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ANTIKE POESIE

VON TORSTEN SCHWANKE

OVID ARS AMATORIA

Wer sich in unserm Volk nicht auskennt in der Liebe,


Der lese dies und werde weiser Meister.
Die Kunst beflügelte den Kiel mit Ruder, Segel,
Kunst lenkt das Roß, den Eros lenkt die Kunst.
Mit Zaum die Rosse lenkte einst Automedon,
So führte Tiphys auch der Argo Steuer,
So machte Aphrodite mich zu Eros’ Meister,
Des Eros Kapitän und Rosselenker!
Der junge Gott ist wild, er wird sich oft noch sträuben,
Doch lenksam ist er noch, ist noch ein Kind.
So Chiron lehrte einst Achill das Saitenspiel
Und kunstvoll zähmte er die wilde Seele.
Er, der die Feinde oft geschreckt und die Genossen,
War vor dem weisen Alten voller Ehrfurcht,
Bot ihm die Hände dar, die Hektor einst erwürgten,
Bot seine Hände des Erziehers Rute.
Erzieher Eros’ ich, wie Chiron für Achilles,
Zwei Göttin-Söhne, beide Knaben wild.
Doch auf dem Nacken eines Ochsen ruht der Pflug,
Das stolze Roß knirscht im Gebiß mit Zähnen,
So Eros auch ergibt sich mir, obwohl im Herzen
Sein Pfeil verwundet mich, er schwingt die Fackel.
Je härter Eros seine Wunden mir geschlagen,
So weiser bin ich, diesen Schmerz zu rächen.
Ich prahle nicht: Apollon gab mir meine Kunst!
Nicht Vögel sagten wahr mir in der Luft,
Nie sah ich Clio und die Schwestern Clios nie
Wie jener Hirte in dem Tale Askras.
Nein, die Erfahrung treibt mich an. Gehorcht dem Seher!
Ich sing die Wahrheit! Aphrodite, hilf!
Nicht trag ich um die Stirn die Binde reiner Keuschheit
Und auch der Mantel nicht verhüllt die Füße.
Genuss der Liebe sing ich und erlaubten Raub
Und nirgends lehrt mein Lied der Sünde Frevel.
Such, was du dir zur Liebeskunst erwählen willst,
Trittst du in Eros’ Heer als neuer Ritter.
Als zweites dann gewinne dir die Auserwählte,
Das dritte dann: Die Liebe daure lang!
Dies ist die Bahn, die da gesteckt dem Wagen ist,
Dies ist das Ziel, das rührt mein schnelles Rad.
Noch ist es Zeit, du schweifst mit locker leichtem Zügel,
Wähl jene, die alleine dir gefällt!
Sie fällt dir nicht herab vom heiter blauen Himmel,
Dein Auge suche selbst das beste Mädchen.
Der Jäger weiß, wo man dem Reh die Netze spannt,
Der Jäger weiß, wo sich verbirgt die Wildsau.
Der Vogelfänger weiß vom Busch, der Angler weiß,
In welcher Flut die meisten Fische wimmeln.
Wenn du ein Mädchen dir zur langen Liebe suchst,
Schau, wo du Mädchen triffst in großer Zahl.
Du brauchst die Segel nicht zu hissen in dem Wind,
Nicht weite Wege gehn, bis du sie triffst.
Andromeda besorgte Perseus sich aus Indien,
Die grajische Genossin raubt der Phryger.
Doch Roma bietet dir so viele schöne Mädchen,
Was je die Welt bestaunte, das ist hier.
So viele Ähren wachsen und so viele Trauben,
So viele Fische und so viele Vögel,
So viele Sterne, soviel Mädchen sind in Roma.
Äneas’ Stadt bleibt Aphrodite treu!
Lockt dich ein junges Mädchen, noch nicht ausgereift?
Wie viele Mädchen bieten sich den Augen!
Suchst du ein junges Weib? Schau, tausend junge Weiber,
Daß du vergisst, wen du dir auserwählt.
Gefällt dir mehr die reife, kluge Frau? Wohlan,
Da ist ein großer Kreis von reifen Frauen!
Geh nur gelassen durch Pompejus’ kühle Halle,
Sobald der Löwe in die Sonne tritt,
Geh, wo des Sohnes Gabe und der Mutter Gabe
Den Bau vollendet mit den fremden Steinen,
Den Porticus vermeide nicht und seine Bilder,
Die man die Halle nennt der Livia,
Noch den Palast, wo die Beliden drohn mit Tod
Den Vettern, wo das Schwert zieht Danaos.
Vermeide nicht den Kult, wenn Aphrodite weint
Um den Geliebten, meide nicht den Sabbath,
Geh in den Tempel auch der Kuh in Leinenkleidern,
Wo manche wird, was diese Kuh dem Zeus war.
Der Markt ist auch geeignet, glaube mir, dem Eros
Und auf dem Forum auch entflammt die Liebe.
Der Nymphenquell bei Aphrodites Marmortempel
Sprüht in die Luft die Flut mit gutem Druck,
Dort fängt sich Eros manchen armen Advokaten,
Der andern viel, sich selbst weiß nicht zu raten.
Die Gabe der Beredsamkeit verlässt den Redner,
Nun steht der Anwalt selber vor Gericht.
Und Aphrodite lacht ihn aus in ihrem Hause,
Er, eben Anwalt noch, jetzt selbst Klient.
Geh aber auf die Jagd vor allem im Theater,
Der Ort ist reich an Beute, kaum zu glauben.
Du findest eine Liebe für das Liebesspiel,
Gut für den Augenblick und gut für immer.
Ameisen wimmeln also irre hin und her,
Die Körner in dem Mund zum Mahle tragend,
Und Bienen schwärmen so im Wald und auf den Wiesen
Um Blumen und um süßen Thymian,
So strömen ins Theater oft die schmucken Frauen,
Mein Urteil ist verwirrt oft durch die Menge.
Zum Sehen kommen Frauen, um gesehn zu werden,
Verderblich ist der Ort für Zucht und Scham.
O Romulus, du brachtest Aufruhr ins Theater,
Als man geraubt Sabinerinnen sah.
Da schirmten Sonnenschirme nicht Theaterbauten,
Mit Safran war die Bühne nicht gerötet,
Da schlicht war nur Gesträuch vom Wald Palatiums
Und kunstlos fertig die Theaterszene.
Das Volk bereitete aus Rasen sich die Stufen,
Vom Busch ein Kranz bedeckte wilde Locken.
Ein jeder sucht die ihm gemäße Frau des Herzens,
Die das Gefühl erregt in seiner Brust.
Roh die Musik, die Flötenbläser der Etrusker,
Im Takte stampfen Füße auf dem Boden.
Im Beifallssturm (auch der Applaus war noch sehr kunstlos)
Der König raubte die Sabinerinnen.
Sie sprangen auf und ihr Geschrei sagt, was sie fühlten,
Begierig griffen Hände nach den Jungfraun.
Wie Tauben schüchtern schwärmend fliehen vor dem Adler
Und wie das junge Lamm vorm Wolfe flüchtet,
So zitterten Sabinerinnen vor den Männern
Und jedes Angesicht errötete.
Gleich ist die Angst, verschieden doch des Bangens Zeichen,
Die rauft ihr Haar und die verstummt vor Schreck
Und die sitzt still und traurig, ruft umsonst die Mama,
Die ist entsetzt, die klagt, die steht, die flieht.
Die Mädchen führt man fort als einen Beuteschatz,
Die Angst verschönert manches Angesicht.
Doch sträubte eine sich zu sehr und wehrte sich,
So trug der Mann sie selbst mit seinen Armen
Und sprach: Verdirb durch Tränen nicht die schönen Augen,
Ich will dir sein, wie Papa war der Mama.
O Romulus, so gut belohnst du die Soldaten,
Bei solchem Lohn ich werde heut Soldat!
Seit jenem Spiel ist doch das römische Theater
Ein Ort, gefährlich für die schönen Mädchen.
Schau dir auch an das Schauspiel gutgebauter Rosse,
Gut ist es, füllt der Zirkus sich mit Menschen.
Nicht mit den Fingern heimlich Zeichen gibst du hier,
Musst nicht geheimnisvolle Winke deuten.
Nein, setz dich, keiner hindert sich, setz dich zur Herrin
So dicht an dicht und rück ihr ruhig nah.
Und wolltest du auch nicht, doch stehn die Sessel dicht,
Der Ort schon zwingt dich, dass du sie berührst.
Beginne ein Gespräch nun voll Vertraun mit ihr,
Sprich du mit ihr von öffentlichen Themen.
Dann frage du sie nach den Rossen, die da kommen.
Wenn sie ein Ross beklatscht, dann klatsch auch du.
Wenn nun die Knaben kommen voller Fröhlichkeit,
So preise du vor allem Aphrodite!
Wenn auf den Busen deines Mädchens Staub gefallen,
Dann schüttle ab den Staub mit deiner Hand.
Ist auch kein Staub gefallen, schüttle dennoch ab.
Nimm jeden Vorwand, zeige dich als Diener.
Sitzt ihr das Kleid zu tief und sinkt es auf den Boden,
So hebe aus dem Staube auf das Kleid.
Für diesen Dienst (das Mädchen wird es nicht verwehren)
Darfst du die Schenkel ihrer Beine sehn!
Gib acht, dass nicht ein andrer, sitzend hinter ihr,
Mit spitzem Knie ihr in den Rücken sticht!
Ein heiteres Gemüt gewinnt! Es nützt schon oft,
Reichst du voll Freundlichkeit ein Kissen ihr.
Und mit dem Fächer fächle Kühlung zu dem Mädchen
Und schieb den Schemel unter ihren Fuß.
Dies sind Gelegenheiten, die der Zirkus bietet
Dem Liebesanfang, oder auch der Marktplatz.
Oft in dem Sande kämpfte Aphrodites Knabe!
Ich sah die Wunden, fühlte selbst die Wunden!
Der spricht und rührt des Mädchens Hand und bittet sie
Um ihre Wette, wer im Kampfe siegt,
Da seufzt er schon verwundet, fühlt den Pfeil im Herzen,
Im Schauspiel wird er selbst nun zum Akteur.
Der Kaiser zeigte uns das Spiel jüngst von der Seeschlacht,
Aus Persien auch nahmen Schiffe teil,
Und Knaben kamen und es kamen schöne Mädchen,
Der Weltkreis damals war vereint in Rom.
Wer in dem Schwarm fand nicht ein Wesen für die Liebe?
Wie manchen quälte Liebe aus dem Ausland.
Jetzt rüstet sich der Kaiser, um den ganzen Erdkreis
Sich zu gewinnen, auch den Strand im Osten.
Der Perser büßt den Tod des Sohnes und des Vaters,
Der Adler freut sich, den geraubt Barbaren.
Der Rächer kommt! Er ritt als Feldherr in dem Heer,
Ein Knabe, führt er Krieg, kein Knabenspiel.
Zählt mir den Götteradler nicht nach dem Geburtstag,
Der Kaiser ist erwachsen vor der Zeit,
Die Jahre überfliegt der rasche Geist des Mannes
Und duldet nicht Verzögerungen träge.
Hat Herkules zwei Schlangen doch als Kind erdrosselt,
Schon in der Wiege war er Gottes würdig!
Noch jetzt ein Knabe, o Dionysos, wie groß
Zeigt sich dein Pinienstab in Hindostan!
O Knabe, ziehe in den Kampf mit Vatersegen,
Mit Vaters Macht und Stärke wirst du siegen!
Ein Erstlingswerk verlangt der stolze Kaisername:
Jetzt Herr der Knaben, einst der Herr der Greise!
Die Brüder sind bei dir! Die Schmach der Brüder räche!
Dein Vater lebt! Beschütz das Reich des Vaters!
Des Volkes Vater hat, dein Vater, Waffen dir geschenkt,
Er zürnt, wenn Feinde ihm sein Reich verkleinern.
Dein Schwert ist heilig! Doch des Feindes Pfeil ist Frevel!
Die Frömmigkeit zieht deinem Heer voran!
Der Perser ist besiegt durchs Recht und durch das Schwert,
Mein Kaiser schenke Roma auch den Osten!
O Vater Ares! Vater Kaiser! Gebt den Segen!
Gott ist ein Gott! Du künftig wirst ein Gottmensch!
Ich prophezeie deinen Sieg! Ich sing ein Lied,
Gewaltig will den Sieger ich besingen.
Mit meinem Lied wirst du des Kaisers Heer begeistern,
Unwürdig soll mein Lied nicht sein vor dir.
Roms Krieger zeigt die Brust, der Perser zeigt den Rücken,
Ich singe, wie der Pfeil fliegt von dem Ross.
Der kam zu siegen, flieht! Was bleibt, wenn er besiegt ist?
O Perser, jetzt schon droht dir Ares’ Macht!
Der Tag wird kommen, Schönster aller Menschensöhne,
Wo du auf weißem Pferd kommst im Triumph!
Der Feinde Fürsten tragen schwere Ketten dann,
Sie suchen nicht ihr Heil wie sonst im Fliehen.
Dann lustig schaun die Knaben, freundlich schaun die Mädchen,
Und heiter wird die Feier sein des Tages.
Fragt dich dann eine Frau nach jener Fürsten Namen
Und nach dem Ort, Gebirge oder Strom,
Gib Antwort ihr auf alles, was sie wissen will!
Und weißt du’s nicht, so sprich als ob du’s wüsstest:
Der Euphrat dies, sein Haupt bekränzt mit gelbem Schilf,
Der Tigris dies, sein Lockenhaar ist blau,
Dies ist der Retter Perseus, Sohn der Danae,
Dies dieser Fürst und dieses jener Fürst.
Die Namen nenne alle, wenn sie dir bekannt sind.
Bist du nicht klug, so tu als wärst du klug.
Auch manches Gastmahl ladet dich an seinen Tisch,
Beim Wein ist auch noch andres Schönes da.
Der rote Eros hat schon oft die Kraft besiegt
Dionysos’, den man soeben auftrug.
Vom roten Wein bespritzt die Flügel Eros’ triefen,
So bleibt er sitzen, wo er Platz genommen.
Der Gott, er schüttelt ab die purpurroten Flügel,
Doch weh dir, spritzt dich erst die Liebe an!
Wein gibt dem Geiste Flügel und entflammt den Geist,
Beim vollen Becher schwindet aller Kummer!
Dann lacht man und den Armen wächst die Lebenskraft
Und Schmerz und Sorge fliehn und trüber Jammer!
Das Herz erschließt sich (das ist heute wirklich selten),
Die Wahrheit spricht, die List vertreibt der Gott.
Hier fangen Mädchen oft sich eines Jünglings Herz,
Sind Wein und Aphrodite Glut in Glut!
Verlass dich nicht zu sehr auf den Betrug der Lampe,
Die Schönheit prüfe nicht zur Nacht beim Wein.
Denn Paris sah die Göttinnen am lichten Tag,
Als Aphrodite er den Apfel gab.
Zur Nacht verzeiht man jeden Fleck und jeden Makel,
Nachts hält beim Wein man jede Frau für schön.
Fragst du nach goldnem Schmuck, fragst du nach Muschelseide,
Gestalt und Antlitz? Schau die Frau am Tag!
Soll ich dir Orte nennen, wo sich Frauen sammeln?
Mehr sind es als Sandkörner an dem Strand.
So nenn ich Bajä dir, den Meeresstrand bei Bajä,
Und Schwefelquellen mit dem heißen Dampf.
Schon mancher kam zurück mit tief verletztem Herzen
Und sprach: Gesund sind diese Quellen nicht.
Dort ist der Tempel und der Hain Dianas auch,
Verbrecher dort erkämpfen sich ein Reich.
Ist sie auch Jungfrau, ist verhasst ihr Eros’ Pfeil,
Genug der Wunden gab sie doch den Menschen!
Thalia lehrt, auf dem Theaterwagen fahrend
Und Netze flickend, wo man Frauen sucht.
Jetzt sag ich dir, durch welche Kunst du die Erwählte
Dir einfängst. Das ist doch das Wichtigste.
Wer ihr auch seid und wo ihr seid, ihr Männer, hört
Und neiget eure Ohren meiner Weisheit!
Vertraue nur im Geist, du kannst sie alle haben,
Du fängst sie, wenn du deine Falle stellst.
Es schweigen eher Turteltauben in dem Frühling,
Der Hund des Menelas flieht vorm Kaninchen
Noch eher, als dass sich die schönen Frauen sträuben.
Du denkst, sie will nicht? Aber doch, sie will!
Dem Mann gefällt der heimliche Genuß der Lust,
So auch dem Weib, doch sie verbirgt den Wunsch.
Ihr Männer, bittet niemals nur zuerst die Frauen,
Es bittet euch das Weib zuerst, ihr siegt!
So brüllt die Kuh doch auf der Wiese nach dem Stier,
Die Stute wiehert nach dem starken Hengst.
Bei Männern ist Begierde ruhig, nicht so hitzig,
Gemessne Ziele haben Mannesgluten.
Soll ich erzählen, wie sich Byblis frevelnd selbst ermordet,
Von Wollust aufgepeitscht nach ihrem Bruder?
Wie Myrrha ihren Vater liebte nicht als Tochter,
Wie sie im Baum jetzt eingeschlossen wohnt?
Mit ihren Tränen, die sie weint, wir salben uns
Und Myrrhetropfen tragen ihren Namen.
In Tales Schatten an des Ida Waldeshang,
Da grast der Rinder Kranz, ein stolzer Stier.
Mit Schwarz gezeichnet etwas zwischen seinen Hörnern,
Kein Fleck sonst, sondern milchweiß er wie Schnee.
Ach alle Kühe auf den grünen Auen Knossos’,
Wie gern sie ihm geliehn den Rücken hätten!
Pasiphae erfasste Wollust nach dem Stiere,
Mit Neid verfolgt sie jede andre Kuh.
Was ich euch singe, ist bekannt. Verlognes Kreta,
Selbst du, du leugnest die Geschichte nicht.
Sie mähte frisches Gras und duftend zarte Kräuter
Für ihren Stier mit ihrer rechten Hand,
Zog mit den Herden auf die Weide, dachte nicht
Mehr an den Ehemann, verdrängt war Minos.
Wem schmückst du dich mit hübschem Kleid, Pasiphae?
Nichts sieht ja der gehörnte Ehemann!
Was soll der Spiegel, willst du nur mit Herden weiden?
O Törin, was frisierst du dir die Haare?
Dem Spiegel traue nur, er sagt: Du bist kein Rindvieh!
Wie gerne willst du selber Hörner tragen?
Ist Minos dein Gemahl, dann such nicht andern Buhlen!
Willst du den Ehegatten aber täuschen,
Nimm einen Mann dir zum Geliebten, nicht den Stier,
Nimm dir den Hausgalan zum Ehebruch!
Doch aus dem ehelichen Haus flieht sie in Wälder
Wie die Bacchantin aufgepeitscht vom Gott!
Wie oft sagt sie mit neiderfülltem Blick den Kühen:
Warum gefallt ihr meinem Vielgeliebten?
Du Kuh, wie hüpfst du durch die aufgeschossnen Kräuter,
Denkst du, o Närrin, Hüpfen steht dir gut?
Sie sprachs und nahm die Kuh von ihrer Herde fort
Und gab dem Landmann sie fürs schwere Joch.
Die andere Rivalin opfert am Altare
Pasiphae, hält in der Hand ihr Herz.
Rivalinnen, die Götter zu versöhnen, opfernd
Ruft sie: Nun geht, gefallt doch dem Geliebten!
Jetzt will sie Io sein und jetzt Europa sein,
Kuh Io war, Europa ritt dnn Stier.
Der Herde Führer, da die Holzkuh ihn getäuscht,
Er schwängert sie. Der Sohn verrät den Zeuger.
Hätt einst die Kreterin Thyestes Lust verschmäht
(Doch welches Weib liebt Einen nur allein?)
So hätte Phöbus nicht gewendet seinen Wagen
Und wär am Morgen wieder umgekehrt.
Des Nisus Tochter riss dem Zeuger aus die Haare,
Als Feind verfolgt er jeden Vogel nun.
Zum Untier Skylla wurde durch den Trank der Circe,
Nun zwischen ihren Schenkeln bellen Hunde.
Zwar Agamemnon floh vor Ares und Poseidon,
Doch schließlich ward er Opfer seiner Frau.
Und muss nicht weinen über Ephyres Zerstörung
Die Mutter, die die eignen Kinder würgte?
Auch Phönix weinte heiß mit blindem Angesicht
Und Hippolyt zerrissen seine Rosse.
All dieses ist veranlasst durch der Weiber Wollust,
An Hitze glichen ihnen nie die Männer.
Drum zweifle nie, du kannst dir alle Weiber nehmen,
Aus großer Zahl schlägt es kaum eine ab.
Ob Nein sie sagen oder Ja, das Flehen freut sie,
Und täuschst du dich, ein Korb ist ungefährlich,
Jedoch du täuschst dich nicht. Genuß ist stets erfreulich,
Ein fremder Mann reizt mehr doch als der eigne.
Auf fremden Feldern ist mehr Fruchtbarkeit der Saat,
Des Nachbarn Kuh trägt voller doch ihr Euter!
Doch sorge, dass die Magd des Mädchens, das du willst,
Dir auch vertraut. Sie ebnet dir den Weg.
Die Magd erwähle, die der Frau am nächsten steht,
Die um den Scherz weiß und auch weiß zu schweigen.
Besteche mit Versprechen sie, mit Flehn und Bitten,
Dir wird dein Wunsch, wenn nur die Magd es will.
Sie achtet auf die Zeit (so tun ja auch die Ärzte)
Wo sich die Herrin leicht der Lust ergibt.
Denn leicht ergibt die Liebste sich in Fröhlichkeit,
Wenn ihre Stimmung ist wie Frühlingsgrün.
Es öffnet sich das Herz, wenn unbedrückt vom Kummer,
Dann schmeichelt ihr sich Aphrodite ein.
Als Troja Trauer trug, da kämpfte es mit Waffen,
Im Jubel ließ es ein das Ross, die Ritter.
Dem Liebsten nahe, fühlt sie sich gekränkt von einer
Rivalin, räche die Gekränkte dann.
Wenn morgens dann die Magd der Frau die Haare kämmt,
Sie leihe Segel dann dem Ruderer
Und seufze vor sich hin und murmle leise so:
Frau, du vergiltst ihm Gleiches nie mit Gleichem!
Dann spricht die Magd von dir, lobt dich in höchsten Tönen
Und sagt, dass du vor Liebe dich verzehrst!
Dann eile, eh sich Wind und Segel wieder legen,
Wie Eis zerschmilzt der Zorn der Vielgeliebten!
Sollst du dich selbst vergreifen an der Dienerin?
Da scheint mir die Gefahr doch groß zu sein.
Nach dem Genuss der Liebeslust wird manche eifrig,
Doch manche träg. Die hilft dir, jene nicht.
Der Vorteil ist sehr zweifelhaft bei diesem Wagnis,
Mein Rat ist also: Unterlass es lieber.
Ich führ nicht in den Abgrund, nicht auf steile Gipfel,
Kein Mann soll stürzen, der sich mir vertraut.
Wenn dir das Weib jedoch, das Briefe euch vermittelt,
Gefällt und nicht nur wegen ihrer Hilfe,
Versichre dich zuerst der Liebe deiner Herrin,
Dann nimm die Magd! Nimm nie zuerst die Magd!
Gibst du noch acht auf Weisheit – schärfe dies dir ein,
Wenn nicht mein Wort wird in den Wind gesprochen:
Fang nicht an mit der Zofe oder nimm sie ganz!
Nimmt sie erst teil am Scherz, dient sie dir treu.
Halt fest den Fisch, wenn er schon an der Angel hängt,
Gib ihr den Rest – und steh nur auf als Sieger!
Sie wird dich nie verraten, was du auch verbrichst,
Was ihre Herrin tut, das sagt sie dir.
Doch schweige von der Magd! Dann wird der Herrin Magd
Spionin für dich sein bei deiner Liebsten...

EPIKUR
ODER
DIE HÖCHSTE LUST

Bei mir hier fühle du dich gut:


Die LUST ist hier das Höchste Gut!

Der Garten reizt den Hunger nicht,


Er stillt ihn! Hier ist kein Verzicht.

Wer um das Morgen trägt nicht Sorgen,


Geht mutig, freudig in das Morgen.

Beneide nicht! Die Gütigkeit


Verdient ja keinen bösen Neid.
Der Böse kehrt ins Nichts zurück,
Je mehr er sich ergötzt am Glück.

Vier Medizinen nimm zur Hand:


Die Gottheit schreckt nicht den Verstand;
Leg ab die Bangnis vor dem Tod;
Das Gute Antwort gibt der Not;
Und sei bereit an allen Tagen,
Das Übel sollst du leicht ertragen.

Den guten Menschen sollst du lieben


Und niemals seinen Geist betrüben,
Leb immer unter seinen Augen
Und müh dich, seinem Geist zu taugen.
In allem irdischen Geschehen
Tu so, als würde er dich sehen.

Bei der Begierde frage dich:


Was folgt daraus denn einst für mich?
Was, wenn Begierde sich und Willen
Und Wünschen einmal gar erfüllen?
Und was, wenn die Begierde nicht
Erfüllt wird? Also denke schlicht.

Such morgen besser noch zu leben


Als heut. Du sollst dein Bestes geben.

Ob uns die andern loben werden?


Entscheiden sollen das auf Erden
Die lieben andern Leute selber.
Du aber werd vor Neid nicht gelber,
Wenn man dich nicht lobt oder weil
Man andre lobt. Du such dein Heil!

Der Weisheit-Liebe-Schönheit Dreiheit,


Die suche nur, dann kommt die Freiheit.

Die schlechte Angewohnheit wollen


Und alle unsre Laster sollen
Wie alte Feinde wir verjagen,
Die plagen uns seit vielen Tagen.
Die eigene Natur nicht quäle,
Berede leise deine Seele,
Berede leise die Begierde,
Begierde still mit Zierrats Zierde,
Sofern sie dir nicht schaden kann,
Die schädliche lehnt ab der Mann.

Mit Weisen sprich von hohen Sachen,


Zu gleicher Zeit du sollst auch lachen,
In Ordnung halte deine Wohnung.
Verhalte dich mit milder Schonung
Und nütze deine Fähigkeiten,
Verkünde in der Welten Weiten
Mit Lachen und mit frommer Leisheit
Die Einsicht, die geschenkt Frau Weisheit.

Ein Staat in Aufruhr ist nicht glücklich,


Unglücklich wird auch augenblicklich
Die Wohnung, wo in Zwistigkeit
Hausmann und Hausfrau sind im Streit,
Unglücklich ist auch stets die Seele
Und immer selbst das Herz sich quäle
Und immer jene Seele leidet,
Die in sich mit sich selbst sich streitet.
Den Streit entferne aus der Brust,
Sonst findest nie du süße Lust.

Schön ist es, Gutes zu bekommen,


Doch Gutes tun ist einem Frommen
Noch schöner, solche Herrlichkeit
Und Lust bereitet Dankbarkeit.

Du kannst leben nicht in Lust


Ohne Weisheit in der Brust,
Ohne Wissen in dem Schädel,
Sei besonnen, sittsam, edel.
Edel aber und besonnen
Und gesittet in den Wonnen
Und vernünftig in der Brust
Bist du nur, genießt du Lust.

Keiner schaut das Schlechte an,


Wählt es dann als schlechter Mann.
Nein, geködert wird der Schlechte,
Schlechtes er als Gut sich dächte.
Wem das Schlechte gut gefallen,
Wird in großes Übel fallen.

Was sie selbst sich vorgenommen,


Das tun selbst nicht die Unfrommen.
Eine Scheinlust lockt die Toren
Und so an den Trug verloren,
Schwach gefesselt von Genuss,
Von dem flüchtigen Erguss
Eitler Scheinlust Toren lenzen,
Sehen nicht die Konsequenzen.
Kleine eitle Lustempfindung
Ohne jede Überwindung,
Ob man auch verzichten könnte,
Ohne dass man sich verbrennte,
Schaden bringen sie im Lande
Und die öffentliche Schande,
Und weil sie sich nicht gedulden,
Bringen sie sich in Verschulden
Und erlangen Spott der Dichter
Und die Strafe strenger Richter.
Doch die Weisen, die die Lust
Mit der Weisheit in der Brust
Nach der Weisen Art genießen,
Keine Schmerzen draus ersprießen,
Die Besonnenheit bewahren
Und sich hüten vor Gefahren,
Nicht der Lust zum Opfer fallen,
Lassen sich die Lust gefallen
Schöner als Poeten dichten,
Weil sie auf die Lust verzichten!

Seelen haben Lust und Schmerzen,


Fühlen Schmerz und Lust im Herzen,
Weil sie Schmerz und Lust am Leibe
Fühlen gleich dem feinen Weibe.
Lust macht fröhlich eine Seele,
Schmerz die Seele aber quäle.
Doch der Ursprung, liebes Weib,
Liegt begründet in dem Leib,
Wirkt auch auf den Leib zurück,
Seelenqual und Seelenglück.
Aber Wonnen oder Schmerzen
Größer sind im Seelenherzen
Als sie jemals sind im Leib,
Glaub mir das, du liebes Weib.
Denn im Leibe spürt man nur
Gegenwärtige Natur,
In der Seele aber auch
Des Vergangnen Schattenhauch
Und der Zukunft Hauch und Schatten.
Lehren doch der Weisheit Gatten,
Daß der Körper Schmerz empfindet,
Doch wer Seelenschmerzen findet,
Leidet mehr als der am Leib,
Glaub mir das, du liebes Weib.
Wenn die Seele nämlich denkt,
Über ihr das Unheil hängt,
Daß die Schmerzen ewig seien,
Welcher Gott kann sie befreien?

Weder Unmaß roten Weines


Und das Weib, und sei’s ein feines,
Sei sie reizend oder keusch,
Und auch nicht Genuss von Fleisch,
Sie erwecken nicht die Lust,
Sondern Weisheit in der Brust,
Die Vernunft, die die Erscheinung
Recht beurteilt, leere Meinung
Abweist und besonnen wählt
Und den Schritt gemessen zählt.
Ursprung allerhöchster Lust
Die Vernunft ist in der Brust,
Die Vernunft als Allgesetz,
Nicht Gelehrter Wortgeschwätz,
Die Vernunft in ewger Jugend
Ist die Mutter jeder Tugend.
Denn Vernunft lehrt diese Kunst:
Ist nicht Lust und ist nicht Brunst
Ohne die Gerechtigkeit,
Edle Selbstbesonnenheit.
Doch das Leben in der Tugend
Ist in Alter oder Jugend
Ganz unmöglich ohne Lust,
Ohne Freude in der Brust.

Wer lebt in holder Freundlichkeit,


Wohlwollen findet er bereit
Und wird im Leben Liebe finden,
So lebt er ruhig, ohne Sünden.
Und so kann seine Seele ruhn
Und Falsches braucht er nicht zu tun.

Die Freundschaft tanzt in dieser Welt,


Den Freund mit ihren Händen hält,
Die Freundschaft fordert auf den Weisen,
Die Göttin Freundschaft hoch zu preisen!

Der immer an sich selber denkt


Und niemals seinem Nächsten schenkt,
Ein wahrer Freund kann der nicht sein.
Wer nur an andre denkt allein
Und dient, was immer jene treiben,
Wird Freund dir nicht auf Dauer bleiben.

Beim Essen so wie auch beim Trinken,


Ja bei des roten Weines Blinken,
Schau du, mit wem du isst und trinkst
Und wem du mit dem Becher winkst.
Denn ohne Freundschaft gleicht das Leben
Mit allem Fleisch und Blut der Reben
Der Fütterung von wilden Wölfen.
Laß dir von Göttin Freundschaft helfen!

Du lebe still und tief verborgen,


Gott gibt dir Hoffnung für das Morgen!

Zieh du dich in dich selbst zurück


Und finde in dir selbst das Glück,
Bist du gezwungen, nicht allein,
Vielmehr bei dummem Volk zu sein.

In deinem Leben tu du nichts,


Was scheut die Helligkeit des Lichts,
Was scheut der weisen Männer Tadel,
So lebst du würdig deinem Adel.

Doch wenn du etwas heimlich tust


Und nicht mehr in der Seele ruhst
Und lebst im Innern voller Sorgen,
Die Untat bleibe nicht verborgen,
So wirst du stets voll Unruh bleiben
Und stets der Stachel wird dich treiben,
Daß man die Untat wird entdecken,
Was würde dich zutiefst erschrecken.

Natur lehrt, was uns das Geschick


Zuteilt an Unglück oder Glück,
Für unbedeutend dies zu halten.
So lehren es die weisen Alten,
Daß stets der Glückliche betrachte,
Was Unglück sei, das Glück nicht achte,
Daß der Unglückliche bedenke,
Was immer auch das Glück ihm schenke,
Sei flüchtig und vergänglich, eitel.
Ruht Weisheit dir auf deinem Scheitel,
Verschwende, Weiser, nicht den Blick
Und schau nicht nach dem eitlen Glück.
Was immer dir das Schicksal schenkt,
Frau Weisheit nur den Weisen lenkt.

Frau Weisheit ist uns Führerin,


Denn sie besitzt den wahren Sinn
Und trägt die Kunst in ihrer Brust
Und kennt den Weg zur wahren Lust,
Frau Weisheit nur vertreibt die Trauer,
Frau Weisheit schenkt dir Lust auf Dauer!

Denk an den Tod, den Flug zu Sternen,


Klug ist es, von dem Tod zu lernen,
Willst du es lernen, fromm zu sterben,
So wirst du wahre Weisheit erben.
O Freundschaft! In der Todesstunde
Bekenne ich mit meinem Munde:
Groß sind die Schmerzen meines Leibes,
Doch denke ich des schönsten Weibes,
Der Göttin Freundschaft, voller Schaudern,
Wie schön wärs doch, mit dir zu plaudern!

Durch die Natur des Menschen bist


Du sterblich zwar, o Mensch, doch ist
Durch die Vernunft und Weisheit dir
Gegeben Leben für und für,
Du schaust, was war und ist und sein wird,
Ein Leben Gottes, welches dein wird!

Der Mensch, damit er nicht verschlimmert,


Der gute Mensch, der Edle kümmert
Um Freundschaft sich in stiller Leisheit
Und um die makellose Weisheit.
Die Freundschaft steht vielleicht ihm näher,
Die wahre Weisheit steht doch höher.

Bei aller Arbeit kommt Profit,


Nachdem man schwer sich abgemüht.
Allein der Weisheitssucher findet
Schon, wenn die Weisheit er ergründet,
Gewinn in allem seinem Mühen,
In seinem für-die-Weisheit-Glühen.
Genuss ist nicht die Folge nur
Der Einsicht in die Gottnatur,
Erkenntnis und Genuss, sie kommen
Im gleichen Augenblick den Frommen!

Ich sage dir: Frau Weisheit liebe,


Ergründe du in Weisheitsliebe
Das Allgeheimnis der Natur,
Den Elementen auf der Spur.
Im Kloster der Chloride du
Alleine findest Seelenruh.

Ich möchte lieber offen schreiben


Und immer bei der Wahrheit bleiben,
Ob auch die Welt nicht applaudiert,
Als wie ein Affe ganz vertiert
Zu feiern nichts als die Erscheinung
Und Oberflächlichkeit der Meinung
Und mitzutanzen in dem Trubel,
Beklatscht von hohler Narren Jubel.

Die Menge hab ich nie begehrt,


Die Pöbelmenschen ungelehrt,
Denn was dem dummen Volk gefällt
Und wozu applaudiert die Welt,
Das habe ich nie gut geheißen.
Die Einsicht eines frommen Weisen
Ward von den Narren nie begriffen,
Die lieber sich den Dummkopf griffen.

Zuschauen mag ich im Theater


Der Welt und preisen auch den Vater
Für das Mysterium des Weines
Und für die Kunst des schönen Scheines.
Doch Dichterkriegen und Kritik
Von Kritikastern weist zurück
Mein Geist, der nicht dran denken mag
Bei meines Freundes Trinkgelag.

Was willst du denn von Philosophen,


Die weise sind wie Kammerzofen
Und Schmerzen nicht zu lindern wissen?
Der Arzt tut Heilkraut in das Kissen,
Des Philosophen Lehre soll
Des Trostes voll sein, übervoll
Der Kraft zur Heilung, wahrlich, weiland
Frau Weisheit war ein großer Heiland.
Frau Weisheit sollst du liebend bleiben,
Sie wird den Schmerz aus dir vertreiben.

Wir sehen doch, dass dieses Leben


Chaotisch ist und mitgegeben
Dem Leben ist Unwissenheit
Und Torheit und Begierlichkeit
Und Angst und Sorgen. Vor dem Sturm
Des Chaos stehe fest der Turm
Der Weisheit! Mit Gelassenheit
Betrachte die Begierlichkeit
Und schau des Schicksals dumme Launen
Gelassen an. Was ist zu staunen?
Der Narr hat Schmerzen in der Brust,
Frau Weisheit nur schenkt wahre Lust.

Wer ist wohl stärker als der Mann,


Der betet Gott als Vater an
Und ohne Angst dem Tod begegnet
Und der von Weisheit ward gesegnet
Und hat erkannt des Lebens Spiel
Und seines Lebens höchstes Ziel
Und der von Kindheit an und Jugend
Gesucht die Frömmigkeit und Tugend
Und der das Gute immer tut
Und Güte nennt das Höchste Gut,
Dem Schicksal aber nicht vertraut,
Den Launen nicht der Schicksalsbraut
Vertraut, die manche nennen Herrin,
Der Aberglaube preist die Närrin.
Sich selber prüft der weise Mann
Und schaut sich seine Fehler an,
Bereut, bekennt und bessert sich
Und so veredelt er sein Ich.
Nicht Zufallsgott, nicht Schicksalsgöttin,
Frau Torheit nimmt er nicht zur Gattin,
Frau Weisheit nur mit Leidenschaft
Liebt er, der voll der wahren Kraft.

Zu Gott zu beten, Gott zu preisen,


Das ist die Weisheit aller Weisen,
Nicht etwa, weil Gott zürnen würde,
Wenn wir mit aller unsrer Bürde
Nicht vor den großen Vater treten,
Den Herrn und Schöpfer anzubeten,
Nein, weil es logisch konsequent ist,
Ob Gott dir auch nicht evident ist,
Dass Gott das Höchste Wesen ist,
Was du der Gottheit zubemisst,
Ist die erhabne Leidenschaft
Und schöpferische Zeugungskraft!

Der ist nicht töricht, der die Götzen


Verwirft der Hexen und der Metzen,
Nein, töricht ist der dumme Tropf,
Der nach des Narren hohlem Kopf
Und seiner irrgegangnen Meinung
Und Kleben an der Welterscheinung
Der Gottheit Wesen definiert
Und sich in Narretei verliert.
Des Pöbels närrisches Geschwätz
Ist doch kein göttliches Gesetz,
Ist nichts als Vorurteil und Meinung
Und Kleben an der Welterscheinung.

Die Gottheit, ja, die Gottheit preise


Mit aller frommen Kunst der Weise
Und preise die Unsterblichkeit
Der Gottheit, die Glückseligkeit
Der Gottheit, geb ihr keine Art,
Die niemals sich harmonisch paart
Mit göttlicher Unsterblichkeit
Und göttlicher Glückseligkeit.
Was sich harmonisch lässt vereinen
Mit beiden Arten dieser einen
Allgottheit, schreib der Gottheit zu,
Sie sei allein dir Seelenruh,
Ruh in der Gottheit Ewigkeit
Und Ewigen Glückseligkeit!

Der Weise liebt der Gottheit Wesen,


Der Weise weiß sich auserlesen,
Der Gottheit Wesen nahzukommen,
So ist verheißen es den Frommen.
Den Frommen will die Gottheit führen,
Die Gottheit möchte er berühren,
Er möchte mit der Gottheit rein
Verbunden und zusammen sein.
Der Weise ist der Gottheit Freund –
Die Gottheit ist des Weisen Freundin!

EPIKTET
ODER
DIE HEILIGE TUGEND

Hast du dir etwas vorgestellt,


Was deinem Geiste nicht gefällt,
So sage gleich mit weisen Worten:
Vorstellungen von solchen Sorten,
Vorstellung ist es nur, sonst nichts.
Der Prüfung deines Geisteslichts
Dann unterziehe die Vorstellung
Und denke dir bei der Erhellung:
Ob der Vorstellungen Gestalt
In deiner eigenen Gewalt,
Ob du auf sie, die dich erfasst,
Doch keinen eignen Einfluss hast.
Ist die Vorstellung ganz und gar
Von dir selbst unbeeinflussbar,
So sage als ein weiser Mann:
Das geht mich weiter gar nichts an!

Zuerst entferne die Begierde,


Denn willst du einer Zierrat Zierde
Und steht es nicht in deiner Macht,
Daß es dir werde zugebracht,
Unglücklich wirst du immer sein,
Begierde bringt des Unglücks Pein.
Was du erlangen aber könntest,
Was wert wär, dass du dafür brenntest,
Das dich noch nicht begehrlich fand,
Das Gut ist dir noch unbekannt.
Abneigung walten lass und Trieb,
Begehre ruhig, was dir lieb,
Doch wähle aus das wahre Glück
Und halt vom Unheil dich zurück
Und sei in allem sachte, sacht,
Und traue auf der Tugend Macht.

Bei allem, was dein Seelchen freut,


Was Nutzen schafft, dein Herz erneut
Erfüllt mit Lust und was dir lieb
Und was Genuss ist deinem Trieb,
Erwäge mit dem Geiste nur
Das wahre Wesen der Natur:
Denn liebst du eine Rotweinflasche,
So sage dir: Nach Wind ich hasche,
Was ist das, was ich liebe? Das
Ist nichts als ein fragiles Glas.
Und liebst du ein sehr schönes Weib
Und liebst du ihren Wonneleib,
Denk an die menschliche Natur
Und sage dir im Geiste nur:
Der Schönheit ist die Zeit verderblich
Und dieses schöne Weib ist sterblich.
Ist dieses Weib dann nicht mehr da,
Sagt doch dein Geist zur Gottheit Ja.

Es schrecken nicht die Dinge selber,


Allein die Meinung macht dich gelber,
Daß dieses Ding entsetzlich sei.
Der Weisen Weistester war frei,
Den Tod selbst schrecklich nicht zu finden.
Bangst du vorm Tod in deinen Sünden,
Ist schrecklich dir des Tods Erscheinung,
So ist es nichts als deine Meinung.
Und stößt du auf ein Hindernis,
Das dich betrübt mit Finsternis,
So klage keinen andern an.
Verwirf die Meinung nur als Mann,
Dass dieses Hindernis sei schlimm
Und das es sei aus Gottes Grimm.
Der Tor klagt immer andre an,
Sich selbst verklagt der weise Mann,
Der an der Weisheit Anfang steht.
Wer auf der Weisheit Gipfel geht,
Klagt niemals einen andern an
Und ehrt sich selbst als weisen Mann.

Auf fremden Vorzug sei nicht stolz.


Es wäre doch so dumm wie Holz
Ein eingebildet eitles Pferd:
Wie schön ich bin! Was bin ich wert!
Doch diese Narren du verhöhne:
Wie ist doch meine Stute schöne!
Stolz auf die Schönheit deiner Stute,
So ist dem Narren nur zumute.
Vorstellung richtig zu gebrauchen
Und nicht in Wahnsinn einzutauchen,
Sei du allein auf solches stolz.
Bei allem andern sag: Was solls!

Wenn du auf einer Seefahrt bist,


Das Schiff jedoch im Hafen ist,
Du gehst, um Wasser dir zu holen,
Da findest du vor deinen Sohlen
Wohl eine Muschel oder Zwiebel.
Jedoch bewahre dich vor Übel
Und denke immer an das Schiff,
Das Schiff stets in Gedanken triff,
Ob dich der Kapitän schon ruft.
Wenn dich der Kapitän beruft
Zurück aufs Schiff, so eile eilig.
Und so auch, willst du leben heilig,
Wenn du wie eine Muschel findest
Ein schönes Weib, dich an sie bindest,
Sie liebst mit ihrem Purpurmündchen,
Und wenn du liebst ein kleines Kindchen,
Dann lass das alles nur zurück,
Ruft dich der Kapitän zum Glück
Ins Schiff, und schaue dich nicht um.
Bist du ein alter Mann, nicht dumm,
Entferne niemals dich vom Hafen,
Im Hafen sollst du wachsam schlafen,
Mit einem Beine schon im Grab,
Bald fährt das Schiff gen Heimat ab!

Bei allem, was dir je begegnet,


Schau, wie du wirst von Gott gesegnet.
Aus allem sollst du Nutzen ziehn
Und innerlich im Geist Gewinn.
So siehst du eine von den Schönen
Und reißt es dich zu heißem Stöhnen
Auf ihrer weißen Brüste Hügeln,
So sollst du dich in Reinheit zügeln.
Begegnet dir ein schweres Amt,
So plötzlich Kraft in dir entflammt.
Begegnet dir ein Ungemach,
Dir Unglück, Leiden, Spott und Schmach,
So plötzlich kommt zu dir Geduld,
Du duldest alles voller Huld.

Sag nie: Ich habe was verloren!


Erweise dich als neugeboren.
Ging dir verloren deine Wohnung,
So schone dich mit milder Schonung
Und suche das als neues Glück:
Dem Vater gab ich sie zurück!
Und ist dein kleines Kind gestorben,
Im Mutterschoße dir verdorben,
So glaube weiter an das Leben:
Ich hab es Gott zurückgegeben!
Und ging dein schönes Weib verloren,
Erweise dich als neugeboren:
So wie ich durfte sie erlangen,
So ist sie nun von mir gegangen,
Der Herr gegeben hats dem Frommen,
Dem Weisen hats der Herr genommen,
Ich weihe die Geliebte Gott,
Das Weib, den Odem im Schamott.
Sind Menschen oder schöne Dinge
Geliehen dir, so fröhlich singe,
Behandle sie nach ihrer Art,
Als Pilger auf der Pilgerfahrt.

Fortschreiten willst du in der Tugend?


Sei ruhig, wenn dich dumme Jugend
Für einen Ungelehrten hält
In allen Dingen dieser Welt.
Auch lächle, wenn die Toren toben
Und sie dich über Maßen loben.
Dir soll vor Lorbeerkränzen grauen,
Du sollst dir selber nicht vertrauen.
Denn wisse, es ist gar nicht leicht
Für den, der Weisheit schon erreicht,
Daß er die Dinge dieser Welt
Zugleich im Auge fest behält.
Das Weltkind weiß von Weisheit nichts,
Die Welt verschmäht der Sohn des Lichts.

Vergiss nicht, dass du dich im Leben


Verhältst, wie wenn beim Blut der Reben
Und Fleisch beim Gastmahl du zu Gast,
Man reicht dir Speise, jeder prasst,
Du aber nimm davon bescheiden.
Doch wenn des Fleisches Augenweiden
Vorübergehen ungenossen,
Das tragen Weisheits-Weggenossen
Geduldig, tapfer, ehrenhaft.
Kommt nicht zu dir der Rebensaft,
So sehr es dürstet auch den Frommen,
Die Traube will und will nicht kommen,
So lächle du voll sanfter Huld
Und üb dich heilig in Geduld.
Genauso halt es mit dem Weib
Und ihrem Augenweiden-Leib
Und mit der Ehre und dem Ruhm.
Willst du in Gottes Heiligtum
Und Säule sein in Gottes Tempel,
Die Weisen nimm dir zum Exempel,
Zwar bot man ihnen zum Genuss
Das Fleisch und auch des Bechers Kuss,
Sie aber blieben bei dem Fasten.
Nicht die, die mit dem Fleische prassten,
Nein, die im Fasten sich nicht schonen,
Die werden bei der Gottheit wohnen!

Bedenke doch, o Mensch, o hör,


Im Welttheater ein Akteur
Bist du und spielst im Weltbetrieb
Die Rolle, die der Dichter schrieb.
Mal ist das Stück sehr kurz, sehr bang,
Mal ist das Stück sehr froh, sehr lang.
Du sollst den Eremiten spielen?
So frage nicht nach andern Zielen.
Den Waisen sollst du Vater sein?
So lass den Waisen nicht allein.
Sollst nicht des Nächsten Weib begehren,
Die Himmelskönigin verehren,
Was immer auch der Dichter wolle,
Akteur, spiel herrlich deine Rolle.
Dein Amt ists einzig, gut zu spielen.
Doch nach des Welttheaters Zielen
Du frage kritisch nicht als Richter,
Denn das entscheidet nur der Dichter.

Der Tod soll dir vor Augen schweben,


Denkst du an ihn in deinem Leben,
So wirst du nichts Vulgäres denken
Und nicht in Schande dich versenken
Und keine Frau zu sehr begehren,
So lehren es die Weisheitslehren.

Du willst ein Freund der Weisheit sein?


So stelle dich schon darauf ein,
Die Narren werden dich verlachen
Und grimmige Grimassen machen
Und werden böse dich verspotten:
Frau Weisheit soll dich wohl vergotten
In einer liebenden Ekstase?
Was trägst du doch so hoch die Nase?
Du dulde nur der Spötter Spot
Und tu, wozu beruft dich Gott.
Denn tust du fleißig Gottes Amt,
Ob dich der Frevler auch verdammt,
Sie, die dich einst so laut verlacht,
Verspottet mit des Herzens Nacht,
Wenn Gott erfüllt dir dein Begehren,
Dann werden sie dich noch verehren!
Doch weichst du von der Weisheit Weg
Und gleitest auf dem schmalen Steg
Und folgst den Sündern und den Spöttern,
Sie werden dich zuletzt zerschmettern!

Freund, wenn es einmal dir begegnet,


Daß du, um von der Welt gesegnet
Zu werden, dich nach außen wendest,
Sogleich die Innenwelt beendest
Und einen Schatz verloren hast,
So werde selbst dir wieder Gast
Und sammle dich in innrer Sammlung
In einer liebenden Versammlung.
Willst du, dass man dich weise nennt,
Als Dichter-Denker dich erkennt,
Wer spricht dir diese Würde zu?
Ich bin ein Weiser, sag dir du!

Primat in aller Frömmigkeit,


Dies wisse du, ist dass du weit
Und hoch von deiner Gottheit denkst:
O Gottheit, die du alles lenkst
Und gut und ganz gerecht regierst
Und mütterlich durch Vorsicht führst
Und die du mich berufen hast,
Ich sei in Ewigkeit dein Gast,
Ich will in alles ja mich schicken
Und immer voller Demut nicken.
Es wird zuletzt vollkommen gut,
Du, Gottheit, bist mein Höchstes Gut.

Es ist in jedem Falle Pflicht,


Das ändert auch der Denker nicht,
Trankopfer darzubringen Gott
Und Speiseopfer ohne Spott
Nach frommer Weise unsrer Väter,
Rein wie die Quintessenz, der Äther,
Gleichgültig nie und willenlos,
Nie lieblos, nie gedankenlos,
Nie müßig, nie wie der nichts schafft,
Nicht opfernd über deine Kraft.

Ein meisterhaftes Vorbild wähle


Und folge ihm mit deiner Seele,
Ob du bist in Geselligkeit,
Ob du allein in Einsamkeit.

Gott! Führe mich, ich liebe dich!


Vorsehung Gottes! Führe mich!
Wohin ich gehen soll auf Erden,
Was ich noch werden soll im Werden,
Ich folg dir, Gottheit, unbedingt,
Dir, Gottheit, meine Seele singt!
Wer alles Leid geduldig trägt,
Dem wird der Name beigelegt
Des Philosophen, Theologen.
Drum, Freundin, Gott ist mir gewogen,
Es wird ja, wie es Gott beliebt,
Ob mir mein Feind den Tod selbst gibt,
In meinem Blut sein Messer rötet,
Er doch nicht meine Psyche tötet.
Die Psyche hat mir Gott gegeben
Und schenkt sie mir im Ewgen Leben.
EROTIKON

„Heil Eros, du Herrscher der Götter und Menschen!“


(Euripides)

AN DEN GARTENGOTT

O Freundin, möchtest du hier diese Verse lesen,


Bequeme dich und tu von dir dein keusches Wesen.
Nicht Vesta sing ich hier, Diana nicht mein Sang,
Minerva nicht mein Lied, die Joves Haupt entsprang,
Dies Lied als Tempel ist des Gartengottes Bleibe.
Schau an den Gartengott, sein Glied am Unterleibe,
Den Mantel drüber wirf, wenn du verstecken willst
Das Glied, sonst schau es an, bis du vor Liebe schwillst!

Mit rascher Hand, Priap, der du bezeugst es mir,


Schrieb ich in heiterm Spiel die leichten Verse hier,
Für deinen Garten nur, wo Tauben blähn den Busen,
Nicht wie sonst Dichter tun, ich rief nicht an die Musen
Aus diesem Garten, den die Jungfraun meiden keusch,
Sie wären nur pikiert von dem pikanten Fleisch,
Der keuschen Musen Chor, der frommen Schwestern Reigen
Darf ich den Gartengott mit seinem Glied nicht zeigen.
Doch, liebe Freundin mein, was glühend meine Hand
Gepinselt an die Wand – ob’s deinen Beifall fand?

Was spricht der Gartengott zu schönen jungen Mädchen,


Die nicht im Garten sind, vielmehr im fernen Städtchen:
Nimm alles von dem Gott, was dir sein Garten gibt,
Gib auch dem Gartengott, was ihm von dir beliebt!

Ich bin der Gott Priap, aus Holz gebaut solide.


So vieles ist aus Holz. So schau zu meinem Gliede,
Weib, dann erwisch ich dich! Was ich dann bei dir schaff,
Wie Bogensehne stramm, wie Leiersaiten straff,
Ist, dass ich dieses Glied aus Holz, das riesengroße,
In deine Rippe, Weib, in deine Rippe stoße!

Matronen, Mütter! Bleibt nur ferne diesem Orte!


Nicht gern hört euer Ohr, das keusche, geile Worte!
Umsonst! Denn immer wird neugierig sein das Weib
Auf dieses harte Glied an ihres Gottes Leib!

Was soll ich meine Scham mit einem Rock verdecken?


Nie wird ein starker Gott sein Waffenwerk verstecken!
So Jupiter den Blitz hält herrlich in der Faust,
Poseidons Dreizack auch durch Meereswogen braust,
Und Mars steht stolz und stark in seiner Rüstung Glanze,
Minerva in der Hand, der Rechten, hält die Lanze,
Und Phöbus schämt sich nicht der Pfeile, die er schickt,
Nie ohne Bogen ward Diana je erblickt,
Auch Herkules tat stets die Eichenkeule zeigen,
Den Stab zeigt auch Merkur und lächelt voller Schweigen,
Auch Bacchus nicht verbarg den Thyrsos im Gewand,
Auch Amor offen trägt zur Schau den Fackelbrand!
O liebe Freundin mein, du wirst mir nicht verübeln,
Mich überschütte nicht mit Hohn aus vollen Kübeln,
Weil offen ich zur Schau gestellt mein starkes Glied!
Was wär ich, wenn ein Weib die Waffe mir entzieht?

Ihr Mädchen, kichert nur! Wie albern euer Lachen!


Praxitelesse nicht, nicht Phidiasse machen
Ein Glied. Ein Bauer wars, der schnitzte mich aus Holz.
Du bist mein Gartengott, so rief er voller Stolz.
Ihr Mädchen, kichert nur, ihr albert immer wieder,
Euch freut das große Ding am Bauch, das Glied der Glieder!

Hier, lieber Pilgersmann, im Heiligtum des geilen,


Des Gartengottes du darfst ungestört verweilen.
Schlief letzte Nacht ein Weib mit dir im Lotterbett?
Hab keine Angst, der Gott macht alle Sünden wett!
Der Gartengott hat bei den keuschen Göttern Vettern,
Der Gartengott jedoch zählt zu den Phallusgöttern.
Priapus schamlos steht, der starken Eiche gleich,
Erhebt sein stolzes Haupt zum hohen Himmelreich.
Tritt ein und freue dich an deinem Weib, du Lümmel,
Ich weiß, das Liebesspiel ist wie der dritte Himmel!

Du Garten-Wächter, was soll deine Aufsicht hier?


Was wehrest du dem Dieb den Gartenweg zu mir?
So spricht die Freundin. Ach, es soll der Dieb nur kommen!
Er kommt herein voll Lust – geht wieder schmerzbeklommen!

10

Die Freundin auf dem Markt, sie tanzt vor allen Laffen
Zu Zimbeln, Tamburin und allen ihren Waffen,
Samt aller Percussion, die sie mit Händen schlägt,
Sie, die so wundervoll den prallen Po bewegt,
Sie weiht es dem Priap, dem großen Gartengotte,
Und flüstert leise dann mit leichten Lächelns Spotte:
Daß ich gefall dem Mann, der meinen Hintern sieht,
Und dass sein Glied so hart ist wie des Gottes Glied!

11

Verwünschen will ich mich, wenn ich nicht das Obszöne


Verabscheu, was da geil, das lüsterne Gestöhne.
Jedoch, wenn du als Gott so offenbarst dein Glied,
Daß jede Gärtnerin des Gottes Phallus sieht,
Die Manneskraft des Glieds, dann will ich fromm und weise
Priap verehren so, indem ich Vulva preise!

12

Wir Götter allesamt, wir haben ein Symbol:


Die goldne Leier hält in seiner Hand Apoll,
Apollon aber hat die längsten goldnen Locken,
Und Herkules ist stark, auch noch am Spinnerocken,
Minervas blaues Aug, der Venus heiße Lust,
Mars, der hat dichtes Haar auf seiner breiten Brust,
Die Faune auf der Stirn die Hörner unverhohlen,
Und auch Merkurius hat Flügel an den Sohlen,
Der Ehemann Vulkan als wie ein Krüppel hinkt,
Und gar Dionysos zu viel des Weines trinkt!
Ob Bacchus, Hermes, Mars, Apoll, Minerva, Venus –
Ich, Gott Priap, ich hab den größten Götterpenis!

13
Man spricht von Schönheit wohl beim Gott Merkurius,
Die Wohlgestalt Apolls, den Augen ein Genuss,
Und Bacchus ist so schön wie frischerblühte Mädchen,
Der Schönste aber ist Gott Amor in dem Städtchen
Der Götter am Olymp, wie’s jede Dame sieht.
Ich aber hab allein mein riesengroßes Glied!
Vor Eifersucht und Groll jedoch die Götter grollen,
Denn Frauen wissen wohl, was Frauen wirklich wollen!

14

Priapus, höre mich! Vernarrt bin ich in eine


Der Frauen dieser Welt, vernarrt in diese Kleine,
Die sich nicht hingibt, ach, mich immer von sich weist,
Vertröstend mich allein mit ewger Hoffnung speist!
Doch wird sie jemals mein und tut sich auf dem Schwanze,
So kränze ich dein Glied mit einem Lorbeerkranze!

15

Priap, dem Gartengott, zu seiner eignen Schande


Die Sichel aus der Hand ein Gartendieb entwandte.
Indessen, andres quält mein Herz, geliebte Braut,
Daß man mir Gartengott die Götterwaffe klaut!
Wenn das geschieht, verlass ich meine Heimaterde,
Verlasse Griechenland und noch zum Gallier werde!

16

Priapus, hättest du so viele Pflaumen nur,


Wie Dichter Verse dir gemacht in Hochkultur,
Priap, du wärst reich, Alkinoos, der Reiche,
Dem Krösus ich sogar den Gartengott vergleiche.

17

Ich bin dein Apfelbaum. Lass, Freundin, deine Klagen,


Daß ich so lange schon dir keine Frucht getragen.
Nicht litt ich an des Triebs so jugendlichem Grün,
Nicht an der Sommerzeit mit heißem Sonnenglühn,
Auch schlug der Hagel nicht den Baum und seine Äste
Und nicht die Winterzeit und all die strengen Fröste,
Kein Rabe fraß mich an und auch nicht Amsel, Star,
Nicht Krähe, Drossel, Fink und all die Vogelschar.
Am Dichter leide ich! Den Schmerz ich nicht verwinde:
Er ritzte seinen Vers in meine schöne Rinde!
18

Geh schlafen, Hund! Denn schau, hoch überm Garten geht


Die Jungfrau lächelnd auf, da Sirius schon steht.

19

Was für ein Jammer! Hier im Garten muss ich darben,


Da Hundstagshitze schickt schon Feuer auf die Garben,
Wo ich verdursten muss in heißer Sommersglut,
Auch preisgegeben bin jedweder Regenflut,
Auf meines Hauptes Haar der Hagel nieder hagelt,
Der junge Bursche auch in meine Rinde nagelt.
Der Götter Größter ich, den jeder Minner kennt,
Den heute jedes Weib, ach, Vogelscheuche nennt!
Unkeusche Lüsternheit von aufgegeilten Lümmeln
Erhebt als Phallusgott mich hoch zu sieben Himmeln!
Doch Fräulein Julia (ihr Name mir entschlüpft)
Ist mit der Katze heut so hübsch vorbeigehüpft,
Die doch wie Eva nicht in Liebeskünsten witzig,
Drum unbefriedigt geht allein nach Hause hitzig.

20

Nimmst du das Opfer mir, das ich mir rechtlich nahm,


Wie ist mir schwer ums Herz! Man mir das Meine nahm!
Doch was bedeutet das, sein Liebstes zu verlieren?
Du sollst es spüren, Maid, an deiner Zierrat Zieren!

21

Die Götter lassen dich und Göttinnen verhungern,


Wirst bei der Nachbarin du weiter lüstern lungern,
Beim jungen Mädchen süß, die immer zu mir kam
Und sprach von Reinheit nur und Keuschheit ihrer Scham.
Jetzt auf den Knieen sie verwundet kommt gekrochen,
Durch deinen Schwanz ist sie gekommen in die Wochen.

22

O großer Gartengott, der Phallus dich verschönt!


Doch dass dich der Poet auch so vulgär verhöhnt!
Das ist kein Grund, o Gott, dass du den Mann gerichtet!
Er dient dem Phalluskult, der Mann, der dies gedichtet.

23
Den Spaten hier, mit dem ich lockerte den Acker,
Die Schere auch, mit der beschnitt ich Zweige wacker,
Die Hacke, damit ich im Erdreich grub ein Loch,
Die Kanne auch, mit der begossen noch und noch
Ich alle Pflanzen hab, und meine Gartenkleider
Von grobem grauem Tuch, die trag ich immer (leider!),
Die lege ich jetzt ab, leg sie im Frühling ab
Und weihe sie dem Gott, dem phallischen Priap,
Und opfre sie dem Glied des großen Gottes furchtbar,
Weil Evas Garten du, o Gott, gemacht so fruchtbar!

24

Die Nektarine hier, die rote Sauerkirsch,


Die Pfefferminze hier, den Bärlauch und den Giersch,
Zur Nektarine auch die saftig süße Pflaume
Und Äpfel rot und prall vom alten Apfelbaume
Und für die Kinderlein zum leckeren Genuss
Vom grünen Haselstrauch die braune Haselnuss
Und für den guten Freund vom Weinstock pralle Trauben
(Er trinkt so gerne Wein bei dem Gegirr der Tauben),
Dies alles opfre ich dem göttlichen Priap,
Weil meinem Garten Gott Priap den Segen gab!

25

Die grünen Trauben prall, die süßen ohne Kerne,


Pistazien auch mit Salz, die essen Kinder gerne,
Die braune Haselnuss und goldnen Honig süß,
Ganz frisches Sesambrot und Milch vom Paradies
Und Knoblauchzehen weiß, die mögen gerne Zecher,
Wenn sie geleckt den Wein aus beckengleichem Becher,
Dies alles opfre ich Priap im Abendrot,
Ich lad den Gartengott Priap zum Abendbrot!

26

Der Freundin Freundin starb, der Aphrodite Dirne,


Der Tod erstrahlte schon auf ihrer blanken Stirne,
Da hat die Lüsterne ihr rotes Sommerkleid
Dem phallischen Priap zu Lob und Dank geweiht
Und die Perücke auch, die trug sie allenthalben,
Und ihre Seifen auch und alle ihre Salben
Und weihte Gott Priap der kleinen Füße Schuh,
In denen sie getanzt die Tänze immerzu,
Und ihre Trommel auch und ihre Knochenflöte
(Die Flöte blies sie oft und gut zur Morgenröte),
All dies hat sie geweiht dem göttlichen Priap,
Weil ihr des Gottes Glied im Leben Wonne gab!
27

Im Bett von grünem Gras lag ich mit müdem Leib,


So müd, als ob ich grad geliebt mein wildes Weib,
Priapus schaut mir zu, die Rotbrust hör ich singen,
Es schlingen sich herab laszive Efeuschlingen.
Nun aber steh ich auf, vorüber ist die Nacht.
Priapus ist erwacht – ist in mir auferwacht!

28

Zum Garten gehe ich, zum Hain von starken Eichen,


Dort steht ein Gottesbild, dem Phallus zu vergleichen,
Da starrt das Riesenglied ganz dreist und schamlos nackt,
Für Aphrodites Werk geeignet, für den Akt,
Geschwollen, prall und voller Lebenssäfte,
Ein wahres Götterglied voll großer Götterkräfte!
Ganz in der Nähe auch in diesem Gartenreich
Verzaubert lebt ein Frosch in meiner Circe Teich,
Wo in dem Tannenbaum süß gurren Turteltauben,
Am Apfelbaume schön die weißen Blütentrauben,
Die Amsel flötet süß, die Rotbrust flötet süß,
Sogar die Nachtigall im Rosenparadies,
Die Flöten blasen sie mit Atem ihrer Kehle.
Hier knie ich vor dem Gott und weihe meine Seele
Und bringe meinem Gott ein Liebesopfer dar:
Priapus, deine Macht herrscht ewig, immerdar!
Ich weihe deinem Glied ein junges Ziegenböckchen!
Erlöse mich! Du weißt, ich schmachte nach dem Röckchen
Der schönsten Freundin mein, die mächtig mich betört
Und gibt sich nie noch hin und nimmer mich erhört!
Erhöre mich und lösch in mir die Liebesflämmchen,
Dann opfr’ ich meinem Gott ein makelloses Lämmchen!

29

O Gott Priap am Strand, der Fischer Schutz und Retter!


Die Fischer geben dir zu Dank bei Sturm und Wetter
Die Opfergaben, weil du halfst mit deinem Arm,
Im Meer zu fischen den so großen Heringsschwarm.
Die Fischer weihen dir die Holzbank und den Becher,
Des Bechers Becken dir, bereit dem Wein der Zecher.
Gib du den Fischern, Gott, nach all den Leiden nun
An ihrer Freundin Brust vom Leiden auszuruhn!

30
Dir an dem Meeresstrand mit Salzgeschmack der Klippen,
Dem Freude machen an dem Fels die Meereslippen,
Die rosa Krabbe hier in weißer Schale Kleid
Wird von der Fischerin dir Gott Priap geweiht.
Das Kleid wird leicht geknackt, das Fleisch lässt sich befreien,
Man steckt es in den Mund. Ich will das Fleisch dir weihen,
O phallischer Priap! Die Freundin nicht mehr murrt,
Du sättigst immer sie, wenn’s ihr im Bauche knurrt!

31

Die Zeit der Seefahrt kommt. Die Schwalbe plaudert schön.


Aus Westen bläst der Wind mit seufzendem Gestöhn.
Die Felder blühen bunt. Im Meer dahingezogen,
Unaufgewühlt vom Sturm, sind seidenglatte Wogen.
So zieht den Anker hoch und löst das dicke Tau!
In jedem Hafen auf mich wartet eine Frau!
Priapus, Phallusgott, du stehst in jedem Hafen,
In jedem Hafen lass ein Weibchen mich beschlafen!

32

Auf dem umgischten Fels als Wächter steht Priap,


Der Schiffern alle Zeit den Sturm ins Segel gab.
Dem göttlichen Altar Priaps mit hartem Schwanze
Fehlt es an Opfern nicht und nicht am Lorbeerkranze.
Du wisse doch: Dem Gott gefällt das Lustgekreisch
Der Liebe besser noch als alles Opferfleisch!

33

Ich bin als Gott recht klein mit einem kleinen Schwanze,
Jedoch die Möwenschar auf wildem Wellentanze
Beschütz ich, noch so klein. Mich hat ein Fischersohn
Hier aufgestellt, Priap auf seinem Felsenthron.
Wenn je der Fischersohn mich betend fleht um Hilfe
Und Rettung an, so reich ich ihm den Halm vom Schilfe.
Denn das ist doch egal, ob klein des Gottes Glied,
Wenn einer sich im Dienst des Gottes nur bemüht!

34

Mir kleinem Gott Priap mit meinem kleinen Schwanze,


O Sohn des Fischers du, nach wildem Wellentanze
Mir bringe opfernd dar der vielen Fische Fang,
Gib Krabben, Heringe und Schollen! Sing Gesang
Und bring mit Tänzen dar den reichen Fang der Fische
Dem Gott mit seinem Glied in dieser engen Nische!
35

Schon rötlich glüht das Meer, es brüllt nicht mehr der Sturm,
Es spritzt nicht mehr die Gischt von Elfenbein den Turm,
Vielmehr es bricht die Flut aufschäumend an dem Felsen,
Der aufgeschäumten Flut Schaumwellen seufzend schmelzen!
Die Schwalbe flattert schon und macht sich schon das Nest,
Bereitet sich das Bett zum süßen Hochzeitsfest!
O Sohn des Fischers du, gehst du nun auf die Reise,
Bring Gott ein Opfer dar, denn das ist fromm und weise,
Du opfre Gott Priap und seinem Phallus keusch
Im transparenten Kleid der rosa Krabbe Fleisch!

36

Der Westwind lustvoll bläst. O helft, ihr süßen Musen!


Der Frühling öffnet schon dem Westwind seinen Busen.
Das Schiff, es gleitet schon in Meerschaum weiß wie Schnee,
Es gleitet schon das Schiff hinab in offne See.
Das stolze Segel schwillt. O Seemann, von der Reise
Bring manches Gut nach Haus, dem Segensgott zum Preise!
Priapus, sieh mich hier, ich hab dein Glied umfasst,
Bei Aphrodite war mein Vater schon zu Gast!

CORONA

Der Morgen! Zeit ists jetzt, Corona, aufzustehen,


Ich höre schon den Hahn nach seinen Hennen krähen.
Hinab ins Totenreich, verräterischer Hahn,
Schreist du das Morgenrot so lauthals krähend an
Und jagst mich zu der Schar der Knaben, die da schwatzen
Und streiten lärmend sich und schimpfen wie die Spatzen!
Tithonus, du bist alt, doch warum aus dem Bett
Jagst du Aurora früh, die Jungfrau niedlich-nett?

Die Lampe fülle jetzt, die Lampe unsrer Liebe,


Füll bis zum Rand mit Öl die Lampe, dass die Trübe
Der Nacht erleuchtet wird. Jetzt Eros herrscht allein!
Geschlossen ist die Tür. Jetzt darf ich bei dir sein.
Corona, küss mich jetzt! Jetzt werden wir im Bette
Uns lieben in der Nacht, uns lieben um die Wette!
Ist keine so im Bett voll wilder Liebesbrunst,
Denn Aphrodite selbst dich lehrte Liebeskunst.

Ich schwor Corona ja, ich liebe sie allein


Und werde Freier nie bei andern Dirnen sein.
Jedoch, was man so schwört im Liebesrausch! O Götter,
Ihr hört doch keinen Schwur, den schwört im Bett ein Spötter!
Denn heute glüh ich heiß nach einem süßen Kind,
Coronas Brüste mir jetzt nicht mehr wichtig sind.

O große Mutter Nacht, Öllampe voller Licht,


Ihr beiden seid’s allein, sind andre Zeugen nicht,
Wie ich ihr Treue schwor, die eheliche Treue,
Daß ich an ihr allein mich labe und erfreue,
Die Zeugen waret ihr für diesen Treueschwur.
Allein, was schwört man nicht im Bett aus Wollust nur!
Heut nämlich fahr ich fern in ein sehr stilles Städtchen,
Um anzubeten dort ein wunderschönes Mädchen.

Corona, liebe Frau, ich wünsche dir viel Glück!


Kannst du denn glücklich sein, bin ich noch nicht zurück?
Ich trag es länger nicht, die schmerzensreiche Trennung!
Mein Herz, es leidet an erotischer Verbrennung
Aus weißer Sehnsuchtsglut! Geh ich zum Gotteshaus
Der Göttin Artemis von Ephesos hinaus,
Vor neunzehn Brüsten dort anbetend heiß zu stöhnen,
Geh ich ins Stadtgewühl, stets strömen heiße Tränen!
Doch morgen liege ich erneut in deinem Arm,
Bis dahin wünsch ich dir Beglückung süß und warm!

Ach, Eros ist ein Vieh! Warum schafft er nicht Schmerzen


Den Tieren in dem Wald? Warum nach meinem Herzen
Muss zielen stets sein Pfeil? Warum entflammt der Gott?
Ich siech wie Kranke hin und werde ganz zu Spott!

Den Seemann rettest du, o große Aphrodite,


Aus seinem Schiffbruch? Das ist eine alte Mythe!
Hilf, Aphrodite, mir in meiner großen Not,
Mein Schiffbruch hier zu Land bedroht mich mit dem Tod!

Corona, nach dem Bad in deiner Badewanne


Mir reich den Lorbeerkranz, den Rotwein in der Kanne!
Kurz währt die Freude nur! Des Alters Abendrot
Verkürzt der bittere, gestrenge Bruder Tod!

Ja, vierzig Jahre alt Corona ist, die Tolle,


Das braune Haar wallt lang auf ihre Brust, die volle,
Wie stattlich stehn die Brüste doch, das Paar
Von Zwillingen, wie voll, wie machtvoll, wunderbar,
Kein Büstenhalter fasst, bezeugt es, o ihr Musen,
Kein Büstenhalter hält den großen Wonnebusen,
Auch Falten runzeln nicht den Leib, des Alters Geiz
Hat noch bestohlen nicht den körperlichen Reiz.
Kommt, all ihr Liebenden mit Schwellungen der Triebe,
Vergesst, wie alt sie ist, Corona schenkt euch Liebe!

10

Wo ist Praxiteles, der Aphrodite schuf


Als Marmorstatue aus göttlichem Beruf?
Wer malt denn heut das Bild, begeistert von den Musen,
Wer malt Coronas Mund und ihren Wonnebusen,
Wer malt des Beckens Schwung, den Fuß im Reigentanz,
Wer malt das Meeresblau in ihrer Augen Glanz?
Ihr frommen Künstler, kommt, begeistere euch Amor,
Corona bildet ab im Götterbild von Marmor,
Holt aus dem Marmorstein die Herrliche heraus
Und stellt das Venusbild dann in dem Tempel aus!

11

Du goldner neuer Mond, ihr funkelnd lichten Sterne,


Dem Ozean im Arm, Corona ist mir ferne!
Wie ließ sie mich im Stich doch, die gesalbte Frau,
Sechs Tage blieb sie fern! Wie listig sie und schlau!
Ich suche weiter nach Corona, sie zu minnen!
So eilt und sucht sie mir, der Charis Charitinnen!

12
Dem Gott am Meeresstrand, dem bring ich Opfer dar,
Bring dar das Opferbrot und flehe immerdar!
Ich reise übers Meer. O Venus, hab Erbarmen,
Laß bald Corona mich umfangen mit den Armen!
Sei meine Führerin zur Liebe, Venus, ach,
Du herrschst am Meeresstrand so wie im Schlafgemach!

13

Die Knaben liebt ich sonst, doch heute junge Mädchen,


Die Mädchen jung und schlank, die Lieblichsten im Städtchen.
Nicht im Gymnasium ich treibe mehr den Sport,
Ich tanz mit Weibern jetzt, ich tanze fort und fort,
Ich tanz den Wiedehopf, ich tanz den jungen Gimpel,
Ich tanz zum Klapperblech, zum Trommel und zur Zimbel,
Ich liebe Schminke sehr, die Lippenschminke rot,
Ich lieb das Lippenpaar, das mir die Liebe bot!

14

Corona, sagt ich nicht, wir beide werden alt?


Corona, ach, gekrümmt die leibliche Gestalt,
Nicht lustig mehr wie sonst die Wonnebrüste wippen,
Nicht lächelnd locken mehr die Zunge und die Lippen.
Und wer besucht dich noch? Du liegst ja schon im Grab!
Der Pilger in der Hand hält seinen Pilgerstab.

15

Gott Eros spendet Glück! Ich bin Coronas Sklave,


Ich bin ihr Stier im Joch! Corona, Salve, Ave!
Ergeben hab ich mich Corona recht und schlecht
Und bin ihr Domestik, ihr Sklave und ihr Knecht.
Ich suche Freiheit nicht, nicht Freiheit von der Liebe!
Corona, Herrscherin, ich Sklave meiner Triebe,
Ich lieb dich sklavisch bis ins hohe Alter noch,
Die Liebe liebt dich noch in deinem Grabesloch!

16

Wenn zu Corona ich mich schleiche in der Nacht,


Mich schleich zu ihr, wenn im Zenit die Sonne lacht,
Ist immer mir doch so, als ob ich droben stünde
Auf einem Gipfel und in starrende Abgründe
Beinahe stürze ab! Mein Herz, wie du auch bangst,
Cupido bannt die Furcht, Cupido bannt die Angst!
17

Ob deine Haare braun in langen Locken wallen,


Ob schwarz sie sind und kurz, die Haare mir gefallen,
Das kurze schwarze Haar, die braune Lockenflut,
Selbst noch im grauen Haar steckt Eros voller Glut!

18

Heut, ach Corona, heut, heut bist du zu mir mild,


Jetzt, wo du nicht mehr gleich der Venus Marmorbild,
Jetzt scherzt du nett mit mir, nennst mich dein Wohlgefallen,
Jetzt, wo die Haarflut nicht mehr hüllt der Brüste Wallen!
Nein, komm mir nicht zu nah! Ich, voll des Gottes Zorn,
Wähl statt der Rose nicht den spitzen scharfen Dorn!

19

Corona, du bist wie die Königin der Bienen,


Wie Honig bist du süß, tust du mich nett bedienen,
Von deinen Lippen tropft der süße Wabenseim.
Jedoch, o Musen, helft und schenkt mir einen Reim,
Die Bienenkönigin bist du, die königliche,
Wenn tödlich spendet mir dein Stachel böse Stiche!

20

Gewiss, ich sterbe auch! Und werd ich alt und krank
Verscheiden oder jung? Den Göttern Preis und Dank!
Ob ich mir huste aus die angegriffne Lunge?
Ob jung ich sterb, im Arm das nackte Weib, das junge?

21

Der Augen blaues Meer! Der Haare Locken braun!


Wollüstig voll der Mund, genüsslich anzuschaun!
Schneeweiß der Schwanenhals, umschmeichelt von den Locken!
Der Brüste Wundermacht wie große Tempelglocken!
Seh ich jedoch ein Haar in deiner Mähne grau,
Ich schau nicht hin und geb darauf nicht acht, o Frau.

22

Frau Armut quält mich sehr, noch mehr quält mich Frau Liebe!
Den Hunger halt ich aus, doch nicht der Venus Triebe!
23

Ich kam und sah und – Sieg! Will jetzt zufrieden sein.
Wer die Geliebte ist, weiß Cypria allein.

24

Wir beide schworen einst uns Treue, ja, bei Eros!


Die Liebesgöttin du und ich geliebter Heros!
Doch du betrogest mich und hast mich ausgelacht!
Ich lieb dich weiter treu, so groß ist Eros’ Macht!

25

O großer Todesgott! Corona voller Lüste


Sah dich an ihrem Bett, sie schlug sich an die Brüste!
Ich warte auf den Tod, ich warte unentwegt,
Doch dass Corona nur sich an die Brüste schlägt!

26

Berauschend war ihr Mund, der Lippen weiches Paar,


Ihr lieber Plaudermund, liebkosend wunderbar,
Die Augen waren klar bei feingewölbten Brauen,
Wie sanft und liebevoll ins Herz die Augen schauen!
Und erst die Brüste, oh, wie Milch und frischer Schnee!
Ich ewiglich im Geist der Herrin Brüste seh!

27

Ah, Knabe Amor, ah, du tötest mit dem Pfeile


Mich, deinen ärmsten Knecht! Den Andern ists zum Heile,
Denn weil du dein Geschoss mir bohrst ins Herz allein,
Kann all die andre Welt im Leben glücklich sein!

28

Die vierzig Jahre, ach, nicht mindern deine Schöne,


Noch sehe ich voll Brunst und brennendem Gestöhne
Auf deinen vollen Mund und deine volle Brust,
Dein Busen bebt noch heut als Inbegriff der Lust!
In deiner Jugend warst du schön wie eine Göttin,
Da, Aphrodite, du im Bett warst meine Gattin!

29
Gott Jove kam als Aar zu Ganymed dem Kind,
Zu Leda kam der Gott im Schwan. Mir beide sind
Gleich lieb und liebenswert, ich will sie beide haben,
Die Nymphe für den Schwan, den Adler für den Knaben.

30

Jetzt endlich war ich mit Corona ganz allein,


Da hielt ich ihre Hand mit stiller Sehnsuchtspein:
Ich bin dem Tod geweiht, der Geist verlässt die Glieder,
Corona, gib mir doch das liebe Leben wieder!
Sie weinte liebevoll viel Tränen für und für
Und schob mich zärtlich dann, ah weh, hinaus zur Tür.

31

Das Leben ist zum Glück! Fort mit den bittern Sorgen!
Das Leben währt nur kurz! Vom Abend bis zum Morgen
Beglücke Bacchus mich, die Blüte einer Au,
Der Lorbeerkranz, der Tanz und die geliebte Frau!
Genießen will ich dich! Laß, Weib, die Augen schimmern!
Denn morgen sterben wir, im Schattenreich zu wimmern!

32

O Gott! Ich ahnte nicht, dass Venus badet nackt


In diesem offnen Bad! Ich sah das Bild als Akt!
Corona, bist das du? Ich sehe dich verschwommen...
Hast Aphrodite du die Schönheit weggenommen?

33

Wie Venus war sie schön, Corona war so schön,


Ich liebte sie mit Glut und loderndem Gestöhn,
Sie lächelte mich an und bot mir ihre Liebe,
Da nahm ich sie und sie befriedigte die Triebe!
Jetzt wird sie Mutter und die Brust schwillt an vor Milch!
Jetzt bleibe ich bei ihr. Ich bin ein armer Knilch.

34

In ihrer Jugend war sie voll von Liebesreizen,


Die Brüste taten nicht mit Liebeswonnen geizen,
Mit Liebe geizten nicht die Zunge und der Mund
Und auch die Perle nicht in ihrer Muschel Grund!
Jetzt aber ist sie alt, die grauen Haare schmücken,
Sie hat auch keine Lust mehr, gnädig mir zu nicken.
NACHAHMUNG DES PROPERZ

Wie Ariadne einst aus Kreta da lag schmachtend,


Als Theseus’ Schiff entschwand, der Kummer sie umnachtend,
Und wie Andromeda gebettet sich zum Schlaf,
Nachdem den Retter sie mit seinem Schwerte traf,
Wie die Bacchantin auch erschöpft vom wilden Taumel,
Von Bacchus’ Pinienstab und ihrer Brust Gebaumel,
Hinsank ins grüne Gras – so sah ich Eva auch,
Des stillen Schlummers sie umatmete der Hauch,
Das Haupt lag auf der Hand. Da kam ich an, der Zecher,
Ich schwankte, taumelte vom ausgeleckten Becher.
So nahte ich mich ihr. Noch war bei mir mein Geist,
Der Wille war noch stark, den so die Weisheit preist.
Ich drückte sie ins Gras. Da hörte ich Befehle
Von Sankt Dionysos und Eros meiner Seele,
Die in mir loderten wie Feuerschlangen rot
Und sprachen voller Macht mir göttliches Gebot,
Zu schieben meinen Arm sanft unter ihren Schädel
Und mit dem andern Arm den Leib zu streicheln edel,
Zu stehlen einen Kuss: Den Mund mit Lippen streif
Und mit der rechten Hand die Waffe jetzt ergreif!
Ich aber wagte nicht, der Herrin Ruh zu stören,
Ich wollt nicht ihren Zorn, des Zankes Zunge hören,
Wie ich’s so oft erlebt! Nein, still stand ich vor ihr,
So wie vor einem Berg steht still und starr der Stier.
Bald löst ich meinen Kranz aus Lorbeer von der Stirne
Und legte dir ihn an, o Eva, schönste Dirne,
Und ordnete dein Haar, dein wirres Lockenhaar,
Und legte Äpfel dir zu Seiten wunderbar.
Du aber schliefest tief und konntest mir nicht danken.
Doch manchmal seufztest du, dir zitterten die Flanken,
Daß ich erschrak, so wie vorm Horoskop ein Weib,
Doch glaubte ich daran, mein Sternbild ist dein Leib!
Ich fürchtete im Geist, du träumtest schlechte Träume,
Daß dich Medusa zog durch finstre Innenräume,
Vielleicht auch, dass im Traum ein schöner fremder Mann
Dich überredete und dich erkannte dann.
Da aber kam der Mond, da schimmerte die Luna,
Du schlugst die Augen auf. Jetzt danke ich Fortuna:
Zu meiner Seligkeit und meinem Seelenglück
War voller Gnadengunst holdselig lieb dein Blick!
Du lächeltest und sprachst so sanft dein Wort, das nette:
Von andern Mädchen weg! Du komm zu meinem Bette!
Dieweil in dunkler Nacht ich lag in tiefem Schlaf,
Wo irrtest du herum, betrunken, töricht, schlaff?
Schau, droben stehen schon zu unserm Schutz die Sterne,
Geh nicht noch einmal so allein in weite Ferne.
Bald pflanzte Blumen ich in meinem Garten viel,
Bald lauscht ich meines Sohns Balladen-Saitenspiel,
Zuweilen klagte ich, von meinem Freund verlassen,
Ich fürchtete, dass du begönnest, mich zu hassen,
Daß du bei Mädchen jung und lieblich, wie du sagst,
Bei Sechzehnjährigen im Mädchenbette lagst!
Da sank ich in das Gras, nass von der Tränen Kummer,
Sank in das grüne Bett in kummervollen Schlummer,
Da kam der Tröster Schlaf mit seinem süßen Trost,
Der mich in meinem Schlaf mit Schwingen sanft liebkost!

Was, Marcus, willst du denn? Lass ab von dem Geschwatze!


Ich wandle weiter auf der Bahn mit meinem Schatze!
Was willst du denn, du Narr, du eines Narren Sohn?
Willst du erleben selbst die Marter der Passion,
Die ich erleben muss? Du eilst zu solchen Leiden,
Die du nicht tragen kannst, ich sage es bescheiden,
Durchs Purgatorium du schrittest, ja, Scheol!
Den Becher schenkt sie dir mit Gift von Schierling voll!
Den Becher schenkt sie voll mit Galle und mit Wermut,
Mit Tränen tränkt sie dich und sättigt dich mit Schwermut!
Nein, diese Herrin ist nicht jungen Mädchen gleich,
Wie sie ist keine doch gewaltig anmutreich,
Sie ist nicht nett und zahm wie junge sanfte Dirnen,
Gewaltig ist ihr Zorn! Hüt dich vor ihrem Zürnen!
Und wolltest Wollust du in wilder Leidenschaft –
Ach, Seelenqual allein der Herrin Gnade schafft!
Du findest keinen Schlaf, dir keine Pillen taugen,
Du liegst um Mitternacht mit aufgerissnen Augen.
Der Herrscherin Humor, der Herrin Temprament
Weiß dich zu fesseln mit der Reize Element.
Oft wirst du jammern laut und wirst in stolzem Zürnen
Sie Hure nennen, zählst sie zu den schlechten Dirnen!
Dann zitterst du und zagst, versinkst in trüber Wehmut,
Dann hündisch mit dem Schwanz du wedelst voller Demut.
Ja, dich plagt Höllenangst, da fehlen dir die Worte,
Der Hölle Königin ist sie zu deinem Torte!
Doch sie allein, allein dein Sinn des Lebens ist,
Du weißt nicht, wo du bist, du weißt nicht, wer du bist,
Du weißt nicht, ob du bist! Hat erst so weit getrieben
Die Herrscherin ihr Werk, erst dann auch wirst du lieben
Die Herrscherin wie ich. Dann wirst du unbeglückt
Von ihres Hauses Tür ungnädig fortgeschickt.
Wenn Marter und Passion du in der Liebe Messe
Erfahren so wie ich, verstehst du auch die Blässe,
Warum so totenbleich ich wandle als Gespenst,
Wenn du das Leben nicht als Leben mehr erkennst,
Nur redest noch mit Gott und mit des Jenseits Boten
Und bist zuhause mehr im Schattenreich der Toten!
Jetzt hältst du dich für stark, dann aber, starker Held,
Hilft in der Liebe dir rein gar nichts mehr dein Geld.
Begehr, mein Marcus, erst, wie ich das Weib begehre,
Dahin ist Tugend, Zucht, der Nachruhm und die Ehre!
Dann bettelst du um Trost! Kein Trost wird dir verliehn!
Der Liebe Krankheit heilt kein Arzt mit Medizin,
Dies Liebesunglück heilt kein Glückshormon als Pille,
Einst findest Ruhe du dort in der Totenstille,
Wenn in Elysium dir werde, was dir frommt.
Jetzt weg mit dir, mein Freund! Die schöne Eva kommt!

Du, Marcus, spottest gern, du Größter aller Spötter,


Sie sollen kommen nur zu dir, die Liebesgötter,
Du wehrtest alle ab. Nein, Lieber, glaub mir, glaub
Mir nur: Wenn Eros kommt, dann liegst du gleich im Staub!
Du betest an im Staub, tief in dem Staub die Stirne
Und Göttin-Herrscherin ist die geliebte Dirne!
Hör, was im Eichenbaum die Turteltaube gurrt,
Hör, was ein Elender und Liebessklave murrt,
Ich weiß es, wie ein Weib mit Zank und Zorn bestrafte
Und drauf mit ihrem Reiz den Elenden versklavte!
Ich, ein Gelehrter in des Eros Schule, ach,
Weil Eros mit Gewalt schon oft das Herz mir brach!
Was, wenn du erst geschaut den Zipfel deiner Zofen,
Was hilft dir dann ein Buch von großen Philosophen?
Da hilft kein Gottesdienst! Da hilft auch nicht Magie!
Dich heilen könnt allein, die dich verletzte, sie!
Dann räume aus dem Schrank die Epen dummer Dichtung,
Dir Eros zeigt den Weg, die Dirne zeigt die Richtung!
Nicht schreibe ein Gebet vom Schweigen Gottes still,
Schreib, was die Dirne gern von dir vernehmen will,
Schreib von dem Liebesspiel, nicht von den Kirchenglocken,
Vom Venushügel schreib und ihres Schamhaars Locken!
Und schau, du darfst sie sehn! Das Wasser in dem Fluss,
Das suchst du, findest nicht den fließenden Erguss?
Dich hat noch nicht berührt des Eros Abenteuer,
Du brennst noch nicht und schmilzt dahin im Fegefeuer!
Der erste Funke kaum der Qualen dich berührt,
Du ahnst noch nicht, zu wie viel Leid verführt
Die Göttin-Herrscherin! Da gleichst du nicht den Siegern!
Nein, lieber lebtest du im Urwald bei den Tigern,
Im Pandämonium und in Gehennas Saal
Du littest lieber noch der Ehebrecher Qual,
Du gingest selbst ans Kreuz – so tut der Liebe Heros –
Nur, bitte, nicht noch mal solch ein Geschoss von Eros!
Ach, der Geliebten kannst du nichts versagen mehr,
Sie ist die Herrscherin und Eros ist der Herr!
Ja, Eros lacht! Er wird die Zähne lachend fletschen!
Der Eros, der erlöst, der wird dich auch zerquetschen!
Und ist sie willig? Ach, und ob sie willig tut,
So, Marcus, trau ihr nicht in ihrer Liebesglut.
Ist die Geliebte erst ganz hingegeben Deine,
Wird sie verdammen dich zu ewiglichem Peine,
Dann plagt dich der Skorpion mit seiner Eifersucht,
Ob nicht dein Auge doch nach jungen Mädchen sucht.
Ja, Eros offenbart sich erst als der Gebieter,
Wenn ganz dein Mark verzehrt, geschwächt sind deine Glieder!
Doch keine Schmeichelei erweicht der Herrin Herz,
Das hart wie Eichenholz, ach, härter ist als Erz!
Hab Achtung vor dir selbst! – Doch eile zu bekennen,
Wie die Geliebte lässt dich in Gehenna brennen,
Der Liebe Qualen, der Verdammnis Folterung,
Wenn du das beichtest, dann wird die Erleichterung.

Im Südland an dem Strand, gebettet an dem Fluss,


Da lagerst du dich nackt, der Sonne zum Genuss,
Wo einst Dionysos mit taumelnder Mänade
Getaumelt trunken ist und nackt zum Wonnebade.
Und denkst du dort an mich? Ob mich dein Herz vergaß,
Dieweil am Totenbett ich meines Vaters saß,
Wie seine Sonne sank in trüber Abendröte?
Als Hirte spielte ich vom Jenseits meine Flöte,
Das Jenseits hatte mir die Seele ganz betört.
Hast du mein Flötenspiel im Südland da gehört?
Ob bei dem Flötenspiel der Atem dir da stockte
Und wurdest du erregt von meiner Flöte? Lockte
Ein schöner fremder Mann dich lüstern in den Busch
Und folgtest du verhurt und huschtest lüstern, husch,
Und zogst dem fremden Mann von deinem Leib das Röckchen,
Den Venushügel gabst du preis mit schwarzen Löckchen?
Da! Infernalisch rot wie Blut das Abendrot
Und unter Donner, Blitz und Regen kam der Tod
Und rief vom Erdenrund und seinem Welttheater
Zum strengen Richtergott, ach, meinen armen Vater!
Komm du zu unserm See und lass in einem Boot
Uns wiegen schaukelnd still! Vergessen wir den Tod!
Auf diesem kleinen See lass wiegen uns im Kahne
Und Tropfen selig sein im Liebesozeane!
Das Südland lass zurück, sein heißes Sonnenlicht,
Im Südland jedes Weib doch noch die Ehe bricht,
Im Südland nackt das Weib bricht willig ihre Ehe,
Kommt irgend so ein Kerl zufällig in die Nähe!
Verzeih die Worte mir, verzeih mir meinen Brief.
Jetzt, wo zur Sommerzeit mein Vater mir entschlief,
Sei meine Wohnung du, sei meine Seelenheimat,
Wo auf das Leben, ach, die Liebe einen Reim hat,
Sei du mein Schlafgemach, wo ich willkommen bin,
Sei meiner Seele Haus, sei meines Lebens Sinn!
Dieweil im Sonnenlicht du schmilzt dahin wie Butter,
Sei du mein Vater nun, sei du mir meine Mutter!
Ach Eva, weißt du nicht? Wenn ich zu Marcus komm,
Ich schütte dann mein Herz dem Freunde aus lammfromm,
Und ob ich jammre laut und ob ich fröhlich lache,
Ob ich dich segne fromm, ob ich gewillt zur Rache,
Mal schenk ich Eros Spott, mal preis ich Eros’ Kult,
Mein Marcus weiß genau, nur Eva ist dran schuld!
Verlass das Südland jetzt, beschwören dich die Musen!
Im Südland einst ein Mann genoss des Weibes Busen,
Da Theseus wollte er mit Ariadne sein,
Und nach genossner Lust ließ er das Weib allein!

MILON-ELEGIE

Ach Amor, Schelm, der du von Venus auferzogen


Und von des Wahnsinns Gott, in hohen Feuerwogen
Ging unter Ilion, der Asiaten Land,
Und Ariadne lag verlassen an dem Strand!

O Milon, höre mich und zügele dein Denken,


Ich will ein weises Wort in deine Seele senken,
Du reagiere auf die Weisheit mit Verstand,
Doch deinen Willen wird nicht brechen meine Hand.

Verlass nicht deinen Freund! Ach, suche keinen andern,


Laß nicht zu Anderen die Freundschaftsliebe wandern
Und trau den Reden nicht der Leute dieser Welt.
Den Dichter man noch stets für einen Narren hält.

In meiner Gegenwart sie sagen schlimme Dinge


Von dem Geliebten, ach, ich mühsam mich bezwinge,
In deiner Gegenwart sie lästern hoch daher,
Wie eingebildet ich und arrogant ich wär.
So tönt die Torheit laut in aufgeblasnen Chören,
Du aber sollst, mein Herz, nicht auf die Narren hören.

Vergangne Freundschaft sei für alle Zeit dein Glück,


Schau oft, bist du allein, zu deinem Freund zurück.
Dir geben nicht so viel die allzu neuen Freunde,
Die deinen alten Freund abstempelten zum Feinde.

Die Freundschaft daure fort, sie bleibt in unserm Herz.


Dann zu den Neuen geh und treibe deinen Scherz,
An manchem frohen Spaß, an Lustigkeit dich freue.
Dir hält doch keiner so wie ich im Geist die Treue.

Ich bin des Wassers Flut, der dunklen Wasser Flut,


Du bist die Feuersbrunst, der hohen Flamme Glut,
Ob du gelodert auch, ich bin hinweggeschwommen,
Wir können nimmermehr, ah weh, zusammenkommen.

Ich bin nicht zornig, Schatz. In Überlegenheit


Des weisen Geistes ich erheb mich übers Leid.
Verlassen hat dein Schiff den trauten Heimathafen.
Ich werde niemals dich im Zorne streng bestrafen.

O Milon, Pony du, vom Hafer bist du satt,


Komm jetzt zurück, der Stall ein Strohbett für dich hat,
Zum Wagenlenker komm, zur saftig grünen Weide,
Zum Ruhewasser komm, du meine Augenweide.

Heil dem, der Knaben liebt und liebt ein schönes Ross,
Der Katzen hat im Haus und einen Weggenoss.

Wer keine Knaben liebt, ich mein alleine schicklich,


Und Katze nicht und Ross und Freund, ist niemals glücklich.

O Milon, die Gefahr ist groß, da du nicht bliebst,


Daß erst den Einen du und dann den Andern liebst.

O Milon, von Gestalt so schön, von solchem Glanze,


Es ruht auf deinem Haupt noch von der Torheit Kranze,
Dem Wiedehopfe gleich ist wandelbar dein Herz,
Erst scherztest du mit mir, jetzt treibst du andern Scherz.

O Milon, wie ich dich gepflegt, den Fieberkranken,


Und willst du gar nicht mir mit treuer Liebe danken?
Wie half ich allezeit mit Liebe unbefleckt,
Jetzt keine Ehrfurcht mehr und keinerlei Respekt?

Der Knabe und das Ross, sie beide sind so störrig.


Der Wagenlenker liegt im Staub und jammert törig,
Doch wendet sich das Ross zu einem andern Mann
Und nimmt von dessen Hand gewillt den Hafer an.
Wie groß auch immer dir war meiner Liebe Gabe,
Von andern lässt du dich nun lieben, lieber Knabe.

Der Wahnsinn, Milon, ach, zerrüttet meinen Geist,


Seit einen andern Mann gleich fröhlich du lobpreist.
Für wenig Jahre nur hast du mein Herz getröstet.
Ihr Schicksalsgöttinnen, wie ihr mir Leid einflößtet!

Wie Eros aufersteht, wenn schwellend blüht der Lenz


Und Gottes Schönheit strahlt im Reiz der Evidenz,
Dann geht der kleine Gott auf Pilgerfahrt nach Zypern
Und schlenkert von der Hand so lässig sich die Vipern!

Doch wer dir gibt den Rat, zu lassen ab vom Freund


Und zu vergessen mich, der gilt als Amors Feind!
Man riss vom Reh hinweg das Kitz, die Zwillingskitze!
Dem Löwen gleich voll Zorn ich schleudre Racheblitze!

Nie tu ich Böses dir, beschlossen hat es Gott,


Die Providentia, da treib ich keinen Spott.
An deine Fehler denk ich nicht, du kleiner Knabe,
Ich seh dich als Geschenk und große Gottesgabe!

Tu mir kein Unrecht an, sag leise ein Willkomm


Und lächle lieb mich an und küss mich froh und fromm,
Ich will mich selber ja, ach, allzu gerne täuschen
Und träumen noch den Traum des Liebesglücks, des keuschen.
Du aber wie ein Gott, wie Amors Pfeile, flieg,
Ruf bei dem andern Mann: Sieg, Amor, Amor, Sieg!

Ach, Milon, quäl mich nicht, erbarm dich meiner Schmerzen,


Zum Totenreiche zieht es mich mit Weh im Herzen,
Seit du mir nicht mehr süß die reine Liebe schenkst.
Sei doch so lieb, mein Schatz, dass du noch an mich denkst.

Mein Schatz, du fliehst vor mir? Nacheilen möcht ich eilig


Und kommen an das Ziel und Liebe feiern heilig.
Doch leidenschaftlich du und übermütig du,
Du lachst nur über mich und meine träge Ruh.
Bleib bei mir, Amors Bild, du schönste Frühlingsblüte!
Doch weh mir! Dich ruft fort die goldne Aphrodite!

Erkenne doch im Geist: Die Kindheit fort und fort


Ist wie ein Wettlauf, wie ein Wettbewerb im Sport,
Sie eilt so schnell dahin wie Lenzes schöne Blüte,
Wie Liebe flieht, das lehrt dich einst noch Aphrodite,
Wenn Aphrodites Macht dich einst verwunden wird,
Wie ich verwundet bin, vom Lämmlein wund der Hirt,
Dann aber sieh dich vor, dass nicht in deinem Städtchen
Zu früh du dich ergibst und keinem losen Mädchen!

Wie bin ich doch enttäuscht, dein Licht mir nicht mehr scheint,
Geworden bist du nun des andern Mannes Freund,
Vergessen hast du mich und abgelegt die Achtung,
Wie auch der andre Mann mir spottet mit Verachtung.
Ach, früher warst du nicht der Freund der Andern, nein,
Mein Liebling warst du da und ich dein Freund allein.
Doch wenn du willst, behalt die neuen Freunde eben,
Ob Glück dir widerfährt und Lust im neuen Leben.
Zurückgewiesen ich, weil es dem Gott beliebt,
Nie aber kommt ein Mann, der so wie ich dich liebt!

Wie elend ich und arm, verlassen von dem Gotte,


Wie ward den Feinden ich zum Hohn doch und zum Spotte,
Und meine Freunde auch nicht dulden meine Schmach,
Seit mein verliebtes Herz vor tiefem Kummer brach!
O Milon, Venus hat die Schönheit dir verliehen,
Nun lass ich dich, mein Schatz, in weite Ferne ziehen,
Gedenke nur daran, wie schwer mir ist ums Herz,
Wie Aphrodite mir bescherte nichts als Schmerz!

O Venus Cypria, mach Ende meinen Leiden!


Cythere Cypria, ich bitte dich bescheiden,
Du mach mein Herz erneut in diesem Frühling froh,
Du liebst den Frühling doch, Cythere, liebst ihn so.
Die Trübsal nimm von mir und schenke meinem Herzen,
Daß ich noch einmal darf vor meinem Tode scherzen!
Die Kindheit ist dahin, dahin der Jugend Brunft!
O Venus, schenke mir die göttliche Vernunft!

DIE ORESTIE

Fragment

VON ÄSCHYLOS

(Nacht. Agamemnons Palast in Argos. Ein Wächter auf dem Dach.)

WÄCHTER
Erlöst mich, Götter, von der schweren Mühsal
Der Wache hier auf Agamemnons Dach!
Hier lieg ich hingekauert wie ein Hund
Und über mir die dunkle Nacht, die Sterne,
Die niederfunkeln aus der Ewigkeit,
So liege ich und schaue in die Nacht
Und warte auf Bericht von Trojas Fall.
Die Königin gebot es – strenge Frau,
Hartherzig wie ein Mann, mit kalter Seele!
Ich finde keinen Schlaf und keinen Traum,
Ich schlafe nicht, mich plagen schwere Sorgen,
Bis Morpheus mächtig mir die Lider schließt,
Dann singe ich ein Lied, nicht einzuschlafen,
Und wehr den Schlaf mit solcher Medizin.
Doch muß ich immer schluchzen, immer schluchzen,
Weil dieses edle Haus ein Fluch befiel!
Ein Ende finde diese schlimme Not,
Wenn Feuerzeichen Siegesbotschaft geben.

(In der Ferne flammt ein Feuer auf.)

Sei mir gegrüßt, du Licht der dunklen Nacht!


Du kündest Feste an und Tanz und Chöre,
Wenn Argos feiert den Triumph im Krieg!
Schnell! Diese Botschaft gleich zu Klytämnestra!
Soll sie vom Bette sich erheben und
Den Sieg verkünden über Ilion
Mit lauten Jubeltönen im Palast!
Den Freudentänzen tanz ich selbst voran,
Dem Hause meines Herrschers künd ich Heil!
Gott gebe, dass der Herrscher heimkehrt und
Ich seine Hand mit meiner fassen darf.
Still, stille! Schweige mystisch meine Seele,
Ein Siegel mir versiegelt meinen Mund.
Was hier in diesem Haus geschehen ist –
Wenn stumme Wände reden könnten... Still!
Beredet bin ich für die Eingeweihten,
Verstummt bin ich für den profanen Pöbel!
CHOR
Seit zehn Jahren zwingen Kläger
Priamos, zu stehen Rede:
Agamemnon, Menelaos.
Zeus berief die beiden Throne,
Dieses Paar der zwei Atriden.
Argos sah sie fernhin fahren,
Die sie führen tausend Schiffe,
Der Argeier große Streitmacht.
Schlachtruf brach aus ihrem Busen,
Die sie glichen Lämmergeiern,
Fliegend über ihre Horste,
Weil die Brut man ihnen raubte!
Oben aber wacht die Gottheit,
Sei es Zeus, sei es Apollon,
Und er hört die schrillen Schreie
Seiner armen Schutzbefohlnen.
Sühnend auf des Frevlers Spuren
Sendet er die Göttin Rache!
Also Zeus, der größte Gastfreund,
Schickte gegen jenen Paris
Diese beiden Atreus-Söhne.
Weil der einen Frau der eine
Gatte schien nicht zu genügen,
Darum muß so mancher Kämpfer
In den Staub der Erde sinken,
So die Troer, so die Griechen.
Was auch immer ist geschehen,
Alles ist bestimmt vom Schicksal.
Nichts nützt da die Opferflamme,
Nichts nützt da die Opfergabe,
Wenn die großen Götter zürnen.
Doch wir Alten, müden Leibes,
Uns hat nicht die Schar geachtet
Bei dem Aufbruch zum Gefechte,
Schleppen uns wie schwache Knaben
Greise hinkend an den Stöcken.
Wie die alten Greise nützen
Auch die kleinen Knaben wenig,
Kinder sind es, Wut im Busen.
Aber doch die starken Männer
Fehlen nun im Heimatlande.
Welk sind wir wie dürre Blätter,
Sind bedürftig unsres Stockes,
Irre Schatten wie Gespenster,
Die sich in den Tag verirrten.
CHORFÜHRER
(an Klytämnestra, die im Palast ist)
Königin, du Tyndars Tochter,
Klytämnestra, was geschehen?
Welche Zeichen, welche Kunde
Trauernd sendest du als Opfer-
Gaben an geweihte Stätten?
Aller Geister Opfersteine,
Hoher Mächte, tiefer Mächte,
Menschenferner, menschennaher,
Ewige Altäre lodern.
Allwärts brennen auf zum Himmel
Flammen von dem frommen Öle.
Laß uns wissen, was du möchtest,
Gib, soviel es möglich, Auskunft,
Sei der Balsam unsrer Nöte,
Die uns grausam quälend treiben
Zwischen Qualen unsrer Zweifel
Und der freudenreichen Hoffnung
Bei dem Licht der Opferflamme,
Wehre tröstlich unsres tiefen
Kummers, immer an uns nagend!
Große Zeichen waren sichtbar
Beim Beginnen unsres Fürsten,
Künden kam mein Lied die Zeichen,
Denn es weht der Atem Gottes
Mir Gesänge auf die Lippen!
Als der Griechen Zwillingsfürsten,
Brüderliche Führer, zogen
Unter Zeichen gegen Priam,
Waffen in den festen Fäusten,
Zeigten sich zwei Königsadler,
Herrscher in dem Reich der Lüfte,
Hockten sichtbar auf den Sitzen,
Hackten aus dem Leib der Häsin
Die erlegten Hasenjungen.
CHOR
Dunkle Stimme du erhebe,
Segen ende deine Verse!
Wer du bist und wie dein Name,
Mög dein Ohr es gnädig hören,
Ruf ich dich als Zeus, o Vater!
Mag mein Geist das All betrachten,
Nichts wird mich wie Zeus erheben,
Daß ich meines ausweglosen
Sorgenschweren Geistes Bürde
Endlich möchte von mir abtun.
Auch wer groß war in der Vorwelt,
Prahlerisch in jeder Prüfung,
Er ist längst dahin geschwunden!
Der ihm folgte, überwunden
Von dem stärkern Überwinder,
Ist der Übermacht gewichen.
Nur wer Gott mit Andacht feiert
Und besteht als Überwinder,
Ist von Weisheit tief erleuchtet!
Gott weist uns den Weg der Weisheit,
Gütig gibt er die Gesetze:
Menschenweisheit reift im Leiden!
Auch das Herz des Schläfers träufelt
Wie den Tau die bange Sünde,
Und wer trotzig ist, der lernt noch
Die Vernunft durch schwere Leiden,
Denn mit ernster Gnade führen
Götter das erhabne Steuer.
Nicht den Seher schalt der starke
Führer der Hellenenflotte,
Der verhängten Last des Schicksals
Bot er willig seinen Nacken.
In dem Hafen war es Flaute
Und in Aulis lagen Schiffe
In der Brandung an dem Ufer.
Dann jedoch erhob sich Nordwind,
Müßiggänger, Hungerleider,
Schiffepreller, Hirnverwirrer!
Nordwind schlug entzwei die Schiffe,
Nordwind zerrte an den Tauen,
Und er fraß die schönsten Schiffe.
Doch den wüsten Sturm zu stillen,
Nahm der Seher Kraut der Heilung,
Bitter war das Kraut den Führern,
Doch der Stab wies auf Diana.
Aber die Atriden stießen
Ihre Zepter in die Erde,
Hielten nicht zurück die Tränen.
Da begann der Fürsten Führer:
Lästig wird mir diese Bürde,
Soll ich opfern meine Tochter,
Mit der Tochter Blut beflecken
Meine Hände vorm Altare.
Alles heillos! Alles heillos!
Jeder Grieche doch verlangte
Dieses Opfer, jenes Mädchens
Blut – o sei zum Heil das Opfer!
Agamemnon, sich verneigend,
Nahm das ernste Joch des Opfers,
Der geweihten Handlung Odem
Atmend, der Verwandlung Odem,
Alles wagend, nichts mehr scheuend.
Maßlos streben lehrt der Wahnsinn,
Sinnverwehend, unheilbrausend.
Seine Tochter darzubringen
Zollte er dem Weiberkriege
Den Tribut, um einzusegnen
Die Hellenenflotte, weihend
Ihre Fahrt zu Priams Stätte.
Doch das liebe Mädchen flehte,
Rief den Vater an: O Vater!
Fühllos sah das Herz der Fürsten
Dieses jungen Mädchens Leben.
Heilige Gebete stiegen
Auf zur göttlichen Diana.
Auf den Wink des strengen Vaters
Hoben Knechte jenes Mädchen
Wie ein Lamm auf den Altartisch.
Ihr Gewand ist ihr entglitten
Von den blühendweißen Schultern.
Daß kein Fluch sein Haus betreffe,
Agamemnon hat geboten,
Seiner Tochter Mund zu schließen
Und mit Knebeln zu versiegeln,
Zu ersticken alle Laute.
Iphigenie ließ ihr goldnes
Kleid zur Erde niederwallen,
Mitleid heischend ihre Blicke
Trafen einmal noch den Schlächter:
Habe ich nicht viel und oftmals
Angehoben meine Stimme,
Meine zarte Mädchenstimme,
Segenshymnen anzustimmen,
Und mit Liedern meines Vaters
Opfergaben eingesegnet?
Aber was danach geschehen,
Das vermag ich nicht zu sehen.
Doch der Seher Kalchas kündet
Die Gerechtigkeit, die Waage,
Auf der Schale liegt das Leiden.
Zukunft ist uns ja verborgen.
Kennen will ich nicht die Zukunft,
Zukunft naht im Morgenlichte.

(Klytämnestra tritt mit Gefolge aus dem Palast.)

Aufs Geschehne Heil nur folge!


Heil verkünde uns die Fürstin,
Hier erscheinend vor den Alten,
Die allein bewahrt die Heimat,
Sie, die Königin von Argos.
CHORFÜHRER
(zu Klytämnestra gewandt)
Ehrend nah ich dir, o Herrin.
Wo der Herrensitz verödet,
Soll die Herrin man verehren.
Ob dich eine Freudenbotschaft
Oder eine lichte Hoffnung
Führt zu dieser Opferstätte,
Wollte gerne ich erfahren,
Aber will mich nicht bekümmern,
Mußt du schweigen, hohe Herrin.
KLYTÄMNESTRA
Zum Segen, wie man sagt, bescherte uns
Die Mutter Nacht ein süßes Morgenrot.
Die Freude übertrifft die Hoffnung noch:
Denn Griechenland besiegte Ilion!
CHORFÜHRER
Ja, ist das wahr? Ich kann es kaum begreifen!
KLYTÄMNESTRA
Die Griechen haben Ilion erobert.
CHORFÜHRER
O wie mir da die Freudentränen quellen!
KLYTÄMNESTRA
Die Tränen zeigen mir das Maß der Treue.
CHORFÜHRER
Ist diese Botschaft denn auch wirklich wahr?
KLYTÄMNESTRA
Ja, wahr, es sei, ein Gott hat mich betrogen.
CHORFÜHRER
Vielleicht hat’s dir ein Traumgesicht geflüstert?
KLYTÄMNESTRA
Schlaftrunkne Seelenspinnereien? Nein!
CHORFÜHRER
Kein Traum? Vielleicht ein flügelloses Trugbild?
KLYTÄMNESTRA
Du sprichst, als wäre ich ein junges Mädchen.
CHORFÜHRER
Wann soll denn Ilion gefallen sein?
KLYTÄMNESTRA
In jener Nacht, die uns das Licht gebar.
CHORFÜHRER
Wer trug die Botschaft rasch in dein Gemach?
KLYTÄMNESTRA
Das Feuer von dem Ida, das Signal,
Die Flamme trug von Bote man zu Bote.
Von Ida kam nach Lemnos diese Flamme,
Von Lemnos kam die Flamme dann zum Athos.
Dann auf des Meeres Rücken zog die Flamme
Dem Gipfelfelsen des Makistos zu.
Der lag nicht lang in schlafbetäubtem Traum.
Die Flamme eilte zum Messapion.
Noch sank des Zeichens Kraft ins Dunkel nicht,
Die Flamme wie der Mond war am Kithäron,
Dann über den Gogopis-See die Flamme
Kam endlich zu dem Hause der Atriden,
In Agamemnons Haus. Das ist das Zeichen,
Das mir aus Troja Agamemnon schickte.
CHORFÜHRER
Den Göttern weih ich später mein Gebet.
Laß mich nun weiter lauschen dem Bericht.
KLYTÄMNESTRA
Heut Troja ist gefallen vor den Griechen,
Ich höre Schreie schrillen aus der Stadt,
Die Feinde werden niemals Freunde sein,
Wie Öl und Essig niemals sich vermischen.
So die Gefallnen schreien und die Sieger,
Die Weiber werfen sich auf ihre Leichen,
Auf ihre Gatten und auf ihre Brüder.
Ein greiser Vater weint um seine Kinder.
Die Sieger, hungrig von dem Werk der Nacht,
Sie nehmen alles sich, was sie nur finden.
Die Sieger wohnen nun in Trojas Häusern
Und schlafen sorglos in der Nacht wie Götter.
Die Sieger mögen schänden nicht die Götter
Der Feinde, denn die Sieger wollen noch
Nach Hause kehren ohne Fluch von Göttern.
Was ich dir sagen konnte, ist gesagt.
CHORFÜHRER
Du sprachst mit Klugheit und Verstand, o Frau.
Da ich die Wahrheit nun vernommen habe,
Will ich den Göttern weihen mein Gebet,
Denn Gnade ward uns unverdienterweise!

(Klytämnestra kehrt mit ihrem Gefolge in den Palast zurück.)

CHOR
Höchster Herrscher, Zeus, o Vater!
Nacht, du Spenderin der Gaben!
Trojas Türme sind gefangen
Von dem Fangnetz, draufgeworfen,
Große Leute, kleine Leute,
Keiner ist entschlüpft der Knechtschaft,
Keiner floh vor dem Verhängnis.
Höchster Hüter du des Gastrechts,
Jovis Xenius, o Vater,
Schauernd ehr ich deine Werke,
Die du ausgeübt an Paris,
Lang gespannt war ja dein Bogen,
Sollte doch der Schuß zu frühe
Schnellen nicht von seiner Sehne,
Schwirrend über tausend Sterne
In des Zieles Scheibe treffend.
Zeus getroffen hat den Sünder,
Der geerntet, was er säte.
Manche sagen: Zu erhaben
Sind die Götter, sich zu rühren,
Wenn ein Mensch auf Erden frevelt.
Nein, so sprechen nicht die Frommen.
Wen die Wut gebläht gewaltig,
Der muß zahlen seine Buße.
Wer die Weisheit hat empfangen,
Der bescheidet seine Wünsche.
Das, was ihm erhält sein Leben,
Und nicht mehr, nur das begehrt er.
Keine Mauer kann dich retten,
Wenn du heilige Altäre
Frevelnd trittst mit deinen Füßen.
Keiner von den großen Göttern
Will Gebete von dem Sünder.
Wehe jenem, der befreundet
Sich mit bösen Übeltätern.
Gottes Rache wird ihn treffen.
So ist Paris es ergangen,
Der ein Gast war des Atriden.
Doch hat er entweiht die Tafel,
Die von Gastlichkeit gedeckt war,
Und er stahl des Wirtes Gattin!
Helena schied von der Heimat
Und sie ließ der Heimat Sparta
Schiffsgewühl und Schild und Speere,
Und als Morgengabe Troja
Brachte sie den Brand von Troja.
Als betreten sie die Wohnung,
Klagten in der Wohnung Geister:
O das Schloß und o der Schloß-Saal
Und des Herren ödes Lager,
O verratner Bund der Ehe,
Männersüchtige Begierde
Einer buhlerischen Dirne!
Aber überm Meere herrscht noch
Als Phantom die Ungetreue.
Oh die vielgeliebte Schönheit
Einer Frau im Marmorbilde,
Sie verwundet ihren Gatten,
Der in Einsamkeit zurückblieb,
Seine heißen Augen hungern,
Aber fern ist die Geliebte!
Wie ein Traum, wie Luft die Schatten
Drängen mit Magie und Zauber
Sich gewaltig auf dem Manne.
Ach, die seligen Ikonen,
Die man schaut in Morgenträumen,
Sie zerfließen in die Leere.
Auf des Traumes Straßen nimmer
Noch einmal erscheint die Schönheit
Und begleitet ihn beflügelt.
Nicht noch einmal sieht das Antlitz,
Hört der Stimme Hauch der Träumer.
Einer zog aus Griechenlande
In den Krieg, nur Leid zu ernten,
Leid zog ein in alle Häuser,
Jammer, Sorge fraß die Herzen.
Mancher Mensch mit Qual zerwühlte
Sein Gemüt. Und von den Männern
Kehrte nichts heim als die Asche.
Mars zerstört im Krieg die Körper,
In dem Kampf hält er die Waage,
Greift sich aus den Leichenfeuern
Asche, die beschwört viel Tränen.
Nein, er sendet keinen Goldstaub
Den Verbliebnen in der Heimat,
Sondern Urnen voller Asche.
Klagen mischen sich mit Nachruhm:
Tapfer war doch der Erschlagne,
War voll Mut in dem Gefechte,
Ist gefallen für ein Weibchen,
Für das Weibchen eines andern!
Mancher spricht es in der Stille,
Leise murrend in der Stille.
Unmut nagt an den Atriden.
Andre ruhen vor den Mauern
Drüben in der Erde Trojas,
Feinde in dem Land der Feinde,
Sanken in das Loch des Grabes.
Bitter ist des Volkes Stimme,
Flüche folgen nach dem Sünder.
Nie verlässt mich doch die Sorge,
Daß am Ende mir nicht schaudern
Düstre Stimmen in den Ohren.
Denn vom Weg der schlimmen Mörder
Weichen nie der Götter Augen.
Finstre Furien ziehen schließlich
Den Verfallenen ins Leere.
Keine Rettung wird mehr sehen,
Wer verfallen ist den Furien.
Ruhm liegt mächtig auf der Seele,
Denn vom Himmel schlagen Blitze
In die Gipfel ein der Berge.
Ich erwähl die goldne Mitte:
Möchte nicht auf Thronen sitzen
Und nicht in der Knechtschaft Elend
Such ich selber mir mein Schicksal.
ERSTER GREIS
Feuer gibt die frohe Kunde,
Durch die Stadt die Freudenbotschaft.
Aber ist auch treu die Botschaft
Oder nicht uns nur ein Traumbild?
ZWEITER GREIS
Wer ist denn so blind wie Kinder
Und geschlagen so mit Wahnsinn,
Weil die Flamme aufgelodert,
Sinkt in Bitterkeiten nieder,
Weil die Botschaft war ein Traumbild!
DRITTER GREIS
Auf den Thronen hoher Frauen
Mag sich rasch die Freude rühren
Und sie loben eine Flamme,
Noch bevor es wirklich wurde.
VIERTER GREIS
Gerne wünschen sich die Weiber
Und vertrauen sich dem Zufall
Und so wallen sie sehr eilig
Und so fallen sie auch zeitig.
Ach, was sind die Lobeshymnen,
Die gesungen sind von Weibern!

(Der Chorführer schaut zur Straße, die vom Palast zum Meer führt.)

CHORFÜHRER
Bald wissen wir, ob jener Flamme Zeichen
Die Wahrheit sagte oder wie ein Traum
Am Morgen schwand und uns betrog ihr Schein.
Vom Strande seh ich einen Herold nahen,
Des Friedens Ölzweig kränzend seine Stirn.
Licht wird sein Feuerwort voll Reinheit sein!
Wer andre Wünsche hegt für unsre Stadt
Als Sieg und Frieden in Gerechtigkeit,
Der trage seiner Sünden bösen Fluch!

(Der Herold rennt herbei. Er kniet nieder und küsst die Erde.)

HEROLD
O Heimaterde, mein geliebtes Land!
Im zehnten Jahre endlich fass ich dich!
Zerbrach mir auch so manche schöne Hoffnung,
Du bliebst mir treu, geliebte Heimaterde!
Ich glaubte nicht mehr ans ersehnte Grab
In heimatlicher Erde, wenn ich einmal
Als Geist verlassen darf des Körpers Kerker.
Dich grüß ich, höchster Herr und Vater, Zeus,
Dich, pythischen Apollon, grüß ich, Sohn,
Dein Zorn lag am Skamandros schwer auf uns,
Apollon, sei nun Heiland und Erlöser!
Ich rufe alle Götter an und Hermes,
Den Götterboten, den Patron der Boten!
Und ihr Heroen möget nun empfangen
In lauter Gnade, die das Schwert verschonte!
O meines Königs herrlicher Palast,
Ihr Götterbilder, die ihr schaut gen Osten,
Begrüßt den König, der jetzt wiederkommt!
Grüßt freudig ihn, denn er verdient den Dank,
Hat der Atride doch ein schweres Joch
Gepresst auf Trojas Hals und kehrt zurück
Am Ziel, der Ehre wert von allen Menschen.
Zerschmettert sind jetzt Paris und sein Volk,
Den Fluch der Schuld beschwor er auf sein Haupt,
Verdarb sein Heimatland, sein Vaterhaus,
Die Priamiden büßten Paris’ Schuld.
CHORFÜHRER
Gesandter der Hellenen-Streitmacht, Heil!
HEROLD
Heil ward mir! Gerne sterb ich jetzt, ihr Götter!
CHORFÜHRER
Die Sehnsucht nach der Heimat quälte dich?
HEROLD
Du siehst in meinen Augen Freudentränen.
CHORFÜHRER
Euch plagte dort der Wehmut süße Wollust.
HEROLD
Wie meinst du das? Daß ich es fassen kann.
CHORFÜHRER
Ihr fühltet Sehnsucht, wir auch fühlten Sehnsucht.
HEROLD
Wir sehnten uns und wurden selbst ersehnt?
CHORFÜHRER
Wir haben aus der Seele oft gestöhnt.
HEROLD
Was fiel die schwere Last auf dein Gemüt?
CHORFÜHRER
Ach, laß mich schweigen jetzt von meinen Leiden!
HEROLD
Als unser Herrscher fern war, schwiegest du?
Warum? Aus Furcht vor welchem Menschen schwiegst du?
CHORFÜHRER
Jetzt, Bote, fällt mir auch das Sterben leicht.
HEROLD
Jetzt fällt es leicht uns beiden zu verscheiden,
Doch lehrte uns zuvor die bittre Zeit
Das Glück zu kosten und die grause Qual.
Jedoch, wer lebt und leidet keine Qualen?
Nur Gott allein unfähig ist zu leiden!
Kaum rede ich von all der schweren Mühsal
Und von dem harten Druck des schlechten Wetters
Und von dem harten Lager auf dem Schiff,
Des Tages Stunden sind nicht lang genug,
Um auszuschütten alle meine Klagen.
Noch bittrer war die Unlust dann an Land,
Denn vor den Mauern unsrer Feinde schliefen
Wir in der Nacht, vom Himmel troff der Tau
Und Ungeziefer nistete in uns.
Ob ich auch noch vom Winter sprechen soll?
Soll reden ich vom Frost und von dem Schneesturm?
Soll sagen von des Sommers schwüler Hitze?
Was aber soll ich weiter klagen? Not
Ist nun vergangen und der Toten Seelen
Sind frei von allem Schmerz und allen Qualen!
Was soll ich klagen übers herbe Schicksal,
Ich bin ja dankbar, dass ich leben darf!
Drum sag ich voller Freude meinem Unglück:
Gesegnet sei bei deinem Abschied, Unglück!
Die Griechen haben sich den Sieg errungen
Und alle Beute aus der Stadt der Feinde
Die Griechen weihen jetzt den Heimatgöttern.
Der Feldherr sei gelobt und Gottes Gnade,
Zeus’ Gnade hat ja alles dies vollbracht!
CHORFÜHRER
Ich gebe mich geschlagen durch dein Wort.
Ich bin ein Greis, zu lernen noch bereit.
Zwar Klytämnestra gilt die Freudenbotschaft,
Doch freu ich mich wie meine Königin.

(Klytämnestra tritt aus dem Palast.)

KLYTÄMNESTRA
Ich jauchzte ja schon längst in Freude auf,
Als ich den Boten mit der Flamme sah.
Die Herren Greise haben mich gescholten:
Wie leicht doch Weiberherzen überschwellen!
Ich galt als närrisch ihnen und verrückt,
Jedoch ich ging als Gläubige zum Opfer
Und Mädchenstimmen klangen jubelnd auf
Und Lobgesänge schallten durch die Stadt
Und vor dem Heiligtum der Götter ward
Der süße Weihrauch auf die Glut gelegt.
Ich brauche keinen weiteren Bericht.
Vom König selbst erfahre ich ja alles,
Wenn er nach Hause kehrt. Dann lacht der Tag
Dem Weibe freundlich, wenn ihr Gatte heimkehrt,
Von Gott bewahrt, und sie die Tür ihm öffnet.
Geh, Herold, melde meinem Eheherrn,
Er sei ersehnt und sei schon lang erwartet.
Ich, seines Hauses Dame, blieb ihm treu,
Hab unsern Bund durch keine Schuld verletzt.
Ich kannte keines andern Mannes Lust.
Das Wort ist wahr. Und dieses Eigenlob
Darf eine reine Dame wohl verkünden.

(Klytämnestra kehrt zurück in den Palast.)

CHORFÜHRER
Du hast gewiß das Wort dir eingeprägt,
O Herold, das du sollst dem König sagen.
Doch sag auch mir, was gern ich wissen möchte:
Lebt Menelaos noch, der Fürst von Sparta?
Trat er den Heimweg an und kam zurück?
HEROLD
Ich möcht von süßem Glück nicht gerne lügen.
CHORFÜHRER
Die Wahrheit also kündet nicht von Glück?
HEROLD
Verschwunden aus der Griechenflotte ist
Der Heros Menelaos, das ist wahr.
CHORFÜHRER
Riß ihn ein Sturm hinweg von eurer Flotte?
HEROLD
Dein kurzes Wort umspannt ein langes Leiden.
CHORFÜHRER
Ist er am Leben oder ist er tot?
HEROLD
Das weiß kein Mensch, das weiß allein die Sonne,
Die aufgeht über Guten, über Bösen.
CHORFÜHRER
Berichte mir vom Seesturm und dem Schiffbruch!
HEROLD
Den Glückstag soll kein Unglückswort entweihen,
Der Glanz der Götter duldet keinen Schatten.
Bringt nun ein Bote mit dem Blick der Trauer
Der Stadt verfluchte Nachricht vom Versinken
Der Flotte, fühlen alle Herzen Weh
Und manches Haus, denn viele sind gefallen.
Des Boten Lied, getaucht in bittre Qualen,
Heißt allen dann ein Furiengesang.
Mit Freudenbotschaft Heil euch zu verkünden,
Bin ich gekommen. Fröhlich grüßt die Stadt
Den schönen Augenblick mit Lebenslust.
Wie kann ich Trübsal mischen in ihr Glück?
Die wilde See hat Unheil angerollt,
Der Nordwind blies, es prallte Bord an Bord,
Und triefend klatschte nasser Wasserschwall
Und Schiffe schlugen aneinander, trieben
Ins Dunkel. Als die Sonne morgens aufstieg,
Da lag vor uns das Wasser der Ägäis
Voll Griechenleichen, voll kaputter Schiffe.
Nur uns und unser Schiff gerettet hat
Ein guter Gott. Fortuna war an Bord.
Was nun betrifft die andern Griechen alle,
Nun, hoffen wir, dass sie ein guter Gott gerettet!
Wir hoffen doch, dass König Menelaos
Erscheint in seiner Heimat Sparta wieder.
Es bleibt die Hoffnung, bis er wiederkehrt!
Du hörtest alles, was du hören wolltest.

(Der Herold geht ab.)

CHOR
Wer ersann in tiefer Weisheit
Deinen schicksalsschweren Namen?
Einer von den Unsichtbaren
Formte ihn mit sichern Blicken:
Helena, du schlachtumtobte!
Viele riß sie in die Hölle,
Segler, starke Streiter, Städte,
Weil die ehrenhafte reiche
Seidenpracht ihr nicht genug war,
Weil sie fortgeweht vom Westwind
Ist geflohen auf dem Meere.
Zahllos folgten ihr die Krieger,
Kamen sie zu dem Skamandros.
Sühnende Vergeltung hat nun
Ilion gelegt in Trümmer,
Nämlich Helena, die Schöne,
Hat beleidigt Zeus, den Vater,
Xenius, den Gott des Gastrechts.
Menelaos hat geboten
Paris eine reiche Tafel.
Paris und die lauten Sänger
Sangen laut in schönen Chören,
Als sie heimgeholt die schöne
Helena als Brautgenossin.
Bitter umgelernt hat Priams
Altersgraue Stadt: In Tränen
Ist erstickt das süße Brautlied.
Paris heißt nun Unheilsbuhle,
Allverderber, Tränen-Anfang,
Denn im Sterben ihrer Söhne
Hat die altersgraue Troja
Alle Not und Qual erduldet
Und gebracht den größten Blutzoll.
Also zog ein Mann im Hause
Auf ein kleines Löwenjunges.
Noch hings an der Mutter Zitzen,
War ein Spielgefährte Kindern
Und den Alten eine Wonne,
Und es lag auf manchem Arme
Wie ein wundersüßer Säugling,
Und es leckte an den Händen,
Schaute groß aus Funkelaugen,
Hatte viel im Bauche Hunger.
Größer ward das Löwenjunge,
Zeigte seiner Mutter Erbe,
Lämmer würgend, riß der junge
Löwe sich die kleinen Lämmer,
Blut des Lammes seine Speise.
In dem Hause die Vernichtung
Wütete und Tod und Unglück.
Ach, der Mann war ein Betörter,
Der das Löwenjunge aufzog
Wie ein Kind im eignen Hause!
Auch in Troja eingezogen
War ein Geist wie Meeresstille
Voller Heiterkeit und Lichtglanz,
Ein Juwel von sanftem Scheine,
Augenfreude voller Schmeicheln,
Die beschworen Sehnsuchtsschmerzen
Hat, der Liebe Sehnsuchtsschmerzen!
O die Blume schöner Liebe!
Doch in andres Bild verwandelt,
Schuf sie Trojas bittres Ende.
Ihre Nähe und ihr Umgang,
Ein Verhängnis wars für Troja!
Schien sie Priamus gesendet
Von dem großen Gott des Gastrechts,
Tränen allen zu bescheren
Als die Braut, die heißbegehrte,
Als des Gottes Botin Rache!
Seit den ersten Tagen hört ich
Von des menschlichen Geschlechtes
Glück als einem Lebensbaume,
Immer blühend, nie verwelkend,
Glück auf Glück als Früchte tragend.
Anders hab ich nun gefunden:
Sünden folgen auf die Sünde
Und die gottvergessnen Ahnen
Zeugen gottvergessne Kinder,
Aber frommen Vätern folgen
In der Frömmigkeit die Kinder.
Alles Übermaß des Wahnsinns
Schafft auch irgendwann mit Wollust
Kommenden Geschlechtern Wahnsinn.
Wenn die Stunde kommt der Sünder,
Wacht im Hause auf der Dämon,
Wacht der Dämon schwarzer Habgier,
Wacht die Sünde in den Söhnen,
Die gezeugt in Schuld vom Vater.
Ist die Armut in den Hütten,
Die gerechte Göttin leuchtet
Strahlend in der Armut Hütte.
Aber die gerechte Göttin
Flieht vor dem Palast der Habgier,
Wo das Geld wird angebetet
Und Erfolg mit kaltem Herzen.
Wer sich der gerechten Göttin
Aber kindlich anvertraute,
Diesen führt sie zu dem Heile.

(Agamemnon erscheint auf seinem Wagen. Neben ihm auf dem Wagen die Prophetin Kassandra.)

CHORFÜHRER
O mein König Agamemnon,
Der die Trojaburg bezwungen,
Wie soll ich dich grüßen, König?
Wie soll ich voll Ehrfurcht danken,
Daß ich preise nicht zu strahlend,
Doch auch nicht zu schwach dich rühme?
Menschen wählen oft, was scheinbar,
Wählen nicht das Sein, die Wahrheit.
Seines Nächsten Not beklagt man
Ohne Schmerzen in der Seele.
Mancher scheint sich mitzufreuen,
Birgt den Neid doch kaum im Antlitz.
Wer versteht und kennt die Herde,
Der durchschaut gewiß die Masken.
Freundlich dachten nicht wir deiner,
Als du einst den Krieg befohlen.
Heute aber weiht dem Sieger
Argos das Gefühl der Liebe.
Alles wirst du prüfen, schauen,
Wer dein eigen ist gewesen
Und wer schuldig war im Lande.
AGAMEMNON
Der erste Gruß gebührt den Heimatgöttern,
Da ich der Gnade meine Heimkehr danke.
Die Götter warfen Ilion das Los
Und nur der Rauch zeugt noch, wo Troja stand.
Den Göttern schulden wir den Dank von Herzen,
Da, als wir kämpften um das eine Weib,
Das Holzpferd schließlich uns den Sieg gebracht.
Die Götter grüße ich und sage dir,
Daß selten in des Mannes Brust die Kraft wohnt,
Des Freundes Wohlstand ohne Neid zu sehen.
Ich habe der Gesellschaft Spiegel rein
Zu sehn gelernt, das schattenhafte Bild,
Da Freundschaft scheint nur eine Illusion.
Odysseus einzig ist ein frommer Mann
Und Lebenden und Toten treuer Freund!
Was aber jetzt das Königreich betrifft
Und was den religiösen Kult, bereden
Wir bald in der Versammlung weiser Männer.
Was gut ist, soll in Zukunft auch so bleiben.
Was krank ist, soll der Arzt vom Körper schneiden,
Die Medizin der Krankheit Wurzel heilen.
Ich trete nun in meines Hauses Halle,
Anbetend meinen Gruß den Göttern bringend.

(Klytämnestra tritt aus dem Palast, begleitet von ihren Mägden, die purpurne Teppiche in den
Händen halten.)

KLYTÄMNESTRA
Euch Bürgern Argos’ sag ich ohne Scheu,
Wie Liebe bindet mich an meinen Mann.
Ich hab fürwahr gelernt, was Qualen sind,
Und weiß genug von Lebenslast zu sagen,
Die ich’s ertrug, als er vor Troja war.
Als Frau allein im Hause, ohne Mann,
Ist schlimm genug, und immer die Gerüchte,
Er sei gefallen oder sei gestorben.
Da war ich so verzweifelt, dass ich mir
Das Leben nehmen wollte! – Doch ich wurde
Gerettet! – Heute ist der Sohn nicht da,
Orest, er ist bei einem guten Freunde,
Bei Strophius, denn groß war die Gefahr:
Du, Agamemnon, warst vor Ilion
In tödlicher Gefahr und hier bedrohte
Des Pöbels Rebellion das Königreich!
Ja, wenn ein Mensch erst tief im Unglück ist,
Kriegt er von allen Seiten Tritte noch!
Mir sind die Tränen aber nun versiegt,
Ich hab die Tränen alle ausgeweint
Und kann jetzt keine Träne weinen mehr.
Doch wenn ich endlich finde Schlaf, sehr spät,
Dann wecken mich verhasste Fliegen auf.
Ich hab von deinem Tod geträumt, Gemahl!
Jetzt aber grüße ich dich wie den Frühling
Nach einer langen kalten Winternacht,
Grüß dich wie die Oase in der Wüste.
Der Mann, der Troja in den Staub getreten,
Mit seinen Füßen soll er treten nicht
Auf Staub. Ihr Mägde, breitet aus den Teppich
Dem König, der zurückgekommen ist!

(Die Mägde breiten die purpurnen Teppiche aus und machen eine purpurne Bahn zum Palast.)

AGAMEMNON
Der Mägde Aufwand, den erspare mir,
Die Mägde sollen nicht in Demut mich
Verehren, so als wäre ich ein Gott,
Ich bin kein asiatischer Despot,
Der sich als Gott und König feiern lässt.
Als Mensch, als Mensch will ich geachtet sein.
Denn frei zu sein von Stolz und Hochmut und
Der Selbstanbetung, ist das Beste noch,
Und Demut ist den Göttern wohlgefällig.
KLYTÄMNESTRA
Doch widersetze dich nicht meinem Plan!
AGAMEMNON
Den eignen Plan geb ich gewiß nicht auf!
KLYTÄMNESTRA
Bist du aus Menschenfurcht nur so bescheiden?
AGAMEMNON
Ich weiß sehr wohl, warum ich so entschieden.
KLYTÄMNESTRA
So hätte Priamos wohl nicht gehandelt.
AGAMEMNON
Er wär getreten auf den roten Teppich.
KLYTÄMNESTRA
Du achte nicht darauf, was sagt der Pöbel.
AGAMEMNON
Des Volkes Stimme ist die Stimme Gottes.
KLYTÄMNESTRA
Die Armen sind nur neidisch auf den Reichen.
AGAMEMNON
Dir, Weib, dir steht der Zanksucht Zunge nicht!
KLYTÄMNESTRA
Auch stolze Sieger beugen sich vor Frauen!
AGAMEMNON
Du willst in diesem Zungenkriege siegen?
KLYTÄMNESTRA
Ja, gönne mir den Sieg und den Triumph!
AGAMEMNON
So sei es. Mägde, löst mir die Sandalen,
Ich möchte barfuß auf den Teppich treten.
Die guten Götter mögen mir verzeihen!

(Agamemnon zeigt auf Kassandra.)

Die Fremde führe gütig auch ins Haus!


Die Götter schauen voller Gnade an
Den milden Sieger, seine Güte segnend.
Kassandra hier, der Beute edle Perle,
Ward mir vom Heer der Griechen zugesprochen.

(Agamemnon steigt vom Wagen, tritt barfuß auf den roten Teppich.)

Ich beug mich deinem Willen, Klytämnestra,


Und zieh auf Purpur ein in den Palast.

(Agamemnon tritt in den Palast ein.)

KLYTÄMNESTRA
Das Dach, es schützt uns vor der Hundstagshitze.
Du bist zurückgekehrt zum Herd der Heimat
Und deine Heimkehr gleicht dem Sonnenschein
Nach endlos langer kalter Winternacht.
Und deine Heimkehr gleicht der frischen Kühle
Am hohen Mittag in der Sommerhitze.
O Zeus, o Zeus, vollende meinen Plan!
Führ mich zum Ziel, das mir im Sinne liegt!

(Klytämnestra tritt auch in den Palast.)

KÜNSTLER, PHILOSOPHEN, HETÄREN

Mein Freund, wer Gaben hat der Wollust zu vergeben,


Die gibt den Männern das, was sie so heiß erstreben,
Nach ihrer Liebeskunst Hetären nennt man sie,
Wie Huren sind sie nicht gemeiner Pornographie.
So liebst du also die Hetäre, bist ihr Kater? –
Ja, Bruder, sie ist klug und schön, bei Gott dem Vater!

Hab acht, mein Platonist, dass du nicht unnatürlich


Mit Knaben gibst dich ab, was widerkreatürlich,
Und so die Göttin kränkst, die Göttin wahrer Lust,
Denn das befleckt doch nur die Seele in der Brust.
Die Knaben sind zwar schön, die Jünglinge im Städtchen,
Und haben keinen Bart und sind so süß wie Mädchen,
Doch sind sie nicht mehr schön, wenn ihnen wächst der Bart.
Glykere hat es mir dereinst geoffenbart.

Mag sein, es fragt sich wer von meinen lieben Hörern,


Mit gutem Grund fragt sich das wer von den Betörern,
Ob irgendwo im Reich der guten Attika
Zu finden ist ein Weib, ob je ein Freier sah
Ein Weib in Attika, die ward genannt Mania?
Das wäre eine Scham (bei Hagia Sophia),
Denn dieser Name ist der einer Phrygierin!
Wenn einer Dirne dies Athens käm in den Sinn,
Beschämend wäre das, ein Werk von Idioten,
Wenn nicht die Stadt Athen dies hätte doch verboten.
Athen ist eine Stadt, wo Männer sind erprobt
Und das Hetärentum von Weisen wird gelobt!

Philyra hat gehurt in ihrem Reiz der Jugend,


Dann später wurde sie zur Dame voller Tugend.
So tat Scione auch, tat Hippophesis auch
Und Theokleia auch mit ihrem straffen Bauch,
Im Alter ehrsam ward die schöne Theokleia,
Psamathe ebenfalls und ebenso Antheia.

O mein Hetärenweib, o Nais mit der Lyra,


Kennst du die Dirne auch, die falsche Anticyra,
Die falsches Zeugnis gab und gern gelogen hat?
Wie ihre Augen blass doch waren, stumpf und matt!
Ihr Name eigentlich war Oia, wie berichtet
Aristophanes, der von jenem Weib gedichtet.
Doch Anticyra hieß sie, weil sie gerne trank
Mit einem, der in Wahn und Wollustrausch versank
Und ist in Leidenschaft im Lotterbett versunken,
Weil Anticyra ihn mit Wein gemacht betrunken!

Ich hab in meinem Haus die milde Sophrosyne


Und die Gerechte auch, die Frau Dikaiosyne,
Arete wohnt bei mir, die fromm und tugendhaft,
Andreia geht mit mir, die stark und voller Kraft,
Akesis gut beherrscht der Liebe Disziplinen,
Die Weiber alle mir mit ihren Gnaden dienen. –
Mein Freund, wie mich erfüllt der allerschärfste Neid!
Gib mir doch eine ab, ach eine junge Maid!
Ich möchte gerne auch mit einer Sklavin buhlen,
Gewiß, die Weiber sind nur feminine Dulen? –
Doch Apollonius dem Freund zur Antwort gab,
Der über diese Fraun brach richterisch den Stab:
Nein, diese Frauen sind nicht feminine Dulen,
Du kannst, mein Freund voll Neid, mit keinem Mädchen buhlen,
Nein, respektabel sind die Damen! Jede Maid
Ist eine Herrscherin von heilger Herrlichkeit!

Wenn je ein guter Mann in Not kam und in Sorgen,


So die Hetäre hat am Abend und am Morgen
Ihn liebevoll gegrüßt, gemacht von Kummer frei,
Die Seele ihm liebkost mit sanfter Schmeichelei
Und hat ihn dann geküsst. Die Küsse zwar nicht taugen,
Ihm wie dem schlimmsten Feind die Seele auszusaugen,
Nein, die Hetäre küsst, wie eine Taube nickt
Und wie sie girrend gurrt und wie sie schnäbelnd pickt.
Sie sitzt mit ihm zu Tisch, sie speisen ohne Eile,
Sie plaudern klug und fromm, ganz ohne Langeweile,
Sie nimmt die Qual ihm fort, charmanten Lächelns so
Und süßen Plaudermunds sie macht ihn wieder froh.

Der nackten Hure auch man kann den Namen geben


Der wunderbaren Sphinx vom fernen Lande Theben,
Sie schnattert nicht und schwatzt und plappert mit dem Mund,
In Rätseln spricht sie, tut geheime Weisheit kund.
Wie süß die Liebe ist, wie züngelnd lecken Flammen,
Wie gerne kommt sie doch mit ihrem Freund zusammen.
Wenn sie in Rätseln spricht, dann sagt die Sphinx sehr nett:
Vier Beine habe doch das breite Liebesbett,
Auf einem Dreistuhl lallt die Pythia im Städtchen,
Zwei Beine lang und schlank, so sind die jungen Mädchen.

Hetären kenn ich auch, die sind sehr eingebildet


Auf ihre Schönheit. Und die andern sind gebildet,
Erzogen sind sie gut. Die pädagogischen
Hetären reden gern mit Weisen, logischen
Sophisten, sind auch gern bei Dichtern, um zu lernen.
Die Namen kennen sie von allen Himmelssternen.

O weiser Sokrates, so sprach Aspasia,


In dir ist Sehnsucht nach den lieben Knaben da,
Die beißen dir ins Herz! Doch sollst du darauf achten
Und meinen guten Rat nicht voller Stolz verachten
(Mein Körper wird verzehrt vom Feuerstrom des Glücks,
Doch Tränentau hängt an den Wimpern meines Blicks):
Ermanne du dein Herz und diene allen Musen,
Das gibt dir neue Kraft. Vertrau auf meinen Busen
Und auf mein treues Herz. Ich helfe dir, den Sohn
Zu sehen wiederum auf seinem Götterthron.
Die Muse hilft allein, die Muse auserkoren.
Dein Liebesflüstern gieß in dieses Knaben Ohren.
Der Anfang aller Lust, das ist der Muse Kunst,
Mit ihrer Hilfe du erweckst in ihm die Brunst,
Erobre seinen Geist, dien ihm mit weisen Scherzen,
Gieß ein der Liebe Wort dem Ohr in seinem Herzen.

Philänis schrieb dies Buch: Der Weisheit diene frei


Und den Erkenntnissen – doch nicht der Hurerei!

Der Olympiade Held kam siegreich zur Hetäre


Und sprach zum schönen Weib: Der Schönheit alle Ehre!
Sieh, wie den Nacken bricht des starken Ziegenbocks
Der übergroße Reiz des jungen Mädchenrocks!

O liebe Mutter mein, beim Vater allen Lichts,


Wie könnt ich nehmen denn ins Bett den Taugenichts,
Der alle Mädchen will in seinem Bette haben,
Daß alle sie vereint in seinem Bett ihn laben?

Geh einen andern Weg, du graugewordner Mann,


Zur Todesstunde denkst du nicht an Liebe dann
Mit einem Lotterweib! Willst du dem Gott dich weihen,
Dann willst du sterben nicht mit sexuellen Schreien!

Gnathäna lud mich ein, wir tranken roten Wein.


Diphilus, sagte sie, jetzt sind wir zwei allein.
Gnathäna, sagte ich, wie kalt ist doch dein Becher,
Da friert die Lippe fest am Becherrand dem Zecher!
Das ist die Strafe, gab sie lächelnd mir zurück,
Dafür, dass ich so oft erschein in deinem Stück.

Gnathäna fürchtete, es könnte wer erhaben


Die Künste lernen und noch reicher sein an Gaben
Der Liebeskunst als sie. Diphilus sie bezahlt,
Indem ihr Angesicht in seinen Stücken strahlt.

Nun sag mir, mein Poet, was schreibst du solche Sachen?


Weg, all ihr Sünder, die so schlimme Sachen machen!
Euripides stand da und war zutiefst erstaunt
Und so in seinen Bart er murmelt leis und raunt:
Du Hure, bist du’s nicht, die schlimme Sachen treibt?
Was wundert es dich, wenn ein Dichter davon schreibt?
Die Hure sprach: Poet, tu ich den Leib dir schenken,
Schlimm ist es denen nur, die Schlimmes dabei denken!

O bei Athene und den Göttern aller Wonnen,


Wie kalt das Wasser ist in deinem tiefen Bronnen! –
Die Strafe ists dafür, dass mich dein Wort betrog
Und du mich reden lässt im närrischsten Prolog!

Ein Mann aus fremdem Land, ein heldenhafter Krieger,


Der meinte, er sei selbst in allen Schlachten Sieger,
Der kam einst nach Athen und hat sich umgeblickt,
Hat nach Mania dann den Boten ausgeschickt,
Er werde zahlen Geld der phrygischen Hetäre
Und geben alles ihr, was immer sie begehre.
Zum Gastmahl lud er ein nun einen Zechkumpan,
So einen Zechkumpan, der auch voll wildem Wahn,
Der den zerrissnen Schlund auch gern im Rotwein bade
Und abirrt in dem Rausch vom schmalen Weg der Gnade,
Den fragte unser Mann: Mein Bruder, sage mir,
Was ist in dieser Welt das allerschnellste Tier?
Subtil und witzig war gedacht die Rätselfrage,
Wie Antilopen man gleich schwarzen Panthern jage.
Mania war im Raum, war schöner als ein Traum,
Verließ auch ab und an des Zechgelages Raum,
Und witzig sprach das Weib: Das schnellste Tier? Du, Krieger!
Das allerschnellste Tier? Du selber bist es, Sieger!
Denn ich erinnere mich daran, Seelengast,
Wie du den Schild im Krieg einst fallen lassen hast!

Mania lächelte: Mein Schatz, bei den Propheten,


Ich will nur lernen von olympischen Athleten,
Den Kugelstoßern, die da stoßen Stoß um Stoß!
So stoße in der Nacht auch du in meinem Schoß!

Callisto einmal sprach, die liederliche Dirne:


O Sokrates, du Mann mit Furchen in der Stirne,
Mit deiner Redekunst lockst fort du keinen Sohn,
Der von Callisto will den schnöden Hurenlohn!
Zur Antwort Sokrates der Nutte gab der Nutten:
Die Götter sind mit dir, Eroten, nackte Putten,
Du hast es auch sehr leicht, dein Weg ist reich geziert,
Die Pforte offen, breit, die zur Verdammnis führt!
Ich aber führte sie die Straße, eine steile,
Den engen Pfad hinan durch Dornen zu dem Heile!
Den breiten Weg hinab durch dunkle Hurengassen
Geht lieber doch das Volk, der Pöbel dummer Massen.
Der Tugend Weg ist steil, ist ohne Sünden-Reiz,
Und wenig sind es nur, die gehn den Weg zum Kreuz!

Die Dirne Thais sprach zu Euthydemus so:


Was ist denn ein Sophist mit seinem A und O
Was andres als ein Weib, die lüstern als Hetäre
Dem Manne gibt sich hin, wenn er das Weib begehre?
Wie die Hetäre der Sophist hat nur im Sinn
Des Mammon Gunst und Huld, den irdischen Gewinn.

Der weise Solon sah einst in Athen viel Männer,


Die Alleskenner sah er und die Alleskönner,
Die allzeit voller Lust und immerdar potent,
Doch fehlte ihnen noch der Weiber Element.
So pflanzte Solon ein in seiner Stadt, der reinen,
Die Prostituierten, die geliebten Allgemeinen.
Sie standen auf dem Markt, entblättert, splitternackt,
So prüfe sie der Mann, ob tauglich sie zum Akt.
O Mann von Griechenland, dich plagt des Lebens Jammer?
Fort mit der Traurigkeit! Tritt ein in jene Kammer,
Nur deine Taler gib, wenn du schon überquillst,
Sie tut dir ganz nach Wunsch, sie liebt dich, wie du willst!

Zeus-Vater weiß es wohl, ihr alten Ehefrauen,


Die Dirnen haben nicht ein silbriges Ergrauen.
Sie haben sich den Mund nicht scharlachrot geschminkt,
Nicht dunkelblau getönt der Schlitz des Auges blinkt.
Und wenn die Sonne glüht, von vorne und von hinten,
Nicht Tränen weinen sie wie dunkelblaue Tinten,
Und nicht die Schminke mischt, das Blau sich mit dem Rot.
Nicht grau das dünne Haar. Sie zittern nicht vorm Tod.
Die jungen Hürlein sind fürwahr nicht ähnlich jenen
Verwelkten Ehefraun mit schüttern-grauen Strähnen.

Ach, nur für den Profit, den Nachbarn auszurauben,


Nur darum gurren so verliebt die Turteltauben!
Und Netze knüpfen sie, ein süßes Spinnennetz,
Das klebrig ist und hascht, dass sich das Weib ergötz.
Ach, die Hetären all, sie sind nicht, was sie scheinen,
Der nackte Körper ist verborgen unterm Leinen.
Die eine ist zu klein, da tut sie was dazu
Und hohen Absatz trägt sie unter ihrem Schuh.
Des Weibes Becken ist schön breit? Dies auszumalen,
Legt sie den Gürtel an, mit ihrem Reiz zu prahlen.
Des andres Weibes Aug ist nichts als nur ein Schlitz,
Darüber täuscht sie dann hinweg mit Weibes Witz
Und malt die Lippen an mit feuerroter Schminke,
Daß jeder wünsche, dass er von dem Munde trinke.
Der andern Brust ist klein, nicht prachtvoll groß die Brust,
Wo große Brüste doch sind aller Männer Lust,
Das füllt das Weib dann aus mit einer Künstlichkeit.
Des andern Weibes Bauch ist dick, ist allzu breit,
Die Hüfte wie ein Ring, da trägt sie weite Röcke,
Daß das bemerken nicht die geilen Ziegenböcke.
Dort ist ein Körperteil sehr gut gebaut – ein Fakt
Ist, was ich sage euch – dann zeigen sie ihn nackt.
Wenn ihre Brüste sind wie weißen Schaumes Wellen,
Dann lassen sie die Brust aus ihrem Hemdchen quellen.
Hat eine Zähne weiß, sie sicher oftmals lacht
Und zeigt der Zähne Schnee und ihrer Schönheit Macht.
Und ist sie traurig doch, sie will, man soll sie kitzeln,
Ein Dichter soll als Narr dann komisch vor ihr witzeln,
So zeigt die Zähne sie erneut, die Perlenschnur.
So weise in der Kunst ist jede, jede Hur.

Diogenes sprach einst, der Zyniker, der Hund,


Zu Aristippus, dem Sokratiker, gab kund:
Mein Aristippus, du liebst eine nackte Hure?
Bekehre dich und nimm die Lehre an, die pure,
Und werde Zyniker wie ich, ein armer Hund!
Doch Aristippus sprach mit Lächeln um den Mund:
Diogenes, erscheint es schlecht dir, dort zu wohnen,
Wo viele wohnten schon seit ewigen Äonen?
Nein, sprach Diogenes, das scheint mir gar nicht schlecht.
Und Aristippus sprach: Und hat man nicht das Recht,
Zu fahren mit dem Schiff, mit dem schon viele fuhren?
Doch, sprach Diogenes, was aber mit den Huren?
Und Aristippus sprach: So will ich an dem Weib
Ergötzen mich, die schon mit ihrem süßen Leib
Erquicket viele hat, in dieser Welt der Schatten
Will ich der nackten Hur mich auch in Wollust gatten!

Die Kurtisane dort, wie schön weiß sie zu essen!


Man sieht sie nicht so grob das Fleisch wie Männer fressen,
Sie reißt das Maul nicht auf, dass sie hinunterschlingt
Was, Jäger ihr, im Netz für ihre Tafel fingt,
Nicht mit den Zähnen reißt sie wölfisch an dem Fleische,
Nein, sie speist voller Maß, wie eine fromme keusche
Geweihte Jungfrau von Milet, so voller Maß
Die Kurtisane schön den Entenbraten aß.

O Göttin Muse, sing mir von der Art der Frauen,


Wie ich sie durfte oft schon auf der Erde schauen!
Die eine ist voll Kraft und ist wie Männer stark,
Die andre ist voll Lust, Saft saugend aus dem Mark,
Die andre ist sehr klug, fast nennt man sie schon weise,
Die andre, ungerecht, ist streng auf jede Weise,
Die andre jagt davon den Freier, der sie liebt,
Und nimmt doch alles an, was er ihr opfernd gibt.

So sagte Sokrates zur Dirne Theodote:


In deinem Körper wohnt die Seele bis zum Tode,
Die Seele unterweist dich, wie des Körpers Glanz
Die Freuden spenden kann, die Männer freuen ganz,
Und wie die Reden dein aus warmem Herzen sollen
So klug sein wie gelernt aus den antiken Rollen,
Wie du willkommen heißt den frommen Seelengast,
Daß du den bösen Mann von ganzem Herzen hasst!
Und wenn ein Freund von dir gekommen zu den Kranken
Ins Krankenhaus, wie du, die Götter werden’s danken,
Ihn dann besuchen sollst und halten seine Hand.
Und wenn ein Freund das Glück schon auf der Erde fand,
Daß du dich mit ihm freust, dem großen Gott zu danken.
Doch wenn ihm ins Gemüt gekommen ein Erkranken
Und große Traurigkeit, dann reich ihm deine Hand
Und lächle lieb ihn an und tröste ihn charmant!

Es sprach das Mütterchen zur Tochter eine Mahnung:


Diphilus sagte mir, ich hab so eine Ahnung,
Daß du getrunken hast mit der Genossenschaft
Des Freundes und getanzt mit aller Reize Kraft,
Daß mit des Beckens Schwung du alle Männer labest
Und dass du seinem Freund dann viele Küsse gabest.

So sagte Sokrates vom Mädchen Theodote:


Sie war so wunderschön in Aphrodites Mode,
Die eine Freundin war, die alle Männer ehrt
Und jedem Manne gibt, was er von ihr begehrt.
Ein Maler sah sie einst, da wollte er sie malen,
Daß er Urania sah um das Mädchen strahlen,
Da ward sie sein Modell. Er sah, ob ihr es glaubt,
Die schöne Frau so nackt, wie Tugend es erlaubt.

*
So sagte Sokrates vom Mädchen Theodote:
O dass das schöne Weib in Aphrodites Mode
Ihr Schönsein zeigte uns und gnadenreiche Huld,
Daß wir Urania verehrt in frommem Kult,
Daß sie sich sehen ließ vom Scheitel bis zur Wade,
Das war den Schauenden von Gott doch große Gnade.
Wer war gesegnet mehr, sie, die sich sehen ließ,
Wir, die wir schauten an dies Weib vom Paradies?
Wer profitierte mehr, die Frau, die ließ sich schauen,
Wir, die wir schauten nackt die Schönste aller Frauen?

Praxiteles erschuf dem Eros die Gestalt,


Er offenbarte so des Eros Machtgewalt
Und offenbarte so als Genius bescheiden,
Was er von Eros’ Macht so alles musste leiden.
Er machte das Modell nach seinem innern Sinn
Und gab es Phryne dann als Liebesopfer hin.
Des Eros Zauberspruch kommt nicht mehr von den Waffen,
Es kommt jetzt von dem Bild, den das Genie geschaffen.

Die nackte Königin der Liebe und der Lust


Steht jetzt als Knidia mit offenbarer Brust
In ihrem Gotteshaus, zugänglich allen Männern,
Die schaun sie voll Genuß mit Augen an von Kennern,
Und wie die Göttin es gewollt, der Wollust Born,
Die nackte Göttin sieht von hinten man und vorn.
In jeder Hinsicht schön die Göttin ist, die Nackte!
Frau Phryne stand Modell zu diesem Venus-Akte.

Kythere Paphia ist auf dem Meer gegangen,


Um so nach Knidos in den Tempel zu gelangen,
Und sah ihr Bildnis an, die Marmorgöttin schön,
Und seufzte leise dann mit liebendem Gestöhn:
Praxiteles, mein Freund, wie soll ich das verstehen,
Wann hast du Paphia Kythere nackt gesehen?

Frau Phryne lächelnd sprach zum Künstler, ihrem Freund:


Hab keine Angst, mein Freund. Du hast, wie es mir scheint,
Der Göttin Akt gemacht, der einzig, unvergleichbar,
Die nackte Königin der Liebe unerreichbar,
Wie nie ein Mann gemacht. Die Herrin deines Fleisches
Hast du verewigt so. Dein Kunstwerk ist ein keusches.
Ich, Phryne, stand Modell für Aphrodites Akt,
Mich sahst du, dein Modell und deine Muse, nackt.
Die fünfzigjährige Frau Phryne, dein Exempel,
Wird angebetet nun als Gottheit hier im Tempel.

Frau Phryne stand dereinst vor Richtern, Advokaten,


Das Urteil im Gericht sie schon verkünden taten,
Als Phryne eben rasch, die Nachwelt soll es wissen,
Das Oberhemd herab von ihrer Brust gerissen,
Vor Advokaten da und vor Juristen fremd,
Sie stand mit bloßer Brust und mit zerrissnem Hemd,
Sie offenbarte dem Gericht die nackten Brüste
Und alle jauchzten laut vorm Inbegriff der Lüste!
Und ihr Verteidiger sprach so vor der Justiz:
Die Göttin aller Lust in ihrem Muschelsitz
Bewahrt die Priesterin, Prophetin ihrer Wonnen,
Die Königin der Lust ist Phryne wohlgesonnen!
So gnädig im Gericht die Göttin aller Lust
Der schönsten Phryne war mit der entblößten Brust.

Aus gutem Grunde baun sakrale Heiligtümer


Für die Hetären schön verliebte Frauen-Rühmer,
Doch ist in Griechenland an keinem Ort zu schaun
Von Gatten aufgestellt ein Tempel ihren Fraun.

Hetären aber nennt man Freundinnen allein,


Will die Hetären nur der Liebesgöttin weihn,
Der Freundschaft Göttin, die man preist in mancher Mythe,
Als Sankt Urania, Hetaira Aphrodite!
Die Göttin stiftet erst der Freundschaft schönen Bund
Von Männern und von Fraun mit vielgeküsstem Mund.

Es ist ein frommer Brauch, wie fromme Bräuche sind,


Daß in der Hafenstadt man betet, in Korinth,
Zur Göttin-Königin, des Meeresschaumes Blüte,
Die Männer beten an die Göttin Aphrodite
Und flehn die Göttin an um der Hetären Huld,
Daß die Hetären sich im Aphrodite-Kult
Ganz liebend geben hin, die Männer zu erlaben.
Die Dirnen kommen dann mit ihren Opfergaben.

Ihr jungen Mädchen ihr, ihr Liebesdienerinnen,


Der Peitho Sklavinnen, ihr Wollustherrscherinnen,
Ihr brennt den Weihrauch auf dem heiligen Altar
Und bringt Gebete heiß der Großen Mutter dar!
Euch ist es garantiert, man darf mit schönsten Trieben
In dem durchwühlten Bett euch phantasievoll lieben!
Ich aber frage mich, was wird der Vatergott
Wohl sagen zu dem Lied? Wird spotten er mit Spott,
Daß ich gesungen süß mit honigsüßer Zunge,
Wie ich geliebt im Stehn die Reizende, die Junge?

O Hafen von Korinth, o hochbeglückter Hafen,


Mit tausend Huren will ich in dem Tempel schlafen,
Vieltausend Huren sind im Hafen von Korinth,
Sind Hierodulen und Hetären, reizend sind
Die Mädchen! Und die Stadt geworden ist zur Reichen,
Weil aus der ganzen Welt herbei die Männer streichen
Und mancher Seemann kommt und mancher Kapitän,
Um dieses Paradies auf Erden schon zu sehn!

Im Hafen von Korinth ein Festival der Liebe


Gefeiert wird, ein Fest der freigelassnen Triebe!
Die freie Bürgersfrau nimmt nicht am Feste teil,
Doch alle Sklavinnen sind lüstern und sind geil
Und die Gespielinnen und Freier sind betrunken!
Oh der Glückseligkeit, am Busen saugen trunken!

Der König Gyges einst, der Herr von Lydia,


Besessen von der Magd der Sankt Urania,
Besessen von dem Weib, der freien Liebe Närrin,
Besessen wie ein Narr von seines Fleisches Herrin,
Des Reiches Hälfte er der Vielgeliebten bot
Und liebte diese Frau auch noch nach ihrem Tod
Und baute ihrem Geist ein Denkmal voller Größe,
Weil er besessen war von diesem Schoß der Schöße!
Das Denkmal war so groß, der Liebe Monument,
Das man vom Gipfel es des Tmolus noch erkennt.

Der große Harpatus von Mazedonia,


Der Alexanders Schatz geplündert hatte, sah
Einst Pythionice und begehrte die Hetäre
Und gab ihr alles, Geld und Lebenskraft und Ehre,
Obwohl das schöne Weib, die Pythionice, nur
Hetäre war und nichts als allgemeine Hur.
Und als die Hure starb, die Hure aller Huren,
Da baute er für sie die größte der Figuren,
Errichtete für sie ein Riesenmonument,
Zu dem die ganze Welt in heißer Lust entbrennt!
Und als man ihren Sarg begraben in der Erde,
Die Flöten bliesen schön die Hirten ihrer Herde
Und Chöre sangen laut, als man die Flöten blies,
Daß Pythionice fuhr zu Gott ins Paradies!

Auf dem sakralen Weg zum heiligen Athen,


Athenes Tempel schon von weitem ist zu sehn.
Da steht ein Monument, das wird von scharfen Kennern
Als Denkmal angesehn von großen weisen Männern,
Des Demokraten Mal, des großen Perikles,
Es wäre würdig auch des weisen Sokrates.
Doch schaut man näher hin, das Monument verzierte
Der Name einer Frau, die eine Prostituierte
Gewesen war, die man als Pythionice kennt,
Ihr baute einst ihr Freund dies Riesenmonument.

Im heiligen Athen, der Götterweisheit Nabel,


Ein Denkmal ist zu sehn, wie auch in Tochter Babel,
Das Alexanders Freund errichtet, aufgestellt,
Das schönste Monument in der antiken Welt,
Da Pythionice galt der Liebeslust Exempel,
Errichtet ward für sie von ihrem Freund ein Tempel,
Wo Pythionice ward von Freiern angefleht,
Als Pythionice, ja, als Venus im Gebet!

Der großes Harpatus gebot des Volkes Leuten,


Des Königs Machtgebot, das hatte zu bedeuten,
Will man ihm bringen dar die Krone eines Herrn,
So möge alle Welt, bei Göttin Morgenstern,
Als erstes bringen dar das Diadem, das pure,
Der Lieblingin des Herrn, der schönsten nackten Hure,
Denn wie er König war in seinem edlen Sinn,
So war die Lieblingin des Reiches Königin,
Die nackte Hure war die große Basilissa
Der Basilea, Magd der Göttin Aphroditissa!
Beachtet das Gebot, ihr Männer, ganz genau,
Ehrt mehr die Königin als Mutter oder Frau!

Ah, jenes schönste Weib, das teilt den Göttertempel


Mit Eros, dieses Weib, der Liebeslust Exempel!
Wodurch ist dieses Weib in der Magie geschickt,
Mit der die Freier sie versklavt und unterdrückt?

Ich sah das Marmorbild Cottinas, der Hetäre.


Wenn ich das Marmorbild betrachte, so begehre
Cottina ich sogleich. Wie Schnee die Brüste hell!
Cottinas Namen trägt auch nahbei ein Bordell,
Colona nahe, wo zu allem Überfluß
Auch noch ein Tempel ist für Sankt Dionysus.
Das Freudenhaus ist gut bekannt in diesem Städtchen,
Dort dienen reife Fraun und angestaunte Mädchen
Und bringen Opfer dar. Athene auch schaut zu
Cottinas Marmorbrust, dem Euter einer Kuh!

Es war einst eine Frau, das schöne Hürlein Thais,


Die war genau so schön wie jenes Hürlein Lais.
Zu Alexander sprach die Dirne Thais da:
O Alexander, kommst du nun nach Persia,
Berausch mit Feuerwein die Weiber aller Enden,
Daß sie berauscht vom Wein, mit wildgewordnen Händen
Die Tempel Persias aus Rache reißen ein,
Weil Perser einst gestürmt der Aphrodite Hain!
Und so geschah es auch. Die vielen jungen Männer
Im trunknen Rausch, des Weins gelehrte weise Kenner,
Und trunkne Weiber in Ekstase und in Rausch
Die Tempel rissen ein in Bogen und in Bausch
Und stürmten durch die Stadt mit feuerheißen Fackeln!
Des Weibes Becken tanzt! Des Weibes Brüste wackeln!

*
Es war in Abydos, die Sklaven listig lauern
Und die Hetären all eroberten die Mauern
Und stiegen in die Stadt und zündeten sie an
Und mordeten im Schlaf das Männchen und den Mann.
Dann weihten sie die Stadt, die nun im Feuer glühte,
Der Göttin des Geschlechts, der Göttin Aphrodite!

Als Perser drangen ein aus finsterm Orient,


Zu morden Griechenland im frommen Okzident,
Die Huren beteten zur Göttin Aphrodite,
Daß Aphrodite schützt des Abendlandes Blüte,
Hetären beteten und weihten Griechenland
Der Himmelskönigin, vertrauten ihrer Hand
Das weise Griechenland, Athenes Zitadellen.
Gebete drangen auf aus himmlischen Bordellen!

CORINNA

Corinna ist mir treu, die Städte ruiniert,


Das Portemonnaie entleert, dass sie mit Schmuck sich ziert,
Im Morgentraum lag sie bei mir, im Morgengrauen,
Ganz splitterfasernackt, die Lüsternste der Frauen,
Zu heiligem Genuss, ganz wie es mir gefällt,
Auch musst ich zahlen nicht für ihre Lust mit Geld.
Nicht flehen musst ich mehr um Gnadengunst der Süßen
Und vor der Grausamkeit nicht Tränen mehr vergießen!
Umsonst hab ich die Lust im Morgentraum gehabt,
Corinna hat mich da erquicket und gelabt.

Wie süß das Küsschen ist Corinnas, wenn sie leicht


Mit ihrer Zunge mir die Lippe lieb bestreicht,
Mit Küsschen nicht allein, nein, ihre Küsse taugen,
Das Mark der Seele mir aus meinem Fleisch zu saugen!

Nicht Edelfrauen schätz ich hoch mit stolzen Stirnen,


Ich liebe Sklavinnen der Lust, die leichten Dirnen.
Die Edelfrauen, ach, sind lieblos und sind stolz,
Wie sehr du dich bemühst, sie sagen nur: Was solls!
Die Dirnen aber sind, und sind sie noch so billig,
Sie sind doch wunderschön und auch zur Liebe willig!
*

Nein, nicht die Mädchen eng und auch nicht eine Alte
Mit ausgeleierter und abgenutzter Spalte,
Sie reizen mich nicht mehr! Wie Mädchen albern sind,
So hab ich Mitleid nur mit diesem dummen Kind.
Die Alte aber flößt mir Ehrfurcht vor der Würde
Des Alters ein und vor der grauen Haare Bürde.
Jedoch die reife Frau, das reife Wonneweib!
Geschaffen ist zur Lust des reifen Weibes Leib!
Die Schönheit ist sie selbst in ihrer höchsten Blüte!
Sie zieht mich ins Gemach, ins Bett der Aphrodite!

Corinna, selbst sollst du so ruhn, wie ich im Froste


Vor deiner Türe lag, entfernt von allem Troste!
Treulose Hure du, nun bist du gar nicht nett,
Du lässt mich nicht mehr ein in dein wollüstig Bett!
Sind voll Barmherzigkeit die Nachbarn, die im Raume
Mir gaben roten Wein. Du nicht einmal im Traume
Erbarmst dich über mich mit deiner Brüste Paar?
Bald aber straft dich Gott, wenn ausfällt dir das Haar!

Corinna, höre nicht auf deiner Mutter Rat!


Verlasse ich auch jetzt die heimatliche Stadt
Und zieh ins ferne Land, nicht achte aufs Gerede
Der Weiber dieser Welt! Verlache kräftig jede!
Du lebe heiliger als ich und hab nur Mut,
Denn Heil wird dem beschert, der Armen Gutes tut.
Ernähre dich gesund. Du sollst mir Briefe schreiben
Von dem, was dir gefällt, in dieser Welt zu treiben
Und wo an welchem Strand du in der Glut des Sands
Gebettet liegt im Arm von welchem dummen Schwanz.
Sei sparsam mit dem Geld! Wenn jene, die dich ficken,
Dir geben etwas Geld, so sollst du mir was schicken!
Und wirst du schwanger gar, so bring das Kind zur Welt –
Ein Nest ist doch bereit für jeden jungen Held!

Wer schlug mich, welcher Narr, mich jagend aus dem Hause,
Da ich gebetet fromm in Aphrodites Klause?
Da war er überrascht, der mich bei dir ertappt,
Wie ich mit dir vereint gevenust und priapt!
So ist der Weiber Art: Der Gott steht in der Nische!
Jetzt aber geb ich acht, dass keiner mich erwische.

*
Die eine schöne Frau ist keusch, zu frostig, allzu keusch,
Sie gibt sich niemals hin, erquickt mir nie das Fleisch!
Die andre schöne Frau, gewillt mich zu erquicken,
Schon in der ersten Nacht ließ sie sich willig ficken!

Corinna, weißt du noch, wie ich halbnackt dich fand,


Des andern Mannes Schwanz in deiner rechten Hand?
Bei Sankt Pythagoras und seiner Mystik Schweigen –
Ich will allein als Geist in deiner Schönheit zeugen!
Doch du suchst einen Mann, der in Geduld erträgt,
Wie du die Ehe brichst, doch der dich niemals schlägt.

Corinna, weißt du noch, wie wir uns kennen lernten?


Ich ging im Abend, dem vom Venusstern besternten,
Und grüßte dich: Grüß Gott, bei Aphrodite, Weib,
Wie ist dein Name, Weib? Wie lüstern ist dein Leib! –
Corinna heiße ich, ich danke für dein Winken! –
Corinna, schönstes Weib, komm, mit mir Wein zu trinken! –
Gut, junger Mann, doch wo? – O Weib, komm in mein Haus,
Wir saufen Becher da voll roten Weines aus! –
Freund, ich will einen Brief der Busenfreundin schicken,
Jetzt aber hab ich Zeit, gut, lass uns lustvoll ficken!

Ich, die Corinna, ließ drei Männer mich begatten,


Befriedigt habe ich zu gleicher Zeit drei Latten!
Ja, lieber Herzensfreund, nicht so verlegen glotze:
Der Erste vögelte von vorne in die Fotze,
Der Zweite fühlte sich schon fast im Paradies,
Als ich ihm mit dem Mund die Jubelflöte blies,
Der dritte Freier, das war der gewaltig barsche,
Von hinten fickte er und trieb es in dem Arsche!
Ah, Wollustorgie! Ah, freie Liebe groß!
Dir schenk ich, liebster Freund, den Mund, den Arsch, den Schoß!

Wenn die Geliebte ist mit einem Sohne schwanger,


Dann pflüge nicht das Feld und ackre nicht den Anger,
Indem du offen schaust ihr in das Angesicht
Und liebend dich versenkst in ihrer Augen Licht,
Zu sehr wölbt sich der Bauch, der mütterliche, dicke,
Nein, Aphrodite dann in ihren Hintern ficke!

*
Corinna, dieses Weib mit Wangen rosenrot,
Ich bog sie auf das Bett und war ihr Frauengott,
Da sie umklammerte mich straff mit strammen Schenkeln,
Die Aphrodites Werk beherrscht gleich den Engeln!
Wie schwamm ihr feuchtes Aug, im Auge licht ein Blitz,
Wie bäumte sich ihr Leib, da ich gefickt den Ritz!
Den Samen ich ergoss, da ich sie heiß begattet,
Und die Bacchantin lag in meinem Arm ermattet!

Grad sah ich sie im Bad, wie Silber ihre Füße,


Sie wusch die Brüste sich, das Zwillingspaar so süße,
Das zitterte der Po, das Hinterbackenpaar,
Wie Milch und Rosen, o, der Po war wunderbar!
Des Venushügels Scham verbarg sie mit den Händen,
Doch schaute ich das Haar dicht zwischen ihren Lenden.

Mit Eifer fickte ich die braungelockte Frau!


Zu lachen fing ich an und lachte: Liebchen, schau,
Die zwölfmal wir gefickt, Corinna, morgen heiter
Wir ficken voller Brunst mit Kunst der Liebe weiter!
Ich fick dich zehnmal dann, vielleicht auch zwölfmal dann!
Corinna, du allein machst mich zum starken Mann!
Am nächsten Morgen kam Corinna in mein Zimmer,
Da sagte ich zu ihr: Es wurde immer schlimmer,
Ich hab die ganze Nacht allein an dich gedacht –
Da hab ich mir es selbst mit meiner Hand gemacht.

Corinna sprach: Gespürt hab ich im Liebeskuss


Des Mannes Seele, ach, im zärtlichsten Genuss,
Wie seine Seele heiß begehrt vor allen Dingen,
In meinen weichen Mund wollüstig einzudringen!

Ich bin der Apfel, ich bin deiner Schönheit Preis!


Wir welken beide hin, Geliebte, ach ich weiß,
Drum mögest du voll Huld und Gnade gnädig nicken
Und in der ersten Nach gleich sehr wollüstig ficken!

Du mit der Rose rot, du wunderschönes Weib,


Gibst du die Rose mir, gibst du mir deinen Leib?

*
Im Badezimmer du, ich bad in Flammenwogen,
Ergieße mich, bevor ich ganz mich ausgezogen!

Weg, transparentes Kleid! Nicht Ephyra nicht verdecke!


Schwenk deinen prallen Arsch! Ja, bück dich in der Ecke!
Das transparente Kleid, nur hingehauchter Hauch,
Lässt sehen mich den Slip und deinen weißen Bauch!
Hast du an Transparenz viel Freude, lichtem Glanze,
Zieh transparent ich an das Gummi meinem Schwanze!

Ich lob die Tänzerin, die lüstern da im Tanz


Den Schlangenleib bewegt (im Maul der Schlangenschwanz!),
Die alten Männer stehn mit abgenutzten Schwänzen
Und sehn dem Weibe zu bei ihren Schlangentänzen,
Die dem Genießer nun mit ihrer Rechten naht
Und packt den Schwanz und reibt, da steht der Ständer grad,
Dann mit der Zunge kommt sie an, den Schwanz zu lecken –
Sie wird den Toten aus dem Hades auferwecken!

VERGIL
DIDO

Die Königin war lange schon getroffen


Von Liebesschmerz und nährte ihre Wunde
Mit ihrem eignen Blute und verzehrte
Sich in geheimem Feuer. O, der Mut
Des Helden, seiner Herkunft großer Ruhm,
Das schwebt ihr immer wieder vor den Augen.
In ihrem Herzen leben seine Züge
Und Worte. Ihr versagt die Sehnsuchtsglut
Entspannte Ruhe allen ihren Gliedern.
Am nächsten Tag erleuchtete Aurora
Mit Phöbus’ Fackellicht die Erdenwelt,
Nachdem vom Himmel sie die Nacht vertrieben.
Da wandte Dido sich verstört an ihre
Geliebte Schwester, an ihr andres Ich,
Mit diesen Worten: Anna, meine Schwester,
Traumbilder schrecken mich in meiner Seele,
In meiner inneren Zerrissenheit!
Was für ein Mann kam in mein Haus als Gast!
Wie groß sein Mut, wie groß ist seine Stärke,
Wie tritt er auf! Ich glaube – und mein Glaube
Betrügt mich nicht – er stammt von Göttern ab!
Gemeine Sterbliche verrät die Angst.
Ach, welches Schicksal hat ihn umgetrieben,
Von welchen Kämpfen weiß er zu erzählen,
Die er bestanden hat als starker Held.
Wär mein Entschluss nicht unerschütterlich,
Nicht noch mal einen Mann zum Mann zu nehmen
Im Ehebund, nachdem der Tod mich täuschte
Und meine erste Liebe mich betrogen,
Und wäre Hochzeit mir und Hochzeitsfackeln
Zuwider nicht und wahrlich mir ein Gräuel,
So könnte ich erliegen der Versuchung.
Ach, Anna, Anna, ja, ich geb es zu,
Nach des unglücklichen Sychäus Tod,
Nachdem mein Haus besudelte mein Bruder
Mit meines Gatten Blute, hat allein
Nur dieser Mann an mein Gefühl gerührt
Und meinen Vorsatz kurz gebracht ins Wanken.
Da ist sie wieder, diese Leidenschaft
Der Liebe, wie ich früher sie empfunden!
Doch lieber soll sich mir die Erde auftun
Und der Allmächtige mit seinem Blitz
Mich schleudern zu den bleichen Todesschatten,
Als dass ich meinen Ehemann verletze.
Er, der als Erster sich mit mir vereinigt,
Hat alle meine Liebe mitgenommen
Und er bewahrt sie mir im Grabe auf.
So sprach sie und benetzte ihr Gewand
Mit Tränen, die ihr aus den Augen spritzten!

ODEN VON HORAZ

Welcher schlanke Knabe, lieblich duftend,


Drängt dich, Pyrrha, auf das Rosenlager
In der Grotte? Wem zuliebe
Bindest du dir auf die langen Haare,

Einfach zwar geschmückt, doch reizend? Oftmals


Weint er, dass sich deine Treue wandelt
Und die Gunst der Götter, wundert
Oft sich über aufgewühlte Meerflut,

Der dich selig jetzt genießt als Mädchen,


Glaubt, du werdest immer für ihn da sein,
Immer liebend. Ahnungsloser!
Trügerisch ist deine Gunst, unglücklich

Der, dem du als Unbekannte leuchtest!


Ich hab aber, dies bezeugt die Tafel,
Aufgehängt die feuchten Kleider
Jener Gottheit, die beherrscht die Meere!

Du siehst, wie von dem hohen Schnee, weiß leuchtend,


Soracte ragt, die Wälder sich verneigen,
Die Last nicht tragen können, wie die Flüsse
Im scharfen Frost zu Eis erstarren.

Vertreib die Kälte, Thaliarchus, spar nicht,


Leg Holz in den Kamin und nimm großzügig
Den sieben Jahre alten dunklen Rotwein
Und gieß ihn oftmals in den Becher!

Das andre stell anheim den guten Göttern,


Wenn sie die Stürme auf empörtem Meere
Bezwungen, dann bewegen sich Zypressen
Nicht mehr, nicht mehr des Berges Eschen.

Erforsche nicht, was bringen wird das Morgen.


Den Tag, den dir vergönnt das Schicksal heute,
Nimm freudig an. Verschmäh in deiner Jugend
Nicht Tanz und nicht die süße Liebe,

Solang du jung bist und dir fern das Grauhaar


Vergrämten Alters. Jetzt geh auf den Marktplatz
Und such zur festgesetzten Dämmerstunde
Das angenehme Lippenplaudern,

Und such das Lachen des verborgnen Mädchens,


Wie es erklingt aus eines Winkels Tiefe,
Und nimm das Pfand, von ihrem Arm gezogen,
Den Ring, gezogen von dem Finger!

Nicht forsche, denn versagt ist uns das Wissen, welches Ziel
Die Götter mir und dir, Leuconoe, bestimmt, gib dich
Mit Babels Zahlenkunst nicht ab. Doch trag, was immer kommt,
Ob Jovis mehr der Winter noch gewährt, den letzten schon,
Der grade das Thyrrener-Meer am harten Felsen bricht.
Sei klug, trink Wein, und schneide deine Hoffnungen zurück
Auf ein geringes Maß. Wir sprechen noch und schon entflieht
Voll Neid die Stunde. Carpe diem! Trau der Zukunft nicht.

Wenn du, Lydia, Telephus’


Rosennacken preist und bräunliche
Arme, wehe, dann schwillt mir
Über meiner Galle Bitterkeit!

Ich gerat von Sinnen! Bleich


Werden meine Wangen, tränennaß,
Und verraten, wie die Glut
Kriechend mir an meinem Herzen nagt!

Weh! Wenn euer trunkener


Streit entstellt dir deiner Schultern Glanz
Und der Kerl im Liebeswahn
Dir sein Zeichen in die Lippen beißt!

Hörst du noch auf meinen Rat?


Ewig wird er dich nicht lieben, der
So entweiht den süßen Kuß,
Dem die Venus süßen Nektar gab!

Dreimal glücklich sind doch die,


Deren Liebesfessel nicht zerreißt,
Unzerstört vom Ehezwist
Endet eher nicht als mit dem Tod.

Die Mutter aller Liebesgötter,


Der Sohn Semeles und die große Göttin
Der Ausgelassenheit befehlen
Mir, mich der Liebe wieder zuzuwenden!

Mir glüht die Schönheit der Glykere,


Die weißer leuchtet als der reinste Marmor,
Und mich entflammt ihr Scherz und Mutwill
Und die verführerischen Zauberblicke!

Mit Macht stürmt auf mich ein die Venus,


Sie duldet nicht, dass ich von Skythen singe
Und Persern, die auf Rossen reiten,
Und andern Dingen, die für Venus nichts sind.

Bringt, Knaben, bringt den grünen Rasen,


Geweihte Büschel Laubs und frommen Weihrauch
Und einen Becher edlen Weines!
Nach meinem Opfer naht die Göttin gnädig.

Du meidest mich, o Chloe, wie das Rehkitz,


Das in den Bergen einsam sucht die Mutter,
Nicht ohne grundlos Angst zu haben
Vor jedem Lufthauch in dem Walde.

Denn ob der Frühling naht, im Laube schauert,


Und ob die Feuersalamander schlüpfen
Durch Brombeersträucher, immer beben
Dem jungen Rehkitz Herz und Beine.

Doch ich verfolge dich nicht wie der Tiger


Und wie der Löwe, um dich zu zermalmen.
Laß endlich ab von deiner Mutter,
Denn du bist reif, dem Mann zu folgen.

Venus, Königin von Paphos,


Laß dein liebes Zypern, ziehe
In das Schlafgemach Glykeres,
Die dich ruft beim Weihrauchopfer!

Mit dir eile auch der Eros


Mit den Grazien und Nymphen.
Venus, ohne dich ist reizlos
Doch die wunderschöne Jugend!

Will nichts wissen von der Perser Pracht,


Knabe, nichts von den geflochtnen Kränzen,
Ich such nicht, wo eine späte
Rose noch erblüht.

In die Myrten winde nichts hinein,


Daran liegt mir nichts. Dir und den Sklaven
Stehn die Myrten gut, wie mir auch,
Trink ich meinen Wein.

Noch trägt des Nackens Neigung nicht das Joch,


Noch leistet sie die gleichen Dienste nicht
Wie anrdre Kühe. Noch kann sie
Ertragen nicht des Stieres Stoß!

Nach grünen Wiesen steht der jungen Kuh


Der Sinn, wo sie der Hitze Drücken sich
Im Flusse stillt, sich fröhlich freut,
Mit jungen Kälbern im Gebüsch
Zu spielen. Zähme dein Verlangen nach
Der Traube, die noch unreif ist! Doch bald
Wird dir ein purpurroter Herbst
Die Traubenbeeren färben blau.

Bald folgt sie dir. Denn stürmisch eilt die Zeit,


Die Jahre nimmt sie dir, legt ihr sie zu.
Bald sucht die junge Lalage
Den Gatten sich mit freier Stirn,

Die du so liebst, wie niemals Pholoe


Und niemals Chloris, deren Schultern weiß
Wie Mondschein spiegelnd sich im Meer,
Wie niemals Gyges, dieses Kind,

Der unter einer jungen Mädchenschar


Vermochte jedermann zu täuschen, denn
Lang wallte ihm sein goldnes Haar,
Sein Antlitz war sehr feminin.

10

Du Weib des armen Ibikus,


Ein Ende mach doch deiner Hurerei
Und deinem lüderlichen Trieb,
Du stehst dem Grabe schon so nahe! Hör,

Hör auf, bei junger Mädchen Schar


Den Mond zu trüben durch den Nebeldunst.
Ob das noch passt zu Pholoe,
Doch nicht zu Chloris. Deine Tochter kann

Bacchantisch wild mit Trommelschlag


Das Haus der Männer stürmen. Liebe zwingt
Die Tochter, wie ein junges Reh
Zu kokettieren mit dem lieben Mann.

Dir altem Weib ist es gemäß,


Zu spinnen! Spiel die goldne Lyra nicht
Und steck die Rose nicht ins Haar
Und leer den Rotweinkrug nicht bis zum Grund!

11

Sonst war den Mädchen ich gefährlich


Und diente gut im Minne-Orden!
Die Lyra ist jetzt kampfesmüde,
Ich leg sie nieder in dem Tempel

Der schaumgebornen Aphrodite.


Ja, Knaben, legt die Fackeln nieder,
Die Stangen und die Schlüssel alle,
Die manche Tür dereinst geöffnet!

O Göttin du von Paphos-Ktima


Und Memphis, die du nicht den Schnee kennst,
Triff einmal nur, o Aphrodite,
Die kühle Chloe mit der Peitsche!

12

Brutaler, den die Venus mächtig macht,


Wenn, Steinerner, dir sprießt der erste Bart,
Wenn abgeschnitten wird die Lockenflut
Und deine Wangen purpurrosenrot
In Stacheln sich verwandeln, dann, mein Freund,
Rufst du, so oft du in den Spiegel schaust:
Ach, warum war ich nicht als Kind verliebt!
Doch jetzt! Was sind die Wangen nicht mehr weich?

HOMERISCHE HYMNEN

HYMNE AN DEMETER

Ich fange an, von der langhaarigen Demeter zu singen, von der schrecklichen Göttin und ihrer
vollbusigen Tochter, die Aidoneus geraubt hat, die ihm vom Allsehenden Zeus dem Donnerer
gegeben wurde.

Abgesehen von Demeter, der Dame des goldenen Schwertes und der herrliche Früchte, wurde sie
mit den tiefen vollbusigen Töchtern des Oceanus gesehen und sammelte Blumen auf einer weichen
Wiese, Rosen und Krokusse und schöne Veilchen, Iris auch und Hyazinthen und Narzissen, von der
Erde gemacht, nach dem Willen des Zeus zu wachsen und vielen zu gefallen, ein Fallstrick für die
Blüte wie für das Mädchen zu sein - eine wunderbare, strahlende Blume. Es war eine Sache von
Ehrfurcht vor den unsterblichen Göttern oder sterblichen Menschen: von der Wurzel wuchsen
hundert Blüten und es roch am süßesten, so dass alle großen Himmel oben und die ganze Erde und
das Meer vor Freude gelacht haben. Und das Mädchen war erstaunt und mit beiden Händen griff sie
zu, um das schöne Spielzeug zu nehmen, aber die breitpfadige Erde gähnte in der Ebene von Nysa,
und der Herr, Herr der Scharen, mit seinen unsterblichen Pferden sprang zu ihr - der Sohn des
Kronos, Er, der viele Namen hat.

Er hob sie auf seinen goldenen Wagen und trug sie fort. Da rief sie schrill mit ihrer Stimme und
forderte ihren Vater auf, den Sohn des Kronos, der der Höchste ist und am meisten ausgezeichnet.
Aber niemand, weder die unsterblichen Götter noch die sterblichen Menschen, hörte ihre Stimme,
noch die Olivenbäume trugen reiche Früchte: nur die weichherzige Hekate, blondlockig, die Tochter
des Persaeus, hörte das Mädchen aus ihrer Höhle, und der Herr Helios, Hyperions heller Sohn, als
sie zu ihrem Vater, dem Sohn des Kronos, schrie. Aber er saß abseits von den Göttern in seinem
Tempel, wo viele beten und empfangen süße Gaben von sterblichen Menschen. Also hat er, dieser
Sohn des Kronos, der viele Namen hat, der König von allen und Herr der Scharen, es erlaubt, dass
sie weggetragen wurde mit Genehmigung des Zeus auf seinem unsterblichen Wagen von seinem
eigenen Bruder.

Und so lange sie, die Göttin, sah die Erde und den Sternenhimmel und das starke fließende Meer,
wo die Fische in der Untiefe leben, und die Strahlen der Sonne, und sie hoffte immer noch, ihre
liebe Mutter und die Stämme der ewigen Götter zu sehen, so lange hoffte sie, dass sie beruhigte ihr
großes Herz für all ihre Mühe... und die Höhen der Berge und die Tiefen des Meeres läuteten mit
ihren unsterblichen Stimmen: und ihre königliche Mutter hörte dies.

Bittere Schmerzen ergriffen ihr Herz, und sie gab fort den Schleier auf ihrem göttlichen Haar mit
den lieben Händen: ihren dunklen Mantel warf sie von beiden Schultern und raste wie ein wilder
Vogel, über den festen Boden und über das nachgiebige Meer, auf der Suche nach ihrem Kind. Aber
niemand konnte ihr die Wahrheit sagen, weder ein Gott noch ein Sterblicher, und der Vögel Omen
keiner kam mit echten Neuigkeiten für sie. Dann für neun Tage die königliche Deo wanderte über
die Erde mit brennenden Fackeln in den Händen, so traurig, dass sie nie gekostet Ambrosia und den
süßen Trank des Nektars, noch bestreute sie ihren Körper mit Wasser. Aber als das zehnte
aufschlussreiche Morgengrauen gekommen war, traf sie Hekate, mit einer Fackel in der Hand, die
sprach sie an und sagte ihr Neuigkeiten:

Königliche Demeter, Bringerin der Jahreszeiten und Geberin der guten Gaben, was für ein Gott des
Himmels oder was für ein sterblicher Mensch hat sich Persephone genommen und durchbohrte mit
Trauer dein liebes Herz? Denn ich hörte ihre Stimme, aber sah sie nicht mit meinen Augen, wer es
war. Aber ich sage dir, wahrlich, ich sage dir kurz alles, was ich weiß.

So sprach Hekate. Und die Tochter der langhaarigen Rhea antwortete ihr nicht, aber beschleunigt
schnell ihre Schritte mit ihr und hielt Fackeln in ihren Händen. So kamen sie zu Helios, der ist der
Wächter der Götter und Menschen und stand vor seinem Pferd: und die helle Göttin fragte ihn:
Helios, du wenigstens betrachte mich, die Göttin, wie ich bin, denn immer durch Wort oder Tat von
mir hab ich dein Herz und deinen Geist mit Jubel erfüllt. Durch die fruchtlosen Lüfte hörte ich den
spannenden Schrei meiner Tochter, des süßen Sprosses meines Körpers und schön in Form, wie von
einem beschlagnahmt heftig, obwohl mit meinen Augen ich nichts sah. Aber du mit deinen Strahlen,
du schaust hinunter aus dem hellen oberen Äther über die ganze Erde und das Meer - sag mir
wirklich, mein liebes Kind, wenn du sie gesehen, was für ein Gott oder sterblicher Mensch hat
heftig sie beschlagnahmt gegen ihren Willen und abgezogen, und so machte er sich davon.

So sagte sie. Und der Sohn von Hyperion antwortete ihr: Königin Demeter, Tochter der
langhaarigen Rhea, ich werde dir die Wahrheit sagen, denn ich bin stark in Ehrfurcht und Mitleid
für dich in deiner Trauer um deine Tochter. Kein anderer der unsterblichen Götter ist schuld,
sondern nur der Wolkensammler Zeus, der sie zum Hades schickte, zum Bruder ihres Vaters, um sie
ihm zu seiner drallen Frau zu geben. Und Hades packte sie und nahm die laut Weinende in seinem
Wagen bis in sein Reich der Nebel und Dunkelheit. Doch, o Göttin, stell dein lautes Klagen ein und
halte nicht eitel Zorn unerbittlich fest: Aidoneus, der Herrscher von vielen, ist nicht unpassend als
Mann unter den unsterblichen Göttern für dein Kind, Zeus’ eigener Bruder und geboren vom
gleichen Lager: auch für die Ehre, er hat diesen dritten Anteil, den er erhielt, als die Teilung bei der
ersten Schöpfung gemacht wurde, und er ward ernannt zum Herrn derer, die unter wohnen.

So sprach er, und rief seine Pferde: und bei seinem Schelten wirbelten sie schnell den schnellen
Wagen gemeinsam, wie lange geflügelten Vögel.

Aber Kummer noch schrecklicher und grausamer kam in das Herz der Demeter, und danach war sie
so wütend auf den dunklen bewölkten Sohn des Kronos, dass sie die Versammlung der Götter im
hohen Olympus vermied verärgert und ging zu den Städten und reichen Feldern der Menschen,
entstellend ihre Form für eine Weile. Und niemand von den Männern oder den vollbusigen Frauen
erkannte sie, wenn sie sie sahen, bis sie in das Haus des Weisen Celeus kam, der damals Herr vom
duftenden Eleusis war. Verbittert in ihrem lieben Herzen, sie in der Nähe der Strecke saß am
Jungfrauen-Brunnen, aus dem die Frauen des Ortes Wasser schöpften, an einem schattigen Ort, über
den wuchs ein Oliven-Strauch. Und sie war wie eine alte Frau, die von Geburt und den Gaben der
Girlanden-liebenden Aphrodite war, wie die Ammen der Königs-Kinder, die Gerechtigkeit zu tun,
oder wie die Haus-Hüter in ihren hallenden Sälen. Es sahen sie die Töchter des Celeus, des Sohnes
von Eleusis, wie sie um Wasser kamen, um es in Krügen aus Bronze zu tragen in ihres lieben Vaters
Haus: vier waren sie, Göttinnen in der Blüte ihrer Mädchenzeit, Callidice und Cleisidice und die
schöne Demo und Callithoe, die älteste von ihnen. Sie erkannten sie nicht - denn die Götter sind
nicht leicht zu erkennen für die Sterblichen - sondern standen in ihrer Nähe und sprachen die
geflügelten Worte:

Alte Mutter, woher und wer bist du, und wie lange ist deine Geburt her? Warum bist du weg von der
Stadt gegangen und nicht in der Nähe der Häuser geblieben? Denn in den schattigen Hallen sind
Frauen genau so alt wie du und andere jünger, und sie würden dich durch Wort und Tat begrüßen.

So sagten sie. Und sie antwortete, die Königin unter den Göttinnen sagte: Seid gegrüßt, ihr lieben
Mädchen, wer auch immer ihr seid aus den Frauenzimmern. Ich werde euch meine Geschichte
erzählen, denn es ist nicht unpassend, dass ich wirklich euch erzähle, was ihr fragt. Doso ist mein
Name, meine stattliche Mutter gab ihn mir. Und jetzt bin ich aus Kreta über des Meeres breiten
Rücken gekommen, nicht freiwillig, sondern gegen meinen Geschmack, durch die Kraft der Kräfte,
es brachten mich Piraten von dort. Danach setzten sie sich mit ihrem flinken Handwerk zu
Thoricus, und die Frauen landeten am Ufer in vollem Gedränge und die Männer ebenfalls, und sie
fingen an, eine Mahlzeit von den Seilen des Schiffes zu machen. Aber meinem Herzen war nicht
angenehm das Essen, und ich floh heimlich durch die dunklen Lande und entkam meinen Herren,
dass sie mich nicht verkauften über das Meer, um dort einen Preis für mich zu gewinnen. Und so
wanderte ich und bin hierher gekommen, und ich weiß gar nicht, was das ist oder was das für Leute
sind, die hier leben. Aber bei denen, die auf dem Olympus euch den Wunsch nach Ehemännern und
Kindern gewähren, habt Mitleid mit mir, liebe Mädchen, und mir zeigt dies deutlich, dass ich
kennen lernen kann, liebe Kinder, das Haus von dem Mann und der Frau, zu denen ich gehen kann,
für sie munter zu arbeiten an Aufgaben, wie sie gehören zu einer Frau in meinem Alter. Nun könnte
ich als Hebamme ein neues Kind gebären, ihn in meinen Armen halten, oder im Haus arbeiten, oder
meiner Herren Bett in einer gut gebauten Kammer machen oder lehren die Frauen ihre Arbeit.

So sagte die Göttin. Und alsbald das unverheiratete Mädchen Callidice, die schönste in Form von
den Töchtern des Celeus, antwortete ihr und sagte:

Mutter, was die Götter uns senden, wir Sterblichen tragen es notgedrungen, obwohl wir leiden, denn
sie sind viel stärker als wir. Aber jetzt werde ich dich deutlich lehren, sage dir die Namen der
Männer, die große Macht und Ehre haben, die hier sind und Häupter unter den Leuten, die
Bewachung unserer Stadt der Türme durch ihre Weisheit und wahren Urteile: Es ist der kluge
Triptolemus und Dioclus und Polyxeinus und der untadelige Eumolpus und Dolichus und unser
eigener tapferer Vater. Alle diese haben Frauen, die im Hause walten, und niemand von ihnen, so
schnell wie sie dich gesehen, würde dich entehren und schicken dich aus dem Haus, aber sie werden
dich begrüßen, denn in der Tat bist du gottgleich. Aber wenn du so willst, hier zu bleiben, wir
werden in unseres Vaters Haus gehen und sagen Metaneira, unserer tief vollbusigen Mutter, von all
diesen Angelegenheiten, dass sie möglicherweise dir biete auf der Suche nach den Häusern, dass du
lieber zu uns nach Hause kommst. Sie hat nur einen einzigen Sohn, spät geboren, der in unserem
gut gebauten Haus gepflegt wird, ein Kind von vielen Gebeten und willkommen: wenn du ihn
tragen könntest, bis er das volle Maß der Jugend erreicht, einer erreichbar den Mädchen, wer dich
sehen würde, alsbald beneidete dich, dir würde solche Geschenke unsere Mutter für seine Erziehung
geben.

So sprach sie: und die Göttin mit gesenktem Kopf gab ihre Zustimmung. Und sie füllten ihre
leuchtenden Eimer mit Wasser und führten sie voll Freude. Schnell kamen sie zu ihres Vaters
großem Haus und alsbald sprach ihre Mutter, nachdem sie gehört hatte und gesehen. Dann hieß sie
die Mädchen, in aller Eile zu gehen und zu laden die Fremde für einen maßlosen Lohn zu kommen.
Wie Rehe oder Jungkühe im Frühling, wenn sie von der Weide, von der Wiese gesättigt losgelassen
werden, so waren sie und hielten die Falten ihrer schönen Kleider, stürzten sich auf den Hohlweg,
und ihre Haare wie ein Krokus strömten über ihre Schultern. Und da sie die gute Göttin in der Nähe
der Strecke, wo sie sie verlassen hatten, gefunden, führten sie sie in das Haus ihres lieben Vaters.
Und sie ging hinter ihnen, traurig in ihrem lieben Herzen, den Kopf verhüllt, und sie trug einen
dunklen Mantel, der über die schmalen Füße der Göttin fiel.

Bald kamen sie in das Haus des Himmels, das genährt den Celeus, und sie gingen durch den Vorhof,
wo ihre königliche Mutter saß vor einem Pfeiler des Daches, mit ihrem Sohn, einem zarten Spross,
an ihrem Busen. Und die Mädchen liefen zu ihr. Aber die Göttin stand auf der Schwelle: und ihr
Kopf erreicht das Dach und füllte die Tür mit einem himmlischen Glanz. Ehrfurcht und Verehrung
und blasse Angst ergriff Metaneira, und sie erhob sich von ihrem Sitz vor Demeter und bat sie, Platz
zu nehmen. Aber Demeter, Bringerin der Jahreszeiten und Geberin perfekter Geschenke, wollte
nicht auf dem hellen Lager sitzen, sie blieb aber mit ihren schönen Augen nach unten gesenkt
stehen und setzte sich erst nach gründlicher Platzierung der Glieder auf einen Sitz für sie und warf
darüber ein silbriges Vlies schweigend. Dann setzte sie sich und hielt ihren Schleier in der Hand vor
ihrem Gesicht. Eine lange Zeit, die sie auf dem Sitz saß ohne zu sprechen, weil ihr Leid groß war,
sie grüßte niemanden durch Worte oder durch Zeichen, sondern ruhte aus, weder lächelte sie, noch
verkostete sie Essen und Trinken, weil sie sich mit Sehnsucht sehnte nach ihrer vollbusigen Tochter,
erst später begann die heilige Dame mit vielem Scherz zu lächeln und zu lachen und zu jubeln in
ihrem Herzen. Dann füllte Metaneira einen Becher mit süßem Wein und bot ihn ihr an, aber sie
lehnte ab, denn es war ihr nicht erlaubt, den roten Wein zu trinken, aber sie gebot ihnen, zu mischen
eine Mahlzeit und Wasser mit weicher Minze und dies zu geben ihr zu trinken. Und Metaneira
vermischte den Entwurf und gab ihn der Göttin, wie sie geboten hatte. So erhielt die große Königin
Deo das Sakrament...

Und die gut gegürtete Metaneira begann zu sprechen: Sei gegrüßt, Dame! Denn ich glaube, du bist
nicht bösartig, aber edel geboren, wahrlich Würde und Gnade sind auffällig in deinen Augen, wie in
den Augen der Könige, die sich der Gerechtigkeit weihten. Doch wir Sterblichen tragen
notgedrungen, was uns die Götter schicken, wenn wir traurig sein müssen, denn ein Joch ist uns auf
den Nacken gelegt. Aber jetzt, da du hierher gekommen bist, so sollst du haben, was ich schenken
kann: und sei mir Amme für dieses Kind, das die Götter mir gaben in meinem Alter und darüber
hinaus meine Hoffnung, ein Sohn viel erfleht. Wenn du ihn bringen solltest so weit, bis er das volle
Maß der Jugend erreicht hat, eine von Frauen-Art ihn erwählte, die dich sogleich beneidete, es
würde groß meine Belohnung, die ich für seine Erziehung geben wollte.

Dann die langhaarige Demeter antwortete ihr: Und du auch, Dame, mögen die Götter dir gut sein!
Gerne nehme ich den Jungen an meine Brust, wie du mir geboten, und werde ihn pflegen. Niemals,
ich meine, soll durch irgendeine Unachtsamkeit seiner Amme ihn Hexerei schmerzen noch ein
Messer: denn einen Zauber weit stärker als die Holzfäller wissen, kenn ich, und ich weiß eine
hervorragende Absicherung gegen böse Hexerei.

Als sie so gesprochen, nahm sie das Kind an ihren duftenden Busen mit ihren göttlichen Händen,
und seine Mutter war froh in ihrem Herzen. So die Göttin pflegte im Palast Demophoon, des weisen
Celeus stattlichen Sohn, den die gut gegürtete Metaneira gebar. Und das Kind wuchs wie ein
unsterbliches Wesen, nicht mit Essen gefüttert noch genährt an der Brust: denn Tag für Tag die
langhaarige Demeter ihn mit Ambrosia salbte, als ob er der Nachkomme eines Gottes wäre, und
atme süß auf ihn, als sie ihn hielt auf ihrem Schoß. Aber in der Nacht sie wollte ihn wie ein Zeichen
im Herzen des Feuers verbergen, unerkannt seinen lieben Eltern. Und sie wirkte große Wunder in
diesem, dass er über sein Alter hinaus wuchs, denn er war wie die Götter von Angesicht. Und sie
wollte ihn unsterblich und unvergänglich machen, wäre nicht die gut gegürtete Metaneira in ihrer
Achtlosigkeit wachend in der Nacht aus ihrer duftenden Kammer gekommen und hätte sie
ausspioniert. Aber sie heulte und schlug ihre beiden Hüften, weil sie sich für ihren Sohn fürchtete
und war sehr verzweifelt in ihrem Herzen, so klagte die Mutter und sprach die geflügelten Worte:

Demophoon, mein Sohn, ihn vergräbt die seltsame Frau, die ihn tief in den Brand taucht und wirkt
Trauer und bitteren Kummer für mich.

So sprach sie voll Trauer. Und die helle Göttin, die lieblichgekrönte Demeter, hörte sie, und war
zornig über sie. Also mit ihren göttlichen Händen riss sie aus dem Feuer den lieben Sohn, der
Metaneira unverhofft im Palast geboren war, und warf ihn auf den Boden, denn sie war furchtbar
wütend in ihrem Herzen. Sogleich sagte sie zu der gut gegürteten Metaneira:

Töricht seid ihr Sterblichen und gelangweilt, zu sehen, ob gut oder böse, das kommt über euch.
Denn jetzt in eurer unweisen Torheit verging die Heilung; dazu sprechen den Eid die Götter, das
unerbittliche Wasser des Styx ist Zeuge - Ich hätte euren lieben Sohn unsterblich gemacht und
unvergänglich alle seine Tage und würde ihm gegeben haben ewige Ehre, aber jetzt kann er in
keiner Weise dem Tod entkommen und dem Schicksal. Doch wird unfehlbare Ehre immer auf ihm
ruhen, weil er auf meinen Knien lag und schlief in meinen Armen. Aber, wie die Jahre sich in der
Runde bewegen und wenn er in seinen besten Jahren ist, die Söhne des Eleusinier werden immer
Krieg führen und Schrecken und Streit mit einander ständig haben. Siehe! Ich bin Demeter, die das
Erbe der Ehre hat und die größte Hilfe und Ursache der Freude für die unsterblichen Götter und
Sterblichen ist. Aber nun, das ganze Volk baue mir einen großen Tempel und einen Altar darin und
in der Stadt und an ihrer Steilwand bei einem steigenden Hügel über Callichorus. Und ich selbst
werde lehren meine Riten, die nachfolgend könnt ihr ehrfürchtig durchführen und so die Gunst
meines Herzens erlangen.

Als sie das gesagt hatte, änderte die Göttin ihre Statur und ihre Blicke, stieß das Alter von sich:
Schönheit rund um sie erschien und ein schöner Duft wehte von ihren duftenden Roben, und vom
göttlichen Körper der Göttin ein Licht leuchtete weithin, während goldene Locken über ihre
Schultern sich verteilten, so dass das starke Haus mit Helligkeit wie mit Blitzen erfüllt wurde. Und
so ging sie aus dem Palast.

Und alsbald Metaneiras Knie wurden gelöst, und sie blieb stumm für eine lange Zeit und konnte
sich nicht erinnern, zu nehmen ihren verstorbenen Sohn, geboren aus dem Boden. Aber seine
Schwestern hörten sein klägliches Jammern und sprangen aus ihren gut verbreiteten Betten: eine
von ihnen nahm das Kind in ihre Armen und legte ihn in ihren Schoß, während eine andere das
Feuer wieder aufweckte, und eine dritte stürzte mit weichen Füßen voran, ihrer Mutter ihn in ihre
duftende Kammer zu bringen. Und sie versammelten sich über dem kämpfenden Kind und wuschen
ihn, umarmten ihn liebevoll, aber er ließ sich nicht trösten, weil Ammen und Mägde viel weniger
geschickt ihn jetzt hielten.

Die ganze Nacht lang suchten sie die glorreiche Göttin zu besänftigen, zitternd vor Angst. Aber
sobald sich das Morgengrauen zu zeigen begann, sie hat dem mächtigen Celeus alles gesagt, wie die
lieblich-gekrönte Göttin Demeter ihr geboten. So Celeus rief die unzähligen Menschen zu einer
Versammlung und hieß sie bauen einen stattlichen Tempel für die langhaarige Demeter und einen
Altar auf dem steigenden Hügel. Und sie gehorchten zügig und lauschten seiner Stimme, und taten,
was er befahl. Das Kind wuchs wie ein unsterbliches Wesen.

Nun, als sie die Gebäude fertig gestellt und waren wieder von ihren Mühen abgezogen, ging jeder
Mann in sein Haus. Aber die goldhaarige Demeter saß fern von all den seligen Göttern und blieb,
und verschwendete Sehnsucht nach ihrer vollbusigen Tochter. Dann verursachte sehr schreckliche
und grausame Jahre für die Menschheit sie über die all-nährende Erde: der Boden ließ nicht die
Samen sprießen, denn die langhaarige Demeter hielt ihn verborgen. In den Bereichen die Ochsen
zogen viele Furchen vergeblich, und viel weiße Gerste wurde auf dem Land vergeblich ausgesät. So
würde sie das ganze Menschengeschlecht mit grausamer Hungersnot zerstört haben und raubte
ihnen die Gaben und Opfer für die, die auf dem Olympus wohnen, das hatte Zeus wahrgenommen
und gemerkt in seinem Herzen. Zunächst schickte er die golden-geflügelte Iris zur langhaarigen
Demeter, schön von Form zu nennen. So befahl er. Und sie gehorchte dem dunklen bewölkten Sohn
des Kronos und raste mit schnellen Füßen durch den Raum zwischen Himmel und Erde. Sie kam zu
der Hochburg der duftenden Eleusis, und es ließ sich finden im dunklen Umhang Demeter in ihrem
Tempel, und sie sprach zu ihr und sprach die geflügelten Worte:

Demeter! Vater Zeus, dessen Weisheit ist ewig, ruft dich auf, komm zu den Stämmen der ewigen
Götter: Komm daher, und lass nicht die Botschaft, die ich bringe von Zeus, ungehört passieren.

So sprach Iris und flehte sie an. Aber Demeters Herz wurde nicht bewegt. Dann wieder der Vater
sandte alle seligen und ewigen Götter und sie kamen, einer nach dem anderen, und riefen sie und
boten ihr viele sehr schöne Geschenke und was auch immer Rechtes sie gerne unter den
unsterblichen Göttern wählte. Doch niemand war in der Lage, sie zu überzeugen, so zornig war sie
in ihrem Herzen, aber sie hat hartnäckig abgelehnt alle Worte der Götter: denn sie schwor, dass sie
nie einen Fuß auf den duftenden Olympus setze noch lasse Obstbäume aus dem Boden wachsen, bis
sie sähe mit ihren Augen ihre eigene Tochter.

Nun, als der alles sehende Zeus das hörte, der Donnerer, schickte er den Dämon von Argus aus,
dessen Zauberstab ist vom Gold des Erebus, so dass er Hades mit sanften Worten gewann, er könnte
der keuschen Persephone das Licht geben und das Blei der nebligen Dunkelheit, und dass ihre
Mutter könnte sie mit ihren Augen sehen und hören in ihrem Zorn. Und Hermes gehorchte, und das
Haus des Olympus verließ er, sprang sogleich nach unten mit Geschwindigkeit zu den verborgenen
Plätzen der Erde. Und er fand den Herrn Hades in seinem Haus auf einem Sofa sitzen und seine
schüchterne Kameradin mit ihm, sehr ungern, denn sie sehnte sich nach ihrer Mutter. Und der
Starke von Argus näherte sich ihr und sagte:
Dunkelhaariger Hades, Herrscher über die Verstorbenen, Vater Zeus gab mir Gebote, zu bringen die
edle Persephone hervor aus dem Erebus zu den Göttern, dass ihre Mutter kann sie mit ihren Augen
sehen und hören in ihrem Ärger mit den Unsterblichen, denn jetzt plant sie eine schreckliche Tat,
die schwachen Stämme der Erde, geboren den Männern, zu schwächen, indem sie Samen unter der
Erde verborgen zu zerstören hält, und so macht sie ein Ende der Opfergaben der unsterblichen
Götter. Denn sie empfindet Angst und Wut und will nicht mit den Göttern verkehren, sondern sitzt
in ihrem duftenden Tempel, der Wohnung abseits, in der felsigen Stätte Eleusis.

So sagte er. Und Aidoneus, Herrscher über die Toten, lächelte grimmig und gehorchte dem Geheiß
des Zeus, des Königs. Denn er sogleich hat aufgefordert die weise Persephone und sagte: Geh jetzt,
Persephone, um zu deiner Mutter zu gehen, und fühle bitte in deinem Herzen für mich: du sollst
nicht so überaus nach unten geschickt werden; denn ich werde kein unpassender Mann für dich sein
unter den unsterblichen Göttern, selbst bei meinem eigenen Bruder, Vater Zeus. Und während du
hier bist, sollst du regieren alles, was lebt und sich bewegt, und du wirst die größten Rechte unter
den unsterblichen Göttern haben: diejenigen, die dich betrügen und nicht besänftigen deine
Leistung mit Opfern, ehrfürchtigen Riten und Zahlung von passenden Geschenken, die sollen für
immer bestraft werden.
Als er dies sagte, die weise Persephone mit Freude erfüllt ward und eilig sprang sie auf vor Freude.
Aber er auf seinem Teil heimlich gab ihr des süßen Granatapfels Samen zu essen, er kümmerte sich
selbst, dass sie vielleicht nicht ständig bleibe mit schweren, dunklen Gewändern bei Demeter. Dann
Aidoneus, der Herrscher, offen machte bereit seine unsterblichen Pferde vor dem goldenen Wagen.
Und er hob sie auf den Wagen, und der Starke von Argus nahm Zügel und Peitsche in seiner lieben
Hände und fuhr weiter fort von der Halle, die Pferde zu beschleunigen. Rasch sie durchlaufen ihren
langen Kurs, und weder das Meer noch das Fluss-Wasser noch grasbewachsene Täler noch
Bergspitzen überprüfte die Karriere der unsterbliche Pferde, aber sie spalteten die tiefe Luft über
sich, als sie liefen. Und Hermes brachte sie zu dem Ort, wo die reich-gekrönte Demeter sich aufhielt
und überprüfte sie vor ihrem duftenden Tempel.

Und als Demeter sie sah, eilte sie her wie eine Mänade unten am dickbewaldeten Berg, während
Persephone auf der anderen Seite war, als sie ihrer Mutter süße Augen sah, verließ sie den Wagen
und die Pferde, und sprang zu ihr laufend, und fiel ihr um den Hals, umarmte sie. Doch während
Demeter noch hielt ihr liebes Kind in ihren Armen, ihr Herz plötzlich gab ihr einige Stiche, so dass
sie sich sehr gefürchtet und hörte das Streicheln ihrer Tochter auf und fragte sie sofort: Mein Kind,
sag mir, sicherlich hast du kein Essen geschmeckt, während du unten warst? Sprich und verstecke
nichts, aber lass es uns beide wissen. Denn wenn du nichts gegessen hast, du kommst dann zurück
vom finsteren Hades und kannst leben mit mir und deinem Vater, dem dunkel bewölkten Sohn des
Kronos, und wirst von allen unsterblichen Göttern geehrt werden, aber wenn du Lebensmittel
gegessen hast, musst du wieder gehen unter die geheimen Plätze der Erde, um dort zu wohnen einen
dritten Teil der Jahreszeiten jedes Jahr: noch für die beiden anderen Teile, die du mit mir und den
anderen unsterblichen Götter sein sollst. Aber wenn die Erde mit den duftenden Blüten des
Frühlings in jeder Art blüht, dann aus dem Reich der Finsternis und der Dunkelheit wirst du noch
einmal kommen, um ein Wunder für Götter und Sterbliche zu sein. Und jetzt sag mir, wie er dich
hinweggerafft hat, in das Reich der Dunkelheit und Finsternis, und durch welchen Trick hat der
starke Gastgeber von Vielen dich betrogen?

Dann die schöne Persephone antwortete so: Mutter, ich werde dir alles ohne Fehler erzählen. Als
der glückbringende Hermes kam, der schnelle Bote von meinem Vater, der Sohn des Kronos und die
anderen Söhne des Himmels, zu mir zu kommen, zurück von Erebus, dass du mich mit deinen
Augen siehst, und so von deinem Ärger und deiner Angst und deinem Zorn gegen die Götter empört
warst, sprang ich auf einmal auf vor Freude, aber er heimlich in meinem Mund tat süße Speisen,
einen Granatapfel-Samen, und zwang mich, gegen meinen Willen zu probieren. Auch werde ich dir
sagen, wie er mich hinweggerissen von der tiefen Ebene, von meinem Vater, dem Sohn des Kronos,
und führte mich unter die Tiefen der Erde, und die ganze Angelegenheit war so, wie du weißt. Alles,
wie wir auf einer schönen Wiese spielten, Leucippe und Phaeno und Electra und Ianthe, Melita auch
und Iache mit Rhodea und Callirhoe, Melobosis und Tyche und Ocyrhoe, schön wie Blumen,
Chryseis, Ianeira, Acaste und Admete und Rhodope und Pluto und die charmante Calypso; Styx war
auch dort und Urania und die schöne Galaxaura mit Pallas, und Artemis, sich erfreuend an Pfeilen:
Wir spielten und sammelten süße Blüten in unseren Händen, weiche Krokusse mit Iris und
Hyazinthen gemischt, und Rosen-Blüten und Lilien, wunderbar zu sehen, und die Narzissen, die auf
der weiten Erde wachsen gelb wie Krokus. Da hab ich sie in meiner Freude gezupft, aber die Erde
unter ihnen trennte sich, und der starke Herr, der Gastgeber von Vielen, entsprang und in seinem
goldenen Wagen trug er mich weg, unter die Erde: Dann rief ich mit einem schrillen Schrei. All das
ist wahr, obwohl es mich schmerzt, die Geschichte zu erzählen.

So taten sie dann mit Herzen am Herzen sich stark anfeuern, jeder des anderen Seele und Geist, mit
vielen Umarmungen: ihre Herzen hatten Linderung ihrer Schmerzen erfahren, während jeder nahm
und gab zurück viel Heiterkeit.
Dann die höllische Hekate näherte sich ihnen, und oft haben sie umarmt die Tochter der heiligen
Demeter: und von dieser Zeit an die Dame Hekate war Ministerin und Begleiterin von Persephone.

Und alles sieht Zeus und schickte einen Boten zu ihnen, die langhaarige Rhea, zur dunkel-
verhüllten Demeter zu bringen, um die Familien der Götter mitspielen zu lassen: und er versprach,
ihr alles zu geben, welche Rechte sie sollte unter den unsterblichen Göttern haben, und vereinbarte,
dass ihre Tochter gehen sollte für den dritten Teil der kreisenden Jahre in Dunkelheit und
Schwermut, aber für die beiden anderen Teile sollte sie mit ihrer Mutter und den anderen
unsterblichen Göttern leben. So befahl er. Und die Göttin nicht gehorchte der Botschaft des Zeus;
rasch eilte sie von den Gipfeln des Olymp fort und kam zu der Ebene von Rharus, das war eine
reiche, fruchtbare Mais-Ebene einst, dann aber in keiner Weise fruchtbar, denn es lag brach und war
völlig blattlos, weil das weiße Korn wurde durch die Gestaltung der vollbusigen Demeter versteckt.
Aber danach, als die Ähren gewachsen, war es bald mit langen Ähren voll, und seine reichen
Furchen mit Getreide auf dem Boden vollgeladen, während andere bereits in Garben gebunden
waren. Dort zuerst landete sie aus der fruchtlosen oberen Luft, und froh waren die Göttinnen,
einander zu sehen und jubelten im Herzen. Dann sprach die licht-gekrönte Rhea zu Demeter:

Komm, meine Tochter, denn der weitblickende Zeus, der laute Donnerer, ruft dich, den Familien der
Götter beizutreten, und hat versprochen dir, welche Rechte du unter den unsterblichen Göttern
haben sollst, und hat zugestimmt, dass für einen dritten Teil der kreisenden Jahre deine Tochter
muss gehen in die Dunkelheit und Finsternis, aber für die anderen beiden Teile wird sie mit dir und
den anderen unsterblichen Göttern sein: so hat er erklärt, es soll so sein, und hat gesenkt den Kopf.
Aber komm, mein Kind, zu gehorchen, und sei nicht zu wütend auf den dunklen bewölkten Sohn
des Kronos, sondern erhöhe unverzüglich für die Männer die Frucht, die ihnen das Leben gibt.

So sprach Rhea. Und die reich-gekrönte Demeter nicht verweigerte sogleich Früchte bis zum
Frühjahr aus den reichen Ländern, so dass die ganze weite Erde beladen mit Blättern und Blüten
war. Dann ging sie, und den Königen der Gerechtigkeit, Triptolemus und Diokles, dem Pferde-
Treiber, und Eumolpus und Celeus, den Führern des Volkes, zeigte sie das Verhalten ihrer Riten und
lehrte sie all ihre Geheimnisse, offenbarte Triptolemus und Polyxeinus und Diokles auch
schreckliche Geheimnisse, die niemand in irgendeiner Weise übertreten darf oder völlig aushebeln
kann aus tiefer Ehrfurcht vor den Göttern. Glücklich ist er unter den Menschen auf Erden, der diese
Mysterien gesehen hat, aber wer ist uneingeweiht und wer nicht Teil hat an ihnen, der hat nimmer
viel gute Dinge, wenn er tot ist, in der Dunkelheit und Finsternis.

Aber als die helle Göttin sie alle gelehrt hatte, ging sie in den Olymp der Versammlung der anderen
Götter. Und da wohnte sie neben Zeus, dem am Donner erfreuten, bei den schrecklichen und
ehrwürdigen Göttinnen. Recht gesegnet ist er unter den Menschen auf der Erde, der frei liebt: bald
wird sie Plutus als Gast zu seinem großen Haus schicken, Plutus, der gibt Reichtum sterblichen
Menschen.

Und jetzt, Königin vom Land der süßen Eleusis und des seeumfangenden Paros und des felsigen
Antron, Dame, Geberin der guten Gaben, Bringerin der Jahreszeiten, Königin Deo, sei gnädig, du
und deine Tochter, die schöne Persephone, und für meinen Gesang gib mir Herz-Jubel von
Substanz. Und nun will ich dich und die anderen Gesänge auch nicht vergessen.

HYMNE AN PALLAS ATHENE

Von Pallas Athena, der Hüterin der Stadt, fange ich an zu singen. Furchtbar ist sie, und mit Ares,
den sie liebt, tut sie Taten des Krieges, den Sturm von Städten und das Geschrei und die Schlacht.
Sie ist es, die die Menschen rettet, wie sie gehen in den Krieg und kommen zurück.
Heil, Göttin, und gib uns das Glück mit dem Segen!

HYMNE AN ARTEMIS

O Muse, singe von Artemis, der Schwester des Ferntreffenden, die Jungfrau, die an Pfeilen erfreut
ist, die mit Apollo gefördert wurde. Sie führt ihre Pferde aus Meles tief im Schilf, und schnell treibt
sie den all-goldenen Wagen durch Smyrna und das rebenbestandene Claros, wo Apollo, der Gott des
silbernen Bogens, sitzt und wartet auf die weit-schießende Göttin, die an Pfeilen begeistert ist.

Und so Heil dir, Artemis, in meinem Lied besungen und mit allen Göttinnen als Gute. Von dir zuerst
hab ich zu singen und mit dir beginne ich, jetzt, dass ich mit dir begonnen habe, ich werde mich auf
zu einem anderen Gesang machen.

HYMNE AN HERA

Ich singe von der golden-thronenden Hera der kühlen Rhea. Königin der Unsterblichen ist sie,
übertraf alles in Schönheit: sie ist die Schwester und die Frau des laut-donnernden Zeus, die
glorreiche eine, die den ganzen hohen Olympus gesegnet mit Ehrfurcht und Ehre sogar mehr als
Zeus, der am Donner begeistert ist.

HYMNE AN DIE GÖTTERMUTTER

Ich bitte dich, klar äußernde Muse, Tochter des mächtigen Zeus, singe die Mutter aller Götter und
Menschen. Sie ist mit dem Klang von Zimbeln und Pauken gut zufrieden, mit der Stimme der
Flöten und dem Heulen der Wölfe und den strahlenden Augen der Löwen, mit hallenden Hügeln
und bewaldeten Grotten.

Und so begrüße ich dich in meinem Lied und alle Göttinnen, wie bist du gut!

HYMNE AN HESTIA

Hestia, du, das heilige Haus des Herrn Apollo, des Fernhintreffenden am stattliche Pytho, mit
weichem Öl tropft es immer von deinen Schleusen, komm jetzt in dieses Haus, einer Meinung mit
Zeus, dem in der Nähe all-weisen, und mit alldem verleihe Gnade meinem Lied.

HYMNE AN ARTEMIS

Ich singe von Artemis, deren Pfeile sind aus Gold, ihr Jubel über die Jagdhunde ist groß, die reine
Jungfrau, Schützin von Hirschen, die im Bogenschießen geübt ist, die eigene Schwester Apollos mit
dem goldenen Schwert. Auf den schattigen Hügeln und windigen Gipfeln zieht sie ihren goldenen
Bogen, hat Freude an der Jagd und sendet schwere Pfeile. Die Spitzen der hohen Berge erzittern
und das wirre Holz spiegelt sich ehrfürchtig mit dem Aufschrei der Tiere: Die Erde bebt und das
Meer auch, wo Fische in der Untiefe wimmeln. Aber die Göttin mit einem mutigen Herzen wird auf
jede Weise zerstören das Rennen von wilden Tieren, und wenn es erfüllt ist, jubelt ihr Herz, da
lockert diese Jägerin, die an Pfeilen begeistert ist, ihren geschmeidigen Bogen und geht zu dem
großen Haus ihres lieben Bruders Phöbus Apollo, dem reichen Land Delphi, dahin, um zu bestellen
den schönen Tanz der Musen und Grazien. Sie hängt ihren geschwungenen Bogen und ihre Pfeile
hin und führt die Tänze, anmutig gekleidet, während alles äußert ihre himmlische Stimme, ein
Gesang, wie der vollbusigen Leto nackte Kinder die Obersten sind unter den Unsterblichen im
Denken und in der Tat.

Heil euch, Kinder des Zeus und der langhaarigen Leto! Und jetzt werde ich euch und andere in
meinem Gesang an mich erinnern.

HYMNE AN PALLAS ATHENE

Ich fange an, Pallas Athene zu singen, die herrliche Göttin mit leuchtenden Augen, sie erfinderisch
zu singen, die unbeugsamen Herzens ist, die reine Jungfrau, Retterin der Städte, mutige Tritogeneia.
Der weise Zeus selbst entblößte sich von ihr aus seinem schrecklichen Kopf, in kriegerischen
Armen blinkte sie golden gekleidet, und Ehrfurcht ergriff alle Götter, wer sie ansah. Aber Athene
sprang schnell aus dem unsterblichen Kopf und stand vor Zeus, der den Schild hält, mit dem
Schütteln eines scharfen Speeres: der große Olympus begann schrecklich zu beben vor der Macht
der strahlenden Augen der Göttin, und die Erde ringsum rief ängstlich, und das Meer war bewegt
und von dunklen Wellen erregt, während Schaum plötzlich aufbrach: der helle Sohn von Hyperion
hielt seine schnellfüßigen Pferde eine lange Weile an, bis die Jungfrau Pallas Athene die himmlische
Rüstung von ihren unsterblichen Schultern abgestreift hatte. Und der weise Zeus war froh!

Und so Heil dir, Tochter des Zeus, der den Schild hält! Jetzt werde ich mich erinnern an dich und
ein anderes Lied folgt als ein gutes.

HYMNE AN HESTIA

Hestia, in den hohen Wohnungen von allen unsterblichen Göttern und Menschen, die auf Erden
wandeln, hast du eine ewige Wohnstatt und höchste Ehre gewonnen: herrlich ist dein Erbteil und
dein Recht. Denn ohne dich die Sterblichen halten keine Bankette ab, wo nicht einer
ordnungsgemäß gießt den süßen Wein als Trankopfer aus, da ist Hestia die Erste und Letzte.

Und du, Jäger von Argus, Sohn des Zeus und der Maia, Bote der seligen Götter, Träger des
goldenen Stabes, Geber des Guten, sei uns günstig und hilf uns, du und Hestia, die
anbetungswürdige und liebe. Kommt und wohnt in diesem herrlichen Haus in Freundschaft
zusammen, denn ihr beide seid wohl wissend der edlen Handlungen der Menschen, seid Beistand
für Weisheit und Stärke.

Gegrüßet seiest du, Tochter von Kronos, und du auch, Hermes, Träger des goldenen Stabes! Jetzt
werde ich euch und andere in meinen Gesängen nie mehr vergessen.

HYMNE AN DIE MUTTER ERDE

Ich werde die fundierte Erde, die Mutter aller, die älteste aller Wesen singen. Sie füttert alle
Kreaturen, die in der Welt sind, es gehen alle auf gutem Land, und alles, was auf den Pfaden der
Meere schwimmt, und alles, was fliegend ist: all diese werden aus ihren Kammern zugeführt. Durch
dich, o Königin, sind Männer in ihren Kindern gesegnet und gesegnet in ihren Ernten und dir
gehören die Mittel zum Leben, um sie den Sterblichen zu geben. Glücklich ist der Mensch, der dich
begeistert ehrt! Er hat alle Dinge reichlich: sein fruchtbares Land ist beladen mit Getreide, seine
Weiden sind mit Vieh bedeckt, und sein Haus ist mit guten Dingen gefüllt. Solche Männer
herrschen in ihren Städten, von schönen Frauen geordnet: großer Reichtum und Wohlstand folgen
ihnen: ihre Söhne jubeln mit immer frischer Freude, und ihre Töchter in Blumen-Bändern spielen
und springen fröhlich über den weichen Blumen des Feldes. So ist es mit denen, die dich ehren, o
heilige Göttin, mit reichem Geist.

Gegrüßet seiest du, Mutter der Götter, Frau des gestirnten Himmels, frei mir schenke für dieses
mein Lied Substanz, das jubelt mein Herz! Und jetzt werde ich dich und andere Göttinnen mit
meinem Gesang an mich erinnern.

HYMNE AN SELENE

Und das nächste Lied, süß stimmhafte Musen, Töchter des Zeus, gut ausgebildet in Gesängen, singt
der langgeflügelten Mondgöttin. Von ihrem unsterblichen Kopf ein Strahlen vom Himmel wird
gezeigt und umfasst die Erde, und groß ist die Schönheit, die erhebt sich von ihr mit strahlendem
Licht. Die Luft, unbeleuchtet vorher, leuchtet nun mit dem Licht ihrer goldenen Krone, und ihre
Strahlen funkeln klar, wann auch immer die helle Selene badete ihren schönen Körper in den
Gewässern des Ozeans, und zog die weit-glänzenden Kleider an und spannte ihre starknackigen
glänzenden Rosse an, Renner mit langer Mähne, Pferde mit voller Geschwindigkeit auf dem
Höhepunkt in der Mitte des Monats: dann ihre große Bahn ist voll, und dann ihre Strahlen leuchten
am hellsten, wie sie erhöht ist. So ist sie ein sicheres Zeichen und ein Signal den sterblichen
Menschen.

Nachdem der Sohn des Kronos wurde mit ihr in Liebe verbunden, wurde sie schwanger und gebar
eine Tochter, Pandia, die schöne unter den unsterblichen Göttinnen.

Gegrüßet seiest du, weiß bewaffnete Göttin, helle Selene, milde, lichtgeschmückte Königin! Und
jetzt werde ich gehen und singen die Herrlichkeiten der halbgöttlichen Männer, deren Taten
Spielleute feiern, die Diener der Musen mit schönen Lippen.

PLOTIN
HYMNEN AN DIE GÖTTLICHE SCHÖNHEIT

HYMNE AN DIE SCHÖNHEIT

Das Schöne beruht größtenteils


Auf den Wahrnehmungen der Augen,
Es beruht aber auch auf denen der Ohren,
Wie bei den Zusammenstellungen von Wörtern
Und in der Musik.
Denn auch Melodien und Rhythmen sind schön.
Steigen wir von der sinnlichen Wahrnehmung weiter aufwärts,
So gibt es auch schöne Einrichtungen,
Taten, Zustände, Wissenschaften,
Endlich eine Schönheit der Tugend.
Ob es noch eine höhere Schönheit gibt,
Wird sich im weiteren Verlaufe zeigen.
Was ist aber die bewirkende Ursache davon,
Dass Körper als schön erschaut werden,
Dass die Ohren den Tönen
Als schönen Tönen ihre Zustimmung geben?
Und was im weiteren mit der Seele zusammenhängt,
In wiefern ist das eigentlich alles schön?
Und sind weiter alle diese Dinge
Durch ein und dasselbe schön,
Oder gibt es eine besondere Schönheit bei einem Körper
Und wieder eine besondere bei einem anderen Gegenstand?
Und was sind denn eigentlich diese verschiedenen
Oder diese eine Schönheit?
Denn die einen Gegenstände sind nicht an sich selbst schön,
Zum Beispiel die Körper,
Sondern durch Teilhabe an der Schönheit,
Andere dagegen sind an sich selbst Schönheiten,
Wie es das Wesen der Tugend ist.
Auch erscheinen dieselben Körper
Bald schön, bald nicht schön,
So dass ihr Sein als Körper verschieden ist
Von ihrem Sein als schöne Körper.
Was ist denn nun das,
Was hier diese bestimmte Eigenschaft der Körper ausmacht?
Dies muss nämlich der erste Gegenstand
Unsrer Untersuchung sein.
Was ist es also,
Was auf die Augen der Beschauer einen Eindruck macht,
Was sie auf sich zieht, sie fesselt
Und sie an seinem Anblick Gefallen finden lässt?
Haben wir dies gefunden,
So können wir es vielleicht als Vorstufe
Zu einer erfolgreichen weiteren Betrachtung gebrauchen.
Nun wird fast von allen behauptet,
Dass die Symmetrie der Teile zu einander
Und zum Ganzen,
Dazu noch schöne Färbung
Die Schönheit für die Wahrnehmung der Augen ausmacht,
Und für sie, wie überhaupt für das gewöhnliche Bewusstsein,
Ist Schönsein so viel wie symmetrisch
Und an gewisse Maßverhältnisse gebunden sein.
Bei dieser Voraussetzung kann aber folgerichtiger Weise
Nichts Einfaches,
Sondern nur das Zusammengesetzte schön sein,
Die einzelnen Teile werden an und für sich nicht schön sein,
Sondern nur insofern sie in ihrer Beziehung zum Ganzen bewirken,
Dass dieses schön ist.
Und dennoch müssen, wenn das Ganze schön ist,
Auch die einzelnen Teile schön sein.
Denn es kann doch nicht aus Hässlichem bestehen,
Sondern die Schönheit muss alle Teile ergriffen haben.
Ebenso werden für die Anhänger dieser Annahme
Die schönen Farben sowie auch das Sonnenlicht
Als einfache und solche Dinge,
Die ihre Schönheit nicht in Folge der Symmetrie haben,
Außerhalb des Schönheits-Bereiches liegen.
Wie soll dann das Gold schön sein?
Oder wodurch der Blitz,
Der in der Nacht gesehen wird?
Desgleichen wird auf dem Gebiete der Töne
Das Einfache nicht in Betracht kommen,
Obwohl oftmals von den Tönen einer schönen Melodie
Jeder einzelne musikalische Ton
Auch an und für sich schön ist.
Und wenn nun ferner, ohne dass die eine Symmetrie geändert würde,
Dasselbe Gesicht bald schön, bald nicht schön erscheint,
Muss man da nicht sagen,
Dass das Schöne noch in etwas anderem
Als dem Symmetrischen besteht
Und dass das Symmetrische selbst
Durch etwas anderes schön ist?
Und wenn man nun im weiteren
Sich zu den Einrichtungen und schönen Reden wendet
Und auch hierbei das Symmetrische
Als Grund des Schönen hinstellen wollte,
Wie kann bei schönen Einrichtungen, Gesetzen,
Kenntnissen und Wissenschaften
Von Symmetrie die Rede sein?
Wie können Gegenstände der Theorie
Zu einander in symmetrischen Verhältnissen stehen?
Etwa weil eine Übereinstimmung zwischen ihnen stattfindet?
Doch hat auch das Schlechte seine Gleichartigkeit und Übereinstimmung.
So stimmt zum Beispiel mit der Behauptung,
Maßvolle Selbstbeherrschung sei Einfalt,
Jene andre Behauptung überein,
Die Gerechtigkeit sei eine edle Gutmütigkeit.
Beide Behauptungen stehen miteinander in Einklang
Und entsprechen sich.
Nun ist Schönheit der Seele jedwede Tugend
Und zwar eine solche,
Die der wahren Schönheit viel näher steht
Als die im Vorigen erwähnten Arten derselben.
Aber sind sie symmetrisch?
Doch weder als Größen,
Noch als Zahlen,
Obgleich es mehrere Teile der Seele gibt.
Denn in welchem Verhältnis soll
Die Zusammensetzung oder Mischung der Teile
Oder Vorstellungen zu einander stehen?
Und worin soll die Schönheit
Der in sich selbst als ihrer Einheit
Versunkenen Vernunft bestehen?

2
Wir wollen nun den Faden der Untersuchung
Wieder von vorn aufnehmen und bestimmen,
Was eigentlich das ursprüngliche Schöne
An den Körpern ist.
Denn es gibt ein solches,
Was sich gleich beim ersten Anblick wahrnehmen lässt.
Die Seele bezeichnet es so als etwas ihr längst bekanntes,
Sie erkennt es wieder als etwas ihr zusagendes,
Sie tritt gleichsam in harmonische Beziehung zu ihm.
Trifft sie dagegen auf das Hässliche,
So wendet sie sich ab,
Sie erkennt es nicht an
Und weist es von sich
Als ihrem Wesen fremd und widersprechend.
Unsere Behauptung geht nun dahin,
Dass die Seele ihrer eigensten Natur nach
Und zur besseren Wesenheit
Im Reich des Seienden gehörig,
Wenn sie etwas Verwandtes
Oder eine Spur des Verwandten erblickt,
Sich freut,
In heftige Bewegung gerät,
Den gesehenen Gegenstand in Beziehung zu sich setzt,
Sich ihres Wesens wieder bewusst wird.
Was besteht also für eine Ähnlichkeit
Zwischen dem diesseitigen und dem jenseitigen Schönen?
Doch wenn eine Ähnlichkeit besteht,
So mögen sie ähnlich sein.
Auf welche Weise ist beides schön?
Durch Teilhabe an der Idee, behaupten wir,
Ist das Diesseitige schön.
Alles Gestaltlose nämlich,
Dessen natürliche Bestimmung darin liegt,
Gestalt und Idee aufzunehmen, ist,
So lange es ohne Vernunft und Idee bleibt, hässlich
Und außerhalb der göttlichen Vernunft befindlich,
Und zwar ist dies das schlechthin Hässliche.
Hässlich ist aber auch das,
Was von der gestaltenden Vernunft nicht durchdrungen ist,
Indem die Materie sich nicht durchweg gestalten ließ.
Indem nun die Idee herantritt,
Fasst sie das, was aus vielen Teilen
Durch Zusammensetzung zu einer Einheit werden soll,
Zusammen,
Führt es zu einer realen Zweckbestimmtheit
Und macht es zu Einem
Durch innere Übereinstimmung,
Da sie selbst Eins war
Und auch das zu Gestaltende Eins werden sollte,
Soweit dies bei seiner ursprünglichen Vielheit möglich ist.
Auf ihm, wenn es bereits zur Einheit zusammengefasst ist,
Thront nun die Schönheit
Und teilt sich den Teilen wie dem Ganzen mit.
Trifft sie aber auf ein schon von Natur Eines
Und aus ähnlichen Teilen Bestehendes,
So teilt sie sich bloß dem Ganzen mit.
Es verleiht zum Beispiel irgend eine natürliche Beschaffenheit
Oder auch die Kunst
Bald einem ganzen Haus mit seinen Teilen,
Bald einem einzelnen Stein die Schönheit.
So entsteht also der schöne Körper
Durch seine Teilhabe an der
Von den Göttern kommenden Schönheit.

Die Schönheit wird aber erkannt


Durch ein besonderes dazu bestimmtes Vermögen,
Welches vollkommen befähigt ist
In seinem Bereich zu urteilen,
Sobald die übrige Seele seinem Urteil beipflichtet.
Vielleicht aber entscheidet auch die Seele selbst darüber,
Indem sie den wahrgenommenen Gegenstand
Nach der ihr innewohnenden Idee bemisst,
Deren sie sich bei der Beurteilung bedient,
Etwa wie man sich eines Richtscheits bedient,
Wo es sich um das Gerade handelt.
Wie aber stimmt das Körperliche
Mit dem Unkörperlichen zusammen?
Wie bemisst der Baumeister
Ain außer ihm befindliches Haus
Nach der ihm innerlichen Idee des Hauses,
So dass er es als schön bezeichnet?
Doch wohl, weil das außer ihm befindliche Haus,
Abgesehen von den Steinen,
Nichts als die innere,
Zwar durch die äußerliche materielle Masse geteilte,
Aber trotzdem sie an der Vielheit zur Erscheinung kommt,
Dennoch ungeteilte Idee ist.
Wenn nun auch die sinnliche Wahrnehmung
Die den Körpern innewohnende Idee erblickt,
Wie sie die gegenüberstehende gestaltlose Natur bewältigt
Und zur Einheit verbindet,
Und die Gestalt,
Welche auf andre Gestalten in feiner Weise aufgetragen ist,
So fasst sie jenes Vielfache
Zu einer Totalität zusammen,
Hebt es empor
Und setzt es in Verbindung
Mit der bereits vorhandenen ungeteilten Idee im Innern
Und führt es ihr als etwas übereinstimmendes,
Verwandtes und befreundetes zu:
Wie es für einen rechtschaffenen Mann
Ein erfreulicher Anblick ist,
Wenn auf dem Antlitz eines Knaben
Eine Spur von Tugend erscheint,
Die mit der Wahrheit in seinem Innern übereinstimmt.
Die Schönheit der Farbe
Ist einfach durch Gestaltung und Bewältigung
Des der Materie anhaftenden Dunkeln
Mittelst Hinzutreten des unkörperlichen
Von Vernunft und Idee ausgehenden Lichts.
Daher denn auch das Feuer
Gegenüber den anderen Dingen der Körperwelt
An sich schön ist,
Weil es im Verhältnis zu den übrigen Elementen
Den Rang einer Idee einnimmt,
Denn es ist nach oben gerichtet,
Es ist der dünnste von allen übrigen Körpern,
Gleichsam der Übergang zum Körperlosen,
Das Feuer allein nimmt nichts andres in sich auf,
Während es selbst alles andre durchdringt,
Denn die Dinge werden warm,
Das Feuer aber wird nicht kalt,
Es enthält die Grundfarbe
Und die anderen Dinge entlehnen von ihm die Färbung schlechthin.
Es leuchtet also und glänzt,
Als wäre es selbst eine Idee.
Das Feuer freilich,
Welches die Materie nicht bewältigt,
Mit seinem matten bleichen Licht,
Ist nicht mehr schön,
Weil es ja gewissermaßen nicht an der Idee der Färbung
In ihrer Gesamtheit teil hat.
Die inneren, nicht in die Erscheinung tretenden Harmonien der Töne,
Welche diejenigen hervorbringen,
Die wir mit unserm Ohr vernehmen,
Erschließen hiermit zugleich auch der Seele
Das Verständnis des Schönen,
Indem sie an einem Anderen
Ihr eignes Wesen zur Erscheinung kommen lassen.
Allerdings liegt es mit im Wesen
Der vernommenen Töne,
Dass sie sich nicht nach absolut idealen
Zahlenverhältnissen bemessen lassen,
Sondern nur in soweit idealen,
Als sie dazu dienen,
Der Idee zur Bewältigung der Materie zu verhelfen.
So viel von dem Schönen,
Das auf den Sinneswahrnehmungen beruht,
Welches ja doch nur ein Abbild ist,
Ein Schattenriss,
Der sich gleichsam in die Materie verlaufen hat,
Sie schmückt
Und uns bei ihrem Anblick
Mit Entzücken erfüllt.

Über die ferneren Stufen der Schönheit nun,


Welche der sinnlichen Wahrnehmung
Nicht mehr zu schauen vergönnt ist,
Welche vielmehr die Seele
Ohne Sinneswerkzeuge schaut und denkt,
Müssen wir unsre Betrachtung
Von einem höheren Standpunkt aus anstellen,
Indem wir die sinnliche Wahrnehmung
Hier unten zurücklassen.
Wie aber bei dem Schönen der sinnlichen Wahrnehmung
Niemand über dasselbe sprechen konnte,
Der es weder selbst gesehen
Noch als schön wahrgenommen hatte,
Etwa Leute, die blind sind von Jugend auf,
So können ganz in derselben Weise
Auch nicht von der Schönheit schöner Einrichtungen
Diejenigen sprechen, welche die Schönheit derselben
Oder der Wissenschaften und andrer derartiger Sphären
Nicht empfunden haben,
Noch von dem Licht der Tugend diejenigen,
Welche nicht einmal eine Ahnung davon haben,
Wie schön das Angesicht der Gerechtigkeit
Und der maßvollen Selbstbeherrschung ist,
Dass weder Morgen- noch Abendstern so schön sind.
Sondern man muss das selbst geschaut haben auf dem Weg,
Auf welchem die Seele derartiges schaut,
Und muss bei dem Schauen in Freude
Und staunendes Entzücken geraten sein,
In noch viel höherem Grad
Als bei den früheren Schönheitsstufen,
Da man es ja hier nunmehr
Mit der wahren Schönheit zu tun bekommt.
Denn das muss die Empfindung sein
Bei allem was schön ist:
Verwunderung und liebliches Staunen,
Sehnsucht, Liebe und freudiges Entzücken!
Das können empfinden
Und empfinden in der Tat auch bei dem,
Was sich nicht mit leiblichen Augen sehen lässt,
Man möchte sagen, alle Seelen,
In höherem Grade allerdings diejenigen unter ihnen,
Die liebesfähiger sind,
Wie ja auch alle an schönen Körpern Gefallen finden,
Aber nicht in gleicher Weise davon ergriffen werden,
Sondern einige ganz besonders,
Von denen man dann im eigentlichen Sinne sagt,
Sie lieben.

Nun müssen wir unsre Fragen


Auch an diejenigen richten,
Die von Liebe zum Übersinnlichen erfüllt sind.
Was empfindet ihr bei sogenannten schönen Einrichtungen,
Schönen Sitten, maßvollen Charakteren,
Überhaupt bei den Werken und Zuständen der Tugend
Und bei der Schönheit der Seelen?
Was empfindet ihr,
Wenn ihr euch selbst als schön in eurem Innern erblickt?
Wie kommt es, dass ihr da in lauten Jubel ausbrecht
Und in heftige Bewegung geratet,
Dass ihr euch sehnt,
Von den Banden des Körpers befreit,
In Liebesverkehr mit euch selbst zu treten?
Denn das ist in der Tat die Empfindung derer,
Die in Wahrheit von Liebe ergriffen sind.
Was ist aber der Gegenstand einer derartigen Empfindung?
Keine Gestalt, keine Farbe, keine Größe,
Sondern die Seele,
Die selbst farblos ist
Und das reine, farblose Licht der Weisheit
Und übrigen Tugenden an sich hat,
Wenn ihr entweder an euch selbst
Oder an einem andern Hochherzigkeit,
Gerechte Gesinnung,
Lautere Weisheit erblickt,
Tapferkeit mit ihrem ernsten Angesicht,
Würdevollen Anstand und züchtiges Wesen,
Das empor blüht an einer ruhigen,
Von keiner Woge,
Von keiner Leidenschaft bewegten Stimmung,
Über dem allen aber
Die gottgleiche Vernunft hervorleuchten seht.
Und weshalb nennen wir nun das,
Indem wir es bewundern und lieben, schön?
Nun, es ist offenbar
Und gibt sich, ohne dass man dem widersprechen kann,
Als das wahrhaft Seiende zu erkennen.
Aber was ist es in seinem wahrhaften Sein?
Etwa schön?
Allein noch hat sich aus der Untersuchung nicht ergeben,
Durch welchen Zug seines Seins
Es die Seele liebenswürdig macht.
Was ist das, was an allen Tugenden hervorleuchtet wie Licht?
Willst du einmal das Gegenteil nehmen
Und das gegenüber halten,
Was an der Seele Hässliches vorkommen kann?
Vielleicht ist es für das Ergebnis unsrer Untersuchung
Von Belang zu wissen,
Was eigentlich das Hässliche ist
Und warum es als solches erscheint.
Nehmen wir also eine hässliche,
Zügellose und ungerechte Seele,
Vollgepfropft mit sinnlichen Begierden,
Eine Seele voll Unruhe,
Voll feiger Furcht, voll kleinlichen Neides,
Was sie auch denken mag
Immer nur in niedrigen
Und vergänglichen Gedanken sich ergehend,
Stets hinterlistig auf Seitenpfaden schleichend,
Eine Freundin unreiner Genüsse,
In ihrem Leben nur von körperlichen Einflüssen abhängig,
Eine Seele, die am Hässlichen ihre Lust findet:
Werden wir nun nicht sagen,
Dass eben diese Hässlichkeit
Wie ein ihr ursprünglich fremdes Übel
An sie herangetreten ist,
Welches sie schändlich verunstaltet,
Sie unrein gemacht,
Sie mit dem Bösen gleichsam durchtränkt hat,
So dass sie kein reines Leben,
Keine reine Empfindung mehr hat,
Sondern durch die Vermischung mit dem Bösen
Ein verschwommenes,
Vielfach vom Tode durchdrungenes Leben führt,
Nicht mehr das sieht, was eine Seele sehen soll,
Nicht mehr im Stande ist, bei sich selbst zu bleiben,
Weil sie stets zum Äußerlichen,
Irdischen und Dunkeln hingezogen wird?
So als unrein,
Indem sie sich von den ersten besten Lockungen
Der sinnlichen Eindrücke hinreißen lässt,
In inniger Durchdringung mit dem Leibe,
In vielfachem Verkehr mit dem Materiellen,
Das sie in sich aufnimmt,
Hat sie durch die Vermischung mit dem Schlechten
Ein ganz andres Aussehen angenommen;
Gleichsam wie wenn einer sich in Schlamm
Oder Schmutz eintaucht
Und nun nicht mehr seine ursprüngliche Schönheit erscheinen lässt,
Sondern mit dem gesehen werden muss,
Was von dem Schlamm und Schmutz sich an ihm festgesetzt hat.
Ihm ist also das Hässliche
Durch das herantretende Fremdartigen gekommen
Und wenn er wieder schön werden will,
Muss er durch mühsames Waschen und Reinigen
In seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren.
So könnte man mit Recht sagen,
Die Seele sei hässlich geworden
Durch ihre Vermischung, Verbindung
Und ihr Hinneigen zum Körper und der Materie.
Und es ist dies eine Hässlichkeit für die Seele,
Nicht mehr rein und lauter zu sein,
Wie für das Gold, noch in der Schlacke zu stecken.
Erst wenn man die Schlacke entfernt,
Bleibt das Gold übrig
Und ruht losgelöst von allem andern in seiner
In sich selbst versunkenen Schönheit.
So auch die Seele.
Erst wenn sie losgelöst ist von den Begierden,
Mit denen sie in Folge ihres zu innigen Verkehrs
Mit dem Körper behaftet ist,
Wenn sie befreit ist von den übrigen Leidenschaften,
Gereinigt von dem,
Was sie in ihrer Verkörperung an sich hat,
Und allein bleibt,
Pflegt sie alle Hässlichkeit
Der schlechteren Natur abzulegen.

Es ist ja eben, wie der alte Spruch lehrt,


Mäßigung, Tapferkeit,
Überhaupt jede Tugend ist eine Reinigung,
So auch die Weisheit selbst.
Deshalb wird auch mit Recht
In den religiösen Weihen
Dunkel darauf hingedeutet,
Dass der Ungereinigte auch in des Hades Behausung
Im Schlamme liegen müsse,
Weil das Unreine durch seine Schlechtigkeit
Mit dem Schlamm etwas Verwandtes hat,
Wie ja auch die Schweine mit ihrem unsaubern Leibe
An derartigem Gefallen finden.
Was wäre auch wohl die wahre Besonnenheit andres,
Als den Verkehr mit sinnlichen Vergnügungen abzuweisen,
Sie als unrein
Und eines reinen Menschen unwürdig zu fliehen?
Die Tapferkeit ist Furchtlosigkeit vor dem Tode.
Der Tod aber ist das Getrenntsein der Seele vom Körper.
Davor fürchtet sich der nicht,
Der seine Freude daran findet, allein zu sein.
Die Seelengröße ist
Das Hinwegsehen über das Irdische.
Die Weisheit ist das Denken
In seiner Wegwendung von der Welt hier unten,
Das Denken, welches die Seele zu dem Höheren empor führt.
Ist nun die Seele geläutert,
So wird sie zur Idee, zur reinen Vernunft,
Schlicht unkörperlich, geistig
Und ganz vom Göttlichen durchdrungen,
Von wo aus die Quelle des Schönen kommt
Und alles dessen, was mit ihm verwandt ist.
Empor geführt zur Vernunft,
Ist die Seele schön in möglichster Vollkommenheit.
Vernunft und was von der Vernunft ausgeht,
Ist die der Seele ursprüngliche, eigene Schönheit,
Die nicht als etwas Fremdes an sie herantritt,
Weil die Seele dies allein in Wahrheit ist.
Deshalb sagt man auch mit Recht,
Das Gut- und Schönwerden der Seele
Sei ein Ähnlichwerden mit Gott,
Weil von ihm aus das Schöne
Und der bessere Teil des Seienden kommt.
Oder vielmehr das Seiende ist die Schönheit,
Die andere Natur aber ist das Hässliche.
Es ist aber das Hässliche und das ursprünglich Böse identisch,
So dass umgekehrt jenes zugleich gut und schön,
Richtiger: das Gute und die Schönheit ist.
Auf gleiche Weise also hat man
Das Schöne und das Gute,
Das Hässliche und das Böse zu suchen.
Als das Erste ist demnach die mit dem Guten
Identische Schönheit zu setzen.
Von ihr geht die Vernunft aus als das schlechthin Schöne.
Durch die Vernunft ist die Seele schön.
Das andre, was an Taten und Handlungen schön ist,
Ist es durch die Gestaltung der Seele.
Auch in der Körperwelt wird das,
Was den Namen des Schönen verdient,
Durch die Seele dazu gemacht.
Da sie nämlich etwas Göttliches,
Gleichsam ein Teil des Schönen ist,
So macht sie alles das schön,
Was sie berührt und bewältigt,
So weit dieses im Stande ist, es aufzunehmen.

Wir müssen also wieder emporsteigen zum Guten,


Nach welchem jede Seele sich sehnt.
Wenn es jemand gesehen hat,
So weiß er, was ich sagen will mit der Behauptung,
Es sei schön.
Als das Gute muss es erstrebt werden
Und das Streben muss darauf gerichtet sein.
Man erreicht es, wenn man nach dem Oberen aufsteigt,
Sich zu ihm hinwendet und das ablegt,
Was man beim Herabkommen angelegt hatte,
Wie ja auch diejenigen, die zur allerheiligsten Handlung
Der Mysterien sich anschicken,
Der Reinigung bedürfen,
Ihre Kleider ablegen
Und im Untergewand herangehen,
So lange bis man bei dem Hinaufsteigen allem ausgewichen ist,
Was dem Göttlichen fremd ist,
Und mit seinem alleinigen Selbst
Auch das Göttliche in seiner Alleinheit schaut
Als lauter, einfach und rein,
Als das, wodurch alles bedingt ist,
Worauf alles hinblickt,
In welchem alles lebt und denkt.
Denn es ist die Ursache des Lebens,
Der Vernunft und des Seins.
Welche Liebesglut wird aber nicht der empfinden,
Der dies zu sehen bekommt,
Wie wird er sich nach der innigen Vereinigung mit ihm sehnen,
Wie wird ihn das Staunen der Wonne durchzittern!
Denn nach dem Göttlichen als dem Guten
Sehnt sich auch derjenige, der es noch niemals gesehen hat.
Wer es aber gesehen hat,
Der bewundert es wegen seiner Schönheit,
Der wird mit freudigem Staunen erfüllt,
Der gerät in Schrecken, der ihn nicht verzehrt,
Der liebt in wahrer Liebe
Und in heftiger Sehnsucht,
Der verlacht alle andere Liebe
Und verachtet das, was er früher für schön hielt.
Das ist etwa die Empfindung derer,
Welchen eine Erscheinung von Göttern
Zu Teil geworden ist
Und die nun nichts mehr wissen wollen
Von der Schönheit der anderen Körper.
Was wird der erst empfinden,
Welcher nun gar das absolut Schöne sieht
In seiner an und für sich seienden Reinheit,
Ohne fleischliche körperliche Hülle
Um rein zu sein,
An keinen Raum der Erde oder des Himmels gebunden.
Denn das ist ja alles etwas abgeleitetes und gemischtes,
Nichts ursprüngliches,
Sondern von jenem ausgehend.
Wer also jenes sieht,
Welches den Reigen aller übrigen Dinge eröffnet,
Welches in sich selbst ruhend mitteilt
Und nichts in sich aufnimmt,
Wer dann in seinem Anblick verharrt und es genießt,
Indem er ihm ähnlich wird,
Was sollte der noch für ein Schönes bedürfen?
Es ist ja eben selbst die Urschönheit,
Welche als das recht eigentlich Schöne,
Auch die es lieben,
Schön und liebenswürdig macht.
Es ist ferner das Ziel für den größten
Angestrengtesten Wettkampf der Seelen,
Das Ziel aller Mühen,
Nicht unteilhaftig zu bleiben des herrlichsten Anblicks.
Selig, wer es erreicht hat,
Wer zum Schauen des seligen Anblicks gekommen ist;
Unselig fürwahr dagegen, bei wem dies nicht der Fall.
Denn nicht der ist unselig,
Der um den Anblick schöner Farben und Körper kommt,
Der weder Macht noch Ehre noch Kronen erlangt,
Sondern wer dies Eine nicht erlangt,
Um dessen Erreichung man
Auf alle Kronen und Reiche der ganzen Erde,
Auf dem Meere und im Himmel verzichten muss,
Ob man das Irdische mit Verachtung verlassend,
Den Blick auf jenes gewandt,
Zum Schauen gelangen möge.

Aber auf welche Art und wie soll man das auffassen?
Wie soll man die unsagbare Schönheit sehen,
Die gleichsam im innersten Heiligtum bleibt
Und nicht herauskommt,
Dass sie auch ein Uneingeweihter zu sehen bekäme?
So gehe denn und kehre ein
In sein Inneres, wer es vermag.
Er lasse draußen,
Was der Blick des Auges erschaut,
Er sehe sich nicht um nach dem,
Was ihm vormals als Glanz schöner Leiblichkeit erschien.
Denn wenn man die leibliche Schönheit erblickt,
Muss man nicht in ihr aufgehen wollen,
Sondern im Bewusstsein, dass sie nur Schatten
Und Schemen zeigt,
Zu dem flüchten, dessen Abbild sie ist.
Denn wer heranliefe, um sie als etwas Wahrhaftes zu umfangen,
Etwa wie eine schöne Gestalt,
Die auf dem Wasser schaukelt –
Jemand, der eine solche umfassen wollte,
Heißt es in einem bekannten, sinnreichen Mythos,
Versank in die Tiefe der Flut
Und ward nicht mehr gesehen, –
Der würde, wenn er sich an dem Schönen der Sinnenwelt festhielte
Und nicht davon losließe,
Ganz in derselben Weise zwar nicht leiblich ,
Doch geistig in dunkle,
Der Vernunft unerfreuliche Tiefen versinken,
Würde dann blind im Hades leben
Und hier und dort mit Schatten verkehren.
„Auf, lasst uns fliehen zum geliebten Lande der Väter!“
Wollen wir uns lieber zurufen.
Aber wohin geht die Flucht
Und wie wollen wir ins offne Meer gelangen?
Wie es Odysseus andeutet, will ich meinen,
Der von der Zauberin Circe oder von Kalypso wegeilend
Keinen Gefallen am Bleiben fand,
Obgleich sein Auge im Anblick der Lust schwelgte
Und er sinnliche Schönheit vollauf genoss.
Vaterland aber und Vater sind für uns dort,
Von wo wir gekommen sind.
Und wie geht unsre Fahrt und Flucht vor sich?
Nicht zu Fuß sollen wir hinwandern,
Denn die Füße tragen uns von einem Land zum andern.
Wir brauchen uns nicht nach einem Fuhrwerk mit Rossen
Noch nach einem Schiff zu Meere umzusehen,
Sondern das alles muss man lassen und gar nicht sehen,
Man muss sein Auge gleichsam schließen,
Man muss ein andres dafür eintauschen und eröffnen,
Das alle besitzen,
Dessen sich aber wenige bedienen.

Was sieht nun jenes innere Auge?


Sofort bei seinem Auftun
Kann es noch nicht das allzu Helle ertragen.
Daher muss man die Seele selbst gewöhnen,
Zuerst auf eine schöne Lebensweise zu blicken;
Dann auf schöne Werke,
Nicht Werke wie die Künste sie zu Wege bringen,
Sondern wie sie von guten Männern ausgehen.
Dann betrachte du die Seele derer, die gute Werke vollbringen.
Wie willst du aber sehen, welche Schönheit
Einer guten Seele eigen ist?
Ziehe dich in dich selbst zurück und schaue,
Und wenn du dich selbst noch nicht als schön erblickst,
So nimm, wie der Bildhauer,
Der an dem, was schön werden soll,
Bald hier, bald da etwas wegnimmt und abschleift,
Bald hier glättet, bald dort säubert,
Bis er an seinem Bilde ein schönes Antlitz zu Stande bringt,
Auch du alles das weg, was überflüssig ist,
Mache das Krumme wieder gerade,
Reinige das Dunkle und lass es hell werden,
Kurz, höre nicht auf zu zimmern an deinem Bilde,
Bis an dir der göttliche Glanz der Tugend hervorleuchtet,
Bis du die Besonnenheit erblickst,
Die auf heiligem Grunde wandelt.
Wenn du das geworden bist
Und dich selbst siehst
Und rein mit dir selbst verkehrst,
Ohne dass dich weiter etwas hindert,
So selbsteinig zu werden,
One dass du in deinem Innern eine weitere Beimischung
Z deinem Selbst hast,
Sondern ganz du selbst bist,
Wahrhaftiges Licht,
Ein Licht, weder durch Größe bemessen
Noch durch Gestalt in enge Schranken gezwängt,
Noch andrerseits zu maßloser Größe ausgedehnt,
Sondern schlicht unendlich,
So dass es über alle Maßbestimmung
Und alle Quantität hinaus ist –
Wenn du siehst, dass du dazu geworden bist
Und du bereits die innere Sehkraft erlangt hast:
Dann fasse Mut für dich selbst,
Schreite von da aus weiter vor,
Du bedarfst keines Führers mehr,
Und schaue unverwandten Blicks vor dich hin.
Denn nur ein solches Auge sieht die ganze volle Schönheit.
Wenn es aber, den Blick durch Laster umflort
Und ungereinigt oder schwach,
Zum Sehen sich anschickt,
Indem es in weibischer Feigheit
Das allzu Helle nicht ertragen kann,
So sieht es gar nichts,
Auch wenn ein andrer ihm das an sich Sichtbare zeigen wollte,
Was vor ihm liegt.
Denn ein dem zu sehenden Gegenstand verwandt
Und ähnlich gemachtes Auge
Muss man zum Sehen mitbringen.
Nie hätte das Auge jemals die Sonne gesehen,
Wenn es nicht selber sonnenhaft wäre;
So kann auch eine Seele das Schöne nicht sehen,
Wenn sie nicht selbst schön ist.
Darum werde jeder zuerst gottähnlich und schön,
Wenn er das Gute und Schöne sehen will.
Zuerst wird er bei seinem Emporsteigen
Zur Vernunft kommen
Und wird dort alle die schönen Ideen sehen,
Und er wird sagen, dass die Ideen das Schöne sind.
Denn alles ist durch sie schön,
Durch die Schöpfungen und das Wesen der Vernunft.
Was darüber hinaus liegt, nennen wir die Natur des Guten,
Welche das Schöne als Hülle vor sich hat,
So dass sie, um es kurz zu sagen, die Urschönheit ist.
Unterscheidet man das Intelligente,
So werden wir die Intelligenz der Schönheit
De Welt der Ideen nennen,
Das darüber hinausliegende Gute
Quelle und Prinzip der Schönheit.
Oder aber wir werden das Gute
Und die Urschönheit als identisch setzen.
Dort jedenfalls liegt die Schönheit.

HYMNE AN DIE INTELLIGENZ DER SCHÖNHEIT

Da wir behaupten, dass derjenige,


Welcher zum Anschauen
Der übersinnlichen Schönheit gelangt ist
Und die Schönheit des wahren Geistes empfunden hat,
Auch im Stande sei, den Ursprung dieser
Und den Ursprung des göttlichen Verstandes
Mit seinen Gedanken zu erfassen,
So lasst uns zu betrachten
Und für uns selbst auszusprechen versuchen
(Soweit dergleichen auszusprechen möglich ist),
Wie jemand wohl die Schönheit des Geistes
Und jener übersinnlichen Welt erschauen mag.
Denken wir uns zwei Marmorblöcke
Neben einander liegen,
Den einen roh und ungestaltet,
Den andern bereits von der Kunst bewältigt
Und zum Bilde eines Gottes,
Etwa einer Muse oder Charis,
Oder eines Menschen, aber nicht eines beliebigen,
Sondern eines von künstlerischer Hand
Sehr schön gestalteten, geformt,
So dürfte der von der Kunst zur schönen Gestalt erhobene
Offenbar schön sein,
Nicht weil er ein Marmorblock ist –
Sonst wäre ja auch der andere in ähnlicher Weise schön –
Sondern von der Idee her,
Welche die Kunst ihm eingebildet hat.
Diese Idee nun hatte nicht der Stoff,
Sondern sie war, und zwar noch ehe sie in den Stein kam,
Im Geist des Bildhauers,
Und in ihm nicht, sofern er Augen und Hände hatte,
Sondern weil er ein Künstler war.
Es wohnte also in der Kunst diese weit höhere Schönheit;
Doch ging nicht diese in den Marmorblock ein,
Sondern indem jene bleibt,
Eine von ihr ausgehende geringere;
Und auch diese blieb nicht rein in sich selbst
Und gehorchte dem Willen des Bildners nur insoweit
Als der Stein der Kunst nachgab.
Wenn aber die Kunst das, was sie hat und ist, bildet –
Und sie bildet das Schöne nach dem Begriff dessen, was sie bildet –
So ist sie in höherem und richtigerem Maße schön,
Weil eben im Besitz der Schönheit der Kunst,
Die jedoch noch größer und herrlicher ist
Als sie nach außen hin erscheint.
Soweit sie nämlich in den Stoff eingehend sich ausgedehnt hat,
Um soviel ist sie schwächer
Als die in sich selbsteinig verharrende.
Denn alles sich Ausbreitende gibt etwas von seinem Wesen auf:
Die Stärke von der Stärke,
Die Wärme von der Wärme,
Überhaupt die Kraft von der Kraft,
So auch die Schönheit von der Schönheit;
Und jedes schöpferische Prinzip
Muss an und für sich besser sein als das Geschaffene;
Denn nicht der Mangel an musikalischer Begabung
Macht den Musiker,
Sondern die musikalische Kunst,
Desgleichen die sichtbare Gestalt
Die vor der Sinnenwelt liegende.
Verachtet aber jemand die Künste,
Weil sie in ihren Schöpfungen die Natur nachahmen,
So ist zuerst zu sagen,
Dass auch die Schöpfungen der Natur Nachahmungen sind;
Sodann muss man wissen,
Dass sie die Erscheinung nicht schlechtweg nachahmen,
Sondern aufsteigen zu den Gedanken,
Aus denen die Natur stammt;
Dann, dass sie auch aus dem Eigenen vieles hinzutun.
Sie fügen nämlich als im Besitz der Schönheit
Allem Mangelhaften etwas hinzu,
Wie denn auch Phidias den Zeus
Nach keinem sichtbaren Gegenstände gebildet hat,
Sondern so wie Zeus aussehen würde,
Wenn er einmal vor unsern Augen erscheinen wollte.

Doch lassen wir die Künste.


Die Dinge aber, deren Werke sie nachahmen sollen,
Das sogenannte Naturschöne wollen wir betrachten:
Die vernünftigen und vernunftlosen Wesen alle
Und besonders diejenigen von ihnen,
Welche der Bildner und Künstler
In vorzüglichem Grad zu Stande gebracht,
Indem er die Materie bewältigte
Und ihr die ideale Gestalt, welche er wollte, gab.
Was ist nun die Schönheit in diesen?
Woher stammt, frage ich, die glänzende Schönheit der Helena,
Dieses viel umstrittenen Weibes,
Oder anderer Frauen,
Die an Schönheit der Aphrodite gleichkamen?
Ja, woher die der Aphrodite selbst
Oder irgend eines andern schönen Menschen oder Gottes,
Die wir etwa zu Gesicht bekamen
Oder auch nicht bekamen,
Deren Schönheit uns aber in die Augen fallen würde?
Ist dieses denn nicht überall die Idee,
Welche von dem Schöpfer auf das Geschöpf übergeht,
Sowie sie auf dem Gebiet der Künste
Nach unserer früheren Behauptung
Von den Künsten übergeht auf das Kunstwerk?
Wie also? Schön sind die Kunstwerke
Und der die Materie beherrschende Begriff,
Und der im Schöpfer,
Nicht in der Materie wirksame Begriff,
Dieser erste und stofflose sollte nicht Schönheit sein?
Ja, wenn die Masse, insofern sie Masse war, schön war,
Dann müsste der schöpferische Begriff,
Eben weil er nicht Masse war, nicht schön sein;
Wenn aber, falls in der gleichviel ob kleinen
Oder großen Masse derselbe Gedanke waltete,
Dieser die Seele des Beschauers in gleicher Weise bewegt
Und stimmt durch seine eigene Kraft,
So ist die Schönheit nicht der Größe der Masse beizumessen.
Ein Beweis dafür ist auch dies:
So lange sie außer uns ist, sehen wir sie nicht,
Sobald sie inwendig geworden,
Hat sie uns bereits affiziert.
Sie geht durch die Augen ein
Nur als Idee,
Wie könnte sie das sonst bei einem so winzigen Gegenstande?
Mit hineingezogen wird aber auch die Größe,
Nicht groß in der Masse,
Aber durch die Idee groß geworden.
Die schöpferische Ursache
Muss entweder hässlich oder indifferent
Oder schön sein.
Wäre sie hässlich, so würde sie nicht das Gegenteil bewirken;
Wäre sie indifferent, warum sollte sie denn lieber
Das Schöne als das Hässliche hervorbringen?
Aber in Wahrheit ist die Natur,
Die das Schöne so hervorbringt,
Viel früher schön;
Wir indessen, die wir nicht gewöhnt sind
Oder nicht verstehen, in das Innere zu schauen,
Jagen dem Äußern nach, ohne zu erkennen,
Dass das Innere die bewegende Ursache ist;
Gerade wie wenn jemand, der sein eigenes Bild erblickte
Und nicht wüsste, woher es kommt, diesem nachjagte.
Es beweist außerdem, dass das Erstrebte ein anderes
Und die Schönheit nicht in der Größe zu finden ist,
Auch die Schönheit in den Wissenschaften
Und Beschäftigungen und überhaupt in den Seelen.
Da ist es denn in der Tat eine größere Schönheit,
Wenn du an jemandem die Weisheit schaust
Und bewunderst, ohne auf sein Antlitz zu blicken;
Mag dies immerhin hässlich sein,
Lass du nur die ganze äußere Erscheinung bei Seite
Und suche die innere Schöne an dem Menschen.
Fühlst du dich aber noch nicht bewogen,
Einen solchen Weisen schön zu nennen,
Dann hast du dich auch noch nicht beim Blick in das Innere
An deiner eigenen Schöne erfreut.
So würdest du dann freilich in solchem Zustand
Jene vergebens suchen,
Denn du wirst sie suchen mit hässlichem
Und nicht mit reinem Sinn.
Darum gehen auch die Reden über dergleichen Dinge nicht alle an;
Hast aber auch da dich schon als schön erblickt, so denke daran.

Es gibt also auch in der Natur


Einen Begriff der Schönheit,
Das Urbild der in sichtbarer Gestalt erscheinenden;
Aber schöner als der in der Natur
Ist der in der Seele,
Von dem auch der in der Natur stammt.
Am hellsten strahlt natürlich der in einer reinen Seele,
Welcher sich auch bereits in Schönheit manifestiert.
Denn nachdem er die Seele geschmückt hat
Und ihr Licht gebracht vom Lichte
Der größeren ursprünglichen Schönheit,
Veranlagt er selbst, in der Seele verbleibend,
Nachzudenken über das Wesen
Des voraufliegenden Gedankens,
Welcher sich nicht mehr einem andern mitteilt,
Sondern in sich selber verharrt.
Deshalb ist er auch nicht einmal Gedanke,
Sondern Schöpfer des ersten Gedankens,
Indem die Schönheit in der seelischen Materie wohnt.
Und dies ist die Vernunft, die ewige,
Zeitlich unveränderliche Vernunft,
Da sie nicht von außen her zu sich selbst gekommen ist.
Unter welchem Bilde nun konnte man diese begreifen?
Denn ein jedes wird von einem geringeren hergenommen werden.
Aber freilich muss man das Bild des Geistes
Vom Geist hernehmen
Und nicht von einem Bilde,
Ähnlich wie man zur Bezeichnung des Goldes überhaupt
Dies oder jenes Gold nimmt.
Dabei muss man, falls das genommene nicht rein ist,
Es reinigen, faktisch oder begrifflich,
Und zeigen, dass nicht alles dies Gold ist,
Sondern nur dieses bestimmte hier innerhalb der Masse.
Das gleiche gilt auch bei dem Bild
Des reinen Geistes in uns
Oder wenn man will bei den Göttern,
Nach der Beschaffenheit des in ihnen wohnenden Geistes.
Denn ehrwürdig sind die Götter alle und schön
Und ihre Schönheit ist unendlich.
Aber was ist es, wodurch sie so schön sind?
Nur die Vernunft
Oder vielmehr die in ihnen sich zur Erscheinung auswirkende Vernunft.
Nicht also weil sie schöne Körper haben, sind sie schön –
Denn schöne Körper machen das Wesen der Gottheit nicht aus –
Sondern gemäss der Vernunft
Sind sie eben Götter.
Demnach sind sie nicht heute weise, morgen töricht,
Sondern stets weise
In ihrer ruhigen, beständigen, reinen Vernunft
Und erkennen nicht eigentlich das menschliche Wesen,
Sondern ihr eigenes Wesen
Und alles, was die Vernunft sieht.
Von den Göttern aber schauen die Himmelsbewohner
(Denn sie haben Muße) beständig
Und wie von fern die Dinge in jenem Himmelsraum
Durch Emporheben ihres Hauptes;
Und alle die Bewohner dort,
So viele ihrer auf ihm und in ihm ihren Wohnsitz haben,
Weilen überall in jenem Himmelsraum.
Denn alles ist dort Himmel
Und die Erde ist Himmel und das Meer
Und die Tiere und Pflanzen und Menschen:
Alles himmlisch in jenem Himmel.
Und die himmlischen Götter
Verschmähen die Menschen nicht,
Noch irgend etwas der dortigen Dinge,
Weil sie von dort sind,
Sondern den ganzen Umkreis und Raum
Durchdringen sie in erhabener Ruhe.

Auch das „leichte Leben“ ist dort anzutreffen


Und die Wahrheit ist ihnen Mutter
Und Amme und Sein und Nahrung,
Und sie sehen alles,
Nicht als die werdenden ,
Sondern als die seienden,
Und sehen sich in andern;
Denn alles ist klar und durchsichtig,
Nichts dunkel oder widerstrebend,
Sondern jeder ist jedem offenbar nach innen
Und durch alles hindurch,
Denn Licht zu Licht heißt es dort.
Es hat auch jeder jedes in sich selbst
Und wiederum sieht er in dem andern alles,
So dass überall alles und alles
Alles ist und jedes alles
Und unermesslich der Glanz;
Denn jedes an ihnen ist groß,
So auch das Kleine groß
Und die Sonne dort die Gesamtheit der Gestirne
Und jedes Gestirn wieder Sonne und alles.
An einem jedem ragt ein anderes hervor,
Es zeigt aber zugleich alles.
Hier ist auch reine Bewegung,
Denn sie stört auf ihrem Gang
Nicht eine andere von ihr verschiedene Bewegung,
Auch die Ruhe wird nicht erschüttert,
Weil sie nicht getrübt wird durch Unbeständigkeit;
Und das Schöne ist schlechthin schön,
Weil es nicht nur im Schönen ist.
Ein jeder schreitet nicht wie auf fremdem Boden,
Sondern eines jeden Stätte ist er selbst, was er ist,
Und da sein Lauf sich nach oben richtet,
Geht sein Ausgangspunkt mit,
Und nicht ist er selbst ein anderes
Noch der Raum ein anderes.
Denn auch das Substrat ist Vernunft
Und er selbst ist Vernunft,
Etwa wie man auch diesen sichtbaren
Lichtartigen Himmel ansehen könnte
Als Erzeuger dieses aus ihm kommenden Lichtes.
Hier nun in der Sinnenwelt
Geht wohl ein anderer Teil aus dem andern Teil hervor
Und jeder Teil bleibt allein für sich;
Dort aber geht aus dem Ganzen immer jeder Teil hervor
Und doch ist immer zugleich der Teil und das Ganze.
Zwar erscheint er als Teil,
Aber das scharfe Auge erblickt ihn als Ganzes,
Ein Auge, wie es Lynkeus gehabt haben muss,
Der nach der Sage ins Innere der Erde sehen konnte.
Für das Schauen dort oben gibt es keine Ermüdung,
Keine Sättigung und kein Aufhören;
Denn es war ja kein Mangel vorhanden,
Nach dessen endlicher Erfüllung man Genüge hätte,
Noch auch Mannigfaltigkeit oder Verschiedenheit,
Dass etwa dem einen nicht gefallen könnte
Was dem andern gefällt:
Unermüdlich, unerschöpft ist alles.
Doch gibt es Unerfülltes in dem Sinne,
Dass die Erfüllung nicht zur Verachtung des Erfüllenden führt;
Denn im Anschauen vergrößert sich das Schauen,
Und wer sich selbst
Und das Gesehene als unendlich schaut,
Folgt damit nur seiner eigenen Natur.
Ferner bringt das Leben, wenn es rein ist,
Niemandem Ermüdung;
Und wer das beste Leben lebt,
Was sollte den ermüden?
Das Leben aber ist Weisheit,
Eine Weisheit, die durch Nachdenken
Keinen Zuwachs erhält,
Weil sie immer vollständig war,
Auch keinen Mangel erleidet,
Dass es der Forschung bedürfte,
Sondern es ist die erste und ursprüngliche,
Von keiner andern abgeleitete,
Ja, das Sein selbst ist die Weisheit.
Darum ist keine größer
Und die Wissenschaft als solche
Thront dort neben der reinen Vernunft
In der Weise, dass sie mit einander in die Erscheinung treten,
Wie man in einem Gleichnis etwa
Die Dike zum Dis gesellt.
Denn alle dergleichen Dinge sind dort
Wie durch sich selbst
Und in sich selbst sichtbare Bilder,
So dass der Anblick ein Genuss
Überglücklicher Beschauer ist.
Der Weisheit Größe nun und Macht
Möchte jemand schauen,
Weil sie alles Seiende in sich befasst
Und geschaffen hat
Und alles ihr folgt
Und sie selbst alles Seiende ist
Und alles mit sich verbunden hält
Und mit ihm eins geworden ist:
Kurz, das Sein da droben ist die Weisheit.
Aber wir sind zu jenem Verständnis
Noch nicht hindurchgedrungen,
Weil wir die Wissenschaften
Für Erzeugnisse der Spekulation
Und für ein Konglomerat
Aus wissenschaftlichen Prämissen halten,
Und das trifft doch nicht einmal
Für die irdischen Wissenschaften zu.
Sollte jedoch hierüber jemand in Zweifel sein,
So wollen wir diese vor der Hand lassen;
Was aber jene Wissenschaft betrifft,
Bei deren Anblick auch Platon sagte:
Sie ist nicht eine andere in einem andern –
(Aber wieso, das ließ er uns offen zu suchen
Und zu finden, wenn anders wir uns solcher Rede würdig achten) –
Damit also machen wir vielleicht besser den Anfang.

Also alle Produkte der Kunst wie der Natur


Bringt eine Weisheit hervor
Und die Werkmeisterin der schaffenden Tätigkeit
Ist überall die Weisheit.
Und wenn in der Tat jemand unmittelbar
Nach der Weisheit schafft,
So mögen ja die Künste dieser Art sein.
Aber der Künstler wendet sich doch wiederum
Zur Weisheit der Natur,
Nach der er Künstler geworden,
Zu einer Weisheit,
Die nicht aus Theorien zusammengesetzt,
Sondern ganz in sich eins ist,
Nicht aus vielen Stücken zu einer Einheit zusammengefasst,
Vielmehr aus der Einheit zu einer Vielheit aufgelöst ist.
Setzt jemand diese als die erste,
So mag es genügen,
Denn wie sie aus keinem andern stammt,
So ist sie auch nicht in einem andern.
Wenn sie aber Vernunft in der Natur anerkennen
Und als die Quelle dieser die Natur nennen,
So werden wir fragen: woher hat sie dieselbe?
Sagen sie: von einem andern,
Was ist jenes andere?
Sagen sie: aus sich selbst,
So werden wir dabei stehen bleiben.
Kommen sie aber auf die Vernunft,
So ist hier zu betrachten,
Ob die Vernunft die Weisheit erzeugt hat;
Und wenn sie es zugeben, woher?
Wenn aber aus sich selbst,
So muss sie notwendig selbst Weisheit sein.
Die wahre Weisheit ist also Sein
Und das wahre Sein Weisheit,
Und der Werth kommt dem Sein von der Weisheit
Und weil es von der Weisheit herrührt,
Ist es wahres Sein.
Deshalb sind alle Wesenheiten,
Welche die Weisheit nicht in sich tragen,
Zwar Wesenheiten,
Weil um einer gewissen Weisheit willen entstanden;
Aber weil sie die Weisheit nicht in sich enthalten,
Sind sie nicht wahre Wesenheiten.
Es ist also nicht anzunehmen,
Dass die Götter oder andere überglückliche Wesen da droben
Wissenschaftliche Grundsätze schauen,
Sondern alles, was man dort nennt,
Sind schöne, ideale Bilder,
Wie sie sich etwa jemand vorstellt
In der Seele eines weisen Mannes,
Aber nicht aufgezeichnete Bilder
Sondern seiende.
Daher nannten auch die Alten die Ideen
Seiendes und Wesenheiten.
6

Es gebrauchten auch, scheint mir, die ägyptischen Weisen,


Sei es durch die sorgfältigste Erwägung,
Sei es durch einen gewissen Instinkt darauf geführt,
Zur Mitteilung ihrer Weisheit
Nicht Schriftzeichen als Vermittler von Worten und Lehrsätzen,
Sondern sie machten Bilder
Und jeden einzelnen Gegenstand
Fassten sie in die Umrisse eines Bildes
Und zeigten dann in den Tempeln
Bei Entzifferung desselben,
Dass ein jedes eine gewisse Wissenschaft und Weisheit sei
Und zwar in seiner zu Grunde liegenden Totalität,
Nicht aber das Resultat eines Nachdenkens
Oder einer Überlegung.
Erkannte später jemand das aus jener Totalität des Wesens
Hervorgegangene Bild,
Wie es sich bereits in einem andern
Aus sich gleichsam herausgewickelt hat
Und sich selbst in der Entwickelung kundgibt
Und die Gründe, weshalb so, herausfindet,
Dann gestand er die Weisheit zu bewundern,
Wie sie, ohne die Gründe ihres Seins zu fassen,
Doch dem nach ihr Geschaffenen eine solche Existenz verleiht.
Dass also dies Schöne,
Das infolge einer Untersuchung kaum
Oder überhaupt nicht zur Erscheinung kommt,
Sich so, wenn es jemand ausfindig macht,
Vor der Untersuchung und Überlegung verhalten
Und vorhanden sein muss,
Wie etwa – denn ergreifen wir an Einem großen Ganzen
Was ich meine, das wird dann auch auf alles Einzelne passen.

Was also dieses Weltall betrifft,


Das doch, wie wir zugeben,
Von einem andern
Und zwar in dieser Gestalt erschaffen ist,
Sollen wir da etwa annehmen,
Der Schöpfer habe bei sich überlegt,
Dass die Erde und zwar solcher Gestalt
In der Mitte dastehen müsse,
Dann das Wasser sowohl das auf der Erde
Als das übrige der Reihe nach bis zum Himmel,
Dann alle lebenden Wesen
Und zwar jedes in der Gestalt
Soviel davon jetzt vorhanden,
Dazu mit diesen inneren und äußeren Organen,
Dass er dann eines jeden Ordnung bei sich festgestellt
Und so Hand ans Werk gelegt habe?
Aber ein solches Überlegen war doch weder möglich,
Denn woher sollte sie dem kommen,
Welcher dergleichen niemals gesehen hat?
Noch konnte er nach einem andern Muster arbeiten,
Wie jetzt die Werkmeister arbeiten
Mit Gebrauch von Händen und Füssen,
Denn später entstanden auch erst Hände und Füße.
Bleibt also nichts übrig,
Als dass zwar alles in einem andern ist,
Dass aber, da ein Zwischengebiet zwischen dem Sein
Und dem Geschaffenen sich nicht findet,
Gleichsam plötzlich ein Abbild und Symbol
Jenes in die Erscheinung trat,
Sei's aus sich selbst heraus,
Sei's unter Mitwirkung der Seele
(Denn auf diesen Unterschied kommt gegenwärtig nichts an)
Oder einer gewissen seelischen Kraft.
Gewiss also war von dorther dies alles zusammen
Und existierte dort in schönerer Weise;
Denn die Dinge hier und nicht jene sind gemischt.
Doch werden sie gewiss von Anfang bis zu Ende
Durch Formen gebunden:
Zuerst die Materie durch elementare Formen,
Dann schließen sich wieder andere Formen an die Formen,
Daher es auch schwer ist, die Materie zu entdecken,
Die unter vielen Formen sich verbirgt.
Da jedoch auch sie gewissermaßen eine letzte Form ist,
So ist dies All ganz Form und alles Formen;
Denn auch das Urbild war Form;
Es schuf aber dieses geräuschlos,
Weil alles Schaffende Sein und Form ist.
Deshalb geht die Schöpfung auch so mühelos vor sich;
Auch erstreckte sie sich auf alles, da sie ja alles ist.
Nicht also gab es ein Widerstrebendes
Und auch jetzt gewinnt sie die Herrschaft
Gleichwohl über die einander widerstrebenden Dinge;
Aber für sie gibt es auch jetzt noch keinen Widerstand,
Da sie ja alles ist und bleibt.
Und ich glaube, wenn wir die Urbilder
Und das Sein und die Form zugleich wären
Und die gestaltende Kraft uns
Als unser Wesen eignete,
Dann würde auch unser Schaffen ohne Mühe den Sieg gewinnen;
Aber der Mensch, wie er nun einmal ist,
Schafft eine von seinem Wesen verschiedene Form.
Denn der Mensch, wie er jetzt geworden,
Hat aufgehört, das All zu sein;
Aber wenn er aufgehört hat, Mensch zu sein, sagt Platon,
Dann schwingt er sich auf und regiert die ganze Welt;
Denn eins geworden mit dem Ganzen schafft er das Ganze.
Jedoch, wovon die Rede war,
Du kannst einen Grund angeben,
Warum die Erde sich in der Mitte befindet und rund ist
Und warum gerade hier die Ekliptik;
Dort aber wurde nicht, weil es so sein musste,
Ein solcher Beschluss gefasst,
Sondern weil's so ist, wie es ist, darum ist es so auch schön.
Da war gleichsam vor dem Syllogismus der Schlusssatz,
Der sich nicht erst aus den Prämissen ergab;
Denn nicht aus Folgerung und Untersuchung
Ergeben sich die Dinge,
Sondern vor aller Folgerung und Untersuchung;
Denn alles dieses: Schluss, Beweis, Bestätigung
Sind abgeleitete Dinge.
Und da es auch Prinzip ist,
So ergibt sich daraus alles
Und zwar auf diese Weise;
Auch heißt es sehr richtig,
Man solle nicht die Ursachen der Ursache suchen,
Zumal einer solchen zweckbestimmten,
Welche identisch ist mit dem Zweck;
Dasjenige aber, welches Ursache und Zweck ist,
Das ist alles in allem,
Mangellos und ohne Aufhören.

Es ist also die Urschönheit,


Und zwar ist sie ein Ganzes und überall ganz,
Damit auch nicht an einem einzigen Teil
Die Schönheit mit einem Mangel behaftet sei.
Wer also wird sie nicht schön nennen?
Denn das ist sie doch sicherlich nicht,
Was sie nicht ganz ist,
Sondern nur einen Teil davon
Oder auch diesen nicht einmal hat.
Oder wenn jene nicht schön ist, was denn sonst?
Denn das vor ihr Liegende will nicht einmal schön sein.
Was aber zuerst und ursprünglich
In die Erscheinung tritt,
Dadurch dass es Form und Anschauung
Der reinen Vernunft ist,
Ist eben dadurch auch wundervoll anzusehen.
Daher auch Platon, um dies zu bezeichnen,
Seinen Weltschöpfer auf etwas
Unserer Anschauung näher liegendes blicken
Und mit Rücksicht hierauf sein Werk gutheißen lässt,
Indem er zeigen will, wie wundervoll
Die Schönheit des Urbildes und der Idee sei.
Denn bei jedem Gegenstand unserer Bewunderung,
Der nach einem andern gemacht worden,
Geht die Bewunderung auf dasjenige zurück,
Wonach er gemacht worden ist.
Wenn uns dieses selbst nicht zum Bewusstsein kommt,
So ist das kein Wunder.
Wissen ja auch die Liebenden,
Die Bewunderer irdischer Schönheit, nicht,
Dass es um jenes willen geschieht,
Und doch geschieht es deshalb.
Dass Platon aber jenes „er bewunderte“
Auf das Urbild bezogen wissen will,
Zeigt Platon deutlich,
Indem er geflissentlich im Verlauf der Rede hinzufügt:
Er bewunderte sein Werk
Und wollte es dem Urbild noch ähnlicher machen.
So deutet er die Schönheit des Urbildes an
Dadurch, dass er das aus jenem entsprungene Schöne selbst
Als ein Abbild jenes Urbildes bezeichnet.
Was wäre auch sonst, wäre jenes nicht die Überschönheit
In ihrer unbegreiflichen Schönheit,
Schöner als diese sichtbare Schöne?
Daher haben die Tadler dieser sichtbaren Schönheit kein Recht,
Oder nur insofern als diese nicht jenes Ideal erreicht.

Lasst uns also diese Welt,


In der jeder Teil bleibt, was er ist, ohne Konfusion,
In unsern Gedanken als ein Ganzes auffassen,
Soweit möglich, in der Weise, dass im bunten Wechsel der Erscheinungen,
Die von außen wie von dem Rand einer Kugel umschlossen werden,
Dem Bild der Sonne und aller Sterne zumal
Der Anblick der Erde und des Meeres
Und aller lebenden Wesen folgt,
Gleichsam wie auf einer überall sichtbaren Kugelfläche,
Und es wird in der Tat uns alles zu Gesicht kommen.
Nehmen wir in der Seele die hellleuchtende Gestalt einer Kugel an,
Die alles in sich befasst, bewegt oder ruhend,
Oder zum Teil ruhend, zum Teil bewegt.
Indem du dieses festhältst,
Nimm ein anderes Bild,
Von dem du alles Stoffliche abgestreift hast, in dich auf;
Nimm auch alles Räumliche
Und jede Vorstellung von Materie weg
Und versuche nicht eine andere nur der Masse nach kleinere Gestalt zu fassen,
Sondern rufe Gott,
Der die Vorstellung, die du hast, geschaffen hat, an
Und bitte ihn zu kommen.
Er wird kommen in seiner Pracht mit allen Göttern,
Die in ihm sind,
Als ein einiger und alle befassend,
Wie auch jeder einzelne alle in sich befasst
Zu einer Einheit;
Verschieden nur sind sie in ihren Kräften
Und doch wieder alle eins in jener einen großen Kraft,
Oder vielmehr der Eine ist sie alle zusammengenommen.
Denn er selbst erfährt keine Verminderung,
Wenn alle jene erzeugt werden;
Zusammen sind sie alle und doch wieder jeder für sich
Auf einem räumlich nicht getrennten Standpunkt,
Ohne jegliche sichtbare Gestalt,
Denn sonst würde der eine hier der andre dort sein
Und jeder nicht ganz in sich selbst;
Auch hat er nicht andere Teile für andre oder sich selbst,
Noch ist jedes Ganze dort eine geteilte Macht
Und etwa nur von solchem Umfang,
Als sie abgemessene Teile hat.
Es ist Macht schlechthin, ins Unendliche sich erstreckend,
Mit seinen Wirkungen,
Und insofern ist jener groß,
Als auch seine Teile unendlich sind.
Und wo wäre irgend etwas zu nennen,
Wo jener nicht schon zuvor wäre?
Groß also ist auch dieser sichtbare Himmel
Und alle Kräfte an ihm insgesamt,
Aber größer wäre er
Und gar nicht zu sagen wie groß,
Wenn nicht an ihm ein geringes Maß von Körperlichkeit haftete.
Gleichwohl möchte jemand groß auch die Kräfte des Feuers
Und anderer körperlichen Dinge nennen,
Aber darin verrät sich schon die mangelhafte Kenntnis
Der wirklichen Kraft,
Wenn wir den äußeren Vorgang betrachtend sagen:
Sie brennen und zerstören und reiben und wirken mit
Bei Entstehung der lebenden Wesen.
Aber diese Dinge hier zerstören,
Weil sie auch zerstört werden,
Und erzeugen, weil sie selbst entstehen;
Die Kraft dort aber hat ausschließlich das Sein und das Schönsein.
Denn wo wäre das Schöne des Seins beraubt zu finden?
Denn wo das Schöne aufhört, da hört auch das Sein auf.
Darum ist auch das Sein begehrenswert,
Weil es dasselbe ist wie das Schöne,
Und das Schöne liebenswert, weil es das Sein ist.
Was nutzt es aber zu untersuchen,
Welches des andern Ursache sei,
Da die Natur nur Eine ist?
Denn dieses Pseudo-Sein hier
Bedarf eines von außen herzugebrachten schönen Scheinbildes,
Damit es auch schön scheine und überhaupt nur sei,
Und insoweit nur ist es, als es Teil hat an der Schönheit der Idee,
Und je mehr es Teil genommen, desto vollendeter ist es,
Denn nur der Idee eignet in höherem Grade
Die Schönheit an sich.

10

Deshalb bricht auch Zeus,


Der ja der älteste ist von den Göttern,
Die er selbst anführt,
Zuerst auf zum Anschauen der intelligenten Welt,
Sie aber folgen,
Die andern Götter und Geister und Seelen,
Welche diese Dinge zu sehen vermögen.
Sie aber erscheint ihnen von einem unsichtbaren Ort her
Und hoch über ihnen aufgehend leuchtet sie herab auf alles
Und erfüllt es mit ihrem Glänzen
Und scheucht die niederen Seelen auf,
Und diese wenden sich, nicht im Stande zu schauen,
Wie man nicht in die Sonne sehen kann;
Die einen werden von ihr empor gehalten und schauen,
Die andern geraten in Verwirrung,
Je weiter sie von ihr entfernt werden.
Indem aber die, welche es können, schauen,
Blicken sie alle auf dieselbe und auf ihren Reichtum,
Nicht aber gewinnt ein jeder dieselbe Anschauung,
Sondern der eine sieht unverwandten Auges
Die Quelle und Wesenheit des Gerechten hervorleuchten,
Der andere wird mit der Anschauung
Des besonnenen Maßhaltens erfüllt,
Doch nicht in der Weise, wie die Menschen sie in sich haben,
Wenn sie überhaupt sie haben.
Denn diese hier ist in gewissem Sinne
Eine Nachahmung jener,
Die dort aber,
Unter allen den ganzen Umkreis derselben sozusagen beschreibend,
Wird schließlich vollkommen von denen gesehen,
Welche schon vieler deutlichen Anschauungen
Teilhaftig geworden sind.
Es schauen also die Götter
Ein jeder einzeln und jeder zugleich
Und auch die Seelen, die alles dort schauen,
Und aus dem All entstanden sind,
So dass sie selbst alles von Anfang bis zu Ende umschließen,
Und sie sind wahrhaft dort
Soweit es zu ihrer Natur geworden ist dort zu sein,
Oft sind sie auch ganz und gar da,
Wenn sie sich nämlich gar nicht losgesagt haben.
Indem dieses also Zeus schaut
Und wer unter uns von gleicher Liebe getrieben wird,
Ist er das in allen Dingen zur vollendeten Erscheinung kommende
Schöne in seiner Ganzheit
Und hat Teil an der dortigen Schönheit;
Denn alles glänzt von dort hervor
Und erfüllt die dort Angekommenen,
Dass sie selbst schön werden,
Wie es wohl geschieht, dass Menschen,
Die hoch hinaufsteigen in Regionen,
Wo die Erde gelbe Farbe hat,
Die Farbe des Elements annehmen,
In dem sie sich bewegen.
Farbe aber ist dort die gleich einer Blüte
Sich ansetzende Schönheit,
Oder vielmehr alles ist dort Farbe
Und Schönheit lief von innen heraus,
Denn die Schönheit ist nicht anderes
Als von außen sich ansetzendes.
Aber denen, die nicht das Ganze sehen,
Erscheint nur die Oberfläche als etwas schönes,
Die aber, welche ganz und gar gleichsam berauscht
Und von Nektar trunken sind,
Denn die Schönheit durchdringt ja die ganze Seele,
Gehen nicht als bloße Zuschauer davon.
Denn nicht ist der Schauende außerhalb,
Noch auch das Geschaute außerhalb,
Sondern der Scharfsichtige hat das Geschaute in sich,
Und wenn er es hat, weiß er es meistenteils nicht
Und schaut es wie ein Äußeres,
Weil er es wie ein Angeschautes ansieht und ansehen will.
Denn alles, was jemand als ein sichtbares schaut,
Sieht er von außen.
Aber man muss es in sich selbst übertragen
Und anschauen wie Ein Ganzes
Und anschauen wie sich selbst,
Gleichsam wie jemand, der hingerissen von einer Gottheit,
Dem Phöbus oder einer Muse,
In sich selbst die Anschauung der Gottheit bewirkt,
Wenn er die Kraft hat, die Gottheit in sich selbst zu sehen.

11

Bringt aber jemand von uns,


Unvermögend sich selbst zu schauen,
Von jener Gottheit zum Schauen ergriffen,
Es zu einer Anschauung,
Dann bringt er sich selbst zur Anschauung
Und schaut ein schöneres Bild seiner selbst.
Lässt er jedoch jenes Bild, obwohl es schön ist,
Und geht er ganz in sich selbst zurück,
Ohne mehr eine Trennung wahrzunehmen,
Dann ist alles zugleich eins mit jener Gottheit,
Die in aller Stille herbeigekommen,
Und er ist mit ihr eins, soweit er kann und will.
Wendet er sich aber wieder zur Zweiheit,
Dann ist er, falls er rein bleibt,
In seiner nächsten Nahe,
So dass er auf die obige Weise
Sich wieder mit ihr vereinigen kann,
Wenn er sich wieder zu ihr wendet.
Bei der Hinwendung hat er diesen Gewinn:
Anfangs wird er seiner selbst inne
So lange er ein anderer ist;
Eindringend aber in das Innere hat er das Ganze,
Und den Blick nach rückwärts aufgebend
Aus Furcht vor der Entzweiung, ist er immer dort,
Und wenn er begehrt etwas als ein anderes zu schauen,
Stellt er sich aus sich selbst heraus.
Es muss aber, wer dies lernen will,
Dasselbe in stets anhaltender Forschung
Wie in einem Abriss genau erforschen,
Und nachdem er gelernt hat, worin er sich versenkt,
Und sich überzeugt hat,
Dass er sich in einen preisungswürdigen Gegenstand versenkt,
Muss er sich nunmehr ganz in das Innere versenken
Und statt zu schauen die Anschauung eines andern werden,
Strahlend, wie er von dort kommt
In reinen Gedanken.
Wie mag indessen jemand in der Schönheit sein
Ohne sie zu sehen?
Nun, so lange er sie sieht als ein anderes,
Ist er noch nicht in der Schönheit,
Ist er sie aber geworden,
Dann ist er gerade so am meisten in der Schönheit.
Geht nun die Schönheit auf ein Äußeres,
So darf das Schauen kein anderes sein,
Als das, welches mit dem geschauten Gegenstand eins ist;
Dies ist aber gleichsam ein Innewerden
Und Empfinden seiner selbst,
Verbunden mit der Scheu,
Dass man in dem Bestreben, mehr zu schauen,
Von sich selbst abfalle.
Man muss aber auch jenes beachten,
Dass die Empfindungen des Übels
Größere Eindrücke hinterlassen,
Aber geringere Erkenntnisse,
Die da durch den Eindruck gleichsam herausgeschlagen werden.
Denn die Krankheit gibt mehr einen schlagartigen Eindruck,
Die Gesundheit aber, welche ruhig bei uns weilt,
Ein stilles Verstehen ihrer selbst,
Denn sie wohnt bei uns als unsere Hausgenossin
Und wird mit uns eins;
Jene aber ist etwas fremdes und nicht heimisches,
Und dadurch ganz wahrnehmbar,
Dass sie uns immer etwas anderes zu sein scheint;
Das uns eigentümliche jedoch sind wir selbst,
Wir werden es nicht gewahr.
Sind wir aber wie oben angegeben beschaffen,
Dann sind wir von allen am meisten uns unserer selbst bewusst,
Indem wir das Wissen von uns
Und uns selbst zu einer Einheit gebracht haben.
Dort oben indessen, wenn wir am meisten
Nach der Vernunft und begrifflich erkennen,
Glauben wir nicht zu wissen,
Indem wir auf den Eindruck eines inneren Sinnes gewiesen sind,
Welcher meint, nicht gesehen zu haben;
Denn der hat nicht gesehen
Und dürfte auch dergleichen niemals sehen.
Das Misstrauen also hegt die sinnliche Empfindung,
Der andere aber, der Geist ist der Schauende;
Oder falls auch jener misstrauen sollte,
Dann dürfte er auch nicht an seine eigene Existenz glauben,
Denn allerdings kann er,
Auch aus sich selbst herausgestellt
Wie ein sichtbarer Gegenstand,
Mit leiblichem Auge sich nicht sehen.

12

Doch es ist gesagt, wie jemand als ein anderer


Und wie als er selbst dieses tun kann.
Wenn er nun also geschaut hat,
Sei es als ein anderer, sei es als er selbst,
Was vermeldet er?
Nun, dass er eine Gottheit gesehen habe,
Die mit einem schönen Sohn kreiste
Und in sich alles erzeugt hat
Und zwar ohne die Wehen der Geburt;
Denn froh über ihre Sprösslinge
Und voll Bewunderung für ihre Kinder
Trägt sie alles in sich
Und freut sich über ihren eigenen
Und über ihrer Kinder Schönheitsglanz;
Er aber, während schön sind und schöner, die in ihm verharren,
Trat allein von den andern als Sohn nach außen hervor.
An ihm als dem letzten Kind
Ist auch wie in einem Spiegelbild zu sehen,
Wie groß der Vater
Und die bei dem Vater verbleibenden Brüder sind.
Er aber behauptet nicht umsonst, vom Vater gegangen zu sein,
Denn nunmehr gibt es eine andere Welt,
Die schön geworden als ein Abbild des Schönen,
Auch ist es wider alles Recht,
Dass das Bild des Schönen und des Seins nicht schön sei.
So ahmt er also das Urbild in allen Stücken nach.
Denn auch das Leben hat er
Und das Sein als Nachahmung,
Desgleichen die Schönheit als von dort stammend;
Er hat auch die ewige Dauer als Abbild,
Oder soll er das Bild bald haben, bald nicht,
Da doch das Bild nicht durch die Kunst hervorgebracht wird?
Durchaus aber ist es von Natur ein Bild,
Soweit als nämlich das Urbild bleibt.
Daher haben diejenigen Unrecht,
Welche die sichtbare Welt,
Während die unsichtbare bleibe,
Für vergänglich halten
Und ihre Erzeugung ansehen
Als aus einem Rathschluss des Schöpfers hervorgegangen.
Denn die Art einer solchen Schöpfung
Wollen sie nicht verstehen, noch wissen sie,
Dass soweit jene leuchtet
Auch die andere niemals aufhört,
Sondern dass diese denselben Ursprung hat wie jene;
Denn sie war und wird ewig sein.
Inzwischen müssen wir diese Bezeichnungen notwendig anwenden,
Wenn wir uns verständlich machen wollen.

13

Der Gott also, der gebunden ist,


Immer derselbe zu bleiben
Und der seinem Sohne die Herrschaft über dieses All abgetreten –
Denn es ziemte sich für ihn,
Der jene Herrschaft abgegeben,
Nicht eine jüngere als er selbst und eine spätere zu erstreben,
Da er mit der Schönheit gesättigt ist –
Nachdem er also dies aufgegeben,
Ordnete er seinen eigenen Vater sich selbst über
Und dehnte sich bis zu ihm hin nach oben aus;
Dann ordnete er wieder das,
Was von dem Sohn her bereits begonnen
Zu einem Anderssein überzugehen,
Um nach ihm zu existieren.
So ist er zwischen beide getreten,
Einmal dadurch, dass er sich durch sein Anderssein
Von dem Oben losgerissen hat,
Dann dadurch, dass er sich fernhält von der Fessel,
Die ihn herabzieht zu dem, was nach ihm ist:
Er steht zwischen einem besseren Vater
Und einem geringeren Sohne.
Aber da sein Vater größer ist,
Als dass man ihn schön nennen könnte,
So blieb er selbst ursprünglich schön,
Obwohl schön auch die Seele ist;
Aber er ist schöner auch als diese,
Weil sie eine Spur seiner selbst ist,
Und dadurch eben ist sie zwar schön ihrer Natur nach,
Noch schöner aber, wenn sie dorthin blickt.
Wenn nun die Weltseele,
Um ein bekannteres Wort zu brauchen,
Wenn nun die Aphrodite selbst schön ist,
Wer ist jener?

KNABENMUSE

Dies ist, was mit Zeus beginnen soll:


Arete dies gehört, das wir wieder aufgewärmt.
Aber nun, Musen, überlass ich es euch,
Für Knaben bin ich sehr voller Liebe,
Liebevoll nichts weniger als zu ruhen mit ihnen:
Auch da ist etwas, das dich interessiert!

Nicht in dieser Sammlung suche


Priamos, noch falle vor dem Altar nieder,
Weder Medea und ihre Trauer,
Weder Niobe oder Itys in seiner Wohnung,
Oder sogar Philomele im Laub.
Nein, wegen all dieser langen Mythen
Dichter haben viele Seiten geschrieben!
Ich liebe das Singen, konfrontierte Grazien
Und Bromios! Zu ernst meine Stimme,
Um zu sprechen, was nicht von Nutzen wäre.

(...)

Ich mag sie bis zu zwölf Jahren: es ist ein schönes Porträt.
Aber das Kind von dreizehn Jahren hat mehr Attraktionen.
Zweimal im September und die Liebe blüht auf subtile Weise.
Der fünfzehn Jahre alte Knabe ist wirklich charmant.
Siebzehn, nicht für mich! Bewahre ihn Zeus!
Zeus ist in Liebe mit einem Jungen von diesem Alter
Und der fehlt, seinen eigenen Charakter zu finden.

Ich liebe Knaben mit blasser Haut,


Braune, wie ich sie genieße,
Blonde wie Honig, die ich liebe,
Klare Augen verehre ich,
Aber die schwarzen Augen, die ziehen mich an.
6

(...)

Bei einem Mädchen gibt es viel der Qualen,


Das umgibt dich, oder natürliche Küsse,
Weder der einfache Duft von Haut,
Weder diese sinnlichen Worte,
Weder diese naiven Augen;
Nicht zu vergessen: das Mädchen ist gewarnt!
Sobald umworben, ist es ein kältestes Eis!

Ich sah einen Knaben, wob


Die schönen Girlanden,
Als ich ihn ansah,
Auf Märkten, da diese Dinge verkauft werden.
Aber ich war erstaunt. Ich sagte leise:
Wie viel willst du für deinen Kranz?
Mehr rote Blüten hatte einer seiner Blumensträuße,
Er antwortete: Geh rasch, sonst
Wird mein Vater dich bemerken!
Ich kaufte einen seiner Kränze.
Wieder zu Hause,
Ich bot es den Göttern und habe sie gebeten, mir zu geben
Diesen stilvollen Knaben.

Diodorus, o Schönheit für die Liebe, du bist reif.


Wenn du heiraten willst,
Vielleicht! Aber siehe, es ist eine harte Sache,
Ich kann dich nicht vergessen.

10

Das Haar ist schön, es läuft lang das Haar,


Eine schöne Blondheit hat sich an die Wangen gedrückt,
Nein, ich möchte darauf hinweisen:
Mit Haaren eines Bartes, ist er mein Erster.

11

Philostratus heute Abend


Kam mir Gesellschaft zu leisten.
Ach, ich konnte nichts tun,
Zwar kam er nur mir zuliebe.
Nun, wenn ja,
Flieht, Kinder, die Liebe,
Und ohne die geringste Sorge,
Werde Astyanax,
Geh mit mir auf eine Fahrt!

12

Von der ersten Zeit ab, der schöne Ladon,


Schrecklich, ihr Liebhaber,
Verliebte sich in einen Knaben:
Nemesis tut Dinge schnell!

13

Ich sehe einige betrunkene Knaben in Versuchung


Herzustellen ein Arzneimittel,
Ein Naturheilmittel. In ihren Possen überrascht,
Sie sagen: Ruhe! Und ich sage ihnen:
Lasst mich dies beheben, so geht es gut!

14

Wenn der Teenager


Demophilus bietet seinem Liebhaber
Die sanften Küsse, die er mir gab,
Er ist zwar noch ein Kind,
Seine Mutter wird nie
Leben mit ihm ruhig.

15

Ein Brett hat der Knabe hinter sich gebissen:


Ah! wenn das Holz zu begeistern ist,
Was ist los mit mir, einem Wesen aus Fleisch?

16

Philokrates, oh, nicht verstecke deine Gefühle:


Als er trampelte auf unsere Herzen,
Eros war weit genug für uns.
Komm, küsse mich mit mehr Inbrunst!
Ein Tag wird kommen, wenn du fragen wirst
Gleichzeitig mich und deinen Geliebten.

17

In meinem Herzen hab ich nicht


Den Geschmack der Frauen.
Nein, es ist für den Knaben,
Das mir brennt meine Leidenschaft.
Aber dieses Feuer ist schrecklich:
Sowohl der Mann als
Die Macht der Frauen,
Sowohl die Männchen mit
Verstärkter Begierde
In dem Winkel meiner Seele,
Sind es, die mich verführen.

18

Unglücklich diejenigen, die ohne Liebe leben!


Jede Tätigkeit,
Alle Kommentare sind schmerzhaft,
Wenn die Leidenschaft
Nicht mehr das Ziel ist.
Was mich betrifft, ich hänge meine Tage herum,
Aber ich sehe, dass ich beten muss:
Ich gehe zu ihm schneller als der Blitz!
Auch nicht von der wunderbaren Liebe zu laufen,
In das Gesicht der Welt verkünde ich:
Der Gott Eros ist der Stachel der Seele.

19

Obwohl ich sie wünschte, verweigert er mir Liebe.


Er fragt nicht nach mir.
Wenn ich frage, sagt er nur kurz Nein!
Und wenn ich es sage, setzt er nur den Punkt.

20

Zeus war sehr gutes Essen für die Äthiopier;


Dann veränderte er sich in Regen oder erfreute Danae.
Auch zu sehen den schöne Periander
Ist ein Wunder, dass er nicht geht, mich zu nehmen;
Es sei denn, die Knaben sind daran interessiert.

21

Diese verstohlenen Küsse, wenn diese Zeichen geheim


Mit einem dezenten Auge ausgetauscht werden,
Bis wann?
Also, wenn diese Worte frei bleiben,
Diese Zeit vergeblich ist der nachfolgenden Zeit?
Jetzt warten wir: die Schönheit flieht.
Auch noch in diesem Jahr ist zu eifersüchtig Phaidon,
Komm zu uns,
Wörter, ja, aber dann wirkt auch!

22

Ein unerbittlicher Böser an diesem Tag nahm mich:


Ein Feuer, das sich ohne einen Kampf erstreckt, danke!
Du erreichst mich vom Ilissos, sechzehn Jahre, hohes Alter und Reife.
Kleine und große Qualitäten.
Und die Lippen, wie...
Und was für eine Stimme zu lesen!
Er ist perfekt, wenn ich es mit dir aufnehmen muss.
Aber ach! sagte er: Du siehst, das ist alles!
Siehe auch meine Nächte, wo meine Hände sich schütteln
Und liefern einen Kampf,
Mit Kypris die Dinge vorgestellt!

23

Mir, dass einmal ein Knabe liebe meine Familie,


Ich habe dieses tödliche Feuer zu nehmen.
Eros führte mich zu deiner Adresse
Mit diesen Worten: Hinterfotzige Weisheit!

24

Wenn Polemon, der Knabe, den ich liebe,


Zurück ist, wie er war, o Apollon,
Ich werde dein Ausrufer des Morgens.
Das ist meine Entscheidung.
Aber wenn er kommt wieder anders,
Dieses Versprechen gilt nicht mehr.
Oder Polemon kommt bärtig!
Und wenn er glücklich ist,
Wenn das sein Wunsch ist,
Man befahl ihm, anzubieten
Auf deinem Altar den Mann, der dieses Gelübde tut.

25, 26 und 27

Kommt Polemon zurück in seiner Integrität!


Ich betete zu Phöbos
Und habe ihm versprochen, einen Hahn zu opfern,
Wenn er erfüllt meinen Willen.
Sicherlich sah ich Polemon,
Aber, ach, seine Wange war sonst glatter:
Er hat Haare auf dem Kinn!
Nein, Apollo, so ist es nicht recht!
Elender, der ich bin! Er entging mir schnell!
Da für dieses Ding, oh Gott, ich glaube nicht mehr!
Vor allem nicht versuche, mich zu täuschen
Mit einem Ohr im gemeinsamen Stroh!

II

Wenn er hierher kam, mein zarter Polemon,


Ich sah ihn verlassen,
Ich würde einen Hahn dir geopfert haben, Apollon!
Natürlich, es ist sicher, aber nicht am Ende zu glauben!
Er hat einen Bart: für mich aber ist es überhaupt nicht schön!
Er kann seine Wangen schattiert haben?
So opfert er sich selbst, und es wird in Ordnung sein,
Da seine Wünsche waren das Gegenteil von meinen.

III

Gefallen dir, Apollon,


Die Jungfrau-Wangen von Polemon?
Er ging. Aber ich habe dir versprochen bei seiner Rückkehr,
Dir selbst zu opfern einen Vogel.
Polemon kam eines Tages zu mir,
Ach, gespickt mit Haaren feindselig.
Nein, es ist nicht für dieses strenge Gesicht,
Dass ich hatte so ein Gebet gemacht.

28

Das ist mein Vater Cyros.


Zwei Buchstaben Differenz!
Aber immerhin kann ich nicht lesen!
Nur, dass ich ihn bewundere.

29

Er will nicht:
Oder Protarchos ist schön!
Vielleicht an einem anderen Tag
Ist er in meiner Nähe?
Aber die Jugend hält Gericht
Und die Fackel.

30

Nicander, dein Bein ist haarig:


Eines Tages, ohne darauf zu achten,
Dein Gesäß wird auch behaart sein.
Der Zug der Liebenden flieht.
Auch sage dir, dass deine Schönheit
Passiv glühen wird, schmelzen,
Als ob nie danach...

31

Phanias, nutze alles,


Aus diesem süßen Wein, für das Gericht
Der kurzen Zeit der Leidenschaften.
Bereits Haare haben deine Oberschenkel bedeckt;
Es gibt einen leichten Bart am Kinn;
Der Wunsch führt dich zu einem anderen Wahnsinn;
Aber deine schöne Haut
Ist eine Heu-Wirtschaft!
Genieße den Augenblick, wie er kommt!

32

Denke daran, was ich gesagt habe;


Es waren heilige Worte:
Schönheit, nichts ist edler und flüchtiger.
Schönheits-Ideal, das
Auch der Vogel stärker, lebendiger,
Nicht an die Spitze des Himmels klettert.
Jetzt, nach unten,
Die verwelkten Blütenblätter deiner ephemeren Blumen...

33

Heraklit war schön... wenn er wieder hätte


Die Schönheit des Knaben. Aber Jugend ist nicht.
Jetzt, so sehe ich dieses Fleisch zu haarig,
Willig jedem, der wird zu reiten kommen.
Nicht gewalttätig sein, ist die Wahrheit,
O Polyxinidos, weil das Schicksal
Bis zu deinem Hintern hat ein Strohnest.

34

Demetrius lud mich zum Abendessen ein.


Dieser Kerl, wenn ihr den gesehen hättet!
Auf ihm lag ein Junge,
Und gegen seine Schulter lehnte ein anderer;
Ein dritter gab ihm zu essen;
Ein letzter schenkte ihm einen leichten Wein ein.
Bald, sagte ich ihm, nicht ohne Ironie:
Sind sie so auch eifrig, wenn der Abend kommt?

35

Eines Tages sprach er über den Punkt der Erlösung,


Jemand sagte: Schönheit, wirst du uns begrüßen?
Warte eine Minute auf unsere Rache.
Eines Tages wirst du stark behaart sein.
Erstens sprechen wir dich,
Aber zu dieser Zeit,
Wir werden uns nicht gleichgültig sein!

36

Du musst mich nur so halten, dass das Ende


Schlüpft über den Kopf und auf die Waden,
Ein gutes Haar wächst dicht dir. Dann sagst du:
Für mich ist es wieder da! - Warum, was ist das?
Wer fühlt sich gut im Bett?
Trockenes Schilf anstatt sanfter Rosen.

37

Das Gesäß von Sosarchos


Ist erschienen gut geformt
Durch den gewaltigen Eros
Und bannt die Menschheit.
Es ist so weich,
Dass, bevor es die Götter sehen,
Plötzlich kitzelt es.
Gesäß des Ganymed,
Viel Charme hat es nicht.

38

Die Horen haben auf dein süßes und hübsches Gesäß


Gegossen süßes Öl bis zu dem Punkt, da die Schlaflosigkeit
Droht seit langem. Ein echtes Juwel, sag mir,
Wem gehörst du? Ich will seinen Namen wissen!
Zuletzt Menekrates! gab das Gesäß mir Antwort.

39

Nicander hat so viel von seiner Frische verloren


Und die Blüte seiner Haut ist weg.
Sein Charme, sein Name, nichts bleibt.
Früher war er für uns ein Gott.
Meine guten Freunde, keinen Gedanken
Verschwendet an die Gesetze der Menschlichkeit:
Haare kann niemand vermeiden.

40

Entfernt nicht meinen Mantel!


Verehre ich doch
Ein hölzernes Idol,
Dessen Enden
Sind Marmor. Seht!
Kraft wird betteln
Um meine süße Nacktheit,
Unter diesem Dornbusch,
Ihr werdet es sehen, auf der Flucht
Ist die schönste Rose.

41

Von Apollodotus ist zu sagen, er ist ein hübscher Knabe,


Ich werde nicht mehr sagen! Den gleichen Nervenkitzel
Hatte ich für Theron, jetzt einen Feuerbrand.
Ich liebe den subtilen Eros. Auch schwarz
Ich verließ die Hirten, um die Kinder zu küssen.
42

In Hermogenes gibt es einen Reiterblick;


Aber am wichtigsten ist es, mit dem Geld in den Händen zu kommen.
Bald dir, der von deinem Instinkt geführt ward allein,
Du erhältst, glücklich, schöner Teenager,
Was erschreckt deine Nächte. Beraubte Angelhaken
Erneuerst du wie Wasser und sonst nichts.
Auch keine Schande ist das für diesen teuren Knaben.

43

Das Gedicht ist banal, ich schätze den Punkt;


Ich hasse den Pfad, wo der gemeinsame Markt steht,
Wie ich den Kerl, der sich allen Ankömmlingen angeboten, hasse.
Ich glaube nicht, an der Quelle der ganzen Welt zu trinken:
Allen die Öffentlichkeit scheint etwas Unreines;
Natürlich Lysanias, ich gebe es zu: Du bist nett!
Aber bevor du etwas sagst, warf mir ein Echo zu:
Er ist im Bett...

44

Es hat lange gedauert,


Es war sehr leicht,
Für uns zu werben
Um die charmanten Knaben.
Wir haben einen Ball genäht
Und einige Knochen:
Heute gefällt das:
Ein Abendessen
Und vor allem Geld!
Die Spielsachen sind nicht mehr gültig.
Amateure, Knaben,
Um sie zu umwerben,
Findest du schon etwas anderes!

45

Eros, treibe deine Pfeile!


Nicht langweilen!
Du hast Tausende
Für ein einzelnes Ziel.
Weiter, ihr Narren!
Aber, wenn du kannst,
Will ich mich beugen,
Dich zu bevorzugen,
Göttlicher Souverän,
Als Besitzer
Eines übermenschlichen Köchers.
46

Ich zähle keine zwanzig Jahre, mein Leben ist eine Last!
Warum quälen mich und brennen mich, warum?
Wenn das Unglück kommt, was tust du, als zu lieben?
Nun, wie immer,
Teilnahmslos mit Würfeln zu spielen!

47

Spielen der Knochen in den Armen der Kypris,


Eros, der schreckliche Knabe, hat gerade gespielt mit meinem Leben.

48

Siehe! Ich fiel zu Boden, gedemütigt!


Du kannst, schrecklicher Dämon, mich zerquetschen mit dem Fuß!
Bei den Göttern, o wehe! Ich kenne nur dich!
Ich weiß, was dein Gewicht ist.
Außerdem habe ich die Stärke deiner Flammen gesehen.
Aber es muss verstanden werden,
Du kannst jetzt verbrennen meine Seele,
Dies ist nur ein Haufen Asche.

49

Liebhaber, reiner Holzbecher diesem Wein:


Bromios ist eingeschlafen
In seiner männlichen Liebe,
Da lohnt sich die Vergessenheit.
Holzbecher mit reinem Wein gefüllt,
Dein Becher ist leer!
Nichts wie Jagd
Des Liebhabers Ärger.

50

Nun, Holzbecher, Milch, und deine Tränen trocknen.


Du bist nicht der einzige, der hier unten leidet, dass die Göttin
Dich vorherbestimmt für ihr Netz, und nicht der einzige, dessen Reize
Der Erotik schaden uns.
Höre auf zu zappeln mit der Nase in dem Staub,
Holzbecher, eher Schnaps stillt den Gott,
Der Tag ist da... wieder, aber er muss warten,
Da scheint wieder die Flamme deiner Lampe!
Aber trinke nur, keine Zeit verliere, unglücklich,
Denn bald wird die ewige Nacht kommen...

51

Sprich: Für Diocles! und gieße uns Wein ein.


Aber mein Punkt ist vergeblich:
Achelous lacht bei der Schnitte, die er trägt.
Ich sage endlos:
Diocles ist sehr schön: seine Schönheit ist uns wichtig!
Ich sage nichts anderes,
Schade... Ich bewundere das Schöne allein.

52

Zur Freude der Besatzung


Kommt der Südwind, trauriger Liebhaber,
Nimm einfach den einen, den ich so sehr liebte.
Für Schiffe und offene Gewässer
Und auch den Wind, was für ein Glück scheint!
Ah! Ich war ein Delphin!
Ich bin es, ich allein, der mit dir geht
Zur Insel Rhodos,
Wo die Knaben sind so schöne Oberflächen.

53

Handelsschiffe, die die Straße von Hellas passieren,


Begrüßen nördlich subtile Brisen,
Kos, wenn du folgst, und du siehst auf der Insel
Phanion gehen auf dem Meer, o ihr Schiffe,
Die Botschaft lautete: Auf den Flügeln der Sehnsucht
Ich komme, um meine Lieben auf dem Land
Und nicht auf der See zu finden.
Wenn du ihm bringst diese Worte, ich versichere dir,
Ohne Zeit zu verschwenden, wir Zeus aufblasen die Flügel.

54

Da sie in der Liebe ist


Zu des Antiochus exquisitem Fleisch,
Kypris sagte immer wieder:
Eros ist nicht mein Sohn!
Auch du, edler Jüngling,
Sei froh,
Lobe den neuen Eros,
Einen viel schöneren Eros!

55

Sohn von Latona, o verehrter Phöbus,


O Nachkomme von Zeus, großes Orakel,
Bist du doch der Besitzer des Felsens von Delos.
Aber auf Kekrope dominiert Echedemos,
Dieser Phöbus von Attika,
Schöne Blume des Eros mit hellem Haar blendend:
Athen, seine Heimat, die die Herrin war
Von Meer und Land,
Dabei ist sie wiederum dominierend Griechenland
Mit stolzer Schönheit.

56 und 57

Aus dem reinen Marmor von Paros


Praxiteles machte diesen Eros.
Für seinen Teil, dieser hübsche Gott
Erstellt diese Statue des Fleisches,
Gib deine hellen Gaben
Und übertreffe Praxiteles.
Somit ist er der Erste im Äther,
Und der zweite auf dieser Erde,
Schiedsrichter zu sein ein Vergnügen
Ward mein, wie Eroten,
Im Himmel und in der Menschheit,
Sollten unverblümt regieren.
Sie, die gesegnete Merope,
Sie fütterte das Kind,
Dieser neue Eros triumphiert!
Du kannst stolz sein.

II

Praxiteles hat gemeißelt ein sehr süßes Bild,


Eine leblose Statue, stumme Rede
Der Schönheit. Heutzutage ist Praxiteles ein anderer Magier
In meiner Seele, Eros, dieser Streich ward geschnitzt!
Dieser Praxiteles - da gibt es nichts Vergleichbares,
Anfangs war es weit über diese Gnade:
Nicht schneidend den Stein, den er arbeitete im Herzen.
Ah! dein süßes Hand-Modell mein ganzes Wesen!
Er macht zu einem Ort der Liebe dein schönes Zuhause!

58

Troezens Knabe hat ein perfektes Aussehen,


Und wir können, ohne Fehler, die Miete zusammen zahlen.
Empedokles ist das Beste noch, so scheint es mir,
Wie unter den Blumen die Rose ist die reinste.

59

Alle Knaben, deren Reife ist die Amme,


Haben einen strahlenden Körper.
Myiscos, die Sonne für mich, verdunkelt
Die Sterne am Himmel.

60

Als ich Theron zu sehen bekam, ich sah den Himmel:


Er ist ein lebendiger Planet.
Aber wenn die Weite vor meinen Augen ist,
Ich sehe nichts.

61 und 62

Aribazus, man muss fürchten


Dein ewiges Feuer,
Du hast verbrannt Knidos in seiner Gesamtheit:
Durch Wärme ward der Marmor gebrochen.

II

Mutter der Perser, schön, ja, schöne Kinder


Sind hervorgegangen aus deinen Seiten.
Aber ohne Zweifel ist der charmanteste Aribazus!

63

Heraklit, stumm geworden, locker ein mächtiger Schrei,


Aber mit seinen Augen: Ja, den himmlischen Blitz
Ich kann konsumieren. - Von der Brust platzend
Diodor sagt: Ich bin das Schmelzen des Steines
Mit meiner brennenden Haut. – Ah, ich bin verzweifelt,
Zur gleichen Zeit zu sehen einen Mann, der leidet
An den Augen voller Feuer eines schönen Teenagers
Und eine heiße Göre muss ihn auch machen so heiß.

64

O Zeus, Herr von Pisa, es ist ein neuer Sohn


Der Kypris, Peithenor, der schaut nach oben
Zum stolzen Kronion. Und wenn du ihn wünschst
Als Pagen, und du steigst in den Himmel
In der Form eines Adlers, dann nimm den Punkt,
Oh Gott, statt des charmanten Dardanilus.
Und wenn du meinen Gesang liebst, biete mir dieses Kind
Aus subtiler Gnade.

65

Als Zeus nahm den jungen Ganymed,


Um vollständig zu sein bei seinen Gottesdienst,
Es ist daher notwendig, Myiscos, dass ich dir zu Hilfe komme,
Wenigstens wenn unseres Gottes Adler dich betört.

66

Eros, o, es ist für dich zu beurteilen, wie Liebhaber


Müssen dieses Kind nehmen.
Wenn du ihn für die Götter willst, soll es so sein!
Wenn Zeus kämpft, bin ich nicht klug.
Aber es bleibt für die Sterblichen eine Kleinigkeit,
Wer soll ihn haben?
Wem soll er geben sein Herz?
Es wird offen gesagt, dass ich zu seinen Gunsten rede.
Aber geh! Keine Frage, dass du vergeblich kommst,
Indem man neue Schönheit für einen bestimmten Zweck verwendet.

67

Diesen Dionysios sehe ich nicht, aber vieles mehr!


Würdest du ihn gemacht haben für Zeus, Gott unseren Vater,
Um ihm in den Himmeln Diener zu werden?
Adler, wenn du diesen anmutigen Knaben nimmst,
Wie sehe ich, du trugest ihn,
Wenn deine Flügel einen kühnen Blick schlagen?
Von deinen scharfen Krallen
Behält er einige Kratzer?

68

Charidamos, nein, nein, ich will ihn nicht!


Und der Knabe wird angenommen, um mit dem Nektar zu dienen
Bei Zeus. Ich sag es euch! Ich ließ ihn gewinnen
Den mächtigen König des Himmels. Mir, was ist mir genug?
Das Kind, das auf dem olympischen Gipfel
Badet mit seinen Füßen in Tränen, diese intime Rettung;
Dann, oh Zeus, tu, wie es dir deine Phantasie gebietet!
Könnte ich trotzdem versuchen Ambrosia?

69

Lass mir meinen Dexander, lass mich ihn bewundern aus der Ferne;
Ja, Zeus, so nehme dir nur Ganymed.
Natürlich, oh Gott, ich kann nicht verbieten den Punkt;
Aber wenn ich könnte dich zwingen, du solltest erfahren,
Dass du eine despotische Handlung begangen,
Und ich möchte nicht mehr gehorchen, böser Meister!

70

Ich werde Zeus bekämpfen, da er die Aufmerksamkeit legte


Als Dankeschön für dich, begeistert sein Diener zu sein.
Aber er versicherte mir Myiscos wiederholt
Und sagte: Ich werde beginnen einen Punkt,
Ich habe Mitleid mit dir, du hast die Verwirrung erlebt.
Hier sind seine Worte. Und doch, fliegt eine Fliege,
Ich bin verrückt! Und wenn er gelogen? Ah! Es tut mir leid!

71
Kleonicos von Thessalien, armer Mann, ach!
Die Sonne verdunkelt mich, ist es wahr?
Wie du dein Gewicht verloren hast!
Ist das nur ein Dämon, der dich besitzt?
An der selben Pest deines Herzens hat er sich gestoßen?
Ich glaube, ich verstehe:
Deine Seele, er hat sie von hier aus gemacht.
O Herz so unglücklich,
Es ist auf diesen schönen Knaben gut mit den Augen zu schauen.

72

Schon der süße Morgen!


Damis, der nicht geschlafen hat die ganze Nacht,
Atmet einen Hauch wieder,
Der Heraklit sah, die Augen,
Hatte begonnen
Mit Feuer! Damis, wache auf von deinem Unglück!
Du siehst, ich wurde verwundet,
Ich auch, von Eros: bei deinen Tränen, ich kann
Nur Tränen vergießen.

73

Die Hälfte meines Herzens hat gut leben;


Die andere Hälfte ist Eros, vielleicht Hades -
Ich nahm es an! In jedem Fall ist es nicht vorhanden.
Würde ich zu einem hübschen Knaben gehen?
Aber ich sage oft:
Nicht ist zu grüßen die flüchtige Jugend!
Mit dir ist sie nicht hin?
Er ist da, das ist sicher, o Galgen!
O unsterblich in ihn verliebt, schwindlig!

74

Wenn es mir passiert, o Cleobulos, mir,


Wer bin ich, der unter den Regungen der Liebe zusammenbrach,
Ich bin schwach, das ist es, was du tun musst:
Meine Asche mit Wein mischen, bevor du mich begräbst,
Dann wirst du auf die Stele schreiben:
Geschenk des Eros an den Hades!

75

Wenn du Flügel hast, wenn du mit deiner Hand


Den Bogen hältst, wäre es doch nicht Eros,
Sondern du, o schöner Knabe, wir hatten dich gemalt.

76

Nicht ohne sein Lieblings-Kleid, ich meine,


Ohne seinen Bogen, seine Flügel und seinen Köcher,
Er hatte nicht die Flammen der Begierde,
Du könntest nicht unterscheiden - es wäre schwierig gewesen -
Den körperlichen Eros von Zoilus.

77

Wenn du auf dem Rücken zwei goldene Flügel stecken hast,


Wenn auf deiner Schulter weiche Pfeile ausgesetzt wurden,
Und wenn du in der Nähe strahlst, glitzerst du wie Eros.
Kypris, erkennst du dein eigenes Kind?

78

Wenn Eros hatte keine Pfeile und Köcher,


Wenn das Tragen der funkelnden und schönen Tunika
Dich auszeichnet als Teenager, so mein Antiochus,
Bist du Eros und Eros ist Antiochus!

79

Antipater küsste mich!


Während meine Liebe schien abgeschlossen,
Wieder schoss die Flamme,
Die erwärmte die Asche.
Zweimal fand ich diesen grimmigen Zorn.
Also meine lieben Freunde,
Flieht, weil ihr ein Feuer seht, dass euch treffen würde!

80

Meine Seele weint, warum töten sich


Wieder? Doch das Böse war der Schluss.
Meine Seele geht in die Irre, nicht von den Göttern,
Sie wird nicht beleben das Feuer unter der Asche!
Du hast bereits vergessen die alten offenen Wunden.
Ich warne dich mit einem Wort, einmal gefunden,
Eros wird dich bestrafen, sicher gewesen zu sein, o flüchte!

81

Du missbrauchst Herzen, Eros stark und bitter,


Ihr, die ihr genießt
Diesen Honig zu bitter, den knabenhaften Wunsch,
Gib mir, ich bitte dich,
Frischwasser, ja, Wasser und Schnee gieße,
Mir auf das Herz!
Dionysios, auf, ich trage mein Auge.
Gefährten im Unglück,
Bevor mein Körper durch das Feuer verbrennt,
Weicht unverzüglich!
82

Eros, aber ich wollte diesem schrecklichen Burschen entkommen,


Erfolgreich bei der Schaffung der Fackel-Asche:
Stark schaffte er es,
Zu meinem Versteck zu finden. Und hier warf er
Auf mich ein wenig Feuer, von seiner Hand extrahiert:
Eine Flamme von Federn und verschlingend mein Fleisch!
Ein riesiges Feuer ist aus dem Brand gekommen.
Oh! Meine kleine Lampe Phanion, du bist schrecklich!

83

Eros, ein für allemal,


Hat nicht seine Pfeile geworfen
Und entleert seinen Köcher,
Oder setzte einigen Brand
In meinem Herzen, das weint.
Er hat einfach
Berichtet von dieser Fackel
Kleinem Flackern,
Der Gefährte sicherlich
Hat die wildesten Wünsche,
Ein Kind der Kypris,
Duftend und hell.
Aber Eros, auf einen Schlag,
Sah mir in die Augen,
Sah die Spitze der Flamme.
O Phanion, o Feuer,
Schrecklich meiner Seele!
Das verbrennt mich und verdammt mich!

84

Hilfe! Ich habe mich kaum erholt


Von diesem ersten Treffen,
Der Schelm Eros hat mich genommen,
Sobald ich einen Fuß an Land gesetzt hab.
Eine solche hohe Flamme, es ließ mich entdecken
Einen anmutigen Knaben.
Ich bin auf der Strecke geblieben,
Ich mag die Vision, dass meine Lippen küssen.
Warum auf der Erde überleben die feindlichen Meere,
Wenn die Wellen Kypris überquert?

85

Trinker, begrüße mich: Ich komme aus dem Meer:


Ich bin der Überlebende der Ströme und ein Freibeuter.
Oder ich sterbe, einmal auf der Erde angekommen.
Ich verließ das Schiff, als ich einen Knaben gesehen:
Ich folgte ihm trotz meiner selbst, vor lauter Schüttelfrost,
Ich füllte mein Herz nicht mit Wein, sondern mit Feuer.
Mein Gastgeber, hilf mir, ich bitte dich!
Hilf mir mit dem Namen des Krankenhauses des Eros,
Ich sterbe! Rette mich! Ich bitte in Freundschaft.

86

Kypris wirft Lichter der femininen Liebe,


Eros appelliert an männliches Begehren.
An wen wende ich mich am liebsten? Die Mutter oder das Kind?
Kypris sagte: Für dich triumphiert Eros.

87

Eros, wenn ich den Wunsch nach Frauen hätte!


Aber in meinem Herzen brennt ein männliches Feuer.
Ismenos und Damon, es zünden alle diese Knaben mich an
Zu Leiden endlos! Und wenn es ein paar nur sind!
Aber ich habe auch das Teenager-Publikum ausersehen:
Ihr seid es, die ihr meine Äpfel wie verrückt anzieht.

88

Ah! Eumachos, mein Lieber,


Ich habe zwei Lieben, die mich atemlos machen,
Zwei Lieben, die mich halten in ihren Ketten:
Ich fühle mich manchmal zu Asandros hingezogen,
Manchmal werde ich von dem süßen Telephus überwältigt,
Ihn zu schauen voller Attraktionen. So teile ich mich!
Ich wiege mit Geschicklichkeit!
Teile diese! Zufällig kommen und dann nehmen!

89

Warum diese drei Pfeile in meiner Seele, Kypris?


Ja, warum drei Pfeile für das gleiche Ziel?
Hier und da brenne ich, mein Schmerz ist unbeschreiblich!
Wo suchen? Ich weiß es nicht! Und das Feuer, das mich nahm!

90

Liebe ist dreifaltig! Mein Wunsch ist die verdreifachte Liebe!


Hier ist es: ich brenne für eine Prostituierte
Und für eine Jungfrau und für einen Knaben. Das Ergebnis
So vieler Leidenschaften: weinen, leiden!
Erstens, die Kurtisane mit Wissen
Um meine Geldsorgen, schließt die Tür.
An der Schwelle des kleinen Mädchens stehe ich lang,
Ich kann ihr nicht geben, was sie erwartet.
Was ist mit dem Knaben? Ich erwiderte seinen Blick,
Aber die Hoffnung ist verloren!
91

Eine doppelte Liebe, eine einzige Seele brennt!


O ihr, seht meine Augen überall!
Ihr wisst, der eine mit der Grazien Ohnmacht,
Antiochus, der schönste Knabe in seiner Blüte;
Das ist genug, warum willst du mehr,
Ich bin immer noch so süß verpflichtet
Dem Stasicrates, Nachkomme von Aphrodite,
Gekrönter Göttin der Veilchen!
Komm her und verbrauche mich sofort:
Für zwei Lieben ist meine Seele noch nicht bereit.

92

Meine Augen, Augen, o seid verflucht, Hunde, o nie müde


Der schönen Knaben, du, ich, die nicht aufhören,
Mit Leim bedeckt zu sein, dich wieder zu lieben,
Und wie ein Lamm, bist du nur noch zu nehmen.
Du warst die schwelende Glut unter der Asche.
Frei lasse dich führen.
Komm! Warum weinst du, wenn du zurück bist,
Sofort verlass ich den Geliebten für dich:
Verbrauche mich, während du langsam verbrennst!
Eros ist der Liebhaber des gebratenen Fleisches.

93

Stattliche Knaben: ein Labyrinth ohne Ende;


Schau überall!
Es scheint, dass ihre Augen verklebt sind.
Also, wie Theodorus
Das Fleisch und seine Glieder in die Blume zieht;
Diesmal ist es Philokles mit seinem attraktiven Aussehen
Und der göttlichen Gnade,
Obwohl es nicht viel ist.
Du betrachtest Leptinus:
Jede Bewegung scheint unmöglich:
Du wirst durch das unzerbrechliche Eisen angenagelt.
Dies ist das Feuer, das diese schönen Zeichen hat
Der Finger auf dem Haar,
Knistern an der Unterseite deiner Augen.
Hallo, o schöne Teenager,
Schnell in den Frühling lauft:
Bald wird euer Haar ganz weiß sein.

94

Diodorus und sein Oberkörper, Heraklit und seine Augen,


Dion und sein Gold, Ouliades und seine Stimme.
Ein Freund, genieße die schöne Haut;
Genieße die Augen voller Feuer;
Es ist der letzte Knabe, mit ihm zu tun, was du willst.
Ich bin nicht eifersüchtig! Sei aber vorsichtig!
Mögest du nie ignorieren die Schönheit,
Wenn du dein Auge auf meinen Myiscos richtest beharrlich.

95

Wenn du der Philokles bist


Meiner gehegten Wünsche,
Und wenn du dann
Unter dem charmanten Reich
Der Grazien lebst,
Mögest du in deine Arme
Ziehen Diodorus
Und nachsinnen über das Gesicht
Des Dorotheos,
Hole dir auf die Knie
Den hübschen Kallistratos,
Lass die Hand
Dem wunderbaren Dion wohl tun,
Das betrifft deine Waffe,
Ein Bogen ist gut,
Dann höre Theron
Verkosten den Kuss,
Den gibt dir Philo.
Wenn du trotzdem Zeus
All diese köstlichen Gerichte dankst,
Was bereiten diese schönen Knaben
Für ein Mahl deinem Appetit!

96

Ich sage, das Sprichwort ist ausgezeichnet:


Die Götter haben nicht alles an den Lebenden geschaffen.
Während dein Körper schön ist,
Dein Oberkörper ist wunderschön verziert,
Dein Blick ist bescheiden,
Mit einem Wort, du bist schön,
Du hast keine Rivalen.
Aber der Himmel war nicht großzügig zu dir,
Komm, verbergen musst du diesen Fuß:
Du solltest, o Pyrrhus, zufrieden sein.

97

Eupalamos, den blonden,


Füttert Merion, der kretische Hirte.
Schließlich Merion nährt Podylirus:
Aurora wird sterben!
Bei Mutter Natur,
Der Wunsch scheint fruchtbar!
Denn wenn die gleiche Rechnung hoch war,
Der Boden wäre schwer, ich versichere dir,
Das Braten des Achilles.

98

Die lyrische Zikade singt die süßen Namen der Begierde


Gebunden auf einem Bett, wo Dornen im Überfluss sind,
Ich versuche zu schlafen.
Früher wurde sie wissenschaftlich bekämpft,
Aber heute ist es etwas anderes, das zu ernten;
Doch! Er verfluchte Gott, und geht weiter!

99

Ich bin die Geisel von Eros! Ich habe nie geträumt
Von dem Gefühl, dass ich gerade erlebte:
Hätscheln eines Knaben, die Wärme in meinem Herzen.
Geisel ist das Wort! Aber nichts ist erniedrigender,
Es ist ein reiner Blick, der mich so heiß gemacht.
Adieu, Poesie, o Arbeit, die mich erschöpft,
Mein Geist ist im Feuer! Was für ein exquisiter Schmerz!

100

Kypris, unwirtlich in jedem Hafen,


Und was wünschst du für mich jetzt,
Wohin soll ich fahren?
Hast du kein Mitleid,
Du, die du so gut kennst die Qual?
Willst du mich als Leiden verwenden?
So kann ich sagen:
Kypris nur schadet dem Ruf
Des Freundes der Musen.

101

Seine Augen schoss Myiscos in mein Herz;


Bis dahin habe ich Wünsche gehabt.
Er sagte: Ich habe überwunden deine stolze Weisheit,
Ich habe nichts als Verachtung für dich!
Durch den Fall erschöpft
Ich antwortete: Es sollte mich nicht überraschen,
Siehe, Zeus auf seinem Olymp schickte Eros hinab.

102

Epycides ist ein erfahrener Jäger


Und jagt die Gazelle durch die Berge,
Er kann leiden die abscheulichsten Jahreszeiten.
Beutefang, es ist alles vorbei!
Meine Liebe ist wie folgt: Ich folge dem, der flieht;
Aber wenn er vor meinen Augen steht,
Ich habe eine weitere Behandlung und darf fliegen.

103

Wie der Knabe, der mich liebt,


Aber der Autor meiner Leiden ist,
Ich verfolge ihn mit meinem Zorn.
In beiden Fällen siehst du,
Reich ist meine Erfahrung!

104

Ich möchte, dass meine Liebe bei mir bleibt,


Und ich bin wütend,
O Kypris, über die Idee von einem Herzen, das geteilt wird.

105

Ich, der wenig Liebe von seiner Mutter empfangen,


Der Jäger hat es noch geschafft, mich zu fangen.
Oder Damis, dort verflog ich mich sehr.
Ich liebe und werde geliebt:
Es ist die Harmonie in allem!
Verdoppelt gehöre ich einem einzigen Menschen.

106

Die Schönheit, an der meine Augen nicht zweifeln,


Dies ist Myiscos. Ich bin blind für den Rest.
Er verkörpert für mich das ganze Universum.
Vielleicht sind meine Augen Experten der Schmeichelei?
Siehe nur, das Herz ist verliebt.

107

Wählt er meine Liebe, der Liebling der Grazien,


Halte ich die Schönheit meines Dionysos
Für einige Zeit. Aber wenn er mich vergessen hat,
Gut! es wird ihm zugeworfen, das verwelkte Gesicht,
Inmitten des Mülls.

108

Wenn du mich wirklich liebst, o Acratos,


Sei ein Wein von Chios,
Wie du sanfter strebst.
Wenn du jemanden findest,
Der ein wenig mehr nach deinem Geschmack ist,
Das ist ein Glas Essig, so dass eine Mücke
Fliegt an deinem Horizont!

109
Schöner Diodorus, junger Charmeur,
Der durch den kühnen Blick gefangen
Timarion mit dem bittersüßen Pfeil.
Es ist seltsam, ein Feuer, die Stöcke zu sehen
Wiederum in einem Feuer, das gedeiht.

110

Seine Schönheit ist wie ein Blitz


Und seine Augen sind hell:
Eros hat er dies nicht getan,
Feuer vom Himmel auf dieses Kind geschickt?
Myiscos, der du sprudelst,
Für uns ist der Radius der Wünsche,
Lass deine Klarheit auf dieser Erde,
Sie ist ein Zeichen, das ich verehre.

111

O junge Burschen, gut aussehend!


Arcesilas nimmt Eros:
Es ist diese Verbindung
Eine Reihe von lila Veilchen,
Nun ist es die Göttin von Paphos.

112

Der wirkliche Wahnsinn war es, den ich trank!


Während ich berauscht mit Worten war,
War ich bereit, durch die wilden Straßen zu laufen.
Ich war bereit, überall in den Straßen zu singen:
Blitze, Blitze, sie fallen, es ist mir egal!
Ich habe eine Waffe, Eros, der alles schützt!

113

(...)

114

Der Morgenstern wird sich verwandeln


In den Abendstern und kehrt in geheimer Lust wieder,
Dass du mich siehst, wenn der Tag neu geschaffen wird.

115

Wenn Eros geflügelt ist, sind deine Füße schnell;


Aber du hast, wenn du ihn magst,
Die gleiche Schönheit
In deinen Gaben, Eubios,
Wir sind so empfindlich.
116

Ich bin betrunken, aber ich werde singen


An der Schwelle seines Hauses, trauriges Gesichts.
Ich gehe ohne Angst in der dunklen Gasse,
Aber tief in meinem Herzen scheint es wie eine Hoffnung.

117

So ist es, gib mir Feuer! –


Hab keine Angst, es lebe die Partei und das Spiel! –
Die Partei und das Spiel, Freund, wo bist du? –
Liebe ist nicht vernünftig, ah! Feuer! –
Aber wo sind deine Vorsätze? –
Von der Weisheit gibt es keine Frage.
Zeus selbst, weißt du, der größte unserer Götter,
Wurde er nicht wütend, weil dieses Feuer brannte?

118

Du lässt meine Galle anschwellen,


Ich klopfe an deine Tür,
O süßer und liebevoller Freund.
Du siehst, trotz meiner selbst,
Dass ich dich geliebt habe.
Der Wein kann der Liebe Tabus brechen;
Beide zusammen haben mich zu dir geführt.
Und ich werde küssen die Schwelle deines Hauses:
Sag mir, das sei ein Verbrechen,
Und du wirst recht haben!

119

O Dionysos, dein Wahnsinn, ich werde ihn tragen,


Richter! Führen den Spaß, o Gottheit,
Leite mein armes Herz! Du, der du vom Feuer geboren bist,
Möge es in dem Feuer geboren sein, das wir Liebe nennen.
Auch hier bist du überrascht, zu missbrauchen
Deinen demütigen Bittsteller. Verräter wie immer,
Du sagst, deine Orgien müssen geheim sein:
Aber mein eigener Überschuss fließt, willst du sicher sein.

120

O Eros, ich will dich bewachen:


Ich werde nicht aufgeben, ein Sterblicher zu sein, der ich bin.
Betrunken, natürlich, kannst du mich machen,
Aber nüchtern werde ich mit dir kämpfen.

121
Auf diesem schmalen Pfad, mein lieber Cleonicos,
Die Grazien haben dich gesehen, und ihre Arme hoben sich,
Sie haben dich umarmt. Im Alter haben sie dich,
Mein schöner Knabe, du bist durch sie erschaffen worden.
Aber bei weitem grüße mich! Für trockene Asphodelenblumen
Besteht keine Gefahr, denke ich, angesichts der Funken.

122

O die geliebten Grazien zwischen deinen Händen,


Sie schüttelten den schönen Aristogoras,
Sein Wort ist exquisit und er hat einen anmutigen Körper.
Und seine Augen singen, wenn er nicht spricht.
Ist er zu Fuß zu erreichen, als der größte der Götter
Von der Spitze des Berges Olymp, weiß er kürzlich
Mit Blitzen zu kommen und sendet dich mir strahlend.

123

Den schönen Menecharmos, Gewinner des Boxkampfes,


Ich habe vorgesehen, ihn zu küssen.
Seine Stirn war mit Blut bedeckt war, was mich nicht beunruhigte,
Dieses Blut war für mich ein süßer Likör.

124

An der Schwelle seiner Tür warf Echedemos


Einen flüchtigen Blick. Empfindlich für Schönheit
Ich wollte ihn küssen, während er mir das Herz rührte!
In einem Traum, da war es mir, dass ich ihn kommen sah
Mit seinem Köcher.
Manchmal gab er mir einen Vogel,
Manchmal wiederholt er sich, entweder mit einem Lächeln
Oder mit einem feindlichen Gesicht.
Sag mir! Wo habe ich meine Hand?
Eine Brennnessel, ein Feuer oder einen Schwarm?

125

Der Traum einer Nacht:


Lachend, ein schöner Teenager
War zärtlich liegend
In der Mitte des Bettes.
Er war nicht zwanzig Jahre.
Ach! Dieser Traum ist geflohen.
Aber ich bin immer noch in Liebe!
Und ich brenne in tausend Feuern,
Wenn die Nacht meinen Augen brachte
Diesen unmöglichen Traum.
Ah! meine arme Seele, genug Illusionen!
Suche nicht mehr deine Zielgruppe
Und verbanne diese vergeblichen Empfindungen.
126

Neues Unglück
Nur mein Herz berührt!
Ja, es kratzte mit seinem Nagel Eros mich;
Dann hat das Kind mich angesprochen:
Du erinnerst dich an das Abenteuer,
Die charmanten Verletzungen,
Den du wünschst,
Denke an mein süßes und schreckliches Feuer.
Da ich sah am schönen jugendlichen Knaben:
Ich sah, mein Geliebter, dem Flug ist unmöglich
Ein Widerstand.

127

Ich ging am Mittag,


Als der schöne Alexis kam.
Sommer im Haar vibrierend
Und ich zweimal liebkoste ihn!
Zuerst waren es die Lichter des Helios,
Dann Eros warf seine Gaben.
Wenn jedoch die Nacht beruhigt einige,
Andere dauerten bis zum Morgenlicht,
Nie hat er aufgehört zu entzünden.
Was mich betrifft, ich kenne keine Ruhe,
Weil mein Schlaf animiert ist
Durch die Besessenheit seiner Fackel
Vor dem Bild der Schönheit.

128

Syrinx des Ziegenhirten, nicht singe deine Lieder


Für das Vergnügen des Pan, des Fischers der Garnelen.
Lyra und du, an der Reihe ist es, du, das Instrument des Propheten,
Das Instrument des Apollon, nicht mehr geliehen dem Hyazinth,
Er, dessen reine Blüte geschmückt der Jungfrau Kopf.
An einer Stelle wurde Daphnis bevorzugt
Von einer Oreade für eine Zeit, dann Hyazinth,
Diese Schönheit, die mein Herz verehrt,
Dion ist es jetzt, der kennt meine Umarmung.

EPILOG

Der geflügelte Eros, ja, Eros wurde im Himmel gezeugt:


Dieser ist von Marions Augen jetzt erobert worden.
RÖMISCHE ELEGIEN
NACH TIBULL

ERSTER TEIL

ERSTE ELEGIE

Lass doch andere Männer sammeln silberne Gelder,


Viele Hektar und gut furchend gepflügten Besitz,
Lass auch endlose Sorgen-Probleme sie haben mit Feinden
Und des Krieges Gelärm blasend verscheuchen den Schlaf -
Ich mit meinen bescheidenen Mitteln leb lieber ruhig,
Wenn nur brennt mein Kamin endlos mit weißlicher Glut.
Wenn ich glücklich sein könnte, mit nur wenig zu leben,
Und nicht immer erneut süchtig nach Reiselust wär.
Aber ich neide die steigende Hundstagshitze des Juli
In dem Schatten des Baums an meinem fließenden Strom.
Schäme dich auch nicht der lockernden Hacke zu Zeiten
Oder tadle den Ochs, welcher zur Arbeit zu faul.
Oder das Mutterschaf trägt ein Lamm nach Hause zur Hürde
Oder ein junges Kind wird von der Mutter verschmäht!
Lass mich pflanzen die zarten Reben zum richtigen Zeitpunkt,
Ländliches Leben erschaff ich mit den Händen geschickt.
Lass nicht die Hoffnung scheitern, sondern gib Früchte in Menge,
Und der reichliche Wein reich füllt die Bottiche an,
Seit ich verehre einen Stein in den frommen Bereichen
Oder ein heiliges Bild wird an dem Kreuzweg bekränzt.
Was für Frucht mir doch bringt die neue fruchtbare Jahrszeit,
Das bring ich als Geschenk dar auf dem Felde dem Gott.
Habe die goldne Demeter die Krone aus meinem Besitze,
Die vor dem Tor aufgehängt wird zu dem heiligen Dom.
Und errötend Priapus steht im Garten als Wächter
Und er terrorisiert Vöglein mit grausamem Pfahl.
Ihr auch, akzeptiert meine Gaben, Ahnen, ihr Wächter
Eines verarmten Felds, das einst ein fruchtbares war.
Dann ein geschlachtetes Kalb gereinigt, unzählige Färsen,
Jetzt ein Opfer das Lamm ist meines ärmlichen Lands.
Ja, ein Lamm wird euch gefallen! Die ländliche Jugend
Schreit: Hurra! Und gib reichlich von Ernte und Wein!
Aber ihr Wölfe und Diebe, verschont meine winzige Herde,
Nehmt die Plünderung euch doch von dem reicheren Mann.
Dies ists, was ich zu meinen Hirten sage, den treuen:
Sät ins Ackerfeld aus, nährt auch das Lämmlein mit Milch.
Götter! Seid bitte mit mir, verachtet nicht meine Gaben,
Die auf bescheidenem Tisch da stehn im tönernen Krug.
Diese Becher waren aus Steingut, gemacht von den Alten,
In der goldenen Zeit einfach getöpfert aus Ton.
Nein, ich brauche nicht den Reichtum der geizigen Väter,
Den die Ernte gebracht meinem hartherzigen Ahn.
Nur ein kleines Feld, genug, um in Ruhe zu schlafen,
Ruhen zu lassen den Leib müde im lieblichen Bett.
Welche Wonne, die tobenden Winde zu hören, ich lieg dort,
Halte mein Mädchen warm, dicht an der zärtlichen Brust.
Wenn ein winterlicher Nordwind bringt eisige Schauer,
Ruhig zu schlafen dann, glüht im Kamine die Glut.
Lass dies meinen Schatz sein, lass ihn reich sein, den guten,
Der das tobende Meer, traurigen Regen besteht.
O wie viel Gold und Smaragde musste ich lassen, verloren
Wie die Tränen der Frau, die meine Reisen beweint.
Das ist richtig für dich, der Krieg in den Ländern, o Marcus,
So dass dein Haus zeigt bald feindliche Beute genug.
Aber die Bande des Mädchens binden mich, halten gefangen,
Wie ein Türsteher steh ich vorm verschlossenen Tor.
Nein, ich glaube nicht, dass sich um mein Lob kümmert Evi.
Lass mich nur mit dir sein! Sei ich nicht müßig und faul!
Lass mich dich schauen, wenn meine letzte Stunde gekommen,
Dass ich sterbend dich fass, letzte der Sünden vorm Tod.
Weinend legst du mich auf den Scheiterhaufen, o Evi,
Und gewährst mir den Kuss, trauernd mit Tränen gemischt.
Du wirst weinen. Dein Geist ist nicht aus Stahl oder Eisen,
Nicht ist ein harter Stein dein so empfindsames Herz.
Nicht ein Knabe, kein junges Mädchen wird kehren nach Hause
Von der Beerdigung trockenen Auges den Tag.
Du hast gefesselt meinen Geist, o Evi! Verschone
Deine Wangen so rot und dein wild flatterndes Haar.
Bis dahin, wenn’s das Schicksal erlaubt, lass Liebe uns machen!
Bald kommt der Bruder Tod mit dem verschleierten Haupt,
Bald das Alter bestiehlt uns und Eros ist nicht mehr passend,
Schmeichelei spreche ich nicht mehr, wenn dein Haar ist ergraut.
Jetzt ist Zeit für den heißen Eros! Es ist keine Schande,
Aufzubrechen die Tür, Freude ist heftiger Kampf.
Hier bin ich ein allgemeiner tapferer Krieger,
Kriegstrompeten, schweigt! Wundmale trägt die Armee,
Reichtümer gierige Männer. Ich bin still in dem Bette
Und verachte ihr Geld und allen Hunger und Durst.

ZWEITE ELEGIE

Wein! Mehr Wein! Es sollen sich neue Schmerzen verringern


Von der Traube, der Schlaf still das ermüdete Aug.
Niemand soll meinen Kopf berühren, betäuben mit Trank ihn,
Während der elende Gott Eros betäubt liegt im Schlaf.
Eine wilde Wache hat aufgestellt die Geliebte,
Die die harte Tür schnell mit dem Riegel verschloss.
Tür eines mürrischen Meisters, der Regen laut prasselt an dich,
Ob die Blitze des Zeus einschlagen, finde heraus.
Diese Tür zu öffnen, durch meine Beschwerden erobert,
Schallt kein Ton, tust du auf, drehst das verschlossne Scharnier.
Wenn meine Wahnsinns-Passion je schlecht von dir hat gesprochen,
Dann verzeih mir! Ich fleh: Falle der Fluch mir aufs Haupt!
Daran solltest du dich erinnern, was ich gesagt hab,
Bittend, als ich dir gebracht Blumengirlanden zum Ruhm.
Du hast, Evi, nicht zu betrügen die schüchterne Wache,
Kühn sei! Charis selbst hilft ja dem mutigen Geist.
Sie begünstigt die Jugend, die probt die Schwelle, die neue,
Oder die schöne Frau, öffnet sie willig die Tür.
Charis lehrt, wie man heimlich schleicht aus dem weichlichen Bette,
Lehrt, wie man seinen Fuß still und unhörbar platziert.
Charis ordnet sprechende Gesten von der Präsenz eines Mannes,
Birgt das schmeichelnde Wort in dem bescheidenen Wink.
Lehren sollst du mich nicht, lehr jene, welche nicht müßig,
Die keine Bangnis hemmt, heimlich zu kommen zur Nacht.
Schau, wie ich ängstlich durch die Straßen wandre im Dunkel,
Aphrodite sorgt für meine Sicherheit dann.
Niemand greift mich an, der könnte binden den Körper,
Der mit dem Messer sticht oder nach Lösegeld fragt.
Wer ist von Eros besessen, der geht sicher und heilig,
Wohin immer er will, fürchtet den Hinterhalt nicht.
Nichts tut mir die betäubende Kälte der Winternacht oder
Strömender Regen, der duscht Massen von Wasser auf mich.
Diese Arbeit tut mir nicht leid, öffnet Evi die Tür nur,
Ruft mich schweigend herein, schließt sie die Pforte mir auf.
Mann oder Frau, verbergt eure Augen, wenn wir euch begegnen,
Ihren Diebstahl will Charis verbergen vor euch.
Nicht erschreckt uns mit Schritten und fragt nicht nach unseren Namen,
Bringt auch nicht das Licht lodernder Fackeln uns nah.
Sah uns jemand, unvorbereitet, er soll es verbergen,
Bei den Göttern, dass er, was er gesehen, vergisst.
Falls er sich aufspielt als Informant, findet er Charis
Als die Tochter des Bluts, Tochter der wütenden See.
Nichts wird dein Mann erfahren, denn die prophetische Weisheit
Sagt ihren Schutz mir zu kraftvoller magischer Kunst.
Ich hab ihre Sterne gesehen vom Himmel hernieder
Strahlen, ihr Gesang stoppte den fließenden Fluss.
Ihre Zauber sind auf der Erde und Geister des Grabes
Ruft sie und totes Gebein steigt von dem Holzstoß herauf.
Und sie fesselt die höllische Menge mit magischem Zischen,
Mit dem Regnen von Milch ihnen befiehlt sie zu fliehn.
Wie sie will, vertreibt sie die Wolken vom düsteren Himmel,
Wie sie will, ruft sie Schnee-Flocken im Sommer herab.
Sie sagt, sie sei im Besitz von Medeas tödlichen Kräutern,
Sie hab den wilden Hund Hekates weise gezähmt.
Sie komponiert einen Zauber für mich, den Gatten zu täuschen:
Sing ihn dreimal und dreimal den Speichel spuck aus.
Dann wird keiner fähig sein, etwas von uns zu erkennen,
Selbst nicht dein Ehemann, säh er uns liegen im Bett.
Noch musst du fern sein. Er hat deinen Körper gesehen,
Aber mich soll er nicht sehen bei dir in dem Bett!
Was denn? Glaub ich? Sicher sprach die prophetische Weisheit,
Dass sie des Eros Bann magisch zu lösen vermag.
Sie will mich reinigen mit dem Feuer und Ruhe zur Nachtzeit,
Und bringt ein Opferlamm dar für den Gott der Magie.
Nicht zu beten wusst ich, die Liebe solle verschwinden,
Teilen will ich dich nicht, Liebste, mit deinem Gemahl.
Ohne dich zu sein? Als ob ich ohne dich sein könnt!
Der Mann wäre aus Stahl, wenn er dich hätte, der dann
Dummerweise es vorgezogen, nach Mammon zu jagen,
Soll er mit Kriegern doch stürmen Ziliziens Burg
Und errichten die Kriegszelte auf gefangenem Boden
Oder sitzen zu Ross, staunen die Krieger ihn an,
Alles bedeckt mit Gold und alles mit Silber verkleidet,
Wenn ich nur könnte das Joch schleppen, o Evi, mit dir,
Könnte ich füttern die Herden bei der üblichen Arbeit,
Während ich deinen Leib halte im zärtlichen Arm,
Dann lass weichen Schlaf mein sein auf der Erde, der harten.
Eine Sidonierin liegen zu haben im Bett,
Was soll das nützen, ohne von Eros begnadet zu werden,
Wenn das Dunkel kommt wachend und weinend zu mir?
Seitdem gibt es keine Federkissen und Decken,
Und von Wasser kein Ton Stille und Ruhe mir bringt.
Hab ich Unrecht getan der Göttin Charis mit Worten,
Hat meine Zunge voll Schuld Sühne zu leisten voll Weh?
Kannst du sagen, ich hätte sündhaft betreten den Tempel
Aphrodites, den Kranz stehlend vom Opferaltar?
Bin ich schuldig, zögre ich nicht, in dem Tempel zu knieen
Und zu gewähren ihr Küsse auf heiligen Grund,
Knieend, ein Bittsteller, über den heiligen Boden zu kriechen
Und zu schlagen den Kopf gegen die eherne Tür.
Aber ihr, gleichgültig mein Leiden belachend, bald müsst ihr
Achtgeben: Götter nicht einen verstoßen allein.
Ich sah einen, der höhnte das Elend der Liebe der Jugend,
Beugte den Hals als Greis dann in der Liebe Joch selbst,
Komponierte Schmeicheleien mit zitternder Stimme,
Schmückte sein graues Haar schön mit der eigenen Hand.
Und er schämte sich nicht, vor der Tür seines Mädchens zu stehen,
Anzuflehn ihre Magd offen am Tag auf dem Markt.
Um ihn herum die Jünglinge drängten sich eng, um den Alten,
Jeder spuckte da auf seine zärtliche Brust.
Aphrodite, verschon mich! Mein Herz dient dir ewig!
Warum brennst du herab, was du doch selber gesät?

DRITTE ELEGIE

Überquere die Ägäis ohne mich, Marcus,


Oh, ich hoffe noch, dass du wieder meiner gedenkst.
Mich hält Phönizien, ich bin krank im ausländischen Lande,
Tod, halte deine Hand ferne von mir, schwarzer Tod!
Tod, ich flehe dich an, bleibe fern! Meine Mutter ist ferne,
Kann meine Asche nicht sammeln an trauernder Brust,
Keine Schwester ist da, assyrische Salben zu schütten
Auf den verkohlten Leib, weinend am Grabe zu stehn.
Keine Evi ist da, die, wenn sie mich weggeschickt hatte,
Sich beriet und sprach für mich zu jeglichem Gott.
Sie nahm den Heiligen dreimal vom Ministranten entgegen,
Und der Knabe sprach dreimal den Segen ihr zu.
Alle versprachen meine Rückkehr, aber nichts brachte
Sie zum Weinen und zum Nachsinnen über mein Gehn.
Ich selbst, der Tröster, als ich meinen Abschiedsbefehl gab,
Endlos, suchte bang träge Verzögerung nur.
Meine Entschuldigung war des Vogelflugs Vorzeichen böse,
Oder Saturnus’ Tag ungünstig hielt mich zurück.
Oh, wie oft ich schon sagte: Fahre los! Meine Füße
Stolperten an der Tür, traurige Warnung war das.
Wenn die Liebe den Mann nicht gehen lässt, kann er wohl merken,
Dass der erotische Gott selber das Gehn ihm verbot.
Was nützt mir Isis? Was nützt mir Evi? Was ist der Nutzen
Jenes klappernden Blechs, das du da hältst in der Hand?
Oder während du betest im heiligen Ritus, ich sehe
Deinen Bikini im Bad, sehe dich schlafen im Bett.
Jetzt, o Göttin, hilf mir jetzt (da die zahllosen Bilder
Zeigen in deinem Dom, dass du die Heilerin bist) –
So meine Evi erfüllte ihr Mitternachts-Weihegelöbnis,
Sitzend vor deiner Tür, weißliches Linnen als Kleid,
Dreimal am Tag sich verpflichtend, deine Grüße zu sprechen,
Aufgelösten Haars unter der pilgernden Schar.
Darf ich bereit sein, bei mir zuhaus zu den Ahnen zu beten,
Darzubringen den Qualm heiligen Weihrauchs dem Geist?
O wie fromm sie lebten unter Saturnus’ Regierung,
Als die Welt noch nicht fuhr reisend ins fernere Land.
Damals nahm man die Fichte nicht, zu bereisen die Wellen,
Zu verbreiten im Wind Segel zur stürmischen Fahrt.
Auch das Wandern der Seemänner zielte nicht nach Profiten,
Nicht das fremde Land häufte die Waren ins Boot.
Damals haben die Ochsen nicht abgeschüttelt die Joche
Und das Pferd biss nicht das Zaumzeug mit bissigem Maul.
Unverschlossene Häuser, kein Stein fixiert in der Erde,
Eine Grenze so fest zu bestimmen im Land.
Ungezüchtete Eichen tropften von selber den Honig,
Vollbusig kam das Schaf willig zum Hirten und Herrn.
Da gabs keine Armee, keinen Hass, keine grausamen Kriege,
Keiner hatte ein Schwert schrecklich geschmiedet zum Kampf.
Jetzt unter Zeus’ Regierung gibt es nur blutende Wunden,
Plötzlich der schwarze Tod kommt auf dem wütenden Meer.
Unser Vater, vergib! Ich schwör nicht fälschliche Eide
Oder red gottloses Wort gegen den heiligsten Gott.
Wenn ich erfüllt hab meine bestimmten Jahre, ein Stein soll
Tragen diesen Vers überm vermodernden Fleisch:
HIER LIEGT DER DICHTER TORSTEN SCHWANKE / VERZEHRT VON DEM TODE /
DA IN PHÖNIZIEN ER HATTE GEWARTET AUFS SCHIFF.
Aber ich, der ich mit Schriften Eros verherrlicht,
Werde von Charis geführt ins elysäische Feld,
Dort wird Gesang und Tanz erblühen und das Gevögel
Singt dort süßen Gesang schlankesten Halses voll Brunst.
Jene Gefilde tragen Zimt und überall blühen
Erdblumen freundlichschön, duftende Rosen erglühn,
Reihen von jungen Männern und Mädchen mischen sich spielend,
Und Gott Eros erweckt seinen unsterblichen Krieg.
Da sind Liebhaber, denen nahte der gierige Tod, sie
Tragen Myrten im Haar, allen ist sichtbar der Kranz.
Aber der Ort der Bösen, der Verdammten, ist drunten
In der Finsternis, rundum der feurige Fluss.
Und die wilde Tisiphone tobt, in den Haaren die Schlangen,
Und die gottlose Schar schwärmt durch den Höllenbereich.
Und der schwarze Cerberus trägt eine Schlange im Maule
Und er zischt und er bellt, wacht an dem ehernen Tor.
Ixion ist da, der wagte, zu versuchen die Hera,
Nun wirbelt jedes Glied um auf dem kreisenden Rad.
Tityos dort erstreckt sich über neun Hektar des Bodens,
Geier immer neu fressen die Leber ihm auf.
Tantalus ist da, Wasserbecher sind um ihn, sie fliegen
Immer wieder weg, er kann nicht löschen den Durst.
Und die Danaiden, die Aphrodite beleidigt,
Tragen die Lethe in undichte Eimer umsonst.
Wer meine Liebe verletzte, der soll schmoren dort unten,
Wer da lange mit mir wollte im Auslande sein.
Aber ich bitte dich, treu zu bleiben! Lasse die Alte,
Die deine Ehre schützt, sorgfältig sitzen bei dir.
Du wirst Geschichten erzählen und wenn leuchtet die Lampe,
Ziehst du Fäden lang, die um die Spindel gerollt,
Während die Mägde umher die Arbeit tun ihrer Pflichten,
Bis allmählich sie müde zu Bette dann gehn.
Dann lass mich kommen! Bringe aber niemandem Nachricht,
Lass es scheinen, als ob ich von dem Himmelreich käm.
Dann komm zu mir, o Evi, dass ich heilig wie du werd,
Komm mit Füßen nackt und ungeordnetem Haar.
Darum bete ich für Evi: Auf purpurnem Rosse
Lass das Morgenrot bringen des Morgensterns Glut.

VIERTE ELEGIE

So die schützenden Schatten dein sein könnten, o Priap,


Nicht durch die Sonne dein Haupt würde versehrt oder Schnee,
Welche Fähigkeiten von dir bestechen die Knaben?
Nicht sind leuchtend dein Bart oder die Haare gepflegt.
Nackt erfüllst du deine Rolle im frostigen Winter,
Auch in der trockenen Zeit bist in der Hitze du nackt.
Also hab ich gebetet. Dionysos’ Sohn gab mir Antwort,
Gott, der bewaffnet ist mit dem errichteten Pfahl.
O vertraue du der Menge der Opfer der Knaben,
Sie sind immer ein Grund, ja, für des Eros Gewalt.
Dieser Knabe will, der da hält im Zaume sein Rösslein,
Dass man das Eis zerbricht seiner erfrorenen Brust.
Dieser ist berühmt für den kühnen Mut, doch der Jungfrau
Schüchterne Röte glüht schamhaft auf seinem Gesicht.
Lass keine Langeweile aufkommen, wenn er dich leugnet,
Dann wird doch mit der Zeit er sich ergeben dem Joch.
Lange Zeit haben Löwen gelernt, sich mit Menschen zu füllen,
Mit der Länge der Zeit höhlt selbst das Wasser den Stein.
Siehe, es reifen die Trauben an den sonnigen Hängen,
Konstellationen gehn licht auf der sicheren Bahn.
Winde tragen vergeblich Schwüre der Liebe, sei furchtlos,
Über die Länder dahin, über den Rücken der See.
Danke Zeus! Der Vater bestritt die Macht solcher Schwüre,
Eros töricht kann alles in Leidenschaft schwörn.
Artemis selber kann schwören straffrei bei all ihren Pfeilen,
Und Athene kann schwören beim schwärzlichen Haar.
Wenn du verweilst, so gehst du verloren! Die Zeiten vergehen,
Darum sei der Tag untätig nicht oder faul.
Schnell die Erde verliert ihre violetten Reflexe,
Und die Ulme, wie schnell sie ihre Blätter verliert!
Wird verachtet das Pferd doch, wenn schwaches Alter sein Schicksal,
Das in den Startlöchern stand, man in dem Alter erschießt.
Einen Jüngling sah ich, in späteren Jahren bekümmert,
Trauer drückte herab seinen sehr törichten Kopf.
Grausame Götter! Die Schlange erneuert sich siebenmal, aber
Uns das Schicksal gewährt keine Verzögerung mehr.
Nur Dionysos leben und Phöbus in ewiger Jugend,
Ungeschorenes Haar passend ist ewig den zwein.
Du aber wirst deinem Knaben geben, was er begehrt, denn
Eros immer gebührt höchste Verehrung und Huld.
Du wirst mit ihm reisen, wenn er zu reisen verlangt, ob
Auch der Hundsstern kocht über der Erde in Glut,
Ob auch der Regenbogen droht mit kommenden Stürmen
Und den Himmel bemalt bunt mit Reflexen des Lichts,
Wenn er die blauen Wellen mit einem Boot will besegeln,
Mit dem Ruder das Schiff treiben durch schäumende Flut.
Nicht bei selbst zu harter Arbeit beschwere dich oder
Wenn deine Hände nicht mehr schaffen wie sie es gewohnt.
Siehe, ich bitte dich, wenn er will tiefe Täler erobern,
Weigre dich nicht, bei der Jagd sklavisch zu tragen das Netz.
Will er kämpfen, versuch ich, mit leichter Kraft nur zu kämpfen,
Stelle mich schwach, dass er siege im ungleichen Kampf.
Dann wird er zärtlich mit dir umgehen, dann kannst du haschen
Einen kostbaren Kuss, du wirst ihn ziehn an die Brust.
Anfangs lasse dich fangen, später schafft er es selber,
Wenn du gefragt wirst, dann streich ihm voll Sanftheit das Haar.
Leider! Die Zeiten produzieren jetzt elende Künste!
Nun will das Kind ein Geschenk, reichlich, so wie es gewohnt.
Wissen sie doch, wer du bist. Wer zuerst verkaufte den Eros,
Den soll ein Mühlstein doch unten versenken im Meer!
Knaben und Eros, Musen und inspirierte Poeten –
Nie kann ein goldnes Geschenk mehr als das Musenlob sein.
Nur durch Poesie sind die Spitzen der Haare noch schwärzlich,
Ohne Verse erglänzt nirgends ein Heros im Ruhm.
Nur der Musen Namen wird leben, solange die Erde
Eichen trägt und das All schön von den Sternen erstrahlt.
Aber der nicht liebte die Musen, verkaufte den Eros,
Folg er den Wagen denn, wandernd durch Städte im Reich,
Sei er vom wertlosen Glied entmannt auf phrygische Weise,
Wer die Musen nicht liebt, aber den Eros verkauft.
Aphrodite will Schmeicheleien! Die Göttin begnadet
Ihrer Beter Beschwer und ihrer Elenden Leid!
Dich besitzt ein dummer Kerl durch schwarze Magie nur!
Jedem seinen Ruhm! Frage dein Ehemann mich:
Meine Türen sind weit geöffnet der herzlichen Liebe!
Einst kommt eine Zeit, dann werden Männer im Bund
Führen mein anderes Selbst nach den Gesetzen der Charis.
Ah, wie Tom mich quält, zögert er mit dem Besuch!
Meine Kunst ist nutzlos, unbrauchbar all meine Weisheit,
Ach, erspare mir das, Knabe, ich flehe dich an,
Der ich geworden bin eine unwürdig dumme Geschichte,
Alle lachen schon laut: Ha, was ist das für ein Narr!

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ERSTE ELEGIE

Wer ist hier, mich zu besuchen? Wir reinigen Felder und Ernten,
Dies im Ritus, der uns ward überliefert von einst.
Komm, Dionysos, lass die süßen Weintrauben prangen,
Und Demeter, die Stirn golden umwinde mit Korn.
Lass die Erde ruhen an diesem heiligen Tage,
Lasse die Bauern ruhn, ruhen lass gleichfalls den Pflug.
Löse die Gurte vom Joch, die Ochsen dürfen nun stehen
An der Krippe, bekränzt mit dem Getreide des Felds.
Alle Dinge sollen den Gott erwarten, es soll auch
Nicht der Spinnenden Hand wagen, die Arbeit zu tun.
Dir befehle ich, wegzubleiben, lass die Altäre,
Aphrodite erlaubt uns das Vergnügen der Nacht!
Reinheit erfreut die Götter, zu kommen mit reinem Gewande
Und zu ziehen das Wasser des Brunnens herauf.
Siehe, das heilige Lamm, das geht zum lichten Altare!
Siehe die Menge in Weiß, und von Oliven den Kranz.
Götter unserer Ahnen, reinigt das Feld und die Bauern,
Lasst das Böse fern bleiben von unserem Land,
Lasst die Felder uns nicht betrügen zu Zeiten der Ernte,
Lasst die Lämmer nicht fallen der Wölfe Begier.
Lasst den schwitzenden Landwirt sicher auf fruchtbaren Feldern
Häufen Mengen von Holz hoch auf dem lodernden Herd,
Eine Menge von jungen Sklaven, Zeichen des Reichtums,
Sollen spielen und baun kindisch die Hütten von Holz.
Siehe, ich bete und sehe: Die Eingeweide sind günstig,
Zeigen: Zufrieden ist Gott, wie an der Leber zu sehn!
Jetzt bringen alte Konsulate würzige Weine,
Lösen die Bindungen, die uns mit den Ketten versklavt.
Wein zur Feier! Es ist keine Schande, betrunken zu werden,
An dem Tage des Fests schwanken wir wankenden Gangs!
Lasst uns über unserem Weinbecher sagen: Heil Marcus!
Und der Name des Freunds tönt zum getrunkenen Wein.
Marcus hat Triumph übers reizende Frankreich gefeiert.
Herrlicher Sieger, Ruhm deiner Familie, des Volks!
Komm zu mir, begünstige mich, und ich will dir danken
Mit der Verse Kunst und den Gebeten zu Gott!
Siehe, ich singe das Land und die ländlichen Götter. Mit ihnen
Jagen die Menschen den Hunger mit Eichelkost weg.
Diese Götter lehrten am Anfang, mit Balken zu bauen
Und zu decken das Haus dicht mit dem grünlichen Laub.
Und sie lehrten zum ersten Mal den Ochsen zu dienen
Und des Wagens Rad, still sich im Kreise zu drehn.
Goldene Trauben gaben Saft den trampelnden Füßen,
Nüchternes Wasser ward klug mit dem Weine vermischt.
Und das Land trägt die Ernte, jedes Jahr neu die Ernte,
Und die Erde ihr Haar wirft in die himmlische Glut.
Schnelle Bienenschwärme des Frühlings häufen die Pollen,
Eifrig füllen sie Waben mit süßlichem Seim.
Dann wird der Bauer satt vom konstanten Pflügen der Erde,
Der als Erster die ländlichen Liedweisen sang,
Spielte die Melodien auf getrockneter Schilfrohre Flöte
Vor dem ländlichen Gott, spielte die Lieder bekränzt.
War es ein Bauer, der als Erster gefärbt sich mit Beeren
Und den Tanz aufgeführt, wenn auch in Kunst nicht gelehrt?
Er, er bietet den Ziegenbock, den Führer der Herde
Und durch das Opfergeschenk mehrt seinen Reichtum der Gott.
Auf dem Lande ein Knabe machte Kränze von Blumen
Und bekränzte fromm Geister der Ahnen damit.
Da gibt es Schafe, Arbeit für junge niedliche Mädchen,
Tragen die Schafe doch lachende Mädchen durchs Land.
Frauen am Markt bekommen davon die Knäuel der Wolle,
Rocken und Spindel wird fleißig mit Fingern gedreht.
Und die Spinnerin singt von Athenes endloser Mühsal
Und der Webstuhl schwingt sich zu dem Rhythmus des Leibs.
Alle sagen, dass Eros ward geborn auf dem Lande,
Unter den Herden und wildfreien Stuten geborn.
Mit dem ungeschulten Bogen ging er als Knabe,
Aber ah wie geschickt jetzt ist des Göttlichen Hand!
Er strebt nicht zu solchen Kreaturen wie früher,
Sondern Mädchen, jung, niedlich, die reizen ihn jetzt!
Junge Männer beraubt er des Reichtums, gebietet den Alten,
Lüstern zu reden mit reizenden Mädchen im Tor.
Eros führt die Mädchen vorbei an den schlafenden Wächtern,
Und sie kommen allein zu den Geliebten des Nachts,
Fühlen ihren Weg mit den Füßen, in Angst und in Spannung,
Und erkunden die Schatten mit tastender Hand.
Elende, denen der Gott legt schwere Lasten auf, wehe!
Aber glücklich ist der, welchem die Liebe ein Hauch.
Heiliger Gott, zu unserm Abendmahl komm! Doch beiseite
Lass den giftigen Pfeil, welcher die Herzen verletzt!
Alle singen den Gott, den wir verherrlichen, rufen
Ihn zur Herde! So ruft doch zu der Herde den Gott!
Oder ruft für euch selber, und die glücklichen Menschen
Hören gerne den Ruf, phrygischer Flöte Gesang.
Blase die Flöte! Jetzt kommt die Nacht! Die funkelnden Sterne
Folgen der Mutter Gefährt, tanzen verspielt ihren Tanz,
Dann kommt der stille Schlaf, in dunkle Schwingen gebettet
Und es nähert sich der unheilverkündende Traum.

ZWEITE ELEGIE

Lass uns nur Gutes reden: Der Festtag kommt zum Altare,
Dein Geburtstag! Wer bleibt stumm dabei, Mann oder Frau?
Feuer lassen brennen den heiligen Weihrauch, die Harze,
Süßen arabischen Duft sendend aus reicherem Land.
Lass deinen Schutzgeist kommen, um seine Ehre zu schauen,
Weiche Girlanden schling ihm um den heiligen Kopf.
Lass dir deine Schläfen mit reinem Balsam betropfen,
Lass dich mit Kuchen gefüllt werden und gallischem Wein.
Was auch immer du suchst, frag Marcus, er wird dazu nicken,
Schau und frage, so komm, weil er bejahend schon nickt.
Siehe, ich prophezeie: Was du wünschst deinem Weibe –
Ja, ich glaube, der Gott hat wohl inzwischen gelernt.
Du wirst es vorziehen, nicht die ganze Erde zu haben,
Die von den Bauern wird oft mit den Ochsen gepflügt,
Auch nicht die Perlen, gefischt aus dem seligen indischen Meere,
Wo die Wellen der See röten sich östlich von Glut.
Deine Gebete sind erfüllt, und Eros fliegt zu dir,
Surrenden Flügels, er bringt purpurnes Band deiner Frau,
Ewige Liebesbeziehungen, während das langsame Alter
Falten bringt ins Gesicht und lässt ergrauen das Haar.
Lass den Geburtstag ein Omen für Kinder sein, Lieber,
Lass eine Kinderschar spielen im eigenen Haus.

DRITTE ELEGIE

Marcus, mein Mädchen Julia ist auf dem Land, in dem Landhaus.
Der ist von Eisen, der bleiben kann da in der Stadt!
Aphrodite selbst ist auf freiem Felde gegangen
Und auch Eros lernt, wie man so bäuerlich spricht.
Oh wenn ich nur an mein Mädchen denke, fest auf sie blicke,
Würd ich den fruchtbaren Grund ritzen mit Hacke und Stich,
Würde folgen der geschwungenen Klinge als Pflüger,
Während der Ochse gepflügt Schollen der fruchtbaren Saat.
Würde mich nicht beschweren, wenn die brennende Sonne
Meine Glieder versengt mit ihrer zehrenden Glut,
Oder wenn aufgebrochene Blasen die Hände verwunden,
Fütterte doch auch Apoll weiland die Ochsen Admets.
Seine Leier und sein lockiges Haar war nichts nütze,
Krankheit heilte er nicht weise mit heilendem Kraut.
Eros erobert, was seine Weisheit vielleicht zu heilen vermöchte.
Du sagst: Gott setze sie ein, Kühe zu weiden des Lands,
Sie zu führen aus dem Stall auf die grünlichen Auen,
Gott lehrte, wie man Lab mischt mit der schäumenden Milch.
Dann wird der Korb aus lichten Stielen von Binsen geflochten,
Dünnes Gitter gemacht wird für die Molke der Milch.
Oh wie oft seine Schwester errötete, ihm zu begegnen,
Als er ein Kälbchen trug bäuerlich durch das Gefild.
Oh wie oft die ruhlosen Tiere wagten zu stören
Seinen schönen Gesang, den er gesungen im Tal!
Oft suchten Führer Orakel und prophetische Omen,
Unternehmer gehn dann als Enttäuschte nach Haus.
Oft Latona beklagt, wie wild seine struppigen Haare,
Das war ein Staunen der göttlichen Mutter Apolls.
Wer sah unbedeckt den Kopf, die struppigen Haare?
Wo war das Heiligtum nun, Phöbus’ geheiligtes Haus?
Wo ist dein Delos nun, Phöbus, oder dein pythisches Delphi?
Eros gibt dir nur einen bescheidenen Stall.
Selig aber die Götter! Sie sagen: Die ewigen Götter
Schämten sich noch nie, Charis zu dienen als Knecht.
Jetzt ists ein Mythos. Aber wer sorgt um sein Liebchen,
Wäre lieber ein Knecht als ein unliebender Gott.
Aber du, wer bist du, der du stirnrunzelnd Eros
Arbeit zu tun gibst hier in meinem einsamen Haus?
Dich kann auch ein reicherer Liebhaber einst noch ersetzen.
In der eisernen Zeit lobt man nicht Lust, nur Profit!
Und doch ist der Profit an mancherlei Übeln beteiligt,
Und Profit macht den Krieg, alles führt Krieg um Profit!
Ach, aus diesem Blut und Gemetzel kommt doch der Tod nur!
Auch verdoppelt Profit wütenden Meeres Gefahr,
Wütenden Meeres, das Kriegswidder bringt zu gefährdeten Schiffen,
Wer voll Profitgier ist, er will besitzen die Welt,
Seine Schafe auf vielen Hektar Land grasen lassen.
Er liebt fremdländischen Stein, Marmor, es soll die Armee
Ihre Heerreihen führen durch die zitternden Städte,
Tausend Männer des Heers, starkes und schreckliches Heer!
Dämme umschließen das unregierbare Meer, dass in Ruhe
Fische achten nicht auf den bedrohlichen Sturm.
Junge Mädchen seh ich an reichen Männern sich freuen,
Aphrodite wünscht von den Verehrern ihr Geld!
So kann nun mein Mädchen Julia schwelgen im Luxus,
Weil ich Geld ihr gab, geht sie zu Fuß auf den Markt.
Lass sie tragen transparente Seide, gewoben
Von dem Seidenwurm fern im chinesischen Reich.
Soll sie doch Perlenketten tragen, indisches Kunstwerk,
Afrikanisches Tuch wickle sie sich um den Kopf.
Ich sag, was bekannt ist: Profitgier hat die Erde erobert,
Auch auf dem Sklavenmarkt herrscht ja die Grausamkeit nur.
Gebe euch Mutter Erde keine Ernteerträge,
Grausame Felder ihr, die ihr mir Julia raubt.
Zarter Dionysos, der du pflanzt erfreuliche Reben,
Auf die Fässer verzicht, lastet auf ihnen ein Fluch.
Niemand darf schöne Mädchen schicken auf düstere Felder,
Weingott, selbst dein Wein ist solches Tausches nicht wert.
Lass die Früchte der Erde herrschen, es werden nicht Mädchen
Leben auf dem Land, wo man die Eicheln verspeist.
Eicheln aßen die Alten und machten überall Liebe –
Was hats geschadet, dass sie nicht ihren Acker besät?
Aphrodite brachte Freuden offen, im Schatten
Eines reizenden Tals, Eros blies freundlich sie an.
Wächter waren nicht da, die Türen dem Mann nicht verschlossen,
Wenn das stimmt, so erbitt ich mir zurück diese Zeit.
Sollen doch dicke Gliedmaßen tragen linnene Kleider,
Aber, wenn mein Gott Eros vom Himmelreich kommt,
Wenn ich nur sehen kann den Körper Julias nackig,
Was soll mir dann noch fließende Tunika sein?
Auf denn! Ich werde den Acker meiner Herrin bestellen!
Und ich nehme auch Fesseln und Peitschen zum Werk.

VIERTE ELEGIE

Hier seh ich die Herrin, sehe die Sklaven bereit stehn,
Abschied nehme ich nun von meiner Freiheit! Adieu!
Traurig wegen der Sklaverei, von Ketten gebunden,
Eros hängt nie durch bei meinem elenden Werk,
Und verbrennt mich, ob ich schuldlos, ob ich’s verdient hab,
Ah ich brenne! Brutal, Mädchen! Entferne die Glut!
Ich bin nicht in der Lage, solche Schmerzen zu tragen,
Besser wäre es Eis-Brocken zu sein auf dem Berg,
Oder ein Pfosten, ein Fels, ausgesetzt der Leere der Winde,
Dran Schiffbrüchiger bricht scheiternd im stürmischen Meer.
Jetzt ist bitter der Tag, die Nacht ist bitterer, weh mir,
Jeden Augenblick bin ich in Galle getränkt.
Verse helfen nicht, auch nicht der inspirierende Phöbus,
Meines Mädchens Hand täglich geb ich ein Geschenk.
Geht, ihr Musen, wenn ihr nicht helfen könnt dem Verliebten,
So kann man singen nicht einen heroischen Kampf,
Und ich singe auch nicht die Reisen der Sonne, wie Luna
Reitet auf weißem Ross mitten im milchigen Meer.
Nein, ich sing um das Herz meines Mädchens noch zu gewinnen,
Geht, ihr Musen, wenn ihr nichts einem Liebenden nützt.
Gaben für sie brauch ich nicht zu erwerben durch Morde,
Brauch nicht zu weinen vorm Haus, vor der verschlossenen Tür,
Brauch nicht zu klauen die Ikonen des heiligen Tempels,
Aphrodite selbst wird eine Diebin für mich,
Fordert mich auf zu Verbrechen, gewährt mir mein gieriges Mädchen.
Soll sie es spüren, wie ich gar noch den Tempel beraub.
Wer da sammelt die grünen Smaragde, umkommen soll er,
Oder wer Vliese färbt purpurn mit tyrischem Rot,
Perlen des Roten Meeres und feinste Seide Ägyptens
Sind der Grund für die Gier, welche die Mädchen befällt.
So werden Gottlose, weil die Tür den Schlüssel im Loch kennt
Und es weiß stets vorm Tore zu wachen der Hund.
Wenn du reiche Geschenke bringst, besiegt das den Wächter,
Dreht der Schlüssel sich um, bellt nicht der wachende Hund.
Ah, gab Gott die Schönheit dem jungen gierigen Mädchen,
Was hat Gott mir gebracht doch für gewaltiges Weh!
Ihrem Weinen und Streiten entsteigt, und ist es auch flüchtig,
Warum der Liebesgott wandert in Schande und Schmach.
Du, die aussperrt den Liebhaber, durch Geschenke geschlagen,
Kannst dem Feuer, dem Wind eilig entreißen dein Geld.
Mögen die jungen Männer es sehen, die Flammen zu freuen,
Niemand beschäftigte sich, dass er das Feuer ersäuft.
Oder wenn der Tod kommt, soll euch keiner beweinen,
Oder bringen Geschenk zu der Beerdigung Fest.
Aber die nicht so ist, nicht gierig ist, möge sie leben
Hundert Jahre, die weint dann an dem blumigen Grab.
Alten Männern, zur Ehre ihrer vergangenen Liebe,
Jährlich wird gelegt dann auch ein Kranz auf ihr Grab.
Wenn er scheidet, sagt man: Schlaf süß und ruhe in Frieden,
Leicht ruht die Erde nur auf dem verstorbenen Leib.
So sprech ich Warnungen aus, doch was nützt die Weisheit mir selber?
Meine Liebe ist lang mir vorher schon bestimmt!
Warum, selbst wenn sie mich in meine Heimat verkaufen,
Muss der Väter Gut unter den Hammer denn doch?
Julia mische Drogen, wie Circe oder Medea,
Und was die Erde für Kraut trägt für der Hexen Magie,
Flüssigkeiten, die aus der Vulva tropfen der Stute,
Wenn Cythere Lust einbläst dem feurigen Hengst,
Tausend andere Kräuter, wenn Julia schauen nur wollte
Voller Huld mich an, siehe, so trink ich den Trank!

NEUE RÖMISCHE ELEGIEN


NACH PROPERZ

ERSTE ELEGIE
EROS IST WAHNSINN

Evi war die Erste, die fing mich mit äugelnden Fesseln,
Ich war von Eros zuvor kaum oder gar nicht berührt.
Eros war es, der meinen Blick der Verachtung erniedrigt
Und ich senkte den Kopf, der ich mit Leichtfertigkeit
Reine Mädchen verachtet und lebte ohne Besinnung,
Dieser Wahnsinn hat dann Jahre gedauert, der ich
So mir zugezogen göttliche Feindseligkeiten,
Bis ich Evi traf, welche vom Fluch mich erlöst.

So Milanion hatte sich heimlich entzogen der schönen


Atalante. Er blieb tief in den Höhlen versteckt,
Sah nur wilde Tiere und stöhnte vor dem Zentauren
Unterm arkadischen Fels. Doch so besiegte er sie,
Überwand das Mädchen mit den eiligen Füßen,
Wie es würdig der Macht und der Gewalt ist des Herrn
Eros, der in mir ist, der seinen Verstand hat verloren
Und vergisst den Pfad, welchen er früher gereist.
Aber die Zauberinnen, deren betrügrische Künste
Ziehen die Mondin herab, welche doch Ruhe sonst bringt,
Machen Feuer durch Magie und durch lebende Opfer,
Dass meine Herrin und Frau ändert den eigenen Sinn
Und ihre Wangen sind blasser als meine eigenen Wangen.
Doch dann glaube ich erst, dass ihr die magische Kunst
Wirklich beherrscht, ihr Zauberinnen, wenn ihr mit Vollmacht
Einer Circe betört droben der Milchstraße Fluss.

Oder ist es zu spät für die Heilung des Herzens des Kranken?
Ich will die Schwitzkur gern leiden, die Operation,
Wenn ich nur Freiheit erlange von der empörten Begierde!
Bringt mich zu Völkern, zum Meer, wo ich nicht Frauen mehr lieb,
Wenn die Götter gewähren euch eine schlichte Erhörung,
Die doch von Eros’ Gewalt, Götter, sind selber beherrscht!
O dann wollte ich frei von des Eros Betörung verbleiben,
Jungfrau Athene, nur dir, nur deinem Segen geweiht.
Nächte der Bitterkeit haben sich gegen mich grimmig erhoben,
Eros kam immer zurück, stets wieder fand mich der Gott.
Nie ward ich erlöst aus dem Netz der vertrauten Begierde.
Leser, ich warne dich! Doch sicher, ich warne zu spät!

ZWEITE ELEGIE
EROS NACKT

Welche Notwendigkeit gibt es, o mein Leben, Geliebte,


Dass du dein Haar so schmückst und dir die Lockenflut färbst,
Dass du wandelst in einem transparenten Gewande,
Hauchdünnem Seidenkleid? Warum du salbst dich mit Öl,
So verrätst du dich durch die teuren Geschenke der Fremden,
Ruinierst der Natur Schönheit durch schmückende Kunst.
Lass deine Glieder zu wahrem Vorteil nackend erstrahlen!
Glaube mir, nichts vermehrt noch deine nackende Form,
Eros immer geht nackt und liebt nicht des Truges Verhüllung!
Schau dir die Erde an, schön ist sie schon von Natur,
Schau dir den Efeu an, der entspringt ganz natürlich der Erde,
Oder den Erdbeerstrauch, wie er so fruchtbar und schlicht.
An den Ufern der Flüsse liegen die einfachen Kiesel,
Und der Vogelsang schallt ohne verzierende Kunst.

Luna hat nicht geschmückt die göttlichen Zwillinge, beide


Gingen ungeschmückt, waren doch Kinder des Zeus.
Und des griechischen Altertums Heldinnen auch gingen nackend,
Ohne Edelgestein, das ihre Schönheit verziert.
Wie hat Apelles gemalt? Er malte die nackende Schönheit,
Und Praxiteles hat Knidia nackend geformt!
Goldschmuck zu sammeln, um sich Liebhaber glänzend zu fangen,
War nicht der Heldinnen Art, so waren sie nicht gesinnt,
Sondern die Keuschheit der nackten Natur war Schönheit genug und
Ihre nackte Natur war ihnen herrlich genug.
Bin ich denn weniger wert als die Dichter des Altertums? Siehe,
Wenn ein Weib will geliebt werden vom Mann, so genügt
Ihre natürliche Schönheit, es verklärt sie die Sonne,
Musen geben die Kunst, lesbisch die Ode ertönt,
Niemals fehlt dem Weib die einzigartige Gnade
Und der Grazie Gunst, Weisheit Athenes dazu,
Aphrodites Schönheit! Da braucht’s keinen elenden Luxus,
Nackt bist du immer mir noch, Evi, am liebsten fürwahr.

DRITTE ELEGIE
NACH EINER DURCHZECHTEN NACHT

So wie Ariadne, das schöne Mädchen von Knossos,


Lag am Ufer nackt, ohnmächtig, Theseus war fort,
Oder wie Andromeda, Cepheus’ Tochter, lag schlafend
Ohne rauen Rock, nackenden Leibs lag sie da,
Oder wie erschöpft von den endlosen thrakischen Tänzen,
So lag Evi da, atmete leise im Schlaf,
Auf den bewegten Armen lag ihr lockiges Köpfchen,
Als ich kam, voll vom Wein, den ich gezecht in der Nacht,
Als ich kam schwankend auf meinen mächtig betrunkenen Füßen,
Während der Jünglinge Schar trug ihre Fackeln zur Nacht.

Meine Sinne waren noch nicht völlig benommen,


Und so kam ich ihr nah, drückte mich leicht an das Bett,
Dann gepackt von einer doppelten Leidenschaft schob ich
Meinen Arm unter sie. Eros! Dionysos! Ihr
Grausamen Götter! Meine Hand wollte unter sie schlüpfen
Und ihr heben das Tuch, welches sie leicht nur verhüllt,
Aber ich bangte, meine ruhende Herrin zu wecken,
Die so wild werden kann in dem Gezanke und Streit,
Aber erfroren ich klammerte mich an meine Geliebte
Und betrachtete sie, Argus gleich starrt ich sie an.

Jetzt befreit ich den Kranz von meiner Stirne und legte
Ihn auf die Gliedmaßen ihr, spielt mit dem lockigen Haar,
Schon rutschten ihre Äpfel in meine offenen Hände,
Was für ein schönes Geschenk gab mir der gnädige Schlaf,
Da mein Körper sich über sie beugte, atmete Evi,
Manchmal seufzte sie, Vorzeichen glaubt ich zu sehn,
Einige seltne Visionen ihrer weiblichen Ängste,
Dass ein Fremder sie nähm, während sie ruhte im Schlaf.

Luna flog vor dem offenen Fenster, bemalte mit Silber


Evis nackenden Leib. Sie tat das Augenpaar auf,
Auf den Ellenbogen gestützt im gemütlichen Bette,
Rief sie zornig aus: „Was für ein Feind trieb dich an,
Dass du so spät erst zurückgekommen zum Bett der Geliebten?
Weh mir! Wo warst du zur Nacht? Lang sind die Sterne schon fort.
O du Grausamer mir in meinem weiblichen Elend,
Ich begehre von dir eine verewigte Nacht,
Endlos langgezogene Nächte sollst du mir opfern!
Bis vor einem Moment lag ich vereinsamt im Schlaf,
Purpurn sank der Abend, es tönte die orphische Harfe,
Unter dem Flügel der Nacht lag ich vereinsamt im Bett.
Leise musste ich stöhnen, ich für mich ganz alleine,
Denn ich träumte im Schlaf, dass mich genommen ein Mann.“

VIERTE ELEGIE
EROS IST WONNE

Wenn ich auch lesbischen Süßwein tränke aus Bechern des Mentor
Oder im Luxusschiff führ auf der Tiber dahin,
Wenn ich auch Weinberge hätte als der Kaukasus höher,
All das beeindruckt mich nicht! Eros allein ist mein Glück!
Keine Reichtümer können konkurrieren mit Eros!
Eros verneigt sich nicht vor diesem Abgott, dem Geld!

Wenn die Geliebte mit mir schläft, wann immer ich möchte,
Ja, dann strömt der Pactol mir unterm eigenen Dach,
Dann des Roten Meeres Korallen knospen im Haus mir,
Meine Wonne ist groß, mehr als der Könige Glück,
Und ich gebiete dem leidigen Schicksal, sofort zu verschwinden.
Denn die Fülle der Lust, wer je genoss sie wie ich?
Aber kein Reichtum oder Schatz kann irgendwie trösten,
Wenn Aphrodite sich mürrisch verweigert im Bett!

Aphrodite kann starke Kräfte der Helden erschöpfen,


Schlimme Schmerzen sogar bringt sie dem härtesten Kopf.
Sie scheut nicht ängstlich zurück vor den arabischen Schwellen,
Auf das Sofa wirft sie ihren Liebhaber schnell.
Welchen Trost dann brächten Byssus und farbige Seide?
Ist die Göttin versöhnt und liegt sie nahe bei mir,
Fürchte ich nicht die Herren der Königreiche, verachte
Sogar Salomos Schatz oder des Krösus Tresor.

FÜNFTE ELEGIE
VERGÄNGLICHKEIT UND TOD

Nein, ich fürchte keine traurigen Schatten des Todes,


Evi, oder den Brand, der mein Gebeine verzehrt.
Eins nur mehr als Begräbnisprozessionen ich fürchte,
Dass meinem Leichnam vielleicht, ach, deine Leidenschaft fehlt.
Eros ist so leicht, meine Augenlider so müde,
Ach in der Leere des Staubs würd ich vergessen die Lust.

Einst ein Held des griechischen Altertums konnt nicht vergessen


Seine süße Frau drunten im Reiche der Nacht,
Und sie kam als ein Schatten aus seiner früheren Heimat,
Sehnsucht mit Geisterhand, ihn zu berühren mit Lust.
Was auch immer ich drunten sein werde, werde ich immer
Als dein Schatten bekannt sein in dem dunklen Abyss.
Nämlich der große Eros kreuzt die Ufer des Todes,
Auch im Totenreich ist noch die Liebe mein Gott.

Lasse den Chor der schönen Frauen des Altertums kommen,


Mich zu begrüßen dort, die einst um Troja geweint,
Keine der schönen Frauen ist schön wie meine Geliebte!
Dich hält das Alter zurück, aber noch stets ist dein Leib
Meinen Augen lieblich. Mögest du leben und träumen,
Wenn ich ward zu Staub, dann tut der Tod mir nicht leid.
Nur was ich fürchte, Evi, dass du mich vergisst in dem Grabe,
Fremde Leidenschaft zieht dich vom Toten dann fort,
Dann wirst du trocknen die Tränen, die um mich du geweint hast,
Lachst dann wieder froh, ach, mit dem anderen Mann.

Stete Drohungen überzeugen ein leichtsinnig Mädchen.


Also, wenn’s uns gelingt, bleibe die Leidenschaft uns
Wahrer Liebender. Nein, dies Leben reicht nicht zur Liebe,
Unser Eros vielmehr will eine ewige Lust!

SECHSTE ELEGIE
EVIS SCHÖNHEIT

Ich war frei und dachte, ein leeres Bett zu genießen,


Aber suchte ich Ruh, Eros belästigte mich.
Warum verweilt solche große menschliche Schönheit auf Erden?
Zeus, ich vergebe dir deine Begattungen all.
Schwarz ist ihr Haar und schlank ihre Hände, der Körper vollkommen,
Und so edel ihr Fuß, schön wie der Zeus-Schwester Fuß,
Schön wie Athenes Fuß, wenn sie tritt zum Altare,
Schlangen Medusas ruhn ihr auf der mächtigen Brust.

Sie ist schön wie Helena, diese Halbgöttin Hellas’,


Die die Zwillinge einst aus dem Abyssus befreit.
Schön ist sie wie Hekate an den heiligen Wassern,
Ruhend im Totenreich, Jungfrauengöttin voll Macht.
Und als die Göttinnen offenbarten Paris, dem Hirten,
Ihre Schönheit nackt – Evi ist ebenso schön!
Ach, dass das Alter nie diese Frauenschönheit berühre
Oder sie werde so alt wie die Sibylle und klug.

SIEBENTE ELEGIE
EVIS QUALITÄTEN UND GNADEN

Du, die du sagtest, nichts könne dich berühren, jetzt hat es


Dich erwischt: Du bist stolz, weil du so sehr mir gefällst!
Nun, du findest kaum Ruhe einen einzigen Monat,
Armes Ding, und jetzt schreib ich ein weiteres Lied.
Ich habs versucht, ob ein Fisch könnte schwimmen auf trockenem Sande
Oder das Wildschwein könnt leben im wogenden Meer
Oder ob ich könnte studieren in Nachtwachen einsam,
Eros verzögert sich, aber er wird nicht zerstört.

Es war nicht dein Gesicht, das weiße, das mich gewonnen,


Ob auch Lilien sind nicht wie mein Liebchen so weiß,
Ob auch olympischer Schnee mit dem Rotwein von Spanien streitet,
Rosenblüte schwimmt zärtlich in schneeweißer Milch,
Noch wars dein Haar, das schwarz sich um den Schwanenhals ringelt,
Noch deiner Augen Blitz, die meine Sternbilder sind,
Noch wars dein Kleidchen, die transparente chinesische Seide,
Der ich schmeichle allein, wo etwas lobenswert ist,
Sondern es war dein Bauchtanz, wie du tanzt, bin ich trunken,
Ariadne hat so heiß und bacchantisch getanzt,
Und es war, wie du singst an Kypris die sapphische Ode
Und wie Corinna du gleichst im elegischen Lied.

Als du geboren wurdest, o mein Leben, Geliebte,


Da hat Eros geniest, Eros im schneeweißen Kleid,
Das war dein Omen, als du erblicktest das Licht dieses Kosmos,
Götter begnadeten dich, du bist nicht menschlicher Art!
Deine Gnaden sind keine menschlich geborene Schöpfung,
Du bist die Herrlichkeit herrlicher Frauen von Rom!
Du bist die erste Frau der Erde, die Zeus sich vereinigt,
Nie besuchtest du mich in meinem sterblichen Bett!
O in dir kam die Schönheit der Halbgöttin Helena wieder,
Helena kam erneut in die verworrene Welt.

Warum sollte ich jetzt mich wundern, dass unsere Jugend


Ist von dir entflammt, wie einst hat Troja gebrannt!
Solch ein Mädchen kann schreckliche Kriege verursachen, wahrlich,
Menelaos erneut streitet mit Paris um dich!
Dein Gesicht war der Grund für Achilles' schreckliches Zürnen
Und für Priamos warest sein Untergang du!
Will nun ein Dichter übertrumpfen die alte Geschichte,
Soll er meine Braut wählen zu Muse, Modell,
Ideal für seine Dichtkunst, so entflammt er den Westen
Und den Osten zugleich, zündet im Orient Glut.

Lass mich wenigstens doch die Grenzen der Sitte bewahren.


Kommt noch einmal zu mir Eros mit seiner Gewalt,
O so lass er mich sterben in dem Feuer der Liebe!
Oder, wie der Prophet, wandle der Gott seinen Grimm
Und beschere mir im Alter die sanfteste Liebe,
Keuscher Freundschaft Gefühl, friedlich und heilig und still.

ACHTE ELEGIE
EVI ERWECKEND

Dämmerung. Ich wollt sehen, ob sie alleine geschlafen,


Und allein lag sie da, schlief im gemütlichen Bett.
Ich war fassungslos, sie war schöner als je ich gesehen,
Auch nicht, als sie ging in ihrem seidenen Kleid.
Und ich sagte: Träume schön, o vestalische Jungfrau,
Schlafe, dass du mich nicht, wenn ich dich wecke, beschimpfst.
Aber sie erwachte und schaute erwachend mich an und
Sprach: Was spionierst du die Gebieterin aus?
Glaubst du etwa, meine Moral sei schwächlich wie deine?
Mir genügt ein Mann, einer allein mir genügt,
Entweder du oder jemand, der wahrhaftiger sein kann.
Schau, mein Bett ist nicht wild von der Wollust durchwühlt,
Ich hab mit keinem geschlafen in meinem einsamen Bette.
Schau, ich schwitze nicht von der genossenen Lust,
Bin nicht außer Atem vom Ehebruch, sündiger Unzucht.
Also sprach sie und zog rasch sich ihr Seidenkleid an.
Das vernahm ich, als ich bespitzelt die keusche Geliebte.
Und seit jenem Tag bin ich getrost in der Nacht.

NEUNTE ELEGIE
KEINE FLUCHT IST MÖGLICH VOR EROS

Nun willst du, o Geliebte, ins ferne Phrygien reisen,


Über die Wellen per Schiff durch das hyrkanische Meer.
Wohin willst du, Verrückte, o wahnsinnige Freundin?
Du entkommst mir doch nicht, weil ich den Pegasus reit,
Weil ich trage an meinen Sandalen die Flügel des Perseus.
Den geflügelten Gang hab ich von Hermes, es fliegt
Eros immer oben auf der Hochstraße himmlisch,
Folgt der Liebhaberin, wirft sich ihr heiß an die Brust,
Eros ist Spion, er lässt dich nie aus den Augen,
Wenn du in Sünde fällst, bleibt er sympathischer Gott,
Wenn du in Sünde fällst, ruft er dich auf zur Bekehrung
Und wenn du dich bekehrt, betend lobpreist du den Gott!

Lasse die alten harten Männer verurteilen meine


Schwelgerische Lust, meine Geliebte, zu zweit
Gehen wir weiter den Weg der Liebe, den wir erwählten,
Denn der Alten Ohr ist nur erfüllt vom Gesetz,
Wir aber schweben mit Charis über den Untiefen, uns macht
Jungfrau Athene nicht alt, runzlig, wie Weise verwelkt.

Sollt ich mich schämen, einer solchen Geliebten zu dienen?


Wenns ein Verbrechen ist, ists eine Sünde vor Gott,
Aber Eros wird mir nicht vorwerfen meine Liebe zu Evi,
Die begeistert ist, mit mir zu liegen im Bett
Moosigen Hügels, welcher benetzt ist von Tautropfen trunken.
Dort, ihr Musen, dort seht ihr mich klammern am Berg,
Dort sing ich Zeus und seine Liebschaften, Semele sing ich,
Die verbrannt ist im Blitz, als sich der Gott offenbart.
Wenn auch der Allerhöchste nicht widerstanden der Liebe,
Warum verklagt man mich dann, bin ich von Eros beherrscht?
Das fällt euch nicht schwer, ihr schicklichen Jungfrauen, Musen,
Eros zu singen mit Kunst, ihr seid nicht uneingeweiht.

Evi, wenn du tanzt in der ersten Reihe des Tanzes,


Wenn Dionysos tanzt, wenn er den Thyrsosstab hebt,
Lass ich die heiligen Efeubeeren am Haupte mich kränzen,
Ohne dich mein Genie ist ohne Inspiration!

PINDAR OLYMPISCHE ODEN

Bestes aller Dinge ist das Wasser, aber Gold, wie ein glänzendes Feuer
Zur Nacht, überstrahlt allen Stolz des Reichtums daneben.
Aber, mein Herz, würdest du singen die Herrlichkeit von Spielen,
Schaue nie über die Sonne
Am Tag zu jedem Stern, der heller durch die menschenleere Luft scheint,
Noch irgendeinen Wettbewerb als Olympia singe.
Es ist dort, dass der Gesangs-Winde Saiten
In den Herzen der Meister feiern
Den Sohn des Kronos. Sie kommen ihre Wege,
Am prächtigen Bord Hieron,
Der übernimmt das Zepter in Sizilien, reich an Herden,
Erntet die Köpfen aller Exzellenzen.
Es wird sein Ruhm vergrößert
Im Glanz der Musik, wo
Wir uns erfreuen am freundlichen Tisch.
Dann nimm die dorische Leier vom Haken,
Wenn überhaupt, die Herrlichkeit Pisa oder Pherenikos
Schiebe mit Freude unter dein Herz,
Wenn er von des Alpheus Wasser eilt
Mit seiner Masse, mit der Peitsche nie aufgelegt,
Gemischt und in den Armen des Sieges seines Herrn,
Des Königs von Syrakus, begeisternd bei Pferden, und sein Ruhm strahlt
Unter starken Männern, wo der lydische Pelops wohnte,
Pelops, dass er die Enden der Erde in seiner große Stärke sammelte,
Von Poseidon geliebt, als Klotho ihn hob aus
Dem sauberen Kessel, glänzend seiner Schulter Elfenbein.
Große Wunder in Wahrheit sind dies, aber Märchen
Werden erzählt und überlagert mit Ausarbeitungen von Lügen
Zum Staunen der Männer von Verstand gegen das wahre Wort.
Grazie, die alle Dinge für die Männer zur Freuden-Erfüllung bringt,
Gewähre Ehre wieder, lasse vielen für eine Zeit
Dinge unglaublich scheinen wahr.
Den kommenden Tagen sind die weisesten Zeugen.
Es ist besser für einen Mann, gut zu sprechen von den Göttern,
Er ist weniger schuld.
Vom Sohn des Tantalos, gegen ältere Männer, sag ich das:
Wenn dein Vater rief die Götter
Zu diesem stattlichsten Fest am geliebten Sipylos,
Und gab ihnen zu essen und erhielt im Gegenzug etwas,
Dann der strahlende Dreizack erwischt dich,
Sein Herz ist gebrochen, und mit seinen Pferden und Wagen aus Gold
Trägt es dich bis zum Haus des Zeus und seiner breiten Ehre,
Wo Ganymed zu einem späteren Zeitpunkt
Kam auf den gleichen Wunsch des Zeus.
Aber als du weg warst, und die Menschen deine Mutter sahen,
Noch brachte sie dich zurück,
Einige Menschen, eine Nachbarin sprach leise zum Trotz,
Wie sie haben dich genommen und mit einem Messer
Zerhackt deine Glieder in sprudelndem Wasser
Und über den Tisch geteilt und gegessen
Fleisch von deinem Körper, bis auf den letzten Bissen.
Ich kann nicht verstehen, wie ein Gott so tun konnte, ich schrecke zurück.
Viele in einer Zeit der Katastrophe sind zu lauten Sprechern des Bösen geworden.
Wenn sie auf Olympos sehen eingelöst
Jeden Mann, so war der Mann Tantalos, aber er war nicht
In der Lage, sein großes Vermögen zu schlucken, und für seinen hohen Magen
Zog ein Verhängnis ein, als unser Vater
Hing das Gewicht des Steins über ihn.
Er wartet immer auf das Heben des Kopfes und wird von der Freude geteilt.
Das Leben ist zu viel für seine Stärke, er ist gebeugt schnell in Qual,
Qual, der vierte unter drei anderen, weil er gestohlen hat
Und gab es seinen eigenen Kameraden,
Ambrosia und Nektar,
Womit die Götter machten ihn unsterblich. Wenn jemand denkt, zu betrügen
Gott, ist er falsch. Deshalb schickten sie seinen Sohn
Zurück zu dem flüchtigen Schicksal des Menschen ins Rennen.
Und wenn zum Zeitpunkt des Lebens Blüte
Der erste Bart kam, zu verdunkeln seine Wange,
Er dachte zu gewinnen eine Braut griffbereit,
Hippodameia, die glorreiche Tochter eines Königs in Pisa.
Er ging allein in der Dunkelheit übers graue Meer,
Zum Aufruf des Herrn des schweren Dreizacks,
Und er schien zu seinen Füßen klar.
Er sprach: Siehst du, Poseidon, wenn du keine Freude hast
An meiner Liebe
Und der Zyprier süßen Geschenken, blockiere den ehernen Speer
Des Oinomaos, und gib mir die schnellen Wagen
Vom Fluss von Elis und kleide mich in Kraft.
Dreizehn Bewerber hat er nun getötet und ewig
Beiseite legt er die Ehe seiner Tochter.
Die große Gefahr nie senkt sich auf einen Mann ohne Stärke,
Aber wenn wir bestimmt sind zu sterben, warum sollte man sitzen
Zu keinem Zweck im Dunkeln und finden ein namenloses Alter
Ohne einen Teil der Herrlichkeit? So auf meinem Weg
Liegt diese Gefahr; dir gebührt, das Ende zu erreichen. –
Er sprach mit Worten nicht breit.
Der Gott erhöhte seinen Ruhm, gab ihm
Eine goldene Kutsche und Pferde, nie müde mit Flügeln.
Brechend die Stärke des Oinomaos, nahm er das Mädchen und
Brachte sie zu Bett.
Sie gebar ihm sechs Söhne, Herren der Menschen, sie brannten in Tapferkeit.
Nun liegt er auf des Alpheus
Kreuzweg, gemischt mit dem mächtigen Toten.
Sein Grab befindet sich auf dem Altar, wo viele Fremde drängten
Vorüber, aber die Herrlichkeit
Des Pelops sieht fern von Olympia
Zu den Pfaden, wo Geschwindigkeit mit Geschwindigkeit angepasst wird
Und eines Mannes Kraft rau ist auf der Höhe.
Und der Gewinner für den Rest seines Lebens
Hält das Glück neben sich für süßer als Honig,
Soweit die Spiele gehen, aber das Gute, das vom Tag bleibt, hält mit ihm,
Am besten ist es, auf einen Mann zu kommen. Sei es meine Arbeit, zu krönen
In des Fahrers Rhythmus und Spannung
Den äolischen König. Ich glaube
Es ist kein Mensch mehr in beide Richtungen, um Weisheit in schönen
Dingen zu sagen und der Macht das Gewicht zu geben,
Den wir jemals durch Geschick in den Falten des Gesangs verherrlichten.
Einig Gott steht immer über dir, sinniert
In seinem Kopf über das, was du tust,
Hieron. Möge er dich nie verlassen.
So werde ich hoffen, noch einmal zu finden
Sogar ein süßes Wort von Art zu singen und zu helfen den flüchtigen Wagen,
Zu kommen wieder auf den hohen Hügel von Kronos. Für mich
Die Muse in ihrer Macht drängt noch die stärksten Pfeile.
Ein Mann ist ausgezeichnet ein Weg, einer im anderen, der höchste
Erfüllt sich in den Königen. Oh, suche nicht weiter.
Lass es dir genug sein, um diese Zeit auf der Höhe zu gehen.
Lass meines neben dir stehen,
Im Sieg, denn meine Fähigkeiten stehen an der Spitze der Hellenen.

Meine Lieder, die Herren der Leier,


Welchen von den Göttern, welchen Helden, welchen Sterblichen feiern wir?
Zeus hat Pisa, aber Herakles gründete die Olympiade
Von der Beute seiner Kriegsführung;
Aber Theron, für seinen Sieg mit dem Vierer-Wagen, ist der Mann,
Den müssen wir jetzt singen, ihn von der Art in Bezug auf Fremde,
Den Turm Akragantine,
Wählend die Spitze einer hohen Mauer zur Bewachung der Stadt.
In starker Mühsal des Geistes
Waren sie die Augen von Sizilien, die neben dem Fluss gehalten
Das heilige Haus, ihr Schicksal zieht an und bringt Reichtum und
Begeistert die Nahen
Durch die Tapferkeit in ihrem Blut.
Aber, bei der Bewachung, o Kronion, Rheas Sohn, von Olympos’ Thron
Und den Spielen der Herrlichkeit und des Alpheus Kreuzweg,
In milder Stimmung für den Gesang
Ist für dich immer das Land der Väter
Der Rest der Generation. Dinge geschehen
Der Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit, nicht der Zeit, die der Vater
Aller kann am Ende unerfüllt lassen.
Aber Vergesslichkeit kann immer noch kommen mit Glück.
Gram bricht wieder aus der Ruhe, stirbt zuletzt, abgeschreckt
Unter dem Wachsen des Gewichts der schönen Dinge,
Mit Gottes Schicksal fällt
Reichtum tief von oben. So ist die Geschichte für die königlichen
Töchter des Kadmos, die viel ertragenden; Trauer fällt ein totes Gewicht
Als Waren schmelzend in Kraft. Semele
Mit den zarten Haaren, die im Donnerschlag starb,
Lebt auf dem Olympos, geliebt von Pallas immer, von Zeus,
Den besten, ihren Sohn, mit Efeu liebte sie in seinen Händen.
Und sie sagen, dass im Meer
Unter den Töchtern des Nereus in der Tiefe, Ino
Wird das Leben gegeben unvergänglich für alle Zeit.
Aber für sterbliche Menschen
Ist keine Begrenzung vor den Tod gestellt,
Wenn wir zu einem Ende in ununterbrochener Güte bringen
Der Sonne Kind, unser ist der Tag der Ruhe; Strom auf Strom
Der Genüsse mit der Arbeit vermischt senken sich auf Männer.
So die Vorsehung, die von ihrem Vater hat
Die freundliche Führung dieser Männer, doch mit Reichtum geschickt Gott
Verleiht einige Schmerzen uns auch, nachfolgend zurückzukehren.
So der verurteilte Sohn Laios ward getötet,
Als sie sich trafen, und brachte Erfüllung,
Der die Sache vorhergesagt längst am Pytho.
Und Erinys sah ihn in Bitterkeit
Und tötete alle seinen starken Rennen auf der jeweils anderen Seite.
Doch als Polyneikes fiel, blieb Thersandros die Ehre
In der Studie von frischen Schlachten,
Als eine Verzweigung zu schützen das Haus Adrastos.
Aufgerichtet auf seinem Lager, ist es für des Ainesidamos Sohn passend,
Gesänge seiner Ehre und der Leier Klang zu gewinnen.
Er selbst nahm den Preis
Von Olympia, zu seinem Bruder gleich rechts die unparteiischen
Grazien brachten Blüten der Ehre für die zwölf Runden im Wagen-Rennen
Am Pytho am Isthmos; Erfolg
Für die Strebenden wäscht die Mühe des Strebens ab.
Wohl aufwendig mit der Tugend bringt Gelegenheit verschiedene
Taten, sie schultern die grausame Tiefe der Pflege,
Stern-hellen Mannes wahrste
Ausstrahlung, wenn ein Mann bewahrt und kennt die Zukunft,
Wie wir hier sterben, das Herz voll unkontrollierter
Vergeltung, ebenso für die Sünden in diesem Reich Gottes
Gibt es einen Richter unter der Erde. Er gibt Urteilssprüche
In Einschränkung des Zorns.
Aber mit Übernachtungen gleich ewig,
Mit der Sonne gleich in ihren Tagen, die guten Männer
Haben ein Leben ohne Arbeit, beunruhigend die Erde nicht mit Kraft der Hand,
Nicht des Meeres Wasser
Für die Leere des Lebens. Neben den hohen Göttern
Sind sie, die im Einklang des Glaubens Freude haben am Leben,
Ohne Tränen. Der Rest ist ein Blick auf ein leeres Gesicht des Bösen.
Aber sie, die ertragen dreimal über
Der Welt jenseits ihre Seele, sie von aller Sünde frei zu halten,
Sind gegangen Gottes Weg zum Turm der Kronos, es
Fegen Winde vom Meer
Über die Insel der Seligen. Gold-Blumen wie Flammen
Auf dem Land in der Herrlichkeit der Bäume, es ist dem Wasser zugeführt,
Woher sie binden Armbänder um ihre Arme und gehen
Unter dem geraden Dekret von Rhadamanthys,
Dem Ehemann von Rhea, die Hohe thront vor allem,
Unser großer Vater sitzt im Stuhl des Staates daneben.
Sie sagen, Peleus ist da, und Kadmos,
Und seine Mutter mit einem Gebet zur Erweichung von Zeus’ Herz,
Durchgeführt von Achilles dort,
Der gefällt hat Hektor, Trojas unangreifbare
Hohe Säule der Stärke, gab den Tod Kyknos
Und den Äthiopiern, der Eos Kinder. Es gibt viele scharfe Pfeile im Köcher
Unter dem Krummstab meines Armes.
Sie sprechen für das Verständnis, die meisten Männer brauchen Dolmetscher.
Der weise Mann weiß viele Dinge in seinem Blut, das vulgäre
Volk muss unterrichtet werden.
Sie werden nichts sagen. Sie klappern vergeblich wie Krähen
Gegen den heiligen Vogel des Zeus.
Komm, mein Herz, belaste den Bogen zur Marke jetzt. Wen
Werden wir schlagen
In Sanftmut, wenn rutschen barmherzige Pfeile heraus? Gegen Akragas
Wir biegen den Bogen und sprechen
Ein Wort unterm Eid in Aufrichtigkeit des Geistes.
Nicht in hundert Jahren wurde eine Stadt gegeben,
Da ein Mann freundlicher zu seinen Freunden, offener die Hand
Als Theron. Aber Neid lobt,
Wenn er auch nicht mit Gerechtigkeit gekoppelt ist, noch die Lästerer,
Skandal wäre es, Geheimhaltung nach schönen Taten zu setzen
Von edlen Männern. Für der Sande Flucht ist eine Zahl,
Und all die Freude, die Theron hat den anderen gebracht,
Was könnte der Mensch sagen von diesem Maß?

Mein Anspruch ist es, das helle Akragas zu singen und ich bitte die Tyndariden,
Die Liebhaber der Fremde,
Und ihre Schwester Helena mit dem herrlichen Haar,
Um die Gestaltung der Hymne des Olympischen Triumphs für Theron,
Die Geschwindigkeit seiner Pferde
Mit nie müden Füßen. So ist die Muse in der Nähe, als ich gefunden
Einen brandneuen Stil
Und in dorisch gesetzt die Rede
Warf der Akklamation zu. Die Kränze über meinem Haar gebunden sind
Und beeinflussen diese Pflicht in den Händen, von Gott gebildet,
Die Leier der komplizierten Sprache, das Geschrei von Flöten,
Und die Mischung der Wörter,
Für des Ainesidamos Sohn den richtigen Weg, und Pisa gebietet mir zu sprechen.
Von ihr, angetrieben von Gott,
Lieder für einen Mann zu beschleunigen,
Über dessen Augen und Augenbrauen ein aufrechter Richter der Hellenen sitzt,
Ein Aitolier, die Erfüllung der Verordnungen des Herakles
Hat er im Alter gegründet, er hat gegossen
Die blasse Herrlichkeit des Olivenöls so lange her,
Von den schattigen Quellen des Ister,
Hat Amphitryons Sohn mitgebracht, um zu sein
Das schönste Denkmal der Spiele von Olympia.
Auf Grund dessen überredete er die Hyperboreer, Apollons Leute.
In Aufrichtigkeit des Herzens fragte er, für den Hain des Zeus,
Offen für alle, die das Wachstum der Männer und immer Schatten und Krone
Ihrer Tapferkeit haben.
Vor diesem in seiner Zeit, als sein Vater die Altäre heiligte,
In der Mitte des Monats
War es wieder die volle Kugel des Abends,
Reitend in Gold. Er gründete die heilige Prüfung des fünften Jahres der Spiele
Unter den magischen hängenden Hügeln vom Alpheus-Fluss.
Aber der Rasen im Tal des kronischen Pelops blühte
Nicht auf, die Schönheit der Bäume.
Er dachte, der Garten muss nackt davon, es muss der Bestand
Der Sonne scharfe Strahlen aushalten.
Dann war es der Drang, der führte ihn zu einer Reise
Durchs istrische Land. Letos Tochter, die Läufer mit Pferden,
Empfingen ihn, als er von Arkadias Rücken kam und
Sich wickelte ein in den Schluchten,
Wenn auf des Eurystheus Befehl
Das Schicksal seines Vaters hatte ihm geboten,
Die Hirschkuh mit den goldenen Hörnern zu bringen,
Von der einmal Taygeta hatte geschrieben,
Heilig zu sein der Artemis Orthysia.
Auf diesem Botengang sah er das Land, an der Rückseite des kalten Nordens Wind,
Und er stand erstaunt über die Bäume.
Eine süße Sehnsucht kam über ihn,
Auf der Anlage von zwölf Runden laufend vor Ort
Mit Pferden. Jetzt besuchte er in Güte das Festival mit
Den göttlichen Zwillingen,
Den Kindern der tiefgegürteten Leda.
Er kam zum Olympos und überließ den Helden die Führung der
Großartigen Spiele,
Ein Mann könnte und der Wagen die Geschwindigkeit abwickeln.
Ich will reden, denn mein Herz treibt mich: auf die Kinder Emmenos
Und Theron die Herrlichkeit in den Händen der herabgestiegenen
Tyndariden kam, da die anderen
Sie versöhnen am reichhaltigen Festmahls-Tisch,
Und hielten in Ehrfurcht des Herzens der Götter Geheimnisse.
Aber wenn Wasser ist am besten von allen Dingen,
Und Besitz von Gold am gütigsten,
Noch in den Tugenden der Männer
Theron ist in die Heimat der äußersten gekommen,
Des Herakles Säulen,
Und hat sie berührt. Jenseits kein kluger Mann kann schreiten;
Keiner täuschen. Ich werde es nicht wagen, ein Narr zu sein.
4

Mächtigster Fahrer der furchtlosen Geschwindigkeit des Blitzes,


Zeus! Die kreisenden Horen dir,
Sie brachten mich zu bezeugen
Die breite Stärke der höchsten Errungenschaften
Durch Gesang und die vielerfahrene Leier.
Bei Freunden viel Glück, das edle Steigen zu begrüßen,
Die süße Nachricht.
Sohn des Kronos, Herr vom Ätna,
Dein Hochofen des hundertköpfigen Typhons Not,
Im Namen der Grazien
Akzeptiere dieses Lied des Olympiasiegs,
Das Licht endlich aus der breiten Stärke der Tapferkeit.
Denn es fährt die Räder Psaumis,
Die Stirn beschattet von Olivenkränzen
Von Pisa, nach Hause kommend, bringt er Ruhm
Nach Kamarina. Möge Gott freundlicherweise
Seine Gebete erhören im Jenseits; ich habe Lob für ihn.
Ein scharfer Händler von Pferden,
Er freut sich an der Gastfreundschaft seiner Freunde;
Und sein Gesicht mit sauberen Zweck wendet er in Richtung Frieden,
Der liebt die Städte.
Ich wird nicht steil reden in meiner Rede,
Die Prüfung eines jeden Menschen liegt in der Aktion.
So der Sohn Klymenos
War frei von Schande
In den Händen der Frauen von Lemnos.
Als er gewann das Rennen in der Bronze-Rüstung
Und kam zu seiner Girlande Hypsipyle, sprach er:
Hier bin ich in meiner Geschwindigkeit.
Meine Hände sind so gut wie mein Herz.
Viel in einer Zeit kommen auch auf junge Männer graue Haare
Gegen die Wahrscheinlichkeit ihrer Jugend.

Akzeptiere, du Tochter des Ozeans, in Güte des blühenden Herzens


Die hohen Taten und olympischen Girlanden begeisternd
Für den Maultier-Wagen und die unermüdlichen Füßen,
Akzeptiere diese Geschenke aus Psaumis.
Zur Steigerung deiner Stadt Kamarina, die ihr Volk fördert,
Er ehrte sechs Doppel-Altäre an den hohen Festen der Götter
Mit dem Opfer von Ochsen und mit Fünf-Tage-Spielen, Rennen
Des Teams, Maultiere, einzelne Pferde. Ein Gewinner, er
Widmete den zarten Glanz
Und verkündete seinen Vater Akron und die neue etablierte Wohnung.
Er kommt aus dem schönen Bezirk von Oinomaos und Pelops
Und wieder hebt er, Pallas, Hüterin der Stadt, dein heiliges Holz,
Deines Flusses Oanis mit dem See in der Nähe,
Und die stattlichen Kanäle, wobei des Hipparis Gewässer sind für das Volk.
Mit Geschwindigkeit schweißt er den hochstehenden Wald
Zusammen zu Häusern,
Er bringt wieder aus Verzweiflung das Licht diesem Volk, seinen Bürgern.
Immer Begleiter der Tapferkeit, der Arbeit und der Substanz
Im Kampf um den Sieg,
Das Ende von Gefahr verschleiert;
Aber wenn es den Menschen gelingt,
Glauben sogar ihre Nachbarn ihnen weise.
O Retter Zeus, hoch in den Wolken, zu Hause auf dem Kronion-Hügel,
Mit Ehre für den breiten Rahmen des Alpheus und die heilige
Höhle von Ida,
Ich komme zu dir als ein Bittsteller, spreche zu lydischen Flöten.
Ich werde dich bitten, diese Stadt zu verherrlichen mit Ruhm
Der guten Menschen, und du, Olympiasieger, kannst tragen
Dein Alter im Glück zu seinem Ende mit Freude an Poseidons Pferden,
Deine Söhne stehen neben dir, Psaumis. Aber wenn man Wasser
In der Blüte des Reichtums hat
Im Überfluss des Stoffes
Und schönen Ruhm auch,
Lass ihn nicht versuchen, Gott zu werden.

LIVIUS
DES ROMULUS HIMMELFAHRT

Als Romulus,
Um das Heer zu mustern,
Eine Heeresversammlung
Auf dem Marsfeld abhielt,
Entstand plötzlich
Ein Unwetter
Mit großem Dröhnen
Und Donnerschlägen
Und bedeckte den König
Mit einer so dichten Staub-Wolke,
Dass sie den Blick auf ihn
Der Heeresversammlung wegnahm;
Und dann ist Romulus
Nicht mehr auf Erden gewesen.
Sobald die römischen Jugend
Den leeren Königssitz
Erblickt hatte,
Verharrten sie,
Auch wenn sie den Vätern Senatoren,
Die ganz in der Nähe
Gestanden hatten,
Zu Genüge glaubten,
Dass Romulus
Durch den Sturm
In die Höhe
Entrückt worden sei,
Dennoch wie von Furcht
Vor dem Verlust betroffen
Eine Zeitlang
In traurigem Schweigen verharrten.
Nachdem von wenigen
Der Anfang gemacht worden war,
Begrüßten alle
Romulus als Gott,
Von einem Gott abstammend,
Als König und Vater
Der Stadt Rom.
Sie erflehten
Unter Bitten
Frieden,
Dass er seine Nachkommen
Immer huldvoll behüte.
Ich glaube,
Dass es auch damals
Einige gab,
Die insgeheim erklärten,
Dass Romulus
Eigenhändig von den Vätern
In Stücke gerissen worden sei;
Es verbreitete sich nämlich auch dieses,
Allerdings sehr dunkle Gerücht;
Jenes andere Gerücht
Machten die Bewunderung
Für den Mann Romulus
Und die gegenwärtige Furcht bekannt.
Auch soll durch die Besonnenheit
Eines einzigen Mannes
Der Sache der Entrückung
Des Romulus
Glaubwürdigkeit hinzugefügt worden sein.
Denn Proculus Julius trat,
Weil die Bürgerschaft
Durch die Sehnsucht
Nach dem König beunruhigt
Und den Senatoren
Feindlich gesinnt war,
Als gewichtiger Gewährsmann
Eines bedeutenden Vorganges
Öffentlich in der Versammlung auf.
Er sprach:
Romulus, ihr Römer,
Der Vater dieser Stadt,
Trat mir heute
Bei Tagesanbruch
Plötzlich entgegen,
Nachdem er vom Himmel
Herabgeglitten war.
Als ich, von heiligem Schauer durchströmt
Und ehrfürchtig,
Stehen geblieben war
Und inständig bat,
Dass es mir erlaubt sei,
Ihm ins Angesicht zu sehen,
Erwiderte er:
Geh weg!
Melde den Römern,
Dass die Himmlischen
Es so wollen,
Dass mein Rom
Hauptstadt des Erdkreises sei!
Daher sollen sie
Das Kriegswesen pflegen,
Selbst kennen
Und ihren Nachkommen
Es so weitergeben,
Dass keine menschliche Macht
Den römischen Waffen
Widerstehen kann!
Nachdem er dies gesprochen hatte,
Entschwand er durch die Luft
In die Höhe.

ANTIKE TEXTE

Voller Wehmut sank in Dionas Schoß Göttin Venus,


Mütterlich hielt umarmt die Mutter die göttliche Tochter,
Streichelte sie sehr zärtlich und begann mit der Rede:
Wer misshandelte dich, o Tochter, wer von den Göttern
Hat dich misshandelt, als hättest du eine Sünde begangen?
Darauf sprach mit lieblichem Lächeln die göttliche Venus:
Mich traf Diomedes, der stolze Ritter im Kriege,
Weil ich Äneas aus der Schlacht trug, den Sprössling der Venus,
Den ich am meisten liebe unter allen sterblichen Menschen.
Lächelnd vernahm es der himmlische Vater der Götter und Menschen
Und er rief die Göttin zu sich und sagte zu Venus:
Tochter Gottes, sorge dich nicht um die Werke des Krieges,
Kümmre dich lieber um die süßen Werke des Bettes,
Für die Kriege sorgen nämlich schon Mars und Minerva.

(Homer)

Einst in ihrem Schoße seufzte die Göttin der Erde


Von dem Jammer bedrängt und dachte an listige Künste
Und so machte sie ein Erzeugnis aus graublauem Stahle,
Machte eine gewaltige Sichel, belehrte die Kinder,
Ihre Kinder ermutigend, denn die Göttin war zornig:
Meine Kinder und Kinder eures grausamen Vaters,
Ihr sollt mir gehorchen, so rächen wir uns am Vater,
Rächen alle Beleidigungen, die er uns antat!
Da erfasste Angst die Kinder und keiner von ihnen
Sagte ein Wort, als einziger sagte der denkende Kronos
Voller Mut und Zorn zu seiner erhabenen Mutter:
Mutter, ich willige ein, ich möchte gerne vollenden
Dieses Werk, ich bin nicht traurig um meinen Erzeuger,
Der mir so viel Schlimmes angetan, furchtbarer Vater.
Als er das sagte, freute sich sehr die Göttin der Erde,
Sie versteckte den Sohn und gab in die Hand ihm die Sichel
Und sie lehrte ihn weise Künste und heimliche Listen.
Da kam der gewaltige Vater und brachte die Nacht mit,
Voller Begierde nach Wollust umarmt er die Göttin der Erde.
Aus dem sichern Versteck mit seinen Händen griff Kronos
Nach der Sichel und senste dem mächtigen Vater des Himmels
Seine Genitalien ab und warf sie hinunter.
Da die Genitalien fielen hinunter zur Erde,
Aus den blutigen Tropfen zeugte die Erde Giganten,
Zeugte schreckliche Furien, Rachegöttinnen furchtbar!
Doch aus dem Blut erstanden auch die melischen Nymphen!
Aber als der Sohn die Genitalien abschlug
Und das Glied und die Hoden des Vaters fielen ins Wasser,
Schwammen Glied und Hoden lange Zeit auf den Wellen.
Dann erhob sich weißer Schaum am Mannesglied Gottes
Und aus dem Schaum erblühte ein allzu reizendes Mädchen,
Die zuerst Kytheras heiliger Insel genaht ist
Und von Kythera kam sie zum meerumgürteten Zypern.
Dort stieg die wunderschöne heilige Göttin ans Ufer
Und es sprossten Gräser unter den zärtlichen Füßen.
Götter und Menschen nennen sie schaumgeborene Göttin
Und es ist mit ihr der kleine Amor auf all ihren Wegen,
Als sie, eben dem Meeresschaum nackend entstiegen, hinauffuhr
Zu den olympischen Göttern, und dies ist ihr göttliches Erbe:
Schmeichelworte der schönen Frauen, charmantestes Lächeln,
Süße Wollust und heiße Umarmung und Künste der Liebe!

(Hesiod)

Venus, die wunderschöne, die golden bekränzte, die reine,


Venus sing ich, Herrscherin ihres Inselreichs Zypern.
Dahin trug sie das leichte Wehen des flüsternden Westwinds
Über das Wogen des rauschenden Meeres im weißlichen Schaume.
Es umfingen die heiligen Horen sie, voll stiller Freude
Und sie legten ihr an die schönste durchsichtige Seide,
Krönten das Haupt der Göttin mit einer goldenen Krone,
Schmückten die Ohrläppchen mit den blitzendsten Ohrringen silbern,
Ihren schlanken Hals und ihre schneeweißen Brüste
Schmückten sie mit goldenen Kettchen, wie selber sie tragen,
Darum nennt man sie auch die Horen mit goldenen Kettchen,
Wenn sie im Haus des Vaters erscheinen zu reizendem Bauchtanz.
Als sie die Göttin geschmückt mit manchem leuchtenden Schmuckstück,
Führten die Horen die Göttin zu den himmlischen Göttern.
Jeder der Götter sah sie und reichte freundlich die Hand ihr,
Alle staunten über die Schönheit der Göttin der Schönheit,
Jeder begehrte sie zur Braut im eigenen Bette!
Heil, o Venus, Schmeichlerin mit den betörenden Blicken,
Meiner Hymne verleih den Sieg im Wettstreit der Dichter,
Ewig soll dein Ruhm erschallen in meinen Gesängen.

(homerische Hymne)

Schaut doch dieses schöne Bildnis!


Eine Meisterhand hat Meere
Blau gemalt auf weißer Leinwand.
Was war das für ein verzückter
Genius, der diese weiße
Venus auf dem blauen Meere
Schuf, die Göttin aller Götter!
Nackend zeigt er sie den Augen,
Nur was zu intim an ihr ist,
Das verhüllt die weiße Welle.
Wie die Lotosblume schaukelnd
Treibt sie auf dem blauen Meere,
Angelehnt an hohe Wellen,
Treibt sie durch den Schwall des Gischtes.
Über ihren straffen Brüsten,
Unter ihrem schlanken Halse
Teilt sich eine hohe Woge.
Mitten in des Mittelmeeres
Weißem Schaume glänzt die Venus
Wie die Lilie unter Veilchen.
Auf den Silberfluten wiegen
Sich auf schwimmenden Delphinen
Neckische Eroten, listig
Lächelnd zu der Menschen Torheit.
Eine Schar gebogner Fische
Überschlägt sich in den Fluten,
Scherzend um der Göttin Körper,
Die da lächelnd schwimmt im Meere.

(Anakreontisch)

Nun kam ein Herold und brachte mit sich die tönende Harfe
Für den Sänger Demodokos. Er trat stolz in die Mitte
Und die blühenden Knaben um ihn, die herrlichen Tänzer,
Und mit schwebenden Füßen entschwebten die blühenden Knaben.
Und Odysseus sah bewundernd die tanzenden Füße.
Lieblich rauschte die Harfe, dann sang der Sänger die Hymne,
Sang der Meister die Liebe von Mars und der göttlichen Venus,
Wie sie sich beide in Vulkanus’ herrlicher Wohnung
Heimlich vereinigt! Viel Liebe schenkte der Gott seiner Göttin
Und befleckte das Ehebett des Feuerbeherrschers.
Aber Sol, der Sonnengott, brachte Vulkanus die Botschaft,
Der den Gott und die Göttin gesehen bei heimlicher Paarung.
Da Vulkanus die kränkenden Wort der Sonne vernommen,
Eilte er schnell in die Schmiede und plante gehässige Rache,
Stellte den Amboß auf und schmiedete goldene Ketten,
Um auf ewig zu binden die ehebrechenden Götter.
Da er nun das gemeine Werke im Zorne vollendet,
Ging er in das Schlafzimmer, wo das Ehebett strahlte,
Spannte um die Pfosten des Bettes die goldenen Fesseln,
Manche ließ er hängen hoch vom Gewölbe des Zimmers
Zart wie Spinnenweben, die nicht einmal Götter erblicken,
Allzu zart gewoben waren die goldenen Fesseln.
Mars entschlief nicht, der muskulöse Held in den Kriegen,
Als er hörte, der Schmied Vulkanus würde verreisen.
Stürmisch eilte Mars zur Wohnung des Feuerbeherrschers,
Hingerissen von seiner Begierde zur göttlichen Venus.
Venus war eben von dem allmächtigen Vater im Himmel
Wiedergekommen und saß in ihrem gemütlichen Sessel.
Mars trat ein in die Wohnung und küsste die Hand seiner Göttin
Und er sprach mit verliebter Stimme zu der Geliebten:
Komm, Geliebte, ins Bett! Wir wollen Liebe machen!
Ist Vulkanus doch nicht zu Haus, er ist bei den Barbaren.
Dies sprach Mars und der Venus war willkommen die Rede
Und sie bestiegen das Bett und lagen Seite an Seite.
Da umschlangen die beiden die goldenen Fesseln Vulkanus’
Und sie konnten ihre Glieder nicht mehr bewegen.
Nun erst merkten sie, dass sie nicht mehr könnten entfliehen.
Und es trat zu ihnen der hinkende Feuerbeherrscher,
Stand in dem Haus mit einer Seele voller Verzweiflung,
Still stand er im Flur und voller Eifersucht schrie er:
Vater Jupiter und ihr andern unsterblichen Götter,
Kommt und schaut die Unzucht, schaut den Ehebruch, schaut nur,
Wie mich hinkenden Kerl die Tochter Gottes geschmäht hat
Und den Gott des Krieges umarmte, nur weil er schön ist,
Wohlgestalteten Körpers, aber ich bin ein Krüppel!
Weh mir! Hätten mich doch niemals gezeugt meine Eltern!
Schaut, wie diese beiden in meinem eigenen Bette
Liegen lasziv in schmachtender Wollust und machten Liebe!
Ah, das Herz zerspringt mir bei diesem Anblick in Stücke!
Aber in Zukunft werden sie nicht mehr so liegen beisammen,
Wie verhurt sie auch sind, sie werden nicht wieder begehren,
So beieinander zu liegen in meinem eigenen Bette!
Denn ich halte sie fest in meinen goldenen Fesseln,
Bis der Vater im Himmel mir alle Geschenke zurückgibt,
Die ich als Bräutigam gab für seine göttliche Hure!
Venus ist schön, ja reizend, allein voll Sünde im Herzen!
Dies sprach Vulkanus. Da eilten zur Wohnung die Götter,
Neptun kam, der Blaugelockte, Merkurius gleichfalls,
Der die Toten geleitet, es kam der Schütze Apollo,
Aber die keuschen Göttinnen blieben in ihren Gemächern.
In dem Flur der Wohnung standen die Spender des Guten,
Standen die Götter und lachten ihr olympisches Lachen!
Und es sprach ein Gott zu einem anderen Gotte:
Böses trägt keine Frucht! Der Langsame fängt doch den Schnellen,
So ertappte Vulkanus, der Lahme, Mars, den Geschwinden,
Einzig durch Kunst. Nun büßt es Mars, der die Ehe gebrochen.
Solches sprachen die himmlischen Götter untereinander.
Aber der fernhintreffende Gott Apoll zu Merkur sprach:
O Merkur, du Sohn der Maja, Geleiter der Toten,
Hättest du Lust auf diese Art gefesselt zu werden
Und im Bette beizuwohnen der heiligen Venus?
Ihm erwiderte dies Merkur, der Geleiter der Toten:
Ach das wäre zu schön, ferntreffender Schütze Apollo,
Fesselten mich auch dreimal so viele goldene Fesseln
Und die Götter sähen mich und die Göttinnen gleichfalls,
Siehe, ich schliefe zu gern doch mit der reizenden Venus!
Dies sprach Merkur, da lachten laut die olympischen Götter.
Und Vulkanus löste vom Bett die goldenen Fesseln,
Und der Gott und die Göttin, der Fesseln entledigt,
Sprangen kraftvoll vom Bett empor. Der Kriegsgott enteilte.
Venus ging nach Zypern, die Freundin charmantesten Lächelns,
Ging in den heiligen Hain von Paphos, trat zum Altare,
Wo die Priesterinnen Weihrauch opfern der Venus,
Wo die Grazien wuschen im Bade die nackende Venus
Und sie salbten mit ambrosisch duftendem Salböl
Und sie kleideten mit dem schönsten durchsichtigen Kleidchen!
Dies war die Hymne des berühmten Demodokos. Herzlich
Freute sich Odysseus an der heiligen Hymne.

(Homer)

Wem auf Erden ist nicht bekannt die schöne Geschichte,


Wie Vulkanus voll List Venus gefangen und Mars?
Mars ward schrecklich gequält von starker Begierde nach Venus,
Er, sonst Ritter im Krieg, wurde von Amor besiegt!
Venus war ihm gern zu Willen, die willige Göttin,
Keine der Göttinnen sonst war je so willig wie sie!
Oftmals hat sie mit Mars verspottet die hinkenden Füße
Ihres lahmen Gemahls, der nur der Arbeit gelebt,
Vor dem Geliebten ahmte sie nach den hinkenden Gatten,
Aber die Hinkende selbst war noch voll göttlichem Reiz!
Aber nur heimlich liebten sich sinnlich der Mars und die Venus,
Heimlichkeit deckte den Akt ihrer Vereinigung zu.
Aber durch Sols Verrat erfuhr Vulkanus der Gattin
Liebesspiele. Wer täuscht jemals den strahlenden Sol?
Warum tatest du das, o Sol? Um göttliche Gnaden
Bitte die Göttliche du, Gnaden gewährt sie ja gern!
Rund um der Venus Bett Vulkanus webte nun Schlingen,
Unsichtbar jeglichem Blick, sehen auch Himmlische scharf.
Die Barbaren wollt er besuchen, so sagte Vulkanus,
Mars und Venus, ganz nackt, liebend vereinigten sich.
Da fing die beiden Liebenden der Beherrscher des Feuers
In dem künstlichen Werk, das er geflochten ums Bett.
Nun rief er die Götter und zeigte die Liebenden allen,
Venus, sagt der Poet, weinte beinahe vor Wut!
Mit den Händen bedeckte die Schönheitsgöttin das Antlitz,
Aber nicht ihre Brust, aber auch nicht ihren Schoß!
Lächelnd möchte wohl mancher Freund der Götter hier sagen:
Willst du die Fesseln nicht, Mars, gib du die Fesseln nur mir!
Gerne wollt ich gefesselt sein, von Göttern belächelt,
Läg ich mit Venus im Bett, Liebe zu machen mit ihr!
Kaum befreite Vulkanus von den Fesseln die beiden,
Eilte Mars schon davon, und auch die Venus entwich,
Sie entwich nach Zypern in die heiligen Haine.
Was hat das dir genützt, Dummkopf Vulkanus? Denn nun
Treiben der Gott und die Göttin öffentlich freie Liebe
Ohne Keuschheit und Scham, öffentlich lieben sie sich!
Oftmals musst du nun fluchen, Vulkanus, wie dumm du gehandelt,
Und es hat dich schon längst oft deine Torheit gereut.

(Ovid)

Adonis war der Sohn der Smyrna. Diese ehrte die göttliche Venus nicht, da brach die Strafe der
Göttin über Smyrna herein, so dass sie zwölf Nächte lang mit ihrem eigenen Vater schlief, ohne
dass der Vater wusste, mit wem er schlief. Als er es aber in der dreizehnten Nacht entdeckte,
verfolgte er seine Tochter und wollte sie töten. Smyrna bat die Götter, sie zu retten. Da
verwandelten die Götter Smyrna in den Myrrhenbaum. Neun Monde später spaltete sich die Myrrhe
und Adonis erblickte das Licht der Welt. Venus sah das Kind, und da es von solcher strahlenden
Schönheit war, verbarg die Göttin das Kind in einem Binsenkorb, mit Pech verklebt, und übergab
ihn der Kore. Als aber Kore den kleinen Adonis entdeckte, der so schön war, wollte sie ihn ganz für
sich. Die beiden Göttinnen Venus und Kore stritten um Adonis, welche ihn haben dürfe. Da
entschied Jupiter, der Vater der Götter und Menschen, dass Adonis ein Drittel seines Lebens einsam
leben solle, ein Drittel seines Lebens solle er mit Kore zusammenleben, und ein Drittel seines
Lebens dürfe er der Venus widmen. Adonis aber verzichtete auf die Einsamkeit und fügte seine
eigene Zeit der Zeit der Venus hinzu.

(antikes Lehrbuch)

In dem Myrrhenbaum ward der in Unzucht empfangene Knabe


Reif und suchte den Weg, die Mutter Myrrha verlassend,
Dass er käme zum Licht. Der Schoß schwoll mitten im Baume,
Keine Worte hatte die Mutter für all ihre Schmerzen,
Dennoch tut es der Myrrhenbaum der Gebärenden gleich und
Bebt unter Schmerzen der Wehen, und stößt manch schrecklichen Schrei aus.
Und es spaltete sich der Baum und gab aus der Rinde
Lebend den Knaben heraus. Sein erster Laut war ein Weinen.
Schön war er wie die kleinen nackten Götter der Liebe,
Fehlte ihm dazu nur der Pfeil und Bogen und Köcher.
Aber unmerklich enteilt die geflügelte Zeit, sie betrügt uns!
Nichts ist schneller vorbei als der Jahre Vergehen,
Eben war er noch ein kleines niedliches Kindlein,
Dann ein neckischer Knabe, und schon jugendlich ist er,
Und schon ist er ein junger Mann von strahlender Schönheit.
Schon ist Venus dem schönen Manne gänzlich verfallen:
Amor hat den Busen der göttlichen Venus verwundet!
Nun entflammt von dem schönen jungen Manne, vergisst sie
Ihre heiligen Haine auf den Inseln des Meeres,
Sie besucht nicht mehr Zypern, sie besucht nicht mehr Knidos,
Sondern Adonis zieht sie vor selbst olympischem Himmel!
Venus hängt an Adonis wie eine klebrige Klette,
Venus folgt Adonis wie die Hündin dem Hirten,
Immer will sie mit ihm ruhen im Schatten der Bäume,
Will mit Salböl seine männliche Schönheit ihm pflegen,
Und sie zieht mit ihm durch die Wälder und Felder des Sommers,
Unbehindert vom langen Gewand, nur im kürzesten Röckchen,
Jagt sie mit ihren Hündinnen Hirsche mit hohen Geweihen,
Aber sie warnt Adonis vor den Wölfen und Bären,
Aber sie warnt Adonis vor den Löwen und Ebern:
Diese wilden Eber hass ich am heißesten, sprach sie!
Nach der Warnung fuhr sie rasch davon durch die Lüfte
In dem Muschelwagen, von schneeweißen Schwänen gezogen.
Aber Adonis achtete nicht auf die göttliche Warnung,
Seine Hunde stöberten auf das Wildschwein, den Eber,
Und der Eber stößt die Hauer dem Manne Adonis
In die Seite und stürzt ihn nieder, tödlich getroffen!
Venus hatte auf fliegendem Wagen noch Zypern erreicht nicht,
Als sie hörte von fern des Adonis röchelndes Sterben!
Venus lenkte ihr Schwanengespann von der Höhe des Äthers
Zu dem Sterbenden, der da zappelnd im eigenen Blut lag!
Venus zerriss sich das hauchdünne Kleidchen, zerraufte die Mähne,
Schlug sich jammernd an die Brüste und zürnte dem Schicksal!
Tot ist Adonis! Aber es bleibe ein Denkmal der Trauer,
Aus dem purpurnen Blute soll wachsen die purpurne Rose!
Ach, Adonis, dein Tod soll jährlich begangen als Feier
Werden und Klageweiber sollen dich jährlich beweinen!
Du aber lebe als rote Rose, die Blume der Liebe,
Denn unsterblich ist die Liebe, unendlich die Liebe!
Groß ist die Unendlichkeit, größer die Liebe der Venus!

(Ovid)

HOMERS ODYSSEE ERSTER GESANG

Sag mir, o Muse, von diesem genialen Helden, der weit gereist ist, nachdem er entlassen war aus
der berühmten Stadt Troja. Viele Städte hat er besucht, und viele waren die Nationen, mit deren
Sitten und Gebräuchen er bekannt war, außerdem litt er viel auf dem Seeweg beim Versuch, sein
eigenes Leben zu retten und seine Männer sicher nach Hause zu bringen, aber er konnte nicht retten
seine Männer, denn sie kamen durch eigene Torheit um, da sie fraßen die Rinder des Sonnengottes
Hyperion; so der Gott hinderte sie daran, jemals nach Hause zu kehren. Sag mir über all diese
Dinge, o Tochter des Zeus, aus welcher Quelle auch immer du dies weißt.

So, jetzt alle, die dem Tod in der Schlacht oder durch Schiffbruch entkommen waren, kamen sicher
nach Hause, außer Odysseus, und er, obwohl er sich danach sehnte, zu seiner Frau und seinem Land
zurückzukehren, wurde von der Göttin Kalypso, die lebte in einer großen Höhle, festgehalten, weil
sie ihn heiraten wollte. Aber wie die Jahre vergingen, kam eine Zeit, da die Götter beschlossen, dass
er zurückkommen sollte nach Ithaca; selbst dann jedoch, wenn er unter seinen eigenen Leuten war,
waren seine Probleme noch nicht vorbei, dennoch alle Götter hatten jetzt begonnen, Mitleid mit ihm
zu haben, außer Poseidon, der ihn immer noch ohne Unterlass verfolgte und ließ ihn nicht nach
Hause kommen.

Jetzt Poseidon war zu den Äthiopiern gegangen, die am Ende der Welt lebten, und wohnen in zwei
Hälften, die eine mit Blick nach Westen und die andere mit Blick nach Osten. Er hatte dort eine
Hekatombe Schafe und Rinder angenommen, und amüsierte sich bei seinem Fest, aber die anderen
Götter trafen sich im Haus des olympischen Zeus, und der Vater der Götter und Menschen sprach
zuerst. In diesem Moment dachte er an Ägisthus, der von Agamemnons Sohn Orestes getötet
worden war, da sagte er zu den anderen Göttern :

"Seht jetzt, wie die Menschen uns Göttern die Schuld geben für das, was doch nichts ist als ihre
eigene Torheit, das sieht man an Ägisthus; musste er notwendigerweise Liebe machen mit
Agamemnons Frau in Ungerechtigkeit und dann töten Agamemnon, obwohl er es war, der für den
Tod bestimmt war? Denn ich sandte Hermes, ihn zu warnen, nicht eins dieser beiden Dinge zu tun,
da Orestes würde sicher Rache nehmen, wenn er aufgewachsen ist und wird nach Hause
zurückkehren, so hab ich gesendet Hermes und der sagte ihm dies alles guten Willens, aber er
wollte nicht hören, und nun hat er für alles in voller Höhe bezahlt."

Dann sagte Athene: "Vater, Sohn des Saturn, König der Könige, es geschah Ägisthus recht, und
wäre es auch jemand anderes, der wie er tut, aber Ägisthus ist weder hier noch dort, es ist wegen
Odysseus, dass mein Herz blutet, wenn ich an seine Leiden denke auf dieser einsamen
seeumfangenen Insel, weit weg, der arme Mann, von allen seinen Freunden. Es ist eine Insel mit
Wald bedeckt, genau in der Mitte des Meeres, und eine Göttin lebt dort, die Tochter des Zauberers
Atlas, der sieht nach dem Grund des Ozeans und trägt die großen Säulen, die Himmel und Erde
auseinander halten. Diese Tochter des Atlas hat festgehalten den armen, unglücklichen Odysseus
und versucht immer wieder durch jede Art von Schmeichelei, ihn vergessen zu machen seine
Heimat, so dass er müde des Lebens ist und denkt an nichts, als wie er noch einmal den Rauch
seines eigenen Schornsteins sehen kann. Du, Herr, beherzige dies, denn als Odysseus vor Troja war,
hat er dich nicht besänftigt mit vielen Brandopfern? Warum bist du denn so wütend auf ihn?"

Und Zeus sagte: "Mein Kind, was redest du? Wie kann ich vergessen, dass es einen wie Odysseus
unter den Menschen auf der Erde nicht noch einmal gibt, noch einen, der freigebiger wäre in seinen
Gaben an die unsterblichen Götter, die im Himmel leben? Denke daran jedoch, dass Poseidon
immer noch wütend ist auf Odysseus, weil er ein Auge geblendet von Polyphem, dem König der
Zyklopen; Polyphem ist Sohn Poseidons von der Nymphe Thoosa, der Tochter des Meereskönigs
Phorcys; daher, obwohl er nicht tötet Odysseus geradezu, er quält ihn und verhindert, dass er nach
Hause kommt, und so lass uns unsere Köpfe zusammenlegen und sehen, wie wir ihm helfen
können; Poseidon wird dann befriedigt sein, denn wenn wir alle einer Meinung sind, kaum er nicht
gegen uns stehen."

Und Athene sagte: "Vater, Sohn des Saturn, König der Könige, wenn dann die Götter Odysseus
nach Hause kommen lassen, ich meine, wir sollten zuerst senden Hermes nach Ogygia, der Insel,
und Calypso sagen, dass wir unseren Geist befragt, und dass er zurückkehren soll, in der
Zwischenzeit werde ich nach Ithaka gehen, mich ans Herz des Odysseus-Sohnes Telemach setzen,
ich werde ihn ermutigen, die Achäer zu einer Versammlung zu berufen, und werde sprechen mit den
Freiern seiner Mutter Penelope, die fortfahren zu fressen eine beliebige Anzahl seiner Schafe und
Ochsen, ich werde ihn auch führen nach Sparta und Pylos, um zu sehen, ob er etwas über die
Rückkehr seines geliebten Vaters erfahren kann und wie die Menschen Gutes von ihm reden.“
So sagte sie auf ihren glitzernden goldenen Sandalen, den unvergänglichen, mit denen sie wie der
Wind über Land oder Meer fliegen kann, sie ergriff den gefürchteten bronzebeschlagenen Speer, so
dick und robust und stark, womit sie leert die Reihen der Helden, die haben ihr missfallen, und sie
stürzte sich von dem obersten Gipfel des Olymp, worauf sie unverzüglich in Ithaca war, vor den
Toren von Odysseus’ Haus, verkleidet als Besucher, als Mentes, Häuptling der Taphier, und sie hielt
einen Bronzespeer in der Hand. Dort fand sie die herrschaftlichen Freier auf Häuten der Ochsen
sitzen, die sie getötet und gegessen hatten, und beim Brettspiel vor dem Haus sitzen. Knechte und
Mägde waren geschäftig, ihnen aufzuwarten, einige gossen eine Mischung von Wein mit Wasser in
die Becher, einige reinigten die Schalen mit nassen Schwämmen, und einige zerschnitten große
Mengen von Fleisch.

Telemach sah sie lange, bevor irgend ein anderer sie sah. Er wurde mürrisch, saß mitten unter den
Freiern, denkt über seinen tapferen Vater nach, und wie er ihm die Fliegen aus dem Haus scheuchen
könne, wenn er in sein Eigenes wieder kommen wird und wie in vergangenen Tagen geehrt werden
sollte. So grübelte er, wie er unter ihnen saß, da erblickte er Athene und ging geradewegs auf das
Tor zu, denn er ärgerte sich, dass ein Fremder festgehalten werden und auf den Einlass warten
sollte. Er nahm ihre rechte Hand in seine eigene Hand, und bat sie, ihm ihren Speer zu reichen.
"Willkommen", sagte er, "in unserem Haus, und wenn du von Lebensmitteln gegessen hast, musst
du uns sagen, weswegen du gekommen bist."

Er führte so die Weise, wie er sprach, und Athene folgte ihm. Als sie drin waren, nahm er ihren
Speer und legte ihn zu den Speeren, zusammen mit den vielen anderen Speeren seines
unglücklichen Vaters, und er führte sie zu einem reich verzierten Sitz, über den er ein Tuch aus
Damast warf. Es war ein Schemel auch für ihre Füße da, und er setzte einen anderen Stuhl in ihre
Nähe für sich selbst, fern von den Freiern, dass sie nicht genervt werde beim Essen von ihren Lärm
und ihrer Unverschämtheit, und dass er vielleicht mit ihr freier über seinen Vater sprechen konnte.

Eine Magd dann brachte ihr Wasser in einer schönen goldenen Kanne und goss es in eine silberne
Schale für sie, ihre Hände zu waschen, und sie zog einen sauberen Tisch zu ihr. Ein höherer Diener
brachte ihr Brot, und bot ihr viele gute Dinge von dem, was es in dem Haus gab, holte ihr Platten
aller Art von Fleisch und stellte Becher aus Gold an ihre Seite, und ein Diener brachte ihr Wein und
goss ihn für sie ein.

Dann kamen die Freier herein und nahmen ihre Plätze auf den Bänken und Sitzen ein. Unverzüglich
gossen Knechte Wasser über ihre Hände, gingen Mägde herum mit den Brotkörben, sie füllten die
Schüsseln mit Wasser und Wein, und sie legten ihre Hände auf die guten Dinge, die vor ihnen
waren. Sobald sie genug zu essen und zu trinken hatten, wollten sie Musik und Tanz, die Krönung
eines Banketts, so brachte ein Diener eine Leier dem Phemios, den sie gezwungen notgedrungen,
vor ihnen zu singen. Sobald er berührte seine Leier und begann zu singen, sprach Telemach zu
Athene, mit dem Kopf ihr nah, dass kein Mensch etwas hören konnte.

"Ich hoffe, Herr", sagte er, "dass du nicht von dem, was ich sagen werde, beleidigt sein wirst.
Singen ist recht für diejenigen, die nicht dafür bezahlen, und das alles auf Kosten eines Menschen,
dessen Knochen liegen verfaulend in irgendeiner Wüste oder zermalmt zu Pulver in der Brandung.
Wenn diese Männer sehen meinen Vater wieder nach Ithaka kommen, werden sie um längere Beine
beten, anstatt um einen längeren Geldbeutel, denn Geld würde ihnen dann nicht dienen; aber er, ach,
ist gefallen durch ein schlimmes Schicksal, und selbst wenn die Leute manchmal sagen, dass er
wiederkommt, beachten wir sie nicht, wir werden ihn nie wieder sehen. Und nun, Herr, sag es mir,
und sage mir die Wahrheit, wer du bist und woher du kommst. Sag mir von deiner Stadt und deinen
Eltern, was ist das für ein Schiff, das dich und deine Mannschaft nach Ithaca brachte, und von
welcher Nation stammst du, denn du bist nicht auf dem Landweg gekommen. Sag es mir auch
wirklich, denn ich will es wissen. Du bist ein Fremder in diesem Haus, oder bist du hier in der Zeit
meines Vaters gewesen? In den alten Tagen hatten wir viele Besucher, denn mein Vater hielt viel auf
Gastfreundschaft."

Und Athene antwortete: "Ich werde dir sagen wirklich und besonders alles über mich. Ich bin
Mentes, Sohn von Anchialus, und ich bin der König der Taphier. Ich bin hierher mit meinem Schiff
und meiner Besatzung gekommen auf einer Reise, um Männern Eisen zu bringen, Menschen einer
fremden Zunge in Temesa, und ich werde zurückbringen Kupfer. Mein Schiff liegt da drüben am
offenen Land weit weg von der Stadt, in dem Hafen Rheithron unter dem bewaldeten Berg Neritum.
Unsere Väter waren Freunde vor uns, wie der alte Laertes dir sagen kann, wenn du gehst und ihn
fragst. man sagt jedoch, dass er jetzt nie in die Stadt kommt, und sein Leben auf dem Land vergeht
kaum mit einer alten Frau, die nach ihm sieht und bereitet ihm sein Abendmahl, wenn er müde
heimkommt von der Arbeit in seinen Weinbergen. Man sagte mir, dein Vater wäre wieder zu Hause,
und das war es, warum ich kam, aber es scheint, die Götter halten ihn noch zurück, denn er ist nicht
tot, nicht auf dem Festland, wahrscheinlicher ist es, er ist auf einigen seeumfangenen Inseln in der
Mitte des Meeres oder ein Gefangener bei den Wilden, inhaftiert gegen seinen Willen. Ich bin kein
Prophet, und weiß sehr wenig über Vorzeichen, aber ich spreche, wie es mir zugetragen wird vom
Himmel - und kann dir versichern, dass er nicht mehr lange weg sein wird, denn er ist ein Mann von
so großer Kraft, dass, wenn er auch in eisernen Ketten läge, er wüsste einige Mittel, um nach Hause
zu finden und wäre wieder da. Aber sag mir, und sag mir wahr, kann Odysseus wirklich so einen
feinen Burschen zum Sohn haben? Du bist in der Tat wunderbar und ich mag seinen Kopf und seine
Augen, denn wir waren enge Freunde, bevor er die Segel hisste nach Troja, wohin die Blume aller
Argeier auch ging. Seit dieser Zeit haben wir einander nicht mehr gesehen."

"Meine Mutter", antwortete Telemach, „sagt mir, ich bin Sohn des Odysseus, aber es ist ein kluges
Kind, das seinen Vater kennt. Wäre ich doch Sohn von einem, der alt geworden auf seinen eigenen
Ländereien, denn, da du mich fragst, gibt es nicht unseligere Männer unter dem Himmel als der,
von dem sie mir sagen, dass er mein Vater ist."

Und Athene sagte: "Es gibt keinen Grund zur Angst, dass eure Rasse ausstirbt, während Penelope so
einen feinen Sohn hat, wie du bist. Aber sag mir, und sage mir wahr, was ist der Sinn all dieser
Schlemmereien und wer sind diese Leute? Was ist das überhaupt? Gibst du ein Bankett, oder gibt es
eine Hochzeit in der Familie? Was machen sie mit dem ganzen Haus, es ist genug, um anzuwidern
jede respektable Person, die in ihre Nähe kommt."

"Herr", sagte Telemach, "im Hinblick auf deine Frage, so lange wie mein Vater hier war, war er
auch bei uns und in dem Haus, aber die Götter in ihrem Unmut haben es anders gewollt, und
versteckt haben sie ihn stärker als je ein sterblicher Mann versteckt war, ich könnte es besser tragen,
obwohl er dann tot wäre, wenn er mit seinen Männern vor Troja gefallen wäre, oder wäre mit seinen
Freunden herum gewandert, als die Tage seiner Kämpfe zuende waren, und dann gestorben; denn
dann müssten die Achaier einen Hügel über seiner Asche bauen, und ich würde erben seine
Berühmtheit; aber jetzt haben die Sturmwinde ihn hingetrieben, wir wissen nicht wohin, er wird
ohne eine Spur zu hinterlassen, verschwinden, und ich werde nichts erben. Ich bin bestürzt, aber
mache auch nicht der Angelegenheit ein Ende einfach mit der Trauer über den Verlust meines
Vaters, der Himmel hat Kummer für mich noch einer anderen Art, denn die Häupter von allen
unseren Inseln, Dulichium, Same, und der Wald-Insel Zakynthos, wie auch all die wichtigsten
Männer von Ithaka selbst, fressen, bis mein Haus unter dem Vorwand der Zahlung ihrer Gerichte
durch meine Mutter aufgefressen ist, die weder sagt, dass sie nicht heiraten wird, noch bringt sie die
Angelegenheiten zu Ende, und so verwüsten sie meine Wohnung, und es dauert nicht lange, so
werden sie auch mich verwüsten."

"Ist das so?" rief Athene, "dann musst du tatsächlich Odysseus wieder nach Hause wünschen. Gib
ihm seinen Helm, den Schild und ein paar Lanzen, und wenn er der ist, der er war, als ich ihn sah
zum ersten Mal in unserem Haus, da wir tranken und fröhlich waren, wird er bald seine Hände über
diese schurkischen Freier strecken, wenn er noch einmal stehen wird auf seiner eigenen Schwelle.
Er würde dann aus Ephyra kommen, wo er gewesen war, und um Gift für seine Pfeile vor Ilus, dem
Sohn von Mermerus, betteln. Ilus fürchtete die stets lebendigen Götter und würde ihm keines geben,
aber mein Vater ließ ihm einiges, denn er war ihm sehr lieb. Falls Odysseus der Mann ist, er wird
dann diesen Freiern einen kurzen Prozess machen und eine Entschuldigung für die Hochzeit
finden.“

“Aber es gibt Ihn, der ruht mit dem Himmel, der wird bestimmen, ob er zurückkehren wird und
seine Rache nehmen in seinem eigenen Haus, ich würde jedoch dich auffordern, zu versuchen,
loszuwerden diese Freier, die sich auf einmal eingestellt. Nimm meinen Rat an, rufe die achaiischen
Helden zu Hilfe, morgen lege ihnen deinen Fall vor und rufe den Himmel an, deine Worte zu
bezeugen. Gebote nehmen die Freier sich selbst, jeder an seinen Ort, und wenn deine Mutter im
Sinn hat, wieder zu heiraten, lass sie zurückgehen zu ihrem Vater, der findet ihr einen Mann und
stattet sie mit all den Gaben aus, dass die Ehe umso lieber die Tochter erwarten dürfe. Was dich
selbst betrifft, lass mich herrschen über dich, du kannst das beste Schiff nehmen, mit einer
Besatzung von zwanzig Männern, und auf die Suche nach deinem Vater gehen, der so lange
ausgeblieben ist. Jemand kann dir etwas sagen oder (die Menschen hören oft Dinge in dieser Weise)
vom Himmel wird dir gesandt eine Nachricht, danach kannst du dich richten. Erstens nach Pylos
geh und frage Nestor, von dort weiter nach Sparta und besuche Menelaos, denn er hat in seinem
Heim alle Achaier, und wenn du hörst, dass dein Vater lebt und auf dem Weg nach Hause ist, kannst
du alles abmachen mit diesem Abfall von Freiern. Wenn du auf der anderen Seite hören würdest von
seinem Tod, nach Hause komm dann auf einmal, feiere seine Bestattung mit allem Pomp, baue
einen Grabhügel zu seinem Gedächtnis, und lass deine Mutter wieder heiraten. Dann, nachdem alles
getan, was diese auch denken im Kopf, mit fairen Mitteln oder unfairen, kannst du diese Freier in
deinem eigenen Haus töten. Du bist zu alt, um dich wie in der Kindheit zu verhalten. Habt ihr nicht
gehört, wie die Leute singen dem Orestes Lob wegen des Mordes an seinem Vater? Gegen den
Mörder des Ägisthus bist du ein feiner, smarter Bursche; zeige deinen Mut, und mach dir einen
Namen in der Geschichte. Nun aber muss ich zurück zu meinem Schiff und meiner Crew, die
werden ungeduldig sein, wenn ich sie länger warten lasse, denke du über die Sache für dich selbst
nach und erinnere dich an alles, was ich dir gesagt habe."

"Herr", antwortete Telemach, "es war sehr nett von dir, zu mir in dieser Art und Weise zu sprechen,
als ob ich dein eigener Sohn wäre, und ich werde alles tun, was du mir sagst, ich weiß, du willst
weiter reisen, aber bleibe ein wenig länger, bis du ein Bad genommen hast und dich erfrischt, dann
werde ich dir ein Geschenk machen, und du wirst deinen Weg mit Freuden gehen; ich werde ich dir
ein Andenken von großer Schönheit und Wert geben, wie nur liebe Freunde es einander geben."

Athene antwortete: "Versuche nicht, mich zu halten, wenn ich einmal auf meinem Weg bin. Jedes
Geschenk, dass du angeordnet hast, es mir zu machen, behalte es, bis ich wieder zu dir komme, und
ich werde es mit nach Hause nehmen. Du gibst mir ein sehr gutes, und ich gebe dir eins von nicht
weniger Wert als Gegenleistung."

Mit diesen Worten flog sie wie ein Vogel in die Luft, aber sie hatte Telemach Mut gemacht und
hatte ihn denken lassen mehr als je zuvor an seinen Vater. Er spürte die Veränderung, befragte sie
und wusste, dass der Fremde eine Gottheit gewesen, und so ging er gerade dahin, wo die Freier
saßen.

Phemios sang immer noch, und seine Zuhörer saßen in Schweigen versunken, als er die traurige
Geschichte von der Rückkehr aus Troja erzählte und die Übel, die Athene hatte auf die Achäer
gelegt. Penelope, die Tochter des Icarius, hörte sein Lied aus ihrem Zimmer im Obergeschoss und
kam von der großen Treppe, nicht allein, sondern begleitet von zweien ihrer Dienerinnen. Als sie
die Freier erreicht hatte, stand sie an einem der tragenden Pfosten, die das Dach des Kreuzgangs
trugen, von einem braven Mädchen an jeder Seite unterstützt. Sie hielt einen Schleier vor ihr
Gesicht und weinte bitter.

"Phemios", rief sie, "du weißt viele andere Kunststücke von Göttern und Helden, wie Dichter sie zu
feiern lieben. Singe den Freiern einen von ihnen und lass sie trinken ihren Wein in der Stille, aber
sing nicht mehr diese traurige Geschichte, denn es bricht mir mein betrübtes Herz und erinnert mich
an meinen verlorenen Mann, den ich betrauere ohne Unterlass und dessen Name war großartig über
alle Männer in Hellas und Argos."

"Mutter", antwortete Telemach, "lass den Barden singen von was er einen Verstand hat; Barden
machen ja nicht die Übel, von denen sie singen, es ist Zeus, nicht sie, der sie macht und der sendet
Wohl und Wehe der Menschheit nach seinem eigenen Wohlgefallen. Dieser Kerl bringt keinen
Schaden durch das Singen der unglückseligen Rückkehr der Danaer, aber die Menschen
applaudieren immer den neuesten Songs. Stärke deinen Geist und trag es; Odysseus ist nicht der
einzige Mann, der nie zurückkam aus Troja, sondern vielen anderen ging es wie ihm, bleibe du
innerhalb des Hauses und beschäftige dich mit den täglichen Aufgaben, deinem Webstuhl, deinem
Rocken, und um die Bestellung von deinen Knechten; denn Sprache ist der Männer Sache, und
meine vor allen anderen, denn ich bin es, der ich hier der Meister bin."

Sie ging fraglos zurück ins Haus und bewegte ihres Sohnes Worte in ihrem Herzen. Dann ging sie
ins Obergeschoss mit ihren Dienerinnen und in ihr Zimmer, betrauerte ihren lieben Mann, bis
Athene ihr Schuppen süßen Schlafes über die Augen legte. Aber die Freier waren lärmend in dem
überdachten Kreuzgang und es betete jeder, dass er vielleicht ihr Bettgenosse sein dürfe.

Dann sprach Telemach: "Schamlose", rief er, "unverschämte Freier, lasst uns in unserer Festfreude
jetzt, und es gebe keine Schlägereien, denn es ist eine seltene Sache, einen Mann mit einer solchen
göttlichen Stimme wie Phemios zu hören; aber am Morgen trefft ihr mich in der Vollversammlung,
dass ich euch Aufforderungsschreiben geben kann, Feste in fremden Häusern zu feiern, auf eigene
Kosten. Wenn auf der anderen Seite ihr einen Mann wählen wollt, Himmel hilf mir, aber Zeus wird
mit euch abrechnen, und wenn ihr in das Haus meines Vaters fallen wollt, wird kein Mann mich
rächen."

Die Freier bissen ihre Lippen, als sie ihn hörten, und staunten über die Kühnheit seiner Rede. Dann
sagte Antinous, Sohn von Eupeithes: "Die Götter scheinen dir gegeben zu haben Unterricht im
Toben und Großsprechen, das kann Zeus nie gewähren, dass du in Ithaca Häuptling wirst wie dein
Vater vor dir."

Telemach antwortete: "Antinous, schimpfe nicht mit mir, aber, so Gott will, werde ich auch, wenn
ich Häuptling bin, denken, dass dies das schlechteste Schicksal ist, dass ihr für mich ausgedacht
habt. Es kann sein. Keine schlechte Sache ist es, ein Häuptling zu sein, denn es bringt Reichtum und
Ehre, doch jetzt, da Odysseus tot ist, gibt es viele große Männer in Ithaca, alt und jung, und einige
andere könnten die Führung unter ihnen übernehmen; dennoch werde ich Häuptling in meinem
eigenen Haus sein, und die, die regieren, die hat Odysseus für mich gewonnen."

Dann antwortete Eurymachos, Sohn von Polybus: "Es liegt beim Himmel zu entscheiden, wer ist
der Vorsitzende unter uns, aber du sollst Meister sein im eigenen Haus und über den eigenen Besitz,
niemand, solange es einen Mann in Ithaca gibt, wird dir Gewalt antun noch dich berauben. und
jetzt, mein Lieber, ich möchte diesen Fremden kennen, in welchem Land lebt er, aus was für einer
Familie ist er, und wo ist sein Vermögen? Brachte er dir Nachrichten über die Rückkehr deines
Vaters oder war er in eigenen Geschäften unterwegs? Er schien ein gescheiter Mann zu sein, aber er
eilte so plötzlich davon, dass er in einem Augenblick weg war, bevor wir ihn kennen lernen
konnten."

"Mein Vater ist tot und begraben", antwortete Telemach, "und auch wenn einige Gerüchte mich
erreichten, habe ich nicht mehr den Glauben an sie. Meine Mutter hat zwar manchmal nach einem
Wahrsager gesandt und ihn befragt, aber ich schenke seinen Prophezeiungen keine Beachtung. Der
Fremde war Mentes, Sohn von Anchialus, des Häuptlings der Taphier, einem alten Freund meines
Vaters." Aber in seinem Herzen wusste er, dass es die Göttin gewesen war.

Die Freier kehrten dann zu ihrem Gesang und Tanz bis zum Abend zurück, aber als die Nacht auf
ihre Freuden fiel, gingen sie nach Hause, um jeder in seiner eigenen Wohnung zu schlafen.
Telemachs Zimmer lag hoch oben in einem Turm, der auf den äußeren Gerichtshof sah; hierher eilte
er, grübelnd und voller Gedanken. Eine gute alte Frau, Euryclea, Tochter des Ops, des Sohnes
Pisenors, ging vor ihm her mit ein paar lodernden Fackeln. Laertes hatte sie mit seinem eigenen
Geld gekauft, als sie noch sehr jung war, damals gab er den Wert von zwanzig Ochsen für sie, und
zeigte ihr damit, wie viel Respekt sie in seinem Haushalt genoss, wie er mit seiner eigenen Frau
verheiratet war, aber er nahm sie nicht in sein Bett, denn er fürchtete seiner Frau Groll. Sie war es,
die jetzt beleuchtete Telemach in seinem Zimmer, und sie liebte ihn mehr als alle anderen Frauen im
Haus, denn sie hatte ihn gepflegt, als er noch ein Baby war. Er öffnete die Tür von seinem Bett-
Zimmer und setzte sich auf das Bett, als er auszog sein Hemd, gab er es der guten alten Frau, die es
ordentlich gefaltet aufhängte für ihn an einem Nagel über seinem Bett, danach ging sie heraus, zog
die Tür zu an einem silbernen Haken und zog den Riegel durch den Gurt. Aber Telemach, wie er
bedeckt mit einem Wollvlies lag, dachte die ganze Nacht durch an die von ihm beabsichtigte Reise,
nach dem Rat, den Athene ihm gegeben hatte.

DEA SYRIA
LUKIAN

Es gibt in Syrien eine Stadt, nicht weit vom Fluss Euphrat, die heißt "die heilige Stadt", und heilig
ist sie der assyrischen Hera. Soweit ich es beurteilen kann, wurde dieser Name nicht auf die Stadt
übertragen, als sie zuerst besiedelt wurde, sondern sie trug ursprünglich einen anderen Namen. Im
Laufe der Zeit wurden die großen Opfer darin dargebracht und dann wurde ihr dieser Titel
verliehen. Ich werde von dieser Stadt sprechen, und von dem, was sie enthält. Ich spreche auch von
den Gesetzen, die ihre heiligen Riten regieren, den Volksversammlungen und den Opfern, die von
den Bürgern dargebracht werden. Ich spreche auch von allen Traditionen der Befestigung und den
Gründern dieses heiligen Ortes und der Art und Weise der Gründung seiner Mauern. Ich schreibe
als geborener Assyrer, der ich mit meinen eigenen Augen einige der Fakten erlebt habe, die ich jetzt
zu erzählen beginne: einige wiederum hab ich von den Priestern gelernt: sie traten vor meiner Zeit
ein, aber ich erzähle sie, wie sie mir erzählt wurden.
Die ersten Menschen auf der Erde, das Wissen über die Götter zu empfangen und Tempel und
Schreine zu bauen und Versammlungen für religiöse Bräuche zu beschwören, waren angeblich die
Ägypter. Sie waren die ersten, die auch zur Kenntnis nahmen die heiligen Namen, und wiederholten
sie in ihren heiligen Traditionen. Nicht lange, nachdem die Assyrer gehört von den Ägyptern ihre
Lehren über die Götter, errichteten auch sie Tempel und Schreine: in diese legten sie Statuen und
Bilder.
Ursprünglich besaßen die Tempel der Ägypter keine Bilder. Und es gibt in Syrien Tempel eines
Datums nicht viel jünger als die Tempel von Ägypten, von denen ich viele selbst gesehen habe, zum
Beispiel der Tempel des Herkules in Tyrus. Dies ist nicht der Herkules der griechischen Legende,
sondern ein tyrischer Held viel höheren Alters als er.
Ich habe ebenfalls in Phönizien von einem Tempel der Größe der Tempel von Sidon gehört. Sie
nennen ihn den Tempel der Astarte. Ich halte diese Astarte für keine andere als die Mondgöttin.
Aber nach der Aussage eines der Priester, ist dieser Tempel heilig der Europa, der Schwester des
Kadmos. Sie war die Tochter von Agenor und nach ihrem Verschwinden von der Erde ehrten sie die
Phönizier mit einem Tempel und erzählten eine heilige Legende über sie; wie Zeus sich verliebte in
ihre Schönheit und verändert seine Form in die eines Stieres und trug sie nach Kreta. Dies, sage ich,
habe ich von anderen gehört, auch von Phöniziern, und die Prägung der aktuellen Münzen in Sidon
trägt das Bildnis der Europa, sitzend auf einem Stier, der nichts anderes ist als Zeus.
Die Phönizier haben auch noch einen heiligen Brauch, der aus Ägypten stammt, nicht aus Assyrien:
Er kam, sagen sie, von Heliopolis nach Phönizien. Ich habe nie erlebt diesen Brauch, aber er ist
wichtig und von großem Alter.
Ich sah auch bei Byblos einen großem Tempel, heilig der byblischen Aphrodite: Das ist die Szene
der geheimen Riten von Adonis: Ich bewunderte diese. Sie behaupten, dass die Legende von Adonis
und dem Eber wahr sei, und das diese Tatsache eingetreten war in ihrem Land, und dass in
Erinnerung an dieses Unglück sie sich an die Brust schlagen und heulen jedes Jahr, und führen ihre
geheimen Rituale mit Zeichen der Trauer im ganzen Land durch. Wenn sie ihre Trauer und
Wehklagen abgeschlossen, opfern sie in erster Linie dem Adonis als einem, der dieses Leben
verlassen hat: danach behaupten sie, dass er wieder am Leben sei und zeigen sein Bildnis im
Himmel. Sie gehen, um ihre Köpfe zu rasieren, wie die Ägypter nach dem Verlust ihres Apis. Die
Frauen, die sich weigern, rasiert zu werden, müssen um eine Gebühr für den Zeitraum eines ganzen
Tages in Bereitschaft sein, ihre Personen zu vermieten und sich selbst aussetzend da zu stehen. Der
Ort der Vermietung ist offen für niemand, aber Ausländer können ihn betreten, und aus dem Erlös
des Verkehrs dieser Frauen wird gezahlt ein Opfer der Aphrodite.
Einige der Bewohner von Byblos behaupten, dass der ägyptische Osiris in ihrer Stadt begraben liegt
und dass die öffentliche Trauer und die geheimen Riten werden im Tempel nicht für Adonis
durchgeführt, sondern für Osiris. Ich werde euch sagen, warum diese Geschichte glaubwürdig
scheint. Ein menschlicher Kopf kommt jedes Jahr aus Ägypten nach Byblos, schwimmt auf einer
Reise von sieben Tagen dahin: die Winde, durch einen göttlichen Instinkt, wehen ihn auf dem Weg
voran: er ändert nie seinen Kurs, sondern geht direkt nach Byblos. Das ganze Auftreten ist ein
Wunder. Er kommt jedes Jahr, und es begab sich, während ich selbst in Byblos war, und ich sah den
Kopf in dieser Stadt.
Es gibt auch andere wunderbare Vorzeichen in der Region von Byblos. Ein Fluss, der vom Berge
Libanon kommt, ergießt sich ins Meer: Der Fluss trägt den Namen Adonis. Jedes Jahr ist er
regelmäßig gefärbt von Blut und verliert seine natürliche Farbe, bis er ins Meer stürzt: Er färbt das
Meer rot: und damit kündigt sich die Zeit der Trauer an für die Byblier. Ihre Geschichte ist, dass in
diesen Tagen Adonis verwundet wird, und dass des Flusses Natur durch das Blut, das in seinen
Gewässern fließt, geändert wird, und dass er seinen Namen von diesem Blut hat. Das ist die
Legende, die allgemein akzeptiert ist: aber ein Mann von Byblos, der mir die Wahrheit zu sagen
schien, erzählte mir einen weiteren Grund für diese wunderbare Veränderung. Er sprach wie folgt:
"Dieser Fluss geht, mein Freund und Gast, durch die Libanongebirge: jetzt sind diese
Libanongebirge reich an roter Erde. Die heftigen Winde, die regelmäßig an diesen Tagen blasen,
stürzen in den Fluss eine Menge Erde, die ähnelt dem Zinnober. Und von dieser Erde kommt es,
dass der Fluss rot leuchtet. Und so beruht die Veränderung der Farbe des Flusses nicht auf Blut, wie
sie behaupten, sondern auf der Beschaffenheit des Bodens." Dies war die Geschichte des Bybliers.
Aber selbst wenn man annimmt, dass er die Wahrheit sagte, scheint mir doch etwas Übernatürliches
zu liegen in dem regulären Zufall des Windes und der Färbung des Flusses.
Ich ging auch von Byblos in den Libanon, eine Tagesreise weit, denn ich hatte gehört, dass dort ein
alter Tempel der Aphrodite von Cinyras gegründet worden war. Ich sah den Tempel, und er war in
der Tat alt. Dies also sind die alten großen Tempel von Syrien.
Von all diesen Tempeln, und sie sind in der Tat zahlreich, scheint mir keiner größer zu sein als der in
der heiligen Stadt gefunden wurde, kein Schrein scheint mir so heilig, keine Region mehr geheiligt
als diese. Sie besitzen einige herrliche Meisterwerke, einige ehrwürdige Opfer, viele seltene
Sehenswürdigkeiten, viele markante Statuen, und der Götter Präsenz ist in keiner Weise zweifelhaft.
Die Statuen schwitzen und bewegen sich und geben vollkommene Orakel, und ein Schrei wurde oft
ausgelöst, als der Tempel geschlossen wurde, er wurde von vielen gehört. Und noch mehr: Dieser
Tempel ist die wichtigste Quelle ihres Reichtums, wie ich bezeugen kann. Denn viel Geld kommt
zu ihnen aus Arabien und von den Phöniziern und den Babyloniern und den Ziliziern auch, und die
Assyrer bringen ihren Tribut. Und ich sah mit meinen eigenen Augen Schätze privat im Tempel
aufbewahrt, viele Kleidungsstücke und andere Wertgegenstände, die gegen Silber oder Gold
getauscht werden. Nirgendwo in der Menschheit sind so viele Feste und heilige Versammlungen
wie unter ihnen.
Auf die Frage nach der Zahl der Jahre, seit der Tempel gegründet wurde, und wer die Göttin ist,
wurden mir viele Geschichten erzählt, von denen einige heilig waren und einige von öffentlichem
Interesse, einige wiederum waren absolut fabelhaft, andere waren nur Barbaren-Geschichten,
andere wieder wurden erzählt mit den griechischen Mythen. All dies bin ich bereit zu erzählen,
obwohl ich meine Meinung zu einigen zurückhalten will.
Die Leute behaupten, dass es Deukalion oder Sisythus war, der den Tempel gegründet hatte, ich
meine den Deukalion, in dessen Zeit die große Flut kam. Ich habe die Geschichte von Deukalion
gehört, wie die Griechen sie erzählen, von den Griechen selbst. Die Geschichte läuft wie folgt ab:
Die gegenwärtige Rasse von Menschen war nicht die erste, die geschaffen wurde. Die erste
Generation ist umgekommen, die gegenwärtige Generation ist eine zweite Schöpfung. Diese
Generation wurde eine große Menge, wegen Deukalion. Von den Menschen der ursprünglichen
Schöpfung erzählen sie diese Geschichte: Sie waren rebellisch und eigensinnig, und haben
unheilige Taten getan, missachteten die Heiligkeit des Eides und der Gastfreundschaft, und
verhielten sich grausam gegenüber Bittstellern, und es war für diese Untaten, dass die große
Zerstörung über sie kam. Die Erde wurde von einem riesigen Volumen an Wasser überschwemmt
und die Flüsse des Himmels kamen in Strömen nieder und das Meer stieg hoch an. So sind in all
dem Wasser alle Menschen umgekommen; Deukalion allein wurde für eine weitere Generation
bewahrt, und wegen seiner Weisheit und Frömmigkeit. Die Art und Weise seiner Rettung war wie
folgt: Er legte seine Kinder und seine Frau in eine Arche von enormer Größe, und er selbst ist auch
hineingegangen. Jetzt, als es begann, kamen Wildschweine und Pferde und Generationen von
Löwen und Schlangen, und all die anderen Tiere, die die Erde durchstreifen, alle in Paaren. Er
begrüßte sie alle. Auch haben sie ihm nicht geschadet, und die Freundschaft blieb unter ihnen als
Zeus-Geweihte. Diese blieben alle miteinander, schwebten in dieser Arche, solange die Flut währte.
Dies ist die Legende von Deukalion, wie von den Griechen erzählt.
Aber eine weitere Geschichte wird von den Menschen von Hierapolis erzählt, eine wunderbare
Sache ist es, sie sagen, dass in ihrem Land eine gewaltige Kluft ist, welche alle empfangenen
Wasser empfing, und dass auf dieser Kluft Deukalion Altäre errichtete und gründete einen Tempel
der Juno über dieser Kluft. Ich habe tatsächlich diese Kluft gesehen, sie liegt unter dem Tempel und
ist von sehr kleinem Maß. Ob er einmal groß war und wurde später auf sein jetziges kleines Maß
reduziert, weiß ich zwar nicht, aber die Kluft, die ich sah, ist sehr klein. Sie behaupten, dass ihre
Geschichte durch folgendes Vorkommnis nachgewiesen wird: Zweimal in jedem Jahr kommt das
Wasser aus dem Meer in den Tempel. Dieses Wasser wird von den Priestern gebracht, aber weiter
geht ganz Syrien und Arabien und viele von jenseits des Euphrat hinunter zum Meer, und alle
bringen ihr Wasser, das sie ausgießen im Tempel; dann fließt das Wasser nach unten in den
Abgrund, der klein ist, aber er enthält eine große Menge Wasser. So wirken sie, und sie erklären,
dass das Gesetz von Deukalion diesem Tempel übergeben wurde, damit könnte es eine ewige
Erinnerung an die Sintflut sein.
Andere wiederum behaupten, dass Semiramis von Babylon, die viele mächtige Werke in Asien
verlassen hatte, dieses Gebäude gegründet und es gewidmet nicht der Juno, sondern ihrer eigenen
Mutter, deren Name war Derceto. Nun, ich habe die Figur der Derceto in Phönizien gesehen, und
ein wunderbarer Anblick ist es, zu einer Hälfte ist sie eine Frau, aber der Teil, der von den
Oberschenkeln bis zu den Füßen reicht, endet in einem Fischschwanz. Das Bildnis ist jedoch, was
bei Hierapolis gezeigt wird, eine vollständige Frau. Die Gründe für diese Geschichte liegen auf der
Hand, da für sie Fische heilige Objekte waren, und nie berührten sie die Fische, während sie die
Vögel nutzen. Alle Tauben aber wurden nicht benutzt als Lebensmittel, die Taube ist in ihren Augen
heilig. Es erscheint ihnen, dass das Heiligtum, das wir beschrieben haben, zu Ehren der Derceto und
der Semiramis errichtet wurde. Zum einen, weil Derceto die Form eines Fisches hat, zum anderen,
weil die untere Hälfte der Semiramis die Form einer Taube annimmt. Ich sollte aber wohl schließen,
dass der Tempel der Semiramis gehört; dass es der Schrein der Derceto ist, kann ich in keiner Weise
glauben, da es selbst unter den Ägyptern welche gibt, die Fische nicht anrühren als Nahrung, und
sie beachten sicherlich nicht diese Einschränkung zu Ehren der Derceto.
Es gibt jedoch noch eine andere heilige Geschichte, die ich aus dem Munde eines Weisen hörte,
dass es die Göttin Rhea war, und der Schrein die Arbeit des Atthis. Nun ist dieser Atthis von der
Nation der Lydier, und er unterrichtete zuerst in den heiligen Mysterien des Rhea. Das Ritual der
Phrygier und der Lyder und der Samothraker wurde vollständig nur von Atthis gelehrt. Denn als
Rhea ihn seiner Kraft beraubte, legte er seine männliche Tracht ab und übernahm das Aussehen
einer Frau in ihrem Kleid, und wandernd über die ganze Erde führte er seine geheimnisvollen Riten
durch, erzählt seine Leiden und sang ein Loblied auf Rhea. Im Zuge seiner Wanderschaft ging er
auch nach Syrien. Nun, wenn die Männer von jenseits des Euphrat ihn nicht empfangen hätten und
seine Geheimnisse, hätte er nicht errichtet einen Tempel an dieser Stelle. Die Fakten dieser Tatsache
sind wie folgt: Sie wurde von Löwen gezogen, hielt eine Trommel in der Hand und trug einen Turm
auf dem Kopf, so wie die Lyder Rhea sahen. Er bestätigte auch, dass die Galli, die im Tempel sich
selbst kastrieren zu Ehren nicht der Juno, sondern der Rhea, und dies in Anlehnung an Atthis. All
dies scheint mir mehr fadenscheinig als wahr, denn ich habe einen anderen und glaubwürdigeren
Grund für ihre Kastration gehört.
Ich berichte die Bemerkungen über den Tempel von denen, die in der Hauptsache akzeptieren die
Theorien der Griechen: nach diesen war es die Göttin Hera, aber die Arbeit wurde von Dionysos,
dem Sohn der Semele, ausgeführt: Dionysos besuchte Syrien auf seiner Reise nach Äthiopien. Es
gibt im Tempel viele Zeichen, dass Dionysos sein eigentlicher Gründer war: zum Beispiel die
barbarische Kleidung, indische Edelsteine und Elefanten-Stoßzähne, von Dionysos aus Äthiopien
hergebracht. Ferner sind einige Phalli der großen Größe gesehen worden, die standen in der
Vorhalle, mit der Aufschrift : "Ich, Dionysos, widme diese Phalli der Hera, meiner Stiefmutter."
Dieser Nachweis genügt mir. Und ich werde beschreiben, wie die Neugier in diesem Tempel
gefunden hat ein heiliges Symbol des Dionysos. Die Griechen stellten aufrechte Phalli auf zu Ehren
des Dionysos, und die, die sie tragen, die Männer aus Holz mit enormen Gliedern, nannten sie
Marionetten. Es gibt weiteres für die Neugier in dem Tempel, denn wie man nach rechts geht, findet
man eine kleine eherne Statue eines Mannes in sitzender Haltung, mit einem Glied von monströser
Größe.
Das sind die Legenden über die Gründer des Tempels.
Ich werde nun daran gehen, das Gebäude selbst und seine Position zu besprechen: wie es gebaut
wurde und wer es gebaut. Sie bekräftigen, dass der Tempel, wie er jetzt existiert, nicht der ist, der
ursprünglich gebaut wurde: der ursprüngliche Tempel zerfiel im Laufe der Zeit: der jetzige, sagen
sie, war das Werk von Stratonice, der Frau des Königs der Assyrer.
Dies habe ich zu ergreifen, um von Stratonice zu erzählen, in die ihr Stiefsohn verliebt war, und
durch die Kunst eines Arztes ward die Intrige entdeckt: denn der Liebhaber, überwältigt von der
Krankheit seiner Leidenschaft, verwirrt von Gedanken, seiner beschämenden Willkür, lag krank in
der Stille. Er lag krank, und wenn auch kein Schmerz war in jedem Glied, aber seine Farbe war
verschwunden, und seine Gestalt wurde immer gebrechlicher von Tag zu Tag. Der Arzt sah, dass er
an keiner bestimmten Krankheit litt, sondern dass seine Krankheit nichts anderes als Liebe war.
Viele sind die Symptome der heimlichen Liebe: Mattigkeit der Augen, in der Stimme und im Teint
sich ändernd, und häufige Tränen. Der Arzt, sich dessen bewusst, hat wie folgt gehandelt: Er legte
die Hand auf das Herz des jungen Mannes und rief alle Hausangestellten im Haushalt. Der Patient
blieb ruhig und unbewegt beim Vorübergehen der andern, aber als seine Stiefmutter herein kam,
erbleichte er und begann zu schwitzen und zittern, und sein Herz schlug heftig. Diese Symptome
verrieten seine Leidenschaft dem Arzt.
Der Arzt ging, um die folgende Heilung vorzunehmen: Die Beschwörung des Vaters des jungen
Mannes, der von Angst gepeinigt wurde, er erklärte ihm, dass des jungen Mannes Krankheit keine
normale Krankheit war, sondern eine widerrechtliche Handlung: "Er hat keine schmerzhaften
Symptome, er ist besessen durch die Liebe und im Wahnsinn sehnt er sich zu besitzen, was er nie
erhalten wird, er liebt meine Frau, die ich nie aufgeben werde." Das war der Trick der weisen
Arztes. Der Vater alsbald bat den Arzt durch seine Umsicht und Professionalität nichts zu
unterlassen, seinen Sohn zu heilen. "Seine Krankheit hing nicht von seinem Willen ab, sie war
unfreiwillig. Bete, und dann lass nicht deine Eifersucht bringen Trauer über das ganze Reich, und,
lieber Doktor, ziehe nicht Unbeliebtheit auf deinen Beruf herab." So war des ahnungslosen Vaters
Aussage. Der Arzt antwortete: "Deine Aussage ist skandalös, du würdest mich meiner Frau
berauben und der Ehre eines medizinischen Mannes. Ich habe es für dich gesagt, denn was wäre
dein Verhalten, wenn deine Frau wäre der Gegenstand seiner schuldigen Liebe?" Er antwortete, dass
er sich nicht scheuen würde, seine eigene Frau zu geben, noch würde er missgönnen seinem Sohn
sein Leben, wenn der Sohn in seine eigene Stiefmutter verliebt wäre: Der Verlust der Frau wäre ein
Unglück, aber größer der Verlust des Sohnes. Der Arzt hörte dies und sagte: "Warum bietest du mir
dies alles, ist doch in Wahrheit deine Frau das Objekt seiner Liebe, und was ich dir sagte, war alles
eine erfundene Geschichte " Der Vater befolgte diesen Rat und übergab seine Frau und sein Reich
dem Sohn, und er selbst ging in den Bereich der Babylonier und gründete eine Stadt am Euphrat,
die seinen Namen trug, und dort starb er. So kam es, dass unser weiser Arzt erkannte und heilte die
Krankheit.
Nun hat diese Stratonice, als sie noch mit ihrem früheren Ehemann verheiratet war, in einer Vision
Hera gesehen, die sie ermahnte, einen Tempel dieser Göttin zu Hierapolis zu bauen. Sollte sie den
Gehorsam vernachlässigen, würde sie von der Göttin mit vielfältigen Übeln bedroht. Die Königin
beachtete nicht den Traum, aber später, als sie von einer gefährlichen Krankheit ergriffen wurde,
erzählte sie die Vision ihrem Mann und beschwichtigte Hera, und verpflichtete sich, den Tempel zu
bauen. Kaum hatte sie sich erholt, als sie von ihrem Mann nach Hierapolis geschickt wurde, und
eine große Summe Geld mit sich nahm und eine große Armee, teils sie in den Baumaßnahmen zu
unterstützen und teils ihre Sicherheit zu gewährleisten. Er rief einen ihrer Freunde genannt
Combabus, einen jungen Mann von stattlicher Präsenz, und sagte: "Combabus, ich kenne dich als
einen ehrlichen Mann, und von allen meinen Freunden liebe ich dich am meisten, und ich preise
dich gleichermaßen für deine Weisheit und für dein Wohlwollen, das du uns gezeigt hast. In diesem
Augenblick brauche ich dein ganzes Vertrauen, und damit möchte ich dich bitten, meine Frau zu
begleiten und für die Durchführung meiner Arbeitspläne zu sorgen, und die Opfer durchzuführen
nach meinem Kommando. Bei deiner Rückkehr wird dir große Ehre zuteil.“ Combabus bettelte und
betete, nicht abgeschickt zu werden, und nicht beauftragt zu werden mit Dingen, die weit über seine
Kräfte gingen - Geld, die Dame, die heilige Arbeit... nicht nur so, aber er fürchtete, in der Zukunft
einige Eifersucht könnte sich bemerkbar machen, um seine Beziehungen zu Stratonice zu belasten,
wenn er ohne Begleitung mit ihr zusammen sein sollte.
Der König weigerte sich jedoch, anders zu entscheiden, so sehr Combabus betete um eine
Alternative, dass eine Frist von sieben Tagen ihm gewährt würde: Nach diesem Intervall war er
bereit, zu der Reise und der Königin unmittelbare Bedürfnisse abgesandt zu werden. Nach der
Gewährung dieser Frist, die bereitwillig gewährt wurde, ging er zu seinem Haus und warf sich auf
den Boden, damit er sein Los beklagte: "Unglücklicher ich, warum wird dieses Vertrauen in mich
gesetzt, was ist am Ende diese Reise, deren Ergebnisse ich schon sehe? Ich bin jung und die Dame
auch, die ich begleite, und sie ist sehr schön. Dadurch wird eine große und mächtige Katastrophe
kommen, es sei denn, ich entferne ganz die Ursache des Übels. Daher muss ich auch durchführen
eine Großtat, die alle meine Ängste heilen wird." Mit diesen Worten entmannte er sich selbst, und er
verstaute die verstümmelte Scham in einem kleinen Gefäß zusammen mit Myrrhe und Honig und
Gewürzen verschiedener Art. Er versiegelte diesen Behälter mit einem Ring, und schließlich ging
er, seine Wunde zu bedecken. Sobald er sich fit fühlte zu reisen, machte er seinen Weg zum König,
und sprach wie folgt: "Dies ist, mein Meister, mein kostbarster Schatz, der in meinem Haus
aufbewahrt ist, und ich liebte ihn! Gut, aber jetzt, da ich auf eine langen Reise gehe, werde ich ihn
in deine Hände geben, bewahre ihn gut, denn er ist mir lieber als Gold und wertvoller als das
Leben! Nach meiner Rückkehr werde ich ihn wieder empfangen." Der König freute sich, den
Behälter zu erhalten, und nach dem Versiegeln mit einem anderen Siegel, vertraute er ihn seinem
Schatzmeister an.
So Combabus von dieser Zeit an setzte seine Reise in Frieden fort. Angekommen in Hierapolis,
bauten sie den Tempel mit allem Fleiß, und drei Jahre sind vergangen, während sie bei ihrer
Aufgabe waren. Inzwischen begab sich, was Combabus befürchtet hatte. Stratonice begann, ihn zu
lieben, der war ihr Begleiter für so lange Zeit: ihre Liebe wurde zu einer übermächtigen
Leidenschaft. Die von Hierapolis bekräftigten, dass Hera die Ursache dieser Probleme war: sie
wusste ganz genau, dass Combabus ein aufrechter Mann war, aber sie wollte ihren Zorn auf
Stratonice richten wegen ihres Mangels an Bereitschaft, die Gebäude des Tempels zu errichten.
Die Königin war zunächst schüchtern und versuchte, ihre Leidenschaft zu verbergen, aber als ihre
Probleme sie nicht mehr in Ruhe ließen, trug sie offen zur Schau ihre Verärgerung und weinte den
ganzen Tag lang und rief wiederholt Combabus: Combabus war ihr Ein und Alles. Endlich, in der
Verzweiflung über ihre Ohnmacht, ihre Leidenschaft zu beherrschen, suchte sie eine passende
Gelegenheit, zu betteln um seine Liebe. Sie war zu vorsichtig, um ihre Leidenschaft einem Fremden
zuzugeben, ihre Bescheidenheit verhinderte das. Schließlich trifft sie diesen Plan, dass sie ihn
konfrontiert, nachdem sie tief vom Wein berauscht war, denn der Mut steigt nach dem Trinken und
ein Zurückweisen scheint dann weniger erniedrigend. Und Aktionen unter dem Einfluss von Wein
durchgeführt, werden mit der Unkenntnis behandelt. So spielte sie, was sie für das Beste hielt. Nach
dem Abendessen trat sie in die Kammer, in der Combabus wohnte, und bat ihn, umarmte seine
Knie, und sie erklärte ihre schuldige Liebe. Er hörte ihre Worte und hat sie mit Abscheu
zurückgewiesen, und ihr Vorgehen, ihre Vorwürfe entschuldigte er mit Trunkenheit. Sie aber drohte,
sie würde über ihn bringen ein großes Unglück; da zitterte er, und er erzählte ihr seine ganze
Geschichte und alles, was er getan hatte, und schließlich offenbarte er ihr alles. Als die Königin
diesen unerwarteten Beweis erlebt, war ihre Leidenschaft in der Tat abgeschreckt, aber sie vergaß
nie ihre Liebe, aber in all ihrem Begehren hegte sie den Trost ihrer vergeblichen Zuneigung. Die
Erinnerung an diese Liebe ist immer noch in Hierapolis lebendig und wird auf diese Weise gefeiert,
dass die Frauen sind immer noch verliebt in die Entmannten, die Galli, und die Galli lieben wieder
die Frauen mit Leidenschaft, aber es gibt keine Eifersucht überhaupt, und diese Liebe gilt unter
ihnen als eine heilige Leidenschaft.
Der König wurde über Stratonices Tun in Hierapolis informiert, denn viele, die dort die Geschichte
hörten, brachten Kunde von ihrem Tun. Der Monarch war tief beeindruckt von der Botschaft, und
bevor die Arbeit fertig war, rief er Combabus in seine Gegenwart. Andere erzählen bezüglich dieser
Umstände etwas ganz Unwahres, nämlich dass Stratonice selbst alles ihrem Mann erzählte und
beschuldigte Combabus, einen Anschlag auf ihre Keuschheit unternommen zu haben, und was die
Griechen behaupten, über ihre Stheneboia und über die knossische Phädra, das sagen die Assyrer in
der gleichen Weise über Stratonice. Ich für meinen Teil glaube nicht, dass Stheneboia und Phädra so
gehandelt haben, als Phädra den Hippolytus liebte. Aber lasst die alte Version das, was es war,
bleiben.
Als jedoch die Nachricht von Hierapolis gebracht wurde, nahm Combabus die Vorladung an und ist
abgefahren im Geiste des volles Vertrauens, bewusst, dass der sichtbare Beweis für seine
Verteidigung in der Stadt war, wie er seine Heimat verlassen hatte. Bei seiner Ankunft schickte ihn
der König sofort ins Gefängnis unter strengen Gewahrsam. Dann in der Gegenwart der Freunde des
Angeklagten, die anwesend waren, als dem Combabus befohlen worden, abzureisen, rief ihn der
König in öffentlicher Sitzung und verklagte ihn des Ehebruchs und der bösen Lust, und tief bewegt,
erzählte er, wie er Vertrauen gehabt hatte in seinen Liebling und seine lange Freundschaft, so hat er
angeklagt Combabus auf drei verschiedene Anklagen hin: erstens, dass er ein Ehebrecher war,
zweitens, dass er sein Vertrauen gebrochen, schließlich, dass er die Göttin gelästert, indem er dies
alles tat, während er in ihrem Dienst tätig war. Viele der Umstehenden legten Zeugnis ab gegen ihn
und sagten, dass sie gesehen hatten die Schuldigen als ein Paar sich umarmend. Es wurde
schließlich vereinbart, dass Combabus des Todes würdig war, da er durch seine bösen Taten den Tod
verdient.
Er verharrte bis zu diesem Punkt im Schweigen, aber als er seinem Schicksal begegnete, sprach er,
und forderte die Erfüllung des Versprechens, und bekräftigte, dass er nicht getötet werden dürfe
wegen rebellischen Verhaltens gegen seinen König, noch für irgendwelche Verletzung des Ehebettes
des Königs, aber allein wegen des Königs Eifer wünsche er zu erhalten, was er am königlichen Hof
bei seiner Abreise deponiert. Der König darauf rief seinen Schatzmeister und hieß ihn bringen, was
er seiner Obhut übergeben. Da entfernte Combabus das Siegel und ließ erscheinen den Inhalt des
Gefäßes, und zeigte, wie er selbst dadurch gelitten, und fügte hinzu: "Das ist genau das, was ich
befürchtet hatte, o König, als du mich gesandt hast auf diesen Botengang: Ich ging schweren
Herzens, und ich habe meine Pflicht getan, eingeschränkt durch schiere Notwendigkeit. Ich
gehorchte meinem Herrn und Meister zum eigenen Verhängnis, mich zu entmannen. Als ein solcher,
wie ich bin, stehe ich hier beschuldigt für ein Verbrechen, das ich nicht begangen haben kann,
sondern dass nur ein Mann im wahrsten Sinne begangen haben könnte.“ Die König rief voller
Erstaunen aus bei diesen Worten, umarmte Combabus unter Tränen und sprach: "Was für eine große
Ruine, Combabus, hast du aus dir gemacht? Was für eine monströse Tat hast du krank begangen,
allein unter den Männern, gewirkt zu deinem Kummer? Ich kann dich nicht loben, zu reizen den
Geist, für das Ausharren, bis diese Empörung vollendet war, dass du es nie getragen hättest, hätte
ich doch nie die Beweise gesehen! Ich brauchte nicht diese deine Verteidigung. Aber da die Gottheit
Baal es so gewollt hat, werde ich dir gewähren, in erster Linie, deine Rache, den Tod der
Informanten, und es wird weiter ein mächtiges Geschenk geben, eine Truhe voll Silber und
unzähligem Gold und Kleidern von Assyrien, und dazu Rosse aus dem königlichen Gestüt. Du sollst
frei kommen zu uns unangekündigt und niemand wird dir widerstehen: keiner wird dich von meinen
Augen fern halten, auch wenn ich an der Seite meiner Frau liege." So redete er, und danach handelte
er; die Informanten wurden schnurstracks zur Hinrichtung geführt; Combabus war beladen worden
mit Geschenken, und des Königs Verbundenheit mit ihm wurde erhöht, dass niemand von den
Assyrer gleichgestellt wurde in Weisheit und in Vermögen dem Combabus .
Auf seinen Wunsch, dass er vielleicht zu vervollständigen habe, was unfertig war am Bau des
Tempels, denn er hatte ihn unvollendet gelassen, wurde er erneut ausgesandt, und er beendete den
Tempel, und er blieb dort. Um seine Tugend und die guten Taten seines Architekten zu bezeichnen,
gewährte der König ihm, eine eherne Statue von sich selbst in dem Tempel zu errichten. Und bis auf
den heutigen Tag wird diese ehernen Statue gesehen stehen im Tempel, die Arbeit des Hermocles
von Rhodos. Seine Form ist die einer Frau, aber die Kleider sind die eines Mannes.
Es ist auch gesagt, dass seine intimsten Freunde, als Beweis für ihre Sympathie, sich kastrierten wie
er, und wählten die gleiche Art und Weise des Lebens. Andere gibt es, die die Götter einbringen in
die Geschichte und bekräftigen, dass Combabus geliebt war von Hera, und dass sie es war, die viele
mit dem Gedanken erfüllte, sich zu kastrieren, so dass ihr Geliebter sollte nicht der einzige sein, der
zu beklagen hat den Verlust seiner Männlichkeit.
Mittlerweile ist der Brauch einmal da und bleibt auch heute, und viele Männer jedes Jahr kastrieren
sich selbst und verlieren ihre virile Vollmacht: ob es aus Sympathie mit Combabus sei, oder um die
Gunst Heras zu gewinnen. Sie kastrieren sich selbst und hören dann auf, Männergewand zu tragen,
sie legen der Frauen Kleidung an und führen Frauen-Aufgaben durch. Ich habe vom Ursprung
dieser Combabus zugeschriebenen Art und Weise auch gehört, dass folgendes vorfiel. Eine gewisse
ausländische Frau, die sich einer heiligen Versammlung angeschlossen hatte, erblickte eine
menschliche Form von extremer Schönheit und gekleidet in die Kleidung des Mannes, so wurde sie
heftig verliebt in ihn, und nach der Entdeckung, dass er neutral war, nahm sie sich das Leben.
Combabus entsprechend in Verzweiflung über seine Unfähigkeit zur Liebe, zog Frauen-Kleidung
an, dass keine Frau in Zukunft in gleicher Weise getäuscht werden könnte. Dies ist der Grund der
weiblichen Kleidung der Galli. Genug von Combabus und seiner Geschichte: Im weiteren Verlauf
meiner Geschichte werde ich weitere Erwähnung von den Galli machen und ihrer Kastration und
den angewandten Methoden, um sie zu bewirken, und den Bestattungsriten, womit sie begraben
werden, und den Gründen, warum sie nicht eindringen dürfen in den Tempel, aber vor diesem neige
ich mich zum Tempel und werde von seiner Größe reden, und so werde ich noch zu sprechen haben.
Der Ort, wo der Tempel platziert ist, ist ein Hügel: er liegt fast in der Mitte der Stadt und wird von
einer doppelten Mauer umgeben. Von den beiden Mauern ist die eine alt, die andere ist nicht viel
älter als unsere eigenen Zeiten. Der Eingang zu dem Tempel liegt im Norden, seine Größe ist etwa
hundert Klafter. In diesem Eingang stehen diejenigen Phalli, die Dionysos errichtet hat: sie stehen
dreißig Klafter hoch. Ein Mann besteigt zweimal jährlich solch einen Phallus, und er hält sich auf
dem Gipfel des Phallus für den Zeitraum von sieben Tagen. Der Grund für diesen Anstieg ist wie
folgt angegeben: Die Leute glauben, dass dieser Mann aufgestiegen ist zu den Göttern und betet für
das Glück von ganz Syrien, und dass die Götter aus ihrer Nachbarschaft hören seine Gebete. Andere
behaupten, dass dies stattfindet in Erinnerung an das große Unglück zu Deukalions Zeit, als
Menschen kletterten auf Berggipfel und auf die höchsten Bäume vor dem Terror der Masse der
Gewässer. Für mich ist das alles sehr unwahrscheinlich, und ich denke, dass sie diesen Brauch zu
Ehren des Dionysos beobachten, und ich vermute dies aus der folgenden Tatsache, dass alle
diejenigen, die sich um die Phalli des Dionysos kümmern, Männchen aus Holz auf die Phalli legen,
den Grund dafür kann ich nicht sagen, aber es scheint mir, dass der Aufstieg eine Nachahmung des
hölzernen Männchens ist.
Um fortzufahren, wird der Aufstieg in dieser Weise gemacht, der Mann wirft rund um den Phallus
eine kleine Kette, danach steigt er durch Holzstücke, der Phallus ist groß genug. Wenn er ihn
besteigt, zieht er an der Kette in ihrer ganzen Länge, wie ein Wagenfahrer die Zügel zieht.
Diejenigen, die diesen Prozess nicht gesehen haben, aber die Palmen in Arabien erklettert haben,
oder in Ägypten, oder an jedem anderen Ort dies gesehen haben, werden verstehen, was ich meine.
Wenn er auf die Spitze geklettert ist, lässt er eine andere Kette herunter, lang, und zieht alles an
sich, was er will, Holz, Kleidung und Vasen, er bindet dieses alles zusammen und setzt sich auf sie,
wie auf ein Nest, und er bleibt so für den Raum der Zeit, die ich erwähnt habe. Viele Besucher
bringen ihm Gold und Silber, und einige bringen Kupfer, dann reisen diejenigen ab, die diese Opfer
gebracht haben, und jeder Besucher nennt seinen Namen. Ein Zuschauer ruft den Namen auf, und er
hörte den Namen und spricht ein Gebet für jeden Spender, zwischen den Gebeten spielt er einen
Ton auf einem Instrument, das gibt ein lautes Geräusch von sich. Er schläft nie, denn wenn zu
irgendeinem Zeitpunkt der Schlaf ihn überrascht, schleicht sich ein Skorpion heran und weckt ihn
und sticht ihn, das ist die Strafe für sein Unrecht zu schlafen. Diese Geschichte über den Skorpion
ist eine heilige, und eines der Geheimnisse der Religion; ob es wahr ist, kann ich nicht sagen, aber,
wie es mir scheint, ist seine Wachsamkeit in nicht geringem Maße wegen seiner Angst vor dem
Stürzen. So viel über die Kletterer des Phallus.
Im Aussehen und in der Verarbeitung ist der Tempel wie die Tempel, die sie bauen in Ionien, es
steigt das Fundament von der Erde in den Raum von zwei Faden, und darauf ruht der Tempel. Der
Aufstieg zum Tempel ist aus Holz und nicht besonders breit gebaut, wie du hinansteigst, zeigt auch
die große Halle ein wunderbares Schauspiel, und ist mit goldenen Türen verziert. Der Tempel steht
in Flammen von Gold und die Decke in ihrer Gesamtheit ist golden. Es fällt auf dich auch ein
göttlicher Duft, wie in der Region von Arabien, der auf dich nieder strömt mit einem erfrischenden
Einfluss, wenn du mit langen Schritten voranschreitest, und selbst wenn du gehst, wird dieser Duft
dir zugeschrieben, ja, dein ganzes Gewand behält lange den süßen Geruch, und er wird immer in
Erinnerung bleiben.
Aber der Tempel innen ist nicht einheitlich. Ein besonderes Heiligtum wird darin aufgezogen; der
Aufstieg auf dieses ist ebenfalls nicht steil, noch ist es ausgestattet mit Türen, ist aber völlig offen,
wie man sich ihm nähert. Der große Tempel ist offen für alle, der heilige Schrein für die Priester
allein und auch nicht alle von ihnen, sondern nur für diejenigen, die am nächsten den Göttern
erachtet werden und die die Verantwortung für die gesamte Verwaltung der heiligen Riten haben. In
diesem Heiligtum sind die Statuen, von denen eine Hera ist, die andere Zeus, obwohl sie ihn
anrufen unter einem anderen Namen. Beide sind golden, beide sitzen; Hera wird von Löwen
getragen, Zeus sitzt auf Bullen. Das Bildnis des Zeus erinnert an Zeus in all seinen Details - Kopf,
Robe, Thron, und selbst wenn du wolltest, könntest du ihn nicht für eine andere Gottheit halten.
Hera wird aber, wie du sehen kannst, durch eine Vielzahl von Formen an viele erinnern. Allgemein
gesprochen ist sie zweifellos Hera, aber sie hat etwas von den Attributen der Athene und der
Aphrodite und der Selene und der Rhea und der Artemis und der Nemesis und der Parzen. In der
einen Hand hält sie ein Zepter, in der anderen einen Spinnrocken; auf ihrem Kopf trägt sie Strahlen
und einen Turm, und sie hat einen Gürtel, womit sie schmücken aber nicht eine Aphrodite des
Himmels. Und sie ist vergoldet mit Gold und Edelsteinen von großem Wert, einige weiß, einige
blaugrün, andere weinrot, andere blinkend wie Feuer. Neben diesen gibt es viele Onyxe von
Sardinien und Hyazinthe und Smaragde, die Opfergaben der Ägypter und der Inder, Äthiopier,
Meder, Armenier und Babylonier. Aber das größte Wunder von allen werde ich sagen: sie trägt ein
Juwel auf dem Kopf, genannt Lychnis, es hat seinen Namen von seinem Attribut. Von diesem Stein
blinkt ein großes Licht in der Nacht, so dass der ganze Tempel hell schimmert wie durch das Licht
der Myriaden von Kerzen, aber in der Tageszeit die Helligkeit ist schwach, das Schmuckstück hat
die Gestalt eines hellen Feuers. Es ist auch ein anderes Wunder in diesem Bild: wenn du ihm
gegenüber stehst, sieht es dir ins Gesicht, und wie du vorübergehst, folgt dir der Blick, und wenn du
dich annäherst von einem andern Winkel, sieht es zu dir, du wirst in ähnlicher Weise von dem Blick
betroffen.
Zwischen den beiden steht dort ein weiteres Bild aus Gold, kein Teil davon ähnelt den anderen.
Dieses Bild besitzt keine besondere Form, sondern erinnert an die Eigenschaften der anderen Götter
. Die Assyrer selbst sprechen es als ein Symbol an, aber sie haben für es keinen bestimmten Namen.
Sie haben uns nichts über seine Herkunft noch seine Form gesagt: einige nennen es Dionysos,
andere Deukalion, andere Semiramis, denn sein Gipfel ist von einer goldenen Taube gekrönt und
das ist es, warum sie behaupten, dass es das Bildnis von Semiramis ist. Es wird zum Meer zweimal
in jedem Jahr gebracht, zu dem Wasser, von dem ich gesprochen habe.
Im Körper des Tempels steht auf der linken Seite ein Thron für den Sonnengott, aber es gibt kein
Bild von ihm, denn die Bildnisse von Sonne und Mond sind nicht dargestellt. Ich habe kennen
gelernt die Gründe für diese Praxis. Sie sagen, dass die Religion nicht verbiete zu machen Bildnisse
der anderen Gottheiten, denn die äußere Form dieser Gottheiten ist allen bekannt, aber die Sonne
und der Mond sind schlicht für alle zu sehen, und alle Menschen schauen auf zu ihnen. Was nützt es
also, Bildnisse jener Gottheiten zu machen, die sich allen Blicken offen anbieten?
Hinter diesem Thron steht ein Bildnis von Apollo von einem ungewöhnlichen Charakter. Alle
anderen Bildhauer denken Apollo als Jugendlichen, und stellen ihn in der Blüte seiner Jahre dar.
Dieser Handwerker allein zeigt Apollo in seiner Statue bärtig. Sie rechtfertigen ihre Aktion und
kritisieren die Griechen und andere, die Apollo darstellen wie einen Jungen, und lieben ihn in dieser
bärtigen Gestalt. Ihr Grund ist, dass es ein Zeichen von Unwissenheit ist, unvollkommene Formen
den Göttern zuzuordnen, und sie schauen auf die Jugend als Unvollkommenheit. Sie haben auch
eine andere seltsame Neuheit in der Skulptur eingeführt: sie, und sie allein, repräsentieren Apollo
bekleidet.
Ich habe viel zu sagen über seine Werke, und ich werde dir sagen, was am meisten Bewunderung
verdient. Zuerst werde ich sprechen vom Orakel. Es gibt viele Orakel bei den Griechen, und viele
auch bei den Ägyptern, und wieder in Libyen und in Asien gibt es viele. Aber diese sprechen nicht
durch den Mund von Priestern und Propheten: dies wird von seinen eigenen Impuls bewegt, und
führt die Wünschelrute bis zum Ende. Die Art und Weise seiner Weissagung ist die folgende: Wenn
er den Wunsch äußert, ein Orakel zu sein, rührt er sich zunächst in seinem Sitz, und die Priester
wecken ihn sogleich auf. Sollten sie ihn aufzuwecken scheitern, schwitzt er und bewegt sich
heftiger als je zuvor. Wenn sie sich ihm nähern, treibt er sie im Kreis herum und springt auf einen
nach dem anderen. Endlich der Hohepriester konfrontiert ihn und befragt ihn zu jedem Thema. Der
Gott, wenn er alle vorgeschlagenen Maßnahmen missbilligt, tritt in den Hintergrund, wenn es
jedoch passiert, dass er den Bericht genehmigt, fährt er auf seinen Trägern nach vorne, als ob sie
Pferde wären. Es ist so, dass sie die Orakel sammeln, und sie unternehmen nichts Öffentliches oder
Privates ohne diese vorläufigen Orakel. Dieser Gott spricht auch über das Symbol, und weist darauf
hin, wenn es aufgrund der Jahreszeit für die Expedition bereit ist, von der ich sprach im
Zusammenhang damit.
Ich werde von einem anderen Wunder sprechen, die er in meiner Gegenwart durchgeführt hat. Die
Priester hoben ihn empor, aber er ließ sie auf dem Boden, und hob sich selbst allein empor.
Hinter Apollo ist die Statue des Atlas; dahinter die Statue des Hermes und der Eilithyia.
Das also sind die Inneneinrichtungen des Tempels; außerhalb steht ein großer Altar aus Kupfer Er
enthält auch unzählige andere eherne Bildnisse von Königen und Priestern. Ich werde nicht
schweigen von denen, die am meisten Erinnerung zu verdienen scheinen. Auf der linken Seite des
Tempels steht das Bild von Semiramis und deutet mit der rechten Hand an die Schläfe. Das Bild
wurde errichtet, um an die folgende Begebenheit zu erinnern: Die Königin hatte ein Dekret erlassen,
dass alle Syrer sollten sie als Gottheit verehren, und fügte hinzu, dass sie keine Zuflucht zu den
anderen zu nehmen hätten, auch nicht Hera ausgenommen, und sie gehorchten ihrem Dekret.
Danach aber, als Krankheit und Unglück und Trauer ihr zugefügt wurde, beruhigte sie sich von ihrer
wahnsinnigen Selbstverliebtheit und bekannte sich als eine Sterbliche, und ordnete ihren Untertanen
wieder an, sich Hera zuzuwenden. Das ist, warum sie heute steht in dieser Haltung, sie wies darauf
hin, dass Hera Göttin sei, deren Gnade zu gewinnen sei, und zu bekennen, dass sie selbst nicht eine
Göttin ist in der Tat wie Hera.
Ich sah auch das Bildnis der Helena und der Hekabe, Andromache, von Paris und von Achilles. Ich
sah auch die Statue des Nireus, des Sohnes der Aglaia, und von Philomela und Procne, während sie
noch Frauen waren, die Tereus in einen Vogel gewandelt hat, und ein weiteres Bildnis von
Semiramis und einen Combabus und eine Stratonice von besonderer Schönheit, und eins von
Alexander, dies sah ich gerne. Sardanapalus steht an seiner Seite in einer anderen Form und in
einem anderen Gewand.
In dem großen Hof sind Ochsen von großer Größe und Pferde sind auch da, und Adler und Bären
und Löwen, die der Menschheit nie schaden, aber alle sind heilig und alle zahm.
Viele Priester sind auch anwesend, von denen einige opfern die Opfer, andere bringen Trankopfer
dar, andere sind Feuer-Träger und andere Altardiener. In meiner Gegenwart mehr als dreihundert
von ihnen waren bei einem Opfer anwesend; sie hatten alle weiße Gewänder an und trugen Mützen
auf ihren Köpfen. Jedes Jahr wird ein neuer Hohepriester ernannt. Er, und nur er wird in Purpur
gekleidet und gekrönt mit einem goldenen Diadem.
Daneben gibt es eine weitere Vielzahl von heiligen Männern, Flötenbläser, Posaunenbläser, und
Galli, und rasende Frauen und Fanatiker.
Ein Opfer wird zweimal täglich dargebracht, und sie sind alle in der jetzigen Zeit noch da: Dem
Zeus opfern sie in Stille, weder singen sie noch spielen sie, aber wenn sie Hera opfern, singen sie,
pfeifen sie und schütteln Rasseln. Über diese Zeremonie konnten sie mir nichts gewisses sagen.
Es gibt auch einen See an der gleichen Stelle, nicht weit von dem Tempel, in dem viele heilige
Fische verschiedener Arten aufgezogen werden. Einige von wachsen ihnen zu einer stattlichen
Größe, sie werden mit Namen gerufen. Ich sah einen davon mit Gold verziert, und auf seiner
Rückenflosse ein goldenes Design, der war dem Tempel gewidmet. Ich habe oft diesen Fisch
gesehen, und er war sicherlich schön gestaltet.
Die Tiefe des Sees ist immens. Ich habe ihn nie selbst getestet, aber sie sagen, dass er von einer
Tiefe von mehr als 200 Klaftern ist. In der Mitte des Sees steht ein Altar aus Stein. Du würdest auf
den ersten Blick denken, dass er schwebe und sich bewege im Wasser, und viele denken auch, dass
es so ist. Die Wahrheit scheint mir aber, dass er durch eine Säule von stattlicher Größe auf dem
Grund des Sees basiert. Er ist immer mit Bändern geschmückt, und Gewürze sind darin, und viele
schwimmen jeden Tag im See mit Kronen auf den Köpfen, zur Ausübung der Handlungen der
Anbetung.
An diesem See treffen sich großen Versammlungen, und diese werden als Abfahrten auf den See
gestaltet, weil alle ihre Gottheiten in diesen See gehen, unter denen Hera voran schreitet, so dass
Zeus nicht sehen kann die ersten Fische, denn wenn dies geschehen würde, sagen sie, dass alle
miteinander untergehen würden. Und Zeus kommt tatsächlich mit der Absicht, diese Fische zu
sehen, aber sie stehen vor ihm, halten den Atem an in der Bucht, und mit vielen Bitten halten sie ihn
ab.
Aber die größte von diesen heiligen Versammlungen ist diejenige an der Küste. Über diese
Versammlung habe ich jedoch nichts sicher zu sagen. Ich war noch nie bei ihren Festen präsent,
noch habe ich die Reise dorthin unternommen, aber ich wollte sehen, was sie bei ihrer Rückkehr
tun, und ich werde es dir einmal sagen. Jedes Mitglied der Ordnung trägt ein Gefäß mit Wasser. Die
Gefäße werden mit Wachs versiegelt, und diejenigen, die das Wasser tragen, entsiegeln nicht die
Gefäße, und dann vergießt du das Wasser, aber es gibt gewisse heilige Hähne, die wohnen am See.
Dieser Hahn, bei der Aufnahme der Gefäße von den Trägern, prüft die Versiegelung, und nach
Erhalt einer Belohnung für diese Aktion, zerbricht er den Faden und nimmt weg das Wachs, und
viel Geld wird durch den Hahn bei dieser Operation gesammelt. Danach tragen die Träger das
Wasser in den Tempel und gießen es aus, und sie gehen, wenn das Opfer abgeschlossen ist.
Das größte der Festivals, dass sie feiern, ist die Öffnung der Bäume, manche nennen dies die
Scheiterhaufen, andere die Lampe. Bei dieser Gelegenheit wird das Opfer auf diese Weise
durchgeführt. Sie fällen hohe Bäume und stellten sie in den Hof, dann bringen sie Ziegen und
Schafe und Rinder und hängen sie lebend auf an den Bäumen, sie fügen hinzu Vögel und Kleider
und Goldschmiedekunst. Nachdem alles fertig ist, tragen sie die Götter um die Bäume und zünden
unter den Bäumen ein Feuer an, in einem Augenblick ist alles in einem Flammenmeer versunken.
Zu diesem feierliche Ritus kommen große Scharen Herden aus Syrien und all den Regionen umher.
Jeder bringt seinen eigenen Gott und die Statuen mit, jeder hat seine eigenen Götter.
An bestimmten Tagen kommt eine Vielzahl von Herden in den Tempel, und Galli in großer Zahl,
heilig, wie sie sind, führen sie die Zeremonien der Männer durch und fügen sich Schnittwunden an
ihren Armen und Rücken zu. Viele Zuschauer spielen auf den Flöten, während viele andere
schlagen die Trommeln, andere singen göttliche und geistliche Lieder. All diese Leistung erfolgt
außerhalb des Tempels, und die in die Zeremonie eingreifen, gehen nicht in den Tempel.
In diesen Tagen werden sie gemacht zu Galli. Da die Galli singen und feiern ihre Orgien, fällt
Raserei auf viele von ihnen, und viele, die als bloße Zuschauer gefunden werden, sind gekommen,
die große Tat begehen zu sehen. Ich werde erzählen, was sie tun. Jeder junge Mann, der zu dieser
Aktion entschlossen ist, streift seine Kleider ab und mit einem lauten Schrei platzt er mitten in die
Menge, und nimmt ein Schwert aus einer Reihe von Schwertern, die aufbewahrt worden sind seit
vielen Jahren für diese Zweck. Er nimmt es und kastriert sich selbst und läuft dann durch die Stadt
wild, trägt in seinen Händen, was er abgeschnitten hat. Er wirft es in jedes Haus, und von diesem
Haus empfängt er Frauen-Kleidung und Schmuck. So handeln sie während ihrer Zeremonien der
Kastration.
Der Gallus, wenn er tot ist, wird nicht wie andere Männer begraben, sondern wenn ein Gallus stirbt,
seine Begleiter führen ihn hinaus in die Vorstädte, und legen ihn auf die Bahre, auf dem sie ihn
getragen hatten, sie bedecken ihn mit Steinen, und nach diesem kehren sie nach Hause. Sie warten
dann sieben Tage, nach denen sie den Tempel wieder betreten. Sollten sie dies vorher tun, sie wären
der Gotteslästerung schuldig.
Die Gesetze, die sie beobachten, sind die folgenden: Wer eine Leiche gesehen hat, kann nicht in den
Tempel am selben Tag, aber später, wenn er sich selbst gereinigt hat, geht er hinein. Aber
diejenigen, die von der Familie des Toten sind, warten dreißig Tage, und nach der Rasur ihrer Köpfe
betreten sie den Tempel, aber bevor sie dies getan haben, ist es verboten.
Sie opfern Bullen und Kühe gleichermaßen und Ziegen und Schafe; Schweine allein sind es, die sie
verabscheuen, sie werden weder getötet noch gegessen. Andere schauen auf Schweinefleisch ohne
Ekel, sondern sehen die Schweine als heilige Tiere an. Von den Vögeln die Taube scheint das
Allerheiligste, auch finden sie es nicht richtig, diesen Vögeln zu schaden, und wenn jemand ihnen
unwissentlich geschadet hat, ist er unheilig für diesen Tag, und so, wenn die Tauben mit den
Menschen wohnen, sie setzen sie in ihre Zimmer und ernähren sie häufig auf dem Boden.
Ich will reden auch über diejenigen, die diese heiligen Versammlungen besuchen, und von dem, was
sie tun, dahin zu kommen. Sobald ein Mann nach Hierapolis kommt, rasiert er seinen Kopf und
seine Augenbrauen; danach opfert er ein Schaf und zerschneidet das Fleisch und isst es, er legt dann
das Vlies auf dem Boden aus, legt seine Knie drauf, aber legt Füße und Kopf des Tieres auf seinen
Kopf und zugleich betet er, dass die Götter es ihm gewähren, ihn zu empfangen, und er verspricht
ein größeres Opfer dem Jenseits. Wenn dies durchgeführt wird, krönt er seinen Kopf mit einem
Kranz und die Köpfe all jener in der gleichen Prozession. Ausgehend von seinem Haus, geht er auf
die Straße, vorher baden sie sich und trinken von kaltem Wasser. Er schläft immer auf dem Boden,
denn er kann nicht in sein Bett bis zum Abschluss seiner Reise.
In der Stadt Hierapolis empfängt ihn ein öffentlicher Wirt, denn es gibt spezielle Gastwirte, die in
jeder Stadt sind, und diese empfangen jeden Gast nach seinem Land. Diese werden von den
Assyrern Lehrer genannt, weil sie alle feierlichen Riten lehren.
Sie opfern die Opfer nicht im Tempel selbst, aber wenn die Opferer ihr Opfer auf dem Altar haben
und gossen ein Trankopfer aus, bringen sie das Tier lebend nach Hause, und er kehrt heim zu
seinem eigenen Haus, da er tötet sein Opfer und spricht Gebete.
Es gibt auch eine andere Methode des Opfers, wie folgt: Sie schmücken lebende Opfer mit Bändern
und werfen sie kopfüber aus dem Tempel-Eingang, und diese sterben natürlich nach dem Fall.
Einige werfen tatsächlich ihre eigenen Kinder nach unten, nicht wie sie es mit dem Vieh tun,
sondern sie nähen sie in einen Sack und werfen sie hinunter, sie zu besudeln mit Flüchen, und
erklären, dass sie nicht ihre Kinder sind, sondern Rinder.
Sie alle tragen Tätowierungen - einige an den Händen und einige am Hals - und so kommt es, dass
all die Assyrer Wundmale tragen.
Sie haben noch individuelle Gesetze, in denen sie sich mit den Trözianern der Griechen vergleichen.
Ich werde dies erklären. Die Trözianer haben ein Gesetz für ihre Mädchen und Jungen
gleichermaßen gemacht, nie zu heiraten, bis sie ihre Jugend dem Hippolytus gewidmet haben, und
das tun sie. Es ist das gleiche in Hierapolis. Die jungen Männer widmen das erste Wachstum des
Bartes an ihrem Kinn, dann lassen sie sich die Locken der Jungfrauen weihen, die heilig gewesen
von ihrer Geburt an, sie schicken diese dann aus dem Tempel und legen sie in Schiffe, in einige
silberne Gefäße, einige in Gold, und nachdem sie diese in den Tempel gebracht und beschriftet mit
dem Namen das Schiff, verlassen sie den Tempel. Ich führte dieses Gesetz selbst durch, als ich ein
Jugendlicher war, und mein Haar bleibt noch im Tempel, mit meinem Namen auf dem Schiff.

DIE EKLOGEN VON VIRGIL

ERSTE EKLOGE

MELIBOEUS
Tityrus, liegend unter der ausgebreiteten Buche,
In dem Walde flötet die Muse auf schlankestem Schilfrohr,
Wir verlassen das Land, süß ists an den Grenzen der Felder,
Ich bin verbannt, doch du weißt es ja, im langsamen Schatten
Lehren die Wälder uns um Amaryllis das Echo.
TITYRUS
Oh Meliböus, brachte ein Gott uns Stille und Frieden?
Denn er wird mir immer ein Gott sein, seinem Altare
Weih ich ein zartes purpurnes Lamm von unseren Feldern.
Er gewährt, dass mein Vieh hier alles durchstreift, wie du sehn kannst,
Mir auch, die rustikale Flöte zu spielen, das tu ich.
MELIBOEUS
Ich beneide dich nicht. Doch frag ich mich: Überall alles
Ist im Lande in solchem Aufruhr. Siehe, die Ziegen
Gleich ich einem Kranken, wir müssen neutral bleiben, Lieber.
Hier zwischen Haselbüschen sind für Zwillinge Wege,
Hoffentlich ließ er die Herde auf dem nackenden Felsen.
Dies war oft schlecht, wenn der Geist nicht war auf der richtigen Seite,
Er kam vom Himmel, er schlug die Eiche, so ward es geweissagt,
Das ist derselbe Gott, der uns erduldet, mein Lieber.
TITYRUS
Roma heißt die Stadt, o Meliböus, so denk ich,
Ich bin ein Narr, so heißt es, ich bin es gewohnt so zu heißen,
Ich bins gewohnt zu den Hirten zu treiben der Jungtiere Herde,
Welpen ähneln den Hunden wie die Kinder der Mutter,
Was ich sag, zu vergleichen kleine Dinge mit großen.
Roma erhebt das Haupt ja unter den anderen Städten
Wie die Zypressen oben geschmeidig sind bei den Gipfeln.
MELIBOEUS
Was war die Ursache, die dich nach Roma schauen ließ, Bruder?
TITYRUS
Freiheit war es, die erst spät der Tagedieb schaute,
Als mein Bart ward grauer und schon dünner mein Haupthaar,
Ich beschaute die Zeit, die kam, doch nach längeren Zeiten
Hat nach Amaryllis mich Galathea verlassen.
Denn, ich will es gestehn, während Galathea mich festhielt,
Keine Hoffnung auf Freiheit war, es herrschte Verschwendung.
Viele Opfergaben verließen da meine Stände,
Reich ward Käse gepresst für die Undankbaren, die Städter,
Niemals mit beladenen Händen kehrt ich nach Hause.
MELIBOEUS
Früher hab ich – warum so trüb? – Amaryllis gerufen,
Dass sie an ihrem Baume hängen lasse die Äpfel.
Tityrus aber war weg! Da rauschte dir selber die Tanne,
Dir, und der Brunnen, es wurden Obstgärten Ziele des Wandelns.
TITYRUS
Was denn konnte ich tun? Die Gaben lagen dabei doch.
Nichts so sehr an anderer Stelle wissen die Götter.
Hier sah ich einen Jüngling, mein Lieber, wie viele Jahre
Für ihn zweimal sechs Tage rauchten meine Altäre,
Das ist die Antwort, die er mir gab, ich wars der ihn fragte:
Führst du noch deine Kühe, Knabe, und züchtest die Stiere?
MELIBOEUS
Glücklicher alter Mann, es werden bleiben die Felder
Groß genug für dich, auch wenn die nackenden Steine
Und der schlammige Sumpf anstürmen gegen die Weide.
Nicht ein seltsames Futter werden die Schafmütter fressen,
Schlimme Krankheiten vom benachbarten Vieh zu bekommen.
Glücklicher alter Mann, der vertraut in der Mitte dem Strome,
Kühlung des Brunnens dem heiligen, undurchsichtigen Manne.
Hier, wie immer, hat dein Nachbar die grenzende Hecke
Voll von Bienen, die von den Blüten der Weide sich nähren.
Oft ist es ratsam, leicht zu schlafen und leise zu murmeln,
Da ist die hohe Klippe, um welche singen die Lüfte,
Aber nicht die mittlere Zeit, ein heiseres Brüten,
Unaufhörlich stöhnt auf der Ulme die girrende Taube.
TITYRUS
Vor dem Lichte die Hirsche, sich im Äther zu nähren,
Nackt am Strande und das Meer verlassen die Fische,
Sind auf Wanderung beide Enden der herben Verbannung,
Perser trinken den Rhein, Germanen trinken den Tigris,
Dieses Antlitz wird aus meinem Kopfe verschwinden.
MELIBOEUS
Hier werden einige durstige Afrikaner erblicken
Teile der Skythen und den schnellen Strom des Oaxes
Und getrennt von der ganzen Welt werden gründlich die Briten.
Ich werde sehen ein Land auch lang nach den Zeiten des Endes,
Sehen der Armen bescheidene Hütten, die Höhen der Hügel,
Und nach einigen Reichen mein Reich erblick ich verwundert.
Böse Männer haben bestellt verdammte Soldaten,
Diese Kulturen sind barbarisch, Zwietracht der Bürger
Produzierend. Wir aber säten armselige Dinge.
Setz dich, schau die Birnen, die Reihenfolge der Reben!
Geh, mein Freund, geh mit der Ziegen glücklichen Herde!
Ich werde nimmer in das tiefe Grüne geworfen,
Hängt ein Dornbusch von dem Felsen, den werd ich sehen.
Keine Verse sing ich ohne zu füttern die Ziegen
Mit der Blüte der Luzerne und bitteren Weide.
TITYRUS
Hier aber in der Nacht mit mir für den Rest dieser Nachtzeit
Auf den grünen Blättern! Wir haben Äpfel, die reif sind,
Esskastanien und geronnene Milch auch in Menge,
Und schon von weitem die Höfe, die Dächer voll Rauch aus dem Schornstein,
Fallen größer aus den hohen Schatten der Berge.

ZWEITE EKLOGE

Einst ein stattlicher Schäfer war, mit Namen Alexis,


War die Freude des Herrn, dass er zu hoffen was hatte.
Und nur unter den dichten schattigen Spitzen der Buchen
War er immer. Und dort, allein, verwirrt in dem Geiste,
Rühmt er die Wälder, die Berge und die Erforschung der Leere.
Grausamer Hirte Alexis, gibt es denn nur meine Lieder?
Kein Erbarmen mit mir? Und schließlich zwingst du mich zu sterben?
Jetzt hat noch das Vieh der Weide Schatten und Kühle,
Jetzt sogar die grünen Eidechsen hier sich verstecken,
Thestylis, müde Schnitter und schnelle Wärme der Sonne,
Quendel blüht und andere Kräuter, Thymian, Knoblauch.
Aber für alle meine Fußspuren, schattige Wäldchen,
Schrille Zikaden klingen unter der brennenden Sonne.
War es nicht besser, trauriger Amaryllis Erzürnen
Und voll Hohn die Verachtung? O Menalcas, Menalcas,
Wenn er auch dunkel war, obwohl er so herrlich und schön ist?
Schöner Knabe, nicht durch Reichtum der Farbe, unglaublich,
Weißer Liguster, sollten die Hyazinthe sie pflücken.
Du schaust auf ihn herab, noch hat er Fragen, was bin ich?
Und wie reich an Herden und an schneeweißer Sahne?
Im sizilianischen Feld die Hügel von Tausenden Lämmern,
Milch hab ich nicht, die in dem Sommer und Winter noch ausfällt.
Lieder sing ich, schöne Lieder, die es gewohnt sind,
Wenn er zu irgendeinem Zeitpunkt gerufen die Herden,
Der Amphion von Dirce, Aracyntho, Aktäan.
Ich bin zu krank, um mich an der Küste sehen zu lassen,
Wenn der Wind das Meer gestillt. Ich weiß nicht, o Daphnis,
Soll ich mich fürchten, dich zu beurteilen, da ich nie irrte?
Aber zufrieden mit mir, mit dir, mit den raueren Feldern
Und in manchen bescheidenen Hütten, es schießen die Hirsche,
Eine Herde von Kindern in dem grünen Hibiskus!
Pan ist in dem Walde mit mir zusammen, im Schilfe,
Pan kümmert sich um die Schafe und die herrlichen Hirten.
Du hast deine Lippen noch mit dem Schilfrohr getragen,
Was er wissen konnte, wie hat nicht Amyntas gehandelt?
Ich hab sieben ungleiche Schierlinge, tödlichen Schierling,
Eine Hirtenflöte, die gab mir Damötas aus Gnade,
Als er im Sterben lag und sagte: Für dich jetzt als Zweitem,
Sagte er, es beneidete mich der Dummkopf Amyntas.
Neben den beiden Tälern gefunden, keineswegs sicher,
Bogen, auch jetzt sich über die weißen Häute verbreitend,
An dem Schaf-Euter zweimal am Tag, das für dich ich bewahrte.
Thestylis, mir genommen für lange, jetzt Zeit ists zum Beten,
Sie verweigern meine Geschenke, die sie verschmähen.
Komm hierher, o süßer Knabe, Lilien hab ich,
Nymphen tragen Körbe, Messe feiern Najaden,
Rupfen die purpurnen Mohnblüten und die blässlichen Veilchen.
Er schließt sich ihnen an, es blühen Dill und Narzissen,
Kassia dann mit süßen Kräutern und andern verwoben,
Sanfte gelbe Ringelblumen, Blaubeeren farbig.
Doch ich lese schlecht die Ausschreibung weißlichen Flaumes,
Die Kastanien, die von Amaryllis geliebten.
Ich füg hinzu zu ihrer Ehre die schimmernden Pflaumen
Und auch dich, o Lorbeer, und dich, angrenzende Myrte,
So gestellt, ihr werdet mischen das süße Aroma.
Bauer Corydon, du bist nicht das Geschenk von Alexis
Und die Geschenke, die du Iollas zulässig gabest.
Weh mir, weh mir, was müsst ich mit meinem glücklosen Kopf tun?
Blumen des Südens stürzen in der Wildschweine Quellen!
Wem meinst du denn fliegen zu können, ach, aus dem Herzen?
Göttern der Wälder? Paris von Troja? Pallas Athene?
Hände haben gebaut vor allem den Wald uns zur Freude.
Grimmige Löwen verfolgen den Wolf, der Wolf jagt die Ziege,
Folgt in den blühenden Klee der wilden mutwilligen Ziege.
Du, Alexis, bist vom eignen Vergnügen gezeichnet.
Schau, das Joch der Ochsen hängt und der Pflug liegt am Boden
Und der scheidet, verlängert die doppelt werdenden Schatten.
Aber mich zu lieben, das gibt Verbrennungen, Lieber,
Denn wer kann die Liebe eines Hirten begrenzen?
Corydon, Corydon, was für ein blühender Wahnsinn ergriff dich!
Halb zurückgeschnitten, belaubten sich Reben an Ulmen.
Warum gehst du nicht weiter, wenigstens etwas zu machen,
Zweige, weich geschmeidig, oder biegsame Binsen?
Nimm einen andern, wenn er dich verschmäht, mein Alexis.

DRITTE EKLOGE
MENALCAS
Sag mir, Damötas, wer die Herde besitzt? Meliböus?
DAMOETAS
Nein, aber Aegon. Aegon hat sie mir kürzlich geliefert.
MENALCAS
Schlechte Schafe, schlechtes Vieh! Er bleib in Neära,
Da ich diese Angst hab und er nicht lieber mich anschaut,
Diese getreue Schafsmilch-Wache zweimal die Stunde,
Diese Herde, die Milch und der Saft der leckeren Lämmer.
DAMOETAS
Ich erinnre mich nicht an die Anklage gegen die Männer.
Ja, wir wissen, wer bei euch war, der Ziegen schief ansah,
Denen die Nymphe lachte und die die Kapelle besuchten.
MENALCAS
Und dann denk ich daran, wenn ich sehe Mikonos’ Bäume
Und das Böse, dass man muss die Reben beschneiden.
DAMOETAS
Hier von den alten Buchen mit dem Bogen von Daphnis
Brach sie die Zweige, die du, o böser Menalcas, gebunden,
Wenn du gesehen, wie sie dem Knaben wurden gegeben,
Wenn er nicht in einigem Leid war, so wärst du gestorben.
MENALCAS
Was können Meister tun, wenn solche Dinge tun Diebe?
Damon, ich seh dich nicht, das Schlimmste ists, auf die Ziege
Warten zu müssen, um einen Hund von Lykiskos zu kriegen.
Und als er rief: Wo ist er jetzt hin? O Tityrus, Lieber,
Vieh einzusammeln, verstecktest du dich hinter den Körben.
DAMOETAS
Ist es mir zu singen erlaubt, und er war nicht bezahlbar,
Meine Lieder hatten doch verdient diese Ziege?
Wenn du nicht weißt, was war mir die Ziege und was war mir Damon,
Aber er gab es zu, er konnte sie nicht bezahlen.
MENALCAS
Singst du? Hast du schon den Wachs der Bienen zusammen?
Bist du nicht an den Straßenecken, wo er nicht gelehrt war,
Wo man pflegte auf elenden Halmen zu pfeifen ein Liedchen?
DAMOETAS
So siehst du, sie wollen was jeder tun kann, ein jeder,
In der Praxis. Ich wette um diese Jungkuh, sag Nein nicht,
Zweimal kam er mit dem Eimer und melkte auch zweimal,
Aber du sagst mir, o Menalcas, das Pfand sei umstritten.
MENALCAS
Wagen würde ich nicht, weg von der Herde zu gehen,
Denn ich hab einen Vater zu Hause, die Stiefmutter böse,
Zweimal am Tage zählen wir die Herde, die Kinder,
Das will ich bekennen, dass es viel größer als du ist,
Ich war verrückt nach dir, ich machte aus Buche den Becher,
Ein geprägtes Werk des göttlichen Alkimedon,
Drechslerarbeit leicht hinzugefügt, um den Weinstock
Binde ich blasse Efeuranken, die kleiden die Trauben.
In der Mitte von zwei Zeichen: Konon. Der andre
War, der das herrliche Buch vom Kreis der Nationen der Welt schrieb,
Was die Jahreszeiten regiert, die Arbeit der Pflüger.
Ich verstumme. Sie haben ihn nicht, doch halten ihn sicher.
DAMOETAS
Uns zwei Becher, vom gleichen Alkimedon geschaffen,
Und die Griffe mit weichen Akanthusblättern umgeben
Und in der Mitte der Wälder Orpheus mit folgenden Wäldern.
Ich verstumme. Sie haben ihn nicht, doch halten ihn sicher.
Wenn man die Kuh wählt, gibt es nichts Bessres als Becher zu loben.
MENALCAS
Nie, nie aussteigen! Ich werde da sein, Damötas, mein Lieber,
Höre diese Sachen, oder ist es Palämon der ankommt?
Wird deine Stimme fortan von ruhlosen Tönen verstummen?
DAMOETAS
Komm herauf, wenn du nicht zögerst, bei mir zu bleiben.
Ich glaub nicht an deine Leiden. Mein Nachbar Palämon,
Das ist eine kleine Sache, es dir zu vergelten.
PALAEMON
Sage ihnen: Sitzet auf dem weichlichen Grase!
Jetzt die Wiese, jetzt sind alle Bäume schon keimend,
Jetzt der grüne Wald und jetzt die Schönste des Jahres!
Nun beginne, Damötas, und dann folge, Menalcas,
Abwechselnd sollt ihr singen, die Musen lieben den Wechsel.
DAMOETAS
O die Muse und Vater Zeus sind allgegenwärtig,
Er pflegt die Felder, er hat ziemlich lieb meine Lieder!
MENALCAS
Mich liebt Phöbus Apollon, Phöbus’ Eignes von mir ist,
Diese Geschenke sinds, der Lorbeer, das zarte Erröten.
DAMOETAS
Einen Apfel warf auf mich Galathea, das Mädchen,
Ich floh auf den Auen und wünschte, sie wiederzusehen!
MENALCAS
Er biete sich mir an, es kommt meine Flamme Amyntas,
Besser, nichts von den Hunden zu wissen, aber von Luna!
DAMOETAS
Für meine Liebe sind Geschenke, denn ich bemerkte,
Oben ist hoch das Licht, wo die girrenden Waldtauben leben.
MENALCAS
Lieber Knabe, er nahm vom Baum einen holzigen Apfel,
Ich hab zehn goldene Äpfel, morgen schick ich die andern.
DAMOETAS
O dass die Zeiten und Galathea haben gesprochen!
Doch ein Teil des Windes rauscht in die Ohren der Götter.
MENALCAS
Was hilfts mir, der nicht verschmäht meine Liebe, Amyntas,
Wenn, während du den Eber jagst, ich werfe die Netze?
DAMOETAS
Sende mir die Phyllis! Es ist mein Geburtstag, Iolla,
Wenn ich eine Jungkuh zum Ackern bekomme, dann komm ich.
MENALCAS
Ich liebte Phyllis zuerst, sie weinte, als ich gegangen,
Und ein langes Lebewohl mir sagte Iolla.
DAMOETAS
Wölfe sind schlecht für die Ställe, der Regen gut für die Pflanzen,
Bäume rauschen im Wind, für mich ist der Zorn Amaryllis’.
MENALCAS
Süßer ist die Feuchtigkeit und die Kinder, entwöhnte,
Auf der Weide geschmeidig die Herde, Amyntas mein eigen.
DAMOETAS
Unser Pollio liebt es, auch wenn es nur ländlich, das Liedchen,
Und die Muse bringt Kuhfutter für den hungrigen Leser.
MENALCAS
Pollio selbst macht neue Lieder, Stiere zu füttern,
Mit den Hörnern ausschlagend, streuend den Sand mit den Hufen.
DAMOETAS
Wer hat Pollio, den Geliebten, kommen geheißen?
Honig fließt für ihn, es fordert dies grobe Gewürze.
MENALCAS
Bavius, wer sie nicht hasst, der liebt wohl deine Gedichte.
Und ihm treten die Füchse bei und melken die Böcke.
DAMOETAS
Die die Blumen lesen und frische Erdbeeren züchten,
Frostknaben fliegen daher, die Schlange lauert im Grase.
MENALCAS
Bleibt, meine Schafe! So viel im Voraus nur: Krank ist das Ufer,
Reichem Widder auch jetzt noch sein trockenes Vlies zu vertrauen.
DAMOETAS
Tityrus bietet weidenden Ziegen Wasser vom Flusse,
Wenn die Zeit kommt, werd ich alles waschen im Frühling.
MENALCAS
Denkt an die Schafe, Kinder: Schäumt die Milch von der Hitze,
Haben umsonst wir gequetscht die Brüste in unseren Händen!
DAMOETAS
Ah und Oh! Wie mager ist mein Stier in der Hürde!
Liebe ist der Tod der Herde, des liebenden Hirten!
MENALCAS
Liebe ist nicht die Ursache dieser Haut, dieser Knochen,
Siehe, ein böses Auge betört meine zärtlichen Lämmer.
DAMOETAS
Sag was du sein wirst in den Ländern, groß wie Apollo
Wirst du im Himmel sein. Der Himmel ist nicht mehr zu öffnen.
MENALCAS
Sag was du sein wirst, die Namen der Könige stehen geschrieben,
Blumen werden geboren und Phyllis soll dir gehören!
PALAEMON
Toll, wie ihr komponieren könnt die Wechselgesänge!
Du verdienst die Jungkuh, und jeder der jemanden lieb hat,
Jeder der Angst hat oder fühlt sich bitter und lieblich.
Schließt die Felder, ihr Knaben, genug hat die Aue getrunken.

VIERTE EKLOGE

Musen Siziliens, lasst uns singen ein weniges größer!


Denn nicht jedem gefallen die Tamarisken, die niedern,
Wenn wir Wälder singen, singen wir würdig des Konsuls.
Dieses Blatt war zuletzt das Blatt der Sibylle von Cuma,
Jetzt kommt das Alter des Gesanges, das würdige Alter,
Denn die großen Jahrhunderte, siehe, beginnen von neuem!
Jetzt gibt die Jungfrau, sie gibt wieder die Macht des Saturnus,
Neue Nachkommenschaft wird uns vom Himmel gesendet!
Sie, die Jungfrau, legte das einzige Kind hin, geboren,
Ihn, den Erstgebornen, durch den das Eisen wird enden
In der goldenen Rasse, und der Weltkreis, der ganze,
Keusche Lucina, lebt in deiner göttlichen Gnade,
Denn du arbeitest in dem Geist des Apollo, des Herrschers.
Herrlichkeit dieses Zeitalters, große, zu deiner Regierung,
Pollio, da die Zeit beginnt und die neuen mächtigen Monde.
Unter deiner Regierung, gabs eine Spur des Verbrechens,
Kündigen sich die Länder frei von ständiger Bangnis.
Ah, das neue Leben wird göttlich empfangen zu sehn sein,
Es vermischt sich mit Helden, von ihnen gesehen zu werden,
Eine Welt des Friedens wird herrschen über den Weltkreis.
Erstlich ein Knabe, mit einem kleinen Geschenk der Verehrung
Wandernden Efeus überall mit Baldrianblumen
Schön gemischt und mit der lächelnden Pflanze Akanthus.
Milchziegen sind geschwollen gegangen heimwärts nach Hause
Und die riesigen Löwen alamieren die Herden,
Voll Begeistrung ist ausgelegt mit Blumen die Wiege.
Schlangen werden vergehen und tückische Giftpflanzen gleichfalls
Und die assyrischen Kräuter gelten dem einfachen Volke.
Und das Lob der Helden und das Werk deines Vaters
Sind zu lesen, und du wirst wissen, was ist die Tugend,
Denn vom weichen, deutlich gelben Maiskolben kommen
Die errötenden Trauben und von wildesten Dornen
Und die Eichen destillieren taufrischen Honig.
Doch gibt’s noch Spuren der Reliquien alter Verbrechen,
Es verführen Gebote die Schiffe, mit Mauern umgürtet,
Nämlich die Städte, die die Erde in Furchen gespalten.
Neue Dioskuren entstehen, neu eine Argo,
Ihre erwählten Helden, Kriege werden erstehen.
Wieder wird gesendet ein großer Achilles nach Troja,
Dann wenn die Länder haben dich als Mann in der Vollkraft,
Er beendet das Meer und auch das Segeln der Schiffe,
Und man ändert die Ware, das Land wird alles erzeugen.
Nicht wird der Boden die Hacke fühlen, der Weinstock die Sichel,
Und da wird sein ein mächtiges Joch für die Stiere, die starken,
Man wird lernen, nicht zu lügen, bunt ist die Wolle,
Jetzt wird der Widder stehn auf der Wiese mit rötlichen Vliesen,
Jetzt wird er sein Vlies zur goldenen Farbe verändern,
Dies tun die weidenden Lämmer alles aus eigenem Antrieb.
So, ihr Zeitalter, zeigt die Rasse und ihre Auswahl
Die Vereinbarung mit dem festen Willen des Schicksals.
Liebster Knabe von göttlicher Ehre! Die Zeit wird bald da sein,
Lieber Erbe der Götter, Jupiters mächtiger Sprössling!
Schau auf die Welt, wie schwankend ihre kreisende Masse,
Schau die Erde, den tiefen Himmel, die Weite des Meeres,
Schau wie alle Dinge zu Zeiten sich freuen zu kommen.
Lebe lang, o dann kann kommen das Ende des Lebens,
Voll des Geistes wird man deine Werke erzählen:
Keiner übertrifft mich im Lied, nicht der thrakische Orpheus,
Auch nicht Linus, wenn auch beide Helfende hatten,
Orpheus Kalliope half, dem Linus der schöne Apollo.
Pans Arkadien, tritt er gegen mich auf mit dem Richter,
Pans Arkadien wird sich als überwunden erklären.
Auf, o Knabe, mit einem Lachen! Erkenne die Mutter,
Deine Mutter, die trug dich neun lange schmerzhafte Monde.
Auf, beginne, o Knabe, mit der lächelnden Mutter,
Sonst wird kein Gott dich verzeichnen im Buche des Lebens,
Und du würdest mit keiner Göttin liegen im Bette!

FÜNFTE EKLOGE

MENALCAS
Warum haben wirs nicht erfüllt, wir beide zusammen,
Du das Rohr nahmst, das Licht zu blasen, so wollte ich’s wenden,
Und vermischt mit den Haseln unter den Ulmen zu sitzen?
MOPSUS
Du bist der Ältere, da ist es schön, Gehorsam zu nehmen,
Oder im dunkelnden Schatten des sinkenden Westens zu sitzen,
Oder besser gesagt, in der Höhle. Schau in die Höhle,
Siehe das Waldgebiet mit vereinzelten streunenden Zapfen.
MENALCAS
Hier auf den Hügeln ist allein mein Rivale Amyntas.
MOPSUS
Was, wenn er wird im Wettbewerb auch Phöbus besingen?
MENALCAS
Fange du an, wie wir es getroffen haben, denn erstens
Wird das Feuer entweder uns durch Phyllis entzündet
Oder durch Alkon, ob du besser bist oder nicht Codrus?
Tityrus wird beobachten die Beweidung der Kinder!
MOPSUS
Diese Dinge stehn in der grünen Rinde der Buchen.
Die ich vor kurzem beschrieben habe, wir habens begriffen,
Diese Liederweisen werd ich wieder versuchen,
Denn Amyntas versucht mit mir zu rivalisieren.
MENALCAS
Ruhe unter grünen Oliven, sich biegenden Weiden
Oder die bescheidene Rose im Bett aus Lavendel,
Durch mein Urteil soll Amyntas’ Erträge dir bringen.
Aber schweig fortan von dem jungen Mann in der Höhle!
MOPSUS
Ach, die Nymphe, als so grausam Daphnis gestorben,
Weinte (die Haseln sind Zeugen und die Flüsse der Nymphen),
Während sie weinend umarmte den Leichnam des Sohnes,
Rief er die Mutter Gottes, die Sterne, und so starb er grausam.
Keine Mahlzeiten an Bedürftige Daphnis verteilte
Während der Kälte, die Ochsen zogen still durch die Furten,
Vierarmig fließt der breite Strom, da steht noch ein Grashalm.
Daphnis, brüllten die Löwen in Trauer, auch die Karthager,
Deine Arbeit zu tun, die Berge schütteln die Wälder.
Daphnis und die armenischen Tigerinnen vorm Wagen
Sind entschlossen, bacchantische Tänze des Daphnis zu tanzen,
Führen umschlungen, in weichen Blättern, die härtesten Speere.
Wie die Reben schmücken die Bäume, Weinreben fruchtbar,
So der Stier die Herde, die Äcker sind fruchtbare Felder,
Diese ehren uns alle. Es hat dich sicher das Schicksal.
Pales und Apollo, sie verließen die Länder.
Oft in den Furchen die Gerste ist anvertraut zum Erstaunen,
Unkraut und unfruchtbarer Hafer werden geboren,
Für die sanften Veilchen und die lila Narzissen
Soll er mit scharfen Spitzen steigen in Dornen und Disteln.
Decke den Boden mit Blättern, mit den Schatten der Zweige,
Hirten (Ehren, die diesem Daphnis dargebracht werden)
Machen einen Hügel, das Grab, und stimmen das Lied an:
Daphnis ging zu den Sternen, ich bin im Wald an der Seite,
Dieser Bekannte sieht viel schöner aus als die Hirten.
MENALCAS
Ihr singt solche Lieder, o ihr göttlichen Dichter,
Kennt die Schönheit des Schlafs, des Ruhns auf dem Rasen,
Wärme des Süßwassers, um den Durst mit den Brunnen zu stillen.
Schaffe nur nicht gleich, die Stimme des Meisters ertöne,
Glücklicher lieber Knabe, du wirst jetzt neben ihm sitzen.
Dies wiederum kommt von uns, die in mancherlei Weise für dich sind,
Sagen wir, deinen Daphnis tragen wir hoch zu den Sternen,
Daphnis zu den Sternen zu tragen, der uns geliebt hat!
MOPSUS
Könnte denn nicht jeder solch ein Segen uns werden?
Ja, der liebe Knabe war würdig, besungen zu werden,
Und sein Loblied ist seit langem als Lied uns ein liebes.
MENALCAS
Der brillante Daphnis staunt an der Pforte des Himmels
Unter den Füßen der Wolken und sieht die funkelnden Sterne.
Also jubeln die Felder, die Wälder und Leidenschaft haben
Pan und die Dryaden, er ermutigt die Mädchen.
Auch ist der Wolf dabei, zu überfallen die Herde,
Und der Hirsch in der Falle weiß keine rettenden Listen,
Aber die Art und Weise von Daphnis hat gerne den Frieden.
Er ist die Freude und Wonne an dem Worte: Gen Himmel!
Schroffe Berge und Felsen hallen wieder mein Singen,
Selbst die Bäume tönen: Gott lebt! Ja, Gott lebt, Menalcas!
Sei du gut zu deinen Vertrauten! Hier sind Altäre,
Zwei für dich, o Daphnis, und zwei für Phöbus Apollon.
Zwei Becher frisch aufgeschäumter Milch dir einmal im Jahre,
Und zwei Eimer von Fett und Öl deiner Statue, Daphnis,
Und ein fröhliches Fest mit Bacchus, und viel ist zugegen
Vor dem Herd, wenn das Wetter kalt ist, die Ernte gereift ist,
Dann im Schatten des Weines, Körbe voll fruchtbarer Reben,
Ariusia strömt dann über von purpurnem Nektar.
Aegon, Damötas singen für mich die kretischen Hymnen,
Satyrn tanzen wilde Tänze für Alphesiböus.
Diese Worte tönen für immer, mit frommem Gelübde
Machen wir froh die Nymphen, wenn wir säubern die Felder.
Während die waldigen Berghöhen und die Wildschweine wüten,
Und solange die Fische lieben kristallene Flüsse,
Thymian wird die Bienen ernähren, der Tau nährt Zikaden,
Stets in Ehren halt deinen Namen, dann bleibt dir der Nachruhm.
Bacchus und Ceres! Also legen wir ab die Gelübde,
Sie tun Gutes dem Landmann. Ceres erfüllt die Gelübde.
MOPSUS
Was geb ich dir im Gegenzug für solche Gesänge?
Denn auch für mich werden kommen die wilden Pfeifen des Himmels,
Werden mir nicht helfen, die Welle treibt an den Sandstrand
Und die Strömung strömet zwischen den felsigen Tälern.
MENALCAS
Du wirst geben wohl von diesem gebrechlichen Schierling.
Möge dieser schöne Corydon lieben Alexis,
Wie er selbst sagte: Wem gehört das Vieh? Meliböus?
MOPSUS
Nimmst einen Gauner, wie oft er mich bat, mit ihm zu verharren,
Antigenes mir nicht wegzunehmen, den Lieben
(Er war würdig meiner hingebungsvolleren Liebe),
Dies sind schöne Knoten. Die Luft ist schwül, o Menalcas.

SECHSTE EKLOGE

Muse, pass auf, den ersten Vers zu spielen, den eignen,


Denn noch schämt er sich, in dem Wald mit Thalia zu leben.
Wenn ich von Kriegen und Königen sang, Apollo sein Ohr lieh
Der Begierde und warnte: Ein Hirte, Tityrus, Fettes,
Notwenig ists, die Schafe zu füttern, die Fäden zu spinnen.
Jetzt hab ichs (du wirst müssen, die singen zu deiner Verklärung,
Pflanze du deinen Wunsch und auch die grimmigen Kriege),
Rustikale Muse auf dem schlankesten Schilfrohr,
Singe nicht ungefragt. Ists dennoch auch diese, wenn jemand
Fasziniert von der schönen Liebe ist, dieses zu lesen,
Dass du, Varus, unter Tamarisken vernehmest,
Sie wird besingen den Hain, ist nicht angenehmere Weise
Für Apollo als eine mit dem Namen des Varus.
Gehe vorwärts und schieße! Chromis und Mnasylus drinnen
Haben Silenus schlafen gesehen, den Mann in der Höhle,
Gestern mit geschwollenen Venen, wie immer, o Jacchus!
Blumengirlanden, hängend vom Haupte, niederzulegen,
Hingen schwer herab, und hart war der Griff um den Becher.
Auf ihn Fallende (beide hofften ein Lied für den Alten,
Die ihn verspottet hatten), sie kriechen heraus mit den eignen
Blumengirlanden. Aegle, Aegle schien ängstlich und furchtsam.
Aegle, Schönste der Najaden, jetzt dich zu sehen,
Blut malt dir die Mode. Er lacht wohl über das Witzeln:
Wohin gehst du, sprach er, mich zu fesseln mit Ketten?
Ruiniert mir den Mann, es genügt ja, dass man ihn schaute.
Willst du die Lieder von einem lieben Lied, dich zu kennen,
Gibt es weiteren Lohn. Zur gleichen Stunde beginnt er,
Da die Zahl der Tiere, die man anschauen könnte,
Faune spielen ebenso wie die unbeugsamen Eichen.
Phöbus war nicht nur auf dem hohen Berge Parnassus,
Auf dem Rhodope, nicht nur sind sie von Orpheus verzaubert.
Denn er sang gezwungen die Samen des Meers und der Erde
Und desgleichen das Feuer, das beim Anfang das Erste,
Alle Dinge sind da und auch die zarteste Erdwelt,
Doch das Letzte weiß nur zu schließen Nereus, die Meersflut
Steht am Anfang, die Dinge nach einander erscheinen,
Jetzt scheint die Sonne und die neue Erde verwundert,
Höher, höher, erhabene Wolken fallen wie Schauer,
Wenn beginnen die Bäume des Waldes, sobald sie entstehen,
Und sie irren durch Lebewesen, die nicht der Berg kennt.
Jene Steine, die Pyrrha warf, die Macht des Saturnus,
Kaukasus und der Adler und der Raub des Prometheus.
Dazu fügt er die Quelle des Hylas, Matrosen, die bleiben,
Und die Küste rief: Hylas, Hylas! So lautete alles.
Also glücklich wären sie nie mit den Herden der Rinder,
Wie Pasiphae liebte den Stier mit tröstender Liebe.
O du Eine! Unglückliche, was für ein Wahnsinn ergriff dich!
Prötides und den folgenden Feldern sag ich in Wahrheit,
Dass die meisten nicht so sehr verfolgt vom Geschlechtsakt,
Wenn auch der steife Nacken stand in der Ehrfurcht vorm Pfluge,
Oft in der glatten Stirn der Tiere erhoben sich Hörner.
O du Eine! Unglückliche, in den Bergen jetzt wandernd,
Er umfasst die verschneite Seite des bläulichen Berges,
Unter dem schwarzen Efeu kaut er blässliche Gräser
In der großen Herde. Schließe du ab mit den Nymphen,
Ariadnes Nymphen, auf der Waldlichtung tanzend,
Die das Glück haben, zu erscheinen unseren Augen,
Sie sind die wandernde Spur des Ochsen, vielleicht ist es also,
Oder durch grünes Gras und angeschlossen der Herde,
Und Cortynia führt sie in den Stall für die Kühe.
Dann singt er von den Hesperiden, den westlichen Jungfraun,
Da sind Wunderwerke an hesperischen Äpfeln,
Da sind schwarze Moose von bitteren Beeren umgeben,
Hunde bellen, und hoch stellt sich einzig die aufrechte Erle.
Also singt er und wandert durch die Flüsse von Gallus,
Um Aonas mit einer Schwester schön zu vermählen.
Als der Chor aufstand, ist um Aonas schon alles versammelt.
Dies sind inspirierte Lieder, die Linus gesungen,
Schön geschmückt mit Blumen und Petersilie die Locken.
Sing sie zu dem Schilfrohr, nimm die Flöte, o Muse,
Wie einst Hesiod in seinem Alter geflötet,
Lieder den Berg hinunter zu singen bis zu den Eschen.
Niemanden lass dir sagen den Ursprung dieser Grynei,
Nichts von dem, was der Hain ist, wo Apollo ist herrlich.
Was soll ich von Nisus und Scylla sagen, die Sage
Hat sie beschrieben als weißlich und mit heulenden Monstern,
Mit Üxasse, Dulichion, Schiffen hinab in den Abgrund,
Schüchterne Segler treiben Hunde da auf dem Meere,
Oder die veränderten Glieder von Tereus zu nennen,
Wie das Fest Philomeles, welches Geschenk es gegeben,
Wie der Verlauf der Feierlichkeiten gewesen, für wen da
Flogen über die Dächer ihre unglücklichen Flügel?
All dies war einmal erprobt, o Phöbus, glücklich geboten
Hat Eurotas seinem Lorbeer, fleißig zu lernen,
Also singt er (sein Sitz wird zurückversetzt zu den Sternen)
Kraftvoll, bis alle kleinen Lämmer sich betten im Schoße,
Und die Anzahl ohne des Abends Zustimmung da ist.
Er geht hinaus und befiehlt den Höhen des Himmels zu tönen.

SIEBENTE EKLOGE

MELIBOEUS
Einst in den schrillen Eichen Daphnis hatte gehangen,
Thyrsis und Corydon hatten die Herde zum Orte geleitet.
Thyrsis die Schafe und Corydon Ziegen, die Euter geschwollen,
In der Blüte des Lebens, Arkadier waren sie beide,
Brüder, und bereit zu singen und Antwort zu geben.
Hier bei mir, der Verteidigung seiner zärtlichen Myrte,
Einer Schafherde er vertraute die Ziege, mein Daphnis.
Ich blickte auf. Er sah mich an von der anderen Seite,
Rasch, sprach er, komm, Meliböus, deine Zicklein sind sicher,
Wenn er’s beendet, dann genieße die Ruhe im Schatten.
Hier kommen sie durch die Felder und neigen sich dazu, zu trinken.
Dieses grüne zarte Schilf an dem Ufer des Flusses,
Und jetzt brummen die Schwärme in der heiligen Eiche.
Was konnt ich tun? Denn ich glaube nicht Alkippe, denn Phyllis
Hatte nicht Männer von der Milch nach Hause getrieben,
Die die Lämmer einzuschließen hatten, die Hirten,
Corydon kämpfte mit Thyrsis um eine wahnsinnige Sache.
Allerdings verschob ich mein Geschäft für ihr Späßchen.
Beide bemühen sich um schön abwechselnde Verse,
Es begann geordnet, sie wollten die Musen erinnern.
Diese Verse gehören dem Corydon, jene dem Thyrsis.
CORYDON
Nymphen, meine Liebe, ihr Freien, hört meine Lieder,
Hört die Qualität meines Codrus (am nächsten Apollo,
Wenn er Verse macht), oder wenn wir nicht können,
Dies wird auf Rohren zu pfeifen sein herab von den Fichten.
THYRSIS
Hirten, mit dem Kranz des Efeus verziert den Poeten,
Den Arkadier, so dass platzt vor Eifersucht Codrus,
Oder wenn dies genehmigt, die von Baldrianblumen
Schön Umgebnen, nicht schlecht der Sprache Kunst zu verletzen,
Diese sollen gerettet werden von Göttern und Musen.
CORYDON
Diesen borstigen Eberkopf für dich, schöne Luna,
Und das kleine verzweigte Geweih eines jüngeren Hirsches.
War dies der richtige Marmor des gesamten Gebirges,
Spielen rosige Kälber in ihren Halbstiefeln lustig.
THYRSIS
Jedes Jahr die Bucht von Milch und den Kuchen, o Priap!
Es genügt. Da hält es im Arme. Du bist ihr Garten.
Jetzt ist die Zeit, die wir aus weißem Marmor erschufen,
Für den Augenblick, wenn er versorgt die Zuchtherde golden.
CORYDON
O Nerine Galathea, ich würde vom Hybla
Thymian pflücken, weiße Schwäne, silbrigen Efeu,
Wenn die grüne Aue wird besucht von den Stieren,
Wenn es welche für Corydon sind, du kannst darauf kommen.
THYRSIS
Ja, ich scheine mehr bittre sardonische Kräuter zu haben,
Rauere Besen, billiger als die Besetzung mit Algen,
Hätte ich nicht mit diesem Licht zwölf Monde zu wandern.
Geh nach Haus von der Aue, es ist schade zu gehen.
CORYDON
Moosige Brunnen und das Gras ist weicher als Schlummer,
Dass du im Schatten gehst unter dem Erdbeerbaum, seltnem,
Und verteidige auch die Sonnenwende der Herde,
Jetzt kommt der Sommer, jetzt kommt wieder die sengende Sonne,
Jetzt wieder schwellen die Knospen auf der müßigen Ranke.
THYRSIS
Hier ist eine Feuerstelle, harzige Hölzer,
Wieder feuern die Feuer, Türpfosten schwarz von dem Ruße,
So viel wir sorgen für die kalten Nordwinde, brausend,
Eine Anzahl Wölfe lebt an den Ufern der Flüsse.
CORYDON
Hier Wacholder und stachlige Esskastanien stehen,
Liegen herum unterm Baum, die Früchte der eigenen Bäume,
Alle Welt lacht jetzt, aber wenn der schöne Alexis
Diese Hügel verlässt, dann liegen trocken die Flüsse.
THYRSIS
Ausgedörrt ist das Feld und durstig, groß ist das Sterben,
Buchen sind verdorben, aber der Weinstock gibt Schatten,
Phyllis kommt, in allen Wäldern knistern die Zweige,
Jupiter steigt herab in der frohen Dusche des Regens.
CORYDON
Herkules eignet das Volk, die Rebe eignet dem Jacchus,
Venus eignet die Myrte, der Lorbeer eignet dem Phöbus,
Phyllis liebt die Hasel und die Hasel liebt Phyllis,
Myrte beugt sich und Hasel und der Lorbeer des Phöbus.
THYRSIS
Asche in schönsten Wäldern, die Tannen stehn in den Gärten,
Menschen in Flüssen, hoch ragt die Fichte in den Gebirgen,
Meistens, wenn ich hatte im Griff den schönen Lycidas,
Dann bereitete mir den Weg die Asche im Walde
Oder die heilige Tanne in dem Garten der Liebe.
MELIBOEUS
Daran erinnre ich mich und an die Mittel zum Leben,
Und wie der arme Thyrsis sich vergeblich bemühte,
Corydon ist nun wirklich Corydon für uns geworden.

ACHTE EKLOGE

Pastorale Muse von Alphesiböus und Damon,


Ja, es fragt sich, ob die Jungkuh vergessen die Gräser,
Die Bemühung, von der das Lied der Luchse so voll war,
Und die Ströme änderten ihren Kurs auf der Wandrung,
Und wir sinnen nach, o Alphesiböus und Damon.
Sie sind groß oder hoch bereits wie Timavus’ Felsen,
Oder entlang der Küste des illyrischen Meeres,
Werde ich jemals zu jeder Zeit so groß sein, so hoch sein,
Wie an diesem Tag, wenn ich nennen kann all deine Werke?
Werde ich jemals es auf der ganzen Erde ertragen,
Den Kothurn des Sophokles, würdig deiner Gesänge?
Sehe ich, dass du nicht mehr seine Prinzipien annimmst,
Nimm du diese Gesänge, die begonnen, und lass sie,
Ohne Efeu krieche, ohne siegreichen Lorbeer.
Kälte der Nacht am Himmel, sie verließ kaum den Schatten,
Wenn der Tau auf dem Gras für die Herde ist Ausgießung lieblich,
Stürzte Damon sich auf die schöne Olive und sagte:
Um geboren zu werden, während der kommende Äon
Ist des Morgensterns Pflege, aber nicht würdig der Liebe
Ward von seiner Frau betrogen der herrliche Nysa,
Während ich mich beklag vor den Göttern, keiner von diesen
Zeugen profitiert, wie ich sterbe, richtet die Stunde.
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse,
Mänalus spricht mit den Tannen, immer hat so er’s gehalten,
Er wird immer hören, was sich unter den Hirten
Liebt, und Pan, der hat die erste Flöte erfunden.
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse.
Mopsus wird Nysa gegeben, was können wir denn für das, was
Er nicht hoffte, der Liebhaber? Bald die Stuten, die Rotte
Ängstlicher Hunde und die Hirsche kommen zu trinken.
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse.
Mopsus, schneide neue Fackeln, führe zur Gattin,
Streue, Ehemann, Nüsse, die Blätter streue den Freunden.
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse.
Oh, der Mann trat auf als ein ehrbarer Mensch, und so lange
Du herab siehst auf jeden mit Abscheu, siehe da, während
Meine Flöte und meine Böcke kräuseln die Bärte,
Glaubst du, dass die Götter sich nicht kümmern um Menschen?
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse.
Ach zu oft in unserm kleinen taufrischen Bade
(Ich bin dein Führer) sah ich meine Mutter beim Lesen,
Was ich schon am elften Tag des Jahres erhalten,
Jetzt könnt ich gebrechlich der Erde Zweige berühren,
Als ich sah, war ich verloren, und weg war ich Sünder!
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse.
Jetzt weiß ich, was die göttliche Liebe ist: Hart an den Klippen
Von dem Tmaros, Garamanten, Rhodope oder
Kinder werden nicht vom Unseren essen und trinken.
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse.
Amor ist grausam! Venus bringt ihm das Blut von den Knaben!
Deine Hände sind blutbefleckt, grausame Mutter der Liebe!
Grausame Mutter des noch mehr grausamen göttlichen Knaben!
Dich quält er auch, o Mutter, der Knabe, schlimmer als Männer!
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse.
Jetzt noch vor dem Wolf mit einem Schafe zu fliehen,
Schlecht trägt das die Eiche, die Erlen blühn mit Narzissen,
Reiche Bernstein-Ernte der Rinden der Bäume der Heide,
Indiens Schwäne, heult, er ist ein geborener Orpheus,
Orpheus mit den Wäldern, Arion auf dem Delphine.
Hochwasser-Überschwemmung, tönt zur Flöte, ihr Verse.
Alles wird getan, das Meer tut es. Lebet, ihr Wälder,
Spiegel eines steilen Hügels auf Strahlungen, bringt jetzt
Dies mein letztes Geschenk eines Sterbenden. Ihr sollt versiegen,
Hochwasser-Überschwemmungen, schweigt zur Flöte, ihr Verse.
So sang Damon. Alphesiböus aber gab Antwort,
Und die pierischen Jungfraun entführten Alphesiböus:
Alle Dinge des Alls sind nicht ohne Ursache nämlich.
Bringe das Wasser und kröne dein Haupt mit dem Horn des Altares,
Jung und reich und lasse aufsteigen männlichen Weihrauch,
Voll von deiner Magie, umkreisend den heiligen Altar,
Nichts sind die frommen Gesänge, sie sind selten geworden.
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
Lieder können zeichnen oben den Mond und den Himmel,
So die Zauberin Circe hat Odysseus verwandelt
Und die Kälte der Schlange wird reißen entzwei in den Wiesen.
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
Diese ersten drei in drei verschiedenen Farben
Sind die Fäden im Kompass und dreimal rings um die Schreine
Zeichne ich das Bild, denn Gott liebt ungrade Zahlen.
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
Bunte Amaryllis, es hat eine Drei-Nacht drei Knoten,
Webe sie, Amaryllis, siehe, sie weben nur Liebe.
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
Dieser Lehm wird hart und dieses Wachs schmilzt im Feuer,
Ja, im Feuer, lass Daphnis alles tun für die Liebe.
Streue die Mühle, brenne die spröden Buchten mit Asphalt,
Daphnis brennt mir schlecht, ich sehe Daphne im Lorbeer.
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
So ist die Liebe von Daphnis, nämlich, müde zu steuern,
Sucht er nach seinen Gefährten in den Hainen und Wäldern,
Wegen des strömenden Wassers floss das grüne Ulua
Weg und nicht sich zurückzuziehen bevor es wird dunkel,
Eine solche Liebe wie diese will ich nicht heilen!
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
Wenn die Beute des Verräters mich hat verlassen,
Liebe Zusagen hab ich, was ich jetzt bin an der Schwelle,
Diese Dinge solln Zusagen sein von Daphnis, o Erde.
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
Diese Kräuter und Gifte im Pontus hab ich gesammelt,
Er gab die Frühjahrs-Fluten des Schwarzen Meeres, ich habe
Oft einen Wolf gesehen und versteckte ihn tief in den Wäldern.
Möris, lass uns den Geist oft vom tiefen Grabe beschwören,
Ich hab acht zu geben auf die Pflanzen der Ernte.
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
Trage die Asche, Amaryllis, heraus fließt die Lüge,
Noch einen Blick hinterher geworfen. Ich, Daphnis, will keine
Götter, die sich nicht kümmern um die Lieder des Menschen.
Traget fort von der Stadt das Haus, meine Lieder, holt Daphnis.
Schau, gefangen mit flackernden Flammen, brennen Altäre
Schon aus eigenem Antrieb, während ich zögere selber,
Holz zu holen. Gut. An der Schwelle bellt Hylax. Glaubt er wohl,
Dass sie lieben ihre eignen phantastischen Träume,
Um von allen Menschen zum Narren gehalten zu werden?
Spar es dem Städter, und jetzt schone die Lieder, o Daphnis.

NEUNTE EKLOGE

LYCIDAS
Wo soll ich, Möris, meine Füße lassen, Geliebter?
Ist es da, wohin der Weg führt in die Stadt, o mein Möris?
MOERIS
Lycidas, kamen wir und leben, unseren Fremden
(Was wir nie gewagt hätten) zu bewirtschaften eigen,
Sprach er: Diese sind mein, die Kolonien, die alten.
Jetzt war das besiegt, und traurig, der Zufall tat alles,
Dies sind die Seinen (alles geht der Reihe nach, gut so!)
Sind wir doch seine Kinder als auch die großen Gesandten.
LYCIDAS
Sicherlich hatte ich das, von wo aus die Hügel zu hören,
Da beginnen die Höhenrücken, den Clivus begleitend,
Und die alten, jetzt erschütterten Spitzen der Buchen,
Alle deine Gesänge werden bewahrt von Menalcas.
MOERIS
Sie vernahm es, es ging das Gerücht, Gesänge nur waren
Unsere Kraft, o Lycidas, unsere Waffen des Krieges,
Wie Chaonian sagt, der Adler kommt von der Höhe.
Hätte ich nicht geschnitten die neue Tunika, aber
Links die erste warnte mich von der Eiche, die Krähe,
Du noch am Leben, noch sind hier deine eigenen Leute.
LYCIDAS
Eingeschlossen in solche Bosheit? Wehe mir! Weh mir!
Fast wird gleichzeitig Trost ergriffen, wie sonst bei Menalcas?
Was, die Nymphen? Jeder Boden mit blühenden Pflanzen
Ist bestreut oder fruchtbares Grün des Frühlings im Schatten?
Oder sammelst du ohne die Lieder vergangener Jahre,
Als du, Amaryllis, warst unsre geliebteste Bärin?
Tityrus, wenn ich zurückkehr den Weg, das Futter der Kinder
Wird gut gefüttert und sie trinken, sie fahren, Aktionen
Treffen, um festzustellen, welchen er trifft auf die Flügel.
MOERIS
Nein, sondern das was Varus tat sei noch nicht perfekt. Und so sang er:
Varus, deinen Namen, lass uns jetzt Mantua feiern,
Wehe den Armen, zu nahe Cremona, Mantua, siehe,
Schwäne singen und tragen dich empor zu den Sternen!
LYCIDAS
Also dein Schwan fliegt hoch in himmlischen Schwärmen,
Klee wird auf diese Weise erweitern die Brüste der Kühe,
Fang mit dem an was du hast. Ich hab einen Dichter geschaffen,
O ihr pierischen Jungfraun, und auch ich hab gesungen,
Mich auch schütteln die Hirten, sagen sie, aber ich glaubs nicht,
Denn nicht eines Varius oder Cinna ists würdig,
Sondern eines schnatternden Gänserichs unter den Schwänen.
MOERIS
Was tu ich in der Stille, in meinem eigenen Liede,
Mich zu erinnern, wenn ich gut bin, ist es gering nicht:
Komm, o Galathea! Was für Spiele der Wellen?
Dieses Frühjahr, die Veilchen, verschiedene Strömungen rauschend,
Alles strahlend von Blumen, hier die weißen der Höhle
Drohen den schattenhaft verdeckten, es weben die Ranken.
Wilde Wellen kommen und schlagen stürmisch ans Ufer.
LYCIDAS
Was ist mit deinem Singen die klare Nacht durch alleine,
Ich habs gehört, und ich erinnre mich an die Töne,
Wenn die Worte zusammen gehalten werden von Noten:
Daphnis, steigen bestimmte der alten Konstellationen?
Siehe droben des göttlichen Kaisers stürmisches Sternbild,
Sternenfelder voll von goldenem Korn und in welchen
Trauben des Weinstocks sind auf den Hügeln und sonnige Wiesen.
Schüttle, Daphnis, die Birnen und Äpfel, durchsuche die Enkel.
MOERIS
Alle Dinge trägt das Alter, das Gehirn eines Mannes,
Aber ich nehme oft sehr gute Medikamente,
Ja, ich weiß noch, ich fand einen Knaben singen zur Sonne!
Jetzt hab ich so viele Lieder, die Stimme versagt mir,
Und die Lieder sind alle vergessen. Jetzt ist es das gleiche,
Jetzt ist zu sehen, wie die Wölfe Möris beäugten,
Aber doch ist es gut, zu wiederholen die Lieder.
LYCIDAS
Unsere Menschen sind in einem ewigen Leben,
Und das ist der tiefste Wunsch meines liebenden Herzens.
Jetzt liegt still das Meer und stumm und alles im Schweigen,
Siehe, es fiel herein das Rauschen der Brise des Windes.
Daher die von uns in der Mitte des Weges sind viele,
Denn das heilige Grab Bianoris’ beginnt zu erscheinen.
Hier wo die Bauern die Blätter abstreifen, hier lass uns singen:
Setze dich mit den Kindern, aber gehe nach Roma.
Wenn du nicht weißt, zu sammeln in der Nacht vor dem Regen,
Fürcht ich, du wirst singen am wenigsten schädliche Weisen.
Lass uns singend gehen. Du hast die Kräfte der Höhe.
MOERIS
Schweig, mein Knabe, wir werden es tun, die jetzt bei der Hand sind.
Lieder des Besseren, wenn er kommet, die werden wir singen.
ZEHNTE EKLOGE

Schließlich dieser Mann, Arethusa, gewährte mir Arbeit,


Sie ließ ihn sehn von Lycoris. Aber meine Gesänge
Sind da zu sagen: Wer hätte Gallus Verse verweigert?
So für sich selbst, während unter der Flut sizilianischen Meeres
Doris war nicht bitteres Salz. Ich liebe Französisch,
Währen die meisten Obstgärten bieten den Ziegen die Ernte.
Wir haben nicht mit den Tauben gesungen tief in den Wäldern,
Was die Haine hatten, wer wird es euch bringen, das Mädchen,
Die Najaden, da Gallus nicht würdig, für Liebe zu sterben?
Höhen des Parnassus, o ihr heiligen Höhen,
Ihr habt Verzögerungen in jeder Präsenz, doch im schönen
Land Aonien alles für Aganippe geschaffen.
Ihm selbst gebührte der Lorbeer, die Tamarisken, sie weinten,
Ihn auf dem Boden liegen sehend unter der Fichte,
Mänalus und Lycäus, hoch auf dem Felsen der Kälte.
Rumzustehen und Schafe zu weiden ist uns keine Schande,
Noch ists beschämend, zu sein ein Dichter von Gottes Gnaden,
Auch des schönen Adonis Schafe trinken am Flusse,
Er kam triefend herein, da kamen die Hirten der Schweine,
Aber im Winter gab es Eicheln allein für Menalcas.
Alles dieses, wie diese Liebe kam von Apollo:
Gallus, warum dieser Wahnsinn? Lycoris hast du doch
Durch den Schnee in ein anderes wärmeres Lager getragen.
Silvan kam, mit des Landes Ehre im Kopf und mit Fenchel
Und mit farbig blühenden Blumen und schneeweißen Lilien.
Pan, der Gott aus Arkadien nahte, den wir gesehen
Haben mit des Holunderstrauches blutroten Beeren.
Wo soll das enden? Also sprach er: Das ist nicht Liebe,
Nicht die grausame Liebe mit heißen Tränen des Herzens,
Wiesen mit Bächen, Bienen im Klee und verlassene Zicklein.
Trotzdem wirst du singen, o Arkadier, sprach er,
Eure Hügel hallen davon, ihr seid fähig zu singen,
Ihr Arkadier. Still würde meine Asche dann ruhen,
Meine alte Flöte, wenn du sprächest: Ich lieb dich!
Nur, ich wünschte, dass ich einer wär von den Deinen
Oder Hüter der Herde oder fruchtbare Traube!
Oder zumindest für mich sei Phyllis, oder Amyntas,
Oder viel Leidenschaft! Und was ist, wenn fern ist Amyntas?
Blau und Purpur und Schwarz, so lag er unter den Weiden
Mit mir gemeinsam, unter dem Protzen des irdischen Lebens.
Phyllis' holte Girlanden, es hätte Amyntas gesungen.
Hier sind Ruhefelder, hier Wiesen, Lycoris, sind weiche,
Hier ist der Wald, hier wird mit dir die Zeit abgetragen.
Schwer für mich, im Wahnsinn verliebt zu sein in den Kriegsgott
Mitten unter den Waffen und den feindlichen Gegnern.
Du befindest dich fern von seinem heimischen Lande,
Schwer sind die Alpen vom Schnee und Kälte herrscht auf dem Rheinstrom,
Einsam, ohne dich zu sehen! Ein Frost wird nicht schaden.
Blumen pflückend, du begreifst nicht das Eis und den Winter!
Ich will gehen und machen schöne chalkidische Verse
Sizilianischer Hirten, die schneiden den goldenen Hafer.
Sicher ist in den Höhlen der wilden Tiere des Waldes
Lieber meine zärtliche Liebe, wie sie gepflückt wird,
Bäume, wie sie aufwärts wachsen und lieben die Höhe.
In der Zwischenzeit die Nymphen den Mänalus lieben
Oder die scharfe Jägerin jagt das fliehende Wildschwein,
Kühl die Jungfrau jagt auf den Lichtungen mit ihrer Hündin.
Ich, ich werde ihre Haine ausrotten, von den
Felsen zu gehen herab, wie eine persische Quitte,
Pfeilender Flügel, als wär dies die Heilung unseres Wahnsinns!
Es ist nicht schlecht, wenn man kann sich beruhigen lernen.
Jetzt weder uns noch andere Lieder lieben die Nymphen,
Sich erfreulich zu zeigen, noch einmal Lebwohl in die Wälder.
Nicht unsre Arbeit kann sich ändern, die Mitte des kalten
Winters, selbst wenn wir vom Hebrus trinken das Wasser,
Sonst les ich das Buch des Pfluges, bei sterbenden Ulmen,
Nutze äthiopische Schafe unter dem Kreuze des Südens.
Amor ist Sieger! Lass uns kapitulieren vor Amor!
Dies soll genügen. Dein Dichter hat gesungen, o Göttin,
Während er saß, bedeckt mit einem Hut von Getreide,
O pierische Jungfraun, macht den kostbaren Gallus,
Gallus, zu dem meine Liebe wächst von Stunde zu Stunde,
Macht ihn zu einer grünen Erle erneuerten Frühlings.
Auf! In der Regel liegt ein Schatten schwer auf dem Sänger,
Und im Wacholder-Schatten, schadet der Schatten des Kornes.
Geh nach Hause! Es geht zum Abendstern! Heimkehr der Schafe!

HOMERISCHE HYMNEN AN APHRODITE

ERSTE HYMNE AN APHRODITE

Muse! Erzähle mir die Taten der goldenen Kypris,


Die die süßen Leidenschaften erregt in den Göttern,
Unterwirft die Arten der sterblichen Menschen und Vögel,
Die in den Lüften fliegen, und all die vielen Geschöpfe,
Dass das dürre Land erblüht und was in dem Meer lebt,
Diese lieben die Werke der goldengekrönten Cythere.

Doch es gibt drei Herzen, die kann die Göttin nicht beugen,
Auch nicht umgarnen. Erstens ist es die Tochter Kronions,
Der den Ägis-Schild hält, mit strahlenden Augen Athena,
Sie hat keine Wonne an Werken der goldenen Kypris,
Aber köstlich sind ihr die Kriege, die Arbeit des Ares,
Streitigkeiten und Kämpfe und Werke des ruhmreichen Handwerks.
Diese lehrte zuerst die irdischen Handwerker, Wagen
Und Gespanne des Krieges verschieden von Bronze zu machen,
Und sie lehrte die schönen jungen Mädchen im Hause
Und gab Kenntnisse prächtiger Künste in jeglichem Sinne.
Auch die lachenliebende Aphrodite hat niemals
Artemis sterblich verliebt gemacht, die Jägerin-Jungfrau
Mit den goldenen Pfeilen. Sie liebt das Schießen des Bogens
Und das Töten von wilden Tieren auf hohen Gebirgen
Und die Leier auch und den Tanz und die spannenden Schreie
Und die schattigen Wälder und Städte und aufrechte Menschen.
Auch entzieht sich die reine Jungfrau Hestia immer
Sinnlicher Liebe, Aphrodites mächtigem Werke.
Sie war das erstgeborene Kind des listigen Kronos
Und die Jüngste durch den Willen des Zeus in dem Himmel,
Der den Ägis-Schild hält, eine Prinzessin und Jungfrau,
Magd, die Poseidon und Apollon zu heiraten suchten.
Sie war abgeneigt, hartnäckig hat sie sich geweigert
Und berührte das Haupt des Vaters Zeus, der den Schild hält,
Dass die liebliche Göttin schwöre förmliche Eide,
Die in Wahrheit sich auch erfüllten, sie blieb eine Jungfrau
Alle ihre Tage. So Zeus der Vater gab Ruhm ihr
Statt der Ehe. Sie hat ihren Platz in der Mitte des Hauses
Und verfügt über reichliche Opfer. In allen den Tempeln
Aller Götter hat sie ihren Anteil an Ehre
Und unter allen Sterblichen ist sie der Göttinnen Herrin.
Diese drei konnte Aphrodite niemals verbiegen
Oder umgarnen die Herzen. Aber die anderen Götter
Oder Sterblichen konnten Kypris niemals entgehen.
Auch das Herz des Zeus, der ist am Donner begeistert,
Ward in die Irre von ihr geführt, obwohl er der Größte
Aller Götter ist, der majestätische König.
Aphrodite betörte sein weises Herz wann sie wollte
Und vereinigte ihn mit reizenden sterblichen Frauen,
Ohne dass Hera es wusste, seine Schwester und Gattin,
Die doch so großartig ist, die schönste Göttin des Himmels,
Die der listige Kronos mit Mutter Rhea gezeugt hat,
Zeus aber, dessen Weisheit ist ewig, machte die Göttin
Hera zu seiner keuschen, fürsorglichen Ehegemahlin.

Aber Aphrodite selbst warf in Zeus die Begierde


Und die süße Lust der Liebe zu sterblichen Frauen,
Mit den sterblichen Frauen vereinigt zu werden in Liebe,
So dass Zeus nicht einmal unschuldig Sterbliche liebte.
Und die lachenliebende Aphrodite des Tages
Leise lächelte, sie war spöttisch unter den Göttern,
Da sie die Götter sah voll Liebe zu sterblichen Frauen,
Nackte Kinder des Todes mit unsterblichen Göttern,
Den unsterblichen Göttinnen paarten sich sterbliche Männer!

Und so legte Zeus ihr ins Herz die schmachtende Sehnsucht


Nach Anchises, der weidete an den Hängen des Hügels
Waldreichen Idas das Vieh, an Form wie die herrlichen Götter.
Als die lachenliebende Aphrodite ihn schaute,
Liebte sie ihn gleich, und furchtbare Wünsche der Wollust
Packten sie im Herzen. Sie ging nach Zypern, nach Paphos,
Wo ihr Revier ist und der süße Altar ihres Tempels,
Und sie ging hinein in den weihrauchduftenden Tempel,
Schloss die mächtigen Pforten. Und die Grazien salbten
Ihr mit himmlischem Salböl ihren blühenden Körper,
Diesen Körper der ewigen Gottheit von göttlicher Süße.
Und die lachenliebende Aphrodite das leichte
Kleidchen legte an und schmückte mit goldenem Schmucke
Ihren Busen, und so verließ sie das duftende Zypern,
Ging in aller Eile in Richtung Troja, in Eile
Reiste sie hoch in den Wolken. Sie kam zum waldreichen Ida,
Mutter von wilden Geschöpfen, und ging zum Gehöft im Gebirge.
Da kamen graue Wölfe, mit Kriecherei vor der Göttin,
Grimmig-blickende Löwen und Panther und brüllende Bären,
Schnelle Leoparden mit heißem Hunger auf Rehe.
Aphrodite ward froh im Herzen, sie alle zu sehen,
Und sie bemerkte den Wunsch in ihrer Brust in dem Busen,
Dass sich alle wilden Tiere begatteten rasend,
Jeweils zwei zusammen, in den schattigen Höhlen.

Aber sie selbst kam zu dem gutgebauten Gehöfte,


Und sie fand allein im Hofe den Helden Anchises,
Schön wie die Götter! Alle anderen sind mit den Herden
Über die grasbewachsnen Weiden des Ida gezogen,
Er blieb allein im Gehöft, sprang hin und her, und erregend
Spielte er auf der Leier. Und Aphrodite, die Tochter
Gottes, stand vor ihm, ein reines Mädchen, erhaben
Stand sie in der Höhe, mit holder lächelnder Miene,
Dass er nicht erschrocken sein musste, als er beherzigt
Sie mit seinen Augen wahrnahm. Als nun Anchises
Sah Aphrodite an, bemerkte er gut ihre Schönheit,
Wunderte sich über ihre holdselige Miene, ihr Lächeln,
Ihre Größe und ihr licht erstrahlendes Kleidchen,
Denn sie war in ein Kleidchen verhüllt von goldener Farbe,
Bunter Stickereien, dass wie der silberne Mondschein
Floss lasziv über ihre majestätischen Brüste,
Oh ein Wunder zu schauen, und mit Schimmer bereichert.
Auch trug sie Armspangen, auch trug sie Ohrringe blumengestaltig,
Zwischen ihren Brüsten glänzte die Kette mit Perlen.

Und Anchises wurde von heißer Liebe ergriffen,


Sprach zu ihr: Heil dir Herrin! Wer von den Seligen bist du?
Bist du Artemis, Leto, oder die goldene Kypris,
Oder die hochgeborene Themis, oder Athena
Mit den strahlenden Augen, oder eine Charitin,
Die der Götter große Werke begleiten und werden
Als Unsterbliche angesehen, eine der Nymphen
Bist du vielleicht, die die angenehmen Wälder besuchen,
Oder von denen, die bewohnen das schöne Gebirge
Oder die Flüsse oder die grasbewachsenen Wiesen.
Ich will dir einen Altar errichten am Gipfel des Berges,
An dem weithin sichtbaren Ort, und reichliche Gaben
Will ich dir opfern zu allen Zeiten des kreisenden Jahres.
Fühle dich gut und sei mir wohlgesonnen und gib mir,
Dass ich als Mann hervorragend bin im Kreis der Trojaner,
Gib mir starke Nachkommen für die kommenden Zeiten.
Gib mir auch selbst, dass lang ich lebe und glücklich auf Erden,
Hier zu sehen das Licht der Sonne, und lass mich gelangen
In das Greisenalter, wohlhabend unter den Menschen.

Drauf sprach zu ihm Aphrodite, die Tochter des himmlischen Vaters:


O Anchises, Herrlichster aller Männer auf Erden!
Wisse, dass ich keine Göttin bin. Warum denn willst du
Mich vergleichen den unsterblichen Göttinnen droben?
Nein, ich bin eine Sterbliche, eine Frau war die Mutter,
Die mich geboren, der berühmte Otreus mein Zeuger,
Wenn du von ihm gehört hast, der in Phrygien Herrscher
Über Festungen ist. Ich kenne gut deine Sprache,
Wie meine eigene Sprache, die Schwester eines Trojaners
Trug mich zuhause, sie nahm mich von der liebenden Mutter,
Trug mich fortan, als ich ein kleines Kindlein gewesen,
Daher kommt es, dass ich kenn die trojanische Sprache.
Aber der Jäger von Argos hat mich gefangen genommen
Aus dem Tanzchor der Jägerin Artemis, bogenbewehrter.
Denn es waren viele von uns, liebreizende Nymphen,
Heiratsmündige Jungfrauen, die zusammen da spielten,
Eine unzählige Zahl von lieblichsten Mädchen umgab mich.
Doch der Jäger von Argos mit dem goldenen Stabe
Raffte mich hinweg. Er trug mich über die Länder
Sterblicher Menschen und unbebaute Weiden und Auen,
Wo die wilden Bestien streifen durch schattige Höhlen,
Bis ich dachte, nie wieder die lebensspendende Mutter
Erde mit den Füßen zu berühren. Er sagte,
Dass ich werde genannt die Ehefrau von Anchises,
Und ich solle dir gebären herrliche Knaben!
Als er das gesagt, da ging der Jäger von Argos
Wieder heim zur Familie der unsterblichen Götter,
Während ich jetzt zu dir gekommen bin, lieber Anchises,
Denn unbeugsamer Zwang liegt auf mir. Ich beschwöre bei Zeus dich
Und beschwöre dich bei deinen leiblichen Eltern –
Keine gemeinen Eltern können ja solch einen Sprössling
Zeugen wie dich - oh nimm mich, nimm mich eilend, Geliebter!
Ich bin keusch und unerfahren in Künsten der Liebe...
Zeig mir deinen Vater und deine fürsorgliche Mutter,
Deine Brüder auch, gezeugt in eben dem Bette,
Ich will nicht übel gefallen ihnen als Tochter und Schwester.
Weiter sende Boten schnell zu den Phrygiern, meinem
Vater und meiner traurigen Mutter alles zu sagen.
Und sie schicken dir Geld in Fülle und reiche Geschenke.
Die nimm als Brautgabe an. Und dann bereite die süße
Ehe, ehrenvoll in den Augen der Menschen und Götter.

Als sie so gesprochen hatte, da legte die Göttin


Eine süße Begierde in sein Herz. Und Anchises
Ward von großer Liebe gepackt! Er tat seinen Mund auf,
Und er sagte: Wenn du eine Sterbliche bist und
Eine Frau deine Mutter war, die dich geboren, und Otreus
Ist dein berühmter Zeuger, wie du sagst, wenn du hierher
Kamst durch den Willen des Hermes, des unsterblichen Führers,
Und man soll dich nennen meine Gattin für immer,
Dann hält kein Gott und kein sterblicher Mensch mich zurück, bis ich liebend
Mit dir geschlafen habe, selbst wenn der Schütze Apollon
Selbst sollte schwere Pfeile schießen vom silbernen Bogen.
Gerne wollt ich hinunter gehen zum Hause des Hades,
O meine Dame, schön wie die Göttinnen, wär ich nur einmal
In dein Bett gestiegen, mit dir mich in Liebe zu mischen!

Er nahm ihre Hand. Die lachenliebende Kypris,


Abgewandten Gesichts und niedergeschlagener Augen,
Kroch auf das herrliche reiche Lager, mit weichlichen Decken
Für den Helden belegt, drauf lagen Felle von Bären,
Felle von Löwen, die er selbst in den Bergen erschlagen.
Und als sie auf das herrliche breite Bett sich gebettet,
Nahm Anchises ihr den Schmuck ab, die Spangen und Broschen,
Nahm ihre Ohrringe ab und Perlenketten, genüsslich
Löste er ihren Gürtel und zog das Kleidchen aus, nackend
Legte er sie nieder. Und durch den Willen der Götter
Und durch den Willen des allmächtigen Schicksals beschlief er
Sie, ein sterblicher Mann schlief mit der unsterblichen Göttin
Aphrodite. Es ward ihm nicht deutlich, was da geschehen.

Aber zu der Zeit, da die Hirten die Rinder und Schafe


Führten zurück auf die Weide, Aphrodite goss Schlaf aus
Auf Anchises. Sie selbst zog wieder das Kleidchen an. Darauf,
Als die Göttin sich komplett bekleidet, da stand sie
Von dem Bett auf, ihr Kopf berührte die Balken des Daches,
Ihre Wangen leuchteten überirdischer Schönheit,
Wie es sich gehört für die goldengekrönte Cythere.
Und dann weckte sie ihn aus dem Schlaf und tat ihren Mund auf
Und sie sagte: Auf nun, Sohn des Dardanus, auf nun!
Warum schläfst du so lange? Denk, wie ich ausgesehn habe,
Als du mich zuerst mit deinen Augen gesehen.

Also sprach sie. Er erwachte im Augenblick folgsam.


Aber als er sah den Hals und die glühenden Augen
Aphrodites, erschrak er, wandte die Augen ab, barg sein
Schönes Gesicht in dem Mantel. Dann sprach er geflügelte Worte:

Als ich dich sah mit meinen Augen, reizende Göttin,


Wusst ich, dass du göttlich warst. Du hasts geleugnet.
Aber bei Zeus, ich flehe dich an, lass mich nicht erlahmen
Und nicht ein lahmes Leben führen unter den Menschen,
Sondern hab Erbarmen mit mir, denn wer hat beschlafen
Eine Göttin im Bett und blieb nicht zurück als Gelähmter?

Aphrodite, die Tochter des Zeus antwortete lächelnd:


Mein Anchises, Herrlichster du von den sterblichen Menschen,
Hab nur Mut und sei nicht ängstlich verzagenden Herzens!
Hab keine Angst vor einem Schaden durch mich oder andre
Selige Götter, du bist lieb den seligen Göttern,
Du sollst haben einen lieben herrlichen Knaben,
Der soll herrschen in Troja, und Kinder werden ihm folgen.
Er wird heißen Äneas. Ach, ich leide entsetzlich,
Dass ich mich legte in das Bett eines sterblichen Mannes.
Doch sind die Menschen von eurer Rasse immer die liebsten
Allen Göttern in der Schönheit der Körpergestalung.

Wahrlich, wahrlich, der weise Zeus entführte den Knaben


Ganymedes wegen seiner goldblonden Schönheit,
Dass er unter den Himmlischen sei und gieße den Wein ein
In dem Hause Gottes – ein wahres Wunder zu schauen –
Und ist geehrt von allen Unsterblichen, wenn er den Nektar
Ausgießt aus goldener Schale. Aber, o trauter Anchises,
Leider fand keinen Frieden das Herz seines trauernden Vaters
Tros, er wusste ja nicht, wohin der Wirbelwind hatte
Seinen geliebten Sohn entführt, er trauerte immer,
Unaufhörlich trauerte er, bis Zeus sich erbarmte,
Gab ihm zur Entschädigung für den Sohn, den geliebten,
Rosse, wie sie tragen die unsterblichen Götter,
Diese gab er ihm zum Geschenk. Auf Weisung des Höchsten
Sagte der Jäger von Argus ihm alles, sein Sohn sei unsterblich,
Unvergänglich wie auch die unvergänglichen Götter.
So, als Tros diese Botschaft hörte vom himmlischen Vater,
Hörte er auf zu trauern, sondern freute sich herzlich
Und ritt fröhlich mit seinen sturmesfüßigen Rossen.

So auch Eos raffte hinweg den Tithonus, welcher


Doch von deiner Rasse war, wie die menschlichen Götter
Golden thronend. Und sie ging zum dunkel bewölkten
Sohn des Kronos, dass er ewig lebe, unsterblich,
Zeus zu bitten, Zeus senkte den Kopf, ihr Gebet zu erfüllen,
Zeus erfüllte ihr den Wunsch. Zu einfältig aber
War die königliche Eos, sie dachte im Herzen
Nicht daran, auch ewige Jugend für ihn zu erbitten
Und ihm abzustreifen den Sumpf des tödlichen Alters.
Während er also die süße Blüte des Lebens genossen,
Lebte er verzückt mit der goldenthronenden Eos,
Dieser frühegeborenen, an des Ozeans Strömen,
An den Enden der Erde, aber zu grauen begannen
Schon die erstes Haare des Hauptes, des Bartes am Kinne,
Und die königliche Eos hielt sich nun fern von
Seinem Bett, obwohl sie ihn pflegte zuhause und nährte
Ihn mit Nahrung von Ambrosia, gab ihm auch Kleidung.
Aber das abscheuliche Alter drückte ihn nieder
Und er konnte nicht mehr bewegen noch heben die Glieder.
Da beriet sie sich in ihrem innersten Herzen,
Und sie legte ihn in ein Zimmer und legte sich vor die
Glänzende Tür. Da liegt er und plappert endlos, ist kraftlos,
Der einst kraftvoll gewesen in seinen geschmeidigen Gliedern.
Ich will dich nicht versetzen zu den unsterblichen Göttern
Als Unsterblichen, dass du lebst auf solcherlei Weise.
Doch wenn du aufstehst, wie du jetzt lebst in Aussehn und Form, ich
Würde dich meinen Gatten nennen, es fehlte die Trauer
Dann in meinem fürsorglichen Herzen. Aber es ist so,
Dass das graue Alter dich bald wird einhüllen, dieses
Rücksichtslose Alter, das eines Tags an der Seite
Eines jeden sterblichen Menschen steht, tödlich ermüdend,
Ja, das Alter wird gefürchtet sogar von den Göttern.

Jetzt aber werde ich wegen dir sehr traurig, Geliebter,


Immer trauernd unter den unsterblichen Göttern.
Früher haben sie doch meine List gefürchtet, ich hatte
Die Unsterblichen oft gepaart mit sterblichen Frauen,
Was auch gerne nach meinem Willen taten die Götter.
Aber jetzt hab ich nicht mehr diese Macht bei den Göttern,
Groß ist mein Wahnsinn, mein elender schrecklicher Wahnsinn!
Ach, ich ging in die Irre mit meinem irrenden Kopfe
Und ich trag einen Knaben unter dem Gürtel der Reize
Aus der geschlechtlichen Paarung mit einem sterblichen Manne.

Für den Knaben, sobald er das Licht der Welt wird erblicken,
Stehen bereit die schönen Bergnymphen, vollbusig jede,
Die bewohnen dieses heilige große Gebirge,
Diese ziehen ihn auf. Mit Sterblichen rechnen sie nicht und
Nicht mit Unsterblichen. Lange leben sie, himmlische Speise
Essen sie und tanzen mit den Unsterblichen, trunken
Ist Silenus bei ihnen und der Jäger von Argus
In den Tiefen der angenehmen Höhlen des Berges.
Aber bei ihrer Geburt die Fichten wachsen, die Eichen
In dem Frühling mit ihnen auf der fruchtbaren Erde,
Schöne, grünende Bäume, hochaufragend auf Bergen.
Menschen nennen sie heilige Stätten unsterblicher Geister
Und die Sterblichen fällen sie nie mit der Axt und dem Beile.
Aber wenn das Schicksal des Todes nahe zur Hand ist,
Werden die schönen Bäume verdorren, da wo sie stehen,
Und die Rinde schrumpft, die Zweige fallen und schließlich
Schwindet das Leben der Nymphe unter dem Lichte der Sonne.
Diese Nymphen werden bei sich behalten mein Kindchen,
Und sobald er zu einem schönen Knaben geworden,
Werden die Göttinnen ihn hierher bringen, um dir zu zeigen
Deinen Knaben. Aber, das kann ich dir sagen, ich werde
Alles, was ich im Sinn habe, tun und werde auch wieder
Kommen im siebenten Jahr und bring dir den lieblichen Knaben.
Und so schnell, wie du jemals gesehn einen Sprössling,
Deine Augen an ihm zu ergötzen, wirst du ihn schauen
Und an dem Anblick dich freuen, denn er ist gottähnlich, wahrlich!
Bring ihn zum stürmischen Ilion. Wenn dich dann einer
Von den Sterblichen fragt, wer dir das Kindlein getragen
Unter dem reizenden Gürtel, denke daran, ihm zu sagen,
Was ich dir gebiete, er sei der Spross einer Nymphe,
Einer der Bergnymphen, die den bewaldeten Hügel bewohnen.
Aber wenn du vor allen dich rühmst ruhmrediger Torheit,
Dass du mit der goldgelockten Aphrodite geschlafen,
Dann wird Zeus in seinem Zorn mit Blitzen dich töten.
So, jetzt hab ich dir alles gesagt. Nun siehe, verzichte,
Nenne mich nicht, sonst trifft dich der Zorn der strafenden Götter.

Als die Göttin dies gesprochen, fuhr sie gen Himmel.


Sei gegrüßet, Liebesgöttin, Königin Zyperns!
Ich begann mit dir, jetzt will ich dir noch einmal singen.

ZWEITE HYMNE AN APHRODITE

Singen will ich von der göttlichen Aphrodite,


Dieser goldengekrönten und schönen, deren Regierung
Sind die ummauerten Städte des meerumgürteten Zypern.
Siehe, der feuchte Atem des Westwinds wehte die Göttin
Über die Wellen des lautaufstöhnenden Meeres im Schaume.
Dort die goldengeschmückten Horen begrüßten sie freudig.
Und die Horen kleideten sie mit himmlischen Kleidern.
Auf den Kopf setzten sie eine feine goldene Krone.
In die Ohrlöcher hingen sie Verzierung von Goldschmuck
Und mit silbernen Kettchen schmückten den schneeweißen Busen.
Und die goldengeschmückten Horen, wann immer des Vaters
Himmlisches Haus sie betraten, sahen die Göttinnen tanzen.
Als die Horen nun Aphrodite geschmückt und bekleidet,
Brachten sie sie zu den Göttern, die sie freudig begrüßten.
Jeder von den Göttern betete, dass er die schönste
Göttin der Göttinnen dürfe nach Hause führen als Gattin,
So sehr staunten sie über die Schönheit der goldnen Cythere.

Sei gegrüßet, keusche, süßgewinnende Göttin!


Gib, dass ich einen Sieg im Dichter-Wettstreit erringe,
Und begnade mein Lied mit deiner göttlichen Gnade.

JUVENAL SATIREN

ERSTE SATIRE

Muss ich ein Zuhörer immer sein und geben nie Antwort,
Wenn vom kehligen Cordus wird König Theseus gefoltert?
Muss dieser Kerl rezitieren seine Römer-Komödien,
Ungestraft Elegieen leiern? Ungestraft bleiben,
Wenn er endlos von Telephos plappert und raubt meine Zeit mir
Oder unfertig seine Orestie mir berichtet?
Ich bin ein Mann, der weiß, dass sein eigenes Haus nicht so gut ist
Wie der Hain des Ares oder die Höhle Vulkanus
An den Äolischen Klippen. Was Winde tun, was tun die Schatten
Äacus doch für Qualen an, wo er mit goldenem Vliese,
Dem gestohlenen groß tut, die Esche den Monychus schleudert -
Wo die Platanen sind, die rissigen Säulen von Marmor,
Von den klingelnden Non-Stop-Lesungen gänzlich zerbrochen!
Dies erwarte vom besten und vom schlechtesten Dichter.
Ich hab auch mit den Fingern meine Flöte befingert,
Sulla gab ich gute Ratschläge: Geh und genieße
Eine gute Erholung! Stolpre nicht über die Dichter
Überall und spare die verschwendeten Blätter.

Warum fahre ich immer noch so klar und so deutlich,


Wo Lucilius von Aurunca lenkte den Wagen,
Dass erklär ich, wenn du Zeit hast, die Gründe zu hören.
Wenn ein Kämmerer nimmt eine Frau, wenn Mevia schlachtet
Ein toskanisches Wildschwein mit nackten Brüsten, den Speer nimm.
Wenn ein Kerl überwindet die Aristokraten im Reichtum,
Der, wenn er mich rasiert, sieht voller Schmerzen mich weinen,
Wenn der Pöbel vom Nil, ein Sklave von Canopus oder
Ein Crispin kommt, den tyrischen Mantel weich auf den Schultern,
Weht das Sommergold über seine schwitzenden Finger,
Will ich nicht das schwere Gewicht eines Edelsteins leiden.
Leicht ists, Satiren zu schreiben. Wer tolerant ist in Roma,
Missetaten aus Stahl, derer kann man sich immer enthalten,
Kommen zusammen des Anwalts Matho brandneue Kunden,
Voll von sich selber, einer, der verrät seine Freunde,
Dazu bereit, die Reste des heiligen Corpus zu stehlen,
Und wenn Massa die Spitzel verteidigt und Carus versüßt sie
Mit Geschenken, wie Thymele in der Farce des Theaters,
Wenn von der Angst Latinus wird zugeführt dem Gerichte,
Wenn du Menschen ohne Verdienst siehst kräftig geschoben
Durch die Nacht, zu den Göttern erhoben, von breitesten Straßen
Bis zum Höchsten steigend durch die Taler der Witwe!
Nun, Proculeius hat nur ein Zwölftel der Aktien selber.
Jeder Erbe bekommt seinen Teil, nur die Leistung muss stimmen,
Können sie sich wirklich erblassend schnappen das Blutgeld,
Wie ein Mann mit nackten Füßen, der trat auf die Schlange,
Oder am Altar in Lyon spricht der nächste Verlierer.

Was soll ich sagen? Der Zorn brennt in meinem fiebrigen Darme,
Wenn die Volksherde wird vom Demagogen verkleinert.
Jener prostituiert sein Mündel, verschwendet sein Erbe.
Warum muss einer sich schämen, wenn nur das Geld ist noch sicher?
Marius Priscus im Exil, am Tage besoffen,
Er genießt den Unmut der Götter, während der Edle,
Während der pflichtbewusste Verehrer muss weinen vor Kummer!
Soll man darauf das Licht nicht werfen, wie einst es Horaz tat?
Ist das nicht mein Amt? Das ist besser als Heldengeschichten,
Solche stumpfen Geschichten von des Herkules Arbeit
Oder von Diomedes, vom labyrinthischen Theseus
Oder wie das Meer zerstörte des Ikarus Flügel.
Wenn ein Liebhaber gibt Geschenke seiner Geliebten,
Kein Gesetz gibt’s gegen Betrug. Experten verstummen.
Wer beim Schnarchen über dem Becher hält wachsam die Nase?
Einer setzt sein Vermögen auf Pferde, er blies das Vermögen
Der Familie weg, er denkt, man soll ihm gehorchen,
Der liebt den Rennsport auf der Via Flaminia einzig.
Und der mickrige Automedon? Der hielt die Zügel,
Während du seiner Freundin in den Mantel geholfen!
Sicher füll ich ein fettes Notizbuch hier an dem Kreuzweg,
Wenn auf sechs Schultern sie die Fälscher tragen ganz offen
Auf der einen Seite, und auf der anderen nackend
Tragen sie einen, der ähnelt Mäzenas, dem weibischen Manne.
Wer unterscheidet sich und wer ward reich mit der Hilfe
Falscher Papiere und eines feuchten Siegelrings etwa?
Ist eine Frau die nächste, die mischt mit getrockneten Kröten
Schlangengift, bietets dem Gatten im syrischen Weine,
Und Lucusta, die durch der Nachbarin Unterricht lernte,
Wie aussätzige Ehemänner sind bald zu begraben!
Willst du wer sein, so tu was, des Gefängnisses würdig,
Ehrliche werden gepriesen, aber vernachlässigt werden.
Ein Verbrechen bringt Gärten, Lusthäuser, Festessen üppig,
Silberschüsseln und Trinkbecher, die mit Ziegen verziert sind.
Wer kann schlafen? Gibt’s doch Verführer von lüsternen Töchtern,
Gierige kommende Schwiegertöchter älterer Männer,
Gierige Bräute, ehebrechende Mädchen in Menge!
Wenn das Talent fehlt, dann werden meine Verse zur Mode,
Verse solcher Art, wie Cluvenius hinschmiert, der Dummkopf.

Seit den Tagen, da das Gewitter das Wasser gehoben


Und Deukalion fuhr mit dem Boot und bat um ein Zeichen
Und die Steine wurden langsam begeistert zum Leben,
Pyrrha zeigte die neugeschaffenen Mädchen den Männern,
Was tut der Mensch? Gebete, Ängste, Ärger und Freuden,
Lüste und Reisen, in meinem Buch gibt’s ein Mischmasch.
Und wenn der Fluss ist voll? Und wenn die Hände sich öffnen
Voller Gier? Wann weckten sinnlose Glücksspiele mehr an
Leidenschaften? Wie sie jetzt zu den Spieltischen strömen
Mit dem Geldbeutel, geben den Familienschatz, spielen.
Welche Schlachten siehst du dort, wenn der Croupier lädt die Krieger!
Es ist verrückt, zu gehen, Tausende leicht zu verlieren
Und noch das letzte Hemd dem zitternden Knecht zu missgönnen!
Wer von unseren Vätern baute Villen und speiste
Sieben Gänge? Nun die Herren sitzen vorm Hause,
Greifen in die Taschen dem leichtgekleideten Pöbel,
Schauen als Herren nervösen Blickes in die Gesichter,
Schauen, wie sie gekommen sind, und falsche Behauptung
Stellen sie lügnerisch auf in eines Anderen Namen,
Reden von Bekannten, von dir, und rufen den Herold,
Rufen die Elite und ärgern die elenden Armen:
“Gib erst dem Prätor und dann dem einfachen Volk der Tribunen!“
Aber ein Freigelassener redet: „Ich war der Erste.
Warum soll ich mich fürchten, warum soll ich verzagen,
Ich, geboren am Euphrat? Den weichen Ohrläppchen wär es
Zu verkünden, wenn ich mich weigerte. Sieben Tavernen
Bringen Vierhunderttausend. Was kann der Purpurgeborne
Mehr dir geben? Corvinus hütet gepachtete Schafe
In den laurentinischen Feldern. Mehr selbst als Pallas
Hab ich, mehr als Licinus!“ Nun, so wartet, Tribunen,
Lasst das Geld den Sieger sein! Eben kamen die Sklaven,
Bleicher Füße, sie sollen nicht hohe Ämter erhalten.
Unter uns gesagt, der große Reichtum ist heilig.
Wenn auch Mammon, dem Geld, ward noch kein Tempel errichtet,
Dass er drin wohne, wir haben noch keine Altäre des Mammon,
Wir verehren heute Frieden und Treue und Tugend.
Oder wir grüßen den Sieg, mit lautem Klappern der Störche,
Während die offizielle Statistik berechnet am Ende,
Was die Reichen gewonnen, wie viel Fett zugenommen,
Was die Kunden tun für ihre Kleider und Schuhe,
Wie viel Kuchen und Spiritus sie zuhause besitzen.
Vollgepackt die Wagen kommen für Hunderte Taler,
Ob die Dame schwanger ist oder ob krank ist die Dame,
Folgt der Mann in der Runde, ein schlaues listiges Männchen
Spielt den alten Trick aus, sagt, die Frau sei zuhause,
Zeigt dann auf den Vorhang vor dem Fenster des Wagens:
“Da ist Galla“, ruft er, „warum zögerst du, Galla?
Zeig dich, Galla! Sie ist wohl schon eingeschlafen, die Schöne.“

Dieser Tag wird unterschieden von prächtigen Dingen:


Erst die Reichen, dann der Markt, dann der Rechtsanwalt göttlich
Und die Insignien, sind darunter einige Zöllner
Aus Ägypten, ein Niemand, der angibt mit herrlichen Titeln,
Doch es ist in Ordnung, anzupissen dies Standbild!
Und ein Alter, müde verlassen die Kunden die Märkte,
Geben die Ziele auf, doch es dauert die Hoffnung des Essens
Lange im Menschen, sie müssen Gemüse und Feuerholz kaufen.
Alldieweil ist der Herr im besten Speisehaus, essend,
Was der Wald und das Meer produzieren, gelagert im Sofa.
Jetzt am Tisch, der einer der großen schönen Antike,
Diese Menschen verbrauchen völlig ihr letztes Vermögen.
Bald sind keine Parasiten mehr übrig. Wer lebt dann
Solchen vulgären Luxus? Ungeheuerlich gierig
Auf ein Wildschwein, ein Geschöpf, das passt zu Banketten!
Aber es gibt die rasche Strafe, wenn aufgebläht flattert
Vornehm der Mantel, man geht in ein Bad, den Pfau zu verdauen
Innen. Dann gibt es die Alten: Tod, Testament und dann plötzlich...
Diese Botschaft erreicht dich beim Abendmahl, doch keine Tränen,
Und die Beerdigung unter dem Lachen der zornigen Freunde.

Ja, die Nachwelt soll wissen, wie wir uns alle verhalten.
Unsere Kinder tun und wünschen dann eben das selbe.
Alle Verderbnis steht am Abgrund. Hisse das Segel,
Spanne die Leinwand auf. Vielleicht wirst du sagen: Wo ist denn
Deinem Thema passend die Quelle? Und sag, wie du fandest
Jene Offenheit, wie du ja schreiben wolltest begeistert
Von der Leidenschaft Genius! Nun, wen darf ich nicht nennen?
Ob mir Mucius konnte nie meine Worte verzeihen?
“Nun, so versuche es doch mit Tigellinus, so wirst du
Seiner brennenden Fackel lodernde Flamme sein, welche
Aufrechte Männer verbrennt, es rauchen gebundene Kehlen,
Und die Gäste lassen zurück die gewaltigen Spuren
In Gemeinschaft mit deiner Leiche über dem Staube!“
Soll ich ihn reiten denn, den Menschen, welcher vergiftet
Seinen Onkel, der auf seinem Bett uns verachtet?
“Ja, verkünd ihn mit deinen Lippen. Doch wenn du verkündest:
Siehe, das ist der Narr! so nennt man dich einen Verleumder.
Singe lieber den frommen Äneas im heiligen Kriege
Oder Achilles, wie er ward durchbohrt von den Pfeilen,
Oder Hylas mit dem Becher, gejagt von den Vielen.
Aber wenn Lucilius brüllt, dann schlafen die Leser,
Eingefroren ist lang ihr krimineller Verstand schon.
Schwitze und erröte, wen da plagt sein Gewissen,
Dann gibt es Wut und Tränen. So musst du denken, bevor du
Deine Posaune bläst. Sonst ist es zu spät für die Reue.
Schieße nur scharf, wenn du dich befindest im heiligen Kriege!“
Ja, dann werde ich sehen, was sie mir tun wollen alle,
Deckt meine Asche die Via Flaminia, Via Latina.

ZWEITE SATIRE

Ich will Rom entfliehen, zu den Sarmaten den Meerweg,


Während die Kurie, früher voll Tugend, nun Orgien feiert
Und doch sind sie so dreist, Moral zu predigen allen.
Sie sind ignorant, doch sind in den Häusern zu finden
Gipsbüsten von dem Künstler Chrysippus, diese perfekten
Bilder des lebensechten Aristoteles oder
Pittakos, und sie bestellen einen antiken Kleanthes.
Kein Vertraun in den Schein! Ist schließlich nicht jede der Straßen
Voll von Perversen? Wie kann man geißeln die Sünden, wenn selber
Man der schlimmste aller sokratischen Arschficker ist und
Mit dem haarigen Glied und steifen Borsten am Hoden
Man sich annähern will der Knaben sanftesten Ärschen,
Während der Arzt dir die Eiterbeulen entfernt von dem Penis?
Wenige Worte, Ruhebedürfnis ists, was sie besitzen,
Schneiden die Haare kürzer als die Brauen der Augen.
Peribonius ist da ehrlicher, der gibt sein Leid zu
Über sein Aussehen, welches ist zuzuschreiben dem Schicksal.
Solche Schwächen sind erbärmlich. Die Leidenschaft selber
Muss man verzeihen. Viel schlimmer sind, die angreifen wollen
Mit des Herkules Tugend, dieweil sie schwenken den Hintern.
Apropos Tugend: „Wie kann ich dich respektieren, o Sextus,
Wackelst du stets mit dem Arsch?“ So schreit der schlimme Varillus.
Aufrechte sollten verachten die Hinkenden, Alte die Jungen.
Warum die Gracchen nörgeln über die Revolutionen?
Himmel und Erde, Meer und Himmel werden verwechselt,
Verrus stiehlt als Dieb die Objekte, zum Mörder wird Milo,
Clodius bricht die Ehe, Catilina verschwört sich,
Sulla und seine Jünger stehn auf der Liste des Todes.
Und die jüngeren Ehebrecher, verunreinigt nach der
Tödlichen Liebesvereinigung, sind des Domitian Schande,
Der so bittre Gesetze wiederbelebt hat, um alle,
Auch die Gottheiten, auch selbst Venus und Mars zu erschrecken,
Während Julia, seine Nichte, entweiht ihre Fotze
Durch die Abtreibung, darin ähnelnd dem gottlosen Onkel.
Wenn die Extreme der Verderbtheit werden verspottet
Und gegeißelt, beißt zurück der berüchtigte Scaurus.

Und Laronia, Ehebrecherin, kann nicht ertragen,


Schreit wer: „In wessen Bett brichst du die Ehegesetze?“
Sprach sie: „Glücklicher Alter, der unsre Moral definierte!
Lasse Rom sich doch schämen. Doch jetzt fällt Cato der Dritte
Von dem Himmel herab! Doch sag mir, wo du gekauft hast
Diesen Balsam, der duftet aus deinen haarigen Achseln?
Zögere nicht, mir zu sagen, aus welchem Geschäft er gekommen.
Willst du wissen, wie man Gesetze vernachlässigt, Sitten?
Du zitierst das Gesetz, doch Männer und Frauen, die prüfe
Du zuerst, die schlimmer sind, aber die Sicherheit haben
Der Phalanx der gebundenen Schilde dort in ihrer Nähe.
Groß ist die Vereinigung aller der gottlosen Sünder,
Beispiele gibt es auch von meinem eignen Geschlechte.
Tedia leckt die Cluvia, Flora vögelt Catulla,
Aber Hispo ergibt sich jungen Männern und Frauen.
Das sind so Fälle. Und sollen wir das Zivilrecht studieren?
Stören wir die Gerichte, Revolutionen beginnend?
Sind noch viele Frauen und Mädchen mit Körpern von Sportlern.
Aber die Männer necken die Vliese und ziehen die Wolle
In den eigenen Korb, die Spindel wird schwanger mit Fäden,
Sind geschickt wie Penelope und so klug wie Arachne.
Jeder zerzaust seine Herrin, wenn sie ihm auf dem Schoß sitzt.
Warum Hister im Testament seine Sklaven bedachte,
Ist bekannt, warum er beschenkt seine Ehegemahlin.
Sie, die im Bette beischläft, wird am Ende bereichert.
Freu dich, sei ruhig. Geheimnisse sammeln die Dichtungen. Siehe,
Kannst du es nun noch wagen, mir dein Urteil zu sprechen?
Stell einen Misstrauensantrag gegen die girrenden Tauben!“

Ob sie die offenbare Wahrheit der Stoiker leugnet?


War denn etwas an dem Gerede Laronias irrig?
Was sollen Frauen tun, die sich kleiden in hauchdünne Seide,
Während die Männer starren auf kaum verschleierte Brüste?
Lass Fabulla eine Ehebrecherin heißen,
Nenne Carfinia schuldig, wenn du sie gern willst verklagen,
Sie trägt keine Toga! „Es ist heiß doch im Juli!
Gehen wir nackt!“ Auch Wahnsinn ist weniger schlimm und abscheulich.
Siehe, was trägst du unter Berufung auf Sittengesetze
Eines siegreichen Volks, das rohe Wunden noch leidet,
Oder der Bergbewohner, die grade vom Pflug sind gekommen?
Würdest du protestieren, wenn ein Rechtsanwalt trüge
Solche Kleider? Ist Seide denn auch sittsam für Zeugen?
O du unbeugsamer Vorkämpfer für die heftige Freiheit,
Du bist durchsichtig! Dieser Flecken ist ansteckend, also
Wird er sich weiter verbreiten, ob auch sterben die Säue
Wegen einer einzigen Sau ansteckender Räude.
Eine Traube lässt faulen durch Berührung die andern.

Eines Tages tragen sie etwas Schlimmres als Kleidung.


Niemand wird über Nacht beschädigt. Weiter und weiter
Werden sie von denen im Haus im Privaten empfangen
Zeichen auf der Stirn, den Hals mit Goldschmuck geschmückt und
So besänftigen sie die Göttin, wie Fraun, mit dem Weinkelch
Und den fruchtbaren Zitzen einer Sau. Und zu einer
Änderung üblicher Regeln sind bereit dann die Frauen,
Stellen alles in Frage, doch die Schwelle zum Tempel
Und der Altar der Göttin ist für Männer offen alleine.
Und sie schreien: „Ihr entweiht flötenblasende Mädchen!“
Solche geheimen Riten werden von Fackeln erleuchtet
Und die Baptae sind gewöhnt an die gnädige Göttin.
Doch ein Mann malt schwarz seine Stirne mit schwärzlicher Asche.
Andre verlängern mit dem Schminkstift die Wimpern und Brauen.
Männer nehmen Make-up und trinken aus Phallus-Phiolen,
Binden ihre Haarfülle mit vergoldetem Haarnetz,
Sind gekleidet in blau karierte, gelbgrüne Seide,
Während des Meisters Diener schwört auf die weibliche Juno.
Einer hält seinen Spiegel, der Otho steter Begleiter,
Beute der aruncianischen Schauspieler, da er in ihnen
Selbst sich bewundert, wie er erteilt den Auftrag zum Kriege.
Das ist erwähnenswert in unsern modernen Annalen:
Spiegel sind wichtige Dinge, um Bürgerkrieg zu beginnen.
Das ist die oberste Regel natürlich, Galba zu töten
Während des Puderns der Nase. An Selbstbeherrschung das Höchste
Ist es, zu streben auf den palatinischen Thronstuhl,
Während du putzt dein Gesicht mit einer Maske aus Joghurt,
Was nicht einmal Assyriens Herrin Semiramis machte,
Noch Kleopatra tat bei Actium einst auf dem Flaggschiff.
Hier ist nicht Scham in der Sprache und keine Ehrfurcht am Tische,
Hier ist Kybeles Fäulnis, wenn Männer sprechen wie Frauen.
Und mit weißen Haaren ein alter fanatischer Priester
Steht den Riten vor mit seltenem Beispiel und lauter
Stimme, ein Fresser, ein Experte, wert der Belohnung.
Warum warten sie noch? Sie sollen das Messer verwenden,
Um am Penis zu schnitzeln in der phrygischen Weise!

Gracchus gab eine Mitgift von viertausend Goldstücken einem


Bläser, weil der Mann sehr schön das aufrechte Rohr bläst,
Der Vertrag ist abgeschlossen. „Glückwunsch!“ Die Menge
Fragt nach dem Fest, da die „Braut“ sitzt auf dem Schoße des Gatten.
O ihr Fürsten! Brauchen wir einen Zensor der Sitten
Oder nicht doch einen wahren Propheten des Jüngsten Gerichtes?
Wollt ihr was Schreckliches hören? Ich denk an monströse Geschichten:
Weiber gebären nun Kälber und Kühe gebären nun Lämmer?
Er trägt Brokat, das lange Kleid und den mystischen Schleier,
Der trägt die heiligen Dinge gebunden im Lendentuch, schwitzend
Unterm Gewicht der Schilde. Wehe, Romulus, Vater
Roms, wann kam dies Übel zu den lateinischen Hirten?
Woher ist dieser Stachel, der wehtut den Söhnen des Ares?
Kannst du reiche Männer ertragen, die heiraten Männer?
Schlägst du da nicht den Speer auf den Boden und hältst deinen Helm fest?
Keine Beschwerde beim Vater? O so verlasse den Campus.
“Ich hab an einer Zeremonie teilgenommen am Morgen.“
Wann und wo? „Heut Morgen, im Tal des Quirinus.“ Was gab es?
“Oh, ein Freund von mir heiratet einen männlichen Freier.
Er hat Gäste geladen.“ Leb eine Weile, dann siehst du,
Wie sie es offen tun und als Nachricht in Zeitungen drucken.
Doch gibt’s ein Problem, das quält diese männlichen „Bräute“,
Dass sie nicht Kinder gebären können als „Braut“ ihres Gatten.
Nun, die Natur gewährt ihren Köpfen wenig Gewalt nur
Über den Leib. Kommt der Tod von der Apotheke Geheimnis?
Der geschwollene Lyde ward von Luperci geschlagen.
Gracchus schlägt auch voll Empörung, Gracchus mit Tunika, Dreizack,
Gladiator, umkreisend den Sand, huscht er durch die Arena,
Edler geboren er als Marcelli, Capitolini,
Als Catulus und Paulus oder der Fabier Sprössling,
Als die Zuschauer alle in den untersten Reihen,
Der die Circus-Show inszeniert mit Netzen und Dreizack.

Existieren die Geister und der Unterwelt Reiche,


Jener Wirbel der schwarzen Frösche in Styx und Cocytus
Oder die Tausende, die im Nachen die Lethe befahren?
Nicht einmal Kinder glauben das mehr, es sei denn ganz kleine.
Aber wäre es wahr – was fühlte des Curius Schatten,
Was die Sicipionen, Fabricius oder Camillus,
Was das Heer von Cremera, die jungen Männer von Cannae,
All die Toten der Kriege, wenn so ein Geistlein
Unserer Zeit herab käm? Sie würden sich reinigen mit dem
Schwefel und dem Feuer und dem Lorbeer der Toten!
Drunten da würden wir uns schämen müssen! Wir haben
Truppen geschickt an Irlands Küsten, vor kurzem erobert
Auch die Orkney-Inseln der Briten der Mitternachtssonne,
Doch die besiegten Völker tun nicht, was heute die Sieger
Tun in Rom. Sie sagen: „Ein armenischer Junge,
Zalaces heißt er, der mehr verweichlicht als alle die andern
Knaben, ist geworden ein leidenschaftlicher Freier.“
Seht, was der Außenhandel ergibt: Er kam, eine Geisel,
Und wir machten ihn zu einem Weltkind. Wenn länger
Diese Knaben bleiben, dann nehmen sie römische Art an,
Werden nie Mangel leiden an männlichen Liebhabern, welche
Ihnen die Hosen ausziehn und peitschen mit Geißeln den Popo.
Das sind die Möglichkeiten der heutigen Jünglinge, solche
Liebe nehmen sie mit in ihre armenische Heimat.
DRITTE SATIRE

Wenn ich auch vom Freund gestört in der Abreise wurde,


Stimm ich ihm zu, im freien Cuma das Haus einzurichten,
Weihe einen weiteren Bürger der weisen Sibylle.
Es ist das Tor von Baiae, eine herrliche Küste,
Abgeschieden. Ich bevorzug Protycha, die Insel,
Ich bevorzug die Insel vor der lärmenden Großstadt.
Irgendwo ist es immerhin, da ist es einfach und einsam,
Da ist man nicht in steter Gefahr vorm verzehrenden Feuer,
Vor einstürzenden Häusern, all den tausend Gefahren
Des barbarischen Rom, wo Dichter Augustus besingen.
Jetzt wird sein ganzes Haus auf einen Wagen geladen,
Er verweilt dort unter den alten Bögen Capenas.
Wir gingen in Egerias Tal mit all den sympathischen Grotten.
O wie stark wären doch die Brunnen, wenn ihre Gewässer
Würden von grünem Gras umgeben, die lauteren Quellen,
Und wenn Marmor noch nie den naiven Tuffstein geschändet.
Hier, wo Numa begründete seine nächtliche Freundin,
Hier der Hain und der Schrein sind der heiligen Quelle verpachtet
An die Juden, die ausgestattet mit Strohkörben reichlich.
Da der Hain ward bestellt, die Nation muss Pachtzins bezahlen,
Musen wurden verbannt, die Bäume müssen nun betteln.

Da sprach Umbricius: „Keine Freude gibt’s mehr in Rom an


Ehrlicher Arbeit und keinen Lohn mehr für fleißige Arbeit.“
Meine Mittel sind heute geringer als gestern, und morgen
Trag ich ein bisschen mehr weg, und darum hab ich beschlossen,
Cuma zu besuchen, wo Dädalus machte sich Flügel.
Meine Haare sind grau, das Alter aber steht aufrecht,
Während Lachesis dreht die Spindel, noch kann ich gehen
Auf den eigenen Füßen und ohne Stock in den Händen,
Ich verlasse die Heimat. Soll Arturius leben,
Soll Catulus leben in Rom, bis beide ergraut sind,
Wenn sie es lieben, Verträge für Tempel und Quellen zu sammeln,
Zu entleeren die Kanalisation und zu häufen
Auf dem brennenden Scheiterhaufen die Leichen der Toten,
Wer sich anbietet zum Verkauf nach Versteigerungs-Regeln.
Diese einstigen Kämpfer mit Hörnern, die ewigen Freunde
Öffentlicher Arenen leben gern in den Städten
Abgerundeter Wangen, jetzt töten sie, um zu gefallen,
Wenn der Pöbel es fordert mit dem sinkenden Daumen.
Das geht zurück auf ein Opfer an Göttin Urinia Venus.
Solche wirft Fortuna bis zur obersten Spitze
Aus der tiefsten Gosse, wenn sie glauben ans Lachen.
Was soll ich noch in Rom? Ich kann nicht lügen, nicht schmeicheln
Schlechten Büchern. Ich weiß auch nichts von der Himmelsbewegung,
Kann und will nicht prophezeien jemandes Vaters
Tod und orakle nicht aus den Eingeweiden der Kröten,
Bring nicht des Liebhabers Botschaft der ehebrechenden Gattin,
Was auch immer seine Botschaft ist, ich hab auch niemals
Dieben geholfen, darum bin ich nicht einer der törichten Knaben,
Bin mehr ein Krüppel mit lahmer Hand und nutzlosem Körper.
Wer wird nun geschätzt, es sei denn, er sei ein Komplize,
Wenn sein Geist kocht von Dingen, die man nie darf erzählen.
Es gibt nichts, was sie schulden, sie werden nichts geben
Einer Person, die ist ihr Partner im schlichten Geheimnis.
Verrus kümmert sich nur um die ein Verfahren gegen ihn machen,
Wann sie nur wollen. Möge der Sand des Tajo bedeuten
Weniger ihnen mit all seinem Gold, bis zum Meere gewaschen,
Als verlorener Schlaf und des Bestechungsgelds Trauer,
Immer in Angst vor einem reichen und mächtigen Freunde.

Der akzeptierten Rasse unserer reicheren Römer


Wünsch ich hauptsächlich zu entfliehen, ich will enthüllen
Ohne Verlegenheit: Brüder, ich kann es nicht mehr ertragen,
Dieses Rom voller Griechen! Nur wenige Arme sind griechisch.
Denn der Orontes hat längst verunreinigt unsere Tiber,
Bringen ihre Zunge und Sitten, Flöten und Zithern,
Und ihrer Großen Mutter Kybele Zymbeln und Trommeln,
Mädchen werden gezwungen, sich anzubieten im Circus.
Geh in den Circus, hast du Geschmack an barbarischen Huren,
Syrischen Mädchen im bunten Schleier reichlicher Schminke.
Romulus, deine Bauern haben jetzt griechische Hausschuh,
Griechische Salben, griechische Medaillons um den Nacken.
Der ist aus Sikyon, der ist aus Amydon gekommen,
Der von Andros, Samos, Alabanda und Tralles,
Um den Esquilin und den Viminal zu besuchen,
Und sie wollen die Herren werden in unseren Häusern.
Schlagfertig, schamloser Kühnheit, bereit zum Wort wie Isaeus,
Dieser beredte Rhetoriker. Sagt einfach, wer ihr jetzt sein wollt.
Und was ihr braucht für eure Person, das bringen wir alles:
Sprachlehrer, Redner, Maler, Geometer und Trainer,
Seher, Seiltänzer, Zauberer, Ärzte, sie können es alles,
Diese hungrigen Griechen. Und sage den hungrigen Griechen:
Schert euch zum Monde! Und sie werden fahren zum Monde.
Nicht ein Marokkaner oder ein Thrakier war es,
Der dem Dädalus Flügel gab, sondern es war ein Athener.
Sollt ich dies Volk nicht fliehen? Sollte ich sehen ein Zeichen
Und mich zurücklehnen auf dem Sofa, wenn besser sie speisen,
Die der Wind nach Rom trieb mit all ihren Pflaumen und Feigen?
Ist es denn nichts, dass ich in der Kindheit geatmet die Lüfte
Aventins, in der Jugend aß Sabiner Oliven?
Sind nicht die Menschen geschickt in Schmeicheleien und Lob des
Analphabetischen Freundes und loben sein hässliches Antlitz,
Sie vergleichen den Schwächling mit des Herkules Stärke,
Als er hob den massiven Antäus über die Erde,
Und bewundern eine verlorene Stimme, als krähte
Da der Hahn, der die Henne pickt, wenn sie wütend sich paaren?
Wir können Lob in gleicher Weise bieten. Doch sie sinds,
Die geglaubt haben. Welche komischen Schauspieler spielen
Thais, die Hure, oder Doris, die dorische Sklavin,
Ohne Mantel? Es ist, als ob eine Frau da nicht redet,
Nur eine Maske. Sie denken, alles ist glatt und ist eben
Unter dem Bauch und teilen dort nur die engere Spalte.
Doch unser Komiker Antiochus wäre kein Wunder
Dort in Hellas, Demetrius oder der weibische Haemus:
Sie sind ein Volk von Komikern, lachen, werden erschüttert
Vom Gelächter. Sie weinen ohne Leid, wenn sie sehen
Einen Freund in Tränen. Für etwas Wärme im Winter
Ziehn sie den Mantel an. Wird es heiß, so beginnt man zu schwitzen.
Wir sind ungleich. Sie haben einen ewigen Vorsprung,
Tag und Nacht sehn sie den Ausdruck auf jemandes Antlitz,
Sie sind immer bereit und klatschen die Hände und jubeln,
Wenn ihr Freundchen rülpst oder pisst oder gibt einen Furz ab.
Auch ist nichts ihnen heilig, vor ihren Schwänzen nicht sicher
Ist die Frau des Hauses oder die Jungfrau, die Tochter,
Nicht die glatten Verlobten, die unschuldigen Knaben.
Sonst werden sie auf dem Rücken haben die Mutter der Freundin.
Und sie lieben der Hausbesitzer Geheimnisse furchtsam.
Da ich erwähne die Griechen, wollen wir weiter auch gehen
Von der Gymnastik zu den dunklen Verbrechen. So Celer,
Dieser stoische Informant, hat Barea ermordet,
Seinen Freund und Schüler. Und Celer von Tarsus hat Kydnos
Hochgehoben und fallen lassen dann wie eine Feder.
Dies ist nicht der Platz für die Römer, sondern für Griechen,
Protogenes, Diphilus oder Hermachus, die herrschen,
Die nichts tun für den Freund, das ist der Defekt ihrer Rasse,
Wollen ihn haben allein. So tropfen sie Tropfen des Giftes
Ihres Landes in offene Ohren. Ich bin vertrieben
Von der Schwelle, verloren die langen Jahre als Sklave.
Beiläufig, Advokaten betrügen ihre Klienten.

Nicht zu schmeicheln hab ich einem Büro- oder Amtmann,


Jenem erbärmlichen Mann, der überwirft leicht seine Toga
In der Nacht. Vor den Prätoren eilen Liktoren
Morgens schon mit einem Gruß an den reichen Albina
Oder den Kinderlosen und Schlaflosen namens Modia.
Hier der freigeborene Sohn wird Sklave des Reichen.
Der kann Geschenke austeilen, wertvoll wie militärisch
Der Tribun verdient. Die aristokratischen Ritter,
Wie Calvina und Catiena, die winden sich zweimal,
Während sie lieben mit dem Blick den Schmuck der Chione,
Zögerlich helfen sie der Hure, vom Rosse zu steigen.
Find einen Ritter in Rom, der heilig ist wie Nasica,
Die begleitet das Bild der Kybele, göttlicher Mutter,
Lässt den Numa vorausgehen und den Caecilius Metellus,
Rettend Minervas Statue im vestalischen Tempel.
Geld zuerst! Erst dann wird diskutiert der Charakter!
“Wie viel Sklaven besitzt er, wie viel Ackerland-Hektar?
Wie sind seine Bankette, wie viel Gänge serviert man?“
Münzen, die einer bewahrt in der Schatzkiste, das ist des Ruhms wert.
Schwöre deinen Eid bei den Altären von Roma
Oder beim Altar von Samothrake, hältst du den Eidschwur,
Bist aber arm, dann wird dich der Blitz hinwegraffen grimmig
Und du wirst zu dulden haben den Zorn eines Gottes.
Was ist mit dem, dass der arme Bettler bittet um Gaben
Materieller Unterstützung, der Mantel ist schmutzig,
Seine Toga zerrissen, der Schuh weit offen, das Leder
Ist porös, der Schuh ward genäht und zeigt noch den Faden?
Es ist nichts schwerer zu ertragen als Armut und Elend,
Preisgegeben der Lächerlichkeit. Sie sagen: „Nun geh schon,
Schäme dich, hier zu sitzen bei aristokratischen Rittern,
Der du nicht genügend Reichtum besitzt vorm Gesetze.“
Aber dort sitzen die Söhne von Zuhältern, Frucht der Bordelle,
Hier sitzt der glatte Sohn des Auktionators, klatscht Beifall
Neben den gut gekleideten Jungen der Gladiatoren.

KNABENLIEBE AUS DER GRIECHISCHEN ANTHOLOGIE

Dies ists, was wir beginnen wollen mit Zeus unserm Vater,
Der Arete gehörts, was ich hier wärm wieder auf.
Aber nun, ihr Musen, überlass ich’s den Musen,
Einen Knaben ich lieb, keusch lieb ich, zärtlich das Kind.
Liebevoll bin ich, nichts weniger will ich als ruhn mit dem Knaben,
Da ist etwas, mein Herz, was dich sehr interessiert.

Nicht in dieser Sammlung von Liebesliedern such König


Priamos, falle auch nicht nieder vor Gottes Altar,
Weder Medea findest du hier, ihre magische Trauer,
Auch nicht Niobes Stein, Itys auch findest du nicht,
Selbst Philomele nicht, die Nachtigall unter den Rosen,
Alles dieses ward lange von Dichtern bereits
In den Mythen besungen auf vielen beschriebenen Saiten.
Ich lieb den Gesang, liebe der Grazien Gunst,
Liebe Dionysos! Allzu leichtfertig ist meine Stimme
Für den ernsten Gesang, Weisheit zu lehren im Lied.

(...)

Ja, ich mag sie, bis sie zwölf sind, da sind sie noch lieblich,
Doch im dreizehnten Jahr hat was Gewisses das Kind.
Zweimal im September, da blüht verfeinert die Liebe,
Und im fünfzehnten Jahr auch ist der Knabe charmant.
Siebzehn? Nichts für mich! Bewahre ihn Zeus unser Vater!
Zeus war ja selber verliebt, Ganymed liebte der Herr.

Ach, ich liebe Knaben, ist die Hautfarbe blässlich,


Die mit dem braunen Haar, wie ich die Knaben genieß,
Die mit dem blonden Haar, wie Honig, wie ich sie liebe,
Blaue Augen, noch mehr ziehen mich bräunliche an.

(...)

Ach, bei einem Weibchen gibt es schreckliche Qualen,


Sie umgibt dich, doch gibt nie dir das Weib einen Kuss,
Nicht hat sie den einfachen Duft der Haut wie ein Knabe,
Auch nicht die Sinnlichkeit, honigseimsüßes Geschwätz,
Nicht die naiven Augen! Wenn das Weibchen gewarnt ist,
Wenn umworben, so wird gleich sie zu frostigem Eis!

Ich sah einen Knaben, der wob die schönsten Girlanden,


Als ich ihn sah, auf dem Markt wollt er verkaufen das Ding.
Aber ich war erstaunt. Ich sagte leise zum Knaben:
Wie viel willst du denn für deinen blühenden Kranz?
Einer seiner Sträuße hatte viel rötliche Blüten.
Er aber sagte: Geh, weil sonst mein Vater dich sieht!
Nun, ich kaufte einen seiner blühenden Kränze.
Wieder zu Hause, bot ich ihn den Himmlischen an,
Habe gebeten die Himmlischen, mir zu geben den Knaben,
Dieses stilvolle Kind mit seinem blühenden Kranz.

Diodorus, o Schönheit für die sokratische Liebe,


Du bist gereift, mein Freund. Wenn du denn heiraten willst,
So versuche dein Glück! Doch ists eine leidige Sache,
Unvergessen bist du, bleibst du vom liebenden Mann.

10

O dein Haar ist schön, es fließt so lockig die Haarflut,


Wunderschön und blond ist an den Wangen das Haar.
Aber ich möchte darauf hinweisen, o mein Geliebter,
Du bist der Erste, den ich liebe mit Bart im Gesicht.

11

Philostratus kam heute Abend in meine Gesellschaft,


Doch ich konnte nichts tun. Mir zwar zuliebe er kam.
Flieht, o Kinder, die Liebe! Und ohne häusliche Sorgen
Seid Astyanax gleicht, reisend mit mir durch die Welt!

12

Von den ersten Zeiten an der liebliche Ladon


(Schrecklich ist das für euch, Liebhaber, die ihr schon alt)
Heiß verliebte sich in einen unschuldigen Knaben.
Nemesis tut, was sie tut, ihre Vergeltungen rasch!

13

Ich sah ein paar betrunkne Knaben in leichter Versuchung,


Selbst sich zu heilen durch die Medikamente allein,
Ein Naturheilmittel. Überrascht bei der Posse,
Sprachen sie: Still! Ich sprach: Ich will euch stillen das Leid.

14

Wenn der Teenager Demophilus seinem Geliebten


Bietet den zärtlichen Kuss, wie er gegeben ihn mir,
Nun, er ist zwar noch ein Kind, doch wird seine Mutter
Nie zufrieden sein mit ihrem lieblichen Kind.

15

In ein Brett hat der Knabe gebissen. Ah! Wenn das Holz schon
So begeistert ist, was soll dann werden aus mir?

16

Philokrates, verberge nicht deine Liebesgefühle!


Als er trat auf mein Herz, Eros war mächtig und groß.
Komm und küss mich mit mehr Inbrunst und Leidenschaft! Siehe,
Einst kommt der Tag, da du bittest die Freundin und mich.

17

Ich hab im Herzen nicht mehr Geschmack an dem alternden Weibe,


Nein, für den Knaben mein Herz zärtlicher Leidenschaft glüht.
Aber auch dieses Feuer ist schrecklich, das Kind wie die Dame,
Wenn der Knabe auch stärkerer Liebesbegier
Lebt in dem heimlichen Winkel meiner liebenden Seele.
Ach, die beiden zugleich tödlich verwunden mein Herz.

18

Unglücklich die, die leben ohne zärtliche Liebe!


Jede Tätigkeit, alle die Wortschwalle sind
Schmerzhaft, ist die Leidenschaft nicht mehr das Ziel des Gemütes.
Ich nun hänge herum, müßig am Tage und faul,
Aber ich sehe ein: Ich muss zu den Himmlischen beten
Und ich gehe sogleich schnell wie ein Blitz zu dem Freund!
Auch will ich nicht der wundervollen Liebe entlaufen,
Sondern bekenne der Welt: Eros ist Pfahl mir im Fleisch!

19

Ach, obwohl ich Liebe wünsche, verweigert er Liebe,


Er fragt nicht nach mir, der ich nach ihm immer frag.
Wenn ich ihn frage, sagt er nur: Nein, ich liebe dich nicht! Und
Wenn ich ihm sage: Ich liebe dich! macht er den Punkt.

20

(...)

21

Diese verstohlenen Küsse, diese heimlichen Zeichen,


Mit dezentem Blick werden sie zärtlich getauscht.
Also, wenn diese Worte schön sind, Worte der Wahrheit,
Ist umsonst diese Zeit für die zukünftige Zeit?
Jetzt zwar warten wir, doch die Schönheit ist fliehende Gnade.
Eifersüchtig ist Phaidon. Doch komm nur, mein Schatz!
Komm zu mir! Denn ich rede schöne Worte der Wahrheit.
Worte, Worte nur. Aber so wirke auch, Wort!

22

Was für ein unerbittlicher Wilder hat mich genommen


Heute! Solch eine Glut, ohne dass Kampf ward gekämpft,
Danke! Deine Qualitäten, große und kleine!
Und die Lippen, so weich, weicher als Cyprias Schoß!
Was für eine Stimme, zu lesen stammelnd die Lettern!
Er ist perfekt und ich nehme es gern mit ihm auf.
Aber, ach, er sagte: Du schaust, das ist alles, du schaust nur!
Siehe auch meine Nacht, sieh, wo ich schüttle die Hand,
Wo ich liefere einen Kampf der heftigen Liebe,
Wie sich Cypria selbst alles nur vorgestellt hat.

23

Ach, dass einmal ein Knabe liebe meine Familie!


Darum steh ich in Brand, in der erotischen Glut.
Eros, der Herrscher, führte mich selber zu deiner Adresse,
Hinterfotzige Weisheit zu lehren mich dort!

EPILOG

Der geflügelte Eros ward im Himmel geboren


Und ward von Marions Augen erobert, gebannt.

ODEN VON ANAKREON

EROS

Ich will Helden, Herren singen,


Starker Verse, große Dinge!
Auf, o Muse! Doch die Saiten
Tun so revolutionär,
Wollen nichts als Eros tönen!
Ich zerriss die Saiten alle,
Spannte neue Saiten auf,
Doch auch diese rebellieren.
Neue werden mir gehorchen,
Diese tönen sicher Helden.
Eben ich begann mit Zeus
Und den Göttern, aber Eros
Lachte! Aus der sanften Leier
Kam nur Süßes, inspiriert
Von der Liebe und Begierde.
Helden, Könige, Adieu!
Heldenverse, große Dinge,
Euch Adieu! Nur Eros-Oden
Tönt mein Herz zu meinen Saiten.

SCHÖNHEIT

Allen, die den Äther atmen,


Kraft hat die Natur gegeben.
Bei dem Bau des edlen Stieres
Gab Natur dem Haupte Hörner
Und dem Pferd gab sie die Hufe
Und Geschwindigkeit dem Hasen
Und dem Löwen scharfe Zähne,
Auf der Meeresoberfläche
Lehrte sie die Schuppenschar
Die Kristallsee zu durchjagen.
Und das schattenreiche Wäldchen
Zierte sie mit Tirilieren.
Männern gab sie, stolzen Männern,
Ihre geistige Vernunft.
Was, oh Frau, was blieb für dich
Über von den ganzen Schätzen?
Die Natur gab dir die Schönheit!
Mächtiger als all der Pomp
Und die böse Macht des Krieges!
Feuer hat wohl solche Macht
Wie die Frau, wenn sie erobert.
O sei schön! Die Menschheit liebt dich!
Lächle – und die Welt wird schwach!

AN EINEN MALER

Du, des Rosenfarbentöne


Schaffen können Form und Seele,
Bester Maler! Komm und zeige
Diese wunderschöne Jungfrau,
Welche lebt in weiter Ferne.
Male ihre Locken spielend,
Seidenlocken, irre Ranken,
Und, wenn Malerei das kann,
Ihren Balsam destilliere,
Lass das kleinste Löckchen atmen
Einen Seufzer des Parfüms,
Locken, die gekräuselt fließen
Rötlich auf der Stirne Schnee.
Lass der Stirne Strahlen leuchten
Glänzend weiß wie Elfenbein.
Mach die Brauen ebenmäßig
Steigend in gewölbten Bögen,
Je ein Halbmond zärtlich zitternd,
Nicht sich mischend, nur sich teilend.
Aber hast du warme Funken
Für die Blitze ihrer Augen?
Lass sie streuen blaue Strahlen
Wie in der Athene Blicken,
Süß gemischt mit Licht, das fließt
Hold in Aphrodites Augen.
Auf die Nase, auf die Wangen
Gieße schamhaft Weiß und Rot,
Mische sie, wie wenn es glüht.
Charme kann blicken, Farbe strahlen,
Überlass den Rest dem Traum!
Ja, sie ist es, die ich suche!
Ja, sie lodert, ja, sie lebt!
Gleich beginnt sie auch zu sprechen!

DIE TAUBE

Lieblicher Kurier des Himmels,


Woher und wohin denn willst du?
Streust du doch - dein Ritzel spielt –
Duftstoff auf den ganzen Weg.
Ist es Arbeit? Ist es Liebe?
Sags mir, sags mir, sanfte Taube!
„Mit Anakreons Gelübde
Komm ich, das er schwor Myrtale,
Darauf seines Herzens Charme,
Die errötende Natur
Und das Lächelnde der Kunst.
Aphrodite – er umwarb sie –
Schickte mich zu ihrem Barden.
Er, Anakreon, ist Meister,
Er regiert jetzt meinen Flug.
Da die Briefe, die du siehst,
Schwere Ladung sind auf mir,
Denke nicht, mein Dienst sei hart,
Freudlos Arbeit ohne Lohn.
Lächelnd an des Meisters Tor
Freiheit wartet, wenn ich heimkehr.
Wilde Freiheit nur vergeblich
Lockt mich, wieder wild zu sein.
Kann ein kluges Täubchen kommen
In ein seliger Gefängnis
Als die meinen Fesseln sind?
Über Wald und Feld zu streifen,
Glückes Gast, doch ohne Heimat,
Und das Untere verlassen,
Seinen Kopf stets zu verbergen,
Leicht geschürzt, grob zugeführt –
Ich hab jetzt ein bessres Los:
Leckre Mahlzeit! Weiche Ruhe!
Nun die Schale ist bereit,
Nämlich meines Dichters Mund!
Pflegeschützling, frei von Angst,
Brot schnapp ich von seinen Fingern!
Dann mit üppig vielen Knaben
Spiele ich in seinem Haus!
Wenn der Wein den Mut beflügelt,
Streift mein Flügel sein Gesicht,
Wenn dann Fest und Freude reifen,
Schlafe ich auf seiner Leier!
Das ist alles. Nun, ich eile,
Und wie du nicht wissen kannst,
Werd ich meinen Ritzel tragen!
Ach, ich schwatz wie eine Hausfrau.“

KUMMERBRECHER

Als ich voller Durst mich neigte,


War mein Leiden eingeschläfert!
Diskussionen der Monarchen!
Ich der Glücklichste und Reichste!
Erster ich von allen Männern!
Sorglos überm Becher sing ich,
Phantasie macht mich zum König.
Gib des reichen Krösus Gaben –
Hätte ich denn Lust auf mehr?
Auf dem samtnen Sofa liegend,
Efeu meine Stirn umschlingt,
Meine Seele ist begeistert!
Was sind Könige und Kronen?
Arm seid ihr, ihr Mächtigen,
Hastend zu dem Blut des Krieges.
Lasst mir, lasst mir meinen Weinstock!
Andres Blut vergieß ich nicht
Als das Blut, das Wein einst war.
Breite volle Becher sehen,
Das nur heißt, mich zu besiegen,
Denn ich glaube, es ist weiser,
Als im bösen Krieg zu fallen,
Trinkend untern Tisch zu fallen!

TRINKEN

Ist die Mutter Erde trocken,


Dann trinkt sie des Himmels Regen.
Dann der Tau gibt frisch und herzlich
Jedem Pflanzendurst zu trinken.
Dämpfe, die am Abend schweben,
Sind Getränk den tiefen Hügeln.
Wenn die rote Sonne scheint,
Dann trinkt sie des Meeres Tränen.
Luna auch in bleichen Strömen
Glanz saugt aus der Sonne Pfeil.
Fort mit deiner Nüchternheit,
Denker! Die Natur trinkt immer
Nach dem heiligen Gesetz.
Das Gesetz ist auch das meine.
Ich verpflichte selbst das Weltall
Aufs Gesetz des roten Weines.

GOLD

Lieben ist ein großer Schmerz!


Ungeliebt ist größrer Schmerz!
Aber ach, die schlimmsten Schmerzen:
Liebend nicht geliebt zu werden!
Die Empfindung floh die Erde,
Auch das Feuer des Genies,
Auch der Adel der Geburt.
Himmelstugend kann betören,
Schönheit gnädig ist dem Lächeln.
Ach die Frau will nur das Gold,
Gold ist, was die Frau nur träumt.
Ich vergeb der Dirne nicht!
Nicht vergib der Sünderin,
O gerecht-empörter Himmel!
Wer als Erster tat verehren,
Wessen Herz zuerst sich schmückte
Für den bösen Schmutz des Geldes?
Ach, seit dieser Durst begann,
Tot ist das Gemeinschaftsleben,
Tiefes Fühlen ist entschwunden!
War es die Natur denn selbst,
Die der Liebe Charme besudelt,
Um mit Gold zu provozieren
Alle Völker zu den Kriegen?
Oh das Schlimmste ist von allem:
Gold zerreißt des Minners Herz!

EROS UM MITTERNACHT

Mitternacht. Rund um den Pol


Ward der Kleine Bär gesehen.
Sterbliche, vom Tage müde,
Haben Sorgen weggeschlummert.
Kam ein Knabe zu der Zeit,
Weinend kam in meine Laube,
Weckte mich mit Klageliedern,
Bat, ihn vor der Nacht zu schützen.
Und wer bist du, rief ich laut,
Der mir die Visionen scheucht?
Sanfter Vater, sprach der Knabe,
Nimm mich unter deine Flügel.
Ich hab Angst, ein Knabe einsam,
Wandernd durch die düstre Wildnis.
Kalt der Regen und kein Strahl
Mir erleuchtet meinen Weg.

Ich vernahm des Knaben Leiden,


Hörte bittern Nachtwind wehen.
Seufzend über sein Geschick,
Steckte ich die Lampe an
Und ich öffnete das Tor.
Es war Eros! Dieser Wandrer,
In der Nacht sein Ritzel strahlte.
Ich erkannte ihn am Bogen,
Kannte ihn in meinem Herzen.
Lieb nahm ich ihn an und blies
Aus der Asche auf die Glut.
Drücke du aus deinem Haar
Die Kristalle nur der Frostluft.
In der Hand und an der Brust
Hielt ich seine kleinen Finger.
Jetzt die Glut des Genius
Blies mir alle Ängste weg.
Bitte, sprach der kleine Schelm,
(Als er lachte, bebte ich)
Lass den Bogen mich versuchen,
Durch den Regen ging ich lang,
Dass ich fürchte fast, der Schauer
Hat den Bogen mir verdorben.
Nun das Kind den Bogen spannte,
Von der Sehne flog der Pfeil.
Schnell der Pfeil wie eine Flamme,
Kam in meinen innern Geist.
Und der Knabe sprach: Adieu!
Und er lachte laut und wild,
Zog geflügelt seines Weges.
So Adieu denn, nun ich weiß,
Dass der Regenschauer nicht
Meinen Bogen schlaff gemacht.
Ja, ich kann noch immer schießen,
Wie ich dir dein Herz durchbohrt!

EPIKURÄER

Unter Myrten in dem Schatten


Liege ich im Blumenbett,
Salb mit Salböl mir mein Haupt,
Um mich wachsen rote Rosen.
Was soll ich nun tun als trinken,
Zu entfernen alle Mühen?
Ja, im königlichen Staat
König Eros mich erwartet!
Eros, fülle mir den Becher
Und vermisch Gesang dem Becher,
Voller Witz und Heiterkeit
Stimmen gib und edle Glut,
Gib Gesundheit, Knabenliebe!
Denn das Rad des Lebens flieht
Nicht nur auf robuste Weise,
Sondern auch auf sanfte Weise.
Muss das Rad des Lebens fliehen,
Möge die Bewegung sanft sein.
Warum nicht mit Salböl salben?
Warum nicht den Rotwein trinken?
Schöne Blumen, warum nicht
Sie auf lieben Gräbern pflanzen?
Nichts kann uns der Staub mehr geben
Des Gebeins, das ward zu Staub.
Nach dem Tod begehr ich nichts mehr,
Lass mich jetzt das Leben lieben!

Alle Stoiker sind tot.


ORPHISCHE HYMNEN AN DIE GÖTTIN

AN DIE GÖTTIN PROTHYRÄA

O ehrwürdige Göttin, höre meine Gebete,


Denn die Wehen sind deine ganz besondere Pflege.
Und in dir, liegt eine auf dem Bette der Schmerzen,
Das Geschlecht wie in einem Spiegel sich tröstend entlastet.
Schütze die Rasse, die mit sanftem Geiste begabte,
Jene hilflosen Jugendlichen, wohlwollend freundlich,
Gütige Nährerin, deiner tollen Natürlichkeit Schlüssel
Eignet keiner anderen Gottheit, dir nur alleine.
Du wohnst in allen immanent in den Spiegeln der Augen
Und die feierlichsten Festivals sind deine Freude.
Dein ist die keusche Rede auf die Jungfrauen-Zone,
Du wirst in jeder Kunst gesehen und bist die Berühmte.
Mit Geburten sympathisierst du und liebst das Gebären,
So gefallen dir die zahlreichen Nachkommen fruchtbar.
Wenn es in der Natur des Weibes Schmerzen bringt aber
Und Verwundete und Notleidende schreien vor Schmerzen,
Rufen dich die Geschlechter, dass du bringst Ruhe den Seelen.
Du allein kannst Erleichterung schaffen den Müttern,
Schmerzen erleichtern, sonst versucht man solches vergebens.
Eileithyia, du große unterstützende Göttin,
Ehrwürdig deine Macht, du bringst Erleichterung Frauen
In den schrecklichen Stunden der Wehen des Kindergebärens.
Höre, gebenedeite Diana, meine Gebete,
Mach das geliebte Kindlein zu deiner ständigen Pflege!

AN DIE MUTTER NACHT

Nacht, o mütterliche Göttin, Quelle der Ruhe,


Von der die ersten seligen Götter und Menschen entsprungen,
Höre, gesegnete Venus, kostbar bekleidet mit Sternlicht,
Schlafend liegt die Wohnung der schwarzen Nacht in der Stille.
Träume sind in deinem dunklen Zug, schwarze Mutter,
Da sich tiefe Schwermut und schwere Lasten ergötzen.
Löse die ängstlichen Sorgen, o du Freundin der Freuden,
Mit dem dunklen Renner reite rund um die Erde.
Göttin der Phantome und Schattenspiele, o Göttin,
Deren schläfrige Macht teilt alle geborenen Tage,
Durch das Ewige Schicksal hast du die Götterbestimmung,
Dauernd zu senden Licht in die Tiefe der unteren Hölle,
Fern von der Sichtbarkeit durch die sterblichen Augen der Menschen,
Denn die Notwendigkeit, die eherne, alles erhaltend,
Sie umgibt die Welt mit diamantenen Banden.
Sei mir nahe, Himmlische, denn dein Diener erfleht es
In Gebeten, von allen gleichermaßen Verehrte,
Selige gütige Hilfe, treuer freundlicher Beistand,
Zu zerstreuen die schrecklichen Ängste der Schatten des Zweifels!

AN DIE MONDGÖTTIN SELENE

Höre, Göttin Königin, streue silbernen Lichtglanz,


Kuhhörner tragend, wandernd durch das nächtliche Dunkel.
Sterne umgeben dich und tiefe Nächte mit Fackeln,
Durch die Himmel schreitest du, Göttin des silbernen Mondes.
Weiblich und männlich, mit geborgten Strahlen, du schimmerst,
Und jetzt voller Sterne, jetzt wirst du wieder versinken.
Mutter der Alten, Früchte produzierender Mondschein,
Deine gelbliche Kugel macht die Nacht hell, o Herrin.
Liebhaberin schöner Pferde, herrliche Herrin der Nächte,
Alles sehende Macht, bedeckt mit den Sternen des Himmels,
Liebhaberin der Wachsamkeit, Freundin der Feinde des Streites,
Du bist im Frieden und lebst ein ganz umsichtiges Leben.
Lampe der Nacht, du gestaltest Ornamente den Freunden,
Der Natur gibst du das Ende des ewigen Zieles,
Königin himmlischer Sterne, selige Allfrau Diana!
Schön geschmückt mit herrlicher Robe und schimmerndem Schleier,
Komm, gesegnete Göttin, Weisheit des Himmels der Sterne,
Lichte, komm mit der Mondleuchte, keuschem und glorreichem Lichtglanz,
Scheine auf diese heiligen Riten mit segnenden Strahlen,
Akzeptiere deines Beters mystischen Lobpreis.

AN DIE MUTTER NATUR

O Natur, du Mutter von allen, uralte Göttin,


Totus tuus ego sum, vielschaffende Mutter!
Heimlich geschaute, reiche und ehrwürdige Dame,
Heilige Herrin in jedem Teil deiner herrlichen Herrschaft!
Ungezähmte, alles Zähmende, herrlicher Lichtglanz,
Alles Urteil ehrend und überaus hellstrahlend bist du,
Protogeneia, Erstgeborene, ewige Mutter!
Immer noch der gleiche nächtliche Himmel der Sterne,
Glänzende, herrliche Dame, o du Herrin des Weltalls,
Deine Füße zeigen noch Spuren kreisender Welten
Und sind natürlich von dir gemacht, unermüdlicher Stärke.
Reine Ziele aller himmlischen göttlichen Mächte,
Endlich und unendlich gleichermaßen erstrahlend,
Allen Dingen gemeinsam, in allen Dingen Erkannte,
Aber unmitteilbar und allein, du mystische Göttin.
Ohne Vater deines staunenswertesten Rahmens,
Dich hat der Vater gezeugt, von dem dein Wesen entsprungen.
Immerblühende, Allesverbindende, Seelen vermischend,
Führerin du und Herrscherin dieses mächtigen Ganzen!
Lebensträgerin, alle tragend, verschieden Benannte,
Du allein kannst befehlen aller Anmut und Schönheit.
O Justitia, Höchste in der Kraft und der Stärke,
Dir gehorchen die schwankenden Wasser der ruhlosen Tiefe.
Irdische und Ätherische, für den Frommen die Frohe,
Süßigkeit für den Guten, aber bitter dem Bösen,
Allfrau, alle gnadenreich unterstützend, o Göttin,
Reiche Erhöhung aller Nahrung ist deine Begnadung.
Vater unser, der du dazu bringst die Mutter und Jungfrau,
Reichlich gesegnet, alle Samen genau zu betrachten,
Reife, Impulsive, aus deren fruchtbaren Samen
Und der Kunst der Hände kommen die wandelnden Szenen.
Mächtige Allmutter, unsichtbar den sterblichen Augen,
Ewigbewegte, gleichfalls allweise Königin-Mutter!
Siehe, die Welt ist durch dich, es fließen die Teilchen,
Rasche sinkende Ströme, die kennen nicht Pause des Atems,
Sondern auf stetem Scharnier, im ewig-steten Verlaufe
Umgewirbelt mit unvergleichlichen, nie müden Kräften.
Thronend hoch auf einem kreisenden Wagen voll Lichtglanz,
Hält deine mächtige Hand das Weltall und lenkt das Geschaffne,
Deine Hände halten die Zügel der tiefen Gebote.
Deines Wesens Gleiche, du Hochgeehrte und Beste,
Deinem Urteil gehört das allen gemeinsame Ende.
Alles bindende Dame, Parze ewigen Lebens,
Ewige Vorsehung, du Fatale, die Welt ist dein eigen.
Du bist alles, die göttliche Architektin des Kosmos!
Selige Göttin, höre deines Beters Gebete,
Mache mein Leben in Zukunft deine ständige Pflege,
Gib mir segensreiche Jahreszeiten und Reichtum,
Kröne meine Tage mit dauerndem Frieden und Segen.

AN RHEA

Tochter des großen Protogonus, göttliche Rhea,


Heilige und illustre Rhea, höre mein Beten!
Du fährst auf deinem heiligen Wagen, von Löwen gezogen,
Mit Geschwindigkeit, von den starken schrecklichen Löwen.
Mutter des Zeus, dessen mächtiger Arm kann ausüben Rache,
Zeus, der schüttelt die schreckliche Ägis, der donnernde Vater,
Trommelschläge schlägt er, wild, mit herrlicher Miene,
Du mit klingenden Zymbeln Geehrte, Zymbeln des Jubels,
Des Saturnus selige Königin, heilige Rhea!
Du erfreust dich an den Bergen und stürmischen Kämpfen
Und es begeistert dich der Menschheit schreckliches Heulen.
Du warst die Mutter, Mächtige, majestätischen Körpers,
Trügerische Retterin und befreiende Dame.
Mutter der himmlischen Götter und unsterblichen Menschen,
Die du geboren jene des Himmels und diese der Erde,
Die ätherischen Winde, die tiefe Göttin des Meeres
Stammen von dir, sie alle mit ätherischen Körpern.
Komm, erfreue dich an Pilgerreisen, besuch uns,
Göttliche und Gebenedeite, schenke uns Ruhe
Nach den Mühen schenke unseren Seelen den Frieden,
Und wo der Lauf der Welt ward krank und krank ward die Menschheit,
Binde du die Erde der entferntesten Enden.

AN JUNO

Königliche Juno mit majestätischer Miene,


Luftgestalt, o Göttliche, Jupiters selige Herrin,
Thronend auf dem Schoß der kreisenden Lüfte des Äthers,
Ist der Weltlauf der Sterblichen deine ständige Pflege.
Deine Macht allein inspiriert die Kühlung der Stürme,
Du nährst alles Lebendige, alles Leben begehrst du,
Göttliche Mutter von himmlischen Wolken und stürmischen Winden,
Siehe, von dir allein kommt die Erschaffung der Dinge,
Die Erschaffung alles bekannten sterblichen Lebens.
Alle Naturen sind untertan deinem Temperamente,
Untertan deiner universalen göttlichen Herrschaft.
Mit der Schaffung der Windstöße, Schwellung des Meeres
Und der rollenden Flüsse Brüllen warst du beschäftigt.
Komm, gesegnete Königin, komm, allmächtige Göttin,
Komm mit einem Verhältnis der Art von Freude und heiter!

AN DIE MEERESGÖTTIN TETHYS

Tethys ruf ich, mit den Augen voll himmlischem Lichtglanz,


Sie verbirgt sich im Schleier vor den menschlichen Blicken,
Großen Ozeans Kaiserin ruf ich, die göttliche Tethys,
Wandernd in Tiefen, erfreut an Stürmen, die Erde zu fegen.
Deine gesegneten Wellen wandern in rascher Bewegung,
Peitschen die felsige Küste mit den endlosen Fluten,
Freude ist es dir, in dem heiteren Meere zu spielen,
Mit den Schiffen jauchzend auf den wässrigen Wegen.
Mutter der göttlichen Venus und des Dunkels der Wolken,
Große Schwester der Tiere und Quelle reinlicher Brunnen,
O ehrwürdige Göttin, höre meine Gebete,
Mache mein Leben wohlwollend deine stetige Sorge,
Sende, gesegnete Königin, Schiffen günstige Brisen,
Wehe sie sicher dahin auf dem hohen stürmischen Meere.

AN DIE NEREIDEN

Töchter des Nereus, wohnhaft in Grotten drunten im Meere,


Sportliche Nereiden, tümmelnd durch spielende Wellen,
Ihr fanatischen fünfzig Nymphen, des Ozeans Nymphen,
Die mit der wichtigen Freude folgen dem Zug der Tritonen,
Freuden ziehen einher hinter euren Wagen aus Muscheln.
Eure Körper sind wild und genährt durch die Tiefe des Meeres,
Ihr springt mit anderen Nymphen unterschiedlichen Grades
Und ihr wandert durch die Flüssigkeit rauschenden Meeres,
Lichte Delphine folgen euch, singend, voll Liebe zum Menschen,
Gut für den Sport und gut für bacchantische Spiele.
Nymphen mit schönen Augen, ihr seid begeistert von Opfern,
Sendet reiche Fülle auf unsere mystischen Riten,
Denn ihr seid die Ersten bei den heiligen Riten
Der Proserpina und des heiligen göttlichen Bacchus
Und der schönen Muse Kalliope, die mich begeistert,
Und des lichten Apollo, des Königs der Chöre der Musen.

AN DIE MUTTER ERDE

Göttin Erde, Quelle der seligen Götter und Menschen,


Fruchtbare Mutter, begabt mit allen zerstörenden Kräften,
Allmutter, Grenzenlose, deren schöpfrische Mächte
Schaffen einen Markt von bunten Blumen und Früchten,
Allmagd, Ewige, weltweit feste Basis, unsterblich,
Du bist gebenedeit und gekrönt mit jeglicher Gnade.
O von deiner tiefen Gebärmutter, göttliche Mutter,
Wie aus einer endlosen Wurzel, kommen die Früchte,
Früchte mit vielen Formen, reife und reifende Früchte,
Göttin mit großem Busen, gesegnet mit Wiesen und Feldern,
Süßem und gutem Geruch und erfreut von fruchtbarem Regen.
Alle Blumen-Dämonen um einen Mittelpunkt kreisend,
Alle Sterne bewegen sich um deinen Planeten
Mit den schnellsten Wirbeln, ewige göttliche Mutter,
Deren Körper geschmückt ist mit unvergleichlichen Gaben
Und mit dem überhimmlischen Glanz der göttlichen Weisheit!
Komm, gesegnete Göttin, höre meine Gebete,
Mache die Zunahme reifen Obsts deine ständige Pflege,
Nahe mir mit dem gnädigen Zug der fruchtbare Horen
Und mit gnädigem Geist den geringsten Diener erhöre.

AN DIE MUTTER DER GÖTTER

Große Mutter der Götter, Schwester aller Geschöpfe,


Nähere dich, o göttlich Geehrte, höre mein Flehen!
Thronend auf einem Wagen, von herrlichen Löwen gezogen,
Bullenzerstörenden Löwen, schnellen und mächtigen Tieren,
Lenkst du den Wagen göttlich mit der Stange des Zepters.
Dein ist der Welten mittlerer Sitz, von vielen bewohnter,
Darum ist die Erde dein und die sterblichen Wesen
Haben ihre ständige Nahrung von dir und die Pflege,
Ja, aus dir sind die ersten Götter und Menschen entsprungen,
Von dir stammt das Meer und alle fließenden Flüsse.
Vesta bist du und die Quelle des heiligen Guten,
Und dein heiliger Name ist allen sterblichen Menschen
Eine Freude und bewegt sie zu freundlichen Taten.
Alles Gute zu geben ist die Lust deiner Seele.
Komm, o mächtige Kraft, sei gnädig unseren Riten.
Allherrin, komm, Gesegnete, phrygische Retterin, Göttin,
Des Saturnus Königin, freu dich am Dröhnen der Trommeln,
Himmlische, Uralte, alles Leben tragendes Mädchen,
O fanatische Göttin, hilf deinem elenden Sklaven,
Schau mit freudigen Augen auf unsern steigenden Weihrauch
Und voll Freude akzeptiere das göttliche Opfer.

AN PROSERPINA

Tochter des Zeus, allmächtige göttliche Herrin und Jungfrau,


Komm, gesegnete Königin, komm zu unseren Riten,
Eingeborene Quelle, des Pluto geehrte Gemahlin,
O ehrwürdige Göttin allen ewigen Lebens.
Es ist an dir, in der Erde untersten Tiefe zu wohnen,
Schnell zu gehn durch die breiten düsteren Pforten der Hölle,
Jupiters heiliger Nachkomme, du mit gnädiger Miene,
O fatale höllische Herrin mit herrlichen Schlössern.
Quelle der Furien bist du, deren seliger Körper
Stammt aus Jupiters unaussprechlichem heimlichem Samen,
Mutter des Bacchus bist du, Mutter der trunkenen Reben,
Göttliche, Vielgestaltete, Mutter berauschenden Weines.
Tanzende Horen sind um dich, o du Essentielle,
Richterin, Jungfrau, die du trägst den himmlischen Lichtglanz,
Du Illustre, Gehörnte, voll freigebigen Geistes,
Einzig und allein begehrt von den sterblichen Menschen.
Frühlingshafte Königin, Freude der grasgrünen Wiesen,
Süß an Geruch und angenehm dein Körper den Augen!
In dem Herbst Gefreite, Leben und Tod ist dein eigen,
Elenden Sterblichen ist bekannt deine schreckliche Stärke,
Dein ist die Aufgabe ja nach deinem eigenen Willen,
Leben zu produzieren und alles Leben zu töten.
Höre, gesegnete Göttin, sende reichen Ertrag uns
Von verschiedenen Früchten der Erde und Frieden im Lande,
Sende Gesundheit mit sanfter Hand, du Ärztin des Leibes,
Sende die Krone meines Lebens mit seliger Fülle
Und befrei mich vom lärmenden Streite zänkischer Narren.
Schließlich im reifen Alter werde ich Beute des Todes,
Dann entlasse mich, ich kehr zu den Reichen der Schatten,
Komm zu deinem schönen Palast, glückseligen Gärten,
Wo die seligen Geister leben und Pluto ist König.

AN PALLAS ATHENE

Eingeborene, edle Rasse von Jupiter, Wilde,


Benedeite, die du dich freust, in den Höhlen zu tanzen,
Kriegerische Pallas, unaussprechlichen Wesens,
Von illustrer Art, Großmütige, weithin Berühmte,
Felsige Höhen und Haine und schattige Berge erfreun dich.
In den Armen der Freude, mit Furien Schreckliche, Wilde,
Inspirierend die Seelen aller sterblichen Menschen,
Du gymnastische Jungfrau tollen heiligen Geistes,
Die du die Gorgonen bannst und die grause Medusa,
Unvermählt, gesegnet und von göttlichem Wesen.
Mutter der schönen Künste und gleichfalls herrische Jungfrau,
Du verstehst den zornigen Grimm über gottlose Sünder,
Du erkennst die göttliche Weisheit der frommen Gerechten.
Weibliche Jungfrau und gleichfalls männliche Kriegerin, Pallas,
Dein, fanatische Göttin, sind die Künste des Krieges,
Vielgestaltete Drachenmutter, o Pallas Athene.
Über den phlegräischen Riesen erhebst du dich grimmig,
Reitend auf deinem Renner, voll des Zorns der Zerstörung,
Die du entsprungen bist aus des Zeus Haupt, Tritogeneia,
Mit der herrlichen Miene, uns vom Übel erlösend,
Du über alle siegreiche Königin, göttliche Jungfrau.
Höre mich, Göttin, wenn ich zu dir bete, o Jungfrau,
Bete mit flehender Stimme Tag und Nacht, meine Herrin,
Und in meiner letzten Stunde, der Stunde des Todes,
Schenke mir Herzensfrieden und Gesundheit der Seele,
Gnädige Ewigkeit und die einzig notwendigen Schätze,
Sei mir immer gegenwärtig mit rettender Hilfe,
Vielbeschäftigte Mutter der Kunst, blauäugiges Mädchen.

AN DIE SIEGESGÖTTIN NIKE

Leistungsstarke Viktoria, von den Männern Begehrte,


Du mit negativen Brüsten vom Ingrimm Entflammte,
Zu dir ruf ich, deren Macht allein kann besiegen
Streitenden Zank und die Belästigung durch die Verfluchten.
Dein ist im Kampf um die Krone der herrliche Siegespreis, Göttin,
Dir ist das Zeichen von einem schönen Triumphe verliehen,
Göttin Viktoria, die du regelst alle die Dinge.
Herrlicher Kampf und Jubel sind dein des höchsten Triumphes.
Komm, o mächtige Göttin, und segne deinen Verehrer,
Komm mit funkelnden Augen und beschwingt vom Triumphe.
Mögen deine Taten berühmt werden, siegreiche Schutzfrau,
Möge ich finden durch dich, meine Herrin, unsterblichen Nachruhm!

AN LATONA

Dunkelverschleiert, Latona, vielangerufene Fürstin,


Zwillings-Lager-Göttin, mit einer heiligen Miene,
Tolle Koiantis, ein mächtiger Geist ist dein inneres Wesen,
Deine Nachkommen sind sehr fruchtbar, Apoll und Diana,
Von dem göttlichen Jupiter über die Maßen gesegnet.
Phöbus, der Erlöser, der Gott des Lichts ist dein Sprössling
Und Diana, die Schöne, die liebt die geflügelten Pfeile,
Sie in Ortygias schönen Regionen vor Jahren geboren,
Er in Delos, die Berge hoch zu schmücken mit Lichtglanz.
Höre mich, heilige Göttin, voll der gnädigen Geistes,
Und vollende diese heiligen mystischen Riten
Doch mit einem Verhältnis heiliger Art, o Latona.
AN DIE JUNGFRAU DIANA

Höre mir zu, o Jupiters Tochter, ruhmreiche Herrin,


Du Bacchantische, du Titanin, mit heiliger Miene,
Jubel machen dir Pfeile und allen weißt du zu leuchten,
Fackel-Lager-Göttin, große Göttin Dictynna.
Über die Geburten hast du den Vorsitz, o Jungfrau,
Dir vertraut ein Mädchen, ein junges liebliches Mädchen,
Bei den Qualen der Wehen bereitest du Beihilfe gütig,
Löse die Gürtel und schenke Pflege werdenden Müttern,
Heftige Jägerin, Ruhm in dem Krieg in den rauschenden Wäldern.
Sanft in Bewegung und geschickt in schrecklichen Pfeilen,
Wandernd durch die Nacht, bringst du leuchtende Freude den Feldern,
Du hast den freien Geist, deine männliche Form zu errichten,
O illustre Dämonin, große Amme der Menschheit.
Irdische und Unsterbliche, Flüche der Monster dich trafen.
Es ist dein, gesegnete Magd, im Walde zu wohnen,
Feindin des Hirsches, Freude des Waldes, der jagenden Hunde,
Du in ewiger Jugend, schön und strahlend gedeihend,
Universelle Königin, göttliche Herrin, Augusta,
Eine vielfältige Form der Macht ist dein Eigentum, Jungfrau.
Schreckliche Schutzgöttin, Unbekümmerte, gnädigen Geistes,
Komm zur Einweihung unserer heiligen mystischen Riten,
Gib der Erde einen Markt voll von köstlichen Früchten,
Sende süßen Frieden und Gesundheit mit wallenden Haaren,
Über die Berge lass fahren die Pflege der kranken Gemüter!

AN DEMETER

Universal-Mutter Deo, weltberühmte Augusta,


Quelle des Reichtums und Göttin mit verschiedenen Namen,
Große Schwester, voll der Gnade, gebenedeit, göttlich,
Du erfreust dich am Frieden, du ernährst das Getreide.
Große Göttin der Samen und der reichlichen Früchte,
Ernten und Dreschen, Deo, sind deine ständige Pflege,
Die du wohnst ein Eleusina, dort sitzt du im Throne,
Schöne herrliche Fürstin, von allen Begehrte, o Göttin,
Amme aller Sterblichen, deren Geist voller Gnade
Lehrte als Erste zu pflügen mit dem Joche der Ochsen,
Und du gabest den Menschen, was die Natur hat gefordert,
Reichliche Mittel der gewünschten Glückseligkeit allen.
Grünpflanzen stets gedeihen zu deinen Ehren im Lichte,
Beistand des großen Bacchus du, lichtertragende Göttin,
Künstlerin mit den Sicheln der Schnitter, luzid die Natur ist,
Irdische, was wir finden bei dir ist die Reinheit des Herzens,
O Pro-Leben-Mutter, ehrwürdige göttliche Amme,
Deine Tochter liebst du innig, die heilige Kore.
Dein Triumphwagen wird von schrecklichen Drachen gezogen,
Heilige Orgien singt man an deinem strahlenden Throne,
Eingeborene, vieles produzierende Fürstin,
Dein sind die Blumen und die Früchte des kraftvollen Grünen.
Lichte Göttin, komm mit dem Sommer, dem Siege der Sonne,
Schwanger mit Schwellungen, spende uns allen lächelnd den Frieden.
Komm mit schönen Gnaden und imperialer Gesundheit,
Komm mit dieser einzigen nötigen Gabe der Wohlfahrt.

AN DIE MUTTER DES GETREIDES

O Getreide-Göttin mit den herrlichen Namen,


Die unsterblichen Götter und Menschen sind dir entsprungen,
Häufig wandernde, einmal mit Trauer mächtig geschlagen,
In dem Eleusina-Tal du fandest Erleichtrung,
Da entdeckend Proserpina, deine göttliche Tochter,
Reinen Schreckens im Avernus, düster und dunkel.
Während du irrtest in der Welt, der heilige Jüngling
Bacchus war dir Teilnehmer und dir Führer des Weges.
Siehe, die Hochzeit des terrestrischen Zeus ging vorüber,
Während der Kummer dich hart geschlagen, o Göttin des Kornes.
Komm, oft eingeladene, und zu den Riten dich neige,
Deinen mystischen Knecht segne favorisierender Gnade!

AN DIE HOREN

Töchter des Jupiter und der Themis, ihr wandelnden Horen!


Lob sei dir, du Jungfrau der Gerechtigkeit, Dike,
Dir, gebenedeite Jungfrau des Friedens, Eirene,
Lob sei dir, rechtmäßige Jungfrau des Rechts, Eunomia,
Lob euch grasgrünen und lebendigen heiligen Mächten,
Deren lauer Atem atmet in lieblichen Blumen,
Bunte Jahreszeiten, reich erhöht ihr die Pflege,
Kreisende, ihr seid ewig blühend und ewig liebreizend!
Ihr seid verhüllt mit einem glänzenden tauigen Schleier,
Einem duftend blühenden Schleier, herrlich zu schauen.
Feiert Proserpina, wenn sie wieder kommt aus dem Dunkel,
Wenn die Grazien und die Moiren sie führen ins Helle,
Die in harmonischen Banden vorher lebten, die fröhlich
Waren und glücklich und tanzten heiter selige Tänze.
Triumphiert mit Ceres und mit Jupiter-Vater,
Gebt der Erde einen Markt von Früchten zu tragen,
Stellt in eure Obhut ein neues mystisches Leben!

AN SEMELE, MUTTER DES BACCHUS

Kadmische Göttin, universale Königin, Herrin,


Dich, o Semele, rufe ich an, dein heiliges Antlitz,
Du mit großem Busen und wallenden Locken, o Mutter
Gottes, glücklich und selig bist du, o Mutter des Bacchus!
Dein gewaltiger Sohn, dessen Liebe vom Blitz ward erleuchtet,
Er brach unreif und bang ins Licht, o Mutter des Gottes,
Vom unsterblichen Ratschluss, vom hohen Geheimnis geboren,
Göttlicher Sohn des Jupiter, des Regenten im Himmel!
Und Proserpina ward es ermöglicht, zu sehen den Lichtglanz.
Suche sie heim die Sterblichen aus den nächtlichen Reichen!
Immer nimm teil an unseren heiligen Riten und Festen,
Komm zu unseren Kulten, die deine Seele erfreuen,
Wenn dein Sohn die Wiedergeburt der Menschheit vollendet
Und wir Mysterien tief und heilig feiern im Tempel.
O ich rufe dich heute, kadmische Königin, hör mich,
Meinen Kult mit deinem Antlitz voll Seligkeit segne!

AN IPPA, DIE SCHWESTER DES BACCHUS

Große Schwester des Bacchus, höre meine Gebete,


Denn auch dein sind die heimlichen Riten des heiligen Jacchos,
Unsre mystischen Riten der nächtlichen Chöre des Bacchus,
Wenn die heiligen, lauterschallenden Feuer ertönen.
Hör mich, terrestrische Mutter, mächtige Königin, hör mich,
Ob du wirst auf Phrygiens heiligen Bergen gesehen
Oder ob du lieber wohnst auf dem Tmolus-Gebirge,
Komm mit heiliger Gnade und segne die mystischen Riten.

AN DIE NYMPHEN

Nymphen, Nymphen, die ihr aus des Ozeans Strome


Leitet eure Geburt ab, ihr wohnt in Grotten der Erde,
Krankenschwestern der Leidbetrunknen, Ammen des Bacchus,
Heimlich jagende Mächte, die Früchte des Herbsts zu erhalten
Und zu ernähren jede Blume im lachenden Frühling!
Irdisch, freudig, in Wiesen wohnend, in Höhlen und Grotten,
Deren Tiefe erstreckt sich in die finstere Hölle,
Heilige, welche schnell aufsteigen durch Lüfte des Äthers,
Stehn ja in eurer Pflege Tau und Quellen und Ströme.
Unsichtbar, sichtbar, die Freude ihr habt an den Wandrungen weithin
Und uns sanft natürlich durch blühende Täler geleitet,
Jubelnd mit Pan auf den hohen Bergen, den Bergen der Hirten,
Städtegründungen sind von euch, wahnsinnige Nymphen,
Die euch mit schallender Echo Felsen und Wälder begeistern.
Nymphen, duftend, weiß, deren Brisen atmen erfrischend,
Die euch der laue Wind raubt, es raubt euch Zephyrus lachend,
Die ihr an Ziegen und Weideflächen erfreut seid und Panthern,
Ammen der Früchte, unbewusst des Verfalls in dem Herbste,
Voller kühler Freude und wandernd sportlich im Meere.
Nysische Nymphen, fanatische Nymphen, wahnsinnige Nymphen,
Freuden der Eichen, Liebhaberinnen des lachenden Lenzes,
Ihr päonischen Jungfrauen, die ihr hell seid und strahlend,
Hört, mit Ceres und Bacchus, hört meine frommen Gebete!
Kommt, ihr Nymphen, und segnet reichlich die sterbliche Menschheit,
Oft lasst hören eure lieblichen Stimmen, kommt eilend,
Freut euch voll Gnade an diesem meinem mystischen Ritus,
Gebt uns fruchtbare Jahreszeiten und ausreichend Wohlstand,
Und ergießt in dauerhaften Strömen das Heil und den Segen!

AN VENUS

Himmelskönigin, lachenliebende Königin Venus,


Meergeborne, Urania, nächteliebende Göttin,
Herrin du mit deinem schrecklich heiligen Antlitz,
Kraft, von der die Notwendigkeit kam, o Kraft, meine Göttin,
Schöpferin, nächtliche Liebe, allverbindende Dame!
Es ist an dir, alle Welten harmonisch schön zu verbinden,
Alle Dinge entspringen dir, o Kraft, meine Göttin,
Dein Dekret regiert das weise dreifaltige Schicksal,
Alle Geschöpfe der Welten sind dir völlig ergeben!
Was auch die hohen Himmel umgeben, alles enthaltend,
Früchteproduzierende Erden, stürmische Meere,
Alles bekennt deine Herrschaft und gehorcht deinem Nicken,
Auch die schrecklichen Dienerinnen bacchantischen Gottes!
Göttin der Ehe, charmant zu schauen, liebende Mutter,
Die sich an Festbanketten erfreut, o Quell der Verführung,
Mysteriöse, favorisierende Königin, Venus,
Du illustre Schaumgeborene, unsichtbar, sichtbar,
Braut, die sich zuneigt den Menschen, Produktivste der Götter,
Die am meisten Begehrte, Leben spendendes Wesen,
Großen Zepters Fahnenträgerin himmlischer Götter,
Dein Amt ist, die Menschen mit festen Band zu verbinden,
Jeden Stamm der Monster mit magischen Ketten zu fesseln
Durch die verrücktesten Wünsche und die schlimmsten Begierden.
Komm, in Zypern geborene, meine Gebete erhöre,
Ob erhaben in dem Himmel der Himmel du leuchtest
Oder in Syrien präsidierst in dem heiligen Tempel
Oder den Wagen lenkst über ägyptische Wüsten,
In dem Goldglanz, oder nah des heiligen Wassers,
Fruchtbar und berühmt lebst du an gesegneten Orten,
Oder wenn heitere Freude lebt an meerblauen Küsten,
In der Nähe, wo brüllend das Meer mit schäumenden Wellen,
Kreisende Chöre der sterblichen Menschen sind da deine Freude,
Oder hübsche junge Nymphen mit lichtblauen Augen
Sind erfreut durch die sandigen Ufer des ruhmreichen Meeres,
Wenn dahinfährt dein schneller goldener Wagen, o Venus,
Oder wenn in Zypern du zelebrierst mit der Mutter,
Wo vermählte Frauen dich loben jährlich und Mädchen,
Niedliche Jungfrauen stimmen in den Refrain ein, o Göttin,
Rein zu singen Adonis und dich, o weinende Venus.
Allanziehende Venus, komm zu meinen Gebeten,
Denn ich rufe dich an, o Venus, im heiligen Geiste!

HESIODS THEOGONIE
Ihr Musen Helikons, beginnet nun zu singen,
Auf gotterfülltem Berg seh Musen ich sich schwingen
Und von dem dunklem Quell mit leichtem hübschem Fuß
Seh Musen ich im Tanz, dem Kronossohn zum Gruß,
Wenn sie den weichen Leib in dem Permessos baden,
In Hippokrenes Bad, Olmeios voller Gnaden,
Dann auf dem Helikon sie tanzen schönen Tanz
Und lieblich tanzen sie mit Füßen voller Glanz.
Von dort sie brechen auf, in dichtem Nebel schreitend,
Sie wandeln durch die Nacht, schön den Gesang verbreitend,
Zu preisen Vater Zeus und Hera Herrscherin,
In goldnen Schuhen sie voll Hoheit wandelt hin,
Und auch die Tochter Zeus, glanzäugichte Athene,
Und Phöb Apollon auch und Artemis die Schöne,
Poseidon preisen sie, den Erderschüttrer auch,
Ehrwürdig Themis und die mit dem schönen Aug,
Frau Aphrodite, Gold-bekränzte Hebe, leise
Dione, Leto und Japetos, Kronos weise
Und Eos, Helios, Selene mit dem Glanz
Und Erde, Ozean, die Nacht im dunklen Kranz
Und die Unsterblichen, das himmlische Gedränge.
Sie lehrten Hesiod unsterbliche Gesänge,
Der Schafe weidete am frommen Helikon.
Es sprachen Göttinnen zu mir, dem Menschensohn,
Die Musen vom Olymp, Zeustöchter ganz aus Hauch:
Das Hirtenvolk ist schlecht, sind Lug und fauler Bauch,
Sie lieben Lug und Trug und Reden voller Sünden.
Wir wissen aber auch die Wahrheit zu verkünden.
Die Musen sprachen so, Zeustöchter sprachen Recht.
Sie gaben mir den Stab und mir den Lorbeer echt,
Den schönen Lorbeerkranz, und machten mich zum Seher
Und gaben mir das Wort, ich sage, was von jeher,
So dass ich preise nun der Götter Ewigkeit,
Das A und O des Lobs den Musen sei geweiht.
Was soll mir der Gesang von Fels und Baum und Dingen?
Beginnen Musen wir und Vater Zeus zu singen,
Die Musen freuen Zeus auf dem Olymp mit Sang.
Was sein wird, ist und war, besingen sie voll Drang.
Einmütig ihr Gesang, die Stimme unermüdlich
Fließt süß von ihrem Mund. Es lacht der Vater gütlich,
Zeusvater Donnergott lacht bei der Musen Lied
Und Widerhall tönt im olympischen Gebiet
Und die Unsterblichen erschallen wie das Wetter,
Die Musen singen Preis und preisen hohe Götter,
Die da von Anbeginn, da Erd und Himmel ward
Und Götter, die daraus geworden, gut von Art,
Und preisen schließlich Zeus, der aller Wesen Vater,
Es preisen Musen Zeus in dem Sakraltheater,
Zeusvater, A und O, voll Stärke und voll Macht,
Die Menschen singen sie und der Giganten Nacht,
So Zeus erfreuen sie in des Olympos Halle,
Zeustöchter freuen Zeus, die Musen schön im Schalle.
Die in Pierien gebar Mnemosyne,
Kronion Vater war, damit der Menschen Weh
Vergessen ward im Lied, die Leiden und die Sorgen,
Neun Nächte liebte Zeus Mnemosyne bis Morgen,
Fern von den Himmlischen stieg er zu ihr ins Bett,
Ein Jahr vergangen war, der Frühling kehrte nett,
Die Monde schwanden hin, vollendet waren Tage,
Gebar sie Musen neun, die lieben Sang und Sage,
Es singt ihr Herz Gesang, ihr Sinn ist sorgenfrei,
Ob schneebedeckt des Bergs Olympos Gipfel sei,
Tanzplätze haben sie und lichterfüllte Häuser,
Chariten wohnen dort, Himeros wohnt dort leiser,
In friedlichem Gelag sie singen mit dem Mund,
Der Götter Bräuche sie besingen lieblich und
Den Weg der Himmlischen singt schön und lieblich jede.
Sie gingen zum Olymp, froh über ihre Rede,
Unsterblichen Gesangs. Die Erde widerhallt,
Der Laute Lieblichkeit zu Füßen ihnen schallt,
Zum Vater gingen sie, der herrschte in dem Himmel,
Den Blitzstrahl hält er und die Wolken im Gewimmel,
Mit Kraft besiegte er den Vater Kronos. Gut
Hat alles festgesetzt Zeus Himmlischen zugut.
Dies war der Musensang, auf dem Olympos wohnend,
Neun Töchter Gottes sie, des Vaters Zeus hochthronend,
Thalia, Klio und Euterpe sangen schön,
Melpomene und auch Terpsichore ich krön
Und Polyhymnia, Erato die Gelöste,
Kalliope, zuletzt Urania, die Größte,
Die sie begleitet auch die Himmlischen mit Ruhm.
Wen nun die Musen sich zu ihrem Heiligtum
Erkorn bei der Geburt von frommen Fürsten, diesen
Sie honigsüßen Tau auf ihre Zungen gießen.
Von seinem Munde fließt ein mildes Wort. Es schaun
Die Dienenden auf ihn, spricht er sein Urteil, traun,
In der Gerechtigkeit. In der Gemeinde sprechend
Beendet er den Streit, den Stab der Streiter brechend.
Den König nennt man klug, der seinem Untertan,
Geschah ein Schaden ihm, ihm wieder wohlgetan
In heitrer Leichtigkeit, mit sanften Worten weisend.
Man sucht stets seine Gunst, mit Huldbeweis ihn preisend,
Wenn zum Versammlungsplatz der weise König kommt.
Zu solcher Weisheit Ruhm der Musen Gnade frommt.
Denn jene Musen und Apollon einst mit Bogen
Kitharraspielern und den Sängern sind gewogen.
Zeus ehrt die Könige. Heil dem, der wird geliebt
Von Musen, wenn sein Wort ihm eine Muse gibt.
Wenn einer Trauer hat, ist unmutvoll im Leiden,
Im Herzen tief betrübt, der Sänger wird bescheiden,
Der Musen Diener er, Heroen singen Ruhm
Und Götter preisen in Olympos Heiligtum,
Das man das Leid vergisst und das unschöne Schlimme,
So tröstet alles Leid der Göttin Musenstimme.
Lebt wohl, ihr Töchter Zeus, gebt lieblichen Gesang!
Singt, Musen, den Gesang, wie alles nahm den Gang!
Das heilige Geschlecht der Götter rühmt, die seiend,
Gezeugt von Mutter Erd, da sie der Himmel freiend
Umfing, und singt die Nacht, die Wohnenden im Meer,
Sagt, wie zuerst entstand der hohen Götter Heer
Und Erd und Strom und Meer, der Schaum im Wogenschwalle,
Der Himmel droben und die lichten Sterne alle,
Und wie der Götter Schar ward in dem Himmelszelt,
Die Gutes Gebenden, wie sie verteilt die Welt,
Wie sie zuerst besetzt Olymp mit seinen Schluchten.
Das sagt mir, Musen, an! Ihr wohnt in Himmels Fluchten,
Ihr wohnt in Wohnungen in des Olympos Land.
Von Anbeginn sagt an, wie alles dies entstand.
Zuallererst entstand das Chaos, dass dann werde
Als aller Götter Sitz mit breiter Brust die Erde,
Die Götter wohnen all auf dem Olymp im Schnee,
Im Erden-Inneren ruht Tartaros voll Weh,
Und Eros, Herrlichster von allen hohen Göttern,
Der Gliederlösende, der Menschen zwingt und Göttern
Den Sinn in ihrer Brust und ihren klugen Rat.
Aus Chaos Erebos und Nacht im Sternenstaat
Geworden sind, aus Nacht der Tag ward und der Äther,
Die Mutter Nacht gebar die Tageshelle später,
Mit Vater Erebos in Liebeslust vereint.
Die Mutter Erd erzeugt den, der wie Sterne scheint,
Den Vater Uranos, damit er sie umhülle
Und steter Wohnsitz sei den Göttern süßer Stille.
Die Mutter Erd erzeugt der Göttinnen Gefild,
Die Berge schluchtenreich, da wohnen Nymphen mild,
Und sie gebar das Meer, das schwillt in Wogenschäumen,
Gezeugt von Pontos, doch nicht mit der Liebe Träumen.
Dann Mutter Erd gebar, mit Uranos im Schoß,
Den Aufgewirbelten, den Gott Okeanos,
Den Koios, Kreios und Hyperion und Theia,
Japetos, Themis und Mnemosyne und Rheia,
Die Phöbe goldgekränzt, geboren Thetis ist,
Zuletzt der jüngste Sohn, Gott Kronos, Hinterlist
War sein, der Schrecklichste von allen Erdensöhnen,
Den Vater hasste er mit zornerfülltem Stöhnen.
Kyklopen sie gebar, voll Überheblichkeit
War Brontes, Steropes und Arges stark und breit,
Die gaben Donner Zeus und fertigten die Blitze.
Den Göttern ähnlich sie an Weisheit und am Witze,
Mit einem Auge nur inmitten ihrer Stirn.
Ihr Werk war Kraft und Macht, voll List war ihr Gehirn.
Noch andre Uranos gebar mit Mutter Erde,
Drei große Söhne stark, die ich nicht nennen werde,
Die Übermütigen, gewaltig in dem Land,
Die Kollos, Gyges und Briareos genannt,
Die von den Schultern ab bewegten hundert Hände,
Unförmig jede Hand. Auf ihres Halses Ende
Der Köpfe fünfzig sich erhoben ungestalt.
Unnahbar, voller Kraft die schreckliche Gestalt.
So viele Söhne auch von Uranos geworden,
Verhasst dem Vater war der Erdensöhne Orden,
Von Anfang an verhasst. Geboren kaum, noch nicht
Gereift, der Vater ließ die Söhne nicht ans Licht,
In Höhlen barg er sie, im Mutterschoß der Erde.
Des freut sich Uranos. Laut stöhnte auf die Erde,
Sie wurde eingeengt, ersann sich böse List.
Sie brachte Stahl hervor, der erdgeboren ist,
Die Sichel machte sie und sprach zu ihren Söhnen,
Sprach Mut den Söhnen zu, im Herzen doch voll Stöhnen:
Ihr meine Söhne und des Vaters ungerecht,
Gehorcht der Mutter nur, dann werdet ihr gerächt,
Des Vaters Schande rächt ihr dann, die er begonnen,
Der schlimme Schande und unrechte Tat ersonnen.
So sprach sie. Alle da griff Furcht und wilde Wut,
Der hinterlistige Gott Kronos fasste Mut
Und sprach die Mutter an, ihr so sich zuzuwenden:
O Mutter, ich dein Sohn, ich will die Tat vollenden,
Denn vor dem Vater hab ich keine Achtung mehr,
Unrechte Tat erdacht hat ja als Erster er.
Er sprachs. Da freute sich von Herzen Mutter Erde,
Sie barg ihn im Versteck, bis sie ihm geben werde
Die Sichel in die Hand. Den ganzen Plan voll List
Sie lehrte ihn. Die Nacht heraufgekommen ist,
Da nahte Uranos, der auf die Erd sich breitet,
Die Mutter Erde da voll Liebeslust umgleitet
Und spannt sich mächtig aus, weit über allem Land.
Der Sohn aus dem Versteck, die Sichel in der Hand,
Er griff nach dem Geschlecht des Vaters, nach dem Gliede
Und schnitt es eilig ab, warf das Geschlechtsteil müde
Fort, doch nicht wirkungslos entfiel es seiner Hand,
So mancher Tropfen fiel auf Mutter Erde Land,
Die Mutter nahm sie auf. So mit der Zeit entstanden
Erinnyen schauerlich und mächtige Giganten,
In Waffen glänzend, mit dem Speere in der Hand
Und Nymphen, melische die Nymphen sind genannt.
Das Glied, als Kronos es dem Vater abgeschnitten,
Geworfen in die See, es ist ins Meer geglitten,
Es trieb umher im Meer. Aus ihm entstand der Schaum,
Daraus ein Mädchen ward, unsterblich schön wie Traum,
Sie näherte zuerst der heilige Kythere,
Der Insel sich und dann der Kypros in dem Meere,
Die schöne Göttin ging in Zypern an das Land
Und unter ihrem Fuß das Gras spross auf am Strand,
Die Aphrodite heißt, weil sie aus Schaum geboren,
Und Kypris heißt, weil sie sich Zypern auserkoren,
Heißt Kythereia, weil sie nach Kythere kam,
Geschlechtsteil-Liebende, weil sie sich freut an Scham.
Und Eros folgte ihr, Himeros ihn begleitet,
Als sie geboren war und zu den Göttern schreitet.
Dies ihre Würde ist, ihr Anteil in der Welt,
Der Frauen Liebesspiel mit Männern in dem Zelt,
Geplauder mädchenhaft und Lächeln und Getäusche,
Geschmeichel und Genuss der Liebe liebt die Keusche.
Die andern Söhne hieß Titanen Uranos,
Die Söhne, die er selbst erzeugt aus seinem Schoß,
Der Vater tadelte die Söhne, ihre Sache
Sei ungerechte Tat, der später folgt die Rache.
Die Mutter Nacht gebar Verderben und Geschick,
Den Tod und auch den Schlaf, des Traumes Augenblick,
Die Mutter Nacht gebar sie ohne Kraft des Mannes,
Den Tadel sie gebar, des Jammers Macht des Bannes,
Die Hesperiden, die im Ozean aus Gold
Die Äpfel hüten treu und Apfelbäume hold,
Die Moiren sie gebar und sie gebar die Keren,
Die Klotho, Lachesis und Athropos, die hehren,
Des Schicksals Göttinnen von Unheil und von Huld.
Die Keren strafen stets die Sünde und die Schuld
Und nie die Göttinnen stehn ab von ihrem Grimme,
Bevor dem Sünder sie die Strafe geben, schlimme.
Zum Unglück Mutter Nacht gebar die Nemesis,
Die böse Mutter Nacht, der Unzucht Finsternis,
Das Alter, Lug und Trug und Eris, dass sie sprühe
Den Streit in diese Welt, und die gebar die Mühe
Und die Vergessenheit, den Hunger und den Tort
Und Kampf und Tötungen und Schlacht und Männermord
Und Zwistigkeit und Schimpf und List und Widerrede,
Verblendung und dazu das Unrecht, Schwestern jede,
Den Eid, der in der Welt zumeist das Volk betört,
Wenn einen Meineid wer mit falschem Herzen schwört.
Und Pontos Nereus zeugt, untrüglich in der Wahrheit,
Der Söhne Ältesten, den Greis in lichter Klarheit,
Untrüglich, freundlich, er vergisst nicht alten Brauch.
Und Pontos Thaumas zeugt und männlich Phorkys auch,
Vereint mit Mutter Erd, und Keto schöner Wangen,
Eurythia, die hat stahlharten Sinn empfangen.
Von Nereus stammen ab die Göttinnen, die Schar,
Geborn von Doris sie, die hat sehr schönes Haar,
Eukraute, Pasithee, Eunike rosenarmig
Und Eulimene und Melite freundlich-charmig,
Agaune, Doto und Pherusa, Dyamen,
Nesaie, Proto und Aktaie wunderschön,
Panope, Doris und die hübsche Galatheia,
Hippothoe und Schön-Gestalt Protomedeia,
Kymodoke, die sanft besänftigt auf dem Meer
Mit Kymatologe der Nebelstürme Heer
Und Amphitrite auch mit schönen bloßen Füßen,
Eione, Kymo und Halimede, die süßen,
Glaukonome, die lacht, Pontoporeia lacht,
Kiagore ist sanft, Laomedeia sacht,
Euagore ist schön und Polynoe lieblich,
Antonoe voll Reiz, Euarme nie betrüblich,
Lysianassa hübsch, untadlig die Gestalt,
Und reizend Psamathee, Menippe nie wird alt,
Eupome, Neis und Themisto gerne schweigen,
Nemertes hat den Geist des Vaters ganz zu eigen,
Die stammen alle ab von Nereus ohne Fleck,
Die fünfzig Töchter, sie verstehen Ziel und Zweck.
Und Thaumas führte heim das Kind der Meereswelle,
Elektra, seine Braut, und die gebar die schnelle
Frau Iris, Harpyien mit langem schönem Haar,
Den Winden folgen sie, den Vögeln wunderbar
Mit schnellen Flügeln, hoch am Himmel jene schweben.
Dem Phorkys nun gebar Frau Keto neues Leben,
Geboren altersgrau, die Graien sind genannt
Von Himmlischen und von den Menschen auf dem Land.
Pemphredo sie gebar und Enyo im Kleide,
Das krokosfarben war, die bunte Frühlingsseide,
Und die Gorgonen auch, die wohnen an dem Meer,
Am Rand der Nacht, wo auch die Hesperiden hehr
Zuhaus, und Sthenno und Euryale, Meduse,
Die Trauriges erlitt, denn sterblich war die Muse,
Die andern alterslos. Poseidon nun ging ein
Zu jenen in dem Gras in einem Frühlingshain.
Als Perseus aber schnitt den Hals ab der Meduse,
Entsprangen Chrysaor und Pegasos der Muse,
Der Pegasos genannt, entstand am Wasserquell,
Der Chrysaor genannt, der hielt ein Goldschwert hell.
Fort von der Mutter flog, fort von der Mutter Erde,
Flog Pegasos, verließ die Mutter ihrer Herde,
Kam zu den Himmlischen und kam zu Gottes Sitz,
Den Donner brachte er und brachte Zeus den Blitz.
Und Chrysaor erzeugt Gerynoeus dreiköpfig
Mit Frau Kallirhoe, des Meeres Kind goldzöpfig.
Den tötete die Kraft des starkes Herakles.
In Erytheia bei den Rindern, weißt du des,
Am Tag, als Herakles die Rinder hat getrieben
Nach Tityns, an der Furt des Meeres er geblieben,
Und Othos tötete und schlug Eurytion
Und ging durchs Nebelland des Ozeans davon.
Ein Ungeheuer nun Frau Keto hat geboren,
Den Göttern ähnlich nicht und nicht den Menschen-Toren,
In einer Grotte da Echidna sie gebar,
Halb wunderschön geaugt sie eine Nymphe war,
Halb furchtbar sie und groß war eine schlimme Schlange,
Blutgierig und geschickt und doch mit schöner Wange,
Im Mutterschoß der Erd geheim die Grotte lag.
Dort unter einem Fels die Höhle, fern dem Tag,
Den Himmelsgöttern fern und allen Menschen ferne,
Echidna ists bestimmt, sie wohnt dort einsam gerne,
Die in der Erde wohnt, in tiefer Erde Schoß,
Die Nymphe ohne Glück und allzeit alterslos.
Typhaon sich verband mit ihr in Liebe, rümpfe
Die Nase keiner stolz, mit dieser schönen Nymphe.
Die aber schwanger ward und Kinderlein gebar,
Geryoneus gebar sie einen Hund sogar,
Desweitern sie gebar den Hund des Totenstaates,
Blutgierig Kerberos, laut bellt der Hund des Hades,
Mit fünfzig Köpfen er und unverschämt und stark.
Dann Hydra sie gebar, die saugte aus das Mark
Dem Helden Herakles, sein Sieg war seine Ehre,
Die aufgezogen einst mit weißen Armen Here,
Die tötete der Sohn des Zeus mit scharfem Schwert,
Der Amphiktrionid mit Iolaos wert,
Auf der Athene Rat, die spendete die Beute.
Und Keto auch gebar Chimaira, die noch heute
Unwiderstehlich Glut und Feuersbrand ausschnaubt,
Die furchtbar, groß und stark, schnellfüßig, wie man glaubt.
Drei Köpfe hat sie, hat des Löwen Heldenblicke,
Des Drachen Schlangenkopf, gehörnten Kopf der Zicke.
Der Drache hinten und der starke Löwe vorn,
Die Ziege mittendrin speit Feuer aus dem Horn.
Die tötet Pegasos, Bellerophontes edel.
Und Keto auch gebar den Sphinx mit Frauenschädel,
Bezwungen von dem Hund, den Löwen sie gebar,
Den Löwen zeugte sie, Frau Keto wunderbar,
Nemeischen, den zog Frau Hera auf, Zeus Gattin,
Nemeias Hügel er bewohnte, Sohn der Göttin,
Der Erdenmenschen Leid, die Scharen er zerstreut,
Der sich am Trelos- und Apesas-Berg erfreut.
Doch Herakles voll Macht den Löwen hat bezwungen.
Und Keto noch gebar, von Phorkys lustdurchdrungen,
Die Schlange voll Gewalt, die in der Erde wohnt,
Die goldne Frucht bewahrt am fernen Horizont.
Dies ist nun das Geschlecht, die Schrecken allzusammen,
Die da von Ketos Schoß, vom Samen Phorkys stammen.
Und Thetys nun gebar Okeanos, den Fluss,
Alpheios und den Nil, dazu Eridanus,
Schönfließend Ister und den Strymon und Mäander,
Den Phasis, Rhesos und Acheloos und ander-
Seits Nessos, Rhodros und den Helialimon
Und Hystoporos, auch Genikos und als Sohn
Aisepos göttergleich, Simöis, sich ergießend,
Peneios, Hemos und den Kakos lieblich fließend,
Sangarion, Ladon und auch Parthenius,
Aldeskos, Euenos und den Skamanderfluss,
Ein heiliges Geschlecht von Töchtern, die auf Erden
Mit Herrn Apoll erziehn die Jugendlichen werden
Und mit Stromgöttern auch. Dies Amt gab ihnen Zeus.
Admete, Peitho und Ianthe voller Reiz,
Elektra, Doris und Kallirhoe, gottähnlich
Urania und auch Klymene, Zeuxo sehnlich,
Rhodeia, Prymno und Idyia, Klythia,
Plexaura, Thoe und Dione lieblich da
Und Galaxaura und Paithoe, die Kinder,
Keteis, schön an Wuchs, mit Augen sanfter Rinder
Frau Pluto, Xanthe und Akaste, Persis auch,
Europa, Menesto, Petraies süßen Hauch,
Metis, Eurynome, Telesto krokosfarben,
Kalypso auch, um die viel starke Helden warben,
Chryseis, Asia und Tyche voll des Glücks,
Eudoris und zuletzt die Größte, das ist Styx.
Die von Okeanos und Thetys alle stammen
Als Älteste. Es gibt noch andre, allzusammen
Dreitausend Meerjungfraun mit schlankem nacktem Fuß,
Im ganzen Land verstreut, im Meer und See und Fluss,
Da schreiten alle sie, die Töchter von Göttinnen,
Auch mancher andre Fluss, der rauschend strömt von hinnen,
Okeanos entstammt, die Thetys ihm gebar.
Die vielen Namen sind zu sagen wunderbar
Und das vermag kein Mensch, doch jenen, die dort wohnen,
Die Namen sind bekannt der Götter ihrer Zonen.
Und Theia nun gebar Selene, Helios
Und Eos, die erglüht der ganzen Erde Spross
Und allen Himmlischen, die in dem Himmel wohnen,
Da ihr Hyperion bereit war beizuwohnen.
Eurybie gebar, mit Kreios eins im Akt,
Astraios, Pallas auch, Göttinnen strahlend nackt,
Und Perses, der zumeist erstrahlte durch die Blendnis,
Gebar die Winde stark Frau Eos nach Erkenntnis,
Astraios, Zephyr auch und eilend Boreas
Und Notos, lustvereint die Götter wirkten das,
Die Frühgeborne hat den Morgenstern geboren
Und all der Sterne Schar hoch an den Himmelstoren.
Styx, Kind Okeanos, gebar, mit Palles eins,
Den Zelos im Gemach und Nike schönen Scheins
Und Kratos und die Bi, vorzüglich schöne Kinder.
Nicht fern von Zeus das Haus der hohen Überwinder,
Auf jedem Weg und Pfad voran geht ihnen Gott,
Die allzeit sind bei Zeus, dem Vater Donnergott.
So riet es nämlich Styx, des Ozeans Erzeugte,
Am Tag, als im Olymp Zeus seine Blitze zeigte
Und rief die Himmlischen in des Olympus Haus,
Da gingen Himmlische im Himmel ein und aus.
Wer von den Göttern die Titanen überwindet,
Der bleibt in seinem Thron, die Würde jeder findet,
Die er zuvor gehabt in hoher Götter Schar,
Und wenn bei Kronos er auch ohne Würden war,
Er fände im Olymp Vorrechte nun und Würden.
Als Erste nahte Styx nun des Olympos Zierden
Mit ihrer Söhne Schar auf ihres Vaters Rat.
Zeus ehrte sie und gab Geschenke in der Tat,
Er sprach, der Götter Eid, bei Styx sie sollen schwören
Und ihre Söhne stets zu Gottes Haus gehören
Und wie er es versprach, so tat er es voll Pracht
Und Würde. Er selbst, Zeus, regiert und herrscht mit Macht.
Und Phoebe kam zum Bett des Koios, des begehrten,
In Liebe zu dem Gott sie musste schwanger werden,
So Leto sie gebar, im dunklen Kleide mild,
Den Göttern im Olymp der Sanftmut Ebenbild,
Den Menschen mild und sanft, die freundlichste der Damen.
Asterie gebar sie auch, mit schönem Namen,
Die Perses führte in sein Haus, der Gott von Art,
Da sie Gemahlin ihm und Bettgenossin ward.
Asterie schwanger ward, hat Hekate geboren,
Zeus ehrte sie zumeist, er hat sie auserkoren
Und reich beschenkt. Sie herrscht auf Erden und am Meer,
Auch Ruhm ward ihr zuteil vom lichten Himmelsheer,
Die unter Himmlischen ist die zumeist Geehrte.
Auch jetzt, wenn irgendwo ein Mensch von dieser Erde
Ein Opfer Gott bringt dar, die Götter so versöhnt,
Ruft er die Hekate, wer ihr Gebete stöhnt
Und wessen Bittgebet die Göttin wird empfangen,
Dem Ehre wird, und Glück und Macht wird er erlangen.
Wer von der Mutter Erd und Vater Himmel stammt,
Die Göttin Hekate beherrscht sie allesamt.
Zeus niemals grausam war und hat ihr nichts genommen,
Was jemals sie besaß bei allen Göttern, frommen,
Ihr Anteil ist noch heut, was einst ihr eigen war,
Ist auch nicht würdelos, weil sie allein gebar
Asterie. Eigen sind ihr Himmel, Meer und Erde
Und alles in der Welt, da Zeus sie sehr verehrte.
Und wen sie auserwählt, dem tut sie Gutes an,
In der Gemeinde ist berühmt allein der Mann,
Dem günstig Hekate, und in dem Männerkriege
Dem Mann schenkt Hekate voll Gunst und Gnade Siege
Und wenn sie günstig ist, leiht Ruhm sie zum Gedicht,
Bei hohen Königen sitzt sie mit zu Gericht,
Auch hilfreich ist sie sehr bei Wettkampfs Männerwerken,
Da kann die Göttin gut beistehen und bestärken.
Wer siegte durch die Kraft, trägt leicht vom Heiligtum
Den schönen Lorbeerkranz und schafft den Ahnen Ruhm.
Auch Reitern steht sie bei in Kämpfen und Gefahren
Und steht den Fischern bei und die das Meer befahren,
Die flehn zu Hekate und zu Poseidaon,
Und steht es ihr im Sinn, den Schatz führt sie davon.
Oft Hekate im Stall und Hermes Herden mehrten,
Die Rinderherden und zugleich die Ziegenherden,
Schafherden noch dazu, wenn so ihr Sinn es will,
Aus allem macht sie nichts, aus ein klein wenig viel,
Der Mutter Einzige darf großen Ruhm doch haben,
Die Götter im Olymp ihr spenden Ehrengaben.
Zur Pädagogin macht sie Zeus der Kinder, traun,
Die nach der Nacht das Licht der schönen Eos schaun.
Die Pädagogik ist die Liebste ihrer Bürden,
Die Kinder sie erzieht zur Frömmigkeit mit Würden.
Da Kronos sie bezwang, Frau Rhea wohlgemut
Gebar der Kinder Schar, die Hera goldbeschuht,
Demeter, Hestia und Hades, drunten trauernd,
Den Unbarmherzigen, Poeseidon auch feuchtschauernd,
Den Erderschütterer, und unsern Vater Zeus,
Von dessen Donner wird erschreckt der Erde Kreis,
Die allesamt verschlang Gott Kronos, dieser Große,
Die vorgekommen sind aus ihrer Mutter Schoße,
Denn Kronos sann darauf, dass nicht von dem Geschlecht
Der Schar der Himmlischen ein Anderer das Recht
Des Himmelskönigs hab. Denn Erd und Himmel sprachen,
Sein eigner Sprössling wird gefräßig wie die Drachen
Den Vater stürzen und dann herrschen werde Zeus.
Doch Kronos hielt die Wacht, lag listig lauernd leis,
Verschlang die Kinderschar, so lag er auf der Lauer,
Der Mutter Rhea ward untragbar schwere Trauer,
Als sie nun Vater Zeus, den neuen Gott gebar,
Rief Erd und Himmel sie als ihrer Eltern Paar
Um Hilfe an und Rat, ob sie beratend sprächen,
Wie sie den Sohn gebär und könnt den Frevel rächen
An ihrem Vater und der Schar der Kinder bang,
Die voller Hinterlist Gott Kronos ja verschlang.
Die Eltern hörten zu der Tochter Bitten, Flehen,
Und sagten ihr, was sei bestimmt, was muss geschehen
Mit König Kronos und mit König Zeus, dem Sohn.
Nach Lyktos Rhea ging, zu Kretas Felsenthron,
Der Kinder Jüngsten sie auf Kreta wollt gebären,
Den Himmelsvater Zeus. Und Gäa voller Ehren
Nahm ihn als Sprössling an und hat ihn auch ernährt
Und aufgezogen. So kam Rhea hochgeehrt
Nach Lyktos. Sie verbarg dort Zeus mit ihren Händen,
In eine Höhle stieg, im Erdengrund zu enden,
Auf dem Agaion-Berg, bestanden dicht von Wald.
Sie wickelte Gott Zeus in Linnenwindeln bald
Und reichte einen Stein dem Kronos, Sohn des Himmels,
Dem Herrscher voll Gewalt des göttlichen Gewimmels.
Er nahm ihn in die Hand und barg den Stein im Bauch,
Der Allgewaltige, doch ahnte nicht, dass auch
Gott Zeus nun übrig blieb, der kannte kein Erbarmen,
Der seinen Vater noch bezwingt mit starken Armen
Und treibt ihn von dem Thron und herrscht nun selbst als Gott.
Schnell wuchsen Lebenskraft und Glieder ohne Spott
Dem jungen König Zeus. Und nach bestimmten Jahren
Und nach der Mutter Erd Ratschlägen wohlerfahren
Gab Kronos voller List von sich der Kinder Schar,
Besiegt von seinem Sohn und dessen Kunst er war.
Da spie er aus den Stein, den er zuletzt verschlungen,
Den stellte Zeus dann auf, der König unbezwungen,
In Pythos Heiligtum in Schluchten des Parnass,
Ein Wunderzeichen für des Menschen Zukunft das.
Zeus löste auch die Schar der Brüder aus den Fesseln,
Die Vater Kronos tat in seiner Torheit fesseln,
Die dankten König Zeus für Wohltat voller Witz,
Sie gaben König Zeus den Donner und den Blitz.
Die Mutter Erde einst die Kinder hat geboren,
Nun unser Vater Zeus zum König war erkoren.
Japetos führte heim das Kind Okeanos
Klymene, in dem Bett er bräutlich sie genoss,
Die Atlas ihm gebar, den unerschrocknen Knaben,
Menoitios und auch Prometheus hocherhaben
Und Epimetheus, der verschlagen war, voll List,
Der für das Arbeitsvolk ein großes Übel ist,
Er nahm von Zeus zur Frau das Mädchen gottgeschaffen,
Menoitios von Zeus geschickt mit Blitzes Waffen
Zum Erebos hinab mit Zornes Leidenschaft
Für seines Frevels Schuld und Übermut und Kraft.
Den Himmel Atlas hielt in Zwang und Seelenfrieden
Am Ende dieser Welt, da singen Hesperiden,
Die heben stets den Kopf, die sind in großer Ruh.
Dies Schicksal teilte Zeus dem großen Atlas zu.
Prometheus aber ward gekettet an mit Stricken
An einer Säule Schaft. Nun wollte Zeus ihm schicken
Den Adler gegen ihn, der seine Leber fraß,
Die Leber wuchs doch stets nach ohne Unterlass
Zur Nacht, wie viel am Tag der Adler aufgefressen.
Alkmenes starker Sohn, an Stärke unermessen,
Den Adler tötete, der starke Herakles,
Prometheus ward erlöst von Schmerzen unterdes,
Zeus Vater vom Olymp hat ihm die Kraft gegeben.
Der Ruhm des Herakles, geboren einst in Theben,
War groß und wuchs noch mehr im ganzen Erdenkreis.
Zeus achtete den Sohn Prometheus, Lob und Preis
Prometheus hat erlangt. Zeus stillte all sein Wüten.
Prometheus tat einst Zeus im Streit die Stirne bieten,
Denn als die Götter sich von Menschen schieden, sind
Geschieden Gott und Mensch, Prometheus nahm ein Rind,
In Teile teilend dies, zu täuschen Zeus den Vater.
Den einen gab er Fleisch im griechischen Theater,
Den andern Knochen nur und Innerei vom Stier,
Die Knochen ordnend und dazu das Fett vom Tier.
Der Göttervater sprach, der Menschen Vater redet:
Japetossohn und Herr, wie fromm hast du gebetet,
Die Teile klug geteilt parteiisch in dem Kreis?
Ironisch redet Zeus, der Gott, der alles weiß.
Prometheus voller List zum Vater redet wieder:
Zeus, aller Götter Gott, die Götter deine Glieder,
Von diesem Opfer nimm, was dir das Beste scheint.
So sprach er voller List. Zeus aber andres meint,
Bemerkte wohl die List. Und zornig in dem Willen
Er kündet Menschen Not, die Not wird sich erfüllen.
Mit beiden Händen nahm Zeus Fett als Opfer an,
Im Herzen reifte Zorn, es kam der Ingrimm dann,
Als er des Menschen List erkannte und die Knochen.
Seit jenes Opfers Zeit die Menschen darauf pochen
Und opfern Knochen stets den Göttern am Altar.
So die Geschichte von Zeus und Prometheus war.
Japetossohn, du kennst die Pläne unermessen,
Du hast die große Kunst der List noch nicht vergessen.
So redet also Zeus, der voller Ingrimm ist.
Zeus dachte allezeit an des Prometheus List
Und darum gab im Zorn und Ingrimm ungeheuer
Gott Zeus den Menschen nicht im Holz das gute Feuer,
Dem menschlichen Geschlecht auf Erden um und um.
Japetos edler Sohn Zeus täuschte wiederum,
Indem des Feuers Licht, des hellen Feuers Wunder
Er Gott dem Vater stahl, das Feuer in dem Zunder.
Das kränkte Vater Zeus, er fühlte Weh und Schmerz
Und Zorn durchdrang und Grimm des Vatergottes Herz,
Als unter Menschen er nun sah das lichte Feuer.
Zeus Vater schuf sogleich ein Übel ungeheuer.
Aus Lehm der Demiurg ein schönes Mädchen schuf,
Athene schmückte sie auf ihres Vaters Ruf
Mit silbernem Gewand und einem langen Schleier,
Den Schleier hielt die Maid. Nun töne, meine Leier,
Wie Blumenkränze sie geflochten durch den Schopf
Und Kränze trug die Maid auf ihrem holden Kopf,
Athene legte ihr aufs Haupt die goldne Krone,
Die schuf der Demiurg-Werkmeister zweifelsohne
Mit seiner Hände Kunst im schöpferischen Spiel,
Wie es der Götter Gott, Zeus Vater, wohlgefiel.
Des Mädchens Stirnband trug viel künstliche Gebilde
Mit Ungetümen, wie sie nähren die Gefilde,
Sind viele dargestellt. Viel Reiz strahlt davon aus.
Sie glichen Lebenden im Reiz des Körperbaus.
Als Zeus das Übel schuf, das Unheil voll Gefahren,
Da führt er sie dahin, wo Menschensöhne waren.
Die in Athenes Reiz Erstrahlende gestellt
Ward unters Männervolk in dieser Erdenwelt.
Die Männer staunten sehr, so schöne Maid zu schauen!

(Fragment)

CATULLS LIEBESGEDICHTE

S’ ist willkommen, wie einst dem raschen Mädchen


War der goldene Apfel, der, so heißt es,
Lang verschlossenen Gürtel ihr gelöst hat...

2
Sperling, köstliche Wonne meines Mädchens,
Gerne spielt sie mit dir, hält dich am Busen,
Reicht die Spitze des Fingers dir zum Angriff,
Reizt zu heftigen Bissen dich. Gefällt es
Meiner strahlenden Liebsten, Scherz zu treiben –
Kleine Tröstung für ihre Schmerzen – glaub ich,
Wird die heftige Glut von dir beschwichtigt.
Könnt ich spielen mit dir wie die Geliebte,
Ach, und lindern des Herzens dunklen Kummer!

Charitinnen, weint, weint, Eroten, trauert,


Zartbesaitete Menschen alle, trauert!
Nämlich meiner Geliebten Sperling, wehe,
Meines Mädchens Beglückung, ist gestorben,
Den sie mehr noch als ihre Augen liebte!
Er war lieblich und kannte seine Herrin
Als wie meine Geliebte ihre Mutter.
Nimmer floh er von ihrem Schoße, sondern
Hüpfte hierhin und dorthin, sprang und hüpfte,
Immer zwitscherte er vor seiner Herrin.
Jetzt die düsteren Pfade geht er, dorthin,
Woher niemand, so heißt’s, zurückgekommen.
Fluch dir, finsterer Hades, du Verderber
Alles Schönen, so schönen Sperlings Dieb du!
Ach, unseliger Sperling du des Unglücks,
Du bist schuld, dass jetzt meines Mädchens Augen
Rot geschwollen von heißvergossnen Tränen!

Leben wollen wir, Lesbia, uns lieben!


All das Murren der allzu strengen Greise
Gilt uns mehr nicht als Nichts und Eitelkeiten.
Sonnen sinken und auferstehen, aber
Wir, ist einmal erloschen unsres Lebens
Flamme, schlafen im Dunkel ohne Ende.
Gib mir zehntausend Küsse, dann noch tausend,
Hundert, abermals tausend und zehntausend!
Sind Millionen beisammen, o Geliebte,
Sei vergessen die Zahl der Küsse, also
Dass kein Neider mit bösem Blick behexe
Jemals uns, wenn er wüsst die Zahl der Küsse.
5

Wie viel Küsse von dir genug sind, fragst du,


Liebe Lesbia, oder je genügen?
Nenn des libyschen Sandes Zahl, Geliebte,
Beim Orakel des glutgeplagten Jove
Und dem heiligen Grab des alten Battus
In Kyrene, und sag die Zahl der Sterne,
Soviel Küsse, Geliebte, sollst du küssen!
S’ wär dem Wahnsinn Catulls genug, so reichlich,
Dass Neugierige sie nicht zählen können,
Böse Zungen uns nicht verhexen möchten!

Gib, Catullus, die Torheit auf, du Armer,


Was verloren ist, gib du auch verloren!
Einstmals leuchteten lichte Sonnentage,
Als du gingest, wohin dein Mädchen lockte,
Die Geliebte, wie keine je geliebt ward!
Da geschahen so süße Minnescherze,
Die willkommenen, gern gesehn vom Mädchen,
Damals leuchteten lichte Sonnentage!
Doch jetzt will sie nicht mehr! – So woll du nimmer
(Wenn’s gelänge) und jag nicht nach dem Mädchen!
Trag mit männlichem Sinn und steh mit Stärke!
Lebe wohl denn, Geliebte! Schau, Catullus
Wird dich nimmer mehr suchen und umwerben!
Du wirst Schmerzen empfinden, unumworben!
Weh dir, Schreckliche! Welches Leben bleibt dir?
Wer bemüht sich um dich? Wem bist du Schönste?
Wessen Liebste wirst du genannt? Wen lieben?
Wenn dann küssen und wem die Lippen beißen?
Ha, Catullus, steh männlich deinem Schicksal!

Furius und Aurelius, ihr bleibt Catullus’


Freunde, ist in Indien er, wo morgens
Schlägt die Woge laut an die weithin wider-
Hallende Küste,

Oder bei Hyrkanern er oder Sakern


Oder zwischen Arabern oder pfeilbewehrten
Parthern, an dem Meere, das färbt der sieben-
Armige Nilus,
Oder auf den schneeigen Alpen, singend
Ruhmestaten Cäsars, an Galliens Rheine,
Sieht die See er oder Britannien an dem
Schneeweißen Küsten,

Ihr seid stets bereit, meine Freunde, alles


Zu bestehen, was auch das Schicksal bringe!
Also meldet Lesbia meine Worte,
Worte des Zornes.

Leben soll sie wohl mit den vielen Freiern


In den Armen! Dreihundert Nebenbuhler!
Keinen liebt sie wirklich, doch allen saugt sie
Saft aus den Lenden!

Nimmer soll sie rechnen mit meiner Liebe,


Die durch ihre Sünde dahingesunken,
Wie am Wiesenrande geknickt vom Pflug die
Welkende Rose!

Gute Speise erwartet dich, Fabullus,


Schon in wenigen Tagen (Gott sei gnädig),
Wenn du reichliches Essen mitbringst, Lieber,
Und vergiss nicht: ein strahlend schönes Mädchen!
Wein und Salz nicht vergiss und gute Laune!
Wenn du solcherlei mitbringst, Liebenswerter,
Wirst du speisen vorzüglich. Denn der Beutel
Von Catullus ist voller Spinnenweben.
Doch als Gegengeschenk empfängst du Freundschaft,
Unverwässerte! Oder, was noch schöner,
Ein Parfüm will ich reichen, welches Lesbia
Venus schenkten und Amor! Wenn das duftet,
Götter, wandelt mich ganz in eine Nase!

Narren, Narren, ich werd das Maul euch stopfen,


Dir, dem Strichjungen, dir dem Kissenvögler,
Weil aus zärtlichen Versen ihr zu lesen
Wagtet, ich sei ein Lustmolch! Anstand ziemet
Dem Poeten, betreffs der Lebensweise,
Doch die Liederlein brauchen etwas Unzucht,
Anmut wird von den Zärtlichkeiten kommen
Und gepfeffertem Sexus! Nicht den Knaben,
Sondern Bärtigen mit den steifen Lenden
Ist es schön! Doch ihr lest von tausend Küssen,
Meint, unmännlicher Mann sei ich, Catullus?
Vögler, Schnabel und Loch werd ich euch stopfen!

10

Schenke, alten Falerner fülle, Knabe,


In den Becher! Posthumias Befehlen
Folg, der Herrin der Feier, selber trunken,
Volle Weinbeere sie! Doch Wasserfluten,
Weinverderber, hinweg zu Ernst und Freunden!
Das Dionysosblut wird hier getrunken!

11

Bitte, bitte, du süße Ipsitilla,


Meine Wonne, mein Glück, lass mich heut Mittag
Auf ein Schläfchen zu dir, du Süße, kommen,
Wenns dein Wille und Wunsch, und bleib zuhause
Und beschenke mich ohne Unterbrechung
Dann mit seligen Seligkeiten sieben!
Rasch nur, lass mich sofort ins Zimmer kommen,
Denn ich habe gespeist zu Mittag, liege
Auf dem Rücken, durchstoße Hemd und Mantel!

12

Sag, Papyrus, ich bitt, dem sanften Dichter,


Dem Gefährten Cäcilius, er soll kommen
Nach Verona, den Wall von Novum Comum
Und die larischen Haine rasch verlassen.
Möchte ich ihm doch einige Gedanken
Seines Freundes und meines Freundes sagen.
Also wird er, ist er verständig, eilig
Sich bewegen, wenn auch ein schönes Mädchen
Ihn beim Aufbruch zurückruft tausendmale
Und ihn bittet zu bleiben, ihn umhalsend.
Sie verschmachtet (berichtet man die Wahrheit)
Jetzt vor heftiger Liebe zu dem Dichter.
Seit sie seine Gedichte von der Göttin
Mutter Kybele las, verzehren Gluten
Bis ins innerste Mark die Allerärmste.
Ich vergebe dir, schönes Mädchen! Weise
Wie die Muse der Sappho bist du: Lieblich
Ist Cäcilius’ Sang der Magna Mater!

13

Geile Kneipe und geile Kneipengänger,


Glaubt ihr, ihr denn alleine hättet Schwänze,
Alles Weibliche zu erquicken, Schwänze,
Dürft die übrigen Männer Böcke nennen?
Weil ihr sinnlos in Reihen sitzt zu hundert,
Meint ihr, ich wagt es nicht, euch hundert Ärschen
Eure Schlünde zu stopfen! Will die Wände
Ganz mit männlichen Ruten euch bepinseln!
Denn das Mädchen, das floh aus meinen Armen,
Die ich liebte, wie keine je geliebt ward,
Hat sich niedergelassen in der Schenke!
Alle liebt ihr sie da in Glück und Wonnen,
Aber Narren seid alle ihr, Schandflecken!
Felder-, Wälder- und Wiesen-Freier! Aber
Du vor allem, mit deinen schwarzen Haaren,
Du kraushaariger Sohn Kaninchenlandes,
Dein Gebiss ist geputzt mit deiner Pisse!

14

Gruß dir, Mädchen, hast keine schöne Nase,


Keine zierlichen Füße, dunklen Augen,
Keine kusslichen Lippen, schlanken Finger,
Keine Zunge, die weise und geschickt wär –
Freundin du des bankrotten Formiani,
Nun erzählt die Provinz, du seist Frau Anmut?
Gar mit Lesbia willst du dich vergleichen?
Weh den Zeiten so närrisch und geschmacklos!

15

Der scheint einem Gotte mir gleich und – sag ich’s? –


Göttern überlegen, der gegenüber
Dir sitzt und dich immer und immer wieder
Anschaut und hören

Darf dein sanftes girrendes Lachen! Ah, mir


Armen raubt dies all meine Sinne! Siehe,
Kaum erblickt ich, Lesbia dich, blieb nichts mehr
............,

Es versagt die Zunge, es brennt wie Flammen


In den Gliedern, donnert in meinen Ohren,
Meine heißen Augen bedeckt das Dunkel
Finsterer Nächte! –

Leiden schafft die Muße, Catull, die Muße


Lässt dich übermütig zu viel begehren,
Muße hat die Fürsten gestürzt und segens-
Blühende Städte.

16

Sag mir, ist es dir lästig nicht, erklär mir,


Wo hältst du dich verborgen? Auf dem Sportplatz
Sucht ich, suchte im Zirkus, in den Läden,
Wo man handelt mit Büchern, dich im Tempel
Joves. In des Pompejus Wandelhallen
Hielt ich alle sie an, die lieben Frauen,
Sah ich irgendwo lachende Gesichter,
Gebt Camerius her, ihr schlimmen Mädchen!
Zwischen rosigen Brüsten ist sein Bette!
Eine Herkulesarbeit, dich zu finden!
Was so hochmütig hältst du dich verborgen?
Sag mir, wo wirst du sein, und sag es offen,
Sag es mutig, vertrau es an dem Lichte!
Halten milchweiße Arme dich des Mädchens?
Wenn verschlossener Mund die Zunge fesselt,
Schau, dann bringst du dich um die Frucht der Liebe,
Denn an wortreichem Plaudern freut sich Venus!
Oder, ist dir das lieber, halt den Schnabel,
Darf dann ich dir von meiner Liebsten reden!

17

Cälius! Lesbia, meine Eine, Lesbia,


Die Catullus mehr liebte als sich selber,
Mehr als alle die Seinen, schröpft am Kreuzweg
Und in seitlichen Gassen Romas Enkel!

ANTIKE
1

Hermes, der die Wege schirmt,


Diese Fruchtbarkeit der Trauben,
Diesen süßen Feigenkuchen,
Köstlichen Rosinenkuchen,
Dieses weiße Opferbrot
Bring ich dir samt einer Feige,
Welche saftig ist und reif,
Der Oliven Gaumenlust,
Bringe weißen dicken Quark
Und das weiße Mehl von Kreta,
Harten Käse, gut gerieben,
Und das Rebenblut des Bacchus,
Der dich in der Nacht erquickt.
Möge meine Göttin Venus
An den Gaben sich erquicken!
Später weihe ich am Strande
Eine schwarze Zicke noch.

Dummes Mädchen, was denn lachst du?


Nicht Praxiteles erschuf mich,
Nicht die Hand des Phidias
Hat mich voller Kunst poliert,
Ich bin aus dem rohen Holzblock,
Und der Mann, der mich geschnitzt,
Nennt mich seinen Gott Priap.
Und du stehst und starrst und kicherst,
Weil du es so lustig findest,
Dass vor meinem Unterleib
Steht ein Pfahl so hocherhaben!

Hirte deiner schwarzen Zicken,


Wanderst du den Eichenweg,
Schaust du dort ein Gottesbild,
Ist geschnitzt aus Holz der Feige.
Rinde trägt das Gottesbild,
Aber beide Ohren fehlen,
Doch es hat der Beine drei!
Dieses herrliche Geschlecht
Ist geschickt zum Venusdienst!
Ringsherum der Hain ist heilig,
Von den Hügeln strömt ein Bach,
Plaudert unter Lorbeerbüschen,
Bei den Myrten und Zypressen.
Reben, fruchtbar prall voll Trauben,
Schlingen dort die vollen Ranken.
Frühlingskinder, Amseln flöten,
Zwitschern Lieder durch die Lüfte.
Nachtigallen schmelzen schmachtend,
Süß ihr Sang wie blonder Honig.
Hirte deiner schwarzen Zicken,
Bete du zu Gott Priap,
Dass um meinen süßen Liebling
Stiller werde mir mein Herz!
Opfern werde ich ein Lamm,
Gibt mir Gott Priap den Liebling,
Opfern werde ich ein Lamm,
Wenn mich Gott Priap erhört!

Dir, dem diese Felsenklippen


An dem steilen Inselufer
Und das Felsenriff gefallen,
O du großer Gott Priap,
Weihen will ich dir als Fischer
Diese Krabbe, die ich fing,
Der ich mit dem Leckermäulchen
Hab ihr leckres Fleisch vernascht,
Aber ließ die Schale fallen.
Seliger Priap, mein Gott,
Gib mir immer neue Beute,
Stets genügend Fisch ins Netz,
Dass die leckre Meeresfrucht
Dieses Knurren meines Bauches
Mir befriedige, Priap!

Nicht um Möwen zu verscheuchen,


Sitz am Meer ich auf der Mole,
Ich, Priap, hab keine Füße,
Habe einen spitzen Kopf!
Söhne eines armen Fischers
Schnitzten mich am steilen Ufer.
Wenn mich aber Fischer rufen
Oder Angler: Heil Priap!
Schwing ich schneller mich als Sturmwind
Und errette meinen Diener,
Denn ich seh im Meer die Fische.
Einen Gott erkennt man nicht
An der äußeren Gestalt,
Sondern durch die Tat der Rettung!

Nackt ertrugest du den Frost,


O Priap, die kurzen Tage
Und des Winters lange Nacht,
Nackt erträgst du nun die Hitze,
Steht der Sirius am Himmel.
O mein Knecht, die eitle Jugend
Flieht so rasch, so rasch davon
Und die Zeit kommt nicht mehr wieder,
Ach wie rasch verliert die Rose
Doch ihr scharlachrotes Kleid!
Schau die schlanke Pappel an,
Sie verliert ihr Silberhaar.
Schrecklich ist des Todes Ratschluss!
Nur die Schlange, sie verjüngt sich,
Sie legt ab die alte Haut,
Steigt verjüngt aus ihrer Haut!
Uns wird von der Zeit versagt,
Alle Jahre schön zu sein,
Nur der trunkne Gott des Weines
Und der Dichtergott der Musen
Ewig blühen jung und schön!

Jetzt ists Zeit, es rauscht das Schiff,


Schauer trüben nicht die See,
Schon die Schwalben bauen Nester,
Auf der Wiese blüht das Lächeln.
Seemann, roll das Tau zusammen,
Seemann, hol herauf den Anker,
Seemann, lass die Segel flattern!
Ich gebiet es euch, Priap,
Ich, der Sohn des Eviers,
Der im Hafen hier gebietet!

Venus treibt den Vater Himmel,


Mutter Erde sich zu nahen,
Trieb ergreift die Mutter Erde,
Vater Himmel zu empfangen.
Aus dem Liebesschlaf des Vaters
Strömt herab der Himmelsregen,
Schwängert fruchtbar Mutter Erde.
Mutter Erde so gebiert
Leckres Futter für die Herde
Und das Brot der blonden Göttin!
Frühlingsblüten an den Bäumen
Reifen durch den Tau des Himmels.
Alles dieses Lebens Urkraft
Ist die unerschaffne Venus!

Reisen will ich nun nach Zypern,


Auf der Venus Liebesinsel,
Wo die Amoretten wohnen,
Die mich in den Bann geschlagen!

10

Mutter Venus, Genitrix,


Venus, meine Hüterin,
Unterm Firmament der Sterne
Du erfüllst das Große Meer
Und das Land mit Fruchtbarkeit.
Alles Lebende empfängt
Von der Göttin erst das Leben,
Alles was geboren wird
Und das Licht der Welt erblickt.
Göttin, Stürme weichen dir,
Wenn du kommst, o Göttin Venus,
Öffnen sich des Himmels Fenster,
Erde lässt die Blumen sprießen,
Ruhig lächeln Meereswellen
Und vom Himmel strömt das Licht,
Quelle plaudert, Westwind weht,
Das Gevögel in den Lüften
Kündet deine Ankunft, Göttin,
Ihre Vögelherzen hüpfen
Vor der Macht der Liebesgöttin.
Überfluss der Fruchtbarkeit
Lässt das Pantherweibchen springen.
Die Gefangnen deiner Güte
Folgen dir auf allen Wegen,
Über Meere, über Berge,
Durch die Flüsse, durch die Wiesen,
Durch das Grün, wo Tauben girren,
Durch die buntbeblümten Gärten.
Alle Herzen unausweichlich
Fühlen deine Liebe, Göttin!

11

Himmelsvenus, Vielgeliebte,
Vielbesungne Lieblingin,
Venus mit dem süßen Lächeln,
Schaumgeborne, Meerentstiegne,
Alles Lebens Spenderin,
Gönnerin der schönen Feste,
Die wir feiern in den Nächten,
Mächtige der dunklen Nacht,
Majestät der Einigung,
Jeder beugt sich in dein Joch,
Selbst das allerhöchste Schicksal,
Ursprung aller Himmelswesen,
Aller Erdelebewesen,
Aller Meeresfrucht der Tiefe,
Majestätische Genossin
Des berauschten Eviers,
Dessen Wonne Überfluss,
Stifterin der frommen Ehe,
Herrin glühenden Verlangens,
Quelle lüsterner Verführung,
Heimlich Wirkende, nicht sichtbar,
Aber doch von mir geschaut!

12

Komm, wir wollen in den Tempel


Unsre nackten Göttin Venus,
Wollen schauen dort ihr Bild,
Ihre Statue aus Gold.
Eine schöne Venusnonne
Stiftete das Bild dem Tempel,
Von des Frauenkörpers Reizen
Erntete das Weib das Gold.

13

Große nackte Göttin Venus,


Meinen Zehnten will ich spenden,
Alles werde ich dir weihen,
Alles Geld, das ich bekomme.
Gib nur deiner Venusnonne
Oft zu schaffen, reichlich Lohn!

14

Ich, die schönste Venusnonne,


Welche alle Welt bewundert,
Der vor der stets offnen Pforte
Stets ein Schwarm von Freiern stand,
Schenke heute meinen Spiegel
Dir, der nackten Göttin Venus!
Ach, ich will es nicht mehr sehen,
Wie ich jetzt im Alter ausseh!
Wie ich in der Jugend aussah,
Seh ich nicht mehr in dem Spiegel!

15

Freundlich seid ihr, junge Mädchen,


Die ihr seid zum Dienst berufen
An der großen nackten Göttin
In der schönen Hafenstadt,
Blonden Weihrauchs Tränen opfernd,
Dampfen lasst den blonden Weihrauch
Für die nackte Göttin Venus!
Ohne Vorwurf und Beschämung
Euch gewährt die große Mutter,
Dass man in den weichen Betten
Eure Mädchenblüten pflücke!
Willig lasst ihr euch bezwingen!
Wundern soll mich doch das Schmähen
Der gelehrten alten Herrn,
Weil ich dieses Lied erfunden
Beim Getränk des großen Bechers,
Sagen sie: Du bist vulgär,
Buhlst mit den vulgären Weibern!
Doch geläutert ist mein Gold,
Ward geprüft im Feuerofen!
Große nackte Göttin Venus,
Ja, ich komm in deinen Tempel,
Tausend liebreizsüße Mädchen
Warten willig in den Betten!
Hierher führte mich ein Weiser,
Der gelobte dir den Dienst
Und erfüllte sein Gelübde!
16

Salböl in den schwarzen Haaren,


Goldne Spange in dem Haar
Und berauschende Parfüme,
Deren Namen ich nicht kenne,
Statuen der nackten Venus
Legte mit geschickter Hand
Sie an ihre vollen Brüste!
Salböl schimmert in der Sonne,
Blätter zittern an den Bäumen.
Schau, der Fremde ist gekommen
Und sie spreizt für ihn die Beine!
Sei geweiht der nackten Venus!
Salböl glänzt auf ihren Schultern,
Feuchte schimmert auf den Schenkeln!
Wie sie spreizt im Gras die Beine,
Wie sie ihre Wunde öffnet
Unterm heißen Sonnenstrahl!
Nah die Kirchenglocke läutet,
Vor verschlossner Kirchenpforte
Sprach ich mit dem greisen Priester.

EKLOGEN
NACH THEOKRIT

ERSTE EKLOGE

THYRSIS
Wie lieblich, Ziegenhirte, das Geflöte
Am Felsquell dort, wie lieblich tönt die Flöte,
Pan flötet so und so auch flötest du.
Pan sich erwarb den Bock, du dir die Zicke,
Wenn Pan erwarb die Zicke, du das Zicklein,
Süß ist das Zicklein, bis du melkst die Zicke!
ZIEGENHIRT
O Hirte, lieblich tönt mir deine Flöte
Vom Felsen in das Tal am klaren Fluss.
Die Musen führen Lämmer fort zum Lobpreis,
Nimm dir das süßeste der kleinen Lämmer,
Die Musen wählen sich das reine Lamm,
Du aber wähle dir das Mutterschäfchen.
THYRSIS
Bei all den Nymphen, Ziegenhirte,
Setz du dich an den Hügel voller Pinien
Und blase deine Flöte, Ziegenhirte,
Ich gebe acht dieweil auf deine Zicken!
ZIEGENHIRTE
Ja nicht um Mittag, Hirt, die Flöte blasen!
Wir fürchten Pan, am Mittag seinen Schrecken!
Pan macht am Mittag immer Mittagsschlaf,
Beständig schnaubt der Zorn aus seiner Nase.
Du, Thyrsis, weißt von der Passion des Daphnis,
In der Ekloge bist du doch der Meister.
Komm, lass uns nieder sitzen bei der Ulme,
Dem Phallusgott von Hartholz gegenüber,
Im Angesicht der Grazien und Nymphen,
Wo Hirten ruhen auf den Gartenbänken
Im Eichenschatten. Singe mir doch einmal,
Wie du mit Theokrit im Wettstreit sangest
Um eine Zicke und um Zwillingszicklein,
Du wolltest dreimal melken diese Zicke,
Die säugt die jungen Böcke an dem Euter
Und füllt den Krug mit schäumend warmer Milch.
Sei auch ein Becher dein, umkränzt von Efeu,
Sei Milch darin, versüßt mit Bienenhonig,
Nein, Trauben seien drin, das Blut der Trauben.
Sei eines Weibes Bild auf deinem Becher,
Gehüllt in lange leuchtende Gewänder,
Ein Stirnband an der Stirn der Priesterin,
Zwei Männer stehen neben jener Frau
Und streiten, doch es rührt ihr nicht das Herz.
Jetzt schaut sie liebevoll zum einen Mann,
Neigt gleich die Stirn gedankenvoll zum andern.
In Liebe aber brennen beide Männer,
Ereifern sich, doch mühen sich umsonst!
Auch seh ich einen Fischer auf dem Felsen,
Er wirft die Netze aus, die er geflickt.
Die Zornesader schwillt ihm an der Stirne,
Sein Bart ist weiß, doch seine Muskeln kräftig.
Nah diesem alten Vater ist ein Weinberg,
Mit Purpurtrauben fruchtbar überladen,
Bewacht von einem kleinen lieben Knaben.
Zwei kleine Füchse seh ich auf dem Weinberg,
Der eine Fuchs die süßen Trauben nascht,
Der andre aus des Knaben Tasche nascht.
Im Grase fleißig ist ein Grillenfänger.
Die Fichten und die Pinien ringsumher
Umhegen das Gehege dieses Weinbergs.
Dem Schäfer heb ich eine Zicke auf
Und einen leckern Käse für das Frühstück,
Von Milch der Zicke ist der leckre Käse,
Oliven speise du dazu und Brot.
Mit meinen Lippen hab ich nicht berührt
Den leckern Käse aus der Milch der Zicke.
Dir schenke ich mit Freuden alles dieses,
Wenn du mich deine Lieder hören lässt.
Ich scherze nicht. Beginne jetzt dein Lied.
Dem Hades des Vergessens sparest du
Gewiss nicht die Eklogen deiner Flöte!
THYRSIS
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Ich bin es, Thyrsis, hört auf meine Stimme!
Als Daphnis schmachtete, wo wart ihr Nymphen?
Wart ihr im Tempel oder an dem Fluss?
Nicht an dem Fluss und nicht auf dem Gebirge?
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Schakale jammerten und Wölfe heulten
Und Löwinnen beweinten Daphnis’ Leiden.
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Die Kühe muhten, ruhend in den Wiesen,
Die Ochsen brüllten und die Kälber spielten.
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Der Gott der Weisheit kam von dem Gebirge:
Ach Daphnis, wem zuliebe schmachtest du?
Wer quält dich, dass du so vergehst vor Liebe?
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Der Lämmerhirte kam, der Rinderhirte,
Der Ziegenhirte, alle fragten Daphnis:
Wie geht es dir? Und auch der Phallusgott
Kam: Ach was schmachtest du? Die Dirne schlüpft
Jetzt durch die Wälder, badet in der Quelle!
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
O Tor, du bist ein Tor in deiner Liebe!
Wie unbeholfen bist du doch in deiner Torheit!
Du meinst, du bist ein Hirte kleiner Kälber?
Du bist der Böcke und der Zicken Hirte!
Wenn sich die Zicke fügt der Brunst des Bockes,
Zerschmilzt dein Auge: Ach wär ich der Bock!
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Und siehst du, wie die Mädchen kichernd scherzen,
Du weinst: Die Mädchen tanzen nicht mit mir!
Doch Daphnis schweigt. Im Herzen trägt er Liebe,
Die Liebe quält ihn bis zu seinem Tod!
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Ach Daphnis, sprach sie, Eros willst du fesseln?
Doch Eros hat dich selber ja gefesselt!
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Doch Daphnis sprach: Ah weh mir, Aphrodite,
Wie grausam ist die Macht der Schönen Liebe!
Ist mir die letzte Sonne schon versunken?
Im Jenseits wird mich Eros ewig martern!
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Ach schöne Aphrodite, weißt du noch,
Wie du geliebt den jungen Menschensohn?
Geh wieder zu dem Mann und liebe ihn!
Dein Liebling weidet die Kaninchen dort.
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Ach schöne Aphrodite, tritt zum Helden
Und sag zum Helden: Ich bin Aphrodite,
Besiegerin des armen Hirten Daphnis!
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Schakale an den Klippen, Wolf und Bär,
Lebt wohl! Ich bin nicht mehr im Fichtenwald,
Lebt wohl, ihr starken Eichen mit den Eicheln!
Leb wohl, du Fluss und du kristallner See!
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
Ich bin es noch, der kleinen Kälber Hirte,
Der ich die Kühe zu der Quelle führte.
Singt, Musen, singt die Lieder frommer Hirten!
O Pan, wo du jetzt weilst, auf welchem Berge,
Verlass die Klippen und verlass das Grabmal
Des Mannes, der zum Hades ging hinunter!
Schweigt, Musen, schweigt von frommer Hirten Liedern!
Vergissmeinnicht und Brombeerbusch und Nesseln,
Ach, blühen möge an der Heckenrose
Die selbstverliebte strahlende Narzisse!
Ach, an der Pinie hänge mir die Pflaume!
Ach, Daphnis stirbt! Die Hindin jagt den Jagdhund,
Der Uhu streitet mit der Nachtigall!
Schweigt, Musen, schweigt von frommer Hirten Liedern!
Ach, da verstummte Daphnis! Ihn zu trösten,
Mit Küssen kam die süße Aphrodite.
Ach Daphnis tot! Er überschritt die Lethe!
Er war der Vielgeliebte aller Musen!
Ihn hassten nicht die Grazien und Nymphen!
Schweigt, Musen, schweigt von frommer Hirten Liedern!
Gib mir den Becher, gib mir auch die Zicke,
Der Zicke Euter will ich dreimal melken,
Ich sprenge dann die Milch zum Dank den Musen.
Heil, Musen, Heil! Ich sing euch süßer noch.
ZIEGENHIRTE
Seim, Thyrsis, fülle dir den trunknen Mund,
Seim, süßer Wabenseim! Die Feige schmecke!
Du singst ja süßer als Zikaden zirpen!
Hier, Freund, der Becher! Riech mit deiner Nase,
Gewaschen in der Horen reinem Bad!
Komm, schöne Hirtin, melke mit der Hand!
He, Zicken, lasst doch eure Possenspiele,
He, Zicken, euch wird noch der Bock besteigen!

ZWEITE EKLOGE

Wo ist der Wein? Wo, Freundin, ist der Lorbeer?


Die Poppie-Blume schlinge um den Becher!
Den Mann will ich bezaubern, der mich quält!
Ach, sieben Tage sinds, seit er nicht kommt,
Ja, er weiß nicht, ob tot ich oder lebend!
Nicht vor der Pforte lacht mir mehr der Narr!
Zeigt Eros ihm ein andres schönes Weib?
Doch morgen will ich zu ihm und ihm sagen,
Wie grausam er mich quält mit seiner Kälte!
Doch jetzt beschwör ich ihn mit Zauberei.
O Göttin, ich besinge dich, o Herrin!
Zur Göttin rufe ich, der Hunde Schrecken,
Zieht hoch die Göttin übers Totenreich!
Heil, Himmlische, hilf mir bei meinem Zauber!
Du Zauberschnur, zieh mir ins Haus den Mann!
Das Mehl verbrenne ich auf dem Altare.
O Freundin, wo ist dein Verstand geblieben?
Hier streu ich die Gebeine meines Delphis!
Du Zauberschnur, zieh mir ins Haus den Mann!
Wie quälte Delphis meine arme Seele!
Den Lorbeer ich verbrenn auf dem Altare!
Wie jetzt der Rauch aufsteigt, zurückbleibt Asche,
Verzehren soll die Liebesflamme Delphis!
Du Zauberschnur, zieh mir ins Haus den Mann!
Dies Wachsbild schmelz ich mit der Göttin Hilfe,
Zerschmelzen soll vor Glut der Liebe Delphis!
Und so wie sich das Rad des Lebens dreht
Durch Aphrodite, durch die Macht der Liebe,
So wende Delphis sich zu meiner Pforte!
Du Zauberschnur, zieh in mein Haus den Mann!
O Freundin, horch, die Hunde bellen draußen!
Hoch überm Kreuzweg strahlt die Himmelsgöttin!
Das Becken schallen lass, die Zimbel schallen!
Du Zauberschnur, zieh in mein Haus den Mann!
Still, still! Es schweigt das Meer, es schweigt der Wind,
In meinem Busen schweigt mir nicht der Kummer!
Er will mich nehmen nicht zur Ehefrau,
Er will mich nehmen nur als Konkubine,
Nur meines Hymens keusche Blüte pflücken!
Ich schütte dreimal aus den Becher Wein,
Dreifaltigkeit! Ich ruf dich dreimal an!
Liegt jetzt ein junges Mädchen ihm zur Seite?
Liegt jetzt ein Knabe still in seinem Bett?
Vergessen Ariadne ward von Theseus!
Du Zauberschnur, zieh in mein Haus den Mann!
Ich kenn das Kraut, das macht die Pferde irre,
Mein Delphis stürme zu mir wie ein Irrer!
Du Zauberschnur, zieh in mein Haus den Mann!
Das Stückchen Stoff ist von dem Hemde Delphis’,
Verbrennen will den Stoff ich in dem Feuer!
Ah weh mir, Eros! Was wie ein Vampir
Hängst du an meinem Hals und saugst mich aus?
Du Zauberschnur, zieh in mein Haus den Mann!
Zerquetschen will ich eine Strumpfbandnatter
Und morgen bring ich Delphis Schlangengift!
O Freundin, nimm du diese Zauberkräuter,
Bestreiche du die Schwelle dieses Mannes!
Gefesselt bin ich an des Mannes Schwelle,
Doch wehe, wehe, er hat mich vergessen!
Geh, Freundin, spucke auf des Mannes Schwelle!
Du Zauberschnur, zieh in mein Haus den Mann!
Ich bin allein, beweine meine Liebe!
Schau, Göttin, wie die Liebe mir gekommen!
Die Nachbarin und Amme, ruh sie selig,
Beschwor mich, anzuschaun die Schar der Männer,
So ging ich in der schönsten Muschelseide,
Ein kleines Mäntelchen leicht umgeworfen.
Schau, Göttin, wie die Liebe mir gekommen!
Da sah ich Delphis mit dem Freunde gehen,
Das Antlitz bartlos, dunkelblond das Haar,
Sie glänzten beide lichter als der Mond.
Schau, Göttin, wie die Liebe mir gekommen!
Ah weh mir, als ich Delphis angeschaut,
Durchzuckten heiße Blitze mein Gebein
Und mir verbrannte von der Lust mein Herz
Und meine Schönheit ist zugleich verfallen.
Wie ich nach Hause kam, das weiß ich nicht,
Von Liebesfieber war mein Geist verstört.
Drei Tage lag ich liebeskrank im Bett,
Drei Nächte lang verseufzt ich meine Seele.
Schau, Göttin, wie die Liebe mir gekommen!
Mir sind sogar die Haare ausgefallen,
Ich fastete, war nur noch Haut und Knochen.
Wer stand mir bei, wer war mir eine Hilfe?
Stand eine weise alte Frau mir bei
Und flößte mir Vergessen in die Seele?
Nein, keine Linderung hab ich gefunden.
Schau, Göttin, wie die Liebe mir gekommen!
Gestehen konnt ich meinen Liebeswahnsinn
Nur meiner Freundin: Freundin, steh mir bei,
Sei Beistand mir in diesen Liebesqualen!
Besessen bin ich von dem Vielgeliebten,
Versklavt bin ich und völlig unterworfen.
O Freundin, geh zu ihm und ruf ihn her.
Schau, Göttin, wie die Liebe mir gekommen!
O Freundin, wenn du meinen Delphis triffst,
So sag zu ihm: Samantha will dich sehen!
Die Freundin ging und brachte mir den Mann,
Sie brachte mir den Lieben in mein Haus.
Wie herrlich sprang er über meine Schwelle,
Wie lustig kam er durch die Tür ins Haus,
Wie strich er durch den Flur in mein Gemach
Und stand dann stark und stolz in meinem Zimmer,
Da tropfte mir der Schweiß von allen Gliedern,
Ich stammelte und lallte wie ein Kind,
War wie ein Säugling, der die Brust begehrt,
Der saugen will am prallen Mutterbusen,
Mein schöner Körper wurde hart wie Marmor!
Schau, Göttin, wie die Liebe mir gekommen!
Da schlug der liebe Mann die Augen nieder
Und sprach: Samantha, du hast mich gerufen,
Sonst wär ich selbst gekommen, dionysisch
Berauscht vom roten Rebenblut, erotisch
Entflammt, wie ein Vulkan entbrannt mein Herz!
Wenn du mich abgewiesen hättest, Schöne,
Ich hätte deine Pforte aufgebrochen,
Die Feuerfackel in dein Haus geworfen.
Jetzt danke ich der höchsten Aphrodite,
Zunächst der höchsten Himmelskönigin
Hast du mein Herz entflammt, verbrannt, Samantha!
Schau, Göttin, wie die Liebe mir gekommen!
Ach, Delphis sprach: Die Allgewalt der Liebe
Die Jungfrau lockt aus ihrem Mädchenzimmer
Und lockt die Ehefrauen aus dem Bett
Des Gatten in das Bett des nächsten Besten!
So flüsterte der liebe Mann, ich lauschte,
Ach, ich vertraute ihm zu rasch, zu tief,
Genug, um nicht zu lang zu plaudern, Göttin,
Wir haben unsre Sehnsuchtsglut befriedigt!
Hab ich mich ihm zu schnell ergeben, Göttin?
Jetzt höre ich von meinen Nachbarinnen,
Jetzt hör ich von den Flötenspielerinnen,
Dass Delphis offenbar verliebt sei, schwärme
Für irgend so ein junges hübsches Mädchen,
Vielleicht verliebt in einen Knaben ist?
Ah weh mir! Sieben Tage wart ich schon,
Beschwören muss ich ihn mit Liebeszauber,
Betören mit erotischer Magie!
Fürwahr, fürwahr, beim allerhöchsten Schicksal,
Wenn er nicht kommt, dann soll der Tod ihn holen!
In diesem Fläschchen habe ich ein Gift,
Das einst mich ein Chaldäer mischen lehrte,
Ein Liebesgift, das tötet meinen Delphis!
O Himmlische, ich trage meine Leiden,
Geduldig trag ich meine Liebesleiden,
Adieu, geliebte Himmelskönigin!

DRITTE EKLOGE

Ich singe meine Jamben Amaryllis!


Die Lämmer weiden an den Felsenklippen,
O Freundin, weide du die lieben Lämmer,
Du führe sie zum frischen Bad, zur Quelle.
Ach Amaryllis, mehr als Honig Süße,
Was schaust du nicht zu mir mehr aus der Grotte,
Nennst mich nicht den intim vertrauten Freund?
Bist du mir böse? Bin ich dir zu hässlich?
Ist dir zu rot die Nase deines Freundes,
Ist dir zu ungepflegt der Backenbart?
Du ruhst nicht, bis ich selber mich ermorde!
Hier Feigen nur für dich! Ich pflückte sie,
Wie du gewünscht, ich bring dir morgen neue!
Was muss ich leiden doch für Seelenkummer!
Ach wäre ich die Biene in dem Sommer,
Ich schlüpfte durch den Efeu in die Grotte!
Ich kenne Eros! O mein Gott ist schrecklich!
Die Löwin säugt ihn an den Mutterbrüsten,
Die Löwin des zerklüfteten Gebirges!
Wie lodert Eros mir in Mark und Bein,
Mein Gott verzehrt das Mark mir im Gebein!
O süße Nymphe mit dem schönsten Lächeln,
O Liebreiz-Nymphe mit dem harten Herzen,
Lass dich umarmen, Nymphe, lass dich küssen,
Ach schon ein Küsschen war so heiße Wonne!
Ich reiße noch entzwei den Rosenkranz,
Wenn du es willst, wenn du es mir gebietest!
Was soll ich tun? Ah weh mir armen Seele,
Hast du denn gar kein Ohr für meine Seufzer?
So werfe ich den Mantel ab und springe
Ins kalte Wasser, wo der Fischer fischt
Die leckern Fische. Ob ich auch nicht sterbe,
Du freust dich doch an meinem Untergang!
Ob du mich liebst, ich wollte es erfahren,
Da zählte ich des Gänseblümchens Blätter.
Ich liebe dich, ich trage dich im Herzen,
Du aber trägst mich nicht in deinem Herzen!
Die schwarze Zicke mit den Zwillingszicklein
Zog ich für meine Amaryllis auf.
Ein junges Mädchen wollt sie gerne haben,
Ich werde sie dem jungen Mädchen schenken,
Weil du für mich ja nur Verachtung hast!
Da zuckt mein Augenlid am linken Auge,
Ach, soll ich Amaryllis wiedersehen?
Ich will mich lehnen an die starke Eiche
Und singen Amaryllis Liebeslieder.
Wie, wenn ihr Herz doch nicht von Felsen wäre,
Wie, schenkte sie mir einen süßen Blick?
Hat nicht auch Aphrodite den Adonis
Gebettet an den makellosen Brüsten
Und ließ ihn nicht von ihren bloßen Brüsten,
Selbst als der Eber mordete den Liebsten?
Glückselig preise ich Endymion,
Der ruhte in der dunklen Felsenhöhle,
Da ihn die Göttin von dem Monde küsste!
Im Eleusinischen Mysterium
Ein Menschensohn vereinte sich der Göttin!
Ah wehe mir, wie pocht es mir im Haupt,
Wie schmerzt mein Haupt, doch du kennst kein Erbarmen!
Verstummen will ich, will dich nicht mehr preisen!
Ich bin wie tot! Und fressen mich die Geier,
Leckst du dir mit der Zunge deine Lippen,
Als lecktest du vom Löffel ab den Honig!
VIERTE EKLOGE

Der Hirte Daphnis und sein Freund Damötas


Die Mutterkühe und die Kälber weiden.
Der Hirte Daphnis hatte einen Bart,
Damötas hatte glattgeschorne Wangen.
Im Sommer saßen sie zur Mittagsstunde
Und sangen beide ihre Hirtenlieder.
Als Erster sang sein Lied der Hirte Daphnis,
Im Wettstreit wollte er den Preis gewinnen.
DAPHNIS
Schau, Polyphem, die schöne Galathea
Bewirft mit Äpfeln deiner Zicken Herde
Und schimpft: Du stinkst, du Hirte deiner Zicken!
Du siehst die schöne Galathea nicht,
Du arme Seele, sondern sitzt allein
Und bläst die Flöte einsam nur dir selber.
Schau, Galathea wirft schon wieder Äpfel,
Bewirft den Hund, den Hüter deiner Herde.
Da bellt der Hund und blickt zur Silbersee,
Die Nymphen zeigen ihre schönsten Wogen,
Die Wogen rauschen liebevoll ans Ufer,
Als Galathea wandelt auf dem Wasser!
Gib acht, dass nicht dein Hund die Wade beiße
Und Galatheas weißes Fleisch zerfleischt!
Wollüstig läuft die schöne Galathea
Und wandelt luftig leicht wie Distelflaum,
Wie Distelflaum durch Sommerhitze fliegt.
Ach Polyphem, liebst du die Schöne zärtlich
Und leidenschaftlich, wird sie vor dir fliehen,
Doch bist du kalt, so wird sie mit dir flirten!
Wenn eine Schöne liebt, so dünkt ihr schön
Die Hässlichkeit des Mannes, Polyphem.
So sei getrost! So sang der Hirte Daphnis.
Damötas übte nun das Vorspiel, sang.
DAMÖTAS
Bei Pan, ich sah die schöne Galathea
Die runden Äpfel werfen nach den Zicken.
Mein süßes Auge, dieses Eine Auge,
Es schaute schöne Wahrheit. Soll der Lügen-
Prophet weissagen Unglück seinen Söhnen!
So ärgern will ich meine Galathea
Und will sie übersehen kalten Auges
Und schwärmen ihr von jungen Mädchen vor.
Wenn sie da sieht, wie ich mit andern flirte,
Dann wütet sie und rauft sich ihre Locken.
Dann springt sie nackig aus dem Wasserbad!
Dann schaut sie nach der Grotte, nach den Zicken.
Ich jage selbst den Hund auf ihre Waden!
Als ich verliebt in Galathea war,
Da winselte der Hund mit Hundedemut
Und leckte mit der Zunge ihre Schenkel.
Doch sieht sie mich mit jungen Mädchen flirten,
Sie wird mir Botschaft über Botschaft schicken.
Dann schließe ich die Türe meines Hauses,
Bis sie mir selber schwört bei allen Göttern,
Dass sie mir selbst bereitet noch das Brautbett!
So hässlich bin ich nicht, wie alle sagen,
Ich sah mich selber an im Wasserspiegel,
Da sah ich in dem Spiegel meinen Bart
Und auch mein Auge, o das Eine Auge,
Mir schien, es strahlte schön vor Licht der Liebe,
Und mein Gebiss ist weiß wie edler Marmor.
Dass ich nicht eitel werde wie ein Schönling,
Hab ich mir dreimal ins Gesicht gespuckt,
Das lehrte mich die vielgeliebte Amme.
Damötas küsste nun den Hirten Daphnis,
Sie tauschten miteinander ihre Flöten,
Auf grünen Wiesen hüpften junge Kälber,
Doch in dem Dichterwettstreit siegte keiner,
Denn beide Dichter sangen makellos.

FÜNFTE EKLOGE

Die Liebeskrankheit heilt kein andres Mittel,


Nicht Medizin und auch kein Priesterspruch,
Als nur die gottgeweihte Kunst der Muse.
Balsamen tropfen von der Muse Hand,
Die Kunst beherrschen Auserwählte nur.
Du kennst die Therapie der schönen Muse,
Bist du doch selber Therapeut und Dichter.
So auch verschaffte der Zyklop sich Ruhe,
Der alte Bruder des geliebten Landes,
Der glühte für die schöne Galathea.
Er glühte schon für sie in seiner Jugend,
Doch schenkte er ihr keine Rosenkränze,
Er stürmte hitzig geradezu aufs Ziel
Und alles andere vergaß er völlig.
Die Lämmer mussten sich schon selber weiden,
Er nämlich saß allein am Meeresufer
Und schmachtete und sang für Galathea,
Er schmachtete voll sehnsuchtswehem Kummer.
Schon früh am Morgen litt der Liebeskranke
An dieser schmerzensreichen Herzenswunde,
Die Aphrodite selbst ihm zugefügt
Mit ihres Sohnes scharfen Feuerpfeil
Im Inneren des Herzens in dem Herzen.
Doch kannte er den Trost für seinen Kummer,
Und also sang er zu dem Saitenspiel:
O Galathea, weiße Galathea,
Wie kannst du meine Liebe so verschmähen?
Du bist so weiß wie Milch, wie Quark und Sahne,
Und bist so schmal gebaut wie die Gazelle,
Doch deine Brüste prangen wie die Trauben!
Ich schau dich nur in meinem süßen Schlaf,
Wenn ich erwache, bist du nicht mehr da,
Du flüchtest wie ein Lämmchen vor dem Wolf.
Ich liebte dich ja schon in deiner Jugend,
Du wolltest damals die Narzissen pflücken,
Ich zeigte dir den Weg zu den Narzissen.
Seit jener Jugendzeit begehr ich einzig,
Nur immer dich zu schauen, anzustaunen!
Wie unbefriedigt ist mir meine Seele,
Doch du willst mir Befriedigung nicht schenken,
Bei Gott, du achtest nicht auf meine Leiden!
Ich weiß wohl, o mein wunderschönes Mädchen,
Ich weiß wohl, dass ich dir zu hässlich bin,
Das Eine Auge mitten auf der Stirn,
Die rote Nase überm Rachenschlund,
Zu hässlich bin ich dir, du Wunderschöne.
So aber, wie ich bin, so weide ich
Als Hirte deine Tiere in den Auen.
Ich selber melk die Milch vom prallen Euter
Und reib die Zitze, bis sie spritzt die Milch.
Genügend Käse habe ich für dich,
Mein Tisch ist reich gedeckt für dich mit Käse.
Auch blase ich die Flöte wie kein andrer,
Wenn ich die Flöte nachts alleine blase
Und singe dich, erotische Granate,
Und denke mich dazu an deinen Brüsten!
Ich füttre deine Rehe, deine Hasen.
Komm, komm zu mir, es soll dir gut ergehen,
Lass doch die Silbersee zum Strande schäumen
Und komm zu mir des Nachts in meine Höhle,
Hier steht der Lorbeer, hier auch die Zypresse,
Der Efeu schlingt sich um den Eichenstamm,
Der Weinstock schwanger ist mit prallen Trauben!
Ein klares Wasser gibt uns Gott zu trinken.
Wer wählte da das Meer sich wohl zur Wohnung?
Doch bin ich dir zu haarig, meine Schöne,
Mit Bimsstein werde ich mich glatt rasieren.
Ich werde alles was du willst, ich werde
Verzehren lassen meine arme Seele
Und nimmst du mir das Eine Auge auch!
Warum gebar mich Mama nicht als Aal,
Dann tauchte ich in deine Meereswogen
Und küsste zärtlich dir die weißen Hände,
Willst du die Lippen nicht zum Küssen schenken!
Im Winter schenke ich dir weiße Lilien,
Im Sommer scharlachrote Poppie-Blüten!
Jetzt aber will ich schwimmen lernen, Mädchen,
Ich leide einmal Schiffbruch, werde stranden
Und wie ein Wrack an deinem Strande liegen.
Wie süß ist es für solche Wassernymphen,
Zu wohnen in der Tiefe, weiß ich dann.
Komm, komm heraus aus deinem Wasserbad,
O weiße Galathea, nackig schön,
Und melke du die Milch aus prallem Euter
Und reibe an der Zitze, bis die Milch spritzt!
Kein bittres Lab tu ich in deinen Käse.
Ach, Schuld ist meine Mutter! Hartes Herz,
O Mutter, warum sprichst du nie von mir
Was Gutes vor der schönen Galathea?
Das weiß doch meine Mutter, wie ich Tag
Für Tag und Nacht für Nacht ermattet mehr
Und mehr und vollends bald vergangen bin.
Jetzt aber pocht und zuckt es mir im Haupt!
Soll meine Mutter solchen Kummer leiden,
Wie ich mein ganzes Leben leide Kummer!
Zyklop, Zyklop, was schwärmst du wie ein Narr?
Geh lieber, bring den Hasen frische Kräuter,
So würdest handeln du als weiser Mann.
Der Kuh, die sich dir willig bietet an,
Der sauge du die Milch aus vollem Euter,
Die Kuh, die aber immer vor dir flüchtet,
Die lass und geh ihr nicht mehr hinterher!
Da sind auch andre schöne Galatheen,
Ist manche schöner noch als Galathea!
Es laden mich ja junge schöne Mädchen
Zu Spielen ein. Ein junges schönes Mädchen
Hob lachend ihre nackten weißen Arme
Und lachte: Bin ich nicht aus nichts als Honig?
Ja, wahrlich, bei den jungen schönen Mädchen,
Da ist ein Scherzen, Lachen, ein Gejauchze!
Ich bin doch wer in diesem unserm Lande!
Sich selbst befriedigte so Polyphem
Und stillte so sich seine Liebessehnsucht
Durch den Gesang, befriedigte sich selbst
Und machte mit sich selber Seelenfrieden,
Wie ihn kein Mann mit Geld sich kaufen kann.

ALKÄOS ODEN

Seine Halle ist hell von Bronze strahlend,


Und geschmückt ist sein Dach mit Helmen glänzend,
Schlimmem Werkzeug des Kriegs. Der Pferde Kopfputz
Schimmert hoch, die den Stolz der Krieger trugen
Auf den Köpfen. An jeder Wand die 'Zinnen
Blank gerieben, da bargen all die Krieger,
Gegen Pfeile ist dieses Bollwerk sicher
Und durch purpurne Fahnen und die Scharen
Von gebogenen Schilden, scharfen Klingen,
Weißen Tuniken, Gürteln und von Kriegszeug.
Dies vergessen wir nicht, beachten's immer,
Da wir einmal zu kämpfen unternahmen.

Siehe, nun des Herbstes Blume


Purpurn färbt sich auf dem Hügel
Und die Rosen, sie verwelken
In der grünen Gartenlaube,
Und verschwunden ist der Dill schon.
Morgenluft ist scharf und glänzend,
Nachmittag ist voll von Lichtglanz.
Vesper nachts die Glocken läutet,
Brisen wehen feucht und fröstelnd.
Violette Rebenernte
Blutet purpurn in der Kelter.
Bacchus kommt, den Wein zu prüfen
Und zu segnen unsre Arbeit.
Bring die große goldne Schale,
Deine Sinne zu ersäufen,
Gleich, ob du dann anfängst, deine
Heimlichkeiten zu gestehen.

Spiegel ist der Wein, zu zeigen


Alle Bilder alles Schönen.
Freund von Heiterkeit und Frohsinn,
Feind der schattenhaften Sorgen.
Fülle deinen Griechenbecher,
Streu Rubine aus dem Kelche,
Trinke bis zum letzten Schluck und
So dein ganzes Weh ersäufe!

Durch Quadern nicht, noch durch des Gebälkes Holz


Noch durch des guten Baumeisters edlen Traum,
Durch Männermut besteht die Festung,
Sichere Burg für das Volk der Bürger.

O betet! Mischt nicht Wein in der Schale, wisst,


Ich mag nicht, dass die Arbeiter dieser Welt
Laut singen, zechen, lustig trinken
So wie Verdurstende, nichts sonst denkend.

Wann lassen wir im Winter den Morgenwind


Je schweifen überm glitzernden Meere faul?
Wir wollen schnell ein Schiff besteigen,
Binden es los, wo wirs festgebunden.

Und dann ergreifen freudig das Ruder wir


Und dann die Segel bauschen im Winde sich
Und so vergessen wir das Übel,
Besser ist das als ein Weingelage.

Er sprang herab, der mächtigsten Götter Gott,


Mit Zephyr, der in goldene Blumen blies,
Mit Iris' buntem Regenbogen.
Eros den Liebhaber hat gesegnet.

König Priamos und die Söhne starben,


Wegen gottloser Sünde straften Götter.
Schöne Helena, du des Zornes Ursach,
Warfst ins heilige Troja Feuersbrünste.

Nicht so du, wie das wunderschöne Mädchen,


Warst von Aeacus' Sohn geführt nach Hause,
Da in Nereus' Palast zuhaus war Chiron,
Wohin Götter zu segnen sind gekommen.

Eingeladene Gäste, Hochzeit feiernd,


Da sich sehnte von edlem Herzen Peleus,
Die glückselige Einheit mit dem Mädchen,
Die die Schönste von allen Nereiden.

Ein Jahr später der größte Held der Erde


Ward geboren, der Pferde führen konnte.
Doch im Kriege um Helena von Sparta
Alle Phryger sind mit der Stadt gefallen.

Nein, gib nicht auf! Die Traurigkeit nützt dir nichts!


Du dulde die abscheulichen Übel auch!
Dionysos! Das Beste bleibt doch,
Sich an dem Rotweine satt zu trinken.

Komm, nässe deine Brust mit Wein! Der Hundsstern jetzt


Steigt hoch und drückend glüht der schwüle Sonnenstrahl,
Die heiße Sommerzeit bringt allen großen Durst.
Aus den Johannisbeeren ruft die Amsel laut,
Süß unter ihren Flügeln schrillt der Amsel Sang.
Die heiße Hitze lodert, alles ist verdorrt,
Die ganze Erde ist verdorrt, die Distel blüht
Und hebt den Kopf. Jetzt macht verrückt die Frauenwelt
Mit Leidenschaft die Männer, sind die Röcke kurz,
Wenn Sirius verbrennt die Glieder und den Kopf.

Lass uns trinken, nicht bis zum Dunkel warten!


Warum denn auf das Licht der Lampe warten?
Kurze Spanne des Lebens ist ein Tag nur.
Liebster Freund, lass uns trinken, weil wirs können!
Nimm die Becher mit der Figuren Zierde
Und dann trinken wir auf den Sohn des Höchsten
Und dass Semeles Sohn den Menschen Wein gab,
Seine Gnade befreite uns vom Elend!
Einen Kelch sollst du mischen, einen zweiten,
Lasse über den Rand den Rotwein laufen!
Für uns alle den großen Becher fülle
Und dann komm noch mit einem größern Becher.

Nicht mehr für Lykos seufze ich, für den Freund,


Such nicht mehr seine Zärtlichkeit liebenswert,
Nicht seine dunkel-hellen Augen,
Nicht mehr den Reichtum der Rabenlocken.

Nicht freudenreichen Lobpreis erhöhe ich,


Wenn ich in seiner Nähe verweile, nicht
Besing ich seinen Namen lobend,
Lob nicht den Dreck seiner Fingernägel.

Doch hebe an, o Muse, das Lied für Sie!


Besing die purpurnlockige Jungfrau schön
Und lobe sie mit weicher Kehle,
Lob ihre Stimme, ihr leises Lachen.

Noch einmal singe all ihre Reize und


Der Augen hingerissene Zaubermacht
Und ihre braunen schlanken Arme
Und ihren Busen so weich und weißlich.

Ja, singe immer, ewig von ihr allein,


Von meiner sanft betörenden Königin,
Sie ist die Schönste aller Frauen,
Sappho, süß lächelnde Muse Sappho!

Alkaios heil entkam der Hand


Des Ares auf dem Feld der Schlacht,
Er floh zu seinem Vaterland,
Er folgte seinem Schwert und Schild,
Die Beute bracht er unters Dach
Und weiht sie dem Athene-Schrein.

Die Schiffsfracht warfen sie in die Meeresflut,


Das Schiff so doch vielleicht noch zu retten, das
Von Donnerwellen ward geschlagen,
Terror erfüllte mit Angst die Helden.

Ich streit nicht mehr mit stürmischer Wettermacht,


Mit wilden Stürmen, wild wie die Wünsche, nein,
Das Schiff treibt zu verborgnen Riffen,
Hoch wie die Berge die Meerflut anschwillt.

Vergessen will ich dies, mein Geliebter, will


Dir nahe meinen Kummer verscheuchen. In
Der Liebe und der Freundschaft wir mit
Rotwein und Wasser die Götter ehren.

Sie füllten lustig jeden Kelch


Mit ungemischtem Weine stets,
Nachts drängten sie als Masse laut
Und waren wilden Tanz gewohnt.

Der erste Mann kam auf die Welt


Und nie vergaß er diesen Brauch.
Er taumelte in jeder Nacht
Und dann zerbrach er seinen Krug.

Von solchen Ahnen stammst du ab


Und hast wie sie den gleichen Ruhm,
Den Ruhm von einem Adelshaus,
Du stammst von Adelsvätern ab.

Ach, er zechte bei jedem Trinkgelage,


Waren alberne Schlemmer seine Gäste.
Soll er doch sich im Stolze selbst bejubeln,
Dass von Atreus er seine Braut erobert.
Als mit Myrsilus er den Staat verschlungen,
Mocht er bleiben, bis der Erfolg uns wieder
Sieg im Kriege gab und wir Brüder wieder
Uns vom wütenden Zorn entspannen konnten,
Seelenraubenden Schmerzen heil entkommen,
Unsre streitenden Eingeweide weckten
Die olympischen Götter, uns zu helfen.
Gott gab Pittakos Ruhm, schön anzuschauen,
Aber unserem Volke nur Ruinen.

Schwere Last ist schwer zu ertragen, Kummer,


Bitter, voll Schmerzen,
Armut ist es, Armut die Schwester macht zu
Krüppeln die Menschen.

Jetzt wollen wir uns trinken satt,


Jetzt in Betrunkenheit verrückt,
Den Willen tränken wir mit Wein,
Denn Mysilus ist endlich tot!

Ach, Melanippus, warum klagst du mir Sehnsucht zum Tode?


Wie kannst du denken, dort noch das Licht der Sonne zu sehen,
Wenn du gekreuzt haben wirst des Acheron wirbelnde Fluten?
Komm, und such nicht nach hohen Dingen. Denk an den Stolz doch
Jenes Königs Sisyphos, dieses schlausten der Männer.
Er hat gedacht, dass nie kommen würde das Dunkel des Todes.
Aber für alle seine List traf ihn endlich sein Schicksal:
Wenn er wieder betritt des wirbelnden Acheron Ufer,
Wird der mächtige Kronossohn in der Unterwelt Dunkel
Auferlegen ihm eine schwere Aufgabe, Schmerzen.

O Kindlein wie die Berge alt,


O Kindlein aus dem grauen Meer,
Du füllst mit Freuden und mit Lust
Des kleinen Knaben großes Herz,
Du Muschel aus dem Ozean.

Windes heftigen Streit versteh ich nimmer,


Sanfte Wogen sich immer türmen höher,
Hier bald, dort bald. Wir sturmgeprüften Schiffer
In dem schwärzlichen Schiffe sind verloren.
Wut des Sturmes die Glieder will uns kühlen,
Wasser dringt in des Schiffes offne Löcher,
Große Risse in jedem Segeltuche,
Unsre lässigen Taue sind in Fetzen.
Jetzt die Welle ist Wellen überschwappend,
Auf dem Schiff die Gewässer laufen über
Und wir Arbeiter müssen selbst uns retten.
*

Ah, ich fühl das Kommen des Blumenfrühlings,


Nun erwachen Bäume und Rebenblüten,
Einen großen Krug bringe schnell und mische
Honig dem Weine.

Meinem Halse flechte aus Dill die Kränze,


Kröne mir den Kopf mit dem Blumenkranze,
Über meinen Busen Parfümaroma
Gieße in Schauern.

Zeus geht um in Schnee und Regen,


Hoch sein Zorn und tief sein Ingrimm.
Jeder Sturm vergisst zu fliehen,
Ewig ist der Schlaf des Winters,
Ozean und Wälder brüllen.

Schick den Sturm fort von der Haustür,


Lass das Holz im Ofen lodern.
Ungemessne Kelche gieße
Randvoll, hoch mit Nektar, lächelnd,
Dann dem Haupte deines Dichters
Schieb ein weiches Kissen unter.

Vom Weltenende grad zurückgekehrt,


Ein Schwert von Elfenbein hast du verdient,
Ein Schwert, das überzogen ist mit Gold,
Ein schöner Lohn für deine Arbeit ists,
Gegeben dir von Männern Babylons,
Du standest ihnen gratis bei im Krieg,
Du schlugest königliche Krieger, Mann,
Fünf Ellen groß (nur eine Spanne fehlt).

Kommt her, getreue, mächtige Söhne Zeus'


Und Ledas, vom Olympos herunter kommt
Mit blanken Helmen, frohen Geistes,
Kastor erscheine und Polydeukes!

Durchquert die ganze Weite der Erde und


Des großen und geräumigen Meeres auf
Den raschen Rossen, rasch zu retten
Männer, die Todesangst schon erfüllte.

Auf Spitzen der hochtürmigen Maste springt


Und leuchtet aus der Ferne in trüber Nacht.
Bringt Licht dem Mast, bringt Licht dem schwarzen
Schiffe, das treibt auf dem Meeresspiegel.

O schöne, veilchenlockige Sappho keusch,


O Jungfrau mit dem Lächeln wie Honig süß,
Ich wollte sagen, was ich fühle,
Müsste das Schamrot mich nicht betören.

Er denkt, dass der gesegnet ist,


Der weiß zu trinken oft und viel.
Der Wein ist seines Herzens Lust,
Sein Fluch prallt auf mit großer Kraft:
Sein Kopf herab gesenkt ist schwer,
Er schilt sein Herz und er bekennt
Die Buße voller Traurigkeit,
Das Trinken ist ihm süße Schuld.

Siehe, die Regen des Zeus vom Himmel stürzen herunter


Stürme treiben einher,
Auf den fließenden Wasserbächen der kalten Kanäle
Liegt gefroren das Eis.
Auf, und schlage den Winter und mache das wärmende Feuer
Steigen hoch im Kamin,
Mische Wein mit dem Honig von der fleißigen Biene,
Mische reichlich den Wein,
Und dann trinken wir. Und wir tragen gemütliche Wolle
Um die Glieder des Leibs.
Unsere Herzen sollen nicht nachgeben nagendem Wehe
Oder traurigem Leid,
Denn von der Traurigkeit werden wir profitieren kein bisschen,
Trauer flickt nicht das Weh.
Aber das ist die beste Medizin, mit dem Weine
Auszutreiben das Weh!

EMPEDOKLES

Höre, Pausanias, höre, du Sohn des Weisen Anchitos!

Wenige Möglichkeiten sind nur zu wissen den Menschen.


Alles zu wissen ist Lüge. Und überrascht wird so mancher,
Stillt die Seele und lebhafte Wünsche. Nachdem sie gesehen
Ihren winzigen Anteil am Leben, das kürzere Schicksal,
Werden wie Rauch sie hoch gehoben und huschen von dannen.
Meinen sie doch, sie seien voll Chancen, gesegnet vom Zufall,
Werden nur hin und her getrieben. Aber sie rühmen
Ihre große Vision des Ganzen, des ewigen Weltalls.
Aber auf diese Weise werden die Dinge erkannt nicht,
Nie von Menschen gehört, noch von den Geistern ergriffen.
Du nun, der hierher gekommen, sollst lernen, mein Lieber,
Aber nicht mehr lernen als ein Sterblicher je kann erkennen.
Du bewahr diese Lehren in deinem hörenden Herzen.

Aber nehmt den Wahnsinn von der Zunge mir, Götter,


Segnet die heiligen Lippen mit der Klarheit der Quelle!
Vielumworbene, weiß erstrahlend jungfräuliche Muse,
Dir will ich mich nähern. O eile und komme doch zu mir
Und mit milder Frömmigkeit zügle den Wagen des Liedes,
Dass es rechtmäßig werde, dass die Menschen es hören,
Deren Leben nur währt einen Tag. Es soll mich die Lust nicht
Treiben nach dem Lorbeer des Ruhmes, Gesänge zu zupfen
Und sich unter die irrenden Menschen töricht zu wagen.
Sprich über heilige Dinge in gebundener Rede,
Banne die Profanen von der Zinne der Wahrheit.
Aber komm, o Muse, jeder Weise will wissen,
Wie sich alles offenbart. Und mit sehenden Augen
Wollen wir sehen und wollen hören mit hörenden Ohren,
Schmecken, wie gut die Wahrheit ist, und mit der Zunge verkosten.
Überprüf die Beweise aller Glieder des Ordens,
Weise hin auf die Offenbarung jeglichen Dinges.

Aber die Niedern misstrauen stets dem Hohen und Starken,


Dennoch kennen sie die Zusagen unserer Muse,
Wenn ihre Worte einmal gesiebt werden durch deine Seele.
Und nun höre die vierfache Wurzel aller der Dinge.
Weißglänzend leuchtet Zeus, und Hades bringt Leben der Erde,
Und der Nestis Tränen betauen die sterblichen Menschen.

Elemente! Ich nenn sie die unerschaffenen Kräfte.

Mehr will ich dir nicht sagen. Es gibt doch keinen Geburtstag
Für die sterblichen Dinge und keinen Ruin in dem Tode,
Aber Vermischung gibt es und Austausch von Mischungen gibt es,
Und Geburt ist ihr Name bei den Menschen der Erde.

Aber wenn im Menschen, im Tier, im Vogel, im Busche


Diese Elemente vermischen sich, so sie gelangen
In das Reich des Lichts, Geburt nennens törichte Menschen,
Wenn sie vergehen, nennen sie's Schicksal des Todes, obwohl doch
Das nicht das Rechte ist, ich werde nicht zustimmen solchem.

Narren! Ihre Gedanken brüteten kurz über Eiern,


Die darauf vertrauen, das Nichts sei je Etwas geworden
Oder ein Etwas wäre, das je ganz zu Nichts sei geworden.
Denn aus Nicht-Seiendem kann nicht Seiendes werden, also
Kann das Seiende nicht zerstört werden, dass es zu Nichts wird.
Nein, kein Auge kanns sehen und kein Ohr kann es hören,
Körper werden es sein, wo immer sie stehen und gehen.

Und das All ist nicht Überfülle und ist auch nicht Leere.
Nämlich in dem All gibt es keine Leere, woher denn
Käme irgend ein Etwas, das nähert sich unseren Sinnen?

Nein, kein weiser Mann träumt Torheit im wissenden Herzen,


Dass nur während des Lebens, was man Leben nennt menschlich,
Wir unser Sein besitzen und gut sind oder sind elend,
Und noch ehe wir als Sterbliche werden verdichtet
Und nachdem wir aufgelöst wurden als sterbliche Menschen,
Seien wir reines Nichts gewesen, sagen die Narren.

Nämlich Liebe und Hass waren stark von jeher und immer,
Diese bleiben auch in den folgenden Zeiten, ich denke,
Niemals werden die Zeitalter dieser beiden entleert sein.

Ich will aber nun dir eine zweifache Wahrheit berichten.


Einmal kommt aus dem Vielerlei das Eine ins Leben,
Einmal aus dem vergehenden Einen kommen die Vielen.
Zwiefach die Geburt ist und doppelt der Tod ist der Dinge,
Nämlich einmal wird die Versammlung bringen das Viele
In Geburt und Tod, und dann, was auch immer gewachsen
Durch die Teilung, fliegt es auseinander im Sterben.
Diese lange Reihe von Austausch niemals wird enden.
Ist es im Einen nun, dann ist es vereint durch die Liebe,
Ist es das Viele, ist es durch Unfrieden, Hass und Zerstreuung.
Und soweit es das Eine noch ist, vereint durch die Liebe,
Und soweit die Vielen wieder wachsen zur Einheit,
So sie entspringen aus der urzeitlichen Streuung des Einen,
Haben sie eine Geburt und haben ein Datum des Todes.
Und soweit die lange Reihe des Austausches nimmer
Endet, soweit wie die ewigen Götter und Göttinnen droben
Um den Kreis der Welt sie sich ewig im Wechsel bewegen.
Aber komm! Und hör meine Worte! Erkenntnisse bilden
Dich und machen stark deine Seele. Bevor ich gesprochen,
Ich benannte das rechte Ziel meiner wissenden Worte.
Jetzt will ich dir aber eine zweifache Wahrheit berichten,
Nämlich jetzt kommt von Vielem das einige Eine ins Leben,
Jetzt aber aus dem vergehenden Einen kommen die Vielen.
Feuer und Wasser und Erde und die Höhe der Lüfte!
Bricht ihr geschlossener Kreis auseinander, die tödliche Streitmacht
Sie zerstreut, und doch bleibt in ihrer Mitte die Liebe,
In der Länge und Breite und Höhe und Tiefe die Liebe!
Seht sie mit der Vernunft und seht sie nicht mit den Augen
Staunend, denn angeboren ist die ewige Liebe
Und bleibt in den Gliedern der Menschen für immer gegründet.
Durch die Liebe denken die Menschen Gedanken der Liebe,
Perfektionieren sie die künstlichen Werke der Einsicht,
Nennen sie Göttin Aphrodite, Wonne der Wonnen!
In den Elementen mit Geschwindigkeit läuft sie,
Aber kein sterblicher Mann hat jemals die Liebe ergründet.
Aber nun höre meine Beweise, die unwiderlegbar.
Siehe, die Elemente besitzen die einige Stärke
Und den selben Ursprung, jedes regiert seinen Pflichtkreis,
Jedes Element waltet nach dem Modus ihm eigen,
Herrschend erobern sie im Laufe der kreisenden Zeiten.
Und für diese gibt es keine Geburt und kein Ende,
Denn sie waren immer und gehen nimmer verloren.
Wenn sie nicht waren, wie ward dann das ewige Weltall?
Wie aber könnten jemals sie ruiniert werden, nichtig,
Da von den Elementen nichts Existierendes leer ist?
Nein, sie sind Alles, und jetzt sind sie natürlich zusammen,
Miteinander sind sie jetzt dieses, jetzt jenes, geboren
Und so immer und ewig fort in Ewigkeit drunten.

Fest umklammere du die Lieblichkeit ewiger Liebe!

Liebe und Hass regieren in den organischen Welten.

Und der weltweite Krieg der ewigen Zwei ist erkennbar


Auch in der Masse der menschlichen Glieder, ich will es dir zeigen:
Wenn zwei Menschen sich zu Einem in Liebe vereinen,
Nehmen die sterblichen Glieder an die leiblichen Formen,
Und das Leben ist eine Frühlingsblume. Verwelkend,
Durch den perversen Hass werden leibliche Glieder vernichtet.
Aber sie wandern weit und breit und nach oben und unten
An den Stränden, an den schrecklichen Ufern des Lebens.
So ist es auch mit Dickicht und Bäumen und schwimmenden Fischen,
Die da leben in den kristallenen Wassern der Tiefe,
Und so ist es auch mit dem Vieh, das auf Berghängen weidet,
Und mit Wasservögeln, die baden im bläulichen Meere.

Aus den Elementen ist alles, was Augen erblicken.

Aber komm, meine Worte sollen lieblich erklingen,


Wenn dein breiter Haufen über allem vergessen
Sollte, was geziemt den elementaren Gebilden.
Siehe, da ist die Sonne, die warme, die Helligkeit spendet,
Siehe die ewigen Sterne, für immer durchtränkt von dem Lichte
Und der flüssigen Wärme und der Ausstrahlung droben,
Siehe den Regen in Strömen schauern, den dunklen und kalten,
Wie von der Erde ausströmt aller Fruchtbarkeit Grünkraft.
All dies wird durch den Zorn an Formen vielfältig gespalten,
Aber durch Liebe nähert man sich und sehnt sich nach einem.
Denn aus den Elementen ist alles Knospe geworden,
Alles was war oder ist oder sein wird im ewigen Weltall,
Alle Bäume und Männer und Frauen und Tiere und Vögel
Und die Fische, die nähren sich in den tiefen Gewässern,
Götter haben sie ausgezeichnet mit Leben und Würde.
Diese leben alle, und da sie natürlich zusammen
Sind und miteinander, empfangen sie neue Gesichter
Durch Vermischung und dauerhafter Veränderung Wandel.

Bernsteinfarbene Sonne und Meer und Erde und Himmel


Jedem sind freundlich mit allen einzelnen Teilen, die Pfeile
Werden fern gejagt und zerstreut in der Sterblichen Weltkreis,
So auch die Dinge, die die meisten versuchen zu mischen,
Sind von Aphrodites und Eros' Gnaden vereinigt.
Aber feindlich sind die Dinge, welche die meisten
Voneinander unterscheiden, in der Geburt und
Auch in ihrer Vermischung und wenn in den Formen der Form sie
Wollen sich nicht vermischen, sie bleiben einsam und elend,
Bleiben so nach dem Ratschlag ihres Vaters, des Hasses.

Künstler, also die Männer, die ihr Handwerk verstehen,


Bilden durch die Vernunft mit schönen Formen und Farben
Lichte Tempelfiguren, und mit den Händen ergreifen
Pinsel und Palette sie mit Rotton und Goldton
Und sie mischen die Farben harmonisch, mal besser, mal schlechter,
Und so bilden sie unzählige Mode-Modelle
Und mit allen Dingen bevölkern sie künstliche Welten
Und mit Bäumen und Männern und Frauen und Tieren und Vögeln
Und mit Fischen, die sich nähren in tiefen Gewässern
Und mit ewiglebenden Göttern zu Lobpreis und Ehre.
Dereart, und lass in deinen Busen die Torheit nicht kommen,
Derart ist die Erschaffung aller der sterblichen Dinge
Durch die himmlischen Mächte geboren und sichtbar den Menschen.
O bewahre gut diese Weisheit, du hast sie vernommen,
Hör in meinem Lied die Göttin und ihre Geschichte.

Lass uns gemeinsam besteigen die Gipfel des Denkens


Und vollkommen wandeln den Weg, den noch keiner gegangen.

Was gesagt werden muss, das muss man ein zweites Mal sagen.

In dem Gegenzuge die Zyklen erobern die Zeiten


Und es schwinden die anderen immer noch, Wachs gleich zerschmelzend
Ist der eine, der andre ist von ältestem Schicksal,
Diese leben alle, und da sie natürlich zusammen
Sind und miteinander, die Menschen werden, die beiden,
Werden zahllose Völkerstämme haariger Biester.
Während des Schönen Auftrag der Liebe alle vereinigt,
Durch den Hass des Krieges wird alles Schöne zerrissen.
Und soweit das Eine kommt von den vielerlei Dingen
Und die Vielen wachsen wieder zusammen zu Einem,
Die entsprungen sind der urzeitlichen Streuung des Einen,
Soweit haben sie eine Geburt und ein Datum des Todes.
Und es endet nicht dieser lange Austausch und Wechsel,
Endet nicht, so weit die Götter den Weltkreis bewegen.

Zwar man kann erkennen die raschen Glieder der Sonne


Und die Kraft der zottigen Erde, die Brüste des Meeres,
Aber siehst du, wie alles vertieft in harmonischer Einheit?
Fest gegründet steht die gerundete Kugel des Weltalls
Freudenreich in der umliegenden Einsamkeit endloser Leere.

Weder Fraktion noch Kampf ist unziemlich kosmischen Gliedern.

Jene Kugel des Weltalls an allen Seiten ist endlos,


Freudenreich in der umliegenden Einsamkeit endloser Leere.

Von der Rückseite dieser Kugel schwingen nicht Arme,


Sie hat keine Füße und Schenkel, nicht Form und Gestaltung
Nährender Glieder, auf allen Seiten Kugel, und liebt sich.

Doch nach schrecklichem Streit kamen wieder wächserne große


Glieder innerhalb jener Kugel, blühende Rosen
Blühten zu ihrem eigenen Ruhm, als die Zeiten gekommen
Nach dem schrecklichen Streit, wieder Zeiten kamen der Liebe,
Von der Liebe kommen Gelübde und alle Gebote.

Siehe, eins nach dem andern erbebten die Glieder der Gottheit.

Die Union bindet zwei verschiedene Wesen zusammen.

Es ist, wie wenn der Lab des süßen Feigenbaumsaftes


Bald gerinnt zu weißer Milch und eilig sich bindet.

Also binde du deine Mahlzeit mit kochendem Wasser.

Aber eile zurück, ich will nun zurückkehren, Bruder,


Auf den Weg des festlichen Lieds, wie ich früher gesagt hab,
Will mich entleeren jeden Ausflusses meiner Gedanken.
Wenn nun unten der letzte Abgrund zu hassen begonnen
Und die Lieblichkeit schöner Liebe ward nicht gewonnen
In dem wirbelnden Zentrum der Masse, siehe, dann sammeln
Alle Dinge ums Zentrum herum erneut sich zur Einheit,
Plötzlich und willig, alle Bereiche vereint und verbunden,
Und aus ihrer Vermischung wird in die Fremde ergossen
Eine Vielzahl von Völkerstämmen sterblicher Dinge.
Doch viel Ungemischtes bleibt noch unterm Gemischten,
So wie der Hass sich noch in der Scheune hält in der Höhe.
Denn nicht alle sind schuldlos des Hasses Beute und Opfer
Drüben in den Kreisen des All an den äußersten Grenzen,
Aber zur Hälfte abgetrennt im Inneren blieb er,
Halb war er bereits entfernt aus den Gliedern des Weltalls.
Immer mehr schlich er weg und floh, und kam immer näher,
Innen bedrückend die Zärtlichgesinnten, voll göttlicher Sehnsucht
Nach untadelig schöner Lieblichkeit. Dort wuchsen eilig
Alle sterblichen Dinge, die ehmals zu sein pflegten ewig
Und unsterblich, und das einzig Reine und Pure
Wurde gemischt im Austausch der Wege erneuerten Lebens,
Und aus ihrer Vermischung ward in die Fremde ergossen
Eine Vielzahl von Völkerstämmen sterblicher Dinge,
Die in allen Formen gestrickt, ein Wunder zu schauen.

Und als die Dinge zusammen kamen, begann nun der Vater
Hass seinen Sitz in der Höh auf der äußersten Kante zu nehmen.

Erde durch Erde vergrößert die Form und Äther durch Äther.

Komm, ich werde dir nun die vier Urzeitlichen nennen,


Daraus stieg die Erscheinung der Dinge, die jetzt wir gewahren,
Nämlich Erde und feuchte Lüfte und rauschende Meere
Und im Äther Helios, der den Globus erleuchtet.

Dass die schwarzen Tiefen der Erde endlos, dass voll sei,
Übervoll der weiße Äther, das schwatzen die Zungen
Einiger wenig denkender Toren mit plappernden Mäulern,
Narren, die doch vom Weltall haben nur wenig gesehen.

Herrlich strahlend ist Helios und Selene glänzt zärtlich.


Siehe, die Flammen der Sonne, die gesammelten, schieben
Sich umrundend durch die gewaltigen Räume des Himmels.
Und die Strahlen der Sonne erleuchten den zärtlichen Vollmond
Und es dunkelt unter dem Monde die Erde, die große,
Wie aber ist die Breite der silberäugigen Mondin?
Lichtstrahlen fallen auf die breite Scheibe des Mondes.
Gegen den Olympos zurück schleudert Helios Strahlen,
Furchtlos ist das Antlitz des herrlich strahlenden Titan.
Rund um die Erde dreht sich die Scheibe voll fremdestem Lichte.
Selbst als kreise ein Schiff, so ist die äußerste Runde.
Denn in Richtung der herrlichen Kreise des Herrn, ihres Gottes,
Schaut die mütterliche Erde von Antlitz zu Antlitz.
Aber Nacht wirds auf Erden von Strahlen sinkender Sonne.
Mutter Nacht, du Einsame mit den erblindeten Augen!

Iris vom Meere bringt Sturmwinde oder mächtigen Regen.


Feuer sprang nach oben mit einer zerreißenden Eile.
Manch ein loderndes Feuer brennt unten unter der Erde.
Manchmal sind die Lüfte erfüllt und manchmal sind leer sie.
In die Erde versank der Äther mit mächtigen Wurzeln.
Und der Mutter Erde Schweiß sind des Ozeans Wasser.
Salz wuchs solide, aufgezogen durch Strahlen der Sonne.

Leider sah ich auch Köpfe ohne Hälse gewachsen,


Arme fielen von den Schultern, kahl nackte Arme,
Durch die Stirn sah ich dringen starre glotzende Augen.
Und in Isolation die Glieder wanderten einsam,
Hin und her, um gerecht zu werden ersehntem Vereine.
Aber jetzt, wie Gott mit Göttin sich mischt und vereinigt,
Diese Glieder fielen zusammen, wo sie sich trafen,
Manche Geburt ward daneben gezeugt von hässlichen Zeugern
In der endlosen Reihe von stets variierendem Leben.
Kreaturen mit unzähligen Händen und Füßen!
Manche wurden mit zweierlei Stirn und Busen geboren,
Einige mit des Mannes Gesicht auf dem Körper des Ochsen,
Einige mit der Gestalt des Mannes, den Köpfen von Ochsen,
Mischformen des Zusammenseins von tiefem Geheimnis,
Manchmal wie Männer, manchmal wie busenwuchernde Weiber.

Aber jetzt komm, jetzt höre wie die lodernden Feuer


Keime ins Leben geführt, die wölbten sich erst in den Nächten,
Wurden von Männern und Frauen voll Mitleid beweint und bejammert,
Ach das ist nur ein Märchen, das sieht und kennt seine Spuren.
Erst stiegen bloße Erdklumpen mit unhöflichem Eindruck,
Erdklumpen, die ihren Anteil hatten von Wärme und Wasser.
Diese wurden durchs Feuer (Im Aufwärts-Eifer erreichten
Sie die verwandten Feuer im Himmel) zur Höhe geschossen,
Wenn sie auch noch nicht die Formen enthüllt hatten ihrer
Reizenden Glieder, darum soll ein Mensch doch nicht weinen
Über diese geheimen Glieder, gemeinsam den Männchen.

Separat ist die Geburt der menschlichen Glieder,


Teilweise männliche Glieder und teilweise weibliche Glieder.
Liebessehnsucht kommt, den Sehenden dran zu erinnern.
In die sauberen Leiber werden die Samen ergossen,
Sind es kalte Samen, dann werden Mädchen geboren,
Sind es heiße Samen, dann werden Knaben geboren.
O hinein in der Aphrodite gespaltene Wiese!
Wärmere Leiber aber mit wärmeren Bäuchen geworden
Mütter von Knaben sind, und dass die Männer sind dunkel,
Kommen weitere handfeste Männer und zottige Männer.
Und am zehnten Tage des achten Monats des Zyklus
Wird das Blut des Weibes weißlich wie flüssiger Eiter.
Zweimal er bestieg das Lager auf weichlichem Lammfell.

Manchem fehlt des Glaubens Mark, da sind immer noch Zweifel,


Wie aus der Elemente liebevollen Vermischung
Kommen von Erde und Wasser, von der Luft und der Sonne
Viele Formen und viele Farben der sterblichen Dinge
Und so sind sie geworden, sind ins Dasein gekommen,
Jedes gestrickt und gerahmt von Aphrodites Betörung.
Lob den hohen Bäumen, den Fischen in salzigen Fluten!
Aphrodite, nach des Regens Erguss auf die Erde,
Eifrig erwärmt die Erde, dann gibt sie der Erde das schnelle
Feuer, dass die wachsende Erde fest werden könne.
Kypris führt auch die stummen Schwärme von laichenden Fischen.
Und die Tiere, im Innern kompakt und im Äußeren lose,
In der Aphrodite Händen die Formen bekommend,
Sie erhielten ihre Schwammigkeit nur durch die Liebe.
So ist es mit den Muscheln an den schweren Gestaden,
Den Bewohnern des Ozeans, des von Muscheln gekränzten,
Oder mit den steinharten Schildkröten, da kannst du merken,
Hart ist die äußere Kruste, weich sind die inneren Teile.
Bäume trugen ausdauernd Obst und ausdauernd Blätter,
Überladen mit Früchten alle kreisenden Jahre,
Seit dem Tag, da sie angeblasen fruchtbare Lüfte.
Große Olivenbäume legen grünliche Eier.
Dann auch sehen wir langsam die roten Granatäpfel reifen
Und es wachsen die Äpfel, die an Apfelsaft reichen.
Aber der edle Wein ist Wasser, im Holze gegoren,
Viele Fragen strömen aus der Rinde des Rebstocks.
Auf dem gleichen Stoff auf stabilen Gliedmaßen wachsen
Haare, Laub, und Schuppen von Fischen und Federn von Vögeln,
Steife Haare, scharf durchbohrende, Borsten des Schweines.

Denk dir einen Mann, im Begriff, eine Lampe zu zünden


Flammenden Feuers gegen die Winterkälte der Nächte,
Seine geile Laterne schirmend vor stürmischen Winden,
Und obwohl er sie schützt vor dem Blasen des wehenden Windes,
Ihre Strahlen pfeilen nach außen, die dünnen und feinen,
Und mit unermüdlichen Strahlen leuchtet der Himmel.
So war es auch, als das urzeitliche Feuer verborgen
Lag in der Runde der Pupille des Auges, geschlossen,
Lag in hauchdünnem Schleier, göttliche Poren durchbohrend,
Und so hielt es uns weit entfernt von den Tiefen des Wassers,
Während das Feuer brach nach außen, das dünne und feine.
Jene sanfte Flamme des Auges schuf uns der Zufall,
Wenig nur hat sie von den irdischen Teilen des Menschen.
Nämlich den Menschen hat Aphrodite, die göttliche Liebe,
Anerschaffen die schönen unermüdlichen Augen.
Aphrodite schmiedet mit den Schrauben der Liebe.
Eine Vision wird immer von zwei Augen geboren.

Wisse, alle Dinge sind aus Emanationen.


Süßes ergriff das Süße und Bittres flog auf das Bittre,
Saures ist dem Sauren entsprungen und Hitze ritt Hitze.
Wasser wird sich gut mit dem roten Weine verbinden,
Aber mit Öl will sich das keusche Wasser nicht mischen.
Aphrodite ist wie wenn man Zinn mit dem Kupfer vermischte.
Mit dem Flachs ist vermischt der silbrige ältere Samen.

Und die schwarze Farbe der Tiefe des Flusses kommt alles
Aus dem Schatten, man kann das auch sehen im Hohlraum der Höhle.

Mit den Händen Aphrodite formte Gebilde


Und zum ersten Mal fingen sie an, zusammen zu wachsen.
Siehe die Erde mit den breiten Schmelztöpfen, Mutter,
Von acht Teilen bekam sie zwei von der leuchtenden Nestis,
Von Hephästos vier. Von dort kamen weißliche Knochen,
Glücklich durch Klebstoff der Harmonie und Schönheit verbunden.
Und nachdem die Erde lag im vollkommenen Hafen
Aphrodites verankert, traf sie der rote Hephästos,
Und der Regen und der Äther, allgnädige Mächte,
Wenn auch Teile der Erde manchmal weniger waren,
Manchmal ein wenig mehr als die ihrigen, kamen aus diesen
Unser menschliches Blut und alle Formen des Fleisches.
Ohren, die fleischlichen Zweige, gleichen den Glocken des Tempels.
Alles wird einatmen, alles wird ausatmen. Und über alle
Ebenen Flächen der unblutigen Rohre des Körpers
Wird sich das Fleisch erstrecken, und an den offenen Rissen
Werden sich unzählig viele entlang der äußersten Rinde
Langweilen, aber das lebendige Blut bleibt im Innern,
Für die Luft ist frei geschnitten worden ein Durchgang,
Und von hier aus kommt aus den dünnen Blutrückwärtsströmen
Jene Luft mit dem Rauschen einer brüllenden Düne,
Aber wenn sie dann wieder weiter leitet die Ströme
Und die Luft im Gegenzug ausatmet, ists wie ein kleines
Mädchen, spielend mit der Flöte von glänzender Bronze.
Denn solange immer die Öffmung der länglichen Rohre
Werden durch ihre hübschen Finger gehalten, verschlossen,
So stürzt dann auch innerhalb der nachgiebigen Masse
Silbriges Wasser, und das kann dann die Welt nicht bewahren
In dem Gefäße. Aber der Lüfte Eigengewichte
Fallen im Inneren tief in die unzähligen Löcher,
Halten die Lüfte in Schach, bis dann das kindliche Mädchen
Aufdeckt die verdickten Lüfte und freispricht die Sätze,
Wie wenn einer die Wahrheit des Wassers verschüttet bestimmend
Und in die Führung ruft, wenn nachgibt die Luft. Und so ist es,
Wenn in dem schlanken Bauch von des Mädchens eherner Flöte
Wasser liegen und die Fingerspitzen des Mädchens
Führen das Rohr und den Schlauch. Und dann die Lüfte von außen
Kommen nach innen, gedrückt, sie halten zurück dann das Wasser
Über des gurgelnden Halses weithin offenen Torweg,
Wenn das hübsche Mädchen besitzt die Spitze der Flöte,
Bis sie dann wieder lockert ihr schlankes niedliches Händchen,
Ganz im Gegenteil, um Platz zu machen und weise
Auszugießen das untere Wasser, die Luft sinkt nach unten.
So ists auch mit dem dünnen Blut, das treibt unsre Glieder,
Wenn die Ströme eilen zurück nach innen, dann rauschen
Luftströme auf, und wenn weiter geleitet die Sprünge, die Luft dann
Atmet im Gegenzug aus entlang der selbigen Weise.

Schnüffelnd mit Nüstern von wilder Tiere Gliedmaßen, zärtlich


Streifend mit schlanken Füßen entlang den zärtlichen Gräsern:
So bekamen die Dinge Anteil von Düften und Atem.

Alle Dinge denken, allein durch den Zufall des Willens.


Und die Leichtesten noch im Stürzen schlagen zusammen.
Mit dem strömenden Blute, springend zurück zu dem Herzen,
So das Herz wird genährt, so herrscht die Allmacht des Herzens
Über die Männer rufenden Denkens, denn siehe, das Blut regt
An und das Herz allein kontrolliert die Gedanken der Männer.
Denn mit der Männer Sparsamkeit wächst die Vernunft ihres Denkens,
Nach der körpereigenen Sparsamkeit und nach dem Staate.
Denn von Aphrodite vermischt sind alle die Dinge,
Und durch Charis die Männer denken, sind froh oder traurig.
Und soweit die Sterblichen sich verändern am Tage,
So in der Nacht ihres Denkens kommt die Veränderung gleichfalls.
Durch die Mutter Erde ists, dass die Sterblichen da sind,
Und durch den himmlischen Vater Äther, den strahlenden Äther,
Und durch das keusche Wasser und durch das verzehrende Feuer,
Und durch die göttliche Liebe und die dämonischen Kriege.
Wenn auf einem Geiste ruht das feste Vertrauen,
Wird er immer voll Neigung sein und Fleiß des Bestrebens.
Du wirst an ihnen sehen, dass all diese Dinge gehören
Dir und sind für immer dein, des Dieners. Zudem auch
Sollst du von manchem eine erfüllte Zunahme machen,
Weil sie schon für sich selbst allein im Kerne gewachsen
Nach der Natur eines jedem Menschen, dem Wesen entsprechend.
Aber wenn du für die anderen schauen wirst, wirst du
Nur erreichen leere Schätze, gemein und unzählig.
Wie die Menschen auch sein mögen, die für immer und ewig
Blähen die Seelen auf mit lebhaften Wünschen, o diese
Werden dich zügig verlassen mit den kreisenden Jahren.
Aber bei aller Sehnsucht sei auch eilig die Rückkehr
Zu der Menschen eignem urzeitlichen Bette. Denn wisse,
Alle Dinge sind vorsätzlich, haben Anteil am Denken.

Du sollst Meister werden jeden Medikamentes,


Welches jemals erschaffen wurde zur Heilung des Kranken
Und des Alters. Für dich allein kommt alle Erfüllung,
Du wirst stillen die Macht der unermüdlichen Stürme,
Beben der Erde und das verderbliche Beben des Meeres,
Ja, und wenn du willst, sollst du erwecken die Kräfte
Und beobachten ihre Rache, die wilde und schrille,
Ehe du dich zu ihnen gesellst. Bewirke den Wechsel
Schwarzer Trockenheit, sind die Jahreszeiten dem Volk gut,
Und die lange Trockenheit in der Hitze des Sommers,
Du sollst ernähren auch die Bäume auf dem Gebirge,
Wenn sie unten den Äther einatmen. Du sollst im Hades
Liebevoll winken der Macht der umgekommenen Menschen.

O ihr treuen Freunde, die in der mächtigen Stadt wohnt


Längs der gelben Akragas in der Akropolis, Freunde,
Ihr Verwalter der guten Werke und Taten der Liebe,
Ehrwürdig-freundlich gebt ihr Zuflucht geflüchteten Fremden,
Alle begrüßend. O ihr Freunde! Aber zu ihr geh ich selig
Als ein unsterblicher Gott jetzt, nicht mehr ein sterbliches Männchen,
Allen genehm und gut geehrt von jeglicher Seite
Und gekrönt mit goldener Krone und blühendem Kranze.
Wenn zu den Scharen von Männern und Frauen ich komme als Heiland,
In die blühenden Städte, werde ich suchen Gebete,
Tausende folgen, sie fragen mich nach dem Heilsweg, ersehnen
Meine Orakel, andere hören mein heilendes Reden,
Suchen heilende Worte gegen die Übel, die Krankheit,
Allzu lang sind sie alle schon durchbohrt von den Schmerzen.
Aber warum nicht fordern, was ich geben kann wahrlich
In den großen Dingen? Übertreffe ich weit nicht
All die andern sterblichen Männer, Tote erweckend?
O ihr treuen Freunde! Ich weiß fürwahr mit dem Worte,
Was ich reden werde, das ist die göttliche Weisheit,
Aber ohne Ruhe die Menschen sind alle die Tage
Und sind gewesen in unerbittlichen Kämpfen des Glaubens,
Bis die ewige Wahrheit ihren Busen erreichte.

Da ist das Wort des Schicksals, eine alte Verordnung,


Ewige Götter haben dieses eilig beschlossen
Und beschworen mit festen Eiden: Wer immer ein Geist ist,
Der hat von alters eine Lebensdauer unendlich,
Wenn er sich aber aufgeopfert dem ewigen Übel
Oder falsch geschworen mit der Lüge der Zunge,
Muss er wandern müde dreimal zehntausend Jahre
Weit entfernt von den Heiligen und muss wieder geboren
Werden in der Zeit in verschiedenen sterblichen Formen,
Immer sich ändernd auf dem Lebensweg, unruhig immer,
Denn jetzt die Lüfte jagen ihn weiter zum schäumenden Meere
Und das tobende Meer speit ihn an den Sandstrand des Ufers,
Dann die Erde speit ihn aus zu der strahlenden Sonne,
Daher kommt er wieder zurück in die wirbelnden Lüfte.
Jeder bekommt vom andern, was sie alle verabscheun.
Und auch ich bin jetzt gezählt zu der wandernden Menge,
Bin ein Vagabund und ein Flüchtling unter dem Himmel,
Bin dem Schicksal gehorsam in den schwärmenden Kämpfen.
Charis aber verabscheut das unerträgliche Schicksal.
Ich war schon einmal ein Knabe und war schon einmal ein Mädchen,
Ich war Blume und Vogel und ein Fisch in den Wellen.

Ach, ich weinte und jammerte, sehend die Fremdheit der Orte.
Ach, von welchem Ruhm und von welcher Glückseligkeit bin ich
Auf die Erde gefallen, mich unterm Volk zu bewegen!
Und dann kamen wir unters Dach einer finsteren Höhle.
Und wir kamen leider in öde freudlose Länder,
Wo die Truppen des Schlachtens und Krieges herrschten mit Schrecken,
Wo wir geschrumpft von Krankheit und obszönem Verfaulen,
Wo wir von schwerer Arbeit belastet wie Becher voll Wasser,
Durch die tristen Fluren bummelnd. Alles ist sinnlos.
Da gabs die schwarze feuchte Erde, die heilige Mutter,
Dort erschien mir die Jungfrau in dem Kleide der Sonne,
Aber auf Erden herrschte der blutige Krieg bis zum Grabe
Und es gab Chaos und Übel und Hast und sinnlose Arbeit,
Alle Menschen mit schwarzen Haaren in großer Verwirrung
Und die süßesten Mädchen waren sich sicher des Todes.
Und da herrschten Wachsen, Verfaulen, Schlaf und Erwachen,
Ruhe und Aktivität und Ruhm der Lorbeergekrönten,
Lärm und Stille, und vorherrschend war die Sprache der Mutter.
O ihr Sterblichen! O ihr armen Söhne der Trauer!
Ihr seid aus solchen Bedingungen nur wie Seufzer entsprungen!

Für die Toren machte Gott die verschiedenen Formen.


Alles in der Natur ist im Wandel, umhüllt sind die Seelen
Mit den verschiedenen Tuniken ihres sterblichen Fleisches.
Aber die würdigste Wohnung für die Seele des Menschen,
Wenn sie schon leben muss in der Form eines tierischen Körpers,
Sind die majestätischen Löwen, Tiere, die schlafen
Formschön auf der Erde an dem Fuße der Berge.
Aber wenn sie in Form von schön beblätterten Bäumen
Leben, ist die Eiche die würdigste Form für die Seele.

In dem goldenen Zeitalter war nicht Ares der Herrgott,


Auch nicht Zeus, der Vater der Götter, auch nicht Saturnus,
Auch nicht Poseidon, sondern es herrschte die Königin Kypris!
Diese haben die Menschen mit heiligen Opfern beruhigt,
Opferten nur gemalte Bilder lebendiger Wesen
Oder mit süßem Wohlgeruch die teuersten Salben
Oder sie brachen das süße Opfer zerriebener Myrrhe
Oder des duftenden Weihrauchs, gossen den Wein auf die Erde,
Opferten goldenen Honig, den sie mit Blut nicht vermischten,
Keine Stiere wurden geschlachtet am Opferaltare,
Unter den Menschen ward es angesehen als Übel,
Leben zu töten und ihre köstlichen Glieder zu essen.

War nun unter den vielen Menschen einer ein höchster


Mann von ausgedehntem Wissen, mit reichem Verständnis
Und ein Meister verschiedener Werke der Kunst und der Weisheit,
Der den ganzen Umfang und die Reichweite suchte
Der Vernunft, ein solcher gedieh in seltener Zeit nur.

In dem goldenen Zeitalter waren zahm alle Dinge


Und voll Sanftmut gegenüber den sterblichen Menschen,
Alle Tiere und Vögel waren mit Menschen befreundet
Und die freundliche Flamme brannte schön für den Menschen.

Du unsterbliche Jungfrau, o Muse, du könntest geruhen,


Diesen unseren armen menschlichen Sorgen zu geben
Eine Pforte zu deiner Seele, mehr noch, o Muse,
O Kalliope mit der schönen lieblichen Stimme,
Sei mir nah, wenn ich singe Gedanken der seligen Götter.

Wohl dem Mann, der gesichert hat sein reiches Vermögen


Göttlichen Denkens! Ach, erbärmlich der Mann, dessen Pflege
Ist die Finsternis eitler törichter Spekulationen!

Zwar wir sehn es vielleicht nicht mit den sterblichen Augen,


Zwar wir können es nicht begreifen mit menschlichen Händen,
Hände und Augen erkennen es nicht, doch der Pfad zu der Wahrheit
Kommt allein durch den Glauben in die Köpfe der Menschen.

Es ist nicht geschmückt mit menschenähnlichen Kopfe,


Von den Schultern schwingt sich nicht die Verzweigung der Arme,
Es hat keine Füße und keine Schenkel und ist nicht
Aus den Elementen gemischt, doch ist es lebendig,
Ist der heilige Geist, der unaussprechlich und einzig,
Der durchs Universum pfeilt mit schnellen Gedanken.

Aber das große Gesetz, dem alle beugen sich müssen,


Ist das Urteil des Äthers und des strahlenden Himmels.

Wollt ihr nicht mehr den großen Lärm der Schlachtung von Tieren?
Wollt ihr denn nicht sehen, gedankenlos, wie ihr dahin lebt,
Wie ihr einander zerreißt in Ermangelung jeglicher Weisheit?

Weh euch! Der Vater erhöht für den Schlag des grausamen Todes
Seinen eigenen Sohn und bringt ihn als Gabe zum Opfer,
Schlitzt ihm die Kehle auf als Opfer zu lauten Gebeten,
Ein verblendeter Narr ist der Vater! Die elenden Opfer
Flehen zu ihrem Zerstörer. Aber taub ist der Vater
Seinem kläglichen Stöhnen, seinem elenden Jammern.
Sondern er schlitzt ihm die Kehle auf und bereitet zuhause
Eine schreckliche Opfermahlzeit. So greift der Vater
Seinen Sohn und die Mutter schlachtet die eigenen Kinder
Und die eigene Leibesfrucht, fressen ihr eigenes Fleisch auf!

Weh mir, dass nicht einst ein unbarmherziger Tag mir


Hat mein Leben getötet, ehe die Lippen verkünden
Mussten die monströsen Verbrechen der Schlachtung der Kinder!
Dummkopf, halte zurück die Hände vom Lorbeer des Phöbus!
Ihr erbärmlichen Narren, ihr ganz elenden Toren,
Haltet die Hände zurück von den Bohnen, dem Wohnsitz der Ahnen!
Weder erfreuen die Sünder die Tempel des Vaters Kronion
Noch der rächenden Göttin Hekate heilige Hallen.
Frevler, es kommt von euren bösen Taten nur Unheil,
Darum sollt ihr das Leben verbringen in ewigen Schmerzen!

Aber die Seher der Ewigkeit und die Sänger der Hymnen,
Ärzte der Naturmedizin und die Häupter der Menschheit
Sollen dahin kehren, woher gekommen die Götter,
Und dort ausgezeichnet werden in Ehren vom Himmel.
An dem eigenen Herd und in der kultischen Feier
Mit den unsterblichen Göttern in trauter Vereinigung lebend,
Werden die Heiligen schließlich erlöst von den irdischen Schmerzen.

PARMENIDES

Pferde tragen mich immer so weit, als es wünscht meine Seele,


Und so brachten sie mich und stellten mich auf den berühmten
Weg der Göttin, die mit eigenen Händen den Mann führt,
Die aus sich selbst alle Dinge weiß. So ward ich getragen,
So haben weise Rosse meinen Wagen gezogen,
Mädchen wiesen den Weg mir. Die Achse glüht in der Narbe,
Denn es waren runde wirbelnde Räder am Ende,
Mädchen vermittelten mir ihr Licht, ließen sinken den Schleier,
Gaben Töne wie Flötentöne, die Töchter der Sonne.
Ich ging von ihren Gesichtern, verließ die nächtliche Wohnung.
Dort gibt es Pforten der Möglichkeiten, Nächte und Tage,
Oben mit einem Türsturz und unten mit steinerner Schwelle,
Hoch in der Luft, sie werden von mächtigen Türen geschlossen,
Und die Gerechtigkeit hält die Schlüssel, diese zu öffnen.
Mädchen bitten mit Überredung und zärtlichen Worten,
Ohne Einwand den Riegel von den Toren zu lösen.
Dann, als die Türen wieder waren verschlossen, sie wiesen
Weit mir den Weg, die dreisten Scharniere schwangen nach hinten,
Waren mit Nieten und Nägeln befestigt. Grad durch sie führten
Auf dem breiten Wege die Mädchen Pferde und Wagen.
Und die Göttin begrüßte mich freundlich und nahm meine Hände
Freundlich mit ihren Händen und sprach zu mir diese Worte:
Herzlich willkommen, Knabe, in meiner himmlischen Wohnung,
Kommst du zu mir mit dem Wagen, gelenkt vom unsterblichen Führer.
Das ist nicht Zufall, sondern Recht und Gerechtigkeit ist es,
Die dich schickte auf diesen Weg der heiligen Reise.
Dieser Weg unterscheidet von ausgetretenen Pfaden
Törichter Menschen sich. Und so sollst du alles auch lernen,
Unerschütterlich in dem Herzen die Wahrheit bezeugen,
Anders als die Meinungen sind der sterblichen Menschen,
Gibt es in ihnen doch überhaupt keinen wahrhaftigen Glauben.
Du wirst diese Dinge lernen, beurteilen musst du
Die Erscheinung der Dinge, den Schein, den verehren die Leute,
Du aber gehe den Dingen auf den Grund als ein Pilger.

Komm jetzt, ich möchte dir sagen, und höre meine Gedanken,
Trage sie weiter. Es gibt zwei Möglichkeiten des Denkens.
So die erste Überzeugung: Seiendes ist es
Und unmöglich kann es ein Nichtseiendes auch sein.
Wahrheit ist dieses Gedankens höchste Führerin. Aber
Eine andere Überzeugung ist es, dass Nichts ist,
Dass das Etwas ein Nichts ist, unglaubwürdigerweise,
Denn zu wissen ein Etwas, das Nichts ist, unmöglich ist dieses.

Das ist nämlich eins: Was man denken kann und was sein kann.

Das muss sein, was man denkt und was ausgesprochen soll werden,
Unmöglich ist es ein Seiendes und ein Nichts auch. Dies ist es,
Was ich dir sage, denke drüber nach, mein Geliebter.
Untersuche die eine und die andere Meinung.
Sterbliche sollen wissen und nicht spazieren im Zweifel,
Zögernd nicht führen das wandernde Denken ins Innre des Busens,
Dass sie getragen werden wie taube erblindete Menschen.
Unwissend ist die Masse der Menschen, die nämliche Sache
Ist und ist auch nicht in ihren verschleierten Augen,
So gehn sie in entgegengesetzte Richtungen immer.

So können nie auch bewiesen werden nichtseiende Dinge.


Halte zurück dein Denken von dieser Art der Gedanken,
Auch nicht aus Gewohnheit werfe dein Auge auf diese
Hinterhältigen Spuren oder die durstigen Ohren
Oder die herrschende Zunge. Widerlege die Meinung
Auf subtile Art durch das Wort der Göttin der Wahrheit.
Aber ein Weg ist da für uns, der rechte der Wege,
Davon zu sprechen, nämlich vom Seienden. Darin ist Inhalt,
Seiendes, Unerschaffnes, Unverwüstliches, Einssein,
Unbeweglichkeit und Vollkommenenheit, Ewiges, Alles,
Auch wars immer schon da und wird es immer auch da sein,
Nun ists, alles auf einmal, kontinuierliches Dasein.
Welchen Ursprung deines Daseins willst du sonst suchen?
Wie und aus welcher Quelle würde erhöht sonst dein Leben?
Das lass ich nicht zu und das will ich dir auch nicht sagen,
Dass du aus dem Nichts gekommen wärest, das Nichts ist
Nicht, man kann es nicht denken, man kann vom Nichts auch nicht sprechen.
Falls du aus dem Nichts kämst, wie wär es notwendig gewesen,
Dass du später entstanden oder früher entstanden?
Daher ist überhaupt ein Seiendes oder alles ist nichtig.
Auch wird die Macht der Wahrheit nicht leiden, dass etwas entstehe
Neben ihr in irgendeiner Weise. Und darum
Wird die Gerechtigkeit ihre Bande nimmer verlieren,
Oder nichts mehr werden lassen oder vergehen.
Ists oder ist es nicht? Gewiss, es ist, wie es sein muss,
Dass wir den falschen Weg als undenkbar legen beiseite,
Aber der richtige Weg ist realistisch und wahrhaft.
Wie also kann auch Seiendes sein in kommenden Tagen
Oder wie kann es entstehen? Wenn es aus Nichts ist geworden
Und im Nichts auch vergeht, so ist es alles nur nichtig.
Aber das Seiende ist nicht teilbar, ist immer sich gleichend,
Nicht gibts an einem Orte mehr davon als am andern,
Nicht wirds mehr oder weniger, da doch alles erfüllt ist.
Darum hält alles zusammen das Seiende, was in Kontakt ist
Mit dem Sein. Auch ist es unbeweglich in Banden
Mächtigster Ketten, auch ohne Anfang und auch ohne Ende,
Seit es Werden und Vergehen gibt, treibts in der Ferne,
Wahrer Glaube wirft es nicht weg, das ewige Dasein,
Es ist immer dasselbe und verweilt in sich selber
Und es liegt in dem Eignen stets an der selbigen Stelle.
So ists an seiner Stelle bleibend. Notwendigkeit hält es
In den gewissen Banden der Grenze auf jeglicher Seite.
Darum ists nicht unendlich, auch brauchts nichts. Wär es unendlich,
Würde es alles stehen in Notwendigkeit. Es ist
Eins, was existiert und was gedacht wird im Denken.
Denn Gedanken können nichts finden, das nicht ist etwas,
Dem sind sie verlobt. Und wahrlich, es ist auch nicht anders,
Denn das Schicksal hat es angekettet ans Ganze,
Unverrückbare. Diese Dinge haben den Namen,
Darum glauben die Sterblichen, dass die Dinge auch wahr sind,
Nämlich Werden und Vergehen, Sein oder Nichtsein,
Wechsel des Ortes oder Änderung leuchtender Farbe.
Wo also ist die entfernteste Grenze, ist es vollendet
Und vom Zentrum in alle Richtungen ist es vollendet
Wie die Masse einer abgerundeten Kugel.
Nicht ists irgendwo kleiner oder größer woanders,
Denn es ist nicht mehr hier oder weniger dort, denn
Es ist unverletzlich, sich gleich in jeglicher Richtung,
Und ist beschränkt auch innerhalb seiner eigenen Grenzen.
Hier soll ich schließen meine vertrauenswürdige Rede
Und Gedanken über die Wahrheit. Lerne nun kennen
Du der Sterblichen Meinungen, leihe dein Ohr nun dem Irrtum.
Von zwei Formen sprechen in ihren Köpfen die Toren,
Das ists, wo sie in die Irre gehn von der Wahrheit.
Nämlich sie weisen entgegengesetzte Substanzen zu jedem,
Voneinander unterschiedne Markierungen, nämlich
Auf der einen Seite das Feuer des Himmels, das leichte,
Dünne, in jeder Richtung das Gleiche, aber nicht gleich der
Dunklen Nacht, dem kompakten schwergewichtigen Körper.
Ich aber sage dir die gesamte Anordnung, Liebling,
Dass kein Sterblicher dich kann übertreffen in Weisheit.

Jetzt werden alle Dinge benannt nach Lichtschein und Dunkel.


Und die Dinge stehen unter der Leitung von einem
Dieser beiden. Alles ist voll von Licht oder Dunkel.
Aber da hat das eine nichts zu tun mit dem andern.

Und du kennst den Ursprung von allem, die heilige Höhe,


Alle Zeichen am Himmel und die prächtigen Werke
Von der glühenden Sonne klaren lodernden Fackel
Und woher sie kam, und du sollst ebenfalls lernen
Über die wandernden Taten des runden Gesichtes des Mondes
Und die Herkunft des Mondes, sollst auch kennen den Himmel,
Der uns umgibt, und wie er entstand und die Grenzen der Sterne.

Lern, wie die Erde, der Mond und die Sonne, der Himmel entstanden,
Allen gemeinsam, und die Milchstraße und der Olympus,
Wie entstanden sind die glühenden Mächte der Sterne.

Engere Kreise, mit ungemischtem Feuer erfüllte,


Um sie herum die Nacht, und in der Mitte der Binsen
Ist ihr Anteil an Feuer. In der Mitte der Kreise
Ist die heilige Gottheit, leitet alle die Dinge,
Leitet die Zeugung und die Schmerzen der Wehen nach Regeln,
Treibt das weibliche Wesen in die Arme des Mannes,
Treibt das männliche Wesen an den Busen des Weibes.

SAPPHOS ODEN

In dem Goldthron inthronisierte Charis,


Gottes Tochter, Weise, die ich verehre,
Göttin, meine Seele beherrsche, meinen
Kummer zerstreue!
Komm, wenn je vernommen du meine Stimme,
Lasse deines Vaters Palast im Himmel,
Wenn du je in älteren Zeiten kamest,
So komm auch heute.

Göttin, auf dem strahlenden Wagen komme,


Spatzen ziehn ihn, über der Erde schwebend,
Führen ihn vom Himmel herab, die eilig
Spreizen die Flügel!

Kamst du durch der Erde Portal, das breite,


Schautest du mit ewigem Antlitz lächelnd,
Fragtest, was ich leide, was für ein großes
Weh mich beschwere?

„Wie verzehrt dich alles verzehrend Liebe?


Überredungskünste beherrscht doch Peitho,
Wen soll sie bereden, dass sie dich liebe?
Sappho, wer kränkt dich?

Noch verschmäht sie dich, doch bald ist sie freundlich.


Jetzt nimmt sie Geschenke nicht an, bald schenkt sie.
Jetzt verschmäht dein Lieben sie, bald doch liebt sie,
Bald kommt sie zu dir!“

Komm jetzt wieder zu mir, zerstreu die Sorgen,


Ist die leidenschaftliche Seele traurig,
Meinen Herzenswunsch mir erfülle, sei mir
Freundin, o Göttin!

II

Der vor deinem strahlenden Antlitz sitzet,


Scheint mir gleich den himmlischen Göttern selig,
Wenn er hört dein Wort voll charmanter Gnade,
Freudiges Plaudern.

O du lachst ein Lachen der reinen Freude,


Und in meinem Busen das Herz vor Liebe
Flattert wild vor deinen geliebten Augen,
Und ich verstumme,

Meine Zunge ist mir gelähmt, ein Feuer


Meine Glieder völlig verzehrt und meine
Augen sehn nichts, und es rumort das wilde
Chaos im Ohr mir,

Heißer Schweiß rinnt an mir herab in Strömen,


Meines Leibes Glieder ergreift ein Zittern,
Ich bin leichenblass und mein Blut stockt, ich bin
Nahe dem Tode!

III

Wie deine Lichtgestalt mir erschienen, wars,


Als ob mir Herrin Hera erschien im Traum.
Da sprach man brünstige Gebete,
Beteten königlich Atreus' Söhne.

Als sie des Ares Arbeit beendet, dort,


Wo strömend der Skamandros beschleunigt fließt,
Sie kamen hierher in die Heimat,
Aber nach Argos nicht kommen könnend,

Bis sie dann flehten Zeus an, den Gott und Herrn.
Thyone auch, das liebliche Kind, Gebet
Sprach fromm mit Weihrauch, deren Bürger
Halten die alten Gelübde heilig.

IV

Ein Gott hat uns bezaubert, Gongyle!


Die Kinder sahn ihn sichtbar,
Denn Hermes selber wars, der kam zu mir.

Ich sah ihn nicht, doch sagte ich: O Herr,


Nicht Reichtum ist mir Wonne,
Nur dass ich bei der Herrin wär im Haus.

Der Tod ist alles, was ich noch begehr,


Zu sehn die Lotosblumen
Im Garten im Elysischen Gefild.

Du bist gekommen, gekommen, zu meiner riesigen Freude!


Denn ich hab mich gesehnt nach deinem willkommenen Anblick,
Mir im Herzen hast du die Flamme der Liebe entzündet,
Schon bevor du gekommen, brannte die Flamme der Liebe.
Herzlich Willkommen wünsche ich dir, begrüße dich herzlich,
Wünsche, dich begrüßen zu dürfen wieder und wieder,
Zu lang waren die Zeiten, da du abwesend warest.

VI

Mir zu zeigen Dankbarkeit, das verweigerst du bitter,


Doch von schönen Worten zur siebensaitigen Leier
Fernzuhalten deine Freunde, das wähltest du, Stolzer,
Und mich vorwurfsvoll anzugreifen mit bissigen Worten.

Nun, so ist es! An Unverschämtheit satt werden willst du,


Willst ermöglichen deiner Wut, im Herzen zu schwellen.
Darum niemals nachlassen könnte meine Verachtung,
Wegen des grausamen Zornes, den ich fürchten muss, leider!

VII

O Charis! Fand er dich denn nur bitter? Ach!


Und hat er denn verdient diesen Spott und Hohn?
Sie hat nun einmal ihn gefesselt,
Doricha ist sein ersehnter Liebling!

VIII

Ihr Nereiden, heilige Nymphen ihr,


Mein Bruderherz zurückkehren sicher lasst,
Gewährt ihr sonst auch keine Wünsche,
Ihm doch gewährt seines Herzens Sehnsucht!

Verlassen soll ihn all seine Schwäche und


Zur Freude soll er werden den Freunden treu,
Ein Schrecken aber seinen Feinden!
Nicht will ich trauern um meinen Bruder!

Sein Schwesterherz zu ehren sei er bereit,


Dass nicht ihr Herz erfüllt wird von Traurigkeit!
Jetzt stillt mir meine großen Leiden!
Niedergeschlagen ist meine Seele!

Denn meines Bruders Schmach ist gedrungen mir


Von fern in meine Seele, vernichtet mich,
Zu sehn bei den erregten Bürgern
Schwatzhaften Klatsch voller böser Reden!

Doch wenn mein Lied begeisterte je dein Herz,


O schöne Liebesgöttin, erhöre mich:
Vom Weh, vom Bösen uns erlöse!
Jage die Feinde hinweg ins Dunkel!

IX

Für mich war sie ein schönes Kind, behaupte ich,


Die Form wie goldne Blumen. Kleis nannt ich sie,
Geliebte Kleis, jung und alt bestaunten sie.
Und ist auch jede Lydia sehr schön, doch ach,
Sie können nicht ersetzen das vermisste Kind!

X
Einige denken, das Schönste sei's in der göttlichen Schöpfung,
Auf dem Pferde zu sitzen oder Waffen zu tragen,
Kriegsschiffe finden bei manchen die höchste Bewunderung, aber
Meine Seele schätzt es vor allem, dass ich geliebt bin!

Und es ist auch nicht schwer für mich, jeder Schönheit zu folgen.
Selbst die herrliche Helena, diese Schönste der Schönen,
Wenn auch viele sterbliche Schönheiten stolz waren leider,
War vor allem berühmt für ihres Liebhabers Pflege.

Und vergessen hatte die Eltern sie, selbst ihre Tochter,


Und ist Paris gefolgt, die das glorreiche Troja zerstörte.
Fern von den Freunden und der Heimat brachte die Frau er,
Der verführt war von Eitelkeit leidenschaftlicher Liebe!

Denn eine Frau, die leichtfertig ist, versucht es doch immer


Und nimmt leichtsinnig unüberlegt den, der ist in der Nähe.
So auch meine Anaktoria, die du dich leider
Nicht erinnerst an mich voll Sehnsucht und heute nicht hier bist!

Aber von deinem schönen Fußfall möcht ich wohl hören,


Wie du ziehst die Strahlenflut deiner leuchtenden Augen
Von dem Lärm der Kriegswagen ab und stürzt als Verrückte,
Wegen der Lydier, in der gepanzerten Kriegsmänner Schlachten!

Ach ich weiß, die Menschen gewähren sich niemals das Beste,
Es ist besser, nicht nach dem Guten und Besten zu fragen,
Was die Menge dir gibt, mit diesem sei nur zufrieden,
Denn umsonst ist das Streben nach dem Hohen und Höchsten.

XI

Gebrochen ist mein Herz! O stille mir mein Leid!


Ich sehn mich traurig in der Trübsal nach dem Tod!
Sie weinte und erfüllte mich mit Traurigkeit.

Und oftmals wollte also sprechen sie zu mir:


Ach weh mir, weh! Was für ein Elend mich bedrückt!
Dich zu verlassen, Sappho, das bricht mir das Herz!

Dann gab ich Antwort ihr und streichelte sie sanft:


Mit meines tiefsten Herzens Segen gehst du fort!
Erinnre dich an mich! Du weißt, ich liebe dich!

Weit mehr als an den bittern Abschied denke du


An jene schöne Zeit, die wir vereint gelebt!
O denk an mich und ja, an Gott im Himmelreich!

Sind viele Kränze von bescheidnen Veilchen blau,


Basilikum und Thymian und Rosen blühn,
Dein Liebeszeichen, das du mir gegeben, Schatz.
Und duftende Girlanden, Blüten aus dem Lenz,
Die flochtest du sehr schön und brachtest du mir oft,
Die ranken über mir nun voller Zärtlichkeit.

Und teure Salben auch von seltnem süßen Duft


Und königlichen Balsam für dein schönes Haar
Hast du gegossen häufig auf dein holdes Haupt.

XII

In der Lyder goldenen Stadt, dem strahlenden Sardes,


Mit der schönen Arignota mein Herz ist für immer,
Und Atthis oftmals denkt an sie,

Denkt an uns, wo wir zusammen leben in Liebe,


Denkt daran, wie sie dir göttliche Ehre gegeben,
Vernahm dein Lied mit großer Lust.

Aber nun wollen wir zu den Lydern, dort wo sie wandelt,


Sehen, wie die rosenfingrige Königin schimmert,
Die Mondin in der dunklen Nacht.

Denn die Mondin erobert die Sterne, glänzend im Glanze,


Gegenüber dem saftigen Ozean schimmert sie silbern
Und auf der Blumenwiese grün.

Wie erfrischend die Tautropfen auf den Blättern und Blüten,


Auf den purpurnen Rosen und dem Honigklee schimmernd,
Hibiskus ist jetzt voll erblüht.

Aber wenn sie denkt an Atthis, das zärtliche Mädchen,


Ist ihr Herz mit Sehnsucht und Wehmut und Kummer beladen,
Voll Angst durchstreift sie dann das Land.

Und sie ruft dann laut nach uns beiden, ihr dorthin zu folgen,
Doch vergeblich im Dunkel der tausend Ohren kommt hierher
Kein Wort der Liebe übers Meer.

XIII

O Gongyle, komm her zu mir,


Komm du im milchig weißen Kleid!
Ich liebe es, dir nah zu sein,
Wenn alles kündet deinen Charme.

Der bloße Anblick deines Kleids


Bringt einen Nervenkitzel mir.
Zu meiner Freude Charis ist
Verzweifelt fast vor Eifersucht.
XIV

Lange ist es her, wie viele Jahre,


Atthis, dass du meine Liebe kanntest.

XV

Ein kleines Kind du schienest mir zu sein,


Ich konnte keine Grazie in dir sehn.

XVI

Dass du nicht denkst an mich, ach Atthis, das ist abscheulich!


Jetzt Andromeda huscht um dich, du ziehst sie mir vor!

XVII

O Hero, fahrend auf dem Schiff, bericht ich dir,


Wer von Gyara alles ward hierher gebracht.

XVIII

Eranna! Nimmer, wo ich je gewesen bin,


Hab ich verächtlich je auf dich herabgeschaut!

XIX

Obwohl die reizende Gyrinno zärtlich ist,


Weit reizender ist wahrlich Mnesidice doch.

20

Mnesidice, leg einen Kranz in die herrlichen Locken,


Winde mit zarten Händen Anisblüten dir in die Zöpfe,
Blumengeschmückte Mädchen sind gesegnet von Charis
Und von ihr begünstigt, sie hasst die ohne Girlanden.

XXI

Sachte, sachte darfst du Ruhe finden


Auf den Brüsten deiner lieben Freundin.

XXII
Sie hat die jugendliche Blüte jetzt erreicht,
Die Zeit zum Kränzeflechen ist gekommen jetzt.

XXIII

Unter allen den Mädchen, für welche aufgeht die Sonne,


Jetzt und in kommender Zeit keine ist weise wie du!

XXIV

Weit mehr als ich ists heute jemand anderes,


Ach, deren Liebe deinem Herzen Kitzel schenkt.

XXV

Ach, du hast ganz und


Gar mich vergessen!

XXVI

So hebt das hohe Dach und gebt ihm Raum -


O Hymenäus!

Ihr Bauarbeiter, höher hebt das Dach -


O Hymenäus!

Wie jetzt der starke Krieger Ares kommt -


O Hymenäus!

Der Bräutigam ist größer als das Volk -


O Hymenäus!

XXVII

Seine Rivalen übertrifft er mit Leichtigkeit, so wie


Dichter von Lesbos die Dichter von Griechenland weit.

XXVIII

Lieber Bräutigam, wem soll ich deine Schönheit vergleichen?


Ich vergleich dich am besten dem Baum, dem schlanken, dem schönen.

XIX

Wie die süßen Äpfel, die röten im obersten Wipfel,


Oben am höchsten Ast, sich kurz den Sammlern nur zeigend,
Du erreichst die Braut nicht, obwohl sie so leicht ist zu sehen!

XXX

Deine Gestalt und deine Augen sind voll von der Gnade,
Honigsüß deine Lippen und dein heiliges Antlitz,
Du hast von Aphrodite die ewige Liebe empfangen,
Sie hat mir oft davon gesprochen, wie sehr sie dich lieb hat!

XXXI

In der ganzen Welt entdeckst du nimmer


Eine solche schöne Jungfrau, Liebster.

XXXII

Und wenn ich Braut bin, werde ich noch Jungfrau sein?

XXXIII

Magdtum, o keusches Magdtum, wie bist du von mir gegangen!


„Ich komm nimmer zurück, nein, ich komm nimmer zurück.“

XXXIV

Die Ehe hast du dir gewünscht


Und dass sie schön vollzogen wird.
O Bräutigam, dir ward das Glück,
Die Braut, die du bewundert hast,
Die ist nun deine Ehefrau.

XXXV

Gute Wünsche geben wir dem Bräutchen


Und dem Bräutigam an ihrer Seite.

XXXVI

Der Vater sprach: Ich gebe dir die Jungfrau gern.

XXXVII

Sieben Meter lang für die Füße der Torwächter brauchte


Und von fünf Ochsen die Häute für seine riesigen Schuhe
Und zehn Schuster wurden dafür in Arbeit genommen.

XXXVIII

Wie der lila Hyazinthe


Blüten auf dem Berge blühen,
Auf dem Boden mit den Füßen
Kehrend heim der Hirte trat sie.

XXXIX

Hesperus, du bringst die Dinge, die glänzend die Eos zerstreut hat,
Schafe und Lämmer und Ziegen und Zicklein bringst du nach Hause,
Der du den jungen Sohn lässt heimkommen auch zu der Mutter.

XL

(…)

XLI

Hektor und seine Genossen Andromache bringen nach Hause,


Strahlende Augen der schönen Dame über dem Salzmeer
Schauen nach ihren Schiffen aus Theben, von sprudelnden Bächen.
Jetzt das Gold am Armband, jetzt trägt sie Purpurgewänder,
Jetzt werden viele Schätze sie bringen von kunstvoll Gesticktem
Und unzählige Silbergefäße und Elfenbeinbecher.
Also sprach er. Sein lieber Vater kam atemlos hastig
Und durch die große Stadt ging schnell und rasend die Botschaft.
Ihren Maultieren legten Trojaner an kraftvollen Wagen
Zügel an, Wagen bestieg der festlichen Frauen Gedränge.
Schlankfüßig folgten alle die Jungfrauen, während beiseite
Saßen des Priamos Töchter auf pompöseren Wagen,
Männer spannten die Rosse an, alles Jünglinge kraftvoll,
Lauter Schreie der Wagenlenker gab die Befehle,
Ältere Frauen lärmten, die alle lauthals sich freuten,
In den lieblichen Lobpreis die Männer gossen die Stimmen,
Riefen den Fernhintreffer, dessen Leier klingt herrlich,
Als sie wie Götter Hektor und Andromache sangen.

XLII

Bis zum Rand war gefüllt der Krug mit Ambrosia, Nektar,
Hermes hat ausgegossen den Kelch den unsterblichen Göttern,
Ihnen allen aus heiligen Kelchen Trankopfer strömten,
Während dem Bräutigam sie ihre segnenden Glückwünsche boten.
XLIII

So wie der Sturm, der auf dem Berg die Eichen fällt,
Mit harten Schlägen Eros unsre Herzen rührt!

XLIV

Bittersüßes Geschöpf, du unbesiegbarer Eros,


Lässt meine Glieder erzittern und meine Seele erbeben!

XLV

Nicht mehr, o Mutter, kann ich es


Ertragen an dem Webstuhl still,
Durch Charis fühl ich für dies Kind
Wehmütig-süße Sehnsuchtsglut!

XLVI

Der Mond das Himmelreich verließ,


Plejaden haben sich gesetzt,
Und in der Zeit der Mitternacht
Ich lieg allein in Einsamkeit.

XLVII

Komm, Genossin, komm vor meine Augen,


Zeige meinem Blick der Grazie Einfluss!

XLVIII

Wirkst du für Ehre oder Gerechtigkeit,


Die schlimme Zunge wirst du bezwingen wohl,
Auf Demut wirst du nicht verzichten,
Offen die Wahrheit du weißt zu sagen.

XLIX

Ich werde immer dir eine Freundin sein,


Doch suche eine jüngere Braut dir aus,
Mein hohes Alter wird sich weigern,
Dass ich für immerdar bei dir bleibe.
L

Heiraten werd ich nie,


Ich bleibe Jungfrau rein!

LI

Die, denen ich gedient mit aller meiner Kraft,


Mit einer großen Täuschung sie vergelten mirs.

LII

Weit entfernt, dass auf seinem eigenen Kurs ihn der Wind trägt,
Kann er nur unterdrückt werden mit Sorgfalt und Müh.

LIII

Ach, ungehobelte Geschöpfe seh ich nur,


Die ihre Grobheit schön verschleiern mit der Pracht,
Was wissen sie denn nicht, zu tragen ihren Rock,
Des Rockes Saum bis zu den Knöcheln tragend keusch!

LIV

Eine freudenreiche Heimkehr


Wohl Andromeda verdiente.

LV

Der Gorgo tat der Liebesgott


Mehr als genug, mehr als genug!

LVI

Ach, wegen jenem Kinde von Polyanax


Ich biet euch einen herzhaft langen Abschied nun.

LVII

Wenn grimmer Tod die Augen dir schließen wird,


Wird keiner um dich trauern, du reiche Frau,
Denn an der Pieriden Rosen
Hast keinen Anteil du, ungebildet.

Für dich wird tönen keinerlei Klagelied,


Vielmehr wirst ungeliebt du und unberühmt
Hinab gehn in des Hades Wohnung,
Wenn du hinab schwebst zum Schattenreiche.

LVIII

Komm jetzt, Gottes Schildpatt-Leier,


Dein ist schöne Macht der Rede.

LIX

Ich bete: Lehr mich, Muse, die thront in Gold,


Lehr schöne Verse mich wie den Sänger einst
Von Teos, dessen Leier eine
Menge von Jungfrauen inspirierte.

LX

Mir haben Musen gnadenreiche Ehren verliehen,


Die mich die Künste gelehrt, ja, meine himmlische Kunst.

LXI

Wenig fehlt mir, scheint mir, und ich


Kann das Himmelreich berühren.

LXII

In der Zukunft, bin ich sicher,


Mein Gedächtnis wird begangen.

LXIII

Für diese Mädchen, denen Freundschaft mich vereint,


Zu ihrer Freude klingen soll dies schöne Lied.

LXIV

Und wessen Ehre man als standhaft je befand,


Verpflichtet bin ich euch mit einem treuen Bund.

LXV

Ich hab nicht einen bösen Geist,


Bin liebend wie ein kleines Kind.

LXVI

Mir im Herzen brennt das Feuer


Heiß vor Sehnsucht und Verlangen!

LXVII

An wunderschönem Luxus sich erfreut mein Geist,


Ich lieb die goldne Sonne, ihrer Strahlen Licht.

LXVIII

Nein, ich sang nicht Klagelieder jammernd den Musen,


Und ich trug auch kein Leid, weil sich mein Wunsch nicht erfüllt.

LXIX

Wenn Leidenschaft im Wüten dich gefangen nimmt,


Der Zunge Stottern, Stammeln ich ertrage nicht.

LXX

Die Menge liebt allein, was schön den Augen ist,


Doch vielmals schöner scheinen die Gerechten mir.

LXXI

Den Reichtum, der mit Tugend nicht verbunden ist,


Den möcht ich wahrlich nicht an meiner Seite sehn.

LXXII

Nicht blähe auf dich wegen einem Ding,


Das nicht mehr wert ist als ein goldner Ring!

LXXIII

Steinerne Trümmer
Lasse allein du.

LXXIV
Für mich keine Honigwabe,
Für mich keine Honigbiene.

LXXV

Wohl die Kinder lieben Gello,


Gello liebt noch mehr die Kinder.

LXXVI

Götter haben entschieden: Jeder Mensch hat zu sterben!


Würde der Tod doch vorübergehen, wenn es denn gut wär.

LXXVII

Vollmond hat ein Silberantlitz,


Wenn der Mond am hellsten schimmert.
Wenn die Kugel ganz in Brand steht,
Sterne bergen ihren Lichtglanz.

LXXVIII

Von allen Sternen dieser Stern


Erscheint am allerschönsten mir.

LXXIX

Kühles Wasser tropft von oben


Durch die Apfelbäume.
Schlummer tropft von ihren Blättern
Wie in Kinderspielen.

LXXX

Goldne Kichererbsen leuchtend


Wuchsen an dem Strand des Meeres.

LXXXI

Bei Ebbe ist ihr Leben eine Strömung kühl,


Gefiedert ihre Flügel hängen schlaff herab.

LXXXII
O die schöne Frühlingsbotin!
Süß die Nachtigall singt Lieder.

LXXXIII

Was ist die Botschaft, die du heute bringen willst,


O schöne Schwalbe, Töchterchen des Pandion?

LXXXIV

Charis, komm zu unserem Festbankette,


Komm zu uns mit goldenen vollen Bechern,
Gieße ein den schimmernden Götternektar
Üppigen Jubels!

LXXXV

Der Insel Zypern schenke deine Gegenwart


Und Paphos und Panormus soll gesegnet sein.

LXXXVI

Akzeptiere von mir auf deinem Altar eine Ziege,


Drauf ein Trankopfer auch bringe vom Weine ich dar.

LXXXVII

O Charis, du mit Gold gekrönt,


Lass schaun mich deine Herrlichkeit!

LXXXVIII

Geboren wurdest du auf Zyperns Inselreich,


In unsern Träumen haben wir dich oft geschaut.

LXXXIX

Was, Sappho, nennst du immer nur allein


Die Göttin Charis deine Segensspenderin?

XC

Nicht für dich nur ist die Gnade,


Auch für meinen Diener Eros.
XCI

Nimm du nur den Purpurschleier


Für der Locken langes Wallen.
So ich schick dir meine Spende,
Eine kostbar seltne Gabe.

XCII

Schau, Aphrodites Magd,


So strahlend hell wie Gold!

XCIII

Der schöne Herr Adonis tot!


O Charis, sag, was soll ich tun?

O Jungfrau, schlag dir an die Brust


Und reiß dein schönes Kleid entzwei!

XCIV

O liebe Musen, kommt zu mir,


Verlasst doch euer goldnes Haus!

XCV

Musen mit schönen Haaren und ihr Grazien niedlich,


Hierher kommt eilig, empfangt tönenden Lobpreis von mir!

XCVI

Ihr mit den Waffen der rosigen Blüten,


Grazien, kommt bitte eilig zu Sappho!

XCVII

Kommt bitte, Grazien, denn ihr sollt wissen,


Längere Zeiten schon flattert das Herz mir!

XCVIII

Zu mir gekommen die Morgenröte in goldnen Sandalen,


Die ihr herrliches Licht heute mir lächelnd gezeigt.

XCIX

Ein Ei, umschlungen von den Hyazinthen schön,


Man sagte, dass von Leda es gefunden ward.

Mit eigner Kraft er konnte, sagte Ares einst,


Hephästus tragen in die weite Ferne leicht.

CI

Unter dem Himmel Gott Hermes fliegt schleunig,


Herrlich bekleidet mit purpurnem Mantel.

CII

Die Frauen, während hell der Vollmond leuchtet nachts,


Im Kreise stehen um den heiligen Altar.

CIII

Rund um den Altar die Jungfraun von Kreta


Schlagen den Takt zu den reizenden Tänzen.

CIV

Sanft auf die zärtlichen Spitzen des Grases


Und auf die Blüten die Jungfrauen traten.

CV

Ein schönes Mädchen – so was Schönes gibt es nicht -


Hab ich gesehn in einem Meer von Blüten jüngst.

CVI

Die Harfe kann nicht immer tönen schön und süß,


Auch edles Gold kann Gold im Überflusse sein.

CVII
Die Füße nackt in feinem Leder, reich gefärbt,
Der Lyder Werk die nackten Füße mir verbarg.

CVIII

Auf das weiche Kissen samtig


Meine Glieder leg ich müde.

CIX

Eine Decke, eine feine,


Über ihn mit Sorgfalt legt er.

CX

Vor ihren Augen jetzt erhob sich furchtbar groß


Die schwarze schreckenvolle Dunkelheit der Nacht.

CXI

Keine Ahnung, was zu tun ist,


Meine Seele ist gespalten...

CXII

So wie ein Kindlein hinter seine Mutter her,


Und trotzdem ich zu flattern immer noch hab Lust.

CXIII

Hab es beigebracht mir selber,


Weisheit lernt ich ohne Hilfe.

CXIV

Kinder, wenn mich jemand fragen sollte,


Sprachlos zwar, ich möchte Antwort geben,
Unermüdlich steht vor meinen Füßen
Dieser Worte Redekunst geschrieben:
Ich bin Leto, dies mein Mädchenname,
Und ich bin verbunden mit Arista,
Hermoclides' Tochter. Sei, o Herrin
Aller Frauen, gnädig deiner Sklavin!
CXV

Hier wird geweiht das Ruder von seinem Vater Meniskus,


So hat Pelagon gelebt elend als Fischer und arm.

CXVI

Dies ist der Staub der Toten, die vor der Vermählung gestorben,
Die von Persephone ward empfangen in finsterer Kammer,
Aber, obwohl sie tot war, ist auferstanden sie neulich,
Ihre Freunde sahen die Augenweide der Brüste!

HORAZ ODEN

I, 5

Was für ein schlanker Jüngling, o Pyrrha,


Ertrunken in flüssigen Düften,
Fordert dich auf
Unter Schauern von Rosen
In der angenehmen Höhle?
Für wen denn frisierst du dein Haar
Mit schlichter Eleganz?
Wie oft wird er weinen,
Weil du die Treue gebrochen
Oder über den Willen der Götter!
Ah, er wird sich wundern,
Vom Regen überrascht
Und von dunklen Stürmen,
Der heute noch dich genießt
Und glaubt, du seist die goldene Venus,
Der denkt, du seist die immerwährende Jungfrau
Und dass deine Schönheit nie verwelkt
Durch die tückischen Kinder.
Elend ist der, den du blendest,
Während du immer noch unerprobt bist.
Was mich betrifft:
Die Votiv-Tafel häng ich im Tempel auf
Und meinen nassen Mantel
Der Gottheit, die Macht übers Meer hat.

I, 8

O Lydia, sag mir, bei allen Gottheiten,


Warum ruinierst du Sybaris
Mit den Stürmen der Leidenschaft!
Warum kann er plötzlich nicht mehr leiden
Den sonnigen Marktplatz,
Der sonst so sehr geliebt
Den Staub und die Sonne!
Warum reitet er nicht mehr
Mit seinen frommen Freunden
Und warum liebt er nicht mehr
Die französische Zunge!
Warum fürchtet er nun,
Die Tiber zu berühren!
Warum enthält er sich des Salböls der Athleten,
Als wäre es Venom von Vipern!
Er erscheint nicht im Kampf mit den Waffen
Und nicht mehr mit dem Diskus
Und schleudert die Lanze nicht mehr!
Warum muss er sich verstecken
Wie Achill, der Meeresgöttin Thetis Sohn,
Bevor er Troja ruinierte!
Hat man ihn etwa weggeschleppt
Zur Schlachtbank,
Zur lykischen Armee?

I, 13

Lydia, wenn du laut