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BABYLONISCHE POESIE

VON TORSTEN SCHWANKE

GILGAMESCH-EPOS

ERSTER GESANG

Der alles sah und der das Land regierte,


Die Ferne kannte, Jegliches erfasste,
Zur Kenntnis hat bestimmt ihn Gott der Vater.
Geheimes sah er und Verborgnes sah er,
Hat Kunde auch gebracht von vor der Sintflut,
Fuhr ferne Wege, er war matt und frisch,
Auf einen Stein hat er die Müh gemeißelt.
Die Mauer baute er um Uruk-Gart,
Ums heilige Eanna, unsern Hort.

Die Mauer sieh, die Friese sind wie Bronze,


Beschau den Sockel, nichts ist ihm vergleichbar,
Den Eckstein sieh, seit Urzeit ist er da,
Komm nach Eanna, hier wohnt Göttin Ishtar,
Kein Mensch, kein König kann das Gleiche machen,
Steig auf die Mauer dann von Uruk, geh,
Die Gründung prüfe, sieh die Ziegel an,
Ob auch die Ziegel nicht aus Backstein sind,
Den Grund nicht legten selbst die sieben Weisen!
Ein Sar die Stadt, ein Sar die Palmengärten,
Ein Sar die Niederung des breiten Flusses,
Dazu kommt der Bereich des Ishtar-Tempels,
Drei Sar umschließen den Bereich von Uruk.

Urkundenkapseln sind aus Kupfer, schau,


Nimm ab davon das sichre Schloss von Bronze.
Die Türe öffne zum verborgnen Schatz,
Die Tafel lies von Lapislazuli,
Wie Gilgamesch durch alle Drangsal zog!
Der größer ist als alle Könige,
Von schönem Aussehn und von großem Ruhm!
Der Held, der Sprößling Uruks, starker Stier,
Er geht voran, er ist der Allererste,
Geht hinterher, die Stütze seiner Brüder,
Ein starkes Kampfnetz, seines Heeres Schirm,
Wie wilde Wasserflut zerstört die Mauern,
Sohn Lugalbandas, der an Kräften Reiche,
Kind der erhabnen Kuh, der Rimat-Ninsun.

Ehrfurchtgebietend der vollkommne Wildstier,


Der fand den Eingang in die hohen Berge,
Trank von Zisternen in dem Steppenland,
Der überfuhr das Meer zum Sonnenaufgang,
Ins Auge fasst er der Erde Enden,
Der überall das ewge Leben suchte,
Voll Krafdt gelangte zu Utnapischtim,
Der Städte baute, die die Flut zerstört.
Nicht ist er Ruhm für die umwölkten Menschen,
Kein König kann mit ihm verglichen werden,
So redet Gilgamesch: Ich bin der König!

Seit er geboren, ist sein Name herrlich,


Zwei Drittel Gott, ein Drittel nur ein Mensch,
Das Bildnis seines Leibes zeigt die Macht,
Die schöne Mutter gab ihm die Gestalt.

In Uruk geht einher er in den Hürden,


Kraft setzt er ein und schreitet wie ein Wildstier.
Kein Nebenbuhler ähnelt seiner Macht.
Er trommelt, die Genossen dann marschieren,
Die Männer regen auf sich über Willkür.
Ach, Gilgamesch lässt nicht den Sohn zum Vater,
Am Tag und in der Nacht er bäumt sich auf,
Klug, weise, kundig, stattlich, übermächtig!

Auch lässt er nicht die Jungfrau zum Geliebten,


Die Heldentochter sie, die Braut der Männer! -
Die Klage hörten oft die großen Götter,
Die Himmelsgötter riefen Gott den Vater:
Herr, schufest du nicht diesen starken Wildstier?
Kein Nebenbuhler ähnelt seiner Macht.
Er trommelt, die Genossen dann marschieren.

Ach, Gilgamesch lässt nicht den Sohn zum Vater,


Am Tag und in der Nacht er trotzt ganz wild!
Er ist der Hirte nun von Uruk-Gart,
Er ist ihr Hirte, doch ihr Unterdrücker!
Klug, weise, kundig, stattlich, übermächtig!

Auch lässt er nicht die Jungfrau zum Geliebten,


Die Heldentochter sie, die Braut der Männer! -
Die Klagen hörte nun der Vatergott.
Da rief man Aruru, die große Göttin:
Du schufest, Aruru, was Gott befahl,
Erschaffe wieder, was der Herr befielt!
Schaff einen Gleichen ihm an Herzens-Wildheit!
Sie sollen kämpfen. Uruk sich erhole.

Kaum dass Aruru diese Worte hörte,


Da schuf im Herzen sie, was Gott befahl.
Aruru wusch mit Wasser ihre Hände,
Kiniff Lehm sich ab und warf ihn draußen hin,
So Enkidu, den starken Helden schuf sie,
Den Spross der Nacht, begnadet von Ninurta,
Mit Haar bepelzt an seinem ganzen Leibe,
Mit Haupthaar reich versehen wie ein Weib,
Das Haupthaar wallte wie bei Nisaba.
Auch kannte weder Länder er noch Leute,
Bekleidet war er so wie Sumukan.
So fraß er mit Gazellen auch das Gras,
Er drängte zu der Tränke mit dem Wild,
Da ward ihm wohl am Wasser mit den Tieren.

Auf ihn stieß gegenüber nun der Tränke


Ein Jäger, ein gewaltiger Geselle,
Am ersten Tag, am zweiten und am dritten
Stieß er auf Enkidu am Rand der Tränke.
Der Jäger sah ihn, reglos ward sein Antlitz.
Da trat er mit den Tieren in sein Haus,
Er war erregt, er wurde starr und stumm,
Verstört sein Herz, sein Antlitz war umwölkt,
In seiner Seele Einzug hielt der Gram,
Sein Antlitz eines Wanderers Gesicht.

Der Jäger tat zum Reden nun den Mund auf,


Und also sprach zu seinem Vater er:
Ein Mann gekommen ist vom Steppenland,
Der Kräftigste und Stärkste er im Lande,
Der Himmelsfeste gleich ist seine Kraft,
Er streift im Steppenlande stets umher,
Beständig frisst er mit dem Wild das Gras,
Stets stehen seine Füße an der Tränke,
Aus Angst vermochte ich ihm nicht zu nahen.
Die Gruben, die ich grub, er füllte sie,
Die Netze, die ich spannte, riss er aus,
Und so entkamen mir die Steppentiere.
Er lässt nicht zu mein Werk im Steppenland.

Sein Vater tat zum Reden auf den Mund,


Und also sprach der Vater zu dem Jäger:
Mein Sohn, in Uruk wohnt doch Gilgamesch,
So stark, dass keiner kann ihn überwinden,
Der Himmelsfeste gleich ist seine Stärke.
Dein Antlitz wende du dem König zu
Und bring ihm Kunde von dem wilden Mann.
Er leihe eine Tempelhure dir!
Führ du die Tempelhure in die Steppe!
Das Weib wird überwältigen den Mann.
Wenn dann das Wild herankommt an die Tränke,
Dann wirft sie ab ihr Kleid, er schwelgt in Wollust!
Sieht er sie nackt, dann wird er gern ihr nahen,
Die wilden Tiere werden ihm dann untreu,
Die mit ihm aufgewachsen in der Steppe.
Nun auf den Rat des Vaters brach er auf,
Zu Fuß der Jäger ging zu Gilgamesch,
Er nahm den Weg und stand in Uruks Mitte:
O höre, Gilgamesch, und rate mir!
Ein Mann gekommen ist vom Steppenland,
Der Stärkste er im Lande, er hat Kraft,
Der Himmelsfeste gleich ist seine Stärke,
Er streift im Steppenlande stets umher,
Beständig mit dem Wild frisst er das Gras
Und immer weilt sein Fuß am Rand der Tränke.
Ich konnte ihm nicht nahn vor lauter Furcht.
Die Gruben, die ich grub, die füllte er,
Die Netze, die ich spannte, riss er aus,
Entrinnen ließ die Tiere er der Steppe,
Erlaubte nicht mein Werk im Steppenland.

Und Gilgamesch die Worte sprach zum Jäger:


Nun geh, o Jäger, führe du mit dir
Die Priesterin, die schöne Tempelhure!
Wenn dann das Wild herankommt an die Tränke,
Dann werfe sie ihr leichtes Kleidchen ab
Und so enthülle sie des Weibes Wollust!
Sieht er sie dann, so wird er gern ihr nahen,
Dann wird das Wild ihm sicher untreu werden,
Das mit ihm aufgewachsen in der Steppe.

So also ging der Jäger, mit sich führend


Die Priesterin, die schöne Tempelhure.
Sie gingen auf dem Weg, die rechte Straße,
Am dritten Tage kamen sie zum Ort.
Der Jäger und die Hure sich versteckten,
Den ersten Tag, den zweiten, an der Tränke.
Es kam das Wild, zu trinken an der Tränke,
Die Tiere fanden Wohlsein an dem Wasser.
Da sah die Hure nun den wilden Mann,
Den Würger aus dem Inneren der Steppe.

Dies ist er, Dirne! Mache nackt die Brüste!


Den Schoß tu auf! Du schenk ihm deine Fülle!
Sei nicht verschämt! Empfange seinen Atem!
Sieht er dich nackt, so wird er gern dir nahen.
Leg ab dein leichtes Kleidchen und dein Röckchen,
Dass er sich bette weich auf deinem Leibe!
Dem wilden Manne tu das Werk des Weibes!
Dann wird das Wild ihm sicher untreu werden,
Das mit ihm aufgewachsen in der Steppe.
Dann raunt er Liebesspiele über dir!

Die Hure machte nackt die großen Brüste,


Die Hure öffnete den Schoß für ihn,
Und er empfing von ihr der Liebe Fülle.
Es schämte sich die nackte Hure nicht,
Und sie empfing den Atem seiner Küsse.
Sie zog ihr leichtes Kleidchen aus, ihr Röckchen,
Da lag er weich gebettet auf dem Weib.
Dem wilden Mann tat sie das Werk des Weibes,
Er raunte Liebesspiele über ihr.

Sechs Tage, sieben Nächte wachte er,


Da Enkidu beschlief die Tempelhure.
Dann ward er des Genusses überdrüssig,
Da schaute er zu seinen wilden Tieren.
Doch als die Tiere Enkidu erblickten,
Da flohen scheu vor ihm die keuschen Rehe,
Da wich vor seinem Leib das Wild der Steppe.
Ihm zitterten die Knie, es floh das Wild.
Und er ward schwach und lief nicht mehr wie sonst.

Er wuchs heran und wurde weiten Geistes,


Er kehrte um und setzte sich zur Hure,
Der Tempelhure schauend in das Antlitz,
Dem Wort der Hure lauschten seine Ohren.

Die schöne Hure sprach zu Enkidu:


Du, Enkidu, bist weise wie ein Gott!
Was lebst du mit den Tieren in der Steppe?
Komm mit, ich führe dich nach Uruk-Gart,
Ich führe dich zum schönen Tempel Ishtars!
Dort lebt der König Gilgamesch voll Kraft,
An Stärke überragend alle Männer.

Sie sprachs, und Beifall fanden ihre Worte,


Der Weise suche einen Freund und Bruder.
Da sagte Enkidu zur Tempelhure:
Komm, schönste Hure, lade du mich ein!
Ich will ins Heiligtum der Liebesgöttin!
Dort lebt der König Gilgamesch voll Kraft,
An Stärke überragend alle Männer.
Ich sag ihm Krieg an! Heftig sei der Kampf!
Denn rühmen will ich mich, dass ich der Stärkste.
Ich komme, und ich ändere das Schicksal.
Geboren in der Steppe, ich bin stark!

Komm, lass uns gehn, er soll dein Antlitz schauen,


Ich zeig dir Gilgamesch, ich kenne ihn.
Schau hin nach Uruk-Gart, mein Enkidu,
Schau zu den Männern dort mit breiten Gürteln.
Dort wird an jedem Tag ein Fest gefeiert,
Dort lässt man Trommeln dröhnen, Zimbeln klingen.
Dort sind auch wunderschöne Tempelhuren,
Geschaffen schön zur höchsten Lust der Männer!
So reich an Reizen, sind sie voll des Jubels!
Aufs Bett gebreitet sind gestickte Decken.
Dir, Enkidu, der du nicht kennst das Leben,
Dir will ich zeigen König Gilgamesch,
Den gut gestimmten, ungleich andern Männern.
Du schau ihn an und schau sein Angesicht,
Er ist ein schöner Mann und voller Würde,
An Fülle überreich am ganzen Leib,
Der stärker ist und kräftiger als du,
Der immer, Tag und Nacht, ist ohne Ruhe.

Gib deine Unart auf, mein Enkidu!


Dem Gilgamesch erwies die Hure Liebe!
Die Götter haben ihm den Geist erleuchtet.
Denn ehe du gekommen aus der Steppe,
Hat Gilgamesch bereits von dir geträumt.
Und Gilgamesch stand auf, und seinen Traum
Erzählte er, und sprach zu seiner Mutter:

O Mutter! Letzte Nacht hab ich geträumt,


Da ging ich voller Stärke mit den Männern,
Da sammelten um mich sich lichte Sterne,
Die Waffe Gottes stürzte auf mich nieder,
Ich wollt sie heben, doch sie war zu schwer,
Bewegen wollt ich sie und konnt es nicht.
Das ganze Uruk-Land trat hin zu ihr,
Die starken Männer küssten ihr die Füße,
Ich lehnte mich zwar auf, man stand mir bei,
Ich hob die Waffe auf und bracht sie dir.

Die kluge Mutter sprach zu Gilgamesch:


O Gilgamesch, es ward ein Mann wie du
So stark geboren in dem Steppenland,
Herangewachsen ist er in der Steppe.
Schau, du wirst einen Freund und Bruder haben.
Die starken Männer küssen ihm die Füße,
Umarmen wirst du ihn und zu mir bringen.
Dein Freund, das ist der starke Enkidu!
Genosse, der dem Bruder in der Not hilft!
Der Stärkste er im Lande, voller Kraft,
Der Himmelsfeste gleich ist seine Stärke.
Du sprichst vom Freunde wie von einer Frau,
Er aber wird dich immer wieder retten!

Da schlief er ein und träumte einen Traum,


Dann stand er auf und sprach zu seiner Mutter:
O Mutter! Ich hab einen Traum geträumt,
Da schaut ich eine Axt auf Uruk-Markt,
Die Axt lag da, das Volk stand rings umher,
Unheimlich ward die Axt da anzuschauen,
Doch da ich sie erblickte, ward ich froh,
Gewann sie lieb, so wie ein Mann ein Weib liebt,
Ich raunte über ihr und tat sie um
Und tat sie in den Gürtel meiner Lenden.
Die Mutter Gilgameschs, der Weisheit kundig,
Die Mutter sprach zum vielgeliebten Sohn,
Die Mutter Rimat-Ninsun sprach, die Weise,
Die kluge Mutter sprach zu Gilgamesch:
Die Axt, die du gesehen, ist ein Mann.
Du wirst ihn lieben wie ein Mann ein Weib,
Und du wirst liebend raunen über ihm.
Ich stelle ihn dir gleich als Sohn, mein Sohn,
Du wirst den Bruder bringen zu der Mutter.
Genosse, der dem Bruder aus der Not hilft!
Im Lande ist er stark und übt Gewalt,
Der Himmelsfeste gleich ist seine Stärke.

Und Gilgamesch sprach wieder zu der Mutter:


Gescheh des nach Befehl des weisen Gottes!
Ich möchte einen Freund und Bruder haben!
Ich möchte einen Bruder als Berater!
Du hast mir ja den Traum von ihm gedeutet.

ZWEITER GESANG

Nun Enkidu saß bei der Tempelhure,


Und da liebkosten sich die beiden zärtlich,
Und Enkidu vergaß das Steppenlanf.

Er hörte ihre Worte, ihre Rede,


Des Weibes Rat fiel in sein Herz im Busen.
Eins ihrer Kleider zog sie lächelnd aus,
Mit diesem Kleid bedeckte sie den Mann,
Das andre Kleidchen trug sie noch am Leib.
Sie nahm ihn an die Hand wie einen Gott
Und führte ihn zum Hof, zum Tisch des Hirten.
Da scharten sich die Hirten um den Mann.
Doch Enkidu war ja von dem Gebirge,
Wo mit Gazellen er das Gras gefressen.

Er pflegte Milch der Tiere sonst zu saugen,


Nun setzte man ihm gute Speise vor,
Da sah genau er hin, er schaut und guckte,
Er wusste aber nicht, wie man das Brot isst.
Auch Wein zu trinken ward er nicht gelehrt.
Die Hure tat den Mund auf, sprach zu ihm:
Iss Brot, mein Freund, denn das gehört zum Leben,
Trink Wein, mein Freund, so ist es Brauch im Lande!
Und Enkidu aß Brot und wurde satt
Und Enkidu trank Wein, wohl sieben Becher,
Da ward sein Innres frei, er wurde heiter,
Sein Herz frohlockte und sein Antlitz strahlte.
Mit Wasser wusch er den behaarten Leib,
Er salbte sich mit Öl und ward ein Mensch,
Zog ein Gewand an, war nun wie die Männer.
Die Waffe nahm er für den Kampf mit Löwen,
Es legten nachts sich schlafen ja die Hirten,
Da schlug er Wölfe und verjagte Löwen,
In aller Ruhe lagen da die Hüter,
Denn Enkidu war nun ihr treuer Wächter,
Der wache Mensch, der eine wahre Mann.

Und Enkidu vereint war mit der Hure,


Der Wollust und dem Liebesspiel ergeben.
Er hob die Augen, schaute einen Menschen.
Zur wunderschönen Hure sprach er da:
O Dirne, lass den Menschen weitergehen!
Was kam er doch? Ich rufe seinen Namen!
Die schöne Hure rief den Menschen an
Und trat zu ihm und sprach zu ihm die Worte:
Mann, wohin eilst du? Was ist deine Arbeit?
Der Mann tat auf den Mund vor Enkidu:
Zur Hochzeitsfeier lud die Braut mich ein!
Ich will der Erste in der Brautnacht sein!

Ich häufe leckre Speisen auf den Tisch,


Das köstliche Gericht zur Hochzeitsfeier.
Dem Könige von Uruk ist als Erstem
Der Schleier aufgetan vorm Brautgemach!
Die da zur Braut bestimmt, beschläft der König!
Zuerst der König, dann der Bräutigam!
So lautet ja der Rat der weisen Götter.
Als abgetrennt ward seine Nabelschnur,
Da wurde dieses Vorrecht ihm bestimmt.
Da wurde Enkidu das Antlitz bleich.

Und Enkidu ging nach der schönen Dirne,


So kamen sie herein zum Markt von Uruk,
Und Enkidu blieb stehen auf der Straße,
Es scharte sich das Volk um ihn und sprach:
Gleicht an Gestalt er doch dem Gilgamesch!
Ist kleiner zwar an Wuchs, doch ziemlich stark!
Als er geboren ward, aß er wohl Kräuter
Des Frühlings und trank Milch der wilden Tiere!

In Uruk fanden immer Opfer statt,


Da reinigten die Männer sich und Frauen,
Wie Kinder küssten sie dem Herrn die Füße,
Man brachte Gilgamesch ein Opfer dar,
Der Liebesgöttin war das Bett gemacht,
Und König Gilgamesch war in der Nacht
Vereint gewesen mit der jungen Frau!

Nun aber trat ein Mann hin auf der Straße,


Versperrte König Gilgamesch den Weg.
Und Gilgamesch war über ihn erzürnt,
Da machte er sich auf, ging auf ihn zu,
Zusammen stießen sie am Markt des Landers.
Sperrt Enkidu das Tor mit seinem Fuß auf,
Er ließ nicht zu, dass Gilgamesch herein trat.
Sie packten sich, sie gingen in die Knie
Wie Stiere, Gilgamesch und Enkidu,
Sie packten sich, sie gingen in die Knie,
Türpfosten bebten und die Wände krachten,
Sank Gilgamesch ins Knie, den Fuß am Boden,
Sein Zorn verrauchte, und er wandte sich.
Sobald er seine Brust herum gewandt,
Sprach Enkidu zum König Gilgamesch:
Wie einzigartig dich gebar die Mutter,
Die schöne Wildkuh, Mutter Rimat-Ninßun!
Dein Haupt erhöht ist über alle Männer,
Des Volkes Königtum gab Enlil dir,
Und deine Stärke überragt die Fürsten.

Da küssten beide sich und schlossen Freundschaft.

Bringt Gilgamesch den Freund zu seiner Mutter


Und spricht: Er ist der Stärkste in dem Lande,
Wer hält ihm stand? Erweise du ihm Gnade!
Die Mutter Gilgameschs sprach zu dem Sohn,
Sprach Rimat-Ninßun dies zu Gilgamesch:
Mein Sohn: verwildert scheint mir doch dein Freund.

Sprach Gilgamesch: Wie bitter klagte er!


Nicht Vater hat und Mutter Enkidu,
Sein loses Haupthaar wurde nie geschnitten,
Geboren ist er in der wüsten Steppe
Und keine Mutter hat ihn dort erzogen. -
Und Enkidu stand da, die Rede hörend,
Da füllten seine Augen sich mit Tränen,
Weh ward ihm da zumute und er müht sich,
Und seine Augen füllten sich mit Tränen,
Weh ward ihm da zumute und er müht sich.
Einander fassten sie und setzten sich,
Die Hände halten wie verliebte Leute.
Und Gilgamesch sein Antlitz neigt herab
Und sprach zu Enkidu: Mein Freund, warum
Sind deine Augen feucht von Trauertränen?
Weh ward zumute dir, du mühtest dich?
Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Die Klagen machen meinen Nacken starr,
Erschlafft die Arme und geschwächt die Kraft.
Und Gilgamesch sprach dies zu Enkidu:

Im Walde wohnt der Riese Chumbaba,


Doch ich und du, wir töten diesen Riesen.
Wir tilgen aus dem Lande alles Böse!
So lass uns fällen diese stolze Zeder.

Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:


Ich hört es einst, mein Freund, im Steppenland,
Da ich umher gestreift mit wilden Tieren.
Auf sechzig Meilen unberührt der Wald,
Wer ists, der steigt herunter in sein Innres?
Und Chumbaba – sein Brüllen ist die Sintflut,
Sein Rachen Feuer und sein Hauch der Tod!

Was denn begehrst du, in den Wald zu gehen?


Kann keiner gegen Chumbaba bestehen!
Da sagte Gilgamesch zu Enkidu:
Mein Freund, des Waldes Berg will ich besteigen.

Ich geh zum Wald, zur Wohnung Chumbabas,


Mir sollen Schwert und Streitaxt Helfer sein.
Du bleibe hier, ich aber gehe hin.
Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Wie sollen ziehen wir zum Wald der Zeder?
Sein Wächter ist der Wer, der Wettergott.
Und stark ist Wer und schläft und schlummert nie.
Und Chumbaba? Ist Adad doch mit ihm!
Die Zeder zu behüten, hat ihn Gott
Als Schrecken für das Menschenvolk bestimmt.
Wer aber in den Wald geht, wird gelähmt.

Und Gilgamesch sprach dies zu Enkidu:


Mein Freund, wer weiß zum Himmel aufzusteigen?
Die Götter thronen ewig dort mit Schamasch,
Der Menschen Tage aber sind gezählt,
Nur eitler Windhauch ist es, was sie tun.
Du aber scheust den Tod, mein lieber Freund?
Wo blieb die Stärke deines Heldenmutes?
So will ich ziehen, will ich dir voran gehn,
Dann ruft dein Mund: Geh weiter! Sei nicht ängstlich!
Und fiel ich auch – mein Name dauert fort,
Man wird dann sagen: König Gilgamesch
Hat einst den Riesen Chumbaba besiegt.
Du bist geboren in der Steppe, Freund,
Ein Löwe griff dich an. Und du weißt alles!

Ich lege Hand an und ich fäll die Zeder,


Ich will mir dauerhaften Nachruhm schaffen!
Jetzt, Freund, will ich zum Waffenschmiede gehen,
Denn Äxte soll man gießen für uns beide.

Sie fassten sich und gingen zu den Schmieden,


Die Meister saßen da und diskutierten,
Die Meister gossen Äxte, große Beile,
Zu drei Talenten gossen sie die Äxte,
Und Schwerter gossen sie zu zwei Talenten,
Die Knäufe an den Griffen dreißig Pfund,
Und goldne Schwerter auch zu dreißig Pfund.
Nun Gilgamesch und Enkidu gerüstet
Mit Waffen waren, zehn Talente teuer.
Und Uruks sieben Tore schloss er zu.
Das Wort vernahm man, und die Bürger kamen,
Man gab dem Glück sich hin auf Uruk-Markt,
Da saß das Volk, da redete der König,
Da sagte Gilgamesch zum Volk von Uruk:

Ich ziehe nun zum Riesen Chumbaba,


Den Gott, von dem man redet, will ich sehen!
Das Land führt ja im Munde seinen Namen,
Den will ereilen ich im Zedernwald.
Dass stark und mächtig ist der Spross von Uruk,
Das will ich hören lassen alle Länder!
Ich leg die Hand an und ich fäll die Zeder,
Ich will mir dauerhaften Nachruhm schaffen!

Die Alten sprachen da zu Gilgamesch:


Du bist noch jung, dich trägt dein Herz davon,
Du weißt nicht, was du tun sollst, Gilgamesch.
Wir wissen: Chumbaba sieht schrecklich aus.
Wer ist es, der begegnet seinen Waffen?
Auf sechzig Meilen unberührt der Wald,
Wer ist es, der hinab steigt in sein Innres?
Denn Chumbaba – sein Brüllen ist die Sintflut,
Sein Rachen Feuer und sein Hauch der Tod!
Wer kann bestehn im Kampf mit Chumbaba?
Da Gilgamesch das Wort der Alten hörte,
Hob lächelnd er den Blick auf seinen Freund:
Mein Bruder, mag ich auch den Riesen fürchten!

Die Alten sprachen: Möge Gott dich schützen,


Dass du gesund vollendest deinen Lauf
Und kehrst als Sieger heim nach Uruk-Markt.
Da kniete Gilgamesch und hob die Hände:
Nun ziehe ich, mein guter Schutzgott Schamasch!
Auch weiter will ich heil am Leben bleiben,
Laß heim mich kehren zu dem Markt mit Frieden,
Breit über mir nur deinen Schutz und Schirm!
Und nun rief Gilgamesch den Freund und Bruder,
Und seine Omen sah er mit ihm an.

Und Gilgamesch begann zu weinen bitter:


Ich kenne nicht den Weg, den ich betrete,
Ich kenne nicht den rechten Weg, mein Gott!
Doch soll ich weiter heil am Leben bleiben,
So will ich dienen dir von ganzem Herzen,
Will satt mich trinken dann an deinen Wonnen,
Ich lasse sitzen dich auf goldnem Thron! -
Die Knechte brachten nun herbei die Waffen,
Die Schwerter, Bogen, Pfeile, volle Köcher,
Und gabens ihm. Und er nahm sich die Äxte,
Hing um den Köcher, nahm sich Pfeil und Bogen,
An seinen Gürtel steckte er das Schwert.
Die beiden Männer gingen los. Die Stadt rief:
O Gilgamesch, wann wirst du wiederkommen?

DRITTER GESANG

Die Alten segneten nun Gilgamesch,


Berieten für den Weg den starken König:
Nicht sollst du trauen deiner eignen Kraft!
Erleuchtet seien deine Augen, Herr,
Und gut behüte dich auf deinem Weg!

Der kennt den Steg, behütet seinen Freund,


Es gehe Enkidu vorm König her,
Gesehn hat er den Weg, er zog die Straße,
Er kennt den Zugang auch zum dunklen Wald,
Kennt jeden bösen Anschlag Chumbabas!
Schon früher hat bewahrt er den Gefährten,
Erleuchtet sind die Augen deines Freundes,
Der dich beschützen wird auf deinem Weg.

Lass Schamasch dich erlangen deinen Wunsch,


Lass sehn dein Auge, was dein Mund verkündet!
Er tue auf dir den versperrten Pfad,
Die Straße er erschließe deinem Schritt,
Die Berge er erschließe deinem Fuß,
Die Nacht heut bringe dir, was dich erfreut,
Und Lugalbanda steh dir siegreich bei!
Komm bald zu deinem Ruhme und Erfolg!
Im Flusse Chumbabas wasch dir die Füße!
Bei deiner Abendrast grab einen Brunnen,
Sei reines Wasser stets in deinem Schlauch,
Denk immerdar an Vater Lugalbanda,
Mög Bruder Enkidu den Freund behüten
Und immerdar bewahren den Gefährten,
Bis zu den Bräuten bringt er deinen Körper!
Wir übergeben nun den König Uruks
Dem Bruder Enkidu in der Versammlung.
Du bringst den König wieder heim zu uns!

Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:


Bis du zurückkehrst, reise unverdrossen,
Dein Herz sei furchtlos, schaue nur auf mich!
Nun dorthin, wo er aufschlug seine Wohnung,
Zum Weg, den Chumbaba zu wandeln pflegt,
Du unsern Aufbruch nun befehle, Herr,
Und weise du die Alten Uruks fort. -
Und Gilgamesch sprach dies zu Enkidu:
Die guten Götter mögen mit uns ziehen!
Ich werde tun, was ich geredet habe,
Mir mögen froh gehorchen meine Männer. -
Und da sie diese seine Rede hörten,
Da flehten ihn die alten Männer an:
So ziehe hin! Sei dein Beginnen glücklich,
Es gehe dir dein Schutzgott stets zur Seite,
Er lasse kommen dich zu deinem Sieg!

Und Gilgamesch sprach dies zu Enkidu:


Komm, Freund, wir gehen zu dem Großpalast
Von Ninsun, unsrer großen Königin!
Denn Ninsun, weise, alles Wissens kundig,
Wird geben unsern Füßen festen Schritt. -
Da fassten sie einander Hand bei Hand
Und gingen beide zu dem Großpalast
Von Ninsun, ihrer großen Königin.
Und Gilgamesch trat ein bei seiner Mutter:
O Mutter Ninsun, ich bin stark geworden.
Ich zieh zur fernen Straße Chumbabas,
Bestehe einen Kampf, den ich nicht kenne,
Befahre einen Weg, den ich nicht kenne.
Nun für die Zeit der Reise und der Rückkehr,
Dass ich gelange zu dem Zedernwald,
Dass ich erschlag den Riesen Chumbaba
Und alles Böse tilge aus dem Lande,
Fleh meinetwillen stets zur Gottheit Schamasch!
Denn wenn ich Chumbaba gefällt, den Bösen,
Mög Friede sein im Lande, droben, drunten,
Des Sieges Zeichen will ich dir errichten.

Die Rede ihres Sohnes Gilgamesch


Voll Kummer hörte seine Mutter Ninsun.

Und Ninsun trat in ihre Kammer ein,


Für ihren Leib nahm sie gesunde Kräuter,
Sie zog ein Kleid an, schön für ihren Körper,
Legt eine Perlenschnur an ihre Brüste,
Sie legt den Gürtel an, setzt auf den Hut,
Sprengt Wasser aus der Schale auf die Erde,
Stieg auf die Treppe, stieg hinan zur Zinne,
Erstieg das Dach und brachte Weihrauch Gott dar,
Vollzog das Opfer und erhob zu Gott sich:
Was gabst du mir zum Sohne Gilgamesch?
Was gabst du ihm ein ruheloses Herz?
Nun hast du ihn bewegt, dass er hinaufzieht
Den fernen Weg zur Wohnung Chumbabas,
Er will den Kampf bestehn, den er nicht kennt,
Er will die Straße ziehn, die er nicht kennt.
Nun in der Zeit der Reise und der Rückkehr,
Dass er gelangt zum dunklen Zedernwald,
Dass er erschlägt den Riesen Chumbaba
Und alles Böse aus dem Lande tilgt,
Schau du am Tag auf meines Sohnes Weg,
Mög seine Braut dich stets an ihn erinnern,
Mög Aja, seine Braut, nicht Schamasch scheuen,
Den Wächtern in der Nacht befiehl ihn an,
Den Sternen und dem Monde, deinem Vater!

Und Rimat-Ninsun häufte an den Weihrauch


Und sprach dann die Beschwörung ihrer Gottheit.
Dann rief sie Enkidu und sprach zu ihm:
O Enkidu, nicht meinem Schoß entsprossen,
Ich spreche jetzt zu dir von den Oblaten
Des Gilgamesch, den frommen Gottgeweihten
Und Gottesbräuten, Tempel-Hierodulen! -
Ein Kleinod legte sie um seinen Hals,
Die Bräute nahmen ihn an ihre Brüste,
Die Gottesmägde haben ihn gelehrt.

Die Alten sprachen dann zu Enkidu:


O mögest du den besten Freund behüten
Und gut bewahren allzeit den Gefährten,
Bis er den Bräuten bringt den Körper heim!
Und nun wir übergeben dir den König,
In unserer Versammlung, deinen Freund,
Du bring den König heim in seine Stadt!

VIERTER GESANG

Nach vierzig Stunden aßen sie ein wenig,


Nach sechzig Stunden ruhten sie ein wenig,
Nach hundert Stunden gingen sie des Weges,
Den Weg von einem Mond und vierzehn Tagen.
Dann kamen sie zum Berge Libanon,
Da gruben sie im Westen einen Brunnen,
Dem Sonnengotte Wasser so zu spenden.

Sprach Gilgamesch: Steig auf den Berg und schau!


Des Schlafs der Götter wurde ich beraubt!
Mein Freund, ich schaute heute einen Traum:
Wie schlecht war doch der Traum und wüst und wirr!
Ich packte eben einen Stier der Steppe,
Beim Brüllen dieses Stier der Erde Staub
Aufwirbelte und wich den Regenströmen,
Beim Anblick dieses Stiers bin ich vergangen,
Ich packte ihn mit meinem rechten Arm,
Die Zunge hing mir lechzend aus dem Mund,
Die Adern meiner Schläfen schwollen an,
Ich ward getränkt mit Wasser aus dem Schlauch. -

Der Gott, mein Freund, zu dem wir beide wandern,


Ist nicht der Stier! An ihm ist alles fremd.
Der Stier, o Gilgamesch, den du gesehen,
Ist Schamasch, unser göttlicher Beschützer.
In Ängsten wird er unsre Hand ergreifen.
Der mit dem Wasser aus dem Schlauch dich tränkte,
Ist Lugalbanda, ist der Gott der Ehre.
Wir tun uns nun zusammen und verrichten
Ein Werk, das nicht zuschanden wird im Tode!

Sprach Gilgamesch: Und nun der andre Traum:


In Tälern des Gebirges standen wir,
Da stürzte über uns der Berg zusammen.
Wir beide waren da wie Eintagsfliegen. -
Der Mann, der in der Steppe ward geboren,
Zum Freunde sprach er, dessen Traum zu deuten:
Mein Freund und Bruder, herrlich ist dein Traum,
Dein Traum ist über alle Maßen kostbar.
Der Berg, den du gesehn, ist Chumbaba,
Wir packen ihn und werden ihn dann töten,
Wir werfen auf die Felder seinen Leichnam.
Am Morgen kehren wir nach Uruk heim. -
Nach vierzig Stunden aßen sie ein wenig,
Nach sechzig Stunden ruhten sie ein wenig,
Dann gruben sie im Westen einen Brunnen,
Dem Sonnengotte Wasser so zu spenden.

Und Gilgamesch bestieg den Libanon


Und brachte Gott ein Speiseopfer dar:
O Berg, gib einen Traum und Freudenbotschaft! -
Und Enkidu bereitet ihm ein Lager.

Nach vierzig Stunden aßen sie ein wenig,


Nach sechzig Stunden ruhten sie ein wenig,
Dann gruben sie im Westen einen Brunnen,
Dem Sonnengotte Wasser so zu spenden.
Und Gilgamesch bestieg den Libanon
Und brachte Gott ein Speiseopfer dar:
O Berg, gib einen Traum und Freudenbotschaft! -
Und Enkidu bereitet ihm ein Lager,
Ein Regen kam, er festigte das Dach,
So legten Gilgamesch und Enkidu
Sich schlafen in dem Kornfeld des Gebirges.

Lag Gilgamesch, das Kinn auf seiner Brust,


Befiel der Schlaf ihn, der auf Menschen träufelt,
Und mitten in der Nacht brach er den Schlaf ab
Und fuhr empor und sagte zu dem Freund:
Freund, riefst du mich? Was bin ich denn erwacht?
Freund, stießt du mich? Was bin ich denn erschrocken?
Ging etwa hier der Gott an mir vorüber?
Was schaudert es mich denn an allen Gliedern?
O Freund, ich schaute einen dritten Traum,
Der Traum, den ich gesehen, war entsetzlich,
Der Himmel schrie, die schwarze Erde dröhnte!
Der Tag erstarrte, Finsternisse kamen,
Da blitzte hell ein Blitz, ein Feuer brannte,
Die Nacht war schwarz, es regnete den Tod!
Das weiße Feuer wurde rot, verlöschte,
Und was herabfiel, das war schwarze Asche.
Komm mit ins Feld, dort mögest du mir raten. -
Als Enkidu die Traumgeschichte hörte,
Sprach Enkidu zum Bruder Gilgamesch:

So lass uns aufstehn auf das Wort des Gottes. -


Nach vierzig Stunden aßen sie ein wenig,
Nach sechzig Stunden ruhten sie ein wenig,
Nach hundert Stunden gingen sie des Weges,
Dann gruben sie im Westen einen Brunnen,
Dem Sonnengotte Wasser so zu spenden.

Und Gilgamesch bestieg den Libanon


Und brachte Gott ein Speiseopfer dar:
O Berg, gib einen Traum und Freudenbotschaft! -
Und Enkidu bereitet ihm ein Lager,
Ein Regen kam, er festigte das Dach,
So legten Gilgamesch und Enkidu
Sich schlafen in dem Kornfeld des Gebirges.

Sprach Gilgamesch: Was du in Uruk sagtest,


Bedenke, tritt herzu und kämpf heroisch! -
Des Mannes, der in Uruk ward geboren,
Des Königs Worte hörte droben Schamasch,
Da rief ihn ein Alarmsignal vom Himmel:

Der Wächter soll nicht gehen in den Wald,


Nicht steigen in den Forst, sich nicht verbergen!
Denn trägt er etwa sieben Panzermäntel?
Nein, abgelegt die sechs, er trägt nur einen! -
Die Freunde machten also sich bereit,
Gleich einem Stier zu stoßen auf den Wächter.
Schrie Enkidu und war des Schreckens voll,
Chumbaba schrie, der Wächter wie ein Büffel!

Sprach Gilgamesch: Ein Weg, der schlüpfrig ist,


Gefährdet nicht die zwei, die treu sich helfen.
Zwei sind da immer besser doch als einer,
Die Schnur, die dreifach ist geflochten, reißt nicht.
Zwei Löwenjungen können ihn vertreiben.

Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:


Wenn wir getreten in den Zedernwald,
Dann spalten wir den Baum und brechen Äste. -
Da sagte Gilgamesch zu Enkidu:
Was, Bruder, was sind wir doch kümmerlich!
Gemeinsam überwinden wir die Berge!

Mein Freund, der mit dem Kampfe du vertraut bist,


Du kämpftest oft, so fürchte nicht den Tod!
Lustknaben müssen fürchten sich vorm Tod!
Die Stimme dröhnen lass als Kesselpauke!
Lass fort die Schmerzen doch aus deinen Armen,
Lass die Entzündung fort aus deinen Beinen!
Komm, Freund, vereint wir wollen weiterziehen,
Dein Herz soll heute fordern noch den Kampf,
Vergiss den Tod! Mein Freund, verzage nicht!
Der dir zur Seite geht, der kluge Mann,
Der dir vorangeht, hat sich selbst beschützt,
Nun schützt er auch den Bruder und Gefährten,
Dass sie im Kampf sich einen Namen machen! -
Zum immergrünen Wald gelangten beide,
Die Reden unterbrachen sie und schwiegen.

FÜNFTER GESANG

Still standen sie am Rande nun des Waldes,


Sie staunten immer an die hohen Zedern,
Sie staunten an den Eingang in den Wald.
Wo ging der Riese, da war eine Fußspur,
Die Wege grade, schön gemacht die Bahn.
Sie sehn den Zedernberg, der Götter Wohnung,
Auf diesem Berg stehn Zedern in der Fülle,
Ihr Schatten wonnig, reich ist das Erquicken,
Verschlungner Dornbusch und Gehölz verfilzt,
Dort steht die Zeder und der Styraxvaum,
Von einem Graben war der Wald umschlossen.

Und plötzlich zogen sie die scharfen Schwerter,


Die Schwerter zogen sie aus ihren Scheiden,
Mit Gift bestrichen waren ihre Äxte,
Die kurzen und die langen Schwerter scharf.

Der Riese Chumbaba ist nicht gekommen.

Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:


Ist Chumbaba denn einzeln zu besiegen?

Ein Weg, der schlüpfrig ist, gefährdet einen,


Zwei Männer aber sind nicht zu besiegen,
Die Schnur, die dreifach ist, zerreißt nicht leicht,
Zwei Löwenjungen können ihn verjagen.

Und Chumbaba sprach dies zu Gilgamesch:


Beraten sich der Tölpel und der Dummkopf?
Was seid ihr denn zu mir heran gekommen?
Gib guten Rat, o Enkidu, o Fischsohn,
Der du nicht einmal kennst den eignen Vater,
Der Schildkröt, die nicht saugt die Milch der Mutter!
Als du noch klein warst, blickte ich dich an,
Bin aber nicht an dich heran getreten,
Ich war voll Hass in meinem Inneren!
Mit Gilgamesch bist du zu mir gekommen.
Bevor du aber mit dem Fremden kamst,
Hätt ich gewürkt die Kehle Gilgameschs,
Dein Fleisch gefressen hätt der Schlangenvogel,
Gefressen hätten Adler dich und Geier!

Und Gilgamesch sprach dies zu Enkidu:


Des Riesen Antlitz ändert jetzt sein Aussehn,
Er reckt sich. Wie gelangen wir zu ihm?

Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:


Was, Bruder, klagst du denn so voller Kummer?
Ward schlaff dein Mund, und du verstecktest dich?
Jetzt aber, Freund, ist eines not, die Tat!
So schmiede man das Eisen, wenn es heiß ist,
Man blase an die Glut, es fliegt die Asche.
So schick die Flut und nimm zur Hand die Peitsche!
Zieh deinen Fuß nicht ab und kehr nicht um!
Mach deine Schläge kräftig wie den Donner!

Die fernen Feinde seien ausgetrieben!


Er trat zu ihm, der schlug den Kopf des Riesen.
Mit ihren Füßen stampften sie die Erde.
Durch ihre Sprünge barst der Libanon,
Durch ihre Sprünge barst der Sirion.
Da wurden finster schwarz die weißen Wolken,
Es regnete der Tod herab wie Nebel.
Und Gott erweckte gegen Chumbaba
Die Stürme, Südwind, Westwind, Nordwind, Ostwind,
Den Böensturm, den Wildsturm und den Sturmwind,
Die Wirbelstürme und die Sturm-Dämonen,
Den Wüstenwind, den Sandsturm, dreizehn Winde
Erhoben sich und bliesen an den Riesen.
Er kann nicht vorwärts und er kann nicht rückwärts,
Die Waffen Gilgameschs erreichten ihn,
Er will sein Leben retten, spricht zum König:
Klein warst du, als die Mutter dich geboren,
Du bist der Sprößling doch der Rimat-Ninsun.
Auf den Befehl des Herrn erhobst du dich,
Auf Schamaschs Weisung hin, des Herrn der Berge,
Du Sohn aus Uruk, König Gilgamesch.

Ich will mich für dich setzen in den Wald,


Ich schenk dir alle Bäume, die du willst,
Ich gebe dir sogar die grüne Myrte,
Ausstatten will ich dir dein Königshaus. -
Doch Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Mein Freund, hör nicht auf das, was er dir sagt!

Du weißt Bescheid von meinem Zedernwald,


Auch kennst du die Befehle Gottes alle!
Ich hätte hoch dich heben sollen und
Dich töten an dem Eingang meines Waldes,
Dann hätt der Schlangenvogel dich gefressen,
Dein Fleisch verzehrt der Adler und der Geier!
Jetzt, Enkidu, jetzt liegt bei dir die Freiheit!
Sag Gilgamesch, er soll das Leben schonen! -
Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Freund, Chumbaba ist Wächter dieses Waldes,
Zermahle ihn, zerknirsch ihn, töte ihn!
Freund, Chumbaba ist Wächter dieses Waldes,
Zermahle ihn, zerknirsch ihn, töte ihn!
Bevor des hört der Götter Erster, Enlil,
Die Götter werden voll des Zornes sein!
In Nippur Enlil und in Sippar Schamasch
Erbaue einen dauerhaften Tempel!
Sag ihnen, dass du Chumbaba erschlugst! -
Als Chumbaba dies hörte, ward er wütend.

Beginnt ihr Beiden jetzt, mich anzuschwärzen?


Du sitzt da wie ein Hirte auf der Aue
Und redest wie ein Mietling seines Mundes!
Jetzt, Enkidu, jetzt liegt bei dir die Freiheit!
Sag Gilgamesch, er soll das Leben schonen!

Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:


Freund, Chumbaba ist Wächter dieses Waldes,
Zermahle ihn, zerknirsch ihn, töte ihn!
Freund, Chumbaba ist Wächter dieses Waldes,
Zermahle ihn, zerknirsch ihn, töte ihn!
Bevor des hört der Götter Erster, Enlil,
Die Götter werden voll des Zornes sein!
In Nippur Enlil und in Sippar Schamasch
Erbaue einen dauerhaften Tempel!
Sag ihnen, dass du Chumbaba erschlugst! -
Als Chumbaba dies hörte, ward er wütend.

Gott soll gewähren euch kein langes Leben!


Und über König Gilgamesch hinaus
Soll Bruder Enkidu kein Ufer finden! -
Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Ich red mit dir, mein Freund, doch hörst du nicht!

Die Eingeweide rissen sie ihm aus,


Die Lunge rissen sie dem Riesen aus.
Da plätscherte das Wasser in dem Kessel.
Des Riesen Fülle stürzte auf den Berg,
Des Riesen Fülle stürzte auf den Berg.
Die Zeder fällten sie, es blieb nur Abfall.
Die stolzen Bäume fällte Gilgamesch,
Es wühlte Enkidu im Wurzelwerk.
Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Mein Freund, die Zedern haben wir gefällt,
Die, deren Wipfel ragten in den Himmel.
Nun zimmre aus den Zedern eine Tür,
Zwölf Ruten hoch, vier Ruten in der Breite,
Dick eine Elle, und die Pfosten auch
Und Angeln sein aus einem Stück gefertigt,
Nach Nippur bringe sie, der Euphrat trag sie,
Dass Nippur freu sich über diese Tür.

Sie fügten beide nun ein Floß zusammen,


Und Enkidu ist auf dem Floß gefahren,
Und Gilgamesch trug da das Haupt des Riesen.

Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:


Erschlage Chumbaba zum Ruhm der Götter!

Du üb an ihm die göttliche Vergeltung!


Und Gilgamesch sprach dies zu Enkidu:
Jetzt werden wir die Siegesfeier feiern.
Der Lichtstrahl wird verschwinden in dem Dickicht,
Der Strahlenglanz tritt ein im Zedernwald.
Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Mein Bruder, fange du zuerst den Vogel!
Wohin denn sollen seine Küken gehen?
Die Lichtglanzstrahlen suchen wir danach,
Die Küken laufen dort herum im Gras.
Erschlage ihn erneut und seinen Knecht! -
Es hörte Gilgamesch das Wort des Freundes,
Der König nahm die Axt in seine Hand,
Der König zog das Schwert aus seinem Gürtel.
Und Gilgamesch durchbohrte ihm den Hals,
Und Enkidu, der Bruder, packte ihn.
Beim dritten Schlag ist Chumbaba gefallen,
Die wirren Augen waren totenstill.
Und auch den Wächter hatten sie erschlagen,
Zwei Doppelstunden währte dieser Kampf,
Den Wächter hatte Enkidu erschlagen.

Erschlagen hatten sie den Bösewicht,


Von dessen Brüllen bebt der Libanon,
Von dessen Brüllen bebt der Sirion,
In Furcht gerieten alle hohen Berge,
Es zitterten vorm Riesen die Gebirge.
Sie schlugen nieder diesen Bösewicht,
Und sieben Knechte hatten sie erschlagen.
Am Kampfplatz lag das Schwert von acht Talenten,
Die Last von zehn Talenten nahm der König.
Er öffnete die Wohnungen der Götter.
Die stolzen Zedern fällte Gilgamesch,
Es wühlte Enkidu im Wurzelwerk.
Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Mein Freund, die Zedern haben wir zu fällen,

Mut deiner Kraft hast du den Feind erschlagen.


Was ist es nun mit deiner Gürtelschnalle?
Leg hin die Zeder, die gen Himmel ragte,
Ich will dir eine breite Türe zimmern,
Ich suche eine Angel an dem Pfosten.
Nicht nahe sich ein Fremder, nur der Gott,
Der Gott allein soll schreiten durch die Tür,
Zum Tempel Enlils trage sie der Euphrat,
Es freu sich Enlil über dich, mein Freund,
Ja, jauchzen und frohlocken möge Enlil!

SECHSTER GESANG

Er wusch den Schmutz ab, putzte seine Waffen,


Die Haare schüttelt er sich in den Rücken,
Er zog sich neue reine Kleider an,
Umgab sich mit dem Mantel und dem Gürtel.
Dann setzte er die Königsmütze auf,
Da hob zur Schönheit Gilgameschs die Augen
Die Königin der Liebe, Göttin Ishtar.

Komm, Gilgamesch, du sollst mein Gatte sein,


O schenk mir, schenk mir deiner Liebe Fülle!
Sei du mein Mann, ich will dein Mädchen sein!
Ich schenk dir einen Wagen ganz aus Gold,
Mit Lapislazuli geschmückt und Mondstein.
Und Esel sollen ihn wie Stürme ziehen.
Tritt duftend wie die Zedern du ins Haus.
Thronsessel sollen dir die Füße küssen!
Vor dir die Könige und Fürsten knien,
Die Lullubäer des Gebirges sollen
Und alle Länder dir Tribute bringen.
Die Ziegen sollen Drillings-Zicklein werfen,
Die Schafe sollen Zwillings-Lämmer werfen.
Dein schneller Esel holt das Maultier ein.
Dein Roß vorm Wagen sei ein schneller Renner.
Deine Ochse unterm Joch sei ohnegleichen.

Und Gilgamesch sprach dies zur Herrin Ishtar:


Was muss ich geben, nehm ich dich zur Frau?
Dir Salbe für die Haut, dir schöne Kleider?
Fehlzs dir an Nahrung etwa oder Brot?
Ich habe Speise, die der Götter würdig,
Hab guten Trank in meinem Königreich.
Doch an dem Straßenrand, da sei dein Sitz,
Sollst nur mit leichtem Kleid bekleidet sein,
Dann nimmt dich jeder Mann, der dich begejrt!
Ein Ofen bist du, der das Eis nicht wahrt,
Bist eine Tür, die nicht die Winde abhält,
Bist ein Palast, der Helden niederschmettert,
Bist Erdpech, das den Arbeitsmann besudelt,
Ein Schlauch bist du, durchnässend seinen Träger,
Ein Kalkstein, der die Felsenmauer sprengt,
Ein Jaspis, der die Feinde in das Land lockt,
Ein Schuh, der drückt den Fuß des Eigentümers.
Ist da ein Mann, den du für immer liebst?
Ist da ein Held, der immer zu dir darf?
Nun, deine Freier werde ich dir nennen.

Dumuzi, den Geliebten deiner Jugend,


Hast du bestimmt, dass er alljährlich weint.
Und als du einst den Rackenvogel liebtest,
Hast du zerschlagen ihn und ihn zerbrochen.
Nun weilt er in dem Wald mit Klagerufen.
Du liebtest den an Kraft vollkommnen Löwen,
Du grubst ihm sieben Gruben, nochmal sieben.
Du liebtest einst den Hengst, der Schlacht gewöhnt,
Dann hast du Peitsche ihm bestimmt und Stachel,
Er musste sieben Doppelstunden rennen,
Er musste aufgewühltes Wasser saufen,
Stets weinte seine Mutter Silili.
Da du den Hirten und den Hüter liebtest,
Der ständig dir gebackne Kuchen brachte,
Der täglich Zicklein dir geschlachtet hatte,
Da hast du ihn in einen Wolf verwandelt,
Die eignen Hirtenknaben jagten ihn
Und seine Hunde bissen ihm ins Bein.

Du liebtest Ischulanu, deinen Gärtner,


Der deines Vaters Palmengärtner war,
Der stets dir Körbe voller Datteln brachte,
Und immer war dein Tisch sehr reich gedeckt.
Du hobst die Augen, un d du gingst zu ihm:
Mein Lieber, lass mich deine Kraft genießen!
Streck aus die Hand und fass an meine Nacktheit!
Und Ischulanu redete zu dir:
Was willst du eigentlich von mir, o Göttin?
Hat meine Mutter Kuchen nicht gebacken
Und hab ich nicht das weiße Brot gegessen?
Muss ich nun unter Schimpf und Flüchen essen,
Dass mich nur Gras bedeckt zum Schutz vor Kälte?
Und da du diese seine Rede hörtest,
Da schlugst du ihn, da wurde er zum Krüppel,
Du ließest leben ihn in großer Mühsal,
Nicht in des Brunnens Tiefe taucht sein Eimer.
Und liebst du mich, so werd ich ihnen gleich.
Die Göttin Ishtar, kaum vernahm sie dieses,
Ward Ishtar zornig, und sie fuhr gen Himmel,
Und Ishtar trat vor Gott, den Vater Anu,
Vor ihrer Mutter flossen ihre Tränen:
Mein Vater! Gilgamesch hat mich beschimpft,
Und Flüche reihte aneinander er,
Beschimpfungen und Flüche sprach er aus.

Gott Vater tat den Mund zum Reden auf


Und sprach zur Königin der Liebe, Ishtar:
Wohl reiztest selber du den Herrn von Urul,
Drum reihte er die Flüche gegen dich,
Beschimpfungen und Flüche gegen dich.

Und Ishtar tat den Mund zum Reden auf


Und sprach zu Anu, ihrem Gott und Vater:
Mein Vater! Schaffe mir den Himmelsstier,
Dass er den Fürst in seinem Hause töte!
Schaffst du mir aber nicht den Himmelsstier,
Zerschlage ich die Tür des Totenreichs,
Dann lasse ich die Tür weit offenstehen,
Die Toten lass ich alle auferstehen,
Das sie die Lebenden auf Erden fressen! -
Gott Vater tat den Mund zum Reden auf
Und sprach zur Königin der Liebe, Ishtar:
Wenn du den Himmelsstier von mir verlangst,
Dann gibt’s für Uruk sieben dürre Jahre,
Dann muss ich für die Menschen Brotkorn sammeln
Und wachsen lassen Gräser für das Vieh.

Und Ishtar tat den Mund zum Reden auf


Und sprach zu Anu, ihrem Gott und Vater:
Ich häufe Brotkorn für die Menschen auf
Und ich beschaffe Gräser für das Vieh,
Sie sollen satt sein in den sieben Jahren,
Drum hab ich Korn gesammelt für die Menschen
Und grünes Gras beschafft für all das Vieh.

Als Anu nun die Rede Ishtars hörte,


Gab er den Himmelsstier in ihre Hand.
Zur Erde führte ihn die Herrin Ishtar.
Der Himmelsstier gelangte so nach Uruk.

Der Himmelsstier kam zu dem Euphratstrom,


Sein Schnauben tat dort eine Grube auf,
Und hundert Männer fielen in die Grube.
Sein Schnauben tat die zweite Grube auf,
Zweihundert Männer fielen in die Grube.
Sein Schnauben tat die dritte Grube auf,
Dreihundert Männer vielen in die Grube.
Und Enkidu versank bis an die Hüfte.
Und Enkidu sprang eilends aus der Grube
Und griff den Himmelsstier an seinen Hörnern.
Da warf der Himmelsstier den Geifer aus
Und mit dem Schwanze warf er seinen Kot.

Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:


Wir rühmten uns, o Freund, der großen Kraft!
Was sollen wir denn nun zur Antwort geben?
Ich sah, mein Freund, den Stier in seiner Stärke.

Ausreißen will ich ihm die beiden Hörner.


Wir müssen ihn uns teilen, du und ich,
Ich will den Stier an seinem Schwanze packen!

In seinen Nacken soll mein Schwert sich bohren. -


Es jagte Enkidu den Himmelsstier,
Er hielt den Stier an seinem Schwanze fest,
Mit beiden Händen hielt ihn Enkidu,
Und Gilgamesch, so kundig wie ein Metzger,
Gewaltig traf den Himmelsstier und sicher,
In seinen Nacken bohrte sich sein Schwert.
Da sie getötet nun den Himmelsstier
Und ausgeweidet seine Eingeweide,
Da legten sie ihn nieder vor dem Gott,
Dann traten sie zurück und beugten sich
Voll Ehrfurcht vor dem Gott und König Schamasch,
Dann setzten sich die Brüder auf die Erde.

Und Göttin Ishtar stieg auf Uruks Mauer,


Da stieß sie aus ein lautes Wehgeschrei:
Weh über Gilgamesch, der mich verschmähte!
Der meinen Himmelsstier erschlagen hat! -
Als Enkidu die Rede Ishtars hörte,
Da riss er ab das Glied des Himmelsstiers
Und warf das Glied der Göttin vor die Füße:
Ha, krieg ich dich, so tu ich dir wie diesem!
An deine Brüste bin ich seine Hoden!

Da scharte Ishtar um sich ihre Mädchen,


Die Priesterinnen und die Tempelhuren,
Und dann beklagte sie des Stieres Glied.
Da rief die Waffenschmiede Gilgamesch,
Die Meister rühmten laut der Hörner Stärke,
Aus dreißig Pfund von Lapislazuli,
Und tausend Liter Öl der Hörner Inhalt,
Das weihte er als Salböl seinem Schutzgott,
Dann hängte er sie auf im Schlafgemach.
Im Euphrat wuschen sie sich dann die Hände
Und Hand in Hand dahin die Freunde zogen,
Sie fuhren auf der breiten Straße Uruks,
Zusammen kam das Volk, sie anzuschauen.
Und Gilgamesch sprach dies zu seinen Mägden:
Sagt an, wer ist der Herrlichste der Männer,
Wer ist der Mächtigste im Kreis der Helden?
Ich bin der Herrlichste im Kreis der Männer,
Ich bin der Mächtigste im Kreis der Helden!
Der wir das Stierglied vor die Füße warfen,
Die Göttin Ishtar hat nun keinen mehr,
Der an dem Straßenrand ihr Herz erfreut! -
Im Haus gefeiert ward ein Freudenfest,
In dem Palast des Königs Gilgamesch.
Die Männer schliefen ruhig in den Betten.
Da schlief auch Enkidu. Da träumte er.
Da fuhr er auf und sprach von seinem Traum,
Erzählte seinem Freunde seinen Traum.

SIEBENTER GESANG

Was denn beraten sich die Götter, Freund?

Vernimm den Traum, den ich heut nacht geschaut.


Gott Anu, Enlil, Ea und mein Schamasch
Berieten sich, und Enlil sprach zu Anu:

Drum, dass sie töteten den Himmelsstier,


Dass sie den Chumbaba getötet haben,
Von ihnen der soll sterben, sagte Anu,
Der dem Gebirg die Zeder hat entrissen!
Doch Enlil sprach: Nur Enkidu soll sterben,
Doch König Gilgamesch, er soll nicht sterben.

Nun Schamasch widersprach dem großen Enlil:


Ja, haben sie denn nicht auf meine Weisung
Den Himmelsstier und Chumbaba getötet?
Und nun soll Enkidu in Unschuld sterben?
Doch Enlil wurde zornig über Schamasch:
Du gingst zu ihnen wie zu deinesgleichen! -
Und Enkidu lag krank vor Gilgamesch,
Dem brachen Tränenströme da hervor:
Was sprechen sie mich frei statt meinen Bruder?
Muss ich mich setzen zu dem Geist des Toten
Und setzen an das Tor der Totengeister?
Soll ich den lieben Bruder nie mehr sehen?

Und Enkidu hob seine Augen auf,


Sprach mit der Pforte wie mit einem Menschen:
Du Pforte aus dem Wald, voll Unvernunft!
Du ohne Geist, der nicht vorhanden ist!
Ich sammelte das gute Holz für dich,
Mit eignen Augen schaute ich die Zeder,
Dein Zedernholz ist ohnegleichen, Pforte,
Die Höhe zweiundsiebzig Ellen hoch,
Die Breite vierundzwanzig Ellen breit,
Und Pfosten, Angeln, Schwelle sind bei dir,
Ich machte dich, ich hob dich auf in Nippur.
Hätt ich gewusst, dass diese deine Schönheit
Und deines Holzes Schönheit ist so groß,
Mit meinem Beil hätt ich ein Floß gebaut.

Ich machte dich, ich hob dich auf in Nippur.


Ein Fürst, der nach mir kommt, der soll dich wecken,
Es mag der Gott dich aus dem Tod erwecken.
Mein Name sei vertilgt aus deinem Holz,
Es sei des Gottes Name eingeschrieben. -
Er riss den Balken aus und warf ihn hin.
Und Gilgamesch vernahm des Bruders Worte
Und eilte in der Frühe zu dem Freund.
Und Gilgamesch sprach dies zu Enkidu:
Es schenkte dir der Herr ein weites Herz,
Gott schenkte Weisheit dir und schöne Worte!
Gott gab Vernunft dir, doch du redest irre!
Was sprichst du denn im Wahnsinn wirre Worte?
Der Traum war herrlich, aber auch voll Schrecken.

Groß war der Schrecken, doch der Traum war herrlich.


Den Lebenden die Götter lassen klagen!
Dem Überlebenden bleibt nur die Klage!
Ich bet und flehe an die Himmelsgötter!
Ich werde viel zu deinem Gotte beten,
Zu Anu, der der Vater ist der Götter!

Aus reinem Gold will ich dein Denkmal formen,


Sei ohne Sorge, Gold hab ich genug.
Was Enlil sagte, Freund, das muss geschehen,
Der Gott nimmt seine Worte nicht zurück.
Das Schicksal, Freund, beherrscht uns Menschen alle! -
Kaum, dass des Morgens erste Röte schien,
Hob Enkidu sein Haupt, vor Gott zu weinen,
Vor Schamasch flossen seine heißen Tränen.

Ich rief dich wegen meines teuren Lebens,


Ich rief dich, Schamasch, wegen jenes Jägers,
Der gibt mir nicht, was er dem Bruder gibt.
Der Jäger gibt mir nicht, was er dem Freund gibt.
Vernichte ihn! Vernichte seine Macht!
Dass sei dein Werk, den Jäger fortzujagen!
Ins goldne Himmelshaus soll er nicht kommen! -
Und als er so verflucht den wilden Jäger,
Verfluchte er die geile Hure auch.
Dir, Hure, dir bestimme ich dein Schicksal,
Ein böses Schicksal in der Ewigkeit!
Verwünschen will ich dich mit bösen Flüchen!
Am frühen Morgen schon verwünsch ich dich!
Du sollst in keinem Hause Herrin sein,
Du sollst kein Kind des eignen Schoßes lieben,
Nicht sollst du lieblich sein wie junge Mädchen,
Den Schoß soll dir ein böser Teufel schwängern,
Dein Kleidchen soll der Trunkne dir bespucken!

Als Becher bleibe dir ein Klumpen Lehm,


Vom Lapislazuli bekommst du nichts,
Der Menschen Gold sei nicht in deinem Haus,
Zum Bette diene dir des Hauses Schwelle,
Dein Aufenthalt sei an dem finstern Kreuzweg,
Dein Lotterbett sei in der öden Wüste,
Der Mauerschatten sei dein Aufenthalt,
Die Dornen stechen deine Füße wund,
Der Trunkne spucke dir auf deine Backe
Und der Berauschte schlage dich mit Fäusten,
Auf deiner Reise brüllt dich an der Löwe,
Die Mauer soll der Maurer nicht verputzen,
An deinem Giebel niste nachts die Eule,
Und du wirst nicht zum Gastmahl eingeladen!

Ich fluche dir! Du hast mich angepisst! -


Als Schamasch diese bittern Worte hörte,
Rief er vom Himmelreich zu Enkidu:
Was fluchst der Hure du, der Hierodule?
Sie gab dir Götterspeise doch zu essen,
Sie tränkte dich mit königlichem Rauschtrank!
Die Hierodule gab dir schöne Kleider
Und gab dir Gilgamesch zum Freund und Bruder.
Der Bruder lässt dich ruhn auf weichem Bett,
Er lässt dich sitzen auf dem Thron des Friedens,
Zu seiner Rechten lässt der Freund dich sitzen,
Die Völkerherrscher küssen dir die Füße,
Das Volk von Uruk klagt um dich und weint,
Die Edlen wegen dir sind voller Gram,
Der Freund lässt nackt den schmutzbedeckten Leib,
Zieht an ein Löwenfell, läuft in die Wüste.

Da Enkidu des Schamasch Worte hörte,


Da ward besänftigt sein erzürntes Herz.
Nun, Hure, ich bestimme dir dein Schicksal,
Ich fluchte dir, doch nun will ich dich segnen!
Dich sollen lieben Fürst und Gouverneur,
Wer mit dir geht, soll sich den Schenkel streicheln,
Wer mit dir geht, soll seine Haare schütteln,
Der Krieger löse gern dir seinen Gürtel,
Man gebe Lapislazuli und Gold dir,
Man lege Ringe dir an deine Ohren,
Für dich gefüllt sei Herd und Vorratskammer,
Ins Brautgemach der Götter lege dich,
Die Ehefrau, von sieben Kindern Mutter,
Soll man verlassen, um mit dir zu leben!
Und Enkidus Gemüt war voller Gram,
Als er da lag in tiefer Einsamkeit.
Er sprach zum Freund und Bruder, wie's ihm ginge:
Mein Bruder, heute Nacht hab ich geträumt,
Der Himmel rief, die Erde gab ihm Antwort,
Und zwischen beiden stand ich einsam da.
Da kam ein Mann mit düsterem Gesicht,
Dem Anzu-Vogel glich sein Angesicht,
Wie eine Löwentatze seine Füße
Und scharf wie Adlerklauen seine Finger.
Er packte mich am Schopf, besiegte mich,
Ich schlug ihn, aber er sprang auf und ab
Dem Seil gleich, über welches Ischtar hüpft,
Dann schlug er mich und drückte mich zu Boden
Und trat auf mir herum gleich einem Wildstier
Und schlang die Arme mir um meinen Leib.
Da rief ich: Rette mich, mein Freund und Bruder,
Doch ach, du hast mir nicht mehr beigestanden,
Als wärest du voll Angst vorm Zorn der Götter!

In eine Taube hat er mich verwandelt,


Die Arme wurden mir zu Vogelflügeln.
Er führte mich zum Haus der Finsternis,
Er griff mich, brachte mich zum Haus Irkallas,
Man kommt nicht wieder, wenn man eingetreten,
Man geht die Straße ohne Wiederkehr,
Zum Haus, wo man auf Licht verzichten muss,
Wo Staub die Nahrung ist und Lehm die Speise,
Wo man wie Vögel Federkleider trägt,
Wo man das Licht nicht sieht, im Dunkeln sitzt,
Auf Tür und Riegel liegt der Staub der Erde.

Und da ich trat ins Haus des Erdenstaubs,


Am Boden lagen da die Königsmützen,
Die Fürsten auch, die Träger hoher Hüte,
Die seit der Vorzeit herrschten in den Ländern,
Die Könige, die Stellvertreter Gottes,
Sie tragen da herbei gebratnes Fleisch,
Gebäck und Schläuche auch voll kühlen Wassers.
Da wo ich eintrat in das Haus des Staubes,
Da wohnten Hohepriester, Ministranten,
Die Opferpriester und die Gottgeweihten,
Dort wohnten die Gesalbten unsres Gottes,
Etanna wohnte dort und Sumukan,
Ereschkigal, die Königin des Staubes,
Beth-Lesseri, die Schreiberin der Erde,
Die in der Hand die Tafel hielt und vorlas,
Die wandte sich und blickte groß mich an,
Da nahm sie mich hinweg aus diesem Leben.

Der mit mir durch die Erdenmühsal zog,


Gedenke an mein jahrelanges Wandern!
Der Freund sah einen Traum, der Unglück weissagt,
Der Tag, da er den Traum sah, war zuende,
Da liegt er einen Tag und einen zweiten,
Es hockt der Tod in Enkidus Gemach,
Den fünften, sechsten und den siebten Tag,
Den achten, neunten und den zehnten Tag,
Die Krankheit Enkidus ward immer schlimmer,
Er liegt den elften Tag, den zwölften Tag,
Da liegt er auf dem Krankenbett des Todes,
Da rief er Gilgamesch und sprach zu ihm:
Mein Freund, ein böser Fluch hat mich verwünscht,
Ich falle nicht, ich sterbe nicht im Krieg,
So sterb ich ruhmlos ohne Ruhmeskranz!
Mein Freund, wer in dem Krieg fällt, der ist selig,
Ich aber sterbe ruhmlos und verachtet!

ACHTER GESANG

Und also sagte König Gilgamesch:


Hätt ich die Trommel heute doch gelassen
Im Haus des Zimmermanns, im Haus des Tischlers,
Die Zimmermännin gleich wär meiner Mutter!
Die Tochter wäre meine junge Schwester!
Zur Erde nun die Trommel ist gefallen,
Die Trommelstöcke fielen auf die Erde.
Und Enkidu sprach dies zu Gilgamesch:
Mein Herr, was ist so traurig deine Seele?
Die Trommel hol ich aus dem Schoß der Erde,
Die Trommelstöcke aus der Unterwelt!
Und Gilgamesch sprach dies zu Enkidu:
Und willst du steigen in das Totenreich,
Dann nimm du meinen guten Ratschlag an:
Ein reines Kleid darfst du nicht tragen dort,
Sonst wissen sie, dass du ein Fremder bist,
Darfst dich mit gutem Salböl auch nicht salben,
Sonst kommen sie, sobald das Öl sie riechen.
Wirf auch das Wurfholz auf die Erde nicht,
Sonst kommen die vom Wurfholz sind erschlagen.
Du darfst auch keinen Stock mit Händen fassen,
Sonst zittern dort vor dir die Totengeister.
Du darfst nicht Schuhe tragen an den Füßen
Und darfst nicht lärmen in dem Totenreich,
Dein liebes Weib darfst du dort auch nicht küssen,
Dein liebes Kind darfst du dort auch nicht streicheln,
Dein liebes Kind darfst du dort auch nicht kosen,
Den bösen Sohn darfst du dort auch nicht schlagen,
Sonst wird der Erde Aufschrei dich ergreifen.
Und die dort ruht, die Mutter, die dort ruht,
Die weißen Schultern schimmern unverhüllt!

Den Rat seines Herrn nahm sich Enkidu nicht zu Herzen.


Er zog sich ein reines Gewand an —
Daß er dort ein Fremder war, stellten sie fest.
Mit gutem Öl aus der Büchse salbte er sich —
Sie scharten sich zu ihm, sobald sie es rochen!
Das Wurfholz warf er auf die Erde —
Da umringten sie ihn, die vom Wurfholz erschlagen!

Ihr bloßer Busen ist dort wie ein Becher! -


Den Rat nahm Enkidu sich nicht zu Herzen.
Ein reines Kleid er wollte tragen dort,
So wussten sie, dass er ein Fremder war,
Er wollte sich mit gutem Salböl salben,
So kamen sie, sobald das Öl sie rochen.
Er warf das Wurfholz auf die Erde doch,
So kamen die vom Holz erschlagen waren.
Er wollte einen Stock mit Händen fassen,
So zitterten vor ihm die Totengeister.
Er wollte Schuhe tragen an den Füßen
Und wollte lärmen in dem Totenreich,
Sein liebes Weib er wollte küssen dort,
Sein liebes Kind er wollte streicheln dort,
Sein liebes Kind er wollte kosen dort,
Den bösen Sohn er wollte schlagen dort,
So tat der Erde Aufschrei ihn ergreifen.
Und die dort ruht, die Mutter, die dort ruht,
Die weißen Schultern schimmern unverhüllt!
Ihr bloßer Busen ist dort wie ein Becher!
Da kehrte Enkidu nicht mehr zurück.
Nicht packten ihn Dämonen, nein, die Erde!
Nicht packte ihn der Teufel, nein, die Erde!
Nicht fiel im Krieg er, nein, die Erde griff ihn!
Und Gilgamesch ging fort und weinte sehr
Und ging zum Heiligtum des Gottes Enlil.

Zur Erde nun die Trommel ist gefallen,


Die Trommelstöcke fielen auf die Erde.
Und Enkidu gepackt ward von der Erde!
Nicht packten ihn Dämonen, nein, die Erde!
Nicht packte ihn der Teufel, nein, die Erde!
Nicht fiel im Krieg er, nein, die Erde griff ihn!
Die Gottheit Enlil aber sprach kein Wort.
Und Gilgamesch ging fort und weinte sehr
Und ging zum Heiligtum des Gottes Sin.

Zur Erde nun die Trommel ist gefallen,


Die Trommelstöcke fielen auf die Erde.
Und Enkidu gepackt ward von der Erde!
Nicht packten ihn Dämonen, nein, die Erde!
Nicht packte ihn der Teufel, nein, die Erde!
Nicht fiel im Krieg er, nein, die Erde griff ihn!
Die Gottheit Sin jedoch sprach nicht ein Wort.
Und Gilgamesch ging fort und weinte sehr
Und ging zum Heiligtum des Gottes Ea.

Zur Erde nun die Trommel ist gefallen,


Die Trommelstöcke fielen auf die Erde.
Und Enkidu gepackt ward von der Erde!
Nicht packten ihn Dämonen, nein, die Erde!
Nicht packte ihn der Teufel, nein, die Erde!
Nicht fiel im Krieg er, nein, die Erde griff ihn!
Kaum hatte Vater Ea dies vernommen,
Da sprach er zu dem Todesgotte Nergal:

O Nergal, Mann und Heros, hör mich an,


O mögest du ein Loch der Erde auftun,
Dass Enkidu dem Loch entsteigen kann,
Dass er dem Bruder nenn der Erde Ordnung!

Und Nergal, Mann und Heros, er gehorchte


Und hatte kaum ein Erdloch aufgetan,
Als Enkidu als Geist entstieg der Erde.
Und da umarmten sich die beiden Freunde
Und setzten sich gemütlich auf die Wiese.

O sage mir, mein Freund, o sag, mein Bruder,


Und nenne mir die Ordnung dieser Erde!

Ich sags dir nicht, mein Freund, ich sags dir nicht,
Denn wenn du dieser Erde Ordnung schautest,
Du würdest legen dich und bitter weinen!

So will ich legen mich und bitter weinen!

Den Leib, den frohen Herzens du berührtest,


Frisst Ungeziefer wie ein altes Kleid!
Mein Leib, den frohen Herzens du berührtest,
Ist wie ein Grabesloch voll Staub und Kot!

Und Gilgamesch im Staube sitzen,


Er sprach zu Enkidu: Ah weh mir, wehe!
Der einen Sohn gezeugt hat, sahst du den?
Sprach Enkidu: Ich sah ihn und er heulte!

Sahst du auch den, der Zwillinge gezeugt? -


Ich sah ihn und er knirschte mit den Zähnen!

Den Vater dreier Söhne, sahst du ihn? -


Er heulte und er knirschte mit den Zähnen!

Den Einsamen, der keinen Erben hat,


Hast du gesehen ihn im Totenreich? -
Er aß gleich einem Arbeitssklaven Brot,
War wie ein schöner Gottes-Talisman!
Die Jungfrau, sahst du sie, die stets blieb Jungfrau? -
Ich sah die Frau, die keinen Mann ergötzte,
Gleich einem Becher lag sie auf der Erde.

Den Jüngling, der noch keine Frau entblößte,


Der nie ein schönes Weibchen ausgezogen,
Hast du gesehen ihn im Totenreich? -
Ich sah ihn und er hing an einem Strick,
Erhängte sich, beweinte seinen Tod!

Das junge Weib, das keinen Mann entblößt,


Das Weib, das keinen Mann je ausgezogen,
Hast du gesehen sie im Totenreich? -
Ich sah sie und sie lag auf einem Bett,
Benetzte dieses Bett mit heißen Tränen!

Der jungen Mann, der selber sich ermordet,


Hast du gesehen ihn im Totenreich? -
Ich sah ihn und er schrie nach seiner Mutter!

Die Frau, die eines frühen Todes starb,


Hast du gesehen sie im Totenreich? -
Sie lag auf einem Bette, Rauschtrank trinkend!

Die Krieger, die gestorben sind im Krieg,


Hast du gesehen sie im Totenreich?
Ja, ihre Mütter hielten ihre Köpfe
In ihren Schößen und beweinten sie!

Der, dessen Herz auf Erden nicht geliebt ward,


Hast du gesehen ihn im Totenreich? -
Er trinkt vom Opferwein, er isst vom Manna!

NEUNTER GESANG

Kaum dass ein erster Morgenschimmer glühte,


Sprach Gilgamesch zu seinem Freund und Bruder:
Mein Bruder, deine Mutter, die Gazelle,
Dein Vater zeugte dich, der wilde Esel,
Vier Eselinnen zogen dich mit Milch auf,
Die Tiere zeigten alle Weiden dir.

Und Enkidu ging bis zum Zedernwald,


Die Wälder mögen lauthals dich beweinen,
Und weinen sollen auch die alten Leute,
Das Volk, nach deinem Tode betend, weine,
Und weinen soll auch des Gebirges Mann!

In tiefer Trauer lege ich mich hin.


Die Aue soll wie deine Mutter klagen,
Und klagen möge Wald, Zypresse, Zeder,
Die wir verwüsteten in unsrer Wut,
Und weinen möge Bär, Hyäne, Tiger,
Und weinen möge Hirsch und Stier und Panther,
Und weinen soll der Löwe und der Steinbock,
Und weinen soll der Fluss, an dem wir gingen!
Laut weinen soll der breite Euphratstrom,
An dem wir opferten das reine Wasser,
Und weinen möge über dich das Volk,
Die Männer auch, die wir im Kampfe sahen,
Als wir vereint den Himmelsstier getötet,
Und weinen soll der Landmann und der Löwe,
Der Landmann, der besang dich schön in Liedern,
Und weinen möge über dich der Dichter,
Der deinen Namen zu den Sternen hob!
Und weinen möge über dich der Hirte,
Der Bier und Butter schuf für deinen Mund,
Und weinen möge über dich der Bauer,
Der gute Butter schmierte auf dein Brot,
Und weinen möge über dich der Bauer,
Der süßes Bier gemacht für deinen Mund,
Und weinen möge über dich die Hure,
Du salbtest dich, das hat ihr gut gefallen,
Und weinen möge über dich die Dirnen,
Im Sippenhaus gabst du ihr einen Ring,
Und weinen mögen über dich die Brüder
Und weinen mögen über dich die Schwestern,
Und weinen mögen laut die Klagepriester,
Bereit, sich ihre Haare auszuraufen,
Im Steppenlande weidet deine Mutter,
Ach Enkidu, ich weine wegen dir!

So hört mich ruhig an, ihr alten Leute,


Ich wein um Enkidu, um meinen Freund,
Ich klage jammernd wie die Klageweiber!
Du Axt an meiner Seite, so verlässlich,
Du Schwert an meinem Gürtel, du mein Schild,
Mein Festgewand, du Gürtel meiner Kraft,
Ein böser Dämon nahm mir meinen Freund!
Du wilder Esel des Gebirgs, du Wildstier,
Du schwarzer Panther in der weiten Steppe!
Nachdem zusammen wir den Berg erstiegen,
Da haben wir den Himmelsstier getötet,
Da haben wir den Chumbaba getötet!

Was hat dich denn nun für ein Schlaf befallen?


Du wurdest dunkel. Hörst du mich nicht mehr?

Und Enkidu schlägt nicht die Augen auf,


Und Gilgamesch des Bruders Herz befühlte,
Da schlug des toten Freundes Herz nicht mehr.
Und er verhüllte seinem Freund und Bruder
Gleich einer keuschen Braut das Angesicht,
Und Gilgamesch sprang auf, dem Adler gleich,
Wie eine Löwin, die beraubt der Jungen.
Er wandte vorwärts sich und wieder rückwärts
Er raufte sich das Haar, die Locken schüttelnd,
Zerriss sein Kleid und warf es ab wie Lumpen.

Kaum dass des Morgens erster Schimmer glühte,


Ließ Gilgamesch den lauten Ruf ergehen:
Steinschleifer, Goldschmied, Schmied und Ziseleur,
Du bilde meinem toten Freund ein Denkmal!
Da schuf der Schmied das Bildnis seines Freundes,
Die Glieder machte er von reinem Gold,
Von Lapislazuli des Bruders Brust.

Ich lasse ruhen dich auf weichem Bett,


Auf einem Ehrenlager sollst du liegen,
Auf deinem Friedensthron zu meiner Rechten,
Die Fürsten sollen dir die Füße küssen.

Und weinen soll um dich das Volk und klagen,


Die Edlen fülle ich mit Gram um dich,
Ich selbst lass meinen Körper schmutzbedeckt,
Zieh an das Löwenfell, lauf in die Wüste.

Kaum dass des Morgens erster Schimmer glühte,


Das ward ein großer Tisch hinausgetragen,
Von Karneol der Krug gefüllt mit Honig,
Von Lapislazuli der Topf voll Butter.
Und Opfergaben brachte er dem Gott,
Ließ Schamasch seine Opfergabe sehen.

ZEHNTER GESANG

Und Gilgamesch um seinen Enkidu


Voll Trauer war und eilte in die Steppe.
Und sterbe ich, bin ich nicht ebenso?

Und Kummer zog in seine Seele ein,


Da überkam ihn kalte Todesangst.
Nun laufe ich herum in dieser Steppe,
Utnapischtim will ich besuchen, will
Zum Sohn Ubara-Tutus, zieh den Weg,
Und werde eilig meine Straße ziehn.

Zum Bergespass gelangte ich des Nachts,


Da sah ich Löwen und ich hatte Angst,
Ich hob mein Haupt und betete zum Mondgott,
Und an die großen Götter ging mein Flehn:
O rettet mich aus schrecklicher Gefahr!
Nachts schlief er ein, vom Traum erwachte er,
Und wieder freute er sich seines Lebens.
Er nahm die scharfe Axt an seine Seite
Und zog das scharfe Schwert aus seinem Gürtel.
Und wie ein Pfeil er stürzte auf die Löwen,
Hieb auf sie ein, zerstreute sie ins Weite.

Zu einem Berg kam König Gilgamesch,


Des Berges Name war im Lande Maschu.
Und als er zu dem Berge war gelangt,
Die täglich Einzug hüteten und Auszug
Und über die der Himmel nur herausragt
Und deren Brust streift an den Höllenabgrund,
Skorpione hatten dort am Bergtor Wacht,
Die furchtbar waren, deren Anblick tödlich,
Ihr Schreckensglanz die Berge übergoss,
Den Aufgang und den Untergang der Sonne
Bewachten sie, und die sah Gilgamesch,
Mit Furcht und Schrecken deckte er sein Antlitz,
Er fasste sich und neigte sich vor ihnen.

Und der Skorpionmann rief zu seinem Weibchen:


Der heute kam, sein Leib ist Gottes Fleisch!

Und das Skorpionweib gab darauf die Antwort:


Zwei Drittel Gott, ein Drittel Mensch ist er!

Und der Skorpionmann rief zu Gilgamesch,


Zum Göttersprößling sagte er die Worte:
Warum bist du so fernen Weg gezogen
Und kamst hierher, vor mich und meine Frau,
Und überquertest mühsam breite Ströme?
Gern wüsste ich, worum es dir denn geht.

Und Gilgamesch gab Antwort den Skorpionen:


Utnapischtim will sehen ich, den Ahnen.
Der unter Göttern lebt des Lebens Fülle,
Ihn möchte ich nach Tod und Leben fragen.

Und der Skorpionmann sprach zu Gilgamesch:


Nicht gibt es Menschen, die ihn finden können.
Des Berges Innere ward nie durchschritten,
Auf vierundzwanzig Stunden ist es finster,
Tief ist die Finsternis, da ist kein Licht,
Zum Sonnenaufgang lenkt sich dann der Weg,
Zum Sonnenaufgang östlich vom Gebirge.

Und voller Leid, in Schnee und Sonnenhitze,


Und voller Jammerklagen ist der Weg!

Und der Skorpionmann sprach zu Gilgamesch:


Doch zieh du hin und fürchte dich nur nicht,
Den Berg von Maschu gebe ich dir frei,
Durchschreite das Gebirge nur getrost,
Heil mögen heim dich deine Füße tragen!

Kaum hatte Gilgamesch dies Wort gehört,


Als er die Weisung des Skorpions befolgte,
Trat in den Berg ein auf dem Weg der Sonne.

Kaum war er eine Stunde weit gegangen,


Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die zweite Stunde er gegangen,


Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die dritte Stunde er gegangen,


Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die vierte Stunde er gegangen,


Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die fünfte Stunde er gegangen,


Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die sechste Stunde er gegangen,


Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die siebte Stunde er gegangen,


Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die achte Stunde er gegangen,


Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die neunte Stunde er gegangen,


Da spürte er bereits den Nordwind wehen,
Da lächelte voll Hoffnung sein Gesicht,
Tief war die Finsternis, kein Licht war da,
Er konnte sehen nicht, was hinten lag.

Kaum war die zehnte Stunde er gegangen,


Da war schon nah der Ausgang aus dem Berge.

Kaum war die elfte Stunde er gegangen,


Kommt aus dem Berge er mit Sonnenaufgang.

Kaum war die zwölfte Stunde er gegangen,


Da herrschte schon die Helligkeit des Tages.
Die Bäume waren dort aus Edelsteinen,
Der Baum trug seine Frucht aus Karneol,
Dort hingen Jaspis-Trauben, schön zu schauen,
Die Blüten waren Lapislazuli,
Die Frucht war aus Rubin, schön anzuschauen.

ELFTER GESANG

Siduri war die Wirtin in der Schenke,


In Meeres-Abgeschiedenheit zuhause,
Dort wohnte sie und hatte einen Krug,
Sie hatte einen großen goldnen Bottich,
Mit feinsten Hüllen war sie hübsch verschleiert.

Und Gilgamesch, umher getrieben, kam,


Mit einem Löwenfell war er bekleidet,
Das Götterfleisch aß er wie weißes Brot,
Doch Gram und Kummer war in seiner Seele,
Sein Antlitz glich dem Pilger langer Wege.

Siduri schaute in die Ferne aus,


Sie sprach zu ihrem Herzen diese Worte,
Siduri so ging mit sich selbst zu Rate:
Vielleicht ist dieser Mann ein böser Mörder,
Denn irgendwo ist seines Weges Ziel.
Siduri also schloss die Türe zu,
Verriegelte die Pforte mit dem Riegel.

Und Gilgamesch vernahm Siduris Stimme,


Er richtete den Blick auf sie und sprach,
Und Gilgamesch sprach also zu Siduri:
Warum hast du die Tür verschlossen, Wirtin,
Verriegeltest die Pforte mit dem Riegel?
Die Tür zerschlage ich, zerbrech den Riegel!

Er hüllte sich ins Löwenfell und fraß


Das rohe Fleisch. Doch in die Brunnen wird
Siduris Wind die Wasser wieder treiben.

Gott Schamasch wurde traurig, trat zu ihm,


Er sprach zu Gilgamesch betrübt dies Wort?
O König Gilgamesch, wohin denn willst du?
Das wahre Leben, welches ewig währt,
Das wirst du ganz gewiss nicht finden, Sohn.

Da sagte Gilgamesch zum Helden Schamasch:


Ach Schamasch, all dies Laufen, all dies Rennen,
Und nirgends in der Welt ein Ort der Ruhe!
Ich habe meine Lebenszeit verschlafen!
Mein Auge möchte doch die Sonne sehen,
Um satt zu werden an dem Licht des Himmels!
Wenn fern die Finsternis, ist Lichtglanz da!
Ein Toter kann den Sonnenschein nicht sehen!

Und Gilgamesch sprach also zu Siduri,


Getötet habe ich den Himmelsstier,
Des Waldes Wächter hab ich auch erschlagen,
Ich brachte um den Riesen Chumbaba,
Der wohnte in dem dunklen Zedernwad.
Ich tötete in dem Gebirg die Löwen,
Getötet habe ich den Himmelsstier.
Siduri aber sprach zu Gilgamesch:
Warum sind deine Wangen welk geworden,
Warum ist so gebeugt dein Angesicht,
Warum ist deine Seele ohne Freude,
Warum ist solch ein Gram in deinem Geist?
Dein Antlitz gleicht dem Pilger ferner Wege,
Von Regenfeuchtigkeit ist nass dein Antlitz,
Dein Angesicht verzehrt von Sonnenhitze,
Du wanderst wie ein Löwe durch die Wüste.

Und Gilgamesch sprach also zu Siduri:


Der, den ich über alle Maßen liebte,
Der mit mir durch das Tal der Tränen zog,
Der, den ich über alle Maßen liebte,
Der mit mir durch das Jammertal gezogen,
Er ging zu dem Bestimmungsort der Menschheit.

Ich habe Tag und Nacht um ihn geweint,


Ich wollt nicht, dass man ihn im Grab begräbt,
Er möge auferstehen von den Toten
Auf meine schreienden Gebete hin!
Sechs Tage aber, sieben Nächte aber,
Die Würmer fraßen seinen schönen Körper!
Er ist dahin! Ich find das Leben nicht!
Ich irre wie ein Räuber durch die Wüste.

Siduri, nun ich hab gesehn dein Antlitz,


O möchte ich den Tod doch nicht erblicken!

Siduri also sprach zu Gilgamesch:


O Gilgamesch, wohin denn willst du gehen?
Das wahre Leben wirst du doch nicht finden.
Als einst der Göttliche die Menschheit schuf,
Da ward der Menschheit zugeteilt der Tod.
Die Menschen nahmen in die Hand das Leben.
Auf, Gilgamesch, und fülle deinen Magen,
Ergötze dich am Leben Tag und Nacht,
Du feire jeden Tag ein Freudenfest,
Du singe, musiziere Tag und Nacht,
Dein Kleid sei sauber und dein Haar gesalbt,
Nimm jeden Tag ein Bad in reinem Wasser,
Nimm deinen kleinen Knaben an die Hand,
Freu immer dich an deiner Gattin Vulva!
Das ists, was Gott dem enschen zugemessen.

Und Gilgamesch sprach also zu Siduri:


Utnapischtim, wie ist der Weg zu ihm?
Woran erkenn ich ihn? Das sage mir.
Wenns möglich ist, will ich das Meer befahren,
Wenns möglich ist, so geh ich durch die Steppe.

Was sagst du mir, berauschende Siduri?


Um meinen Freund ist mir das Herz bekümmert.
Was sagst du mir, liebreizende Siduri?
Um meinen Freund ist mir das Herz bekümmert.
Du wohnst am Meeresufer, meine Wirtin,
Du weißt Bescheid, dein Geist erfasst ja alles!
Wohin ich gehen soll, den Weg mir weise!
Wenns möglich ist, so geh ich übers Meer!

Siduri also sprach zu Gilgamesch:


Da gibt es keine Furt des Übergangs,
Es kann doch keiner wandeln übers Meer.
Nur Gott der Herr kann wandeln auf dem Wasser!
Voll Mühe ist der Weg zur andren Seite,
Dazwischen liegt das große Meer des Todes,
Das ist das unzugängliche Gewässer.
Vielleicht bist du schon auf dem Meer gegangen,
Was aber willst du tun am Todesmeer?
Da aber ist der Bootsmann Urschanabi,
Steinfische fischt er aus dem Todesmeer,
Du geh zu ihm, dass er dein Antlitz schaue,
Wenns möglich ist, dann fahre du mit ihm,
Doch ists nicht möglich, weiche hinter dich!

Kaum hatte Gilgamesch gehört dies Wort,


Da nahm er seine Axt in seine Hand,
Da zückte er das Schwert an seiner Hüfte,
Im Walde ließ er seine Stimme dröhnen,
Es sah ihn Urnaschabi heller Augen,
Er hörte seine Axt und lief hinzu,
Er packte seine Hand und hielt ihn fest.

Da kehrte Gilgamesch am Ufer um,


Und Urnaschabi sah ihm in die Augen.

Und Urnaschabi sprach zu Gilgamesch:


Wer du mit Namen bist, das sage mir!
Ich, Urnaschabi, dien Utnapischtim.

Und Gilgamesch sprach dies zu Urnaschabi:


Mein Name ist der König Gilgamesch,
Ich komm aus Uruk, aus dem Haus des Anu,
Ich bin umhergegangen im Gebirge,
Ging ferne Wege, ging den Pfad der Sonne,
Nun, Urnaschabi, hab ich dich gesehen,
Zeig mir den fernen Mann Utnapischtim!

Und Urnaschabi sprach zu Gilgamesch:

Wenn ich dir zeig den Mann Utnapischtim,


So musst du mit mir dies mein Boot besteigen,
Ich bin bereit, dich zu ihm hinzubringen. -
Gemeinsam nun berieten sich die beiden,
Und Gilgamesch sprach Worte zu dem Bootsmann.

Und Urnaschabi sprach zu Gilgamesch:


Warum sind deine Wangen welk geworden,
Warum ist so gebeugt dein Angesicht,
Warum ist solch ein Gram in deinem Herzen,
Warum in deiner Seele solche Schwermut?
Dein Antlitz gleicht dem Pilger ferner Wege,
Von Regenfeuchtigkeit ist feucht dein Antlitz
Und dein Gesicht verzehrt von Sonnenhitze,
Und du läufst wie ein Löwe durch die Steppe.

Und Gilgamesch sprach dies zu Urnaschabi:


Was sollen nicht verwelkt sein meine Wangen,
Was soll nicht so gebeugt sein mein Gesicht,
Was soll ich denn nicht Gram im Herzen tragen,
Der Seele Trübsal und des Geistes Schwermut?
Was soll ich gleichen denn nicht einem Pilger,
Das Antlitz nass von Regenfeuchtigkeit,
Das Antlitz abgezehrt von Sonnenhitze?
Was soll ich denn nicht durch die Wüste irren?

Mein Freund, das Maultier, dieser wilde Esel,


Der schwarze Panther in dem Steppenland,
Mein Freund, das Maultier, dieser wilde Esel,
Der schwarze Panther in dem Steppenland,
Nachdem zusammen wir den Berg erstiegen,
Nachdem wir töteten den Himmelsstier
Und töteten den Riesen Chumbaba
Und töteten die Löwen im Gebirge,

Der, den ich über alle Maßen liebte,


Der mit mir durch das Tal der Tränen zog,
Der, den ich über alle Maßen liebte,
Der mit mir durch das Jammertal gezogen,
Der ist nun am Bestimmungsort der Menschheit!

Sechs Tage weinte ich und sieben Nächte


Und wollt nicht, dass man ihn im Grab begrabe,
Wo Würmer fressen seinen schönen Körper.
Mir graute vor des Freundes Leichenblässe,
Und ich erschrak vorm Tod und lief davon.
Des Freundes Seele lastet jetzt auf mir,
So lief ich ferne Wege durch die Wüste.
Des Freundes Seele lastet jetzt auf mir,
So lief ich ferne Wege durch die Wüste.

Wie sollt ich stumm denn bleiben und verschwiegen?


Mein Freund, den ich geliebt, er ward zu Staub!
Mein Enkidu, den ich geliebt, ward Staub!
Und werde ich mich wie mein Bruder betten
Und nimmer auferstehn in Ewigkeit?

Und Gilgamesch sprach dies zu Urschanabi:


Wo ist der Weg nun zu Utnapischtim?
Woran erkenn ich ihn? Das sage mir.
Wenns möglich ist, will ich das Meer befahren,
Wenn es unmöglich, geh ich durch die Wüste.

Und Urschanabi sprach zu Gilgamesch:


Steinfische werden mich hinüberbringen,
Dass ich berühre nicht das Todeswasser.
Die Überfahrt nur hemmen deine Hände,
Denn du zerschlugst die Steinernen, die Fische.
Nun, wo die Steinernen zerschlagen sind,
Nimm deine scharfe Axt in deine Hand,
Wohlan, und gehe wieder in den Wald,
Und hundertzwanzig Stangen schneide dir,
Und schäle sie, bring Ruderblätter an,
Die sollst du zu mir bringen, Gilgamesch.

Kaum hatte Gilgamesch dies Wort gehört,


Nahm er die scharfe Axt in seine Hand,
Dann ging er in den dunklen Wald hinein,
Und hundertzwanzig Stangen schnitt er sich,
Sie schälend, brachte Ruderblätter an,
Und brachte alles dies zu Urschanabi.

Und beide nun das neue Schiff bestiegen,


Sie ruderten und fuhren so dahin.
Ein Weg von einem Mond und vierzehn Tagen
War schon am dritten Tag zurückgelegt,
So also kamen sie zum Todeswasser.

Und Urschanabi sprach zu Gilgamesch:


Halt dich zurück und nimm dir eine Stange,
Das Todeswasser darfst du nicht berühren,
Nimm eine zweite, dritte, vierte Stange,
Nimm eine fünfte, sechste, siebte Stange,
Nimm eine achte, neunte, zehnte Stange,
Nimm eine elfte, eine zwölfte Stange! -
Und Gilgamesch verbrauchte alle Stangen.
Und Gilgamesch nun seinen Gürtel löste,
Er riss die Kleidung sich vom Leib
Und hisste sie als Segel an dem Mast.

Utnapischtim sah in die Ferne aus,


Er sprach zu seinem Herzen diese Worte,
Mit seiner Seele ging er selbst zu Rate:
Warum sind denn die Steinernen zerschlagen?
Und wer fährt unberechtigt dort im Schiff?
Der, der da kommt, ist keiner von den Meinen.

Was denn begehrt von mir nur seine Seele?

Utnapischtim sprach dies zu Gilgamesch:


Warum sind so verwelkt denn deine Wangen
Und was ist so gebeugt dein Angesicht,
Warum ist voller Kummer deine Seele,
Dein Herz voll Schwermut und dein Geist voll Gram?
Dein Antlitz gleicht dem Pilger ferner Wege,
Von Regenfeuchtigkeit ist nass dein Antlitz,
Dein Angesicht versengt von Sonnenhitze,
Und wie ein Löwe irrst du in der Steppe.

Und Gilgamesch sprach zu Utnapischtim:


Was sollen meine Wangen denn nicht welk sein,
Was soll mein Angesicht denn nicht gebeugt sein,
Was soll mein Herz nicht voller Kummer sein,
Schwermütig meine Seele, trüb mein Geist?
Mein Antlitz gleicht dem Pilger ferner Wege,
Von Regenfeuchtigkeit ist nass mein Antlitz,
Mein Angesicht versengt von Sonnenhitze,
Und wie ein Löwe irr ich durch die Steppe.

Mein Freund, das Maultier, dieser wilde Esel,


Der schwarze Panther in dem Steppenland,
Mein Freund, das Maultier, dieser wilde Esel,
Der schwarze Panther in dem Steppenland,
Nachdem gemeinsam wir den Berg bestiegen,
Nachdem wir töteten den Himmelsstier
Und töteten den Riesen Chumbaba
Und töteten in dem Gebirg die Löwen,

Der, den ich über alle Maßen liebte,


Der mit mir durch das Tal der Tränen zog,
Der, den ich über alle Maßen liebte,
Der mit mir durch das Jammertal gezogen,
Er ist nun am Bestimmungsort der Menschheit!

Sechs Tage weinte ich und sieben Nächte


Und wollt nicht, dass man ihn im Grab begrabe,
Dass Würmer fressen seinen schönen Körper!
Mir graute vor des Freundes Leichenblässe,
Und ich erschrak vorm Tod, lief in die Wüste.
Des Freundes Seele lastet nun auf mir,
So geh ich ferne Wege in die Wüste.
Des Freundes Seele lastet nun auf mir,
So geh ich ferne Wege in die Wüste.

Wie sollt ich stumm denn bleiben und verschwiegen?


Mein Freund, den ich geliebt, er ward zu Staub!
Mein Enkidu, den ich geliebt, ward Staub!
Und werde ich mich wie mein Bruder betten
Und nimmer auferstehn in Ewigkeit?

Und Gilgamesch sprach zu Utnapischtim:


Auf dass ich käme zu Utnapischtim,
Den Fernen treffe und den Fernen sehe,
Durchirrte wandernd ich die Länder alle
Und überschritt die vielen hohen Berge
Und fuhr im Boote über alle Meere,
Erquickte sich mein Antlitz nicht am Schlummer,
Ich kränkte meine Seele selbst durch Wachen,
Und meine Adern füllte ich mit Schwermut,
Doch was gewann ich so zum wahren Leben?
Da ich noch nicht gelangt zum Haus Siduris,
War meine Kleidung doch schon abgenutzt,
Ich schlug Hyänen, Bären, Löwen, Tiger,
Steinböcke schlug ich, Hirsche und Gazellen,
Ich aß ihr Fleisch und zog an ihre Felle.
Verriegeln möge man das Tor der Klage,
Mit Pech und Asphalt soll man es verschließen.
Weil mich mit Liebesspiel nicht liebt Siduri,
Reißt mich, den Elenden, aus diesem Leben!

Utnapischtim sprach dies zu Gilgamesch:


Warum vermehrst du doch die Weheklage,
Der du aus Fleisch von Gott und Mensch gebildet,
Der du dem Vater gleichst und deiner Mutter?
Bist du denn irgendwann ein Narr gewesen?
Dem König stellte man den Thronstuhl auf,
Dem Narren aber gibt man Bier statt Butter,
Man gibt ihm altes Brot, der Mäuse Brot!
Der Narr trägt Lumpen statt des weißen Linnens,
Und statt des Gürtels trägt er einen Strick.
Weil er nicht hat auf Gottes Wort gehört
Und auf den Rat der Alten der Versammlung,
'Hab Mitleid mit dem Narren, Gilgamesch!

O Mondes Finsternis! Die Götter wachen!


Die Götter ohne Ruhe sind am Werk!
Seit jeher ist vorhanden Gottes Macht!
Bemühe dich und hilf den armen Seelen!
Gott führte deinen Freund zu seinem Schicksal.
Was schläfst du nicht? Was hast du denn davon?
Da du nicht schläfst, so seufzt du voller Sehnsucht,
Mit Wein der Schwermut füllst du deine Adern!

Du bringe deine Jugend, die schon fern ist,


Du hole deine Lebenszeit zurück!
Die Menschen, deren Kinder müssen sterben,
Den weisen ann, das schöne junge Mädchen,
Sie alle nimmt der ernste Tod hinweg.
Will jemand sehen denn des Todes Antlitz,
Will einer hören auch des Todes Ruf?
Es ist der Tod, der alle Menschen abmäht!
Zuerst errichtet man ein großes Haus,
Dann schreibt im Alter man ein Testament,
Dann teilen Brüder sich das Erbe auf,
Dann herrscht der Hass im Lande unter Brüdern!
Die Flut treibt fort den angeschwollnen Fluss,
Flußabwärts taumeln die Libellen fort.
Ein Angesicht, das stets die Sonne sieht,
Das gibt es nicht auf Erden, Gilgamesch.

Der Flüchtling und der Tote gleichen sich.


Das Bild des Todes ist nicht schön gemalt.
O Mensch! O Mann! Seit Enlil segnete,
Versammelt sind die Götter in den Himmeln,
Und Mammetum, des Schicksals große Göttin,
Bestimmt genau das Schicksal jedes Menschen,
Die Götter teilen Tod und Leben zu,
Des Todes Stunde ist uns nicht bekannt.

ZWÖLTER GESANG

Und Gilgamesch sprach zu Utnapischtim:


Schau ich auf dich, Utnapischtim, du Ferner,
Sind deine Maße gleich wie meine Maße,
Du bist nicht anders, sondern bist wie ich.
Ich möchte herzlich gerne mit dir kämpfen,
Untätig bleiben aber meine Arme.
Nun sag: Wie kamst du in die Schar der Götter,
Wie fandest du des Lebens Ewigkeit?

Utnapischtim sprach dies zu Gilgamesch:


Ich will dir ein Verborgenes eröffnen,
Das göttliche Geheimnis will ich künden.
Du kennst die Stadt, die Schuruppak geheißen,
Du kennst die Stadt, die liegt am Euphrat-Ufer,
Die Stadt war alt, die Götter waren nah.
Doch da entbrannt das Herz der großen Götter,
Die Sintflut zu bereiten dieser Welt.
Da schwor der Vater Anu, Gott des Himmels,
Und Enlil auch, der Held, gab seinen Rat,
Ninurta, der Minister, schwor den Eid,
Und Ennugi, der Deichgraf, schwor den Eid,
Ninschiku-Ea hatte es geschworen,
Und ihre Worte wurden aufgeschrieben.

O Haus aus Schilfrohr, höre, Mauer, höre,


O Haus aus Rohr, begreife, Wand, begreife!
O Mann der Stadt, du Sohn Ubara-Tutus,
Reiß ab das Haus und baue dir ein Schiff,
Lass fahren Reichtum, jag dem Leben nach,
Besitz gib auf, dafür epfange Leben,
Beseelten Samen trage in das Schiff!
Die Arche, welche du erbauen sollst,
Die Maße sollen abgemessen sein,
Gemessen sei die Breite gleich der Länge,
Und wie das Süßmeer soll ein Dach sie haben.

Ich hörte es und sprach zum Gotte Ea:

Die Weisung, Meister, die du mir gegeben,


Ich achte drauf und werde danach tun.
Was aber sage ich der Stadt, den Bürgern?

Und Ea sprach darauf zu seinem Knecht:

Du Mann sollst zu den Bürgern also reden:


Mir scheint, dass Gott nichts von mir wissen will,
Ich darf nicht mehr an eurem Orte wohnen,
Darf auf den Boden meinen Fuß nicht setzen,
So will ich steigen nieder zu dem Süßmeer,
Dort werde ich mit meiner Gottheit leben.
Auf euch lässt Gott dann regnen Überfluss,
Das Fleisch der Vögel, Eier auch der Fische,
Er will euch schenken eine reiche Ernte,
Am Morgen wird es Entenküken regnen,
Am Abend wird es goldnes Manna regnen!

Kaum dass des Morgens erste Schimmer glühte,


Versammelte sich zu mir die Gemeinde.
Der Zimmermann mir brachte harte Pfosten,
Bootsbauern brachten mir die Eisenklammern.
Die Männer wussten nicht von dem Geheimnis.
Ein Knabe trug herbei das schwarze Pech,
Die Armen brachten den Bedarf herbei.

Am fünften Tage ich entwarf das Äußre,


Die Bodenfläche war ein großes Feld,
Hoch hundertzwanzig Ellen seine Wände,
Und hundertzwanzig Ellen seine Decke.

Der Arche Aufriss ich entwarf genau,


Sechs Böden zog ich in die Arche ein,
In sechs Geschosse teilte ich sie ein.

Das Fundament ich teilte neunfach ein.


Und Pflöcke schlug ich in der Mitte ein.

Für Stangen sorgte ich und für Bedarf,


Sechs Tonnen Erdpech kochte ich im Ofen,
Korbträger waren da, das Öl zu tragen,
Das Öl, das man verbrauchte mit dem Backmehl,
Zwei Fässer Öl, die speicherte der Schiffsmann.

Und Rinder brachte ich als Proviant,


Und Lämmer brachte ich als Proviant,
Und süßes Bier und Most und roten Wein,
Und Suppen tranken sie als sei es Wasser,
Sie feierten ein Fest wie sonst zu Neujahr.
Bei Sonnenaufgang tat ich noch das Letzte,
Bei Sonnenuntergang war alles fertig.

Sehr schwierig war die Arbeit, immer neue


Stützhölzer bracht ich oben an und unten,
Bis richtig schwamm die Arche auf dem Wasser.

Und was ich alles hatte, lud ich ein,


Was ich besaß an Silber, lud ich ein,
Was ich besaß an Gold, das lud ich ein,
Was ich besaß an Samen, lud ich ein,
Die Hausgenossen lud ich ein, die Sippe,
Das Wild des Feldes, das Getier des Feldes,
Und alle Meistersöhne lud ich ein.

Den Zeitpunkt hatte Schamasch mir genannt.

Am Morgen lass ichs Entenküken regnen,


Am Abend lass ichs goldnes Manna regnen,
Dann steige in die Arche, schließ die Tür.

Der Zeitpunkt kam heran, den Gott genannt,


Am Morgen ließ er's Entenküken regnen,
Am Abend ließ er's goldnes Manna regnen,
Das Angesicht des Wetters sah ich an,
Des Wetters Angesicht war fürchterlich.

Da stieg ich in die Arche, schloss die Tür.


Dem Pusur-Amurri, der diese Arche
Verpichte, übergab ich meine Habe.

Kaum dass des Morgens erster Schimmer glühte,


Stieg schon vom Himmel auf die schwarze Wolke.
Und in der Wolke donnerte der Gott.
Und vor dem Donner zogen her die Blitze.
Die Blitze zogen über Berg und Land.
Ninurta ließ die Wasserbecken strömen.
Die Himmelsgötter hoben ihre Fackeln,
Mit ihrem Schein die Länder zu entflammen.
Die Himmel überfiel Beklommenheit,
Die Helligkeit verwandelt ward in Dunkel.
Das weite Land zerbrach so wie ein Topf.

Und einen Tag lang wehte heiß der Südsturm,


Blies drein und tauchte das Gebirg ins Wasser,
Und überkam die Menschen wie ein Krieg.
Kein Mensch sah einen andern Menschen mehr,
Im Regen unerkennbar all die Menschen.

Die Götter selbst erschraken vor der Sintflut,


Und sie entwichen in des Vaters Himmel.
Die Götter lagen draußen wie die Hunde.
Und Ishtar schrie wie eine Frau in Wehen,
Der Götter Herrin klagt mit schöner Stimme:

Wär jener Tag doch nur zu Staub geworden,


Da Schlimmes ich geboten hab den Göttern!
Wie konnt den Göttern Schlimmes ich gebieten,
Die Kriege zur Vernichtung meiner Menschen?
Denn erst gebäre ich die lieben Menschen
Und dann ertrinken sie im Meer der Fische!

Die Himmelsgötter klagten mit der Göttin,


Die Himmelsgötter saßen da und weinten,
Die trocknen Lippen tranken keinen Rauschtrank.

Sechs Tage aber, sieben Nächte aber


Die Winde bliesen, flutete die Sintflut
Und ebnet der Orkan die Länder ein.

Und als der siebte Tag herbei gekommen,


Schlug der Orkan die Sintflut plötzlich nieder,
Nachdem sie schrie wie eine Frau in Wehen,
Ward still und ruhig nun das große Meer.
Der böse Sturm war aus und aus die Sintflut.

Da hielt ich einen Tag lang ringsum Ausschau,


Da war nur tiefes Schweigen auf der Erde.
Die Menschen waren ganz zu Staub geworden.
Gleichmäßig wie ein Dach lag da die Aue.
Ich tat die Luke auf und sah die Sonne,
Da kniet ich nieder auf dem Boden, weinend,
Und über meine Wangen strömten Tränen.

Im Meere hielt ich Ausschau nach dem Ufer,


In hundertvierundvierzig Ellen Ferne
Stieg eine Insel aus dem großen Meer,
Zum Berge Nissir trieb heran die Arche.

Der Berg hielt fest die Arche, die nicht schwankte,


Und einen Tag und einen zweiten Tag
Der Berg hielt fest die Arche, die nicht schwankte,
Den dritten Tag und auch den vierten Tag
Der Berg hielt fest die Arche, die nicht schwankte,
Den fünften Tag und auch den sechsten Tag
Der Berg hielt fest die Arche, die nicht schwankte.

Und als der siebte Tag herbeigekommen,


Da ließ ich eine Taube aus der Arche,
Die Taube flog davon und kam zurück,
Sie hatte keinen Ruheplatz gefunden.

Da ließ ich eine Schwalbe aus der Arche,


Die Schwalbe flog davon und kam zurück,
Sie hatte keinen Ruheplatz gefunden.

Da ließ ich einen Raben aus der Arche,


Der Rabe flog davon und kam nicht wieder,
Er hatte einen Ruheplatz gefunden,
Er scharrte, fraß und hob den Schwanz zur Höhe.

Da ließ hinaus ich alle Lebewesen


Und brachte Gott dem Herrn ein Opfer dar,
Trankopfer bracht ich auf dem Berge dar,
Und vierzehn Weihrauchkessel stellt ich auf,
Da qualmte Süßholz, Zedernholz und Myrte.

Die Götter riechen gern des Weihrauchs Duft,


Mein Weihrauch war den Göttern wohlgefällig.
Die Götter kamen an wie Schmetterlinge,
Da war die große Göttin Mach gekommen,
Da flatterten davon die Schmetterlinge,
Die Gott der Göttin zum Ergötzen schenkte.

Gott sprach: Ihr Götter, bei dem Amulett


Von Lapislazuli an meinem Hals,
Ich werde stets an diese Tage denken,
In Ewigkeit vergesse ich sie nicht.
Die Götter mögen kommen zu dem Opfer,
Doch Enlil soll nicht zu dem Opfer kommen,
Weil Enlil töricht diese Sintflut brachte
Und meine Menschen gab dem Tod anheim!

Sobald nun Enlil war herbei gekommen,


Sah er die Arche und ergrimmte sehr
Und zürnte wütend mit den andern Göttern:

Ein Mensch entronnen und ein Geist gerettet!


Verderben sollte doch die ganze Menschheit!
Ninurta aber sprach zum Helden Enlil:

Wer kann denn etwas schaffen außer Ea?


Auch weiß ja Ea jeden Gottes Werk.

Und Ea also sprach zum Helden Enlil:

O Held, du Klügster unter allen Göttern,


Was hast du töricht doch gebracht die Sintflut?

Die Sünde lege du dem Sünder auf,


Den Frevel lege du dem Frevler auf!
Die Fessel lockre, schneide sie nicht ab,
Und zieh einher, dass nicht getötet werde!
Statt dass du eine Sintflut schickst zur Erde,
Lass lieber wilde Löwen Menschen fressen!
Statt dass du eine Sintflut schickst zur Erde,
Lass lieber wilde Wölfe Menschen fressen!
Statt dass du eine Sintflut schickst zur Erde,
Lass lieber Hungernot die Menschen fressen!
Statt dass du eine Sintflut schickst zur Erde,
Lass lieber Era alle Menschen würgen!
Nicht tu ich kund das göttliche Geheimnis,
Den Weisen lass ich schauen schönste Träume!
So weiß er von dem göttlichen Geheimnis.
Nun, Götter, schafft dem weisen Manne Rat!

Und Enlil hat die Arche drauf bestiegen,


Er fasste meine Hand, auch ich stieg ein,
Mein Weib ließ Enlil knieen neben mir,
Gott Enlil segnete mein Weib und mich:

Utnapischtim war nur ein Menschensohn,


Nun sei er Gott und seine Gattin Göttin,
Sie sollen wohnen an der Ströme Mündung! -
Und also wohn ich an der Ströme Mündung.

Wer aber wird die Götter zu dir senden,


Dass du das Leben findest, das du suchst?
Sechs Tage, sieben Nächte bleibe schlaflos!

Als Gilgamesch zu Boden sich gesetzt,


So wie ein Nebel hauchte ihn der Schlaf an.
Utnapischtim sprach dies zu seinem Weib:

Den Menschen schau, der sucht das wahre Leben!


So wie ein Nebel hauchte ihn der Schlaf an.

Und seine Frau sprach zu Utnapischtim:


So rühr ihn an, auf dass der Mann erwache!
Die Straße, die er kam, kehr er in Frieden,
Durchs Tor, durch das er zog, kehr er zur Heimat!

Utnapischtim sprach dies zu seinem Weib:


Der Mensch ist Trug! Er wird auch dich betrügen!
Auf, back ihm Brot und legs an seinen Kopf,
Die Tage, die er schläft, die zähle du!

Sie buk das Brot und legts zu seinem Kopf,


Die Tage, die er schlief, die zählte sie.
Das erste Brot war schon vollkommen trocken,
Das zweite schimmlig und das dritte feucht,
Das vierte wurde weiß, es war sein Röstbrot,
Das fünfte Brot war grau, das sechste frisch,
Sie buk das siebte, und sie rührt ihn an,
Und da erwachte König Gilgamesch.

Und Gilgamesch sprach zu Utnapischtim:


So wie der Schlaf auf mich herab gesunken,
Hast du mich angerührt und aufgeweckt!

Utnapischtim sprach dies zu Gilgamesch:


Auf, zähle deine Brote, Gilgamesch!
Die Tage deines Schlafs berechne du!
Das erste Brot war schon vollkommen trocken,
Das zweite schimmlig und das dritte feucht,
Das vierte wurde weiß, es war dein Röstbrot,
Das fünfte Brot war grau, das sechste frisch,
Gebacken ward das siebte, du erwachtest!

Und Gilgamesch sprach zu Utnapischtim:


Wie soll ich handeln und wo soll ich wandeln?
Der Tod hat schon mein Inneres gepackt!
In meinem Schlafgemache hockt der Tod,
Wenn ich den Fuß an Lebensplätze setze,
Auch dort steht schon der Tod, mich hinzuraffen!

Utnapischtim sprach nun zu Urschanabi:


Der Landeplatz missachte dich, o Bootsmann,
Die Furt des Übergangs verschmähe dich,
Der du einhergegangen an der Küste,
Entbehre du des Meeres Küste nun!

Der Menschensohn, den du herbei gebracht,


Von Schmutz befangen ist sein ganzer Körper,
Die Schönheit seiner Glieder ist entstellt.
Nun nimm du ihn und bringe ihn zum Bad,
Er wasche sich und werde rein wie Schnee!
Die Löwenfelle werfe er ins Meer!
Sein schöner Körper werde abgewaschen,
Erneuert werde seines Hauptes Turban,
Er nehm ein Kleid, das würdig seiner Würde!
Bis dass er kommt zu seiner Heimatstadt,
Bis er gelangt auf seiner Heimat Straßen,
Soll grau sein Kleid nicht werden, sondern weiß sein!

Er nahm ihn und er brachte ihn zum Bad,


Er wusch sich da und wurde rein wie Schnee!
Die Löwenfelle warf er in das Meer!
Sein schöner Körper wurde abgewaschen,
Erneuert wurde seines Hauptes Turban,
Er nahm ein Kleid, das würdig seiner Würde!
Bis dass er kommt zu seiner Heimatstadt,
Bis er gelangt auf seiner Heimat Straßen,
Soll grau sein Kleid nicht werden, sondern weiß sein!

Und Gilgamesch und Urschanabi stiegen


Ins Boot und fuhren übers Meer davon.

Und zu Utnapischtim sprach seine Frau:


Er hat sich abgemüht und abgeschleppt,
Was gibst du ihm, wenn er zur Heimat kehrt?

Und König Gilgamesch hob eine Stange


Und brachte so das Boot heran ans Ufer.

Utnapischtim sprach dies zu Gilgamesch:


Du hast dich abgemüht und abgeschleppt,
Was geb ich dir, wenn du zur Heimat kehrst?

Verborgenes will ich dir offenbaren,


Das Unbekannte will ich kund dir tun.
Es ist da ein Gewächs, dem Stechdorn ähnlich,
Wie Rosendornen stichts dich in die Hand.
Wenn deine Hände diese Dornen finden,
Hast du das Leben in der Ewigkeit!

Kaum hatte Gilgamesch dies Wort gehört,


Da grub er einen tiefen Schacht im Meer
Und band sich schwere Steine an die Füße,
Die ihn zum Grund des Süßmeers nieder zogen,
Er nahm den Dornenkranz, zwar stach er ihn,
Er schnitt von seinen Füßen ab die Steine,
Dass ihn die Fluten an das Ufer werfen.

Und Gilgamesch sprach dies zu Urschanabi:


Die Pflanze hier, die rettet vor der Angst,
Und wer sie findet, findet auch das Leben,
Ich will sie bringen heim nach Uruk-Gart,
Sie dort zu essen geben, zu erproben.
Ihr Name ist: Der Greis wird wieder jung!
Ich ess sie, und mir kehrt zurück die Jugend! -
Nach vierzig Stunden aßen sie ein wenig,
Nach sechzig Stunden ruhten sie am Abend.
Da sah er einen Brunnen kalten Wassers,
Er stieg hinab, im Wasser sich zu baden.
Die Schlange roch den Duft der Lebenspflanze,
Verstohlen kam sie an und fraß sie Pflanze,
Da warf sie ab die alte Schlangenhaut!

Da setzte Gilgamesch sich weinend nieder


Und Tränen strömten über seine Wangen.
Ach rate mir, o Bootsmann Urschanabi!
Für wen denn mühten meine Arme sich,
Für wen verströmt ich des Herzens Blut?
Nicht kann ich mir ja selber Gutes schaffen,
Nur für das wilde Untier schuf ich Gutes!
Jetzt steigen vierzig Stunden hoch die Fluten,
Ich ließ, als ich den Schacht gegraben habe,
Das Werkzeug auf dem Meeresboden liegen.
Wie könnte ich das Werkzeug wiederfinden?
Hätt ich das Boot am Ufer nur gelassen!

Nach vierzig Stunden aßen sie ein wenig,


Nach sechzig Stunden ruhten sie am Abend.

Und als sie heim nach Uruk-Gart gekommen,


Sprach Gilgamesch zum Bootsmann Urschanabi:
Steig einmal auf die Mauer, gehe weiter,
Den Grund besieh und prüf das Ziegelwerk,
Ob nicht das Ziegelwerk aus Backstein sei,
Den Grund nicht legten doch die sieben Weisen!
Ein Sar die Stadt, ein Sar der Palmengarten,
Ein Sar der Fluß, ein Sar der Ishtartempel,
Der heilige Bereich des Ishtartempels!

BABYLONISCHER GESANG

ERSTER GESANG
ADAMA UND DIE SPEISE DES LEBENS

Der erste Mensch besaß die Weisheit Gottes,


Sein Wort war wie das Wort von Vater Anu.
Und Ea ihm gewährt ein offnes Ohr,
Des Reiches Schicksal so zu offenbaren,
Und Ea ihm gewährte Gottes Weisheit,
Doch er gewährt ihm nicht das ewge Leben.
In jenen Tagen und in jenen Jahren
Der weise Mensch war da in Eridu.
Den hatte Ea als das Haupt geschaffen,
Das Haupt der ganzen menschlichen Gemeinde,
Ein weiser Mann, dem keiner widersprach,
Er war der Weise unter all den Göttern,
War makellos, gesalbt die reinen Hände,
Der er beachtet göttliche Gesetze.
Und mit dem Bäcker backte er das Brot,
In Eridu der Bäcker backte Brot,
Er machte täglich Eridu die Speise,
Er machte täglich Eridu das Wasser,
Mit reinen Händen deckte er den Tisch
Und ohne ihn der Tisch war nicht befriedigt.
Das Schiff hat er gesteuert, Fischerei
Und Jagd geübt hat er für Eridu,
Dann Adama sah Ea, Gott der Weisheit,
Der Gott lag in der Kammer auf dem Bett…
Und Adama besuchte Eridu,
Stets wenn die Tore in der Stadt man schloss.
Am Deiche unterm Neumond er begann
Im Schiff, der Wind blies, war sein Schiff verloren,
Das Ruder fort, mit dem das Schiff gelenkt ward,
Das Schiff verloren im empörten Meer!

Der Südwind hat mich aus dem Haus des Herrn


Getrieben, sagte ich, o heißer Südwind,
Ich gehe auf dem Weg zu dir und alles
Und deine Flügel will ich dir zerbrechen!
Und wie er dieses sprach, da war
Des Südwinds Flügelpaar auch schon zerbrochen,
Und sieben Tage blies der Südwind nicht.
Und Anu sprach zum Engel Ilebrat:
Was brennt der Südwind nicht seit sieben Tagen?
Der Engel Ilebrat gab Antwort: Herr,
Durch Adama, den Sohn der Gottesweisheit,
Des Südwinds Flügel sind kaputt gegangen.
Als Anu hörte dieses Wort des Engels,
Rief Gott um Hilfe: Der den Thron bestiegen,
Den lasse einen von den Engeln bringen!
Und Ea, Gott der Weisheit, kennt den Himmel.
Er weckte Adama und ließ ihn bringen.
Er hat ein Trauerkleid ihm angezogen
Und gab den Ratschlag ihm: O Adama,
Geh zu zum Angesicht des Königs Anu,
Des Vaters, der im höchsten Himmel herrscht!
Und wenn du kommst zum Vater in den Himmel,
Und wenn du anklopfst an die Himmelstür,
Dann stehen Tammuz und Gischzida da,
Sie sehen dich und werden dich befragen:
Vor wem willst du erscheinen, Adama?
Für welchen Geist trägst du dein Trauerkleid?
Dann sage du: In unserm Lande sind
Zwei gute Götter aus der Welt verschwunden.
Und wenn sie fragen: Wer sind diese Götter?
Dann sage: Tammuz und Gischzida sinds!
Dann schauen sie dich an und wundern sich.
Und gute Worte sprechen sie zu Gott dann.
Das Angesicht von Anu wirst du sehen.
Und wenn du stehst vorm Vater in dem Himmel,
Man setzt vor dich des Todes schlechte Speise,
Die esse nicht! Man zeigt des Todes Trank dir,
Den trinke nicht! Man gibt dir weiße Kleider,
Die ziehe an! Mit Öl wird man dich salben.
Vergiss den Rat nicht, den ich dir gegeben.
Halt fest die Worte, die ich dir gesagt.
Da kam der Engel von dem Vatergott:
Des Südwinds Flügel Adama zerbrach,
So bringt nun Adama zu Gott im Himmel!
Er nahm ihn mit, den Weg ins Himmelreich,
Und er ist aufgefahren in den Himmel.
Und als er in den dritten Himmel kam
Und als er an die Himmelspforte klopfte,
Da standen Tammuz und Gischzida da,
Und als sie sahen Adama, sie riefen:
Gott helf uns, Herr! Vor wem willst du erscheinen?
Für welchen Geist trägst du das Trauerkleid? -
Zwei Götter sind aus unserm Land verschwunden
Und darum trage ich das Kleid der Trauer. -
Wer sind die beiden Götter, die verschwunden? -
Gischzida sinds und Tammuz, diese zwei. -
Sie sahn einander an und staunten sehr.
Und Adama dem Vater Anu nahte,
Und Vater Anu sah ihn an und sprach:
Komm, Adama! Was brachen deine Flügel
Vom Südwind? Da sprach Adama: O Herr,
Ist Gottes Haus doch in des Meeres Mitte,
Da fing ich Fische, um sie dann zu braten.
Das Meer war wie ein unbefleckter Spiegel,
Der Südwind blies und da bin ich gekentert.
Zum Hause Gottes wurde ich getrieben,
Da war mein Herz voll Zorn und Achtsamkeit.
Gischzida sprach und Tammuz sprach zu ihm:
Da bist du endlich nun in Gottes Haus.
Sie sprachen zu dem Herrn, dem Vater Anu.
Und Gott beruhigte sich, sein Herz war stille.
Warum hat Ea denn dem schlimmen Menschen
Das liebe Herz des Himmels offenbart?
Gott schuf dich, und der Herr gab dir den Namen.
Was machen wir mit diesem Adama?
Des Lebens Speise bringt ihm, dass er esse!
Sie brachten ihm des Lebens Speise, aber
Er aß sie nicht. Sie brachten ihm den Trank
Des Lebens, doch er hat ihn nicht getrunken.
Sie brachten Kleider ihm, er zog sie an.
Sie brachten Öl zu ihm, er salbte sich.
Und Vater Anu sah ihn fragend an.
Komm, Adama! Was hast du nicht gegessen,
Was hast du nicht getrunken? Du sollst leben! -
Weil Ea sprach: Du iss und trinke nichts,
Drum hab ich nicht gegessen und getrunken. -
Sie nahmen ihn und brachten ihn zurück
Zur Erde. Und der Vater sah ihn an.

Als Gott der Vater hörte all das Unheil,


Im Zorne seines Herzens schickte er
Den Engel, der das Herz der Götter kennt.
Der Engel kam zu Ea, zu dem Weisen,
Und Gottes Worte trug er zu dem Weisen,
Zum Gott der Weisheit, zu dem König Ea.
Gott Vater schickte einen Engel, der
Das Herz der großen Himmels-Götter kannte.
Der Himmel war fixiert von Gottes Wort.
Zerrissne Lumpen sollst du tragen schmutzig,
Du sollst nun tragen schwarze Trauerkleider!
So sprach zu Adama der Engel Gottes.
Du, Adama, sollst vor den Vater treten,
Halt Gottes Worte du der Reihe nach.
Und wenn du in den Himmel kommst zu Gott,
Dann klopfe dreimal an die Himmelspforte,
Dann wird dir Tammuz öffnen, Gottes Sohn.

ZWEITER GESANG
DIE SIEBEN BÖSEN GEISTER

Die Stürme brüllen, das sind böse Götter,


Dämonen unterm himmlischen Gewölbe,
Die Arbeiter des bösen Geistes sinds,
Die stehen jeden Tag zum Bösen auf
Und tun die schlechte Arbeit der Zerstörung.
Der Erste ist der überheiße Südwind,
Der Zweite ist der Drache offnen Rachens,
Der Dritte ist der Panther mit den Jungen,
Der Vierte ist die Schreckensherrin Shibbu,
Der Fünfte ist der Wolf, der niemals flieht,
Der Sechste ist die Seuche, die grassiert,
Der Siebte ist der böse Sturm der Rache.
Die Sieben sind die Todesengel Gottes,
Sie arbeiten in jeder Stadt im Dunkeln,
Orkane sind sie, die gewaltig jagen,
Und dicke Wolken bringen sie am Himmel,
Windböen, die nur Finsternisse bringen,
Die mit dem bösen Wind Imkullu kommen,
Die überquellenden Zerstörer sinds,
Die auf der rechten Seite Adads gehen,
In Himmelshöhen blinken sie wie Blitze,
Die Schadenstifter und Zerstörer sinds,
In König Anus Himmel tun sie Böses,
Und keiner kann den Teufeln widersprechen.
Wenn Vater Enlil diese Worte hört,
Den Plan in seinem Herzen er bedenkt,
Mit Ea in der Himmelsgötter Rat,
Mit Mondgott und mit Sonnengott im Himmel,
Mit Göttin Ishtar in dem dritten Himmel,
Mit Anu teilt die Herrschaft er im Himmel,
Drei Himmelsgötter herrschen, ihre Kinder
Sind ordiniert und wirken Tag und Nacht.
Als nun die sieben bösen Geister stürmten
Und wollten Gottes Königreich erobern,
Sie setzten wütend sich vor Sin, den Mondgott,
Sie setzten sich vor Schamasch, Gott der Sonne,
Und saßen vor dem starken Krieger Adad,
Die alle brachten sie auf ihre Seite,
Nur Göttin Ishtar herrschte mit dem Vater,
Die Jungfrau übte aus des Himmels Herrschaft.
Und Tag und Nacht war dunkel Sin, der Mondgott,
In seiner Herrschaft Wohnung saß er unten.
Die bösen Götter sind die Todesengel
Des Königs Anu, Vater in den Himmeln,
Sie heben ihre bösen Köpfe hoch
Und schütteln ihre Köpfe in der Nacht.
Nur schlechte Menschen suchen ihren Einfluss,
Wie Stürme wehn sie über alle Länder.
Und Vater Enlil sah den dunklen Mond,
Sah die Verdunkelung des Sin am Himmel,
Da sprach der Herr zu seinem Diener Nusku:
Mein Knecht, bring meine Botschaft zu den Meeren,
Das Wort von meinem Sohne Sin, der dunkel ward,
Verkünd es Ea in dem Ozean. -
Und Nusku hörte auf das Wort des Herrn,
Zu Ea ging er schnell, zum Ozean.
Und Nusku sprach die Worte seines Herrn
Zu Ea, der das Wort im Meer gehört.
Er biss sich auf die Lippen mit den Zähnen
Und füllte seinen Mund mit Jammerheulen.
Und Vater Ea rief den Sprössling Marduk
Und gab dem Gottessohne diese Botschaft:
Geh, Marduk, geh, mein göttergleicher Sohn,
Denn Sin am Himmel ward verdunkelt, traurig,
Ich schaute die Verdunkelung des Mondes,
Die sieben Todesengel, ohne Furcht,
Die sieben bösen Götter sind die Sintflut,
Sie stürzen strömend auf die Länder alle,
Sie steigen stürmend gegen Länder auf,
Sie sitzen wütend vor dem Mond, der trauert,
Die Sonne brachten sie auf ihre Seite.

Zerstörerische Stürme, böse Winde,


Ein Sturm des Bösen, Engel des Verderbens,
Gewaltige und starke Söhne sinds,
Die Todesboten sie der Todesgöttin!
Die Fluten durch die Lande strömen sie,
Die sieben Götter durch den weiten Himmel,
Die sieben Götter auf der breiten Erde,
Die sieben Götter, sieben Diebe sinds,
Die sieben Götter allgemeinen Schwankens,
Die sieben bösen Götter und Dämonen,
Gewaltsam, böse sind sie, die Dämonen,
Vom Himmel kommend, gehn sie auf der Erde.

Sie sind nicht Männer und sind keine Frauen.


Sie sind die destruktiven Wirbelwinde,
Die haben keine Frauen, keine Kinder,
Die kennen nicht Barmherzigkeit und Mitleid,
Die hören nicht Gebet und Weheflehen.

Die Pferde sind gezüchtet in den Bergen,


Thronträger sinds der Götter in den Himmeln,
Sie stehen auf den Straßen, auf den Wegen,
Sie sind das Böse, sie sind schlecht und schlimm,
Sind sieben, sieben sinds und zweimal sieben.

Die hohen Häuser und die breiten Häuser


Die Geister überfluten mit der Sintflut,
Von Haus zu Haus die hohen Wogen stürzen,
Die Türen wissen sie nicht auszusperren,
Die Schrauben können sie zurück nicht drehen,
Sie gleiten durch die Tür wie eine Schlange,
Sie stürmen längs den Angeln wie der Wind.
Die Frau sie reißen aus des Mannes Armen,
Die Knaben reißen sie vom Vaterschoß,
Den Mann entfremden der Familie sie.

Sie sind die sieben, sind die sieben Geister,


Im Abgrund des Kanals sind sieben Geister,
Im Glanz des Himmels sind die sieben Geister,
In des Kanals Palast sie wuchsen auf,
Sind männlich nicht und sind auch weiblich nicht,
Ihr Weg ist in der Mitte und der Tiefe,
Sie haben keine Frau und keine Söhne,
Sie kennen Ordnung nicht und Freundlichkeit,
Sie hören nicht Gebet und Weheflehen,
Die Höhlen in den Bergen sie betreten,
Dem höchsten Himmelsvater sind sie feindlich,
Thronträger sind sie für die Himmelsgötter,
Sie stören gern die Lilien in den Bächen,
Sie sind sehr ekelhaft, sehr widerlich,
Sind sieben, sieben sinds und zweimal sieben,
Die Götter in den hohen Himmelreichen
Erinnern sich an diese bösen Teufel,
An diese bösen Teufel sich erinnern

Die Göttinnen der schwarzen Mutter Erde.

ENUMA ELISCH

ERSTER GESANG

Als droben noch geschaffen nicht der Himmel,


Noch unten nicht genannt der feste Boden,
Ur-Apsu, ihr Erzeuger, und desgleichen
Die Mummu Tiamat, der Welten Mutter,
Die Wasser noch vermischt zu einem Leib nicht,
Als keine Hütte war von Schilf errichtet,
Als noch kein Sumpf erschienen war auf Erden,
Da noch die Götter nicht gebracht ins Dasein,
Da keiner einen Eigennamen trug
Und nirgends noch ein Schicksal war bestimmt,
Da wurden dann die Himmlischen gebildet
Und Lahamu und Lachmu kamen vor
Und wurden nun mit Namen auch genannt.
Bevor sie alt und groß geworden waren,
Gebildet wurden Anshar da und Kishar,
Die übertrafen alle andern Götter.
Und lange Zeit verging. Und dann kam Anu,
Der Götter Erbe, der Rival der Väter.
Der Erstgeborene war Anshar und
Ihm ebenbürtig war der Vater Anu,
Der schuf in seinem Bilde Nudimmud,
Und Nudimmud, das war der Väter Meister,
Von großer Weisheit, groß an Kraft und Klugheit,
Der mächtiger als seines Vaters Vater,
Da war auch kein Rivale bei den Göttern.
Und so geboren ward die Schar der Götter.
Sie störten Tiamat, die wogte drunten,
Ja, voller Unruh ward der Mutter Stimmung,
Weil heiter war die hohe Burg des Himmels.
Auch Apsu konnt nicht mindern ihr Geschrei
Und Tiamat war sprachlos allerwegen.
Sie waren ekelhaft und überheblich.
Und Apsu kam, der großen Götter Schöpfer,
Er weinte, wandte sich an seinen Diener:
O Mummu, mein Wesir, dir jauchzt mein Geist,
Komm, Mummu, gehen wir zu Tiamat!
Sie gingen, setzten sich zu Tiamat,
Sie tauschten Ratschlag aus um Ratschlag über
Die Götter, ihre erstgebornen Kinder.
Und Apsu öffnete den Mund und sagte
Zu Tiamat, die prangte voller Schönheit:
Der Götter Weg ist wirklich ekelhaft!
Tagsüber find ich nicht Erleichterung
Und komme nicht zur Ruhe in der Nacht.
Zerstören werde ich der Götter Wege,
So wird die Ruhe wieder hergestellt.
Lasst uns in Ruh! Dies hörte Tiamat
Und wurde wütend und rief ihren Mann an.
Sie heulte auf als die Geschädigte,
Die ganz allein und einsam wütete,
Stieß einen Fluch aus und sprach so zu Apsu:
Wie, sollten wir zerstören das Erbaute?
Ihr Weg ist lästig! Lasst uns doch in Ruhe!
Dann Mummu gab dem Apsu diesen Ratschlag,
Ungnädig war der Mummu Ratschlag, böse:
Mein Vater, du zerstörst der Meutrer Wege,
Dann findest du Erleichterung bei Tag
Und wirst auch ruhen können in der Nacht.
Als Apsu dieses hörte, strahlte er,
Er plante etwas gegen seine Söhne,
Die Götter, wegen ihrer Übeltaten.
Und er umarmte Mummu an dem Hals,
Sie setze sich auf seinen Schoß, ihn küssend.
Was immer zwischen ihnen ward geplant,
Ward von den Göttersöhnen wiederholt.
Die Götter hörten dies, sie standen auf,
Verstummten dann und blieben still und stumm.
In Weisheit größer, einfallsreicher, klüger
War Ea, der Allwissende, der Gott
Der Weisheit, er durchschaute ihren Plan.
Ein Meisterplan ward gegen ihn ersonnen,
Geschickte Pläne, ihn in Bann zu tun.
Er rezitierte sie und ließ sie hören,
Der ausgegossen hat auf Apsu Schlaf,
Und so er lag in tiefem Schlaf und Schlummer.
Als Apsu war nun tief getränkt mit Schlaf,
War Mummu machtlos, konnte sich nicht rühren.
Er lockerte des Apsu Bande, riss
Ihm die Tiara von dem Haupt herab,
Nahm seinen Heiligenschein und zog ihn an
Und dann erschlug er den gebundnen Apsu.
Und Mummu ward gefesselt und allein
Zurückgelassen drunten in dem Schloss.
So hat auf Apsu er sein Haus gegründet,
Ergriff nun Mummu, hielt ihn an der Nase.
So Ea siegte und zertrat die Feinde,
Gesichert hatte Ea den Triumph,
Nun ruhte er in seinem Haus voll Frieden,
Nun nannte er sein Haus nach Apsus Namen.
Am selben Ort er gründete sein Kultzelt,
Dort wohnten Ea und sein Weib Damkina.
Und in des Schicksals Wohnung, Schicksals Kammer
Ein Gott ward nun gezeugt, der klügste Gott.
Im Herzen Apsus Marduk ward geschaffen,
Im Heiligtume Marduk ward gezeugt.
Der ihn erzeugte, war sein Vater Ea,
Die ihn gebar als Mutter, war Damkina,
Er sog die Mutterbrust von Göttinnen,
Die Ammen, die ihn pflegten, schreckten ihn,
Verführerisch sein Leib, die Augen funkelnd,
Sein Gang war fürstlich, er war Kommandant.
Sah Ea ihn, der Vater, der ihn zeugte,
So jubelte und strahlte er voll Freude.
Er machte ihn perfekt und gab dem Sohn
Die höchste Vollmacht einer Doppel-Gottheit.
Er war erhöht, mehr als die andern alle,
Perfekt die Glieder, völlig unverständlich,
Schlecht zur Verständigung, schwer zu erkennen,
Vier Augen hatte er, dazu vier Ohren,
Wenn er den Mund bewegte, flammte Feuer,
Groß waren seine Ohren, und die Augen
In großer Zahl durchschauten alle Dinge.
Er war der Höchste aller Himmelsgötter
Und übertraf an Größe alle andern.
Die Glieder waren riesig, er war riesig.
Mein kleiner Sohn! Mein lieber kleiner Sohn,
Mein Sohn, die Sonne! Also ist der Himmel!
Er trug die Gloriole von zehn Göttern.
Er war sehr stark, und alle sahn ihn an.
Und Anu zeugte viermal starken Sturm,
Die Stürme lieferten die Macht dem Herrn aus.
Er stationierte auch den Wirbelwind,
Er schuf auch Ströme, Tiamat zu stören.
Die Götter gaben keine Ruhe, sondern
Sie litten an der Widrigkeit des Sturmes.
Und ihre Herzen sprachen voll des Bösen
Zu Mutter Tiamat, der Göttermutter:
Als sie erschlagen Apsu, deinen Gatten,
Hast du ihm nicht geholfen, doch du bliebest.
Und als er schuf den vierfach starken Sturm,
Da wurden deine Eingeweide schwach
Und daher können wir nicht Ruhe finden.
Lass Apsu, deinen Mann, in deinem Kopf sein
Und Mummu auch, der überwunden worden!
Du bist allein gelassen, Tiamat!
Da wurden sie verstört in großem Tempo
Und ohne Unterlass. Sie lieben nicht!
Und unsre Augen sind nun eingeklemmt
Und ohne Unterlass. Lasst uns in Ruhe!
Wir wollen kämpfen! Rächen wir die Götter!
Und machen wir die Götter wie den Sturm!
Als Tiamat das hörte, war ihr wohl.
Sie gaben alles. Lasst uns nur die Monster
Und lasst in unsrer Mitte alle Götter.
Und lasst uns kämpfen gegen Anus Götter!
Und sie verbanden sich zu einem Bund
Und dann marschierten sie mit Tiamat.
Sie machten Pläne ohne Unterlass.
Sie waren kampfbereit, sie knurrten, tobten,
Sie haben auf den Kampf sich vorbereitet,
Und Mutter Hubur, Wesen aller Wesen,
Gab Waffen auch dazu und Monsterschlangen
Mit scharfen Zähnen, schonungslos im Biss.
Mit Schlangengift hat sie gefüllt den Körper,
Und Drachen hat mit Schrecken sie bekleidet,
Gekrönt die Drachen auch mit goldnen Kronen,
So sahen fast wie Götter aus die Drachen,
Und wer die Drachen sah, der wurde ängstlich,
Die Drachen bäumten sich mit ihrem Leib auf,
Es konnte keiner schicken sie zurück.
Die Vipern, Drachen und die Lilith-Monster
Und Löwen, irre Hunde und Skorpione
Und Panther und Libellen und Centauren
Mit Waffen stellte sie zum Kampfe auf.
Fest ihr Befehl und stark der Widerstand,
Und alle diese Arten sie gebar.
Und von den Göttern der Versammlung sie
Erhöhte Kingu, machte ihn zum Chef.
Die Führer des Kommandos der Versammlung,
Die Waffen zu der Förderung des Kampfes,
Den Kampf zu kontrollieren und zu leiten,
Vertraute sie ihm an, der saß im Rat:
Ich hab für dich die Zauberei gewirkt,
Nun preis in der Versammlung meinen Zauber.
Zum Rat der Götter gab ich euch Verdienste,
Du bist der Herr, mein einziger Genosse!
Und du wirst herrschen über alle Himmel!
Da gab sie ihm die alte Schicksalstafel
Und er befestigt sie an seiner Brust:
Herr, deiner Weisung jeder wird gehorchen!
Er hatte nun die Hoheit eines Vaters,
Sein war der Götter Schicksal, seiner Söhne.
Dein Wort lässt alle Feuer bald erlöschen,
Du bist die Power-Waffe voll Potenz!
ZWEITER GESANG

Als Tiamat ihr Werk begonnen hatte,


Sie machte sich bereit zum Götterkrieg,
Zu rächen Apsu, plante sie das Böse.
Dass sie sich rüstete, man sagt es Ea.
Als Ea aber hörte von der Sache,
Verstummte er im Dunkeln, saß da still.
Die Zeit verging, und Ea's Zorn verrauchte,
Er ging zu Anshar in den Vordergrund.
Und als er kam vor seinen Vater Anshar,
Er sprach, was Tiamat ihm aufgetragen:
Die uns langweilen, die verabscheun uns!
Das Werk hat Tiamat, ist wild vor Zorn.
Die Götter haben sich bei ihr gesammelt,
Auch die, die Tiamat gebar im Frühling.
Sie drängen sich, zur Seite ihr marschierend,
Sie machen Pläne ohne Unterlass,
Am Tag und in der Nacht des Zornes Pläne,
Sind für den Kampf bereit, sind knurrend, tobend,
Sie bilden einen Rat, zum Krieg bereit.
Und Mutter Hubur, Wesen aller Dinge,
Gab dazu Schreckenswaffen, Monsterschlangen,
Mit scharfen Zähnen, schonungslos im Biss,
Mit Venom hat sie ihren Leib gefüllt.
Und Drachen hat mit Terror sie bekleidet,
Mit goldnen Kronen krönte sie die Drachen,
Dass sie erscheinen herrlich wie die Götter,
Wer sie erblickt, der wird besiegt vom Terror,
Die Körper bäumen sich, unüberwindlich,
Weiß keiner ihrem Angriff standzuhalten.
Sie setzte Vipern, Sphinxen, Drachen ein,
Den großen Löwen, irren Hund, Skorpion,
Libellen und Zentauren, Geisterlöwen,
Mit schonungslosen Waffen, furchtlos kämpfend.
Streng ihr Beschluss, kann keiner widerstehen.
Elf dieser Art hat sie hervorgebracht.
Von allen Göttern, ihren Erstgebornen,
Hat die Versammlung sie gebildet und
Erhöhte Kingu, stellte ihn voran.
Und das Kommando über die Versammlung,
Die Zucht der Waffen für des Kriegs Begegnung,
Die Führerschaft, die Förderung des Kampfes,
Den Kampf zu leiten und zu kontrollieren,
Das alles übergab sie seinen Händen,
Als sie ihn sitzen sah im Rat der Götter.
Für dich geworfen habe ich den Zauber,
Du preise vor den Göttern meinen Zauber!
Zu raten der Versammlung aller Götter,
Hab ich dir heiligen Verdienst gegeben.
Du bist der Höchste, du allein mein Freund!
Und du wirst alle Himmlischen beherrschen!
Sie legt die Schicksalstafeln auf die Brust ihm:
Du, dein Befehl ist unveränderlich
Und deinem Gottesworte wird gehorcht!
Als Kingu also nun erhoben wurde,
Besaß den Rang er eines Himmelsgottes.
Und sie verfügt das Schicksal ihrer Götter:
Dein Wort lässt Feuerflammen bald erlöschen,
Du überwindest sie mit deiner Power,
Mit deiner Waffe, so potent im Schwung.
Als Anshar das gehört, dass Tiamat
War ruhelos von ihren innern Schmerzen,
Schlug er sich auf die Lenden, biss die Lippen,
Sein Herz war düster, seine Stimmung traurig,
Und so bedeckte Anshar seinen Mund,
Um die Empörung in ihm zu ersticken:
O Schlacht! Du hast nun Mummu, hast nun Apsu.
Zu töten Kingu, Götter nun marschieren!
O Weisheit in dem Himmel, sei gepriesen!
Er sprach ein Wort zu Anu, seinem Sohn:
O mächtiger und starker Gottesheld,
Wie ragt hervor doch deine große Kraft,
Weiß keiner deinem Angriff standzuhalten.
Stell dich vor Tiamat, die große Mutter,
Und schenke Ruhe ihrer trüben Stimmung,
Auf dass ihr Mutterherz barmherzig werde!
Doch will sie nicht auf deine Worte hören,
Dann sag ihr unser Wort, sie werde ruhig.
Als er die Weisung seines Vaters hörte,
Er macht sich auf den Weg und ging zu ihr.
Als aber Anu nahe war genug,
Zu sehen all die Pläne Tiamats,
Er war nicht fähig, ihr Gesicht zu sehen,
Er kehrte um und kam zu seinem Vater,
Zu Anshar, und er wandte sich an ihn:
Ich bin nicht stark genug, sie zu besiegen.
War sprachlos Anshar, auf den Boden starrend,
Die Haare wirr, er schüttelte den Kopf.
Die Götter kamen an dem Ort zusammen,
Geschlossner Lippen saßen schweigend sie.
Kein Gott kann in die Schlacht ziehn, dachten sie,
Und mit dem Blick auf Tiamat sich retten.
Und Anshar sprach: Du bist ein Held und Rächer!
Am abgeschiednen Ort sprach er zu ihm:
Ich bin dein Vater und du bist mein Sohn,
Du, lieber Sohn, du tröstest mir mein Herz!
Vor Anshar machte Anu einen Sprung,
Als ob er schon im Götterkriege sei.
Steh auf und sprich! Er wächst, wird sich erholen.
Es freute sich der Herr am Wort des Vaters.
Und Anu nahte sich und stand vor Anshar,
Und Anshars Vaterherz ward voll von Freude!
Er küsste ihn, da wich von ihm die Angst,
Die Lippen offen. Anshar, sei nicht stumm!
Ich gehe und erreiche, was du willst.
Die Lippen offen: Anshar, sei nicht stumm!
Ich gehe und erreiche, was du willst.
Wer männlich ist, der hat den Kampf begonnen.
Die Göttin Tiamat ist eine Frau,
Die dir entgegen fliegt mit ihren Waffen.
Sie werden freuen sich und fröhlich sein,
Sie treten auf den Hals von Tiamat,
Sie werden freuen sich und fröhlich sein,
Sie treten auf den Hals von Tiamat.
Mein Sohn, dir ist die Weisheit anvertraut,
Lass Mutter Tiamat nun ruhig werden.
Fahr auf dem Sturmeswagen laut und schnell!
Dein Blut soll nicht verschüttet werden, Sohn,
Du wirst zum Vaterhause wiederkommen.
Wie freute sich der Herr am Wort des Vaters,
Er jauchzte, und er sprach zu seinem Vater:
O Schöpfer aller Götter, unser Schicksal,
Der ich die Rache übe, wie du willst,
Und überwinde Göttin Tiamat
Und gebe dir das Leben, rufe dann
Die Himmlischen zur heiligen Versammlung,
Mein allerhöchstes Schicksal zu verkünden.
Wenn du mit uns gemeinsam sitzt im Jubel,
Mein Wort verkünde, du bestimmst das Schicksal.
Was ich ins Leben rufe, bleibt am Leben.
Und nicht zurückgerufen noch verändert
Wird meines Mundes göttliches Kommando!

DRITTER GESANG

Und Anshar öffnete den Mund und sprach


Zu Gaga, seinem himmlischen Minister:
O Gaga, mein Wesir, der meinen Geist freut,
Ich sende dich zu Lahamu und Lachmu,
Du bist geschickt, du wirst dich produzieren.
Lass alle Himmlischen sich unterhalten,
Du setze dich zu dem Bankett der Götter,
Lass Brot sie essen, lass sie mischen Wein,
Denn Marduk ist ihr Rächer und ihr Held,
Lass alle sie fixieren sein Dekret.
Geh deinen Weg und nimm, die vor dir stehen,
Und wiederhole ihnen, was ich sagte:
Dein Sohn, o Anshar, hat mich hergeschickt,
Ich liebe die Diktate seines Herzens,
Er sagt, dass Tiamat voll Langeweile
Uns Himmelsgötter allesamt verabscheut,
Sie tut ihr Werk und ist voll Rage wütend.
Die Götter haben sich bei ihr versammelt,
All die, die Tiamat gebar im Frühling.
Und sie marschieren nun an ihrer Seite,
Und Tag und Nacht macht Pläne sie voll Wut.
Sie sind bereit zum Kampf, sind knurrend, tobend,
Sie bilden einen Rat, bereit zum Krieg.
Und Mutter Hubur, Wesen aller Dinge,
Gab dazu Schreckenswaffen, Monsterschlangen,
Mit scharfen Zähnen, schonungslos im Biss,
Mit Venom hat sie ihren Leib gefüllt.
Und Drachen hat mit Terror sie bekleidet,
Mit goldnen Kronen krönte sie die Drachen,
Dass sie erscheinen herrlich wie die Götter,
Wer sie erblickt, der wird besiegt vom Terror,
Die Körper bäumen sich, unüberwindlich,
Weiß keiner ihrem Angriff standzuhalten.
Sie setzte Vipern, Sphinxen, Drachen ein,
Den großen Löwen, irren Hund, Skorpion,
Libellen und Zentauren, Geisterlöwen,
Mit schonungslosen Waffen, furchtlos kämpfend.
Streng ihr Beschluss, kann keiner widerstehen.
Elf dieser Art hat sie hervorgebracht.
Von allen Göttern, ihren Erstgebornen,
Hat die Versammlung sie gebildet und
Erhöhte Kingu, stellte ihn voran.
Und das Kommando über die Versammlung,
Die Zucht der Waffen für des Kriegs Begegnung,
Die Führerschaft, die Förderung des Kampfes,
Den Kampf zu leiten und zu kontrollieren,
Das alles übergab sie seinen Händen,
Als sie ihn sitzen sah im Rat der Götter.
Für dich geworfen habe ich den Zauber,
Du preise vor den Göttern meinen Zauber!
Zu raten der Versammlung aller Götter,
Hab ich dir heiligen Verdienst gegeben.
Du bist der Höchste, du allein mein Freund!
Und du wirst alle Himmlischen beherrschen!
Sie legt die Schicksalstafeln auf die Brust ihm:
Du, dein Befehl ist unveränderlich
Und deinem Gottesworte wird gehorcht!
Als Kingu also nun erhoben wurde,
Besaß den Rang er eines Himmelsgottes.
Und sie verfügt das Schicksal ihrer Götter:
Dein Wort lässt Feuerflammen bald erlöschen,
Du überwindest sie mit deiner Power,
Mit deiner Waffe, so potent im Schwung.
Ich schickte Anu einst zu Tiamat,
Er konnte nicht der Göttin Antlitz sehen,
Und Nudimmud war bang und kehrte um.
Doch Marduk kam, der weiseste der Götter,
Er zeige, wie man Tiamat besiegt.
Er öffnete den Mund und sprach zu mir:
Der ich die Rache übe, wie du willst,
Und überwinde Göttin Tiamat
Und gebe dir das Leben, rufe dann
Die Himmlischen zur heiligen Versammlung,
Mein allerhöchstes Schicksal zu verkünden.
Wenn du mit uns gemeinsam sitzt im Jubel,
Mein Wort verkünde, du bestimmst das Schicksal.
Was ich ins Leben rufe, bleibt am Leben.
Und nicht zurückgerufen noch verändert
Wird meines Mundes göttliches Kommando!
Jetzt schnell, erfülle die Dekrete Gottes,
Er geht, die starken Feinde zu besiegen.
Und Gaga nun ging weiter seinen Weg.
Vor Lahamu und Lachmu, vor den Göttern
Er neigte sich und küsste ihre Füße.
Er neigte sich, als er die Stelle einnahm:
Dein Sohn, o Anshar, hat mich hergeschickt,
Ich liebe die Diktate seines Herzens!
Die uns langweilen, die verabscheun uns!
Das Werk hat Tiamat, ist wild vor Zorn.
Die Götter haben sich bei ihr gesammelt,
Auch die, die Tiamat gebar im Frühling.
Sie drängen sich, zur Seite ihr marschierend,
Sie machen Pläne ohne Unterlass,
Am Tag und in der Nacht des Zornes Pläne,
Sind für den Kampf bereit, sind knurrend, tobend,
Sie bilden einen Rat, zum Krieg bereit.
Und Mutter Hubur, Wesen aller Dinge,
Gab dazu Schreckenswaffen, Monsterschlangen,
Mit scharfen Zähnen, schonungslos im Biss,
Mit Venom hat sie ihren Leib gefüllt.
Und Drachen hat mit Terror sie bekleidet,
Mit goldnen Kronen krönte sie die Drachen,
Dass sie erscheinen herrlich wie die Götter,
Wer sie erblickt, der wird besiegt vom Terror,
Die Körper bäumen sich, unüberwindlich,
Weiß keiner ihrem Angriff standzuhalten.
Sie setzte Vipern, Sphinxen, Drachen ein,
Den großen Löwen, irren Hund, Skorpion,
Libellen und Zentauren, Geisterlöwen,
Mit schonungslosen Waffen, furchtlos kämpfend.
Streng ihr Beschluss, kann keiner widerstehen.
Elf dieser Art hat sie hervorgebracht.
Von allen Göttern, ihren Erstgebornen,
Hat die Versammlung sie gebildet und
Erhöhte Kingu, stellte ihn voran.
Und das Kommando über die Versammlung,
Die Zucht der Waffen für des Kriegs Begegnung,
Die Führerschaft, die Förderung des Kampfes,
Den Kampf zu leiten und zu kontrollieren,
Das alles übergab sie seinen Händen,
Als sie ihn sitzen sah im Rat der Götter.
Für dich geworfen habe ich den Zauber,
Du preise vor den Göttern meinen Zauber!
Zu raten der Versammlung aller Götter,
Hab ich dir heiligen Verdienst gegeben.
Du bist der Höchste, du allein mein Freund!
Und du wirst alle Himmlischen beherrschen!
Sie legt die Schicksalstafeln auf die Brust ihm:
Du, dein Befehl ist unveränderlich
Und deinem Gottesworte wird gehorcht!
Als Kingu also nun erhoben wurde,
Besaß den Rang er eines Himmelsgottes.
Und sie verfügt das Schicksal ihrer Götter:
Dein Wort lässt Feuerflammen bald erlöschen,
Du überwindest sie mit deiner Power,
Mit deiner Waffe, so potent im Schwung.
Ich schickte Anu einst zu Tiamat,
Er konnte nicht der Göttin Antlitz sehen,
Und Nudimmud war bang und kehrte um.
Doch Marduk kam, der weiseste der Götter,
Er zeige, wie man Tiamat besiegt.
Er öffnete den Mund und sprach zu mir:
Der ich die Rache übe, wie du willst,
Und überwinde Göttin Tiamat
Und gebe dir das Leben, rufe dann
Die Himmlischen zur heiligen Versammlung,
Mein allerhöchstes Schicksal zu verkünden.
Wenn du mit uns gemeinsam sitzt im Jubel,
Mein Wort verkünde, du bestimmst das Schicksal.
Was ich ins Leben rufe, bleibt am Leben.
Und nicht zurückgerufen noch verändert
Wird meines Mundes göttliches Kommando!
Jetzt schnell erfülle die Dekrete Gottes,
Er geht, der Feinde Angesicht zu sehen.
Das hörten Lahamu und Lachmu, sprachen:
Das alles jammern ließ die Igigi:
Wie seltsam, dass getroffen die Entscheidung,
Wer kann ergründen Tiamats Betreiben?
Sie sind bereit, die Fahrten zu verlassen,
Die Götter, die vom Schicksal sind bestimmt.
Vor Anshar traten sie, sein Haus war voll,
Die Götter küssten sich in der Versammlung,
Sie konversierten, als sie sich gesetzt,
Das Festbankett des Himmels zu begehen.
Sie aßen Brot, sie tranken süßen Mischwein,
Die Becher waren voll mit süßem Rauschgift,
Sie tranken Rauschtrank, ihre Bäuche schwollen,
Sie wurden müde, doch die Stimmung hob sich,
Und sie fixierten göttliche Dekrete
Für Marduk, ihren Helden, ihren Rächer.
VIERTER GESANG

Sie bauten ihm nun einen Fürstenthron,


Er setzte sich und nahm den Vorsitz ein.
Du bist der Herrlichste der großen Götter,
Vollkommen dein Dekret, o Vater Anu!
Du, Marduk, bist der Größte aller Götter,
Vollkommen ist dein Wort, o Vater Anu!
Von nun an unveränderlich dein Wort,
Stolz oder Demut steht in deiner Hand.
Dein Wort ist wahr, die Weisung unanfechtbar.
Kein Gott wird überschreiten deine Grenzen!
Und für die Göttersitze ist der Schmuck,
Und ihre Schreine seien stets am Ort.
O Marduk, du bist der gerechte Rächer!
Wir geben dir das Königtum im Weltall.
In deiner Wort-Versammlung sind die Besten.
Den Feind zerschmettern werden deine Waffen!
O Herr, verschon das Leben deiner Treuen,
Vergieß das Leben du des bösen Feindes!
Sie legten ihre Kleider vor ihn hin
Und wandten dann sich an den Erstgebornen:
Dein Schicksal, Herr, das herrsche unter Göttern,
Erschaffe und zerstöre, wie du willst.
Tu auf den Mund, die Kleidung wird verschwinden!
Sprich, und das Kleidungsstück ist wieder da!
Er sprach das Wort, die Kleidung war verschwunden,
Er sprach erneut, das Kleid war wieder da.
Die Götter sahn die Früchte seines Wortes,
Sie beteten ihn an: Der Herr ist König!
Sie gaben ihm das Zepter und den Thron,
Sie gaben Super-Waffen ihm zur Wehr.
Geh, schneide ab das Leben Tiamats,
Der Windhauch trag ihr Blut an stille Orte!
Bels Schicksal war fixiert von Vatergöttern,
Er ging geschickt die Straße des Erfolgs.
Er nahm den Bogen in die Hand als Waffe,
Legt an die Pfeile an die Bogensehne.
Er hob die Keule mit der rechten Hand,
An seiner Seite Bogen hing und Köcher.
Er setzte vor sich einen lichten Blitz,
Mit Flammen füllte seinen Körper er.
Dann machte er ein Nichts, um zu entfalten
Im leeren Nichts den Körper Tiamats.
Vier Winde stationierte er, dass nichts
Vor ihnen fliehen konnte, vor den Winden,
Vor Südwind, Nordwind, Westwind, Ostwind. In
Der Nähe seiner Seite hielt das Netz
Er, das Geschenk des Himmelsvaters Anu.
Er brachte Imhullu, den bösen Wind,
Die Wirbelwinde und den Hurrikan,
Vierfache Winde, siebenfache Winde,
Zyklone, sandte dann die Winde aus,
Die er geboren hatte, sieben Winde.
Das Innre Tiamats erhob sich da.
Den Flutsturm weckte er, die starke Waffe,
Bestieg das Sturmgefährt voll Furcht und Schrecken,
Er spannte an und spannte ein vier Rosse,
Das waren Killer, Trampler, Wilder, Schneller.
Die Lippen offen, in den Zähnen Gift.
Sie waren unermüdlich im Zerstören.
Der Peiniger zur Rechten, Schlachtenschrecken,
Der Kampf zur Linken, welcher eifrig abstößt.
Als Mantel trug den Panzer er aus Terror,
Der Turban auf dem Haupt die Gloriole.
Der Herr ging aus und folgte seinem Kurs,
Das Antlitz richtend gegen Tiamat.
Auf seinen Lippen hielt er einen Zauber,
Giftpflanze, war zu nehmen in die Hand.
Die Götter wurden über ihm gemäht,
Die Väter wurden über ihm gemäht.
Der Fürst sah an das Innre Tiamats,
Um ihres Gatten Kingu Plan zu sehen.
Er schaute aus und er verlor den Weg,
Sein Wille abgelenkt, verwirrt die Taten.
Zur Seite ihm marschierten seine Helfer,
Die Helden, ihre Sicht war sehr verschwommen.
Und Tiamat stieß aus den Schrei der Schmerzen,
Doch nicht verrenkte sie den Hals dabei,
Sie schrie mit wildem Trotz auf ihren Lippen:
Du bist zu wichtig für den Herrn der Götter,
Um gegen diesen Gott dich zu erheben!
Ist es an ihrer Stelle, wo die Götter sich
Versammeln oder ists an deinem Ort?
Der Herr erhob sich, warf den Flutensturm,
Die starke Waffe warf auf Tiamat
Und ließ wie folgend hören seine Worte:
Was bist du aufgestanden, voller Hochmut,
Du hast dein eignes Herz belastet schwer
Und hast Konflikte in der Welt geschürt.
Die Söhne lehnen ihre Väter ab!
Du, die du deine Söhne hast geboren,
Du hast der schönen Liebe abgeschworen.
Als deinen Mann hast Kingu du erwählt,
Du gabest ihm den höchsten Rang nach Anu.
Du suchst das Böse gegen König Anshar,
Du suchst das Böse gegen Götterväter.
Obwohl du deine Kraft nicht ausgebildet,
Bist du umgürtet doch mit schweren Waffen.
Lass uns einander in dem Zweikampf treffen!
Als Mutter Tiamat die Worte hörte,
War sie besessen fast und ward verrückt!
In ihrer Wut schrie laut die Mutter auf.
Sie beide zitterten an ihren Beinen.
Da sprach sie einen Zauber, einen Bannspruch,
Die Schlachtengötter schärften ihre Waffen.
Dann Tiamat und Marduk sind zusammen
Getreten, sie, die Weisesten der Götter.
Sie strebten zueinander in dem Zweikampf,
Sie waren auf dem Schlachtfeld eingesperrt.
Da breitete der Herr sein Netz aus, um
Die Mutter Tiamat damit zu fangen.
Die bösen Winde bliesen ihr ins Antlitz.
Und Tiamat tat auf den Mund, um ihn
Zu konsumieren mit den vollen Lippen.
Da fuhr er in den bösen Wind, als sie
Noch nicht geschlossen ihre Lippen hatte.
Die bösen Winde füllten ihren Bauch.
Ihr Leib war aufgebläht, ihr Mund stand offen.
Er ließ den Pfeil los, riss den Bauch ihr auf,
Zerschnitt ihr Inneres, ihr Herz zerteilend.
Nachdem sie so gedämpft ward, war sie tot.
Nachdem er Tiamat getötet hatte,
Erschüttert und gebrochen ihre Truppe,
Die Götter, die mit ihr gezogen waren,
Die zitterten vor Angst und kehrten um
Zur Rettung und Erhaltung ihres Lebens.
Umgeben dicht, sie konnten nicht entkommen.
Er machte zu Gefangenen die Götter
Und er zerstörte ihre Götterwaffen.
Geworfen waren sie ins Netz, verstrickt,
Gesperrt in Zellen, wo sie weheklagten,
Sein Zorn hat ins Gefängnis sie geworfen.
Elf Wesen, die sie eingeladen hatte,
Die ganze Bande von Dämonen, die
Auf ihrem Wege waren mitmarschiert,
Er warf in Fesseln sie und band die Hände.
Er hat mit Füßen sie in Staub getreten.
Und Kingu, der ihr Führer war gewesen,
Er band ihn, machte ihn zu einem Uggä.
Er nahm die Tafel ihm des Schicksals ab,
Die nicht rechtmäßig sein gewesen war,
Versiegelte den Ton mit einem Siegel,
Befestigte die Schrift an seiner Brust.
Als er besiegt, bezwungen seine Gegner,
Da hatte er besiegt die stolzen Feinde,
Und König Anshar siegte, triumphierte,
Der Wunsch war nun erreicht, der tapfre Marduk
War stark nun über die besiegten Gegner
Und wandte wieder sich zu Tiamat,
Gebunden lag sie da, die tote Mutter,
Und Marduk trat auf ihre schönen Beine,
Mit seinem schonungslosen Hammer hat
Zerschmettert er den Schädel Tiamats!
Als er die Adern ihres Bluts zerbrochen,
Trug sie der Nordwind an den stillsten Ort,
Wo sie im Schweigen wurde aufbewahrt.
Dies sehend, waren seine Väter fröhlich,
Sie brachten Gaben ihm der Huldigung.
Der Herr nun machte eine kleine Pause,
Den toten Körper Tiamats zu sehen,
Dass er die schönen Formen teilen konnte
Und kunstvoll seine Schöpferwerke tun.
Er spaltete wie eine Muschel sie,
Die Hälfte machte er zum Firmament.
Dann ging er durch die himmlischen Regionen.
Er ordnete die Apsu-Viertel dort
Und ordnete die Wohnstatt Nudimmuds,
Als er gemessen Apsus Dimensionen.
Die große Wohnstatt ward fixiert, Esharra,
Das Zelt Esharra an dem Firmament.
Die Götter nahmen ihre Throne ein.

FÜNFTER GESANG

Er konstruierte die Stationen für


Die großen Götter, setzte fest astrale
Abbilder wie die Sterne in dem Tierkreis.
Er legte fest das Jahr, es unterteilend,
Er legte alle Konstellationen fest
Für jeden Monat, definierte Tage
Des Jahrs mit Hilfe himmlischer Gestalten,
Er gründet die Station auch des Polarsterns
Mit Namen Nebiru und seine Grenzen,
Dass niemand in die Irre gehen könne.
Er gründet die Stationen Enlils, Eas.
Es öffnete die Tore Tiamat,
Er aber stärkt die Schleusen rechts und links,
Im Bauch der Tiamat war der Zenit.
Er ließ den Mondschein glänzen in der Nacht,
Den Mond, zu zählen Nächte, Tage, Feste,
Markierte jeden Monat, auch den Vollmond.
Am Monatsanfang, wenn er sich verbreitet,
Sechs Tage sollst mit Hörnern du bezeichnen,
Am siebten Tag ist da die halbe Krone.
So vierzehn Tage sind des Monats Hälfte,
Die Sonne überholt sich dann am Himmel,
Verringre deine Krone und dein Licht.
Der Mond verschwindet, und es läuft die Sonne,
Die Opposition erscheint nach dreißig Tagen.
Der Schild ernannt ward, um dem Weg zu folgen,
Ihm nahe, ist der Rechtsstreit zu entscheiden.
Nun Marduk hat ernannt die Sonnentage,
Vom Speichel Tiamats er schuf die Wasser.
Er schuf die Wolken, füllte sie mit Wasser.
Nun hohe Winde brachten Frost und Regen,
Der Rauch wie Nebel, oben Wolkenhaufen.
Dies alles nahm er in die eigne Hand.
Den Bergen gab er ihre Position,
Er öffnete davor die tiefe Flut,
Aus Augen floss der Euphrat und der Tigris,
Er ging und stopfte ihre Nasenlöcher,
Aus ihren Brüsten schuf er die Gebirge,
Drin bohrt er Brunnenlöcher für das Wasser.
Dann band er ihren Schwanz für Durmah fest,
Er fesselte an seinem Fuße Apsu,
Er spaltete den Schritt der Tiamat,
So wurde sie befestigt an dem Himmel,
So ward gegründet unsre Mutter Erde.
In ihrer Mitte macht er einen Durchfluss,
So hat sein Netz komplett verteilt der Gott,
So schuf den Himmel er und Mutter Erde,
So hat die Grenzen er der Welt gegründet.
Als er entworfen seine Regeln hatte
Und alle die Verordnungen gestaltet,
Er gründete die Schreine, gab sie Ea.
Die Schicksalstafeln, die er Kingu nahm,
Die Schicksalstafeln hat er ausgeführt.
Er brachte sie als Gabe zur Begrüßung
Und gab sie Anu, unserm Himmelsvater.
Die Götter, die gestritten hatten und
Zerstreut im weiten Felde worden waren,
Er führte sie zur Gegenwart der Väter.
Jetzt sind die elf Geschöpfe ganz besiegt,
Die Tiamat gemacht, die Kreaturen,
Zerschlagen ihre Waffen hatte er,
Die Waffen band er sich um seine Füße,
Er machte Statuen daraus und stellte
Sie vor dem Tor von Apsu auf und sagte:
Das Zeichen möge nie vergessen werden!
Als dies die Götter sahn, sie freuten sich,
So Lahamu und Lachmu und die Väter
Sahn zu ihm hin und Anshar auch, der König,
Begrüßte ihn, und Anu, Enlil, Ea,
Sie alle überreichten ihm Geschenke.
Mit einer Gabe machte ihn Damkina,
Die seine Mutter war, in Freunden froh,
Sie schickte Opfer, sein Gesicht ward hell.
Auch Usmi brachte ihr Geschenk geheim,
Vertraute sie der Kanzlerschaft von Apsu
Und der Verwaltung aller Schreine doch.
Zusammen neigten die Igigi sich,
Die Annunaki küssten seine Füße,
Das Zeichen ihrer Ehrfurcht zu erweisen,
Sie standen vor ihm, neigten sich und sagten:
Er ist der König! Und die Vätergötter,
Sie wurden alle satt von seinem Charme.
Und Ea und Damkina sprachen nun
Und sprachen zu den göttlichen Igigi:
Einst Marduk war nur unser lieber Sohn,
Jetzt ist er euer König, so verehrt ihn!
In einer zweiten Rede sprachen sie:
Er heiße Lugal-Dimmer-Ankia!
Die Herrschaft gaben sie an Marduk ab,
Die Formel seines Glücks dies und Erfolges:
Von nun an herrschst du in den Heiligtümern,
Was immer dein Befehl ist, wir gehorchen.
Und Marduk tat den Mund auf, Marduk sprach,
Ein Wort zu seinen Vätergöttern sagend:
Hoch überm Apsu-Süßmeer, wo ihr wohnt,
Dem Gegenstücke zu Esharra, die
Ich selbst gebaut, hab unten ich den Boden
Gehärtet, dass man darauf bauen kann,
Ich bau ein Haus mir, eine Luxus-Wohnung.
Ich werde bauen einen Tempel dort,
Ich werde seinen Innenraum errichten,
Ich werde meine Herrschaft etablieren,
Und wenn ihr aus dem Apsu-Viertel kommt
Zum Bau, verbringt die Nacht im Tempel ihr,
Dann ist er da, euch alle zu empfangen.
Wenn ihr vom Himmel kommt herab zum Bau,
Verbringt die Nacht im neuen Tempel ihr,
Dann ist er da, euch alle zu empfangen.
Ich nenne ihn mit Namen Babylon,
Das heißt, das Heiligtum der großen Götter,
Ich bau es mit Geschick des Architekten,
Ich bau es mit Geschick des Zimmermannes.
Als dieses seine Vätergötter hörten,
Sie fragten Marduk, ihren Erstgebornen:
Bei dem, was deine Hände dir erschaffen,
Wer ist der Vorstand deines Amtes dann?
Und auf dem Boden, den du selbst bereitet,
Wer wird Verwalter dann sein deiner Macht?
O, Babylon, das ist ein schöner Name,
Wir haben unsre Wohnung dort für immer!
Man soll dir bringen die Rationen täglich,
Die Opfersteuer jährlich soll man zahlen,
Soll keiner an sich reißen unsre Ämter,
Was wir bisher getan, das tun wir weiter.
Und Marduk freute sich, als er das hörte,
Und Antwort gab er auf der Götter Fragen,
Zerschlug die große Mutter Tiamat,
Dass Tiamat das Licht den Göttern zeige,
Er tat den Mund auf, schön war seine Rede:
Euch wird nun anvertraut mein Babylon.
Die Götter neigten sich und sagten dann,
Sie sagten Lugal-Dimmer-Ankia:
Einst war der Herr nur der geliebte Sohn,
Jetzt ist er unser König. Preis dem Herrn!
Er, dessen Zauber uns das Leben gab,
Er ist der Herr der Himmelsherrlichkeit,
Er trägt die Krone und er hält das Zepter.
Und Ea kennt des Architekten Weisheit
Und die Geschicklichkeit des Zimmermannes,
Gott Ea wird die Pläne vorbereiten,
Wir Götter werden seine Arbeitsmänner.

SECHSTER GESANG

Als Marduk nun das Wort der Götter hörte,


Sein Herz begann, ein Kunstwerk zu gestalten.
Er tat den Mund auf, redete zu Ea,
Den Plan zu sagen, den sein Geist empfangen:
Ich werde Blut und Knochen modellieren,
Schaff einen Wilden, Mensch wird sein sein Name.
Fürwahr, den wilden Menschen werd ich schaffen,
Er wird betraut sein mit dem Dienst der Götter,
So dass die Götter Ruhe finden können.
Der Götter Wege werde ich verändern,
Zwei Gruppen werd ich formen der Verehrten.
Und Ea gab ihm Antwort, sprach zu ihm,
Und Ea gab ihm einen andern Plan
Für die Entlastung der verehrten Götter:
Werd einer seinen Brüdern übergeben,
Er geht zugrunde, alt wird dann die Menschheit.
Die großen Götter sollen sich versammeln,
Die Frevler sollen übergeben werden,
Auf dass die Sünder ihre Strafe tragen.
Und Marduk rief die Götter zur Versammlung,
Dem Vorstand gab er gnädige Befehle.
Und seine Äußerung die Götter ehrten.
Der König sagte zu den Annunaki:
Wenn eure frühre Rede wahrhaft ist,
Erklärt jetzt Wahrheit unter meinem Eid!
Wer war es, der den Aufstand hat gekünstelt,
Wer trieb die Tiamat zur Rebellion?
Lasst ihm den Plan des Aufstands übergeben,
Ich trage seine Schuld, ihr lebt in Frieden.
Die göttlichen Igigi gaben Antwort
Dem König Lugal-Dimmer-Ankia:
Der Plan des Aufstands kam vom Dämon Kingu,
Er trieb die Tiamat zur Rebellion.
Sie banden ihn mit Fesseln fest vor Ea,
Und sie verhängten gegen ihn die Strafe
Und schnitten Adern ihm und Venen durch.
Aus seinem Blut erschufen sie die Menschheit,
Verordnet war der Mensch zum Dienst der Götter.
Der weise Ea schuf die Menschheit, dass
Die Menschheit diene den verehrten Göttern,
Das Werk war unbegreiflich, große Kunst!
Wie kunstvoll es von Marduk ward geplant,
So hat es Nudimmud gut ausgeführt.
Der Götterkönig Marduk hat geteilt
Die Annunaki oben und darunter.
Sie sollten Anus Weisungen beachten.
Dreihundert stellte er als Wächter auf.
Der Erde Wege hat er definiert.
Sechshundert Götter waren auf der Erde,
Dass sich die Himmelsgötter niederließen.
Nachdem er alle Weisungen geboten,
Den Göttern ihre Ämter zugeteilt,
Da öffneten die Götter ihren Mund
Und sprachen zu dem Gott und König Marduk:
Herr, du bist unser Retter und Befreier,
Was tun wir also, um dich anzubeten?
Wir bauen einen Schrein für deinen Namen,
Baun eine Kammer für die Ruh der Nacht,
Lass uns in Ruhe diesen Schrein besitzen!
Lasst einen Thron uns baun für unsre Wohnung!
Am Tag der Ankunft finden wir die Ruhe.
Als Marduk dieses Wort der Götter hörte,
Sein Antlitz strahlte wie der helle Tag.
Errichtet Babylon, der Götter Bauwerk,
Lasst seine Mauern ausgebildet sein.
Nennt Babylon: Das Allerheiligste!
Die Götter wandten Kraft an, dies zu schaffen.
Ein Jahr lang formte sie aus Lehm die Ziegel,
Und als das zweite Jahr gekommen war,
Da hoben sie den Kopf von Esagila,
Und Esagila, das entspricht dem Apsu.
Sie bauten einen Turm so hoch wie Apsu,
Drin war ein Raum für Marduk, Enlil. Ea.
In ihrer Gegenwart sitzt herrlich Gott.
Am Fundament er sah von seinen Hörnern.
Als das Gebäude nun errichtet war,
Die Himmelsgötter bauten ihren Schrein.
Dreihundert Igigi versammelt waren,
Der Herr war auf dem höchsten Podium,
Als seine Wohnung sie errichtet hatten,
Die Vätergötter saßen beim Bankett.
O Babylon, der Ort, der dein Zuhause!
Wir wollen lustig sein in den Bezirken
Und fröhlich wir belegen breite Plätze.
Die Götter nahmen ihre Plätze ein,
Sie gossen festliche Getränke ein
Und setzten sich zu einem Festbankett.
Und dann, nachdem sie lustig sind geworden,
In Esagila hielten sie die Riten,
Die Normen waren festgelegt, die Zeichen,
Die Götter teilten die Stationen auf
Des Himmelreiches und der Mutter Erde,
Dann setzten sich die fünfzig großen Götter.
Die sieben Schicksalsgötter schufen dann
Dreihundert große Götter in den Himmeln.
Und Enlil hob den Bogen, seine Waffe.
Die Väter sahn das Nichts, das Gott geschaffen.
Sie sahen seinen Bogen, die geschickte Form,
Die Arbeit ward gelobt, die er getan.
Und Anu sprach in himmlischer Versammlung,
Als er den Bogen küsste: Meine Tochter!
Er nannte nun wie folgt des Bogens Namen:
Das erste ist das Langholz, Recht das zweite,
Das dritte Bogenstern, im Himmel glänzend.
Gott nahm die Position ein mit den Brüdern.
Gott Anu legte fest des Bogens Schicksal,
Der Thron gegeben ward den Königsgöttern.
Und Anu setzte sich in himmlischer Versammlung.
Die großen Götter hatten sich versammelt,
Da priesen sie das gute Schicksal Marduks,
Und sie verneigten sich vorm König Marduk,
Sie sprachen miteinander einen Segen
Zur Heiligung von Wasser und von Öl
Und um das Leben vor Gefahr zu schützen.
Als sie gewährten ihm die Götterherrschaft,
Die Herrschaft über Unterwelt und Himmel,
Da prägte Anshar nun den höchsten Namen,
Und Asarluhi sprach mit diesen Worten:
So lasst uns ehren unsres Gottes Namen,
Beachten wir des höchsten Gottes Wort,
Lasst sein Kommando und das höchste sein!
Der Allerhöchste ist der Sohn, der Rächer,
Sei siegreich seine souveräne Herrschaft,
Da kein Rivale ihm vergleichbar ist.
Sei er der Hirte aller Schwarzgelockten.
Am Ende jeden Tages, unvergessen,
Lasst uns bejubeln unsres Gottes Wege!
Mög er für seine Väter Speise schaffen,
Sie sollen liefern ihre Unterstützung,
Sie neigen sich zu ihren Heiligtümern.
Er möge geben, dass man Weihrauch rieche,
Gesprochen werden weise Zaubersprüche.
So macht ein Abbild auf der Erde von
Dem Werk, das er im Himmel hat gewirkt.
Die Schwarzgelockten sollen ihn verehren,
Sie mögen immerdar im Sinne haben,
Von ihrem großen starken Gott zu sprechen,
Und mögen sie des Gottes Wort beachten
Und immerdar der Göttin huldigen.
Er gebe Brot den Göttinnen und Göttern.
So scheitert nicht, ihr Götter, unterstützt ihn!
Lasst ihre Ländereien sie verbessern
Und bauen ihre Schreine in den Tempeln.
Die Schwarzgelockten warten auf die Götter.
Was uns betrifft, von vielen Götternamen
Ist einzig Marduk unser Herr und Gott!
Lasst uns verkünden seine fünfzig Namen.
Er, dessen Wege alle herrlich sind,
Er, dessen Werke alle herrlich sind,
O Marduk, wie sein Vater ihn genannt,
Er gibt die Weise und die Ruheplätze
Der Städte und bereichert ihre Stände,
Der mit dem Flutsturm jeden Feind besiegt,
Der seine Väter rettete aus Seenot.
Der Sohn der Sonne, vor Gesundheit strotzend!
In seinem Licht kann man für immer gehen.
Die Menschen schuf er, gab den Menschen Leben,
Die Menschen schuf er zu dem Dienst der Götter,
Auf dass die Götter freier Muße leben!
Zerstörung, Schöpfung, Gnade und Erlösung,
Dies alles wird entstehn auf sein Kommando.
Kommt, Götter, zu dem König aufzublicken!
Marukka ist der Gott, der Schöpfer Aller,
Der er erfreut das Herz der Himmelsgötter,
Der er beschwichtigt sanft die Himmelsgötter.
Ja, Marutukku ist des Landes Zuflucht,
Die Zuflucht seiner Städte, seiner Menschen.
Den Retter loben laut die Leute immer.
Baraschakuschu stand und hielt die Zügel fest,
Groß ist sein Herz und seine Liebe heiß!
Und Lugaldimmerankia, so heißt er,
Den proklamieren wir in der Versammlung.
Den Göttern, seinen Vätern, er befiehlt,
Herz aller Götter ist er in dem Himmel,
Herz aller Götter ist er in der Hölle,
Der König, Götter sind ihm untertan.
O Nari-Lugaldimmerankia,
Er ist die Offenbarung aller Gottheit.
Er hilft im Himmel und er hilft auf Erden
Und hilft dem Mann in jeder Schwierigkeit.
Bei seinem Namen zittern selbst die Götter,
Sie beben und sie ziehen sich zurück.
Asaruludu ist des Königs Name,
Den Anu ihm verkündete, sein Vater.
Er ist das Licht der Götter und ihr Führer,
Er ist von Stadt und Land der treue Schutzgott,
Er rettete im Kampf uns aus der Seenot.
Asaruludu er und Namtilaku,
Der Gott, der aller Welt erhält das Leben,
Der wieder neu macht die verlornen Götter,
Als wären alle Götter seine Schöpfung.
Der Herrscher, der belebt die toten Götter
Durch die Magie der heiligen Beschwörung,
Zerstört die unberechenbaren Gegner.
O lasst uns loben seine Kunst, sein Können!
Asaruludu ist er und ist Namru,
Der lichte Gott, der unsern Weg erhellt.
Den Gottesnamen riefen Anshar und
Die Götter Lahamu und Lachmu aus.
Zu ihren Sohnesgöttern sagten sie:
Drei Namen hat der Herr in jedem Jahr,
Fromm habt ihr seinen Namen auszusprechen!
Die Götter freudig den Befehl befolgten,
In Ubshukinna lauschten sie dem Rat.
Vom Heros, von dem Sohn und von dem Rächer,
Von unserm Retter preisen wir den Namen!
Sie setzten sich in den Versammlungen,
Das Schicksal zu gestalten aller Menschen,
Sie riefen freudig Gottes Namen aus.

SIEBENTER GESANG

Asaru Marduk, Spender er des Anbaus,


Den Wasserstand zu etablieren gut,
Der Schöpfer von Getreide und von Kräutern,
Er führt die grüne Vegetation zum Sprießen.
Asarualim, der geehrte Anwalt,
Der Götter Hoffnung, der von Angst befreit.
Der Gnädige, des Vaters Licht, des Zeugers,
Der leitet die Dekrete aller Götter.
Er ist ihr Priester, der ihr Opfer zuweist,
Und sein gehörntes Käppchen gibt viel Frucht,
Vermehrt die Frucht in Multiplikationen,
Er ist der neu geschaffne König TUTU.
So lasst ihn reinigen die Götterschreine,
Auf dass sie lindern können alle Leiden.
Hört seinen Bann, auf dass die Götter ruhen.
Und sind sie zornig, ruft er sie zur Umkehr.
Er ist der Höchste der Union der Götter,
Kein Gott ist unserm Gotte ebenbürtig.
Das Leben ist er in dem Land der Götter,
Der etabliert die Götter in den Himmeln,
Groß ist sein Einfluss auf der Götter Wege,
Er wird verhüllt durch keinen dichten Nebel,
So denkt an seine Werke, Menschenkinder!
Er ist es, der die Reinigung gebracht,
Der Gott der guten Winde, Herrscher der
Verhandlungen und der Barmherzigkeit,
Er spendet Reichtum, Schätze, Überfluss,
Er hat erfüllt der Menschenkinder Wünsche,
Sie merkten seine Rettung aus der Seenot.
So lasst sie reden, singen seinen Lobpreis!
Das Volk erhebt ihn als den König Tutu,
Der Herr des Zaubers, der belebt die Toten,
Der hat Erbarmen mit besiegten Göttern,
Der er den Heiligen ihr Joch erleichtert,
Den Göttern auferlegt von ihren Feinden,
Der schuf die Menschen, um sie zu erlösen,
Der Allbarmherzige, in dessen Macht
Es liegt, des Lebens Fülle zu gewähren.
Man möge seine Werke nicht vergessen,
Die Schaffung aller schwarzgelockten Menschen,
Die seine Hände bildeten aus Lehm.
Sein Wort wird buchstabiert von unsern Mündern,
Der zaubernd hat entwurzelt alle Bösen,
Der kennt das Herz der Götter, kennt ihr Innres,
Vor dem der Frevler nicht entfliehen kann,
Der richtet die Versammlungen der Götter
Und der erfreut das Herz des Menschenkindes.
Der Retter, er befreit die Unterdrückten,
Der weit verbreitet ist als Schutz und Schirm,
Er leitet in Gerechtigkeit das Volk
Und führt hinweg die Welt von krummen Wegen,
Der Falsch und Richtig auseinander hält,
Das tiefe Schweigen ist er der Rebellen,
Verbannt das Unheil aus der Väter Körpern.
Mit Waffen er entwurzelt alle Feinde,
Vereitelt ihre Pläne und zerstreut sie,
Der löscht die Bösen aus, die vor ihm zittern.
Die Götter jubeln Lobgesänge Tutu!
Anhörung er gewährt für alle Götter,
Er ist der Götter Schöpfer, seiner Väter,
Die Feinde er entwurzelt und zerstört sie,
Frustriert der Feinde Taten, dass nichts bleibt.
Man nenne seinen Namen in den Landen!
Er ist das Wort, das lobt der Lebende,
Den Feind zerstörend, er verfolgt den Bösen,
Der bringt die Götter heim in ihre Schreine,
Die Götter sollen seinen Namen preisen!
Er, der den Feind vernichtet in der Schlacht,
Der Herr ist er, der das Gedeihen bringt,
Der Mächtige, der Göttern Namen gibt,
Der Mächtige, der bringt die Opfer dar,
Der alles regelt in dem Land der Weiden,
Der Brunnen öffnet, leitet die Gewässer.
Er ist der Herr, der Samen in das Feld streut,
Der Sämann er von Himmel und von Erde,
Der Samenreihen schafft in Ackerfurchen,
Der bildet Ackerboden in der Steppe,
Der Damm und Deich und Graben reguliert,
Der Regen den Plantagen gibt der Götter,
Der Herr der Fülle und der reichen Ernte,
Der er bereichert alle Wohnungen,
Der liefert Hirse, lässt die Gerste wachsen.
Er häuft den Reichtum an zum Wohl der Menschen,
Er gibt den Regen für die grüne Erde.
Der über Tiamat auf einem Berg steht,
Die Leiche Tiamats entführte er,
Die Länder führt er durch die treuen Hirten,
Sein Haar ist Korn, die Furche seine Kappe,
Die Meere wölben sich in seinem Zorn,
Die Brücke wölbt sich an dem Ort des Zweikampfs.
Sein Ross ist Tiamat, er ist ihr Reiter.
Er schenkt Getreidehaufen, hohe Hügel,
Bringt Korn und liefert allen Ländern Samen,
Verbürgt die Dauer hoher Götterthrone,
Er ist der Schöpfer wahrer Sicherheit,
Der Reifen, der zusammenhält das Fass,
Er, der die guten Gaben präsentiert,
Der reißt die Krone von der falschen Stelle,
Der schafft die Wolken über dem Gewässer,
Macht Wolken dauerhaft in Himmelshöhen.
Er trägt die Felder für die Götter ein,
Verteilt die Schöpfung an die Kreaturen,
Gibt Speiseopfer und errichtet Schreine.
Der Schöpfer er des Himmels und der Erde,
Der Gott, der Himmel heiligt, Mutter Erde,
Kein andrer Gott ist unserm Herrgott gleich.
Der Schöpfer ist er aller Menschenkinder,
Der macht die Regionen dieser Welt,
Zerstörte Tiamat und ihre Götter
Und schuf aus Tiamats Substanz die Menschen.
Der Herr ist er, der Tiamat frustriert
Und dessen Stiftung fest ist vorn und hinten.
Von allen er allein der Herr der Herren,
Und seine große Stärke ragt hervor,
Der überragend ist im Königshaus,
Er, der Erhabenste der Himmelsgötter.
Der König aller Götter, Herr der Herrscher,
Der überragend in der Götterwohnung,
Ist der Erhabenste der Himmelsgötter.
Berater Eas er, der Gottesweisheit,
Der Götter Schöpfer, Schöpfer seiner Väter,
Und seiner Kraft sind keine Götter gleich,
Er, dessen reine Wohnung ist im Himmel,
Der Gott, der ohne Weisheit nichts entscheidet,
Der König, dessen Kraft ist einzigartig,
Der Herr, die Stärke er des Vatergottes,
Der ward zum Obersten im Kreis der Götter,
Der fortgetragen alle aus dem Krieg,
Umfassend alle Weisheit, reich an Wissen.
Er ists, der Kingu in die Schlacht getragen,
Der Orientierung gibt den Menschen allen
Und stiftet alle Herrschaft auf der Erde,
Der Götter führt, ihr Anwalt und ihr Beistand,
Die Götter beben, wenn sein Name tönt,
In Angst wie Menschen, wenn Gewitter donnern,
Er sitzt im Hause des Gebetes vorne,
Von ihm ein jeder Gott erhält den Auftrag,
Kann keiner ohne ihn ein Kunstwerk schaffen.
Schwarzhaarige sind seine Kreaturen,
Kein andrer Gott kennt ihre Lebenszeit.
Er hält die scharfe Spitze seiner Waffe,
Der stark war in der Schlacht mit Tiamat,
Der Weisheit hat und Einsicht hat in alles,
Sein Geist so groß, kein Gott kann ihn ergründen.
Er kann den ganzen lichten Himmel decken,
Und seine guten Gnaden schweben brüllend
Und schweben über unsrer Mutter Erde,
Der er vermindert alle schwarzen Wolken,
Der liefert unten Nahrung allen Menschen.
Er ist es, der die Schicksalsgötter leitet,
Zuständig ist er für die Menschenkinder,
Der hält des Himmels Übergänge fest,
Der hält der Erde Übergänge fest,
Die Götter müssen alle auf ihn warten,
Sie können ohne ihn den Weg nicht gehen.
Er ist der Stern, der ist brillant am Himmel,
Er hält den Anfang und die Zukunft fest,
Man soll ihm huldigen mit schönen Worten,
Der siegreich mitten ging durch Tiamat
Und keine Rast und keine Ruh sich gönnte,
Gott ist sein Name, der die Mitte steuert.
Der Sterne Lauf verteidigt er am Himmel,
Er ist der Hirte aller Götterschafe,
Der Tiamat bezwingt, ihr kurzes Leben!
Denn in der Menschheit Zukunft, fernen Tagen,
Soll Tiamat zunichte werden ganz!
Der schuf den Weltraum, festigte die Erde,
Sein Name ist der Herr, der Länder Herrscher.
Als diesen Lobgesang vernommen hatte
Der Gott der Weisheit, freute sich sein Geist.
Er, dessen Name ist verherrlicht worden,
Er ist wie ich, er ist der Gott der Weisheit.
Die Opferriten möge Gott verwalten,
Ausführen soll man seine Weisungen.
Die Himmlischen verkündeten den Herrn,
Erhoben Gott zu ihrem Souverän!

ABSTIEG ZU ERESCHKIGAL

Gott Anu ließ die Stimme hören, sagte,


Er richtete der Stimme Wort an Kadda:

Ich, Kadda, will dich senden nach Kurnugi,


Ereschkigal soll hören deine Worte,
So sage ihr: Für dich ist es unmöglich,
Herauf zu kommen in den Götterhimmel,
In einem Jahr wirst du nicht kommen können,
Uns Götter anzuschauen in den Himmeln.
Unmöglich ist es für die Himmelsgötter,
Zu dir herab zu steigen, Todesgöttin,
In keinem Monat fahren wir herab,
Um dich zu sehen, schwarze Todesgöttin.
Lass deinen Boten kommen, große Mutter,
Und lass ihn etwas von dem Tische nehmen,
Du akzeptiere ein Geschenk für dich.
Ich werde deinem Boten etwas geben
Als ein Geschenk für dich, o schwarze Göttin.

Und Kadda stieg herab die Himmelstreppe.


Er sprach, als er zur Tür des Todes kam:

O Wächter, öffne mir die Türen alle! -


Komm, Kadda, mögen dich die Pforten segnen! -
Da ließ er Kadda durch die erste Tür,
Da ließ er Kadda durch die zweite Tür,
Da ließ er Kadda durch die dritte Tür,
Da ließ er Kadda durch die vierte Tür,
Da ließ er Kadda durch die fünfte Tür,
Da ließ er Kadda durch die sechste Tür,
Da ließ er Kadda durch die siebte Tür.

Und Kadda kam in ihren edlen Hof.


Er kniete nieder, küsste fromm den Boden,
Die Erde küsste er zu ihren Füßen.
Und er erhob sich, stand vor ihr und sprach:
Der Vater in dem Himmel Anu schickt mich
Und lässt dir sagen, Königin der Toten:

O Königin! Für dich ist es unmöglich,


Herauf zu kommen in den Götterhimmel,
In einem Jahr wirst du nicht kommen können,
Uns Götter anzuschauen in den Himmeln.
Unmöglich ist es für die Himmelsgötter,
Zu dir herab zu steigen, Todesgöttin,
In keinem Monat fahren wir herab,
Um dich zu sehen, schwarze Todesgöttin.
Lass deinen Boten kommen, große Mutter,
Und lass ihn etwas von dem Tische nehmen,
Du akzeptiere ein Geschenk für dich.
Ich werde deinem Boten etwas geben
Als ein Geschenk für dich, o schwarze Göttin.

Da ließ Ereschkigal die Stimme hören


Und richtete an Kadda ihre Worte:
Mit Anu und den Göttern sei der Friede,
Mit all den puren Göttern sei der Friede,
O Bräutigam der Himmelskönigin,
Der Friede sei mit dir, du Held und Sieger!
Und Kadda also ließ die Stimme hören,
Ereschkigal vernahm die sanfte Stimme:
Der Friede sei mit dir, o Königin!

Ereschkigal ließ ihre Stimme hören


Und richtete ihr Wort an den Wesir:
O Namtar, mein Wesir im Totenreich,
Ich schicke dich zum Vater in dem Himmel,
Steig du hinan die große Himmelstreppe,
Nimm von dem Tische ein Geschenk für mich,
Was dir der Vater in dem Himmel gibt,
Ich nehme das Geschenk des Vaters an.

Gott Ea wandte sich an den Wesir


Und führte ihn die Wege zu dem Vater.
Die Götter knieten vor dem Himmelsvater,
Die großen Götter, die des Schicksals Herren,
Denn Anu kontrollierte alle Riten,
Gott kontrollierte alle Opfer-Riten.
Die Götter wohnen in der Götterburg.
Und warum kniest du nicht vorm Himmelsvater?
Ich wink dir zu, doch du bemerkst es nicht
Und weigerst dich, den Vater anzubeten?

Gott Nergal sprach nun mit dem Gotte Ea


Und drückte seinen Wunsch voll Sehnsucht aus,
Ereschkigal dort unten zu besuchen.
Ich möchte mich auf meine Füße stellen,
Denn sie ist wunderschön, du sagst es selber,
Verdoppeln möcht ich alle meine Arbeit.

Als Ea dieses hörte, sagte er:


Der Wille unsres Vaters soll geschehen.

Und Ea ließ erneut die Stimme hören


Und richtete das Wort an Nergal also:
Mein Sohn, du mögest auf die Reise gehen,
Die du dir so sehr wünschst mit heißer Sehnsucht.
Nimm du dein Schwert in deine rechte Hand
Und geh dann durch den Wald der schwarzen Fichten,
Geh durch Wacholder-, geh durch Ginsterbüsche,
Zypressen brich und Maulbeerfeigenbäume.

Als Nergal diese Worte Eas hörte,


Nahm er die Doppelaxt in seine Hand,
Das Schwert er löste von der Lenden Gürtel,
So ging er durch den Wald der schwarzen Fichten,
Drang durch Wacholder- und durch Ginsterbüsche,
Zypressen brach er, Maulbeerfeigenbäume.

Er machte einen Thron dem Gotte Ea,


Den er in weiter Himmelsferne sah,
Er machte einen Thron von reinem Silber,
Anstelle Gold bemalt mit gelber Paste,
Er schmückte ihn mit Lapislazuli.
Und schließlich ward das Werk mit Fleiß vollendet,
Errichtet war der Thron des Gottes Ea.
Und Ea rief, gab Nergal Instruktionen:
Mein Sohn, was deine Reise nun betrifft,
Die du zu machen wünschst mit heißer Sehnsucht,
Vom Augenblick an, da du angekommen,
Du folge meinen weisen Instruktionen.

Im Augenblick, wenn sie den Stuhl dir bringen,


Dann setze du dich nicht auf jenen Stuhl.
Und wenn die Bäckerin dir Brot anbietet,
Sollst du nicht essen von dem Brot des Todes.
Und wenn der Fleischer dir den Braten reicht,
Sollst du nicht essen von dem Fleisch des Todes.
Und wenn der Brauer dir sein Bier anbietet,
Sollst du nicht trinken von dem Götterbier.
Und wenn man dir die Füße waschen will,
O Wanderer, dann lasse das nicht zu.
Und geht Ereschkigal ins Badezimmer
Und badet in der Badewanne nackt
Und wenn sie dir erlaubt, sie anzuschauen,
Wie sie den schönen nackten Körper badet,
Dann darfst du mit Ereschkigal nicht tun,
Was Männer gerne tun mit nackten Frauen!

Und Nergal schaute auf Kurnugi nun


Und wandte sich der dunklen Wohnung zu,
Zum Haus Erkalla, zu dem Haus der Göttin,
Zum dunklen Haus, das man betreten muss,
Doch wenn man einmal dieses Haus betreten,
Nie mehr verlässt man dann das Haus der Göttin.
Er wandte sein Gesicht zur schmalen Straße,
Von dieser Straße kehrt man nicht zurück,
Er sah zum Hause dichter Finsternis,
Wo Asche ist das Brot an jedem Tag,
Wo man wie Schwäne Federkleider trägt.
Man sieht kein Licht, man sitzt in tiefer Nacht,
Man gurrt dort wie verlassne Turteltauben.

Des Todestores Wächter tat den Mund auf


Und richtete sein Wort an Nergal also:
Berichten muss ich meiner strengen Herrin,
Dass heut ein Gott an ihre Türe anklopft.
Der Wächter ging nun in das Innere
Und sprach zur Königin Ereschkigal:
O meine Göttin, meine hohe Frau,
Ein Gott gekommen ist an deine Tür,
Er will dich sehen, wunderschöne Frau,
Ich will für dich erforschen, wer der Gott ist.

Ereschkigal ließ ihre Stimme hören


Und sprach zu Namtar, sprach zu dem Wesir:
Du frag den Gott, was er von mir begehrt!
Und der Wesir sprach so zu seiner Göttin:
Ich will den Gott befragen, wer er ist,
Ich will ihn an der Außentür befragen.
Ich werde meiner lieben Göttin bringen
Die richtige Beschreibung dieses Gottes.
Und Namtar trat zur Tür und stand im Schatten,
Er stand dort fest wie eine Tamariske
Und seine Lippen waren rot wie Blut,
Wie der Rubin am Rand des Bechers Wein.
Und Namtar kehrte in die Wohnung wieder
Und sprach zu seiner strengen Frau und Göttin:
O meine Herrscherin und hohe Göttin,
Wenn du mich schickst zum Vater in dem Himmel,
Und wenn ich trete in den Hof des Vaters,
Die Götter knieen alle vor dem Vater,
In meiner Gegenwart erheben sich
Die Götter, stellen sich auf ihre Füße
Und rufen: Nergal ist herab gestiegen!

Ereschkigal ließ ihre Stimme hören


Und richtete ihr Wort an den Wesir:
Du suche nicht die Kraft der Elil-Götter,
Versuche nicht, ein starker Held zu sein!
Wie willst du in den Himmel Gottes fahren
Und sitzen auf dem Thron der Himmelsgötter?
Willst du die schwarze Mutter Erde richten,
Die große Mutter mit den breiten Brüsten?
Soll ich gen Himmel fahren zu dem Vater,
Soll ich das Brot der Himmelsbürger essen,
Soll ich den Wein der Himmelsgötter trinken?
Geh, bring den Gott in meine Gegenwart!

Er ging und ließ den Gott herein durchs Tor.


Er ließ die Gottheit durch die erste Pforte,
Er ließ die Gottheit durch die zweite Pforte,
Er ließ die Gottheit durch die dritte Pforte,
Er ließ die Gottheit durch die vierte Pforte,
Er ließ die Gottheit durch die fünfte Pforte,
Er ließ die Gottheit durch die sechste Pforte,
Er ließ die Gottheit durch die siebte Pforte.

Und Nergal kam nun in den breiten Hof,


Er kniete nieder, küsste fromm den Boden,
Die schwarze Erde zu der Herrin Füßen,
Erhob sich dann und stand vor ihr und sprach:
Gott Anu, Vater in dem Himmel, schickt mich
Zu dir, dass ich dich sehe, schöne Frau.
Gott sprach zu mir: Du setz dich auf den Thron
Und richte dort den Rechtsstreit aller Götter,
Der Götter, die in Burg Erkalla leben.
Man führte ihn zu einem edlen Thron,
Er aber setzte sich nicht auf den Thron.
Die Bäckerinnen brachten süßes Brot,
Er aß nicht von dem Brot der Bäckerinnen.
Die Fleischer brachten ihm gebratnes Fleisch,
Er aber aß nicht von dem Fleisch des Todes.
Die Brauer brachten ihm das Götterbier,
Er aber trank nicht von dem Götterbier.
Man brachte eine Wanne ihm mit Wasser,
Er aber ließ sich nicht die Füße waschen.
Die schöne Göttin ging ins Badezimmer
Und badete den nackten Götterkörper,
Erlaubte ihm, den nackten Leib zu sehen,
Die nackten Brüste und die nackten Schenkel,
Er widerstand und schlief nicht mit der Nackten.

Ereschkigal jedoch im Badezimmer


Den nackten Körper badete im Wasser,
Erlaubte ihm, den nackten Leib zu schauen,
Die nackten Brüste und die nackten Schenkel,
Er spürte das Begehren eines Mannes,
Zu tun, wie Männer tun mit nackten Frauen.
Und nun liebkosten Gott und Göttin sich
Und gingen in das Brautgemach der Göttin
Und machten Liebe in dem Bett der Göttin,
Sie machten Liebe an dem ersten Tage,
Sie machten Liebe an dem zweiten Tage,
Sie machten Liebe an dem dritten Tage,
Sie machten Liebe an dem vierten Tage,
Sie machten Liebe an dem fünften Tage,
Sie machten Liebe an dem sechsten Tage,
Sie machten Liebe an dem siebten Tage.

INANNAS ABSTIEG IN DIE UNTERWELT

Vom hohen Himmel wandte sie ihr Denken


Aufs Untere im dunklen Totenreich.
Vom hohen Himmelreich herab die Göttin
Die Augen wandte zu der Unterwelt.
Vom hohen Himmelreich Inanna wandte
Den Kopf der Unterwelt der Toten zu.
Und sie verließ den Himmel und die Erde,
Und meine Herrin stieg ins Totenreich.
Und sie verließ den Himmel und die Erde,
Inanna stieg hinab ins Totenreich.

Sie gab das Amt des En auf und des Lagar


Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Und sie verließ Eanna-Stadt in Ugug
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Sie ließ Emuckalama in Badtbira
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Und sie verließ Giguna in Zabalam
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Und sie verließ Ekara-Stadt in Adab
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Sie ließ Baragdurjara-Stadt in Nibru
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Sie ging von Hursajkamala in Hik
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Und sie verließ Ehulmak in Agade
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Und sie ging fort von Ibgal-Stadt in Umma
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Sie ging von Edilmuna-Stadt in Urim
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Und sie verließ Amazekug in Kisga
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Und sie verließ Ezdamkug-Stadt in Jirsu
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Sie ging von Esigmezedu in Isin
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Und sie ging fort von Anzagar in Akkak
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Sie ging von Nijinarkug in Kuruppak
Und stieg hinunter in die Unterwelt.
Sie ging von Ekagula in Kazallu
Und stieg hinunter in die Unterwelt.

Sie nahm die sieben göttergleichen Kräfte,


Sie sammelte die göttergleichen Kräfte
Und fasste zärtlich sie mit ihrer Hand.
Und mit den guten göttergleichen Kräften
Ging sie auf ihren Weg ins Totenreich.
Sie legte einen Linnen-Turban an,
Die Kopfbedeckung für das offne Land,
Sie nahm ein goldnes Stirnband um die Stirn.
Um ihren Hals trug sie die Perlenschnur,
Die Perlen waren Lapislazuli.

Wie Eier Zwillingsperlen auf dem Busen!


Den Körper deckte sie mit einem Kleid,
Dem reizenden Gewand der Weiblichkeit.
Sie legte Schminke auf: Den Mann lass kommen!
Sie legte Schminke auf die Augenlider.
Sie zog das Brusttuch an: Komm, Mann, zum Busen!
Sie legte einen Goldring an die Hand,
Sie hielt den Stab von Lapislazuli.

Inanna reiste in die Unterwelt.


Die Sklavin Ninkubura reiste mit ihr.
Inanna sagte dies zu Ninkubura:
Komm, meine treue Dienerin und Magd,
Komm, meine Magd, die schöne Worte spricht,
Begleiterin, die weise Worte spricht,
Ich werde dir die gute Weisung geben.
Die Sklaven müssen meiner Weisung folgen.
Ich sag dir was, das musst du gut beachten.

Heut steige ich hinab zur Unterwelt.


Und wenn ich angekommen bin dort unten,
Dann sing ein Klagelied in den Ruinen.
Dann schlag die Trommel auch im Heiligtum,
Dann mach die Runde in der Götter Häusern.

Dann schlitze deine Augen auf für mich,


Zerreiße deine Nase dann für mich,
Dann schlitz die Ohren auf für mich vor allen.
Privat zerreiße dein Gesäß für mich.
Kleid wie ein Bettler dich für mich in Lumpen,
Stell deinen Fuß ins Haus des Gottes Enlil.

Wenn du im Hause bist des Gottes Enlil,


Dann lass das Klagelied vorm Gott ertönen:
O Vater Enlil, lass doch keinen töten
Dort in dem Totenreiche deine Tochter!
Dass nicht dein kostbares Metall legiert wird
Mit ekelhaftem Schmutz der Unterwelt!
Lass nicht den edlen Lapislazuli
Verteilt dort werden mit der Maurer Steinen!
Lass deinen wunderschönen Buchsbaum dort
Zerhackt nicht werden mit dem Holz der Schreiner!
Lass nicht die junge Königin Inanna
Getötet werden in dem Totenreich!

Wenn Enlil dir nicht hilft in dieser Sache,


Dann geh nach Urim in das Haus von Nanna,
Lass deine Klage tönen dann vor Nanna:
O Vater Nanna, keiner soll doch töten
Dort in dem Totenreiche deine Tochter!
Dass nicht dein kostbares Metall legiert wird
Mit ekelhaftem Schmutz der Unterwelt!
Lass nicht den edlen Lapislazuli
Verteilt dort werden mit der Maurer Steinen!
Lass deinen wunderschönen Buchsbaum dort
Zerhackt nicht werden mit dem Holz der Schreiner!
Lass nicht die junge Königin Inanna
Getötet werden in dem Totenreich!

Wenn Nanna dir nicht hilft in dieser Sache,


Dann geh nach Eridug ins Haus von Enki,
Lass deine Klage tönen dann vor Enki:
O Vater Enki, keiner soll doch töten
Dort in dem Totenreiche deine Tochter!
Dass nicht dein kostbares Metall legiert wird
Mit ekelhaftem Schmutz der Unterwelt!
Lass nicht den edlen Lapislazuli
Verteilt dort werden mit der Maurer Steinen!
Lass deinen wunderschönen Buchsbaum dort
Zerhackt nicht werden mit dem Holz der Schreiner!
Lass nicht die junge Königin Inanna
Getötet werden in dem Totenreich!

Der Vater Enki, Herr der schönen Weisheit,


Er kennt die Pflanze, die da Leben spendet,
Und kennt das Wasser, das da Leben spendet,
Er ists, der mich zum Leben auferweckt!

Als nun Inanna ging zur Unterwelt,


Da folgte ihr die Sklavin Ninkubura.
Inanna sprach zur Sklavin Ninkubura:
Jetzt geh, du meine liebe Ninkubura,
Befolge alle meine Weisungsworte,
Die ich dir treulich überliefert habe.

Als nun Inanna kam an den Palast,


Da schob sie auf die Tür der Unterwelt,
Da schrie sie aggressiv am Tor des Todes:
Türsteher, öffne mir, mach auf die Tür,
O Neti, öffne mir! Ich bin allein
Und möchte in die Unterwelt hinein.

Der Haupttürsteher in der Unterwelt


Antwortete Inanna: Sag, wer bist du? -
Ich bin Inanna und geh in den Osten. -
Wenn du Inanna bist und gehst nach Osten,
Was kommst du ins Gefilde ohne Heimkehr?
Was richtest du dein Herz auf jene Straße,
Von der kein Reisender je wieder kommt?

Inanna gab der Haupttürsteher Antwort:


Weil Gudgalana jüngst, der Herr und Gatte
Der heiligen Ereschkigala starb,
Ereschkigala, meiner ältern Schwester,
Ich komm zum Ritus der Beerdigung,
Sie bietet reiche Opfer doch des Weines.
Das ist der Grund, warum ich bin gekommen.

Der Haupttürsteher in der Unterwelt


Antwortete der heiligen Inanna:
So bleibe hier, o Königin Inanna,
Ich werde gleich mit meiner Herrin sprechen,
Mit ihr, der heiligen Ereschkigala,
Ich will ihr sagen, was du mir gesagt hast.

Der Haupttürsteher in der Unterwelt


Ging zu der heiligen Ereschkigala,
Ging in die Halle seiner Vielgeliebten
Und sprach: O Herrin, draußen steht ein Mädchen,
Es ist Inanna, deine junge Schwester,
Und sie ist angekommen beim Palast,
Sie schob die Pforte auf der Unterwelt
Und aggressiv schrie sie am Tor des Todes.
Sie hat die Stadt Eanna aufgegeben
Und kam herab ins dunkle Totenreich.

Sie nahm die sieben göttergleichen Kräfte,


Sie sammelte die göttergleichen Kräfte
Und fasste zärtlich sie mit ihrer Hand.
Und mit den guten göttergleichen Kräften
Ging sie auf ihren Weg ins Totenreich.
Sie legte einen Linnen-Turban an,
Die Kopfbedeckung für das offne Land,
Sie nahm ein goldnes Stirnband um die Stirn.
Um ihren Hals trug sie die Perlenschnur,
Die Perlen waren Lapislazuli.

Wie Eier Zwillingsperlen auf dem Busen!


Den Körper deckte sie mit einem Kleid,
Dem reizenden Gewand der Weiblichkeit.
Sie legte Schminke auf: Den Mann lass kommen!
Sie legte Schminke auf die Augenlider.
Sie zog das Brusttuch an: Komm, Mann, zum Busen!
Sie legte einen Goldring an die Hand,
Sie hielt den Stab von Lapislazuli.

Als sie dies hörte, schlug Ereschkigala


Mit ihrer Hand auf ihre Oberschenkel
Und biss sich mit den Zähnen auf die Lippen
Und nahm des Mannes Worte sich zu Herzen.
Da sagte sie zu ihrem Haupttürsteher:
Komm, Haupttürsteher in der Unterwelt,
Sei achtsam du auf meine Weisungsworte,
Die ich dir treulich überliefert habe,
Dass wir die sieben Todestore schließen,
Sei jede Pforte des Palasts verschlossen.
Dann öffne sie für sie und lass sie ein,
Nachdem sie alle Kleider abgelegt,
Dann werden ihre Kleider weggetragen.

Der Haupttürsteher in der Unterwelt


Gab acht auf den Befehl der Vielgeliebten,
Verriegelte die sieben Todestore,
Dann öffnete er jede Pforte einzeln
Und sagte zu der heiligen Inanna:
Komm, Göttin, lege deine Kleider ab!

Und als sie durch die erste Pforte trat,


Der Turban ward entfernt von ihrem Kopf.
Was soll das, fragte sie. Und Neti sprach:
Sei nur zufrieden, Königin Inanna,
So wird das Recht der Unterwelt erfüllt.
Inanna, öffne nur nicht deine Lippen,
Sprich gegen das Gesetz des Todes nicht.

Und als sie durch die zweite Pforte trat,


Die Perlenschnur aus Lapislazuli
Von ihrem Schwanenhalse ward entfernt.
Was soll das, fragte sie. Und Neti sprach:
Sei nur zufrieden, Königin Inanna,
So wird das Recht der Unterwelt erfüllt.
Inanna, öffne nur nicht deine Lippen,
Sprich gegen das Gesetz des Todes nicht.

Und als sie durch die dritte Pforte trat,


Die Kugeln in der Form von kleinen Eiern
Von ihrem großen Busen ward entfernt.
Was soll das, fragte sie. Und Neti sprach:
Sei nur zufrieden, Königin Inanna,
So wird das Recht der Unterwelt erfüllt.
Inanna, öffne nur nicht deine Lippen,
Sprich gegen das Gesetz des Todes nicht.

Und als sie durch die vierte Pforte trat,


Das Wort: O komm, mein Mann, zu meinen Brüsten!
Von ihrem nackten Busen ward entfernt.
Was soll das, fragte sie. Und Neti sprach:
Sei nur zufrieden, Königin Inanna,
So wird das Recht der Unterwelt erfüllt.
Inanna, öffne nur nicht deine Lippen,
Sprich gegen das Gesetz des Todes nicht.

Und als sie durch die fünfte Pforte trat,


Der Goldring ward von ihrer Hand entfernt.
Was soll das, fragte sie. Und Neti sprach:
Sei nur zufrieden, Königin Inanna,
So wird das Recht der Unterwelt erfüllt.
Inanna, öffne nur nicht deine Lippen,
Sprich gegen das Gesetz des Todes nicht.

Und als sie durch die sechste Pforte trat,


Da ward der Stab von Lapislazuli
Aus ihrer weichen weißen Hand entfernt.
Was soll das, fragte sie. Und Neti sprach:
Sei nur zufrieden, Königin Inanna,
So wird das Recht der Unterwelt erfüllt.
Inanna, öffne nur nicht deine Lippen,
Sprich gegen das Gesetz des Todes nicht.

Und als sie durch die siebte Pforte trat,


Da ward das hingehauchte Seidenkleid
Von ihrem wunderschönen Leib entfernt.
Was soll das, fragte sie. Und Neti sprach:
Sei nur zufrieden, Königin Inanna,
So wird das Recht der Unterwelt erfüllt.
Inanna, öffne nur nicht deine Lippen,
Sprich gegen das Gesetz des Todes nicht.

Dann setzte sie sich nieder auf den Boden.


All ihre Kleidung war vom Leib entfernt,
Die Kleider waren weggenommen worden.
Dann ließ die heilige Ereschkigala
Inanna treten vor den Thron der Göttin.
Ereschkigala saß auf ihrem Thron,
Die Anuna dabei, die sieben Richter,
Die gaben ab ihr Urteil über sie.
Sie sah sie an, es war der Blick des Todes.
Sie sprach zu ihr, es war das Wort des Zornes.
Sie schrie sie an, es war der Schrei der Sünde.
Die Frau in eine Leiche ward verwandelt,
Die Leiche aufgehängt an einem Haken.

Drei Tage und drei Nächte gingen hin.


Und ihre Magd und Sklavin Nincubura,
Die Magd, die wunderschöne Worte machte,
Begleiterin der Königin Inanna,
Die weise schöne Worte spricht, sie sprach.
Sie hat der Herrin Weisung ausgeführt
Und nicht vergessen den Befehl der Frau,
Sie hat beachtet alle Weisungsworte.

Sie stimmte an die Klage über sie


Und sang ihr Klagelied in den Ruinen.
Sie schlug für sie die Trommel in dem Tempel,
Sie zog die Runde vor der Götter Häusern,
Und sie zerriss die Augen für Inanna
Und sie zerriss die Nase für Inanna,
Privat zerriss sie ihr Gesäß für sie.
Wie Bettler war bekleidet sie mit Lumpen,
So setzte sie den Fuß ins Haus von Enlil.

Als sie betreten hatte Enlils Haus,


Da sang vor Enlil sie ihr Klagelied:
O Vater Enlil, lass doch keinen töten
Dort in dem Totenreiche deine Tochter!
Dass nicht dein kostbares Metall legiert wird
Mit ekelhaftem Schmutz der Unterwelt!
Lass nicht den edlen Lapislazuli
Verteilt dort werden mit der Maurer Steinen!
Lass deinen wunderschönen Buchsbaum dort
Zerhackt nicht werden mit dem Holz der Schreiner!
Lass nicht die junge Königin Inanna
Getötet werden in dem Totenreich!

Da gab im Zorne Enlil diese Antwort:


Mein Kind verlangte nach dem hohen Himmel,
Sie sehnte sich hinab zur Unterwelt,
Inanna sehnte sehr sich nach dem Himmel
Und wollte auch hinab ins Totenreich.
Doch auch die Mächte in der Unterwelt
Sind Götter, die auch Götterrechte haben.
Sie sollte sich doch nicht nach ihnen sehnen,
Denn wer dorthin kommt, der muss dort auch bleiben.
Wie kann, nachdem sie an den Ort gekommen,
Sie hoffen, dass sie werde auferstehen?

So wollte Enlil also ihr nicht helfen,


Sie ging nach Urim in das Haus von Nanna,
Da sang vor Nanna sie ihr Klagelied:
O Vater Nanna, lass doch keinen töten
Dort in dem Totenreiche deine Tochter!
Dass nicht dein kostbares Metall legiert wird
Mit ekelhaftem Schmutz der Unterwelt!
Lass nicht den edlen Lapislazuli
Verteilt dort werden mit der Maurer Steinen!
Lass deinen wunderschönen Buchsbaum dort
Zerhackt nicht werden mit dem Holz der Schreiner!
Lass nicht die junge Königin Inanna
Getötet werden in dem Totenreich!

Da gab im Zorne Nanna diese Antwort:


Mein Kind verlangte nach dem hohen Himmel,
Sie sehnte sich hinab zur Unterwelt,
Inanna sehnte sehr sich nach dem Himmel
Und wollte auch hinab ins Totenreich.
Doch auch die Mächte in der Unterwelt
Sind Götter, die auch Götterrechte haben.
Sie sollte sich doch nicht nach ihnen sehnen,
Denn wer dorthin kommt, der muss dort auch bleiben.
Wie kann, nachdem sie an den Ort gekommen,
Sie hoffen, dass sie werde auferstehen?

So wollte Nanna also ihr nicht helfen.


Sie ging nach Eridug ins Haus von Enki,
Da sang vor Enki sie ihr Klagelied:
O Vater Enki, lass doch keinen töten
Dort in dem Totenreiche deine Tochter!
Dass nicht dein kostbares Metall legiert wird
Mit ekelhaftem Schmutz der Unterwelt!
Lass nicht den edlen Lapislazuli
Verteilt dort werden mit der Maurer Steinen!
Lass deinen wunderschönen Buchsbaum dort
Zerhackt nicht werden mit dem Holz der Schreiner!
Lass nicht die junge Königin Inanna
Getötet werden in dem Totenreich!

Und Vater Enki gab der Magd zur Antwort:


Was hat denn meine Tochter nur getan?
Was tat Inanna, was hat sie besorgt?
Was tat die Herrin aller Länder nur?
Was tat der Himmlischen sakrale Hure?
Der Götter Hure nahm mir meine Ruhe!

So Vater Enki half in dieser Sache.


Da nahm er Schmutz von seinem Fingernagel
Und schuf aus diesem Schmutze die Kurjara,
Nahm Schmutz von einem andern Fingernagel
Und schuf aus diesem Schmutz die Galatura.
Und den Kurjara gab er jene Pflanze,
Die Leben spendet in der Ewigkeit,
Den Galatura gab er jenes Wasser,
Das Leben spendet in der Ewigkeit.

Er sprach zu Galatura und Kurjara:


Der eine spende ihr die Lebenspflanze,
Der andre spende ihr das Lebenswasser.
Geht, lenkt die Schritte in die Unterwelt.
Fliegt an des Todes Tor vorbei wie Fliegen.
Schlüpft durch des Todes Pforte wie Phantome.
Die Mutter, die gebar, Ereschkigala,
Sie liegt dort wegen ihrer lieben Kinder.
Ihr Schulterpaar bedeckt vom Linnentuch,
Der Brüste Paar ist mächtig wie ein Schiff,
Die Fingernägel sind wie eine Hacke,
Das Haupthaar ist gebündelt wie der Lauch.

Und wenn sie sagt zu euch: Ah weh, mein Herz!


Dann sollt ihr sagen: Du bist ruhlos, Herrin,
Ah weh, dein Herz, so sollt ihr zu ihr sagen.
Und wenn sie sagt zu euch: Ach meine Leber!
Dann sollt ihr sagen: Du bist ruhlos, Herrin,
Ach deine Leber, sollt ihr zu ihr sagen.
Dann wird sie fragen: Sagt, wer seid ihr denn?
Schön das Gespräch mit euch von Herz zu Herz,
Da meine Leber mit der euren sprach,
Seid Götter ihr, dann lasst mich mit euch sprechen,
Und wenn ihr Sterbliche der Erde seid,
Dann wird für euch ein Schicksal wohl verordnet.
Beim Himmel und der Erde lasst sie schwören.

Und bietet sie euch einen Fluss voll Wasser,


So sollt ihr diesen Fluss nicht akzeptieren.
Und biete sie euch ein Gefild voll Korn,
So sollt ihr dieses Korn nicht akzeptieren.
Doch sagt zu ihr mit einer festen Stimme:
Gib uns die Leiche, die am Haken hängt!
Dann wird sie euch die Antwort geben: Götter,
Das ist die Leiche eurer Königin.
Dann sagt zu ihr: Und wenns der König wäre
Und sei es, dass es ist die Königin,
Gib uns die Leiche, die am Haken hängt!
Dann wird sie euch den toten Körper geben.
Dann einer spende ihr die Lebenspflanze,
Der andre spende ihr das Lebenswasser,
Und unsre Königin wird auferstehen!

Die Galatura und Kurjara taten,


Was ihnen ward geboten von dem Gott.
Sie huschten durch des Todes Tor wie Fliegen,
Sie schlüpften durch die Pforte wie Phantome.
Die Mutter, die gebar, Ereschkigala,
Sie liegt dort wegen ihrer lieben Kinder.
Ihr Schulterpaar bedeckt vom Linnentuch,
Der Brüste Paar ist mächtig wie ein Schiff,
Die Fingernägel sind wie eine Hacke,
Das Haupthaar ist gebündelt wie der Lauch.

Und als sie sprach zu ihnen: Weh, mein Herz!


Da sprachen beide: Du bist ruhlos, Herrin,
Ah weh, dein Herz, so sagten sie zu ihr.
Und als sie sprach zu ihnen: Ach die Leber!
Da sagten beide: Du bist ruhlos, Herrin,
Ach deine Leber, sagten sie zu ihr.
Dann tat sie fragen: Sagt, wer seid ihr denn?
Schön das Gespräch mit euch von Herz zu Herz,
Da meine Leber mit der euren sprach,
Seid Götter ihr, dann lasst mich mit euch sprechen,
Und wenn ihr Sterbliche der Erde seid,
Dann wird für euch ein Schicksal wohl verordnet.
Beim Himmel und der Erde will ich schwören.

Da bot sie ihnen einen Fluss voll Wasser,


Sie wollten diesen Fluss nicht akzeptieren.
Da bot sie ihnen ein Gefild voll Korn,
Da wollten sie das Korn nicht akzeptieren.
Da sprachen sie zu ihr mit fester Stimme:
Gib uns die Leiche, die am Haken hängt!
Da gab sie ihnen diese Antwort: Götter,
Das ist die Leiche eurer Königin.
Da sagten sie: Und wenns der König wäre
Und sei es, dass es ist die Königin,
Gib uns die Leiche, die am Haken hängt!
Da gab sie ihnen jenen toten Körper.
Dann einer spendete die Lebenspflanze,
Der andre spendete das Lebenswasser,
Und so die Königin ist auferstanden!

Da sprach die heilige Ereschkigala


Zu Galatura und Kurjara dies:
Bringt eure Königin ins Licht des Lebens,
Doch ihre Kleider wurden ihr beschlagnahmt.
Inanna nun, nach Enkis Weisungswort,
Sie wollte steigen aus der Unterwelt.
Und als sie aufstieg aus der Unterwelt,
Ergriffen sie die sieben Totenrichter:
Wer fuhr je aufwärts aus dem Totenreich,
Wer ist der Macht des Todes je entkommen?
Wenn nun Inanna will zurück ins Leben,
So lass sie einen Stellvertreter hier.

Als nun die Frau die Unterwelt verließ,


Da ging mit ihr die Dienerin, die Sklavin,
Inanna ließ die Sklavin nicht zurück,
Inanna hielt ein Zepter in der Hand,
Die Magd der Göttin folgte ihrer Herrin.
Doch keine militärische Eskorte
Begleitete die Frau bei ihrer Auffahrt,
Die hätten etwa Keulen in den Händen.
Doch die geringeren Dämonen und
Die größeren Dämonen hielten sie
Auf beiden Seiten fest wie Rohr und Zaun.

Die sie begleiteten, die mit ihr gingen,


Die mit Inanna waren bei dem Aufstieg,
Die hatten nichts zu essen, nichts zu trinken,
Kein reines Mehl fürs Brot zum Speiseopfer,
Trankopfer wussten sie nicht darzubringen,
Sie akzeptierten kein Geschenk und haben
Die eheliche Wollust nie genossen,
Nie je geboren süße kleine Kinder,
Die Frau sie rissen aus des Mannes Armen,
Den Sohn sie zogen von des Mannes Knien,
Sie ließen auch die Braut das Haus verlassen
Und so verlassen auch den Schwiegervater,
Die Frau sie rissen aus des Mannes Armen,
Das Kind sie rissen von der Amme Brüsten,
Doch sie zerhackten keinen scharfen Knoblauch,
Sie essen keinen Fisch und keinen Lauch,
Die zogen mit der Königin Inanna.

Als nun Inanna aufgestiegen war,


Warf Ninkubura sich zu ihren Füßen.
Sie saß im Staub an des Palastes Tür
Und war bekleidet nur mit Schmutz und Lumpen.
Da sagten zu Inanna die Dämonen:
Inanna, kehre heim in deine Stadt,
Wir werden deine Sklavin mit uns nehmen.

Inanna aber sprach zu den Dämonen:


Das ist doch meine Magd der schönen Worte,
Ist mir Begleiterin mit weisen Worten,
Die nie vergessen meine Weisungsworte
Und immer mein Gebot ganz treu befolgt.
Sie hob zu klagen an in den Ruinen,
Sie schlug die Trommel in dem Heiligtum,
Sie zog die Runde in der Götter Häusern.
Für mich hat sie zerrissen ihre Augen,
Für mich hat sie zerrissen ihre Nase,
Die Ohren sie zerriss für mich vor allen,
Privat zerriss sie ihr Gesäß für mich,
Wie Bettler saß gekleidet sie in Lumpen.

Und ganz allein sie leitete die Schritte


Nach Ekur in das Haus des Vaters Enlil,
Nach Urim in das Haus des Vaters Nanna,
Nach Eridug ins Haus des Vaters Enki.
Sie weinte traurig vor dem Vater Enki:
Die Sklavin brachte mich zurück ins Leben,
Ich kann sie doch nicht den Dämonen lassen!
So lasst uns gehn, die Göttin und die Magd,
Wir wollen gehen in die Stadt von Umma.

In Umma aber war zuhause Kara,


In Umma war er in der eignen Stadt,
Er warf der schönen Göttin sich zu Füßen,
Er hatte büßend in dem Staub gesessen
Und wie ein Bettler trug er Schmutz und Lumpen.
Da sprachen die Dämonen zu Inanna:
Geh, Königin, in deine eigne Stadt,
Wir nehmen Kara an als Stellvertreter.

Inanna aber sprach zu den Dämonen:


Nein, Kara ist mein auserwählter Dichter,
Ist meine Maniküre, mein Friseur,
Wie könnt ich ihn dem Tode überlassen?
Nein, lasst uns gehn, die Göttin und den Dichter,
Wir wollen in die Stadt Badtira gehen.

Und in Badtira war zuhause Lulal,


Er warf der schönen Göttin sich zu Füßen,
Er hatte büßend in dem Staub gesessen,
Und wie ein Bettler trug er Schmutz und Lumpen.
Da sprachen die Dämonen zu Inanna:
Geh, Königin, in deine eigne Stadt,
Wir nehmen Lulal an als Stellvertreter.

Inanna aber sprach zu den Dämonen:


Nein, Lulal ist mir stets zur rechten Seite,
Wie könnt ich ihn dem Tode überlassen?
So lasst uns gehn, die Göttin und den Freund,
Wir wollen gehn zum großen Apfelbaum,
Wir gehen in die Ebne von Kulaba.
Sie folgten ihr zum großen Apfelbaum,
Sie kamen in die Ebne von Kulaba.
Es war Dumuzi dort im schönen Kleid
Und prächtig auf dem Königsthrone sitzend.
Und die Dämonen griffen an Dumuzi
Und packten ihn bei seinem Oberschenkel.
Die Geister gossen Milch aus seiner Kanne,
Die bösen Geister schüttelten die Köpfe.
Inanna, überlass mich nicht dem Tod!
Dumuzi blies die Flöte vor Inanna.

Sie sah sie an, es war ein Blick des Todes,


Sie sprach sie an, es war ein Wort des Zornes,
Sie schrie sie an, es war ein Schrei der Sünde:
Wie viele wollt ihr denn noch von mir nehmen?
Da gab die heilige Inanna ihn,
Dumuzi, in die Hände der Dämonen.

Die sie begleitet hatten, die ihr folgten,


Gekommen sind, Dumuzi anzuschauen,
Die hatten nichts zu essen, nichts zu trinken,
Kein reines Mehl fürs Brot zum Speiseopfer,
Trankopfer wussten sie nicht darzubringen,
Sie akzeptierten kein Geschenk und haben
Die eheliche Wollust nie genossen,
Nie je geboren süße kleine Kinder,
Die Frau sie rissen aus des Mannes Armen,
Den Sohn sie zogen von des Mannes Knien,
Sie ließen auch die Braut das Haus verlassen
Und so verlassen auch den Schwiegervater,
Die Frau sie rissen aus des Mannes Armen,
Das Kind sie rissen von der Amme Brüsten,
Doch sie zerhackten keinen scharfen Knoblauch,
Sie essen keinen Fisch und keinen Lauch,
Die zogen mit der Königin Inanna.

Dumuzi schrie und dann erblasste er,


Der Jüngling hob die Hände auf zum Himmel:
O Gott der Sonne, der du bist mein Schwager,
Durch Heirat wurde ich mit dir verbunden,
Ich brachte Milch in deiner Mutter Haus,
Ich brachte Butter in das Haus der Ningal.
Nun aber meine Hände sind gefangen
Und meine Füße in der bösen Schlinge,
Gott, wirf die Schlange mir vor meine Füße,
So kann ich den Dämonen noch entkommen,
Lass du nicht zu, dass mich die Feinde fangen.

Und Utu akzeptierte seine Tränen,


Dass die Dämonen ihn nicht halten konnten.
Der Gott befreite ihn von jener Schlange,
Befreite seine Füße von der Schlange.
Dumuzi den Dämonen so entkam,
Doch packten sie ihn wieder, den Dumuzi,
Der heiligen Inanna brach das Herz!

Die heilige Inanna weinte bitter


Um ihren Ehemann, den Vielgeliebten,
Sie riss an ihren Haaren wie an Gras,
Sie riss die langen Haare aus wie Gras.
Ihr Frauen, liegend in der Männer Armen,
Wo ist mein vielgeliebter Ehemann?
Ihr Kinder, liegend in der Väter Armen,
Wo ist mein Sohn, wo mein Geliebter?
Wo, wehe, wo ist mein geliebter Mann?

Die Fliege sprach zur heiligen Inanna:


Wenn ich dir zeige, wo dein Gatte ist,
Was wird mein Lohn sein, meine Königin?
Die heilige Inanna sprach zur Fliege:
Wenn du mir zeigst, wo mein Geliebter ist,
So werde ich für dich die Tafel decken.
Die Fliege half der heiligen Inanna.
Die junge Göttin gab der Fliege Schicksal:
Im Weinhaus kann sie speisen, kann sie trinken,
Und du wirst leben wie des Weisen Söhne.
Inanna gab der Fliege dieses Schicksal
Und also kam es und geschah es auch.

Inanna aber weinte heiße Tränen.


Sie kam zur Schwester, hielt sie an der Hand:
Jetzt, Liebster, wirst du für ein halbes Jahr
Im dunklen Hause meiner Schwester wohnen,
Die andre Jahreshälfte wirst du leben
Bei mir im Licht des Lebens, mein Geliebter.
Doch fordert meine Schwester dich, so folge,
Dann wirst du eines Tages freigelassen.
Und so die heilige Inanna gab
Dumuzi hin als ihren Stellvertreter.

O heilige Ereschkigala, Göttin,


Wie süß ist es, den Lobpreis dir zu singen.

INANNAS HOHELIED DER LIEBE

INANNA:

Noch gestern Herrin ich, und mir verging die Zeit,


Inanna ich, die Frau, und mir verging die Zeit,
Da war ich hoch erfreut, den schönen Tanz zu tanzen,
Mich freute sehr die Nacht mit ihrem großen Ganzen,
Ich freute mich am Lied, am liebenden Gesang,
Da mir das Liebeslied, die Hochzeitshymne klang.
Es traf mich ja der Herr, mein Freund hat mich getroffen,
Er gab mir seine Hand, es stand sein Herz mir offen.
Und Ucumgala hat von Herzen mich umarmt
Und über all mein Weh der Liebe sich erbarmt.
Komm, Stier, und mach mich frei, ich muss nach Hause gehen,
Komm, Freund, befreie mich, ich muss nach Hause gehen.
Ich arme Närrin bin doch meiner Mutter Kind,
Der Mutter Närrin ich, wie andre Narren sind.

DUMUZI:

Ich sag dir alles, Frau, ich will dich alles lehren,
Ich zeige dir, wie sehr die Männer Fraun verehren.
Die Freundin hat mich auf den offnen Markt geführt,
Zur Zymbel haben wir die Tänze aufgeführt,
Sie sang ihr Lied für mich, ich hört es mit den Ohren,
Es war so süß das Lied, ich hab die Zeit verloren.
Die Mutter weißt du wohl zu täuschen, wo sie wohnt,
Wir aber geben hin die Leidenschaft dem Mond.
Ich löse dir dein Haar in diesem breiten Bette,
Erfüll dich mit Genuss an dieser süßen Stätte,
Ach, Sagadidda war, der Mädchen schönste Zier,
Zusammen auf dem Pfad die ganze Zeit mit dir.

INANNA:

Er wollt zur Mutter Tor am lichten Tage kommen,


Ich bin so aufgeregt, bin in der Luft geschwommen,
Er hat entschieden sich, er kam zu Ningals Tor,
Ich bin so aufgeregt, den Atem ich verlor.
Ich wünschte, jemand wollt der Mutter etwas sagen,
Mit Duft erfüllte sie das Haus an lichten Tagen.
Ich wollt, das jemand was in Mutters Ohren ruft,
Das Haus erfüllte sie mit süßen Weihrauchs Duft.
Es duftete das Haus, man möchte Düfte zechen,
Ermunternd wusste sie, dem Freier zuzusprechen.

NINGAL:

Herr, du bist in der Tat wert der Umarmung Thron,


Des heiligen Vereins, du Gottes Schwiegersohn!
Dumuzi, du bist wert der heiligen Umarmung,
Du Gottes Schwiegersohn, wert herzlicher Erbarmung.
Mein Herr, dein Opfer ist erhört im Paradies,
Und Blume ist und Kraut aus deinem Garten süß.
Dein Opfer ist erhört im Liebes-Heiligtume,
Aus deinem heilgen Hain das Kraut, die rote Blume.

INANNA:
Als der Geliebte mich getroffen hat allein,
War froh er, mich zu sehn bei dem Zusammensein.
Der Bruder brachte mich zu seines Hauses Stätte,
Er ließ mich liegen weich im süßen Honigbette.
Mein Liebster lag mir an dem Herzen voll Genuss,
Da wir vereinigten uns mit dem Zungenkuss,
Mein Bruder machte da das Antlitz schön in Fülle,
Er stand ganz plötzlich still in Harmonie der Stille,
Vorm Erdenbeben er das Schweigen in dem Land,
Auf meiner Hüfte Rund er legte seine Hand,
Die ganze Köstlichkeit der Süßigkeit der Triebe
Ließ ich geschehen in Vereinigung in Liebe.

DUMUZI:

O Schwester, mach mich frei, befreie deinen Gast,


Geliebte Schwester, komm mit mir in den Palast,
Mein Vater wird dich dann mit deinen sieben Seelen
Als Tochter voller Huld und Gnade auserwählen.

DICHTER:

Der Bruder liebevoll zur jungen Schwester, ach,


Der Gott der Sonne zu der Frau Inanna sprach.

UTU:

O junge Herrscherin, wie schön der Flachs im Lenzen,


Inanna, wie das Korn tut in der Furche glänzen!
Ich hacke Land für dich, ich bringe dir das Korn,
Und Leinen schenk ich dir, du großer Wonneborn.
Denn Leinen, groß und klein, ist gut vor allen Dingen,
O junge Herrscherin, ich will es zu dir bringen.

INANNA:

Nachdem du mir den Flachs gebracht hast gnädiglich,


O Bruder Sonnengott, wer kämmt den Flachs für mich?

UTU:

Ich bringe ihn zu dir gekämmt, o Schwester-Herrin.

INANNA:

Bringst du den Flachs gekämmt zu der geliebten Närrin,


Wer spinnt mir dann den Flachs, wer tut so Liebes mir?

UTU:

Gesponnen bringe ich, Inanna, ihn zu dir.


INANNA:

Wenn man den Flachs gebracht zu mir in Sommernächten,


Gesponnen und gekämmt, wer wird ihn für mich flechten?

UTU:

Geflochten bring ich ihn zur Schwester als ihr Gast.

INANNA:

Nachdem geflochten du zu mir gebracht ihn hast,


Mein Bruder Sonnengott, wer wird ihn für mich weben?

UTU:

Gewoben bring ich ihn zu dir, o du mein Leben.

INANNA:

Gewoben bringst du ihn der Schwester gnädiglich,


Wer aber, Bruder Gott, wird bleichen ihn für mich?

UTU:

Gebleicht ich werde ihn der Schwester Göttin bringen.

INANNA:

Mein Gott, ich frage mich, mein Gott vor allen Dingen,
Wenn du das Brautkleid so zur Liebsten hast gebracht,
Wer geht mit mir ins Bett zum Liebesspiel der Nacht?

UTU:

Der Gatte geht mit dir ins Bette auserkoren,


Dumuzi, der er ward von reinem Schoß geboren,
Er ward am Ehe-Thron einst konzipiert, so nett,
Der gute Hirte er, er geht mit dir ins Bett!

INANNA:

O Bruder, der solls sein, der Ackermann, der Bauer!


Er, meines Herzens Mann, stillt meine Liebestrauer!
Er sammelt ja das Korn, die Spreu nur treibt er aus,
Das Korn doch sammelt er in meinem Lagerhaus.

UTU:

O Schwester Göttin, nimm zum Mann den guten Hirten!


Bist du bereit? Du sollst den Liebsten gut bewirten.
Wie gut ist seine Milch, die Sahne ist wie gut,
Was immer er berührt, das strahlt von Liebesglut!
Inanna, nimm zum Mann Dumuzi! Lust ist furchtbar!
Mit Perlenketten schmück die Brust, das macht dich fruchtbar!
Was bist du nicht bereit? Erwarte ihn daheim.
Die Sahne gibt er gern und seinen Honigseim.
Er soll der Könige Beschützer sein, der Hirte.
Was bist du nicht bereit? Auf, und den Freund bewirte!

INANNA:

Den Hirten? Nein, ich will nicht sein des Hirten Frau.
Denn sein Gewand ist grob und seine Wolle rau.
Den Bauern nehm ich mir, dem will ich mich vereinen.
Flachs lässt er wachsen mir und bringt mir feine Leinen.
Der Bauer bringt mir Frucht, er bringt mir Früchte frisch,
Das Korn lässt wachsen er, bringt Brot mir auf den Tisch.

DUMUZI:

Was willst du sagen denn von diesem dummen Bauern?


Was denkst du über ihn? Mich aber lässt du trauern?
Und gibt er Mehl dir auch und Früchte überdies,
Ich gebe Wolle dir, geb dir des Lammes Vlies.
Wenn er dir Weißmehl gibt, ich geb dir weiße Wolle.
Gibt er dir Bier, ich geb das Fass mit Milch, das volle.
Ich geb dir Honig, geb dir Käse, gibt er Brot,
Ich gebe ihm noch ab, wenn er in tiefer Not,
Ich geb ihm meine Milch und geb ihm meine Sahne.
Er hat nicht mehr als ich. Hör, wie ich dich ermahne.

INANNA:

Wenn meine Mutter nicht dir gnädig wär voll Huld,


Du wärst vertrieben schon. Doch hast du keine Schuld,
Großmutter voller Huld ist gnädig dir auf Erden,
Sonst würdest du vom Berg herab geworfen werden.
Und wenn mein Vater nicht dich herzlich liebte, ach,
Mein Vater Nanna, nun, so hättest du kein Dach.
Und wenn mein Bruder nicht, der Gott, der Sohn des Nanna,
Dich liebte, hättest du nicht Zutritt bei Inanna.

DUMUZI:

Inanna, bitte, du beginne keinen Streit!


Mein Vater ist so gut wie deiner in der Zeit.
Mein Vater Enki reich ist wie dein Vater Nanna,
Und meine Schwester ist so schön wie du, Inanna,
Wie deine Mutter ist auch meine Mutter gut
Und wie dein Bruder bin auch ich voll heißer Glut.
O junge Königin des herrlichen Palastes,
Die Worte höre des verliebten Seelengastes.
DICHTER:

Das Wort, das eben süß kam aus dem Munde ihr,
Das war ein Wort der Lust, verzehrender Begier,
Vom Ausgangspunkt des Streits und nach des Streites Flammen
Die beiden kamen doch in Liebe noch zusammen.
Der Hirte ging ins Haus mit Sahne, war im Heim,
Er kam in den Palast mit Milch und Honigseim.
Und als er stand vorm Haus, da rief er laut die Worte:

DUMUZI:

O junge Herrscherin, tu auf mir deine Pforte!

DICHTER:

Inanna lief sogleich und ihre Mutter frug,


Die Mutter Ningal, die sie einst im Schoße trug,
Die Mutter frug das Kind um Rat mit leisem Worte,
Da sprach die Mutter an dem königlichen Orte:

NINGAL:

Mein Kind, der junge Mann, der wird dein Vater sein,
Und du wirst sein für ihn sein liebes Mütterlein.
Er wird dein Vater sein und wird dich gut behandeln,
Du wirst ihm Mutter sein und liebend mit ihm wandeln.
Und darum, Königin, nun öffne den Palast
Und lass ihn ein zu dir, lass ein den Seelengast.

DICHTER:

Inanna, auf das Wort hin, den Befehl der Mutter,


Gebadet und gesalbt, aß Honigseim und Butter,
Den Körper hüllte sie mit weißlichem Gewand.
Die Morgengabe sie bereits hielt in der Hand,
Die Perlenkette schön sie legte an den Busen
Und las die Poesie der tiefgeschoßten Musen.
Dumuzi wartete bereits und war gespannt,
Inanna öffnete die Tür mit ihrer Hand.
Im inneren Palast hat sie für ihn geleuchtet,
So wie des Mondes Licht die dunkle Nacht befeuchtet.
Dumuzi sah sie froh, der er sie lang vermisst,
Und Brust an Brüste er Inanna hat geküsst.

INANNA:

Was ich dir sage, lass die Sängerin dir singen.


Was ich dir sage, lass es in das Ohr dir dringen.
Von alt zu jung mein Wort vernimm und mein Gebot:
Denn meine Vulva ist des Himmelreiches Boot,
Ist voller Eifer wie der junge Mond und wacker,
Und brach liegt lange schon mein unbesamter Acker.
Was mich betrifft, ich hab es nicht, was mir genügt,
Ich frage meinen Gott, wer meine Vulva pflügt?
Das unbesamte Land, wer wird den Acker pflügen?
Was mich betrifft, die Frau, die lange schon geschwiegen,
Wer pflügt den Acker mir, wer pflügt die Vulva mir,
Wer durch die Furche zieht den Pflug mit seinem Stier?

DUMUZI:

O höchste Herrscherin, der Herr pflügt deine Vulva!


Dumuzi ich, der Herr, will pflügen deine Vulva!

INANNA:

Die Vulva pflüge mir, mein Liebster schön und groß,


Die Vulva pflüge mir, besame meinen Schoß!

DICHTER:

Auf königlichem Schoß hochragend liegt die Zeder,


Und Ranken wachsen hoch an jeder Seite, jeder,
Die Ähren wachsen hoch, Korn golden wächst im Feld,
Der Garten üppig blüht, der Baum steht wie ein Held.

INANNA:

Er fruchtbar hat gekeimt, er hat gewuchert lange,


Er hat Salat gepflanzt am Lauf der Wasserschlange.
Er ists, der meinen Leib am allermeisten liebt!
Er liebt den Garten in der Ebene betrübt,
Und meine Gerste in den Furchen voller Züchte,
Und meinen Apfelbaum, den Wipfel voller Früchte,
Er hat Salat gepflanzt am Wasser nahe dran,
Mein Honigmann versüßt mich stets, mein Honigmann,
Er ist mein lieber Herr, der Honigmann der Götter,
Der meinen Körper liebt, den Leib, bei jedem Wetter,
Aus Honig seine Hand, aus Honig ist sein Fuß,
Er macht mein Leben süß mit seinem süßen Gruß,
Die ungestüme Lust, die Zärtlichkeit am Nabel,
Der Schenkel Zärtlichkeit ist keine Ammenfabel,
Er ists, der meinen Leib am allermeisten liebt,
Er hat Salat gepflanzt am Wasserlauf betrübt.

DUMUZI:

Oh deine Brüste sind wie prächtige Jampusen


Und wie Granaten ist dein wundervoller Busen!
Die grünen Pflanzen trägt dein weites Ackerfeld,
Getreide trägt dein Feld, du Fruchtbarkeit der Welt.
Das Wasser fließt herab, das Wasser ist dein Sklave,
Das Brot vom Himmel kommt, die Speise ist dein Sklave,
Begieße alles mir, Inanna, voller Lust,
Ich trinke alles, was mir bietet deine Brust!

INANNA:

Mach deine Milch nur süß und dick, geliebter Gatte,


Ich trinke deine Milch, vom Seim ich bin die Satte,
Dumuzi, wilder Stier, die Milch mach süß und dick,
Ich trinke deine Milch, das Trinken ist mein Glück,
Die Ziegenmilch lass du in meinen Schafstall fließen,
Den Ziegenkäse und den Seim will ich genießen,
Mein Herr Dumuzi, dein Gebratnes esse ich,
Den Schafstall treu bewache ich für dich,
Bewach das Lebenshaus, das voller Überflüsse,
Bewach den lichten Ort, Chaldäa der Genüsse,
Und den Entscheidungsort, wo Schicksal man beschließt,
Den Schicksalsort, von wo des Lebens Odem fließt,
Das Haus, das uns verleiht den Lebenshauch, den sachten,
Ich Königin, ich will auf diese Häuser achten.

DUMUZI:

Ich möchte gern mit dir in meinen Garten gehn,


O Frau, ich will mit dir in meinen Garten gehn.
Ich will mit dir in den geliebten Apfelgarten,
Ich will beim Apfelbaum auf meine Schwester warten,
Dass ich dort Bäume pflanz, ins Erdreich eingesteckt,
Die Apfelblüten sind mit Nektarstaub bedeckt.

INANNA:

Er brachte mich in den geliebten Apfelgarten,


Dumuzi brachte mich in seinen Apfelgarten,
Ich schlenderte mit ihm beim grünen Apfelbaum,
Ich stand mit ihm auch beim gestürzten Apfelbaum,
Vorm Baum hab ich gekniet, so wie es sich gehörte,
Mein Bruder sang ein Lied, wie ich es gerne hörte,
Dann in der Pappel er hoch in dem Wipfel sitzt,
Er kam zur Mittagszeit, von Sonnenglut erhitzt.
Und wird mein lieber Herr Dumuzi zu mir kommen,
Begieß die Pflanzen ich aus meinem Schoß, dem frommen,
Ich lege Pflanzen an und werde Pflanzen ziehn,
Die Pflanzen ich begieß, begieße sie für ihn,
Und ich begoss das Korn, das goldene Getreide,
Ich schüttete das Korn aus meines Schoßes Scheide.
Und letzte Nacht, als ich, die Herrin, hell erstrahlt,
Als ich, die Königin des Himmels, hell erstrahlt,
Als ich aufstrahlend schien und tanzte meine Tänze,
Sang ich mein Lob der Nacht, der warmen Nacht im Lenze,
Da sang ich Lob der Nacht, den Träumen und dem Schlaf,
Als mein geliebter Herr mich in dem Garten traf.
Mein Herr Dumuzi schob die Hand in meine Hände,
Er drückte seinen Leib an meine warme Lende.
Der Priester ist bereit für Lende und für Schoß!
Dumuzi ist bereit für Lende und für Schoß!
Die Pflanzen und das Kraut sind grün und fruchtbar heute,
O deine Fülle ist des Lebens meine Freude!

DICHTER:

Sie rief ihn Freund, er traf sie in dem Bette heut,


Sie rief ihn in das Bett, dass er ihr Herz erfreut,
Sie rief ihn in das Bett zu ihren süßen Lenden,
Sie hat ihn liebgekost mit königlichen Händen,
Sie forderte für sich das königliche Bett,
Die Königin im Bett, sie rief den Freund ins Bett.

INANNA:

Lass sein bereit das Bett, das da erfreut die Herzen,


Lass sein bereit das Bett, dass wir in Liebe scherzen,
Lass sein bereit das Bett, die Königin dich grüßt,
Lass sein bereit das Bett, die Lende wird versüßt,
Lass sein das Hochzeitsbett der Königin bereitet,
Das königliche Bett zur Hochzeit sei bereitet!

DICHTER:

Inanna breitete den Schleier auf das Bett,


Sie rief den König, rief den König in ihr Bett.

INANNA:

Das Lager ist bereit, es duftet süß im Schatten.


DICHTER:

Sie rief den Bräutigam, sie sprach zu ihrem Gatten.

INANNA:

Es wartet dein das Bett, es harrt des Herrn das Land!

DICHTER:

Er legte seine Hand der Herrin in die Hand,


Er legte seine Hand auf Herz und Brust der Gattin,
Er legte seine Hand auf Schoß und Scham der Göttin.
Süß ist des Nachts der Schlaf, so Arm in Arm vereint,
Süß ist des Nachts der Schlaf, so Herz an Herz vereint.

INANNA:

Ich hab mich für den Stier, den wilden Stier gebadet,
Hab für den Hirten, für Dumuzi mich gebadet,
Ich parfümierte süß die Lenden mit Parfüm,
Ich schminkte meinen Mund, weil ich das Küssen rühm,
Die Augen malt ich an mit schwarzer Augenschminke,
Die Lenden knetete er sanft, ich weiter winke,
Es füllte meinen Schoß mit Milch der Bräutigam,
Er streichelte das Haar, das lockige der Scham,
Er legte seine Hand auf meiner Vulva Scheide,
Von seiner Sahne so mein Boot, mein schwarzes, gleite,
Er hat gestreichelt mir die Vulva auf dem Bett,
Den Hohepriester jetzt ich streichle auf dem Bett,
Den Hirten streichle ich, liebkose seine Lende,
Des Hirten Phallus sanft liebkosen Mund und Hände,
Den Phallus küsse ich, das ist sein schönstes Glück,
Und so beschließ ich ihm sein ewiges Geschick.

DICHTER:

Die Königin des Alls, die aller Welt begehrlich,


Die Heldenfrau, die mehr als ihre Mutter herrlich,
Sie frug: Wer war der Mann, den Gott mir vorgestellt,
Den Enki mir empfahl, wer war der starke Held?
Die Erstgeborene des Mondes hat verordnet
Dem Hirten sein Geschick, sein Leben ihm geordnet.

INANNA:

Der Führer bist du in dem Kriege und der Schlacht,


Der Waffenträger du im Kampfe in der Nacht,
Fürsprecherin bin ich in großer Volksgemeinde,
Inspiration bin ich und Schutzfrau vor dem Feinde.
Der gute Hirte du, der du bewahrst den Schrein,
Von Uruk du der Herr, des Landes Fürst allein,
Du, dem das Licht des Schreins beim Pilgern ist begegnet,
In jeder Möglichkeit, in jedem Werk gesegnet.
So halte hoch den Kopf im Thron, o Menschensohn,
Und sitze ruhig nur im weißen Jaspis-Thron,
Bedecke deinen Kopf mit deiner goldnen Krone,
Trag lange Kleider nur und deinen Körper schone,
Den Königsmantel trag in deinem Königtum,
Die Streitaxt nimm zur Hand, das Schwert im Heldentum,
Den langen spitzen Pfeil, den Bogen in die Hände,
Das Lasso lässig häng an deine starke Lende,
Geh den geraden Weg, das Zepter in der Hand,
Die Goldsandalen an dem Fuß geh durch das Land.
Auf meinen heiligen und vollen Brüsten tänzle!
In meiner heiligen und engen Vulva schwänzle!
Erwählter Hirte du, geeignet für den Scherz,
Ein langes Leben soll genießen schön dein Herz.
Dein Schicksal ist bestimmt, es wird nicht mehr verändert,
Was Enki dir bestimmt, dein Los wird nicht geändert.
Der Ningal Liebling du, mir süße Küsse gib,
Inanna hat dich lieb, Inanna hat dich lieb!

DICHTER:

Ninshubur war der Knecht am goldnen Uruk-Schreine,


Und zu dem Knechte sprach die Königin, die reine:
Dumuzi führe du zu meiner Schenkel Paar,
Dumuzi führe du zu meiner Vulva Haar.

NINSHUBUR:

O meine Königin, die Wahl hier deines Herzens,


Der liebe Bräutigam, bereit zum Spiel des Scherzens,
Verbringen möge er wohl eine Ewigkeit
In deiner Grotte voll von Liebessüßigkeit
Und möge lange Zeit dir Liebeslüste spenden
In jenem Paradies, das zwischen deinen Lenden!
Gib du die Herrschaft ihm, die jeder anerkennt,
Gib du den Königsthron mit festem Fundament,
Gib ihm den Hirtenstab, gib ihm die goldne Krone,
Gib ihm das Diadem, den Sitz im Jaspis-Throne.
Wo steigt das Morgenrot, wo sinkt das Abendrot,
Vom Norden voller Wein zum Süden voller Brot,
Vom oberen Gestad zum untern Ozeane,
Von dem Huluppu-Baum zum Zedernbaum, ich mahne,
Lass seinen Hirtenstab uns schützen in der Hand,
Als Landwirt mache er die Früchte reich im Land,
Als Hirte mache er sehr zahlreich unsre Herde,
In seinem Königtum sei fruchtbar Mutter Erde,
Die grüne Pflanzenwelt sei uns der Fülle Horn,
Wenn er regiert, dann reift auch reich das goldne Korn.
Er soll der Fische und der Vögel Plaudern hören,
Es wachse hoch das Schilf im Kranichfeld in Röhren,
Vermehren sollen sich die Zicke und das Reh,
Sei Honig überall, der Wein sei wie ein See,
Salat und Kresse viel besitze jeder Bauer,
Im königlichen Haus sei lange Lebensdauer,
Hochwasser habe stets der Tigris und der Phrat,
Dass stets die Wiese viel von grünen Pflanzen hat.
Die Frau der Fruchtbarkeit soll stapeln Korn in Haufen,
O Königin des Alls, lass Männer sich besaufen,
Inanna, Königin des Universums, groß,
Lang sei die Zeit, die er genießt in deinem Schoß,
Die ganze Ewigkeit der Liebe soll nicht enden,
Das süße Liebesspiel von Lippen und von Lenden!

DICHTER:
Der König eilte nun mit hoch erhobnem Kopf
Auf ihre Vulva zu und deren krausen Schopf,
Mit hoch erhobnem Kopf, das Zepter in den Händen,
Er zu Inanna ging und ihren heißen Lenden.
Mit hoch erhobnem Kopf ging er zur Herrin hin,
Er öffnete sein Herz der Liebes-Priesterin.

INANNA:

Die Freude meines Sinns hat sich mit mir getroffen,


Wir freuten uns vereint, die Vulva steht ihm offen,
Und er empfängt die Lust, empfängt die Liebeslust
Von meiner heiligen und vollen, prallen Brust,
Er bringt mich in sein Haus, der Süße und der Nette,
Er legt mich nackend auf das süße Honigbette,
Mein süßer Liebling liegt im Schoß mir mit Genuss,
Ich küsse meinen Mann mit tiefem Zungenkuss,
Dumuzi liebt das sehr, ich tu es immer wieder,
Ja, siebenmal zur Nacht ich küsse seine Glieder.

DUMUZI:

O Schwester, mach mich frei, o Liebste, mach mich frei,


Dass du mir Tochter und dass ich dir Vater sei.
Geliebte Schwester komm, ich gehe in die Halle
Des herrlichen Palasts. Befreie mich und alle!

INANNA:

Mein Blütenträger, o wie war dein Reiz so süß,


Im Apfelgarten du, mein Mann im Paradies,
Mein Apfelbräutigam im schönen Apfelgarten,
Wie lieb ich deinen Reiz, den wilden und den zarten!
Mein Gatte ohne Furcht, mein schönstes Gottesbild,
Mit Schwert und Diadem, wie lieblich du und mild!

DICHTER:

O Heilige, ein Mann bestieg die Dattelpalme,


Ein Sammler, dass er pflückt, bestieg die Dattelpalme,
Inannas Palme er bestieg in strenger Zucht,
Auf dass er pflücke sie, die überreife Frucht!
Die dunkle reife Frucht er brachte zu Inanna
Und auch das Himmelsbrot, das unbefleckte Manna,
Die Frucht gab er ihr hin voll tiefer Sympathie.
Und ja, dann nahm er sie, fürwahr, dann nahm er sie!
Und ja, dann nahm er sie, um sie genau zu prüfen,
Wie einen Edelstein der Jungfrau lichte Tiefen,
Er nahm und prüfte sie wie einen Edelstein,
Und Lapislazuli er nahm und Jaspis rein,
Und aus dem Haufen von sehr edlen Edelsteinen
Nahm für Inanna er den auserwählten Einen.
Die Popo-Perlen sie fand lustig und fand froh,
Sie setzte sich darauf mit ihrem Apfel-Po!
Inanna Perlen fand, sie um den Kopf zu legen,
Fand Lapislazuli, ihn an den Hals zu legen,
Goldfäden für das Haar und Ringe für das Ohr,
Mit Honig salbte sie den süßen Mund zuvor,
Sie legte an das Gold der königlichen Halle,
Sie trug den Nasenring wie auch die Mädchen alle,
Sie pflanzte einen Baum in ihren Nabel ein,
Sie goss den Honigseim in ihre Vulva rein,
Den Alabaster nahm sie sich für Po und Scheide
Und in die Vulva steckt sie eine Trauerweide,
Der Trauerweide Stamm in ihrer Vulva Haar,
Sandalen zog sie an der nackten Füße Paar.
Die Edelsteine auf dem Haufen hat gesammelt,
Sagidda ward vom Herrn versiegelt und verrammelt!
Inanna sammelte auch Edelsteine viel,
Sie ward von ihrem Freund beglückt im Liebesspiel!
Dumuzi traf die Braut Inanna, sagt die Fabel,
Im hohen Himmelshaus und an des Himmels Nabel!
Der gute Hirte er, der seine Freundin traf,
Zur Liebe sie bereit und zu dem süßen Schlaf,
Der gute Hirte er, Dumuzi traf Inanna,
Sie in der Residenz des fürstlichen Eanna,
Von Lapislazuli gestaltet war die Tür,
Er traf sie, als sie war geöffnet für und für,
Der gute Hirte er, Dumuzi traf Inanna,
Sie in der Residenz des fürstlichen Eanna,
Inanna führte ihn zu Edelsteinen viel,
Den Gatten führte sie zu seiner Sehnsucht Ziel.
Mit Streicheln nahm sie ihn, ihn liebevoll zu streicheln,
Nahm mit den Schenkeln ihn, den Gatten, ohne Heucheln,
Inmitten ihrer zwei gespreizten Schenkel sie
Liebkoste ihren Mann voll süßer Sympathie.
Die Hure sandte nun die Botschaft an den Vater:
Die Hure tanzte nun die Botschaft an den Vater.

INANNA:

Bist in mein Haus geeilt, zu mir geeilt ins Haus?


Bist du ins Haus geeilt, geeilt zu mir ins Haus,
Um mich als Königin von meinem Thron zu stürzen,
Bist in mein Haus geeilt, um mich vom Thron zu stürzen?
Da ich bereitet hab für dich mein breites Bett,
Hast du gebreitet da für mich so lieb und nett
Den Lapislazuli und reine Edelsteine
Aufs weiße Laken mir, das reinliche und feine?
Das ists, wo ich den Mann der Liebe haben will,
Will haben ihn im Bett, dass ich den Hunger still,
Er wird dann seine Hand in meine Hände legen
Und wird mit seinem Herz mein Herz in mir erregen,
So süß ist Nachts der Schlaf, so Hand in Hand voll Scherz,
So süß Vereinigung im Bette Herz an Herz.

DICHTER:

Es sagen Freundinnen: O du bist eine Herrin!


Trauzeugen sind dir Herrn, Trauzeugen sind dir Herren,
Die große Königin, die Frau, die gerne liebt,
Trauzeugen sind die Herrn, wenn sich die Herrin gibt.
Die ihr im fremden Land zu fangen seid wie Vögel,
Trauzeugen sind die Herrn, das ist nun so die Regel.
Die du zerrissen bist wie fremde Länder fern,
Inanna, Königin, Trauzeugen sind die Herrn.
Der Eier brach entzwei, der erste ists voll Trauer,
Der zweite ist am Strom, der überfließt, der Bauer,
Der dritte ist der Mann, der immer Vögel fängt,
Der Fischer kommt zuletzt, der an das Fischen denkt.

INANNA

Ich werde Boten nun zum guten Hirten senden,


Er bringe Butter mir und Milch mit offnen Händen.
Auch einen Boten ich zu meinem Bauern schick,
Er bringt mir Honigwein mit fleißigem Geschick.
Und auch ein Bote zu dem Vogelfänger reitet,
Der für die Königin, die Frau, sein Netz ausbreitet.
Zum Fischer auch sich der berittne Bote schwingt,
Dass mir der Fischer dann den größten Karpfen bringt.

DICHTER:

Trauzeugen brachten nun der schönen Braut Geschenke,


Der Vogelfänger ihr ein Vögelein, ich denke,
Der Fischer brachte ihr den allergrößten Fisch,
Es kam der Karpfen in der Pfanne auf den Tisch,
Der Schäfer brachte ihr den Eimer voller Butter,
Dumuzi trug das Fass und brachte ihr das Futter,
Der Butter trug und Milch auf seinen Schultern gar
Und Käse trug er auch auf seinem Schulterpaar,
Der Schäfer rief ins Haus, da sprach er lustentglommen:
Dumuzi ist bereit, Dumuzi ist gekommen!

DUMUZI:

Tu auf die Pforte, Frau, tu auf die Pforte, ach!

DICHTER:

Die Mutter hörte das, die Mutter ging und sprach.

NINGAL:

Inanna, wahrlich, du bist seine Ehegattin,


Er ist dein Ehemann, und du bist seine Göttin.
Sei eine Tochter ihm, ein liebes Töchterlein,
Dann wird der Ehemann dir guter Vater sein.
Er kommt aus fremdem Land in einem schönen Hemde,
Und deine Mutter ist nun fast wie eine Fremde,
Nimm seine Mutter an, als obs die deine sei,
Nimm seinen Vater an, als obs der deine sei.

DUMUZI:

Du auf die Pforte, Weib! O Frau, von Gott begnadet!

DICHTER:

Inanna hat sich schön im Wasserbad gebadet,


Sie salbte sich mit Öl in teurer Köstlichkeit,
Sie legte an den Rock, das königliche Kleid,
Sie nahm den Talisman und nahm die Amulette,
Sie hing die Perlenschnur auf ihres Busens Bette,
Sie nahm das Siegel in die schlanke weiße Hand.
Die junge Herrin nun in Ruhe wartend stand.
Dumuzi stieß die Tür in Eile auf, und immer
Und ewig schön die Frau stand da im Mondenschimmer,
Dass sie den Mann empfängt in ihres Hauses Tür.
Er sah sie an voll Lust, er freute sich an ihr,
Er nahm sie in den Arm, als läg sie auf dem Kissen,
Und mit dem Mund begann die Frau er abzuküssen.

DUMUZI:

O Herr, gekommen bin ich heim, bin angetraut,


O Herr, gekommen ist mit mir die schönste Braut.
Mein Meister, nimm sie auf in deiner hohen Halle,
O meine Braut, o komm, kommt, junge Mädchen alle!
Inanna, komm mit mir in die Kapelle dort,
Komm mit ins Gotteshaus und höre Gottes Wort,
Dann wirst du meinen Gott und seine Schönheit schauen,
Der er der Schöpfer ist von allen schönen Frauen,
Zur Rechten Gottes du wirst sitzen in dem Thron,
Zur Rechten Gottes du, trotz allem Spott und Hohn.

DICHTER:

Obwohl er so zu ihr gesprochen und nicht klagte,


Setzt sie am Fenster sich auf einen Stuhl und sagte:

INANNA:

Das ist sehr schwer, mein Mann, was mich erwartet dort.
Hab immer nur gehorcht der lieben Mutter Wort.

DICHTER:

Er trat zu seinem Gott, dem Gotte weiser Rede,


Begrüßte seinen Gott und lallte die Gebete.

DUMUZI:
Mein Meister und mein Herr, der in der Liebe lebt!

INANNA:

Mein Freund, ich weiß nicht, wie man an dem Webstuhl webt.

DICHTER:

Er legte seinen Arm um sie und sagte frei:

DUMUZI:

Ich habe dich entführt in Liebessklaverei!


Bereitet hab ich dir das Festmahl unvergessen,
Du sitzt an meinem Tisch, wirst gute Speise essen,
Zwar meine Mutter hat nicht an dem Tisch gespeist,
Mein Bruder gleichfalls nicht, auf dass du dieses weißt,
Auch meine Schwester nicht hat an dem Tisch gesessen
Und gute Speise dort an diesem Tisch gegessen,
Doch du wirst speisen gut an diesem meinem Tisch,
Hier isst du weißes Brot, hier den gebratnen Fisch.
O meine schöne Braut, mein Atem und mein Leben,
Am Webstuhl wirst du mir die schönsten Kleider weben.
Und spinnen wirst du Garn und kämmen wirst das Vlies
Und kneten Teig für mich zu weißem Brote süß.

DICHTER:

Und sie umarmt den Stier, Dumuzi, ihren Gatten.

INANNA:

Ich bin die pure Pracht, die Sonne ohne Schatten,


Ich bin der Morgenstern am Himmel morgens still,
Die ich dich haben will, die ich dich haben will!

DICHTER

Die Frauen hört ich oft, die Liebeslieder sangen.

INANNA

Der Gatte kam herauf, mein Stern ist aufgegangen,


Er ist mir wie ein gut bewässerter Salat,
Mein Garten und mein Hain bebt, wenn der Liebling naht,
Mein Korn ist üppig in den Furchen auf dem Acker,
O wenn mein Liebling kommt, dann wird mein Herz mir wacker,
Er ist mir wie ein gut bewässerter Salat,
Mein Apfelbaum steht voll von Früchten, wenn er naht.
Der Honigmann, mein Freund, wird immer mich versüßen,
Der Götter Honigmann wird stets mich segnend grüßen,
Er grüßt mit Honighand, er grüßt mit Honigfuß,
Versüßt mich mit dem Mund und seines Segens Gruß.
Der Honigmann versüßt mir meinen nackten Nabel,
Die Oberschenkel er mir spreizt wie eine Gabel,
Mit starken Armen er umarmt mich, wenn er naht.
O meine Vulva ist ein leckerer Salat!

DICHTER:

Des Hauses Eridu ist göttliche Verheißung,


Des Hauses Sin von Gott ist Lobgesang und Preisung,
Eanna ist sein Haus, sein Haus in dieser Welt,
Es wurde Gottes Haus dir heute vorgestellt.
In Gottes Tempel schwebt die dauerhafte Wolke,
Der Wahrheit Name ist geoffenbart dem Volke,
Der Wahrheit Herz erstrahlt in strahlender Vision.
Bereitet ist das Bett, von Jaspis ist der Thron.
Und Gibil hat für dich den goldnen Schrein gereinigt,
Der Herrschaft Königin hat sich dem Freund vereinigt,
Der Herr errichtet hat dem Opfer den Altar,
Er führt die Riten durch im Tempel wunderbar.
Die Sonne sank in Schlaf, der Abend ist gesunken,
Sie sah ihn an im Bett, der Blick wie Liebesfunken,
Sie streichelte den Herrn, ihr Leben gab sie ihm,
Dem Schelmen Gottes gab sie ganz sich hin intim.
Sie sehnte sich, ersehnt hat sie das Ehebette,
Des Jubels Bette sehr ersehnte sich die Nette,
Ihr Herz ersehnt das Bett der süßen Liebeszeit,
Des Königreiches Bett, das Bett in Ewigkeit,
Sein honigsüßes Bett, sein Bett, das honigsüße,
Der Herzensfreude Bett, dass sie die Lust genieße,
Des süßen Schoßes Bett, das Bett der Königin,
Des Königreiches Bett, da gibt sie ganz sich hin,
Er deckt das Bett für sie, das unbefleckte Kissen,
Er macht das Bett für sie, um innig sie zu küssen.
Zum König sprach die Frau von seinem Bette süß,
Sie spricht des Lebens Wort vom Liebesparadies.
Der würdige Wesir der Gottesstadt Eanna
Nahm seinen rechten Arm und führt ihn zu Inanna.
O möge doch der Herr, den nennst du süßes Herz,
Genießen in dem Bett süß deiner Liebe Scherz,
Gib ihm die Herrschaft, Braut, denn seine Huld ist herrlich,
Gib ihm den Königsthron, denn er ist treu und ehrlich,
Gib du das Zepter ihm, gib ihm sein Personal,
Gib seine Krone ihm, den königlichen Saal,
Ein Diadem dem Kopf und einen Kranz, der adelt,
Gib treue Diener ihm, der nur die Bösen tadelt,
Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang,
Von Südens Sommerlust bis Nordens Winter bang,
Vom Teiche bis zum Meer soll dienen ihm ein jeder,
Von dem Huluppubaum bis zu der hohen Zeder,
Gib ihm die Schelme und das treue Personal,
Dass er als Hirte Licht auf seine Schafe strahl,
Dass er die Esser speist und segnet reich die Bauern,
Dass er den Kindern hilft und denen, die da trauern.
Als Hirte mehre er die Schafe auf der Au,
Als Herr und Bräutigam beglücke er die Frau.
In seiner Herrschaft soll das Grün der Pflanzen wachsen
Und fruchtbar die Natur sein um der Welten Achsen,
Am Euphrat soll der Fluss voll Überschwemmung sein,
Getreide reife gold, der Weinberg trage Wein,
Im Teiche schwimmen soll die bunte Schar der Fische,
Die Vögel schwatzen süß, es biegen sich die Tische,
Und auf dem Kranichfeld schön wachse goldnes Rohr,
Die Vögel schwatzen süß und lieblich singt der Chor,
Die Bäume wachsen hoch, sind blühend reich an Blättern,
Nie soll des Donners Blitz den starken Baum zerschmettern,
Die wilde Zicke soll vermehren sich, das Reh,
Es ströme Honigseim, der Wein sei wie ein See,
Und Kresse und Salat in Menge hab der Bauer,
Des Königs Leben sei von langer Lebensdauer.
Am Tigris und am Phrat Hochwasser möge sein,
Die Gräser wachsen hoch, der Weinberg spendet Wein,
Die Wiesen seien grün und fruchtbar alle Auen,
Es herrscht die Königin, die Königin der Frauen,
Die Herrin der Natur mit ihrem nackten Hals,
Mit ihrer nackten Brust, die Königin des Alls,
Des Universums Frau, die Göttliche, die Große,
Der Gatte lebe lang in deinem süßen Schoße!
Er geht zu ihrem Schoß mit hoch erhobnem Kopf,
Er geht zu ihrem Schoß, zu ihrer Vulva Schopf,
Er preist die Königin, die Göttliche, die Pure,
Aus Liebe er umarmt sie, die sakrale Hure!

HYMNE AN ISHTAR

Singt die Göttin! Ehrt die Götter!


Preist die Herrin aller Menschen!
Lobpreist Ishtar! Ehrt die Götter!
Preist die Herrin aller Menschen!

Voller Sex-Appeal, entzückend,


Hochverehrt mit Charme und Feigen!
Voller Sex-Appeal, entzückend,
Hochverehrt mit Charme und Feigen!

Süßer Mund, die Lippen Leben,


Glück die Röte ihrer Wangen,
Rosenkränze auf dem Haupte,
Ihre Augenwinkel funkeln.
Reine, die uns rät zur Ruhe,
Hält in Händen alles Schicksal,
Sie zu sehen, macht glückselig,
Schutzgeist Männern sie und Frauen.

Wollustwonne, Liebemachen,
Harmonie lehrt uns die Herrin,
Oh, das Mädchen wird zur Mutter,
Preist die Göttin vor den Völkern!

Ishtar keine ist Rivalin,


Ihr Stärke ist erhaben,
Keine kann ihr sein Rivalin,
Ihre Macht ist sehr gewaltig.

Göttin, schrecklich, groß und schrecklich,


Triumphierend ihre Worte,
Ishtar, Größte aller Götter,
Triumphierend ihre Rede!

Sie ist Königin, Geliebte,


Jeder wirft sich vor ihr nieder,
Ihr zu Füßen strahlt der Vollmond,
Mann und Frau sind voller Ehrfurcht.

Sie spricht exaltiert und nobel,


Sie ist ähnlich Gott dem Vater,
Sie ist weise, voller Einsicht,
Ihres Bräutigams Geliebte!

Der Geliebte ihres Herzens


Ist ihr Favorit, der König,
In der Gegenwart der Göttin
Opfert er ihr Bullen, Hirsche.

Ihrem Bräutigam erbat sie


Langes Leben, ja, für immer,
Garantierte viele Jahre
Ihrem König, dem Geliebten.

Auf Befehl der Göttin neigen


Sich die Enden dieser Erde,
Alle Gegenden der Erde
Unterwarf sie Gottes Herrschaft.

Ihr Verlangen ist ihr Lobpreis,


Gott gebot mir, sie zu preisen:
Gerne hör ich ihren Lobpreis,
Sie wird allezeit dich lieben!

Ishtar, segne deinen König,


Der dich ewig liebt, Geliebte,
Gib ihm ewges Leben, Göttin,
Ewigkeiten – Ewigkeiten!

Ach, gefangen sind die Fürsten,


Alle Gürtel sind gelockert,
Alles setzt sich auf die Erde,
Alle Tore sind geschlossen.

Alle Göttinnen und Götter,


Sonne, Mond und Stern der Venus,
Flohen in den Schoß des Himmels,
Richten nicht mehr im Gerichte,
Fällen nicht mehr Urteilssprüche.

Nacht – verschleiert ist die Göttin,


Der Palast und die Kapelle
Und das Heiligtum ist dunkel.

Männer rufen zu den Göttern,


Flehende sind eingeschlafen.
Gott, der Richter, der Gerechte,
Gott, der Vater aller Waisen,
Ist in seinem Heiligtume.

Nacht! O mögen deine Götter,


Göttin Giwa, Göttin Erra,
Der Orion und der Drache
Und der Wagen und die Zicke
Und der Büffel und die Schlange,
Die gehörnte Schlangengottheit,
Stehen bei dem frommen Beter!

In der Weihe, die ich bete,


In dem Opfer, das ich opfre,
Lamm, gewähr mir deinen Beistand,
Lamm, mir offenbare Wahrheit!

HATTUSILIS

Es folgen die Worte


Des Königs Hattusilis,
Des Königs von Hatti,
Des Sohnes des Mursilis,
Des großen Königs vom Lande Hatti,
Des Sohnes des Suppiluliumas,
Des großen Königs vom Lande Hatti,
Des Sohnes des Hattusilis,
Des Königs von Kussar.

Der Herrin Werke will ich besingen


Und jedermann soll es wissen.
In Zukunft soll man unter den Schutzgeistern
Meiner Hoheit, der Sonne,
Und meines Sohnes und meines Enkels
Verehrer der Herrin sein.

Mein Vater Mursilis zeugte vier Kinder,


Den Halpasulupis, den Muwatallis, den Hattusilis
Und die Mesiris, die Tochter.
Als ich noch ein Knabe war,
War ich Eselhalftermann.
Meine Herrin
Sandte zu Mursilis, meinem Vater,
Meinen Bruder Muwatillis,
Infolge eines Traumes und sprach:
Für Hattusilis bleiben nur noch wenige Lebensjahre.
Er ist krank.
Gib ihn mir!
Er soll mein Priester sein!
Er wird gesunden!
Da nahm mich Kleinen mein Vater
Und gab mich der Himmelskönigin zum Diener.
Ich opferte der Himmelskönigin,
Versah das Priesteramt.
In der Hand meiner Herrin
Lag mein Lohn,
Sie waltete über mir.

Als aber mein Vater Mursilis


In den Himmel eingegangen,
Setzte sich mein Bruder Muwatallis
Auf den Thron des Vaters.
Ich aber wurde
Vor dem Angesicht meines Bruders
Befehlshaber des Heeres.
Mein Bruder setzte mich
In die Würde des Großmeisters ein.
Das Obere Land gab er mir zu verwalten,
Das Obere Land nahm ich unter meine Gewalt.
Vor mir aber hatte es verwaltet
Sinduas, der Sohn des Zidas.

Weil meine Herrin


Mich begnadet hatte
Und mir gewogen war
Und mein Bruder mir wohlgesonnen,
Beneideten mich die Leute.
Sinduas, der Sohn des Zidas, und andre Leute
Stellten mir nach,
Sie wollten mir übel.
Gegen mich wurden Verleumdungen laut.
Mein Bruder Muwatillis
Leitete ein Gerichtsverfahren gegen mich ein.
Aber meine Herrin
Erschien mir im Traum
Und sagte mir dieses im Traum:
Dem Gottherrn vertrau ich dich an!
Da wurde ich dank meiner Himmelskönigin rein.
Meine Himmelskönigin, meine Herrin, hielt mich an der Hand
Und überließ mich keinem bösen Geist
Und keinem übelgesinnten Richter.
Niemals überwand mich die Waffe des Feindes.
Meine Herrin rettete mich
Bei jeder Gelegenheit.
Wenn es mir schlecht erging,
Erkannte ich
Gerade krank
Das Wirken der Himmelskönigin besonders deutlich.
Die Himmelskönigin, meine Herrin, hielt mich an der Hand.
Und weil ich ein von der Himmelskönigin behüteter Mann war,
Weil ich auf dem Weg des Himmels wandelte,
Handelte ich nicht nach der Art und Weise
Der gemeinen Menschen.
Ja, Himmelskönigin, meine Herrin,
Du rettetest mich immer,
Ja, so war es!
Die Himmelskönigin, meine Herrin,
Übersah mich zu keiner Zeit.
Nie überließ mich die Himmelskönigin dem Feinde.
Niemals überließ sie mich
Meinen Gegnern vor Gericht,
Den neidischen Feinden.
Bei jedem Wort des Feindes,
Bei jedem Wort des Anklägers vor Gericht,
Bei jedem Wort der Herrschaften
Hielt meine Herrin
Ihre schützende Hand über mir.
Bei jeder Gelegenheit
Rettete mich die Herrin.
Meine neidischen Feinde
Gab mir meine Herrin in die Hand,
So konnte ich sie überwinden.

Als nun mein Bruder Muwatallis


Die Sache durchschaute,
Da unternahm er nichts mehr gegen mich.
Er nahm mich wieder in Gnade an.
Heerscharen und Wagenkämpfer
Des Reiches Hatti
Gab er in meine Hand,
Ich bekam die Befehlsgewalt
Über Heerscharen und Wagenkämpfer.
Und mein Bruder Muwatallis sandte mich
In den Krieg.
Da meine Herrin mir gnädig war,
Auf welchen Feind ich auch schaute,
Kein Feind sah mich.
Ich war Sieger über die Feinde.
Die Gnade und Huld der Herrin
War mit mir.

Und welcher Feind


Sich auch im Innern von Hatti aufhielt,
Ich jagte alle Feinde hinaus.

Welche Feinde ich in meiner Jugend besiegt,


Darüber machte ich eine Tafel
Und legte sie vor der Himmelskönigin nieder.

Als mein Bruder Muwatallis


Auf den Befehl seines Schutzgeistes
Nach dem Unteren Lande zog
Und Hattusas verließ,
Da nahm er die Ahnen und die Heiligen von Hatti
Und brachte sie nach dem Unteren Lande.

Dann aber empörten sich


Die Gasgas-Länder,
Pishurus, Ishupittas,
Lattipas, Landas und Maristas,
Die festen Städte zerstörten sie.
Der Feind überschritt
Den Marasandas-Fluß
Und bedrängte das Untere Land
Und bedrängte das Land Kanas.
Kurustamas und Gazziuras fielen ab
Und die Nachbarn von Hatti
Bedrängten uns.
Der Feind aus Turmittas
Bedrängte das Land Tuhupias.
Weil aber Ippasanas leer von Menschen war,
Drang der Feind in Suwataras ein.
Istaharas aber entging dem Überfall.
Als aber das Land bedrängt war,
Bestellte man zehn Jahre lang die Felder nicht.
In jenen Jahren,
Als mein Bruder Muwatallis in Hatti war,
Fielen die Gasgas-Länder allesamt ab
Und verwüsteten Saddupas und Dankuwas
Und ließen sich in Pattijarigas nieder.
Mein Bruder Muwatallis
Entsandte mich,
Aber er gab mir nur eine geringe Menge
Von Truppen und Wagenkämpfern mit.
Da nahm ich die Hilfstruppen dazu
Und zog in den Krieg.
Ich traf auf den Feind bei Hahas
Und wir lieferten uns eine Schlacht.
Meine Herrin half mir
Und ich schlug den Feind.
Ich führte seine Streitmacht weg.
Wen er aus Hattusas bei sich hatte,
Den nahm ich ihm weg
Und schickte alle wieder in ihre Heimat.
Seine Helfer aber ergriff ich
Und lieferte sie meinem Bruder aus.
Das war meine erste Mannestat.
Meine Herrin verkündete
Zum ersten Mal auf diesem Kriegszug
Meinen ruhmvollen Namen.

Es ereignete sich nun,


Daß der Feind aus Pishurus uns überfiel,
Karanas
Und Maristas
Waren inmitten der Feinde.
Zur einen Seite war dem Feind
Die Grenze das Land Tagastas,
Zur andern Seite war dem Feind
Das Land Tamalias Grenze.
Des Feindes Wagenkämpfer
Waren achthundert Gespanne,
Unzählbar seine Fußtruppen.
Mein Bruder Muwatallis sandte mich aus
Und gab mir hundertzwanzig Gespanne
Mit Wagenkämpfern,
Doch nicht einen einzigen Krieger zu Fuß.
Auch da stand mir meine Herrin bei,
So besiegte ich den Feind
Mit ihrer Kraft.
Wer aber Helfer des Feindes war,
Den schlug ich nieder.
Als ich die Helfer geschlagen,
Floh der Feind.
Welche unsrer Städte aber
Vom Feind bedrängt gewesen,
Die schlugen nun los
Und bekämpften den Feind.
Ich führte die Streitmacht
Aus Wistawanda fort.
Auch da war mit mir
Die Gnade meiner Herrin.
Meine Waffe weihte ich der Herrin,
Der Himmelskönigin, meiner Herrin.

Mein Bruder Muwatallis kam mir nach


Und baute Anzilias
Und Tappikas. Dann zog er weiter.
Er kam nicht in meine Nähe.
Seine Wagenkämpfer und Fußtruppen
Nahm er mit sich.
Daraufhin holte er
Die Ahnen und die Heiligen
Von Hatti und brachte sie
Nach Dattasas und wohnte in Dattasas.
Nach Turmittas und Krurustamas
Aber zog er nicht.
Nun ließ er mich in den Ländern zurück,
Ich wurde Verwalter der Länder.

Über Isupittas, Maristas, Hissasapas,


Kutapas, Hannanas, Daranas, Hattenas,
Turmittas, Palas, Tumannas,
Gassijas, Sappas und das Land vom Gelben Fluß
Und über Wagenkämpfer
Und Goldknappen
Übte ich Befehlsgewalt aus.
Hakpissas und Istaharas
Wurden meine Herrschaftsbereiche
Und hier war ich König.
Und in den genannten Ländern,
Die mir meine Herrin
Aus reiner Gnade anvertraut,
Besiegte ich die einen Feinde,
Die andern vertrugen sich mit mir.
Und meine Herrin
Kam zu mir herab.
Da ließ ich die Bürger
Wieder in ihrer Heimat wohnen
Und zählte sie zu Hattusas.

Als mein Bruder aber


Gegen Ägypten zog,
Da führte ich meine Länder
Dem Heere meines Bruders zu
Und zog mit ihm gegen Ägypten.
Und was mir unterstellt war
An Wagenkämpfern und Fußtruppen,
Die beherrschte ich mit Befehlsgewalt.

Als aber Sinduas, der Sohn des Zidas,


Merkte, dass die Himmelskönigin mir gnädig war
Und mein Bruder mir wohlgesonnen,
Da freute ihn das keineswegs,
Sondern mich mit Schmutz bewarf er,
Er und seine Söhne.
Auch Samuhas, die Stadt der Himmelskönigin,
Erfüllte er mit Schmutz.
Als ich aber aus Ägypten zurückgekehrt war
Und den Schmutz bemerkte,
Da opferte ich der Himmelskönigin
Und führte den heiligen Ritus aus.

Ich nahm die Tochter


Des Pentipsarri,
Des Priesters
Der Himmelskönigin,
Ich nahm sie auf Geheiß der Herrin
Zur heiligen Ehe.
Die Himmelskönigin
Verlieh der Ehefrau des Ehemannes
Große Schönheit.
Wir zeugten Söhne,
Die Söhne des Hauses folgten mir gehorsam.
Die Mutter samt der Söhne schützte ich.
Das Haus, das mir die Herrin geschenkt,
In dem Hause lebte die Herrin mit mir,
Die Himmelskönigin trat bei mir ein
Und sie segnete mich und meine Kinder.
Die Huld der Herrin besang ich
Jeden Morgen in heiligen Hymnen.

Und ich zog aus in den Krieg


Und führte die Mannschaft
Von Hawarkinas in die Schlacht.
Hakpissa aber ist abgefallen.
Ich verjagte die Gasgas-Leute
Und unterwarf mir ihr Land.
Ich wurde König
Im Lande Hakpis.
Königin aber wurde
Meine Geliebte
Im Lande Hakpis.

Als aber der Prozeß gegen mich


Am Königshof verschleppt ward,
Zeigte meine Herrin, die Himmelskönigin,
Auch hierin ihre mächtige Gnade,
Sie brachte den Prozeß
Erneut in Gang.
Da fand man an Sinduas
Den Frevel gegen Gott.
Samuhas, die Stadt der Himmelskönigin,
Ward wieder gereinigt.
Die Himmelskönigin, meine Herrin,
Ließ meinen Feind unterliegen.
Mein Bruder aber, der König,
Übergab meinen Feind samt seiner Frau und seinen Söhnen
Meiner Herrschaft.
Mein Bruder sprach zu mir:
Sipaluis ist nicht bei den Unterworfnen.
Mein Bruder Muwatallis machte mich
Zum Sieger und Gewinner,
Ich wurde belohnt mit schönstem Lohn.
Weil aber Sinduas
Von altem Adel war
Und schon ein alter gebrechlicher Mann,
Ließ ich ihn in Frieden.
Seine Söhne schonte ich
Und tat ihnen nichts Übles.
Ich schickte sie nach Alsias.

Mein Bruder Muwatallis gab mir


Die Stadt Turmittas
Und die Stadt Hakpissa,
Und in die leeren Länder
Siedelte ich Menschen.

Aber mein Bruder


Hatte noch keinen erwachsenen Sohn.
Den Uri-Tesupas nahm ich auf
Und ließ ihn leben in Hatti
Und setzte ihn auf den Thron seines Vaters.

Dann war Krieg,


Das Heer und die Wagenkämpfer
Kämpften fürchterlich,
Nerik besiegte ich
Und beherrschte es vom Gebirge Haharwas aus,
Gänzlich unterjochte ich Nerik.

Als Uri-Tesupas
Die Huld der Himmelskönigin spürte,
Die mit mir war,
Da rebellierte er.
Meine Statthalter nahm er weg.
Und die Länder, da ich Siedler angesiedelt,
Die nahm er mir auch weg,
Und er missachtete mich.
Hakpissa und Nerikas aber
Nahm er gemäß dem Befehl der Herrin
Mir nicht weg.
Denn in Hakpissa und Nerikas
War ich Priester.
Sie blieben mir aus diesem Grunde treu.

Ich blieb beständig


Voller Hochachtung
Für meinen Bruder,
Und ich unternahm nichts gegen ihn.
Sieben Jahre fügte ich mich ihm.
Aber er trachtete danach
Mich zu verderben,
So hatte es ihm sein Götze geboten
Und die schlechten Menschen ihm geraten.
Da nahm er mir auch
Hakpissa und Nerikas weg.
Da fügte ich mich nicht mehr
Und trennte mich von ihm.

Wie ich mich aber von ihm trennte,


Das geschah nicht unrein,
Ich empörte mich nicht gegen ihn
Auf dem Wagen
Und nicht innerhalb des Hauses,
Sondern ich teilte ihm nur kühl mit:
Streit begannst du gegen mich.
Du bist Großkönig,
Aber in der Burg, die mir geblieben,
Bin ich der König allein.
Wohlan denn!
Die Himmelskönigin von Samuhas
Und der Herr von Nerikas
Werden entscheiden.
So schrieb ich an Uri-Tesupas.
Wenn da einer sagte:
Warum setztest du ihn früher ein
In die Königswürde,
Und warum trennst du dich jetzt von ihm?
Dann werde ich sagen:
Hätte er doch keinen Streit begonnen mit mir!
Hätte dann die Himmelskönigin
Einen Großkönig unterliegen lassen
Dem König einer kleinen Burg?
Weil er aber Streit begonnen mit mir,
Haben ihn der Herr
Und die Himmelskönigin
Gerichtet.

Er aber zog von Marasantias aus


Und kam zum Oberen Lande.
Sipaluis, der Sohn des Sinduas, war mit ihm.
Der ward beauftragt,
Gegen die Heerschar des Oberen Landes
Krieg zu führen.
Weil aber Sipaluis auf mich böse war,
Hatte er keinen Erfolgn
Denn die Himmelskönigin, meine Herrin,
Hatte mir schon früher
Die Königsherrschaft zugesagt.

Zu der Zeit erschien


Die Himmelskönigin
Meiner Frau im Traum und sprach:
Deinem Gemahle
Stehe ich bei!
Ganz Hattusas
Wird zu deinem Gemahle halten.
Weil ich ihn wertschätze,
Überließ ich ihn nicht dem bösen Gericht,
Nicht den bösen Geistern,
Zu keiner Zeit.
Auch heute werde ich ihn erheben
Und werde ihn einsetzen als Priester
Und er dient dem großen Sonnenweib
Von Arinna.
Auch du, o Frau,
Vertraue mir, der Himmelskönigin!

Und die Himmelskönigin, meine Herrin,


Sorgte für mich wie eine Frau und Mutter,
Und was sie sagte, das tat sie auch.
Die Himmelskönigin offenbarte ihre Gnade
In reichem Maß.

Und die Männer, die verjagt worden waren


Von Uri-Tesupas,
Denen erschien die Himmelskönigin
Im Traum und berief sie
Zu meinem Gefolge:
Die Länder von Hatti
Werde ich, die Himmelskönigin,
Alle wieder geben
Meinem geliebten Hattusilis.
So erfuhr ich das Wirken
Der Himmelskönigin
In reichem Maß.

Sie ließ Uri-Tesupas


Nirgendwohin ziehen,
Sondern sperrte ihn ein
Wie ein wildes Schwein
In ein Gehege.

Die Leute von Gasgas aber,


Die mir früher böse gewesen waren,
Die kehrten sich wieder zu mir.
In der Hochachtung für meinen Bruder
Tat ich Uri-Tesupas nichts Böses,
Aber ich nahm Uri-Tesupas gefangen.
Ich gab ihm in Nuhasse einen Ort,
Dort durfte er bleiben.
Wenn er einen andern Anschlag
Gegen mich unternommen hätte,
Wäre er wohl geflohen
Nach Kardunias.
Aber ich erfuhr, wie es stand,
Ergriff ihn
Und schickte ihn ans Meer.
Auch Sipaluis
Schickte man außer Landes.
Sein Haus nahm ich ihm weg
Und weihte es der Herrin,
Der heiligen Himmelskönigin.
Ich schenkte es der heiligen Herrin,
Der geliebten Himmelskönigin.
Die Himmelskönigin, meine heilige Herrin,
Kam auch weiter zu mir.

Ich war Prinz und wurde Melech.


Ich, der Melch, wurde König von Hakpissas,
Ich, der König von Hakpis,
Wurde schließlich Großkönig.
Meine Herrin, die Himmelskönigin,
Lieferte mir meine Feinde aus,
Die Widersacher und Neider,
Meine Gegner im Gericht.
Die einen starben durch das Schwert,
Die andern starben zur bestimmten Zeit.
Ich erledigte aber sie alle.

Und meine Herrin, die Himmelskönigin,


Gab mir auch die Herrschaft im Lande Hatti,
Dort wurde ich Großkönig.
Mich, den Königssohn,
Nahm die Himmelskönigin an in Gnade.
Meine Herrin war mir gewogen
Während meiner Königsherrschaft.
Und die meinen Vorgänger-Königen
Freundlich gesonnen gewesen waren,
Die wurden auch meine Freunde.

Boten schickten sie mir,


Geschenke schickten sie mir.
Die Geschenke, die sie mir schickten,
Die schenkten sie keinem meiner Väter.
Wer aber Fürst war und mir huldigen musste,
Der huldigte mir.
Wer mir aber Feind war,
Den besiegte ich.
Den Ländern von Hatti fügte ich
Gebiet um Gebiet hinzu.
Welche Feinde meiner Väter gewesen waren,
Die versöhnten sich mit mir.

Weil mir die Himmelskönigin wohlgesonnen,


Tat ich nichts Schlechtes.
Ich begünstigte Lamas
Und gab ihm die Stadt Dattassas,
Die mein Bruder gegründet hatte,
Und setzte ihn dort als König ein.

Und die Himmelskönigin war mir gnädig.


Ich setzte im Lande Hatti
Mich in den würdigen Königsthron.
Ich schenkte meiner Herrin
Das Haus des Sinduas
Und ließ es von Abgaben frei,
Ich weihte es der Himmelskönigin.

Was von alters her da war,


Das weihte ich der Herrin.
Was ich besaß,
Das schenkte ich der Herrin.
Keiner brauchte Abgaben zu zahlen,
Alles schenkte ich der Himmelskönigin.

Das Haus des Sinduas, das ich der Herrin weihte,


Und alle Orte des Sinduas,
Die ich der Herrin weihte,
Die sind beschrieben auf der großen Tafel.
Und ich goß das Trankopfer aus
Und den heiligen Becher.
Die Himmelskönigin ist meine heilige Herrin.
Und man wird ihr als der göttlichen Weisheit opfern.
Wem ich ein Haus gebaut,
Das weihte ich der Herrin.

Auch meinen Sohn,


Den lieben Dulhalia,
Weihte ich der Himmelskönigin
Und gab ihn ihr zum Diener.
Er soll den Tempel der Herrin hüten.
Wie ich ein Diener der Herrin war,
Soll er auch Diener der Herrin sein.
Wie ich der Herrin mein Haus geweiht,
So soll es jeder tun.

Wer aber in den kommenden Zeiten


Die Söhne des Hattusilis
Und seines Weibes Puduhepas
Der Himmelskönigin wegnehmen will,
Der soll es mit der Himmelskönigin zu tun bekommen
Im Totengericht!
Und wer in den kommenden Zeiten
Als mein Sohn und Sohnessohn
Ein König werden wird, der soll ein Diener sein
Der Himmelskönigin, der heiligen Herrin!

HYMNE AN INANNA

Göttin der hohen furchterregenden göttlichen Kräfte,


Göttin, in Terror gekleidet, reitend auf göttlichen Kräften,
Göttin Inanna, durch die Kraft der göttlichen Waffe
Bist du in Blut getränkt und hetzend in schrecklichen Schlachten,
Mit dem Schild auf dem Boden ruhend, in Hochwasser, Sturmflut,
Große Herrin Inanna, bekleidet mit Leinen, wohl wissend,
Wie Konflikte zu planen sind, mächtige Länder mit Pfeilen
Und mit Kraft zerstörst du und überwältigst die Länder.

Du in Himmel und Erde brüllst wie die brüllende Löwin


Und verwüstest die Menschen. Wie ein Wildstier du feierst
Riesentriumphe über Ländereien, dir feindlich.
Wie eine furchterregende Löwin bedrohst du die Sklaven,
Unbotmäßige, Ungehorsame, bitterer Galle.

Meine Herrin von der Statur des herrschenden Himmels,


Jungfrau Inanna, immer so groß wie die Erde, die Mutter,
Und wie Utu bei deinem Kommen den König verehrte,
Dehntest du deine Arme aus, mit den Füßen im Himmel,
Trägst die furchterregenden Schrecken und trägst auf der Trage
Herrlich das Licht des Tages und die Brillanz unsrer Erde,
Mit dem anderen Fuß auf den Bergen und strahlende Strahlen
Schön erzeugend, die du die Pflanzen der Berge hervorbringst,
Die geboren auf heiligem Berg, am heiligen Orte,
Du bist stark mit der Keule wie eine fröhliche Herrin,
Eine begeisterte Herrin, frohlockend in Kämpfen mit Waffen.
Menschen mit schwarzen Haaren singen dir Hymnen und alle
Länder besingen dich in süßen heiligen Hymnen.

Ich will die Herrin des Kampfes, die Tochter Suens besingen,
Ich will loben und preisen die Göttergeburt der Inanna.

Sie hat angekündigt: Als ich, die Göttin, herum ging


In den Himmeln und auf der Mutter Erde herum lief,
Als ich, Inanna, ging herum im Himmel der Himmel
Und auf der Mutter Erde herum lief, als ich zu Fuß ging
In den Ländern Elam und Subir, als ich zu Fuß ging
In die Berge Lulubi, als ich mich wandte in Richtung
Der Gebirge, so wie ich, die Göttin, mich nahte dem Berge,
Zeigte er mir keinen Respekt, so wie ich, Inanna,
Mich dem Berge näherte, zeigt er mir keinerlei Ehrfurcht,
So wie ich, Inanna, mich näherte, zeigte der Berg mir
Keinerlei Ehrfurcht, als ich zu der Bergkette Ebih
Kam, da zeigte die Bergkette Ebih mir keinerlei Ehrfurcht.

Jene Berge Ebih zeigten mir keinerlei Ehrfurcht,


Da sie nicht vor mir die Nase neigten zum Boden,
Da sie nicht vor mir ihre Lippen rieben im Staube,
Will ich persönlich die steigenden Berge erfüllen mit Schrecken!

Gegen seine herrlichen Seiten werde ich starke


Sturmböcke aufstellen, gegen seine geringeren Seiten
Werde ich kleine Sturmböcke aufstellen. Ich will ihn stürmen
Und beginnen das Spiel der heiligen Göttin Inanna.
Im Gebirge will ich Schlachten beginnen und Kriege.

Ich will Pfeile im Köcher vorbereiten, ich werde


Schleudersteine mit dem Seile schleudern, ich werde
Mit dem Polieren meiner Lanze beginnen, ich werde
Wurfholz und Schild vorbereiten zu dem heiligen Kriege.

Und ich will Feuer auf seinen dichten Wald werfen, ich will
Eine Streitaxt auf seine Bosheit schlagen. Und Gibil
Mach ich, der reinigt die Luft, der gebar seine heiligen Zähne
An dem Wasserfall. Und ich werde den Terror verteilen
Durch die unzugänglichen Bergbereiche und werde
Arrata einnehmen durch das Kriegsheer der Göttin Inanna.

Wie die Stadt, die Gott verflucht hat, kann er nie wieder
Hergestellt werden, wie die Stadt, bei der Enlil gerunzelt
Seine Stirn mißbilligend, kann er den Hals nicht mehr heben.
Möge der Berg erzittern, wenn ich mich nähere, möge
Ebih mich ehren und mich loben mit heiligen Hymnen.

Und Inanna legte der Königinnen Gewand an


Und umgürtete sich mit Freude, sie schmückte die Stirne
Mit gewaltigem Terror und furchterregenden Strahlen.
Und sie arrangierte Rosenkränze um ihren
Nacken, Rosenkränze von Karneol. Und sie schwang die
Siebenköpfige Waffe kräftig zur göttlichen Ehre,
Legte an ihre Füße Lapislazuli-Riemen.

In der Dämmerung kam sie königlich, folgte dem Wege


Zu der Pforte der Wunder. Sie brachte Anu ein Opfer,
Adressierte ein Gebet an den himmlischen Vater.

Vater Anu, in der Freude an Tochter Inanna,


Vater Anu trat vor und nahm seinen Platz ein. Er füllte
Mit sich selber den Ehrenplatz des Himmels der Himmel.

Und Inanna hat angekündigt: Anu, mein Vater,


Sei gegrüßt, und leihe dein Ohr meinen betenden Worten.
Du hast mich erschreckend zu einer der Gottheiten droben
In den Himmeln gemacht. Aufgrund deiner Macht hat mein Reden
Keine Rivalen im heiteren Himmel, auf schwärzlicher Erde.
Du hast mir die Waffe und die Embleme gegeben.

Du hast den Sockel in Position gesetzt und du machtest


Fest den Thron und sein Fundament, die Stärke der Waffe,
Die sich beugt wie ein Baum. Die Überfälle der Mörder
Hast du verbreitet und militärische Kriegerkampagnen
Hast du verfolgt, um vor diesen schrecklichen Königen in der
Schlacht des Himmels wie Mondlicht zu erscheinen, die Pfeile
Von dem Bogen zu schießen und zu fallen auf Felder,
Obstgärten, Wälder, wie der Zahn der Heuschrecke furchtbar,
Um das rebellierende Land zu erobern, die Riegel
Du entfernst von den Stadttoren, dass die Türen sich öffnen.
König Anu, du hast wahrlich mir alles gegeben.

Du gabst mir den Ehrenplatz zu der Rechten des Königs,


Um die Rebellen zu vernichten, so kann er mit meiner
Hilfe Köpfe zerschmettern wie ein Falke des Berges,
König Anu, und ich kann dich loben und preisen, o Vater,
Und dein Name ist im Lande ein blutroter Faden.

Darf er das Land zerstören, wie im Felsspalt die Schlange?


Er ließ sie stürzen wie eine Schlange herab vom Gebirge!

Möge er die Kontrolle über den Berg haben, möge


Er seine Höhe prüfen und wissen, möge er gehen
Auf dem heiligen Kampffeld umher, der kennt seine Tiefen.
Aber die himmlischen Götter, die Anuna-Gottheiten, helfen!

Wie kann's sein, dass der Berg mich nicht fürchtet, im Himmel, auf Erden,
Dass der Berg mich nicht fürchtet, Inanna, im Himmel, auf Erden,
Dass die Bergkette mich nicht fürchtet, im Himmel, auf Erden,
Mich der Ebih nicht fürchtet? Denn er zeigt keine Ehrfurcht,
Denn er neigte nicht seine Nase herab auf den Boden,
Denn er rieb nicht seine Lippen im Staube der Erde.
Möge ich füllen meine Hand mit dem steigenden Berge
Und das Gebirge übergeben dem Schrecken der Göttin.

Gegen seine herrlichen Seiten aufstellen lass mich


Rammböcke, gegen die kleineren Seiten aufstellen lass mich
Kleine Rammböcke. Lass mich stürmen, lass mich beginnen,
Lass mich beginnen das Kriegsspiel der heiligen Göttin Inanna,
Im Gebirge lass mich den Kampf beginnen und lass mich
Vorbereiten Konflikte mit dem gottlosen Gegner.

Lass mich vorbereiten Pfeile im silbernen Köcher,


Lass mich Schleudersteine mit dem Seil schleudern, lass mich
Meine Lanze polieren, Wurfholz und Schild vorbereiten.

Lass mich in Brand setzen seine dichten Wälder und lass mich
Eine Streitaxt auf seine Bosheit schlagen und lass mich
Gibil, der reinigt die Lüfte, einsetzen, der seine Zähne
An dem Wasserfall gebar, und lass diesen Terror
Mich durch die unzugänglichen Bergbereiche verteilen.

Wie eine Stadt, die Gott verflucht hat, kann er nie wieder
Hergestellt werden, wie die Stadt, bei der Enlil gerunzelt
Seine Stirn mißbilligend, kann er den Hals nicht mehr heben.
Möge der Berg erzittern, wenn ich mich nähere, möge
Ebih mich ehren und mich loben mit heiligen Hymnen.

Anu, der König der Götter, gab Antwort der Tochter Inanna:
Meine Kleine verlangt die Zerstörung dieses Gebirges!
Was Inanna verlangt, ist die Zerstörung des Berges,
Was sie fordert, ist die Zerstörung dieses Gebirges,
Das ists, was übernehmen will die Göttin Inanna.

Furchterregender Schrecken war in der Wohnung der Götter.


Es war Angst in der Wohnung der Anuna-Gottheiten droben.
Ebih hat seinen Schrecken und seine Grausamkeit über
Dieses Land ergossen, er hat die Strahlen des Berges
Und die Angst über alle nahen Länder gegossen,
Seine Arroganz erstreckt sich zur Mitte des Himmels.

Furcht hängt in den herrlichen Gärten des Ebih-Gebirges,


Üppigkeit breitet sich aus, seine prächtigen Bäume sind selber
Eine Quelle der Wunder, wachsend zum Ursprung des Himmels,
Und in Ebih die Löwen sind zahlreich unter den Bäumen
Und die Löwenkinder unter den Blättern der Bäume.
Er lässt wilde Widder und freie Hirsche in Menge
Da vorhanden sein, und es stehen Wildstiere weidend
In dem blühenden Gras und Reh-Paare unter Zypressen.

Man kann den Gegner nicht überwinden durch Angst und durch Terror,
Denn beängstigend ist die Bergkette, ausstrahlend Schrecken.
Jungfrau Inanna, widersetze dich nicht, sprach der Vater.

Doch die Herrin in ihrer Wut, ihrem göttlichen Zorne,


Tat das Arsenal auf und die Lapislazuli-Tore,
Und sie brachte herrlichen Kampf herbei und sie rief den
Großen Sturm hervor. Die heilige Göttin Inanna
Griff nach dem Köcher. Sie hob ein aufragendes Hochwasser mit dem
Bösen Schlick, sie rührte den tobenden Wind auf mit Scherben.

Meine Dame konfrontierte die Bergkette drohend.


Sie ging Schritt für Schritt. Sie schärfte die Schneide des Dolches.
Und sie packte Ebihs Hals, als ob sie zerreiße
Gras, sie drückte den Dolch in sein Herz, sie brüllte wie Donner.

Felsen bilden den Körper von unten. Es klapperten Ebih


Seine Flanken. Von den herrlichen Seiten und Spalten
Spuckten Schlangen Gift. Inanna verdammte die Wälder
Und verfluchte die Bäume und mordet durch Dürre die Eichen,
Sie goss Feuer auf seine Flanken und machte den Rauch dicht.
Und die Göttin etablierte die Autoritäten
Über den Berg. Die heilige Göttin tat, was sie wollte.

Sie ging an des Ebih Bergkette, sprach zu dem Berge:


Bergbereich, wegen deiner Höhe und Größe des Körpers,
Wegen deiner Attraktivität, deiner Schönheit,
Wegen deinem heiligen Kleid und dem Reich in dem Himmel,
Und weil du deine Nase nicht geneigt auf den Boden,
Weil du nicht gerieben die Lippen im Staube der Erde,
Darum hab ich dich getötet und machte dich niedrig.

Wie bei einem Elefanten die Stoßzähne, hab ich


Deine Zähne beschlagnahmt, wie beim Wildstier die Hörner,
Habe ich deine Hörner auf den Boden geworfen.
Wie bei einem Stier hab ich deine mächtige Stärke
Auf den Boden gezwungen und brutal dich verfolgt und
Ich hab Klagen in dein Herz gelegt und die Vögel
Bauen Nester auf deinen Flanken, die Vögel der Trauer!

Und ein zweites Mal, mit Jubel im schrecklichen Terror,


Sprach die Göttin rechtschaffen: Anu, mein himmlischer Vater,
Großen Schrecken goss er über die Mitte der Berge.
Mir zur Rechten platzierte er eine Waffe, zur Linken
Eine andere Waffe. Meine Wut, einer Egge
Scharfe Zähne, hat den Berg auseinander gerissen.

Ich hab einen Palast gebaut und mehr noch geschaffen.


Ich hab einen Thron in Kraft gesetzt und ich machte
Seinen Grund fest. Ich hab den Darstellern heiliger Kulte
Dolche gegeben, ich habe den Darstellern heiliger Kulte
Keulen gegeben und ihre Kopfbedeckung geändert.

Sieg! Mein Sieg eilte auf den Berg. Im Siegestriumphe


Gegen Ebih stürzte ich seine Bergkette schließlich.
Ich ging nach vorn wie einer brandenden Meeresflut Wogen
Und mit steigendem Wasser hab ich den Damm überspült und
So verhängte ich meinen Sieg übers Ebih-Gebirge.
Ich hab meinen Sieg auferlegt dem Ebih-Gebirge.

Für die Zerstörung des Ebih sei Inanna gepriesen,


Lobgesang werde der großen Göttin, der Jungfrau Inanna!

Herrin aller göttlichen Kräfte, strahlende Herrin,


Helle, rechtschaffene Frau, in strahlenden Lichtglanz gekleidet,
Die du geliebt bist von Anu und Uras! Herrin des Himmels,
Du mit dem großen Diadem, dem Kopfschmuck der Fürstin,
Die du das Amt der Priesterin liebst, die dient in dem Tempel,
Die du alle sieben göttlichen Kräfte ergriffen!
Meine Dame, du bist die Hüterin göttlicher Kräfte!
Du hast göttliche Kräfte, es soll deine Hand sie verteilen.
Du hast göttliche Kräfte, mögest du göttliche Kräfte
Sammeln an deinen Brüsten, an deinem heiligen Herzen!

Wie ein Drache sprühst du Gift auf die Länder der Fremden.
Wenn du wie Iskur über die Erde braust, Jungfrau Inanna,
Kann keine Vegetation vor dir bestehen. Wie Fluten
Bist du, wie Fluten, strömend herab in die Länder der Fremden,
Kraftvolle Eine von Himmel und Erde, o Göttin Inanna!
Regnend loderndes Feuer nach unten auf gottlose Länder
Und mit göttlichen Kräften ausgestattet, o Dame,
Die du auf einem Löwen reitest, dein Wort wird gesprochen
Nach dem Befehl von Anu, dem Wort des himmlischen Vaters.

Dir gehören die heiligen Riten, wer kann sie ergründen?


O Zerstörerin du der Fremden, verleihe uns Stärke
Mit dem Sturm, Geliebte des Enlil, Herrscherin mit dem
Superterror! Du stehst im Dienst von Anus Kommando.
Deinem Schlachtruf folgend, meine streitende Dame,
Achte ich gering die Grenzen der Länder der Fremden.

Wenn die Menschen kommen zu dir in heiliger Ehrfurcht,


Vor den erschreckenden Strahlen und dem Sturm deiner Hoheit,
Fasst du nach der schrecklichsten aller göttlichen Kräfte.
Wegen dir wird die Schwelle der bitteren Tränen geöffnet,
Und die Leute gehen mit Wehklagen heim in die Häuser.
In den Schlachten wird alles aufschreien, Frau, wenn du zuschlägst.
Meine Dame, mit deiner Kraft, mit den Zähnen zerschlage
Alle Feuersteine. Du strebtest vorwärts wie Stürme,
Brüllst mit dem brüllenden Sturm und donnerst mit donnerndem Wetter.
Du verbreitest Erschöpfung mit den Sturmwinden, Herrin,
Während unermüdlich sind deine eigenen Füße.
Mit den Klagen der Trommel wird die Klage geschlagen.

Meine Dame, es tragen die großen Anuna-Götter


Dich wie Fledermäuse zu den Ruinen der Hügel.
Sie ertragen nicht deine schrecklich blickenden Augen
Und sie wagen es nicht, deinem Zorngesicht zu begegnen.
Wer kann kühlen dein rasendes Herz? Dein zorniger Ingrimm
Ist zu groß, um sich abzukühlen, zornige Herrin,
Und wie kann deine Stimmung beruhigt werden, o Göttin?

Herrin, kann ich dein Herz erfreuen? Älteste Tochter


Suens, möge dein Zorn sich niemals abkühlen, Herrin!
Du bist die Höchste in den fernen Ländern der Fremden,
Die sich alle Gaben aus deinem Bundes-Land nehmen.
Du hast deine Provinz über allen Hügeln erweitert.
Wenn man sich aber all der Berge Stirnrunzeln anschaut,
Sieht man, die Vegetation ist ruiniert in der Gegend.
Deine großen Pforten der Paläste verbrennen.
Blut wird in die Flüsse gegossen, das trinken die Leute.
Du musst deine Truppen gefangen nehmen, bevor du
Sie zusammen führst. Du musst die Elitesoldaten
Deiner Regimenter verstreuen, alle zusammen.
Du musst deine jungen wehrfähigen Männer zusammen
Stehen lassen. Stürme haben in Tänzen erobert
Deine Städte. Du nimmst die jungen Männer gefangen.
Dein Befehl komme über die Stadt, sie sich nicht dir geweiht hat.
Alle Fremden sind dein, die alle sich nicht dir vertrauten.
Alles liegt am Vater! Dein Fuß zertritt deine Feinde.

Fürsorge in Verantwortung ist vom Schafstall entfernt, die


Frau spricht nicht mehr mit ihrem Manne liebevoll, mitten
In der Nacht, sie berät sich nicht mehr mit ihrem Gemahl und
Offenbart ihm nicht mehr ihre reinen Gedanken des Herzens.
O du wilde Kuh, du tolle Tochter von Suen,
Dame, du kannst alles aus deinem Bundes-Land nehmen,
Große Königin aller Königinnen, der Schoß der
Mutter für die gerechten göttlichen Kräfte, o Mutter,
Weise und gesalbt, o Herrin der Länder der Fremden,
Lebenskraft der Menschen, ich werde dir singen die Hymne!

Deine Äußerungen sind herrlich, Göttin der Kräfte,


Großherzig bist du, gute Frau mit dem strahlenden Herzen,
Ich werde aufzählen alle deine göttlichen Kräfte.
Ich, die Priesterin Anus, tat meinen Priesterberuf in
Deinem Dienst. Ich trug den Ritualkorb und stimmte
An das Lied der Freude. Die Grabbeigaben und gleichfalls
Auch das Ritualmahl hab ich gebracht in den Tempel,
So als hätte ich nie gelebt. Ich näherte mich dem
Licht, das Licht war glühend heiß. Ich näherte mich dem
Schatten, aber ich wurde von einem Sturme vertrieben.
Und mein honigsüßer Mund wurde bitterer Abschaum.
Meine Fähigkeit, Stimmungen zu beruhigen, schwand mir.
Tochter Suens, meine Anu, mein Gott und mein Schicksal!
Kann es Anu ungeschehen machen, das Unheil?
Wenn du Anu davon erzählst, wird er mich befreien!

Ja, die Frau wird das Schicksal von Lugal-Ane erfahren,


Fremde Länder und Hochwasser liegen ihr sklavisch zu Füßen.
Auch die Frau ist erhaben und lässt die Städte erzittern.
Ein Schritt nach vorn, so dass sie ihr heiliges Herz für mich kühle.
Ich, die Priesterin, werde ein Gebet zur Königin sprechen,
Und vor dir, Inanna, lass ich strömen die Tränen,
Tränen wie süßen Wein. Ich werde täglich dich grüßen.

Sei nicht besorgt über Ashimbabbar, denn in der Verbindung


Mit den Reinigungsriten des heiligen Anu ward alles
Anders. Eanna ist abgefallen. Er stand nicht in Ehrfurcht
Vor der großen Gottheit. Er hat diesen Tempel verwandelt
Und zerstört. Während er vor mir einher ging, als ob er
Mir ein Partner wäre, näherte er sich voll Missgunst.
Meine gute göttliche Kuh, o fange die Menschen!

An der Stelle des göttlichen Zuspruchs, wo ist mein Ruhm jetzt?


Ausgeliefert wird das Land, ein böser Rebell ists
Gegen meinen Nanna. Möge Anu zerschlagen
Diese Stadt! Möge Enlil verfluchen den gottlosen Bösen!
Mögen seine weinenden Kinder nicht von der Mutter
Zärtlich getröstet werden! Herrin, beginn mit der Klage,
Möge deine Klage im Feindesgebiete ertönen!

Muss ich denn sterben wegen meinen heiligen Liedern?


Nanna hat nicht geachtet auf mich. Er hat mich völlig vernichtet
Im abtrünnigen Land. Und Ashimbabbar hat sicher
Nicht ein Urteil über mich gesprochen. Was ist es
Denn für mich, wenn er ausgesprochen das Urteil? Was ist es
Denn für mich, wenn er nicht ausgesprochen das Urteil? Er stand da
Im Triumph und vertrieb mich aus dem heiligen Tempel.
Er hat mich fliegen lassen wie eine Schwalbe vom Fenster.
Ich hab meines Lebens Kraft erschöpft! Und er hat mich
Durch die Dornbüsche auf die Berge gehn lassen, und er
Zerrte mir an der Krone und zerrte an der Priesterin Mantel.
Er gab mir ein Messer und einen Dolch und er sagte:
Das sind geeignete Zierden für dich, o Priesterin Gottes!

Du am meisten geliebte Edeldame, Geliebte


Gottes, dein heiliges Herz ist groß, es werde getröstet
Vom Gebet. Geliebte Ehepartnerin Anus,
Du bist die große Dame des Horizonts und des Zenites
An dem Himmel. Die Götter liegen vor dir hingeworfen.
Von Geburt an warst du die Junior-Königin! O wie
Bist du nun die Höchste über alle die Götter!
Siehe, die Götter küssen vor dir mit den Lippen die Erde!

Aber meine eigene Seele ist noch nicht vollendet,


Wenn auch ein feindliches Urteil mich umgeben, als ob es
Wäre mein eigenes Urteil. Ich habe noch nicht erreicht mit
Meinen Händen mein erblühtes Bett, meinen Himmel.
Ich tat nicht die Verlautbarung Ningals jemandem kund. O
Meine liebe Frau, geliebt vom Vater im Himmel,
Möge dein Herz von mir beruhigt werden mit Lobpreis,
Mit Gebeten der brillanten Priesterin Gottes!
Ja, es muss bekannt sein, es muss bekannt sein, denn Nanna
Ist noch nicht genug verkündet. Zu mir sagte Nanna:
Ich bin dein, ich bin dein! O schenk mir dein Herz, meine Tochter!

Man muss wissen, dass du hoch wie der Himmel bist, Herrin!
Man muss wissen, dass du breit wie die Erde bist, Mutter!
Es muss bekannt sein, dass du zerstörst die rebellischen Länder!
Man muss wissen, dass du brüllst in die Länder der Fremden!
Sei es bekannt, dass du Schädel zerquetscht und Schlangen vernichtest!
Man muss wissen, dass du Leichen verschlingst wie Schakale!
Man muss wissen, dass dein Auge schrecklich ist, Göttin!
Sei es bekannt, dass du erhebst deine schrecklichen Blicke!
Man muss wissen, Geliebte, du hast blitzende Augen!
Man muss wissen, dass du unerschütterlich bist und
Unnachgiebig und dass du letztendlich wirst triumphieren!

Nanna ist noch nicht verkündet. Er sagte: Ich bin der Deine!
Du hast mehr getan, meine Dame, du bist die Größte!
Meine liebe Frau, geliebt vom himmlischen Vater,
Göttin, ich werde all deinen Ingrimm aussprechen, siehe,
Ich hab die Kohlen im Weihrauchfass gehäuft und die Gluten,
Und ich bereite die Reinigungsriten. Es wartet der Goldschrein.
Könnte dein Herz mich nicht besänftigen, göttliche Mutter?
Allzu voll ist mein Herz, o tolle heilige Dame,
Und da hab ich eben dies Lied für Inanna gesungen.
Möge ein Dichter es wiederholen zum Mittag, o Göttin,
Was ich dir in der Nacht gesungen, o heilige Jungfrau!

Weil gefangen dein Ehepartner und weil auch dein Söhnchen


Ist gefangen, ist groß deine Wut im heiligen Herzen.
Kraftvolle Dame, in der Versammlung der Herrscher geachtet,
Du hast ihr Opfer akzeptiert. Inannas gesalbtes
Unbeflecktes Herz ward gestillt. Das Licht war dir lieblich,
Freude erstreckte sich über dich, voller göttlicher Schönheit
War die Jungfrau. Wie das Licht aufgehenden Mondes
Strahlte sie Freude aus. Und Nanna kam, blickte sie an und
Ihre Mutter Ningal segnete sie und der Vater.

Jede Botschaft der himmlischen Frau ist erhaben und heilig.


Lob des Feindes Zerstörerin in den Ländern der Fremden!
Meine Dame, du bist begabt mit göttlichen Kräften
Und in goldene Schönheit getaucht, o göttliche Jungfrau!

Großherzig ist die Dame, die ungestüme Geliebte,


Stolz ist die Herrin unter den himmlischen Anuna-Göttern,
Sie ist herausragend unter den Ländern, die Tochter von Suen,
Sie ist erhaben unter den großherzoglichen Göttern,
Sie ist die prächtige Dame, die sammelt die göttlichen Kräfte
In dem Himmel und auf Erden, Rivalin des Vaters,
Mächtigste unter den Göttern, ihr Urteil ist endgültig, ewig.

Alle Götter kriechen vor ihr, wenn sie göttlich ihr Wort spricht,
Anu wagt es nicht, anzugehn gegen ihre Befehle,
Sie verändert ihr eigenes Handeln, und niemand kann wissen,
Wie sie auftreten wird. Sie vervollkommnet göttliche Kräfte,
Hält den Hirtenstab.Sie ist prächtig, herausragend, herrlich,
Sie ist die riesige Herrschaft über die Götter des Landes.

Ihre hohe Schrecklichkeit deckt die großen Gebirge


Und die Ebnen der Straßen. Bei ihrem schallenden Schreien
Kriegen die Götter des Landes Angst. Ihr Brüllen lässt Götter
Zittern wie ein einsames Schilfrohr. Beim Grollen der Göttin
Gleich verstecken die Götter sich alle. Ohne Inanna
Fällt der Vater keine Entscheidung und Enlil kein Schicksal.

Wer erhebt sich gegen die Geliebte, die ihren Kopf hebt,
Die erhaben ist über den Bergen? Wo immer sie wütet,
Sind die Städte Ruinen geworden und Spuk-Orte schaurig
Und sind die Schreine auf dem Abfallhaufen gelandet.
Wenn ihr Zorn die Menschen erzittern lässt, Feuer und Nöte
Ihnen verursacht, sind die Menschen vom Dämon besessen.
Sie rührt Verwirrung und erschreckendes Hochwasser an und
Ist in erschreckenden Glanz gekleidet. Ihr furchtbares Spiel ist,
Mit Geschwindigkeit Konflikte und Krieg zu erregen,
Unermüdlich schreitend in ihren goldnen Sandalen.
Sie ist bekleidet mit einem wütenden Wirbelwind, Stürme
Trägt sie als Kleid des Himmels von erschreckenden Gnaden.
Wenn sie einen berührt, ist gleich da die tiefste Verzweiflung,
Wenn sie den Weg zurückgelegt hat mit dem glühenden Südwind.

Sie sitzt auf angespannten Löwen und schneidet in Stücke


Jene Gottlosen, die ihr keinerlei Ehrfurcht erweisen.
Unsre Herrin ist wie ein Leopard von den Hügeln,
An dem Eingang der Straßen ist rasend und schnaubend die Herrin,
Wie ein Stier im Vertrauen auf seine Kraft, seine Stärke,
Niemand wagt es, sich gegen sie zu wenden. Die Herrin
Aller großherzoglichen Götter, ein Fallstrick den Sündern,
Eine Falle für den Bösen, ein Strick für die Feinde,
Sie versprüht ihr Schlangengift überall, wo sie wandelt.

Unserer Herrin Zorn ist wie verheerende Fluten,


Niemand kann widerstehen diesen verheerenden Fluten.
Wie ein großer Wasserlauf erniedrigt sie jenen,
Der sie verachtet. Die Herrin ist wie ein Adler am Himmel,
Dem sich niemand entziehn kann. Inanna, ein Falke der Jagd, sie
Jagt mit den Göttern. In Stücke reißt Inanna die Rinder
Und die geräumigen Rinderställe. Die Felder der Städte,
Die Inanna im Zorn sah, wurden aufgewühlt und die
Furchen der Felder wurden zerrissen wie schwächliche Gräser.

Anu geht ihr entgegen, er sitzt am lodernden Feuer


In der Hochebne unserer göttlichen Herrin Inanna.
Unsere Herrin beschleunigt die Kämpfe, des Krieges Konflikte.
Siehe, die Göttin singt ein Lied. Der Gesang folgt dem Plane,
Weinend um die Honigmilch und die Speise des Todes.
Wer verspeist sie? Inannas Milch und Speise des Todes
Wird nicht lange dauern. Galle wird brennende Schmerzen
Denen bereiten, denen sie zu essen gibt, in den
Mund gibt sie ihnen die Speise. In ihrem fröhlichen Herzen
Singt sie das Lied vom Tod auf der Ebne, das Lied ihres Herzens.
Sie wäscht ihre Waffen mit Blut, ihre Streitäxte haben
Köpfe zerschlagen, Speere dringen durch und die Keulen
Werden mit Blut befleckt. Den bösen Mund halten Krieger.
Blut vergießt sie bei ihrem ersten heiligen Opfer
Und der Tod erfüllt sie. Auf der breiten und stillen
Ebne, bei der Verdunklung des hellen Lichtes des Tages,
Wendet sie sich am Mittag in das finstere Dunkel.

Menschen suchen im Zorn sie, suchen sie dann nach dem Kriege.
Ihr Geschrei stört die Ebene, stört die Weide, die Wiese.
Ihr Geheul ist wie Iskur und lässt das Fleisch aller Länder
Zittern. Niemand kann ihrem Krieg entgegen sich stellen,
Auch nicht ihre Rivalen. Niemand in heftigen Kämpfen
Kann sie besiegen, die sie beschleunigt die Schlacht, das Gemetzel.
Wasser rasend fegt über Mutter Erde und lässt nichts
Hinter sich zurück. Die Herrin des Pfluges den Boden
Öffnet, den harten. Die Stolzen heben nicht länger die Hälse.
Ihr großmütiges Herz verkündet ihre Gebote,
Die Geliebte, die allein ist die herrschende Göttin.
In dem Werk allmächtig, nimmt sie den Ehrenplatz ein und
Demütigt riesige Berge, als wären es Berge von Abfall,
Sie zertrümmert sie, bringt Zerstörung über das Bergland.

Steine schleudert Inanna, so erhält sie den Siegspreis.


Steine schleudert sie so, als ob es Tonscherben wären.
Unsere stolze Herrin hält den Dolch in der Rechten,
Strahlt eine Ausstrahlung aus, die bedeckt die irdische Landschaft.
Sie setzt Netze aus für die Fische der Tiefe des Meeres,
Sie verlässt nicht die Fische der unterirdischen Wasser.
Wie eine kluge Vogelfängerin fängt sie die Vögel
Mit dem Netz, das sie aufhängt in den Wipfeln der Bäume.

Sie ist der Ort der göttlichen Pläne des Himmels, der Erde.
Ihres Wortes Absicht widersteht nicht der Vater.
In dem verwirrenden Rat der großen Götterversammlung
Ist ihr Vorsitz bekannt nur wenigen. Unsere Herrin
Ist ein Panther unter den Göttern, hochmütig, herrisch,
Ihr wurde Macht gegeben vom höchsten Vater der Götter.

Nicht zum Kampf empfängt sie die jungen niedlichen Mädchen


In der Kammer, sie empfängt sie mit liebendem Herzen,
All der jugendlichen Mädchen leibliche Reize.
Sie ist böse auf die Frau, die sie ablehnt voll Hochmut.
In dem gesamten Lande lässt sie laufen die Mädchen
In den Städten auf den Märkten herum. Eine Hausfrau
Aber sieht ihre Kinder. Die Göttin segnet die Hausfrau.

Diese Hausfrau zerbrach den Speer, als wär sie ein Krieger.
Unsere Herrin gab der heroischen Hausfrau die Waffe.
Zwar die Frau hatte eine büßende Strafe erduldet,
Dann aber wurde sie nicht mehr gestraft von der Herrin und Göttin.
Unsere Herrin öffnet die Tür zum Schatzhaus der Weisheit,
Sie macht bekannt das Interieur der Halle der Weisheit.
Die aber, die sie nicht ehren, die entgehn nicht der Strafe.
Unsere Göttin fängt in ihren Netzen die Menschen.

Aber der Mann, den sie bei seinem Namen gerufen,


Aber der sie nicht ehrt, der wird bestraft und gezüchtigt.
Aber die männlichen Freier und die weiblichen Huren,
Wenn sie schon ihre Strafe erlitten, stöhnen vor Wollust!
Die ekstatischen, transformierten Weiber der Klagen
Lamentieren und singen Gesang. Sie erschöpfen sich völlig
Mit dem Weinen und Trauern, sie lamentieren und klagen,
Weinende schütten täglich ihr Herz aus vorm Herzen der Göttin:
Ach, mein Herz, ach du kennst ja keine Entspannung und Ruhe!

O geliebte Dame des heiligen Vaters im Himmel,


Zu dir kommen die Klageweiber mit Heulen und Jammern.
Du bist im Himmel. Makellos sind deine milchweißen Brüste!
Du bist majestätisch, es haben Himmel und Erde
Nichts Vergleichbares, o du Rivalin des himmlischen Vaters
Anus und Enlils, du besetzt ihren Ehrenplatz droben.
Du bist herausragend in den Kultstätten. Mögest du sitzen
In dem prächtigen Sessel. Iskur, brüllend vom Himmel,
Seine dicken Wolken bersten. Die göttliche Macht des
Himmels und der Erde triumphiert, o Inanna,
Dein Triumph ist erschreckend, die Götter beugen sich sklavisch.

Göttin, du reitest auf sieben Tieren, kommend vom Himmel.


Siehe, ein Großfürst fürchtete deinen zaubrischen Gürtel
Und er ward von deiner himmlischen Wohnung erschreckt und
Ließ dich einen Thronstuhl einnehmen droben bei Anu,
Und du fürchtetest dich nicht, zu sagen dem Großfürst:
Ich will die heiligen Riten beschützen, die göttlichen Riten!
Und die Götter küssten die Erde und warfen sich nieder.

Und das Hochgebirgsland, das Lapislauli-Land und


Karneol-Land verbeugte sich tief vor der herrschenden Göttin,
Aber der Ebih beugte sich nicht vor dir, du Erhabne,
Und der Ebih grüßte dich nicht, o heilige Jungfrau!
Auf, zerbrich ihn in deinem Zorn, zerschlag ihn mit Sturmwind!
Du bist herausragend durch die Kraft von Anu und Enlil,
Ohne dich wird kein Schicksal bestimmt, kein Ratschlag gegeben.

Laufen, entkommen, beruhigen und besänftigen, Göttin,


Das ist dein, und hetzen, erheben, fallen, verstärken,
Das ist dein, o Göttin, Erschließung von Straßen und Wegen,
Orte der Ruhe für die Reisenden, Helfer der Schwachen,
Das ist dein, o Göttin, die Wege in Ordnung zu halten,
Und die Erde zu erschüttern, zu festigen, alles
Das ist dein, o Göttin, zerstören, aufbauen, reißen,
Regeln, das ist dein, o Göttin, den Mann zum Weibe zu bringen
Und das Weib zum Manne zu bringen in Treue und Freundschaft,
Das ist dein, o Göttin, Erwünschtheit, Erregung, ist alles
Dein, o Göttin, Profite, Rechnungen, Renten, Gewinne,
Alles ist dein, o Göttin, finanzielle Verluste,
Reichtum und Armut, Schulden und Ersparnisse, Bettler,
Alles ist dein, o Göttin, die Beobachtung, Schönheit,
Wahl und Opfer sind dein, o Göttin, Männlichkeit, Würde,
Schutzengel, Schutzfrauen, Schutzgötter, Kultzentren, Gnade und Mitleid,
Alles ist dein, o Göttin, Herzensergießungen, Krankheit,
Das ist dein, o Göttin, die Lieblingsfrau zu verehren,
Einer Zweitfrau zu dienen, Jubel, Hochmut und Ehre,
Ruhm, ist alles dein, o Göttin, Pflege, Erziehung,
Demut ist dein, o Göttin, ein Hauskauf, ein Schlafzimmer, Betten,
Sofas für die Geliebte, kleine Knaben zu küssen
Auf die Stirne, ist dein, o Göttin, wandeln und rennen,
Planung und Erfolg, der Grobe, Brutale und Starke
Und der Schwache und Sanfte und der Machtlose, Zarte,
Alles das ist dein, o Göttin, die Gipfel, die Täler,
Thron und Krone und Königszepter, Demut und Größe,
Alles ist dein, die Kleinen, die Dicken, die Opfer, o Göttin!

Göttliche und auch königliche Riten beachten,


Durchführung der entsprechenden Anweisung, Ratschlag, Verleumdung,
Unwahre Worte, Missbrauch, Sprache und feindlicher Hochmut,
Alles ist dein, o Göttin, die falsche, die richtige Antwort,
Die Gewalt, das Grinsen, der Spott, feindselige Sprüche,
Lächelnd Gutes tun und dennoch gedemütigt werden,
Unglück, Not und Trauer, andre glücklicher machen,
Aufklären oder verdunkeln, Unruhe, Terror und Panik,
Schreckensbrillanz und strahlender Glanz, Triumph und Verfolgung,
Heillose Krankheit, Schlaflosigkeit und Unruhe, Heulen,
Streit und Chaos, Unterwerfung, Liebesgeschenke,
Opposition und Kampf und Beschleunigung schlimmen Gemetzels,
Alles wissen, sich selber stärken, ein Nest für die Zukunft
Bauen, Angst in der Wüste, Feinde, giftige Schlangen,
Lassen und lieben, alles ist dein, o himmlische Göttin.

Läufer, wenn du den Mund öffnest, sich verwandeln in Lahme


Und auf deinen Blick hin können hören die Tauben
Und durch deinen Ärger, was hell ist, verdunkelt sich, Herrin,
Und du wendest den Mittag in das finstere Dunkel.
Als die Zeit gekommen war, sahst du die Stätte in deinen
Reinen Gedanken zerstört, du ließest die Plätze erzittern.
Nichts kann deinem Ziel verglichen werden, o Göttin,
Niemand kann deinen Taten sich widersetzen, denn du bist
Die Gesalbte des Himmels und unserer Mutter, der Erde!

Du bist im Palast der unbestechliche Richter,


Unter den zahllosen Menschen fällst du Entscheidungen. Deines
Namens Anruf erfüllt die Berge, es kann nicht ein Dämon
Mit dir konkurrieren. Dein weises Verständnis erfüllt die
Götter. Du allein bist großartig. Du bist die große
Kuh unter all den Göttern des Himmels und unserer Erde.
Wenn du deine Augen den Göttern zuwendest, Herrin,
Dann erhöhst du sie, die Götter erwarten dein Wort und
Stehen und beten an dem Ort, wo du lebst, o Geliebte!

Große Herrin, unsterblich ist dein Ruhm, o Geliebte!


Möge dein Lobpreis nicht aufhören! Wo wär dein Name nicht herrlich?
Dein Gesang ist Trauer und Klage, dein Leiden kann niemand
Ändern. Dein Ärger ist erdrückend. Die Schöpfung ist niemals
Ohne dich. Deine Befehle werden erfüllt mit der Hilfe
Anus und Enlils. Als Geschenk an die fromme Versammlung
Hast du Gnade erteilt. O Gott: Anu, Enlil, Inanna!