalen Normal-
spannungen sind auf der rechten Seite ausgeprägt und zunächst annähernd konstant.
Erst bei x = -7,5 cm ändern sie sich und werden an der Außenkante des Blechs sogar
negativ, d.h. dass an der Außenkante Druckspannungen auftreten.

Bild 5.2 Zugstabanschluss mit Spannungsverläufen, Schnittgrößen und


Kraftresultierende im Ausgangsschnitt

Die horizontalen Normalspannungen σx können nicht, wie in Abschnitt 1.4.4 erläu-


tert, zu einer Schnittgröße zusammengefasst werden. Für die Vergleichsspannung σv
wirken diese horizontalen Normalspannungen allerdings günstig, da beide Normal-
spannungen positiv sind, siehe Gl. (1.2).

Auf der rechten Seite in Bild 5.2 werden die Schnittgrößen aus den aufintegrierten
Spannungsverläufen aufgelistet. Neben einer Normalkraft gibt es auch eine Querkraft
und ein Biegemoment. Es ist evident, dass sich in dem beispielhaft untersuchten Zug-
64 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

anschluss ein nichttrivialer Kraftfluss einstellt. Betrachtet man die Beanspruchungen


im Ausgangsschnitt als Kraftresultierende, so verläuft die Resultierende R nicht
parallel zur Systemlinie des Zugstabs, sondern zum Zugstab hin mit dem Winkel β
geneigt. Außerdem weist die Resultierende eine Ausmitte e vom Schwerpunkt des
Ausgangsschnitts zum Zugstab auf.

Bild 5.3 zeigt für das betrachtete Beispiel die Spannungen im Traglastzustand. In dem
unteren rechten Spannungsplot ist die Vergleichsspannung σv nach von Mises abge-
bildet. Erkennbar haben große Bereiche im Knotenblech bereits die Streckgrenze er-
reicht und sind plastiziert. Aus den einzelnen Spannungsbildern ist festzustellen, dass
aufgrund der großen Plastizierungen ein Versagen im Anschlussblech auftritt, das
maßgebend für die Tragfähigkeit dieses Anschlusses ist. Außerdem ist den
Spannungsplots zu entnehmen, dass der betrachtete horizontale Schnitt nicht der
maßgebende Schnitt für die Bemessung ist. Es ist eher denkbar, dass der vertikale
Schnitt im Übergang vom Zugstab zum Knotenblech oder der schräge Schnitt vom
Spalt zu den unteren Ecken des Knotenblechs hin als der Maßgebende anzusehen ist.

Bild 5.3 Ausgabe der Spannungen aus der FEM-Berechnung für den
beispielhaften Anschluss mit rechteckigen Anschlussblechen

Um zu klären, welcher Schnitt maßgebend ist und wie sich der Kraftfluss in den seit-
lichen Anschlusslaschen einstellt, werden schräge Schnitte, in Bild 5.4 dargestellt, ge-
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 65

führt und die ermittelten Beanspruchungen des Ausgangsschnitts, siehe Bild 5.2, auf
diesen schrägen Schnitt transformiert. Auf die Vorgehensweise wird ausführlich in
Abschnitt 7.4.3 eingegangen. Ausgangspunkt für die schrägen Schnitte ist die Mitte
des Spaltes zwischen dem Zugstab und dem Knotenblech. Von diesem Punkt aus
werden Schnitte unter dem Winkel δ bis zur Außenkante geführt. Die im horizontalen
Ausgangsschnitt wirkenden Kraftgrößen sind in Bild 5.2 zusammengestellt und die-
nen als Grundlage für die Schnittgrößentransformation. Mit Gl. (7.15) können die
Schnittgrößen in den schrägen Schnitten berechnet werden.

Bild 5.4 Definition des schrägen Schnitts mit dem Winkel δ

In Bild 5.5 sind Auswertungen für schräge Schnitte im Bereich -45° < δ < 90° abge-
bildet. Die bezogenen, transformierten Schnittgrößen n(δ), v(δ) und m(δ) sind in Bild
5.5a als dicke Linien dargestellt. Die schmalen Linien zeigen Auswertungen an direk-
ten Schnitten der Finite Elemente Berechnung. Die beiden Auswertungen für die
bezogenen Schnittgrößen sind fast überall deckungsgleich, so dass eine große Über-
einstimmung zwischen der vorgenommenen Transformation und der FEM-Ana-
lyse erkennbar ist. Nennenswerte Abweichungen zwischen den beiden Auswertungen
ergeben sich lediglich für das Biegemoment im Bereich von 0° < δ < 50°. In Bild
5.5b wird die plastische Querschnittstragfähigkeit in den schrägen Schritten unter-
sucht. Dafür werden die transformierten Schnittgrößen als Beanspruchung und der
Ausnutzungsgrad η(δ) berechnet. Die Kurve weist zwei Maxima auf. Für den hori-
zontalen Schnitt, d.h. δ = 0°, ergibt sich eine Querschnittsausnutzung von η = 1,042.
Das zweite Maximum liegt im senkrechten Schnitt (δ = 90°) und führt zu einem Aus-
nutzungsgrad von η = 1,063. Bei dem Winkel von ca. 50° weist die Kurve einen
Knick auf, da an der Stelle der Schnitt durch die obere linke Ecke des Knotenblechs
verläuft. Das Minimum der Kurve liegt ungefähr bei dem Knick mit η = 0,794.
66 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.5 Auswertung an schrägen Schnitten eines beispielhaften Anschlusses

Um den Kraftfluss im Blech unterhalb des Ausschnitts zu untersuchen, werden die in


Bild 5.6a dargestellten Schnitte geführt und die Spannungsverläufe betrachtet. In
Schnitt 1 (Bild 5.6b) ist deutlich erkennbar, dass große vertikale Spannungen in den
äußeren Bereichen außerhalb des Spaltes vorhanden sind, wobei in der Mitte bis auf
Normalspannungen σx in Schnittrichtung keine Weiteren auftreten.

Im Schnitt 2 (Bild 5.6c), direkt oberhalb des Anschlusses an dem horizontal liegen-
den Gurtstab, sehen die Verläufe viel homogener aus. Aufgrund der Entfernung von
der unstetigen Stelle am Ende des Ausschnitts haben sich die außen angreifenden
Beanspruchungen über die Blechbreite verteilt. Jedoch sind in der Blechmitte die
Spannungen sehr viel geringer als am Rand. An den Blechrändern ist die vorhandene
Normalspannung gleich der Streckgrenze.
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 67

Bild 5.6 Spannungsverläufe im Knotenblech unterhalb des Ausschnitts bei breiten


Knotenblechen
68 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

In Schnitt 3 (Bild 5.6d), dem vertikalen Schnitt unterhalb der Tasche für das Zugpro-
fil in der Symmetrieachse, treten Normalspannungen σx auf, die am oberen Rand
maximal sind und ab einer Höhe von z / hr = 0,6 nahezu vollständig abklingen. Diese
Spannungen werden nachfolgend als Zwängungsspannungen definiert.

Bild 5.7 Verlauf der Wirkungslinien im Anschlussblech des Zugstabanschlusses

Die Zwängungsspannungen betragen maximal σx(z = 0) ≈ -15 kN/cm². Sie haben zur
Folge, dass sich die Neigungen der Lastresultierenden durch den direkten Kurz-
schluss ändern, und sich ein homogenisierter Normalspannungsverlauf in vertikaler
Richtung einstellen kann. Um dies zu verdeutlichen werden in Bild 5.7 die Span-
nungen je Anschlussseite zu einer Kraftresultierenden auf einer Wirkungslinie zu-
sammengefasst. Es ist deutlich erkennbar, dass die Resultierenden zunächst nach
außen zeigen und sich im unteren Anschlussblechbereich wieder annähern.

Die Auswertungen zeigen, wie die Zugkräfte in einem beispielhaften Anschluss von
dem Zugstab durch das Knotenblech geleitet werden. Anhand der Wirkungslinien im
Knotenblech kann der Kraftfluss aufgezeigt und können die stark beanspruchten Be-
reiche lokalisiert werden. Außerdem sind anhand der Spannungsverläufe Annahmen
zum Ausbreitwinkel der Zugkraft unterhalb des Ausschnitts möglich. Diese sind für
eine spätere Nachweisführung des Blechs unterhalb des Ausschnitts und der
Schweißnähte bedeutsam.
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 69

5.2.2 Versagensmechanismen im Anschlussblech und zugehöriger


Kraftfluss

In Bild 5.8 sind die Spannungen und die Schnittgrößen im Ausgangsschnitt von drei
Anschlüssen mit unterschiedlichen Breiten zusammengestellt. Die Anschlusslänge
beträgt bei allen Beispielen Lw = 15 cm. Die Ergebnisse werden für drei Fälle mit fol-
genden Breiten vorgestellt:

• Fall a: b = 7,5 cm
• Fall b: b = 12,5 cm
• Fall c: b = 20,0 cm

Die Betrachtung der Ergebnisse erfolgt für den sich einstellenden Grenzzustand der
Tragfähigkeit. Die abgebildeten Spannungsverläufe beziehen sich auf den Ausgangs-
schnitt.

Die Spannungsverläufe der drei ausgewählten Fälle sind zum Teil sehr ungleich. Für
Fall a (b = 7,5cm) sind die Spannungsverläufe des Ausgangsschnitts aus der FEM Be-
rechnung in Bild 5.8 rechts oben abgebildet. Die Normalspannungen σz in vertikaler
Richtung sind über die gesamte Breite annähernd konstant. Zum äußeren Rand neh-
men sie etwas ab, so dass sie an der äußersten Faser noch ca. 15,5 kN/cm² betragen.
Auffällig ist, dass die vertikalen Normalspannungen in großen Bereichen von der
Mitte bis zur Innenseite um ca. 2 kN/cm² oberhalb der Streckgrenze liegen. Die übri-
gen Spannungen, die Schubspannung τxz und die Normalspannung σx, sind im Ver-
gleich zu σz gering.

Berechnet man die Vergleichsspannung in den einzelnen Fasern des Schnittes aus
Schubspannung τxz und Normalspannung σz, so ergibt sich eine Vergleichsspannung
σv, die ca. 6 % oberhalb der Streckgrenze liegt. Bei einer Berücksichtigung der
Normalspannung σx reduziert sich die Vergleichsspannung auf die Streckgrenze fyd.
Das bedeutet, dass sich die Normalspannungen σx und σz bei der Berechnung der
Vergleichsspannung σv günstig überlagern.

Die Spannungen und resultierenden Schnittgrößen sind für die Fälle b (b = 12,5 cm)
und c (b = 20 cm) in gleicher Weise dargestellt. Für beide Fälle sind die Verläufe
qualitativ ähnlich. Im Vergleich zum Fall a zeigen sich allerdings deutliche Unter-
schiede. Während im Fall a der Querschnitt über die ganze Breite fast ausschließlich
aufgrund von Zugspannungen ausgenutzt ist, zeigt sich bei den beiden anderen Fäl-
len, dass zur Außenkante hin die Zugspannungen stark abnehmen. Am Rand herr-
schen in beiden Fällen sogar Druckspannungen von σz ≈ -13 kN/cm². Auch sind die
Schubspannungen τxz(x) und die Normalspannungen σx(x) deutlich größer als im
Fall a.
70 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.8 Spannungsverläufe aus FEM-Berechnungen im horizontalen


Ausgangsschnitt für unterschiedlich breite Anschlussbleche

Die aus den Spannungsverläufen resultierenden Schnittgrößen werden gemäß Ab-


schnitt 3.5 aufintegriert. Sie sind in Bild 5.8 unterhalb der Spannungsverläufe angege-
ben. Bei den Untersuchungen zu den Beispielen b und c sind das Biegemoment My
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 71

und die Querkraft Vz gegenüber den Ergebnissen aus dem ersten Beispiel beträchtlich
gestiegen. Das bedeutet, dass deren Einfluss beim Nachweis der Querschnittstrag-
fähigkeit gegenüber dem ersten Beispiel mit b = 7,5 cm gestiegen ist. Der plastische
Ausnutzungsgrad nach Abschnitt 1.4.5, die bezogenen Schnittgrößen und der Last-
steigerungsfaktor sind für die drei Beispiele in Tabelle 5.2 zusammengestellt.

Tabelle 5.2 Zusammenstellung der Schnittgrößen und Querschnittsausnutzungen für


die betrachteten Fälle in Bild 5.8

Bezogene Fall a: Fall b: Fall c:


Schnittgrößen b = 7,5 cm b = 12,5 cm b = 20,0 cm

n = N / Npl 0,998 0,694 0,434

v = V / Vpl 0,025 0,393 0,258

m = M / Mpl 0,068 0,438 0,510

Querschnitts-
1,034 > 1,0 1,024 > 1,0 0,803 < 1,0
ausnutzung η
Laststeigerungsfaktor
0,967 0,976 1,245
f=1/η

Für Fall a ist offensichtlich, dass der betrachtete Schnitt fast ausschließlich durch die
reine Normalkraftübertragung ausgelastet ist. Die bezogene Normalkraft beträgt n =
0,998 und ist nur unwesentlich kleiner als eins. Die bezogene Querkraft spielt in die-
sem Fall mit v = 0,025 beim Nachweis der plastischen Querschnittstragfähigkeit kei-
ne Rolle. Das bezogene Biegemoment ist mit m = 0,068 ebenfalls recht gering und
hat nur minimalen Einfluss auf die Querschnittstragfähigkeit. Die plastische Quer-
schnittsausnutzung beträgt in dem horizontalen Schnitt η = 1,034. Das heißt, dass der
Nachweis der plastischen Grenztragfähigkeit zwar knapp nicht erfüllt wird, die Diffe-
renz zwischen der Traglastberechnung mit der FE Rechnung und dem plastischen
Querschnittstragfähigkeitsnachweis mit 3,4 % allerdings gering ist. Daher ist eine
gute Übereinstimmung zwischen der Traglastberechnung mit der FEM und dem
Nachweis der Querschnittstragfähigkeit nach Abschnitt 1.4.5 mit den Beanspruchun-
gen aus der FEM-Berechnung gegeben. In diesem Fall ist der betrachtete horizontale
Schnitt maßgebend für die Tragfähigkeit des Anschlusses.

Im Fall b beträgt die bezogene Normalkraft noch ca. 69 % der plastischen Normal-
kraft und im Fall c noch ca. 43 %. Allerdings ergeben sich neben der Normalkraft in
diesen Fällen nennenswerte Querkräfte und Biegemomente. Die Querkräfte betragen
im Fall b ca. 39 % der plastischen Querkraft und im Fall c ca. 26 %. Das einwirkende
Biegemoment beträgt ungefähr 44 % des plastischen Biegemomentes im Fall b, und
im Fall c sind es bereits 51 %. Der Nachweis der plastischen Querschnittsausnutzung
wird im Fall b bei den berechneten Einwirkungen um 2,4 % überschritten. Im Fall c
beträgt der Ausnutzungsgrad η = 0,803. Die plastische Querschnittstragfähigkeit ist
an dieser Stelle noch nicht erreicht und eine Laststeigerung von 24,5 % wäre mög-
72 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

lich. Da im Traglastzustand noch Tragreserven vorhanden sind, bedeutet das, dass in


dem betrachteten Beispiel der Ausgangsschnitt nicht der maßgebende ist.

Aus diesen vergleichenden Betrachtungen ist erkennbar, dass sich in den drei aufge-
zeigten Fällen ein Tragverhalten einstellt, das abhängig von der Geometrie des
Anschlusses ist. Im Fall a wird fast ausschließlich eine Normalkraft im Ausgangs-
schnitt übertragen. Das Biegemoment und die Querkraft sind sehr gering. Die resul-
tierende Kraft steht daher annähernd senkrecht und mittig auf dem betrachteten
Ausgangsschnitt. In Fällen b und c treten neben der Normalkraft sowohl nicht zu
vernachlässigende Querkräfte als auch Biegemomente auf. Die resultierenden
Kräfte R, siehe Abschnitt 1.4.3, stehen in diesen Fällen nicht mehr mittig und senk-
recht, sondern weisen im Ausgangsschnitt eine Exzentrizität e und eine Neigung β
zum Zugstab auf.

5.2.3 Kraftfluss unterhalb des Ausschnitts im Anschlussblech

Neben dem bereits betrachteten Beispielanschluss in Abschnitt 5.2.1 wird ein wiete-
rer Anschluss unterhalb des Ausschnitts beispielhaft betrachtet. In Bild 5.9 sind Span-
nungsverläufe unterhalb des Ausschnitts für ein Beispiel mit schmalem Anschluss-
blech dargestellt. Die Breite der Anschlussseiten im Ausschnittsbereich beträgt
b = 4 cm und die Anschlusslänge Lw = 10 cm. Die Spannungsverläufe bei z = 0 cm
zeigen, dass die vertikalen Spannungen nur in den Endbereichen auftreten. Die Größe
dieser Spannungen ist gleich der Streckgrenze fyd. Im mittleren Bereich, direkt
unterhalb des Ausschnitts, sind keine vertikalen Spannungen evident. Bemerkenswert
ist allerdings, dass sich in diesem mittleren Bereich relativ konstante horizontale
Normalspannungen aufbauen, die ca. 10 kN/cm² betragen, siehe Abschnitt 5.2.1.
Diese horizontalen Zwängungsspannungen bewirken wiederum, dass sich die Kraft-
resultierenden je Anschlussseite annähern und sich ein homogenerer Spannungsfluss
ergibt.

Bei z = 14 cm (Bild 5.9c), d.h. unmittelbar vor dem Anschluss an den horizontalen
Träger, sehen die Spannungsverläufe wesentlich harmonischer aus. Über die Höhe hr
hat daher ein Ausgleich der vertikalen Spannungen stattgefunden, so dass die Span-
nungen an den beiden Rändern σz(x = -b/2) = σz(x = b/2) = ca. 15 kN/cm² und in der
Mitte σz(x = 0) = ca. 4 kN/cm² betragen. Bei der Betrachtung der Spannungen in der
vertikalen Symmetrieachse fallen im oberen Bereich vorrangig die horizontalen
Spannungen, die so genannten Zwängungsspannungen, in der o. g. Größenordnung
auf. Der Verlauf über die Höhe nimmt linear ab und bei einer Höhe von z / hr = 0,3
wechselt das Vorzeichen. Im weiteren Verlauf stellen sich Zugspannungen von
ca. 3 - 4 kN/cm2 ein.
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 73

Bild 5.9 Spannungsverläufe im Knotenblech unterhalb des Ausschnitts bei


schmalen Knotenblechen
74 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Auf der Grundlage dieser Spannungsanalyse können wiederum Rückschlüsse über


den Kraftfluss im Knotenblech gezogen werden. Die sich ergebenden Wirkungslinien
der Teilkräfte sind in der Systemskizze Bild 5.10 eingezeichnet. Die Zugkraft wird
auf beide Seiten aufgeteilt und an die beiden angrenzenden Anschlussseiten je zur
Hälfte übertragen. In den horizontalen Ausgangsschnitten im Spaltbereich stellen sich
für das schmale Anschlussblech fast reine Zugspannungen ein, so dass in diesem
Schnitt sowohl keine Exzentrizität als auch kein Neigungswinkel zur Vertikalen vor-
handen sind. Erst unterhalb des Ausschnitts nähern sich die beiden Wirkungslinien
an. Durch den beschriebenen Kraftfluss entstehen im Stegbereich des Zugstabes und
im Knotenblech unterhalb des Ausschnittes horizontale Zwängungskräfte, die den
Neigungswinkel und den horizontalen Abstand der Wirkungslinien zueinander beein-
flussen. Auf der rechten Seite von Bild 5.10 ist der aus Bild 5.7 bekannte Kraftfluss
für mittelbreite und breite Anschlussbleche dargestellt.

Bild 5.10 Kraftflüsse im Anschlussbereich bei schmalen, mittelbreiten und breiten


Anschlussblechen

Für den oberen Teil des Anschlussbleches im Bereich des Zugstabanschlusses wird in
Bild 5.11 das Kräftegleichgewicht aufgestellt. In horizontaler Richtung ist die Kraft
Hs die Differenz der Zwangskräfte H1 und H2. In vertikaler Richtung ist offensicht-
lich, dass Vs gleich der halben Zugkraft Z sein muss. Für das Biegemoment Ms ergibt
sich die ebenfalls in Bild 5.11 dargestellte Beziehung. Für den in Bild 5.9 betrachte-
ten Fall, dass b = 4 cm und Lw = 10 cm beträgt, ist bekannt, dass Vs = 0 und Ms = 0
sind. Aus dem horizontalen Gleichgewicht ergibt sich, dass die Zwangskräfte H1
und H2 gleich groß sind und aus dem Biegemomentengleichgewicht folgt:
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 75

Z⋅b
Ms = − H ⋅ la = 0 (5.1)
4
Z⋅b
H= = H1 = H 2 (5.2)
4 ⋅ la

Folglich wird das Versatzmoment der vertikalen Kraft ausschließlich über das hori-
zontale Zwangskräftepaar aufgenommen.

Bild 5.11 Seitliche Anschlusslaschen mit angreifenden Kräften und


Kräftegleichgewicht

Bei mittelbreiten und breiten Anschlussblechen stellt sich ein derartig eindeutiger
Kraftfluss infolge der Zwängungskräfte nicht ein, so dass die Bedingungen aus den
Gln. (5.1) und (5.2) nicht gelten.

5.2.4 Tragfähigkeiten in Abhängigkeit der verschiedenen Parameter

Mit der Kenntnis des Kraftflusses anhand von beispielhaften Anschlüssen mit unter-
schiedlichen Anschlussgeometrien, sollen im Rahmen einer Parameterstudie die Ein-
flüsse von Knotenblechabmessungen auf das Tragverhalten und den Kraftfluss ge-
klärt werden. Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf den in Bild 5.1 dargestell-
ten Anschlusstyp mit rechteckigen Anschlussblechen.

Bild 5.12 zeigt, wie sich die Tragfähigkeit mit steigender Anschlussblechbreite verän-
dert. Die Auswertungen werden für verschiedene Anschlusslängen Lw durchgeführt.
Es ist erkennbar, dass die Tragfähigkeit linear ansteigt bis zu dem Punkt, an dem die
Breite halb so groß ist wie die Anschlusslänge Lw. Von diesem Punkt an beginnt die
Kurve zu verflachen. Spätestens dann, wenn die Breite gleich der Anschlusslänge ist,
76 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

verlaufen die Kurven horizontal. Es können daher folgende drei Bereiche festgestellt
werden: lineare, nichtlineare und horizontal verlaufende Abhängigkeiten der Trag-
fähigkeit von der Anschlussblechbreite. In diesen drei aufgezeigten Bereichen tritt je-
weils ein anderes Tragverhalten auf. Die drei ausgewählten Beispiele in Bild 5.8 ent-
sprechen jeweils einem Tragfähigkeitsbereich.

Bild 5.12 Maximale Traglast des Zugstabanschlusses in Abhängigkeit von der


Laschenbreite mit rechteckigen Anschlussblechen

Im ersten Bereich, dass heißt bei schmalen Anschlusslaschen, fällt auf, dass die
Tragfähigkeit unabhängig ist von der Anschlusslänge (Versagensfall 1). Für den drit-
ten Bereich, bei breiten Anschlusslaschen, gilt, dass bei steigender Breite der An-
schlussseiten die maximale Traglast des Anschlusses nicht gesteigert werden kann
(Versagensfall 3). Für mittelbreite Anschlusslaschen ergibt sich ein Übergangsbe-
reich, bei dem derart klare Rückschlüsse über die Tragfähigkeit in Abhängigkeit der
Geometrie des Anschlusses nicht erkennbar sind (Versagensfall 2).

In Bild 5.13 sind die Ausmitte e und der Neigungswinkel β der resultierenden Kraft
des horizontalen Ausgangsschnitts im Grenzzustand der Tragfähigkeit über die Breite
der Anschlusslasche aufgetragen. Die getroffene Unterteilung in drei Bereiche bei
Abhängigkeit der Geometrie der Laschen lässt sich auch in diesen Diagrammen deut-
lich erkennen. Für schmale Laschen ergeben sich keine Exzentrizitäten e und die
Resultierende steht senkrecht auf dem betrachteten Schnitt. Bei mittelbreiten und
bei breiten Anschlusslaschen steigt die Exzentrizität e linear an. Der Neigungswin-
kel β der resultierenden Kraft im Ausgangsschnitt steigt bei mittelbreiten Laschen
stark an und sinkt im breiten Laschenbereich leicht. Für sehr breite Laschen nähert
sich der Winkel β = 17,5°.
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 77

Bild 5.13 Exzentrizität und Neigungswinkel der Kraftresultierenden im


Ausgangsschnitt bei rechteckigen Anschlussblechen

Die dargestellten Untersuchungen zeigen auf, dass sich im Grenzzustand der Trag-
fähigkeit neben der reinen Zugkraftübertragung auch Zwängungsbeanspruchungen
ergeben, die einen traglaststeigernden Effekt haben. Aus Bild 5.14 ist erkennbar, in-
wieweit das Zugstabprofil, z.B. die Profilhöhe, Einfluss auf den sich einstellenden
Kraftfluss hat. Für die Anschlussbreiten von b = 10 cm und b = 15 cm ergeben sich
kaum veränderte Beanspruchungen infolge einer veränderten Profilhöhe. Lediglich
bei einer Breite von b = 20 cm steigt die Exzentrizität bzw. sinkt der Winkel der Wir-
kungslinie um ca. 10 %. Der Einfluss der Profilhöhe kann daher als gering einge-
stuft werden. Das bedeutet, dass der sich einstellende Kraftfluss in nur geringem
Maße von der Profilhöhe abhängt und dass aus diesem Grund auch die Unter-
suchungsergebnisse für Knotenblechanschlüsse ohne Ausschnitte gelten.
78 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.14 Zum Einfluss der Höhe des Diagonalensteges hsp auf den Kraftfluss im
Anschlussbereich

In Bild 5.15 ist die Traglast des Zuganschlusses in Abhängigkeit von der Knoten-
blechdicke für drei verschiedene Knotenblechgeometrien aufgetragen. Diese sind so
gewählt, dass schmale, mittelbreite und breite Laschen erfasst werden. Anhand der
Verläufe ist zu sehen, dass mit steigender Knotenblechdicke die Tragfähigkeit für alle
Geometrien annähernd linear ansteigt. Sobald die Traglast die plastische Grenznor-
malkraft des Zugstabes erreicht, ist diese für den Anschluss maßgebend, so dass die
Traglast nicht weiter gesteigert werden kann. Die Tragfähigkeit steht in einem an-
nähernd linearen Verhältnis zu der Knotenblechdicke. Die Abweichung von einem
exakt linearen Verlauf bei b = 10 cm ab einer Dicke von tb = 1,5 cm entsteht dadurch,
dass die Querschnittstragfähigkeit des Steges im Zugstabprofil durch die Zwän-
gungsspannungen erreicht wird und sich bei Laststeigerungen keine weiteren
Zwängungsspannungen aufbauen können. Es entsteht an dieser Stelle ein Fließ-
gelenk. Der Kraftfluss passt sich dieser Fließgelenkbildung bis zum Erreichen
eines zweiten Fließgelenkes an. Es ist außerdem zu erkennen, dass die Kurven für
eine Breite von b = 15 cm und b = 20 cm übereinstimmen.
5.2 Untersuchung an rechteckigen Anschlussblechen unter reiner Zugbeanspruchung 79

Bild 5.15 Zum Einfluss der Knotenblechdicke tb auf die Tragfähigkeit des
Anschlusses

Als Zusammenfassung sind in Tabelle 5.3 die untersuchten Parameter aufgelistet und
der Einfluss auf die Tragfähigkeit bzw. den Kraftfluss zusammengefasst. Diese Er-
kenntnisse fließen bei der Entwicklung eines Bemessungsmodells für Zugstaban-
schlüsse in Kapitel 7 ein.
Tabelle 5.3 Übersicht der Parameter und deren Einfluss auf den Kraftfluss und die
Tragfähigkeit

Beschreibung des Einfluss auf den Einfluss auf die


Parameter
Parameter Kraftfluss Tragfähigkeit
Breite der nichtlinear, siehe Bild
b groß, siehe Bild 5.13
Anschlusslasche 5.12
Dicke des
t sehr gering linear, siehe Bild 5.15
Knotenblechs
Anschlusslänge von
nichtlinear, siehe Bild
Lw der Diagonale an das groß, siehe Bild 5.13
5.12
Knotenblech
Profilhöhe des kein Einfluss, siehe Bild
hsp gering
Zugstabs 5.14
80 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

5.3 Untersuchung an schräg abgeschnittenen


Knotenblechen

5.3.1 Tragverhalten und Kraftfluss im Grenzzustand der


Tragfähigkeit

In Bild 5.3 ist bei dem berechneten Beispiel eines Zugstabanschlusses mit rechtecki-
gem Knotenblech erkennbar, dass dieses im Traglastzustand in großen Bereichen
durchplastiziert. Tragreserven sind lediglich noch in den oberen Ecken des Knoten-
blechs vorhanden, die aber nicht genutzt werden können, siehe Bild 5.5. Im Folgen-
den soll geklärt werden, inwieweit diese Ecken dem Lastabtrag dienen oder ob sie
entbehrlich sind. Deshalb werden die oberen Ecken des Knotenblechs abgeschnitten
und die gleichen Untersuchungen durchgeführt wie in Abschnitt 5.2. Es handelt sich
dabei zunächst um das gleiche Beispiel wie in Abschnitt 5.2.1, siehe Bild 5.2, mit
dem Unterschied, dass die äußeren oberen Ecken abgeschnitten werden. Der horizon-
tale Versatz vom Zugstab bis zu der abgeschnittenen Kante beträgt u = 1 cm. Die
Traglast im Grenzzustand der Tragfähigkeit beträgt Z = 362 kN und ist im Gegensatz
zu dem Beispiel mit dem rechteckigem Blech um ca. 4,5 % geringer.

Bild 5.16 Zugstabanschluss mit schräg abgeschnittenem Anschlussblech und


Schnittgrößen und Kraftresultierende im Ausgangsschnitts

Bild 5.17 zeigt die Spannungen im Anschlussbereich aus der FEM-Berechnung im


Traglastzustand. Im Vergleich zum Anschluss mit rechteckigem Blech, siehe
Bild 5.3, fällt auf, dass in beiden Fällen die plastizierten Bereiche in den
Anschlussblechen eine sehr ähnliche Form und Größe aufweisen. Bei den Schubspan-
5.3 Untersuchung an schräg abgeschnittenen Knotenblechen 81

nungen τxz ergeben sich im Bereich der Anschlussseiten größere Spannungen als bei
dem Beispiel mit dem rechteckigen Anschlussblech. Das deutet darauf hin, dass eine
größere Neigung β im Ausgangsschnitt vorliegen kann und sich ein insgesamt ver-
gleichbarer aber nicht exakt gleicher Kraftfluss einstellt.

Bild 5.17 Spannungsplots aus der FEM-Berechnung für den beispielhaften


Anschluss mit abgeschnittenen Anschlussblechen

In Tabelle 5.4 sind die Berechnungsergebnisse der drei beispielhaften Fälle aus
Bild 5.8 für das rechteckige und das schräg abgeschnittene Knotenblech zusammen-
gestellt. Im Fall a verringert sich die maximale Traglast um 14,1 % gegenüber dem
rechteckigen Anschlussblech. Der prozentuale Unterschied der Traglasten wird aller-
dings mit zunehmender Breite kleiner und ab einem Verhältnis von b / Lw > 1 ist die
Differenz kleiner als 5% (siehe Normalkräfte). Außerdem ist auffällig, dass bei dem
schmalen Knotenblech (Fall a) keine ausschließliche Zugbeanspruchung in dem Aus-
gangsschnitt vorliegt, sondern dass eine schräge Kraftresultierende mit einer kleinen
Exzentrizität vorhanden ist. Dieses Tragverhalten entspricht dem zweiten Versagens-
fall (Übergangsbereich). Somit nimmt nicht nur die Breite der Anschlusslaschen und
die Anschlusslänge des Pfostens Einfluss auf die Tragfähigkeit und das Tragverhal-
ten, sondern auch die geometrische Ausbildung des Knotenblechs. Es ist außerdem
82 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

erkennbar, dass sich die Grenze zwischen den Versagensfällen 1 und 2 bzw. 2 und 3
nach Tabelle 5.4 nicht so exakt für die schräg abgeschnittenen Knotenbleche einstellt,
da z.B. bereits im Fall a eine schräge Resultierende im Ausgangsschnitt vorliegt
(siehe Neigungen β im Fall a). Die Übergänge stellen sich leicht weicher dar als bei
rechteckigen Anschlussblechen.

Tabelle 5.4 Vergleich der resultierenden Schnitt- und Kraftgrößen im Ausgangsschnitt


von rechteckigen und schräg abgeschnittenen Knotenblechen im
Grenzzustand der Tragfähigkeit

Fall a: Fall b: Fall c:


b / Lw = 0,5 b / Lw = 0,83 b / Lw = 1,33
Anschlussblechform gerade schräg gerade schräg gerade schräg
Schnittgrößen im Ausgangsschnitt
Normalkraft [kN] 163 140,06 189,4 181,6 189,3 185,3
Verhältnis [%] 100 85,9 100 94,6 100 96,2

Querkraft [kN] 2,4 28,7 61,9 84,3 65,0 78,4


Verhältnis [%] 100 1196 100 114,1 100 143,9

Biegemoment [kNcm] 21 50 373 182 1113 928


Verhältnis [%] 100 238 100 59,0 100 64,8

Kraftresultierende mit Lage und Neigung


Resultierende [kN] 163,0 142,9 199,3 200,2 200,1 201,2
Kraft
Verhältnis [%] 100 87,6 100 100,5 100 100,6

Exzentrizität [cm] 0,13 0,36 1,97 1,0 5,88 5,01


Verhältnis [%] 100 279 100 50,8 100 85,2

Neigung [°] 0,9 11,6 18,1 24,9 19,0 22,9


Verhältnis [%] 100 1289 100 137,5 100 120,5

Bild 5.18 zeigt die Ergebnisse des Beispiels aus Abschnitt 5.2.1, allerdings mit schräg
abgeschnittenem Knotenblech. Grundlage für die dargestellte Auswertung sind die
aus dem Ausgangsschnitt ermittelten Schnittgrößen. Sie werden in die mit dem Win-
kel δ geneigten Schnitte transformiert (Bild 5.18a). In einem weiteren Schritt wird die
plastische Querschnittsausnutzung nach Abschnitt 1.4.5 berechnet und in Abhängig-
keit des Winkels δ aufgetragen, siehe Bild 5.18b. Es ist erkennbar, dass die Schnitt-
größenentwicklung nicht sehr stark von der in Bild 5.5 abweicht. Der Kraftfluss bei
beiden Anschlussblechformen ist ähnlich und bestätigt die Aussage zu dem Span-
nungsplot. Allerdings zeigt sich bei der Querschnittsausnutzung ein großer Unter-
schied zwischen dem geraden rechteckigen und dem schräg abgeschnittenen Knoten-
blech.
5.3 Untersuchung an schräg abgeschnittenen Knotenblechen 83

Bild 5.18 Auswertung an schrägen Schnitten eines beispielhaften Anschlusses

Bei der Untersuchung mit dem schräg abgeschnittenen Blech ist die Querschnittsaus-
nutzung in allen dargestellten Schnitten (-45° < δ < 90°) größer als 90 %. Die maxi-
male plastische Querschnittsausnutzung liegt bei δ = 68° und beträgt η = 1,122. Die-
ser Winkel deckt sich mit dem Spannungsplot in Bild 5.17 unten rechts. Die Überlas-
tung von 12,2 % kann sich ergeben, da die günstige Überlagerung der beiden Haupt-
spannungen σx und σz bei der Vergleichsspannung nach von Mises vernachlässigt
werden, so dass die Auswertungen auf der sicheren Seite liegen, siehe
Abschnitt 1.4.4.
84 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

5.3.2 Tragfähigkeiten in Abhängigkeit der verschiedenen


Parametern

Analog zu den rechteckigen Anschlussblechen werden die bisher gewonnenen Er-


kenntnisse im Rahmen einer Parameterstudie vertieft, um die Einflüsse der An-
schlussblechgeometrie auf das Tragverhalten und den Kraftfluss zu verdeutlichen.
Die Ergebnisse beziehen sich in diesem Abschnitt auf ausgeschnittene und schräg
abgeschnittene Anschlussbleche.

In Bild 5.19 sind die maximalen Traglasten aus der FEM-Berechnung des in Bild 5.1
dargestellten Zugstabanschlusses mit schräg abgeschnittenen Anschlussblechen
zusammengestellt. Bei den Berechnungen werden wie in den Vorgängen bei geraden
Anschlussblechen vier verschiedene Anschlusslängen Lw untersucht. Die maximalen
Tragfähigkeiten sind in Abhängigkeit von der Breite b der Anschlussbleche aufgetra-
gen. Entsprechend der Ergebnisse bei den Berechnungen mit den rechteckigen An-
schlussblechen steigt die Tragfähigkeit für kleine Breiten fast linear an und für große
Breiten kann die Tragfähigkeit mit zunehmender Breite nicht gesteigert werden. Es
liegt deshalb der Schluss nahe, dass für diese Bereiche die gleichen Versagensmecha-
nismen maßgebend werden, wie sie in Abschnitt 5.2 für Zugstabanschlüsse mit recht-
eckigen Anschlussblechen aufgetreten sind. Bei sehr schmalen Laschen versagt der
horizontale Schnitt im Bereich des Spaltes auf Zug und bei sehr breiten Laschen wird
die Schubtragfähigkeit im Anschlussbereich von Zugstab zu Knotenblech maßge-
bend. Allerdings zeigt sich, wie vermutet, dass die Übergänge zwischen den drei defi-
nierten Bereichen etwas weicher sind, was sich dadurch bemerkbar macht, dass der
mittlere nichtlineare Verlauf der Kurven in Bild 5.19 sehr viel ausgedehnter ist als bei
rechteckigen Anschlussblechen (Bild 5.12). Der mittlere Bereich, bei dem das Errei-
chen der Querschnittstragfähigkeit in einem schrägen Schnitt maßgebend wird, ge-
winnt somit an Bedeutung. Da bei diesen Anschlussblechen aufgrund der abge-
schnittenen Bleche die Tragfähigkeit in diesen schrägen Schnitten reduziert wird, ist
es offensichtlich, dass dieser Versagensmechanismus eher maßgebend wird. Aus die-
sem Grund wird für schräg abgeschnittene Anschlussbleche der Bereich, bei dem der
Versagensfall 2 maßgebend ist, erweitert. Die Aufteilung kann für schräg abge-
schnittene Anschlussbleche wie folgt angenommen werden:
b 1
Schmale Anschlussbleche: ≤
Lw 3
1 b
Mittelbreite Anschlussbleche: < < 1,5 (5.3)
3 Lw
b
Breite Anschlussbleche: ≥ 1,5
Lw
5.3 Untersuchung an schräg abgeschnittenen Knotenblechen 85

Bild 5.19 Maximale Traglast des Zugstabanschlusses in Abhängigkeit von der


Breite b mit schrägen Anschlussblechen

Zusätzlich zu den aufgetragenen Traglasten sind in Bild 5.20 die Exzentrizität e und
der Neigungswinkel β für die vier verschiedenen Anschlusslängen in Abhängigkeit
von der Breite b dargestellt. Die Verläufe der Exzentrizität e und des Neigungswin-
kels β ähneln denen für rechteckige Anschlussbleche, siehe Bild 5.13. Unterschiede
beim Kraftfluss der Knotenblechformen zeigen sich bei dem sich einstellenden Nei-
gungswinkel β der Kraftresultierenden im Ausgangsschnitt bei schmalen Anschluss-
seiten. Bei schräg abgeschnittenen Blechen vergrößert sich der Winkel direkt mit stei-
gender Breite. Ein zweiter Unterschied ist darin zu erkennen, dass die entstehenden
Winkel etwas größer sind als die bei rechteckigen Anschlussblechen.
86 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.20 Exzentrizität und Neigungswinkel der Kraftresultierenden im


Ausgangsschnitt bei schrägen Anschlussblechen

Die bisherigen Untersuchungen sind mit einem senkrechten Abstand u = 1 cm


durchgeführt worden. Es konnte dabei gezeigt werden, dass sich die einstellenden
Versagensmodi mit den zugehörigen Traglasten und Kraftflüssen bei rechteckigen
und schräg abgeschnittenen Anschlussblechen zwar ähneln, sich jedoch nicht exakt
identisch einstellen. Dieses Phänomen hat die größten Auswirkungen für die
mittelbreiten Anschlussbleche, so dass diese in den folgenden Untersuchungen im
Vordergrund stehen. Um den Einfluss des senkrechten Abstandes u zu untersuchen,
sind in Abhängigkeit des bezogenen Abstandes u / b in Bild 5.21 die Traglasten für
drei mittelbreite Bleche mit unterschiedlichen Verhältnissen von b / Lw aufgetragen.
Bei b / Lw = 1, das heißt ein relativ breites Blech, ist der Einfluss eher gering, da sich
in diesem Fall die fehlenden Blechecken nicht sonderlich stark auf den Kraftfluss
auswirken. Bei diesem Versagensfall wird schräger Schnitt mit großem Winkel δ
maßgebend. Für kleine u / b Verhältnisse sinkt jedoch die Tragfähigkeit bei b = 20
cm. Es kann daraus geschlossen werden, dass ein anderer schräger Schnitt mit einem
5.3 Untersuchung an schräg abgeschnittenen Knotenblechen 87

kleineren Winkel δ maßgebend wird. Bei b / Lw = 0,75 steigt die Tragfähigkeit bis zu
einer bezogenen Breite von u / b = 1 / 3 um ca. 10 %. Anschließend verflacht die
Kurve und die Steigerung der Traglast ist gering. Kleine senkrechte Abstände bis ca.
u / b < 1 / 3 haben einen Einfluss auf die Traglast bei mittelbreiten Anschlussblechen.
Bei relativ schmalen Anschlussblechen (b / Lw = 0,5) ist der Einfluss auf die
Tragfähigkeit am Stärksten. In den vorgenommenen Untersuchungen steigt die
Tragfähigkeit von 359 kN bei einem bezogenem Abstand u / b = 0,1 auf 453 kN bei
einem Verhältnis von u / b = 0,9. Die Steigerung beträgt 26 %.

Bild 5.21 Maximale Traglast des Zugstabanschlusses in Abhängigkeit von dem


bezogenen, senkrechten Abstand bei schrägen Anschlussblechen

Neben den Traglasten in Bild 5.21 wird in Bild 5.22 der sich einstellende Kraftfluss
im horizontalen Ausgangsschnitt in Abhängigkeit des bezogenen, senkrechten
Abstandes gezeigt. Es ist erkennbar, dass bei den schmaleren Anschlusslaschen (b <
20 cm) der Einfluss auf die Exzentrizität eher gering ist. Bei dem breiteren Anschluss
hingegen verdoppelt sich sogar die Exzentrizität. Bei den Neigungswinkeln zeigt sich
ein etwas anderes Bild. Während bei beiden breiteren Blechen der Neigungswinkel
sich eher nur gering ändert, sinkt bei dem schmalen Blech der Winkel β von ca. 13°
bei u / b = 0,1 auf ca. 1 ° bei u / b = 0,9. Die Auswertung bestätigt, dass sich zwar
ähnliche Kraftflüsse einstellen, aber auch, dass dabei gewisse Unterschiede infolge
der geänderten Anschlussblechgeometrie auftreten.
88 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.22 Exzentrizität und Neigungswinkel der Kraftresultierenden im


Ausgangsschnitt bei schrägen Anschlussblechen

5.4 Untersuchungen an unsymmetrischen Knotenblechen

5.4.1 Vorbemerkungen

Aufbauend auf Abschnitt 5.2, in dem das Tragverhalten von Zuganschlüssen mit
symmetrischen, rechteckigen Knotenblechen aufgezeigt wird, werden im Folgenden
drei beispielhafte Zugstabanschlüsse mit unsymmetrischen, rechteckigen Anschluss-
blechen untersucht. Anhand von FEM-Berechnungen werden die maximalen
Traglasten von verschiedenen Knotenblechen ermittelt und der Kraftfluss im
unsymmetrischen Anschlussblech aufgezeigt.
5.4 Untersuchungen an unsymmetrischen Knotenblechen 89

5.4.2 Tragverhalten eines Anschlusses mit einer schmalen und einer


breiten Anschlussseite

Der erste Anschluss wird in Bild 5.23 gezeigt. Die Anschlusslängen Lw der beiden
Anschlussseiten sind identisch, die Breiten aber unterschiedlich. Das Verhältnis von
Breite b1 zur Anschlusslänge Lw wird in der ersten Untersuchung so gewählt, dass
entsprechend Abschnitt 5.2.2 der erste Versagensfall auf der linken Seite maßgebend
wird, d.h. b / Lw < 0.5.

Bild 5.23 Anschlussskizze eines unsymmetrischen Anschlusses mit gleichen


Anschlusslängen

Um keinen Einfluss aus Zwängungen des Gesamtsystems und deren Spannungen zu


erhalten, wird der Pfosten am oberen Stabende nur aus der Ebene gehalten. In der be-
trachteten Ebene kann sich der Kopfpunkt des Zugstabes frei verformen.

In Bild 5.24 sind die Vergleichsspannungszustände für zwei verschiedene Zugkräfte


Z dargestellt. Auf der linken Seite ist zu erkennen, dass bei einer Zugkraft von
Z = 218 kN die schmale Anschlussblechseite im Bereich des Spaltes bereits weit-
gehend plastiziert ist. Das bedeutet, dass auf dieser Seite keine nennenswerte Last-
steigerung mehr möglich ist. Die rechte Anschlussseite zeigt im Bereich des Spaltes
zwar ebenfalls plastizierte Bereiche, jedoch liegt die Vergleichsspannung σv in
großen Bereichen noch weit unterhalb der Streckgrenze fyd. Außerdem fällt auf, dass
der vertikale Schnitt im Übergang vom Zugstab an das Knotenblech der höchstbelas-
tete Schnitt ist. Der Zugstab weist im Steg einen relativ symmetrischen Vergleichs-
spannungsverlauf auf, so dass man davon ausgehen kann, dass sich die Zugkraft sym-
metrisch auf die Anschlussseiten aufteilt.
90 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.24 Vergleichsspannungen σv des ersten unsymmetrischen Anschlusses im


Anschlussblech bei zwei unterschiedlichen Belastungsstufen

In Bild 5.24 rechts ist der Vergleichsspannungszustand im Knotenblech bei der maxi-
malen Traglast Zmax = 299 kN dargestellt. Auf der linken Seite hat sich der plastizier-
te Bereich noch etwas vergrößert gegenüber dem ersten Lastzustand. Auf der rechten
Seite zeigen sich im Übergangsbereich von Zugstab zum Knotenblech große plasti-
zierte Bereiche. Die Vergleichsspannungsverteilung im Steg des Zugstabs zeigt, dass
wesentlich höhere Spannungen zur rechten Anschlusslasche vorhanden sind. Das
heißt, dass die Laststeigerung vom linken Zustand (Z = 218 kN) bis zur maximalen
Traglast (Zmax = 299 kN) fast ausschließlich von der rechten Anschlusslasche aufge-
nommen wird. Die prozentuale Laststeigerung zwischen diesen Zuständen beträgt
37,2 %.

Bild 5.25 Spannungsverläufe im Grenzzustand der Tragfähigkeit in den horizontalen


Schnitten (Schnitte 1 und 2)
5.4 Untersuchungen an unsymmetrischen Knotenblechen 91

In Bild 5.25 sind die Spannungsverläufe in den beiden horizontalen Ausgangs-


schnitten dargestellt. Es ist erkennbar, dass die linke Anschlussseite nahezu aus-
schließlich auf Zug beansprucht wird. Die Zugspannungen sind konstant und gleich
der Streckgrenze fyd. Auf der rechten Seite treten im Bereich des Spaltes Zugspannun-
gen auf, die bis x ≈ 9 cm größer sind als die Streckgrenze. Zur Außenkante hin ver-
ringern sich die Zuspannungen linear und ab x ≈ 16 cm ergeben sich sogar Druck-
spannungen. An der Außenkante betragen sie bereits 18,5 kN/cm². Die aufintegrierten
Schnittgrößen dieser Spannungsverläufe sowie die plastischen Grenzschnittgrößen
sind in Tabelle 5.5 aufgelistet. Es ist zu erkennen, dass die Laststeigerung von
∆ZEd = 81 kN vornehmlich vom rechten Anschlussblech aufgenommen wird. Beim
Nachweis der Querschnittsausnutzung wird sichtbar, dass der linke horizontale
Schnitt (Schnitt 1) in beiden betrachteten Lastzuständen voll ausgenutzt ist. Es
entsteht an dieser Stelle ein plastisches Gelenk. Die Querschnittsausnutzung des
horizontalen Schnittes auf der rechten Seite (Schnitt 2) besitzt offensichtlich noch
Reserven, die jedoch nicht mehr aktiviert werden können. Der vertikale Schnitt im
Übergangsbereich (Schnitt 4) ist hier maßgebend, siehe Bild 5.24 rechts.

Tabelle 5.5 Schnittgrößen und Querschnittsausnutzung in den definierten Schnitten

Zugkraft ZEd = 218 kN Zugkraft ZEd = 299 kN

Linke Rechte
Linke Anschlussseite Rechte Anschlussseite
Anschlussseite Anschlussseite

Schnitt 1 Schnitt 2 Schnitt 1 Schnitt 3 Schnitt 2 Schnitt 4

vorhandene Schnittgrößen (gemäß FE-Berechnung)


NEd [kN] 106,3 111,8 110,4 0,6 188,0 -0,8
VEd [kN] 5,5 -5,6 0,6 110,4 -0,8 188,0
My,Ed [kNcm] 12,4 -1239,0 1,4 277,2 -2540,1 -190,1
plastische Grenzzschnittgrößen
Npl,d [kN] 109,1 545,5 109,1 327,3 545,5 327,3
Vpl,d [kN] 63,0 314,9 63,0 189,0 314,9 189,0
Mpl,y,d [kNcm] 136,4 3409,1 136,4 1227,3 3409,1 1227,3
bezogene Schnittgrößen
n [-] 0,974 0,205 1,012 0,002 0,345 0,002
v [-] 0,087 0,018 0,010 0,584 0,003 0,995
m [-] 0,091 0,363 0,010 0,226 0,745 0,155
Nachweis der plastischen Grenztragfähigkeit
η [-] 1,040 0,460 1,033 0,641 0,885 1,010
Kraftresultierende
REd [kN] 106,4 111,9 110,4 110,4 188,0 188,0
e [cm] 0,1 -11,1 0,0 462,1 -13,5 237,6
α [°] 2,95 -2,85 0,31 89,69 -0,24 -89,76
92 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

5.4.3 Tragverhalten eines Anschlusses mit einer schmalen und einer


breiten Anschlussseite und mit unterschiedlichen
Anschlusslängen

Bei dem in Bild 5.26 dargestellten Anschluss ist die Anschlusslänge gegenüber dem
ersten Beispiel auf der rechten Seite um 10 cm verlängert. Es soll damit ausgeschlos-
sen werden, dass der vertikale Schnitt im Anschlussbereich (Schnitt 4) erneut maß-
gebend wird.

Bild 5.26 Ansicht eines unsymmetrischen Zugstabanschlusses mit


unterschiedlichen Anschlusslängen

Bild 5.27 stellt die Vergleichsspannungszustände für eine Zuglast von Z = 229 kN
(links) und 328 kN (rechts) dar. Der Zustand auf der linken Seite ist vergleichbar mit
dem in Bild 5.24 links Dargestellten. In beiden Fällen hat das Anschlussblech auf der
linken Seite bereits die Traglast erreicht. Der Zustand bei Z = 328 kN, siehe Bild 5.27
rechts, entspricht der Traglast dieses Beispiels. Im Gegensatz zu Bild 5.24 rechts ist
erkennbar, dass nicht der vertikale Schnitt im Anschlussbereich sondern der horizon-
tale Schnitt im Bereich des Spaltes maßgebend wird.
5.4 Untersuchungen an unsymmetrischen Knotenblechen 93

Bild 5.27 Vergleichsspannungen σv des zweiten unsymmetrischen Anschlusses bei


zwei unterschiedlichen Belastungsstufen

Bild 5.28 zeigt die Spannungsverläufe in den horizontalen Schnitten im Traglastzu-


stand (Schnitte 1 und 2). Analog zum ersten Beispiel sind die konstanten Zugnormal-
spannungen σz auf der linken Anschlussseite zu sehen. Auf der rechten Seite ist im
Vergleich zum vorhergehenden Beispiel, siehe Bild 5.25, die höhere Ausnutzung die-
ses Schnitts erkennbar. Der Verlauf der Normalspannungen deutet darauf hin, dass
der betrachtete Schnitt bis auf den Bereich des Vorzeichenwechsels vollständig
durchplastiziert ist. Aufgrund der günstigen Überlagerung mit der Normalspannung
σx sind die Zugnormalspannungen σz in weiten Teilen oberhalb der Streckgrenze.
Aus dem Verlauf der Normalspannungen ist erkennbar, dass neben einer Normalkraft
infolge der Zugkraft auch ein großes Biegemoment vorhanden ist.

Bild 5.28 Spannungsverläufe in den horizontalen Ausgangsschnitten


(Schnitte 1 und 2)
94 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

In Tabelle 5.6 sind die Schnittgrößen denen des ersten Beispiels gegenübergestellt. Es
ist erkennbar, dass in beiden Beispielen die Schnittgrößen auf der linken Seite nur un-
wesentlich voneinander abweichen, siehe Tabelle 5.5 und Tabelle 5.6. Durch die ver-
größerte Anschlusslänge ist nicht der vertikale Schnitt im Anschlussbereich maßge-
bend, sondern der horizontale Schnitt im Bereich des Spaltes. Der Schnitt wird durch
den Anteil der zentrischen Zugkraft und dem Versatzmoment belastet, das sich aus
der Gleichgewichtsbetrachtung ergibt. Dieses Versatzmoment zeigt sich in diesem
Fall als die maßgebende Beanspruchung (m = 0,912).
Tabelle 5.6 Vorhandene und Grenzschnittgrößen in den gekennzeichneten Schnitten

Beispiel 1: Zugkraft
Beispiel 2: Zugkraft Z = 328 kN
Z = 299 kN

rechtes Anschlussblech linkes Anschlussblech rechtes Anschlussblech

Schnitt 2 Schnitt 4 Schnitt 1 Schnitt 3 Schnitt 2 Schnitt 4

vorhandene Schnittgrößen (gemäß FE-Berechnung)


NEd [kN] 188,0 -0,8 110,3 0,6 228,7 -1,4
VEd [kN] -0,8 188,0 0,6 110,3 -1,4 228,7
My,Ed [kNcm] -2540,1 -190,1 1,5 277,4 -3108,6 -250,1
plastische Grenzzschnittgrößen
Npl,d [kN] 545,5 545,5 109,1 327,3 545,5 545,5
Vpl,d [kN] 314,9 314,9 63,0 189,0 314,9 314,9
Mpl,y,d [kNcm] 3409,1 3409,1 136,4 1227,3 3409,1 3409,1
bezogene Schnittgrößen
n [-] 0,345 0,001 1,011 0,002 0,419 0,002
v [-] 0,003 0,597 0,010 0,584 0,004 0,726
m [-] 0,745 0,056 0,011 0,226 0,912 0,073
Nachweis der plastischen Grenztragfähigkeit
η [-] 0,885 1,010 1,020 0,641 1,082 0,730
Kraftresultierende
REd [kN] 188,0 188,0 110,3 110,3 228,7 228,7
e [cm] -13,5 237,6 0,0 447,4 -13,6 183,9
α [°] -0,24 -89,76 0,32 89,68 -0,34 -89,66

5.4.4 Tragverhalten eines Anschlusses mit unterschiedlich breiten


Anschlussseiten und unterschiedlichen Anschlusslängen

In Bild 5.30 ist der dritte beispielhaft untersuchte, unsymmetrische Anschluss abge-
bildet. Dieser Anschluss unterscheidet sich von den vorhergehenden durch die breiten
Anschlusslaschen auf beiden Seiten. Das Verhältnis von Anschlusslänge zur Breite
beträgt auf der linken Seite b1 / Lw = 1,33 und auf der rechten Seite b2 / Lw = 1,25.
Gemäß der Einstufung in die verschiedenen Versagensfälle, siehe Tabelle 5.12 in Ab-
schnitt 5.7, ist jeweils der dritte Versagensmechanismus maßgebend. Eine schräge
Kraftresultierende in den Ausgangsschnitten stellt sich ein und der vertikale Schnitt
5.4 Untersuchungen an unsymmetrischen Knotenblechen 95

im Anschlussbereich wird maßgebend. Bei den beiden vorangegangenen Beispielen


ist die linke Anschlussseite so schmal, dass sich eine vertikale Resultierende im Aus-
gangsschnitt einstellt, die durch die Mitte des horizontalen Schnittes verläuft. Für den
vertikalen Anschlussbereich bedeutet dies, dass aufgrund des Kräftegleichgewichts
eine reine Querkraft zusammen mit dem Versatzmoment wirkt.

Bild 5.29 Zugstabanschluss mit unterschiedlichen Breiten und Anschlusslängen

Bild 5.30 Mitte zeigt den Vergleichsspannungszustand für den Traglastzustand. Die
Zugkraft im Traglastzustand beträgt Z = 428 kN. Oberhalb des Spannungsplots sind
die Spannungen in den vertikalen Schnitten im Anschlussbereich aufgetragen. Es ist
erkennbar, dass die Schubspannungen τxz auf beiden Seiten fast über die gesamte
Länge der Grenzschubspannung entsprechen. Zu den Enden hin nimmt die Schub-
spannung geringfügig ab. Die Normalspannungen σx sind über den gesamten Verlauf
positiv, wobei der Verlauf nicht konstant oder linear veränderlich ist. Die Vergleichs-
spannungen σv verlaufen über die gesamte Länge konstant und in der Größe der
Streckgrenze fyd. Die Grenztragfähigkeit ist in diesen beiden Schnitten nahezu er-
reicht.

In Tabelle 5.7 sind die auftretenden Schnittgrößen, die plastischen Grenzschnittgrö-


ßen und die bezogenen Schnittgrößen in den vier gekennzeichneten Schnitten, siehe
Bild 5.30, aufgelistet. Die Schnitte 3 und 4 werden vornehmlich durch die auftretende
Querkraft belastet und der Nachweis der plastischen Grenztragfähigkeit bestätigt die
Aussage, dass es sich bei diesen Schnitten um die maßgebenden Schnitte handelt. Für
die Anschlussseite auf der linken Seite stellt sich bei einem Vergleich mit rechtecki-
gen symmetrischen Blechen in Bild 5.13 ein vergleichbarer Kraftfluss ein. Das be-
deutet, dass die minder tragfähige Anschlussseite den Kraftfluss bis zum Errei-
chen des ersten Fließgelenks bestimmt.
96 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.30 Ansicht eines unsymmetrischen Zugstabanschlusses mit


unterschiedlichen Anschlusslängen und -breiten
5.4 Untersuchungen an unsymmetrischen Knotenblechen 97

In Tabelle 5.7 sind die auftretenden Schnittgrößen, die plastischen Grenzschnittgrö-


ßen und die bezogenen Schnittgrößen in den vier gekennzeichneten Schnitten, siehe
Bild 5.30, aufgelistet. Die Schnitte 3 und 4 werden vornehmlich durch die auftretende
Querkraft belastet und der Nachweis der plastischen Grenztragfähigkeit bestätigt die
Aussage, dass es sich bei diesen Schnitten um die maßgebenden Schnitte handelt. Für
die Anschlussseite auf der linken Seite stellt sich bei einem Vergleich mit
rechteckigen symmetrischen Blechen in Bild 5.13 ein vergleichbarer Kraftfluss ein.
Das bedeutet, dass die minder tragfähige Anschlussseite den Kraftfluss bis zum
Erreichen des ersten Fließgelenks bestimmt.

Von dem Punkt an, an dem eine Lasche ihre Grenztragfähigkeit erreicht hat, bildet
sich ein plastisches Gelenk aus. Der gesamte Zuganschluss hat jedoch noch nicht
seine volle Traglast erreicht, da die stärkere Lasche eine zusätzliche Belastung auf-
nehmen kann. Das dabei entstehende statische System ähnelt einem Kragarm und die
auftretenden Schnittgrößen müssen zusätzlich aufgenommen werden. Die Steigerung
vom ersten plastischen Fließgelenk bis zum Erreichen der maximalen Traglast beträgt
in diesem Fall ca. 13,7 %. Die Differenz der Normalkräfte in den horizontalen Aus-
gangsschnitten bezogen auf die Traglast beträgt mit 11,7 % in etwa die Traglaststei-
gerung.

Tabelle 5.7 Vorhandene Beanspruchungen und plastische Grenzschnittgrößen in den


gekennzeichneten vier Schnitten

Beispiel 3: Zugkraft Z = 428 kN


Linke Anschlussseite Rechte Anschlussseite

Schnitt 1 Schnitt 3 Schnitt 2 Schnitt 4


vorhandene Schnittgrößen (gemäß FE-Berechnung)
NEd [kN] 181,5 79,1 246,2 78,4
VEd [kN] 77,8 -175,0 -77,8 239,5
My,Ed [kNcm] 908,6 -370,9 2274,8 44,3
plastische Grenzzschnittgrößen
Npl,d [kN] 436,4 327,3 545,5 416,4
Vpl,d [kN] 252,0 189,0 314,9 252,0
Mpl,y,d [kNcm] 2128,0 1227,4 3409,4 2182,0
bezogene Schnittgrößen
n [-] 0,416 0,242 0,451 0,188
v [-] 0,309 0,926 0,247 0,950
m [-] 0,427 0,302 0,667 0,020
Nachweis der plastischen Grenztragfähigkeit
η [-] 0,600 0,641 0,885 1,010
Kraftresultierende
REd [kN] 197,5 192,0 258,2 252,0
e [cm] 5,0 -4,7 9,2 0,6
α [°] 23,20 -65,68 -17,54 71,87
98 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Anhand der drei Beispiele konnte aufgezeigt werden, dass sich bis zum Erreichen des
ersten Fließgelenks ein symmetrischer Kraftfluss in den beiden Anschlussseiten ein-
stellt, der abhängig von der schwächeren Seite ist. Bis zum Erreichen der Traglast auf
der stärkeren Seite kann die Zugkraft gesteigert werden. Die schwächere Seite betei-
ligt sich allerdings nicht mehr beim Lastabtrag.

5.5 Kraftfluss infolge einer Biegebeanspruchung

Neben einer Normalkraftbeanspruchung können auch Biegemomente in Anschlüssen


mit ausgeschnittenen Anschlussblechen übertragen werden, siehe Kapitel 4. Im Fol-
genden wird der Kraftfluss bei einer Biegebeanspruchung beispielhaft aufgezeigt.
Bild 5.31 zeigt den untersuchten Anschluss. Es handelt sich dabei um den Anschluss,
der in Abschnitt 5.3.1 als Zugstabanschluss untersucht wird. Im Grenzzustand der
Tragfähigkeit beträgt das Biegemoment My = 35,68 kNm. Die Schnittgrößen im
vertikalen Schnitt in der Symmetrieachse und im horizontalen Ausgangsschnitt sind
auf der rechten Seite angegeben. Ziel dieser Untersuchungen ist es, sowohl den Ein-
fluss von Biegebeanspruchungen auf die Tragfähigkeit zu klären als auch eine Grund-
lage zu schaffen für ein Bemessungsmodell, bei dem Biegemomente übertragen wer-
den können.

Bild 5.31 Ansicht des beispielhaften Anschlusses mit aufgebrachter Traglast

In Bild 5.32 sind die zugehörigen Spannungsplots für das Beispiel im Grenzzustand
der Tragfähigkeit abgebildet. Bei der Betrachtung des Vergleichsspannungszustands
σv fällt auf, dass neben den hochbelasteten Anschlussblechen auch große Bereiche
des Profilsteges plastiziert sind. Der Profilsteg weist annähernd über die gesamte An-
schlusshöhe konstante Schubspannungen τxz auf, die gleich der Grenzschubspannung
5.5 Kraftfluss infolge einer Biegebeanspruchung 99

τRd sind. Diese Schubspannungen im Steg des biegebeanspruchten Profils deuten hin
auf eine Schubfeldausbildung.

In den Anschlussblechen treten die Schubspannungen ebenfalls umfangreich auf, sind


aber genau entgegengesetzt gerichtet. Neben den Schubspannungen sind auch
nennenswerte Normalspannungen σz vorhanden (Bild 5.20 oben links). Die horizon-
talen Normalspannungen sind eher gering. Nur im Übergangsbereich zwischen Stab
und Anschlussblech treten an den Enden erkennbare Spannungen auf.

Bild 5.32 Ausgabe der Spannungen aus der FEM-Berechnung für den
beispielhaften Anschluss unter Biegebeanspruchung

Das Tragverhalten infolge einer Biegemomentenübertragung kann in zwei einzelne


Kraftflüsse aufgeteilt werden. In Bild 5.33 sind diese zwei Kraftflüsse prinzipiell dar-
gestellt. Das Biegemoment, das grundsätzlich im Biegestab in ein vertikales Kräfte-
paar aufgeteilt werden kann, wird bei der Momentenübertragung im Kraftfluss Teil 1
mit Hilfe eines Schubfeldes im Steg in ein horizontales Kräftepaar umgewandelt.
Dieses horizontale Kräftepaar wird über ein Schubfeld in den seitlichen Anschlussbe-
reichen wiederum in ein vertikales zurückgewandelt. Im Kraftfluss Teil 2 wird das
vertikale Kräftepaar wird direkt an die Anschlussbleche als Schubkraft übertragen.
Daher wirkt aus Gleichgewichtsgründen im horizontalen Ausgangsschnitt neben der
Vertikalkraft auch ein Versatzmoment. Dieses Versatzmoment ist dem aus dem
Kraftfluss Teil 1 entgegengesetzt.
100 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.33 Aufteilung des Gesamtkraftflusses in zwei Tragmechanismen

Im Weiteren ist zu klären, in welchem Verhältnis sich die beiden Kraftflüsse einstel-
len. Für das betrachtete Beispiel in Bild 5.31 sind die Schnittgrößen in zwei definier-
ten Schnitten angegeben. Im vertikalen Schnitt ergibt sich lediglich eine Schubkraft,
die als qualitative Bewertung des ersten Kraftflusses herangezogen werden kann. Die
vertikale Kraft im horizontalen Schnitt kann als Anteil des Kraftflusses Teil 2 bewer-
tet werden. Als Probe muss die Summe beider Kräfte multipliziert mit dem Abstand
der Gurte in etwa das einwirkende Moment ergeben:
( Vv + N h ) ⋅ a g = (107, 4 + 153, 2 ) ⋅14,3 = 3724 kNcm ≈ 3568 kNcm (5.4)

Für eine weitergehende Beurteilung der Frage, welche Anteile die jeweiligen Kraft-
flüsse haben, werden in Bild 5.34 die anteiligen Momente der Kraftflüsse und das
Gesamtmoment dargestellt. Dabei wird b variiert. Es ist festzuhalten, dass bei kleinen
Breiten bis ca. b = 4 cm das Gesamtmoment fast ausschließlich über den Kraftfluss 2
in das Anschlussblech übertragen wird. Bei einer Breite bis zu ca. b = 15 cm nehmen
für beide Kraftflüsse die Biegemomentenanteile zu. Danach verflachen die Kurven.
Eine Zunahme der Breite bewirkt von diesem Wert an keine zusätzliche Steigerung
des übertragbaren Biegemomentes. Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, dass
beide Kraftflüsse von dieser Breite an horizontal verlaufen und sich die Anteile der
Kraftflüsse aufgrund von Steifigkeitsänderungen nicht verschieben. Der prozentuale
Anteil des Kraftflusses 2 beträgt ca. 60 % der gesamten Momentenübertragung.
5.5 Kraftfluss infolge einer Biegebeanspruchung 101

Bild 5.34 Anteile der beiden Kraftflüsse in Abhängigkeit von der Anschlussbreite b
bei dem beispielhaften Anschluss

In Bild 5.35 sind die maximal übertragbaren Biegemomente in Abhängigkeit von der
Knotenblechgeometrie zu sehen. Die Blechdicken betragen im Steg tsP = 6 mm und
im Anschlussblech tb = 10 mm. Es ist erkennbar, dass bei steigender Anschlusslänge
auch das maximal zu übertragende Biegemoment zunimmt. Bei einer Anschlusslänge
von Lw = 20 cm und einer Breite b = 25 cm beträgt das maximale Biegemoment
max My = 49,2 kNm und stellt sich als nur geringfügig kleiner dar als das plastische
Biegemoment des Stabquerschnitts (Mpl,yd = 51,6 kNm).

Bild 5.35 Übertragbare Biegemomente in Abhängigkeit von der


Anschlussblechgeometrie für eine Anschlussblechdicke tb = 10 mm

Vergrößert man die Blechdicke auf tb = 15 mm (Bild 5.36), sind Verläufe deutlich
steiler als in Bild 5.35 für tb = 10 mm. Für sämtliche Längen Lw kann der Anschluss
von einer gewissen Breite an in etwa das vollplastische Biegemoment des Stabes
102 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

übertragen. Die einzige Ausnahme bilden Anschlüsse, die eine recht kurze
Anschlusslänge (Lw = 10 cm) haben. Für diese beträgt das maximal übertragbare Bie-
gemoment ca. 36 kNm.

Bild 5.36 Übertragbare Biegemomente in Abhängigkeit der


Anschlussblechgeometrie für eine Anschlussblechdicke tb = 15 mm

Bei den untersuchten Anschlüssen ist wiederum die Frage zu klären, welchen jewieli-
gen Anteil die beiden Kraftflüsse bei der Biegemomentenübertragung haben. In
Bild 5.37 ist dies für eine Blechdicke von tb = 10 mm dargestellt. Bis zu einer Breite
von b = 10 cm steigt der Einfluss des Kraftflusses 1 annähernd linear an bis zu einem
Anteil von ca. 40%. Der restliche Anteil kann dem Kraftfluss 2 zugeordnet werden.
Dieses Ergebnis zeigt sich bei den Anschlusslängen bis Lw = 20 cm. Für Lw = 25 cm
steigt der Anteil des Kraftflusses 2 bis zu einer Breite von b = 10 cm recht steil, da-
nach etwas flacher und verläuft ab einer Breite von b = 20 cm annähernd horizontal.
Ab dieser Breite sind die Anteile der beiden Kraftflüsse gleich groß.

Bild 5.37 Anteil der einzelnen Kraftflüsse in Abhängigkeit der


Anschlussblechgeometrie für eine Anschlussblechdicke tb = 10 mm
5.5 Kraftfluss infolge einer Biegebeanspruchung 103

Analog dazu werden in Bild 5.38 die Anteile der beiden Kraftflüsse bei einer Blech-
dicke von tb = 15 mm in Abhängigkeit der Knotenblechgeometrie aufgetragen. Für
kleine Breiten bis b ≈ 10 cm stimmen die Verläufe mit denen aus Bild 5.37 überein.
Die Kurve für Lw = 25 cm, d.h. für sehr große Anschlusslängen, ist annähernd iden-
tisch mit der in Bild 5.37 dargestellten. Für die übrigen Anschlusslängen zeigen sich
bei größeren Breiten quantitative Unterschiede, qualitativ gesehen ähneln sich die
Verläufe aber sehr. Die auffälligste Gemeinsamkeit besteht darin, dass die Kurven-
verläufe für große Breiten horizontal verlaufen und dass sich keine Änderung der
Kraftflussanteile mehr einstellen. Diese Erscheinung kann damit begründet werden,
dass bei sehr breiten Anschlussblechen die äußeren Bereiche nicht mehr aktiviert
werden können, folglich unwirksam sind.

Bild 5.38 Anteil der einzelnen Kraftflüsse in Abhängigkeit der


Anschlussblechgeometrie für eine Anschlussblechdicke tb = 15 mm

Als sehr unterschiedlich stellen sich die Verhältnisse der beiden Kraftflüsse bei mitt-
leren bis großen Breiten heraus. Bei einer Blechdicke von tb = 10mm ergibt sich für
eine sehr kurze Anschlusslänge von Lw = 10 cm eine Aufteilung n1 : n2 = 40 : 60 und
bei einer sehr langen Anschlusslänge mit Lw = 25 cm sind die Anteile annähernd
gleich groß. Bei einer Blechdicke von tb = 15 mm betragen die Verhältnisse zwischen
n1 : n2 = 30 : 70 bei kurzen Anschlusslängen und 50 : 50 bei langen Anschlusslängen.
Für eine Aufteilung des Biegemomentes auf die beiden Kraftflüsse eignet sich das
Verhältnis der Blechdicken folgendermaßen:
t sP
Anteil des Kraftflusses 1: n1 = (5.5)
t b + t sP

tb
Anteil des Kraftflusses 2: n2 = (5.6)
t b + t sP

Im Beispiel ergibt sich mit diesen Formeln


104 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

6 10
tb = 10mm: n1 = = 0,375 und n1 = = 0,625 (5.7)
16 16
6 15
tb = 15 mm: n1 = = 0, 28 und n2 = = 0,72 (5.8)
21 21
Was in etwa den o. g. Verhältniswerten entspricht. Weiterhin scheint diese Aufteilung
plausibel, da das in ein Kräftepaar aufgeteilte Biegemoment in der Ingenieurvorstel-
lung in den Gurten des Stabes wirkt. Das Kräftepaar wird im Kraftfluss 1 zunächst an
das Stegblech des Stabes abgegeben, um es in ein horizontales Kräftepaar zu transfor-
mieren. Bei dem Kraftfluss 2 wird das vertikale Kräftepaar direkt an die beiden An-
schlussseiten übergeben. Bei sehr langen Anschlusslängen wird empfohlen, das
Biegemoment zu gleichen Teilen den beiden Kraftflüssen zuzuweisen.

5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben

5.6.1 Vorbemerkungen

Bislang werden in der Baupraxis getrennte Nachweise für den Knoten und für den
druckbeanspruchten Stab geführt. Bei dem Nachweis des Anschlusses wird ein Sta-
bilitätseinfluss nicht berücksichtigt und für die Stabilitätsbetrachtung des Gesamtsta-
bes bleibt dieser Einfluss ebenfalls unberücksichtigt. Mit Hilfe der nachfolgenden
Untersuchungen soll geklärt werden, welchen Einfluss ausgeschnittene Anschluss-
bleche auf die Stabilität des Druckstabs haben und ob dieser bei einer Bemessung zu
berücksichtigen ist.

Für eine genaue Bestimmung der Traglast nach der Fließzonentheorie sind eine Viel-
zahl von Annahmen zu treffen und anzusetzen. Es handelt sich neben den strukturel-
len Imperfektionen um die Eigenspannungszustände des Stabes, der ausgeschnittenen
Bleche sowie zusätzliche durch das Schweißen eingetragene Eigenspannungen. Aus
diesem Grund werden Untersuchungen mit der Fließzonentheorie als genaue Bestim-
mung der Traglasten im Rahmen dieser Arbeit nicht durchgeführt.

5.6.2 Ermittlung von Verzweigungslasten mit der FEM

Anhand des in Bild 5.39 dargestellten Druckstabs werden die ersten Eigenwerte und
die zugehörigen Eigenformen nach Abschnitt 3.4 berechnet. Es handelt sich in die-
sem Fall um einen Druckstab mit ausgeschnittenen Anschlussblechen an beiden En-
den. Die Systemlänge des Druckstabes beträgt Lsys = 300 cm, so dass sich für die
Stablänge zwischen den Flanschen des Gurtstabes Lges = 266 cm ergibt. Die übrigen
Abmessungen sind in Bild 5.39 angegeben. Es sei an dieser Stelle erneut erwähnt,
dass die Querträger gabelgelagert sind und die Gurte aus der Ebene seitlich gehalten
werden.
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 105

Bild 5.39 Beispielhafter Druckstab mit ausgeschnittenen Anschlussblechen

In Bild 5.40 sind die ersten drei Eigenformen mit den zugehörigen Eigenwerten bzw.
Verzweigungslasten NKi abgebildet. Die erste Eigenform kann als Ausknicken des
Gesamtstabes bezeichnet werden, da der gesamte Stab in eine Richtung ausweichen
möchte. Die Eigenform zum zweiten Eigenwert zeigt ein entgegengesetztes Aus-
knicken der Anschlussbleche. Die dritte Eigenform kann als Drillknicken des Ge-
samtstabes definiert werden. Vergleicht man die berechneten Verzweigungslasten mit
denen eines beidseitig gelenkig gelagerten Druckstabes mit konstanter Steifigkeit, so
ergibt sich für eine Stablänge von sk = 266 cm:
21000 ⋅ 614, 4
N Ki = π2 ⋅ = 1799,7 kN (5.9)
2662
Die auf dieser Grundlage berechnete Verzweigungslast liegt um 50 % höher als bei
der durchgeführten FEM-Analyse und somit auf der unsicheren Seite. Nicht nur für
den Anschluss ist die Stabilität des Gesamtsystems von Bedeutung, auch die
bezogene Schlankheit erhöht sich gegenüber des einfachen Druckstabes von λ K =
0,72 auf 0,86. Aufgrund des erhöhten Schlankheitsgrades sinkt augenscheinlich die
Beanspruchbarkeit des Druckstabes ab.
106 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.40 Eigenformen zu den ersten drei Eigenwerten des betrachteten Beispiels

Es ist offensichtlich, dass der Anschluss einen gewissen Einfluss auf die Stabilität
derartiger Druckstäbe hat. Bild 5.41 zeigt Eigenform im Bereich des Anschlusses für
den ersten Eigenwert. Um das Stabilitätsversagen im Anschlussbereich zu veran-
schaulichen, sind die Verdrehungen farblich dargestellt. Neben den seitlichen Ver-
schiebungen ist ebenfalls eine deutliche Neigung des Stabes oberhalb des Anschlus-
ses zu erkennen, die auf das seitliche Ausknicken des Stabes hinweist. Es zeigt sich
eine Eigenform, die sich als Kombination aus Knicken des Gesamtstabes und
Knicken des Anschlussblechs zusammensetzt.

Bild 5.41 Erste Eigenform im Anschlussbereich mit farblich dargestellten


Verdrehungen
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 107

Zur präziseren Quantifizierung der Stabilitätsgefahr werden im folgenden Abschnitt


verschiedene Geometrieparameter des Druckstabes und des Anschlusses variiert. Es
sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, inwieweit die Anschlussblechgeome-
trie Einfluss auf die Stabilitätsgefahr derartiger Druckstäbe hat.

5.6.3 Einfluss der Anschlussblechgeometrie auf die


Verzweigungslast NKi

In Bild 5.42 sind die Eigenwerte der beschriebenen Eigenformen des in Bild 5.39 dar-
gestellten Systems aufgetragen. Der Eigenwert der dritten Eigenform liegt in allen
Fällen deutlich oberhalb der beiden anderen. In allen Fällen ist der Eigenwert zu
der ersten dargestellten Eigenform auch der maßgebende. Die Eigenwerte der
zweiten Eigenform sind für b < 10 cm fast gleich mit dem Eigenwert der ersten
Eigenform. In den anderen Fällen liegen die Eigenwerte genau zwischen den Eigen-
formen 1 und 3. Betrachtet man den Druckstab als Eulerfall II, so beträgt die Knick-
länge zwischen den Flanschen der Querträger sK = 266 cm und für einen Stab
zwischen den Systemlinien der Querträger sK = 300 cm. Wegen einer besseren Beur-
teilbarkeit der Stabilität, sind die Verzweigungslasten für diese beiden Fälle einge-
zeichnet. Es ist eindeutig zu erkennen, dass in allen berechneten Fällen die maßge-
bende Verzweigungslast des FEM-Modells unterhalb der des Druckstabes mit einer
Systemlänge von sK = 266 cm liegt. Das bedeutet, dass eine Abschätzung als
Eulerfall II mit einer Knicklänge von sK = 266 cm im vorliegenden Fall immer auf
der unsicheren Seite liegt.

Eine weitere Auffälligkeit besteht darin, dass bei sehr breiten Anschlussblechen die
Verzweigungslast wieder abnimmt. Eine derartige Verstärkungsmaßnahme des An-
schlusses hat also von einem gewissen Punkt an einen Stabilitätsverlust zur Folge.

Bild 5.42 Verzweigungslasten NKi der ersten drei Eigenformen des betrachteten
Beispiels
108 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Neben der Anschlussblechbreite b werden nachfolgend auch die Einflüsse der übri-
gen Geometrieparameter des Anschlussblechs untersucht. In Bild 5.43 sind die Ver-
zweigungslasten in Abhängigkeit von der Breite und der Anschlusslänge Lw abgebil-
det. Für alle untersuchten Fälle stellt sich der qualitativ gleiche Verlauf ein. Die Ver-
zweigungslast steigt mit größerer Breite an und von einem Maximalwert an sinkt sie
wieder. Allerdings ist die Verringerung für Druckstäbe mit großen Anschlusslängen
deutlich schwächer als bei kurzen Anschlusslängen. Die Differenz der maximalen
Verzweigungslasten zwischen einer Anschlusslänge von Lw = 10 cm und Lw = 25 cm
beträgt 18,6 %. Bei großen Anschlusslängen liegen die Verzweigungslasten oberhalb
der Verzweigungslast eines reinen Druckstabes mit sK = 300 cm. Die Verzweigungs-
last eines Druckstabes mit sK = 266 cm liegt jedoch weit oberhalb aller berechneten
Verzweigungslasten. Für jede Kurve gilt, dass sich das Maximum in etwa bei dem
Verhältnis b / Lw = 1 einstellt.

Bild 5.43 Verzweigungslast NKi in Abhängigkeit von der Anschlussblechgeometrie

Zur Analyse der abfallenden Äste in den vorangegangenen Bildern wird in Bild 5.44
eine Hälfte des Anschlusses mit einem prinzipiellen Kraftfluss im Anschlussbereich
für einen normal breiten und einen sehr breiten Anschluss betrachtet, vgl. auch Bild
5.7. Anhand des vereinfachten Kraftflusses ist zu erkennen, dass sich bei vergrößern-
den Breiten auch eine größere Neigung der Kraft zwischen Zh1 im Steg und Zh2 im
Blech einstellt. Es bildet sich ein Druckbogen aus, der über die horizontalen Zugbän-
der kurzgeschlossen wird. Aufgrund der größeren Breite nimmt die Zugkraft Zh1 ab
und die größer werdende Zugkraft Zh2 wirkt sehr viel tiefer. Diese Änderung des
Kraftflusses hat einen destabilisierenden Einfluss auf das Gesamtsystem. Der maßge-
bende Stabilitätsfall stellt sich als Kombination aus dem Knicken des Gesamtstabes
über die Druckstablänge und dem Knicken (bzw. Beulen) des Druckstabsteges im
Anschlussbereich bzw. des Anschlussbleches dar und bewirkt, dass sich mit steigen-
der Breite die Verzweigungslast NKi verringert.
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 109

Bild 5.44 Einfluss der Anschlussblechbreite auf den Kraftfluss und auf die Stabilität

Die Verläufe der Verzweigungslasten sind in Bild 5.45a in Abhängigkeit von der be-
zogenen Breite b / Lw für verschiedene Anschlusslängen aufgetragen. Bei allen An-
schlusslängen steigt die Verzweigungslast NKi bei kleinen b / Lw Verhältnissen bis zu
einem Maximalwert an und verringert sich dann wieder. Der Scheitelpunkt liegt bei
b / Lw = 1,5 für Lw = 10 cm und bei b / Lw =1 für Lw = 25 cm.

Ergänzend zu den Verzweigungslasten sind in Bild 5.45b die Exzentrizität bezogen


auf die Anschlusslänge e / Lw und die Neigung der Kraftresultierenden β im Aus-
gangsschnitt dargestellt. Es ist zu erkennen, dass sich bei steigender bezogener Breite
sowohl die Exzentrizität als auch die Neigung erhöhen. Die Exzentrizitäten liegen für
alle Anschlusslängen auf einer Kurve, während sich für die Neigung kleine Unter-
schiede ergeben.
110 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.45 Elastischer Kraftfluss im Ausgangsschnitt und Verzweigungslasten in


Abhängigkeit von der Anschlussblechgeometrie

In Bild 5.46 sind die Verzweigungslasten in Abhängigkeit von der Stablänge und von
der Blechdicke dargestellt. Die Untersuchungen werden mit Blechdicken zwischen
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 111

tb = 1,0 cm und tb = 2,5 cm vorgenommen. Die Gesamtlänge zwischen den Gurten der
Querträger wird von Lges = 100 cm bis Lges = 1000 cm variiert. Außerdem wird die
Verzweigungslast des Druckstabes mit beidseitig gelenkigem Auflager (Eulerfall II)
gezeigt. Es ist zu erkennen, dass bei großen Stablängen alle Kurven oberhalb der des
Eulerfalls verlaufen. Bei kleinen Stablängen ergeben sich allerdings deutlich kleinere
Verzweigungslasten als beim Eulerstab. Für eine Blechdicke von tb = 1,0 cm begin-
nen diese Abweichungen zum Eulerfall II bereits ab einer Länge von Lges = 300 cm.
Der horizontale Bereich bei kleinen Längen ist durch das örtliche Stabilitätsversagen
des Anschlusses, z. B. als Knicken des Anschlussblechs bzw. Druckstabsteges infolge
der Zwangsdruckskräfte zu erklären, während bei langen Stäben das Knicken des Ge-
samtstabes maßgebend wird.

Bild 5.46 Verzweigungslasten NKi in Abhängigkeit von der gesamten Stablänge und
der Anschlussblechdicke tb

Es ist davon auszugehen, dass neben den Parametern b und Lw die Länge des An-
schlussblechs zum Anschluss hr einen Einfluss auf die Verzweigungslast des Druck-
stabes hat. In Bild 5.47 sind die Verzweigungslasten für verschiedene Anschluss-
blechdicken in Abhängigkeit der Länge hr dargestellt. Die Länge des Druckstabes mit
den Anschlussblechen beträgt Lges = 3,00 m. Neben den Verläufen sind auch die Ver-
zweigungslasten von einem gelenkig gelagertem Druckstab mit der Länge
sk = 3,00 m und von Knickstäben des Knotenblechs mit einer Knicklänge von sk = hr
dargestellt. Der Kurvenverlauf der Ergebnisse mit der FEM ist für die untersuchten
Blechdicken ähnlich. Zunächst verlaufen die Kurven bei kleinen Längen hr horizon-
tal. Mit zunehmender Länge nehmen die Verzweigungslasten dann ab und für sehr
große Längen hr verflacht die Kurve. Bei einer Blechdicke von tb = 0,5 cm verläuft
die Kurve immer unterhalb der Verzweigungslast des Druckstabes, so dass offen-
sichtlich die Blechdicke neben den übrigen Blechabmessungen eine wichtige Rolle
spielt. Wie oben erläutert, stellt sich ein kombiniertes Verhalten aus Stabilitätsversa-
112 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

gen des Gesamtstabes und einem örtlichen Stabilitätsversagen des Anschlussbereichs


ein, siehe Bild 5.44.

Bild 5.47 Verzweigungslasten NKi in Abhängigkeit von der Länge bis zum Anschluss
hr und der Anschlussblechdicke tb

Daher ist neben dem Verhältnis von b / Lw auch die Blechdicke als entscheidender
Steifigkeitsparameter aus der Ebene von Bedeutung. Gemäß
DIN 18800 wird bei Druckstäben mit veränderlichem Querschnitt eine gewisse
Mindestbiegetragfähigkeit von
min M pl ≥ 0, 05 ⋅ max M pl (5.10)

gefordert, siehe Abschnitt 1.4.7. In Tabelle 5.8 werden die plastischen Grenzbiege-
momente für die in Bild 5.47 untersuchten Systeme gegenübergestellt. Die Bedin-
gung in Gl. (5.10) wird nur für eine Blechdicke von tb = 0,5 cm nicht erfüllt. Dieser
Vergleich bestätigt zusammen mit den Erkenntnissen aus Bild 5.47 die Bedingung
aus Gl. (5.10).
Tabelle 5.8 Vergleich der plastischen Biegemomente Mpl in Abhängigkeit von der
Anschlussblechdicke tb
Blech im Ausschnittsbereich Ungeschwächtes Anschlussblech
Mpl,z
tb bges Mpl Mpl / Mpl,z bges Mpl Mpl / Mpl,z
(HEA 160)
[cm] [kNcm] [cm] [kNcm] [-] [cm] [kNcm] [-]
0,5 2567 30 40,9 0,016 45,2 61,6 0,024
0,75 2567 30 92,1 0,036 45,2 138,7 0,054
1 2567 30 163,7 0,064 45,2 246,6 0,096
1,25 2567 30 255,7 0,100 45,2 385,3 0,150
1,5 2567 30 368,2 0,143 45,2 554,8 0,216
2 2567 30 654,6 0,255 45,2 986,3 0,384
2,5 2567 30 1022,8 0,398 45,2 1541,0 0,600
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 113

Aus den vorgestellten Untersuchungen und Diagrammen können folgende Schlussfol-


gerungen gezogen und abgelesen werden. Die wesentlichste Erkenntnis ist, dass der
Knotenblechanschluss einen bedeutenden Einfluss auf die Verzweigungslast des
Druckstabes hat, somit auch auf die Stabilität. Bei einem statischen Nachweis sind
diese Einflüsse zu berücksichtigen. Weiterhin hat sich herausgestellt, dass bei Beach-
tung folgender Grenzen, wie in Bild 5.45 und in Bild 5.47 sichtbar wird, die Verzwei-
gungslast des gelenkig gelagerten Druckstabes auf der sicheren Seite liegt:
b
≈1 (5.11)
Lw

hr
≤ 10 (5.12)
t 2b

Es ist allerdings sicher zu stellen, dass das Knicken des Gesamtstabes maßgebend
wird. In Bild 5.47 ist zusätzlich erkennbar, dass eine Ersatzbetrachtung des reinen
Anschlussblechs mit der Länge hr als gelenkig gelagerter Druckstab auf der unsiche-
ren Seite liegt und deshalb für eine Untersuchung der Tragsicherheit nicht geeignet
ist. In einem nächsten Schritt werden mögliche Methoden und Modelle zu untersu-
chen sein, um die Verzweigungslast NKi solcher Druckstäbe als ausschlaggebenden
Parameter der Stabilitätsgefahr abschätzen zu können.

5.6.4 Vergleich der Verzweigungslast mit reinen Stabwerksmodellen

Die Berechnungsergebnisse mit der FEM können als bestmögliche Näherungslösung


des Eigenwertproblems angesehen werden. Um mit einem Stabwerksprogramm die
Stabilität des betrachteten Druckstabes zu untersuchen, muss zunächst geklärt
werden, wie ein möglicher Ersatzstab modelliert werden kann. In [51] werden für
einen druckbeanspruchten Hohlprofilstab mit Fahnenblech mehrere Vorschläge für
eine näherungsweise Betrachtung mit einem Stabwerksprogramm gegeben. Es ist
neben den Möglichkeiten unterschiedlicher Querschnitte auch die Frage zu klären,
wie die Übergänge von dem Anschlussblech an den Druckstab sowie der Anschluss
an den Querträger in einem Ersatzstabmodell abgebildet werden können. Es ist
offensichtlich, dass der Druckstab aus mehreren einzelnen Querschnitten besteht. Bei
dem Druckstab in Bild 5.48 links ist feststellbar, dass gerade im Anschlussbereich
jeder mögliche horizontale Schnitt einen anderen Querschnitt aufweist. Hinzu kommt
die Erkenntnis, dass sich, wie in Abschnitt 5.6.3 dargelegt, neben dem Knicken auch
ein örtliches Stabilitätsproblem des Anschlusses einstellen kann.

Die in [51] vorgeschlagenen Modelle werden in dieser Arbeit aufgenommen und auf
diese hier behandelte Problemstellung angepasst. In Bild 5.48 links ist die Ansicht
des untersuchten Druckstabes abgebildet. Die Ausweichrichtung ist senkrecht zu der
dargestellten Ansicht. Neben der Ansicht sind verschiedene, mögliche Varianten
einer Stabwerksmodellierung des Druckstabes mit Anschlussblech dargestellt. Die
Varianten unterscheiden sich in der Länge des Bereichs mit der Biegesteifigkeit I2
und in der Annahme der Auflagerbedingungen. Die Biegesteifigkeit I2 entspricht der
des Anschlussblechs abzüglich des Ausschnitts. Für die Stablänge mit der Biege-
114 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

steifigkeit I2 werden nachfolgend zwei Annahmen untersucht. Einmal wird die Spalt-
länge a und zum anderen der maximale Wert aus halber Anschlusslänge Lw bzw. hal-
ber Anschlussseitenbreite b angenommen werden. Für den Anschluss an den Querträ-
ger ist eine Einspannung oder eine Drehfeder mit der Biegesteifigkeit des Querträger-
stegblechs möglich. Es sei nochmals hervorgehoben, dass dabei von einer Gabellage-
rung des Querträgers auszugehen ist.

Bild 5.48 Ersatzstabmodellierungen des untersuchten Druckstabes mit einem


Stabwerksprogramm

Die mit dem Ersatzstabwerkmodellen errechneten Verzweigungslasten sind in Bild


5.49 denen aus der Finite Elemente Berechnung gegenübergestellt. Als Parameter
werden hierbei die Anschlussblechdicke tb und die Länge hr variiert. Es ist augen-
scheinlich, dass die Verzweigungslasten in einem hohen Maße von der Modellierung
des Ersatzsystems abhängen, da die errechneten Verzweigungslasten sehr differieren.
Bei Veränderung der Blechdicke erweist es sich, dass die Ersatzmodelle unterschied-
lich zutreffend mit denen der genauen Finite Elemente Berechnung übereinstimmen.
So liegen zum Beispiel bei einer Blechdicke von tb = 10 mm die Ergebnisse des
Modells 2 am dichtesten und unterhalb denen der FEM-Berechnungen. Das würde
bedeuten, dass dieses Modell eine gute Näherung ist und die Stabilitätsgefahr auf der
sicheren Seite abschätzt. Bei einer Blechdicke von tb = 20 mm liegen sämtliche
Verzweigungslasten mit Modell 2 oberhalb der oben genannten Kurve, folglich auf
der unsicheren Seite. Lediglich das Modell 4 liefert hier für alle Fälle eine Näherung
auf der sicheren Seite. Insgesamt liefern die Modelle 1 und 3 keine brauchbaren
Ergebnisse und werden nicht weiter untersucht.
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 115

Bild 5.49 Vergleich der verschiedenen Stabwerksmodellierungen mit der Finite


Elemente Berechnung in Abhängigkeit des Abstands hr

In einer zweiten Untersuchung wird der Einfluss der Anschlussblechbreite b auf die
Modellierung untersucht, siehe Bild 5.50. Bei den Modellierungsvarianten 2 und 4
hat die Blechbreite Einfluss auf den Querschnitt im Anschlussbereich und zusätzlich
auf die Ersatzstablänge L*, wenn die Breite b größer ist als die Anschlusslänge Lw.
Der Abstand hr bis zum Anschluss beträgt bei diesen Untersuchungen 15 cm. In dem
oberen Diagramm beträgt die Knotenblechdicke tb = 1,0 cm und in dem unteren tb =
1,5 cm. Die Verläufe mit den beiden Modellierungen bei tb = 1,0 cm steigen zunächst
annähernd linear an und ab b = Lw verlaufen sie fast horizontal. In Bild 5.50 unten
steigen die Ergebnisverläufe der Modellierungen nichtlinear an. Auch für größere
Breiten steigt die Verzweigungslast weiter an, obwohl die Verzweigungslast mit der
116 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

FEM bei steigender Breite wieder sinkt. Es ist außerdem erkennbar, dass ab einer
Breite von b = 10 cm alle Verzweigungslasten mit den Stabwerksmodellen oberhalb
der FEM Ergebnisse liegen und die wirkliche Stabilitätsgefahr somit unterschätzt
wird. Im Vergleich zu den FEM-Kurven zeigt sich bei beiden Diagrammen, dass die
Verläufe der Modellierungen und der FEM keine große Übereinstimmung zeigen. Für
große Breiten liegen die Verzweigungslasten mit dem Ersatzstabwerksmodell auf der
unsicheren Seite. Daraus lässt sich schließen, dass bei einer variiierenden Breite auch
diese Modellierungen so zu nicht brauchbaren Ergebnissen führen und dass das
Ersatzstabmodell noch angepasst werden muss, um als allgemeingültige Näherungs-
lösung verwertbar zu sein.

Bild 5.50 Vergleich der verschiedenen Stabwerksmodellierungen mit der Finite


Elemente Berechnung in Abhängigkeit der Breite b
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 117

Eine Anpassung ist möglich, da das Stabwerksmodell nur als Näherung dienen und
den komplizierten Anschlussbereich als eindimensionalen Stab nicht ideal abbilden
kann. Im Folgenden wird weiterhin die Variante 4 verwendet und vorgeschlagen die
Länge L* des Stabes im Anschlussbereich wie folgt anzupassen:
 tb  6 ⋅ Lw 
f1 ⋅ t ⋅  b − 10 
 s  
L* = max  (5.13)
 f ⋅ tb ⋅  L − b 
 2 t s  w 2 

Die Grundlage der Anpassung liegt einerseits in der Erfassung der Stegdicke des Sta-
bes, da diese für die Stabilität des Anschlussbereiches eine Rolle spielt und anderer-
seits in dem Wunsch, die Ergebnisse der FEM möglichst genau abbilden zu können.
Die Faktoren f1 und f2 sind Anpassungsparameter, die frei wählbar sind. Für den hier
untersuchten Fall werden drei verschiedene Kombinationen verwendet, die in
Tabelle 5.9 aufgelistet werden.
Tabelle 5.9 Angesetzte Kombinationen der Faktoren f1 und f2

Faktoren 1. Kombination 2. Kombination 3. Kombination


f1 0,65 0,50 0,60
f2 0,30 0,20 0,15

Die Verzweigungslasten für drei unterschiedliche Anschlussblechdicken in Abhän-


gigkeit von der Breite b sind in Bild 5.51 dargestellt. In Tabelle 5.10 sind die Berech-
nungsergebnisse noch einmal mit den prozentualen Abweichungen zur FEM Berech-
nung aufgelistet. Es werden die Ergebnisse für drei Anschlussblechdicken t beschrie-
ben. Die drei gewählten Kombinationen der Faktoren f1 und f2 liefern ein unterschied-
liches Bild. Während die Kombination 2 bei tb = 1,0 cm die geringsten Abweichun-
gen liefert, liegen die Ergebnisse bei tb = 2,0 cm zum Teil weit auf der unsicheren
Seite, so dass diese Annahme nicht geeignet ist. Die Kombination 1 liefert für fast
alle untersuchten Fälle Ergebnisse auf der sicheren Seite, allerdings weichen diese
zum Teil über 30 % von der FEM Berechnung ab. Die Ergebnisse mit der Kombina-
tion 3 (f1 = 0,60 und f2 = 0,15) liefern die brauchbarsten Ergebnisse. Die maximale
Abweichung beträgt 32% auf der sicheren und 7 % auf der unsicheren Seite. Die gro-
ße Abweichung von 32 % kommt allerdings nur einmal vor. Bei den übrigen Ergeb-
nissen liegen die Abweichungen im Bereich von 20 % auf der sicheren Seite und 5 %
auf der unsicheren Seite.
118 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.51 Vergleich der Stabwerksmodellierung mit variabler Länge L* mit der Finite
Elemente Berechnung in Abhängigkeit der Breite b
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 119

Tabelle 5.10 Verzweigungslastenvergleich des Stabwerksmodells mit variabler Länge


L*
Stabwerksmodell mit Ersatzstabmodellierung
1. Kombination 3. Kombination 2. Kombination
NKi mit
(f1 = 0,65) (f1 = 0,60) (f1 = 0,50)
FEM
Abweichung Abweichung Abweichung
Lges NKi NKi NKi
zur FEM zur FEM zur FEM
[cm] [kN] [kN] [%] [kN] [%] [kN] [%]
100 4214,4 2646 -37,2% 2803,3 -33,5% 3144,9 -25,4%
Anschlussblechdicke tb = 1,5 cm

150 3970,6 2559,3 -35,5% 2704,8 -31,9% 3016,2 -24,0%


200 3319,4 2419 -27,1% 2539,3 -23,5% 2782,7 -16,2%
250 2366 2141,6 -9,5% 2206,9 -6,7% 2315,9 -2,1%
300 1675,3 1705,5 1,8% 1722,2 2,8% 1745,3 4,2%
350 1235,5 1300,7 5,3% 1303,7 5,5% 1307,1 5,8%
400 947,6 1005,1 6,1% 1005,4 6,1% 1005,6 6,1%
450 750,5 796 6,1% 796 6,1% 796,1 6,1%
500 609,9 645,4 5,8% 645,6 5,9% 646,1 5,9%
750 279,31 290,8 4,1% 291,5 4,4% 293,1 4,9%
1000 163,33 167,8 2,7% 168,6 3,2% 170,2 4,2%

100 6578 3892,8 -40,8% 4121,5 -37,3% 4651,6 -29,3%


Anschlussblechdicke tb = 2,0 cm

150 5958,6 3639,7 -38,9% 3831,8 -35,7% 4260,2 -28,5%


200 4029,2 3216,2 -20,2% 3334,4 -17,2% 3562,3 -11,6%
250 2644,7 2546,2 -3,7% 2580,9 -2,4% 2634,2 -0,4%
300 1851,9 1887,3 1,9% 1892,9 2,2% 1899,5 2,6%
350 1371,2 1412,5 3,0% 1412,9 3,0% 1413,1 3,1%
400 1060 1089,4 2,8% 1089,4 2,8% 1089,9 2,8%
450 847 865,2 2,1% 865,7 2,2% 867,2 2,4%
500 694,6 704,7 1,5% 705,6 1,6% 707,9 1,9%
750 330,9 325,6 -1,6% 327 -1,2% 330,4 -0,2%
1000 199,3 192,1 -3,6% 193,4 -3,0% 196,3 -1,5%

Nicht nur die Geometrie des Anschlusses, sondern auch die Stablänge Lges zwischen
den Flanschen der Querträger ist ein wesentlicher Parameter für die Verzweigungs-
last, siehe Bild 5.46. Deshalb werden die dort berechneten Verzweigungslasten mit
denen des Stabwerksmodells verglichen. Da b = Lw = 15 cm ist, wird für die Ersatz-
länge L* bei diesem Beispiel nur f1 verwendet. Bild 5.52 zeigt einen Vergleich aus
modifiziertem Stabwerksmodell mit FEM. Für große Stablängen stimmen die Stab-
werksmodellierungen relativ gut mit der FEM überein. Für sehr kurze Stäbe liefert
das Stabwerksmodell Eigenwerte, die z. T. sehr auf der sicheren Seite liegen. Bei die-
ser Betrachtung zeigt die Kombination 2 die geringsten Abweichungen zu der FEM
Berechnung am. Zusätzlich zu Bild 5.52 sind in Tabelle 5.11 die Zahlenwerte für die
Knotenblechdicken tb = 1 cm und tb = 2,0 cm zusammengestellt. Für den baupraktisch
relevanten Bereich von 2,0 m bis 8,0 m kann eine gute Annäherung konstatiert
werden.
120 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bild 5.52 Vergleich von Verzweigungslasten von FEM und Stabwerksmodell

Zur besseren Einschätzung des qualitativen Wertes sind in Bild 5.53 die Abweichun-
gen des Stabwerksmodells zur FEM Berechnung für verschiedene Stablängen Lges
und verschiedene Anschlussblechdicken tb dargestellt. Auch in diesem Bild ist die
gute Übereinstimmung von Stabwerksmodell und FEM Berechnung zu erkennen. Mit
einer größten Abweichung von + 6,1 % liegt das Stabwerksmodell noch im tolerier-
baren Bereich auf der unsicheren Seite. Auf der sicheren Seite sind die Unterschiede
leicht größer.

Bild 5.53 Abweichungen der Verzweigungslasten von Stabwerksberechnung zur


FEM
5.6 Stabilität von auf Druck beanspruchten Stäben 121

Tabelle 5.11 Vergleich der Verzweigungslasten von FEM und Stabwerksmodell in


Abhängigkeit von der Stablänge Lges
Stabwerksmodell mit Ersatzstabmodellierung
1. Kombination 3. Kombination 2. Kombination
NKi mit
(f1 = 0,65) (f2 = 0,60) (f3 = 0,50)
FEM
Abweichung Abweichung Abweichung
Lges NKi NKi NKi
zur FEM zur FEM zur FEM
[cm] [kN] [kN] [%] [kN] [%] [kN] [%]
100 4214,4 2646 -37,2% 2803,3 -33,5% 3144,9 -25,4%
Anschlussblechdicke tb = 1,5 cm

150 3970,6 2559,3 -35,5% 2704,8 -31,9% 3016,2 -24,0%


200 3319,4 2419 -27,1% 2539,3 -23,5% 2782,7 -16,2%
250 2366 2141,6 -9,5% 2206,9 -6,7% 2315,9 -2,1%
300 1675,3 1705,5 1,8% 1722,2 2,8% 1745,3 4,2%
350 1235,5 1300,7 5,3% 1303,7 5,5% 1307,1 5,8%
400 947,6 1005,1 6,1% 1005,4 6,1% 1005,6 6,1%
450 750,5 796 6,1% 796 6,1% 796,1 6,1%
500 609,9 645,4 5,8% 645,6 5,9% 646,1 5,9%
750 279,31 290,8 4,1% 291,5 4,4% 293,1 4,9%
1000 163,33 167,8 2,7% 168,6 3,2% 170,2 4,2%

100 6578 3892,8 -40,8% 4121,5 -37,3% 4651,6 -29,3%


Anschlussblechdicke tb = 2 cm

150 5958,6 3639,7 -38,9% 3831,8 -35,7% 4260,2 -28,5%


200 4029,2 3216,2 -20,2% 3334,4 -17,2% 3562,3 -11,6%
250 2644,7 2546,2 -3,7% 2580,9 -2,4% 2634,2 -0,4%
300 1851,9 1887,3 1,9% 1892,9 2,2% 1899,5 2,6%
350 1371,2 1412,5 3,0% 1412,9 3,0% 1413,1 3,1%
400 1060 1089,4 2,8% 1089,4 2,8% 1089,9 2,8%
450 847 865,2 2,1% 865,7 2,2% 867,2 2,4%
500 694,6 704,7 1,5% 705,6 1,6% 707,9 1,9%
750 330,9 325,6 -1,6% 327 -1,2% 330,4 -0,2%
1000 199,3 192,1 -3,6% 193,4 -3,0% 196,3 -1,5%

Aus den oben vorgestellten verschiedenen Ersatzstabmodellierungen wird deutlich,


dass eine präzise Erfassung der Verzweigungslast NKi mit Ersatzstabmodellierungen
schwierig ist. Weiterhin kann die so ermittelte Verzweigungslast nur dazu dienen, die
Stabilitätsgefahr abzuschätzen. Eine denkbare Vorgehensweise für eine Nachweis-
führung sind die Nachweise mit Abminderungsfaktoren. Ausgangspunkt dabei ist die
Verzweigungslast, mit der die Abminderungsfaktoren für jeden Querschnitt bestimmt
werden können. Inwieweit diese Nachweisführung dagegen realitätsnah ist, wäre im
Rahmen von künftigen Untersuchungen zu zeigen.
122 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

5.7 Zusammenfassung der Erkenntnisse aus den


Untersuchungen

5.7.1 Vorbemerkungen

In den vorangegangenen Abschnitten werden Stabanschlüsse mit rechteckigen und


schräg abgeschnittenen Anschlussblechen mit Hilfe der FEM untersucht und darge-
stellt. Als mögliche Beanspruchungen werden Normalkräfte und Biegemomente
angesetzt. Zusätzlich wird in Abschnitt 5.6 das Stabilitätsverhalten von auf Druck
beanspruchten Stäben mit ausgeschnittenen Anschlussblechen analysiert. Nachfol-
gend werden die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen zusammengefasst. Diese
dienen als Grundlage für das Bemessungsmodell, das in Kapitel 7 vorgestellt wird.

5.7.2 Erkenntnisse zu Zugstabanschlüssen mit rechteckigen


Anschlussblechen

Ausgangspunkt für alle späteren Untersuchungen sind die Erkenntnisse aus den
Untersuchungen eines einfachen Zugstabanschlusses mit rechteckigem und symme-
trischem Anschlussblech. Die Ergebnisse der Berechnungen sind in Abschnitt 5.2 zu-
sammengestellt.

Als erste und bedeutsamste Erkenntnis konnte gezeigt werden, dass es kein einheit-
liches Tragverhalten von Zugstabanschlüssen mit ausgeschnittenen Anschluss-
blechen gibt. Das Tragverhalten und die Spannungen im Knotenblech sind abhängig
von der Geometrie des Knotenblechs. Für den hier untersuchten Anschluss ist das
Verhältnis von der Breite b der Anschlusslaschen zur Anschlusslänge Lw sowie von
dem Blechdickenverhältnis tb / tsP entscheidend.

Außerdem hat sich gezeigt, dass neben dem veränderlichen Tragverhalten auch unter-
schiedliche Versagensarten auftreten, von denen die Tragfähigkeit des Anschlusses
abhängt. Diese Versagensarten sind wiederum abhängig von der Knotenblechgeome-
trie, primär von dem Verhältnis der Breite b zur Anschlusslänge Lw. Sie sind in
Tabelle 5.12 zusammengestellt.

Die im horizontalen Schnitt (Ausgangsschnitt) ermittelten Spannungen können zu


resultierenden Schnittgrößen oder zu einer resultierenden Kraft R mit Neigungs-
winkel β und Exzentrizität e erfasst werden. Dieser Ausgangsschnitt verläuft senk-
recht zur Systemlinie des Stabes und liegt in Höhe des Spaltes. Mit den auf diese
Weise errechneten Beanspruchungen lässt sich die Tragfähigkeit beurteilen.

Bei den vorangestellten Untersuchungen hat sich als zweckmäßig erwiesen, schräge
Schnitte mit variierenden Winkeln δ durch die seitlichen Anschlussbleche zu führen
und die plastische Querschnittstragfähigkeit an diesen Schnitten zu untersuchen. Aus-
gangspunkt ist die Mitte des Spaltes zwischen Zugstab und Knotenblech. Die im hori-
5.7 Zusammenfassung der Erkenntnisse aus den Untersuchungen 123

zontalen Schnitt berechneten Schnittgrößen lassen sich auf die schrägen Schnitte
transformieren.

Die transformierten Schnittgrößen und die Querschnittsausnutzung η(δ) in den


schrägen Schnitten zeigen sehr gute Übereinstimmungen mit der Finite Elemente
Berechnung. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass bei einer zutreffenden
Annahme des Kraftflusses und somit der Beanspruchungen im Ausgangsschnitt auch
gute Aussagen über die Tragfähigkeit getroffen werden können.

Tabelle 5.12 Zusammenstellung der möglichen Versagensarten

Darstellung des Beschreibung und Definition des Versagensmechanismus


Versagens

1. Reiner Zug im horizontalen Anschlussblech

Der Versagensmechanismus tritt bei schmalen Knotenblechen


ein, wenn die folgende geometrische Bedingung des
Anschlussbleches eingehalten ist:
Lw
b<
2
Das heißt, wenn die plastische Grenznormalkraft im horizontalen
Ausgangsschnitt kleiner als die plastische Grenzschubkraft im
vertikalen Schnitt des Anschlussbereiches ist.

Beim ersten Versagensfall (plastisches Normalkraftversagen im


horizontalen Ausgangsschnitt) wird der Ausgangsschnitt fast
ausschließlich durch konstante Zugspannungen belastet. Das
heißt, dass die Wirkungslinie senkrecht auf dem Schnitt steht und
durch die Mitte des Schnitts verläuft. Eine Exzentrizität e ist nicht
vorhanden.

2. Erreichen der Querschnittstragfähigkeit in den schrägen Schnitten

Der Versagensmechanismus tritt bei mittelbreiten


Knotenblechen ein, wenn für b gilt:
Lw
< b < Lw
2
In dem Übergangsbereich wird die Tragfähigkeit des Anschlusses
durch die Querschnittstragfähigkeit eines schrägen Schnittes
maßgebend. In diesem Fall sind für verschiedene schräge
Schnitte die Schnittgrößen zu ermitteln und anschließend kann
der Nachweis der Querschnittstragfähigkeit geführt werden. In
diesem Bereich sind die sich einstellenden Schnittgrößen in dem
Ausgangsschnitt sehr auffällig.

Die Resultierende im Ausgangsschnitt weist eine Exzentrizität e


und eine Neigung β auf, die zwischen 0° und ca. 20° beträgt.
124 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Tabelle 5.12 Fortsetzung

3. Erreichen der Querschnittstragfähigkeit im vertikalen Schnitt am Übergang zum


Zugstab

Der Versagensmechanismus tritt bei breiten Anschlussblechen


ein, wenn die folgende geometrische Bedingung des Anschluss-
bleches eingehalten ist:
b > Lw
In diesem Fall lässt sich ableiten, dass eine Vergrößerung der
Breite keine Auswirkungen auf die Tragfähigkeit hat. Auffällig ist,
dass die aufzunehmende Zugkraft direkt an der Innenseite über-
tragen wird.

Als Kraftfluss stellt sich neben einer Exzentrizität e eine an-


nähernd konstante Neigung β von ca. 20° ein.

4. Erreichen der Querschnittstragfähigkeit im Zugstabsteg und in den schrägen


Schnitten des Anschlussblechs

Infolge der Zwängungsbeanspruchungen wird die plastische


Querschnittstragfähigkeit des Zugstabsteges erreicht. Dadurch
werden die Beanspruchungen in den seitlichen
Anschlussblechbereichen beeinflußt. Das Versagen des
Anschlusses ist wiederum ein Versagen eines schrägen Schnitts
im Anschlussblech, siehe Versagensfall 2.

5. Erreichen der plastischen Grenznormalkraft im Zugstab

Falls die Tragfähigkeit des Anschlusses größer als die plastische


Normalkrafttragfähigkeit ist, wird die plastische Normalkraft des
Zugstabes maßgebend. Die Überlagerung der Normalkraftbean-
spruchung mit den Zwängungsbeanspruchungen führt zu keiner
Verminderung der Normalkrafttragfähigkeit.
5.7 Zusammenfassung der Erkenntnisse aus den Untersuchungen 125

Tabelle 5.12 Fortsetzung

6. Versagen der vertikalen Anschlussschweißnähte

Die Beanspruchungen im Übergang vom Anschlussblech müssen


von der Schweißnahtverbindung übertragen werden. In der Regel
werden die Schweißnähte als Doppelkehlnähte ausgebildet und
die Summe der Schweißnahtdicken entspricht nicht immer der
Dicke des Knotenblechs, so dass die Verbindung maßgebend für
die Traglast ist.

7. Versagen der horizontalen Anschlussschweißnähte

Infolge der außermittigen Kraftresultierenden stellt sich in den ho-


rizontalen Schweißnähten kein gleichmäßiger Spannungsverlauf
ein. Während die Spannungen an den Außenkanten maximal
sind, ergeben sich im mittleren Bereich sehr viel geringere Span-
nungen. Da Plastizierungen in Schweißnähten zu vermeiden sind,
sind die Schweißnähte im den äußeren Bereichen für diesen
Spannungsverlauf nachzuweisen.

5.7.3 Erkenntnisse zu Zugstabanschlüssen mit schräg


abgeschnittenen Anschlussblechen

Ein ähnliches Tragverhalten und ein ähnlicher Kraftfluss bezogen auf den definierten
Ausgangsschnitt zeigen sich wie bei rechteckigen symmetrischen Anschlussblechen.
Der Neigungswinkel β der Kraftresultierenden im definierten Ausgangsschnitt ist al-
lerdings etwas größer. Die auftretenden Ausmitten sind in ungefähr gleich groß.

Es treten die gleichen Versagensmechanismen auf wie bei Stabanschlüssen mit recht-
eckigen und symmetrischen Anschlüssen. Die Bedeutung des Versagensfalls 2 nach
Tabelle 5.12 nimmt stark zu gegenüber den rechteckigen Anschlussblechen. Aus die-
sem Grund wird der definierte Bereich für Anschlüsse mit mittelbreiten Anschluss-
blechen auf 0,33 < b / Lw < 1,5 erweitert.
126 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

5.7.4 Erkenntnisse zu Zugstabanschlüssen mit unsymmetrischen


Anschlussblechen

Zur Klärung des Kraftflusses bei Zugstabanschlüssen mit unsymmetrischen An-


schlussblechen werden in Abschnitt 5.4 drei beispielhafte Anschlüsse näher analy-
siert. Dabei werden zahlreiche Erkenntnisse aus den Berechnungen gewonnen, die
hier nun zusammengefasst werden.

Für alle drei Beispiele setzt sich die Traglast des gesamten Anschlusses zusammen
aus den Tragfähigkeiten der Anschlussseiten. Dabei wird eine so genannte Fließ-
gelenkkette aktiviert. Das heißt, dass sich nach dem Erreichen der Traglast der kleine-
ren Anschlussseite ein Fließgelenk an dieser Stelle ausbildet und Lasterhöhungen von
diesem Punkt an ausschließlich über die noch tragfähige Seite aufgenommen werden
können, bis auch diese die maximale Tragfähigkeit erreicht hat.

Der Kraftfluss stellt sich bis zum Erreichen der Traglast der kleineren Anschlussseite
annähernd symmetrisch ein. Dieser Kraftfluss ist abhängig von der kleineren Lasche
und entspricht dem Verhalten, das für symmetrische Anschlussbleche in den Ab-
schnitten 5.2 und 5.3 aufgezeigt wird.

Von dem Punkt an, an dem eine Anschlussseite die maximale Traglast erreicht hat,
wird die zusätzliche aufgebrachte Belastung durch die noch nicht vollständig ausge-
nutzte Lasche übertragen. Die Beanspruchung der größeren Anschlussseite setzt sich
daher zusammen aus der symmetrischen Beanspruchung bis zum ersten plastischen
Gelenk und der zusätzlichen Beanspruchung aus der Laststeigerung mit zugehörigem
Versatzmoment.

Infolge des beschriebenen Tragverhaltens kann mit einer gezielten Konstruktion des
Anschlusses der sich einstellende Kraftfluss und die Tragfähigkeit beeinflusst
werden.

5.7.5 Erkenntnisse zu Stabanschlüssen mit reiner


Biegebeanspruchung

Werden Stäbe in ausgeschnittene Anschlussbleche geführt und dort verschweißt, so


ist eine Beanspruchung durch ein einwirkendes Biegemoment durchaus möglich und
wahrscheinlich. In Abschnitt 5.5 werden Anschlüsse mit schräg ausgeschnittenen
Anschlussblechen unter reiner Biegemomentenbeanspruchung untersucht.

Es konnte gezeigt werden, dass sich zwei unterschiedliche Kraftflüsse einstellen, um


das einwirkende Biegemoment vom Stab auf das Anschlussblech zu übertragen. Bei
dem ersten Kraftfluss entsteht aus den vertikalen Spannungen im Stab durch Schub-
beanspruchungen des Steges im Anschlussbereich ein horizontales Kräftepaar. Dieses
wird je zur Hälfte von den beiden Anschlussseiten aufgenommen und wieder in ein
5.7 Zusammenfassung der Erkenntnisse aus den Untersuchungen 127

vertikales Kräftepaar transformiert. Bei dem zweiten Kraftfluss wird das vertikale
Kräftepaar direkt an die beiden Anschlussseiten übertragen. Das heißt, dass an einer
Seite gezogen und dass die andere Seite mit einer Druckkraft beansprucht wird.

Die Anteile der Kraftflüsse variieren allerdings sehr stark. Grundsätzlich zeigt sich je-
doch für alle untersuchten Fälle, dass der Anteil des Kraftflusses 1 etwas kleiner ist
als der Anteil des Kraftflusses 2. Er liegt in Abhängigkeit von der Anschlussblech-
geometrie zwischen 30 % und 50 %.

5.7.6 Erkenntnisse zur Stabilität von auf Druck beanspruchten


Stäben mit schräg abgeschnittenen Anschlussblechen

Werden Stäbe mit ausgeschnittenen Anschlussblechen nicht ausschließlich nur auf


Zug sondern auch durch Druckkräfte beansprucht, so gibt es in der Literatur keine
Hinweise auf Erkenntnisse, inwieweit Stabilitätsuntersuchungen des Stabes unter
Berücksichtigung des Anschlusses erforderlich sind und ob bei der Bemessung des
Anschlusses ein Stabilitätseinfluss zu berücksichtigen ist. In Abschnitt 5.6.2 wird an
einem beispielhaften Anschluss die Verzweigungslast NKi ermittelt. Die berechnete
Verzweigungslast mit dem FEM- Modell liegt deutlich unterhalb der eines beidseitig
gelenkig gelagerten Druckstabes. Daraus ist zu schließen, dass möglicherweise die
Stabilitätsgefahr bei solchen Druckstäben deutlich unterschätzt wird.

Im Anschluss an die beispielhafte Untersuchung werden in Abschnitt 5.6 Parameter-


studien durchgeführt, um den Einfluss der Knotenblechabmessungen und der ge-
samten Stablänge zu klären. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Knotenblechgeo-
metrie einen sehr großen Einfluss auf die Stabilitätsgefahr des Gesamtstabes hat.

Es stellt sich heraus, dass die Verzweigungslast NKi vom Verhältnis b / Lw abhängt.
Das günstigste Verhältnis ergibt sicht in etwa für b / Lw = 1,0 bis 1,5. Bei sehr breiten
Anschlussblechen kann die Verzweigungslast gegenüber mittelbreiten Anschluss-
blechen geringer sein, siehe Bild 5.34 und Bild 5.35. Das heißt, dass bei sehr breiten
Anschlussblechen die Stabilitätsgefahr gegenüber mittelbreiten Anschlussblechen zu-
nimmt. In Bezug auf die sich einstellende Eigenform zum ersten Eigenwert ist festzu-
stellen, dass neben dem Ausweichen des Gesamtstabes ein örtliches Ausweichen des
Anschlussblechs und des Profilsteges im Bereich des Anschlusses auftritt. Dieses
Phänomen lässt sich mit einer kombinierten Stabilitätsgefahr aus dem Ausweichen
des Gesamtstabes und einem Knicken bzw. Beulen im Bereich des Anschlusses erklä-
ren.

Für die Konstruktion und die Geometrie des Anschlussbleches ist der Abstand hr vom
Anschluss bis zum Querträger möglichst gering zu halten. Diese Notwendigkeit er-
gibt sich aus der Tatsache, dass die Biegesteifigkeit des Anschlussblechs aus der Ebe-
ne sehr viel geringer ist als beim Stabquerschnitt. Für geringe Abstände hr ergibt sich
ein konstanter Eigenwert. Bei größeren Abständen des Abstandsmaßes sinkt der
Eigenwert sehr stark ab.
128 5 Tragverhalten von ausgeschnittenen Stabanschlüssen

Bei einer Stabwerksmodellierung müssen präzise Annahmen getroffen werden, um


eine verwendbare Verzweigungslast NKi zur Beurteilung der Stabilitätsgefahr zu er-
halten. Es sind mehrere Varianten bei der Modellierung möglich, die in Abschnitt
5.6.4 den FEM-Ergebnissen gegenübergestellt werden. Die Qualität der Ergebnisse
mit den verschiedenen Modellierungsvarianten ist sehr unterschiedlich und liegt
gegenüber der FEM-Berechnung zum Teil auf der unsicheren Seite. Das Stabwerks-
modell mit dem Ansatz einer variablen Länge L* liefert die brauchbarsten Ergebnis-
se, da diese einerseits auf der sicheren Seite liegen und andererseits die geringste Dif-
ferenz zur FEM Berechnung aufweisen. Zusätzlich ist die Stabilität des Druckstab-
steges im Bereich des Anschlusses zu überprüfen.

Die durchgeführten Untersuchungen zur Abschätzung der Stabilitätsgefahr können


allerdings keinen Ersatz einer Traglastberechnung unter Ansatz von geometrischen
Imperfektionen sowie strukturellen Einflüssen sein.

Für eine Traglastberechnung nach der Fließzonentheorie sind sehr viele Annahmen
zu treffen und mit Versuchen zu verifizieren. Die Annahmen betreffen z. B. die
Eigenspannungszustände des Druckstabes und des Anschlussblechs sowie die durch
das Schweißen zusätzlich eingebrachten Schweißeigenspannungen. Dabei ist zu klä-
ren, inwieweit der vorhandene Eigenspannungszustand durch die Schweißverbindun-
gen und die Schweißreihenfolge verändert wird. Auch sind durch die Fertigung wie-
tere Eigenspannungen möglich, die durch das Zusammenfügen und Montieren von
benachbarten Pfosten und Streben eingetragen werden. Darüber hinaus sind An-
nahmen für geometrische Ersatzimperfektionen und Fertigungstoleranzen anzusetzen.
6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit
ausgeschnittenen Knotenblechen

6.1 Vorbemerkungen

In diesem Kapitel werden die Berechnungsergebnisse mit dem FEM-Modell hinsicht-


lich des Kraftflusses im Knotenbereich von Fachwerken sowie der Versagensarten
und der Tragfähigkeiten aufgezeigt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in
eine spätere Modellentwicklung ein. Die Modellierung von Fachwerkknoten mit der
FEM sowie die getroffenen Annahmen bei der Berechnung werden in Kapitel 3 er-
läutert. Bei den hier verwendeten Profilen handelt es sich um kompakte Walzprofile,
vornehmlich aus den Reihen HEA, HEB und HEM. Die Diagonalstäbe werden mit
Hilfe von ausgeschnittenen Knotenblechen an die Gurtstäbe befestigt. In Bild 6.1 ist
ein beispielhafter Knoten räumlich abgebildet. Das Knotenblech wird auf den durch-
laufenden Fachwerkgurtstab gesetzt und mit einer Doppelkehlnaht auf den Flansch
des Gurtstabes geschweißt. Die Fachwerkdiagonalstäbe werden in den Ausschnitten
des Knotenblechs mit Doppelkehlnähten befestigt. Die Systemlinien der Fach-
werkstäbe schneiden sich in einem Punkt, so dass keine Exzentrizitäten entstehen.

Bild 6.1 Räumliche Darstellung eines beispielhaften Knotens

In Abschnitt 6.2 werden die auftretenden Versagensformen von symmetrischen Fach-


werkknoten exemplarisch anhand von Spannungsplots definiert.

In Abschnitt 6.3 werden symmetrische Knoten im Grenzzustand der Tragfähigkeit


untersucht mit dem Ziel, die möglichen Versagensarten und den Kraftfluss auf-
zuzeigen.

In Abschnitt 0 werden die Traglasten aus der FE Analyse mit Traglasten aus durchge-
führten Versuchen verglichen, um die Ergebnisse der Finite Element Methode zu
130 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

verifizieren. Die Versuche sind im Rahmen der Dissertation von Suppes [83] durch-
geführt und ausgewertet worden.

Um den Stabilitätseinfluss von Anschlüssen mit ausgeschnittenem Knotenblech auf


gedrückte Fachwerkstreben zu untersuchen, werden in Abschnitt 6.5 Eigenwertanaly-
sen an beispielhaften Fachwerkträgern durchgeführt. Ziel der Eigenwertuntersuchun-
gen ist es, Eigenwerte von gedrückten Fachwerkstreben abschätzen zu können, die als
Basis für Stabilitätsnachweise mit Abminderungsfaktoren genutzt werden können.

6.2 Grenztragfähigkeiten von symmetrischen


Fachwerkknoten

Die Bilder 6.2 bis 6.4 zeigen die Vergleichsspannungszustände von drei unterschied-
lichen Beispielknoten im Grenzzustand der Tragfähigkeit. In den roten Bereichen
sind die vorhandenen Vergleichsspannungen maximal und gleich der Streckgrenze.
Bei den drei aufgezeigten Beispielen ist erkennbar, dass sich diese Plastizierungen in
unterschiedlichen Bereichen des Fachwerkknotens einstellen. Das deutet darauf hin,
dass unterschiedliche Versagensmechanismen maßgebend werden.

Bild 6.2 Ansicht eines symmetrischen Fachwerkknotens mit


Vergleichsspannungen im Grenzzustand der Tragfähigkeit

Bei dem ersten Beispiel in Bild 6.2 ist zu erkennen, dass ein Versagen des Anschluss-
bereichs der Fachwerkdiagonalen im Knotenblech vorliegt. Bei einem Vergleich von
den dargestellten Spannungszuständen von Zuganschlüssen mit schräg abgeschnitte-
nen Anschlussblechen (Bild 5.17 rechts unten) und Bild 6.2 fällt auf, dass die plasti-
6.2 Grenztragfähigkeiten von symmetrischen Fachwerkknoten 131

zierten Bereiche annähernd die gleiche Form haben. Es liegt daher die Vermutung
nahe, dass ein ähnliches Tragverhalten von Zugstabanschlüssen mit schräg abge-
schnittenen Anschlussblechen und dem Anschlussbereich bei Fachwerkdiagonalen
vorliegt. Genauere Untersuchungen werden in Abschnitt 6.3.3 durchgeführt.

In Bild 6.3 ist ein Fachwerkknoten mit sehr flachen Diagonalen im Grenzzustand der
Tragfähigkeit dargestellt. Bei diesem Beispiel ergeben sich nicht nur plastizierte Be-
reiche im Knotenblech, sondern der Steg des Gurtstabes weist ebenfalls große Plasti-
zierungen auf. Im Gegensatz zu Bild 6.2 und Bild 6.4 stellt sich hier ein plastizierter
Bereich ein, der vertikal durch den Steg des Gurtstabes verläuft. Es handelt sich um
ein Schubversagen im vertikalen Schnitt, das in Abschnitt 6.3.5 genauer definiert
wird.

Bild 6.3 Ansicht eines Knotens mit flachen Diagonalen und Darstellung der
Vergleichsspannungen im Traglastzustand

In Bild 6.4 sind zwei Spannungszustände eines Fachwerkknotens mit steilen Diago-
nalen dargestellt. Der obere zeigt die Vergleichsspannungen bei einer Belastung von
ZD = 206 kN und der untere von ZD = 310 kN. Der obere Spannungsplot zeigt, dass
bereits bei einer Diagonalenkraft von 206 kN der Bereich zwischen den Ausschnitten
plastiziert. Diese plastischen Bereiche deuten auf ein Fließgelenk hin. Die Bean-
spruchungen können zwar noch gesteigert werden, der angesprochene Bereich kann
allerdings für den Lastabtrag keinen Beitrag mehr leisten. Die zusätzliche Bean-
spruchung muss ausschließlich über die äußeren Anschlussseiten aufgenommen
werden. In dem betrachteten Beispiel kann die Traglast noch um ca. 50 % gesteigert
werden. Der auftretende Versagensfall wird im Folgenden als Versagen des horizon-
talen Schnittes definiert, da im horizontalen Schnitt, der durch die Spalte verläuft, die
Grenztragfähigkeit erreicht wird. Dieser Versagensmechanismus wird in Abschnitt
6.3.4 als Schubversagen im horizontalen Schnitt näher untersucht.
132 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bild 6.4 Ansicht des Knotens mit steilen Diagonalen und Darstellung der
Vergleichsspannungen in zwei Lastzuständen
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 133

6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten

6.3.1 Vorbemerkungen

In diesem Abschnitt werden das Tragverhalten und der Kraftfluss von symmetrischen
Fachwerkknoten untersucht und die auftretenden Trageffekte und Versagensmecha-
nismen aufgezeigt. Es wird dabei auf die Ergebnisse aus den Abschnitten 5.2 bis 5.4
für symmetrische und unsymmetrische Zugstabanschlüsse mit Anschlussblechen zu-
rückgegriffen. In Bild 6.5 ist eine Prinzipskizze des untersuchten Fachwerkknotens
dargestellt. Die Querschnitte der Diagonalstäbe sind HEA 160 und der Gurtstab ist
ein HEA 240. Die übrigen geometrischen Abmessungen des Knotenblechs sind eben-
falls in diesem Bild definiert. Die Systemlinien schneiden sich in einem Punkt, so
dass planmäßig keine Exzentrizitäten und Versatzmomente in den Fachwerkstäben
auftreten sollen. Der Knoten wird durch die Normalkräfte in den Diagonalen belastet.

Bild 6.5 Ansicht des betrachteten Fachwerkknotens mit Bezeichnungen

Die veränderlichen Parameter sind in Bild 6.5 dargestellt. Es ist erkennbar, dass auf-
grund der vielen veränderlichen Abmessungen des Knotens und der verwendeten
Stabquerschnitte eine umfassende Darstellung der durchgeführten Parameterstudie
unübersichtlich wird und nicht zielführend ist. Daher wird das Tragverhalten von
symmetrischen Knoten an ausgewählten Fachwerkknoten vertieft.

6.3.2 Kraftfluss im Knotenblech

Am ersten Beispiel soll exemplarisch verdeutlicht werden, wie die Kräfte durch den
Knoten verlaufen. Außerdem wird aufgezeigt, dass die Erkenntnisse aus den Ab-
schnitten 5.2 bis 5.4 für reine Zugstabanschlüsse auch für Fachwerkknoten übertragen
werden können und dass sich ein vergleichbarer Kraftfluss im Knotenblech einstellt.
In Bild 6.6 ist der Vergleichsspannungszustand eines typischen Fachwerkknotens dar-
gestellt. Der untersuchte Fachwerkknoten weist Diagonalenneigungen von α = 45 °
134 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

auf. Aufgrund der gewählten Neigung sind die beiden Anschlusslaschen für die Zug-
und die Druckdiagonale symmetrisch. Die Anschlusslänge der Diagonalen an das
Knotenblech beträgt Lw = 15 cm und die Blechdicke tb = 1 cm. Das Spaltmaß wird
mit a = 2 cm ausgeführt.

Aus dem Vergleichsspannungszustand in Bild 6.6 ist zu erkennen, dass die Knoten-
bleche im Bereich der Diagonalenanschlüsse die höchste Ausnutzung ausweisen und
dass sich in diesem Bereich offensichtlich der maßgebende Versagensmechanismus
einstellt. Bei einer Gegenüberstellung der Vergleichsspannungen mit dem schräg
abgeschnittenen Zugstabanschluss in Bild 5.17 zeigt sich ein ähnliches Spannungs-
bild. Aufgrund dieses Vergleichs liegt die Vermutung nahe, dass sich die Kraftflüsse
im direkten Anschlussbereich ähneln und vergleichbare Versagensmechanismen im
Anschlussbereich einstellen. Es ist außerdem in Bild 6.6 zu erkennen, dass sich eine
symmetrische Spannungsverteilung im Knotenblech ergibt. Das bedeutet, dass die
Diagonalenkraft symmetrisch in das Knotenblech eingeleitet wird.

Bild 6.6 Ansicht eines symmetrischen Fachwerkknotens mit


Vergleichsspannungen im Grenzzustand der Tragfähigkeit

Die nachfolgende Vorgehensweise bei der Untersuchung des Knotens entspricht dem
Kraftfluss von den Diagonalen in das Knotenblech und dem anschließenden
Kräfteaustausch im Knotenblech, sowie der Einleitung der horizontalen Differenz-
kraft in den Gurtstab. Dabei werden die Untersuchungen gemäß Tabelle 6.1 vorge-
nommen:
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 135

Tabelle 6.1 Nachfolgende Untersuchungen am beispielhaften Knoten

 Ergebnisauswertung an definierten Schnitten

 Spannungsauswertung am Ende der Diagonalen

 Kraftfluss in den direkten Anschlussblechen

 Gleichgewichtsbetrachtungen am Knotenblech

 Beurteilung der Spannungsverläufe in den horizontalen Schnitten im Knotenblech

 Aufteilung der horizontalen Anschlussnaht vom Knotenblech an den Gurtstab


in drei Bereiche
 Kraftfluss in ausgeschnittenen Teilen des Knotenblechs zur Beurteilung der
Interaktion von den drei Knotenblechbereichen
 Kraftfluss im Stegblech des Gurtstabes

Darstellung des Gesamtkraftflusses im Knoten durch Darstellung der resultierenden


Kräfte in den geführten Schnitten

Ergebnisauswertung an definierten Schnitten, 

Um Rückschlüsse auf den Kraftfluss im Fachwerkknoten ziehen zu können, ist es


entsprechend der Vorgehensweise für Zugstabanschlüsse in Kapitel 5 erforderlich,
den Spannungsverlauf an geraden Schnitten durch das Knotenblech zu untersuchen.
In Bild 6.7 sind die Schnittbezeichnungen definiert, auf die im weiteren Verlauf ein-
gegangen wird. Die Beanspruchungen in diesen Schnitten bei verschiedenen Diago-
nalkräften sind in Tabelle 6.2 zusammengestellt. Die Schnitte 1 bis 4 sind jeweils die
horizontalen und vertikalen Schnitte im Bereich der Diagonalenanschlüsse. Diese
Schnitte dienen bei der weiteren Untersuchung zur Beurteilung der Tragfähigkeit im
Anschlussbereich der Diagonalen. Der horizontale Schnitt 5 trennt den oberen Teil
des Knotenblechs im Bereich des Spaltes vom unteren Teil des Knotenblechs. Schnitt
6 wird im Anschluss des Knotenblechs an den Gurtstab geführt. Die Schnitte 7 und 8
verlaufen vertikal und zunächst ausschließlich durch das Knotenblech. Die Bean-
spruchungen, dargestellt in Tabelle 6.2, der Schnitte 7 und 8 beziehen sich daher auch
nur auf das Knotenblech. Die Schnitte 9 und 10 verlaufen horizontal und trennen im
Bereich des Knotens den Steg des Gurtstabes von den Flanschen. Die Schnitte 11 und
12 sind vertikale Schnitte und sind an den beiden Enden des Knotenblechs geführt.
Die Schnitte 6 bis 12 haben, um einen Einfluss bei den Spannungen zu vermeiden,
jeweils einen Abstand von 1 cm zu den Flanschen des Gurtstabes, siehe Abschnitt
3.5.
136 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Tabelle 6.2 Zusammenstellung der Schnittgrößen in den angegebenen Schnitten


Belastungsschritt: 1 Diagonalkraft: ZD = 170 kN
Schnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
N [kN] = 75,09 75,04 -72,86 -74,42 -1,22 0,19 4,14 9,30 -1,86 -0,20 2,14 44,22
V [kN] = 45,28 -45,22 -45,84 -47,40 -142,39 -240,14 14,57 14,16 -140,24 -97,94 0,06 -1,65
M [kNcm] = -167,41 -167,66 144,83 172,34 -591,44 -2847,90 -6,73 8,07 -2540,63 -100,28 -12,63 11,71
R[kN] = 87,69 87,61 86,08 88,23 142,40 240,14 15,14 16,94 140,25 97,94 2,14 44,25
e [cm] = -2,23 -2,23 -1,99 -2,32 486,46 -15130 -1,63 0,87 1365,80 498,82 -5,91 0,26
β [°] = 31,09 -31,08 32,17 32,50 89,51 -89,96 74,15 56,68 89,24 89,88 1,50 -2,14
Belastungsschritt: 2 Diagonalkraft: ZD = 274 kN
Schnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
N [kN] = 121,59 121,46 -118,19 -120,03 -2,43 0,33 6,52 15,12 -2,88 -0,36 3,58 71,23
V [kN] = 72,45 -72,32 -73,49 -75,42 -232,85 -386,89 23,84 23,12 -225,67 -157,62 -0,20 -2,87
M [kNcm] = -239,93 -240,51 211,23 244,36 -919,55 -4584,03 -10,06 12,12 -4113,25 -163,49 -22,23 20,58
R[kN] = 141,54 141,36 139,18 141,75 232,86 386,89 24,71 27,62 225,69 157,62 3,59 71,29
e [cm] = -1,97 -1,98 -1,79 -2,04 377,71 -13699 -1,54 0,80 1429,10 450,24 -6,21 0,29
β [°] = 30,79 -30,77 31,87 32,14 89,40 -89,95 74,70 56,81 89,27 89,87 -3,13 -2,31
Belastungsschritt: 3 Diagonalkraft: ZD = 321 kN
Schnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
N [kN] = 143,55 143,38 -140,09 -141,45 -3,32 0,90 7,29 17,90 -3,24 -0,45 4,16 83,48
V [kN] = 83,65 -83,48 -85,26 -86,61 -276,12 -453,03 28,29 27,44 -264,06 -184,23 -0,36 -3,43
M [kNcm] = -251,32 -251,71 226,52 250,49 -995,38 -5347,93 -10,53 13,22 -4819,98 -190,31 -27,89 26,65
R[kN] = 166,14 165,91 164,00 165,86 276,14 453,03 29,21 32,76 264,08 184,23 4,17 83,55
e [cm] = -1,75 -1,76 -1,62 -1,77 299,82 -5943 -1,45 0,74 1486,64 426,32 -6,71 0,32
β [°] = 30,23 -30,21 31,32 31,48 89,31 -89,89 75,56 56,89 89,30 89,86 -4,94 -2,36
Belastungsschritt: 4 Diagonalkraft: ZD = 349 kN
Schnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
N [kN] = 159,10 158,99 -156,62 -156,75 -3,53 0,43 7,49 19,63 -3,45 -0,49 4,40 91,13
V [kN] = 88,32 -88,22 -90,14 -90,25 -307,60 -493,54 31,49 30,66 -287,59 -200,25 -0,43 -3,67
M [kNcm] = -256,04 -257,19 245,58 250,27 -948,08 -5831,67 -10,14 13,57 -5244,47 -203,82 -32,58 32,38
R[kN] = 181,97 181,83 180,70 180,87 307,62 493,54 32,37 36,41 287,61 200,25 4,42 91,20
e [cm] = -1,61 -1,62 -1,57 -1,60 268,73 -13588 -1,35 0,69 1521,13 417,50 -7,41 0,36
β [°] = 29,03 -29,02 29,92 29,93 89,34 -89,95 76,61 57,36 89,31 89,86 -5,59 -2,31
Belastungsschritt: 5 Diagonalkraft: ZD = 362 kN
Schnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
N [kN] = 173,13 173,10 -170,66 -170,68 -3,11 1,37 7,01 20,80 -3,55 -0,52 4,76 94,13
V [kN] = 83,54 -83,50 -85,38 -85,39 -334,99 -511,86 34,36 33,58 -297,56 -207,36 -1,03 -4,49
M [kNcm] = -309,72 -310,66 302,76 305,85 -726,98 -6046,43 -8,87 13,19 -5490,22 -207,94 -39,41 41,18
R[kN] = 192,23 192,19 190,82 190,84 335,00 511,86 35,06 39,50 297,58 207,36 4,87 94,24
e [cm] = -1,79 -1,79 -1,77 -1,79 233,75 -4423 -1,27 0,63 1547,77 402,62 -8,29 0,44
β [°] = 25,76 -25,75 26,58 26,58 89,47 -89,85 78,47 58,22 89,32 89,86 -12,24 -2,73
Belastungsschritt: 6 Diagonalkraft: ZD = 366 kN
Schnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
N [kN] = 180,13 180,05 -176,10 -176,20 -3,70 0,96 6,58 21,23 -3,90 -0,55 4,84 94,65
V [kN] = 79,18 -79,12 -82,24 -82,29 -347,39 -516,92 35,83 34,79 -299,89 -209,15 -1,23 -4,99
M [kNcm] = -336,32 -336,47 326,00 331,14 -583,10 -6100,05 -7,85 12,95 -5571,87 -207,62 -43,12 46,99
R[kN] = 196,77 196,66 194,36 194,46 347,41 516,92 36,43 40,76 299,92 209,15 4,99 94,78
e [cm] = -1,87 -1,87 -1,85 -1,88 157,41 -6382 -1,19 0,61 1428,01 376,05 -8,91 0,50
β [°] = 23,73 -23,72 25,03 25,03 89,39 -89,89 79,60 58,61 89,25 89,85 -14,29 -3,02
Belastungsschritt: 7 Diagonalkraft: ZD = 369 kN
Schnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
N [kN] = 186,09 186,08 -180,10 -180,06 -5,20 0,50 6,18 21,57 -4,54 -0,61 4,63 95,20
V [kN] = 75,42 -75,44 -80,91 -80,86 -357,61 -522,01 37,18 35,60 -302,46 -210,92 -0,98 -5,31
M [kNcm] = -342,76 -342,00 338,01 343,87 -459,72 -6148,17 -6,77 12,86 -5622,16 -206,43 -45,75 51,59
R[kN] = 200,80 200,79 197,44 197,38 357,65 522,01 37,69 41,62 302,50 210,92 4,73 95,35
e [cm] = -1,84 -1,84 -1,88 -1,91 88,43 -12257 -1,10 0,60 1237,47 340,28 -9,88 0,54
β [°] = 22,06 -22,07 24,19 24,19 89,17 -89,94 80,56 58,79 89,14 89,84 -11,94 -3,19
Belastungsschritt: 8 Diagonalkraft: ZD = 372 kN
Schnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
N [kN] = 192,15 191,99 -183,59 -183,53 -6,07 0,66 5,69 21,86 -5,67 -0,68 4,18 95,42
V [kN] = 72,11 -72,07 -79,06 -79,01 -366,64 -525,27 38,36 36,36 -304,06 -211,85 -0,30 -5,62
M [kNcm] = -334,59 -334,34 349,14 356,85 -321,55 -6188,28 -5,35 12,74 -5634,48 -203,30 -47,09 56,69
R[kN] = 205,24 205,07 199,90 199,81 366,69 525,28 38,78 42,42 304,11 211,85 4,19 95,59
e [cm] = -1,74 -1,74 -1,90 -1,94 52,93 -9421 -0,94 0,58 994,55 300,73 -11,26 0,59
β [°] = 20,57 -20,57 23,30 23,29 89,05 -89,93 81,56 58,99 88,93 89,82 -4,15 -3,37
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 137

Bild 6.7 Ansicht eines allgemeinen, symmetrischen Fachwerkknotens mit


definierten Schnitten

Spannungsauswertung am Ende der Diagonalen, 

Die Normalkräfte in der Diagonalen werden zunächst von eben dieser Diagonalen an
das Knotenblech übertragen. In Bild 6.8 ist das Diagonalenende aus dem Fachwerk-
knoten herausgeschnitten. Aufgrund der Symmetrie wird nur die linke Hälfte darge-
stellt. Die Spannungsverläufe auf der linken Seite beziehen sich auf den vertikalen
Schnitt im Übergangsbereich von dem Knotenblech zur Diagonalen. Es ist offensicht-
lich, dass die Hauptbelastung des Schnittes die Schubbeanspruchung ist. Die Normal-
spannungen sind im mittleren Bereich als sehr gering anzusehen. Am oberen Ende er-
gibt sich eine Spannungsspitze. Auf dieses Phänomen wird bereits in Abschnitt 3.6
näher eingegangen.

Auf der rechten Seite in Bild 6.8 ist der Normalspannungsverlauf in der Symmetrie-
achse dargestellt. Der Verlauf zeigt im oberen Bereich des Anschlusses relativ große
Zugspannungen und im unteren Bereich geringe Druckspannungen. Die horizontalen
und vertikalen Zugspannungen überlagern sich bei der Vergleichsspannung positiv,
d.h. traglaststeigernd. Am unteren Ende ergeben sich Druckspannungen. Allerdings
sind die vertikalen Zugspannungen in diesem Bereich bereits stark reduziert, so dass
die negative Überlagerung in dem betrachteten Beispiel keine Bedeutung hat. Für den
Anschluss an das Knotenblech (Schnitt 9) sind die Spannungen über die ganze Länge
positiv, so dass hier keine negative Überlagerung der Normalspannung auftritt.
138 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bild 6.8 Spannungen und Schnittgrößen in der Diagonale im Bereich der


Kraftübertragung an das Knotenblech

Kraftfluss in den direkten Anschlussblechen, 

In Bild 6.9 wird die linke Diagonale mit den Anschlusslaschen durch die Schnitte 1
und 2 entsprechend Bild 6.7 gedanklich vom restlichen Fachwerkknoten getrennt. An
den gedanklichen Schnitten werden die resultierenden Kräfte mit ihrer Exzentrizität e
und dem Neigungswinkel β angetragen. Es wird sichtbar, dass die Resultierenden in
den Anschlussbereichen gleich groß sind und nicht parallel zur Systemlinie verlaufen.
Die Wirkungslinien weisen einen Winkel zur Systemlinie der Diagonalen von β0,1 =
β0,2 = 24,4 ° auf. Außerdem ist erkennbar, dass die Resultierenden nicht durch die
Mitte der Schnitte 1 und 2 verlaufen, sondern eine Exzentrizität von e = 1,7 cm zur
Systemlinie hin aufweisen. Bei der Betrachtung der Beanspruchungen als Schnittgrö-
ßen ergeben sich Ni, Vi und Mi. Der Index i bezeichnet bei dieser Angabe den be-
trachteten Schnitt.
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 139

Bild 6.9 Linke Fachwerkdiagonale mit angeschweißten Anschlussblechen

Der Anschluss der Druckdiagonalen kann in gleicher Weise aus dem Fachwerkknoten
ausgeschnitten und untersucht werden. Zwar ist die Belastung in diesem Fall eine
Druckkraft, es stellt sich jedoch annähernd der gleiche Kraftfluss ein wie auf der
linken Seite.

Gleichgewichtsbetrachtungen am Knotenblech, 

Der Anschluss der Druckdiagonalen kann in gleicher Weise vom Knotenblech gelöst
werden und an den Kanten der Schnitte 1 bis 4 können die Beanspruchungen am
restlichen Knotenblech angetragen werden. Die Erkenntnis, dass sich ein vergleichba-
rer Kraftfluss in den Anschlussbereichen einstellt, wie in Abschnitt 5.3 ausgeführt,
kann auch auf der rechten Seite des Knotens gezeigt werden, siehe Tabelle 6.2. In den
Bild 6.10 bis Bild 6.12 ist das restliche Knotenblech dargestellt, das zusätzlich im
Schnitt 5 nochmals geteilt wird. Um die Beanspruchungen aus den Gleichgewichts-
betrachtungen in Bild 6.10 mit denen aus der Finite Elemente Untersuchung in
Tabelle 6.2 gegenüberzustellen, werden in den Schnitten 1 bis 4 die Schnittgrößen Ni,
Vi und Mi verwendet. Die Schnittgrößen in den Schnitten 5 und 6 können bestimmt
werden. Diese Betrachtung entspricht auch der Vorgehensweise des Modells nach
Suppes et al. nach [83] und [55], siehe Abschnitt 2.3.3.
140 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bild 6.10 Gleichgewichtsbetrachtungen am Knotenblech

Beurteilung der Spannungsverläufe in den horizontalen Schnitten im


Knotenblech, 

In Bild 6.11 sind die tatsächlichen Spannungsverläufe in den horizontalen Schnitten 5


und 6 dargestellt und die sich daraus ergebenden Schnittgrößen angegeben. Bei der
Betrachtung der Spannungsverläufe in Schnitt 5 fällt auf, dass sie annähernd symme-
trisch sind und dass sich nur noch kleine plastische Reserven in der Mitte befinden.
Der Schubspannungsverlauf ist über die ganze Länge annähernd konstant und liegt
betragsmäßig zwischen 10 - 12,6 kN/cm². Die Normalspannungen σz sind eher gering
und weisen zu den Rändern hin ein Maximum auf. Die maximale Normalspannung
beträgt ca. 6 kN/cm². Die dargestellten Spannungsverläufe für Schnitt 5 zeigen eine
recht gute Übereinstimmung mit den in Abschnitt 1.4 erläuterten Querschnittstrag-
fähigkeiten von Stabquerschnitten. Eine weitere bedeutsame Auffälligkeit ist, dass
sich die vertikalen Kraftkomponenten V1 und V3 weitgehend bereits im oberen Kno-
tenblechbereich ausgleichen, siehe Tabelle 6.2.

Der Schnitt 6 trennt das Knotenblech knapp oberhalb des Gurtstabflansches. Die dort
auftretenden Spannungen stellen einerseits die Belastungen des Gurtstabes aus dem
Knotenblech dar und sind gleichzeitig von der dort vorhandenen Schweißnaht zu
übertragen. Bei den unterhalb dargestellten Verläufen entlang des Schnitts sind große
Schwankungen zu beobachten. Der Schubspannungsverlauf τxz(x) zeigt zwei Berei-
che, bei denen die Schubspannung bis auf τRd = 12,6 kN/cm² ansteigen. Diese
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 141

Bereiche liegen an den Stellen, an denen das Knotenblech die geringste Höhe infolge
der Ausschnitte aufweist. In den übrigen Bereichen liegt die Schubspannung relativ
konstant zwischen 5 - 7 kN/cm² und nimmt zu den Enden hin ab. Die Schubspannun-
gen zeigen einen symmetrischen Verlauf bezogen auf den Mittelpunkt. Der Normal-
spannungsverlauf ist sprunghafter als der Schubspannungsverlauf. Die Spannungen
wech-seln mehrmals zwischen Zug- und Druckspannungen. Der Verlauf ist punkt-
symmetrisch zum Mittelpunkt des Schnittes.

Bild 6.11 Tatsächliche Spannungen und Schnittgrößen in den horizontalen


Schnitten 5 und 6 des Knotenblechs
142 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bei einem Vergleich der Spannungsverläufe mit denen in Abschnitt 1.4.4 im elasti-
schen bzw. mit denen in Abschnitt 1.4.5 im plastischen Zustand zeigen sich keine
Übereinstimmungen. Um diesen Spannungsverlauf zu verstehen, wird bei der Analy-
se der Spannungsverläufe die Gleichgewichtsbetrachtung, die in Bild 6.10 erfolgt,
herangezogen. Dabei fällt auf, dass durch die Schnitte 2, 4 und 5 jeweils horizontale,
nach links gerichtete Kräfte, positive Biegemomente und Normalkräfte übertragen
werden. Die sich einstellende Normalkraft in Schnitt 5 ist gegenüber den übrigen
Schnittgrößen relativ klein und wird aus diesem Grund nicht weiter betrachtet. Die
Form des unteren frei geschnittenen Knotenblechs ist mit L = 80,9 cm sehr breit und
die Höhe bis zum Schnitt 5 beträgt 15,4 cm. Hinzu kommt, dass die Höhe des Blechs
durch den Spalt weiter reduziert wird. Die eingeleiteten Beanspruchungen aus den
Anschlussbereichen und dem oberen Teil des Knotenblechs können sich nicht zu
einer homogenen Spannungsverteilung zusammenschließen und einen homogenen
elastischen oder plastischen Spannungsverlauf bilden, wie in Abschnitt 1.4 darge-
stellt. Berücksichtigt man diese Erkenntnis, so ist eine Aufteilung der Spannungsver-
läufe in drei einzelne Bereiche zweckmäßiger.

Aufteilung der horizontalen Anschlussnaht vom Knotenblech an den


Gurtstab in drei Bereiche, 

Um die Beanspruchungen in den einzelnen Bereichen von Schnitt 6 deutlich zu ma-


chen, wird in Bild 6.12 der Schnitt 6 an den Bereichsgrenzen auseinander gezogen
und die Schnittgrößen für jeden Bereich berechnet.

Bild 6.12 Spannungen und Schnittgrößen in den drei Bereichen von Schnitt 6
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 143

Es fällt dabei auf, dass sich in allen drei Bereichen positive Biegemomente ergeben,
wobei das Biegemoment des Gesamtschnitts allerdings negativ ist, siehe Bild 6.11.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass im mittleren Abschnitt eine nur sehr kleine
Normalkraft übertragen wird und die Normalkräfte in den äußeren Bereichen kleiner
sind als die durch die Schnitte 2 und 4 eingebrachten Beanspruchungen. Die Ab-
nahme beträgt auf der linken Seite ca. 25 % und auf der rechten Seite ca. 27%. Das
heißt, dass diese Differenz von den äußeren Abschnitten an den mittleren Bereich
übertragen wird und die vertikalen Schnitte 7 und 8 somit durch Schubspannungen
beansprucht werden.

Kraftfluss in Teilen des Knotenblechs zur Beurteilung der Interaktion


von den drei Knotenblechbereichen, 

In Bild 6.13 ist der linke Bereich aus dem Knotenblech herausgelöst und es sind an
den Schnittkanten die Beanspruchungen angetragen. Auf der rechten Seite werden die
Schnittgrößen angegeben, die sich mit Hilfe der Gleichgewichtsbedingungen ergeben.
Der Schnitt 7 wird hauptsächlich auf Schub belastet. Die vorhandene Schubkraft
beträgt ca. 82 % der plastischen Grenzschubkraft des Schnittes. Die Beanspruchun-
gen aus Normalkraft und Biegemoment sind eher gering und spielen daher nur eine
untergeordnete Rolle.

Bild 6.13 Schnittgrößen im Übergang vom linken zum mittleren Bereich

Für den Fall, dass Schnitt 7 sehr klein wird, das ist der Fall wenn die Ausnehmung für
die Diagonale fast bis zum Gurt des Fachwerkträgers reicht, wird die gezeigte Inter-
aktion der drei Bereiche immer kleiner und jeder Bereich leitet seine Schnittgrößen
separat in das Gurtprofil ein. Wenn Schnitt 7 hingegen sehr groß wird, können die
vertikalen Kräfte über diesen Schnitt übertragen werden. Für den horizontalen Schnitt
6 hat dieser Sachverhalt zur Folge, dass sich im Extremfall ein homogener Span-
nungszustand entsprechend Abschnitt 1.4.4 einstellt, der mit der Modellannahme in
144 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bild 6.10 übereinstimmt. Die dargestellte Modellannahme, in der die Gesamtschnitt-


größen über die komplette Anschlusslänge übertragen werden, kann für das betrach-
tete Beispiel nicht angewendet werden. In der Regel werden die Knoten in der Bau-
praxis so konstruiert, dass sich zwar eine Interaktion der einzelnen Bereiche einstellt,
sich die beiden aufgezeigten Extremfälle aber nicht einstellen können. Diese Tatsache
hat für die Bemessung der Schweißnahtverbindung eine ausschlaggebende Bedeu-
tung, denn der Nachweis ist mit den bereichsweise wirkenden Beanspruchungen zu
führen und nicht mit den Gesamtschnittgrößen gemäß Bild 6.11.

Kraftfluss im Stegblech des Gurtstabes, 

Für eine genaue Betrachtung der Beanspruchungen im Gurtstab wird das Stegblech
im Knotenblechbereich herausgelöst und die Beanspruchungen an den geschnittenen
Rändern angetragen.

Bild 6.14 Kraftfluss im Stegblech des Gurtstabes


6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 145

Die Schnitte 9 und 10 sind jeweils im Abstand von 1 cm von der Gurtmittellinie ge-
führt. Analog zum Knotenblech kann dabei das Stegblech auch in drei einzelne Ab-
schnitte eingeteilt werden, indem die Schnitte 7 und 8 bis zum unteren Flansch des
Stegblechs verlängert werden. In Bild 6.14 sind die drei Stegblechteile mit den jewei-
ligen Beanspruchungen dargestellt. Unterhalb des Bildes sind die Spannungen an den
Rändern der drei einzelnen Stegbleche zu Schnittgrößen zusammengefasst und ange-
geben. Aus den auftretenden Schnittgrößen ist ersichtlich, dass der Gurtstabsteg einen
großen Beitrag zur Lastumordnung im Fachwerkknoten leistet. Er transportiert die
horizontale Beanspruchung des Gurtes in den unteren Flansch (siehe Querkräfte in
Schnitt 10) und wirkt auch beim Ausgleich der vertikalen Beanspruchungen zwischen
den Diagonalen mit (siehe N9,l und N9,r). Denn gerade in den äußeren Anschlussseiten
wird aufgrund des aufgezeigten Kraftflusses eine größere vertikale Kraftkomponente
in den Knoten eingeleitet. Das Knotenblech, gerade im Bereich der Ausschnitte, ist
nicht dazu in der Lage diesen Ausgleich zu bewirken, so dass der Steg des Gurtstabes
ebenfalls genutzt werden muss.

Darstellung des Gesamtkraftflusses im Fachwerkknoten durch Dar-


stellung der resultierenden Kräfte in den geführten Schnitten,

An dem beispielhaften Fachwerkknoten aus Bild 6.6 ist durch die resultierenden
Kräfte in den Schnitten, nach Bild 6.7, der sich einstellende Kraftfluss erläutert
worden. In Bild 6.15 ist zusammenfassend der komplette Knoten dargestellt. An den
Schnitten sind die Einzelteile des Knotenblechs und des Stegblechs des Gurtstabes
von einander getrennt und die resultierenden Schnittkräfte angetragen. Bei den
Schnitten 5 und 6 Mitte sind die Schnittgrößen dargestellt, da sich die Beanspruchung
fast ausschließlich aus einer Querkraft und einem Biegemoment zusammensetzt. Eine
resultierende Kraft würde eine extrem große Exzentrizität aufweisen, so dass es in
dem Bild nicht darstellbar wäre und auch keinen Sinn ergäbe.

In Bild 6.15 ist zu erkennen, dass sich in der Knotenblechmitte und in dem mittleren
Bereich des Stegblechs vom Gurtstab aus eine überwiegende Schubbeanspruchung
einstellt und dass in den außen liegenden Teilen eher eine Normalkraftbeanspruchung
vorliegt. Der Knoten bildet ein so genanntes Schubfeld aus, bei dem die Außenkanten
die Schubspannungen in der Mitte bewirken. Deshalb ist auch ersichtlich, warum in
den seitlichen Anschlussbereichen die Kräfte R1 bis R4 nicht parallel zu den System-
linien verlaufen. Außerdem ist in diesem Beispiel zu erkennen, dass im Schnitt 7 der
kleine Restquerschnitt des Knotenblechs infolge des Ausschnitts zwar einen Teil der
Kraft R2 in den mittleren Knotenbereich überträgt, der größere Teil dieser Kraft aber
über Stegblech des Gurtstabes von den äußeren in den mittleren Bereich übertragen
wird.
146 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bild 6.15 Kraftfluss zwischen den herausgeschnittenen Einzelblechen im


Fachwerkknoten

6.3.3 Tragfähigkeit der Anschlussbereiche

Bild 6.6 gibt zu erkennen, dass große Teile der Anschlussbereiche im Knotenblech im
Grenzzustand der Tragfähigkeit plastiziert sind. In dem übrigen Knoten fallen keine
weiteren Bereiche auf, bei denen die Vergleichsspannung σv die Streckgrenze fyd
erreicht. Das lässt den Schluss zu, dass die maximale Traglast des Anschlussbereichs
gleichzeitig die maximale Traglast des gesamten Knotens ist. In Kapitel 5 wird auf
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 147

die Tragfähigkeit von Zugstabanschlüssen eingegangen und die auftretenden


Versagensmechanismen erläutert. Sie können folgendermaßen beschrieben und defi-
niert werden:
• Fall 1: Erreichen der plastischen Grenzzugkraft im horizontalen Ausgangs-
schnitt
• Fall 2: Erreichen der plastischen Grenztragfähigkeit in einem schrägen Schnitt
• Fall 3: Erreichen der plastischen Grenztragfähigkeit im direkten Übergang
vom Knotenblech zur Diagonalen vorrangig durch Schubbeanspruchung.
• Fall 4: Erreichen der plastischen Grenztragfähigkeit in einem schrägen Schnitt
nach Erreichen der Grenztragfähigkeit im Diagonalsteg.
• Fall 5: Erreichen der plastischen Normalkraft im Zugstab
• Fall 6: Versagen der vertikalen Schweißnähte zwischen Zugstab und An-
schlussblech
• Fall 7: Versagen der horizontalen Anschlussschweißnähte

Bild 6.16 zeigt, wie die Zugdiagonale mit dem angrenzenden Knotenblech in den
Schnitten 1 und 2 vom restlichen Knoten getrennt wird.

Wie in Abschnitt 5.3 für die Zugstabanschlüsse mit schräg abgeschnittenen Blechen
aufgezeigt wird, ergeben sich resultierende Kräfte in beiden Anschlussseiten, die
nicht parallel zur Systemlinie verlaufen. Die Schnittgrößen in den Schnitten 1 und 2
können allerdings nicht direkt mit den Diagrammen zum Kraftfluss in Bild 5.20
verglichen werden. Für einen Vergleich werden in Bild 6.16 die Anschlussbereiche
nach unten ergänzt, so dass ein Zugstabanschluss mit schräg abgeschnittenen
Anschlussblechen entsprechend Abschnitt 5.3 entsteht. Durch Transformation können
die Beanspruchungen der Schnitte 1 und 2 im horizontalen Ausgangsschnitt
berechnet werden. Es ergibt sich auf beiden Seiten eine Exzentrizität von e0 = 4,4 cm
und ein Neigungswinkel von β0 = 24,4°. Vergleicht man die ermittelte Exzentrizität
und den Neigungswinkel mit den Diagrammen in Bild 5.20 für den Zuganschluss mit
schrägen Diagonalen, so zeigt sich, dass sich der gleiche Kraftfluss wie bei den
Zugstäben mit schräg abgeschnittenem Anschlussblech einstellt.

In Bild 6.17 sind die Spannungen der Schnitte 1 und 2 für den Fachwerkknoten wie in
Bild 6.5 dargestellt. Die Anschlusslänge beträgt wiederum Lw = 15 cm, das Spaltmaß
a = 2 cm und der senkrechte Abstand u = 3 cm. Die Diagonalenneigung beträgt in
diesem Beispiel α = 30°. Neben den Spannungsverläufen in den Schnitten 1 und 2
sind die aufintegrierten Schnittgrößen in diesen Schnitten sowie die Transformation
auf den virtuellen Ausgangsschnitt, der senkrecht auf der Systemlinie steht,
angegeben. Die Vorgehensweise entspricht der zu Bild 6.16. Es ist erkennbar, dass
die Kraftresultierende in den Anschlussseite wie im Beispiel in Bild 6.16 nicht
parallel zu der Systemlinie verläuft und eine Exzentrizität e aufweist. Die beiden
Anschlussbereiche sind aufgrund des Winkels von α = 30 ° nicht gleich. Das obere
Anschlussblech ist deutlich schmaler als das untere. Die Kraftresultierende in beiden
148 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Blechen und der sich einstellende Winkel zur Systemlinie sind ungefähr gleich groß.
Aufgrund des unsymmetrischen Anschlussbereichs ist die untere Anschlussseite
tragfähiger als die obere und ist in der Lage, noch eine kleine Lasterhöhung von ca.
11 kN aufzunehmen. Auch für dieses Beispiel sind die Erkenntnisse aus den
Abschnitten 5.3 für Anschlüsse mit schräg abgeschnittenem Blech und Abschnitt 5.4
für Anschlüsse mit unsymmetrischem Blech direkt übertragbar.

Bild 6.16 Transformation der Beanspruchungen auf den horizontalen


Ausgangsschnitt
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 149

Bild 6.17 Anschluss der Zugdiagonale mit einem Neigungswinkel von α = 30° mit
zugehörigen Spannungsverläufen in Schnitt 1 und 2

Vergleicht man die maximale Traglast von Zd = 372 kN mit der in Bild 5.19 darge-
stellten Traglast für schräg abgeschnittene Anschlussbleche und den sich einstellen-
den Kraftfluss mit Bild 5.20, so ist eine sehr evidente Übereinstimmung von Traglast
und Kraftfluss zu erkennen. Um diese Erkenntnis zu vertiefen, werden für verschie-
dene Fachwerkknoten mit unterschiedlicher Neigung der Diagonalen α der Kraftfluss
im Ausgangsschnitt nach Abschnitt 5.3 aufgetragen und mit dem von schräg abge-
schnittenen Zugstabanschlüssen verglichen. Die Ergebnisse sind in Bild 6.18 darge-
stellt. Aufgrund der unterschiedlichen Diagonalenneigungen ergeben sich auch je-
weils unterschiedliche Anschlussgeometrien. Für unsymmetrische Zugstabanschlüsse
gilt gemäß Abschnitt 5.4, dass der Anschlussbereich den Kraftfluss bestimmt, der die
kleinere Tragfähigkeit aufweist. Für die untersuchten symmetrischen Fachwerkkno-
ten ist bei gleicher Anschlusslänge bis zu einem Winkel α < 45 ° der obere Bereich
(Schnitt 1 bzw. Schnitt 3) maßgebend und darüber hinaus der untere Anschlussbe-
reich (Schnitt 2 bzw. Schnitt 4). Es ist erkennbar, dass die bezogenen Exzentrizitäten
150 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

e / Lw übereinstimmen und dass sich beim Neigungswinkel β kleine Abweichungen


zwischen Fachwerkknoten und Zugstabanschluss ergeben. Die Verläufe sind aller-
dings qualitativ gleich, so dass sich eine gute Übereinstimmung des Kraftflusses der
beiden untersuchten Systeme ergibt.

Bild 6.18 Vergleich des Kraftflusses im Ausgangsschnitt von schräg


abgeschnittenen Zugstabanschlüssen und in Anschlussbereichen von
Fachwerkknoten

6.3.4 Horizontales Schubversagen im Knotenblech

In Abschnitt 5.4 wird das Tragverhalten eines unsymmetrischen Zuganschlusses auf-


gezeigt und erläutert. Eine Erkenntnis aus der Analyse des Tragverhaltens ist, dass
bei steigender Beanspruchung solange ein symmetrischer Kraftfluss wirkt bis sich das
erste Fließgelenk einstellt. Zusätzliche Beanspruchungen können ausschließlich noch
von der Seite aufgenommen werden, die noch nicht ihre Grenztragfähigkeit erreicht
hat. Im Folgenden wird erneut das Tragverhalten für den in Bild 6.19 dargestellten
Knoten untersucht. Die Diagonalenneigung beträgt in diesem Fall α = 60°.

Hierbei sind neben den Knotenparametern die Vergleichsspannungszustände für zwei


Beanspruchungssituationen dargestellt. Die Beanspruchungen im unteren Bild stellen
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 151

auch gleichzeitig den Grenzzustand der Tragfähigkeit des Knotens aus der FEM-Be-
rechnung dar.

In Bild 6.19 oben ist ebenfalls zu erkennen, dass die Vergleichsspannung σv im Kno-
tenblech an den Spalten zwischen der Diagonalen und dem Knotenblech bereits die
Streckgrenze erreicht hat und dass sich in diesem horizontalen Schnitt zwischen den
Ausschnitten (Schnitt 5, gemäß Bild 6.6) plastische Bereiche ausbilden. Daher ist in
diesem Schnitt keine weitere Laststeigerung möglich. In den übrigen Bereichen des
Fachwerkknotens sind die Spannungen noch deutlich unterhalb der Streckgrenze.

Bild 6.19 Ansicht des Knotens mit steilen Diagonalen mit Vergleichsspannungen
aus zwei Belastungszuständen
152 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Aus den Vergleichspannungen im Grenzzustand der Tragfähigkeit in Bild 6.19 unten


wird deutlich, dass große Bereiche des Knotens Plastizierungen aufweisen. Diese
Bereiche befinden sich hauptsächlich im direkten Anschlussbereich der Diagonalen
an das Knotenblech und Bereiche des Diagonalensteges. Die plastizierten Bereiche
befinden sich ausschließlich im Knotenblech und das Stegblech des Gurtstabes weist
keine Plastizierungen auf.

Aus den beiden erläuterten Spannungszuständen in Bild 6.19 wird deutlich, dass bei
Diagonalenkräften von ZD = DD = 206 kN die Querschnittstragfähigkeit im Schnitt 5
bereits voll ausgenutzt ist. Der Knoten hat seine maximale Traglast allerdings noch
nicht erreicht. In dem angeführten Schnitt 5 stellt sich ein plastisches Gelenk ein, so
dass die zusätzlichen Beanspruchungen von den äußeren Anschlussseiten aufgenom-
men werden müssen.

Bild 6.20 Fachwerkknoten mit horizontalem Schnitt im Knotenblech

In Bild 6.20 ist ein horizontaler Schnitt dargestellt, der durch das Knotenblech mit
den Schnitten 2, 4 und 5 verläuft. An den Schnittkanten sind die angreifenden
Schnittgrößen in positiv wirkender Richtung angetragen. Tabelle 6.3 zeigt die Bean-
spruchungen in den Schnitten für beide Lastzustände. Aus den Schnittgrößen in
Schnitt 5 ist erkennbar, dass bereits bei Diagonalenkräften von Z = D = 206 kN die
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 153

plastische Querkrafttragfähigkeit VPl,d = 115,9 kN annähernd erreicht ist. In Schnitt 5


bildet sich daher ein plastisches Fließgelenk aus. Zusätzliche Beanspruchungen kön-
nen ausschließlich über die Außenseiten (Schnitte 2 und 4) an den unteren Bereich
des Knotenblechs übertragen werden.

Der sich einstellende Kraftfluss im Grenzzustand der Tragfähigkeit kann mit Hilfe
der Schnittgrößen in den horizontalen Schnitten überprüft werden. Im Schnitt 5 sind
nur kleine Änderungen der Schnittgrößen resultierend aus der Laststeigerung erkenn-
bar. Die Querkraft steigt um ca. 3 % und die übrigen Schnittgrößen werden kleiner
bzw. verschwinden ganz. Für eine Nachweisführung stellt sich fast ausschließlich
eine Querkraftbeanspruchung ein. Bei den äußeren Schnitten steigen Normalkräfte
und Querkräfte, die Biegemomente werden allerdings kleiner und haben für den
Nachweis der Querschnittstragfähigkeit im horizontalen Schnitt nur noch einen zu
vernachlässigenden Einfluss. Es stellen sich große plastische Bereiche ein, siehe
Bild 6.19, bis der Grenzzustand der Tragfähigkeit erreicht und eine Laststeigerung
nicht mehr möglich ist.

Tabelle 6.3 Schnittgrößen und Kraftresultierende in den horizontalen Schnitten gemäß


Bild 6.20
Plastische Grenzschnittgrößen
Schnitt 2 (h = 10,6 cm) Schnitt 4 (h = 10,6 cm) Schnitt 5 (h = 9,2 cm)
Npl Vpl Mpl Npl Vpl Mpl Npl Vpl Mpl
[kN] [kN] [kNcm] [kN] [kN] [kNcm] [kN] [kN] [kNcm]
231,3 133,5 613 231,3 133,5 613 200,7 115,9 462
Schnittgrößen
Diagonalen- Schnitt 2 Schnitt 4 Schnitt 5
kräfte Z = D N V M N V M N V M
[kN] [kN] [kN] [kNcm] [kN] [kN] [kNcm] [kN] [kN] [kNcm]
206 97,0 48,2 162 96,8 49,9 161 -2,0 109,8 110
310 130,4 90,0 114 130,4 90,9 116 0,0 113,3 56
Bezogene Schnittgrößen und Querschnittsausnutzung
n v m n v m n v m
0,419 0,361 0,264 0,419 0,374 0,263 -0,010 0,947 0,238
206
η = 0,68 η = 0,43 η = 0,98
0,564 0,674 0,186 0,564 0,681 0,189 0,000 0,978 0,121
310
η = 0,95 η = 0,95 η = 0,99
Kraftresultierende
Schnitt 2 Schnitt 4
Definition der positiven
R e β R e β
Kraftrichtungen siehe
[kN] [kN] [cm] [°] [kN] [cm] [°]
Bild 5.14
206 108,3 1,7 63,6 108,9 1,7 62,7
310 158,4 0,9 55,4 159,0 0,9 55,1
154 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

6.3.5 Erreichen der Querschnittstragfähigkeit im vertikalen Schnitt


durch Knotenblech und Gurt

In Abschnitt 6.3.2 wird der Kraftfluss in einem symmetrischen Fachwerkknoten auf-


gezeigt und analysiert. Eine wichtige Erkenntnis daraus soll hier noch einmal hervor-
gehoben werden. Das Stegblech des Gurtstabes und das Knotenblech werden
gleichermaßen zur Kraftübertragung genutzt. Das heißt, dass im Stegblech des
Gurtstabes Zusatzbeanspruchungen entstehen, die bei der Nachweisführung zu
berücksichtigen sind.

In Bild 6.21 wird die Ansicht eines Fachwerkknotens mit flachen Diagonalen dar-
gestellt. Bei den verwendeten Walzprofilen handelt es sich um die gleichen Profile,
wie in Bild 6.5 angegeben. Die Einbindelänge beträgt Lw = 200 mm und die Blech-
dicke des Knotenblechs tb = 15 mm. Der Neigungswinkel α ist mit 30° sehr flach. In
der Ansicht sind die Vergleichsspannungen im Grenzzustand der Tragfähigkeit
dargestellt. Es sind ebenso wie bei den vorangegangenen Beispielen große Bereiche
zu erkennen, in denen die Streckgrenze erreicht ist und sie plastizieren (siehe rote
Bereiche). Diese Fließzonen konzentrieren sich bei dem betrachteten Beispiel ober-
halb und unterhalb der Spalte. Im Stegblech des Gurtstabes ist über die gesamte Höhe
die Streckgrenze erreicht und auch oberhalb vom Spalt haben sich große plastische
Bereiche im Knotenblech gebildet. Daraus ist zu erkennen, dass eine Laststeigerung
nicht mehr möglich ist, denn diese Kräfte können durch die vertikalen Schnitte im
Bereich der Spalte nicht mehr übertragen werden.

Bild 6.21 Ansicht eines Knotens mit flachen Diagonalen und Darstellung der
Vergleichsspannungen im Traglastzustand

Im Hinblick auf die Verbindung zwischen Knotenblech und Gurtstab ist in Bild 6.21
zu erkennen, dass die Spannungen in den beiden äußeren Bereichen sehr groß und im
mittleren Bereich zwischen den Tiefpunkten der Ausschnitte nur halb so groß sind.
Die Schweißnähte zwischen Knotenblech und Gurtstab sind so auszulegen, dass sie
6.3 Kraftfluss in symmetrischen Fachwerkknoten 155

die großen Verzerrungen infolge der Plastizierungen mitmachen, siehe Abschnitt


6.3.2.

6.3.6 Zusammenstellung der Versagensmechanismen

In den vorangegangenen Abschnitten wird der Kraftfluss in einem Knoten mit


Knotenblech aufgezeigt und erläutert. Anschließend sind die möglichen Versagens-
mechanismen mit dem sich einstellenden Kraftfluss in Fachwerkknoten mit ausge-
schnittenen Knotenblechen analysiert worden. Tabelle 6.4 gibt einen Überblick über
die sich einstellenden Versagensarten als Ausgangspunkt für ein Bemessungsodell,
das in Kapitel 8 vorgestellt wird.

Tabelle 6.4 Zusammenstellung der möglichen Versagensarten bei Fachwerkknoten

Beschreibung und Definition des Ver-


Darstellung des Versagensarten
sagensmechanismus

A. Erreichen der Grenztragfähigkeit im Anschlussbereich

Die Tragfähigkeit und der zugehörige


Kraftfluss stellen sich wie bei
Zugstabanschlüssen mit schräg
abgeschnittenen Anschlussblechen ein
(siehe Abschnitt 5.3).

B. Erreichen der Grenztragfähigkeit durch eine Fließgelenkkette in horizontalen


Schnitten

- Der mittlere Schnitt wird durch reine


Schubübertragung beansprucht.

- Die Übertragung des Versatzmomentes


geschieht durch Normalkräfte in den
äußeren Schnitten.

- In den drei dargestellten Schnitten wird


die plastische Querschnittstragfähigkeit
erreicht.
156 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Fortsetzung von Tabelle 6.4

C. Erreichen der Grenztragfähigkeit durch eine Fließgelenkkette in vertikalen


Schnitten
- Die Kraftübertragung ändert sich kaum
gegenüber dem bei Versagensfall A.

- Im vertikalen Schnitt unterhalb des


Tiefpunktes im Ausschnitt ist die
Querschnittstragfähigkeit erreicht.

- Der Steg und der übrig bleibende Teil


des Knotenblechs werden fast
ausschließlich auf Schub belastet.

- Die Gurte des Gurtstabs werden zur


Aufnahme der Normalkraft und des
Biegemomentes herangezogen.
D. Erreichen der Grenztragfähigkeit des Gurtstabstegblech im oberen horizontalen
Schnitt
D1: Erreichen der QST in den äußeren
Bereichen

Das vertikale Kräftepaar des


Versatzmomentes belastet neben den
Querkräften vor allem die äußeren
Anschlussbereiche. Diese vertikale
Beanspruchung ist vom Stegblech des
D2: Erreichen der QST Im inneren Bereich Gurtstabes aufzunehmen. Maßgebend
kann dieser Versagensfall werden, wenn
das Knotenblech sehr viel dicker ist als
das Stegblech.

E. Erreichen der Querschnittstragfähigkeit in den Stabquerschnitten


Die Beanspruchungen in den Diagonal-
und Gurtstäben sind von den vorhandenen
Versagensfall E1: Querschnitten aufzunehmen. Wie bei
Erreichen der QST in den Diagonalen Zugstabanschlüssen führt die
Versagensfall E2: Überlagerung der Zwängungsspannungen
Erreichen der QST im Gurtstab mit den Normalspannungen in
Stablängsrichtung zu keiner Verminderung
der Normalkrafttragfähigkeit
6.4 Vergleich der Untersuchungen mit Versuchsergebnissen aus [83] 157

Fortsetzung von Tabelle 6.4

F. Versagen der Schweißnaht zwischen Knotenblech und Diagonale

Die Beanspruchungen infolge der


Normalkraft und der
Zwängungsbeanspruchungen müssen von
der Schweißnahtverbindung übertragen
werden.

G. Versagen der Schweißnaht zwischen Knotenblech und Gurtstab


G1: Versagen der äußeren
Schweißnahtbereiche

Die auftretenden Beanspruchungen


zwischen Knotenblech und Gurtstab sind
von der Schweißnahtverbindung zu
G2: Versagen der inneren
übertragen. Dabei sind die einzelnen
Schweißnahtbereiche
Bereiche getrennt zu betrachten.

6.4 Vergleich der Untersuchungen mit Versuchsergebnissen


aus [83]

Im Rahmen von [83] sind Versuche an Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen


Knotenblechen durchgeführt worden. Die Ergebnisse dieser Versuche werden nach-
folgend mit den denen der FEM-Berechnungen verglichen, um die in Kapitel 3 vor-
gestellte Finite Elemente Berechnung mit den Versuchsergebnissen zu verifizieren.
Im Anschluss daran kann ein Bemessungsmodell auf Grundlage der Ergebnisse mit
der FEM entwickelt werden.
158 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bild 6.22 Versuchsaufbau eines auflagernahen K-Knotens, aus [83]

Der Versuchsaufbau wird in [83] näher erläutert. Bild 6.22 ist zu entnehmen, dass,
statt eines einzelnen Knotens, der Versuchskörper aus einem Teil eines auflagernahen
Fachwerks besteht. Die Belastung wird als vertikale Kraft am Ende des Fachwerks
durch eine nach oben gerichtete Kraft aufgebracht. Der dabei zu untersuchende Kno-
ten ist der erste Untergurtknoten. Der Versuchsaufbau des N-Knotens wird analog
ausgeführt und ebenfalls in [83] ausführlich beschrieben.

Bei den durchgeführten Versuchen handelt es sich um zwei Fachwerkknoten als N-


Knoten und einem Fachwerkknoten als K-Knoten mit unterschiedlichen Diagonalpro-
filen. In Bild 6.23 sind die verwendeten Knotenbleche der N-Knoten dargestellt. Der
Pfosten wird bis auf den Gurtstab durchgeführt und direkt verschweißt. Das Knoten-
blech grenzt horizontal an den Gurtstab und in vertikaler Richtung an den Pfosten.
Die Diagonalenneigungen betragen α = 45°. Als Untergurt des Fachwerks wurde in
allen Versuchen ein HEA 160 verwendet. Der E-Modul und die Querkontraktionszahl
ν entsprechen denen aus Abschnitt 1.4.2 für Baustahl. Die Streckgrenze fy wird in der
FEM-Berechnung gleich der für das Knotenblech festgestellten und in Tabelle 6.5
aufgelisteten Zugfestigkeit fu angenommen.
6.4 Vergleich der Untersuchungen mit Versuchsergebnissen aus [83] 159

Bild 6.23 Knotenbleche mit Abmessungen der Versuche 1 und 2, aus [83]

Das Knotenblech des untersuchten K-Knotens ist in Bild 6.24 abgebildet. Die Diago-
nalen haben wie bei dem N-Knoten eine Diagonalenneigung von α = 45 °. Alle wei-
teren Knotenblechabmessungen werden ebenfalls in Bild 6.24 angegeben.

Bild 6.24 Knotenblech mit Abmessungen des Versuchs 3, aus [83]

Bei den FEM-Berechnungen werden alle Knoten als symmetrische K-Fachwerkkno-


ten mit gleichen Diagonalenprofilen berechnet. Die Abweichung zu den N-Knoten ist
als gering zu bewerten, da der berechnete K-Knoten symmetrisch ist und der N-
Knoten aus dem Versuch bis zum Schnittpunkt der Systemlinien ein dem K-Knoten
identisches Tragverhalten aufweist.

Bei dem K-Knoten werden für jedes Diagonalenprofil ein symmetrischer Fachwerk-
knoten berechnet. Die Abweichung der einzelnen Berechnungen zum Versuch kann
ebenfalls als gering angesehen werden.
160 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Tabelle 6.5 Vergleich der Traglasten aus der FEM-Berechnung mit den
Versuchsergebnissen aus [83]
Prozentuale
Versuchs- Diagonalen- Lw fy fu ZFE Zversuch
Abweichung
Nr. profil
[cm] [kN/cm²] [kN/cm²] [kN] [kN] [%]
1 HEA 100 12 29 38,2 522,4 550 -5,0
2 HEA 100 12 36,4 45,6 582,4 620 -6,1
3a HEA 120 14,4 28,1 40,1 614,8 593,9 3,5
3b HEM 100 14,4 28,1 40,1 610,4 593,9 2,8

In Tabelle 6.5 werden die berechneten Traglasten denen aus dem Versuch gegenüber-
gestellt. Die Traglasten aus den N-Knoten werden [83] direkt entnommen. Die Trag-
lasten bei dem K-Knoten werden über die eingeleitete Vertikallast mit Hilfe der Dia-
gonalenneigung α berechnet. Es werden dabei reibungsfreie Gelenke angenommen,
die bereits bei der Systemmodellierung, siehe Kapitel 3, berücksichtigt werden. Die
maximale Differenz von FEM-Berechnung zur Traglast im Versuch beträgt auf der
unsicheren Seite lediglich 3,5 % und auf der sicheren Seite maximal 6,1 %. Daraus
lässt sich eine gute Übereinstimmung der FE Berechnung mit den Versuchen
ableiten. Die berechneten Traglasten mit dem FE Modell können für eine
Modellentwicklung als genaue Lösung angesehen werden.

Bild 6.25 Vergleich von Versuchsversagen aus [83] und FEM Berechnung im
Grenzzustand der Tragfähigkeit des Versuchs Nr. 2
6.5 Stabilität von auf Druck beanspruchten Fachwerkstreben 161

Für den Versuch Nr. 2 wird in Bild 6.25 der tatsächlich aufgetretene Versagensfall
mit dem Vergleichsspannungszustand der FEM-Berechnung im Grenzzustand der
Tragfähigkeit gegenübergestellt. Auf der linken Seite ist erkennbar, dass die
Zugdiagonale mit Teilen des Knotenblechs vom restlichen Knotenblech abgerissen
ist. Auf der rechten Seite ist der Vergleichsspannungszustand der Finite Elemente
Berechnung dargestellt. In den Anschlussbereichen zeigen sich große plastizierte
Bereiche. Vergleicht man den gerissenen Zustand aus dem Versuch mit der FEM-
Berechnung, so ist erkennbar, dass auf beiden Seiten ein so genannter schräger
Schnitt maßgebend wird. Das maßgebende Versagen ist in beiden Fällen gleich, so
dass diese Tatsache neben den guten Übereinstimmungen der Traglasten auf eine
gute Abbildung der realen Konstruktion durch die FEM schließen lässt.

6.5 Stabilität von auf Druck beanspruchten Fachwerk-


streben

6.5.1 Ermittlung von Verzweigungslasten mit der FEM

Nachfolgend wird die Stabilitätsgefahr von auf Druck belasteten Fachwerkstreben


anhand eines beispielhaften Fachwerkträgers untersucht. Es handelt sich bei diesem
Fachwerk um das bereits in Kapitel 4 vorgestellte Beispiel. In einer ersten Untersu-
chung werden die auftretenden Stabilitätsfälle der druckbeanspruchten Diagona-
len anhand von Eigenwerten mit zugehörigen Eigenformen aufgezeigt. Der System-
linienabstand der Gurte, d. h. die Trägerhöhe, misst 3,00 m und die Spannweite des
Fachwerks beträgt 24,00 m. Die übrigen Abmessungen und die gewählten Profile
können Bild 3.8 entnommen werden. Bezüglich der FEM-Modellierung wird auf Ab-
schnitt 3.4 verwiesen. Es sei hier nochmals erwähnt, dass alle Fachwerkknoten aus
der Ebene gehalten werden. Anhand des modellierten Systems werden die ersten
Eigenwerte mit zugehörigen Eigenformen berechnet. Die aufgebrachte Last ist dabei
so gering, dass sich in keinem Punkt plastische Dehnungen einstellen. Die so errech-
neten Eigenwerte können als Verzweigungslasten des elastischen Gesamtsystems
angesehen werden.

In Bild 6.26 sind die Ergebnisse der Eigenwertuntersuchungen für Knotenblech-


dicken zwischen tb = 1,0 cm und 2,5 cm abgebildet. Die dargestellten Eigenformen
sind qualitativ in allen Fällen annähernd identisch und zeigen, dass die Druckstrebe
aus der Fachwerkebene ausweichen möchte. Sie ähneln deshalb einem beidseitig
gelenkig gelagerten Druckstab (Eulerfall II). Die zugehörigen Eigenwerte oder
Verzweigungslasten weichen jedoch voneinander ab. So erhöht sich die Verzwei-
gungslast um 25,0 % bei einer Änderung der Dicke von tb = 1,0 cm auf tb = 2,5 cm.
Daraus ist zu schließen, dass die Knotenblechgeometrie, in diesem Fall die Dicke,
einen Einfluss auf die Stabilitätsgefahr der Fachwerkdruckstreben hat. Diese Erkennt-
nis deckt sich mit den Untersuchungen in Abschnitt 5.6 zu druckbeanspruchten Stä-
ben mit ausgeschnittenen Anschlussblechen.
162 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bild 6.26 Verzweigungslasten und zugehörige Eigenformen für verschiedene


Knotenblechdicken tb

In der Baupraxis werden bisher für Fachwerksysteme die Verzweigungslasten anhand


des Eulerfalls II mit der Knicklänge sK gleich der Systemlänge Lsys abgeschätzt. Diese
Abschätzung liefert für den vorliegenden Stabilitätsfall eine Verzweigungsbean-
spruchung von Fv,Ki = 500,4 kN. Für die in Bild 6.26 untersuchten Blechdicken
ergeben sich die genauen Verzweigungslasten um 8,6 % bis 35,9 % oberhalb dieser
6.5 Stabilität von auf Druck beanspruchten Fachwerkstreben 163

Abschätzung, so dass diese Abschätzung auf der sicheren Seite liegt. Es stellt sich die
Frage, ob das für samtliche Fachwerkdruckdiagonalen diese Abschätzung auf der
sicheren Seite liegt. Und wenn das nicht der Fall ist, wie eine genaue Abschätzung
der Stabilitätsgefahr erfolgen kann. Dafür ist es zunächst erforderlich, den Einfluss
von verschiedenen geometrischen Parametern auf die Verzweigungslast der
Fachwerkdruckstrebe zu kennen und die sich einstellenden Stabilitätsfälle zu
definieren.

6.5.2 Untersuchung des Einflusses der Knotenblechgeometrie auf


die Verzweigungslast NKi

Aufbauend auf die Erkenntnisse von Abschnitt 6.5.1 sollen die Einflüsse der ver-
schiedenen Knotenblechparameter auf die Verzweigungslast des bisher betrachteten
Systems geklärt werden. Aus diesem Grund werden nachfolgend verschiedene Ab-
messungen einzeln variiert, um die Auswirkung auf den Eigenwert getrennt erfassen
zu können. Die übrigen Parameter entsprechen denen von Bild 4.2.

Bild 6.27 Verzweigungslasten des Stabilitätsfalls "Ausknicken der


Fachwerkdiagonalen" in Abhängigkeit von der Diagonalenneigung α

In Bild 6.27 sind die Verzweigungslasten des untersuchten, beispielhaften Systems in


Abhängigkeit von der Diagonalenneigung α für unterschiedliche Blechdicken tb auf-
getragen. Die Trägerhöhe H des untersuchten Beispielträgers beträgt konstant 3,00 m
und die Trägerlänge L hängt von der variablen Diagonalenneigung α ab. Aufgrund
der konstanten Trägerhöhe, werden die Diagonalen bei einer größeren Diagonalennei-
gung kürzer, so dass die Verzweigungslast NKi der Druckstrebe ansteigt. Zusätzlich
164 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

zu den Verzweigungslasten NKi, die sich mit der FEM ergeben, ist in Bild 6.27 die
Verzweigungslast für einen beidseitig gelenkig gelagerten Druckstab als gestrichelte
Linie angegeben, um eine bessere Einschätzung der vorhandenen Stabilitätsgefahr zu
erhalten. Die Knicklänge ist dabei gleich der Systemlänge der Diagonalen (Lsys). Es
ist erkennbar, dass alle Kurven einen qualitativ ähnlichen Verlauf haben und oberhalb
des Eulerfalls II verlaufen. Die zugehörige Eigenform zeigt in allen Fällen das Aus-
knicken des Fachwerkdruckstabes.

Ergänzend zu Bild 6.27 sind die errechnetenVerzweigungslasten NKi in Tabelle 6.6


zusammengestellt. Für einen besseren Vergleich sind dort ebenfalls die Knicklänge
und die Verzweigungslasten des Eulerfalls II mit sK = Lsys angegeben. Aus
Tabelle 6.6 ist zu erkennen, dass sich die prozentualen Abweichungen in einem Be-
reich von ca. 8 % bis ca. 35 % ergeben und mit steigender Blechdicke konstanter
werden.

Tabelle 6.6 Verzweigungslasten NKi in Abhängigkeit von der Diagonalenneigung α


und der Knotenblechdicke tb
Gelenkig NKi,DS − NKi,FEM
gelagerter Verzweigungslast NKi mit FEM
NKi,FEM
Druckstab
tb = 1,0 tb = 1,5 tb = 2,0 tb = 2,5 tb = 1,0 tb = 1,5 tb = 2,0 tb = 2,5
α sk NKi
cm cm cm cm cm cm cm cm
[°] [cm] [kN] [kN] [kN] [kN] [kN] [%] [%] [%] [%]
30 600,0 353,9 465,2 500,3 522,9 545,6 -23,9% -29,3% -32,3% -35,1%
40 466,7 584,8 739,2 788,4 791,9 792,2 -20,9% -25,8% -26,2% -26,2%
45 424,3 707,7 768,8 861,5 945,0 961,9 -7,9% -17,8% -25,1% -26,4%
50 391,6 830,6 991,3 1110,4 1160,0 1208,7 -16,2% -25,2% -28,4% -31,3%
60 346,4 1061,6 1378,7 1467,0 1537,0 1612,4 -23,0% -27,6% -30,9% -34,2%

In einer weiteren Parameterstudie wird der Einfluss des vertikalen Abstands q (siehe
Bild 3.8) auf die Verzweigungslast NKi geklärt. Die Untersuchungen werden an dem
bereits bekannten beispielhaften Fachwerkträger gemäß Bild 3.8 und Bild 6.26 durch-
geführt. Die Diagonalenneigung α ist bei diesen Untersuchungen konstant 45 °. In
Bild 6.28 sind die mit der FEM berechneten Verzweigungslasten für verschiedene
Knotenblechdicken aufgetragen. Auffällig ist bei einem Vergleich mit den Druck-
stäben in Abschnitt 5.6 (Bild 5.47), dass die Verläufe qualitativ sehr ähnlich verlau-
fen. Die Verzweigungslasten sind für kleine vertikale Abstände annähernd konstant.
Mit steigendem Abstand q nehmen die Verzweigungslasten stark ab und verflachen
bei großen Abständen. Vergleicht man die Eigenwerte mit dem eines beidseitig
gelenkig gelagerten Druckstabes, so ist zu erkennen, dass für kleine Abstände q die
sich einstellende Verzweigungslast annähernd konstant bleibt und sich oberhalb des
einfachen Druckstabes einstellt. Bei steigendem Abstand q sinkt der Eigenwert in Ab-
hängigkeit der Knotenblechdicke zum Teil stark ab und kreuzt je nach Blechdicke bei
unterschiedlichen Abständen q die Gerade des Eulerfalls II. Für die Konstruktion von
Fachwerkknoten kann daraus die Erkenntnis abgeleitet werden, den Abstand q so
gering wie möglich zu wählen, um die Stabilitätsgefahr der druckbeanspruchten Stre-
be zu minimieren. Als Anhaltswert ergibt sich aus Bild 6.28 folgende Bedingung in
6.5 Stabilität von auf Druck beanspruchten Fachwerkstreben 165

Anlehnung an Gl. (5.12) um mit der Abschätzung des Eulerstabs auf der sicheren Sei-
te zu liegen:
q
≤5 (6.1)
t 2b

Bild 6.28 Erster Eigenwert des Gesamtsystems in Abhängigkeit von dem vertikalen
Abstand q

Neben dem vertikalen Abstand q und der Dicke des Knotenblechs tb hat auch die
Höhe des Fachwerkträgers H einen entscheidenden Einfluss auf die Stabilität von ge-
drückten Fachwerkstreben. In Bild 6.29 sind die Verzweigungslasten NKi für das in
Bild 3.8 dargestellte Fachwerk abgebildet. Im Gegensatz zu den bisher untersuchten
Systemen wird die Höhe des Fachwerkträgers variiert und für verschiedene Knoten-
blechdicken untersucht. Der ausgewählte Bereich der Höhen ist so gewählt, dass er
den baupraktischen Bereich in etwa abdeckt. Als Anhaltswert dafür beträgt die bezo-
gene Schlankheit bezogen auf den Eulerfall II λ K = 0,56 bei H = 150 cm und bei
H = 500 cm erhält man λ K = 1,88 . Alle Kurven haben einen qualitativ ähnlichen Ver-
lauf. Einzige Ausnahme sind die Verzweigungslasten mit einer Blechdicke von
tb = 0,5 cm. Diese weichen für sämtliche Berechnungen stark von den übrigen Kur-
ven ab und befinden sich unterhalb des Eulerfalls II.. Es ist erkennbar, dass die übri-
gen Kurven ähnlich verlaufen, wie die des Eulerstabs. Lediglich für kleine Stablän-
gen ergeben sich geringere Eigenwerte, da sich für kleine Stablängen ein horizontales
Niveau ausbildet, wie es sich in Abschnitt 5.6.3 für Druckstabanschlüsse ergibt. Die-
ses Phänomen stellt sich bei dünnen Blechdicken eher ein als für dickere Bleche. Bei
einer veränderten Anschlussblechgeometrie, z.B. durch veränderte Anschlusslängen
Lw, ergeben sich die gleichen dargelegten Zusammenhänge.
166 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Bild 6.29 Verzweigungslasten der Fachwerkstrebe in Abhängigkeit von der


Fachwerkträgerhöhe h

In Tabelle 6.7 werden die Verzweigungslasten und die daraus resultierenden bezoge-
nen Schlankheiten aus Bild 6.29 aufgelistet und die Abweichungen des beidseitig ge-
lenkig gelagerten Druckstabes zur genauen FEM-Berechnung berechnet. Bei den grau
hinterlegten Feldern ergibt sich mit der FEM eine kleinere Verzweigungslast als mit
dem Eulerstab. Bei diesen Fällen wäre eine Abschätzung als beidseitig gelenkig gela-
gerter Druckstab auf der unsicheren Seite. Bei dicken Blechen tb > 1,5 cm sind alle
errechneten Eigenwerte auf der sicheren Seite. Bei dünneren Knotenblechen
t b ≤ 1,5cm ergeben sich Verzweigungslasten die zum Teil auf der unsicheren Seite
liegen. Die Abschätzung mit dem Eulerstab unterschätzt bei tb = 1,5 cm lediglich ein-
mal tatsächliche Stabilitätsgefahr (H = 150cm). Bei dünneren Blechen verschiebt sich
die Grenze, so dass bei tb = 1,0 cm bereits unterhalb H = 250 cm die Verzweigungs-
lasten auf der unsicheren Seite liegen und bei tb = 0,5 cm sind alle Verzweigungslas-
ten unterhalb der Eulerhyperbel. Aus dieser Betrachtung ist erkennbar, dass neben
einer Knotenblechdicke auch die Diagonalenlänge bzw. die Stabschlankheit eine
wichtige Rolle spielt für die sich einstellende Stabilitätsgefahr.
6.5 Stabilität von auf Druck beanspruchten Fachwerkstreben 167

Tabelle 6.7 Vergleich der Verzweigungslasten und der bezogenen Schlankheiten

FEM Einfacher Druckstab mit sK = Lsys

Knotenblech- Abstand der NKi − NKi,FEM λ K − λK,FEM


NKi,FEM λ K,FEM sK NKi λK
dicke tb Gurte H NKi,FEM λK,FEM
[cm] [cm] [kN] [-] [cm] [kN] [%] [-] [%]
150 251,2 1,92 212,1 2830,9 1.026,80 0,57 -70,21
200 242,5 1,96 282,8 1592,4 556,55 0,76 -60,97
250 237,6 1,98 353,6 1019,1 328,95 0,96 -51,72
0,5
300 234,1 1,99 424,3 707,7 202,38 1,15 -42,49
400 229,1 2,01 565,7 398,1 73,76 1,53 -24,14
500 222,7 2,04 707,1 254,8 14,39 1,91 -6,50
150 639,6 1,21 212,1 2830,9 342,62 0,57 -52,47
200 608,7 1,24 282,8 1592,4 161,58 0,76 -38,17
250 589,7 1,26 353,6 1019,1 72,83 0,96 -23,94
0,75
300 567,2 1,28 424,3 707,7 24,77 1,15 -10,47
400 457,2 1,43 565,7 398,1 -12,93 1,53 7,17
500 303,1 1,75 707,1 254,8 -15,93 1,91 9,06
150 1115,2 0,91 212,1 2830,9 153,84 0,57 -37,23
200 1045,4 0,94 282,8 1592,4 52,33 0,76 -18,98
250 960,6 0,98 353,6 1019,1 6,09 0,96 -2,91
1
300 786,9 1,09 424,3 707,7 -10,07 1,15 5,45
400 490,1 1,38 565,7 398,1 -18,77 1,53 10,95
500 312,3 1,73 707,1 254,8 -18,42 1,91 10,72
150 1640,5 0,75 212,1 2830,9 72,57 0,57 -23,88
200 1455,9 0,80 282,8 1592,4 9,37 0,76 -4,38
250 1186,7 0,89 353,6 1019,1 -14,12 0,96 7,91
1,25
300 860,0 1,04 424,3 707,7 -17,70 1,15 10,23
400 501,8 1,36 565,7 398,1 -20,67 1,53 12,28
500 318,9 1,71 707,1 254,8 -20,11 1,91 11,88
150 2156,3 0,66 212,1 2830,9 31,28 0,57 -12,72
200 1730,1 0,73 282,8 1592,4 -7,96 0,76 4,24
250 1260,9 0,86 353,6 1019,1 -19,18 0,96 11,23
1,5
300 919,2 1,01 424,3 707,7 -23,01 1,15 13,97
400 510,0 1,35 565,7 398,1 -21,94 1,53 13,18
500 324,6 1,69 707,1 254,8 -21,50 1,91 12,87
150 4392,5 0,46 212,1 2830,9 -35,55 0,57 24,56
200 2450,1 0,62 282,8 1592,4 -35,01 0,76 24,04
250 1325,5 0,84 353,6 1019,1 -23,11 0,96 14,04
2
300 947,4 0,99 424,3 707,7 -25,30 1,15 15,70
400 522,4 1,33 565,7 398,1 -23,80 1,53 14,55
500 334,1 1,67 707,1 254,8 -23,74 1,91 14,51
150 5064,3 0,43 212,1 2830,9 -44,10 0,57 33,75
200 2567,2 0,60 282,8 1592,4 -37,97 0,76 26,97
250 1351,1 0,83 353,6 1019,1 -24,57 0,96 15,14
2,5
300 963,6 0,98 424,3 707,7 -26,55 1,15 16,68
400 531,5 1,32 565,7 398,1 -25,10 1,53 15,55
500 341,2 1,65 707,1 254,8 -25,32 1,91 15,72

Das horizontale Niveau der Kurven in Bild 6.29 bei kleinen Stablängen bzw. bei ge-
ringeren Schlankheitsgraden ergibt sich durch einen weiteren Stabilitätsfall. Es han-
delt sich dabei um das seitliche Ausweichen des Knotenblechs im oberen Bereich
des Druckstabanschlusses (Bild 6.30). Es ist erkennbar, dass für kleine Stablängen
nicht das Ausknicken des Gesamtstabes, sondern das örtliche Stabilitätsversagen des
Anschlussbereichs maßgebend wird. Als charakteristische Eigenschaft weicht im
Fachwerkknoten der obere Anschlussbereich der Druckdiagonalen seitlich aus.
168 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Dieses Versagen wird bei den grau hinterlegten Feldern in Tabelle 6.7 maßgebend
und führt zu den sich ausbildenden horizontalen Niveaus in Bild 6.29. Das bedeutet,
dass in diesen Fällen eine Änderung der Stablänge zwar den Stab verstärkt, diese zu-
sätzliche Steifigkeit keine Stützung für das versagende Knotenblech bewirkt. Bei
einem örtlichen Versagen des Anschlussbereichs liegen die Werte mit dem beidseitig
gelenkig gelagerten Druckstab bis zu 70 % auf der unsicheren Seite (tb = 0,5 cm –
H = 150 cm), so dass ein örtliches Stabilitätsversagen im Knoten zu vermeiden ist.
Daher kann empfohlen werden, neben einer Mindestdicke von tb = 1,25 cm auch
einen Schlankheitsgrad λ K ≥ 0,8 einzuhalten.

Bild 6.30 Eigenform des örtlichen Stabilitätsversagens im Knoten

Um die in den Normen verankerte Annahme eines beidseitig gelenkig gelagerten


Druckstabes mit der Knicklänge sK = Lsys anwenden zu können, werden in Tabelle 6.8
die Biegesteifigkeiten des Druckstabes mit denen des Knotenblechs im fiktiven Aus-
gangsschnitt verglichen. Bei einer Knotenblechdicke von tb = 1,25 cm beträgt das
Verhältnis ungefähr Iz,Stab / Iz,Blech = 1 : 100 und liegt damit höher als Gl. (5.10).
Dieses Verhältnis wird zusätzlich zu Gl. (6.1) als Grenze bestimmt, um die o.g.
Annahme anwenden zu dürfen.
6.5 Stabilität von auf Druck beanspruchten Fachwerkstreben 169

Tabelle 6.8 Vergleich der Steifigkeiten von Knotenblech im Ausgangsschnitt zum Stab

Knotenblech- Iz,Stab A z,Stab Mpl,z,Stab


b1 + b2 Iz,Blech Iz,Stab ABlech AStab Mpl,z,Blech Mpl,z,Stab
dicke tb Iz,Blech A z,Blech Mpl,z,Blech
4 4 2 2 2 2
[cm] [cm] [cm ] [cm ] [-] [cm ] [cm ] [-] [cm ] [cm ] [-]
0,5 36 0,38 615,6 1641,6 18 38,8 2,16 54 2824 0,02
0,75 36 1,27 615,6 486,4 27 38,8 1,44 122 2824 0,04
1 36 3,00 615,6 205,2 36 38,8 1,08 216 2824 0,08
1,25 36 5,86 615,6 105,1 45 38,8 0,86 338 2824 0,12
1,5 36 10,13 615,6 60,8 54 38,8 0,72 486 2824 0,17
2 36 24,00 615,6 25,7 72 38,8 0,54 864 2824 0,31
2,5 36 46,88 615,6 13,1 90 38,8 0,43 1350 2824 0,48

In einer weiteren Untersuchung wird der Einfluss der Stegblechdicke tsD auf die Ver-
zweigungslast NKi der Fachwerkstrebe analysiert. An dem beispielhaften Fachwerk-
träger wird im Folgenden ausschließlich die Stegblechdicke der Fachwerkdiagonalen
variiert. Die übrigen Parameter bleiben konstant und können wiederum Bild 3.8 ent-
nommen werden. In Bild 6.31 sind für verschiedene Knotenblechdicken tb die Ver-
zweigungslasten aufgetragen.

Bild 6.31 Verzweigungslasten in Abhängigkeit von Stegblechsdicke tsD der


Fachwerkdiagonalen

Es ist erkennbar, dass für dünne Stegbleche tsD < 0,3 cm die Verzweigungslast unab-
hängig von der Knotenblechdicke ist, da alle Kurven kongruent verlaufen. Ab einer
Dicke von tsD > 0,3 cm ergeben sich für die dickeren Knotenbleche größere Verzwei-
gungslasten, die aber annähernd horizontal verlaufen und daher unabhängig von der
Stegblechdicke sind. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Verzweigungslast bis
zu einem bestimmten Wert in hohem Maße von der Stegblechdicke der Fachwerkdia-
gonalen abhängt. Darüber hinaus ist der Einfluss auf die Stabilität sehr gering. Als
das Grenzverhältnis von Stegdicke des Druckstabes zu Knotenblechdicke kann in die-
sem Fall tsD = 0,3 mm angenommen werden.
170 6 Tragverhalten von Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Die Ursache für die Abhängigkeit der Verzweigungslasten von der Stegblechdicke tsD
ist, dass infolge der Zwängungsdruckspannungen ein Beulen des Stegblechs eintritt.
Bild 6.32 zeigt dieses Versagen im Bereich des Anschlusses. Da dieser Versagensfall
für das vorliegende Beispiel bis zu einer Dicke von 3 mm aufgetreten ist und darüber
hinaus keinen Einfluss hatte, ist dieser Stabilitätsfall für die baupraktischen Anwen-
dungen mit Profilen aus den Reihen HEA, HEB und HEM nicht bemessungsrelevant.

Bild 6.32 Stegblechbeulen infolge der Zwängungsdruckspannungen

Zusammenfassend können für druckbeanspruchte Fachwerkstreben eines beispiel-


haften Fachwerks drei verschiedene Stabilitätsfälle definiert werden. Diese sind:

• Seitliches Ausknicken der gesamten Fachwerkstrebe


• Seitliches Ausknicken des Knotenbleches im Anschlussbereich der
Druckdiagonalen
• Beulen des Diagonalenstegblechs infolge der Zwängungsdruckspannungen

Für eine Stabilitätsuntersuchung ist es empfehlenswert, die Konstruktion so zu wäh-


len, dass das erste Stabilitätsversagen maßgebend wird, da in solchen Fällen die Ver-
zweigungslast mit dem beidseitig gelenkig gelagerten Druckstab (Eulerstab) auf der
sicheren Seite abgeschätzt werden kann. Anhand der aufgezeigten Stabilitätsfälle und
der zugehörigen Verzweigungslasten können Grenzverhältnisse aufgestellt werden.
Diese Annahme ist allerdings auf den baupraktischen Bereich begrenzt. Für sehr
kurze Stäbe sind genauere Verfahren zur Erfassung der Stabilitätsgefahr erforderlich.
7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

7.1 Vorbemerkungen

Das nachfolgende Bemessungsmodell stützt sich auf die in Kapitel 5 gewonnenen Er-
gebnisse mit der FEM-Analyse. Es kann für Stabanschlüsse von Stäben mit I-
Querschnitten der Querschnittsklasse QK 1 gemäß DIN EN 1993-1-1 [13] verwendet
werden. Die zu verwendenden Stahlgüten sind in Tabelle 1.1 aufgelistet. Die
wichtigsten Erkenntnisse aus den Untersuchungen bestehen darin, dass sieben
verschiedene Versagensmechanismen auftreten können, dass der sich einstellende
Kraftfluss im Anschlussbereich abhängig ist von den Versagensmechanismen und
dass die Versagensarten bzw. der Kraftfluss im wesentlichen Maße durch die
Geometrie des Anschlusses bestimmt wird.

Bild 7.1 Übersicht der Versagensmechanismen bei Zugstabanschlüssen mit


ausgeschnittenem Anschlussblech

Bild 7.1 zeigt eine Zusammenstellung der auftretenden Versagensarten. Auf dieser
Grundlage wird im Folgenden der Kraftfluss festgelegt und anschließend eine Kom-
ponentenmethode zur Bestimmung der Anschlusstragfähigkeit hergeleitet. Der
172 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

dabei angenommene Kraftflusses wird im Grenzzustand der Tragfähigkeit ange-


nommen. Die plastischen Querschnittstragfähigkeitsnachweise erfolgen nach
Abschnitt 1.4.5 sowie für die Schweißnähte nach Abschnitt 1.4.6. Darüber hinaus
werden auch Annahmen für eine elastische Berechnung vorgeschlagen. Außerdem
wird das Modell für unsymmetrische Stabanschlüsse und für Stabanschlüsse mit
Biegebeanspruchung erweitert. Für Druckstäbe wird ein Ersatzstabwerksmodell vor-
gestellt, das sich zur Abschätzung von Verzweigungslasten eignet. Mit diesem Hin-
tergrund ist es möglich, Nachweise mit Abminderungsfaktoren zu führen.

7.2 Berechnung der Schnittgrößen im Anschlussbereich


nach der Elastizitätstheorie

In Einzelfällen, z.B. bei der Beurteilung der Gebrauchstauglichkeit von


Fachwerkknoten im Brückenbau, kann es allerdings erforderlich sein, Berechnungen
nach der Elastizitätstheorie durchzuführen.

Bild 7.2 Elastischer Kraftfluss im Ausgangsschnitt bei schräg abgeschnittenen


Zugstabanschlüssen
7.3 Berechnung der Schnittgrößen im Anschlussbereich nach der Plastizitätstheorie 173

Im Folgenden werden Annahmen des Kraftflusses auf Grundlage der elastischen


FEM Analyse getroffen, die als Basis einer elastischen Tragfähigkeitsbeurteilung
angesehen werden können. In Bild 7.2 sind die bezogene Exzentrizität e / Lw und der
Neigungswinkel β in Abhängigkeit der bezogenen Breite b / Lw verschiedene
Anschlusslängen Lw für den Ausgangsschnitt aufgetragen.

Analog zu Abschnitt 1.4.3 kann die resultierende Kraft in Schnittgrößen transformiert


und der Nachweis der Querschnittstragfähigkeit gemäß Abschnitt 1.4.4 geführt wer-
den. Die Schnittgrößen im Ausgangsschnitt werden nachfolgend mit dem Index "0"
gekennzeichnet und können folgendermaßen berechnet werden:
Z
N0 =
2
Z
V0 = ⋅ tan β (7.1)
2
Z
M0 = ⋅ e
2

7.3 Berechnung der Schnittgrößen im Anschlussbereich


nach der Plastizitätstheorie

7.3.1 Vereinfachte Annahme des Kraftflusses

Der Kraftfluss kann analog zu Abschnitt 7.2 im Bereich des Anschlusses durch die
resultierende Kraft im horizontalen Ausgangsschnitt ausgedrückt und mit Gl. (7.1) in
Schnittgrößen umgerechnet werden. Je nach Geometrie des Anschlussbleches stellen
sich die in Bild 7.1 dargestellten Versagensmechanismen ein und bedingt dadurch
wirkt ein individueller Kraftfluss von dem Zugstab in das Anschlussblech.

Mit der Kenntnis der resultierenden Kraft im Ausgangsschnitt können die Bean-
spruchungen in allen übrigen Schnitten mit Hilfe des Kräftegleichgewichts berechnet
werden. Nachfolgend werden Annahmen in Bezug auf den Kraftfluss vorgestellt, die
sich aus den Untersuchungen mit der FEM-Berechnung ergeben. Bei diesen
Annahmen ist zu unterscheiden zwischen Zugstabanschluss mit rechteckigen (Bild
3.4 links) Anschlussblechen einerseits und mit schräg abgeschnittenen (Bild 3.4
rechts) Anschlussblechen andererseits.

7.3.2 Plastischer Kraftfluss in rechteckigen Anschlussblechen

In Bild 7.3 werden für Zugstabanschlüsse mit rechteckigen Anschlussblechen die


bezogene Exzentrizität e / Lw und der Neigungswinkel β der resultierenden Kraft aus
den Berechnungen mit der FEM im horizontalen Ausgangsschnitt angegeben. Die
Verläufe sind dabei abhängig von der Breite bezogen auf die Anschlusslänge Lw
174 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

aufgetragen. Bei der bezogenen Exzentrizität ist erkennbar, dass die Kurven für belie-
bige Anschlusslängen kongruent sind. Bis zu einer bezogenen Länge von b / Lw < 0,5
verlaufen die Kurven horizontal und steigen ab diesem Punkt linear an. Für den
Kraftfluss kann daher folgende Annahme über die Exzentrizität e getroffen werden:
b
e=0 wenn < 0,5
Lw
(7.2)
 b 1 b
e= −  ⋅ Lw wenn ≥ 0,5
 2 ⋅ Lw 4  Lw

Bild 7.3 Angesetzter Kraftfluss im horizontalen Ausgangsschnitt unter Berück-


sichtigung von Plastizierungen bei rechteckigen Anschlussblechen

Für den Neigungswinkel β der Kraftresultierenden im horizontalen Ausgangsschnitt


zeigen die Kurven aus der FEM Berechnung keinen so eindeutigen Verlauf. Bis zu
einer bezogenen Breite von b / Lw < 0,5 betragen die Neigungswinkel 0°. Im Bereich
7.3 Berechnung der Schnittgrößen im Anschlussbereich nach der Plastizitätstheorie 175

von 0,5 < b / Lw < 1,0 steigen die Neigungswinkel bis zu einem Maximalwert von ca.
20° stark an und nähern sich dann einem Winkel von ca. 17,5°. Entsprechend dieser
Beobachtung wird der Neigungswinkel β wie folgt angenommen:
b
β = 0° wenn < 0,5
Lw
 2⋅b  b
β = 17,5° ⋅  − 1 wenn 0,5 ≤ < 1,0 (7.3)
L
 w  Lw
b
β = 17,5° wenn ≥ 1,0
Lw

Mit der Kenntnis der resultierenden Kraft können die Beanspruchungen als äquiva-
lente Schnittgrößen nach Gl. (7.1) berechnet und die Querschnittstragfähigkeit unter
Berücksichtigung von plastischen Reserven an der maßgebenden Stelle nach
Abschnitt 1.4.5 nachgewiesen werden. Bei dieser Annahme des Kraftflusses ist von
einem kleinen Spaltenmaß a auszugehen.

7.3.3 Plastischer Kraftfluss in schräg abgeschnittenen


Anschlussblechen

Für Zugstabanschlüsse mit schräg abgeschnittenen Anschlussblechen zeigt sich ein


ähnlicher Zusammenhang zwischen Anschlussblechgeometrie und dem sich
einstellenden Kraftfluss, siehe Bild 5.13 und Bild 5.16.

In Bild 7.4 sind neben den Ergebnissen aus der FEM-Berechnung die Annahmen für
einen vereinfachten Kraftfluss angegeben. Die bezogenen Exzentrizitäten e / Lw
zeigen eine gute Übereinstimmung mit denen bei rechtwinkligen Anschlüssen. Es
sind aber Unterschiede bei dem sich einstellenden Neigungswinkel zu erkennen.
Daher werden für schräg abgeschnittene Anschlussbleche die Exzentrizität e und
der Neigungswinkel β im Ausgangsschnitt wie folgt angenommen:
Exzentrizität e:
b
e=0 wenn < 0,5
Lw
(7.4)
 b 1 b
e= −  ⋅ Lw wenn ≥ 0,5
 2 ⋅ Lw 4  Lw

Neigungswinkel β:
b b
β = 20,0° ⋅ wenn < 1,0
Lw Lw
(7.5)
b
β = 20,0° wenn ≥ 1,0
Lw
176 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

Bild 7.4 Angesetzter Kraftfluss im horizontalen Ausgangsschnitt bei schrägen


abgeschnittenen Anschlussblechen

Analog zu Abschnitt 7.2 kann die resultierende Kraft in Schnittgrößen transformiert


werden. Der Nachweis der Querschnittstragfähigkeit kann nach Abschnitt 1.4.5
erfolgen. Die Schnittgrößen im Ausgangsschnitt werden nachfolgend mit dem
Index "0" gekennzeichnet und können so berechnet werden:
Z
N0 =
2
Z
V0 = ⋅ tan β
2 (7.6)
0

M 0 = max   b 1
Z ⋅ Lw ⋅  4 ⋅ L − 8 
  w 
7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich 177

7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich

7.4.1 Maßgebender Versagensfall

Mit den vorgestellten Annahmen des Kraftflusses in den vorangegangenen Abschnit-


ten kann im nächsten Schritt eine ausreichende Tragfähigkeit des Blechs im Bereich
des Anschlusses nachgewiesen werden.

In Tabelle 5.12 sind die auftretenden Versagensfälle zusammenfassend aufgelistet. Es


wird herausgestellt, dass die Geometrie des Knotens einen entscheidenden Einfluss
auf den sich einstellenden Versagensmechanismus und damit auf den Kraftfluss und
die Tragfähigkeit des Anschlusses hat. In Tabelle 7.1 sind die Versagensfälle mit den
Geometriebedingungen und Hinweisen auf den Kraftfluss und die Tragfähigkeit zu-
sammengetragen.

Tabelle 7.1 Übersicht der Versagensfälle mit Geometriebedingungen

Versagens- Geometrische
Beschreibung Kraftfluss Tragfähigkeit
fall Beziehungen
Lw L
1
Zug im horizontalen b≤ bzw. w Siehe Abschnitt
Anschlussblech 2 3 7.4.2

Lw
Erreichen der < b < L w bzw. Siehe
Querschnittstragfähigkeit 2 Abschnitt Siehe Abschnitt
2
(QST) in schrägen Lw 3 ⋅ Lw 7.2.3 und 7.4.3
<b< 7.2.4
Schnitten 3 2

Erreichen der QST im 3 ⋅ Lw Siehe Abschnitt


3 b ≥ L w bzw.
vertikalen Anschlussschnitt 2 7.4.4
Erreichen der QST im
Anschlussblech mit Einfluss
4 Siehe Abschnitt 7.4.5
aus QST des
Zugstabsteges
Reine
Erreichen der plastischen Siehe Abschnitt
5 --- Normalkraft
Grenznormalkraft 7.4.6
im Profil
Versagen der
Schweißnähte zwischen
6 Siehe Abschnitt 7.4.7
Zugstab und
Anschlussblech Siehe Abschnitt
Versagen der 1.4.6
Schweißnähte zwischen
7 Siehe Abschnitt 7.4.8
Gurtstab und
Anschlussblech

Aus Tabelle 7.1 wird deutlich, dass eine Vielzahl von Versagensmechanismen für
eine sichere Bemessung zu überprüfen sind. Der Kraftfluss wird in der Regel
durch die ersten drei Versagensfälle bestimmt. Versagensfall 4, der ebenfalls
178 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

Einfluss auf den Kraftfluss im Anschlussbereich hat, kann über das geometrische
Verhältnis von Stegdicke zu Anschlussblechdicke ts / tb ausgeschlossen werden. Bei
der Konstruktion ist darauf zu achten, dass das Spaltmaß a klein ist gegenüber den
sonstigen Anschlussblechabmessungen (a / Lw < 0,1).

Die folgenden Betrachtungen beziehen sich lediglich auf eine Anschlussseite des
Knotenblechs. Bei einem symmetrischen Anschluss genügt der Nachweis einer
Anschlussseite, bei unsymmetrischen Anschlüssen kann die Tragfähigkeit nach
Abschnitt 7.5 bestimmt werden.

7.4.2 Tragfähigkeit im Versagensfall 1

Der erste Versagensfall nach Tabelle 5.12 bzw. Tabelle 7.1 ist das reine Zugkraftver-
sagen im horizontalen Ausgangsschnitt der rechtwinkligen Anschlussbleche. Die
Beanspruchungen bestehen im Ausgangsschnitt ausschließlich aus einer Normalkraft.
Das Biegemoment und die Schubbeanspruchung sind vernachlässigbar gering, so
dass sich die maximale Zugbeanspruchung im Versagensfall 1 für den Zugstab-
anschluss von rechteckigen Anschlussblechen direkt ergibt:
b
ZRd,1 = 2 ⋅ N pl,0 = 2 ⋅ b ⋅ t b ⋅ f y wenn: ≤ 0,5 (7.7)
Lw

Aus Gl. (7.7) ist zu schließen, dass die Tragfähigkeit ausschließlich von der Breite
der Anschlusslaschen, der Blechdicke und der Streckgrenze abhängig ist und nicht
von der Anschlusslänge Lw.

Für schräg abgeschnittene Knotenbleche wird der Kraftfluss gemäß Bild 7.4 ange-
setzt. Gegenüber den rechteckigen Anschlussblechen ist neben der reinen Normal-
kraft auch noch eine Schubbeanspruchung beim Nachweis der Querschnittstragfähig-
keit im maßgebenden Ausgangsschnitt zu berücksichtigen. Die Beanspruchungen er-
geben sich wie folgt:
Z
N0 =
2
(7.8)
Z
V0 = ⋅ tan β
2
Aufgrund der vorhandenen Querkraft ist nach Tabelle 1.2 die Streckgrenze zu redu-
zieren. Die maximale Reduktion ergibt sich für den maximalen Winkel β, da bei die-
sem Fall der Querkrafteinfluss am größten ist. Für den Versagensfall 1 beträgt der
Winkel β maximal:
b
β = 20° ⋅ = 20° ⋅ 0,33 = 6,67° (7.9)
Lw

Im Grenzzustand der Tragfähigkeit ergibt sich für reine Normalkraft mit Berücksich-
tigung der Querkraft nach Tabelle 1.2:
7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich 179

N
2
≤1
 V  (7.10)
N pl ⋅ 1 − 
 V 
 pl 
Mit Gl. (7.8) für die Beanspruchungen in Gl. (7.10) eingesetzt, ergibt sich für den
horizontalen Ausgangsschnitt:
Z
2 ≤1
2
Z  b 
 ⋅ tan  20 ⋅  (7.11)
2  Lw 
b ⋅ tb ⋅ fy ⋅ 1 − 
 f 
 b ⋅ tb ⋅ y 
 3 
Durch Auflösen der Gl. (7.11) erhält man die maximale Traglast des Versagensfalls
1 für Zugstabanschlüsse mit schräg abgeschnittenen Anschlussblechen:
2 ⋅ b ⋅ tb ⋅ fy 2 ⋅ N pl,0
ZRd,1 = =
 b   b  (7.12)
1 + 3 ⋅ tan 2  20° ⋅  1 + 3 ⋅ tan 2  20° ⋅ 
 Lw   Lw 

Gl. (7.12) lässt sich auf die plastische Normalkraft und den Faktor f1 zusammenfas-
sen, so dass gilt:
b
ZRd,1 = 2 ⋅ f1 ⋅ N pl,0 wenn: ≤ 0,33 (7.13)
Lw

Bild 7.5 Faktor f1 zur Ermittlung der Traglast im Versagensfall 1

Dem Diagramm in Bild 7.5 ist der Faktor f1 der Gl. (7.13) in Abhängigkeit von der
bezogenen Breite zu entnehmen. Der Faktor f1 und somit die Tragfähigkeit ZRd,1
nimmt mit steigendem Verhältnis von b / Lw leicht ab. Die maximale Reduktion
beträgt ca. 2,0 % bei einer bezogenen Breite von b / Lw = 0,33, d.h. im Übergang zum
Versagensfall 2. Der Einfluss von f1 kann aus diesem Grund vernachlässigt werden.
180 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

7.4.3 Tragfähigkeit im Versagensfall 2

Der zweite Versagensfall nach Tabelle 5.12 bzw. Tabelle 7.1 ist das Erreichen der
Querschnittstragfähigkeit in einem schrägen Schnitt durch das Anschlussblech.
Ausgangspunkt für die schrägen Schnitte ist der Punkt B in Bild 7.6. Der Punkt liegt
am Ende des Zugstabes und hat sich bei den Untersuchungen in Kapitel 5 als der
höchstbelastete bzw. zuerst plastizierte Punkt im Anschlussblech herausgestellt. Für
eine Bewertung der Tragfähigkeit sind Schnitte mit verschiedenen Winkeln zu
führen, so dass in diesen Schnitten die Querschnittstragfähigkeit nachgewiesen
werden kann.

Bild 7.6 Seitliches Anschlussblech mit Definition des schrägen Schnitts in


Abhängigkeit des Winkels δ

Als schräge Schnitte werden Schnitte durch das Knotenblech bezeichnet, die durch
den Punkt B verlaufen und den Winkel δ zum horizontalen Ausgangsschnitt aufwei-
sen, siehe Bild 7.6. Der Winkel δ kann dabei maximal 90 ° betragen.

Grundlage für die Nachweisführung in den Anschlussbereichen ist die Kenntnis der
Schnittgrößen im Ausgangsschnitt und die Knotenblechgeometrie. Im ersten
Schritt wird die Länge des Knotenblechs im schrägen Schnitt L(δ) bestimmt. Bild 7.7
zeigt vier verschiedene Anschlussblechvarianten. Es ist offensichtlich, dass die Länge
7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich 181

L(δ) des schräg verlaufenden Schnittes nicht nur vom Winkel δ abhängt, sondern
auch von der Anschlussblechgeometrie. Unterhalb der Anschlussskizzen werden die
Längen L(δ) in Abhängigkeit des Winkels δ angegeben.

Bild 7.7 Anschlussblechformen mit Längenangabe der schrägen Schnitte in


Abhängigkeit des Winkels δ
182 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

Anschließend können die Beanspruchungen auf diesen schrägen Schnitt transformiert


und die Querschnittstragfähigkeit kann unter Ausnutzung der plastischen Quer-
schnittstragfähigkeit untersucht werden. Diese Methode kann für beliebige Winkel
wiederholt und abschließend ausgewertet werden. In Tabelle 7.2 ist die schrittweise
Vorgehensweise aufgeführt.

Tabelle 7.2 Vorgehensweise zur Berechnung der maximalen Traglast im


Versagensfall 2

Bestimmung der Beanspruchungen im Ausgangsschnitt nach Abschnitt 7.3.2 bzw.


 7.3.3
 Wahl eines möglichen schrägen Schnittes mit dem Winkel δ. Dabei gilt: δ < 90°

 Berechnung der Schnittlänge L(δ), siehe Bild 7.7


 Ermittlung der plastischen Querschnittstragfähigkeiten, siehe Gl. (7.14)

 Transformation der Schnittgrößen auf den schrägen Schnitt, siehe Gl. (7.15)
 Nachweis der Querschnittstragfähigkeit, siehe Gl. (7.16)

 Wiederholung des Vorgangs mit einem veränderten Winkel δ

 Auswertung der Berechnungen

Die plastischen Beanspruchbarkeiten des Rechteckquerschnitts mit der Höhe L(δ)


und der Breite tb ergeben sich nach Abschnitt 1.4.5 wie folgt:
fy
Vpl ( δ ) = L ( δ ) ⋅ t b ⋅
3
N pl ( δ ) = L ( δ ) ⋅ t b ⋅ f y (7.14)
L (δ) ⋅ tb
2
M pl ( δ ) = ⋅ fy
4
In Bild 7.8 ist das ausgeschnittene Anschlussblech mit den angreifenden Bean-
spruchungen im Ausgangsschnitt und im schräg verlaufenden Schnitt dargestellt. Der
sich einstellende Kraftfluss für den Ausgangsschnitt kann nach Abschnitt 7.3
angesetzt werden. Die Beanspruchungen als Schnittgrößen werden mit Hilfe des
Kräftegleichgewichts auf den betrachteten Schnitt in Abhängigkeit des Winkels δ
folgendermaßen transformiert:
V ( δ ) = V0 ⋅ cos δ − N 0 ⋅ sin δ
N ( δ ) = V0 ⋅ sin δ + N 0 ⋅ co s δ
(7.15)
L (δ) b
M ( δ) = M0 + N ( δ ) ⋅ − N0 ⋅
2 2
7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich 183

Bild 7.8 Transformation der Beanspruchungen auf einen schrägen Schnitt

Mit den Beanspruchungen nach Gl. (7.15) und den Beanspruchbarkeiten nach
Gl. (7.14) kann der Nachweis der Querschnittstragfähigkeit nach Abschnitt 1.4.5 wie
folgt geführt werden:
N2 M
+ ≤1
  V  2
  V 
2
(7.16)
N 2pl ⋅ 1 −    M pl ⋅ 1 −  
  Vpl   
   Vpl 

Mit Gln. (7.14) und (7.15) sowie mit den Kraftflussannahmen gemäß den Gln. (7.4)
und (7.5) in Gl.(7.16) eingesetzt, können die Schritte  bis  aus
Tabelle 7.2 zusammengefasst werden und es folgt daraus eine kompakte Nachweisbe-
dingung:

Z2 ⋅ ( cos δ + sin δ ⋅ tan β )


2

 3 ⋅ Z2 ⋅ ( cos δ ⋅ tan β − sin δ ) 2 


4 ⋅ f yd ⋅ L(δ) ⋅ t b ⋅  1 −
2 2 2

 4 ⋅ f 2
⋅ L( δ ) ⋅
2 2
t 
 yd b 
  b 1  (7.17)
Z ⋅ 2 ⋅ Lw ⋅  −  − b + L(δ) ( cos δ + sin δ ⋅ tan β ) 
  2 ⋅ Lw 4   ≤1
+
3 ⋅ Z2 ⋅ ( cos δ ⋅ tan β − sin δ )
2
f yd ⋅ L(δ) ⋅ t b ⋅ 1 −
2
4 ⋅ f yd
2
⋅ L(δ)2 ⋅ t 2b

In Gl. (7.17) gehen neben den geometrischen Abmessungen der Winkel δ und die
Länge L(δ) des schrägen Schnittes ein, siehe Bild 7.7. Anschließend kann die
Gl. (7.17) für beliebige Winkel δ ausgewertet werden.

Als Alternative zu der aufwändigen Ermittlung der Beanspruchungen und


Querschnittstragfähigkeit in den schrägen Schnitten , z.B. für eine Handrechnung,
wird als Tragfähigkeit im Fall 2 für rechteckige Anschlussbleche folgende lineare
184 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

Interpolation der Tragfähigkeiten bei rechteckigen Anschlussblechen zwischen den


Versagensfällen 1 und 3 vorgeschlagen:

(
ZRd,2 = ZRd,1 b* = 0,5 ⋅ L w )
 2⋅b  (7.18)
+  ZRd,3 (b* = L w ) − ZRd,1 (b* = 0,5 ⋅ L w )  ⋅  − 1
L
 w 
Bei schräg abgeschnittenen Anschlussblechen ergibt sich die folgende Interpo-
lation:

(
ZRd,2 = ZRd,1 b* = 0,33 ⋅ L w )
 6⋅b 2  (7.19)
+  ZRd,3 (b* = 1,5 ⋅ L w ) − ZRd,1 (b* = 0,33 ⋅ L w )  ⋅  − 
 7 ⋅ Lw 7 

7.4.4 Tragfähigkeit im Versagensfall 3

Der dritte Versagensfall nach Tabelle 5.12 bzw. Tabelle 7.1 ist das Erreichen der
Querschnittstragfähigkeit im vertikalen Anschlussschnitt. Ausgangspunkt sind
wie bei den vorhergehenden Versagensfällen die folgenden Beanspruchungen im
horizontalen Ausgangsschnitt gemäß Abschnitt 7.3.
Zd
N0 =
2
Z
V0 = d ⋅ tan β (7.20)
2
Z b L 
M0 = d ⋅  − w 
2 2 4 
Da der vertikale Schnitt im Übergang vom Zugstab zum Knotenblech für die Tragfä-
higkeit maßgebend wird, müssen die Schnittgrößen in Gl. (7.20) wie folgt transfor-
miert werden:
Z
N v = V0 = ⋅ tan β
2
Z
Vv = N 0 = (7.21)
2
L b  tan β 1 
M v = M 0 + V0 ⋅ w + N 0 ⋅ = Z ⋅ L w ⋅  − 
2 2  4 8
7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich 185

Die plastischen Beanspruchbarkeiten im vertikalen Schnitt ergeben sich zu:


N pl,v = L w ⋅ t b ⋅ f y
f
Vpl,v = L w ⋅ t b ⋅ y
3 (7.22)
L ⋅t
2

M pl,v = w b ⋅ f y
4
Die Gln. (7.21) und (7.22) können folgendermaßen in Gl. (7.16) eingesetzt
Z2 ⋅ tan 2 β
+Z ⋅
( tan β − 2 ) ≤1
 3 Z 2  3 Z 2
(7.23)
4 ⋅ f y2 ⋅ L w ⋅ t b ⋅ 1 − ⋅ 2 2d 2  f y ⋅ L w ⋅ t b ⋅ 1 − ⋅ 2 2d 2
 4 f ⋅L ⋅t  4 f y ⋅ Lw ⋅ t b
 y w b 

und anschließend nach Z aufgelöst werden. Aufgrund der nichtlinearen Gleichung er-
geben sich vier Lösungen, bei denen zwei negativ sind. Von den übrigen zwei Lösun-
gen ist die maximale Traglast die Lösung, die den minimalen Wert liefert. Für recht-
eckige Anschlussbleche mit β = 17,5°ergibt sich
1
ZRd ,3 = ⋅ 4,933 ⋅ f y2 ⋅ L2w ⋅ t 2b − 0,366 ⋅ f y4 ⋅ L4w ⋅ t 4b (7.24)
2
und für schräg abgeschnittene Anschlussbleche mit β = 20,0°
1
ZRd ,3 = ⋅ 4,952 ⋅ f y2 ⋅ L2w ⋅ t 2b − 0,313 ⋅ f y4 ⋅ L4w ⋅ t 4b (7.25)
2
Mit Vpl nach Gl. (7.22) beträgt die maximale zu übertragende Zugkraft:
b
ZRd ,3 ≈ 1,85 ⋅ Vpl = 1, 068 ⋅ L w ⋅ t b ⋅ f y wenn: ≥ 1,0 bzw. 1,5 (7.26)
Lw

7.4.5 Tragfähigkeit im Versagensfall 4

Bei dem Versagensfall 4 nach Tabelle 5.12 und Tabelle 7.1 wird der in den Abschnit-
ten 7.3.2 und 7.3.3 dargestellte Kraftfluss durch die Plastizierung des Zugstabsteges
beeinflusst. Dadurch werden die Beanspruchungen im Anschlussbereich verändert.
Im Anschluss daran kann die Tragfähigkeit mit der gleichen Vorgehensweise wie für
den Versagensfall 2, siehe Tabelle 7.2, nachgewiesen werden. Nachteilig ist
allerdings, dass derart klare Trennungen in maßgebende Schnitte, wie bei den
Versagensfällen 1 bis 3 in den vorangegangenen Abschnitten, nicht gemacht werden
können. Die maximalen Zwängungsbeanspruchungen im Steg ergeben sich bei
rechteckigen Zugstabanschlüssen, bei denen der Fall 1 mit einem Verhältnis von b /
Lw = 0,5 oder der Fall 3 (b / Lw = 1,0) maßgebend werden. Für schräg abgeschnittene
Anschlussbleche können auf der sicheren Seite liegend die gleichen Verhältnisse
verwendet werden.
186 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

Bild 7.9 Maximale Beanspruchungen im Stegblech

In Bild 7.9 sind die Beanspruchungen im Anschluss des Blechs an den Zugstab und
die Beanspruchungen im Steg des Zugstabes dargestellt. Im Folgenden wird eine
Grenzbetrachtung durchgeführt, um Bedingungen zu erhalten bis zu denen die Zwän-
gungen von Stegblech ohne weitere Nachweise aufgenommen werden können. Als
Grenzbedingungen bietet sich das Verhältnis von Knotenblechdicke tb zu Stegblech-
dicke ts an. Zunächst wird die Grenzbetrachtung für den Fall 1 (b / Lw < 0,5) durchge-
führt. Die Beanspruchungen aus Bild 7.9 werden in den Nachweis der Querschnitts-
tragfähigkeit nach Abschnitt 1.4.5 eingesetzt. Wird der Nachweis eingehalten, so
können sich die Zwängungsspannungen aus der Kraftflussannahme durch den Steg
kurzschließen. Bei Gl. (7.27) ist zu beachten, dass für Zugstab und Anschlussblech
gleiche Stahlgüten angenommen werden:

( 2 ⋅ b )2 ⋅ t b ≤1
2
3 As ⋅ b ⋅ t b  (7.27)
( Lw + tg + r )
2
⋅ ts ⋅ 1 −  
( )
4  A ⋅ Lw + t g + r ⋅ ts 
 
Mit
b = 0,5 ⋅ L w (7.28)
7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich 187

ergibt sich:
Lw 2 ⋅ t b
≤1
2
3 As ⋅ L w ⋅ t b 
( )
2 (7.29)
2 ⋅ Lw + tg + r ⋅ ts ⋅ 1 −  
( )
16  A ⋅ L w + t g + r ⋅ t s 
 
Der Term unter der Wurzel stellt der Einfluss der vorhandenen Querkraft dar. Für
Walzprofile ist dieser Einfluss zu vernachlässigen, so dass sich in Abhängigkeit von
dem Verhältnis tb / ts folgende Bedingung ergibt. Wenn

( )
2
tb Lw + t g + r f y,Stab
≤ 2⋅ ⋅ (7.30)
ts L2w f y,Blech

gilt, dann wird der Versagensfall 4 für schmale Anschlussbleche nicht maßge-
bend. Auf der sicheren Seite ist erkennbar, dass der Versagensfall 4 für schmale
Anschlussbleche nicht maßgebend werden kann, wenn die Dicke des Anschlussble-
ches die 2-fache Stegdicke nicht überschreitet. In Gl. (7.30) wird zusätzlich noch das
Verhältnis der Stahlgüten aufgenommen.

In gleicher Weise können für breite Anschlussbleche die Beanspruchungen nach Bild
7.9, Fall 3 angesetzt und in den Nachweis der plastischen Querschnittstragfähigkeit
eingesetzt werden. In der Nachweisbedingung wird analog zu Gl. (7.30) der Schub-
anteil vernachlässigt und es ergibt sich die folgende Beziehung:

( )
2
tb Lw + t g + r f y,Stab
≤ 3, 47 ⋅ ⋅ . (7.31)
ts L2w f y,Blech

Wird die Bedingung in Gl. (7.31) eingehalten, so ist der Fall 4 für breite Anschluss-
bleche nicht maßgebend.

Für mittelbreite Anschlussbleche ist in Bild 7.10 abhängig von dem Verhältniss
b / Lw aufgetragen, bei welcher Bedingung der Nachweis des Zugstabsteges maßge-
bend werden kann bzw. nicht maßgebend wird. Die Gurtdicke tg sowie der
Ausrundungsradius r werden bei dieser Betrachtung vernachlässigt.

Falls die oben genannten Bedingungen nicht eingehalten werden können, kann der
Nachweis der Querschnittstragfähigkeit unter Berücksichtigung der maximal mögli-
chen Zwängungsbeanspruchungen in Anlehnung an Bild 7.9 gemäß Gl. (7.16) geführt
werden.
188 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

Bild 7.10 Vereinfachte Überprüfung, ob der Versagensfall 4 maßgebend werden


kann für mittelbreite Anschlussbleche

7.4.6 Tragfähigkeit im Versagensfall 5

Die Tragfähigkeit des Zugstabanschlusses hängt nicht ausschließlich von dem


Anschlussblech und den Schweißnahtverbindungen ab sondern auch vom Zugstab
selber. Dieser muss die Normalkraftbeanspruchung aufnehmen können. Daher beträgt
die Zugkraft im Zugstab maximal:
ZRd,5 = A P ⋅ f yd ≈ ( 2 ⋅ A G + AS ) ⋅ f yd = ( 2 ⋅ t G ⋅ b + t S ⋅ h S ) ⋅ f yd (7.32)

Diese maximale Zugkraft ist ausschließlich von den Abmessungen und dem Material
des Zugstabprofils abhängig und in keiner Weise von der Anschlussgeometrie.

7.4.7 Tragfähigkeit der Schweißnaht zwischen Zugstab und


Anschlussblech (Versagensfall 6)

Der Anschluss des Zugstabes an das Anschlussblech wird in der Regel mit Doppel-
kehlnähten ausgeführt. In den nachfolgenden Annahmen wird daher als Schweiß-
nahtdicke 2 ⋅ a w verwendet. Der Kraftfluss im Anschlussbereich stellt sich in Abhän-
gigkeit von der Knotenblechgeometrie ein. In Abschnitt 7.3 werden die Annahmen
für den Kraftfluss ausführlich vorgestellt. In Bild 7.11 ist eine Anschlussseite mit den
vorhandenen Beanspruchungen dargestellt.
7.4 Bestimmung der Tragfähigkeit im Anschlussbereich 189

Bild 7.11 Schweißnahtbeanspruchungen in Abhängigkeit von der Anschlussblech-


geometrie

Durch Kenntnis des Kraftflusses bzw. der Beanspruchungen im vertikalen Schnitt


können die Spannungen in den Schweißnähten gemäß Abschnitt 1.4.6 wie folgt be-
stimmt werden:
Nv Mv Nv 3 ⋅ Mv
σ⊥ = + = + (7.33)
A w Ww 2 ⋅ a w ⋅ L w a w ⋅ L2w

Vv Vv
τ = = (7.34)
A w 2 ⋅ a w ⋅ Lw

Mit Gln. (7.33) und (7.34) in Gl. (1.11) eingesetzt, ergibt:


2 2
 Nv 3⋅ Mv   Vv 
σ w,d =  +  +   ≤ σ w,Rd (7.35)
 2 ⋅ a w ⋅ Lw a w ⋅ Lw ⋅ ⋅
2
  2 a w L w 

Die Beanspruchungen Nv, Vv und Mv in Gl. (7.35) ergeben sich in Abhängigkeit der
Anschlussgeometrie und des Kraftflusses. Für die Versagensfälle 1 bis 3 können die
Schnittgrößen entsprechend Bild 7.11 eingesetzt werden. Auch für den Fall, dass
Versagensfall 4 maßgebend wird, können die Beanspruchungen auf der sicheren Seite
liegend gemäß Bild 7.11 bestimmt werden.
190 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

7.4.8 Tragfähigkeit der Schweißnaht zwischen Anschlussblech und


Querträger (Versagensfall 7)

Als siebter möglicher Versagensfall ist die Tragfähigkeit der Schweißnahtverbindung


zwischen Anschlussblech und Querträger nachzuweisen. In Abschnitt 5.2.3 wird der
Kraftfluss unterhalb des Ausschnitts untersucht. Als wichtige Erkenntnis kann
herausgestellt werden, dass sich der Kraftfluss unterhalb so einstellt, dass sich für
baupraktische Fälle kein gleichmäßiger Normalspannungsverlauf in der Schweiß-
verbindung ergibt. Um diesen Einfluss zu berücksichtigen und um planmäßig keine
übergroßen Plastizierungen in der Schweißnaht vorauszusetzen, wird empfohlen, die
Verbindungsschweißnaht in drei Bereiche aufzuteilen, siehe Bild 7.12. Neben der
bereichsweisen Aufteilung können dem Bild auch die empfohlenen Schweißnaht-
dicken in Abhängigkeit von der verwendeten Stahlgüte entnommen werden. Der
mittlere Bereich kann in der Mindestschweißnahtdicke gemäß DIN 18800-1 ausge-
führt werden. Bei einer Ausführung der Schweißnähte entsprechend der Empfehlung
in Bild 7.12 kann ein Tragfähigkeitsnachweis entfallen.

Bild 7.12 Prinzipdetail eines Zugstabanschlusses mit Aufteilung in drei


Schweißnahtbereiche

Dieses Vorgehen deckt sich mit DIN EN 1993-1-8 [14]. Dort wird bei der Verteilung
der Kräfte in Schweißnähten ausgesagt, dass bei Bildung von plastischen Gelenken,
die Schweißnähte in der Regel so auszubilden sind, dass sie mindestens dieselbe
Tragfähigkeit aufweisen wie das schwächste angeschlossene Bauteil. Außerdem soll-
te die Duktilität von Schweißnähten nicht von vornherein in Ansatz gebracht werden.
7.5 Tragfähigkeitsnachweis für unsymmetrische Zugstabanschlüsse 191

Neben der Schweißnahtverbindung ist auch der Steg des Querträgers so zu bemessen,
dass die eingeleiteten Zugspannungen aufgenommen werden können. Außerdem wird
für größere Anschlüsse auf die Einhaltung der Z-Güten nach [9] und [14] hingewie-
sen, um die Gefahr des Terrassenbruchs zu minimieren.

7.5 Tragfähigkeitsnachweis für unsymmetrische


Zugstabanschlüsse

Der Grenzzustand der Tragfähigkeit von unsymmetrischen Anschlüssen wird anhand


von Bild 7.13 verdeutlicht. Es zeigt eine Prinzipskizze eines unsymmetrischen Zug-
stabanschlusses und die Beanspruchungen im Grenzzustand der Tragfähigkeit in den
beiden Ausgangsschnitten. Es stellt sich bis zum Erreichen des ersten Fließgelenks
mit der Zugkraft Z ein Kraftfluss ein, der dem der minder tragfähigen Anschlussseite
entspricht, siehe Abschnitt 5.4. Dieser kann dem Abschnitt 7.3 für Anschlüsse mit
symmetrischen Anschlussblechen entnommen werden und verteilt sich gleichmäßig
auf beide Seiten. Für die breitere Lasche ist daher die Exzentrizität wie folgt
anzupassen:
b1 + b 2
e max = e min + (7.36)
2
Darüber hinaus gehende Zugkräfte ∆Z können ausschließlich von der Anschlussseite
übertragen werden, die noch nicht ihre Traglast erreicht hat. Die Beanspruchungen
der tragfähigeren Seite setzten sich aus dem symmetrischen Kraftfluss und der zu-
sätzlichen Belastung zusammen, siehe Bild 7.13. Für diese Seite sind, wie in Ab-
schnitt 7.4.3 aufgezeigt, wiederum die Tragfähigkeiten in den schrägen Schnitten
nachzuweisen.

Bild 7.13 System und Beanspruchungen bei unsymmetrischen Zugstabanschlüssen


192 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

7.6 Tragfähigkeitsnachweis für Stabanschlüsse mit


Biegebeanspruchung

Für einen Stabanschluss mit ausgeschnittenem Anschlussblech ist auch eine Bean-
spruchung durch ein Biegemoment denkbar. Nachfolgend wird eine mögliche Nach-
weismethode vorgeschlagen, die sich anhand der aufgezeigten Methode für Zugbean-
spruchungen orientiert.

Bild 7.14 Beanspruchungen im Anschlussbereich infolge eines Biegemomentes

Ergebnis der Untersuchungen von biegebeanspruchten Anschlüssen mit ausge-


schnittenem Anschlussblech ist eine Aufteilung der Biegemomentenübertragung in
zwei separate Kraftflüsse. Dafür wird im ersten Schritt das Biegemoment in ein
7.7 Tragfähigkeitsnachweis des Anschlusses von auf Druck beanspruchten Stäben 193

Kräftepaar zerlegt, das in den Gurten wirkt. Die anschließende Aufteilung in die
beiden Anteile wird entsprechend der Empfehlung in Abschnitt 5.5 vorgenommen.
Die anteiligen Beanspruchungen belasten sowohl die beiden Anschlussseiten zu
gleichen Teilen als auch den Steg des Stabes. In Bild 7.14 sind die Beanspruchungen
aufgrund einer Biegebeanspruchung dargestellt.

Der Steg des biegebeanspruchten Stabes ist infolge der überwiegenden Schubbean-
spruchungen infolge des Kraftflusses 2 wie folgt nachzuweisen:
My t sP f yd
⋅ ≤ t sP ⋅ L w ⋅ (7.37)
ag t b + t sP 3

Die Beanspruchungen der Anschlussseiten setzen sich zusammen aus der Summe von
Kraftfluss 1 und 2. Für die beiden Anschlussseiten können wie in Abschnitt 7.4.3
schräge Schnitte geführt und die Beanspruchungen dieser Schnitte ermittelt werden.
Ausgangspunkt sind die Beanspruchungen M1 und Vv2 im vertikalen Übergangs-
schnitt, siehe Bild 7.14. Der Nachweis der Querschnittstragfähigkeit kann mit
Gl. (7.16) erfolgen.

7.7 Tragfähigkeitsnachweis des Anschlusses von auf Druck


beanspruchten Stäben

Die bislang vorgestellten Bemessungsmodelle gelten lediglich für Zugstabanschlüsse


oder Stabanschlüsse unter Biegebeanspruchung. Bei druckbeanspruchten Stäben
wurde bislang ein Stabilitätseinfluss bei der Konstruktion und Bemessung der An-
schlussbleche nicht berücksichtigt. In Abschnitt 1.4.7 wird gemäß DIN 18800 [10]
der Stabilitätsnachweis für druckbeanspruchte Stäbe mit veränderlichen Quer-
schnitten vorgestellt. Für diesen Nachweis ist die Kenntnis der Verzweigungslast NKi
des Druckstabes von ausschlaggebender Bedeutung. Anhand der Verzweigungslast
können die Abminderungsfaktoren für die einzelnen Querschnitte ermittelt und die
Nachweise für jeden Querschnitt geführt werden. In Abschnitt 5.6 werden die
Eigenwertuntersuchungen von Druckstäben mit ausgeschnittenen Anschlussblechen
durchgeführt und die Ergebnisse daraus sind in Abschnitt 5.7 zusammengestellt.

Gemäß den Ergebnissen aus den Untersuchungen wird das in Bild 7.15 abgebildete
Stabwerksmodell zur Berechnung der Verzweigungslast NKi von druckbeanspruchten
Stäben mit ausgeschnittenen Knotenblechen vorgeschlagen. Das Stabwerk besteht
aus fünf einzelnen Stäben und drei verschiedenen Querschnitten. Die Länge hr für
den ungeschwächten Blechquerschnitt ist gleich dem Abstand vom Spalt bis zum An-
schluss an den Querträger. Die Stablänge des Stabes mit dem geschwächten Quer-
schnitt wird als L* definiert. Für die Ermittlung von L* werden die Faktoren f1 und f2
benötigt. Gemäß Abschnitt 5.6.4 werden sie nach Kombination 3 (f1 = 0,60 und
f2 = 0,15) angesetzt. Mit Hilfe der Angaben aus Bild 7.16 kann die Ersatzlänge L*
überschlägig ermittelt werden. Zwischenwerte sind hierbei zu interpolieren. Die Län-
ge des Walzprofils ergibt sich dabei aus der Gesamtlänge abzüglich der beiden An-
194 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

schlussmodellierungen. Bei den Vergleichsberechnungen haben sich für den betrach-


teten Fall Abweichungen im baupraktisch relevanten Bereich (2,0 m < Lges < 7,0 m)
von ca. 20 % auf der sicheren Seite und 6,1 % auf der unsicheren Seite ergeben, siehe
Bild 6.31. Die Knotenblechdicke tb variiert dabei von 1,0 cm bis 2,5 cm.

Bild 7.15 Modellierung des Druckstabes mit ausgeschnittenem Anschlussblech als


Stabwerksmodell zur Berechnung von NKi

Für die Annahme einer Drehfedersteifigkeit an den Enden des Druckstabes werden in
Bild 7.15 drei Vorschläge gemacht. Die konservativste Annahme ist cϕ = 0, womit
eine gelenkige Lagerung an den Enden der Anschlussbleche angenommen wird. Die
in der Mitte in Bild 7.15 unten angegebene Drehfedersteifigkeit ergibt sich aus der
Biegesteifigkeit des Querträgersteges, z.B. bei einer vorhandenen Gabellagerung. Da-
bei werden beide Flansche des Querträgers horizontal unverschieblich gehalten und
über Biegung des Stegbleches wird die Drehsteifigkeit aktiviert. Gibt es neben dem
Gabellager auch Steifen im Querträger, so erhöht sich die Drehfedersteifigkeit und es
kann von einer vollwertigen Einspannung ausgegangen werden. Falls kein Gabellager
vorhanden ist, muss die Torsionssteifigkeit des Querträgers bei der Berechnung der
Rotationsfeder am Anschlusspunkt berücksichtigt werden.
7.7 Tragfähigkeitsnachweis des Anschlusses von auf Druck beanspruchten Stäben 195

Bild 7.16 Diagramme zur Ermittlung der Länge L*

Mit der Kenntnis der Verzweigungslast NKi ist es möglich, die bezogene Schlankheit
je Querschnitt wie folgt zu berechnen:
N pl,i
λ K ,i = (7.38)
N Ki,i

Der untersuchte Stabilitätsfall kann als Biegeknicken aus der Ebene bezeichnet wer-
den, da die Eigenform zum ersten Eigenwert Verschiebungen in dieser Richtung auf-
weist. Für eine Nachweisführung des Anschlussbleches ist die Frage zu klären,
inwieweit Beanspruchungen in der Ebene des Anschlussblechs bei dem
Biegeknicknachweis aus der Ebene zu berücksichtigen sind oder ob diese
Beanspruchungen bei der Nachweisführung vernachlässigt werden dürfen. Im
Kommentar zur DIN 18800 [56] wird auf die Berücksichtigung der Beanspruchungen
in der Ebene beim Biegeknicknachweis aus der Ebene verzichtet, da zum einen der
Einfluss bei baupraktischen Längen, Profilen und Momentenverläufen gering ist und
weil die gleichzeitige Wirkung von Nu,z und My für offene Profile beim Nachweis des
Biegedrillknickens erfasst wird. Für den Fall, dass das Biegedrillknicken konstruktiv
verhindert wird, ist zu erwarten, dass gleichzeitig auch die Verschiebung v behindert
wird und nicht unbegrenzt möglich ist. Im vorliegenden Fall kann diese
Vereinfachung nicht angewendet werden, da sich die Annahmen offensichtlich
ausschließlich auf gewalzte Querschnitte beziehen.

Im Hinblick auf eine Nachweisführung in den schrägen Schnitten und eine damit ver-
bundene Änderung der plastischen Normalkrafttragfähigkeit wird empfohlen, neben
dem Biegeknicknachweis für den Stab, den Abminderungsfaktor κ für den Aus-
gangsschnitt sowie für das ungeschwächte Anschlussblech zu ermitteln und die
Nachweise des Biegeknickens für diese Schnitte zu führen. Die zu verwendende
Knickspannungslinie ist die Kurve c nach DIN 18800 oder DIN EN 1993-1-1 und der
Nachweis kann folgendermaßen geführt werden:
196 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

N0 M0
+ + ∆n ≤ 1 (7.39)
κ ⋅ N pl,0,d M pl,0,d

Bei dem Biegeknicknachweis nach Gl. (7.39) wird vorausgesetzt, dass die ein-
wirkende Querkraft kleiner ist als 33 % der plastischen Grenzquerkraft. Gemäß
Abschnitt 7.3 ergibt sich als maximaler Winkel β = 20°. Die einwirkende Querkraft
beträgt daher maximal 36,4 % der Normalkraft, so dass ein Einfluss der Querkraft
vernachlässigt werden kann.
Als zweite Methode zur Ermittlung der Tragfähigkeit bei druckbeanspruchten Stäben
wäre der Nachweis mit geometrischen Ersatzimperfektionen denkbar. Bei dem
verwendeten Schalenmodell in Kapitel 3 kann eine geometrische Ersatzimperfektion
entsprechend der ersten beiden Stabilitätsfälle (Ausknicken des Gesamtstabes und
entgegengesetztes Ausknicken der Anschlussbleche) gemäß Bild 5.40. Für das
Ausknicken des Gesamtstabes kann eine symmetrische Vorkrümmung mit Stich in
der Mitte des Stabes von v0 = L / 200 (Knickspannungslinie c) angesetzt werden. Für
das entgegengesetzte Ausknicken der Anschlussbleche ist eine antimetrische
Sinuswelle denkbar.
Zusätzlich ist bei der Anwendung dieses Verfahrens konstruktiv darauf zu achten,
dass die Länge des Anschlussbereichs klein bleibt, dass das Anschlussblech im
Ausschnittbereich nicht als schmal oder sehr breit eingestuft werden kann und dass
das Anschlussblech im Verhältnis zum Stabquerschnitt eine gewisse
Mindeststeifigkeit aufweist, so dass die folgenden Bedingungen bei
druckbeanspruchten Stäben mit ausgeschnittenen Anschlussblechen einzuhalten sind:
b
≈1
Lw
hr (7.40)
≤ 10
t 2b
min M pl ≥ 0, 05 ⋅ max M pl

Es sei an dieser Stelle jedoch erwähnt, dass die hier vorgeschlagenen Nachweise in
zukünftigen Forschungsuntersuchungen mit Traglastversuchen abzusichern sind.
Daher können die dargestellten Methoden nur eine Empfehlung nach dem derzeitigen
Stand der Technik sein und es sind weiterführende Untersuchungen zur Absicherung
dieser Methoden erforderlich.

7.8 Bemessungsmethode für Stabanschlüsse mit beliebiger


Beanspruchung

Bei Stabanschlüssen mit beliebiger Beanspruchung können die Kraftflüsse für jede
Belastung im Ausgangschnitt einzeln bestimmt werden. Danach können die Bean-
spruchungen aus den einzelnen Belastungen aufaddiert werden. Für den Nachweis
der Tragfähigkeit sind schräge Schnitte durch das Anschlussblech zu führen und die
7.9 Empfehlung für Konstruktion und Bemessung von Zugstabanschlüssen 197

Beanspruchungen auf diese zu transformieren. Schließlich kann nach Abschnitt 1.4.5


der Nachweis unter Ausnutzung von plastischen Reserven geführt werden. Es handelt
sich hierbei um die gleiche Vorgehensweise, die bereits in Abschnitt 7.4.3 ausführlich
beschrieben wird.

7.9 Empfehlung für Konstruktion und Bemessung von


Zugstabanschlüssen

Gemäß den Untersuchungen in Kapitel 5 besteht ein sehr starker Zusammenhang


zwischen der Konstruktion des Anschlusses und dem Kraftfluss bzw. der sich daraus
ergebenden Tragfähigkeit. Bei der Konstruktion wird daher die in Tabelle 7.3 darge-
legte Vorgehensweise zur Bemessung und Konstruktion von Zugstabanschlüssen
mit ausgeschnittenen Anschlussblechen empfohlen. In der Tabelle 7.3 werden da-
rüber hinaus auch Konstruktionsempfehlungen bezüglich der Anschlussblechdimen-
sionierung vorgeschlagen.

Tabelle 7.3 Vorgehensweise zur Bemessung und Konstruktion von Zugstab-


anschlüssen mit ausgeschnittenen Anschlussblechen

 Ermittlung der Beanspruchungen, siehe hierzu Kapitel 4, und Auswahl des


Zugstabprofils, siehe Abschnitt 7.4.6
 Bestimmung einer Knotenblechdicke, als Anhaltswert kann
≥ 2 ⋅ t s
tb  gewählt werden.
≤ 3 ⋅ t s
 Bestimmung der Anschlusslänge Lw. Für die Anschlusslänge gilt:
 1,75 ⋅ Z
≥
L w  tb ⋅ fyd
 ≥ 10 cm

 Bestimmung der Anschlussblechbreite im Bereich des Ausschnitts. Dabei sollte für bi
in jedem Fall gelten:
0,6 ⋅ Z
bi ≥
tb ⋅ fyd
Ein weiterer rechnerischer Nachweis des Anschlussblechs kann entfallen, wenn für bi
gilt:
bi ≥ L w
 Auswahl der Anschlussblechgeometrie, siehe Bild 7.7, und Berechnung des
Kraftflusses nach Abschnitt 7.3
 Nachweis des Anschlussblechs in Abhängigkeit der Knotenblechgeometrie:
Versagensfall 1: bi ≤ 0,33 ⋅ L w siehe Abschnitt 7.4.2
Versagensfall 2: 0,33 ⋅ L w < bi < 1,5 ⋅ L w siehe Abschnitt 7.4.3
Versagensfall 3: bi ≥ 1,5 ⋅ L w siehe Abschnitt 7.4.4
 Nachweis des Zugstabsteges infolge der Zwängungsbeanspruchungen, siehe
Abschnitt 7.4.5. Wird das Verhältnis von ts / tb nach Bild 7.10 eingehalten, kann ein
statischer Nachweis entfallen.
198 7 Berechnungsmodell für Stabanschlüsse

Tabelle 7.3 Fortsetzung

 Bemessung der Schweißnähte zwischen Anschlussblech und Zugstab gemäß


Abschnitt 7.4.7. Wenn Doppelkehlnähte mit a w ≥ 0,5 ⋅ tb (S235) gewählt werden, ist
ein rechnerischer Nachweis hinfällig.
 Für die Bemessung der Schweißnähte vom Anschlussblech an den Querträger wird
empfohlen, sie entsprechend der Anschlussblechdicke tb auszuführen, um eine
sichere Kraftübertragung zu gewährleisten.

Bei der Bemessung und Konstruktion von Druckstäben mit ausgeschnittenen An-
schlussblechen ist zusätzlich zu Tabelle 7.3 die Stabilität des Gesamtstabes und des
Anschlusses gemäß der Empfehlung in Tabelle 7.4 zu untersuchen.

Tabelle 7.4 Zusätzliche Stabilitätsuntersuchungen bei druckbeanspruchten Stäben mit


ausgeschnittenen Anschlussblechen

 Überprüfung der folgenden Verhältnisse:


b
≈1
Lw
hr
≤ 10
tb2
minMpl ≥ 0,05 ⋅ max Mpl

 Berechnung der Verzweigungslast NKi des Ersatzsystems nach Bild 7.15 mit Hilfe
eines Stabwerksprogramms
 Berechnung des bezogenen Schlankheitsgrades für den Druckstab:
Npl
λK =
NKi
und Ermittlung des Abminderungsfaktors κ in Abhängigkeit der Knickspannungslinie
gemäß Tabelle 5 aus DIN 18800-2.
 Biegeknicknachweis des Druckstabes gemäß DIN 18800-2:
N
≤1
κ ⋅ Npl
 Berechnung des bezogenen Schlankheitsgrades des Anschlussblechs im
Ausgangsschnitt
2 ⋅ b ⋅ tb ⋅ fyd
λK =
NKi
und Ermittlung des Abminderungsfaktors κ unter Verwendung der
Knickspannungslinie c gemäß Tabelle 5 aus DIN 18800-2.
 Biegeknicknachweise der einzelnen Querschnitte nach DIN 18800-2. Für den
Nachweis des Anschlussbleches im Ausgangsschnitt ist das Moment in der Ebene
wie folgt zu berücksichtigen:
N(δ) M(δ)
+ + ∆n ≤ 1
κ ⋅ Npl (δ) Mpl (δ)
8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit
ausgeschnittenen Knotenblechen

8.1 Vorbemerkungen

Das folgende Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knoten-


blechen basiert auf den Erkenntnissen aus den Kapiteln 5 und 6.

Bild 8.1 Mögliche Versagensmechanismen bei Fachwerkknoten mit


ausgeschnittenen Knotenblechen - Teil 1
200 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Es kann wie bei den Stabanschlüssen in Kapitel 7 für symmetrische Fachwerkkno-


ten mit Knotenblech eingesetzt werden. Dabei sind die in Tabelle 1.1 zusammenge-
fassten Stahlgüten und I-Profile der Querschnittsklasse QK 1 nach DIN EN 1993-1-1
[15] als Stabquerschnitten zu verwenden. Darüber hinaus sind die Grenzen gemäß
Tabelle 8.2 einzuhalten. Für Fachwerkknoten werden die auftretenden Versagens-
mechanismen in Kapitel 6 untersucht. In Bild 8.1 und Bild 8.2 sind entsprechend den
Zugstabanschlüssen in Bild 7.1 die auftretenden Versagensfälle neuerlich zusammen-
fassend dargestellt.

Bild 8.2 Mögliche Versagensmechanismen bei Fachwerkknoten mit


ausgeschnittenen Knotenblechen - Teil 2

Die Vorgehensweise bei der Nachweisführung entspricht dem Kraftfluss von den
Diagonalen in das Knotenblech. Das heißt, dass zuerst die Einleitung der Diagonalen-
kräfte in die seitlichen Anschlussbleche des Knotenblechs nachgewiesen werden. An-
schließend werden diese Beanspruchungen an das restliche Knotenblech angetragen
und die Nachweise im horizontalen Schnitt 5 durch das Knotenblech und in den
vertikalen Schnitten 7 und 8 durch den Knoten geführt. Weitergehend wird der
Gurtstabsteg mit den zusätzlichen Beanspruchungen im Knotenbereich untersucht.
Abschließend werden die Schweißnähte bemessen. Die zulässigen
Beanspruchbarkeiten werden mit Hilfe der plastischen Querschnittstragfähigkeit
gemäß Abschnitt 1.4.5 bzw. für Schweißnähte nach Abschnitt 1.4.6 angesetzt. Die im
Folgenden verwendeten Schnittbezeichnungen beziehen sich auf die bereits bekannte
Nummerierung in Bild 6.7.
8.2 Kraftfluss und Tragfähigkeit der seitlichen Anschlusslaschen (Versagensfall A) 201

8.2 Kraftfluss und Tragfähigkeit der seitlichen


Anschlusslaschen (Versagensfall A)

8.2.1 Kraftfluss in den seitlichen Anschlusslaschen

In Abschnitt 6.3.3 konnte gezeigt werden, dass das Tragverhalten von


ausgeschnittenen Zugstabanschlüssen und Fachwerkknoten mit ausgeschnittenem
Knotenblech im Bereich der Anschlusslaschen annähernd gleich ist. Falls der An-
schlussbereich maßgebend für die Traglast ist, stellt sich ein vergleichbarer Kraftfluss
im Fachwerkknoten ein.

Bild 8.3 Schnittgrößentransformation auf die Schnitte 1 und 2

Für Zugstabanschlüsse mit schräg abgeschnittenen Anschlussblechen kann der Kraft-


fluss mit den Angaben in Bild 7.4 nach Abschnitt 7.3.3 im Ausgangsschnitt bestimmt
werden. In gleicher Weise kann der Kraftfluss bei Fachwerkknoten mit ausge-
schnittenen Knotenblechen angenommen werden. Es ist darauf zu achten, dass die
Anschlussseite mit der kleineren bezogenen Breite b / Lw den Kraftfluss bestimmt.
Die Breiten in den Ausgangsschnitten können entsprechend Bild 8.3 berechnet
werden.

Falls die Anschlusslänge Lw und der senkrechten Abstände ui der seitlichen Laschen
gleich groß sind, bestimmt bei einer Diagonalenneigung α < 45° die obere Lasche
(Lasche 1) und bei α > 45° die untere Lasche (Lasche 2) den Kraftfluss. Die Neigung
202 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

β ist in beiden Anschlussseiten aus Kräftegleichgewichtsgründen gleich. Die


Exzentrizität ei ist bei der breiteren Lasche wie folgt anzupassen:
b0,max − b0,min
e max = e + (8.1)
2
Der Kraftfluss kann auf diese Weise sowohl für die Zugdiagonale als auch für die
Druckdiagonale bestimmt werden. Mit der Kenntnis der Beanspruchungen im Aus-
gangsschnitt können die Schnittgrößen in den horizontalen Schnitten (Schnitte 2 und
4) sowie in den vertikalen Schnitten (Schnitte 1 und 3) mit Hilfe der Angaben in Bild
8.3 berechnet werden.

8.2.2 Tragfähigkeit der seitlichen Anschlusslaschen

Die Tragfähigkeit des Anschlussbereiches kann wie in Kapitel 7 für Stabanschlüsse


unter Zugbeanspruchung bestimmt werden. Die dabei möglichen Versagensfälle kön-
nen aufgrund von Geometriebedingungen im Knoten eingegrenzt werden.

Bild 8.4 Bestimmung des Versagensfall für die Anschlusslaschen


8.3 Tragfähigkeit des Knotenblechs im horizontalen Schnitt (Versagensfall B) 203

Mit der Diagonalenneigung α und dem senkrechten Abstand u können bei dem Fach-
werkknoten direkt Rückschlüsse auf das für die Traglast wichtige Verhältnis b / Lw
geschlossen werden. Aus Bild 8.4 kann direkt für den Anschlussbereich abgelesen
werden, welcher der Versagensfälle 1 bis 3 bei Stabanschlüssen für den
Anschlussbereich maßgebend wird, siehe Abschnitte 7.4.2 bis 7.4.4. Der
Hauptanwendungsbereich für die Diagonalenneigung liegt zwischen 30° ≤ α ≤ 60° ,
so dass fast ausschließlich das Erreichen der Querschnittstragfähigkeit in einem
schrägen Schnitt (Versagensfall 2) maßgebend wird.

Um den Versagensfall 4 zu untersuchen wird auf Abschnitte 7.4.5 verwiesen. Dieser


ist unabhängig von den Versagensfällen 1 bis 3 zu untersuchen.

8.3 Tragfähigkeit des Knotenblechs im horizontalen Schnitt


(Versagensfall B)

Neben dem Versagen des direkten Anschlussbereichs kann sich eine Fließgelenkkette
in den horizontalen Schnitten 2, 4 und 5 einstellen, die maßgebend für die Tragfähig-
keit des Knotens sein kann. Der Versagensmechanismus ist in Bild 8.1 als Versagens-
fall B definiert. Maßgebend wird dieser Versagensmechanismus, wenn die Quer-
schnittstragfähigkeit im Schnitt 5 aufgrund der Beanspruchungen, die durch den
angesetzten Kraftfluss nach Abschnitt 8.2.1 zu übertragen sind, nicht ausreicht. Der
ausschlaggebende Parameter ist die Breite im Schnitt 5, die wie folgt berechnet
werden kann:
(h + 2 ⋅ q)
b5 =
hD
sin α
( )
⋅ 2 ⋅ cos 2 α − 1 + G
tan α
(8.2)

Mit der berechneten Breite können für symmetrische Knoten die Beanspruchbar-
keiten nach Abschnitt 1.4.5 ermittelt werden. Die Beanspruchungen ergeben sich aus
dem Kräftegleichgewicht wie folgt:
cos ( α − β )
V5 = ZD ⋅ (8.3)
cos β

M 5 = 2 ⋅ M1 + V1 ⋅ b5 − N1 ⋅ b1
ZD (8.4)
= ⋅  2 ⋅ e − b5 ⋅ ( cos α ⋅ tan β − sin α ) − u − L w ⋅ tan α
2 
Die Exzentrizität e und der Neigungswinkel β können nach Abschnitt 8.2.1 angenom-
men werden. Setzt man nun die Beanspruchbarkeiten und die Beanspruchungen in die
Interaktionsbeziehung nach Tabelle 1.2 ein, so erhält man:
204 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

4 ⋅ M5
2
 V 
b52 ⋅ t ⋅ f yd ⋅ 1 −  5 
 Vpl,5 
 
(8.5)
2 ⋅ ZD ⋅  2 ⋅ e − b5 ⋅ ( cos α ⋅ tan β − sin α ) − u − L w ⋅ tan α
= ≤1
3 ⋅ Z2D ⋅ cos 2 ( α − β )
b52 ⋅ t ⋅ f yd ⋅ 1 −
b52 ⋅ f yd
2
⋅ t2

Ist die Bedingung in Gl. (8.5) nicht erfüllt, so kann dieser Versagensmechanismus
maßgebend für die Ermittlung der Traglast sein und ist näher zu untersuchen. Zur
Bestimmung der rechnerischen Traglast wird in den versagenden Schnitten der
Fachwerkknoten aufgetrennt und die angreifenden Schnittgrößen angetragen. Der an
den Schnitten 2, 4 und 5 getrennte Knoten ist mit den angenommenen Beanspruchun-
gen in Bild 8.5 abgebildet. In Abschnitt 6.3.4 ist beispielhaft aufgezeigt, dass die
äußeren Schnitte überwiegend durch Normal- und Querkraft beansprucht werden. Der
Schnitt 5 wird ausschließlich durch eine Querkraft ausgenutzt. Aus diesem Grund
wird angenommen, dass in den Schnitten 2 und 4 eine Normalkraft N und eine Quer-
kraft V auftreten und der Schnitt 5 ausschließlich auf Schub beansprucht wird.

Bild 8.5 Fachwerkknoten mit angenommenen Beanspruchungen in den


horizontalen Schnitten
8.3 Tragfähigkeit des Knotenblechs im horizontalen Schnitt (Versagensfall B) 205

Im Grenzzustand der Tragfähigkeit werden für die Schnitte folgende Grenzschnitt-


größen angenommen:
2
 V 
N 2 = N pl,2 ⋅ 1 −  2  (8.6)
 Vpl,2 
 
2
 V 
N 4 = N pl,4 ⋅ 1 −  4  (8.7)
 Vpl,4 
 
V5 = Vpl,5 (8.8)

Es gilt dabei die Annahme, dass im horizontalen Schnitt 5 die Querschnittstragfähig-


keit vollständig auf Schub ausgenutzt ist. Das Versatzmoment wird deshalb von den
äußeren Anschlussbereichen aufgenommen.

Nach Aufstellen des Kräfte- und Momentengleichgewichts ergeben sich folgende


Ausgangsbeziehungen für symmetrische Knoten:
N G = V2 + V4 + V5 (8.9)
N2 = N4 (8.10)

hG
V2 ⋅ h 2 + V4 ⋅ h 4 + V5 ⋅ h 5 − N 2 ⋅ L 2 − N 4 ⋅ L 4 + N G ⋅ =0 (8.11)
2
Durch Einsetzen der Gln. (8.8) bis (8.10) in Gl. (8.11) und Umstellen ergibt sich die
Normalkraft N2 in Abhängigkeit der Querkraft V2 im Schnitt 2:
 h   h 
2 ⋅ V2 ⋅  h 2 + G  + Vpl,5 ⋅  h 5 + G 
N2 =  2   2  (8.12)
2 ⋅ L2

Für symmetrische Anschlüsse gilt h2 = h4, L2 = L4 und b2 = b4. Die folgenden geome-
trischen Beziehungen werden zur Ermittlung der Beanspruchungen in Schnitt 2 be-
nötigt:
h 2 = q + a ⋅ sin α
h 5 = q + h D ⋅ cos α
b 2 = L w ⋅ cos α + u ⋅ sin α
h  2  cos α  (8.13)
b5 =  G + q  ⋅ + hD ⋅  − sin α 
 2  tan α  tan α 
h  1 hD b
L2 =  G + q  ⋅ + + 2 + a ⋅ co s α
 2  tan α 2 ⋅ sin α 2
206 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Für die Querkraft V2 im Schnitt 2 kann eine Annahme getroffen werden, so dass mit
Gl. (8.12) die Normalkraft berechnet werden kann, um das Kräftegleichgewicht zu er-
füllen. Die einwirkende Normalkraft N2 muss jedoch kleiner sein als die maximal
aufnehmbare Normalkraft nach Gl. (8.6). Dieser Vorgang kann beliebig häufig vari-
iert werden bis die einwirkende und die maximal mögliche Normalkraft gleich groß
sind. Als Startwert für die Iteration kann für V2 die Querkraft gemäß Abschnitt 8.2.1
angesetzt werden. Die maximale Traglast des Anschlusses infolge Versagens des
horizontalen Schnittes ergibt sich demnach wie folgt:
 V  1
ZD = D D =  V2 + 5  ⋅ (8.14)
 2  cos α

8.4 Tragfähigkeit des Fachwerkknotens im vertikalen


Schnitt (Versagensfall C)

Im Falle des Erreichens der plastischen Querschnittstragfähigkeit in den vertikalen


Schnitten 7 und 8 wird der Versagensfall C maßgebend für die Bemessung, siehe Bild
6.7. Der vertikale Schnitt kann dabei sowohl im Ausschnitt der Zugdiagonalen
(Schnitt 7) als auch im Ausschnitt der Druckdiagonalen (Schnitt 8) liegen. In Bild 8.6
ist in den Schnitten 7 und 8 der Knoten aufgetrennt und es sind die einwirkenden
Beanspruchungen angetragen.

Bild 8.6 Vertikaler Schnitt links mit Beanspruchungen und Querschnitt

Der Kraftfluss in den Schnitten 2 und 4 werden nach den Abschnitten 7.3.3 und 8.2.1
angesetzt. Die Schnittgrößen im Schnitt 7 beziehen sich auf den Schwerpunkt des
8.4 Tragfähigkeit des Fachwerkknotens im vertikalen Schnitt (Versagensfall C) 207

Gurtstabes und können aus dem Kräftegleichgewicht folgendermaßen bestimmt wer-


den:
N 7 = N G,links + V2
V7 = N 2 (8.15)
M 7 = M 2 + V2 ⋅ h v − N 2 ⋅ L v2
 h  b 
mit: h v =  q + G + a ⋅ sin α  und L v2 =  2 + a ⋅ co s α  (8.16)
 2   2 
Der Nachweis der Querschnittstragfähigkeit kann in Anlehnung an das Teilschnitt-
größenverfahren (TSV) nach Kindmann [32] bzw. nach Abschnitt 1.4.5 geführt wer-
den. In Bild 8.7 ist dazu auf der linken Seite der vereinfachte Querschnitt als Mittel-
linienmodell dargestellt und auf der rechten Seite können die maximalen Teilschnitt-
größen der vier einzelnen Teilquerschnitte entnommen werden.

Bild 8.7 Vorhandener Querschnitt im vertikalen Schnitt und maximale


Teilschnittgrößen

Die Vorgehensweise ist vergleichbar zum TSV für doppeltsymmetrische I-Quer-


schnitte, siehe Tabelle 10.4 in [32]. Im ersten Schritt wird nachgewiesen, dass die τ-
Schnittgrößen aufgenommen werden können:
V7 ≤ Vpl,o + Vpl,u (8.17)

Mit:
f yd
Vpl,o = q ⋅ t b ⋅
3
(8.18)
f yd
Vpl,u = a gG ⋅ t sG ⋅
3
208 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

In einem anschließenden Schritt wird die Streckgrenze fyd des Stegblechs und des
Knotenblechs infolge der einwirkenden Querkraft abgemindert:
2
 V7 
red f yd = f yd ⋅ 1 −   (8.19)
 Vpl,o + Vpl,u
 
Für die plastischen Grenznormalkräfte der einzelnen Bleche ergibt sich:
N pl,G = bG ⋅ t gG ⋅ f y,d
N pl,so = q ⋅ t b ⋅ red f yd (8.20)
N pl,su = a gG ⋅ t sG ⋅ red f yd

Für den Nachweis der σ-Schnittgrößen wird die einwirkende Normalkraft zunächst
ausschließlich dem Steg und dem Knotenblech zugewiesen. Deshalb sind die
folgenden zwei Fälle zu unterscheiden.

Falls N v < Npl,so + Npl,su ist, sind noch Tragreserven im Steg des Gurtstabes und dem
Knotenblechanteil vorhanden, die für das maximal aufnehmbare Biegemoment ge-
nutzt werden können. Die aufnehmbaren Reserven können folgendermaßen ange-
nommen werden:
N pl,so + N pl,su − N 7
ho = ≤q (8.21)
2 ⋅ t b ⋅ f yd

N pl,so + N pl,su − N 7
hu = ≤ a gG (8.22)
2 ⋅ t sG ⋅ f yd

Für die Normalkraftreserven der vertikalen Bleche gilt:


 h o ⋅ t b ⋅ f yd
N grenz,s = min  (8.23)
 h u ⋅ t sG ⋅ f yd

Der Hebelarm der inneren Kräfte für die Normalkraftreserven ergibt sich wie folgt:
−h o − h u
h M = q + a gG (8.24)
2
Bei der vorhergehenden Betrachtung ist zu beachten, dass die Normalkräfte im Steg
einen Versatz zum Schwerpunkt aufweisen. Das daraus entstehende Biegemoment
wird auf der Beanspruchungsseite vorzeichentreu berücksichtigt. Dieser Versatz wird
folgendermaßen berechnet und ist nicht mit dem Schwerpunkt S des Querschnitts zu
verwechseln:
q + ag − ho + hu
zN = (8.25)
4
8.5 Tragfähigkeit des Gurtstabstegblechs (Versagensfall D) 209

Im Grenzzustand der Tragfähigkeit muss das einwirkende Biegemoment Mv betrags-


mäßig kleiner sein als das mögliche Grenzmoment, das sich so zusammensetzt:
M pl,grenz = N pl,G ⋅ a g + N grenz,s ⋅ h M ≤ M 7 + N 7 ⋅ z N (8.26)

Im zweiten Fall, falls N v ≥ Npl,so + Npl,su ist, werden Teile der Flansche zur
Aufnahme der Normalkraft aktiviert. Die Reduzierung der plastischen Normalkräfte
in den Flanschen berechnet sich folgendermaßen:
N 7 − N pl,so − N pl,su
NG = (8.27)
2
Auch in diesem Fall ist der Versatz zN wie folgt zu berücksichtigen:
N pl,so ⋅ ( h G + q )
zN = (8.28)
2 ⋅ N7

Für den Grenzzustand der Tragfähigkeit ergibt sich folgende Bedingung:

( )
M pl,grenz = N pl,G − N G ⋅ a gG ≤ M 7 + N 7 ⋅ z N (8.29)

Analog dazu ist der Nachweis für den rechten vertikalen Schnitt zu führen. Die Bean-
spruchungen ergeben sich gemäß Bild 8.6b:
N8 = N G,rechts − V4
V8 = N 4 (8.30)
M8 = M 4 + V4 ⋅ h v − N 4 ⋅ L v4
 h 
mit: h v =  q + G + a ⋅ sin α 
 2 
(8.31)
b 
L v4 =  4 + a ⋅ co s α 
 2 
Für den Nachweis in Schnitt 8 kann die gleiche Vorgehensweise genutzt werden wie
für Schnitt 7. In den Gln. (8.17) bis (8.29) ist der Index 7 durch eine 8 zu ersetzen.

Falls die obere Anschlusslasche noch nicht die Tragfähigkeit erreicht hat, kann diese
eine zusätzliche Diagonalenkraft übertragen. Die Nachweise sind für diesen Fall nach
den Abschnitten 7.5 und 7.4.3 für unsymmetrische Zugstabanschlüsse zu führen.

8.5 Tragfähigkeit des Gurtstabstegblechs (Versagensfall D)

Bei dem Versagensmechanismus D handelt es sich um das Erreichen der Quer-


schnittstragfähigkeit des Stegblechs im oberen Bereich des Gurtstabes. Dieser Ver-
sagensfall kann maßgebend werden, wenn das Knotenblech sehr viel dicker als der
210 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Gurtstabsteg ist. In Bild 8.8 ist die linke Seite des Knotenblechs mit den
angenommenen Ausbreitungen dargestellt. Unterhalb des Ausschnitts wird eine
Ausbreitung mit dem Winkel α angenommen. Dieser Ausbreitungswinkel entspricht
den Auswertungen in Abschnitt 5.2.3. Gemäß der Kraftausbreitung in Abschnitt 7.4.8
wird in diesem Fall der Neigungswinkel α als Ausbreitungswinkel angesetzt.

Die Beanspruchungen im horizontalen Schnitt des Stegblechs ergeben sich durch das
Kräftegleichgewicht folgendermaßen:
Ns = N 2 (8.32)

Vs = V2 ⋅
( AsG + AgG ) (8.33)
A gesG

q
M s = M 2 + V2 ⋅ h sG − N 2 ⋅ (8.34)
2

Bild 8.8 Beanspruchungen im oberen Stegblechbereich vom Gurtstab

Die plastischen Grenzschnittgrößen ergeben sich für den Rechteckquerschnitt nach


Bild 1.13 mit einer Querschnittshöhe von bsG und einer Breite von tsG. Der Nachweis
der Querschnittstragfähigkeit kann nach Tabelle 1.2 gemäß Abschnitt 1.4.5 erfolgen.
N s2 Ms
+ ≤1
  V  2
  V 
2
(8.35)
N 2pl,s ⋅ 1 −  s   M pl,s ⋅ 1 −  s 
 V    
  pl,s    Vpl,s 
8.6 Erreichen der Querschnittstragfähigkeit in den einzelnen Stabquerschnitten 211
(Versagensfall E)
Mit: N 2pl,s = bsg ⋅ t sG ⋅ f yd
f yd
Vpl,s = bsG ⋅ t sG ⋅
3 (8.36)
2
bsG ⋅ t sG ⋅f yd
M pl,s =
4
Gegebenenfalls ist darauf zu achten, dass bei einer überwiegenden Druckbeanspruch-
ung dieses Schnitts und einer Zugkraft im Untergurt die Streckgrenze fyd nach Gl.
(1.2) reduziert werden muss. In analoger Weise ist diese Abminderung auch bei
Obergurtknoten zu untersuchen.

8.6 Erreichen der Querschnittstragfähigkeit in den einzelnen


Stabquerschnitten (Versagensfall E)

Außerhalb des Knotenbereichs müssen die gewählten Querschnitte in der Lage sein,
die auftretenden Beanspruchungen aufzunehmen. Da bei Fachwerkkonstruktionen
eine überwiegende Normalkraftbeanspruchung vorliegt, wird nachfolgend wie in
Abschnitt 7.4.6 für die Stabanschlüsse die maximale Normalkraft bei reiner
Normalkraftbeanspruchung angegeben.

Maximale Zugkraft in der Diagonale:

ZRd,D = A D ⋅ f yd ≈ ( 2 ⋅ A G,D + AS,D ) ⋅ f yd = (2 ⋅ t gD ⋅ b D + t sD ⋅ h sD ) ⋅ f yd (8.37)

Maximale Zugkraft im Gurtstab:

ZRd,G = A D ⋅ f yd ≈ ( 2 ⋅ A G,G + AS,G ) ⋅ f yd = (2 ⋅ t gG ⋅ bG + t sG ⋅ h sG ) ⋅ f yd (8.38)

8.7 Schweißnahtverbindung des Knotenblechs an die


Diagonalen (Versagensfall F)

Da für die Fachwerkknoten die gleichen Annahmen bezüglich des Kraftflusses wie
bei den Stabanschlüssen verwendet werden, entstehen für die Schweißnähte zwischen
Knotenblech und Diagonale auch die identischen Beanspruchungen, so dass der
Nachweis gemäß Abschnitt 7.4.7 mit den Gl. (7.33) bis (7.35) geführt werden kann.
Die Beanspruchungen in den Schweißnähten können gemäß Bild 7.11 angesetzt
werden.
212 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

8.8 Schweißnahtverbindung des Knotenblechs an den


Gurtstab (Versagensfall G)

Bei den Untersuchungen in Abschnitt 6.3.2 hat sich herausgestellt, dass der Schnitt 6
aufgrund der sich einstellenden Spannungsverläufe in drei unterschiedliche Bereiche
aufgeteilt werden kann. Bei symmetrischen Knoten sind die Beanspruchungen der
beiden äußeren Schweißnahtbereiche betragsmäßig gleich groß. Die Länge der
einzelnen Bereiche ist, wie in Bild 8.9 beschrieben, anzunehmen.

Bild 8.9 Beanspruchung in den einzelnen Bereichen der Schweißnaht zwischen


Knotenblech und Gurt

Die Grenze zwischen den einzelnen Teilbereichen sind die vertikalen Schnitte 7 und
8. Aufgrund des Kräftegleichgewichts sind die Normalkraft und die Querkraft in den
äußeren Bereichen identisch mit denen in Schnitt 2. Das einwirkende Biegemoment
Mw1 wird über das Momentengleichgewicht wie folgt bestimmt:
N w1 = N 2 (8.39)
Vw1 = V2 (8.40)

M w1 = M 2 + V2 ⋅ ( q + a ⋅ sin α ) (8.41)
8.9 Konstruktionsempfehlungen für Fachwerkknoten mit Druckstabanschlüssen 213

Die Beanspruchungen im mittleren Bereich ergeben sich mit Hilfe der Schnittgrößen
im horizontalen Schnitt 5 wie folgt:
Nw 2 = 0 (8.42)
Vw 2 = V5 (8.43)
M w 2 = M 5 + V5 ⋅ h 5 (8.44)
Bei den oben genannten Beanspruchungen werden Einflüsse zwischen den Teilberei-
chen durch das Knotenblech im Bereich des Schnitts 7 auf der sicheren Seite ver-
nachlässigt (V7o = 0). Bei genaueren Untersuchungen oder bei großen Abständen bis
zum Ausschnitt q können traglaststeigernde Annahmen in Schnitt 7 und 8 getroffen
werden, siehe Bild 8.9. Die Schnittgrößen ergeben sich unter Berücksichtigung der
Querkraft V7 für den Bereich links (Bereich rechts analog) zu:
N w1 = N 2 − V7o (8.45)
Vw1 = V2 (8.46)

V7o ⋅ b 2
M w1 = M 2 + V2 ⋅ ( q + a ⋅ sin α ) − (8.47)
2
Bereich Mitte:
Nw2 = 0 (8.48)
Vw 2 = V5 (8.49)

M w 2 = V5 ⋅ h 5 − M 5 − V7o ⋅ ( b5 + 2 ⋅ h D ⋅ sin α ) (8.50)

Mit Kenntnis der Beanspruchung kann für jeden Bereich der Tragfähigkeitsnachweis
separat geführt werden. Für den Nachweis sind die Beanspruchungen in die folgende
Gleichung einzufügen:
2 2
N M  V 
σ w,i = σ⊥2 ,i + τ2,i =  w,i + w,i  +  w,i  ≤ σ w,Rd mit i = 1, 2, 3 (8.51)
A   
 w,i Ww,i   A w,i 

8.9 Konstruktionsempfehlungen für Fachwerkknoten mit


Druckstabanschlüssen

In Abschnitt 6.5 werden analog zu den Untersuchungen des einfachen Druckstabes


mit ausgeschnittenen Anschlussblechen in Abschnitt 5.6 Verzweigungslasten des Ge-
samtsystems berechnet, um die Stabilitätsgefahr solcher Fachwerkstreben einschätzen
zu können. Wie bei Druckstäben zeigt sich, dass die Knotenausbildung einen Einfluss
auf die Stabilitätsgefahr hat. Allerdings ist im Gegensatz zu Abschnitt 5.6 erkennbar,
214 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

dass die Abweichungen zum einfachen Druckstab mit sK = Lsys eher gering sind.
Voraussetzung dafür ist, dass bei der Konstruktion der Fachwerkknoten gewisse Min-
destabmessungen eingehalten werden. Um eine gute Abschätzung mit dieser verein-
fachten Annahme treffen zu können, sind bei der Konstruktion nach den Erkennt-
nissen aus Abschnitt 6.5 folgende Bedingungen zu beachten:
Lw
≥1 (8.52)
hD

3 ⋅ Iz,Stab 3 ⋅ Iz,Stab
tb ≥ 3 =
25 ⋅ ∑ bi 3   1  (8.53)
25 ⋅  2 ⋅ u + L w ⋅  tan α + 
  tan α  

q
≤5 (8.54)
t 2b

λ K ≥ 0,75 (8.55)

In Bild 8.10 ist die erforderliche Knotenblechdicke nach Gl. (8.53) in Abhängigkeit
von der Biegesteifigkeit Iz der Druckdiagonale aufgetragen.

Bild 8.10 Mindestknotenblechdicke in Abhängigkeit von der Biegesteifigkeit des


Druckdiagonalen

Bei der Einleitung der Druckkraft aus der Diagonalen in das Knotenblech ergeben
sich Druckspannungen in den beiden Anschlussseiten. Mit Hilfe der oben genannten
Bedingungen kann eine erste Einschätzung der Stabilitätsgefahr erfolgen. Für einen
Stabilitätsnachweis des Anschlusses kann die Verzweigungslast NKi bei Einhaltung
der Bedingungen in den Gln. (8.52) bis (8.55) gemäß den Untersuchungen für einen
einfachen Druckstab mit sK = Lsys (Eulerfall II) erfolgen. Mit dem Anhaltswert für
8.10 Statistische Bewertung des Modells mit den Versuchsergebnissen 215

NKi kann wie in Abschnitt 8.9 der Abminderungsfaktor κ bestimmt werden. Die dabei
zu verwendende Knickspannungslinie ist KSL c.

8.10 Statistische Bewertung des Modells mit den


Versuchsergebnissen

Um das entwickelte Bemessungsmodell zu überprüfen, werden die Traglasten der in


Abschnitt 6.4 beschriebenen Versuchsknoten berechnet. Diese werden den Versuchs-
ergebnissen gegenübergestellt. Bei den stochastischen Überlegungen wird die
Gauß'sche Normalverteilung angesetzt. In Tabelle 8.1 sind die Ergebnisse zusammen-
gestellt.
Tabelle 8.1 Gegenüberstellung der Traglasten aus Versuch und Bemessungsmodell

xi =
ZVersuch ZModell xi - xM (xi - xM)²
Versuchs- ZVersuch / ZModell
Nr.
[kN] [kN] [-] [-] [-]

1 550 492,2 1,117 0,0212 0,000448


2 620 532,3 1,165 0,0685 0,004692
3 594 565,9 1,050 -0,0466 0,002172
n=4 594 564 1,053 -0,0431 0,001855
Σ xi = 4,385 Σ (xi - xM)² = 0,009167
xM = Σ xi / n = 1,096
Die Standardabweichung ergibt sich mit den Werten aus Tabelle 8.1:
n
1
⋅ ∑ ( x i − x M ) = 0, 055 mit i = 1, 2, 3
2
s= (8.56)
n − 1 i=1

Der 5 % - Fraktilwert liegt trotz der geringen Stichprobenanzahl mit 100,5 % knapp
oberhalb von 100 % und somit auf der sicheren Seite. Die Variationskoeffizient ist
mit 0,055 gering, so dass die Gültigkeit des Bemessungsmodells bestätigt werden
kann. Außerdem werden bei der Nachweisführung bereits gesicherte Erkenntnisse aus
dem Stahlbau aufgegriffen und Kräftegleichgewichtsbeziehungen verwendet, die als
weitere Bestätigung des Bemessungsmodells angesehen werden können.

8.11 Konstruktionsempfehlungen und Erweiterungsmöglich-


keiten

Grundsätzlich gelten für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen die


gleichen Empfehlungen zur Krafteinleitung wie bei Zugstabanschlüssen in Abschnitt
7.9. Zusätzlich sind die in Abschnitt 8.9 aufgeführten Grenzbedingungen bei der
Konstruktion einzuhalten. Tabelle 8.2 fasst diese nochmal kompakt zusammen.
216 8 Bemessungsmodell für Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen

Tabelle 8.2 Konstruktionsempfehlungen für symmetrische Fachwerkknoten


Geometrie- Empfohlene Mindest- Maximal-
Bezeichnung Einheit
parameter Abmessungen abmessungen abmessungen
Diagonalenwinkel α [°] 30° - 60° 30° 60°

Knotenblechdicke tb [cm] 2 ⋅ t sD − 3 ⋅ t sD siehe Bild 8.10 ---

Einbindelänge Lw [cm] ≈ hD ≥ 10 cm bzw. ≥ hD ---


Höhe bis zum ≤ 5 ⋅ tb
Ausschnitt
q [cm] ≈ 3 ⋅ tb ---

Spaltmaß a [cm] 1 cm --- < 0,1 Lw

Breite im Schnitt 5 b5 [cm] ≈ 2,7 ⋅ L w ⋅ cos ( α − 20° ) --- ---

bezogener λK
Schlankheitsgrad der [-] --- ≥ 0,8 ---
Druckdiagonalen

Die empfohlene Breite im Schnitt 5 ergibt sich bei einer 80 %-igen Ausnutzung des
Schnittes auf Schub. So besitzt der Schnitt noch genügend Reserven zur Aufnahme
(
des vorhandenen Biegemomentes M pl,red ≈ 0,6 ⋅ M pl . )
Als wichtige geometrische Angaben bei der Konstruktion werden die äußeren
Knotenblechabmessungen benötigt. Sie hängen von verschiedenen Knotenblechpara-
metern ab und können folgendermaßen berechnet werden:
 hG 
 2 +q hD 
Lb =  + + ( a + L w ) ⋅ cos α + u ⋅ sin α  ⋅ 2 (8.57)
 tan α 2 ⋅ sin α 
 

h b = q + ( h D + u ) ⋅ cos α + ( L w + a ) ⋅ sin α (8.58)

Aufgrund der ausführlich dargelegten Erkenntnisse in den Kapiteln 5 und 6 können


mit der vorgestellten Methode auch unsymmetrische Fachwerkknoten oder Fach-
werkknoten mit Berücksichtigung von Biegemomenten in den Fachwerkstäben nach-
gewiesen werden. Die aufgezeigte Vorgehensweise bleibt dabei bestehen, sie ist aber
zu erweitern. Im ersten Schritt sind die Beanspruchungen im Ausgangsschnitt für jede
Anschlussseite getrennt zu ermitteln. Die Schnittgrößen im Ausgangsschnitt können
dabei für die jeweiligen Beanspruchungen aufaddiert werden. Anschließend können
die Querschnittstragfähigkeit der Anschlussbereiche nach Abschnitt 7.4.3 nachgewie-
sen und die Beanspruchungen auf die horizontalen und vertikalen Schnitte
transformiert werden (Schnitte 1 bis 4). Mit Hilfe des Kräftegleichgewichts können
die Beanspruchungen in den übrigen wichtigen Schnitten (Schnitte 5 bis 8) berechnet
und die Querschnittstragfähigkeiten nachgewiesen werden. Abschließend können die
Schweißnähte bereichsweise bemessen werden. Da diese Vorgehensweise einigen
Rechenaufwand erfordert, jedoch sehr systematisiert ist, empfiehlt sich eine com-
putergestützte Auswertung zur Nachweisführung von Fachwerkknoten.
8.11 Konstruktionsempfehlungen und Erweiterungsmöglichkeiten 217

Eine weitere Modifikation wäre der Fachwerkknoten eines Pfostenfachwerkes. Auch


in diesem Fall kann die gleiche Vorgehensweise angewendet werden. Als einziger
Unterschied entfällt der Nachweis des horizontalen Schnittes durch das Knotenblech.
Dafür ist ein zum vertikalen Schnitt nach Abschnitt 8.4 vergleichbarer Schnitt in hori-
zontaler Richtung durch das Knotenblech und den Fachwerkpfosten zu führen. Die
Beanspruchungen können dabei wiederum mit dem Kräftegleichgewicht berechnet
werden. Bei diesem Fall sind auch die Schweißnähte des Knotenblechs an den verti-
kalen Pfosten bereichsweise nachzuweisen.
9 Berechnungsbeispiele

9.1 Vorbemerkungen

Anhand der nachfolgenden Berechnungsbeispiele wird die Vorgehensweise zur Be-


rechnung der Tragfähigkeit der in Kapitel 7 und 8 vorgestellten Bemessungsmetho-
den angewendet. Bei dem ersten untersuchten Beispiel handelt es sich um einen Stab,
der mit ausgeschnittenen Anschlussblechen an einen Querträger angeschlossen wird.
Das zweite Beispiel ist Knoten 3 des Fachwerkträgers aus Kapitel 4, siehe Bild 4.2.
Die Tragfähigkeit dieses Knotens wird in Abschnitt 9.3 untersucht. In Abschnitt 9.4
werden anhand eines beispielhaften Fachwerkknotens die rechnerischen Traglasten
mit den in Kapitel 2 vorgestellten Verfahren und mit dem in dieser Arbeit
entwickelten Bemessungsmodell berechnet und den rechnerischen Traglasten aus der
FEM-Berechnung gegenübergestellt und anschließend bewertet.

9.2 Anschluss eines Stabanschlusses an einen Querträger

Der zu untersuchende, symmetrische Anschluss des Stabes mit ausgeschnittenen


Knotenblechen ist in Bild 9.1 dargestellt. Als Stabquerschnitt wird ein HEA 160 ver-
wendet und die Stablänge zwischen den Enden des Anschlussblechs misst 450 cm.
Die Knotenblechabmessungen können dem Bild entnommen werden. Die Zug- bzw.
Druckbeanspruchungen betragen 575 kN bzw. -300 kN.

Bild 9.1 Beispiel eines Stabanschlusses an einen Querträger


9.2 Anschluss eines Stabanschlusses an einen Querträger 219

Bemessung als Zugstab

Zunächst wird der Tragfähigkeitsnachweis infolge einer Zugkraft geführt. Die Vor-
gehensweise bei der Nachweisführung entspricht der in Tabelle 7.3.
Bevor die rechnerische Tragfähigkeit durch Untersuchung der einzelnen
Versagensmechanismen berechnet werden kann, müssen Annahmen für den sich
einstellenden Kraftfluss getroffen werden. Der Kraftfluss je Anschlussseite wird nach
Abschnitt 7.3.3 für das Verhältnis bi / Lw = 0,875 nach Gln. (7.4) und (7.5) im
Ausgangsschnitt wie folgt angenommen:
 bi   17, 4 1 
e= − 0, 25  ⋅ L w =  −  ⋅ 20 = 3,7 cm
 2 ⋅ Lw   2 ⋅ 20 4 
b 17, 4
β = 20° ⋅ i = 20° ⋅ = 17, 4°
Lw 20

Die Beanspruchungen können gemäß Gl. (7.6) in Schnittgrößen umgewandelt wer-


den. Da das Verhältnis
bi
0,33 < = 0,87 < 1,5
Lw

beträgt, wird der Versagensfall 2 für das Anschlussblech maßgebend, siehe


Tabelle 7.1. Bei diesem Versagensfall ist die Tragfähigkeit in verschiedenen schrägen
Schnitten zu untersuchen. Mit Hilfe der Angaben in Bild 7.7 und der Vorgehensweise
in Tabelle 7.2 können die Längen in den schrägen Schnitten berechnet werden und
die Beanspruchungen entsprechend Gl. (7.15) auf die Lage des schrägen Schnittes
transformiert werden. Der Nachweis erfolgt unter Ausnutzung der plastischen
Reserven nach Abschnitt 1.4.5.

Bild 9.2 Bezogene Schnittgrößen und Querschnittsausnutzung in Abhängigkeit


des Winkels δ
220 9 Berechnungsbeispiele

In Bild 9.2 sind die bezogenen Schnittgrößen und der Ausnutzungsgrad in


Abhängigkeit des Winkels δ für eine einwirkende Zugkraft von Z = 575 kN
aufgetragen und in Tabelle 9.1 sind die Ergebnisse für ausgewählte Winkel
zusammengestellt. Die maximale Ausnutzung (η = 0,92) ergibt sich bei einem
Winkel von δ = 50 °.

Tabelle 9.1 Zusammenstellung von Berechnungsergebnissen in den schrägen


Schnitten für ausgewählte Winkel δ

Schnittgrößen im Plastische Nachweis der plastischen


Winkel Länge
schrägen Schnitt Grenzschnittgrößen Querschnittstragfähigkeit

δ δ)
L(δ δ)
N(δ δ)
V(δ δ)
M(δ Npl(δ) Vpl(δ) δ)
Mpl(δ τ / τRd red fy η(δ)

[°] [cm] [kN] [kN] [kNcm] [kN] [kN] [kNcm] [-] [kN/cm²] [-]

0 17,40 287,5 90,1 1064 547,7 328,8 2383 0,27 20,98 0,81
10 15,44 298,8 38,8 869 500,7 291,7 1932 0,13 21,63 0,86
20 14,26 301,0 -13,7 709 466,1 269,5 1662 0,05 21,79 0,89
30 13,64 294,0 -65,7 567 431,6 257,7 1471 0,26 21,10 0,91
40 13,46 278,2 -115,8 434 392,1 254,3 1319 0,46 19,43 0,92
50 13,69 253,8 -162,3 300 348,9 258,7 1194 0,63 16,99 0,92
60 14,38 221,8 -203,9 157 311,0 271,7 1118 0,75 14,42 0,91
70 15,64 183,0 -239,4 -7 300,3 295,5 1174 0,81 12,80 0,89
80 17,73 138,7 -267,5 -208 349,6 335,1 1550 0,80 13,14 0,85
90 20,00 90,1 -287,5 -537 424,9 377,9 2125 0,76 14,16 0,80

Neben den Anschlussblechen ist auch die Tragfähigkeit des Zugstabsteges infolge
von Zwängungsbeanspruchungen zu untersuchen. Zunächst wird mit Gl. (7.31) über-
prüft, ob der Nachweis des Zugstabsteges maßgebend werden könnte. Trotz des ein-
gehaltenen Verhältnisses gemäß Bild 7.10 (b / Lw = 0,87)
t b 1,5
= = 2,5 ≤ 3,1
t s 0,6

wird die Tragfähigkeit des Zugstabsteges beispielhaft überprüft. Die Beanspruch-


ungen können der Tabelle 9.1 für den Winkel δ = 90 ° entnommen und auf den
betrachteten Schnitt des Zugstabsteges transformiert werden:
N s = N v = 90,1 kN
Zd A s 10, 4 ⋅ 0,6
Vs = ⋅ = 287,5 ⋅ = 46,3 kN
2 A ges 38,77
M s ≈ M v = 537Ncm

Die Beanspruchbarkeiten betragen mit einer angesetzten Länge von Ls = 22,4 cm:
N pl,s = 22, 4 ⋅ 0,6 ⋅ 21,82 = 293,3 kN
9.2 Anschluss eines Stabanschlusses an einen Querträger 221

21,82
Vpl,s = 22, 4 ⋅ 0,6 ⋅ = 169,3 kN
3
22, 42 ⋅ 0,6
M pl,s = ⋅ 21,82 = 1642 kNcm
4
Mit der Kenntnis der Beanspruchungen und der Beanspruchbarkeiten kann der
Nachweis der Querschnittstragfähigkeit wie folgt geführt werden:
90,12 537
+ = 0,1 + 0,34 = 0, 44 < 1
2  46,3 
2 2
293,3 ⋅  1 − 46,3
2  1642 ⋅ 1 −
 169,3  169,32

Als Schweißnähte zwischen Anschlussblech und Zugstabprofil sollen Doppelkehl-


nähte mit a = 6 mm ausgeführt werden. Die Beanspruchungen entsprechen denen aus
Tabelle 9.1 mit dem Winkel δ = 90 °. Der Nachweis der Schweißverbindung kann
nach Gl. (7.35) erbracht werden.
2 2
 90,1 3 ⋅ 537   287,5  kN
σ w,d =  + 2
+  = 15,94 2 ≤ σ w,Rd
 2 ⋅ 0,6 ⋅ 20 0,6 ⋅ 20   2 ⋅ 0,6 ⋅ 20  cm

Die Schweißnähte zwischen Anschlussblech und Querträger werden für die äußeren
Bereiche mit voller Zugkraft wie folgt nachgewiesen und im mittleren Bereich kon-
struktiv in gleicher Stärke ausgeführt. Für die Schweißnähte in den äußeren
Bereichen ergibt sich folgende Schweißnahtspannung:
575 kN
σ w,d = = 13,75 2 ≤ σ w,Rd
4 ⋅ 0,6 ⋅17, 4 cm

Bemessung als Druckstab

Zunächst werden die empfohlenen Konstruktionsgrenzen nach Gl. (7.40) überprüft:

b 17, 4
= = 0,87 ≈ 1
Lw 20
hr 10
2
= 2 = 4, 44 ≤ 10
t b 1,5
min M pl 427
= = 1,60 ≥ 1
0,05 ⋅ max M pl 0,05 ⋅ 5349

Im Folgenden wird der Tragfähigkeitsnachweis infolge der einwirkenden Druckkraft


Dd = -300 kN geführt. Die erforderlichen Biegeknicknachweise können entsprechend
der Vorgehensweise nach Tabelle 7.4 in Abschnitt 7.9 erfolgen. Im ersten Schritt
wird die Verzweigungslast Nki des Systems zur Beurteilung der Stabilitätsgefahr
222 9 Berechnungsbeispiele

errechnet. Anhand des Ersatzstabwerks gemäß Bild 7.15 wird der Eigenwert
ermittelt. Die Länge L* beträgt 5,9 cm und die Drehfedersteifigkeit beträgt cϕ = 124,3
kNm/rad. Der ungeschwächte Querschnitt ist ein Rechteckquerschnitt mit den
Abmessungen 1,5/50 cm. Im geschwächten Bereich reduziert sich die Breite auf 34,8
cm. In Bild 9.3 ist das berechnete Stabwerksmodell mit der sich ergebenden 1.
Eigenform dargestellt. Dabei ist aus Symmetriegründen nur der halbe Stab modelliert.
Die Verzweigungslast beträgt NKi,Modell = 719 kN. Als Lösung mit der FEM ergibt
sich für den ersten Eigenwert NKi,FEM = 816 kN. Im Vergleich dazu ergibt sich für
einen beidseitig gelenkig gelagerten Druckstab mit konstantem Querschnitt (Eulerfall
II) NKi,ES = 630 kN.

Bild 9.3 Ersatzstabwerksmodell des Beispiels mit Eigenwert und Eigenform

Die nachfolgenden Biegeknicknachweise werden in Tabelle 9.2 zusammengestellt.


Bei der Nachweisführung wird für den geschwächten Querschnitt nur eine Anschluss-
seite betrachtet. Daher beträgt die Verzweigungslast des geschwächten Querschnitts
die halbe errechnete Verzweigungslast. Für die drei verwendeten Querschnitte erge-
ben sich jeweils unterschiedliche bezogene Schlankheitsgrade und demzufolge auch
unterschiedliche Abminderungsfaktoren. Diese können stark variieren. Maßgebend
für die Bemessung ist der geschwächte Querschnitt im Ausgangsschnitt.

Bei dem bisherigen Nachweis des Druckstabes als Eulerfall II mit der Verzweigungs-
last von 630 kN beträgt die bezogene Schlankheit 1,21 und die maximale Druckkraft
beträgt 362,9 kN. Diese Druckkraft ist um 18,8 % höher als bei einer Berücksichti-
gung der Stabilität des Anschlusses. Das heißt, dass die einfache Annahme eines
beidseitig gelenkig gelagerten Druckstabes auf der unsicheren Seite liegt.
9.3 Fachwerkknoten 223

Tabelle 9.2 Zusammenstellung der erforderlichen Biegeknicknachweise

geschwächter
ungeschwächter
Blechquerschnitt HEA 160
Blechquerschnitt
(Ausgangsschnitt)
bi [cm] 50 17,4
Nki [cm] 719,0 359,5 719
Npl,i [kN] 1800,0 626,4 930,5
λK,i [-] 1,58 1,32 1,14
KSL c c c
κi [-] 0,290 0,380 0,463
Beanspruchungen um die starke Achse
Ni,d [kN] 300 150 300
Vi,d [kN] 0 47,3 0
Mi,d [kNcm] 0 562,5 0
Beanspruchbarkeiten um die starke Achse
Npl,i,d [kN] 1636,5 569,5 845,9
Vpl,i,d [kN] 945,0 328,9 108,1
Mpl,i,d [kNcm] 20456 2477 5349
Biegeknicknachweis nach Gl. (7.39)
ηι [-] 0,63 0,92 0,77

Bei einer Traglastermittlung mit dem nichtlinearen Finite Elemente Modell und der
einwelligen geometrischen Ersatzimperfektion von v0 = L / 200 = 2,25 cm eine
maximale Traglast von ZRd = 334 kN. Diese liegt etwas höher als mit dem
Ersatzstabverfahren und bestätigt den hier geführten Nachweis mit Abminderungs-
faktoren.

9.3 Fachwerkknoten

Die folgenden Untersuchungen werden an dem Knoten 3 des Berechnungsbeispiels


aus Kapitel 4 durchgeführt, siehe Bild 4.2. Der betrachtete Knoten ist im Bild 9.4 dar-
gestellt. Neben den Parametern des Knotens sind dem Bild auch die auftretenden
Beanspruchungen zu entnehmen. Die Normalkräfte in den Diagonalen betragen
475 kN. Im Folgenden werden die einzelnen möglichen Versagensmechanismen
unter der Annahme des Kraftflusses in den Abschnitten 8.2.1 und 7.3.3 überprüft.

Annahme des Kraftflusses

Aufgrund der Diagonalenneigung von α = 45 ° und des gleichen Versatzes ui sind


beide Anschlussseiten identisch und es ergeben sich folgende Breiten b1 bzw. b2 im
horizontalen bzw. vertikalen Schnitt:
b1 = b 2 = 15 ⋅ cos 45° + 3 ⋅ sin 45° = 12, 73 cm
224 9 Berechnungsbeispiele

Die Länge im gedanklich geführten Ausgangsschnitt beträgt:


12,73
b0,1 = b0,2 = = 18,00 cm
sin 45°
Als charakteristische Kraftflussparameter ergeben sich mit den Gln. (7.4) und (7.5) in
Abschnitt 7.3.3 für b / Lw = 1,2:
β = 20°
 18 1
e = 15 ⋅  −  = 5, 25 cm
 2 ⋅15 4 

Bild 9.4 Fachwerkknoten mit Abmessungen

Die Schnittgrößen können nach Gl. (7.6) für den Ausgangsschnitt wie folgt berechnet
werden:
ZD 475
N 0,1 = = = 237,5 kN = N 0,2
2 2
Z 475
V0,1 = D ⋅ tan β = ⋅ tan20° = 86, 4 kN = V0,2
2 2
Z
M 0,1 = D ⋅ e = 237,5 ⋅ 5, 25 = 1247 kNcm = M 0,2
2
Nachweis der Anschlussbereiche im Knotenblech (Versagensfall A)

Aufgrund des Winkels α = 45° und der senkrechten Abstände (u1 / Lw= u2 / Lw =
0,07) wird gemäß Bild 8.4 der Versagensfall 2 für den Anschlussbereich maßgebend.
Dass heißt, dass die Querschnittstragfähigkeit in den schrägen Schnitten zu
untersuchen ist. Die Länge in den schrägen Schnitten erfolgt nach den Angaben in
Bild 7.7 für die Anschlussform 3. Mit den definierten Winkeln und den zugehörigen
errechneten Längen in den schrägen Schnitten kann der Nachweis der Querschnitts-
9.3 Fachwerkknoten 225

tragfähigkeit geführt werden. Die Ergebnisse für Winkel im Abstand von 5° sind in
Tabelle 9.3 zusammengestellt. Es ist erkennbar, dass die Querschnittstragfähigkeit in
allen Schnitten erfüllt ist. Maßgebend für die Bemessung ist der horizontale bzw. der
vertikale Schnitt (Schnitte 1 und 2).
Tabelle 9.3 Beanspruchungen und Nachweis der plastischen
Querschnittstragfähigkeit des Knotenblechs im Anschlussbereich

Querschnitts-
Winkel N V M Bemerkung
tragfähigkeit η
[°] [kN] [kN] [kN] [-]

0 237,5 86,4 1247 0,660 Aussgangsschnitt

horizontaler bzw.
45 229,1 -106,8 567 0,854
vertikaler Schnitt
50 218,9 -126,4 508 0,823
55 207,0 -145,0 447 0,776
60 193,6 -162,5 385 0,708
65 178,7 -178,7 320 0,615
70 162,5 -193,6 250 0,494
75 145,0 -207,0 175 0,353
80 126,4 -218,9 72 0,211
85 106,8 -229,1 -86 0,212
Schnitt parallel zur
90 86,4 -237,5 -242 0,345
Anschlußnaht

Zur Überprüfung, ob der Steg der Diagonalen maßgebend wird, gilt gemäß Gl. (7.31)

t b 1,5
= = 2,5 ≤ 3, 47 ⋅
(15 + 0,9 + 1,5) = 4,50
2

t sD 0,6 152
, so dass die Querschnittstragfähigkeit des Steges nicht weiter untersucht werden
muss.

Nachweis des horizontalen Schnittes (Versagensfall B)

Um zu überprüfen, ob dieser Versagensfall bemessungsrelevant werden kann, wird


die Bedingung entsprechen Gl. (8.5) ausgewertet. Dafür werden die Breite des
Schnitts 5 nach Gl. (8.2)
 23  2  cos 45° 
b5 =  5 +  ⋅ + 15, 2 ⋅  − sin 45°  = 33 cm
 2  tan 45°  tan 45° 
und die Beanspruchungen im Schnitt 5 mit den Gln. (8.3) und (8.4) berechnet:
cos(45° − 20°)
V5 = 475 ⋅ = 458,1 kN
cos 20°
M 5 = 2 ⋅ 567 + 106,8 ⋅ 33 − 229,1 ⋅12,73 = 1742 kNcm
226 9 Berechnungsbeispiele

Mit den ermittelten Beanspruchungen kann die Bedingung gemäß Gl. (8.5) wie folgt
überprüft werden:
4 ⋅1742
= 0, 29 ≤ 1
2
 3 ⋅ 458,1 
332 ⋅1,5 ⋅ 21,82 ⋅ 1 −  
 33 ⋅1,5 ⋅ 21,82 
Da die Bedingung erfüllt ist, kann ein Versagen des horizontalen Schnittes für die
untersuchte Beanspruchung ausgeschlossen werden.
Versagen der vertikalen Schnitte (Versagensfall C)
Bei jedem Knoten sind zwei vertikale Schnitte denkbar, die jeweils in vertikaler
Richtung im Spaltbereich durch Knotenblech und Gurtstab verlaufen. Maßgebend für
den Nachweis der vertikalen Schnitte ist der Schnitt mit der betragsmäßig größten
Normalkraft. Der Nachweis wird gemäß Abschnitt 8.4 geführt. Im vorliegenden Fall
des Knotens 3, gemäß Bild 4.2, betragen die Beanspruchungen im vertikalen Schnitt
auf der rechten Seite nach Gln. (8.30) und (8.31):
N v = 2 ⋅ 475 ⋅ 2 − 106,8 = 1236,7 kN
Vv = 229,1 kN
 23 
M v = 567 + 106,8 ⋅  5 + + 1 ⋅ sin 45°  − 229,1 ⋅ 8,13 = 542 kNcm
 2 
 15 
mit: L v4 =  + 1 ⋅ cos 45° + 3 ⋅ sin 45° = 8,13 cm
 2 
Die plastischen Querkräfte betragen nach Gl. (8.18):
21,82
Vpl,o = 5 ⋅1,5 ⋅ = 94,5 kN
3
21,82
Vpl,u = 0, 75 ⋅ ( 23 − 1, 2 ) ⋅ = 206 kN
3
Infolge der einwirkenden Querkräfte ist die Streckgrenze im Steg gemäß Gl. (8.19)
wie folgt zu reduzieren:
2
 229,1  kN
red f yd = 21,82 ⋅ 1 −   = 14,1 2
 94,5 + 206  cm

Im folgenden Schritt sind die plastischen Grenznormalkräfte nach Gl. (8.20) zu be-
rechnen:
N pl,G = 24 ⋅1, 2 ⋅ 21,82 = 628, 4 kN
N pl,so = 5 ⋅1,5 ⋅14,1 = 105,8 kN
N pl,su = 21,8 ⋅ 0,75 ⋅14,1 = 230,5 kN
9.3 Fachwerkknoten 227

Da
N v = 1236,7 > N pl,so + N pl,su = 105,8 + 230,5 = 336,3 kN

ist, wird der zweite Fall maßgebend und die Gurte übernehmen einen Teil der Nor-
malkräfte. Der Anteil je Gurt beträgt gemäß Gl. (8.27):
1236,8 − 336,3
NG = = 450, 2 kN
2
Der vertikale Versatz zN ergibt sich nach Gl. (8.28):
105,8 ⋅ (23 + 5)
zs,N = = 1, 2 cm
2 ⋅1236,8
Das maximal mögliche Grenzbiegemoment ist gemäß Gl. (8.29)
M pl,grenz = ( 628, 4 − 450, 2 ) ⋅ 21,8 = 3885 kNcm ≥ 542 + 1236,8 ⋅1, 2 = 2026 kNcm

größer als das einwirkende, so dass die Querschnittstragfähigkeit gegeben ist.

Versagen des Gurtstabsteges (Versagensfall D)

Für den Nachweis des Gurtstabsteges werden zunächst die erforderlichen Abmessun-
gen hsG uns bsG berechnet:
bs,G = 12, 73 + 5 + 2 ⋅ (1, 2 + 2,1) + 1 ⋅ cos 45° = 25,04 cm
h s,G = 5 + 1, 2 + 2,1 + 1 ⋅ sin 45° = 9,01 cm

Anschließend werden Beanspruchungen gemäß Gln. (8.32) bis (8.34) ermittelt.


Ns = N 2 = 229,1 kN
21,8 ⋅ 0, 75 + 24 ⋅1, 2
Vs = 106,8 ⋅ = 65, 2 kN
21,8 ⋅ 0,75 + 2 ⋅ 24 ⋅1, 2
M s = 567 + 106,8 ⋅ 9,01 − 229,1 ⋅ 2,5 = 956 kNcm

Die Beanspruchbarkeiten unter Ausnutzung der plastischen Reserven ergeben sich für
den aktivierten Stabquerschnitt wie folgt:
N pl,s = 25, 04 ⋅ 0,75 ⋅ 21,82 = 409,8 kN
N pl,s
Vpl,s = = 236,6 kN
3
N pl,s ⋅ 25,04
M pl,s = = 2565 kNcm
4
Der Nachweis der Querschnittstragfähigkeit kann gemäß Gl. (8.35) geführt werden.
Da die einwirkende Schubkraft weniger als ein Drittel der plastischen Querkraft
beträgt, wird in dem Beispiel der Anteil aus Schub vernachlässigt:
228 9 Berechnungsbeispiele

229,12 956
+ = 0,313 + 0,373 = 0,686 < 1
409,82 2565

Tragfähigkeitsnachweis der Schweißnähte zwischen Diagonale und Knotenblech


(Versagensfall E)

Die plastische Normalkraft des Profils beträgt Npl,d = 846 kN und ist deutlich größer
als die vorhandene Normalkraft von 475 kN. Auch die maximale Normalkraft im
Gurtstab von 1343 kN kann vom Profil HEA 240 in S 235 aufgenommen werden
(Npl,d = 1676 kN).

Tragfähigkeitsnachweis der Schweißnähte zwischen Diagonale und Knotenblech


(Versagensfall F)

Im betrachteten Beispiel ist das Verhältnis der Breite b zur Anschlusslänge Lw größer
als eins, so dass die Beanspruchungen in der Schweißnaht nach Bild 7.11, Fall 3 an-
genommen werden:
475
N v,w = ⋅ tan 20° = 86, 4 kN
2
475
Vv,w = = 237,5 kN
2
15  1 
M v,w = N v,w ⋅ ⋅  − 1 = 242 kNcm
2  2 ⋅ tan 20° 
Für den Schweißnahtanschluss werden Doppelkehlnähte mit a = 5 mm gewählt. Die
Tragfähigkeit wird mit Gl. (7.35) untersucht:
2 2
 86, 4 3 ⋅ 242   237,5  kN kN
σ w,d =  + 2 
+  = 17, 47 < σ w,Rd = 20,7
 15 0,5 ⋅15   15  cm 2
cm 2

Tragfähigkeitsnachweis der Schweißnähte zwischen Gurtstab und Knotenblech


(Versagensfall G)

Die Schweißnähte zwischen dem Knotenblech und dem Gurtstab werden als 8 mm
dicke Doppelkehlnähte bemessen. Es werden für die Interaktion zwischen den Berei-
chen die drei verschiedenen Annahmen gemäß Abschnitt 8.8 angesetzt und separat
untersucht. Bei der ersten Annahme findet keine Interaktion der Teilbereiche in den
Schnitten 7 und 8 im Knotenblech statt. Die Beanspruchungen und die anschließende
Nachweisführung werden für die drei einzelnen Bereiche in Tabelle 9.4 zusammen-
gestellt.
9.3 Fachwerkknoten 229

Tabelle 9.4 Beanspruchungen in den Schweißnahtbereichen zwischen Gurtstab und


Knotenblech

Bereich 1 Bereich 2 Bereich 3


(links) (Mitte) (rechts)
aw = [cm] 0,8 0,8 0,8
bi = [cm] 13,4 54,5 13,4
Vereinfachter Ansatz (V7 = V8 = 0)
Nwi = [kN] 229,1 0,0 229,1
Vwi = [kN] 106,8 458,2 106,8
Mwi = [kNcm] 1176,8 7216,7 1176,8
σwi = [kN/cm²] 35,6 10,5 35,6
Genauer Ansatz (V7 = V8 = 72 kN)
Nwi = [kN] 157,1 0,0 157,1
Vwi = [kN] 106,8 458,2 106,8
Mwi = [kNcm] 694,4 11140,7 694,4
σwi = [kN/cm²] 22,4 15,0 22,4
Maximaler Ansatz (V7 = V8 = Vpl,so =94,5 kN)
Nwi = [kN] 134,6 0,0 134,6
Vwi = [kN] 106,8 458,2 106,8
Mwi = [kNcm] 543,7 12366,9 543,7
σwi = [kN/cm²] 18,3 16,5 18,3

Es ist aus Tabelle 9.4 ersichtlich, dass ein Nachweis mit dem vereinfachten Ansatz in
den Schnitten 7 und 8 nicht wirtschaftlich und in diesem Fall nicht zielführend ist.
Der lineare Ansatz, bei dem im Knotenblech in den Schnitten 7 und 8 eine anteilige
Querkraft berücksichtigt wird, liefert zwar wesentlich niedrigere Spannungen, jedoch
kann der Nachweis der Tragfähigkeit immer noch nicht erfolgreich geführt werden.
Als letzte Möglichkeit kann im Knotenblech in den Schnitten 7 und 8 die plastische
Querkraft angesetzt werden, so dass eine maximale Interaktion im Knotenblech dazu
führt, den Vergleichswert der Schweißnahtgrenzspannung σx,Rd = 20,7 kN/cm²
einzuhalten.

Untersuchung der Druckdiagonale

Zur Bestätigung der vereinfachten Annahme als beidseitig gelenkig gelagerter Druck-
stab sind die Grenzverhältnisse gemäß der Gln. (8.52) bis (8.54) zu überprüfen:
Lw 15
= ≈ 1, 0
h D 15, 2

3 ⋅ 615,6
t b = 1,5cm ≥ = 1, 27cm
3   1 
25 ⋅  2 ⋅ 3 + 15 ⋅  tan 45° + 
  tan 45°  
230 9 Berechnungsbeispiele

q 5
= = 2, 22 ≤ 5
t 2b 1,52

sK 300 ⋅ 2
λ K= = = 1,30 ≥ 0,80
i z ⋅ λ a 3,52 ⋅ 92,9

Da die empfohlenen Grenzbedingungen eingehalten werden, kann man davon


ausgehen, dass das seitliche Ausweichen der Druckdiagonalen der maßgebende
Versagensfall ist. Im einem nächsten Schritt kann die Verzweigungslast NKi für das
Knicken der Druckdiagonale senkrecht zur Fachwerkebene bestimmt werden:
E ⋅ Iz 21000 ⋅ 615, 6
N Ki = π2 ⋅ = π2 ⋅ = 708,8kN
( )
2
Lsys 2 ⋅ 300

Der Knicknachweis für die Druckdiagonale und für die beiden Anschlussseiten im
Ausgangsschnitt kann nach Abschnitt 1.4.7 geführt werden. Die Nachweise sind in
Tabelle 9.5 zusammengestellt. Der Stabilitätsnachweis aus der Ebene gelingt weder
für das Anschlussblech noch für den Druckstab. Die maximal Druckkraft in den
Diagonalen beträgt demzufolge DRd = 317,5 kN.
Tabelle 9.5 Biegeknicknachweis senkrecht zur Fachwerkebene mit dem
Ersatzstabverfahren

Ausgangsschnitt HEA 160


b1 [cm] 18
Nki [cm] 708,8
Npl,i [kN] 1178,3 930,5
λK [-] 1,29 1,15
KSL c c
κ [-] 0,393 0,458
Beanspruchungen um die starke Achse
Ni,d [kN] 237,5 475
Vi,d [kN] 86,4 -
Mi,d [kNcm] 1247 -
Beanspruchbarkeiten um die starke Achse
Npl,i,d [kN] 589,14 845,9
Vpl,i,d [kN] 340,2 108,1
Mpl,i,d [kNcm] 2651,13 5349
Biegeknicknachweis nach Gl. (7.39)
η [-] 1,50 1,23
max DD [kN] 317,5 387,4
9.4 Vergleich und Bewertung der verschiedenen Bemessungsmodelle 231

9.4 Vergleich und Bewertung der verschiedenen


Bemessungsmodelle

Für einen beispielhaften Fachwerkknoten, siehe Bild 9.5, werden die Traglasten mit
dem hier vorgestellten Bemessungskonzept und mit den in Kapitel 2 vorgestellten
Bemessungsmodellen berechnet. Die Ergebnisse werden miteinander verglichen und
den rechnerischen Traglasten aus der FEM-Berechnung gegenübergestellt.
Stabilitätseinflüsse und Schweißnahtbemessungen werden für die Bemessung hier
nicht berücksichtigt. Der beispielhafte Fachwerkknoten ist [81] entnommen. Bei den
Parametervariationen wird lediglich ein Parameter entweder Lw oder α verändert. Die
Übrigen bleiben konstant und können dem Bild 9.5 entnommen werden.

Bild 9.5 Beispielhafter Fachwerkknoten

In Bild 9.6 sind die maximalen Diagonalenkräfte max ZD im Grenzzustand der


Tragfähigkeit in Abhängigkeit von der Einbindelänge Lw abgebildet. Die
Tragfähigkeiten der einzelnen Modelle werden den mit dem FEM-Modell ermittelten
gegenübergestellt. Alle Modelle zeigen qualitativ vergleichbare Verläufe und die
Traglast steigt bei längerer Einbindelänge. Lediglich die Traglast des Modells nach
Adam und Zhang sinkt ab einer Länge Lw von 13 cm. Maßgebend wird für dieses
Verhalten der Nachweis unterhalb des Spaltes im Knotenblech, siehe Schnitt B-B in
Bild 2.3. Wird dieser Nachweis vernachlässigt, zeigt sich ein ähnlicher Verlauf wie
bei den übrigen Modellen, jedoch sind die Traglasten aufgrund der Nachweise nach
der Elastizitätstheorie etwas geringer. Die rechnerischen Tragfähigkeiten nach
Klinkenberg et al. überschreiten ab einer Einbindelänge von 20 cm die Traglasten der
FEM und liegen somit teilweise auf der unsicheren Seite. Dieses Verhalten liegt an
fehlenden Nachweisbedingungen für verschiedene Versagensmechanismen. Das
Modell nach Suppes liefert für Einbindelängen ab 18 cm Traglasten, die sehr weit auf
der sicheren Seite liegen.
232 9 Berechnungsbeispiele

Bild 9.6 Vergleich der maximalen Traglasten in Abhängigkeit von der


Anschlusslänge Lw

Die Ergebnisse mit dem in Kapitel 7 und 8 vorgestellten Bemessungsmodell ergeben


einen zur FEM-Berechnung parallelen Verlauf. Da sie für alle Anschlusslängen etwas
unterhalb der rechnerischen Traglasten mit der FEM liegen, ergeben sich bei diesem
Modell die zuverlässigsten Tragfähigkeiten. Das die Ergebnisse knapp unterhalb der
mit der FEM ermittelten rechnerischen Traglasten liegen, ist dadurch zu erklären,
dass der positiv wirkende Effekt der Normalspannungsüberlagerung bei der
Vergleichsspannung in dem Bemessungsverfahren nicht berücksichtigt wird.

Bild 9.7 Vergleich der maximalen Traglasten in Abhängigkeit von der


Diagonalenneigung α
9.4 Vergleich und Bewertung der verschiedenen Bemessungsmodelle 233

Bei einer zweiten Parameterstudie werden die Traglasten für den betrachteten Fach-
werkknoten mit verändertem Neigungswinkel α berechnet, siehe Bild 9.7. Die Ergeb-
nisse dieser Untersuchung bestätigen die Erkenntnisse aus der ersten Variations-
rechnung. Das Modell nach Klinkenberg et al. liegt wiederum zum Teil auf der un-
sicheren Seite. Nach Adam und Zhang bzw. nach Suppes liegen die Traglasten weit
auf der sicheren Seite. Das hier entwickelte Modell zeigt auch bei dieser Variation
Traglasten, die etwas unterhalb von denen der FEM-Berechnung liegen.

Die in Bild 9.8 abgebildeten Abweichungen zu den Ergebnissen der FEM-


Berechnung bestätigen, dass das in dieser Arbeit entwickelte Modell am
wirtschaftlichsten ist und für alle untersuchten Fälle auf der sicheren Seite liegt.

Bild 9.8 Abweichungen der verschiedenen Modelle zur FEM Berechnung

Neben der statistischen Bewertung des vorgestellten Modells mit den Versuchsergeb-
nissen in Abschnitt 8.10, werden in Tabelle 9.6 zusätzlich die Traglasten des Berech-
nungsmodells mit den FEM-Ergebnissen statistisch untersucht.
Tabelle 9.6 Statistische Auswertung der Traglasten des beispielhaften
Fachwerkknotens

ZFEM
Lw ZVette ZFEM Xi = Xi - XM (Xi - XM)2
Z Vette
[cm] [cm] [cm] [-] [-] [-]
10 219,01 248,50 1,135 0,043 0,001860
12 260,85 296,1 1,135 0,044 0,001902
14 302,67 340,6 1,125 0,034 0,001142
16 344,45 381,4 1,107 0,016 0,000248
18 386,20 415,7 1,076 -0,015 0,000229
20 428,00 449,61 1,050 -0,041 0,001683
22 448,60 474,2 1,057 -0,034 0,001187
24 462,60 483,8 1,046 -0,046 0,002088
Σ Xi = 8,732 Σ (Xi - XM)2 = 0,010340
XM = Σ Xi / n = 1,0915 s= 0,0384
234 9 Berechnungsbeispiele

Für die erste Variation liegt der Erwartungswert der 5 % Fraktile bei einer
Normalverteilung mit 102,8 % auf der sicheren Seite und die Varianz beträgt 0,035.

Bei der zweiten Variation ergeben sich eine 5 % Fraktile von 101,4 % und eine
Variationskoeffizient von 0,035. Auch diese Auswertung zeigt, dass die errechneten
Traglasten auf der sicheren Seite liegen und unterstreicht die gute Qualität des Ver-
fahrens.

Darüber hinaus wird auf die Bemessung der Schweißnähte zwischen Knotenblech
und Gurtstab hingewiesen, die in keinem anderen Modell bereichsweise betrachtet
werden. Die Notwendigkeit dafür wird jedoch in Abschnitt 6.3.2 ausführlich darge-
legt.
10 Zusammenfassung und Ausblick

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Tragfähigkeit und dem Tragverhalten von
Stabanschlüssen und Fachwerkknoten mit ausgeschnittenen Knotenblechen. Ein
Schwerpunkt liegt dabei in der Analyse des sich einstellenden Kraftflusses und der
sich einstellenden Versagensmechanismen.

Zunächst werden in Kapitel 2 die vorhandenen Bemessungsmethoden und Berech-


nungsverfahren nach dem Stand der Technik und dem Stand der Forschung zu diesem
Thema vorgestellt. Diese beruhen im Wesentlichen aus Kraftflussannahmen und
Gleichgewichtsbeziehungen. Der wesentliche Unterschied in den vorliegenden Mo-
dellen liegt in der Erfassung der sich einstellenden Zwängungsspannungen sowie den
unterschiedlichen Versagensmechmismen und daraus resultierend in der Tragfähig-
keit des Anschlussbereichs.

Die Untersuchungen zum Tragverhalten werden im Rahmen dieser Arbeit mit der
Methode der Finite Elemente durchgeführt. Die betrachteten Detailpunkte werden
dabei als räumliche Modelle mit Hilfe von Schalenelementen abgebildet. Als zusätz-
liche Untersuchungen werden Eigenwertuntersuchungen an Druckstäben und bei-
spielhaften Fachwerken durchgeführt. Die Grundlagen der Modellierung und die Vor-
gehensweise bei der Berechnung und Auswertung werden in Kapitel 3 vorgestellt.

Den Untersuchungen der Detailpunkte wird in Kapitel 4 eine Diskussion der Bean-
spruchungen in Fachwerkstreben vorangestellt. Anhand eines beispielhaften Fach-
werkträgers werden die Schnittgrößen im Anschlussbereich mit verschiedenen Be-
rechnungsmethoden ermittelt und miteinander verglichen. Dabei zeigt sich eine gute
Übereinstimmung der Normalkraftbeanspruchungen. Allerdings ist hervorzuheben,
dass sich nennenswerte Biegebeanspruchungen in der Fachwerkebene ergeben.
Zur Erfassung der Biegebeanspruchungen sind die Stabwerksmodellierungen auch
bei einer biegesteifen Verbindung der Fachwerkstäbe nicht geeignet. Aufgrund der
großen Steifigkeit im Anschlussbereich ergeben sich deutlich höhere Biegemomente.
Sie sind im Vergleich zum Gesamtmoment zwar gering, können aber für die Trag-
fähigkeit der einzelnen Stäbe durchaus relevant werden. Außerdem kann gezeigt wer-
den, dass sich durch Plastizierungen zwar Kraftumlagerungen einstellen, diese aber
nicht die Annahme reibungsfreier Gelenke in den Fachwerken zulassen. Die
Untersuchungen zeigen auf, dass durchaus Forschungsbedarf besteht, um die tatsäch-
lich einwirkenden Schnittgrößen in Fachwerken wirklichkeitsnah bestimmen und um
die Auswirkungen auf die Tragfähigkeit abschätzen zu können.

Das Tragverhalten von symmetrischen Zugstabanschlüssen wird in Kapitel 5 an-


hand von beispielhaften Anschlüssen aufgezeigt. Die Untersuchungen werden an
rechteckigen und schräg abgeschnittenen Anschlussblechen durchgeführt. Bei der
Analyse wird gezeigt, dass sich die Zugkraft zur Einleitung in das Anschlussblech auf
beide Anschlussseiten gleichmäßig aufteilt. Dabei entstehen Umlenkungs- bzw.
Zwängungsspannungen im Stegblech des Zugstabes, die sich traglaststeigernd aus-
236 10 Zusammenfassung und Ausblick

wirken. Dieser Effekt und somit auch der Kraftfluss im Anschlusspunkt hängen in
starkem Maße von der Anschlussblechgeometrie und dem sich einstellenden Ver-
sagensmechanismus ab. In diesem Zusammenhang können die Anschlussblechformen
in drei Bereiche eingeteilt werden, die in Tabelle 10.1 zusammengefasst werden. Der
Intention dieser Einteilung besteht in der wirklichkeitsnahen Erfassung der Bean-
spruchungen und demzufolge in der exakten Ermittlung der Grenztraglast für alle
auftretenden Versagensmechanismen.

Tabelle 10.1 Einteilung der Anschlussblechgeometrie

Geometrische Randbedingungen

Rechteckige Schräg abgeschnittene


Anschlussbleche Anschlussbleche
Schmale Lw Lw
1. b≤ b≤
Anschlussbleche 2 3
Mittelbreite Lw Lw 3 ⋅ Lw
2. < b < Lw <b<
Anschlussbleche 2 3 2
3 ⋅ Lw
3. Breite Anschlussbleche b ≥ Lw b≥
2

Bei unsymmetrischen Zugstabanschlüssen wird gezeigt, dass der sich einstellende


Kraftfluss zunächst von der minder tragfähigen Anschlussseite abhängt. Ist die
Grenztragfähigkeit dieser Anschlussseite erreicht, bildet sich dort ein Fließgelenk und
darüber hinaus gehende Beanspruchungen können ausschließlich von der noch tragfä-
higen Anschlussseite aufgenommen werden. Dabei ist zu beachten, dass der Versatz
von der Systemlinie des Zugstabes bis zum Anschlussblech ebenfalls berücksichtigt
werden muss.

Bei Stabanschlüssen mit Biegebeanspruchung in der Ebene ergeben sich im Ans-


chlussbereich zwei unterschiedliche Kraftflüsse, die sich wie folgt unterscheiden:

• Bei dem ersten Kraftfluss wird das sich aus dem Moment ergebende vertikale
Kräftepaar des Stabes durch das Stegblech in ein horizontales umgewandelt.
Dieses wird an die beiden Anschlussseiten zu gleichen Teilen übertragen und
im Knotenblech wiederum in ein vertikales Kräftepaar transformiert.

• Der zweite Kraftfluss stellt sich derart ein, dass das vertikale Kräftepaar als
Schubkräfte an beide Anschlussseiten übertragen wird. Die Beanspruchungen
im Knotenblech ergeben sich somit aus einer exzentrisch angreifenden Zug-
bzw. Druckkraft.

Das Verhältnis zwischen beiden Kraftflüssen stellt sich in etwa im Verhältnis von der
Stegdicke zur Anschlussblechdicke ein.
10 Zusammenfassung und Ausblick 237

Für Druckstäbe mit ausgeschnittenen Anschlussblechen werden ebenfalls in


Kapitel 5 Eigenwertuntersuchungen durchgeführt. Es stellt sich dabei heraus, dass die
Eigenwerte der Druckstäbe in starkem Maße von der Anschlussgeometrie abhängen.
Die Betrachtung als beidseitig gelenkig gelagerter Druckstab (Eulerfall II) kann nicht
als Maßstab für die Stabilitätsgefahr herangezogen werden, da sie teilweise stark auf
der unsicheren Seite liegt. Auf Grundlage von Parameterstudien werden mehrere
Ersatzstabwerksmodellierungen zur Abschätzung der Verzweigungslast NKi des
Druckstabes untersucht. Die Abschätzung der Verzweigungslast kann für das
Nachweisverfahren mit Abminderungsfaktoren genutzt werden. Weitere Nachweis-
verfahren für eine sichere und wirtschaftliche Bemessung für Druckstäbe mit aus-ge-
schnittenen Anschlussblechen existieren bislang nicht. Dabei sind das Ersatzimper-
fektionsverfahren und die Berechnungen nach der Fließzonentheorie vorrangig zu
nennen, für die die destabilisierenden Einflüsse zu erfassen und daraus resultierend
Ersatzimperfektionen festzulegen sind. An dieser Stelle wird der ergänzende For-
schungsbedarf hervorgehoben, derartige Stäbe mit den aktuell gültigen Berechnungs-
methoden erfassen zu können.

In Kapitel 6 werden analog zu den Stabanschlüssen Fachwerkknoten untersucht.


Das Tragverhalten wird dabei mit Hilfe der Versagensmechanismen und den sich
einstellenden Kraftflüssen aufgezeigt. Im Vergleich zu den Stabanschlüssen in Kapi-
tel 5 ergeben sich deutlich mehr mögliche Versagenszustände, die die Anschluss-
tragfähigkeit charakterisieren und die beachtet werden müssen. Es zeigt sich, dass die
bereits gewonnenen Erkenntnisse zu dem Kraftfluss bei Stabanschlüssen hier
übernommen werden können.

Aus der Eigenwertanalyse eines ausgewählten Fachwerks ergeben sich Verzwei-


gungslasten, die wie bei den Druckstäben abhängig sind von der Ausbildung der
Knoten. Mit der anschließenden Parameterstudie wird aufgezeigt, dass die Dicken des
Stegblechs und des Knotenblechs sowie der vertikale Abstand vom Gurtstab bis zur
Diagonalen die wesentlichen Einflussparameter sind. Daraus lassen sich Grenz-
bedingungen erarbeiten, die bei der Konstruktion von Fachwerkknoten einzuhalten
sind, um eine lokale Stabilitätsgefahr des Anschlusses auszuschließen. Auch bei
diesen Untersuchungen wird deutlich, dass die vorhandenen Berechnungsverfahren
zur Stabilitätsuntersuchung anzupassen und zu erweitern sind.

Die Erkenntnisse aus den Kapiteln 5 und 6 fließen bei der Entwicklung der Bemes-
sungsverfahren ein, die in den Kapiteln 7 und 8 vorgestellt werden. Dabei können die
Tragfähigkeiten der einzelnen Versagenszustände berechnet werden. Die Bean-
spruchungen ergeben sich jeweils aus dem Kräftegleichgewicht und dem Kraftfluss
im Anschlussbereich. Darüber hinaus werden Konstruktionsempfehlungen sowie
Mindest- und Maximalabmessungen für baupraktische Anwendungen gegeben und
die Vorgehensweisen zur Ermittlung der Traglasten systematisch dargestellt.

Anhand von Berechnungsbeispielen werden in Kapitel 9 die Vorgehensweisen zur


Ermittlung der Traglasten verdeutlicht. Darüber hinaus werden die vorhandenen Mo-
delle und das hier vorgestellte Berechnungsverfahren mit den Ergebnissen der FEM
238 10 Zusammenfassung und Ausblick

verglichen. Als Ergebnis zeigt sich, dass die vorhandenen Modelle zu teilweise sehr
auf der sicheren Seite liegenden aber auch teilweise zu übergroßen, d.h. unsicheren,
Traglasten führen. Im Gegensatz dazu liefert das in dieser Arbeit entwickelte Be-
messungsverfahren zuverlässige Ergebnisse und kann außerdem bisher nicht erfasste
Versagensmechanismen berücksichtigen. Vergleiche und statistische Auswertungen
zu Versuchen und FEM-Berechnungen sichern das Verfahren zusätzlich ab.

Ein weiterer bedeutsamer Vorteil des in dieser Arbeit vorgestellten Verfahrens liegt
darin, dass aufgrund der detailliert dargelegten Erkenntnisse in den Kapiteln 5 und 6,
Übertragungen auf andere Problemstellungen unmittelbar möglich sind und das Ver-
fahren entsprechend erweitert bzw. angepasst werden kann.
Literatur

[1] Abel, T.: zum einfluss von Knotenblechanschlüssen auf das Tragverhalten von
druckbelasteten Fachwerkstäben, Tagungsband des 17. DASt-Kolloquium,
Weimar 2010
[2] Adam, V., Zhang, X.: Eine praktische Bemessungstheorie für ausgeschnittene
Knotenbleche zum Anschluß von I-Profilen, Stahlbau 63, Verlag Ernst &
Sohn, 1994
[3] Ahrens, C., Zwätz, R.: Schweißen im Stahlbau, Stahlbau Kalender 2004,
Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2004
[4] Ahrens, C., Zwätz, R.: Schweißen, Stahlbau Kalender 2008, Verlag Ernst &
Sohn, Berlin 2008
[5] Bathe, K.-J.: Finite-Elemente Methoden, Springer Verlag, Berlin 1990
[6] Beier-Tertel, J.: Geometrische Ersatzimperfektionen für
Tragfähigkeitsnachweise zum Biegedrillknicken von Trägern aus
Walzprofilen, Shaker Verlag, Aachen 2009
[7] Braes, D.: Numerische Mathematik für Ingenieure, Fakultät für Mathematik,
Ruhr Universität Bochum, Bochum 1995
[8] Büttner, O., Stenker, H.: Stahlhallen - Entwurf und Konstruktion, VEB Verlag
für Bauwesen, Berlin 1986
[9] DASt-Richtlinie 014 (01/81): Empfehlungen zum Vermeiden von
Terassenbrüchen in geschweißten Konstruktionen aus Baustahl
[10] DIN 18800 (11/90): Stahlbauten
Teil 1: Bemessung und Konstruktion
Teil 2: Stabilitätsfälle, Knicken von Stäben und Stabwerken
[11] DIN 18801 (09/83): Stahlhochbau - Bemessung, Konstruktion, Herstellung
[12] DIN EN 1990 (10/02): Eurocode: Grundlagen der Tragwerksplanung
[13] DIN EN 1993-1-1 (08/10): Eurocode 3: Bemessung und Konstruktion von
Stahlbauten – Allgemeine Bemessungsregeln und Regeln für den Hochbau
[14] DIN EN 1993-1-8 (07/05): Eurocode 3: Bemessung und Konstruktion von
Stahlbauten – Bemessung von Anschlüssen
[15] DIN ENV 1993-1-1 (04/93): Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten -
Teil 1-1: Allgemeine Bemessungsregeln, Bemessungsregeln für den Hochbau
[16] DIN Fachbericht 103 (03/09): Stahlbrücken
[17] DLUBAL RSTAB 6, Ing.-Software GmbH, 2008
[18] FEM Programmsystem ANSYS, Version 11.0, Inc. Canonsburg, USA
[19] Fleischhacker, W.: Verteilung der Anschlußkräfte an Knotenblechen in
Fachwerken, S. 25-28, Der Stahlbau, Verlag Ernst & Sohn, 1983
[20] Füg, D.: Stahltragwerke im Industriebau – Berechnung und Konstruktion,
Bauwesen Verlag, 1988
[21] Galoussis, X., Panagiotopoulos, T.: Über durch Imperfektionen verursachtes
Versagen von Fachwerkkonstruktionen - eine stochastische Näherung, S. 337-
377, Der Stahlbau, Verlag Ernst & Sohn, 1981
240 Literaturverzeichnis

[22] Gross, D., Hauger, W., Schnell, W.; Technische Mechanik 1, Statik, Springer
Verlag, 1998
[23] Gutermann, M., Meier, B., Melzer, V.: Experimentell gestützte Verstärkung
von Fachwerkknoten, Stahlbau 77, Verlag Ernst & Sohn, 2008
[24] Hartmann, F., Katz, C.: Statik mit finiten Elementen, Springer-Verlag, Berlin
Heidelberg 2002
[25] Hegger, J., Beutel, R., Hoffmann, S.: Statistische Auswertung von Versuchen,
Beton- und Spannbetonbau 94, Verlag Ernst & Sohn 1999
[26] Herion, S., Fleischer, O.: Bemessung und Nachweisführung von
Hohlprofilknoten nach DIN EN 1993-1-8, Stahlbau 79, Verlag Ernst & Sohn
2010
[27] Hertle, R.: Zur Bemessung von Knotenblechen in
Stahlfachwerkkonstruktionen, Stahlbau 73, Verlag Ernst & Sohn, 2004
[28] Hirschfeld, K.: Baustatik, Dritte Auflage / Erster und Zweiter Teil, 2.
berichtigter Nachdruck, Springer Verlag, Berlin Heidelberg 1984
[29] Holzer, S., Kranz, B., Nies, H., Röw, N., Scherer, F.: Bemessung von
Schweißanschlüssen nach DIN EN 1993-1-8, Stahlbau 79, Verlag Ernst &
Sohn 2010
[30] Karthage, K., Ruff, D., Ummenhofer, T.: Zugstäbe und ihre Anschlüsse,
Stahlbau Kalender 2005, Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2005
[31] Kessel, M.H.: Zur seitlichen Stabilisierung des unterspannten Trägers,
Bauingenieur 63, Springer Verlag, 1988
[32] Kindmann, R., Frickel, J.: Elastische und plastische Querschnittstragfähigkeit,
Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2002
[33] Kindmann, R., Frickel, J.: Grenztragfähigkeit von häufig verwendeten
Querschnitten für beliebige Schnittgrößen, Stahlbau 68, Verlag Ernst & Sohn,
1999
[34] Kindmann, R., Frickel, J.: Plastische Bemessung im Stahlbau, Prüfingenieur,
2003
[35] Kindmann, R., Krahwinkel, M.: Stahl- und Verbundkonstruktionen, Teubner
Verlag, Stuttgart 1999
[36] Kindmann, R., Kraus, M., Niebuhr, H. J.: Stahlbau Kompakt, Stahleisen
Verlag, Düsseldorf 2008
[37] Kindmann, R., Kraus, M., Vette, J., Ludwig, C., Josat, O., Krampen, J.,
Remde, C.:Bemessungshilfe für MSH-Profile nach Eurocode 3, Vallourec &
Mannesmann Tubes, Düsseldorf 2010
[38] Kindmann, R., Kraus, M.: Finite-Elemente-Methoden im Stahlbau, Verlag
Ernst & Sohn, Berlin 2007
[39] Kindmann, R., Laumann, J.:Ermittlung von Eigenwerten und Eigenformen für
Stäbe und Stabwerke, Stahlbau 73, Verlag Ernst & Sohn 2004
[40] Kindmann, R., Stracke M.: Verbindungen im Stahl- und Verbundbau, 2.
Auflage, Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2009
[41] Kindmann, R., Wolf, C.: Geometrische Ersatzimperfektionen für
Tragfähigkeitsnachweise zum Biegeknicken von Druckstäben, Stahlbau 78,
Verlag Ernst & Sohn 2009
Literaturverzeichnis 241

[42] Kindmann, R., Wolf, C.: Wirtschaftliche Bemessung von Druckstäben aus
gewalzten I-Profilen mit dem Kappa-Verfahren, Stahlbau 77, Verlag Ernst &
Sohn 2008
[43] Kindmann, R.: Stahlbau, Teil2: Stabilität und Theorie II. Ordnung, Verlag
Ernst & Sohn, Berlin 2008
[44] Klinkenberg, A., Peter, W., Saal, H.: Berechnungsmodelle für geschweißte
Anschlüsse in ausgeschnittenen Knotenblechen, Stahlbau 68, Verlag Ernst &
Sohn, 1999
[45] Kluge, W., Stiller, A.: Neubau einer Leichtathletik-Mehrzweckhalle im
Sportforum Chemnitz, Stahlbau 67, Verlag Ernst & Sohn, 1998
[46] Knothe, K., Wessels, H.: Finite Elemente, Eine Einführung für Ingenieure,
Springer Verlag, Berlin 1992
[47] Koschnik, F.: Geometrische Locking-Effekte bei Finiten Elementen und ein
allgemeines Konzept zu ihrer Vermeidung, Dissertation, Technische
Universität München, Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen,
2004
[48] Krahwinkel, M.: Zur Beanspruchung stabilisierender Konstruktionen im
Stahlbau, Fortschritt-Berichte VDI, Düsseldorf 2001
[49] Krampen, J.: Bemessung von Fachwerken aus Hohlprofilen (MSH) - leicht
gemacht, Stahlbau 70, Verlag Ernst & Sohn, 2001
[50] Krätzig,W. B., Basar, Y.: Tragwerke 3 - Theorie und Anwendung der Methode
der Finiten Elemente,Springer Verlag, Berlin 1997
[51] Kraus, M., Niebuhr, H. J.: Hangar für drei Großraumflugzeuge, Stahlbau 79,
Verlag Ernst & Sohn, 2010
[52] Kraus, M.: Computerorientierte Berechnungsmethoden für beliebige
Stabquerschnitte des Stahlbaus, Shaker Verlag, Aachen 2005
[53] Kreyszig, E.: Statistische Methoden und ihre Anwendung, 5. Auflage, Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979
[54] Kuhl, D., Meschke, G.: Finite Element Methoden I + II,
Vorlesungsmanuskripte, Lhrstuhl für Statik und Dynamik, Ruhr Universität
Bochum 2002
[55] Lange, J., Friemann, H., Suppes, A.: Tragverhalten und Optimierung von
ausgeschnittenen Knotenblechen, Stahlbau 69, Verlag Ernst & Sohn, 2000
[56] Lindner, J., Scheer, J., Schmidt, H.: Erläuterungen zur DIN 18800 Teil 1 bis
Teil 4. Beuth Kommentare, Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1998
[57] Lohse, G.: Knicken und Spannungsberechnung nach Theorie II. Ordnung,
Werner Verlag, Düsseldorf 1979
[58] Lohse, W.: Stahlbau 2, Teubner Verlag, 2005
[59] Lohse, W.; Stahlbau 1, Teubner Verlag, 2002
[60] Mangerig, I., Zapfe, C.: Stahlhallen, Stahlbaukalender 2003, Verlag Ernst &
Sohn, Berlin 2003
[61] Merziger, G., Wirth, T.: Repetitorium der höheren Mathematik, Feldmann
Verlag, Hannover 1991
[62] Meskouris, K.,Hake, E.: Statik der Stabtragwerke – Einführung in die
Tragwerkslehre, 2. Auflage, Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2009
242 Literaturverzeichnis

[63] Moschner, T.: FEM-Berechnungen an geschweißten und gegossenen


Knotenpunkten im Stahlbau, Stahlbau 73, Verlag Ernst & Sohn, 2004
[64] Papula, L.: Mathematik für Ingeniere und Naturwissenschaftler Band 2, 7.
Auflage, Vieweg-Verlag, Braunschweig 1994
[65] Papula, L.: Mathematik für Ingenieure Band 1, 6. Auflage, Vieweg-Verlag,
Braunschweig 1991
[66] Pasternak, H., Bachmann, V., Kubienic, G.: Leichte Fachwerkträger -
Fertigungstechnologie und Tragverhalten, Bauingenieur 85, Springer-Verlag,
2010
[67] Pasternak, H., Hoch, H.-U.: Stahltragwerke im Industriebau, Verlag Ernst &
Sohn, 2010
[68] Petersen, C.: Einige weitere Lösungen nichtkonservativer Knickprobleme, S.
198-203, Der Stahlbau, Verlag Ernst & Sohn, 1972
[69] Petersen, C.: Stahlbau, Vieweg Verlag, Wiesbaden 1993
[70] Petersen, C.: Statik und Stabilität der Baukonstruktionen, Vieweg Verlag,
Braunschweig 1982
[71] Ramm, W.: Beitrag zum Stabilitätsnachweis für gekreuzte Fachwerkstäbe für
Knicken rechtwinklig zur Fachwerkebene, S. 165-168, Der Stahlbau, Verlag
Ernst & Sohn, 1979
[72] Roik, K., Carl, J., Lindner, J.: Biegetorsionsprobleme gerader dünnwandiger
Stäbe, Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1972
[73] Roik, K.: Vorlesungen über Stahlbau, Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1983
[74] Rosman, R.: Stabilität eines Fachwerkkragbalkens mit seitlich festgehaltenen
Zuggurtknoten und mit steifem, am Auflager eingespanntem Druckgurt,
Stahlbau 74, Verlag Ernst & Sohn, 2005
[75] RUBSTAHL 2008, Lehrstuhl für Stahl-, Holz- und Leichtbau, Ruhr-
Universität Bochum, Bochum 2010
[76] Saal, H., Klinkenberg, A., Peter, A.: Berechnungsmodelle für geschweißte
Anschlüsse in ausgeschnittenen Knotenblechen, Stahlbau 68, Verlag Ernst &
Sohn 1999
[77] Schleicher, W.: Modellierung und Berechnung von Stahlbrücken. Verlag Ernst
& Sohn, Berlin 2003
[78] Schmidt, H., Fastabend, M., Swadlo, P.,Lommen, H.-G.: Ein ungewöhnliches
Stabilitätsproblem verursacht Schadensfall, Stahlbau 77, Verlag Ernst & Sohn,
2008
[79] Schneider, K. J.: Bautabellen für Ingenieure, 14. Auflage, Werner Verlag,
Düsseldorf 2001
[80] Schnell, W., Gross, D., Hauger, W.: Technische Mechanik 2, Elastostatik,
Springer Verlag, 1998
[81] Schweer, N.: Tragfähigkeit von Fachwerkknoten mit Knotenblechen,
Bachelorarbeit, Lehrstuhl für Stahl-, Holz- und Leichtbau, Ruhr-Universität
Bochum, Bochum 2010
[82] Steinke, P.: Finite-Elemte-Methode - Rechnergestützte Einführung, Springer
verlag, Berlin 2007
Literaturverzeichnis 243

[83] Suppes, A.: Tragverhalten und Optimierung von ausgeklinkten Knotenblechen


in Fachwerkbindern, Heft 58, Institut für Stahlbau und Werkstoffmechanik,
Technische Universität Darmstadt, 1998
[84] Unterweger, H., Ofner, R.: Traglast von Verbandsstäben aus Hohlprofilen mit
quasi-zentrischen Knotenblechanschluss, Stahlbau 78, Verlag Ernst & Sohn,
2009
[85] Vette, J.: Berechnung von MKi für biegebeanspruchte Traversen, Rubstahl-
Bericht, Lehrstuhl für Stahl- und Verbundbau, Ruhr Universität Bochum 2009
[86] Wagenknecht, G.: Stahlbau-Praxis – Band 1 – Verbindungen und
Konstruktionen, Bauwerk Verlag, 2005
[87] Wagenknecht, G.: Stahlbau-Praxis – Band 2 – Verbindungen und
Konstruktionen, Bauwerk Verlag, 2005
[88] Wehnert-Brigdar, A.: Zum Tragverhalten im Grundriss gekrümmter
Verbundträger, Shaker Verlag, Aachen 2009
[89] Wendehorst, O. W.:Bautechnische Zahlentafeln, 32. Auflage, Teubner Verlag,
Wiesbaden 2007
[90] Wlassow, W. S.: Dünnwandige elastische Stäbe - Band I und II, VEB Verlag
für Bauwesen, Berlin 1964
[91] Wolf, C.: Tragfähigkeit von Stäben aus Baustahl, Shaker Verlag, Aachen 2006
[92] Wolfram, S.: Mathematica, Addison Wesley Longman Verlag, Bonn 1997
[93] Wöllhardt, A.: Tragmodelle für offene und geschlossene Stahlprofile im
Einspannbereich von Stahlbetonkonstruktionen, Dissertation, Ruhr Universität
Bochum, Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, 2010
[94] Wunderlich, W., Kiener, G.: Statik der Stabtragwerke, Teubner Verlag,
Wiesbaden 2004
[95] Zienkiewicz, O.C.: The finit Element Method, McGraw-Hill Publishing
Company Limited, 3. Auflage, London 1977
[96] Zilch, K., Staller, M., Brandes, C.: Anwendung statistischer Verfahren für die
Auswertung von Versuchsdaten, Bauingenieur 74, Springer Verlag 1999