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POETISCHE MARIOLOGIE

VON TORSTEN SCHWANKE

MA DAME D’AMOUR

TAGEBUCH DER WALLFAHRT NACH LOURDES

„...au plus intime d’elle-meme...“


(prions en église)

„Die Jungfrau hat mich wie einen Stein aufgehoben.“


(Hl. Bernhardette)

O Königin des Herzens Einsamkeit,


Dein schwarzes Bild ziert meine weiße Mauer,
Sei mit mir, führ mich in die Traurigkeit,
Denn meine Seele schaut nur in der Trauer
Und nur im Leiden, unter Tränenschauer,
Seh ich die Perlen wahrer Freude stieben.
„Das Volk war fröhlich, ich war wie ein Bauer
Und weinte, da die Andern Jubel trieben.“
Ach Schmerzensreiche, ach, laß mich mein Leiden lieben.

II

Mit einem Traum begann die Wallfahrt heute:


In Blau trat mir die Schöne in das Herz
Und nahm mir meine Seele sich als Beute
Und reichte ihr den schicksalhaften Schmerz.-
Maria, Jungfrau in der Grotte Erz,
Nimm meine Lust an dich und meine Leiden
Und führe meine Trauer himmelwärts.
Ich kann die Erdenlust und -qual nicht meiden,
Da mögst du mich als meine holde Hirtin weiden.

III

Die Nacht ist Sehnsucht, Sehnsucht nach den Frauen,


Da eine mir an meiner Seite ruht
Als Unantastbare, schön anzuschauen.
Und zu der schönen Fernen will die Glut
Und wo ist für das Drängen mir im Blut
Die Liebesantwort, die mir Frieden spendet?
Wie weh die Sehnsucht meiner Seele tut,
Da keine Grazie sich zu mir wendet
Und so der Sehnsucht Ziehen nimmer, nimmer endet.

IV

Ich kann euch fromme Menschen nicht ertragen


Und mag nicht euer fröhliches Geplärr.
Geht fort von mir und laßt mir meine Klagen,
Ich sehne mich nach Einsamkeit so sehr.
Geht in die Sonne, an den Strand, ans Meer,
Ich möchte schaun umwölkte Gipfelhöhen.
Fremd sind mir die Gebete, die das Heer
Der Beter betet, ich will einsam stehen
Vor meiner Einzigen, Marie der Pyrrenäen!

Maria, alle ehren dich und preisen


Dich als die Kirchenmutter voll der Gnade
Und singen dichtrisch unbeholfne Weisen
Und wallen lärmend zu der Bundeslade.
Ihr Glaube, ach, ist meinem Glauben Schade,
Ich find dich nicht im singenden Gedränge.
Des Eremiten Jungfrau du (wie Jade
So rein) sieh wie einsiedlerisch ich hänge
An deinem Herzen, abseits einer lauten Menge.

Maria, ist die Grotte stets umlagert,


Dann laß mich einen stillen Felsen finden.
Im Haufen ist mein Herz mir abgemagert,
Laß du es in der Einsamkeit gesünden.
Ich bin nicht fromm. Ich will mich nur verbinden
Mit einem Herzen, das für mich nur schlägt
Und das ich lieben kann in meinen Sünden.
Ich möhct dir sagen, wenn die Stunde schlägt
Intimer Liebe, daß mich deine Liebe trägt.

V
Zum Berge Karmel trug mich Jesu Fleisch,
Gottheit und Menschheit in des Brotes Hülle.
Die grünen Bergeswellen bargen keusch
Sich weiß in sanften fließenden Nebels Hülle.
Ich ordnete die Seele in der Stille
Und bat erneut um tiefe Einsamkeit.
Ich finde Jesu wundervolle Fülle
Nicht im Gedräng von Volk und Welt und Zeit.
Ich will allein sein, will allein sein mit der Maid.

Der Himmel ist sehr schön im weißen Kleid


Und leichtem Lächeln um den milden Mund.
Gott sandte seine Schönheit, seine Maid,
Daß sie betritt der Erde harten Grund -
Misthaufen Hiobs - da die Menschen wund
An Leib und Seele, Herzen und Gemüt.
Da küsste die Madonna sie gesund.
Himmel und Erde küssen sich... Da glüht
Von ihrem keuschen Kusse auch mein leises Lied.

VI

Aufopfern muß ich auch die Stille noch,


Aufopfern das intime Zwiegespräch,
Aufopfern mein Alleinsein; um das Joch
Der Liebenden zu tragen und den Weg
Mit allen Betern auf dem schmalen Steg
Zum Quell zu gehen, zu der Gnadenquelle.
Jetzt ist das fromme Volk der Kirche reg,
Jetzt blendet mich des lauten Tages Helle.
Die Nacht, die Nacht wird schweigen an intimer Stelle.

VII

Dort unten über Kiesel rollt der Gave,


Ich laß ihn unten und die Kitschskulptur.
Sieh, du begegnest mir, da ich mein Ave
Der allerwunderschönsten Kreatur
Leis sing, ein Wanderer in der Natur.
Ich schau vom Hang auf Lourdes im Tale nieder
Und geh allein als Pilger in der Spur
Einsamer Wandrer und Marienbrüder
Und sinne, ob mir kommen schöner Liebe Lieder.

Ich denke bei dem lila Falterflieder


An jene mit dem sanftesten Gemüte.
Sie will ich schmücken, aber allzu bieder
Ist all der Tand der Stadt. Im Herzen glühte
Ihr Name mir. Die zarte rosa Blüte
Soll sie mir schmücken und die weiße Jade
Des Wiesenkerbels mit der Schaumesblüte
Und singen soll die zarteste Zikade
Der Schönen, welche Gott beschenkt mit soviel Gnade.

Man meint, mit heller Zuckrigkeit des Plastiks


Mariens Schönheit trefflich darzustellen,
Doch eine kenn ich, die sich salbt mit Mastix,
Die taucht so rein aus meines Blutes Wellen,
Die ist Mariens Bild, die in dem hellen
Lustgarten der Natur sich gern ergeht,
Da sind die feinen Falter ihr Gesellen,
Im Garten sie als blaue Blume steht.
Sie ist mein Liebesschmerz und darum mein Gebet.

Sie ist mein Liebesschmerz, drum mein Gebet,


Und rote Rosen blühen um und um
In ihrem Garten. Gottes Liebe sät
Mir ins Gemüte das Mysterium,
Daß ich verglühe im Martyrium
Der Liebe, da ich stets vergeblich werbe
Ums Glück. Da ward mein Evangelium
Der Schmerz. O Herr, die Schmerzensspuren kerbe
Ins Herz mir, daß ich auf dem Rost der Liebe sterbe!

Verbrenn ich an der Liebe Feuersglut,


Weil in der Seele blüht die Blume blau,
Gib daß mein Herz gestorben innig ruht
Im Traum am Herzen Meiner Lieben Frau,
Daß sie mit ihrer Gnadenquelle Tau
Die Asche neu belebt, daß aufsteigt rein
Der Phönix, würdig werd der Gottesschau
Und finde in der Gottesschau allein
Der blauen Blume Schönheit. Mög sie ewig sein!

VIII

Ach die ich lieb sind alle scharfer Dorn,


Die welche hier und jene welche dort.
Ach ohne Liebe bin ich ganz verlorn!
Was mir die Schwester gibt, ist kühles Wort,
Ist mir befremdlich, ist nicht mehr der Hort
In dem ich ruhte wie ein Brüderlein,
Sie kommt nicht mehr dem Herzen nah, geht fort,
Ist fern bei fremdem Volk. Ich bin allein.
Ein Pfahl im Fleisch ist auch die Schöne, die ich mein.

Wohin, o Herr, wohin soll ich mich wenden?


In oberflächliche Geselligkeit?
Sie halten Rosenkränze in den Händen
Und ihre lauten Lieder schallen weit.
Doch unter ihnen find ich dich nicht, Maid,
Komm du zu mir als meine Trösterin
Und als die Königin der Einsamkeit.
Ah weh, ah weh, ich bin allein, ich bin
Verschmäht von allein, niemand, niemand gibt sich hin!

Gib daß ich nicht in Unmut und Verachtung


Zu jenen kalten toten Herzen steh.
Gib daß ich annehm des Gemüts Umnachtung
Und in der Nacht der Seele Schönheit seh.
Gib daß ich dich find, wenn ich zu dir geh,
Da von mir fern ist jede Kreatur.
Maria, heile meines Herzens Weh
Und laß mich wallen auf der Leiden Spur,
Du meine Freude, gibst du mir auch Elend nur.

IX

O Grotte, Muschel du in einem Fels,


Da Liebeskranke deinen Tau berühren,
Als tränken deine Milch sie, deinen Schmelz
Aus deinen Mandelaugen die betören.
Voll Inbrunst möcht ich wie ein Hirschbock röhren
Und meine Liebe meiner Liebsten sagen,
Ich will dir ewig meine Liebe schwören,
Ich möchte dich um eine Liebe fragen
Die ewige Freude ist und Ebde aller Klagen.

Da legte Jesus mir der Liebe Siegel


In Form der Lilienblüte an den Arm,
Da schwang der Geist die reinen Taubenflügel
Und segnete ein Mädchen voller Charme,
Der ihre Augen glühn von Minne warm,
Die herrlich ist wie Rosen aller Arten,
Die Schönheitsbalsam hat für meinen Harm,
Die lagert sich mit mir in ihrem Garten - -
Ach ich ersehne sie, ach ich muß immer warten!

In breiten Wogen strömen Prozessionen


Zur Königin mit ihren hohen Kerzen,
Die heiligen Skulpturen dem beiwohnen,
Der Invaliden hoffnungsvolle Herzen
Schaun zu dem Tau, der rieselt von den Erzen,
Und Litanei und Liturgie ertönen
(Dieweil die deutschen Protestanten scherzen)
Und Herzen immer wieder neu zu krönen
Ist Christi Leib gewärtig, alle zu versöhnen.

XI

O Frankreich sag, wo sind die schönen Frauen,


Für die du so berühmt bist und gepriesen?
Ich seh allein im Traume lichthell blauen
Die blaue Blume auf den deutschen Wiesen,
Iris aus Oldenburger Paradiesen.
Und auch Italiens Frauen haarumschwungen
Sind nicht so schön und gleichen nimmer diesen
Verklärten Herrlichkeiten meiner jungen
Braut aus dem Hohenlied, das ich für sie gesungen.

XII

Du hast ja keine Zeit für mich, du mußt


Die Kranken heilen; mußt, der zu dir schwomm,
Den Pilgerstrom mit Milch von deiner Brust,
Die Kinder, tränken; zu den Krüppeln komm. -
Wo alle Sünder sind zwar bin ich fromm,
Wo alle fromm sind bin ich nur ein Sünder,
Dem mit dem Wein die rote Wollust glomm,
Nicht reines Kind im Kreis der reinen Kinder,
Ein Unterliegender, kein Überwinder.

Und so, geliebte Taube, meine Braut,


Gib Urlaub deinem Freunde, laß mich frei.
Mein Auge freut sich, wenn es mittnachts schaut
Die hübsche Bernhardette, den Wein dabei,
Die Augen Diamantennacht im Mai,
Die Arme bloß und weiß wie Meeresschaum,
Ich liebe bloße Frauenhaut, verzeih,
Und liebe auch des schwarzen Kleides Saum,
Ich bin ein Sünder, siehe, sündig ist mein Traum.

Drum sprach mir auch der Fromme (Gott sei Dank)


Nachts von Maria Magdalena, oh,
Ich seh Berninis marmornen Gesang
Und denk an jene Liebesstunden, wo
Ich sie begehrt wie König Salomo.
Zwar Magdalee ist heilig und ist rein,
Doch sie versteht Verlangen, wie ich so
Nach Lenas Augen schmachte, Rehe rein
Und braun, und Brüsten trunken von der Liebe Wein.

XIII

O Stille, Stille, endlich eingekehrt,


Verklungen das Gelächter und das Lärmen.
Das liebliche Verschlossne Tal gelehrt
Bis auf den Sangeschor von Spatzenschwärmen.
Die Sonne kommt, die Geckos zu erwärmen
Und gold den Berg zu küssen auf den Mund.
Die liebe Schwester badet in den Thermen,
Da mache Gottes Wunder sie gesund
An ihrem Leib, in ihrer Seele Urabgrund.

Nun sieht es alles gleich ganz anders aus,


Da fortgeweht der Narren hohles Scherzen.
Die Schwester spricht in meiner Seele Haus:
Du bist beslozzen, du, in minem Herzen...
Ja, nur in Stille brennen meine Kerzen
Und nur in Stille ist die Andacht fromm.
Maria, Tau spend von der Grotte Erzen,
Daß Mirjam, wenn sie in den Wassern schwomm,
In Liebe glüht wie weiland Heiland Jesus glomm!

Und in der Stille ist Erinnerung


An der Marie von Medjugorje Bild.
In jedem Falle ist sie schön und jung
Und voller Lieblichkeit und anmutmild.
Der Priester, dem ich beichte, mich nicht schilt:
Ja, geh den Weg und lieb Marie als Braut,
Sie zieht dich auf als eine Rebe wild,
Ihr Sohn ist Weinstock, Blut der Rebe taut,
Du bist die meistgeliebte Seele deinem Traut.

Ich sag dem Priester, ich wollt mich vermählen


Im Herz Mariens mit Messias Herz -
Er ist der Bräutigam erkorner Seelen,
Maria ist der Weg für meinen Schmerz,
Die Braut des Trösters führt mich jesuswärts,
Mein Herz Maria als Madonna preist,
Die gab sich Jahwe hin im Monde März,
Hingabe lehrt sie darum meinen Geist,
Die Vielgeliebte Gottes, der da Liebe heißt!

XIV

Madonnen hab ich viele angeschaut,


War keine mir so schön wie die Gazelle,
Die mir im Innern lebt, die Lilienbraut,
Den Kelch betaut mit Tau der Gnadenquelle
(Quellnymphe an des Gave grüner Welle),
Mir däucht, mit Augen russischer Ikonen,
Im Antlitz Anmut der Madonna delle
Grazie, auf ihren Rosenlippen wohnen
Die Küsse, die getaucht aus meiner Träume Mohnen.

XV

Ich sitze wie die Poetresse schrieb


In Frankreich im Café, und schau die Frauen,
Ob eine mir in ihrer Anmut lieb
Und schön wie die Gepriesenste der Frauen?
Und eine geht in einem blumenblauen
Gewand, die Arme braun wie Schullamyth.
Die möcht ein Künstler wohl in Marmor bauen,
Sie ist ihm Sonne, Seide, Süße, Süd,
Ihm der da einkehrt im Hotel La Solitude.
XVI

Geliebte! Vielgeliebte Gottes! Braut


Des Geistes der als Liebesfeuer glüht!
Du bist der Fels, aus dem es Liebe taut,
Du meine Liebe, du mein Liebeslied,
Das sang ich in der Grotte, Schullammyth,
Da Sauen waren einst und Hiobs Mist:
So komm du in mein Herz, das Flammen sprüht
Zu dir und du gibst Liebe mir zu Christ,
Der seinen Lieblingsjünger nimmerdar vergißt.

Ich grüße dich du Fels, ja dich, du Grotte,


Ich grüße dich, du dunkler treuer Stein.
Du warst einst in der Grotte unserm Gotte
Die Mutter die da Jungfrau ist ganz rein.
Ich will ein Fels in deiner Grotte sein,
Will wie ein Tropfe sein in deiner Quelle,
In deiner Nische sein ein Blümelein,
Die du in meiner Nacht bist licht und helle,
Du meine Lilie, Myrrhebüschel und Gazelle!

Ich liebe, liebe dich vieltausendmal,


Und unablässig Ave ich dich grüße,
Und in der Immaculata Grottensaal
Ich die gewölbten Felsenlippen küsse,
Ganz nahe, wo einst schwebten deine Füße,
Die reinen schlanken, mit der goldnen Rose
Der Herrlichkeit und Schönheit, Honigsüße,
Ma Dame Immaculata, Makellose,
An deiner Grotte will ich blühen gleich dem Moose.

Verzeih, ich bin nicht rein, ich bin nicht keusch,


Mein Herz ist ähnlich Hiobs Schweinekoben,
Der Geist ist mir befleckt von Trieb und Fleisch
Und meiner Seele Sinnlichkeiten toben.
Und doch möcht ich mit Liebesliedern loben,
Darin ich mich in Leidenschaften übte.
Du bist so liebenswert, Liebe von oben,
Du Gott-Begnadete, von mir Geliebte!
Sieh, Tabernakel, meine Seele, die betrübte.

Sieh, mein Gemüt ist eine Magd in Wehmut.


Ich bin dein Minnesänger, o Madonne.
O meine Herrin, lehr mich deine Demut,
Dein Sklave singt dir Ave! meine Wonne,
Du Mondin, schimmernd schön von Gottes Sonne,
Du Stern des Morgens rein und ohne Makel,
Du führst zum Allerheiligsten, Madonne,
Anbeten will ich Ihn im Tabernakel:
In Lieb will ich vergehn an Seines Todes Nagel!
Ich will hinein in das Mysterium
Der Grotte dunklen Nacht der glühen Minne!
Geprägt vom Liebes-Evangelium
Will ich dir weihen alle meine Sinne,
Dir Seele und Gemüt, daß ich gewinne
Dein Herze voll der glühen Flammenglut,
Die christusgleicher Minne wahrhaft inne!
Die Königin des Rosenkranzes tut
Mir Liebes an, die rauscht auf heiliger Minne Flut!

Ich grüße dich, o Minne-Königinne,


Du voll der Charis und der Grazien du,
Ma Dame d’Amour, o Dame die ich minne,
Mit dir ist Gott der Ewige immerzu,
Inmidst the gayest flowers the flowret blue,
Gepriesen, benedeiet und gesegnet,
O bitte du für meine Seele nu,
Daß Fruchtbarkeit der Liebe niederregnet,
In Ewigkeit mir Jesus minniglich begegnet!

XVII

Ye ask me who my sister is so soft


As leafes of grass and greenest grassest flower?
She prays the set of pearls so very oft
That she is blessed by Mary every hour.
Her very weekness is her very power.
Oh, she believes in the Messiah, yes,
A truely daughter Sion! With a shower
Of flames of love Jehovah shall her bless!
She is the inner crucifiction’s poetresse...

XVIII

Maria, siehe meiner Freundin Sohn


Und meine Freundin an mit Herzenslust
Und trete ein für sie bei deinem Sohn
Und nähre sie an Gottes Mutterbrust
Und wend sie ab von eitlen Staubes Dust
Und leeren Nichtigkeiten dieser Welt
Und führe sie zu Jesus! Ach du mußt
Erscheinen ihnen her vom Himmelszelt
In ihren Herzen, welche Gott allein erhält.

Sieh du, wie sie nach Liebe sich verzehren


Und Jesu Jünger lieben minniglich.
Du mögest ihnen in den Herzen mehren
Heimliche Minnesympathie für dich
Und für die Liebe, welche inniglich
In allen Gott-geschaffnen Herzen wohnt.
Maria, bitt für sie sehr flehentlich,
Für Anna und für Juri, daß verschont
Der Herr ihr Schicksal und mit ewigem Leben lohnt!

XIX

Refugium der Einsamkeit, du Tal


Und grüner Garten mit dem blauen Blick
Des Himmelreiches, goldner Sonne Saal,
Nicht Lästerer und Lacher im Genick,
Kehr ich in meines Herzens Reich zurück
Und selig schmatzend an der Mutterbrust
Der Liebe Gottes finde ich mein Glück,
Der Seele überirdisch reine Lust,
Weil hier Maria küsste, küsste Staubes Dust!

XX

Maria, Mutter du dem wahren Leben,


Maria, Mutter du der Wahrheit und
Des Weges Mutter, da die Engel schweben;
Maria, Jungfrau mit betautem Mund,
O küsse meine Seele mir gesund,
O mache mich zum Goldmund, holde Maid,
O küsse mir das Herz vor Liebe wund,
Küss das Gemüt, bis es vor Wonne schreit,
Komm als Geliebte du in meine Einsamkeit!

Hier bin ich, meine Freundin auf der Wolke,


Du meines Herzens heiliges Ideal,
Fast eine Göttin vor dem Frauenvolke,
Bräutliche Weisheit, meines Geistes Wahl,
Tochter des Herrn mit Titeln ohne Zahl,
Komm du herbei, ich will dir Blumen schenken,
Lilien und Rosen, Rosen allzumal,
Irisse, dir die blaue Blume hängen
Ins braune Haar mit Lapislazuli-Ohrgehängen.

Ich schenk dir Kettchen rosafarbner Perlen


Und Mahagoniperlen, Silberketten,
Will hier im Tal, im Schatten unter Erlen,
Dir Schullamyth bereiten mossne Betten,
Als ob wir Edens Garten wiederhätten
Und wären da, wir beide, ganz allein,
Du müßtest keine andre Seele retten
Als meine nur mit deiner Liebe Wein
Und in der Liebe Gottes wäre unser Sein.

Ja auf der Liebe Flügel will ich eilen


Und heiß bestürmen Gottes Himmelreich,
Daß Gott die Liebe sende, uns zu heilen,
Anmut und Schönheit Gottes gnadenreich,
Die Erde würd zum Garten Eden gleich,
Die Lust der Welt versänk im Liebesfeuer!
O bittend deines Sohnes Wange streich,
Daß er mit Flammen komm, weil hier ein neuer
Pilger mit Muscheln sucht der Minne Abenteuer.

Auf Aventiuren sprechen wir das Ave


Der Minnekönigin so süß und rein.
Ein Jeder ist Geliebter und ist Sklave
Und will ein Diener der Madonna sein.
Petrarca treten und Camoes ein
Und Rainer Rilke naht mit Hölderlin.
Der Minnenden poetischer Verein
Will zu der Königin Maria ziehn
Und lieben als das letzte Ziel der Liebe Ihn!

Wallfahrer auf der Minne Aventiure


Und Minnesänger Unsrer Dame, zieht
Hinfort, sie tat euch auf des Himmels Türe
Und ließ auf Erden euer Liebeslied;
Doch nun will sie allein als Schullamyth
Um ihren Lieblingsjünger sich bemühen -
O schönen Aug, o Wimpernpfeil, o Lid,
O Rosenlippen wie die Morgenfrühen -
O reine, o pleine de grace! o laß mich glühen, glühen!

XXI

Italiens Aphrodite ist gegangen


Mit weichem Hüftenschwung an mir vorbei,
Wallende Locken fluteten wie Schlangen,
Die vollen braunen Brüste hüpften, hei!
Das Tier in mir erhob des Brunstes Schrei,
Hauchdünne Seide um die Schenkel spielte,
Zu Gold der Wollust ward der Schwermut Blei,
Als die vom Rausch der Sinnlichkeit Umhüllte
Vorübertanzte, lächelte - und sich verhüllte.

XXII

Mein Herz vom Wirbelsturme aufgewühlt -


Maria Magdalena, komm, o komm -
Die Seele wilde Leidenschaften fühlt -
Maria Magdalena, komm, o komm -
Das Eingeweide meines Leibes glomm,
Vor Lust und Wonne wollt ich tanzen da -
Maria Magdalena, komm, o komm,
Komm nahe mir, Maria Magdala,
Komm mit dir glühende Messiasliebe, ja!

XXIII

Gott schuf zum Lobe seiner lieben Gnaden


Die grünen Gräser, daß sie lieblich loben
Und psalmodieren zarteste Zikaden.
Die Fledermäuse, die die Nacht durchstoben,
In ihre schwarzen Mäntel eingewoben,
Sie preisen mit Gesang, der uns ein Schweigen.
Die Kiefern ehrwürdig-erhaben loben
Und süße Spätzlein ihre Kleinheit zeigen
Und stolzeste Gebirge sich vor Jahwe neigen.

XXIV

O liebe, liebe, liebe Schwester mein,


Nicht Schwester bist du nach des Mannes Samen,
Geliebte Freundin, ich bin innig dein,
Geliebte bist du nicht wie die Zyklamen
Des Hohenliedes oder Minnedamen,
Du bist so schön, doch anders als die Weiber,
Die alle mir zu meinem Schmerze kamen,
Gesegnet Seele sei im Kreis der Leiber,
Du kleine Engelin dem armen kleinen Schreiber.

Die Mutter Gottes hat zu dir gesprochen


Und du bewahrst es tief im tiefen Schweigen.
Du schautest schön (als du den Rauch gerochen)
Annahme mir und Freundlichkeit zu zeigen.
Jüdische Fremdlingin im Narrenreigen
Hast du geküsst das blonde Pferdehaar,
In Grottennacht Mariengruß zu geigen,
Du dunkler Tag, du lichte Nacht. Mir war
Dein innig Gegenwärtigsein so wunderbar.

XXV

Ich sitze bei Jeanne d’Arc und trinke Wein


Und eine schaut so schön und eine singt.
In Schönheit sterb ich, ewig schön zu sein.-
Mein Auge und mein Ohr die Schönheit trinkt,
Und rot, so rot der Wein im Kelche blinkt
(Und da sind Mirjam nah und Evelin)
Und wieder bin ich wenig fromm, mir sinkt
Vorbei an Heiligen, die mein Leben ziehn,
Mein Herz in traurigen Genuß - ich liebe ihn.

Wie triumphieren doch die Menschenbiester,


Die morden mit den Spitzen ihrer Brüste!
Ganz andern Frieden geben mir die Priester,
Ob meine Seele von den Schmerzen wüsste,
Mit denen Jesus meine Schmerzen küsste.
Doch wie daß ich dem Ideal nicht folge
Und schweife in den grünen Hain der Lüste,
Wo aufbricht sommerschwüler Wollust Wolke,
Die nackte Göttin tanzt, verehrt von allem Volke?
Da predigen die Prediger die Ehe,
Ich aber will der Liebe Leiter steigen
(Ganz friedsam läßt mich meiner Schwester Nähe)
Und muß mich wieder doch zum Leibe neigen,
Da kommt die Nacht, mir nackte Haut zu zeigen,
Und soll ich meine Leidenschaft abtöten?
Wie daß ich aus der Weiber Wahnsinnsreigen
Aufsteige zu dem Stern der Morgenröten
Und reinen Liebe? Ich muß Gruß Marien beten.

Zwei Frauen lieb ich stets (ja wenn nicht mehr),


Ruf zu der Jungfrau und der Sünderin.
In einer, die ich liebe und begehr,
Sind angesprochen Sinne mir und Sinn,
Maria lebt und Eva... Evelin,
Holdselig ist sie mal und mal entblößt,
Ist Artemis und Aphrodite in
Der Poesie, die sie mir Furcht einflößt
Und voller Schönheit mich in Grund und Boden stößt!

Wer kann entsagen seines Fleisches Trieben,


Wer kann veredeln sie? wer kann den Geist
(Die feminine Rouah wahrem Lieben)
Zur Meisterin erheben, die da weist
Den Weg zur wahren Lust? Mein Leben preist
Den Kampf, dem meine Seele unterliegt.
Ich bin nur froh, wenn es am Ende heißt:
Er kämpfte! Ob mein inneres Leben siegt?
Denn wüste Leidenschaft ist höllenheiß und trügt.

XXVI

Vergebung einem armen Misanthropen,


Der an der Rose nur den Dorn gefunden!
Ach gliche ich dem großen Philanthropen,
Dem Dornen kränzten seines Herzens Wunden
Und der in seiner Seele Marterstunden
Die liebte, die ihm waren seine Pein!
Zwar ward ich von der Feindschaft losgebunden,-
Doch schlagen neu die Geißeln auf mich ein
Und treffen mich im Innersten. Ich bin allein.

Nie gab mir eine Mutter Herzenswärme


Und auch der Frauen Herzen sind erfroren.
Dich ruf ich, wenn ich mich im Herzen härme,
Die sich mich hat als Liebsten auserkoren,
Darum ich deinem Feuerherz verschworen,
O Honigsüße, sieh mein Herz ist bitter,
Ist ohne deine Liebe ganz verloren.
Sieh, Gottesmutter, deinen traurigen Ritter,
Mit aufgerissnem Herzen durch die Stacheln schritt er.
Der Minnesang von deinem traurigen Ritter
Ist eine wehmutvolle Elegie.
Mein Herz, das einsam, elend ist und bitter,
Verwandle du in süße Melodie.
Ich ernte Haß für meine Sympathie,
Ach, all mein Lieben ist ein stetes Leiden!
Stets fern ist die Geliebte, fern ist sie,
Mein Schicksal ist, ich muß die Nähe meiden,
Stets unerreichbar ist die Süßigkeit der Seiden.

In welcher Ferne, Herzenskönigin,


Bist du! Und so ist meine Liebe tief,
Daß ich mich gebe Unerreichbarm hin
Und schreibe Liebesbrief an Liebesbrief,
Da ich zur Königin der Minne rief.
Und Rosenkranzes Perlen waren Tränen,
Ein Rosenkranz aus meinen Augen lief.
Und keine Schulter, mich daran zu lehnen.
Zueigen meiner Seele ist ein stetes Sehnen.

Ich sehn mich, mich der Gottheit zu vereinen,


Einmal des Schöpfers Schönheit anzuschauen.
Drum Heil mir, muß ich meine Tränen weinen,
Und Heil der dunklen Nacht mit ihrem Grauen,
Heil jedem Marterwerkzeug, Heil den Frauen,
Weil so die Sehnsucht heiß in mir erwacht.
Die hoffnungslose Seele muß vertrauen
Der letzten Hoffnung in der tiefen Nacht:
Einst mein verweintes Auge Freudentränen lacht.

XXVII

Die schöne Bernhardette ging fremd vorbei,


Wie alle Frauen fremd vorübergehen.
Jüngst saß sie lauschend meinem Wort als sei
Sie Magdalena, lieblich anzusehen.
Verlassenheiten muß ich überstehen,
Da sie gegangen mit dem Pharisäern.
Die Winde violetten Dunkels wehen,
Es kommt die Nacht, da wacht mein Schmerz auf ehern.
So gehts den schmerzensreichen Dichtern, leidenden Sehern.

Ich irrte in dem Labyrinth von Lourdes,


Ob schöne Liebe mich erlösen kann.
Ich weinte an des grünen Gave Furt
Und saß am Straßenrand als Schmerzensmann
Und sah mir Bilder der Madonna an,
Da traf mein Schicksal mich als jäher Schmerz.
Die sah ich, die ich mir im Traum ersann,
Und Wehmut füllte bitterlich mein Herz,
Da ich sie sah ganz weiß aufstreben himmelwärts.
La blanche Marie, la jolie Marion -
Oh, marions nous ‘a la Vierge Marie -
So sang ich wie vorm Dom von Avignon
Einst der Poet, der süß gesungen Sie.
Sie war so schlank, so weiß, ganz Melodie
Von Engeln, welche leuchtend sie verklären.
Sie war die sympathetische Sympathie
(Einst eine Perlmuttmuschel an den Meeren)
Und alles stöhnte in mir: Ich will sie verehren!

Und da sie stand als weiße Königin,


Als Herrlichste in einer Schar Marien,
Da sah mein wehmut-, schwermutvoller Sinn
Die andern lieblichen Marien ziehen.
Die Blicke mir zum blauen Mantel fliehen
Der einen und zum Kleide lenzlich bunt
Der andern, da die Frühlingsvögel schrieen
In meinem Leibe und vom Knie so rund
Mir schauerte das Herz und von der einen Mund.

Da sah ich, daß die Reinste der Marien,


Der Gottesmutter allerreinstes Bild,
Mein größter Schmerz gewesen, da mir schrieen
Die Lebensgeister alle todeswild!
(Die Göttin im antikischen Gefild,
Mit bleichen Totenschädeln an der Kette.)
Sie war so rein, so weiß, so sanft und mild,
Als ob ein Gott sie zur Geliebten hätte
Und ruht mit ihr in himmlischen Brautgemaches Bette.

(Ach nichts vermag ein Dichter je zu sagen.)


Da plötzlich unter all den Bildern schien
Mir die Vision vom Schicksal meiner Klagen
Und Sinn der Schmerzen auf, die mir verliehn:
Im Blitz des Augenblickes sah ich Ihn -
Und war sein Antlitz Freude oder Schmerz?
Mir Geist und Seele Ewiger! schrien,
Versöhnung fand mein schmerzzerrissnes Herz,
Zugleich war ich bereit zu schreiten leidenwärts.

Berufung setzt den tiefen Schmerz voraus


Und Gotteslob aus Leiden ist geboren.
Mir quillen aus dem Herzen Tropfen aus
Und mit dem Blute schwarz und traumverloren
Schrieb ich ein Lied, weil Christus mich erkoren
Zu singen seine bittere Passion.
In dem Gekreuzigten bin ich verschworen
Jedweden wahren Schmerzen. Die Vision
Der lieblichen Madonna wies mir Gottes Sohn.

XXVIII
Das Herz bereit zur geistigen Kommunion,
Allein, die Augen innenwärts gewandt,
Empfing mein Geist die liebliche Vision
Vom Angesicht Mariens, mir gesandt
Von Jesus, dem ich durch den Geist verwandt
Als Kind des Vaters. Unbeschreiblich hold
Mariens Antlitz vor dem Auge stand
Der Seele, von dem Schleier schön umrollt,
In einer Aureole wie die Sonne gold.

Sie führte mich in einen Rosengarten,


Da weidete das weiße liebe Lamm
Und Gras wuchs dort und Blumen aller Arten,
Inmitten stand in Lichtglanz Notre Dame.
Sie lief in einem Scheitelpunkt zusamm,
Gleich Himmelstreppen oder Kathedralen.
Voilà, la coeur d’amour dans la bele femme:
Ein blutiger Rubin mit goldnen Strahlen
Erleuchtete mein Herz (ich kann es nimmer malen).

XXIX

Ich ging den Kreuzweg auf zerschundnen Knien


Und meine Nächstenliebe war Gebet.
Anbetend schauete mein Geist auf Ihn,
Der mir als Sinn in meinen Leiden steht.
Ins Herz des Mädchens, das ich liebe, sät
Das Kreuz des Christus der Erlösung Blut.
O Jesus, sieh, es betet dein Prophet
Für deine Braut, daß sie dir werde gut
Und liebe dich und liebe dich wie Feuersglut!

XXX

O Vierge Immaculée! ma bien-aimée,


Je suis un religieux, poète d’amour,
Donne moi, Marie, ton plus doux baiser!
Je suis vénu à toi, je fait un tour
A Lourdes. Prie, chère Immaculée, prie pour
Moi, toi qui dans la nature de Dieu est ma tente:
Je me couche, Marie, et rève des sanges d’amour:
Toi la plus belle femme! Tous les jeunes t’aimant,
Moi je t’adore, o mon espouse, maintenant.

O douce comme le miel, une rose pour bouche,


Ma colombe, ma bien-aimée, ma Dame,
O lys, que mon coeur aime tant, je me couche
Dans ton amour. Tu es la plus belle femme,
Tu es la belle espouse de mon ame.
O déclare moi, o blanche colombe,
L’amour de ton esprit, de ton coeur, de ton ame.
Douceur de la rose odorante et des aromes,
Beauté du rosier et senteur de la myrrhe entour ton nom.

Tu est la reine du Jérusalem,


Dans le désert de la nuit: la blanche gazelle.
Dans tes cheveux se trouve le diadème
De l’étoile de matin, ma plus belle.
Viens, o mon espouse de Liban! O quelle
Belle bien-aimée, la rose de mon coeur!
Voilà, o filles de Sion, c’est elle,
Qui est ma blanche colombe et ma soeur.
Et cet amour est un heureux et saint malheur...

Ah, tu es belle, comme Tirca, mon amie,


Ton bouche est comme miel, o bien-aimée.
Ah mon amour - ah douce maladie!
Allez, allez, o troupes d’amour, allez
A Notre Dame, si vous voulez trouvez
Au Mont Carmel la douce Sulamithe!
O donne moi, o Sulamithe, des baisers
Digne de la bouche d’une rose, rose Sulamithe!
Bien sur, o bien-aimée, je t’aime, o Sulamithe!

Espouse du Saint Esprit! avec le feu


De l’amour baise moi, espouse de mon ame!
Par ton coeur je suis espouse de Dieu! -
Prie, prie pour moi, o Notre Dame
De Lourdes! Marie, tu est la plus belle des femmes,
Prie pour moi avec ta pieuse bouche.
O Marie, marie à toi mon ame!
Espouse de Salomon, Marie, je me couche
Dans la douceur de ton pavillon de Salma, rose rouge!

O fille du Roi de Ciel! Tes pieds sont beaux,


Tes jambes sont comme de magnifiques colliers,
Tes yeux sont la source des eaux
Et ton nombril est une coupe: je désire baiser
La coupe de vin doux, ma bien-aimée.
Viens, espouse de Liban! Je me couche
Dans tes cheveux. O, c’est une vraie AGAPEE:
Je t’aime, rosier d’amour, o rose rouge,
Je désire baiser par amour ta bouche, ta bouche!...

HYMNEN AN MARIA

AUS DER OFFENBARUNG AN JOHANNES


Auch kam zu mir ein Engel von den sieben,
Die da halten sieben Becher,
Gefüllt mit den Plagen extremster Zeiten.
Sprach auch mit mir und sagte: Komm!
Dir erscheine die Frau
Als Nymphe des Lammes!

Brachte mich auch im Geiste


Zu einem hohen, breiten Gebirge
Und wies mir die Megapolis,
Die Hagia Jerusalem,
Niederkommend vom Himmel, von Gott!
O! Sie besaß die Glorie Gottes!

LITANEI VON DER MUTTER MIT DEM SOHN

Gott, erbarme dich.

Mutter, du wirst verlassen von deinem Sohn


Mutter aller, die da leben
Mutter, dir und dem Vater Ehre
Mutter, du erstandest als Mutter in Israel
Mutter, dir ist gegeben das Kind
Mutter, aus deinem Schoße kam es nackt
Mutter, die Väter und Mütter verlassen uns
Mutter, ich trage dein Leid
Mutter, deinen Sohn verleumden sie
Mutter, ich bin in Sünden empfangen
Mutter, meine Brüder kennen mich nicht
Mutter, dein Gebot will ich nicht verlassen
Mutter, auch in deinem Alter ehre ich dich
Mutter, du hast dich nie von uns geschieden
Mutter, wie eine Mutter tröstet der Herr
Mutter, vor der Geburt ward ich ausgesondert
Mutter, weh mir, daß du mich geboren hast
Mutter, du warst eine Fremde
Mutter, dein Fluch reißt nieder
Mutter, deine Töchter widersetzen sich
Mutter, ich will dich all mein Leben ehren
Mutter, wer dich betrübt, ist verflucht
Mutter, deine Schmerzen will ich nicht vergessen
Mutter, du bist die Erde, unser aller Mutter
Mutter, Maria, dem Josef vertraut
Mutter, mehr nicht darf ich dich lieben als Christus
Mutter, du standest mit den Brüdern draußen
Mutter, ich will dich nie verlassen und den Vater nie
Mutter, die Mutter meines Herrn kommt zu mir
Mutter, dein einziger Sohn
Mutter, die du auf einer Hochzeit warst
Mutter, kann ich wieder in deinen Schoß zurück?
Mutter, siehe, du bist meine Mutter
Mutter, unsere Mutter, du bist die Freie
Mutter, du pflegst deine Kinder
Mutter, niemals bist du die Mutter der Hurerei
Mutter, du segnest mit dem Segen des Mutterleibes und der Brüste
Mutter, warum starb ich nicht, als ich aus dem Mutterleib kam?
Mutter, von Mutterleib an bin ich auf Gott geworfen
Mutter, von Mutterleib an vertrau ich auf Gott
Mutter, Gott hat mich in deinem Leib gebildet
Mutter, von Mutterleib an steht Gott mir bei
Mutter, von Mutterleib an bin ich von Gott getragen
Mutter, von Mutterleib an hat Gott mich berufen
Mutter, eh ich bereitet ward im Mutterleibe, kannte mich Gott
Mutter, ich lebe, weil ich nicht getötet ward im Mutterleib
Mutter, ein schweres Joch liegt auf den Menschenkindern
Mutter, Gott erhält uns lebendig
Mutter, der Prophet wird von Mutterleib an mit dem Heiligen Geist erfüllt
Mutter, ehe Er empfangen war, war Er bei Gott
Jungfrau, dein mütterliches Herz entbrennt in Liebe

Selah.

Gottes Sohn, wir heißen Gottes Kinder


Gottes Sohn, den Engeln gleich sind Gottes Kinder
Gottes Sohn, du gibst die Macht, Gottes Kind zu werden
Gottes Sohn, bringe die verstreuten Kinder Gottes zusammen
Gottes Sohn, dein Geist treibt Gottes Kinder
Gottes Sohn, wir sind durch den Glauben Gottes Kinder
Gottes Sohn, Gottes Kindern helfe lauter und makellos zu sein
Gottes Sohn, laß uns Kinder Gottes heißen
Gottes Sohn, laß uns erkennen, daß wir Gottes Kinder lieben

Lamm Gottes, nimm hinweg die Sünde der Welt. Amen.

LITANEI VON DER LIEBEN FRAU

(„Marions nous à la Vierge Marie!“)

Gott, erbarme dich!

Liebe Frau, erwähle mich als deinen Gemahl


Liebe Frau, backe mir das Brot im Ofen
Liebe Frau, gepriesen seiest du im Zelte unter den Weibern
Liebe Frau, dich liebte auch Salomo, der Poet
Liebe Frau, sei mein Lebensodem dir nicht zuwider
Liebe Frau, meine Augen schauen auf deine Hände
Liebe Frau, wie deine Magd will ich auf dich schauen
Liebe Frau, höre meine Stimme
Liebe Frau, ich will mir kein Weib nehmen
Liebe Frau, du besitzt das ewige Leben
Liebe Frau, du bist ja nicht mein irdisches Weib
Liebe Frau, du bist treu
Liebe Frau, nicht aus Wollust nahe ich dir
Liebe Frau, du bist eine Starke
Liebe Frau, nicht bei eines Anderen Weib will ich liegen
Liebe Frau, du Freundin der Weisheit
Liebe Frau, du versorgst mich
Liebe Frau, beim Weibe nahm die Sünde ihren Anfang
Liebe Frau, bei dir nahm die Erlösung ihren Anfang
Liebe Frau, du weißt Rat
Liebe Frau, du bist die Herrlichste unter den Menschen
Liebe Frau, du Prophetin
Liebe Frau, dein Glaube ist tief
Liebe Frau, dir will ich anhangen
Liebe Frau, lieben dich Andere so wie ich?
Liebe Frau, ich will dich nie betrüben
Liebe Frau, du sahest Christus am Kreuze
Liebe Frau, gepriesen bist du vor allen Frauen
Liebe Frau, ich will dir dienen mit meinem Gut
Liebe Frau, wie du will ich lieben Gott über alles
Liebe Frau, keinen Anteil hast du an Sodom und Babylon
Liebe Frau, du klagtest und beweintest Christus
Liebe Frau, du Botin des Auferstandenen
Liebe Frau, schöpfe mir Wasser aus dem Bronnen des Lebens
Liebe Frau, die Jünger sind deine Kinder
Liebe Frau, was weinst du?
Liebe Frau, du warst bei den Jüngern und Jüngerinnen
Liebe Frau, du Gottesfürchtige
Liebe Frau, berühre mich
Liebe Frau, der Herr ist dein Haupt
Liebe Frau, du Stille
Liebe Frau, du Kind Gottes, wie ein Engel
Liebe Frau, du gebarest Gottes Sohn
Liebe Frau, ich trachte, dich als Braut zu gewinnen
Liebe Frau, du bist voller Tugenden
Liebe Frau, einzig dir will ich Gemahl sein
Liebe Frau, du ohne Sünde Empfangene
Liebe Frau, du mit dem Mond zu den bloßen Füßen
Liebe Frau, du mit der Sonne Bekleidete
Liebe Frau, du mit den Sternen Bekränzte

Bitte für mich zur gesegneten Frucht deines Leibes JESUS


Amen.

AVE NEUE EVA

Ave, Tochter, Bronn der Huld,


Ave, Mutter Jesu Christi,
Ave, Braut ganz ohne Schuld,
Ave, Kelch des Blutes Christi,

Ave, Holde, Davids Turm,


Ave, Süße, gratia plena,
Ave, du zertrittst den Wurm,
Ave, treu bei Magdalena,

Ave, du im Mantel blau,


Ave, Schoß der Weisheit, Spiegel,
Ave, Pforte zu der Au,
Ave, meiner Wonne Flügel,

Ave, Jesses Ästelein,


Ave, Miriam der Hymnen,
Ave, Frau im Schleier rein,
Ave, Mutter mit dem Hymen,

Ave, Haus aus lauter Gold,


Ave, Hüterin der Dornen,
Ave, Perle süß und hold,
Ave, Beistand der Verlornen,

Ave, Sonne dein Gewand,


Ave, Maid im Paradeise,
Ave, in des Lebens Land,
Ave, neue Eva, Leise,

Ave, Morgenstern und Stein,


Ave, Nadelör im Felsen,
Ave, Königin so rein,
Ave, Ruth in Bergen-Belsen,

Ave, Hort und Gnadenschatz,


Ave, Mutter voll Erbarmen,
Ave, Nestlein einem Spatz,
Ave, Frau mit starken Armen,

Ave, du des Höchsten Magd,


Ave, Burg dem wahren Glauben,
Ave, Röte, wenn es tagt,
Ave, Opferin der Tauben,

Ave, Turm von Elfenbein,


Ave, wir in dir geborgen,
Ave, Kelch dem Feuerwein,
Ave, schöner Stern am Morgen,

Ave, Gott-Gebärerin,
Ave, Mutter treu und gute,
Ave, meines Lebens Sinn,
Ave, Herz dem Christus-Blute,
Ave, Arche, Fels der Treu,
Ave, du mit holdem Herzen,
Ave, Jungfrau, immerneu,
Ave, Leiderin der Schmerzen,

Ave, Gnadenmittlerin,
Ave, Herz der wahren Liebe,
Ave, Schönheit meinem Sinn,
Ave, daß ich in dir bliebe,

Ave, du Mysterion,
Ave, du der Schöpfung Krone,
Ave - Transubstantiation -
Ave! bitt zu deinem Sohne.

NAMEN-MARIEN-LITANEI

Messias, du Mariensohn, erbarme dich unser!

Maria, du Vielgeliebte Gottes - bitte für uns!


Maria, du selige Wolke in unserer Wehmut -
Maria, du Schleier in der Höhle -
Maria, du Madonna mit Blüte -
Maria, du Jungfrau Königin -
Maria, du sanfter Mond, licht vom Licht der Christussonne -
Maria, du Maid im Rosengarten -
Maria, du unsere Sehnsucht -
Maria, du Trösterin unserer Tränen -
Maria, du Allerlieblichste -
Maria, du Allerschönste -
Maria, du Allersanfteste -
Maria, du Vollendung des Weiblichen -
Maria, du Liebende -
Maria, du glühende Rose -
Maria, du Minne-Dame -
Maria, du feinste zarteste Seele -
Maria, du treueste Freundin -
Maria, du Mutter unseres Geistes -
Maria, du Königin der Musen -
Maria, du Tochter Sion -
Maria, du Trösterin Jerusalem -
Maria, unsere Freude unter Tränen -
Maria, du mit dem warmen Herzen -
Maria, du unsere Weggefährtin -
Maria, du unsere Hilfe -
Maria, du Monstranz des Fleisches Jesu -
Maria, du Becher des Blutes Jesu -
Maria, du Spiegel der Liebe Gottes -
Maria, du Unaussagbare -
Maria, du mit den tausend Titeln -
Maria, du unseres Lebens Liebe -
Maria, du unserer Lieder Inhalt -
Maria, du mit dem Jesusherzen -
Maria, du Morgenstern der schönen Liebe -
Maria, du Lebensbaum von Eden -
Maria, du heiliges Zelt voller Liebe Gottes -
Maria, du blühender Mandelstab -
Maria, du Geheimnisvolle -
Maria, du Gott-Bewohnte -
Maria, du Wundervolle -
Maria, du Allerseligste -
Maria, du Benedeite -
Maria, du Mutter unserer Heimat -
Maria, du Inbegriff der Schönheit -
Maria, du Ja zu uns Sagende -
Maria, du Minnerin Gottes -
Maria, du Weisheitsvolle -
Maria, du linde Trösterin -
Maria, du Maienkönigin -
Maria, du Bettlerfreundin -
Maria, du Kerze unserer Einsamkeit -
Maria, du dornenlose Rose -
Maria, du blaue Blume der Sehnsucht -
Maria, du keuscheste Iris -
Maria, du träumespendende orangene Mohnblüte -
Maria, du Schwester der guten Seelen -
Maria, du Schöne in aller Frauenschönheit -
Maria, du Reine -
Maria, du unsere Herzen Verstehende -
Maria, du Liebkoserin unserer Seelen -
Maria, du Umarmerin -
Maria, du in deine Haare Webende -
Maria, du Köstliche -
Maria, du Süßeste -
Maria, du Holdseligste -
Maria, du nie genug Besungene -
Maria, du Rose unseres Blutes -
Maria, du Schiff des Meeres unserer Heimat -
Maria, du bergende Grotte -
Maria, du Kapelle auf dem Berg -
Maria, du Münder golden Küssende -
Maria, du Erwählerin -
Maria, du Erleuchterin -
Maria, du Erhabene -
Maria, du Madonna mit dem goldnen Granatapfel -
Maria, du Stern der Stille -
Maria, du Mutter der Nacht -
Maria, du Mutter des Schweigens -
Maria, du Stillerin der Stürme der Leidenschaften -
Maria, du Fürstin des inneren Friedens -
Maria, du unsere Schullammyth -
Maria, du Schoschannah Davids -
Maria, du nicht mehr Mitteilbare -
Maria, du Fahne der Liebe Jesu -
Maria, du Hirtin unserer lammgleichen Seelen -
Maria, du Quelle aller Lieblichkeit -
Maria, du wahrer Wein des Trostes -
Maria, du Mutter aller Lebenden -
Maria, du Erbauende -
Maria, du Wohlgeruch -
Maria, du Gesalbte -
Maria, du geschmückte Braut -
Maria, du Verzückende -
Maria, du Herzbeglückende -
Maria, du Meisterin -
Maria, du Tempel Salomos -
Maria, du unser Elfenbeinturm -
Maria, du Lapislazuli des blauen Himmels -
Maria, du Jade des Orients -
Maria, du Fürstin Mahanajims -
Maria, du Meisterin der Kontemplation -
Maria, du Meisterin der Minnemystik -
Maria, du Mutter des Messias -
Maria, du Jüngerin des Messias -
Maria, du Minnerin des Messias -

Bitte für uns!

Um deiner Tochterschaft willen!


Um deiner Mutterschaft willen!
Um deiner Brautschaft willen!

Führe uns zu deinem lieben Sohne!

Messias, du Mariensohn, wir beten dich an!

So sei es.

NAMEN-JESUS-LITANEI

Barmherziger Gott, erbarme dich!

Jesus! feurige Flamme der Liebe - komm!


Jesus! Bräutigam - komm!
Jesus! glühendes Herz - komm!
Jesus! überwältigende Liebe - komm!
Jesus! Gott der himmlischen Hochzeit - komm!
Jesus! sanftestes Lämmlein - komm!
Jesus! Kind deiner lieben geliebten Mutter Maria - komm!
Jesus! einzigartige Wohltat - komm!
Jesus! barmherziger Freund - komm!
Jesus! Liebender, Liebe Erflehender - komm!
Jesus! ewiges Brennen der Liebe Gottes - komm!
Jesus! mystisches Mahl der Vereinigung - komm!
Jesus! wahrer Wein der Wonne - komm!
Jesus! Frucht der überströmenden Glückseligkeit - komm!
Jesus! alle Tränen in Himmelsperlen Wandelnder - komm!
Jesus! Heiler der Herzen - komm!
Jesus! gutmütigste Großmut des Ewigen - komm!
Jesus! du Allerschönster - komm!
Jesus! du Allerverachtetster - komm!
Jesus! Herr des ewigen Lebens - komm!

Barmherziger Gott, erbarme dich. Amen.

NOTRE DAME DE LOURDES

„Wohl den Menschen,


die Kraft finden in Dir,
wenn sie sich zur Wallfahrt rüsten.“
(Psalm 84)

Der Minne innigliches Rosenrot


Erlaubt kein Violett, kein Grün, kein Blau,
Es will nur daß es in der Liebe loht
Und wird ein glühes Weiß, verklärte Frau.

Mir bist du die Madonna von Florenz,


In einem Augenblick vorbeigewandelt,
Noch schöner als das Mädchen aus dem Lenz,
Das so an mir als Schwert der Schmerzen handelt.

Ich träumte eine mystische Geburt,


Da wurde ich der Mutter anvertraut.
O wundervolle Notre Dame de Lourdes,
Du bist mir eine hochzeitliche Braut.

Du bist die Mutter Gottes, die im Schmerz


Dem Mann der Schmerzen ward am Kreuz vermählt.
Seit jener Nacht, da dir durchbohrt das Herz,
Als Braut hast du als Mutter mich erwählt.

Vermähle ich mich mit Maria, dann


Vermähl ich mich mit dem Messias, schau:
Vor meiner Braut bin ich ein Gottesmann,
In ihr bin ich vor Gott wie eine Frau.

Wenn ich Maria voller Schönheit sehe


Und seh der Gottesschönheit Morgenrot,
Dann lieb ich sie und feiere die Ehe
Und werde nicht geschieden durch den Tod.
Maria, o Maria voll Erbarmen,
Gewähre mir des Heiligen Geistes Kuß,
Gewähre mir sein göttliches Umarmen
Und seine Liebe Feuerflammenfluß!

Maria, du Vollkommne, Wunderschöne,


Verbindung mir zum Glauben, der ich glaube,
Gekrönte, gib daß ich dich fürstlich kröne,
Geliebte, Schwester, Freundin, meine Taube!

Vollkommen Schöne du, in der kein Makel,


Die innen schön, der Weisheit gleichgestaltet,
Begegne mir als Zelt und Tabernakel
Und spend das Fleisch, das nimmerdar veraltet.

Ich laß dich nie mehr, o Geliebte, los,


So lang du mich in mir so fest umschließt,
Bis ich zum Christus werde makellos,
Der durch dich mir im Herz als Rose sprießt.

Die Charismen und meines Vaters Gaben


Sie mögen mir die Ebenbildlichkeit
Im Herzen wiedergeben, Gott zu laben,
Der meine Seele wie ein Mädchen freit.

Vollendet findet in Maria statt


Vermählung bei des Lammes Hochzeitsfest,
Des Bräutigams mit seiner Braut, der Stadt,
Er, der im Mahl des Herrn nicht von ihr läßt.

Einst nenn ich Mutter die Gebärerin


Im Schoß des Wassers, Heiligen Geistes Braut,
In dieser dunklen Stunde aber bin
Der Jungfrau ich als einer Braut vertraut.

Die Leidenschaften wollen alle brennen


Wie Öl, das Minnefeuer zu entflammen.
Fast wollt ich Jahwe die Geliebte nennen,
Die wir in der Vereinigung zusammen.

Die unstillbare Sehnsucht ist sehr gut,


Daß einst genießen wir die Gottesschau,
Die Schönheit Gottes, aller Liebe Glut.
Gott lieben, lehrt uns ja die Liebe Frau.

Fast sinnlich lieb ich Jesus, so zu singen,


Ich liebe ihn mit Inbrunst und mit Brennen
Der Eingeweide, möchte ihn verschlingen
Und benedeit das Fleisch des Liebsten nennen.

Wir wurden wachgeküsst von Gott dem Geist,


Auf daß wir treten zu der Himmelstreppe,
Zu der die Heiden Diotima weist,
Da weht der Liebe Herrin weiße Schleppe.

Denn Liebe ist es alles, sublimiert


Wird Frauenliebe zu Marienliebe,
Marienliebe mich zu Jesus führt,
Marienliebe ist schon Jesusliebe.

Bekehrungen sind immer marianisch,


Sagt das Gemüt als Gottes Magd sein Ja
Zum Wort des Höchsten, welches jesuanisch
In der Verkündigung des Herrn ist da.

Maria, Mittlerin des Mittlers, dir


Will ich mich weihen, daß ich Mittler werde
Und so besinge deiner Schönheit Zier
Und Schönheit Gottes, Schöpfers dieser Erde.

O mütterliche Freundin, die in Schmerzen


Erzieht mir meinen Geist, auf daß ich glaube,
Geliebte, Königin in meinem Herzen,
O meine liebe Schwester, meine Taube,

O komm in meiner Seele Brautgemach


Und gebe dich mir ganz, mir ganz zu eigen!
Bereite im Geheimnis meiner Nacht
Das Lager mir in allerreinstem Schweigen!

Umhülle mich mit deinem langen Haar,


Wie dich der Geist einst überschattet hatte,
Umschlinge mich mit Armen wunderbar
Und schlaf mit mir auf Hennablumenmatte!

Kostbarer Zauber jeder Einsamkeit,


Du Geist der Makellosen, führe mich
Ihr nah und näher. Bin ich nah der Maid,
Sind nahe meine Nächsten ihr durch dich.

Geliebter, laß mich sein wie eine Braut,


Mich die Geliebte deines Herzens sein
Und sterben dir, dir anvertraut,
Verströmen meiner Liebe blutigen Wein!

Maria, du der Gottesschönheit Schimmer,


Du bist so schön, weil er dich so geliebt!
Er lebt in Liebesglut zu dir für immer,
Der mir aus meinem Sein die Liebe siebt.

Die schönen Mädchen wecken mein Verlangen


Und wollen mein Verlangen doch nicht stillen.
Drum will ich Gott am schönen Halse hangen
Und betten mich in seiner Liebe Willen.
Drum weih ich meine dunkle Einsamkeit
Der dunklen Königin in ihrer Schöne.
Und bist du einsam, spricht die schönste Maid,
Dann mögen Jesus loben deine Töne.

Maria, weihe ich mich dir, dann weihe


Ich mich der Liebe, der Liebkosung Hauch
Des zarten Geistes, ja und wenn ich schreie
Des Geistes flammendem Verzehren auch.

O Königin des Paradieses du,


O Liebenswürdigste, nimm Liebe an
Vom größten Sünder ohne Seelenruh,
Der in den Flammen deine Schönheit sann.

O Blume Galiläas, schöner Traum,


Fruchtbare Erde, schwarze grüne Erde,
Des Samens Schoß, o Granatapfelbaum
Mit einer Blüte duftender Gebärde,

O Tempel Salomos, o schöner Kelch,


O goldnes Haus vollkommner Architektonik,
Gelobtes Land mit lauter Trostesmilch
Und süßer Liebeszärtlichkeiten Honig!

O Geist, du süßer Kuß der Liebe, zieh


Zu Jesus mich in Liebesüberschwung,
O Jesus, ziehe mein Gemüt durch sie
In die unendliche Vereinigung!

Laß mich dich sehn, besitzen und genießen,


Ich sehne mich nach dir verzehrend heiß,
Vor aller Liebe Erdenparadiesen
Sehn ich mich nach des Himmels Paradeis!

Marie, ich überlass mich deinen Armen,


Ich geb mich deinem heißen Herzen hin!
Ich ruh in deinen Augen voll Erbarmen,
Umhüll im Elend zärtlich meinen Sinn.

O meine Taube, liebevoll geschmiegt


In eines auserwählten Felsens Grotte,
Zu dir mir meine arme Seele fliegt
Und fliegt zu meinem und zu deinem Gotte!

O du bezauberst mich mit Süßigkeit,


Aus deinem Felsen strömt mir Honigseim,
O du betörst mich so mit Trunkenheit,
Aus deinem Felsen strömt mir süßer Wein.

Gemach der schönen Liebe, Brautgemach


Des heiligen Verlöbnisses bist du!
O Braut der Seele! Jubel-Becher! Ach!
Mystische Rose!
- Liebe immerzu!

LIED MEINER SEELE AN GOTT

Geliebter! daran muß ich denken, wie


Ich todesmatt in meinem Blute lag,
Wie ich in meiner Seele Schmerzen schrie
Voller Verlangen nach der Liebe Tag -
Als käm die Liebe nie -
Und da bist du an mir vorbeigeschritten
Und wardst mein Heil, da ich den Tod gelitten.

Und sprachest voller Liebe zu mir da:


Ich seh dich blutig liegen hier im Moose,
Doch du sollst leben, du sollst leben, ja,
Schön werden sollst du, blühn wie eine Rose,
Und siehe, ich bin nah
Und liebe dich mit Liebe je und je -
Ich lieb dich heiß und heftig immermeh!

Geliebter! deine Liebste nennst du mich,


Du Schöner Schöne mich, ich kanns kaum glauben.
Weil du mich liebst, bin ich so schön, und ich
Fühl beben meiner Brüste weiße Tauben
Und flute inniglich
Mit allen seligsüßen Seelenschmerzen
An deine Brust mit deinem Feuerherzen!

Ich gehe auf in dir, ich geb mich hin,


In dir hab ich mich völlig selbst verloren!
Dir geb ich meine Träume, meinen Sinn,
Du schmückst mit schönen Perlen meine Ohren,
Die Nase und das Kinn
Und meinen Mund bedeckst mit Küssen du -
O küss mich, o Geliebter, immerzu!

O mein Geliebter, vor dir bin ich bloß


Und nackt, und du schenkst mir ein Seidenkleid,
Ein feingewirktes buntes, makellos
Scheint meine braune Haut hindurch, geweiht
Durch Küsse endelos
Und hüllst mich ein in deiner Liebe Mantel.
Mein Freund, verspeise mich als eine Mandel!

Viel kann ich dir nicht geben, nur mein Nichts,


Armselig bin ich, doch du machst mich reich.
Ich freue mich im Schimmer deines Lichts
Aus deinen Augen, an Erbarmen reich.
An Tugend mir gebrichts,
Doch du liebst meine Schwächen noch und Fehle
Und nennst mich deine Vielgeliebte Seele!

Du lehrst mich Poesie des Orients,


Daß so mein Herz mir deine Schönheit preist.
Ich will dich lieben, Lilie dein im Lenz,
Die von der Sonne blüht, die um sie kreist,
Der Liebe Feuergeist!
Ich will dich lieben, Sonne! will als Taube
Mit dir liebkosen in der Hennalaube!

Ich will dich lieben, ja, du bist mein Leben,


Dich liebe ich mit jedem meiner Sinne,
Mit lauter Leidenschaft, des Herzens Beben,
Des Leibes Liebe und der Seele Minne
Und sein in Minne inne
All deiner Liebe, will ich in dir sein -
O Seligkeit! - - O süße, süße Pein!

KLEINE KANZONE AN JESUS

Mein Lieber, den ich manchesmal beinahe


Vergesse, aber mit mir ist dein Segen,
Ich danke dir, daß meine Seele sahe
Das Paradies - Ich ging auf Liebeswegen
Der Seligkeit entgegen
Und hab gefühlt der Liebe volle Wonne!
O Gott der Liebe! Ich war wie ein Spiegel
Und schimmerte vom Glanz geliebter Sonne.
Ich sandte aus des Engels schönen Flügel,
Ein tiefgeliebtes Herz so sanft zu kosen.
Ich sahe Edens Blumen, Adams Hügel
Und Eva unter Rosen.
Ich weidete als Sänger blauer Blume
In freudenreicher Liebe Heiligtume.

II

Wie sind wir alle doch so tief gefallen


In Eifersucht und Stolz und Herzenshärte.
Hast du an unsern Herzen Wohlgefallen,
Wenn wir uns wenden zu der Kraft der Erde
Und nicht zum Feuerherde
Himmlischer Liebe? - Unser sind die Tränen,
Die Tränen um die inniglich Erkornen,
Und Menschen zünden unsrer Herzen Sehnen,
Erfüllen unsre Sehnsucht nicht - verlornen
Nachtschatten gleich vergehen wir in Trauer.
O Herr, mein Herz trägt deinen Kranz von Dornen,
Weint deine Tränenschauer!
Ich wollte mich an Frauenliebe weiden -
Gegrüßet seiet mir, o meine Leiden!

III

Mir aber sandtest du die Anmutmilde,


Die Trösterin in meine Nächtetrauer.
Ihr Mund so unaussagbar schön im Bilde
Schmückt, schönen Trost mir spendend, meine Mauer.
O namenloser Schauer -
Als sie gesprochen hat zu meiner Seele:

Du wähltest mich als deiner Minne Dame,


Wohlan denn, heut in dieser Stunde wähle
Ich dich als meinen Bräutigam... Mein Name
Schwebt wie ein Stern auf Flut der Leidenschaften.
Ich senke meine Seligkeit als Same
In deine Eigenschaften.
Lieb mich! Und ruhe in der Todesstunde
(In Jesu Namen) mir an meinem Munde!

MARIEN-MESSE

1. Eingang

Die Glocke bist du, o Maria, klingend,


Dein lieber Sohn schwingt in dir als dein Schwengel,
Du selber bist in großer Liebe schwingend;
Uns rufend, läuten dich zehntausend Engel.

Zur Halle Salomos die Schöne Pforte


Bist du, in deiner Schönheit aufgetan,
O Tor des Tempels, aufgetan dem Worte,
Das wir auf deinem Schoße sitzen sahn.

Das Lebenswasser ruht in dir, o Becken,


Mit Tau des Lebens volle Marmorschale!
Das Wasser soll die Lebensgeister wecken,
Daß wir beseligt treten zu dem Saale.

Wir wollen treten zu dem Gnadenthron


Und herzlich weihen wollen wir die Herzen
Der Muttergottes mit dem Gottessohn
Und zünden darum der Gebete Kerzen.

2. Ich habe gesündigt


Weil Gott der Vater dich geschaffen hat
Von aller Sünde frei, dich Makellose,
Um seines Sohnes willen, goldne Stadt,
Nennt dich dein Bräutigam, der Geist: die Rose!

Weil um des Sohnes willen Gott dich heimgerufen


Ins Himmelreich in nächtlicher Vigilie,
O Himmelskönigin, bist auf den Stufen
Des Himmelreiches aufgeschwebt, du Lilie!

Ich aber habe böslicher Gemeinheit


Mich lästerlichen Lehren zugewendet
Und dich, Immaculata, deine Reinheit,
O holde Himmelskönigin, geschändet.

Wer aber Jesu Christi Mutter schmäht,


Hat Christus selbst gekreuzigt mit Geläster!
Verzeih mir, Liebe Frau, ist mein Gebet,
Und nimm mein Lied an, Taube, Freundin, Schwester!

3. Mutter der Barmherzigkeit

Barmherzigkeit des Vaters, o Messias,


Wend zu uns durch den Vater aller Armen
Die mütterliche Herzlichkeit Marias
Und ihre lieben Blicke voll Erbarmen!

In deinen Mantel der Barmherzigkeit


Hüll ein, Maria, uns, in deinen Schleier!
Verzeihe du uns deines Sohnes Leid
Und führ uns zu des Lammes Hochzeitsfeier!

4. Gloriosa

Erhabene, die überm Sichelmond


In dem Gewande lichter Sonne glänzt,
Die da am Himmel als ein Zeichen thront,
Vom ganzen Sternenfirmament gekränzt,

Erhöhte Magd, o Himmelskönigin,


In Demut neigend dich vor Gottes Sohn,
Zieh uns durch deine höchste Ehre hin
Bis in der Sankta Trinitatis Thron!

5. Lesung von Judith

All deine Schönheit, und mit Silberketten,


Bauchnabelperle, Spangen, Edelsteinen,
Verwandtest du, o Heldin, uns zu retten,
Daß wir nicht mehr an Babels Flüssen weinen.
Du hast, geschmückt mit Diadem und Spange,
Bewaffnet mit der Schärfe deines Schwerts
Das Haupt zerschlagen jener alten Schlange,
Die Gift uns spritzen wollte in das Herz.

Du mehr Gesegnete als alle Frauen,


Du stimmtest an verzückten Lobgesang.
In deiner Schönheit können wir anschauen
Die Schönheit Gottes Ewigkeiten lang!

6. Lesung von Esther

Vom Geist Gesalbte wollen wir dich nennen,


Gesalbt mit edlen Myrrhen, edlen Narden!
Den großen König sehn wir für dich brennen,
Ein Festmahl feiern auch mit dir im Garten!

Mit deiner Schönheit, schön in aller Demut,


Hast du den großen König so betört,
Du batest ihn für der Verbannten Wehmut,
Und gern hat er aus Liebe dich erhört!

Der König gab dir seines Reiches Siegel,


O Mitinhaberin der Königswürde!
O Allerschönste du, der Schönheit Spiegel,
Befreie uns von der Verbannung Bürde!

7. Evangelische Maria

Sei du gegrüßt und freue dich, denn du


Hast Gnade bei dem Ewigen gefunden!
Dich preisen selig alle immerzu,
Weil du geborn den Heiler unsrer Wunden!

Du mehr Gesegnete als alle Frauen,


O komm zu uns, o Mutter unsres Herrn!
Die Morgenröte wollen wir anschauen,
Die da hervorgebracht den Morgenstern!

Gebenedeit ist deines Leibes Frucht,


Den du im Tempel Gott hast dargebracht!
Wir sehn zu dir, die du den Sohn gesucht,
Wenn Gott wir suchen in des Glaubens Nacht!

Lob dir, die Jesus mit der Brust genährt,


Lob mehr noch dir für deinen tiefen Glauben!
Dein Vorbild uns die Jesusliebe lehrt,
O Liebende mit Augen sanft wie Tauben!

Du sagtest auch zu deinen Leiden Ja,


Mitleidende, die unterm Kreuz gestanden!
In Gottverlassenheit der Herr Maria sah -
Die Augen Balsam deiner Liebe fanden!

O Braut, von Geistesfeuer rings umschwungen,


Du Inbegriff der Kirche, in dem Kreis
Der Jünger stehend unter Flammenzungen,
Zurecht singt dir die Kirche Lob und Preis!

8. Wir glauben an den Einen Gott

Des Vaters Tochter bist du, auserwählt,


Von ihm geschaffen, ohne alle Sünde,
Von Gottes Liebe ganz und gar beseelt,
Du Inbegriff von einem Gotteskinde!

Des Sohnes Mutter bist du, auserkoren


Zur Gottgebärerin vor aller Zeit,
Die du als eine Mutter Gott geboren,
Du bliebest alle Zeiten reine Maid!

Des Geistes Braut, in Liebe ihm verbunden,


In dir ist jede Seele eine Braut
Und gibt sich hin dem Heil mit Herzenswunden
Und ist in dir dem Geiste anvertraut!

9. Fürbitte

Für alle, welche traurig sind im Herzen,


Die an der Macht des Todes sehr gelitten,
Für alle Weinenden, du aller Schmerzen
Erbarmungsvolle Mutter, wir dich bitten!

Für alle, die getränkt mit schwarzer Schwermut,


Die einsam in den Ölbaumgarten schritten
Und leerten einen Becher voller Wermut,
O Mutter Christi, wollen wir dich bitten!

Für alle, die da sitzen in der Nacht,


O schöne Königin der Einsamkeit,
Wir bitten dich, die da als Meerstern wacht
Wohl über tränenreichem Herzeleid!

Wir weihen Tränen, Leiden, Einsamkeit,


Angst, Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit und Pein,
Der Seele Schmerzen und des Leibes Leid
Dir, o Madonna! Laß uns nicht allein!

Die Tränen sammle in ein Krüglein du,


Verwandle sie in Perlen für die Pforte! -
Gib unsern aufgescheuchten Seelen Ruh
Mit Einem wundervollen Liebesworte!
10. Unsere Liebe Frau beim Liebesmahl

Der Gottesweisheit Tempel, Tabernakel,


Das uns die Gegenwart des Höchsten birgt,
Wir gleichen dich der Jungfrau ohne Makel,
Die uns mit ihrem Sohne Heil erwirkt.

Vorm Allerheiligsten o schöner Schleier,


Als Königin der Cherubim gepriesen,
Tu auf den Schleier, führe uns zur Feier,
Daß wir das süße Engelsbrot genießen!

Im Reichtum deiner Schönheit, o Monstranz,


Birgst du in deinem Schoß des Vaters Wort.
O Blendende in gloriosem Glanz,
Führ uns zum süßen Lichte fort und fort!

Hingebungsvoller Kelch, der Liebe Becher,


O gebe unsrer Seele Rebenwein
Und gib das Brot uns auch der Mannabäcker,
Laß alles uns bereit zur Wandlung sein.

O Braut des Geistes, seiner Heiligkeit,


O lock und kirre ihn zur Liebeshandlung,
Der zu dem Werk der Liebe gern bereit
Und hebt das Irdische in mystischer Wandlung!

Maria, demutvolle Brotgestalt,


In der des Kosmos Christus sich verbirgt!
O Jesushostie! uns überwallt
Das Herz vor Freude, weil du Heil gewirkt!

Herr, der du Fleisch der Jungfrau angenommen,


Gib du nach deiner gnadenreichen Weise
Den aufgetanen Herzen deiner Frommen
Das süße Fleisch der Heiligkeit zur Speise!

Himmlisches Hochzeitsmahl mit dir, o Lamm,


Begehn wir mit Maria in Gemeinschaft.
All unsre Liebe gilt dem Bräutigam
Und Unsrer Lieben Fraue unsre Freundschaft!

O Gottheit, in Marien Schoß geboren,


Laß Christus auch in uns geboren sein,
Dazu sind in Maria auserkoren
Vom Heiligen Geiste die Geliebten dein!

11. Hirtin Lammesmutter

Wie Rahel du mit deinen schönen Augen


Schaust du als Hirtin unsrer Herzen hin
Auf Leben, ob sie auch zur Liebe taugen,
Denn lammesgleiche Liebe ist dein Sinn.

O Vlies des Gideon, o Mutterschaf,


Das führt die Lämmer zu des Lebens Bronnen,
Ein Engel dich an einem Bronnen traf
Und grüßte dich, o Mutter unsrer Wonnen!

O Mutterschaf, dem lieben Lamm so gleich,


O holde Hirtin, du in deiner Huld,
Erbitt uns, daß das Lamm uns gnadenreich,
Der Hirte uns vergebe alle Schuld!

O Vlies des Gideon, du Unbefleckte,


Lammgleiche Seele, unsres Sieges Zeichen,
In deinem goldnen Vlies der Herr versteckte
Das Sanfteste der Wesen, Ohnegleiche!

12. Dankhymnus und Segen

Die Sanftesten der Tröstungen verdanken


Wir deiner gottverklärten Weiblichkeit,
In deine schleiergleichen Haare sanken
Die wahren Jesusminner allezeit.

Die heiligsten Verzückungen verdanken


Wir deinem gloriosen Königtume,
Du Trost der Heimgesuchten, Herzenskranken,
Du aller Minnesänger Blaue Blume!

Die honigsüße Lieblichkeit verdanken


Wir, Liebe Fraue, deiner Himmelsschöne.
Uns, die wir auf dem Pilgerpfade wanken,
Mit deiner Herrlichkeit der Liebe kröne!

Die innigsten Erleuchtungen verdanken


Wir dir, o Jungfrau-Mutter du der Wahrheit.
Die Abgeirrten, die da zänkisch zanken,
Führ sie zum Lichte deiner Liebesklarheit!

Der schönsten Liebe Hoffnungen verdanken


Wir dir, perfekte Schönheit Jeremias!
Nimm an die Hand uns, daß wir nimmer schwanken,
Und selig sind als Liebende Marias!

Des VATERS Tochter schau barmherzig her,


Des SOHNES Mutter nimm uns an die Brüste,
Des GEISTES Braut tauch uns ins Liebesmeer -

Die Pieta, die unsre Leiden küsste!


AN MARIA

1. An Maria Blachernotissa

Ich schau dich an, o Orans, im Gebete


Mit hohepriesterlich erhobnen Händen.
Das goldene Maphorion dir wehte,
Dein Gürtel golden gürtete die Lenden.

O Hohepriesterin der Seele mein,


Bring im Gebete du als Opfer dar
Was meiner Seele tränenreiche Pein.
Das Kind in deiner Aura offenbar!

Fürsprecherin der Menschenkinder, Maid,


Ich seh dein Kind an deine Brust sich lehnen.
Sprich du zu ihm von meiner Einsamkeit,
Von meiner Liebespein und meinen Tränen.

2. An Maria Platytera

Von deinem Herzen gehen aus die Strahlen


In meine Dunkelheit, der Glanz des Lichtes
Des allgebenedeiten Angesichtes,
Wie Maler weinende Ikonen malen.

Mein Jesus schaut von seiner Bücher Buch,


Schaut von der Totenmaske marmorweiß,
Schaut schmerzensreich von seines Grabes Tuch.
Er litt die Leiden alle, wie ich weiß.

O Platytera, präge du mir ein


Ins Herz das Angesicht des Schmerzensmannes
Und laß mich bergen wie einst dein Johannes
An seinem Herzen meine Herzenspein.

3. An Maria Panhagia

Ganzheilige, derart vor Liebe glühend,


Die Engel übertreffend in der Glut!
In meinen Makeln, meinen Mühen mühend,
Ertrink ich in der Leidenschaften Flut.

O Königin du von Sankt Raphael,


Der einst so hilfreich zu Tobias schaute
Und gab ihm Sara, tropfe er das Öl
Der Tröstungen von dir, du Balsamstaude!

Schutzengelkönigin, erschein, erscheine,


O Stern des Meeres, Sternin über Majim,
Du Lagernde im Lager Mahanajim,
Sag meiner Himmlischen: Ich wein und weine.
4. An Maria Hodegetria

O Wegbereiterin, nimm an die Hand


Den dich Verehrenden, aus Labyrinthen
Des ausweglosen Schicksals laß mich finden
Den Weg der Liebe in des Lebens Land.

Entwirre das Gestrüpp mit seinen Dornen,


Die alle schneidend mir das Herz verwunden.
Liebhaberin des elenden Verlornen,
Du hast ja schon den Weg ins Heil gefunden.

Und weist dein Kind die Rolle seiner Schriften,


O Leuchtende, die Seele mir erleuchte!
Führ meine Seele zu der Weisheit Triften,
Mit deiner Liebe Tau die Lippe feuchte!

5. An Maria Eleusa

Maria allersüßter Zärtlichkeit,


Ich sehe dich mit Liebesüberflüssen,
Maria, allersüßter Herzlichkeit
Dein Kind mit süßen Lippen küssen!

Mit deinen Haaren seh ich dich umweben


Des Kindes liebverklärtes Angesicht,
Seh deine Huld und Grazie umgeben
Das Kind wie balsamgleiches Mondenlicht.

Laß einmal den Geliebten aus den Armen


Und wende mir zu deinen Dattelmund
Und küsse mich mit göttlichem Erbarmen
Und herze mich - Ich bin vor Liebe wund!

6. An Maria Glykophilousa

Dich, Jesus, will ich bitten, dich den Süßen,


Ich seh dich hängen an Marien Mund,
Die allersüßten Dattellippen küssen,
Erhör mich, Herr: Ich bin vor Liebe wund!

Ich seh dich mit den kleinen Händen herzen


Und streichen sanft Marien glühe Wange.
Erhör mich, Herr: Ich bin schon allzulange
Verwundet von der Liebe wehen Schmerzen!

Laß mich an deiner Stelle zärtlich kosen


Die Hand Marien und die Wange streichen,
Laß, Gott! mich küssen ihre Lippenrosen,
Mich küssen ihren Mund, den dattelweichen!
7. An Maria Galaktatrophousa

Ich bin mir eines Wunsches tief bewußt,


Ich wünschte es, als ich geboren ward:
Laß saugen mich an Sankt Marien Brust,
O süßer Menschensohn, du Gott von Art!

Ich will die süße Milch des Trostes saugen,


Die Seele weihen Galaktatrophousen:
Wend zu mir deine liebevollen Augen
Und lege mich an deinen schönen Busen!

Du mögest mich mit Milch der Weisheit nähren,


Die Jesus stillte mit der Milch so süße.
Du mögest mein Begehren nicht verwehren:
An deiner Brust ruh ich im Paradiese!

BEWUNDERUNG DER SCHWANGEREN MADONNA

Ich bin der Josef, aus dem Stamme Davids,


Und meine liebe Fraue ist die Jungfrau
Maria. Sie ist Jungfrau, unberührbar
Und eine Seele voller Zärtlichkeit.
Wie heilig scheint sie mir! Sie glänzt von innen
Vom Glanze ihres lieben Kindes her.
Weil sie so süß von ihrem Kinde ist,
Darum ist sie so süß in meinen Augen,
Darum hat sie ein solches süßes Lächeln.
Warum wies sie der Herbergsvater ab?
Sah er denn nicht, daß sie von Gott so glänzte,
Von Gott in ihr, von ihrem Kind in ihr?
Mir ward es ja im Traume offenbar,
Daß sie von Gott in ihr erleuchtet ward.
Ich sah sie als die Lilie von Scharon,
Ich sah sie als die Rose aus dem Tal.
Die Lieblichste in meinen Augen und
Die Schönste ist sie mir, doch nicht allein
In ihres jadereinen Leibes Holdheit,
Der von der Weisheit Gottes goldgedichtet,
Gebildet einst in Eden, sondern mehr noch
Lieb ich die Holdheit ihrer Seele, die
Berührt in meinem Herzen mich so sehr.
Allein wie sie auf unserm Esel saß!
Als fürchtete die Heilige, dem Esel
Zur Last zu fallen! und wie gerne hätte
Sie unsern armen Esel selbst getragen!
Zwar sagte ich zu ihr: Ein Mensch ist mehr
Als so ein armer Esel wert! Doch ihr
War wie ein kleiner Bruder dieser Esel.
Nur daß das Eselein ihr Kindlein trug,
Das war ihr recht, war ja ihr liebes Kind,
Daß sie im Schoße unterm Herzen trug,
Ihr Ein und Alles und ihr wahrer Gott!
Sie selbst war nur noch dazu da, dem Kinde
In ihrem Herzen Heimat zu bereiten,
Ihm eine Wohnung in ihr selbst zu geben.
Dieweil das Kind in ihrem Schoße war,
Ihr Fleisch und Blut, gab sie sich hin
Dem Kinde. Jeder Tropfen Muttermilch
Ist Liebe für das Kind, und jedes Pochen
Des Herzens ist Bekräftigung der Liebe,
Hingabe an das Kind. Sie war erfüllt
Vom heiligen Geiste grenzenloser Liebe,
Hingabe war sie ganz in Heiligkeit.
Und darum war sie schön. Sie war so schön
Von innen her. Die Schönheit war so groß,
Des innern Menschen Schönheit war so groß,
Daß sie am ganzen schönen Leibe glänzte.
Ich wollt mich weben in die braunen Haare,
Da war wohl eine gute Ruhe finden.
Und küssen wollte ich die schlanken Hände
Und ihre weiche Wange wollt ich küssen,
Und manchmal war mir so, daß ich sehr gern
Mit keuschen Kusses Siegel siegeln wollte
Den Liebesbrief der schönen Rosenlippen.
Maria, meine liebe Frau! wie nannte
Elisabeth dich, deine Freundin doch:
Du Allgebenedeite! mehr gesegnet
Als je gesegnet irgendeine Frau!
Die frommen Menschen preisen Edens Eva,
Weil sie glückselig war, und preisen Sarah,
Weil sie mit hundert Jahren noch gebar,
Rebekka, weil sie Braut des Segens war,
Rahel, die Hirtin mit den holden Augen,
Und Mirjam, die zum Lobe Gottes tanzte
Und sang der Freiheit Lobgesang, und Ruth,
Weil sie Verkörperung der Demut war,
Und Judith, weil sie für die Freiheit kämpfte,
Und Esther, die gesalbte Königin,
Fürbitterin dem Volke in Verbannung,
Und Sulamith, weil sie Geliebte war
Des Liebesfürsten - aber du, Maria,
Vereinigst alle ihre Tugenden
In dir, du unter Frauen Benedeite!
Gebenedeite, weil du schwanger bist
Mit jenem, den wir Jesus nennen werden
Nach dem Gebot des Engels in der Nacht.
Wie gut, daß es die Engel Gottes gibt!
Nicht jedes Wort verstehen wir, Maria,
Bewahren aber jedes Wort im Herzen,
Bewegen aber jedes Wort im Herzen.
Und du bewahrest und bewegst vor allem
Im keuschen Schoße unter deinem Herzen
Den Sohn, den ich nicht zeugte, aber ich
Will deinen Sohn von ganzem Herzen lieben,
Will lieben deinen Sohn und dich, Maria!
Ich sehe nicht den Sohn, doch seh ich den
Gewölbten Bauch der schwangeren Maria.
Du allezeit in meinen Augen Schöne,
Mir immer aller Frauen Schönste du,
Der keine Frau es jemals wagen durfte
Dir sich in Huld und Anmut zu vergleichen,
Da hätten selbst die Lieblichsten verloren,
Du übertriffst die eigne Schönheit nun
Durch deine gottverklärte Schönheit, die
Du über alles Menschenmaß hinaus
Glorifiziert bist durch die Schwangerschaft!
Fast meine ich, Gott selbst auf deinem Antlitz
Zu schaun! Als trügest du den schönen Schmuck
Des Kosmos, so als wären die Sandalen
Geflochten dir aus lichtem Mondensilber,
Als wär dein goldner Schleier dir gewoben
Aus Sonnenlicht, als trügest du als Ohrring
Den Morgenstern der Venus! O Maria,
In dir ist mir des Himmels Schönheit schon
Auf dieser Erde Welt begegnet! Nun
Bist du in guter Hoffnung, Vielgeliebte,
Und in die Grotte ziehn wir uns zurück,
Ins warme Heu und zu den guten Tieren.
Du willst das Gotteskind gebären, Jungfrau,
Und dieses Kind willst du mir anvertrauen.
Nichts will ich lieber, als dein Kind zu lieben
Von ganzem Herzen, ja, und wenn ich könnte,
Will lieben ich dein Kind wie du es liebst!
Maria, wundervolle Liebende!
Erreich ich solche Liebe, o Maria,
Beschenkt mit solcher absoluten Liebe
Wie du, o Frau, dann kann ich wohl in Frieden
Heimgehen zu den Heiligen und Gott!
Nur dieses eine will ich mir erbitten,
O Herzenskönigin, o liebe Frau,
Dies eine bitten: Daß ich sterben darf
Im Frieden Gottes unter deinen Blicken,
Den seligen, unendlich liebevollen,
Denn dann ist nahe mir die Schönheit Gottes.

IM STEHEN GESUNGENE HYMNE DES ORIENTS AN MARIA

Ave, das Heil aus dir hervorgeleuchtet,


Ave, du schickst das Unheil in die Nacht,
Ave, du Evas Trost, von Leid befeuchtet,
Ave, die Adam Hoffnung neu gebracht,
Ave, hoch über menschlichen Verstand,
Ave, ein jeder Himmlischer dir huldet,
Ave, des Friedensfürsten Thron und Land,
Ave, du trugest den, der alles duldet,

Ave, du Morgenröte vor der Sonne,


Ave, der Logos kommt aus deinem Schoß,
Ave, Erneuerin der Schöpfungswonne,
Ave, in dir der Schöpfer grenzenlos,

Ave, die Weisheit traut sich deinem Sinn,


Ave, Vertrauende mit schönem Schweigen,
Ave, der Wunder Jesu Anbeginn,
Ave, du Inbegriff von Jesu Zeugen,

Ave, von Gott begangne Himmelsleiter,


Ave, vom Himmelreich zum Erdengrunde,
Ave, von dir die Engel singen heiter,
Ave, der Widersacher Todeswunde,

Ave, empfangen hast du keusch das Licht,


Ave, der Vorgang ward uns nicht gelehrt,
Ave, der Weisen Weisheit fasst dich nicht,
Ave, die Glauben Gläubigen vermehrt,

Ave, du Blüte grünen Davidsstammes,


Ave, Gott wollte reife Frucht dir geben,
Ave, Milchmutter du des lieben Lammes,
Ave, des Lebens Mutter, unser Leben,

Ave, du gnadenvolles holdes Weib,


Ave, du der Versöhnung Segensfülle,
Ave, du Stärkung für den schwachen Leib,
Ave, du armer Seele Hut und Hülle,

Ave, des Lobes weihevolles Schallen,


Ave, des Universums Seelenruh,
Ave, Gott fand an dir sein Wohlgefallen,
Ave, Fürbitterin bei Gott bist du,

Ave, des Hirten Mutter lammesmild,


Ave, du Lämmerweide, blaue Blum,
Ave, vor Widersachern Schutz und Schild,
Ave, des Paradieses Heiligtum,

Ave, Frohlocken aller Ewigkeit,


Ave, der Kreaturen höchstes Gut,
Ave, du der Apostel Mündigkeit,
Ave, der Marterzeugen Glaubensmut,

Ave, des wahren Glaubens fester Halt,


Ave, du Gnadenoffenbarung prächtig,
Ave, die du zertrittst den Drachen bald,
Ave, zu festem Glauben uns ermächtig,

Ave, des Morgensternes Mutterhaus,


Ave, der mystischen Union Wegweisung,
Ave, des Irrtums Brandpfeil löschst du aus,
Ave, die Trinität ist in dir Speisung,

Ave, du haßt unmenschliche Gewalt,


Ave, des Menschenfreundes Mutterschoß,
Ave, zerstör der Götzen Steingestalt,
Ave, lös uns von Haß und Zwietracht los,

Ave, der Sternverehrung weises Ende,


Ave, Begierbesessener Befreiung,
Ave, zur Weisheit führen deine Hände,
Ave, du jeder Kreatur Erfreuung,

Ave, Erneuerin der Menschenwürde,


Ave, Verführer hast du nicht geschont,
Ave, Befreierin von Stock und Bürde,
Ave, Vergötterte hast du entthront,

Ave, du Rotes Meer zu Juda’s Heile,


Ave, du Fels, die Pilgernden zu tränken,
Ave, Umnachteten die Flammensäule,
Ave, Schutzmantel vor der Drangsal Drängen,

Ave, du Mannabaum weit wipfelkronig,


Ave, du Süßigkeit der wahren Speisung,
Ave, gelobtes Land von Milch und Honig,
Ave, du Wein im Lande der Verheißung,

Ave, du Blüte ewiger Natur,


Ave, Friedfertigen bringst du den Sieg,
Ave, der Auferstehung lichte Spur,
Ave, die Engeln gleich im Lichte schwieg,

Ave, du Granatapfelbaumes Labe,


Ave, du Schutz und Schirm mit deinem Laube,
Ave, Unfreien wahrer Freiheit Gabe,
Ave, Wegweisung ist dein tiefer Glaube,

Ave, ehrfürchtig stehst du vor dem Richter,


Ave, vor ihm der Beistand unsrer Sünden,
Ave, Madonna heimatlosem Dichter,
Ave, dein Lieben übergroß wir finden,

Ave, unfaßbar großen Gottes Raum,


Ave, geheimnisvolles Tor und Hymen,
Ave, du Wahrheit und du schöner Traum,
Ave, den Gläubigen der Grund zum Rühmen,

Ave, Gefäß des Herrn der Cherubim,


Ave, du Jungfrau von dem Geist verschönt,
Ave, Gefährt des Herrn der Seraphim,
Ave, die Unversöhnliches versöhnt,

Ave, Vergänglichkeit du unsrer Schuld,


Ave, zu Jesu Himmelreich der Schlüssel,
Ave, du nährst die Hoffnung auf die Huld,
Ave, der Mannaspeise goldne Schüssel,

Ave, der Weisheit Tempel voller Glänzen,


Ave, der ewigen Vorsehung Haus,
Ave, führ Philosophen an die Grenzen,
Ave, kein Wissensforscher forscht dich aus,

Ave, gelehrter Streiter Finsternis,


Ave, du Untergang der Mythologen,
Ave, spitzfindiger Ideen Verriß,
Ave, du reicher Fischfang in den Wogen,

Ave, aus dunklem Abgrund führst du steil,


Ave, Erkenntnis willst du uns bereiten,
Ave, du Arche, die da fährt zum Heil,
Ave, du Ruhehafen nach den Leiden,

Ave, der Herzensreinheit Jadepfeiler,


Ave, zum Heile du das Tor aus Jade,
Ave, du Mutter unserm Seelenheiler,
Ave, dem Menschengeiste gibst du Gnade,

Ave, du Überzeugerin Betrogner,


Ave, Entgeisterte Begeisternde,
Ave, du wahrer Untergang Verlogner,
Ave, du lauter Übermeisternde,

Ave, du der Verlobung Brautgemach,


(Ave, Vermählungs-Ja der Liebe deutlich),
Ave, du Jungfrau voller Keuschheit, ach,
Ave, Geleiterin der Seelen bräutlich,

Ave, der Sonne rosenrote Kammer,


Ave, du Morgenstern der Glorie voll,
Ave, du Wetterwolke, Donnerhammer,
Ave, es flieht der Feind vor deinem Groll,

Ave, du Quell der himmlischen Erleuchtung,


Ave, du Quell des Trankes hier wie dort,
Ave, der Taufe heilende Befeuchtung,
Ave, den Sündenmakel nimmst du fort,
Ave, Gewissenspurgatorium,
Ave, du unsers Jubels voller Becher,
Ave, mystische Rose, blaue Blum,
Ave, du Inbrunst aller Söhne Levi,

Ave, Sophia im verschlossnen Hain,


Ave, ganzheilige Gebieterin,
Ave, vom Heiligen Geist verklärter Schrein,
Ave, du Quell für unsers Lebens Sinn,

Ave, du aller Gotteslober Kranz,


Ave, Verklärerin von Levis Trauer,
Ave, Ecclesia ist in dir ganz,
Ave, des Himmelreiches Jaspismauer,

Ave, der Offenbarung Zeichen, Weib,


Ave, du Untergang für Feind und Fehle,
Ave, Glorifizierung meinem Leib,
Ave, geliebte Braut du meiner Seele!

WEIHE EVELINS AN DAS MAKELLOSE HERZ MARIENS

Komm, Geist, o ewige Freude! All mein Sehnen


Geht nach dem Unerreichbarn, du mein Leben!
Komm du, o Tröstung meiner Seelentränen,
Ich will dir alle meine Sehnsucht geben!

Die Mutter spricht: Ich liebe dich mit Liebe,


Wie für ihr Kind sie ihre Mutter hat.
Ich führe dich zur wundervollen Liebe,
So wirst du von des Schöpfers Liebe satt!

Du sagst, Gott läßt die Reichen leer ausgehen,


Mein Schatz allein sei deines Leibes Frucht.
Ich weih dir all mein Wirken, Stehn und Gehen,
Ich hab nicht Güter - Gutes nur gesucht!

Nicht stolz, o Ewiger, ist mir mein Herz,


Hochmütig blicken meine Augen nicht.
Ich treibe nicht mit Dingen meinen Scherz,
Die hoch und heilig wie dein Angesicht!
Ich ließ die Seele ruhig sein und still,
Wie an die Mutter anschmiegt sich ein Kind;
Ja, Mutter, wie ein kleines Baby will
Mein Herz ganz still sein, daß ich Ruhe find.

O Geist, so süß bist du wie Honigwaben,


Süßer als Zucker und als Schokolade...
Ich sehne mich nach deinen Liebesgaben,
Will schlafen in den Armen deiner Gnade!

Maria spricht: Erwecke du dein Herz


Für Gottes Liebe! Schaue die Natur,
Wie die Natur ein Trost ist für den Schmerz,
Dann findest Gott du auf der grünen Flur!

In dir find ich zu Reinheit, Einfachheit


Und Tiefe der natürlichen Empfindung.
Das Innere, den Leib hab ich geweiht,
Die Phantasie und jegliche Erfindung.

Von innen, innen kommt der Seele Reinheit;


Maria war so rein wie eine Kleine,
Hingebungsvoll und ferne der Gemeinheit,
An Transparenz so gleich dem Mondenscheine.

Ihr Mahl besaß Geschmack von Gottes Güte,


Ein jeder Tropfen floß von Liebe über.
Gott selber atmete ihr im Geblüte,
Von Stund zu Stunde hatte sie ihn lieber.

Marienherz, ich weih dir meine Sinne,


Daß sie erleuchtet werden von der Sonne
Der Liebe, von dem Licht der Gottesminne,
Daß sie mir dienen zu der Seele Wonne!

Maria spricht: Heut möchte ich dich bitten,


Barmherzigkeit zu haben und Erbarmen
Zu allen Menschenbrüdern, die da litten,
Und allen Menschenschwestern, allen Armen.

Bist du barmherzig, flieht von dir die Wehmut;


Was du den Brüdern tust, tu es mit Freude
Und tu es mit der gottgeliebten Demut,
Dann bin ich mit dir, allezeit wie heute.

10

Maria, arme, demutvolle Magd,


An Hoffnung auf die Ewigkeit so reich,
Die jedes Blickes du auf dich entsagt,
O Reine, mach mich deiner Demut gleich!

Ich weihe die Gedanken dir, die schönen,


Gott sagen kann ja nie der Menschen Dichten,
Du mögest mich mit deiner Weisheit krönen
Und mich in deiner Sanftmut unterrichten!

11

Durch dich, o Gott, die weißen Wolken wogen,


Durch dich die Sterne glänzen, Blumen blühn,
Durch dich die Lüfte wie mit Flügeln flogen
Und bringt die Mutter Erde vor das Grün.

12

Maria, Mutter der Barmherzigkeit,


Verzeihe mir, wo ich den Weg verfehle,
Verzeihe mir in deiner Zärtlichkeit,
Wo gegen Liebe sündigt meine Seele.

Ich weih die Menschen, denen ich verbunden,


Beziehungen der Liebe will ich leben.
Ich hab, daß Geben selig ist, gefunden
Und seliger als Nehmen: Ich will geben.

Ich möcht in der Familie Eintracht stiften


Und voller Zärtlichkeit die Bande knüpfen.
Ich will den Schleier vor der Liebe lüften
Und niemals aus der Liebe Arm entschlüpfen.

13

O Liebe, Liebe! zeig des Lebens Pfade


Zu einem wunderschönen Aufenthalt,
Spend mir den süßen Morgentau der Gnade,
Getropft von deiner göttlichen Gestalt!

Durch dich, o Liebe, reift des Lebens Saat


Und Früchte an dem Baum des Lebens reifen,
Der Honig strömt in deinem Bienenstaat
Und Wonnen an die keusche Blüte streifen.

14
Maria, du geheimnisvoller Garten,
Ich öffne dir zu meinem Herz die Pforte.
Ich will dich als die Himmlische erwarten,
Göttliche Mutter mit dem Gottesworte!

15

Die Güte und die Treue sehn sich wieder


Und die Gerechtigkeit den Frieden küsst.
Gerechtigkeit schaut sanft vom Himmel nieder
Und Treue aus der Mutter Erde sprießt.

16

Geliebtes Kind! so spricht das Herz Marias,


Mein mütterliches Herz ist heute froh,
Denn schenken will ich heut dir den Messias,
So liebe du ihn sehr! Ich lieb dich so!

17

Die Liebe ist so gütig, voll Geduld,


Sie ist nicht stolz, ist ohne Wut und Zorn.
Sie freut sich an der Wahrheit und der Huld
Und ist des endelosen Lebens Born.

18

Ich weihe dir, Maria, meinen Leib,


Mein Herz und alle meine Lebenstriebe,
Daß ich ein Segen werde, Liebes Weib,
Und Haß erwidere mit sanfter Liebe!

19

Maria spricht in Bosnien hienieden:


Mein Kind, bet immerwährendes Gebet
Und lebe in der Liebe und im Frieden,
Daß deine Seele Liebe, Frieden sät!

20

Maria spricht: Mein Kind, du liebe linde


Geliebte Tochter, du bist ein Geschenk!
Die Zärtlichkeit von meinem Jesuskinde
Sei mit dir, freudevoll dich an ihn häng!

21

Der Sohn hat sich mit jedem Mensch vereint,


Als er im Schoß Mariens ward geboren,
Mit jedem Kinde, das da traurig weint,
Mit jedem Armen, in der Welt verloren.

Nimmt jemand auf ein armes kleines Kind,


Der nimmt den Sohn des Höchsten in sein Haus.
In Kindern geht er wie im Baum der Wind,
In seinen kleinsten Brüdern ein und aus.

22

Ich weihe dir, Maria, jeden Schoß


Und weih dir alle Mütter dieser Erde,
Du Neue Eva, rein und makellos,
Und jedes Ungeborne, daß es werde.

23

Gott heilet die gebrochnen Herzen gerne,


Die schmerzensreichen Wunden er verbindet.
Er ruft mit Namen die Millionen Sterne
Und alles man in seiner Weisheit findet.

Den Himmel läßt er lächeln süß im Maien


Und im November läßt er Regen fließen,
Er gibt den Vögelein, wonach sie schreien,
Und läßt die Blumen in dem Garten sprießen.

Wie Wolle spendet er des Winters Flocken,


Er läßt den Reif wie weiße Asche nieseln,
Das Eis wirft er herab in harten Brocken,
Er schmilzt den Schnee und läßt die Bäche rieseln.

24

O Gott, besuch das Herz der Kinder dein,


Du Lebensbrunnen, Liebe, Licht und Glut,
Du bist der Tröster aller Seelenpein,
Der Seele Salböl und das höchste Gut!

25

Maria redet: Ohne Liebe kann


Dein Herz den Lebensschöpfer nimmer finden.
Doch liebe deinen Schöpfer, Tochter, dann
Wirst Gott du auch in allen Menschen finden.

26

Wohltätig guter Geist, der Menschen Licht,


Befrei vom Todesdunkel mein Gemüte,
Gieß Freudensalböl auf mein Angesicht
Und komm in mein Gemüt mit deiner Güte!
27

Maria spricht: Mein Kind, gib mir die Hand,


Tu auf mir deines Herzens Rosenpforte,
Ich will dich führen in des Friedens Land
Und zur Glückseligkeit am Freudenorte!

28

Himmlische Mutter, alles weih ich dir,


Was innen nach Vereinigung mir dürstet,
Ich will die Ehe mit dem Schöpfer hier,
Der dich zu seiner Liebe Braut gefürstet!

Hingabe einem Göttlichen Gemahl,


In dir, o Herrin, ist es was Gesundes,
Umfängt er mich im innern Herzenssaal
Und küsst mich mit den Küssen seines Mundes!

29

Die du den Ewigen bezaubertest,


Mit deiner Demut hast du ihn betört!
O Turteltaube du im Felsennest,
Um deine Liebe willen Gott erhört!

30

Wie auf dem grünen Libanongebirge


Wuchs ich empor als Königin der Bäume,
Bei Zeder, Palme, Buche, Eiche, Birke
Streckt ich die grüne Krone in die Räume.

Wie Ölbaum und wie Oleanderstrauch


Bin ich erblüht im alten Jericho.
Ich war die blühende Geliebte auch
Des weisheitsvollen Königs Salomo.

Ja, ich bin schwarz und schön, so schwarz wie Onyx


Und bin der süßte Wohlgeruch der Welt,
Wie Weihrauch dufte ich, wie süßes Onych,
Wie blauer Rauch im Offenbarungszelt.

Ich breite mich wie eine Terebinthe


Und wie ein Weinstock treib ich schöne Ranken.
Ich grün und blüh wie Thymian und Minthe,
Man kann mich sehn als blaue Blume schwanken...

In meinem Laube weithin wipfelkronig


Der Granatapfel aus dem Paradies.
Ich tropfe Tropfen süß wie Wabenhonig,
Ja ich bin süßer als der Honig süß!

31

O Herz Mariens, übervoll von Güte,


Erweis mir deiner tiefen Liebe Flammen!
Präg deine Liebe ein in mein Gemüte,
Wir wollen Liebe leben, wir zusammen!

Dein mütterliches Herz so reich und rein


Befreie mich von aller Seelenkrankheit.
(Laß mich ein Abbild deiner Schönheit sein,
Der Schönheit deiner seelenvollen Schlankheit.)

32

Du bist so schön, Maria, Wunderschöne,


Gott ist in deine Schönheit so verliebt!
Du Mutter wunderschöner Liebe, kröne
Mein Herz mit Liebe, wenn mein Herz betrübt.

O Spiegel du der engelhaften Reinheit,


An der mein Auge mit Begeistrung hängt,
Eintauchen laß mich in der Liebe Einheit!
Ich weihe dir mein Herz uneingeschränkt!

33

In ihr, der Weisheit, ist ein reiner Geist,


Der zart und unverletzlich, makellos,
Der alldurchdringend licht im Kosmos kreist
Und hegt die Summe der Natur im Schoß,

Ein Geist, der jeden Menschengeist durchdringt,


Wohltätig, menschenfreundlich, Gutes schätzend,
Von Stern zu Stern er sich im Weltall schwingt
Und ist wie Honig und wie Milch ergötzend.

O Weisheit, Griechen nennen dich Sophia,


Du trägst den Mond als Schmuck an deinem Hals!
Die Tierkreiszeichen kränzen dich, Maria,
Im Kleid der Sonne, Königin des Alls!

34

Seh ich den Himmel, deiner Hände Werk,


Die Sterne, die du uns zum Zeichen gibst:
Was ist der Mensch vor dir, der kleine Zwerg,
Was ist das Menschenkind, daß du es liebst?

35
Mit deinem, Gott, unendlichem Erbarmen
Bist du in meine Seele eingetreten,
Umhülltest du mein Herz mit deinen Armen,
Bereitetest in mir den Garten Eden,

Schufst meine Seele mir zum Tempel um,


Hälst meinen Namen wert wie weiße Jade,
Lebst in mir, ewiges Mysterium,
Und ich verliere mich in Gottes Gnade.

36

O Beistand, Geist, du Vater aller Armen,


Du Tröster der Betrübten, Gott, entzünde
Die Liebe du in mir durch dein Erbarmen,
Mach mich zur Liebenden, zum Gotteskinde!

Du bist das Feuer, Feuer mir entflamm,


Der Liebe Sehnsuchtsglut nach ewiger Einheit!
Du Liebestaube und du sanftes Lamm,
Mein Lebenswandel sei ein Weg der Reinheit!

Mich heilige durch Liebe und mich leit


Durch deine Weisheit, ewige Sophia!
Hilf mir, unendliche Barmherzigkeit,
Die du im Schoß gewesen der Maria!

37

Schatzkammer meines Herzens möge spenden


Das stille Schweigen und das gute Wort.
Nicht zu den lästerlichen Reden wenden
Will ich mich, sondern lieben fort und fort.

38

O Unsre Liebe Frau des Schreckens, dir


Weih alle meine Angst ich, Schmerzensmutter,
Ich weih dir jeden kleinen Tod in mir
Und Mutter mein und Vater mein und Bruder!

39

Ich bin kein Mensch mehr, ach ich bin ein Wurm,
Verachtet und des Pöbelhaufens Spott,
Mich bricht das Leid wie einen Ast der Sturm,
Sie höhnen mich. Du steh mir bei, mein Gott!

Du zogest mich aus meiner Mutter Schoß,


Du bargest mich an meiner Mutter Brust,
Von Mutterleib bist du mein Gott. So groß
Bist du, das habe immer ich gewußt.
40

Maria singt: Es jubelt mir mein Geist,


Denn Gott hat meine Demut angeschaut,
Der gern die Demutsvollen unterweist,
Die Stolzen aber von den Thronen haut!

Die Hungernden will er mit Brot beschenken,


Er ist das Brot des Lebens, und ich schwör:
Er wird die stolzen Reichen auch bedenken,
Denn ein Kamel geht nicht durchs Nadelöhr!

41

O Mutter du der Schönen Liebe, weihen


Will ich dir alle Einsamkeit in mir!
Wo ich nicht liebte, möge Gott verzeihen,
In Einsamkeit sei deine Liebe hier!

42

Zur Hochzeit ruft das gottverklärte Lamm,


Der mich in meiner Menschheit angeschaut.
Er ist die Liebe Gottes, Bräutigam,
Und ich bin seine schöngeschmückte Braut!

43

O lieber Jesus, steh uns bei, auf daß


Die Menschen sich in wahrer Liebe üben,
Nie mehr soll unter Menschen sein der Haß,
Zeig deine Liebe uns, daß wir dich lieben!

44

O Königin der Herzensköniginnen,


In uns ist ja der wahren Liebe Reich,
Der wahren Liebe Reich ist innen, innen,
Mach uns, Maria, deiner Liebe gleich!

45

Du lieferst uns dem Liebeswerben aus


In dem verborgenen, verschloßnen Garten.
Der Wind der Liebe durch den Garten saus,
Wo unter Rosen wir den Gott erwarten!

Vereinigen mit deinem Herzen möge


Mein Herz sich, daß der Garten mir erblüht,
Daß Gottes Liebe wandelt Blumenwege
Im Ihm entgegenblühenden Gemüt!
46

Maria, Gottumarmte, sanfte Taube,


Ich weihe meine Seele deinem Schweigen,
Die ich an Schönheit goldnen Schweigens glaube,
Daß ich in Stille werde Gott zu eigen.

47

Wenn unser Elend tiefer uns erfasst


In Ohnmacht oder Mangel, wehem Sehnen,
Wenn uns die Welt verachtet oder hasst,
Trostloser Tränen schaun wir, heißer Tränen

Zur Mutter auf, die annimmt sich der Kleinen,


Wie jede Mutter sich erbarmet ja,
Sieht sie das heißgeliebte Kindlein weinen.
Maria spricht: Du leidest? Ich bin da!

48

Ich weih mich deinem makellosen Herzen,


Maria, Trösterin der tief Betrübten,
Du Braut des Trösters, siehe meine Schmerzen!
Hilf mir! auch ich will trösten die Betrübten!

49

O Geist des Trostes, mir mein Herz erneuer


Mit süßem Trost, den nimmer Worte nennen,
Den nimmer Menschen kennen! Send dein Feuer
Der Liebe, laß auch mich in Liebe brennen!

50

Du bist der Schönste aller Menschensöhne,


Auf deinen Mund ist Anmut ausgegossen.
Gerechtigkeit dein Reich des Friedens kröne,
Wenn Gunst und Gnade aus der Erde sprossen.

Dein Thron, du Göttlicher, er steht für immer,


Gerechtigkeit und Recht sind aufgesprossen.
Gott salbte dich mit Freudenöles Schimmer
Wie keinen deiner Jünger und Genossen.

Von Myrrhe, Aloe und braunem Zimt


Süß duften deine herrlichen Gewänder.
Dein Lockenhaar in lauter Salböl schwimmt,
Dich ehrt der fromme Weihrauch aller Länder.

Im Elfenbeinpalast erfreut die Leier


Den König und das goldne Saitenspiel.
Prinzessinnen auf deiner Hochzeitsfeier
Beschenken deine Königin mit viel.

Die Braut im Schmuck des Goldes Afrikas


Und Asiens steht schön an deiner Seite.
Als Schönste steht sie vor dem Spiegelglas,
Zurecht bewundern ihren Ruhm die Leute.

Geliebte Tochter, neige du dein Ohr,


Vergiß was Vater dir und Mutter sagten,
Weil deine Schönheit heut der Fürst erkor,
Den alle um der Weisheit Gabe fragten.

Der König aller Welt hat ein Verlangen,


Du Allerlieblichste, nach deiner Schöne.
Er sehnt sich, deiner Schönheit goldnes Prangen
Mit göttergleicher Liebe zu bekrönen.

Die wunderschönen Töchter Griechenlands


Beschenken dich mit ihrer Inseln Gaben
Und Asien setzt einen Myrtenkranz
Dir auf, die alle dich bewundert haben.

Prinzessin Gottes, himmlisch du geschmückt


Mit Mondstein, Lapislazuli und Jade.
Der Gott der Liebe hat dich angeblickt,
In seinem trunknen Liebesblick dich bade!

Der Architekt des Himmlischen Palastes


Dich nimmermehr aus seiner Liebe läßt!
Im Kleid der Seide und des Sandelbastes
Führt Jesus dich zu seinem Hochzeitsfest!

DIE FEIER DER HEILIGEN WEIHNACHT

In Sankt Sophia steht ein Sängerknabe,


Ihm träumte in der Nacht ein schöner Traum:
Die Reine gab ihm seines Sanges Gabe,
Die sie gekrönt war mit dem Sphärenraum.

Sie legte ihm in seinen Mund die Rolle,


Die bitter war, doch ward wie Honig süß.
Da hob er an und sang die Gnadenvolle
Und wie ihr Sohn erschloß das Paradies!

II
Heiliger Bischof Nikolaus, der du
Nun wohnest in dem Paradies der Freude,
Führ du mein Schiff des Lebens in die Ruh
Und schenk den Sohn den Hütten armer Leute!

Schau du von hoher himmlischer Arkade


Herab auf den, der singt die Weihnachtsfeier.
O Hirte, auf die Harmonie der Gnade
Und tiefen Liebe stimme seine Leier.

III

Des Guten Hirten Mutter, ganzvollkommen


Und überheilig, will ich heute feiern:
Die Menorah, der sieben Kerzen glommen,
Die Schechinah in sieben Wolkenschleiern,

Die Arche für die Menschen und die Tiere,


In deren Schoß geborgen der Gerechte,
Des Manna Jade-Becher reiner Ziere,
Des Geistes Flammensäule tiefer Nächte,

Die Zuflucht aller, welche Jesus suchen,


Gebärerin dem Gott-gezeugten Worte!
Gesegnet alle, die ihr nimmer fluchen,
Die benedeien sie als Himmelspforte!

Du edelsteinverherrlichter Palast
Des Wortes, bergend Gottes Kronjuwele,
Nimm meine Seele auf als deinen Gast
Und führe in den Himmel meine Seele!

IV

O Bethlehem in Juda, kleiner Ort,


Da Rahel Tränen tropften auf die Lippe,
Empfange du das fleischgewordne Wort
Und leg den Gott der Sphären in die Krippe!

O Bethlehem, du Kleinste von den Städten


Im ganzen Israel, gelegen still,
In deinem Schoße das verschlossne Eden
Ein Kind - der Sinn des Lebens - öffnen will!

Bereite, Bethlehem, der Höhle Raum,


O Ephrata, da dich die Jungfrau sucht.
Erschließ dich, Eden mit dem Lebensbaum,
Du Freudengarten mit der Lebensfrucht!

Aus einer Jungfrau makelloser Seele


Als einem Paradies des Geistes sprießt
Der Lebensbaum! In innerlichster Höhle
Der Mensch des Paradieses Frucht genießt!

O göttliche, o göttliche, o Frucht,


Die du die Speise meines Herzens bist,
Im Jungfraunschoß hab ich dich aufgesucht,
Unsterblichkeits-Arznei, o Jesu Christ!

VI

Ewige Weisheit, aller Weisen Braut,


Jetzt naht Sie selber, über alles Hoffen!
Und was im Geiste der Prophet geschaut:
Das Tor der Himmelsherrlichkeit steht offen!

O Gnade in der Jungfrau ohne Makel,


O in Vollkommenheiliger die Wahrheit!
Ende geheimnisträchtiger Orakel
Ist nah: Das Wort erscheint in milder Klarheit!

Laß tönen, Adam, deinen Jubelruf,


Streck dich zur Frucht des Lebens wie Giraffen:
Nah ist der Schöpfer, der das All erschuf,
Er ließ im Schoß der Jungfrau sich erschaffen!

VII

Jesaja, der du Gottes Wort empfangen,


Der Jungfrau künde, die sich keusch entsetzte:
Der Dornbusch ist im Feuer nicht vergangen,
Der Gottheit Glanz Maria nicht verletzte!

VIII

Der Wüstenwanderern das Manna schenkt


Und Wasser aus dem Felsen strömen läßt,
Wird von der Mutter mit der Milch getränkt,
Die Brust der Jungfrau ihm die Lippen näßt.

Der Bräutigam der Braut Ecclesia


Ruft Magier, die auf Kamelen traben,
Das Morgenland wallfahrt nach Ephrata,
Sterndeuter opfern Jesus ihre Gaben.

IX

Entfleuchen soll die Schwermut und die Trauer,


Die mein Gemüt mit bitterm Wermut nährt!
Gesunken ist in heilger Nacht die Mauer,
Der Engel wich mit seinem Flammenschwert!
Frohlocken will ich mit den Engeln süß,
Denn Gott verwirklichte den schönsten Traum:
Die Pforte tat sich auf zum Paradies,
Die Lebensfrucht hangt da am Lebensbaum!

O Gottes Sohn, was sollen wir Dir bringen,


Was bringen unserm Schöpfer, unserm Herrn?
Die Engel bringen Dir ihr Lobpreissingen,
Die Sphären einen neugeschaffnen Stern,

Die Weisen Weihrauch, Myrrhe und Juwele,


Ihr Kinderstaunen Dir der Hirten Sippe,
Die Erde bringt Dir eine Felsenhöhle,
Die dunkle Höhle bringt Dir eine Krippe.

Ich hab kein Gold, ich habe nicht mal Rosen,


Doch Liebe für den göttlichen Messias -
Ich bringe Dir das Herz der Makellosen,
Bring Dir das makellose Herz Marias!

XI

In Windeln liegest Du gewickelt, Sohn,


Die Magier des Morgens bringen Salben.
Ich sehe Dich in Leichentüchern schon
Und sehe Magdalena schon Dich salben.

XII

Du kamst, des Fluches Fessel aufzuknoten,


In welcher Adam lange lag gebunden.
Du Leben aller Lebenden und Toten,
In Dir hat Eva wieder Heil gefunden.

Die Schlange, welche Eva einst getäuscht,


Sah Eva heute wieder stehn in Eden:
Des Lebens Mutter, von dem Geist verkeuscht,
Hat heut der alten Schlange Hals zertreten!

Die Jungfrau, welche ungehorsam war,


War in der Magd gehorsam Gottes Wort.
O Neue Eva in dem Schleierhaar!
O meines Heiles mütterlicher Hort!

XIII

Weil alle Himmel aller Himmel nicht


Den Ewigen umfangen - aber du,
Drum preis ich dich, o Jungfrau, Schoß dem Licht!
Die in der Nacht Verlornen führ zur Ruh!
XIV

Vom Vater, Schöpfer Himmels und der Erde,


Begabst Du Dich in einer Jungfrau Schoß.
Die Zionitin keuschester Gebärde
Empfing das Wort des Höchsten makellos.

Das arme Mädchen, Unsre Liebe Frau,


Ward Gottes Herrlichkeit zum Heiligtume.
Der Gott-entflossnen Gottesgnade Tau
Barg sich im Kelch von Galiläas Blume.

Du hast die Magd von innen her umfangen,


Du hast der Heiligen den Leib gereinigt,
Sie barg Dich unterm Herzen ohne Bangen.
Der Menschheit hast Du Dich in ihr vereinigt.

XV

Lobpreis der Majestät Dreifaltigkeit,


Durch die die Sterblichen das Heil empfangen!
Lobpreis der ewigen Glückseligkeit,
Die wir durch Gottes Huld allein erlangen!

Das Sein, das ewig ist und endelos,


Erfüllt mit Sein die Unermeßlichkeit.
Die Ewigkeit gebar aus ihrem Schoß
Das All zum Anteil an der Ewigkeit.

In Einfalt eins, in Einigkeit allein,


Vernunft und Güte, Inbegriff der Tugend,
O Mitte Du und Umfang allem Sein,
Erscheine wie ein Held in seiner Jugend!

Tritt vor aus Deinem Offenbarungszelt


Und offenbar Dich in der Feuerflamm!
Die starke Frau gebar Dich Gottesheld,
Des Geistes Braut gebar Dich Bräutigam!

Erleuchte den Bereich der Bitterkeit


Und nimm Du auf Dich alle unsre Leiden,
Gib aufgescheuchten Seelen Seligkeit
Und führ die Lämmer auf die Hirtenweiden!

O Geist, der überschattet Unsre Frau,


Du Gottesschrecken über der Verstörten,
O Geist, Du spende Deinen süßen Tau,
Erfrische die Verwelkten und Verdörrten!

O Geist, in dieser Nacht als Schimmer leuchte


Und rühre uns durch Unsrer Frau Gemüte!
O Lebensgeist, das Dasein Du befeuchte
Und nähre Du den Wurzelgrund der Güte!

Urheber aller Schönheit, sei besungen,


Und Du, der Schönste aller Menschensöhne,
Und Du, der schön gestimmt die Feuerzungen -
Verkläre uns zum Bilde Deiner Schöne!

MARIENLEBEN

1. Joachims Altaropfer

Schau meiner Seele Kinderlosigkeit,


Wie Anna sich nach einem Kinde sehnt.
Mein Gott, ich weih dir meiner Seele Leid,
Schau Annas Wimper an, die traurig tränt.

Den Segen Gottes wollen wir vererben


Und Gott das Opfer unsres Leibes bringen.
Und sterben wir (denn alle müssen sterben),
Soll unser Kind am Totenlager singen.

O Gott, zu deinem heiligen Altar


Bring opfernd ich dir meines Herzens Bitte.
Erhöre mich, mit deiner Gunst nicht spar,
Begegne mir in deines Tempels Mitte.

Dem Hohenpriester wollt ich mich vertrauen,


Daß er dir alle meine Sehnsucht weihe.
Du öffnest ja die Vulven aller Frauen,
Du bist der Anfang der Geschlechterreihe.

Doch als ich meine Sehnsucht anvertraut


Dem Priester, hart sein Herz er mir verschloß.
Ich weihe dir die Vulva meiner Braut,
Ich weih dir meiner Meistgeliebten Schoß.

Von der Versammlung frommer Priester zieh


Ich mich zurück, das Auge naß von Tränen.
Zu meinen lieben kleinen Lämmern flieh
Ich einsam mit der Schwermut in den Venen.

Der Pharisäer Kraut, das bitterscharfe,


Ich bei dem süßen lieben Lamm verschmähe.
Ich fleh zum Unsichtbarn, mit meiner Harfe,
Bis ich das Angesicht der Gnade sehe.

2. Die Goldene Pforte

O liebe, gute, treue, alte Anna,


Du sehntest dich so sehr nach einem Schatz,
Wie Mirjam einst ersehnt das weiße Manna,
Da sahst du in der Buche einen Spatz.

Du sahst die Spatzenmutter in dem Neste


Den Spätzlein füllen aufgesperrte Schnäbel,
Die Mutter liebend auf dem Kinderfeste,
Verschleiert keusch von weißem Morgennebel.

O Gott, der Sperlinge und Spatzen nährt,


Schau meiner Seele unstillbares Sehnen!
Warum wird mir mein Herzenswunsch verwehrt?
Ich weih dir, Jahwe, alle meine Tränen.

Barmherziger, so reich an Huld und Güte,


Du sandtest voller Gnade einen Engel.
Das himmlische Geschöpf am schlanken Stengel
Trug süßen Duftes eines keusche Blüte.

Schau, Anna, Gott hat deine Traurigkeit


Bewegt in seinem väterlichen Herzen.
Mit Liebe gibt er Antwort deinem Leid,
In Schönheit wandelt um er deine Schmerzen.

Geh nach Jerusalem zur Goldnen Pforte,


Jerusalem wird stillen all dein Weinen.
Gott will dich heiligen in seinem Worte,
Dein Liebling wird sich keusch mit dir vereinen.

Im heiligen Geheimnis werden Zweie


In Einheit eins in liebender Erkenntnis.
.............................................................
............................................................

3. Mariengeburt

Im Augenblicke der Empfängnis ward


Das göttliche Geschöpf für rein erklärt.
Die Tochter Adams ward von Gott bewahrt
Vor allem Makel, und vom Geist verklärt.

Im Mutterschoß der Erde ward vertraut


Sie Gottes Geist, daß er sie himmlisch bilde.
Kein Mensch hat in Verborgenheit geschaut
Die Reichbegnadete von Gottes Milde.

Was wissen denn wir heiligen Eunuchen


Von der geweihten Anna Mutterschaft?
Wie Gott Maria durch den Mutterkuchen
Schon Vorgeschmack der Himmelsfreude schafft?

Der lieben Anna ward der Fluch von Eden


Zum Segen in den schmerzensreichen Wehen.
Schutzengel neben ihrem Bette beten
Und wollen alle Gottes Liebling sehen.

Maria schlug die Augen auf und weinte


In der Bedürftigkeit der Kreatur
Und war glückselig. Und die Gottvereinte
Schien allen wie die Summe der Natur.

Wenn Gott in einem Kinde süß und milde


Gespiegelt sich und in Marias Träne,
Schien sie zurück gleich heilem Ebenbilde
Des Schöpfers unaussagbar schöne Schöne!

4. Marien Tempelgang

Und Anna lehrte sie die Muttersprache


Und brachte ihr der Juden Beten bei.
Der Liebe Sonne lag in jeder Lache,
In jedem Lüftchen seufzte Adonai.

In Milch und Honig schmeckte sie die Güte


Des Schöpfers, sah in jeder blauen Blume
Die Weisheit Gottes, jede Rosenblüte
Glich einem gottgeweihten Heiligtume.

Sie sah voll Sehnsucht weiße Wolken segeln


Und Fische schweigen im See Kinnereth,
Sie sang am Morgen mit den Sangesvögeln
Und nachts mit Nachtigallen ein Gebet.

Doch alle ihre Sehnsucht ist gemündet


In Gottes Tempel, Haus der Herrlichkeit,
Da sich zur Reinigung das Becken ründet,
Da Ewigkeit gewärtig in der Zeit.

Dem Schöpfer weihte sie die erste Stufe,


Die zweite opferte sie dem Messias,
Auf dritte Stufe rief im Geiste Rufe
Des Preises die Dreijährigkeit Marias.

Die Sängerinnen und die Tempelfrauen


Empfingen sie und gingen ihr entgegen,
Auf ihrem Angesicht die Huld zu schauen,
Die Gott hineingelegt mit seinem Segen.

Maria, du in deiner Kindlichkeit,


Du bist der Inbegriff von Gottes Tempel.
Senk deine Kindlichkeit, dem Herrn geweiht,
In meines armen Herzens Blütenstempel!

5. Sposalizio
Maria in der jungen Mädchenreife
War in vollkommner Schönheit unverdorben.
Die schlanke Hand nach einer Rose greife,
Die sehnsuchtsvoll um ihre Gunst geworben.

Aus allen Stämmen Israels erwählte


Das Schicksal für die schöne Maid zwölf Freier,
Zu prüfen, welcher rührte die Beseelte,
Harmonisch stimmte ihre Lobpreisleier.

Sie brachten in den Tempel ihre Stäbe,


Vorsehung Gottes lenkte das Orakel,
Daß jeder seiner Liebe Gabe gebe
Dewr auserwählten Jungfrau ohne Makel.

Darunter aus davidischem Geschlecht


Der Sohn der Tochter Juda seinen Stab
Maria reichte, ob der Höchste dächt
An Gnade, der einst David Frauen gab.

Das war der Josef, reifen Sinns, betagt,


Dem überm Stabe flog die weiße Taube,
Daß auf dem Aaronsstabe, der da ragt,
Die Mandelblüte blüht im jungen Laube.

Der Geist des Höchsten die Verlobung lenkte,


Daß sie nicht etwa unkeusch vor sich ginge;
Gott selber die ganz reine Maid verschenkte:
Zwei Turteltauben trugen Silberringe.

(Der Jüngling aus dem Stamme Benjamin


Brach seinen Stab aus lauter Traurigkeit,
In seinen Augen heiße Tränen glühn
Und einsam geht er in die Einsamkeit.

Wie könnte jemals eine Frau gefallen


Dem Schalak*, der Maria angeschaut,
Die sie die Allerschönste unter allen
Den Schönen und die allbegehrte Braut?

Sein Herz verstummte wie ein weißer Marmel,


Auf dem Ein Name stand allein: Maria!
Er ging als Eremit zum Berge Karmel
Und lebte in der Sehnsucht des Elia.......

Sein Leben lang verehrte er die Reine,


Die sie in seinem Herzen ihn besucht,
Mit bloßen Füßen auf dem Mondenscheine
Herniederschwebend mit der Liebe Frucht.)

((* Shahar-Eben ben Schalak, mystischer Bräutigam Mariens vom Karmel))


6. Der Englische Gruß

Was tatest du, Maria, in der Stunde,


Da dir das Heil des Heiles ist begegnet
Aus einem himmlischen Verkündungsmunde,
Der dich als Gottbegnadete gesegnet?

Hast du des Tempels Vorhangtuch gewoben,


Dem Allerheiligsten den keuschen Schleier,
Dem Allerheiligsten, das Engel loben
Und Priester ehren in der Sühnefeier?

Hast schweigend du gelesen in der Rolle


Der Weisung und der heiligen Propheten
Und lauschtest Gottes Wort, du Gnadenvolle,
Und hörten Engel deine Seele beten?

War es zur Nacht in betender Vigilie,


Da du geweiht dem Heiligen dein Fleisch,
Dein Fleisch darbringend ihm wie eine Lilie
Und keuscher als die keusche Lilie keusch?

War es am Morgen, Sonne aller Sonnen,


Du schimmerschöne, lichte weiße Frau,
Als du aus Nazareths Marienbronnen
Mit reiner Hand geschöpft den Lebenstau?

Wir wissen dieses nur: Ein Engel kam


Und sagte: Freue dich! und sagte: Ave!
Vom Himmel sah der Geist als Bräutigam,
Als du gesagt: Es sei, so will es Jahwe!

O freue dich, vom Geiste Kontemplierte,


Du Vielgeliebte Gottes, Wortes Braut!
Die reinste Demut die Madonna zierte
Und Gott hat ihre Demut angeschaut.

Die Tochter Gottes duftete als Rose,


Die war bereit zur Mutterschaft und keusch
Vollzog der Ewige die samenlose
Zeugung des Wortes in der Jungfrau Fleisch.

7. Rechtfertigung Mariä (Josefs Traum)

Und Josef zweifelte an ihrer Reinheit


Und wagte gar zu denken ihre Sünde,
Als sei geglitten sie in die Gemeinheit.
Was wird dem, der Maria widerstünde?

Gott senkt in ihn des Traumes goldnen Samen,


Um ihn zur Allerreinsten zu bekehren.
Zehntausend Himmlische zu Josef kamen,
Die Heiligkeit Mariens zu verehren.

Sie ist der Weisheit Haus, der goldne Tempel,


Die Sonnenstrahlen durch das Fenster kamen,
Das unverletzte. In den Blütenstempel
Sank Gottes Wort, der samenlose Samen.

Schau an die Lose in Gewandes Bäuschen


Und lausch geheimnisträchtigem Orakel:
Die wahre Mutterschaft ward erst der Keuschen,
Den Sündenlöser trägt sie ohne Makel.

O schau sie brennen ohne zu verbrennen,


Gott wollte sich in ihrem Schoße betten.
Marien Sohn sollst du mit Namen nennen
Jesus, er wird aus Tod und Sünde retten.

8. Heimsuchung

Maria trug ins wilde Hügelland


Der Berge von Judäa ihren Bauch,
Zum Segen aufgelegt die schlanke Hand,
Da sah sie schon den freundschaftlichen Rauch

Von einer Hütte qualmendem Kamine.


Zuhaus war da der alte Zacharias
Mit seiner Hochbetagten, der Cousine
Der allgesegneten Gestalt Marias.

In ihrem Schoße trug Eliasabth


Den auserwählten Rufer in der Wüste,
Vorläufer seines Meisters, den Prophet,
Der wollte, daß das Volk die Sünden büßte.

Elisabth sah nun Maria glänzen


Wie Elfenbein um einen Königsthron,
Die Blühende mit ihren fünfzehn Lenzen
Trug in dem Jungfraunschoße Gottes Sohn.

Elisabeth, als von dem Geist Erfüllte,


Den feinen Schleier von dem Antlitz lüpfte
Und sehnsuchtsvoll wie eine Ungestillte
Lobpries, daß der Prophet im Schoße hüpfte.

O Wunder über Wunder, daß mir naht


In mein Gemach die Mutter meines Herrn,
Die Ähre bringt des goldnen Samens Saat,
Die Morgenröte bringt den Morgenstern.

Mit Licht von innen her erfüllst die Hütte


Du, wie das Meer verlassne Meeresbucht,
Wie schön in den Sandalen deine Schritte,
Wandelnder Lebensbaum mit Liebesfrucht!

Ja, Kind und Kindeskinder sollen gut


Von deiner heiligen Begnadung reden,
Du Becher mit des Blutes Gnadenflut,
Sündlose Apfelspenderin von Eden,

Altar des Tempels, der das Schaubrot reicht,


Du Becher, darin Wasser ward zu Wein,
Du weiße Hand, die über Fluten streicht,
Daß die aufstöhnen und dich benedein!

9. Die Geburt Jesu

Ich selber bin die dunkle Mitternacht,


Ich selber bin die tiefe Felsenhöhle,
Ich selber bin der Stern, der einsam wacht,
Empfange Gott, o Weihnacht meiner Seele!

Die feiern laut und lärmend auf den Festen


Und sich in Gloria des Jubels baden,
Die zählen nicht zu ihres Festes Gästen
Den Zimmrer und die Jungfrau voller Gnaden,

Die sind nun fern. Marie, wir sind allein.


Ich will, daß dein verklärter Leib sich freu,
Vorm Sturm dich bergen, eine Höhle sein,
Da breite ich dir meiner Liebe Heu.

Mein Bruder Esel, meiner Stärke Stier,


All meiner Leidenschaften innrer Kampf,
Sie wollen wärmen in der Weihnacht dir
Die dunkle Höhle mit des Odems Dampf.

Schau, o Madonna, mitten in dem Stall


Reich deinem Sohn ich meiner Demut Krippe,
Leg in mein Herz du mir den Herrn des All,
Er weih mich mit dem Kusse seiner Lippe.

Schau, draußen ist die Nacht so schwarz und tot,


Marie, bring Leben mir in meine Grotte,
Gib du des Sohnes Leib wie Honigbrot
Und mach mein Herz zum Tempel meinem Gotte.

Und wenn in dieser Nacht der Mond nicht scheint


Und tausend Sterne nicht in dieser Nacht,
O Königin der Einsamkeit - es weint
Dein Kind, das göttlich unter Tränen... lacht!

10. Darbringung im Tempel


In Annas Armen lag das Jesuskind,
Als Anna auf des Tempels Vorhof stand,
Da Josef und Maria nahe sind
Und Gott inmitten hob die Segenshand.

Und Simeon ward von dem Geist geführt,


Zu treten zu der Gruppe, Gott inmitten,
Da er von Jesu Antlitz so gerührt,
Den das mosaische Gesetz beschnitten.

Maria reichte ihm das Jesuskind


So mütterlich, mit heiligem Erbarmen,
Daß Simeon in ihm Erlösung find
Und Liebe, ruhet Gott in seinen Armen.

O Herr, im Frieden kann ich nun verscheiden,


Weil meine Augen meinen Heiland sahn,
Du mögest mich in deinem Reiche weiden,
Wenn mir die Boten meines Scheidens nahn.

Du mögest mich dein Antlitz sehen lassen,


Ja, präg mir ein dein Gottesangesicht!
Laß deine Füße flehend mich umfassen
Und heb mich an dein süßes Herze dicht!

An deinem Herzen denk ich an Marias


Urmütterliches Herz so voll Erbarmen,
Der du so gerne ruhtest, o Messias,
An ihrem Herzen und in ihren Armen.

Gott, der du in der Menschheit leiden mußt,


Mitleidende mit deinem Heilandsschmerz
Ist sie, der durch die liebesheiße Brust
Sich bohrt die Schärfe eines scharfen Schwerts.

Maria, Gott will Schmerzen dir zumuten,


Zum Anteil an der göttlichen Passion,
Und weinen mußt du, muß am Holz verbluten
Dein Löser und dein Liebling und dein Sohn.

In jener Stunde tiefer Todesschmerzen


Nahen von Westen, Osten, Norden, Süden
Die Heilsehnsüchtigen. In Jesu Herzen
Und an Marien Herzen find ich Frieden.

11. Die Magier aus dem Morgenland

Wir haben an die Götter und die Sterne


Geglaubt und an des Mondes Lebensbaum,
Aus Persien entrückt in weite Ferne,
Nur ein Gerücht blieb uns und nur ein Traum.
Mit Fleiß befragten wir die Astrologen,
Die Mondenhäuser und die Tierkreiszeichen.
Wir haben dunklen Umgang auch gepflogen
Mit Stimmen aus den jenseitigen Reichen.

Wir schrieben dunkelste Orakelsprüche,


Beschworen Sterne und beschworen Regen,
Mit schwarzer Tinte schrieben wir die Flüche
Und wollten doch nichts anderes als Segen.

Wir sehnten uns ins Ätherreich der Geister,


Wir ehrten die Heroen der Kultur,
Verrückte Seher waren unsre Meister,
Die predigten die göttliche Natur.

In unseres Propheten Schriften lasen


Wir einen Traum von einem Stern der Meere,
Geweissagt in entzückungsvollem Rasen,
Daß eine Jungfrau einen Sohn gebäre.

Und in der tiefen Nacht der Todesschatten


Hat uns ein Genius mit Licht erhellt,
Und wenn wir es auch nicht begriffen hatten,
War doch von nun an Licht in unsrer Welt.

Wir folgten einem Stern (der war kein Stern),


Wir folgten dem Kometen (Nichtkometen),
Wir suchten unserm Leben einen Herrn,
Der uns geweissagt war von dem Propheten.

Doch nicht im goldenen Jerusalem


Erschauten den wir, der gemacht das All,
Im kleinen nachtverlornen Bethlehem
Erschauten wir ein Kind in einem Stall.

Ja, auf dem Schoße seiner Mutter freute


Sich Jesus über unsre Gaben hold,
Weil unsre Weisheit dem Messias weihte
Das Räucherwerk, die Myrrhe und das Gold.

Als Hoherpriester er empfing den Rauch,


Als König er das Gold sich schenken ließ,
Des Leidens Bitterkeit war Myrrhe (auch
Wird gottgeweihte Trübsal süß, sehr süß).

Das Morgenland und alle Fremde weihte


Dem Schöpfer seiner Sehnsucht Liebesrosen
Und Sehnsucht nach dem Paradies. Das freute
Die Gottheit auf dem Schoß der Makellosen.

12. Der zwölfjährige Jesus im Tempel


Mit Schmerzen, ja mit Schmerzen suchen wir
Und angstvoll den entschwundenen Messias.
Verbirgt dich Nacht, gehören doch wir dir,
Wir sichen Jesus auf dem Weg Marias.

In ihren braunen Pilgermantel hüllen


Wir unsre Angst und unsre Gottessuche,
Die bange Seele läßt sich sonst nicht stillen
Und wähnt sich gar gepeitscht von einem Fluche.

Die Mutter, die gesucht in Angst und Bangen


Den Sohn des Ewigen und voller Schmerzen,
Mit ihrem Mantel will sie uns umfangen
Und will uns führen zu dem Jesusherzen.

Wenn wir uns ihrer Führung anempfehlen,


Dann dürfen Offenbarung wir erwarten.
Und pilgern durch die Wüste unsre Seelen,
Die Flammensäule führt uns in den Garten.

Denn anders wird sich Jesus offenbaren,


Als wir ihn mit den Stirnen uns ergrübeln.
Im Tempel um den Jüngling Jesus waren
Die Schriftgelehrten da mit ihren Bibeln.

Spitzfindiger Gelehrter Zungenzanken,


Der Pharisäer Spiegelfechterei
Verstand nicht Jesu göttliche Gedanken
Und seinen Traum und seine Phantasei...

Da aber sprach die Weisheit in dem Tempel:


Ich bin die Schöne Liebe und Erkenntnis,
Ich präge euch mit meiner Leiden Stempel
Und will euch freien... - Das ist mein Bekenntnis.

13. Pieta

Der Schmerz durchbohrte sie, der namenlose,


Stumm stand sie da, es war ihr Antlitz bleich,
Der Dorn zerstach die dornenlose Rose,
Die Flamme loderte im Dorngesträuch.

Die nie gestanden unter Evas Fluch,


Hier kamen ihr der Wehen Schmerzen an.
Den Menschen gab zur Mutter sie der Spruch,
Den sprach vom Kreuz herab der Schmerzensmann.

Da Jesus zur Erlösung war verblutet


Und ward getötet von den Kreuzesschmerzen,
Ward Mater Dolorosa zugemutet,
Den toten Sohn zu bergen unterm Herzen.
In Jungfraunschöne saß die Mutter blaß,
Den Leichnam Christi über ihrem Schoße,
Vom Blute er und sie von Tränen naß,
Vom Dorn Durchbohrter lag im Kelch der Rose.

Ein stiller Glaube um den schönen Mund,


Gab Antwort die dem Wort mit ihrem Schweigen.
O Pieta! mir ist so weh und wund,
Du mußt in mir den Trost der Liebe zeugen!

Verine mich, o Frau, mit deinen Tränen!


(Dein milder Mund ist mir so wunderschön...)
Messias’ Blut mir blute in den Venen,
So werde ich zur Schönheit auferstehn!

14. Koimesis

O Geistesbraut in der Verborgenheit,


Am Berg der Nachtigall - am Berge Sion -
Dir sollte Sonne sein ein goldnes Kleid
Und kränzen dich Plejade und Orion.

Daß dir der Geist den Körper überkleide


Und irdisch Bloßes hülle glorios,
Lagst du gelagert in der süßen Seide,
Hinanzuscheiden, Seele sündelos.

Ums Lager waren alle sie versammelt,


Die Jesus zu den Völkern ausgesandt.
Der weise Paulus hat sein Lob gestammelt
Von dritten Himmels reichem Gartenland.

An deine Wange schmiegte sich Johannes


Und nannte liebe Mutter dich und Süße,
Und Simon Petrus (wahrer Ruhm des Mannes)
Mit seinen Tränen salbte deine Füße.

Und deine Seele war ein reines Kind


Und Christus wehrte den Dämonenschlangen
Und Jesus kam so liebereich und lind
Und hat dich Seelenkind für Gott empfangen.

Die Lilien reckten duftend ihre Häupter


Und Rosen blühten dir voll Sehnsucht nach.
Dich feierte im Schweigen ein betäubter
Apostelschmerz, bis daß der Zweifler sprach,

Ob du im Himmel seist mit Leib und Seele,


Ob dir zur ewigen Glückseligkeit
Nicht noch des Fleisches Auferstehung fehle.
Dein goldner Gürtel glänzte um dein Kleid.
Alleine Thomas deinen Gürtel sah,
Der da umfasst des Universums Toben.
Er pries dich Christliche Urania -
Dein Gürtel sank auf den Olympus oben.

15. Gloria

Panhagia Maria, Magd voll Demut,


Dich vor dem Könige des Kosmos neige,
Vor seinem Throne bitt für unsre Wehmut,
Vermittle seine Gnaden, Gnadenreiche.

Eroben in die Trinität, Maria,


Laß einmal schauen deiner Schönheit Krone.
Als Mutter spend die ewige Sophia,
Sang unsere Gebete deinem Sohne.

An dich, o Magd, ist Gottes Wort ergangen,


Drum nennt man eine Göttin dich zurecht.
Die du die Ewigkeit im Schoß empfangen,
Steh bei uns in der letzten Zeit Gefecht.

Du aller Jungfraun Jungfrau, Mutter aller


Der schönen Mütter und der süßen Kinder,
In deinen Mantel hülle alle Waller,
Aus Gottessuchern mache Gottesfinder.

O schöner Becher du aus weißer Jade,


Rosige Himmelspforte perlmuttmatt,
Du Königin im Diadem der Gnade,
O Frau, o führ uns in die Jaspisstadt!

Ewige Frau, der Gottesschönheit Spiegel,


Die du die Weisheit bargest in dem Schoße,
Du schönste Nymphe mit des Geistes Siegel -
Reich, Gottvereinigte, der Hochzeit Rose!

UNIO MYSTICA

Ich sag: Der Ewige hat mich verlassen,


Der Allerhöchste hat mich ganz vergessen!
Kann eine Frau denn ihren Säugling hassen?
Gibt eine Mutter nicht dem Kind zu essen?
Und selbst, wenn meine Mutter mich verstieß,
Sagt Gott, daß er mich nimmerdar verließ!

Es spricht der Herr: Hab ich mich denn geschieden


Und schickte je ich deine Mutter fort?
An meiner Mutterbrust du finde Frieden,
Der Schöpfer ist dein mütterlicher Hort.
Was immer sich in deiner Nacht ereignet,
Ich habe dich in meine Hand gezeichnet!

Der Patriarch war auch dereinst allein,


Da ich beschenkte ihn mit meinem Segen.
Ich zeuge Kinder mir noch aus dem Stein,
Und aus der Wüste ruft mein Gnadenregen
Zypressen, Zedern, blühende Reseden,
In lauter Lilien erblüht ein Eden!

Denn Gott der Allerhöchste hat Erbarmen,


Aufrichten wird er Trümmer und Ruinen.
Frohlocken werde ich in seinen Armen,
Mit Lied und Lobpreis werde ich ihm dienen.
Da ich in seinem Antlitz Freude schaute,
Drum lob ich ihn mit Flöte und mit Laute.

Sein werd ich ein vom Heiligen Befreiter


Und komm voll Jubel in die Gottesstadt,
Dort werden Herz und Angesicht mir heiter,
Das Seufzen flieht, das Trauern todesmatt,
Ein Freudenerbe wird mir sein gelost,
Weil ich geharrt und Gott mir war mein Trost!

Hat je um mich geklagt ein trunkner Zecher


Und tröstete mich je ein Wimpernwinken?
Gott nimmt mir von der Lippe fort den Becher,
Betäubendes Getränk brauch ich nicht trinken,
Den Trank nicht, den die Zauberin gemischt,
Den mir mein Feind mit Flüchen aufgetischt!

Ja, Gott der Ewige ist mein Gemahl,


Er wird mit Liebe immertreu mich lieben!
Ich war verlassen und vor Kummer fahl,
Das Antlitz voller Tränen vor Betrüben,
Doch Gott verstößt nicht die geliebte Frau;
Nicht lang mehr und ich schau die Gottesschau!

Der Feuersturm der Leidenschaften glüht,


Da bin ich trostlos wie ein armes Tier.
Doch Gott wird gründen mich auf Malachit,
Schützt mich mit festem Walle aus Saphir,
Rubine und Berylle meine Zinnen!
Und Jaspis ist und Jade alles Minnen!

Und bin ich ein verschnittener Eunuch,


So bin ich doch kein ausgedörrter Baum.
Nicht lastet mir auf meinem Geist ein Fluch,
Denn Gottes Segen ist kein leerer Traum.
Da ich geboren worden, stand der Stern
In Gottes Hand. Ich ehr den Tag des Herrn.
Und diese Worte spricht des Höchsten Mund:
Wirst du mit Lob begehn die Feiertage
Und halten die Gebote und den Bund,
Schaff ich, daß deines Namens Denkmal rage,
Ja, deines Namens Denkmal lange Zeit,
Ich deinen Namen ehr in Ewigkeit!

O Heiliger, du hast die Hand geschaut,


Weißt vom Begehren unter grünen Bäumen.
Komm, reinige dir eine reine Braut,
Du darfst mit deiner Heiligung nicht säumen!
Kein Mann gab und kein Mädchen je mir Kraft;
Wen kümmert es, werd ich dahingerafft?

Du wohnst als Heiliger in höchster Höhe


Und bist bei den Zerschlagnen und Bedrückten.
Gib du, daß der Zerschlagne Freude sehe,
Wie oft schon die Bedrückten Glück erblickten,
Die nicht das eitle Glück der Welt gesucht.
Schaff meiner Traurigkeit die Lippenfrucht!

Dafür, o Herr, daß ich verlassen bin


Und einsam und daß niemand mich besucht,
Mach mich zum Ruhm nach deiner Weisheit Sinn
Und mach zur Freude meine Lippenfrucht
Für kommende Geschlechter lange Zeit!
Ja, wandle du in Lobpreis all mein Leid!

Du reinige mein Haupt von trübem Staube


Und lege mir den Freudenturban an!
Es schmückt sich deine Braut, die Turteltaube,
Und wie ein Priester und ein Gottesmann
Bereitet sich der Bräutigam zur Freude:
Schmück deine Braut mit goldenem Geschmeide!

Ich werd nicht länger „die Verlassne“ heißen


Und nicht mehr „öd“ heißt meines Herzens Land.
Man wird mich als die „voller Wonne“ preisen,
Als die „Vermählte“ geh ich an der Hand
Des Bräutigams, des Gottes, der mich kennt,
Der mich mit einem neuen Namen nennt.

Und unter lauter Freudentränenschauer -


Von melancholischem Gemüt beseelt -
Wird meines Geistes ewigem Erbauer
Mein schöner femininer Geist vermählt.
So freut der Bräutigam sich an der Braut,
Wie mich mein Gott mit Freude angeschaut.

Man wird die „Heilige“ und die „Erlöste“


Mich nennen, die ich den Geliebten ehrte!
Bis zur Vermählung der Geliebte tröste
Mein Herz mir, das er je und je begehrte!
Und fühle ich mich zeitweis auch verlassen -
Bald, bald wird der Geliebte mich umfassen!

HYMNE AN DIE GÖTTLICHE GELIEBTE

Als erbarmungsvolle Mutter tröstest


Du im Tränental die armen Kinder,
Die als süße Weisheit du erlöstest
All die Weinenden im tiefsten Winter,
Als die Gottesseele du entblößtest
Deine Schönheit keusch, daß selbst ein Blinder
Blindgeweinter Augen konnte schauen:
Göttliche Geliebte in den Auen!

Aus dem mütterlichen Schoß geboren


Ward die Erde und das Empyreum,
Die du in der Weisheit dir erkoren
Zions Burg und Platons Athenäum.
Seele, die du wehtest in den Horen
Als die Lobpreissängerin - Te Deum
Laudamus - Ich will an jedem Orte
Preisen deines Herzens Perlenpforte!

Mutter, trinken laß an deinen Brüsten


Milch des Trostes, laß den Nektar tauen
Deiner Weisheit, Lust in reinen Lüsten,
Laß mich deiner Weisheit Schönheit schauen,
Die drei Ufer deiner Jenseitsküsten
Weise, Seele, mir und zu den Auen
Deines schönen Paradieses führe -
Mußt du auch verbrennen meine Myrrhe!

Laß mich schauen, Mutter, deine Gnade,


Mütterliche Freundin, dein Erbarmen,
Laß der Weisheit mich, so rein wie Jade,
An dem schönen Herzen ruhn, dem warmen,
Zieh die Seele mich im Flammenbade
In die Gottheit mit den süßten Charmen,
Daß sie mich mit Kranz des Lebens kröne
Und ich ewig schau der Gottheit Schöne!

Leben heißet sie, des Lebens Quelle


Möge ewig meinen Geist erfrischen,
Weisheit spende mir die Balsamwelle,
Mög die Tränen mir vom Auge wischen,
Seele möge ihre Feuerhelle
Licht mir in die Nacht des Glaubens mischen,
Gottheit möge mir mein bittres Wesen
Mit der Liebe Süßigkeit erlösen!
Von der Mutter will ich rühmend reden
Als der Schöpferin von Leib und Seele.
Weisheit weide mit mir in Reseden,
Mich als Bräutigam der Schönheit wähle.
Gottesseele, deine Schwingen wehten
Rein wie Gold und schimmernd wie Juwele
Und verliebt wie eine reine Taube
Über mir in Edens Lebenslaube.

Mutter, gib du mir vom Lebensbaume


Himmlisches Ambrosia zur Sepsie!
Weisheit, küsse mich im süßen Traume
Mit den Lippen lieb und lind und leise!
Seele, rühr mich an mit deinem Saume,
Daß ich überm höchsten Sphärenkreise
Auf dem Thron die Meisterin erblicke,
Daß das Schauen mir das Herz beglücke!

Mutter, mir dein Antlitz nicht verhehle,


Mich mit deiner Gunst und Gnade kröne!
Weisheit, bräutlich meinen Geist vermähle,
Meinen Abglanz du mit deiner Schöne!
Gottesseele, stimme meine Seele
Auf die Himmelsreime, Himmelstöne,
Laß harmonisch meine Seele singen,
Mich ans holde Herz der Gottheit schwingen!

Mutter, aus der Spalte deines Felsen


Strömen laß der Seligkeiten Süße!
Weisheit möge sich mit mir verschmelzen,
Ruh mit mir im Liebesparadiese!
Schwan und Schwanin mit verflochtnen Hälsen
Sollen Eine Seele bilden, diese
Möge der Geliebten Schönheit spiegeln,
Gottheit in der Liebe mich versiegeln!

MARIENLEBEN

1. Annas Empfängnis

Anna, Anna, sie hat die empfangen,


Die das Wort empfangen wird (entgegen
Allen Menschenworten), die die Schlangen
Unterwirft mit unschuldvollem Segen.

Deiner Unfruchtbarkeit Fesseln lösen


Mit Verheißungen von oben Boten,
Und empfangen wird das reinste Wesen
Unterm Schleier, unterm lieberoten.
Anna, Anna, du darfst nun frohlocken,
Nährst du unterm Herzen nun die Reine.
Bundeslade schleiern deine Locken,
Daß sich Gott und Mensch in Ihr vereine.

2. Geburt Mariens

Unberührtes Brautgemach, du Reine,


Bräutigam vom Himmel aufzunehmen,
Schrein des Wortes, ganz von Jaspissteine,
Nimmer wollen wir uns deiner schämen.

Gottes Pforte, Mutter alles Lebens,


Wasserbett, empfangend Gottes Flamme,
Unaussagbar Hohe, unsres Lebens
Nährerin und mütterliche Amme!

Gott hat dich geschaffen, uns zur Wonne,


Geist hat dich gebildet, uns zur Freude.
Aus dir stieg die allgerechte Sonne,
Zu erleuchten uns in unserm Leide.

Mit dir wird der Weltenraum erneuert,


Kirche kleidet sich mit deinen Reizen,
Reines Brautgemach, vom Geist befeuert,
Singen Preis wir dir an unsern Kreuzen!

3. Marien Einführung in den Tempel

Reinster Tempel des Erlösers, komme


Heilig wandelnd in die Herzenstempel.
Präge uns die Jungfrau, Gottes Fromme,
Zur Ikone um mit ihrem Stempel.

Kammer aller Schätze alles Schönen,


Brautgemach vor allen Brautgemächern,
Unsre Harfen sollen dir ertönen
Bei den gottesblutgefüllten Bechern!

Mit dir kommt des Gottesgeistes Gnade,


Daß sie in dir bei uns Menschen zelte.
Du beseel der Kirche Haus von Jade,
Die von schönen Worten überquellte.

4. Gottesmutter des Zeichens

Dem Gewöhnlichen uns zu entwöhnen,


Wenden wir zum Himmel unser Sinnen.
Unser Menschsein lastet auf dem Schönen,
Er erhebt uns durch sein hohes Minnen.
Da er alle Schöpfung retten wollte,
Ist der Schöpfer in sie eingegangen.
Schöpfung ihren Schöpfer loben sollte,
Lieb wie Tauben, weise wie die Schlangen.

5. Verkündigung an Maria

Unter der Herabkunft Heilgen Geistes


Sehen wir dich mit der Spindel warten,
Unsre Schicksalsweberin, so heißt es,
Du Heimholung Adams in den Garten.

Auf das Wort des Engels hin empfingest


Du im Schoß den Gottes-Wesensgleichen.
Bang und zitternd du am Brunnen hingest,
O Leibeigene, des Glaubens Zeichen.

Wie die Purpurschnecke auf dem Grunde


Webt im Meere Purpur, wobst du Linnen,
Daß sich hüll der Schöpfer jener Stunde
In den Königsmantel in dir drinnen.

6. Geburt Jesu

Schönste Jungfrau mit der roten Mandel,


Immerwährend unzerstörtem Hymen,
Du gebarest Gott Sohn ohne Wandel,
Alle Schöpfung Gottes will dich rühmen.

Engel loben dich mit Lobgesängen,


Voller Ehrerbietung dich die Hirten,
Weise sich mit Gaben zu dir drängen.
Dir der Dichter Hymnen auch gebührten.

Mutter feuchte Erde, dunkle Erde,


O du wurdest uns zum Himmelreiche,
Daß in deinem Schoß Versöhnung werde,
Daß der Mensch dem Urbild wieder gleiche.

Gottgebärerin, gebär, gebäre


Auch in uns die Frucht uns deines Leibes.
O gebär uns zur vollkommnen Sphäre
Gottes aus dem Schoße eines Weibes.

7. Milchspenderin Maria

O Maria, nimm uns an den Busen,


Nähren laß uns deine vollen Brüste,
Diese reifen schwellenden Jampusen,
Dieses Sternbild über unsrer Küste!

Initiier uns durch die Sakramente


Deiner Milch und deiner Honigwaben.
Unserm innern Kinde Liebe spende,
Daß wir uns an deiner Liebe laben.

Ja, am Lebensbaum gesunde Früchte


Sind Unsterblichkeitsarznei den Seelen.
O der Wonne Wollust keuscher Züchte
Machen süß das Kreuz, des wir uns quälen.

Blumen lachen dir in deinem Garten,


An den Zweigen prangen Traubenbeeren.
Spend von deinen goldnen Äpfeln zarten
Honigseim, nach dem wir uns verzehren.

Unbestellter Acker, ohne Samen


Brachtest du hervor den Baum der Feigen.
Tiefgeschooßte Muse, Dichter kamen,
Deiner Brüste Schönheit zu bezeugen!

8. Darbringung und Entgegennahme

Leben hat den Mutterschoß durchbrochen,


Mutter will es nun dem Tempel weihen.
Ist das Wort des Seins umsonst gesprochen?
Müssen Steine Gegenliebe schreien?

Alt und greis sind wir an unsern Seelen,


Schwarz das Blut und schwarz ist unsre Galle,
Rot und wund das Herz, des wir uns quälen.
Komm, o Gott, in unsre innre Halle.

9. Der innere leidende Christus

Mitten in dem Herzen lebt der Spiegel,


Der mir zeigt des Gottessohnes Sterben.
Meine eigne Träne ist das Siegel
Unter leidensvollem Liebewerben.

Rot das Blut in meinem wunden Herzen,


Reicht es Ihm doch nicht zum Purpurmantel.
Nacktheit, schreien alle meine Schmerzen,
Blutet mir in allem meinem Wandel.

Eure Schwächen hab ich angezogen,


Liebe habt ihr nimmer mir gegeben.
Alle eure Huldigungen logen.
Muß ich mich ins Hemd des Fluches weben.

Meine Glieder mir entzweigerissen


Und die Seele mein von euch bespieen.
Muß ich doch den Sinn des Kreuzes wissen,
Darf ich nicht dem eignen Kreuz entfliehen.
Unzerreißbare Maria! schaue
Du auf den Zerrissnen an dem Kreuze -
Deiner Augen Balsamfluten taue -
Reißen mich, o Frau, entzwei die Reize!

10. Fürsprecherin

Durftest du den Ewigen gebären,


Sprich zum Ewigen, o Makellose,
Bitt für die, die deinen Schoß verehren,
Tadellos verehren Gottes Rose.

Laß du unsre Leidenschaften schlafen,


Deine Bitte senk sie in den Schlummer.
Möge Gott den Leichtsinn nimmer strafen,
Sich erbarmen über unsern Kummer.

Keinen Ausweg sehen unsre Seelen,


Herrin, wahre uns vor den Dämonen,
Daß uns Höllenflammen nimmer quälen,
Daß wir einst im Himmelreiche wohnen.

11. Maria und Johannes in Kommunion

Deine Füße in den roten Schuhen


Tragen in den goldnen Raum den Glauben.
Deine mütterlichen Augen ruhen
Auf dem weisen Manne sanft wie Tauben.

In dem Mantel einer Blauen Blume


Tauchst du auf, geziert mit goldnen Sternen.
Auf dem Teppich in dem Heiligtume
Anvertrauen sich zwei blaue Fernen.

Das Mysterium der Hochzeit schwebet


Schön in jedem geistigen Begegnen.
Einer in dem Anderen erlebet
Gottes Liebe, liebevolles Segnen.

Mögest du das rote Band der Liebe


Auch zu unsern roten Herzen schlingen,
Daß aus unsrer blauen Dämmertrübe
Sich die Purpur-Liebesflammen schwingen.

12. Pieta

Mutter alles Sterbens, weine, weine,


Nimm den Sohn zu dir in deiner Trauer.
Brechen werden alle Grabessteine
Durch die Milde deiner Tränenschauer.
Mutter Erde, in der Höhle berge
Deines Schoßes die gesalbte Leiche.
Blumen in dem Tale, weinet, Berge,
Himmel, weinet wie die Gnadenreiche!

Viele Tode müssen wir noch sterben,


Bis die Mutter uns gebiert ins Leben,
Alles Wünschen, Hoffen, Träumen, Werben
Unsres Schicksals Händen übergeben.

O Maria, sieh uns arme Schatten,


Die wir in dem Tal des Todes liegen
In unendlich traurigem Ermatten:
Laß uns nur durch deine Tränen siegen!

Nimm uns auf, o Schoß der Mutter Erde,


Mutter sei uns, unsres Grabes Höhle,
Daß ein jeder neugeboren werde
Und von Gott belebt an Leib und Seele!

13. Die Marien bei der Auferstehung Christi

O ihr holden Balsamträgerinnen,


In den Händen das Flakon mit Narden,
Sehet liegen Jesu Grabeslinnen
In dem aufgeblühten Ostergarten.

Eva, Eva, Mutter alles Lebens,


Dir verkündet ward die große Trauer.
Doch Maria hörte nicht vergebens:
Freu dich! weinte Freudentränenschauer.

Roten Kleides du, o Magdalene,


Widmetest du Jesus all dein Minnen,
Holdes Lächeln, demütige Träne,
Erste aller Jesus-Lauscherinnen!

Andere Maria an dem Grabe,


Alle Ewigkeit dich herzlich freue,
Denn die Freude ist die Gottesgabe,
Daß sie unser totes Herz erneue!

O gebäre du auch uns ins Leben,


Mögest alles Tote von uns nehmen,
Daß wir durch verschlossne Türen schweben
Geistig wie der Duft von Chrysanthemen.

Lichte Herrin! Herrin unsrer Schatten!


Seid an unsrer Seite beim Erwachen,
Balsam träufelt auf die Todesmatten
Und erbittet uns das Osterlachen!
14. Aufnahme Mariens in den Himmel

Gottesmutter, du hast dich gebettet,


Tochter Sion, in dem Ölbaumgarten,
Ewigen Erlöser, der dich rettet,
In der letzten Stunde zu erwarten.

Alle die Apostel standen leise


Dich verehrend an dem Scheidelager,
Leis anstimmend eine Lobesweise,
Stillerin der Tränen aller Klager.

Da du unter ihnen auf der Erde


Weiltest, warest du ihr Gottesgleichnis,
Christus du in jeglicher Gebärde,
Allen Heiles heiliges Ereignis.

Da die Frau verherrlicht werden sollte,


Nahm sie Christus auf mit Leib und Seele.
Die Geliebte, Minnige und Holde
Ging dahin. O Mensch, dich des nicht quäle!

Mutter allen Lebens, wird sie hüten


Alle, die im Tal des Todes wandeln.
Allerschönste, inne aller Güten,
Himmelspforten gleichen süßen Mandeln:

Selber wurdest du die Himmelspforte,


Gott ließ dich als Erste sie durchschreiten.
Sieh den Spätgekommenen am Orte,
Laß ihm deinen Gürtel niedergleiten.

15. Mystische Rose

Reiner Lotos auf den Wassern, Seeros’,


Die du uns gebarest unsre Sonne,
Nahn wir dir mit Gottes großem Eros,
Nimm uns auf in deines Schoßes Wonne!

Aus der Wurzel Jesses Aufgeblühte,


Dornbusch, der im Feuer nicht verbrannte,
Unter Dornen dornenlose Blüte,
Über alle Erde Ausgespannte!

Ruhen laß uns in dem roten Schoße,


In dich strömen alle Lebenstriebe,
O Maria! Lob der Mystischen Rose
Verströmenden Liebe!

KLEINER MARIANISCHER KATECHISMUS


1. Verkündigung

Die Weisheit hatte sich ein Haus gebaut,


Der Logos wollte in Maria münden,
Gott schuf die Mutter ohne alle Sünden
Und hat in großer Huld sie angeschaut,

Der Geist des Höchsten kam zu seiner Braut,


Der Engel kam, Menschwerdung zu verkünden,
Daß alle Heil allein in Jesus finden,
Hat Gott Maria Jesus anvertraut.

Sie stimmte Gottes Plan mit ihrem: Ja,


Mir werde nach des Höchsten Worte! zu.
Gott liebte diese Demut seiner Maid.

So Großes ihr durch Gottes Geist geschah,


Die Weisheit fand in ihrem Schoße Ruh,
Daß Kind und Kindeskind sie benedeit!

2. Hochzeit zu Kana

Die Hochzeit, die in Kana man begeht,


Ist Bild der Gotteshochzeit mit der Seinen,
Wo Bräutigam und Braut sich treu vereinen,
Wie auch geschaut Johannes der Prophet.

Doch wenn es arm mit unsrer Freude steht


Und Mangel ist an Kuchen und an Weinen
Und wir nicht tanzen, sondern traurig weinen,
Dann spricht Maria für uns ihr Gebet:

Sie haben keinen Wein der Freude mehr,


Die Tonnen ihrer Herzen sind ganz leer,
Mach sie von Heiligen Geistes Freude trunken!

So wollen wir uns wenden an Marias


Gebet, daß sie fürspreche zum Messias,
Daß Er entflamme unsrer Liebe Funken!

3. Unter dem Kreuz

Als Er gelitten das Erlöserleiden


Und, um den Tod zu töten, starb den Tod,
Da floß aus seiner Seite Blut so rot
Und Wasser für die Juden und die Heiden.

Maria, mit dem Sohne mitzuleiden,


Sie glaubte noch, als selbst das Leben tot
In ihrem Schoße lag, daß Licht erloht
Der Auferstehung, alle Welt zu weiden.

Da Ihn die Lanze traf und da des Schwerts


Geschärfter Schmerz die Seele ihr durchbohrt,
Da ward der Lieblingsjünger ihr zum Sohn.

All die, die glauben an das Ewige Wort,


Das Retter ist im Fleisch auf Gottes Thron,
Sind anvertraut Marien Mutterherz.

4. Theotokos

Wir glauben dies, daß Jesus Gottes Sohn


Und Licht vom Lichte ist und Gott von Art,
Daß sich im Fleisch der Logos offenbart
Und daß in hypostatischer Union

Sich Gott und Mensch vereint im Menschensohn,


Der Mensch geworden in der Jungfrau zart.
Wenn nun der Hirte seiner Herde schart,
Dann spricht der Logos von der Weisheit Thron:

Bekenner sollen immerdar bekennen,


Daß Jesus Herr und Gott ist über allen
Und drum Maria Gottes Mutter nennen.

Und weil Maria Gott so sehr gefallen,


Soll jeder Jesussklave grüßen: Ave
Maria, Vielgeliebte du von Jahwe!

5. Schöne Madonna

In tausend Bildern seh ich dich gemalt,


Als Mutter in den östlichen Ikonen,
Wo deine Augen fromme Beter schonen,
Wo um dich Glorie wie Goldglanz strahlt;

Und ihr auch in Florenz, die ihr bestahlt


Die Griechen, ihr in Rom auch, die euch lohnen
Die Päpste, die auf Petri Thronstuhl thronen,
Auch ihr mit der Vision der Schönsten prahlt;

So hab ich dich im Bilde angeschaut


Und fand dich, Allerschönste aller Schönen,
Umgeben von der Herrlichkeit der Sonne.

Doch in der Nacht der Seele hör mich stöhnen:


Erscheine mir, des Liebesfeuers Braut
In meines Herzens Innerstem, Madonne!
6. Unserer Lieben Frau von Fatima Wunsch

In Zeiten, da so laut die Teufel schreien


Von Haß und Kriegen in der ganzen Welt,
Trat vor Maria aus dem Himmelszelt
Und bat in Fatima: Man möge weihen

Die Völker ihrem Herzen! alle seien


Und jeder in ihr Herz hineingestellt!
Und wer sich weiht, wie’s Unsrer Frau gefällt,
Der wird in ihrem Herzen Jesus freien.

In ihrem Herzen, ihrem makellosen,


Wohnt Jesu Christi Herz, das liebeswunde,
Die Liebe Heiligster Dreifaltigkeit!

So sei mit weißen, roten, goldnen Rosen


Des Rosenkranzgebetes alle Stunde
Das reine Herz Mariens benedeit!

7. Königin des Friedens

In Medjugorje will in unsrer Zeit


Maria Friedenskönigin erscheinen.
All ihre Worte Gottes Kinder meinen,
Die auch die Kinder sind der reinen Maid.

Sie lehrt den Frieden uns, die benedeit


Von Gottes Frieden ist, will uns vereinen
Mit Jesus, will in Lächeln uns und Weinen
Uns spüren lassen Geistes Heiligkeit.

Sie will uns Mutter sein und Führerin


Zu ihres lieben Jesus Zärtlichkeit
Und will, der wahren Weisheit Meisterin,

Des Lieben Gottes Liebe offenbaren!


Drum sei von Heiligen Geistes Pilgerscharen
Marie von Medjugorje benedeit!

MATRIMONIUM MARIAE
(24.12.2001)

1. Weihe an die Immaculata

O Gottes Tochter, die den Vater schaut,


O Gottes Mutter, leidend mit dem Sohn,
O Gottes Braut, im Liebesfeuer Braut,
Ich liebte dich vor sieben Jahren schon,
Doch mein Verrat an dir war wie ein Fluch
Und Albernheit und Torheit war sein Lohn:

Verzeihe mir! Nimm an als Wohlgeruch


Der tiefen Buße und der steten Reue
Mein Lob der Liebe, nimm du Buch um Buch,

Und dich an meinen Magnifikaten freue,


Die alle mir aus meiner Seele Trauer
Gestiegen sind, die ich dir einsam weihe

Und weihe Einsamkeit und Tränenschauer,


O Schwermutschwester! Schwester meiner Schwestern!
Dir weih ich meinen Leib: Ich bin ein Bauer

Und nicht so hübsch wie Meisen in den Nestern,


Dir weih ich alle meine Körperglieder
Und keins von ihnen soll dich jemals lästern.

Dir weih ich meiner Seele Freudenlieder


Und meiner Seele Klagemelodien
Und will dir weihen täglich immer wieder

Die Freundinnen, die alle vor mir fliehn,


Und meine Mutter, die mich einst geboren,
Und meines Leibes Zeuger, ja auch ihn,

Und jene, die sich in den Tod verloren,


Die wahre Mutter war: Gib du ihr Leben!
Dir weih ich Hände, Füße, Augen, Ohren

Und will dir meine Feuerzunge geben


Und jeglichen Gebetes Dank und Loben,
Dir meines Geistes Nach-der-Weisheit-Streben

Und alle Leidenschaften, die da toben,


All mein Verlangen nach Vereinigung;
Zieh alle meine Triebe du nach oben.

Gib täglich meiner Seele neuen Schwung,


Erneuere das Blut in meinen Venen
Und halt mein Herz am Leben, halt es jung,

Und führe meiner Seele heißes Sehnen


Und Leib und Geist im finsteren Exil
Und führ mich aus dem Schattental der Tränen

Zu deinem Gott, an meines Glaubens Ziel!


2. Sposalizio

O du des Herren Jesus Christus Mutter,


Am Kreuz von Golgota beschloß das Lamm,
Du seiest fort und fort der Jünger Mutter.

So zärtlich lieb ich dich - ein Bräutigam


Liebt dich so zärtlich - daß ich gar erheisch,
Wir seien als verlobtes Paar zusamm.

Drum hulde ich der Jungfraun Jungfrau keusch,


Der ich in Minneglut des Maien werbe:
Schau du barmherzig mir auf Geist und Fleisch,

Der Tag für Tag ich der Begier absterbe,


Mein Fleisch sich läutert in dem Brand der Minne,
Daß ich der Minnedame Reinheit erbe,

Die ich empfangen nicht durch meine Sinne,


Die ich empfangen hab durch meinen Glauben.
Du wolltest sein in meinem Herzen drinne

Als wie in blumenreichen Gartenlauben,


Da Rose blüht und schluchzet Nachtigall
Und voller Ruhe gurren Turteltauben.

Ich minne dich und darum fahr und wall


Ich auch zu deiner unbefleckten Grotte.
Ich trinke deiner Liebe Wasserschwall

Und weihe vorm Altare meinem Gotte


Zur Sposalizio den Silberring
(Geheim verbarg ich es vor allem Spotte).

Und da ich dir den Sang der Minne sing


Für die, in der ich deine Schönheit sah,
Der ich dir meiner Liebe Leiden bring,

Da sprachest du vom Himmelreiche: Ja!

3. Der Engel der Gemeinde

Ich ruhe unterm Mund der Pieta,


Die Kuß um Kuß auf meinen Goldmund taut.
Du führtest mich zu der Ecclesia,

Die allumfassend ist und Jesu Braut


Und Gottes Geist ist dieser Mutter Seele.
Dort hab ich Jesus unterm Brot geschaut

Und hörte Gottes liebliche Befehle:


Ich lege dir den Weg der Liebe vor,
Der Liebe Sakrament zum Heile wähle!

Da trat der Engel der Gemeinde vor


Und kündete in Gottes Retternamen
Den Traum des Herrn. Und der Gemeinde Chor

Antwortete dem Wort mit treuem Amen,


Da sprach das Wort von seines Geistes Traum:
Nimm zu dir nun die Dame aller Damen,

Als Weisheit waltet sie im Sternenraum


Und kommt als junge Gattin dir entgegen.-
O schönste Jungfrau mit des Schleiers Saum,

Mutter der Liebe, spende deinen Segen!

4. Scriptura

Dem ersten Menschen machte Elohim


Zur Hilfe und Gefährtin eine Frau.
O Gott, den Traum aus meiner Rippe nimm

Und kleide mit dem Traum die Liebe Frau,


Die da dereinst so wunderbar gebar
Wie die Prinzessin mit den Augen blau,

Des Patriarchen Schwester, wunderbar


Mit einem schönen Lächeln angetan.
O führe, Gott, zu mir im Schleier gar

Die Schwester Braut nach deinem Segensplan,


Die Magd, die tränken will auch die Kamele.
Laß mich allein dem Lebensbrunnen nahn

Und schaun der Hirtin schauende Juwele


Und sieben Jahr und sieben Jahr ihr dienen,
Die da die Meistgeliebte meiner Seele.

Laß auch die Magd im Mondschein süßer Mienen


Die Decke breiten über meine Füße,
Sie, die mir derart schön im Traum erschienen,

Im weißen Kleid der Jungfrau, übersüße,


Mit goldnem Schleier und mit goldner Spange.
Mit Küssen meines Mundes ich sie grüße,

Daß sie mich alle Ewigkeit umfange!

5. Mysterium Caritatis
Wie Gott die Menschheit liebt und sich vermählte
In deinem Schoß, ist das Mysterium.
Wie Jesus seine Braut mit Geist beseelte
Am Kreuze, ist das Evangelium.

Wie Adam einst gehoben aus der Seite


Die schöne Eva, so auf Golgatha
Aus des Erlösers bitterm Kreuzesleide
Geboren ward die Braut Ecclesia.

Wie Christus liebet als der Bräutigam


Ecclesia, die gottgeliebte Braut,
So wird ein jeder Mann von Adams Stamm
Jedweder Evastochter anvertraut.

Die Menschenliebe ist ein Gleichnis und


Ein Ebenbild der Liebe unsres Herrn.
Der Liebende ist so vor Liebe wund,
Die Frau wird ihren Mann als Meister ehrn.

So lebt und webt in aller Liebe Liebe,


Und Liebe wird zum Zeichen, daran kennt
Man Gottes unauflöslich-treue Liebe,
Drum gilt der Ehebund als Sakrament.

6. Antrag vor dem Sedes Sapientiae

Madonna, laß mich dir in Ehrfurcht nahn,


Sieh mich von unten nahen deinem Thron,
Den die Propheten ersten Bundes sahn.

Dein Thron, das ist der Thron des Salomon,


Ist Sedes Sapientiae, ganz weiß
(So weiß wie Trostesmilch aus rotem Mohn).

In tiefer Nacht erscheint im Strahlenkreis


Der Thron mit sieben Stufen, hoch und weit:
Die Klugheit alle guten Wege weiß,

Recht liebt die heilige Gerechtigkeit,


Die gute Sitte wahr das rechte Maß
Und allem Hasse wehrt die Tapferkeit.

Drei Stufen höher die Madonna saß:


Die Hoffnung blüht mit grünem Lebenstriebe,
Der Glaube war wie weißes Spiegelglas,

Als rote Rose blühte glüh die Liebe!


Von allen Tugenden die höchste Tugend
Ist Menschenliebe neben Gottesliebe!
Des Geistes sieben Tauben gurren rukend
Und sieben Flammen flammen um die Maid,
Die sitzt in unverwelklich schöner Jugend

Im roten Mantel und im roten Kleid,


Auf ihrem Schleier sitzt ein Diadem,
Am Seidensaume rosa Perlgeschmeid.

Ich hob die Stimme, Odem ich im Lehm:


Glorwürdige Geliebte meiner Seele,
Preis dir, Allheilige Jerusalem,

Schöner als Gold und Jade und Juwele


Ist deine Seele, du der Weisheit Schoß:
Ich fleh dich an: Mit meinem Geist vermähle,

Mit meinem Herzen deines makellos,


In meines Herzens Wohnung ziehe ein,
Erfreue meine Seele glorios,

Steh mütterlich mir bei in meiner Pein


Und sorge gnädig für mein täglich Brot,
Laß mich in Traum und Schlummer nicht allein

Und sei bei mir in Schwermut und in Not,


Du Herzensfreude, meiner Seele Glück!
Süß küss mich, Herrin, naht der bittre Tod:

Laß mich entschlafen unter deinem Blick!

7. Hymenäus! Hymenäus!

Ich will, Madonna, will dich alle Tage


Verehren als die wahre Blume blau,
Als Trost der Trauer, Hörerin der Klage,

Als Liebes-Becher, voll von Gnadentau,


Als Port der Ruhe mitten im Getümmel,
Als meine Herrin, meine Liebe Frau,

Als Himmelsschlüssel, wahre rote Primel,


Als Einzige und meines Herzens Rose,
Als meiner Liebe schönes Reich der Himmel,

Als ewig Keusche, ewig Makellose,


Als meines Lebens Liebeshimmelsleiter,
Mystische Lilie, mystische Rose!

Ich will dich lieben, ist das Herz mir heiter,


Ich will dich lieben, leid ich unterm Herben,
Von heut an lieb ich dich und immer weiter:

Ich möcht im Arme deiner Liebe sterben,


An Gottesliebe deiner Liebe gleich!
Ich schenk mich deinem Sohn, will ihn beerben,

In dir Gott loben, du mein Himmelreich!

Da sprach des Geistes Stimme der Maria


Im schönen Tempel zu mir gnadenreich:
Ich bin für dich die Heilige Sophia,

Der Schönen Liebe Mutter, sanft und weich,


Und reich an Tugenden und an Erkenntnis.
Ja, nimm mich auf in deines Herzens Reich,

Gott hat mit mir für deinen Geist Verwendnis,


Zusammen wollen wir den Schöpfer loben!
Ich nehme an dein liebendes Bekenntnis

Zu mir und neige meine Hand von oben


Und setz dir in das Haar der H o c h z e i t Krone -
Vor Wonne rauschen Schleppe mir und Roben,

Hab Dank! und sag auch JA zu meinem Sohne!

ÖKUMENISCHER DIALOG ÜBER MARIA


„Was die Marienfrömmigkeit angeht, so müssen wir uns alle im klaren darüber sein, daß es sich
hierbei nicht nur um ein Bedürfnis des Herzens, um eine sentimentale Neigung handelt, sondern daß
sie der objektiven Wahrheit über die Muttergottes entspricht. Maria ist die ‘neue Eva’, die Gott dem
neuen Christus-Adam gegenüberstellt.“
(Papst Johannes Paulus II)

„Damit lassen wir’s diesmal bewenden und bitten Gott um ein rechtes Verständnis dieses
Magnificat, daß es nicht allein leuchte und rede, sondern brenne und lebe in Leib und Seele. Das
verleihe uns Christus durch die Fürbitte und den Willen seiner lieben Mutter Maria. Amen.“
(Martin Luther)

KATHOLIK:
O Lob sei Jesus und Maria Ruhm!
PROTESTANT:
Mein Freund, das Lob für Jesus sprech ich,
Doch daran hab ich ja all mein Genüge
Und mag mich um Marien Ruhm nicht sorgen.
K:
Wohlan denn, sprechen wir von der Madonna,
Wie sie die liebe Bibel offenbart.
P:
Ich wüßt nicht, daß die Bibel offenbart
Maria, spricht sie nur von Jesus Christus.
K:
Bist du ein Schriftgelehrter Jesu Christi
Und dennoch blind in mancher Hinsicht, Freund?
Das Alte Testament beginnt mit Eva,
Des Neuen Bundes Schriften mit Maria.
Wir glauben beide, sie war eine Jungfrau,
Die jungfräulich den Logos uns geboren.
P:
Ja, das bekenn ich auch, ein „junges Mädchen“
Ist nicht genug gesagt, ja, sie war Jungfrau,
Die Gottes Wort vom Heiligen Geist empfing.
K:
Doch daß sie nicht den Ersten ihrer Söhne
Geboren hat, allein den Erstgebornen,
Den Eingeborenen des Ewigen Vaters,
Das sagen Schrift und Überlieferung,
Die frühen Kirchenväter sagens alle
Und auch dein Martin Luther hats geglaubt.
P:
Wir Protestanten glauben heute dies
Nicht mehr, wir lesen von den Brüdern Jesu.
K:
Im Licht der Überlieferung betrachtet,
Die aus der Predigt der Apostel stammt,
Sind diese Brüder nicht Marien Söhne.
Oft nennt die Schrift Verwandte Brüder, wie
Einst Jakob Labans Söhne Brüder nannte.
P:
Ich mein, das alles kann man nicht beweisen.
Doch wenn du Josef siehst, den Ehemann
Mariens, frage dich wie ich, mein Freund,
Ob er nicht eheliche Pflichten hatte,
Ob er nicht eheliche Rechte hatte,
Ich meine die Erkenntnis der Gemahlin?
Was hätte Gott dem Josef zugemutet,
Wenn er enthaltsam hätte leben müssen!
K:
Ich sage dir, wie Jesus sprach zu Petrus:
Du bist ein Ärgernis, du meinst was menschlich
Und nicht was göttlich ist! Bedenke doch,
Wie Paulus in der Leidenschaft für Jesus
Gesagt, gut ist es eine Frau zu haben,
Doch besser ist es ehelos zu leben.
Wenn du die frühe Kirche kenntest, Freund,
Dann wüsstest du, wie viele Fraun und Männer
Sich aller fleischlichen Erkenntnis gern
Enthalten haben, Bräute, Bräutigame
Verlassen haben, um dem Herrn zu folgen,
Jungfräulich wie der gottergebne Paulus,
Sich Jesus als den Bräutigam erwählten.
Nun denke dir, die Jungfrau hat geboren
Das Wort des Vaters, unseren Erlöser,
Geheiligt und begnadet von dem Herrn
War diese Jungfrau, die ihr ganzes Leben
Dem Herrn geschenkt in ihrem Ja als Magd.
Und Josef, war er denn nicht auch geheiligt?
Nährvater Jesu war er lange Jahre,
Ziehvater er des Sohnes Gott des Vaters!
Er sollte nun in der Begier des Fleisches
Vollenden, was er in dem Geist begonnen?
Das scheint ein allzu weltlicher Gedanke.
P:
Ach, das ist eure Heiligenverehrung!
Ich halte Josef und Maria für
Normale Menschen, so wie du und ich,
Ich glaub nicht an die Unbefleckt-Empfangne.
K:
Ach, müssen alle niedrig und gemein
Wie ich und du und Kinder dieser Welt
Und die in den Gesinnungen des Fleisches
Wie Tiere sich ergehen, alle sein?
Schau, den die Schrift den Heiligen und Herrn,
Den Heiligen in Israel, den König
Und Heiland nennt, den Quell der Heiligkeit,
Den Quell auch deiner Heiligkeit, mein Freund,
Der sollte seine Magd nicht heiligen,
Die er bestimmt hat, Mutter ihm zu werden?
Drei Jahre wanderte der Herr mit Petrus,
Doch dreißig Jahre lebte Jesus Christus
Im Hause seiner Mutter. Sollte er
Sie nicht geheiligt haben und begnadet,
Wie schon der Gruß des Engels Gabriel
Sie als Begnadete des Herrn begrüßt?
Bist Protestant und weißt nicht von der Gnade?
P:
Auf diesen Gruß des Engels komme ich
Zu sprechen, denn ich weiß, du betest oft
Das Ave was ich nicht verstehen kann.
Die Bibel nennt Maria zwar holdselig,
Doch sagt sie nicht, sie wäre voll der Huld.
Hier wurde hold und Huld vielleicht verwechelt?
K:
Das wäre möglich, o mein Sprachgenie,
Ward doch aus maris stilla maris stella.
Doch lassen wir den Spaß beiseite, Freund.
So weit ich weiß, hat Gabriel Maria
Begrüßt als die Begnadete. Wie wahr,
Ist doch die Gnade Gottes in Person
In ihren Jungfraunschoß herabgestiegen
Und hat in ihr gewohnt, die Gnade Gottes,
Ich meine Jesus Christus, Gottes Gnade.
Was wundert dich es da so sehr, mein Freund,
Wenn ich die Jungfrau, die da schwanger war,
Die Gnadenvolle nenne, voll der Gnade?
P:
Nun gut, so sag denn so, ich kanns verstehen,
Obwohl der Titel Gnadenvolle doch
Erscheinen läßt, als sei die Magd Maria
Aus eigenem Verdienste voll der Gnade,
So voll der Gnade, wie nur Gott es ist!
K:
Das ist ja das Mysterium, mein Freund,
Ist das Mysterium der Inkarnation
Des Logos, daß die Gnade Gottes nun
Sich allen Menschen schenken will aus Liebe,
Daß alle wir, die ohne Gnaden waren,
Weil Adam sie und Eva uns verscherzt,
Wir alle voll der Gnade werden durch
Die göttliche Vereinigung in Jesus
Mit der gefallnen Menschheit, mit dem Fleisch.
So sagt es Petrus ja in seinem Brief,
Daß wir durch Glauben Anteil haben dürfen
An Jesu Christi göttlicher Natur.
P:
Du redest sonderbar, doch meine ich,
Das gilt für alle Jünger Jesu Christi
Und gilt nicht für Maria nur allein.
K:
Was ich dir sagen will, ist, daß Maria
Die erste Jesus-Jüngerin gewesen,
Die Ja gesagt zu Jesus in der Demut,
Die Ja gesagt hat, Jesus zu empfangen,
Die Ja gesagt hat, Jesus zu gebären.
Wir alle, die wir uns bekehrt zu Jesus
Und Ja gesagt zu unserm Heil und Retter,
Wir alle folgen nur Maria nach,
Die es als Erste tat zu unserm Vorbild.
P:
Daß du Maria Jesus-Jüngerin
Und Magd des Herrn und Jungfrau-Mutter nennst,
Das teile ich in theologischer
Betrachtung, wenn ich auch zu Gott allein
Gebete sende, zu Maria nicht.
Doch kommst du mit dem Titel Gottesmutter,
So ist mir fast, ich höre Götzendiener,
Die da die Magna Mater angebetet,
Die sie ja auch die Göttermutter nannten.
K:
Der Titel Gottesmutter taucht zwar nicht
Wortwörtlich auf im Evangelium,
Doch hat auf dem Konzil von Ephesos
Die Alte Kirche Jesu Mutter so
Genannt, um Jesu Gottheit festzuschreiben.
P:
Ja, das Konzil von Ephesos, grad recht!
Auch Paulus kam dereinst nach Ephesos,
Da schrieen die Verehrer ihrer Göttin,
Wie groß Diana sei von Ephesos!
Fünfhundert Jahre später schrieen alle,
Wie groß und herrlich ist die Gottesmutter!
Maria scheint mir die katholische
Diana unter einem neuen Namen.
K:
Ich ehre hier das Reine deines Eifers,
Der da den Götzendienst von Herzen hasst.
Doch du verstehst die Alte Kirche schlecht.
Sie kämpfte gegen Häresie, die da
Wie einst die Gnosis leugnete die Wahrheit
Von zwei Naturen in Person des Herrn.
Den einen war die Gottheit als der Logos
Nie wahrhaft Fleisch geworden in Maria
Und nie zu unserm Heil am Kreuz gestorben,
Den andern war die Menschheit Jesu nur
Ein guter Mensch, ein Leib und eine Seele,
Sie leugneten die Gottheit Jesu Christi,
Wie auch die Juden und Muslime tun.
Die Kirche aber definierte heilig:
Das Wort ist Fleisch geworden in Maria!
Maria ist des Sohnes Gottes Mutter,
Ist nach dem Evangelium Jesu Mutter,
Da Jesus aber Gott vom wahren Gott,
Ist Sankt Maria Gott-Gebärerin,
Theotokos, wir sagen Gottesmutter.
Du selbst hast einst vor meinen eignen Ohren
Wahrhaftig aus der Heiligen Schrift bewiesen
Die Gottheit Jesu, darum freu dich doch:
Der Titel Gottesmutter zeugt davon.
P:
So kann man sagen, wenn es Gott allein
In seinem Sohne Jesus Ehre gibt.
Ihr aber stellt die Mutter neben Gott
Und gebt ihr Ehren, die nur Gott gehören.
Anbetung ist allein dem Herrn geschuldet!
K:
Das tun wir nicht, im Gegenteil, die Kirche
Zu Zeiten des Konzils von Ephesos
Schloß jene Frauen aus der Kirche aus,
Die da Maria angebetet haben
Als eine Göttin, gottgleich wie der Herr.
Nein, lies nur alle Kirchentheologen,
Sie alle sagen, daß Maria nur
Geschöpf, und was sie ist, ist sie aus Gnade.
P:
Ihr aber betet doch den Gruß Mariens,
Das Ave immer in dem Rosenkranz,
Das scheint mir, Freund, ihr plappert wie die Heiden.
K:
Vorzüglich, lieber Freund, wir sind nun wieder
Beim Evangelium von Jesus Christus!
Denn kenntest du das Rosenkranzgebet,
Du wüsstest, es ist eine Meditation
Des Evangeliums von Jesus Christus,
Das mit Marien Augen wird betrachtet.
Wir teilen nur der Gottesmutter Freude,
Die Jesus einst in Bethlehem geboren,
Wir teilen nur der Gottesmutter Schmerzen,
Die mit dem Herrn auf Golgatha gelitten,
Wir teilen nur der Gottesmutter Jubel,
Die saß zu Pfingsten im Apostelkreis.
Wir meditieren Jesu Christi Leben,
Das Glück, die Leiden und die Herrlichkeit,
Natur und Gnade und Verklärung Jesu,
Und immer mit den Augen seiner Mutter.
Dazu verwenden wir die Worte aus
Dem Evangelium, den Engelsgruß
Und Gruß der heiligen Elisabeth
Und fügen an: Maria, Gottesmutter,
Bitt für uns jetzt und in der Todesstunde!
P:
Und grad der Anhang stört mich ja so sehr.
K:
Warum, sitzt ihr nicht auch in eurem Hauskreis,
Wo einer für den andern Fürsprach hält
Und bittet Gott um die erwünschten Gnaden?
Ich weiß, wie Martin Luther traurig war
Und schrieb an seine Freunde in dem Herrn:
Ich habe vielen Menschen Trost gebracht,
Nun aber bin ich traurig und verschmachte,
Da bitt ich euch, o bittet doch für mich
Zu Gott, das wird mir sein ein rechter Trost.
Was soll ich nicht Maria bitten, Freund,
Daß Gottes Magd für meine Sünden fleht
Zu Gott und mir erfleht viel reiche Gnaden?
P:
Der Unterschied, den du vergessen hast,
Ist, daß des Luther Freunde alle lebten,
Maria aber tot ist und im Jenseits.
Und Mose sagt, wir sollen Tote nicht
Beschwören, nimmer sein wie Saul zu Endor.
K:
So kühl, mein Freund, der du den Himmel liebst?
Statt von dem Himmel sprichst du von dem Jenseits?
So reden sonst nur Okkultisten, Freund,
Wir sagen aber: Himmel, Paradies!
Meinst du, Maria sei im Totenreich
Wie Samuel, den Saul beschwören wollte,
In dem Scheol? Ist Jesus doch gestorben
Zum ewigen Leben aller Jesus-Jünger!
Maria aber, die den Herrn geboren,
War Erste aller Jesus-Jüngerinnen!
Schau, Petrus floh vorm Hügel Golgatha,
Maria aber stand beim Herrn am Kreuz.
Schau, Paulus selbst verfolgte die Gemeinde,
Doch Jesus Christus lebte dreißig Jahre
In seiner Mutter Haus, sie war ihm treu.
Johannes selbst, der Freund der Gottesliebe,
Rief Feuer des Gerichtes einst herab,
Maria aber bat zu Kana Jesus,
Er möge Hochzeitsleuten Wein bescheren.
Maria Magdalena auch, die Freundin
Des Herrn, war eine große Sünderin,
Der Auferstandene traf sie als Erste,
Doch von der Jungfrau nichts ist überliefert,
Was einen Makel auf sie werfen könnte.
Sie ist im Himmel, glaube mir, mein Freund!
Wie Christen auf der Erde Fürsprach halten,
So bitten auch die Christen in dem Himmel
Zu Gott für uns, die Pilger sind nach Zion.
P:
Zurück zum Evangelium, mein Freund.
Du selber sprachest von dem Fest zu Kana.
Maria bat dort Jesus um ein Wunder,
Und schaue ich in meine Lutherbibel,
So sagte Jesus da zu seiner Mutter:
Weib, was denn habe ich mit dir zu schaffen?
K:
In Ehren halte ich den Dichter Luther,
Ja, seine Bibel ist so hochpoetisch,
Auch mir ist sie doch lieber als die andern,
Besonders sind die Psalmen wunderschön.
Das ändert nicht, daß Luther Fehler machte.
Gott sprach dereinst auf Sinai Gebote
Und sagte: Ehr den Vater, ehr die Mutter!
Und Jesus, der ja ohne Sünde war,
Er ehrte seinen Vater, nämlich Gott,
Und seine Mutter auch, das ist Maria.
Nun, spricht ein Sohn denn so mit seiner Mutter?
Nein! Wörtlich übersetzt heißt’s: „Was du mir?“
Die Einheitsübersetzung übersetzt:
Was möchtest du von mir, o Frau? Und das,
Mein Freund, das fragte Salomo dereinst
Die Königin Bathseba, als sie fürsprach
Für Adonia wegen Abischag,
Das fragte auch Ahaschverus die Esther,
Die da fürsprach fürs auserwählte Volk.
Maria bittet hier für unsre Freude,
Der Hochzeit Freude und des Weines Freude.
Du siehst, der Herr erfüllte ihren Wunsch
Und tat sein erstes Wunder ihr zu Liebe.
Maria aber, was sagt da Maria
Zu jenen Schenken? Tut, was Jesus sagt!
So sagte sie, so sagt sie auch noch heute!
P:
Und nennst du schon die Einheitsübersetzung,
Wo Luther Weib sagt, sagt sie doch auch Frau.
Er sagte Frau, er sagte da nicht Mutter.
Hat er sich damit denn nicht distanziert
Und so Maria einfach eingeordnet
Ins Gottesvolk und sie nicht so bevorzugt,
Wie es bei euch mir immer scheinen will?
K:
Gewissermaßen ja, um unsertwillen.
Glaubst du, daß Jesus Petrus innig liebte?
P:
Ich glaube, Jesus liebte Petrus innig.
K:
Und hat der Herr nicht einst gesagt zu Petrus:
Geh von mir, Satan, mir ein Ärgernis!
Er sprach zu Petrus damals dieses Wort:
Du meinst was menschlich ist und nicht was göttlich!
Denn Petrus wollte nicht, daß Christus litt,
Doch Christus wollte leiden, ja, er wollte
Freiwillig leiden, freien Willens sterben!
Denn menschlich ist die Furcht vor Kreuz und Tod,
Doch göttlich ist das Ja-Wort an das Kreuz!
P:
Was hat das nun zu schaffen mit Maria?
K:
Es ist das selbe. Jesus sagt: O Frau!
Denn sie ist in der Ordnung Gottes ein
Geschöpf, ist eine Frau, die Jesus liebt,
Die Jesus bittet, unsern Herrn und Gott,
Wie wir auch bitten unsern Herrn und Gott.
Es ist um unsertwillen so gesagt.
Wir bauen ja nicht auf Natur und Fleisch,
Wir bauen einzig auf die Gnade Jesu.
So lehrte Jesus auch Maria hier,
Sie solle nicht auf die Natur sich gründen,
Sie solle sich allein auf Gnade gründen.
Maria ging ja auch den Pilgerweg
Des Glaubens, lebte in des Glaubens Nacht
Und nicht im Licht des reinen Schauens Gottes.
Zu Anfang gar verstand sie nicht die Worte,
Die sprach der Jesusknabe in dem Tempel,
Doch, sagt die Schrift, bewahrte sie die Worte,
Bewegte sie die Worte in dem Herzen,
Uns Vorbild auch in dieser Hinsicht, daß
Wir Jesu Worte, die wir nicht verstehen,
Bewahren in dem Herzen und bewegen
Und nicht verwerfen gar in unsrer Torheit,
Denn Gottes Geist wird uns erleuchten, uns
Gibt Jesus eine Gnade nach der andern.
So wuchs Maria auch in ihrem Glauben
Und sagte immer wieder Ja zu Jesus.
P:
Nun aber erst die Stelle in der Schrift,
Da Jesu Mutter, Jesu Brüder kommen
Und Jesus sehen, Jesus sprechen wollen.
Er aber sagte da zu seinen Jüngern:
Wer Gottes Willen tut, der ist mir Mutter,
Wer Gottes Willen tut, der ist mir Bruder,
Wer Gottes Willen tut, der ist mir Schwester.
Und ließ Maria gar nicht zu sich treten!
K:
O weh, daß du sie auch so gar nicht kennst!
Nicht, weil sie seine Mutter nach dem Fleisch,
Ihn in dem Fleisch geboren hat, ist sie
Die Mutter Jesu in der Gnade Ordnung,
Doch weil sie Gott des Vaters Willen tat.
Als einst der Herr zu Abraham und Sara
Im Haine Mamre vor das Zelt getreten,
Verhieß der Herr den beiden einen Sohn,
Obwohl doch Sara neunzig Jahre zählte,
Da lachte Sara, denn sie glaubte nicht.
Und doch nennt Paulus Sara unsre Mutter,
Die wir sind Kinder Saras und nicht Hagars.
Als Gott jedoch den Engel Gabriel
Zur Jungfrau sandte und ihr sagen ließ:
Du wirst gebären Gottes Sohn, o Jungfrau,
Wirst keinen Mann erkennen, Gottes Geist
Wird Gottes Sohn in dir erzeugen, Jungfrau -
War dies denn nicht ein Wunder mehr als Saras?
Was sagte da die Jungfrau? Schau, sie sprach:
Ich bin die Magd des Herrn und mir geschehe
Nach Gottes Wort und Willen! Tat sie denn
Da nicht den Willen Gottes unsres Vaters?
Und als sie uns gebar den Herrn und Heiland
Und als sie mit ihm fortzog nach Ägypten
Und als sie ihn erzog in Nazareth
Und als sie dreißig Jahre mit ihm lebte,
Den sie beschneiden ließ im Tempel und
Dem Priester und Propheten Simeon
In seine Arme legte, als sie Jesus
Zum Passafeste führte, als sie Jesus
Gefolgt nach Kana, nach Jerusalem,
Und als sie stand am Hügel Golgatha
Und litt in Schmerzen ihres Sohnes Opfer
Und als sie auch Johannes angenommen
Als Sohn und war dem Jünger eine Mutter,
Wie Jesus es an seinem Kreuze wollte,
Und als sie nach der Himmelfahrt des Herrn
Mit Jesu heiligen Aposteln saß
Und Magdalena und den andern Frauen
Und da verharrte im Gebet zu Gott
Und als sie auch den Geist des Herrn empfing
Zu Pfingsten in dem Kreise der Apostel -
O Freund, tat sie nicht immer Gottes Willen?
Wer war gehorsam jemals wie Maria?
Und nun erinnre dich, wie Jesus sagt:
Wer Gottes Willen tut, ist meine Mutter!
Ist Mutter in der Ordnung seiner Gnade,
Nicht nur nach der Natur; darum die Szene.
P:
Nun ja, sie war wohl eine Jüngerin.
K:
Nun will ich aber einmal dich auch fragen.
Ich hielt mich lang in euren Kirchen auf
Und hörte Predigt über Predigt, hörte
Die unbekanntesten Geschichten aus
Dem Alten Testament in neuer Deutung.
Doch wer hat von der Mutter je gepredigt,
Die Jesus uns geschenkt hat, unsern Herrn,
Indem sie Ja gesagt zu Gott dem Vater
Und ließ sich von dem Geiste überschatten!
Und wenn ihr jedes Schriftwort diskutiert
In euren Bibelstunden, warum nie
Die Worte, die der Engel zu Maria
Gesprochen hat, und dieser Jungfrau Antwort,
Und nie den Jubel der Elisabeth:
Wie hüpfte von der Stimme deines Grußes
Das Kind in meinem Schoße, o Maria,
Du bist gesegnet unter allen Frauen!
Wie wird mir, daß die Mutter meines Herrn
Zu mir in meine arme Hütte tritt?
Fürwahr, Maria, du bist selig, weil
Du den Verheißungen des Herrn geglaubt!
Was sann man niemals über Simeon,
Der zu der Mutter Jesu sprach das Wort:
Ein Schwert durchbohren wird dir deine Seele!
Ihr sprachet oft von Pauli Pfahl im Fleisch,
Ihr sprachet oft von Jesu Dornenkrone,
Nie von dem Schwerte in Mariens Seele!
P:
Die Kunst ist lang, das Leben kurz, mein Freund,
Und will man alle Wunder Jesu sagen,
So fasst das Universum nicht die Bücher.
K:
Nein, die Entschuldigung laß ich nicht gelten!
Ich war in euren jugendlichen Kirchen
Und hörte euren Jubel über Gott
Den Vater, über Jesus und den Geist,
Doch hörte einer von dem Magnificat,
Verzog er wie vor Schlangen sein Gesicht.
Mein Geist freut sich der Größe Gottes und
Die Seele jubelt über meinen Heiland!
Ist das denn nicht ein schöner Lobgesang?
Dies Lob auf Gott, das habt ihr nie gesungen!
Ihr musstet sogar Luthers Werk vergessen,
In dem er ausgelegt das Magnifikat.
Frag Lutheraner, Evangelikale
Und Charismatiker: Wer kennt das Werk?
Doch Martin Luther hatte all sein Lebtag
Ein Bild Mariens in der Kammer hängen
Und Bach hat ihr zu Ehren musiziert.
P:
Sie waren eben noch so halb katholisch.
K:
Wie? Euren heiligen Apostel Luther
Und Gottes Musicus Johannes Bach
Rückst du zur großen Hure Babylon?...
Scriptura sola, sola gratia!
Bedenke doch Mariens großen Lobpreis,
Der charismatischen Begnadeten
Gesang, wie er geschrieben in der Schrift:
Von nun an werden sie mich seligpreisen,
Die Kinder und die Kindeskinder alle!
Maria war Prophetin! Ja, wir preisen
Sie selig! Wo bleibt eure Seligpreisung
Mariens, die erwünscht der Heilige Geist!?
P:
Ich halt es da mit Paulus, der da sprach:
Alleine Christus den Gekreuzigten!
K:
Gut, Freund, betrachten wir die Kreuzigung,
Wie sie die liebe Bibel uns erzählt.
Stimmst du mir zu, daß alles exemplarisch
Für uns geschrieben, ja, für alle Zeiten,
Daß kein Detail der Kreuzigung des Herrn
Aus Zufall so erzählt und nebensächlich?
P:
Was mich betrifft, ich bin ein Biblizist
Und glaube, daß die Schriften inspiriert
Vom Geiste Gottes sind, zu unserm Heil,
Auf daß die Welt erkennt den Retter Jesus!
K:
Das glaub ich auch, das Evangelium
Ist von dem Heiligen Geist für uns verfasst,
Doch sollen wir es nicht allein betrachten
Auf seine Lettern hin, vielmehr im Geiste!
P:
Doch glaub ich das nur, was geschrieben steht.
K:
Wohlan denn! Jesus ging nach Golgatha,
Aus freiem Willen Leid auf sich zu nehmen,
Er litt die heilige Passion, er litt
Die Flucht der Freunde, litt die Leugnung Petri,
Das waren Leiden seiner Seele, die
Ihm bitterer gewesen als der Schmerz
An seinem Fleisch. Und hätt es ihn getröstet,
Wenn jemand Treue ihm gehalten hätte,
Auch als es an das Kreuzesleiden ging?
Ach, viele folgen ihm nach Tabor gern,
Doch wer folgt Jesus auch nach Golgatha?
Da sagt die Schrift, Johannes, Magdalena
Und auch die Mutter Jesu waren treu
Und standen unterm Kreuz auf Golgatha.
P:
Du willst Maria sicherlich betrachten,
Ich denke nur an Christus an dem Kreuze.
K:
Ja, waren wir uns denn nicht einig, Freund,
Daß kein Detail des Evangeliums
Umsonst geschrieben, Zufall nur und Beiwerk?
Johannes, Magdalena und Maria
Sind nicht nur Zierrat für die frommen Maler,
Nein, Gottes Geist als Erzpoet der Schrift
Will uns die Kreuzigung des Herrn erklären
Im liebenden Verhältnis zu den Menschen.
Johannes sind und Magdalena dort
Als Stellvertreter, Freund, für dich und mich,
Als heilige Exempel, uns zur Lehre.
P:
Als Christus damals an dem Kreuze litt,
O Bruder, litt er auch für dich und mich!
K:
Fürwahr, ich hab erkannt, ich bin ein Sünder,
Drum tret ich in Maria Magdalena
Zum Kreuze Christi, fass die Füße Christi,
Benetze sie erneut mit meinen Tränen
Und leide mit dem Herrn in seinen Leiden
Und lieb den Sohn in der Erniedrigung,
Vereine mich mit meinem Bräutigam
Durch heiße Tränen und durch heiße Liebe!
Entscheide du dich nun und sei Johannes!
P:
Dann wäre ich ja Jesu Lieblingsjünger,
Johannes, welchen Jesus Christus liebte!
K:
Das bist du auch, bist Jesu Lieblingsjünger!
Hörst du, was Jesus zu Johannes sprach?
P:
Johannes, sieh Maria, deine Mutter,
Maria, sieh Johannes, deinen Sohn!
K:
Sprach Jesus dies nur zu dem Donnersohn,
Dem Sohn des Zebedäus nur, dem Fischer?
Spricht er das nicht zu dir auch, Jünger Jesu?
P:
Das wird man nimmer wohl beweisen können.
K:
Schau, Paulus ward geohrfeigt von dem Satan
Und flehte dreimal zu dem Herrn um Schonung,
Da sprach der Herr zu ihm, da sprach sein Gott:
An meiner Gnade laß du dir genügen,
Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!
Nun stellt ihr euch in euren Kirchen auf
Und singt: An Gottes Gnade ists genug,
In meiner Schwachheit bin ich stark im Herrn!
Wenn Gott das nicht zu Paulus nur gesagt,
Vielmehr auch dir noch heute sagt, o Christ,
Was gilt das Wort, das Christus von dem Kreuz
Als Testament zum Lieblingsjünger sprach
Nicht auch für dich, o Christ, den Christus liebt!?
P:
Maria soll nun meine Mutter sein?
Ich weiß, ihr seid ja ganz verrückt vor Müttern,
Die Kirche Romas ist euch eine Mutter,
Theologie der Wissenschaften Mutter,
Maria nun die Mutter aller Christen,
Das muttert so vor lauter Übermutter!
K:
Nein, das ist nicht gerecht und ist nicht lieb,
Daß du vor Gott die Mutterschaft so schmähst.
Sagt nicht der Geist durch den Propheten: Gott,
So sagt Jesaja, tröstet wie die Mutter!
Und der Psalmist lobsingt in einem Psalm:
Als wie ein Kind im Arme seiner Mutter
Ist meine Seele in den Armen Gottes!
Und Salomo und Jesus Sirach sagen,
Die Weisheit Gottes ist wie eine Mutter.
Schau, Eva ward genannt, die erste Frau,
Die Mutter aller Lebenden; sie fiel,
Weil sie ihr Nein zu Gottes Liebe sprach;
Maria aber sprach ihr Ja zu Gott
Und wurde Mutter Jesu. Jesus aber
Ist unser Leben, ewigliches Leben.
P:
Das glaub ich auch, daß die Maria
Die Mutter Jesu ist, der unser Leben.
Doch warum sollte sie auch meine sein?
K:
Sankt Augustin, den Martin Luther schätzte,
Sprach einst von Christus als dem Christus totus,
Das heißt, dem ganzen Christus. Wie du weißt,
Wird Jesus Christus auch das Haupt genannt,
Des weitern ist die Kirche Christi Leib.
P:
Ja, die Gemeinschaft aller Gläubigen
Ist Jesu Leib, das will ich gern bekennen,
Und jeder Jünger ist ein Glied am Leib.
K:
Und kann es sein, daß nun das Haupt, der Herr,
Hat Gott zum Vater - Gott ist unser Vater -
Und hat Maria auch zur Mutter, aber
Maria wäre nun nicht deine Mutter?
Sind Haupt und Leib nicht Ein Mysterium,
Mit Gott zum Vater, Gottes Magd zur Mutter?
P:
Wo steht das in der Schrift, du Theologe?
K:
Sagt Jesus nicht, das Wort ist wie ein Senfkorn
Und wird zum Baum, darin die Vögel nisten?
Der Fundamentalismus ist ein Senfkorn,
Der Kirche Lehre ist ein Lebensbaum.
P:
Und sollte Jesus Christus auch vom Kreuze
Maria jedem Christ zur Mutter geben,
So bin ich adoptiert? ist das ein Gleichnis?
K:
Gott sprach dereinst vom Berge Sinai:
Du ehr den Vater und du ehr die Mutter!
Nun glaube ich, du bist ein frommer Christ,
Und ehrest den, der deinen Leib gezeugt,
Und jene ebenfalls, die dich geboren?
P:
Ja, Vater ist und Mutter ist mir wert.
K:
Nun glaubst du auch, der du so gerne sprichst
Von deiner Neugeburt in der Bekehrung,
Daß Gott der Vater dir dein Vater ist.
Ja, ist denn Gott nicht mehr noch Vater dir
Als deines Leibes sterblicher Erzeuger?
P:
Gott ist mein Vater alle Ewigkeit!
K:
Und da Maria also im Gehorsam
Auf Gottes Wort das Leben uns gebar,
Damit das Wort im Fleisch am Kreuze sterbe,
Auf daß wir Leben haben ewiglich,
Da wehrst du ihr den Titel einer Mutter?
P:
Was weiß ich denn, ob mich Maria liebt?
K:
Woher denn weißt du, daß dich Jesus liebt?
P:
Ich weiß es aus der Schrift, steht doch geschrieben,
Er liebte mich bis zu dem Tod am Kreuze!
K:
Und das ist alles, nur aufgrund der Lettern?
P:
Nicht nur alleine, weils geschrieben steht,
Erfahr ichs täglich auch in dem Gebet.
K:
So grüße manchmal nur die Gottesmutter
Mit jenem Ave, das der Engel sprach,
Und sie wird ihre Liebe dir erweisen.
P:
Doch hat sie nicht gelitten wie mein Herr.
K:
Du weißt sehr wenig von der Mutter Herzen.
Erinnre dich an deine eigne Mutter
Und denke dir, sie müsste sehen wie
Gottlose dich als Christen folterten,
Dir würden alle Glieder ausgerissen,
Man lachte über dich, verspottete
Dein Leiden, deine Liebe zu dem Vater,
Und höhnte dich, verzeihtest du den Feinden,
Und schlüg dir Nägel durch die Händ und Füße,
Durchbohrte dir mit einem Schwert das Herz,
Und denke dir, dieweil du so gelitten
Als Zeuge für die große Liebe Gottes,
Da hätte Gott der Vater dich verlassen,
Du schreist in deiner Leib- und Seelenpein:
Mein Gott, mein Gott, was hast du mich verlassen! -
Was ginge da in deiner Mutter vor,
Ihr, die das Fleisch geboren, das da leidet,
Die deine Seele kennt wie niemand sonst,
Die dich geliebt wie sonst kein Mensch auf Erden,
Sie leidet! Glaubst du mir das, o mein Freund?
P:
Maria hat wohl unterm Kreuz gelitten.
K:
Und weißt du von den Wirkungen der Leiden
Und von den Früchten solcher Seelenschmerzen?
Schau die Geschichte dir der Kirche an,
Aufs Blut der Märtyrer ist sie gegründet,
Wo immer Christi Marterzeugen starben,
Wuchs daraufhin die Liebe zu dem Herrn.
Wie hat einst Stephanus gelitten und
Wie groß war seine Feindesliebe da!
Was mußte Paulus doch für Jesus leiden
Und wie so groß war seine Liebe doch,
Er ließe eher sich von Gott verdammen,
Als daß nur Einer seiner Jünger fiele
Durch Sünde in die ewige Verdammnis.
Kennst du Johannes von dem Kreuze auch,
Ich mein den Mystiker aus Spanien.
Sein Leben war ein Leiden für den Herrn,
Er hat gelitten an den falschen Brüdern
Und an der Gottverlassenheit gelitten,
Da wurde seine Liebe derart groß,
Daß er ein zweites Hoheslied gesungen
Von der gott-menschlichen Vereinigung!
Und kennst du auch Therese von Lisieux,
Die mystisch ihre Nacht des Nichts gelitten,
Gottlosen nachgefühlt, die Gott nicht kennen,
Die keine Hoffnung auf den Himmel haben,
Sie litt die Leiden dieser armen Seelen,
Da wurde ihre Liebe derart groß,
Daß sie verstand, was Nächstenliebe ist,
Daß sie aus Gottesliebe leiden wollte,
Daß sie aus Gottesliebe sterben wollte
Und daß sie wär im Herz der Kirche Liebe!
Und nun Maria! Denk dir ihre Leiden,
Ihr Leid, das war ein mütterliches Mit-Leid
Mit jenen grenzenlosen Leiden Christi,
Daß auf Maria Jeremias Wort
Aus seinen Klageliedern passend ist:
Ihr, die vorübergeht, seht meinen Schmerz,
Sind keine Schmerzen je wie meine Schmerzen!
O Freund des Herrn, erahnst du nun die Liebe,
Die lebt für dich in dem Marienherzen?
Sie hat sich mit dem Opfer Jesu Christi
Vereinigt durch das Mit-Leid einer Mutter.
Wie Jesus da für alle Menschen litt,
Hat sie für alle Menschen mitgelitten.
Wie Jesus Christus alle Menschen liebt,
So liebt Maria auch die Menschen alle!
P:
Laß mich nur einen Augenblick versunken
In stiller Andacht sein, mein Glaubensbruder.
(Stille.)
Einst hab ich die Sixtinische Madonna
Von Raffael gesehn, ein schönes Bild,
Ein wenig zum Verlieben diese Frau.
K:
Mein Lieber, du hast recht, wir nennen ja
Maria doch auch Unsre Liebe Frau.
P:
Und das ist alles, was geschrieben steht
Von der Maria, die du also liebst?
K:
Du bist in Israel ein Lehrer und
Weißt nicht, daß mehr von ihr geschrieben steht?
Als Jesus auferstanden von den Toten
Und aufgefahren in das Himmelreich,
Da warteten die Jünger auf den Geist,
Den Jesus Christus ja verheißen hat,
Den Führer in die Wahrheit, Trost und Beistand.
Da saßen nun die heiligen Apostel
Mit Magdalena und den andern Frauen
Und mit der Mutter Jesu in dem Saal,
Einmütig und beharrlich im Gebet
Erwarten sie den Trost der ganzen Welt.
P:
Wohl eher nebensächliche Erwähnung
Mariens find ich hier, kaum von Bedeutung.
K:
Ein sonderbares Volk, ihr Biblizisten,
Kein Jota geht euch von der Schrift verloren
Und überlest Marien Namen hier.
Nein, in der Urgemeinde Jesu Christi
Sehn wir ein Abbild unsrer Kirche schon,
Die wir die Ankunft unsres Herrn erwarten
Und flehn um Jesu Ankunft allezeit.
Doch das ist wahre Kirche nicht allein,
Wo Hirten, Lehrer und Verkündiger,
Die wahre Kirche Christi ist allein,
Wo in dem Kreise ist die Mutter Christi,
Des Hauptes Mutter und des Leibes Mutter.
Da kam der Heilige Geist wie Feuersturm
Und brauste durch das Haus mit Feuerzungen.
Maria, von dem Geiste überschattet
Bei der Verkündigung des Herrn und Retters,
Ward nun erneut vom Heiligen Geist getauft,
Getauft mit Feuer und mit Heiligem Geist,
Darum nennt auch die Kirche Jesu Mutter
Maria eine Braut des Heiligen Geistes.
P:
Kann ich auch die katholische Betrachtung
Mariens in dem Evangelium
Verstehn nicht oder gar von Herzen glauben,
So glaube ich doch dir zumindest, Freund,
Daß du es ehrlich meinst, Maria ehrst
Allein aus Glauben an den Herrn und Gott,
Der unser beider Herr ist, Jesus Christus.
Ihr gebt Maria viele andre Titel,
Das will mir alles nicht recht ein, mein Freund.
K:
Ein andres Mal erklär ich mehr davon,
Dem Fundamentalisten Fundamente
Katholischer Verehrung Sankt Mariens
Zu zeigen, mehr begehr ich vorerst nicht.
Bemühe dich und lern Maria kennen,
Sie wird dir alles Weitere erklären.
Sie lebt und spricht vom Himmel zu den Christen,
Wie wir den Weg mit Jesus gehen sollen,
Mein Freund, indem wir beten, beten, beten.
Nun aber ist mir meine Zunge trocken.
P:
Ich hol den roten Franken aus dem Keller.
K:
Man halt ein wenig Torheit mir zugute.
P:
Und trinken laß uns auf die schönen Frauen!
[Inhalt]

DIE PROPHETENKÖNIGIN

„Nous voici désormais, o reine des prophètes,


Plus clairs que l’eau du puits de l’ancien testament.“
(Charles Péguy)

ERSTER GESANG

Singe, Muse, mir die vielbewunderte göttliche Mutter,


Führe die Schwanenfeder ihrem Sänger der Minne,
Der in Sonetten schon und Terzinen Hymnen gesungen,
Daß er erneut das Reich Marien und Jesu verkünde!

Siehe, im Anbeginne die ewig einsame Gottheit


Lebte dreifaltige Liebe in der göttlichen Einheit,
Da das Einige Ein sich spiegelt in göttlicher Einheit
In der Vereinigung durch die Liebe des einenden Geistes.

Wie aber singen von dir, o unergründliche Gottheit?


Ungenügend die Worte alle der menschlichen Sprache,
Wie auch nicht immer zur Sprache bringt die Sehnsucht des Herzens
Die dogmatische Sprache, die liturgische Sprache.

Sollen wir singen Gesang der apostolischen Kirche,


Folgen wir doch dem Ruf als charismatischer Dichter,
Den die Kirche ergehen ließ an die christlichen Künstler,
In der Freiheit der Kunst allein der Weisheit zu folgen!

Weisheit, in dir allein erblicken wir göttliche Schönheit,


Du bist die Meisterin und die Mutter aller Geschöpfe,
Dich lobpreisen wir, Muse und Dichter, den heiligen Schriften
Und den verehrungswürdigen Traditionen entsprechend.

Weisheit, wir rufen hier von unserem irdischen Sitze


Flehend zu deiner Gottheit: Erleuchte und leite den Sänger,
Daß der Gesang des Thrones, der Mutter und Herrin der Weisheit
Von dem Dichter des Frauenlobes sei würdig gesungen.

Oh, wir wollen es wagen, dich, unendliche Gottheit,


Allumfassender Schoß der Schöpfung, Mutter zu nennen,
Die du allein aus Nichts und deinem göttlichen Willen
Sozusagen jungfräulich alle Schöpfung geboren.
Du bist der Schoß, dem in allen Ewigkeiten entquollen
Und in allen Ewigkeiten entquillt die Ewige Weisheit
Und entquellen wird zur Ordnung alles Geschaffnen,
Deiner schöpfrischen Einsamkeit jungfräulicher Spiegel.

Göttliche Weisheit, Meisterin aus der Ewigen Mutter,


Du bist Spiegel der Gottheit, Ausfluß des ewigen Wesens,
Du die Fassung des einigen Ein, geboren aus Liebe,
Ausgeboren aus Gottheit, bist du die Göttliche Weisheit.

Siehe, Weisheit, allein in deiner harmonischen Ordnung


Ist die Schöpfung geboren von der Ewigen Mutter,
Die dich zum alldurchwaltenden Liebesprinzip in der Schöpfung
Ewig bestimmte, alles Geschaffnen Anfang und Ende.

Dir aber, Ewige Mutter, und dir, o Göttliche Weisheit,


Ist entflossen von Herz zu Herzen die Flamme der Liebe,
Die lebendige Liebesflamme der göttlichen Gottheit,
Lebensgestaltende geistige Kraft, die Atmung der Gottheit.

Ruach nennen wir die im Anbeginn brütende Taube,


Das ist verdolmetscht: Geistin! Ausgebärende Gottheit
Aus der Gottheit Mutter und der Göttlichen Weisheit,
Beider Geistin, im Anbeginn über dem Tohuwabohu.

Siehe, die Ewige Mutter wollte die Schöpfung erschaffen,


Daß sie alles Geschaffne mit lauterer Liebe erfülle.
Siehe, so überaus selig war die dreifaltige Gottheit,
Daß sie verströmen wollte ihrer Glückseligkeit Wonne!

Darum schuf sie in der Geburtsstunde alles Geschaffnen


Himmel und Erde, das Sein aus dem Nichtsein, einzig aus Liebe,
Ihre Liebe und Gnade und unendliche Wonne
Gutgeschaffnen Geschöpfen teilhaftig werden zu lassen.

Wie eine liebende Mutter von unzähligen Welten


Wollte die Allerheiligste, die dreifaltige Gottheit,
Ihren Geschöpfen Leben schenken, glückseliges Leben,
Wonne durch Anteilhabe an der göttlichen Wonne!

Darum schuf sie die unsichtbaren Welten der Himmel,


Schuf den Himmel der Erde und den Himmel der Engel
Und den dritten Himmel zum Aufenthalte der Gottheit,
Da die Engel anbeten die dreifaltige Gottheit.

Und sie erschuf die Engel in der Ordnung der Weisheit,


In harmonischer Ordnung, in neunfältigem Chore,
In neunfältigem Chore zum Lob dreifaltiger Gottheit,
Erzengel, Engel, Throne, Gewalten, Herrschaften, Mächte.

Siehe, die Allerheiligste Gottheit erschuf ihre Engel


Für die Seligkeit und den Gesang, unendlichen Lobpreis
Weihten die Geister aus grenzenloser Dankbarkeit Wonne
Ihrer Schöpferin, ihrer Mutter, der Göttlichen Weisheit!

Auf den Gipfelgraten der Schöpfung, die Söhne des Morgens


In dem Morgenglanze der Ewigkeit, all die verwöhnten
Engel jubelten, Morgensterne, über die Schöpfung.
Engel der Engel war Luzifer auf dem Berg der Versammlung.

Aber die ewige Vorsehung in der göttlichen Weisheit


Wollte Geschöpfe schaffen aus dem Staube der Erde,
Aus der Materie, und beseelen mit geistigem Odem
Aus dem göttlichen Odem, zur Wonne der schöpfrischen Gottheit.

Aber die Gottheit wollte aus Staub allein nicht erschaffen


Sich zum Bilde und Gleichnis sich das Geschlechte der Menschen,
Sondern vielmehr noch, o Wunder, um bei den Menschen zu wohnen,
Selber menschlich werden aus dem Schoß einer Jungfrau!

Da die Weisheit betrachtete in dem innersten Sinne


Ihrer Vorsehung ihre kommende Menschwerdung, siehe,
Schuf sie im Geiste die Idee der jungfräulichen Mutter,
Die gebären sollte die inkarnierende Gottheit.

Allen den Morgensternen des Himmels zeigte die Gottheit


In dem herrlich erstrahlenden Lichte glorreicher Zukunft
Dieser Jungfrau Bild, und gebot den Engeln des Himmels,
Diese Jungfrau als Himmelskönigin fromm zu verehren.

Aber Luzifer war zu stolz, der Engel der Engel,


Um vor einem vergöttlichten Menschen die Kniee zu beugen,
Luzifer weigerte die Verehrung, weh! da verdammte
Ihn vorm Bilde der Himmelskönigin Jesus, die Weisheit.

ZWEITER GESANG

Elohim, die namenlose himmlische Gottheit,


Breitete aus die Chaosmeere des Tohuwabohu,
Darin das Ungeheuer Tiamat schlummerte, Rahab
Auch geheißen, der Drache der chaotischen Schöpfung.

Aber Elohim sandte einen Erzengel nieder,


Wer ist wie Gott, war sein Name. Mit seinem siegreichen Schwerte,
Aus dem strahlendsten Himmelslichte und Feuer geschmiedet,
Er durchbohrte den Leviathan, den Drachen der Urwelt.

So ward das Chaos gebändigt. Und die göttliche Taube


Ruach ha kadósch, sie brütete über den Wassern,
Brütete aus das Ei der Schöpfung, den Keim des Geschaffnen,
Daß sich die Schöpfung erhob in ihrer unglaublichen Schönheit.

Gottes Königin tauchte herauf, die geschaffene Schöpfung,


Tauchte auf als das Weib des Herrn aus dem Meere des Anfangs.
Ihre Locken wurden zu den Wolken des Himmels,
Ihre prächtigen Brüste zu den Bergen der Erde.

Ihre Augen wurden am Himmel zum Mond und zur Sonne,


Ihre Freudentränen, wie Perlen, zu schimmernden Sternen.
Ihre Finger wurden zu weißen Lilienstäben,
Ihre schlanken Füße wurden zu Fischen des Meeres.

Erde, du warst die schwarze Perle im Nabel der Schöpfung,


Erde, du ruhtest in dem Schleier der lockigen Wolken
Unter den Augen von Sonne und Mond und den Tränen der Sterne,
Erde, um deinethalben liebte die Gottheit die Schöpfung.

Siehe, Elohim erschuf einen Apfelbaum, einen


Apfelbaum mit einem einzigen prächtigen Apfel,
Grün an der linken Seite, die rechte Wange errötet,
Das war das Menschenwesen, nach Elohims Willen erschaffen.

Tief in dem menschlichen Wesen war die Spannung der Liebe,


War Vereinigung aller Kräfte innen im Apfel,
Siehe, da teilten sich die beiden Hälften des Apfels,
Die Vereinigung wieder in diesem Leben zu suchen.

Darum wird immer suchen der Mann nach dem richtigen Weibe,
Nach der Schicksalsgefährtin zur Vereinigung, siehe,
Wie auch Mond und Sonne am gleichen Himmel geleuchtet,
Aber wurden getrennt, und folgen nun immer einander.

Siehe, der Mann war Adam, war ein Ebenbild Gottes,


Suchte zur Ergänzung die gnädige Liebe des Weibes,
Siehe, die Frau war Eva, war ein Gleichnis der Gottheit,
Suchte zur Ergänzung die huldreiche Liebe des Mannes.

Da sie sich fanden, lebten sie in Arkadiens Auen,


Lebten in Wonnegefilden voller fruchtbarer Bäume,
An kristallenen Strömen, rauschenden Schwalles ergossen,
An den Hängen der Rebenhügel, von Waben der Bienen.

Alles lachte Glückseligkeit, Wonne! Labsal und Lachen


War wie ein himmlischer Traum und wie ein Tanzen der Hochzeit!
Abends wandelte Eva in den Blumen, den blauen,
Da sie umsäuselte sanft wie ein Lüftchen Elohims Odem.

Eva war wunderschön, geschmückt von der schöpfrischen Gottheit


Vor dem Jungfraunspiegel kristallenen Teiches der Schwäne,
Da sie den Schwanenbusen spiegelt zur Wonne des Schwanes,
Den wie den Schoß sie leicht verschleiert mit wallender Haarflut.

Ihre Schenkel bogen sich wie juwelene Spangen


Mit den Perlen der Schweißtropfen unter der Sonne von Eden,
Ihre Füße glichen schlanken Sprossen von Lotos
Und die Zehen erglänzten wie perlmutterne Perlen.

Mit den Fingern, den Lilienstäben, fingerte Eva


In den Haaren, in die sie Zyperblumen geflochten,
Hennablüten fielen aus ihren wallenden Haaren,
Die sie holdselig verwirrte an den muschligen Ohren.

Ihre Finger fingerten zärtlich an den Halmen von Gräsern


Und an Kelchen von Blumen, da Falter bewegten die Fühler,
Da der Tau gesammelt im Kelche, Ambrosia, Nektar,
Sommerlich dufteten leise Lüfte voll Bienensaugs Süße.

Lächelnd blickte die überaus lieberweckende Eva,


Die liebreizende Eva in den Spiegel des Weihers,
Schöpfte ihre Schönheit zurück aus dem ruhenden Spiegel,
Lächelte hold und selig und erschien eine herrliche Göttin.

Darum schien die liebereizende Eva wie eine Göttin,


Weil sie das ruhende Spiegelbild war der göttlichen Gottheit,
Da sie durch Anteilhabe an der göttlichen Charis
Als die Charmante und Schöne alles Geschaffne beglückte.

Diese Holdseligkeit weckte den Ingrimm Luzifers drunten,


In dem Scheol, da er mit Baal und Marduk versammelt,
Adramelech und Beelzebub, deren oberster Herrscher
Luzifer war, mit Namen genannt der verdammteste Satan.

Satan schnaubte vor Wut aus dem stinkenden Rachen des Drachen
Und sprach im Zorn zu dem Herrn der Fliegen, Beelzebub also:
Weh uns, Verfluchter! Droben wandelt im Garten von Eden,
Die uns den Nacken zertritt, die Himmelskönigin Eva!

Allgebenedeit ist das goldene Vlies ihres Schoßes,


Denn sie wird gebären die inkarnierende Weisheit,
Welche gesegnet ist von der Gottheit, Elohim! Weh uns,
Wenn wir die herrliche Eva nicht zum Straucheln bewegen.

Luzifer unterwarf sich einer Metamorphose,


Wandelte sich aus einem schwefelstinkenden Drachen
Langsam um in eine regenbogenschillernde Schlange,
Lispelte listig lächelnd mit gespaltener Zunge:

Göttliche Eva, du bist eine Sklavin der Gottheit?


Sollst du beständig winseln mit der Demut der Hündin?
Bist du nicht göttlich aus dir selber, göttliche Eva?
Darum wirf von dem schneeigen Nacken die Fesseln der Gottheit!

Göttliche Eva! - Wer hat je einem Weib so geschmeichelt?


Sie aber ging sogleich hinüber zum nackenden Gatten
Adam und reizte zu Hochmut und Stolz ihn: Göttlicher Adam! -
Da ging das Paradies durch Selbstanbetung zugrunde.
DRITTER GESANG

Lob sei Sarah, der Mutter, der Freien, Lob sei Rebekka,
Lob schönaugichter Rahel, der Mutter des Sohnes der Schmerzen!
Lob der Tochter des Pharao, welche Moses erzogen,
Lob der Zimbelspielerin, Lobpreissängerin Mirjam!

Moses aber ward ausgesetzt auf den Wassern beim Lotos,


Seine Schwester Mirjam schaute ihn treiben beim Lotos,
Sah wie die Tochter des Pharao, in dem Kleidchen aus Gaze,
Mose, den Hebräer, aus tiefen Wassern gezogen.

Mirjam sprach zu der Tochter des Pharao, sprach zu der Katze,


Sprach zu der Tochter der Isis, der schimmernden Schlange:
Soll dir nähren den Knaben eine hebräische Amme?
Mirjam brachte Mose zu der levitischen Mutter.

Mose, berufen, Israel aus Ägypten zu holen,


Teilte mit Nehuschtan am Stabe die purpurne Meerflut,
Führte die Jungfrau Israel zu dem donnernden Gipfel,
Den er einsam betrat, zurück blieben Mirjam und Aaron.

Sinai, Sinai, o du flammende Höhe der Gottheit,


Zitternd kniet Jakob zu deinen Füßen, birst das Gebirge,
Bebt der Gipfel und steigen die Flammen aus dampfenden Spalten,
O daß der einsame Mose bringe Worte der Weisung!

Mose, verhüll dein Antlitz und ziehe die Schuh von den Füßen,
Hier ist heiliger Grund, der Ort der Erscheinung der Gottheit,
Wirf dich aufs Angesicht nieder zur heiligen Anbetung Gottes,
Der dir begegnet, der dich entflammt und der dich erschüttert!

Mose sah in der Einsamkeit auf des Sinai Gipfel,


Sah, hellsichtig vom Fasten, hellhörig vom Schweigen, sah Mose
Einen Dornbusch brennen, brennen von flammendem Feuer,
Sah, daß das flammende Feuer nicht verzehrte den Dornbusch.

O Erwählung Gottes! Dereinst wird die göttliche Flamme


Aus dem brennenden Herzen Gottes flammen zur Erde
Und den Dornbusch ergreifen, eine geschöpfliche Jungfrau,
Aber nicht verletzen die gottgeschwängerte Jungfrau!

Immerwährende Jungfrau mit dem heiligen Hymen,


Virgo intacta, vor und in und nach dem Gebären
Unverletzte Gottesgebärerin, Immaculata,
Fackel, die das göttliche Feuer bringt zu den Menschen!

Hier ist der Ort der Offenbarung der ewigen Gottheit,


Hier ist der Ort, wo von Antlitz sprach zu Antlitz mit Mose
Gott, die unergründliche Gottheit, Israels Freiheit,
Voller Verheißung, voller Liebe in Treue des Bundes!
Unergründliche Gottheit, heilig, heilig, ganz heilig
Bist du, unnennbar, o Gottheit, unaussprechlich dein Namen,
Tröstende Amme, Weisheit, Geisteskraft! Göttliche Gottheit,
Über die Maßen segnest du Mose, der schaute dein Antlitz,

Über die Maßen segnest du Mose, der hört deine Stimme:


Ich, Ich bin! gewesene, seiende, kommende Gottheit,
Ich bin da, Ich bin die gegenwärtige Gottheit,
Elohim bin Ich, nenn mich mit Namen Adonai - Jahwe!

Mose schaute, und was er schaute, das war die Hütte,


Himmlische Hütte, der Offenbarung Zelthütte, siehe,
Gottes Heiligtum, da er zeltet unter den Menschen,
Jahwe spricht im Zelte zum israelitischen Volke.

Siehe, das ist ein Bild der heiligen Kirche des Christus,
Israels Ölbaum, darin die Heiden eingepfropft wurden.
Wo die heilige Kirche ist, ist die Mutter der Kirche,
Die ist die Zelthütte, darin gewohnt die göttliche Weisheit.

Nimm dir gelbe und weiße Seide und Byssus und Linnen,
Reiner wird immer sein das Gewand der Immaculata.
Nimm dir Karmesin und Rosinrot zu Schmuck und zu Zierde,
Röter wird immer sein der Mund, der Pieta Lippen.

Nimm dir Leder von Delphinen und Felle von Widdern,


Schöner ist immer der Mantel Marien Aphroditissens.
Nimm dir Öl für den Leuchter, Weihrauch, Balsamen und Salböl,
Duftender immer ist die Braut des Heiligen Geistes.

Nimm dir Karneol, edelste Ziersteine, Onyx,


Edler sind immer die schwarzen Augen der schwarzen Madonna.
Nimm für den Efod und die heilige Lostasche Onyx,
Wahres Orakel bleibt doch immer die Mutter des Wortes.

Nimm dies alles und bilde auf Erden ein Heiligtum Gottes,
Ist doch die Gottesmutter das wahre Heiligtum Gottes.
Nimm die Vision entgegen vom himmlischen Heiligtum Gottes,
Ist doch das Herz der seligen Jungfrau das Heiligtum Gottes.

Nimm dir Hölzer und bilde eine Akazienlade,


Bleibt das Paradies des Neuen Adam Maria.
Nimm die Urkunde, leg sie in die Akazienlade,
Wohnt doch Gottes Wort im Tabernakel Maria.

Nimm dir Gold, der Lade zwei Cherubinen gestalte,


Wacht doch der Erzengel Gabriel an dem Anfang Mariens.
Nimm dir Gold, zur Lade zwei Cherubinen gestalte,
Wacht doch der Erzengel Michael an dem Ausgang Mariens.

Nimm dir Gold, der Lade eine Deckplatte bilde,


Sahen die Könige sitzen das Kind auf dem Schoß der Madonna.
Nimm dir die goldene Deckplatte, dort wird Gott zu dir reden,
Von dem Schoß Mariens ergeht das Wort in dem Fleische.

Nimm dir Akazienholz und bau eine hölzerne Tafel,


Bleibt doch die Pieta der Altar des Geopferten Gottes.
Nimm dir pures Gold und bilde zum Trankopfer Becher,
Opfert doch niemand wie Maria unter dem Kreuze.

Nimm einen Leuchter mit Schaft und Kelchen und Knospen und Blüten,
Leuchtet doch niemand wie Maria im Kleide der Sonne.
Nimm den Leuchter mit mandelblütenförmigen Kelchen,
Ist doch Maria lebendiger Kelch der Ewigen Weisheit.

Preist, Poeten, Gott! So hoch ihr Gott rühmt, genügt’s nie,


Immer noch höher ist die unerschöpfliche Gottheit!
Unser Stammeln, ihr christlichen Dichter, verwandle Maria
Durch die Hingabe ihrer Liebe in Lobpreis der Weisheit!

VIERTER GESANG

Siehe, im Monde Siw begann der Bau an dem Tempel,


Das ist der Mond der blühenden Maienprinzessin Maria.
Fenster wurden im Haus gebaut mit Rahmen und Gittern,
Denn glückselig ist der, der schaut durch die Fenster der Weisheit.

An den Hauptraum legte man einen Anbau mit Kammern,


Viele Wohnungen nämlich sind im Hause des Vaters.
Man verwendete nur zuvor behauene Steine,
Denn wir müssen bereit sein für die Ankunft des Meisters.

Weder Hämmer noch Meißel waren beim Bauen zu hören,


In der Beschauung der Stille wird die Weisheit geboren.
Zu den unteren Kammern war im Süden die Pforte,
Denn des Südens Königin kommt, die Weisheit zu hören.

Über Treppen stieg man zum dritten vom mittleren Stockwerk,


Also naht sich niemand dem Vater ohne den Mittler.
Alles ward bedekct mit Balken und Brettern aus Zedern,
Nämlich am Kreuz ist die wahre Offenbarung der Gottheit.

Bau den Tempel, o Salomon, und gehorch den Geboten,


Nämlich dein Leben sei ein Zeugnis, ein Werk deiner Liebe.
Gottes Herrlichkeit wird im Tempel unter euch wohnen,
Nämlich die Gnade weilt in der Gemeinschaft des Glaubens.

Alle Wände waren vertäfelt mit Tafeln von Zedern


Und der Fußboden ausgelegt mit Holz von Zypressen.
Also sprach der Geliebte zu der schönen Geliebten:
Unser Lager ist grün, das Haus von Zypressen und Zedern!
Salomo baute die allerheiligste Wohnung der Gottheit,
Dies ist ein Bild für das lebende Tabernakel Maria,
Die ist das Heiligtum der Dreifaltigkeit, Stätte der Ruhe
Gottes unter den Menschen, die wahre Schechinah Gottes.

Zedernverkleidung mit eingeschnitzten Blumengewinden


Machte man mit dem Zierrat von Ranken rosiger Blüten,
Nämlich die Makellose ist von vollendeter Schönheit,
Mystische Rose, Königin im verschlossenen Garten.

Salomo richtete ein im Innern die Wohnung der Gottheit,


Nämlich der Geist will wohnen in der Tiefe des Herzens.
Und dann stellte er auf die heilige Lade des Bundes,
Denn die Mutter des ewigen Wortes will wohnen im Herzen.

Alles ward überzogen mit dem lautersten Golde,


Mit dem Golde, das oftmals geprüft im Feuer der Trübsal.
Und er ließ einen Opferaltar aus Zedernholz bauen,
Denn die Kommunion ist die Menschenvereinigung Gottes.

Alles Innere ward im reinsten Golde gekleidet,


Nämlich das Innere sei in Reue und Buße gereinigt.
Vor der Gotteswohnung spannten sich goldene Ketten,
Denn das Gebet, das Gebet, das Gebet soll uns Jahwe verbinden.

O Maria, du mystischer Bau, du Stimme vom Himmel,


Nimm meine Ungelehrtheit, sieh die Liebe des Herzens,
Du, die in Herz und Schoß die menschliche Gottheit geborgen,
Wandle mein Herz zu einem Tempel der ewigen Gottheit!

Preisen wollen wir dich, o Tempel der ewigen Gottheit,


Preisen wollen wir dich, o Jungfrau Jerusalem, preisen
Dich, den Thronstuhl des gottgesalbten Fürsten des Friedens,
Dich, den Thronstuhl der menschenliebenden Ewigen Weisheit!

Siehe, der Thron ist von Elfenbein, denn die Ilfen von Ofir
Und die Elefanten von Kusch aufopferten Jahwe
Durch die Hände der sabäischen Königin Bilkis
Ihre Elfenbeine, denn weiß und rein ist die Jungfrau.

Von dem Goldschmied wurden die Elfenbeine vergüldet


Mit dem reinen, geläuterten Golde, dem Golde von Ofir,
Welches brachten die meerflutteilenden Schiffe des Hiram,
Da sie entsegelt waren dem purpurnen Hafen von Tyrus.

Nämlich geläutert im Feuer der Leiden, Feuer der Drangsal,


Ist des Gottesknechtes gottgebärende Mutter,
Welche im Feuer der Leiden und am Probstein der Weisheit
Sich erwiesen als goldener Krone würdige Reinheit.

Siehe, sechs Stufen führen hinauf zum Throne der Weisheit,


Nämlich die siebente Stufe gleicht dem Throne der Weisheit,
Denn Vollkommenheit war die höchste, die siebente Stufe,
Diese nämlich war Fülle der einwohnenden Weisheit.

Die Besonnenheit preis ich und die heroische Stärke


Und die Gerechtigkeit preis ich und die vernünftige Klugheit,
Mehr aber will ich preisen die Tugenden Hoffnung und Glauben,
Diese sechs, doch die Vollkommenheit, das ist die Liebe!

Lehnt an des Sedes Sapientiae Lehne den Rücken


Aller Weisen Weisester, er, der König des Friedens,
Lehnt er sich an ein goldenes Lamm, das Lamm ohne Fehler,
Gottes Weisheit ist nämlich für alle die Sühne.

Wer entsühnt denn den Tempel, den Menschenhände erbauten,


Wer entsündigt den Tempel, den Menschenhände entweihten,
Wer als das fehllose Lamm, das Erstgeborne der Mutter,
Welches der Hohepriester stellvertretend geopfert.

Siehe, die Studen zum Sedes Sapientiae säumen


Linker und rechter Hand zwölf Löwen, Löwe von Juda,
Majestätische Löwen alle, Israels Löwen,
Jeder ein König der Tiere, Gottes Lieblinge alle.

Nämlich die Weisheit hat den Tanz der Sterne geordnet


Und zur Krone gebildet die schimmernden Bilder im Tierkreis,
Israels Söhne, die erwählten Jünger des Christus
Bilden die Krone unserer apokalyptischen Herrin!

Solch einen Thron besaßen nicht die heidnischen Fürsten,


Nebukadnezar nicht im babylonischen Tempel,
Nicht der Perser Despot in dem Palaste von Susa,
Und der Cäsar nicht, der gesogen die Zitzen der Wölfin.

Gottes auserwähltem Volke war dies gegeben,


Jahwe gab allein der Tochter Jerusalem Weisheit,
Gottes herausgerufene Priester, Könige, Seher
Preisen den Sedes Sapientiae, Mutter der Weisheit.

FÜNFTER GESANG

Der Prophet, befeindet von der Königin, welche


Baal und Astarte ließ im Lande Israel ehren,
Wandte sich kleinen Mutes hinweg und bangte ums Leben,
Bangte ums Sterben und erschrak vor der eigenen Bangnis.

Siehe, er wandte sich hinaus in die brennende Wüste,


Dort in der Einsamkeit Zuflucht, Trost und Labsal zu finden,
Aber er fand nur den Durst, nach Gott unendliches Dürsten,
Unstillbares Verlangen nach dem ewigen Leben.

Als er also an einem trocknen Wacholderbusch ankam,


Da die bitteren Beeren ihm von Bitternis künden,
Sank er seufzend zur Erde und seufzte vor bangem Verlangen:
Herr, Herr, Gott, nimm heute von mir mein ärmliches Leben!

Siehe, da sank er erschöpft und traurig nieder zur Erde


Und versank in einen tiefen tröstenden Schlummer.
Aber der Barmherzige, die allmächtige Gottheit,
Ließ zum Propheten treten einen Engel des Trostes.

O du Mann Gottes, steht auf, du Toter, erheb dich vom Schlafe!


Noch ist nicht da die Stunde deiner ewigen Ruhe,
Nimm, Freund Gottes, dir zur Stärkung vom Brot und vom Weine,
Mach dich auf die Wanderung zu dem heiligen Horeb!

Siehe, da barg sich der Seher in der Höhle des Horeb,


Denn verheißen war ihm vom Engel, daß Gott ihm erscheine.
Aber Gott kam nicht in Erdbeben, nicht in Gewitter und Feuer,
Aber Gott kam zu Elia im leise verschwebenden Schweigen.

Wer aber war Elia? In den Zeiten der Dürre


Darbte das israelitische Land vom Gerichte Jehowah’s,
Nämlich nicht regnen ließen es heidnische Fruchtbarkeitsgötter,
Baal nicht den sämigen Regen ergoß in den Schoß der Astarte.

Wer aber ist des Regens Vater, die Mutter des Frühtaus,
Wer eröffnet die Wolken und läßt Plejaden versinken,
Wer lässt sprossen die Blume, wer mach fruchtbar die Erde,
Wer ist der Lebenskraft Gott? der alllebendige Jahwe!

Elijahu wandte sich mit des Fürbitters Liebe


An Jehowah, Israels Gott, in der Höhle des Karmel,
Bat um erneuerte Fruchtbarkeit, in der Höhle des Karmel,
Trat auf die Höhe des Karmel und sah hinüber zum Meere.

Siehe, vom Meere erhob sich eine schneeweiße Wolke,


So als löste sie sich aus den schneeweißen Flocken des Schaumes,
Und sie bildete eine Gestalt, Elia erblickte
Über dem Mittelmeere eine schneeweiße Jungfrau!

Rings gegürtet die Jungfrau, trug sie den Bogen der Iris,
Regenbogenbunte Perlen erglänzten an silbernen Schnüren,
Ihr zu den bloßen Füßen schwebte die Schaumwolke, Jungfrau
Göttlicher Fruchtbarkeit war sie, gehüllt in Schleier aus Äther.

Siehe, aus ihrem Schoß erhob sich die Tauperle Gottes,


Schwebte und hob sich über den Karmel in Israels Lande,
Regnete nieder in des Regens stürzenden Fluten.
Aller Fruchtbarkeit Gott stammt von dem Schoße der Jungfrau.

Dieses Bild der gottgeliebten, herrlichen Jungfrau,


War erschienen in Israel aus den Gedanken des Vaters.
Falsche Propheten nannten sie babylonische Hure,
Aber als Tochter Zion hat sie Jesaja gepriesen.

Gott hat seinen Propheten zum scharfen Schwerte geschmiedet,


Machte die prophetische Zunge zum siegreichen Schwerte,
Schirmte den Seher mit dem Griffel prophetischer Schriften
Unter den reinen Taubenschwingen des Heiligen Geistes.

Gottes Sklave, Israel, o verherrliche Jahwe!


Aber es meinte der Seher, er rede und schreibe vergeblich
Und verzehrte die Kräfte, ohne Früchte zu bringen,
Aber sein Ruhmeskranz war allein bei der himmlischen Weisheit!

Gott sprach: Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen?


Sprach der Seher: Denk an die Straußin, die legt ihre Eier
In den Sand und gedenkt nicht, ob sie jemand zertrete.
Gott sprach: Wie eine Mutter will Ich mich der Meinen erbarmen!

Siehe, Jehowah tröstet die Tochter Zion, er tröstet


Alle die Trümmer von Zion und macht die Wüste wie Eden,
Dürres Land wie den blumenreichen Garten Jehowah’s,
Daß man Freude finde darinnen, Lobpreis und Wonne!

Siehe, es werden alle Erlösten heimkehren, werden


Kommen zur Tochter Zion mit Jauchzen und Jubel, und freuen
Werden sie sich, auf ihrem Haupte ist ewige Freude!
Aber Elend, Trauern und Seufzen werden entfliehen!

Tochter Zion, wach auf, wach auf, zieh an deine Stärke,


Schmücke dich herrlich, Jerusalem, Stadt des Erlösers,
Kein Entweihender wird betreten die Goldene Pforte,
Schüttle ab die Fesseln, ach du gefangene Tochter!

O wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Botin,
Die da Freude verkündigt, die da Frieden verkündigt,
Weisheit predigt und Heil verheißt Jerusalems Kindern!
Denn, o Tochter Zion, dein Herr ist der König des Friedens!

Mache den Raum deines Zeltes weit und breite die Decken,
Breite die braunen Teppiche Salomos hin in den Zelte,
Siehe dein Schöpfer, Herre Zevaoth Jahwe,
Ist in göttlicher Liebe dir dein Bräutigam, Zion!

Dafür, daß du warst die Ungeliebte, Verlassne,


Zu der niemand getreten in die einsame Wohnung,
Will dich Jehowah machen zum Ruhm und herrlicher Schönheit
Und zu unserer Süßigkeit, unserer Wonne!

Nicht mehr heißt du Verlassene, nicht mehr Einsame, sondern


Liebe Frau! du meine Lust! o liebe Gemahlin!
Wie ein Mann eine Jungfrau freit, wird dein Schöpfer dich freien,
Wie ein Bräutigam an der Braut wird sich Gott an dir freuen!
Freut euch mit Jerusalem, all ihr traurigen Kinder,
Denn nun dürft ihr saugen an ihren Brüsten des Trostes,
Ja, sie wird euch liebkosen auf ihrem jungfräulichen Schoße!
Jahwe wird euch lieben wie eine liebende Mutter!

SECHSTER GESANG

Adams Sohn war Joachim, Evas Tochter war Anna,


Davids Sohn war Joachim, Davids Tochter war Anna,
Aber vor Gott fürwahr als Heilige lebten sie beide,
Wurden vermählt von einem heiligen Seher Jehowah’s.

Jener saß in heiliger Höhle in dem Mantel des Mose


In Beobachtung jener israelitischer Sprossen,
Die den heiligen Stammbaum bilden von Gottes Messias,
Der geboren wird aus einer davidischen Tochter.

Da ward Anna gesegnet von dem Segen des Schöpfers


Durch den gottgeschaffnen zeugenden Samen Joachims,
Daß sie meinten, es sie die Mutter von Gottes Messias,
Diese Mirjam Heli, Joachims Tochter von Anna.

Aber es blühte nicht der Lebensbaum des Propheten


In der eremitischen Höhle des heiligen Sehers,
Mirjam Heli wird nicht die Mutter von Gottes Messias,
Sie ist nicht die Auserwählte unter den Frauen.

Gott der Schöpfer allein macht das Gebären der Frauen,


Gott alleine öffnet den Schoß der fruchtbaren Frauen,
Gott allein gibt den Frühregen und den Spätregen, aber
Richtet auch, gibt im Gerichte eine verzehrende Dürre.

Also verschloß der Schöpfer auch den Schoß seiner Tochter,


Zwanzig Jahre blieb verschlossen der Schoß seiner Tochter,
Zwanzig Jahre blieb unfruchtbar der Samen Joachims,
Zwanzig Jahre lebten sie in beständiger Buße.

Da ward Joachims Opfer vom levitischen Priester


Schroff zurückgewiesen, denn er vermutete Sünde
Als die Ursache dieser langen Unfruchtbarkeit Annas,
Daß sie nicht gebäre die Mutter von Gottes Messias.

Weinend stand der Hirte Joachim unter den Herden,


Weinend sah er die lüsternen Böcke Schafe bespringen,
Weinend sah er das frohe Gewimmel der niedlichen Lämmer,
Seufzend wandte er sich zum ewigen Gotte, dem Schöpfer.

Anna saß traurig allein vor der bescheidenen Hütte


Unter dem mächtigen Lorbeerbaume und schaute im Neste
Mütterlich eine Nachtigall füttern die flötenden Jungen,
Seufzte und wandte sich im Gebete zum Gotte, dem Schöpfer.
Siehe, da trat ein Engel zu ihr, ein Jüngling in Linnen,
Trat ein strahlender Jüngling zu ihr in schimmerndem Linnen,
Sprach zu Anna: Sei getrost, o Tochter Jehowah’s,
Dein Gebet ist erhört, du wandle zur Goldenen Pforte.

Deinem Manne Joachim ward desgleichen verkündigt,


Euer Seufzen ist dem Herrn gebrochener Herzen
Und zerschlagener Geister lieb, Jehowah erbarmt sich,
Du wirst empfangen, Anna, durch den Segen Jehowah’s.

Anna staunte, frohlockte, machte sich gleich auf die Reise,


Und fürwahr, sie traf in Jerusalems Goldener Pforte
Ihren Gemahl, da ging von der heiligen Lade des Bundes
Himmlisches Leuchten über, Joachims Anna ward fruchtbar.

Wunder der Wunder! Diese Tochter, von Jahwe erschaffen,


Sie ist das meisterliche Kunstwerk des Heiligen Geistes,
Ohne Sünde im Schoß der heiligen Anna empfangen,
Gottgeschaffen ohne den Makel der Erbsünde Adams.

Wunder der Wunder! Schon im Schoße erfüllt von der Gnade,


Heilig versehen mit der Ebenbildlichkeit Evas
Vor dem Fall in die Sünde und der Vertreibung aus Eden,
Neue Eva, fürwahr die paradiesische Tochter!

Nämlich weil Gott, die Gottheit, ist die Ewige Mutter


Und die Ewige Weisheit die Schöpferin alles Geschaffnen
Und die Ruach ha kadósch die Flamme der Liebe,
Darum ist die Schoßtochter wahrlich Ebenbild Gottes.

Tochter des Vaters in dem Schoß der heiligen Anna,


Ist das Schoßkind berufen zur messianischen Mutter,
Dazu bereitet voll der Gnaden vom Heiligen Geiste,
Ist die Tochter Joachims die Unbefleckte Empfängnis.

Denn die Ewige Weisheit hat sich den Tempel bereitet,


Darin sie wohnen wird, die inkarnierende Weisheit,
Denn Frau Weisheit hat sich ihr Haus errichtet auf sieben
Säulen der Vollkommenheit heiliger Tugenden Gottes.

Denn das Ebenbild Ewiger Weisheit ist wie die Weisheit


Eines Geistes voll, der unbefleckt, makellos, lauter,
Reinkristallenes Spiegelbild ewig lauteren Lichtes,
Bild und Gleichnis der vollkommenen göttlichen Güte!

Dieses Wunder der Wunder, die Unbefleckte Empfängnis,


War die Erfindung Gottes, der die Ewige Weisheit
Wollte Mensch werden lassen, daß sie wohne bei Menschen,
Daß die Ewige Weisheit zelte unter den Menschen.

Aber wie sollte die Göttliche, Makellose und Reine,


Aber wie sollte die göttliche Weisheit Mensch werden, waren
Doch die Mütter auf Erden allesamt Töchter der Eva,
Hatten doch alle genascht von dem verbotenen Baume.

Wurden doch alle Mütter von den eigenen Müttern


Alle in Sünde empfangen, wie die Mutter, die Tochter,
Wie die Tochter, die Enkelin, alle in Sünde empfangen,
Außer Annas Tochter, allein aus Gnade der Gottheit!

Sie nämlich sollte rein sein, unverdorben vom Makel


Adamitischer Erbsünde, Ungehorsamkeit Evas,
Annas Tochter sollte werden der Ewigen Weisheit
Mutterschoß, unbestellter Acker, heiliges Eden.

Annas Tochter sollte das Meer der göttlichen Gnaden


In sich umfassen, Ozean aller vollkommenen Gnaden,
Sollte die Fluten des fließenden Lichtes der Gottheit empfangen,
Darum ward sie gebadet im Meer des Heiligen Geistes.

Weil sie das Meer der Gnade, Ozean alles Vollkommnen,


Weil sie die Fluten des fließenden Lichtes der Gottheit empfangen
Wird, in dem Meer der Zeit, die ewigen Ströme des Geistes,
Und die Weisheit gebären, darum heißt sie: Maria!

SIEBENTER GESANG

Als die Fülle vorherbestimmter Zeiten vollendet,


Sandte zur Erde den heiligen Erzengel Gabriel Jahwe,
Daß er die Botschaft der Erlösung verkünde Maria,
Daß in ihr die Ewige Weisheit Mensch werden wollte.

Alle Engel jubelten in den himmlischen Hallen:


Heilig, heilig, heilig ist Elohim Zevaoth Jahwe!
Freudig stieg der himmlische Bote Gabriel nieder,
Tausende himmlische Boten folgten ihm nieder zur Erde.

Gabriel schritt einher wie ein Jüngling von seltener Schönheit,


Glänzend sein Antlitz, eine Sonne leuchtender Strahlen,
Majestätisch seine Gestalt, von lieblicher Würde,
Goldenes Diadem des Morgensterns glänzte in Locken.

Sein Gewand war von Linnen und Byssus in schimmernden Farben,


Auf der Brust war gestickt das Zeichen der Leiden des Christus.
Gabriel flog mit den himmlischen Scharen nach Nazareth in die
Heilige Wohnung der allerheiligsten Jungfrau Maria.

Vierzehn Lenze, sechs Monden und siebzehn Morgende zählte


Die gottselige Jungfrau, schöner als andere Mädchen,
Ihr geheiligtes Wesen überaus lieblich und edel,
Ihre Gestalt von ganz vollkommenem Maße der Glieder.
Siehe, ihr Antlitz bildete ein Oval, und die Züge
Waren sehr sanft und sehr fein, die Hautfarbe braun von der Sonne,
Feine Bogen bildeten braun die Brauen der Augen,
Ihre Stirn war erfüllt von einem erhabenen Schimmer.

Groß ihre Augen, schwarz, mit einem goldenen Funken,


Schimmernd, wie Mandeln geformt, darüber wölbende Lider,
Bräunliche Wimpern, lang, als Schleier den schimmernden Augen,
Demütig schauend, unglaublicher Schönheit, unschuldig lächelnd.

Ihre Nase vollkommen gebildet, ein Turm von Dammaskus,


Purpurrot der Mund, von der vollkommensten Fülle,
Eine rosinenfarbene Schnur, ein Faden von Scharlach,
Wahrlich, überaus kusslich, süß wie Datteln und Feigen!

Sie nur anzusehen, verursachte Freude und Wonne,


Denn die Begnadete war die Allerschönste der Schönen!
Schöner ihre schwarzen Augen als Augen der Rahel,
Schöner ihr langes schwarzes Haar als Locken der Judith!

Alle Herzen zog sie an und fesselte alle


In Verehrung. Wer sie sah, der mußte sie preisen.
Vor der Hoheit der Anmut konnte man nichts als verstummen,
Sank vor ihrer Vollkommenheit gar in mystisches Schweigen...

Alle, die je das Glück erfuhren, Maria zu schauen,


Sei es leibhaftig oder auch mit den Augen der Seele,
Preisen sie: Tota pulchra perfectissima! Siehe,
Sie erfüllte die Herzen mit verzückendem Jubel!

Ave Maria, gratia plena, dominus tecum!


Sprach der Erzengel Gabriel und Maria antwortete: Fiat
Mihi! Maria, die sich ancilla domini nannte,
Sie empfing im Ohr vom Heiligen Geiste die Weisheit.-

Siehe, noch ehe die Liebe Frau ihre Wehen bekommen,


Hat sie schon geboren, nicht unterm Fluche der Eva,
Nicht in Schmerzen sollte sie, nicht in Schmerzen der Wehen gebären,
(Nicht den in Mühsal den Acker Bestellenden Herr nennen, Josef).

Ehe die weiblichen Schmerzen der Wehen über sie kamen,


Hat sie schon geboren ein Kind, einen lieblichen Knaben.
Wer hat dergleichen je gehört, wer solches vernommen,
Wunder ist es: Die Gebärende war eine Jungfrau!

Zion, kaum in den Wehen, hat schon ihren Liebling geboren,


Die von Jesaja verheißene Almah, Immanuels Mutter,
Almah, das junge Mädchen, die immerwährende Jungfrau,
Hat Immanuel uns geboren: die Gottheit ist mit uns!

Hätte Gott ihr etwa segnen sollen die Flora,


Ohne daß hervorgekommen wäre die Schoßfrucht?
Jungfrau war sie mit der unverwelklichen Blüte,
Liebe Frau war sie, war göttlicher Fruchtbarkeit Mutter.

Ja, die Tochter Zion hat den Messias geboren,


Ja, die Tochter Juda den Stern aus Jakob geboren,
Ja, die Jungfrau ward fruchtbar, vom Heiligen Geiste befruchtet,
Heilige Gottesmutter, immerwährende Jungfrau!

Freut euch nun an der Tochter von Jerusalem alle,


Die ihr traurig gewesen! Oh Messias, mein Bruder,
Wäre ich arme Seele doch dein Milchbruder, Jesus,
Neben dir läge ich und saugte an Jerusalems Busen!

Wer sie gesehen in ihrer erhabenen Schwangerschaft - siehe,


Hoheit des göttlichen Kindes ihr im Angesicht glänzte,
Glanz von innen umhüllte die gesegnete Mutter,
Die sie den Gottsohn mit Mutterkuchen und Fruchtwasser nährte.

Wie ernährte die Jungfraumutter den göttlichen Logos,


Wie beseligte sie die Ewige Weisheit von innen!
Das war heilige Kommunion, Vereinigung Gottes
Mit der bräutlichen Menschheit in Gestalt der Maria!

Jesus, die Wiederherstellung des vollkommenen Menschtums,


Wiederaufrichtung Adams, wie aus Adama Adam
Ist der Messias geboren aus der jungfräulichen Mutter,
Mutter Natur, Maria, dem neuen irdischen Eden.

Als Maria geboren in Bethlhem die Gottheit des Sohnes,


Jesus, die Ewige Weisheit in Gestalt eines Säuglings,
Breitete sie, die Taube der Felsengrotte, die Flügel
Und umfittichte sanft das neue ewige Leben.

Siehe, Maria stand in Seide von silberner Bläue,


In des Gewandes langhinwallendem, fließendem Schleier
In der Mitternacht, Königin im unendlichen Kosmos,
Lang fiel ihr schwarze Haar, sanft lächelten purpurne Lippen.

In den Armen, am Busen lag das saugende Kindlein,


Trank in der Milch der Mutter die Liebe des ewigen Vaters,
War im Zentrum der Wonne der Welt, an den Brüsten Mariens,
Jungfrau und Gott vereinigt in Liebe, Herzschlag zu Herzschlag.

SPOSALIZIO MARIAE
„Höre, Tochter, schau her und neige dein Ohr:
Vergiß dein Volk und dein Vaterhaus,
Denn der König trägt nach deiner Schönheit Verlangen,
Er ist ja der Herr, so huldige Ihm!
Die Töchter von Tyrus werden dir mit Gaben nahen,
Um deine Gnade mühen sich die Reichen des Volkes.
Schönste Pracht ist die Königstochter im Innern,
Aus lauter goldenen Fäden besteht ihr Gewand,
In buntgestickten Kleidern wird sie zum König geführt.
Jungfrauen werden als Gefolge
Und Freundinnen zu dir geleitet,
Unter Jauchzen und Jubel werden sie eingeführt
Und ziehn in den Palast des Königs.“
(Psalm 45, 11-16)

„Ach! Hätt ich ein Brautkleid von Himmelsschein,


Zwei goldene Flüglein - wie flög’ ich hinein!“
(Joseph von Eichendorff, Mariä Sehnsucht)

ERSTER GESANG

Sing, Muse, Jungfrau Miriam, die Braut,


Die Braut des Himmels war und Braut der Erde,
Die Gott und einem Heiligen vertraut.

Einhundertzwanzig Monde voller Zärte


Als Tempeljungfrau lebte sie verschlossen
Und lauschte Gottes Weisheit nach: Es werde

Erneut die Schöpfung! Himmlische Genossen


Dem Kinde waren feurige Seraphe
Und sinnende Cheruben, die auf Sprossen

Der Himmelsleiter nahten ihr im Schlafe


Und weckten sie im frühsten Morgenrote
Und brachten der Erkorenen von Jahwe

Erkenntnisse in göttliche Gebote


Und Einsicht in der Weisheit dunkle Pfade.
Ihr Beten in Empfang nahm dann der Bote

Und stieg dann von der Jungfrau, rein wie Jade,


In Gottes Reich zurück, im Geist erfreut,
Weil dieses Mädchen so erfüllt von Gnade,

Wie damals nicht ein Mädchen und nicht heut


Und nimmerdar war je so fromm ein Kind.
Dann las sie die Gebete zum Geläut

Der Glocken, welche klangen durch den Wind,


Und gab sich dann dem Nähen hin und Weben.
Dem Tempel flocht sie mancherlei Gebind,

Gebet und Weben war ihr junges Leben,


Das Weben aber war ihr auch Gebet,
War ihr als tätiges Gebet gegeben.

Die immerdar in Gottes Nähe steht,


Sei es im Wachen oder sei’s im Schlafe,
Denkt immerdar an Gottes Majestät

Und lobt Gott feuriger als die Seraphe


Und weisheitsvoller als die Cherubim,
Denn Weisheit gab und fromme Glut ihr Jahwe.-

Gott ging mit dieser Jungfrau um, intim,


In ihrem Geiste Mirjam zu verzücken
Zum Berge der Versammlung, sehr sublim,

Ließ ihre Seele dort den Herrn erblicken,


Den Geist versenken in den Geist des Herrn,
Der glühte, Jungfrau Mirjam zu beglücken.

Wie jauchzte Morgenstern an Morgenstern,


Als sie die Himmelskönigin lobpriesen!
Sie war im Tempel und zugleich auch fern

In Schauungen, in schönen Paradiesen,


Und schaute Paradies um Paradies
Und Turm und Pforte, Gärten, Blumenwiesen,

Da sie gewandelt, in Verzückung süß,


Und freute sich der roten Rosen Pracht,
Bis sie mit einemmal der Herr verließ

Und ließ sie sinken in der Seele Nacht!


Da ward der Seele nichts von Vorverkosten
Der Seligkeit, da ihr kein Stern mehr lacht,

Da sie nicht freute mehr die Glut von Osten,


Wenn Venus auftaucht aus dem Meer am Morgen;
Nicht standen mehr die Engel Posten

Und was zurückblieb waren Angst und Sorgen


Und demütiges Bangen ihrer Kleinheit,
Ob wegen ihrer Schuld sich Gott verborgen

Und ihr entzogen den Genuß der Einheit.


So klagte sie verlassen wie die Tauben
Und bat um die Erneuerung der Reinheit

Und bat den Geist um neugebornen Glauben,


Den Glauben, der vertraut und der nicht sieht,
Vertrauen, das ihr nimmerwer kann rauben,

Weil sie Gott ahndet mit geschlossnem Lid,


Weil sie Gott traut, auch wenn sie ihn nicht schaut.
Da betete Maria: Sulamith

Bin ich und such den Bräutigam, die Braut


Irrt durch die Nacht allein und führerlos
Und voller Angst, weil ihr vorm Irren graut,

Denn Schrecken sind in diesen Nächten groß!


Vor lauter Bangnis bin ich lebensmüde
Und bette meinen Kopf aufs feuchte Moos;

Da wandelt plötzlich an mich Gottes Friede


Und die Verheißung, daß ich werde finden
Den Bräutigam, die Sonne süß und süde,

Daß meine Haare spielen mit den Winden,


Die lang und schwarz mir auf den Busen fallen,
Da werd ich mich von Herz zu Herz verbinden

Mit meinem Gott, der Alles ist in Allen,


Dann preis ich Gottes Herz, die rote Rose,
Mit allen Engeln, allen Nachtigallen.

Gott wird sich betten mir in meinem Schoße


Und sich verschenken in der mystischen Einheit!
Dann nennt der Geist mich seine Makellose,

Sein Liebesblick erwirkt mir meine Reinheit,


Dann singt er mir mit süßen Melodeien
Lobpreisungen Jehowahs voller Feinheit,

Da werd ich mich mit ganzem Herzen weihen


In Liebe meinem Gott, dem Bräutigam,
Dann wird inbrünstig mich der Gott-Geist freien!

Ich opfere mich auf als Opferlamm,


Um Gott und seine Menschheit zu versöhnen!
Dann steig ich, Königin aus Erdenschlamm,

Und werd dem Herrn die Schönste aller Schönen.


Er ist der Vielgeliebte, ich bin sein,
Aus Liebe, Schmerzen, Inbrunst aufzustöhnen

Und Minne zu beweisen durch die Pein


Und hinzugeben heimgesuchtes Herz!
Aus Gnade Gottes Königin zu sein,

Wenn Gott mich liebt mit Schärfe seines Schwerts!


ZWEITER GESANG

Es lebte Jakob mit den sieben Söhnen


In Bethlehem im Haus, das Jesse baute.
Den Lebensbaum aus Jesses Sproß zu krönen

Mit einer Blüte, die der Geist betaute,


War Josef jüngster von den sieben Söhnen,
Wie David einst der Jüngste war, der schaute

Die Mutter des Messias, sah zur Schönen,


Die stellte ihren königlichen Thron
Im Königshaus auf, Adonias Stöhnen

Zu bringen vor den König Salomon.


Doch Josef war ergeben nicht den Lüsten
Der Welt, war früh ein großer Beter schon.

Doch seine Brüder alle stolz sich brüsten,


Sie seien stark und männlich, während er
Stets saugte an der Mutter Weisheit Brüsten.

So war ihm oftmals seine Seele schwer,


Weil er berufen war zur Einsamkeit,
Daß ihn die Einsamkeit die Weisheit lehr.

Und fiel es ihm auch schwer, er war bereit,


Er trug die Einsamkeit, die oft ihn peinigt
Und doch Geheimnisse der Ewigkeit

Mit jenes Jünglings frommem Geist vereinigt,


Worüber seine Brüder spöttisch lachen,
Der Älteste hat Josef gar gesteinigt,

Wie oft in Jünglingsseelen Satans Drachen


Den Hochmut und den Stolz und Zorn und Haß
Wie eine Schwefelflamme gelb entfachen.

Doch Josef wehrt sich nicht. Von Tränen naß


Hat er sich tiefer noch der Einsamkeit
Geweiht, gebetet ohne Unterlaß,

Der schönen Weisheit kindlich sich geweiht,


Die kam, den Einzelgänger schön zu trösten,
Denn sieh, weil er erwählt war, litt er Leid.

Denn Weisheit wird bekannt oft nicht den Größten,


Vertraut sich gerne an demütig Kleinen,
Die Kinder zählt sie gern zu den Erlösten.

Und so ging Josef gerne, will mir scheinen,


Allein zu Felsengrotten, dort zu sinnen
Und sich in seiner Einsamkeit zu einen

Dem Geist, der eint das Außen und das Innen


Und zieht die Seele in den Seelenkern.
Wo ist der Ort der Weisheit, die zu minnen

Sich Josef vorgenommen, Gott den Herrn


Zu finden in den innigen Gebeten,
Zu folgen einzig seinem innern Stern.

Einöde liebt er fern von lauten Städten


Und von dem Trubel fern der Eitelkeiten,
Den Winden folgend, welche leise wehten,

Die eine Grotte ihm zum Ort bereiten,


Wo er die Weisheit schon erahnt hienieden
In schwermutvoll verklärten Einsamkeiten

Und sieht die Ruhe und den innern Frieden


In dieser Grotte, die vor Bethlehem
Ein Bethaus ward dem melancholisch Müden.

Du Grotte, mit dem Staub und Stein und Lehm,


Du Höhle mit dem trocknen goldnen Stroh,
Du bist das himmlische Jerusalem,

Ein Engel singt in dulcis jubilo


Und Hosianna hier in dieser Höhle
Und Halleluja, Halleluja froh

Und Josef taucht mit seiner frommen Seele


Im Himmelreich auf vor der Weisheit Thron!
Smaragd, Gold, Jaspis, Diamant, Juwele;

Er sieht die Herrlichkeit des Himmels schon,


Und mütterlich die Weisheit zu ihm spricht:
Ich bin! und du bist mein geliebter Sohn! -

In jener Grotte kam ihm ein Gesicht,


Da wurde ihm die Arbeit zugeteilt,
Zu geben seiner Demut mehr Gewicht.

Da ist er von dem Vater fortgeeilt


Ins nördliche Gefild von Palästina,
Wo er bei einem alten Meister weilt.

Man baut Pagodenpavillon in China


Und baut in Babylonien Zikkurate
Und baute in dem Lande der Schechinah

Den Tempel Salomos für Gottes Gnade,


Arbeiter sandte Tyrus zum Moria,
Die Siegelstecher schnitten an der Jade,

Vom Karmel kam der Stein, wo einst Elia


Gebetet, und das Holz vom Libanon,
Die Maurer bauten wie einst Nehemia,

Die Zimmerleute dienten Salomon.


Und Josef ward nun einer von der Gilde
Und schnitzte lange an Herodes Thron

Und sang bei seiner Arbeit im Gefilde


Die Psalmen seines Ahnen David, als
Ein Engel zu ihm trat in Gottesmilde

Und neigte hold das Haupt auf seinem Hals


Und sprach mit einer Stimme angenehm
Als wie das Rauschen eines Wasserfalls:

Du Eingeborener von Bethlehem


Und Blüte du an Davids Lebensbaum,
O Josef, ziehe nach Jerusalem!

Wer Josef heißt, der ist begabt zum Traum


Und folgt den inspirierenden Visionen;
Den Traum hielt Josef nicht für eitlen Schaum,

So folgte er, die Weisheit wird es lohnen,


Als wie der Hirtin folgt ein junges Lamm.
Da sah er Zion schon mit ihren Kronen,

Josef, der Tochter Zion Bräutigam:

DRITTER GESANG

Die Priester sprachen aber in dem Tempel


Zur Tempeljungfrau: Freie einen Mann!
Nimm aus den Schriften heilige Exempel

Und denk an Sara, an Rebekka dann


Und wie dem Boas sich genähert Ruth.
Wir stehen alle in der Erde Bann,

Die Liebe ist auf Erden höchstes Gut,


Und was ist Menschenliebe ohne Ehe?
Was will dir zähmen sonst des Herzens Glut,

Wenn nicht ein Mann ist Tröster allem Wehe


Des Liebesleids des Fleisches einer Frau
Und stillt die Herzenswunde mit der Nähe?
So war auch in der ersten Wonnen Au
Dem Manne Adam seine Frau gegeben,
Die schön wie Sonnenlicht und Morgentau.

Was war der Mensch denn ohne sie, das Leben,


Wie wird die Frau zur Mutter einer Sippe,
Will sie sich nicht mit seinem Fleisch verweben

Und ihren Mund anschmiegen seiner Lippe,


Da sie doch seinem Mannesfleisch entsprungen?
Gott schnitzt die Fraue aus des Mannes Rippe,

So ist der Mann von seiner Frau durchdrungen


Und ist die Frau des Mannes Mark und Bein.
So wissen alle Alten, alle Jungen,

Der Weise wie der Tor im Närrischsein,


Daß eine Frau ist eines Mannes Wonne,
Daß Frau und Mann wie Wasser und wie Wein,

Daß Frau und Mann wie Mondin sind und Sonne,


Daß Frau und Mann ergeben Eine Frucht,
Daß Gott ist Herr und Menschheit ist Madonne,

Daß Liebe braucht die eheliche Zucht,


Daß Gott die Frauen schuf, sich zu vermählen.
Gott führt ein Boot in deine Liebesbucht! -

Maria wollte aber anders wählen


Und sich entscheiden für den Ewig-Einen,
Dem Geisteshauch in den geschaffnen Seelen.

O Gott, mein Gott, mit dir will ich vereinen


Demütig mich in der Geschöpflichkeit,
Und außer dir, o Jahwe, will ich keinen

Gemahl, will keinem Manne sein die Maid


Und mich dem Irdischen nicht anvertrauen
Und nicht verliebt tun mit der Sterblichkeit

Und nicht den Schatten wählen, könnt ich schauen


Das Licht in seiner hochzeitlichen Süße!
Ich sehne mich nicht so wie andre Frauen

Nach fleischlicher Vereinigung, ich büße


Für alle irdische Verkehrtheit gern
Und sink nicht einem Menschen vor die Füße.

Ich wähle dich, den Ewigen, den Herrn,


Freiwillig öffne ich das Brautgemach
Und minne in dem innern Seelenkern
Gott, der in meiner Kindheit zu mir sprach
Und mich berufen für die Heiligkeit.
Du, Gott, bist meiner Seele Sehnsucht, ach,

Durchglüh, o Liebesflamme, deine Maid,


Durchflute, Allebendiger, mein Blut,
Erwähl mein Herz und mach mein Herz bereit,

Rein zu empfangen deine Gottesglut,


Wie einst die Glut der Dornenbusch des Mose,
Erfülle mich mit Geist, o Höchstes Gut,

Als wie der Morgentau erfüllt die Rose,


Geh ein in mich, o göttlicher Gemahl!
So herzlich betete die Makellose,

Als eintrat in des Herzens Hochzeitssaal


Der Engel ihres Herrn, der zu ihr sprach:
O Gnadenvolle Seiner Gnadenwahl,

Gott breitet sich in deinem Brautgemach


Auf Lagern seiner Liebeseinung aus!
Doch mußt du tragen auch das Ungemach,

Demütig treten aus dem Gotteshaus,


Hervorgehn, Tochter Zion, aus dem Zelt,
Und leise wandeln in die Welt hinaus.

Erlösen will Jehowah diese Welt,


Drum wandle du in lautrer Heiligkeit,
In frommer Tugend, die dem Herrn gefällt,

Und sei ein Zeichen in der Welt, o Maid,


An dir, o Frau, soll Großes noch geschehen,
So halt für Gottes Willen dich bereit.

Ein Heiliger soll dir an deiner Seite stehen,


Soll, Jungfrau, dich behüten als dein Hüter,
Du sollst mit ihm im Tränentale gehen

In frommer Armut, ohne viele Güter,


Dich wird der Wille Gottes überschatten
Zur Freude aller kommenden Gemüter

Will Gott dich segnen, dich und deinen Gatten.


Um Gottes willen aber Jungfrau bleib,
Versiegle deines Schoßes Blumenmatten

Dem Geist, der dir liebkosen wird den Leib


Als goldenes Gewölk der Herrlichkeit,
Du stehst im Gnadenregen, liebes Weib,
Der Herr erwählte dich, o holde Maid,
Gott Jahwe ist dein Mann und nicht der Baal,
Du bist berufen zu der Heiligkeit,

Der Geist wird sein dein göttlicher Gemahl


Und dich mit süßen Liebeswehen stillen
Und dich erquicken in dem Hochzeitssaal!

Nun gehe, Gottes Willen zu erfüllen,


Den Willen Gottes zu erfüllen, gehe,
Den Schleier nimm, das Haupt dir zu verhüllen,

Gott Jahwe ruft dich in die keusche Ehe!

VIERTER GESANG

Die Priester riefen vor den Tempel Mannen,


Die waren allesamt von Davids Stamm.
Zwölf Freier standen da, die da begannen

Zu beten: Gott mach mich zum Bräutigam


Der Tempeljungfrau, gallenlosen Taube,
Der königlichen Schwanin, sanftem Lamm.

Aus Steinen war gebaut die Palmenlaube,


Geschmückt mit rosa Blüten weißer Mandeln,
Wo Kerzen flammten Liebe, Hoffnung, Glaube,

In Purpur Priester gingen, hold zu handeln,


Und trugen stolz den Efod mit den Losen
Und beteten, in Gnade sich zu manteln,

Daß Gott ein Zeichen geb der Makellosen,


Wer als die Nachtigall der Nachtigallen
Darf huldigen der Rose aller Rosen.

Auch Agabus stand vor den Tempelhallen


Und schmachtete in heißem Ungenügen,
Fand er doch an Maria Wohlgefallen,

An ihrer Schönheit himmlisches Vergnügen


Und an der Anmut seine Manneswonne
Und süßeste Betörung an den Zügen

Des Angesichtes, strahlendschöner Sonne,


Und an dem Leib, geweihtem Tempelleuchter,
Und an den bloßen Füßen der Madonne.

Die Schönheit dieser holden Maid bezeugt er


Mit jedem Herzschlag, seines Pulses Pochen,
Dem Schmachtenden wird seine Lippe feuchter,
Er wollte küssen ihre Wangenknochen,
Die schamgerötet waren, rot von Blut,
Geübt nicht, einen Mann zu unterjochen,

Bewahrte Miriam der Ruhe Gut.


Und Agabus ward nicht von Gott erwählt,
Vergebens glühte seiner Liebe Glut.

Doch Gott die Tränen dieses Mannes zählt,


Der in die Einsamkeit gen Norden zieht,
Von trauriger Enttäuschung leidbeseelt.

Er wurde auf dem Karmel Karmelit


Und betete allein in dunkler Höhle
Und also betete der Eremit:

O Gott, weil allzu sinnlich meine Seele,


Drum fliehe ich in tiefe Einsamkeit,
Daß ich auf meinem Weg zu Gott nicht fehle!

Ich will ja keine als die holde Maid,


Zur Mutter des Messias würdig sie,
Zugleich so schön in ihrem blauen Kleid.

Nun weih ich die Mariensympathie


Der Gottheit ganz, nimm alle Glut entgegen,
Ich freie Gott, frei ich Maria nie!

Maria ist der Quell dem Tränenregen,


Die Gottheit aber meine Trösterin!
- Wen seh ich dort sich in der Nacht bewegenn,

Wer schwebt als wie ein mildes Leuchten in


Die dunkle Höhle eines Beters, wie
Ein Engel, eine Himmelskönigin?

Die lichte Seele ähnelt ja Marie!


Seh ich Maria heute zu mir schweben?
O Gott, wert ist sie aller Hyperdulie!

Die Ursach meinem Eremitenleben,


Und lächelt an den Beter wie Beseelung
Und will ihm Gottes Geistesgaben geben

Und achtet nicht der törichten Verfehlung


Des Sünders, sondern tritt in seine Nähe
Als wie zu einer mystischen Vermählung,

Zum mystischen Mysterium der Ehe


Im Geiste, wie demütiges Gebet
So rein; Gott, Halleluja, Gott, ich sehe! - -
Dieweil Maria vor den Freiern steht,
Hält jeder in den Händen einen Stab,
Ob eine Blüte aus dem Stabe geht

Hervor wie ein Erstandner aus dem Grab


Und leuchtet wie die lichte Maienblüte,
Weil Gottes Odem neues Leben gab.

So sehr sich jeder der zwölf Freier mühte,


Der schönen Tempeljungfrau zu gefallen,
Die da wie eine junge Sonne glühte

Und ließ den leichten weißen Schleier wallen


Bis zu den Schultern um das schwarze Haar,
So sehr sie Liebe auch empfand zu allen

Geschöpfen: Einer nur erkoren war,


Weil über ihm erschienen Gottes Taube,
Die mütterliche Ruach wunderbar.

Aufstrahlte da Marien Schleierhaube


Und wehte und das schwarze Haar fiel offen,
Und Josef lächelte wie weiser Glaube

Und war von Gottes Gnadenwahl getroffen,


Und eine Blüte sproß aus seinem Triebe,
Und ihm erfüllte über alles Hoffen

In Mirjams Lächeln sich des Höchsten Liebe!


Wohl viele hulden dir, o Gnadenvolle,
Und bangen vor dem Herrn mit seinem Siebe,

Doch Einer hört der Taube Gurr-Gerolle


Und sieht der Maid holdseliges Gesicht
Aufleuchten lächelnd: Einzig Josef solle

Ihr Minnediener sein, der scheu und schlicht


Und demutvoll, bescheiden weise war
Und leuchtete verklärt in Gottes Licht.

Ein Glutglanz in Marien schwarzem Haar


Bezeugte ihre Glut, die Wangenscham
Verherrlichte ihr Antlitz wunderbar.

Glückselig ist Marien Bräutigam!

FÜNFTER GESANG

Die Hochzeitsfeier fand am Berge Zion


Im Dunkel statt, der Mond hat schön geblickt,
Der Schwan sah zu, Plejade und Orion.

Die Mädchen haben Miriam geschmückt


Und gaben ihr ein reines Unterkleid,
Das Unsre Frau sehr schön zurechtgerückt.

Um ihren Busen trug die schöne Maid


Geschmeid von Perlen und von Edelstein,
Ein ihre Brust verklärendes Geschmeid.

Der Leibrock war aus himmelblauem Lein,


Bestickt mit weißen, roten, goldnen Rosen
Und golddurchwirkt als wie mit Sonnenschein.

Die Mädchen flochten Miriam die losen


Haarsträhnen, schlossen sie mit einer Spange,
Vereinzelt fielen Strähnen zu der großen

Erhabnen Brust und, Schlange über Schlange,


So floß das schwarze Haar zu ihrer Lende.
Sie woben Gold ins Haar mit Glanzgeprange,

Sie woben Perlen in das Netz behende,


So ward zum Kunstwerk das Madonnenhaar;
Die Mädchen staunten an das Werk der Hände.

Sie flochten Blumenkränze wunderbar,


Marien Haupt trug einen Kranz aus Seide,
Aus Seide transparent und licht und klar,

Auch trug sie eine Krone aus Geschmeide


Als wie den Morgenstern im Diadem.
Maria, wahrlich eine Augenweide,

War allen Menschenaugen angenehm


Als wie der Schönheit heilige Idee,
Die Tochter himmlische Jerusalem,

War rot wie Feuer und war weiß wie Schnee


Und war gebräunt von Gottes schöner Sonne
Und ihre Brüste hüpften wie ein Reh.

Und da trat zu der herrlichen Madonne


Der weise Josef, arme Zimmermann,
Und sagte: Leben, Hoffnung mir und Wonne,

Ich schließ mich ganz an deine Hoheit an,


Geringer Diener deiner Heiligkeit,
Die ich durch Gott als meine Braut gewann.

Und Josef trug ein blaues Linnenkleid,


Das von der Brust zum Saum mit Schnüren schloß,
Die Ärmel fielen auf die Hände weit,

Das Beinkleid zu den Schuhen niederfloß,


Das blauen Leinen so wie Meerflut hing
Und war gegürtet rings um seinen Schoß.

Und dann gab Josef Mirjam einen Ring,


Dreiecke waren darin eingraviert,
In jedem Dreieck auf Marien Ring

Der Name Gottes stand, daß nie verliert


Maria ihren Bräutigam Gott Jahwe!
Der Ring, den Mirjam Josef gab, verziert

War er mit Perlen, deren jede Ave


Bedeutete, mit einem Leidenszeichen
Für den Messias, der als Gottessklave

Zu leiden kommen würde ohnegleichen.


Einander reichten sie die Hände und
Sie werden nimmer voneinander weichen.

Und siegelten das Eidwort Mund an Mund


Mit einem Kuß! Vom Munde der Madonne
Beseligt Josef war im Herzensgrund

Als wie von gottgeschenkter Liebeswonne,


Ganz überirdisch wie der Engel Scherzen
Im Paradies der Minne, eine Sonne

Aufstrahlte Josef glorios im Herzen,


Er sah der Braut Maria Angesicht
Und fühlte Liebesglück wie große Schmerzen

Und schaute Gottes Licht in ihrem Licht


Und Gottes Herrlichkeit in ihrem Glanz
Und schloß sie in die Arme selig dicht!

Und alle reihten sich zum Reigentanz,


Der Harfenspieler Schalak trunken sieht
Die Liebe Frau erfüllt von Freude ganz

Und streicht die Saiten, singt das Hohe Lied


Und singt es schön mit Rhytmus und mit Reim,
Versfüßen folgt mit Füßen Sulamith,

Tanzt Sulamith den Tanz von Mahanaim,


Mit bloßen Füßen zu dem Zimbeltakt,
Und glänzt vor Wonne wie der Wabenseim.

Die schwarze Haarflut wie ein Katarakt


Umschwingt die Tänzerin, es schwebt der Schleier,
Die Füße schweben über Gräsern nackt,

Der Leib sympathisiert mit Schalaks Leier


Und ihre Haare mit den Harfensaiten.
Und Josef jauchzt und jubelt auf der Feier

Und lobpreist Gott mit frohen Festlichkeiten


Und hebt zu Jahwes Ehre seinen Becher
Und preist das Glück für Zeit und Ewigkeiten!

Und Gott schenkt ein den Süßwein seinem Zecher


Und spendet Purpurwein wie rotes Blut.
Maria niederschlägt den Wimpernfächer,

Der Wimpernschatten auf der Wangen Glut,


Die Glut der Wangen und der Wimpernschatten,
Des Wangenjoches Rot, der Wimpern Flut

Beseeligen den Gatten aller Gatten


Auf aller Hochzeitsfeiern Hochzeitsfeier!
Die Mädchen alle ihre Tänzer hatten,

Maria aber lauschte Schalaks Leier.......

SECHSTER GESANG

O Josef, schmücke dich mit Ruhmes Federn,


Wer kann Marien Bräutigam vergessen?
Du zimmertest die Balken ihr von Zedern,

Du zimmertest die Wände von Zypressen,


Ein Jubelhaus, fern allem Zank und Jammer,
Wo Fromme unter Dankgebeten essen

Und trinken roten Wein, wenn ruht der Hammer,


Der Nägel in die Balken eingeschlagen.
Errichtet ist die bräutliche, die Kammer,

Erhaben keusche Scheidewände ragen


Und überm Lager wehen lichte Schleier,
Wo auf den Kissen frische Blumen lagen,

Erinnernd an die bunte Hochzeitsfeier,


Und in der Vase stand der Mandelstab,
Der ausgezeichnet dich vor jedem Freier.

Den Einsamkeiten bau ein Ehrengrab,


Die Wände rosa mal, orange und rot,
Daß immer Wärme euer Herz erlab.

Das Senkblei nimm, das Winkelmaß, das Lot,


Und messe an Akaziengestellen,
Als bautest du ein Haus für Zevaoth.

Die Decke tünche weiß, daß von dem hellen


Gewölk der Herrlichkeit die Huld erscheine.
Die Breite, Höhe, Länge miß in Ellen

Und tu die Fenster auf dem Sonnenscheine,


Im Winter selbst ein Wochenfest euch sei
Und Vögel eure singende Gemeine.

Madonna sei dir Königin im Mai,


Ihr Allerinnerstes ist dir vertraut,
Ihr guter Geist steht deinem Geiste bei,

Den Hammer hält so herrlich deine Braut,


Die Herrin unterweist, es wirkt der Sklave,
Der huldigend zu seiner Herrin schaut. -

Da aber schaute zu Maria Jahwe


Und sandte ihr den Engel Gabriel
Mit diesem ewiglichen Gruße: Ave

Maria, Gott salbt dich mit Freudenöl,


Wie niemals fromme Frauen Freude hatten:
Empfangen wirst du Gott in deiner Seel!

Wie dies, sprach sie, da ich doch meinen Gatten


Als Jungfrau nimmer ehelich erkenne?
Der Engel sprach: Die Ruach wird dich überschatten,

Es kommt der Geist, daß Gottheit in dir brenne,


Daß du gebären wirst den Menschensohn,
Messias Jisraels, ihn Jesus nenne!

Da zitterte Maria freudig schon


Vor gottesfürchtiger Erwählung: Ja!
Sprach sie zu Gott in demütigem Ton.

Und Gott geboren ward mit diesem Ja,


Geboren Weisheit ward in ihrem Schoße,
Die Chockmah durch die Ruach von Gott Jah! - - -

Wem kann ichs sagen, daß ich rote Rose


Jungfräulich werd gebären Morgentau?
Man wird mich nennen eine Tugendlose,

Wer wird verstehen, daß ich arme Frau


Zur Mutter des Messias auserwählt!
Ich bin allein, mir ist so blaß und blau,

Ich bin von tiefer Einsamkeit beseelt,


Auch Josef kann ich dies Geschick nicht sagen,
Hab ich ansonsten alles ihm erzählt.

Kein Mensch, nicht Frau nicht Mann in diesen Tagen,


Kein Mensch so weise, daß er mich verstehe!
Wie soll ich Einsamliche nicht verzagen?

Doch Gott ist bei mir in der Gottesehe!


Ja, wahrlich, Gott wohnt unter meinem Herzen!
Das ist fürwahr doch aller Nähen Nähe! -

Was muß ich singen noch von Josefs Schmerzen?


Der Zweifel ward ihm da erträglich kaum,
Unruhig flackerten des Nachts die Kerzen.

Marien Reinheit - nichst als eitler Schaum?


Die Königin des Herzens - nur ein Schemen
Der alten Sünde? Doch da kam der Traum:

Du schäm dich nicht, die Frau zu dir zu nehmen,


Jungfräulich immer ist die Liebe Frau,
Du brauchst dich deiner Gattin nicht zu schämen!

Da füllten seine Augen sich mit Tau


Und reuig seufzte er den Seufzerhauch:
Rein ist Maria, meine Blume blau,

Und schön ist sie! wie wölbt sich schon der Bauch!
Und gnädig stellt sie mich nicht an den Pranger,
Voll Gnade ist ihr Wesen und ihr Hauch,

Sie ist mein Eden, Paradies und Anger


Der ewigen Glückseligkeit der Seele!
Mit meinem Jesus ist Maria schwanger! -

Gott offenbart sich in Marien Höhle,


Der Morgenstern erscheint in ihrem All,
Ihr Antlitz glänzt als wie von Freudenöle,

Das Wort liebkost Marien Echohall,


Der Tau wird Perle in der roten Rose,
Die schöpferische Weisheit schläft im Stall,

Der Thron der Weisheit ist die Makellose,


Verehrung wird der Dame aller Damen,
Weil Gottheit eingesenkt in ihrem Schoße

Allschöpferischen Wortes ewigen Samen,


Und Schweigen ihn empfangen in der Grotte,
Das weise Schweigen vor der Gottheit Namen,

Der Gottheit in dem Fleische, Gott vom Gotte!


ASSUMPTIO MARIAE
„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf
über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf
der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“
(Jesaja 60, 1-2)

„...jetzt siehst du im Himmel die verklärte Menschheit der ungeschaffenen Weisheit, und die Freude
deiner Seele läßt dein Herz in beseligendem Entzücken aufjauchzen, da du die anbetungswürdigste
Dreifaltigkeit von Angesicht zu Angesicht schaust.“
(Pius XII.)

ERSTER GESANG

Wohlan denn, Muse, singe den Gesang


Der Himmelfahrt Mariens, Maß und Reim
Begleite dich und Liebesüberschwang.

Am Ölberg lag zu Bett in ihrem Heim


Die Mutter, die mit vierzehn frommen Jahren
Empfing die Weisheit, süß wie Honigseim,

Die schleierte das Kind mit schwarzen Haaren


Und nährte ihn an ihrer weißen Brust,
An beider Brüste goldnen Apfelpaaren,

Die hatte an dem Knaben ihre Lust,


Dem Ziehsohn vom Marienbräutigam,
Der seines Vaters innig sich bewußt

Und also in des Vaters Tempel kam,


Die Schriftgelehrten Weisheit da zu lehren.
Er ging zum Täufer dann, das Opferlamm,

In Kana drauf den Hochzeitswein zu mehren,


Zu stehen auf dem Tabor weiß wie Schnee,
Wo Moses und Elias Jesus ehren,

Um dann zu gehen nach Gethsemane,


Um Blut zu weinen und um Blut zu schwitzen,
Zu leeren einen Becher voll von Weh,
Um dann vor richterlichen Herrschersitzen
Zu nennen König sich und Menschensohn,
Den Leugner durch das Dunkel anzublitzen,

Und dann zur Schädelstätte, zu dem Thron


Der Herrlichkeit des Herrn, das Kreuz zu tragen,
Zu leiden Galle-Spott und Essig-Hohn,

Die Gottverlassenheit dem Herrn zu klagen,


Die Mutter aller Menschheit zu vererben,
Und dann als Hoffnung allen Sarkophagen

Erstanden Gott die Menschheit zu erwerben,


Daß Vater Jahwe Er die Braut errette!
Nun also mußte seine Mutter sterben?

Madonna lag in ihrem weißen Bette


Und die Apostel all um sie geschart,
Es war wie ein Konzil an dieser Stätte,

Da neue Glaubenseinsicht offenbart


Alleine durch das Anschaun dieser Süßen,
Der Schönheit Gottes, minniglich und zart.

Und Petrus kniete ihr zu ihren Füßen


Und weinte, weinte vor der Makellosen:
Ich werde meiner Leugnung Torheit büßen,

Als ich geprahlt in glaubensstarken Posen


Und dann vor Jesu Leiden abgefallen!
Ich fleh zu deiner Füße goldnen Rosen,

Erbitte du mir vor den andern allen,


Daß ich im Glauben bin ein fester Fels,
Laß Gott dem Vater meinen Tod gefallen,

Sterb ich in Rom, o Tochter Israels,


Bewache mütterlich den Marterzeugen,
So fleht zu dir der Reuetränen Schmelz.

Laß mich von meinem Glauben nimmer schweigen


Und Jesu Frieden allen Menschen künden!
Und muß ich einst das Haupt am Kreuze neigen,

So mit dem Haupt zur Erde, um der Sünden


Und um der Schwachheit willen, der ich irrte
Und darf nun Sünden lösen doch und binden,

Denn Jesus liebt mich: Sei der Schafe Hirte!


Sprach er, ich sprach: Mein Herr, ich liebe dich!
Die Liebe Jesu kränze dich mit Myrte,
Mit jungen Rosenknospen kränze dich
Des Vaters Liebe, und der Heilige Geist
Streu dir die blauen Blumen minniglich.

Maria, die du Himmelspforte heißt,


Ich will dir Wächter deiner Ehre sein,
Daß jeder dich erkennt und liebt und preist! -

Johannes schmiegte sich in süßer Pein


Voll warmer Minne an Marien Wange
Und sprach mit ihr, als wäre er allein:

O Mutter, scheidest du, so bin ich bange,


Warst du doch meines Glaubenslebens Hut
Mit deinem immerwährenden Gesange

Und heiligem Gebet, das Gutes tut,


Erhellt als Flamme alle Seelentrübe
Und wirft ein Feuer in das schwarze Blut.

Ich weih dir meiner Seele beste Triebe,


Daß du zu Jesus leitest alles Streben
Durch die Vermittlung deiner Mutterliebe.

Ich Sohn, ich durfte mit der Mutter leben


In Ephesos am Berg der Nachtigall
Und meinen Glauben in den deinen weben

Und beten dein Gebet, du Echohall


Des Wortes Gottes, meine Meisterin.
Ich weih dir meiner Minne Schwang und Schwall,

Gebenedeite Minnekönigin,
Der ich gewürdigt war, dich aufzunehmen
In Geist und Herz, in Seele und in Sinn.

Von allen unseres Konziles Themen,


Von aller Hoffnung und von allem Glauben,
Von allem Jubeln und von allem Schämen,

Preis ich vor allem, Taube aller Tauben,


Die Minne, denn du weissagst: Gott ist Minne!
Du mögest mir den Minnesang erlauben,

Du auserwählte Frau und Königinne,


Daß durch die Liebe alle sich bekehren,
Die werden deiner Gottesschönheit inne.

So will ich Minne, nichts als Minne lehren,


Darf niemand Unsre Minne-Dame lästern,
Weil so wir Gott den Liebenden verehren
Und lieben alle unsre Menschenschwestern.

ZWEITER GESANG

Muse vom Sion, singe mir vom Tod,


Von Bruder Tod, da Bruder Esel stirbt!
Was sagt die Weisheit uns aus Zevaoth

Und was Erfahrung, wie ein Mensch verdirbt?


Wie lange geht die Jungfrau mit dem Schleier,
Da um die Schönheit und die Sanftmut wirbt

Ein Gottvergessner, ein verliebter Freier,


Bis sie sich banden in dem Ehebund,
Da sah sie in der Nacht den Herrn im Feuer,

Der gurrte ruckend mit dem Taubenmund


Und rief sie heim in großes Hochzeitslicht.
Da ging ihr feiner zarter Leib zugrund.

Und da ein Dichter dichtet ein Gedicht,


Um eine Muse eine Elegie,
In Nächten, da er mit der Jungfrau spricht,

Da scheidet aus der Welt der Leiden die,


Die er am meisten liebte in der Welt,
Die hört im Scheiden seine Melodie

Um sich ertönen, als der Schatten fällt


Der großen Nacht, da ist ihr Leib so müd,
Der Bräutigam erscheint vom Himmelszelt

Und lächelnd sagt die greise Schullammyth:


Ihr alle seid so lieb, gesegnet seid!
Und schließt zum letzten Mal ihr leichtes Lid.

Und andrer Tod ist auch: vor lauter Leid


Erstarb die geistliche Entwicklung ganz,
Wie eine Greisin hockt die goldne Maid,

Sie ist ein schmerzensreicher Rosenkranz,


Ob in der Nacht der Seele sie erlab
Des Todes ferner weltverlorner Glanz,

Mystische Mutter ist dem Geist ein Grab,


Wie Hiobs Hoffnung war aus tiefster Nacht
Die Gottheit, die uns ganz im Tode hab.

Madonna aber vor dem Tode lacht,


Denn kommen sieht sie schon zu sich das Leben,
Das ewige, das ihre Wandlung macht
Vollkommen, an das Ziel führt all ihr Streben.
Ihr Abgang von dem tragischen Theater
Ist Aufgang von der Erde voller Beben.

O Genius, mein himmlischer Berater,


Gib du mir heut Marien Worte wieder:
O Jesus Christus, o mein Sohn und Vater!

Ich werfe meine Wimpern vor dir nieder,


Du Schöpfer meiner unsterblichen Seele,
Die du vermählt der Summe meiner Glieder,

Die du aus Gnade schufest ohne Fehle,


Die hochbevorzugt ist von deiner Gnade,
Der spreche zu im göttlichen Befehle,

Wie ich dir nahen soll. Halt allen Schade


Mir fern und alles Blendwerk der Dämonen,
Mein Herz sei rein vor dir wie reine Jade,

Laß mich, o Herr, an deinem Herzen wohnen,


In deinem Tempel ruhn, o Weisheit du,
Bei dir, o mütterliche Weisheit, thronen,

In dir, o Mutter, bleiben immerzu,


Geborgen, Weisheit, dort in deinem Schoß.
So mach dich, Gottheit, auf zu deiner Ruh,

Zur Ruhe du und ich, wo makellos


Wir uns in Ewn aller Ewen betten
In unserm Gott, dem Ewigen, der groß

Und mächtig ist, die Irdische zu retten


Und sich in dir, o Herr, zu einigen
Durch Ruachs Nabelschnur und Perlenketten

Und mich, die Mutter all der Deinigen,


Zu freien in dem aufgetanen Herzen
Und, Jesus, in mir all die Meinigen. -

Und Jesus sprach: Um meiner Kreuzesschmerzen


Und um des Vaters Liebe lieb ich dich
Und halt dir in der Hand die Tempelkerzen

Des Geistes, der dich liebet! Siehe, ich


Lieb dich am meisten, auserwähltes Kind,
Lieb dich, geliebte Seele, minniglich,

Ich bin in deinem offnen Haar der Wind,


In deinem Augenpaar die Lebensflamme,
Du bist wie niemand sonst mir lieb und lind,
Für dich geworden bin ich gar zum Lamme
Und litt, dich zu erlösen, gar den Tod
Und einte deiner Seele mich am Stamme

Des Kreuzes, also liebt dich Zevaoth


Unsagbar, Gottes Liebe nie zu nennen,
Und so umarm ich dich, wie Morgenrot

Den Morgenstern, bin Glut in deinem Brennen,


Bin deine Liebesglut, o rote Rose,
Bin Weisheit, lasse mich von dir erkennen,

In meinem Geist wird dir das makellose


Gemüt von Gott vollendet in der Reinheit,
Mit dir versinke ich in Gottes Schoße,

Du Einzigartige, in Gottes Einheit,


Und bin mit dir in Ewigkeit allein.
O lausche mir, du Taube voller Feinheit,

Durch die Verdienste meiner Liebespein


Werd ich dich in die Ewigkeit der Minne
Einführen in der Gottheit Rosenhain.

Drum, Seele, nenne ich dich Königinne


Der Rosen, Erste meiner Rosen du,
Du meinem dorngekränzten Herzen inne,

O Seele, du alleine meine Ruh,


Maria, meine auserwählte Tochter!
So sang der Herr der Gotterwählten zu,

Ihr diesen Rosenkranz der Minne flocht er.

DRITTER GESANG

O Lob der Sonne im August, der Sonne,


Die aus dem Schoß der Morgenröte gold
Aufsteigt und strahlt am Horizont voll Wonne,

O Lob dem Sonnenrade, das da rollt,


Vier Feuerräder rollen an dem Wagen,
Im Wagen steht der Bräutigam sehr hold!

Die Rosse vor dem Wagen Gottes jagen


Und von den Feuerrädern Funken stieben,
Wenn wir in lauter Herrlichkeiten tagen

Den Sohn sehn, da die Horen um ihn schrieben


Mit goldner Schrift Gebete auf die Berge,
Wie mit dem Griffel in das Erz getrieben.

Siehst du die Sonne, Volk des Herrn, aufmerke,


Es kommt die Sonne der Gerechtigkeit
Und gibt Gerechten Lohn nach ihrem Werke.

Die goldne Rosenpforte tut sich weit


Am Himmel auf, und auf die ganze Welt
Ein Meer von goldnen Rosenblüten schneit.

In goldner Rüstung tritt der Gottesheld


Hervor und lächelt wie ein Bräutigam
Vor dem saphirnen Offenbarungszelt.

In Gloria und Glanz er niederkam


Zur Erde, wie in abendroter Glut,
Da er die Erde in das Feuer nahm

Und lodern ließ windaufgewühlte Flut


Und in den Ofen nimmt die Elemente,
Den Staub zu wandeln in das Höchste Gut!

Er gießt herab die Feueropferspende,


Das Irdische ins Himmlische zu wandeln.
Er strahlt durchs Tor ins Haus, beglänzt die Wände,

Beglänzt Olivenbäume, Zedern, Mandeln


Und glüht auf der Madonna Wange rot,
Die Scheidende in goldnen Glanz zu manteln.

Da rauscht es wie der Geist von Zevaoth:


O Jesus! süß wie Schemen ist dein Schem,
Wie Salbe süß dein Name, Mensch und Gott!

Und du, o Tochter von Jerusalem,


Gelobtes Land von Honigseim und Butter,
Maid von Kalvaria und Bethlehem,

Du Nymphe an der Kirche Fischerkutter,


Du Mutter deines Gottes, deines Herrn,
Du wirst den Menschen eine milde Mutter,

Du Meerestropfen und du Meeresstern,


Und hebst die Heiligen an deine Brüste!
Maria schreibt auf jeden Dattelkern

Der Geist, weil du geboren Jesu Christe!


Dein Ruhm wird alle Ewigkeit nicht minder,
Du Freudenflamme an der Wonnen Küste,

Auf deinen Knieen herzt du deine Kinder


Und schließt in deine Arme deine Söhne,
Sie seien Juden, Griechen oder Inder,

Allüberall bist du die Wunderschöne,


Die Thomas preisen wird im fernsten China.
Die Völker alle durch Gebet versöhne

Und lächele zur Welt herab, Regina


Coeli, von des Himmels goldnem Dach,
Und sei den Musenpriestern Madonnina

Und breit den Frieden aus wie einen Bach,


Daß alle Völker für den Frieden taugen!
Und Herrin, laß den Lieblingsjünger, ach,

Den Lieblingsjünger laß am Busen saugen


Und betten sich in deinem keuschen Schoß
Und selig sein im Anschaun deiner Augen!

Und bring die Menschheit dar, der Erde Los,


Die Menschheit deinem Schöpfer überschreib,
Denn deine Herrlichkeit, o Frau, ist groß!

Und müssen wir nun scheiden, schönstes Weib,


Und alle unsre Hoffnungen begraben
Und in die Erde legen deinen Leib?

Soll uns dein Lächeln denn nicht mehr erlaben


Und sollen wir nicht sehen mehr den Mund
Und deine Worte voller Geistesgaben?

Geht nun die Herrlichkeit des Herrn zugrund


Und in den Staub verschwinden deine Glieder?
Wir sind vor Sehnsucht an der Seele wund

Und lauter Mängel künden unsre Lieder,


Weil du uns auf der Erde nicht mehr küsst!
Ein letztes Mal laß wogen in dem Mieder

Die Trostanschauung deiner vollen Brüst’!


Wir saugen nur noch Schwermut uns und Tod!
Was bin ich so verzweifelt als ein Christ,

Ist nur noch dunkle Nacht um Zevaoth


Und bin ich auf der Erde so allein!
Wann, Vater, wann lacht uns das Morgenrot

Und wann wird Tröstung nahen unsrer Pein,


Da wir den schönsten Leib zu Grabe tragen?
Wir salben sie mit traurigem Gewein

Und betten sie im Bette unsrer Klagen


Und schleiern sie mit Nichtigkeit vom Staube!
Wer gibt uns Antwort allen unsern Fragen,

Wie spendet Trost des Heiligen Geistes Taube,


Da wir in der Madonna nun zuende?
O, wird sie finden eine Gartenlaube

Des Paradieses, bleiben unsre Hände


Doch leer, da wir sie nimmermehr betasten!
Und nur dem Tod gilt unsre Opferspende,

Da Hoffnung, Leben wir und Wonne fasten


Und tragen in die Nacht die Bundeslade!
Zerbrochen unsres Kirchenschiffes Masten,

Doch um Marien willen wird uns Gnade!

VIERTER GESANG

Grab Jesu, sieh mich vor den Felsen weinen,


Mich weinen, Vater, über Adams Fall,
Seit dem wir alle uns dem Tod vereinen.

Nun siehe meiner Tränen reichen Schwall,


Ob sie vielleicht den toten Staub beleben?
Unendlich ist die Nacht im Weltenall,

O Nacht, ist eingeschlummert alles Leben,


Stieg Jesus nieder in das Totenreich,
Um Eva Leben wiederum zu geben.

Ist nicht die Hölle meinem Herzen gleich,


Bin ich doch keine Taube ohne Galle,
Und wird die Hölle nicht zum Himmelreich,

Weil Jesus niederstieg in Hades’ Halle,


Um zu erlösen auch Eurydice,
Ist nicht mein Herz ein Himmel? Walle, walle,

Geliebte Seele Mirjam Magdalee,


Zum Grab, ob dort dein Auge Jesus sieht!
War nicht sein Linnen reiner als der Schnee

Und funkelte sein Auge unterm Lid


Nicht lieb, als er dich bei dem Namen nannte?
Er nannte dich Maria Schullammyth,

Weil er die Liebende in dir erkannte


Und hörte deiner Seele Seufzen, Schmachten,
Da er sich als dein Minner zu dir wandte

Und lehrte dich, die Gottheit zu betrachten,


Der du in deiner Einsamkeit genaht.
Fürbitte für mein trauriges Umnachten,

Daß Jubel blüht aus meiner Tränensaat


Und daß mein Leib mit gottesbangem Beben
Aufjaucht im schönen Tale Josaphat

Und ich im geistgewirkten Geistesleben


Maria herze in den Weinterrassen,
Wie um die Ulme ranken sich die Reben...

Und Petrus seh ich seine Schlüssel fassen


Und seine Psalmschnur aus Olivenkern
Und beten: Droben auf den goldnen Gassen

Jerusalems seh wandeln ich den Herrn!


Ich sehe Throne tragen Cherubim
Und sehe glühen wie den Morgenstern

Die Flammenschlangen, Gottes Seraphim,


Und seh auf seinem Thron von weißer Jade
Den hochbetagten Vater Elohim

Und Ihm zu Seiten Jesus, voller Gnade,


Der lichter noch als sieben Sonnen gleißt,
Und ausgehn hör ich von der Bundeslade

Den Wind, des Vaters und des Sohnes Geist,


Der Abba, Abba! spricht in meinem Herzen
Und seiner Braut geliebte Seele preist,

Die da erscheint inmitten sieben Kerzen


Und ist so schimmernd wie der schöne Schnee
Und ihre Füße glühen goldenerzen,

So taucht sie aus des Alls kristallner See


Und wandelt rauschend an der Wonnen Bucht
Und wendet sich zu mir mit holdem Dreh,

Und heilige Harfen tönen ihr mit Tucht


Und Engel singen ihr und singen wem?
Des benedeiten Leibes Lebensfrucht!

Und ihr, allheiliger Jerusalem,


Der Tochter Zion, aller Völker Mutter,
Die ist so lieblich wie Vanille-Creme

Und ist wie Wabenhonigseim und Butter


Und gibt der Menschenseele, Gottes Spatz,
Die Frucht, den Samen und das Brot zum Futter.

Jerusalem, Jerusalem, mein Schatz,


Gott-Vater wohnt in dir und ich bin dein!
Bewahre mir im Himmel meinen Platz! -

Und Paulus hielt den glatten Schädel sein


Mit seiner schneeigweißen Haare Kranz
Anbetend in das Himmelreich hinein:

O Gott, ich sehe dich in lichtem Glanz


Als Vater mit der Harfe unterm Kinn
Inmitten schöner Engel Reigentanz.

Ich führte ja die Griechen zu dir hin,


O Unbekannter, und zum Menschensohn,
Der Logos ist, der Weltgeschichte Sinn.

Gefallen sind einst Engel von dem Thron


Jehowahs ab und wurden falsche Götter
Und zeugten Götzendienst als Gottes-Hohn.

Die aber dich geboren hat, o Retter,


Die träumte einst Homer in einem Traum,
Als über Troja lag des Schicksals Wetter,

Die Himmelskönigin erschien beim Baum


Und auch der Weisheit Hüterin, Athene,
Und jene Schöne, aufgetaucht aus Schaum,

Den Hirten so betört mit ihrer Schöne


Und ihrem zauberischen Gürtelband
Und mit des Busens Schnee so weiß wie Schwäne

Und mit den Fingern ihrer weißen Hand,


Mit der sie ihres Keuschheitsgürtels Schnalle
Zusammenschloß, als sie vorm Jüngling stand,

Und stand verschleiert in dem Haargewalle


Und war verschleiert von den goldnen Strähnen,
Sie, die mit zauberischem Worteschwalle

Den Hirten anvertraute seiner Schönen,


In Minne, sag ich, aber nicht zur Ehe.
Und dann, mit einem Lächeln auf den Zähnen

Und mit dem Tanzen perlengleicher Zehe


Stieg sie hinan, stieg heim ins Himmelreich.
Doch herrlicher als Aphrodite sehe

Maria ich, die keiner Göttin gleich!

FÜNFTER GESANG
Um deiner Tränen willen, Liebe Frau,
Die du geweint hast über Lazarus,
Als er verweste in des Grabes Bau,

Um deiner Tränen trauerreichen Fluß,


Der dir geblutet hat in deinem Herzen,
Weil Jesus in dem Ölhain einsam muß

Die Becher leeren voll von bittern Schmerzen,


Um deiner Tränen mitleid angenehm,
Die fähig, alle Leiden auszumerzen,

Das Leid der Töchter von Jerusalem,


Um deiner Tränen, Jungfrau voller Reize,
Die du geweint am Schädelberg mit dem

Gekreuzigten, der Weisheit an dem Kreuze,


Um deiner Tränen willen tröste, Frau,
Den Minnesänger seiner Falkenbeize,

Der unter Tränen sucht die Blume blau


Und nährt die Blume seiner Sehnsucht mit
Der Einsamkeit Gewässer, Tränentau.

O Consolatrix Afflictorum! bitt


Für deinen Liebling, nimmer widerstehn
Kann eine Maid dem Jüngling, der da litt,

Sie nimmt ihn in die Taubenschwingen schön


Und bettet ihn an ihrer süßen Brust:
Getrost, mein Lieber, unverzagt! denn sehn

Wirst deinen Heiland über Todes Dust


Du in dem Garten Eden lieblich spielen,
Und ich werd da sein dir zu deiner Lust,

Wenn du da voll Gedanken und Gefühlen


Von Gott dich freuen wirst in meinem Arm
Und deine heißen Tränen süß sich kühlen

In meiner Zärtlichkeit, in meinem Charme,


Und wir in Gott uns küssen, Mann und Frau.
Dies geb ich dir zur Hoffnung.- Herr, erbarm! -

O Wind, der rauscht durch Nächte dunkelblau,


O Geist in deinem unsichtbaren Licht,
Nun sing, erquicklich wie des Lebens Tau!

O Leib Mariens, göttliches Gedicht,


Erhebe dich, dich aus der Nacht erhebe!
Vorm Seienden, Maria, bist du nicht,
Ich aber hauch, daß ich dir Leben gebe,
Ich weh dir in dein langes schwarzes Haar,
In deiner Haare Schleier Nachtgewebe,

Dir fallend zu der Brüste Taubenpaar,


Die du bedekcst mit deiner schmalen Linken,
Weil deine Mädchenbrust demütig war,

Auch seh ich deine lange Haarflut sinken,


Da deine Rechte schleiert dir die Scham.
Ich singe so und deine Augen blinken

Liebreizend voller Charme zum Bräutigam,


Die Tiefen deiner Augen, schön wie Sterne,
Aus deinen diamantne Trauer kam,

Ich sehe schimmern in des Weltalls Ferne


Dein Auge, schauend in des Kosmos Grund.
Von dir das Sternbild Jungfrau Schönheit lerne,

Orion auch, der Jäger mit dem Hund,


Sieht dich auftauchen, himmlische Plejade.
Am Himmel seh ich deinen schönen Mund

Zulächeln mir voll Grazie und Gnade,


Daß ich verzückt vor dir im Feuer bleib!
O lichter Leib, o transparente Jade,

O weißer Stein, der Jungfrau reiner Leib,


Vergöttlicht alles, Scheitel so wie Schritte,
Du Gottes Leidenschaft, du Gottes Weib,

Und über alles deines Lebens Mitte


Und deiner Liebe Zentrum glüht dein Herz!
Daß ich, dein Bräutigam, ins Herz dir glitte! -

Oh Geist, mein Auge funkelt innenwärts


In seiner Paradieses-Schwärze, Stern
Der Nacht, oh Geist, das lichte Aug mir schwärz,

Oh, schwimm in meines Auges Mandelkern,


Wie Tau gesammelt unterm braunen Lid,
Und wein in mir die Tränen meines Herrn!

Oh Geist, auf meinen Lippen laß dein Lied


Der Liebe lächeln und wie Rosen blühn,
Ist Rose doch der Mund der Schullammyth,

Weiß nur der Mund in Minnerot zu glühn


Und aufzujauchzen, Jubelsang lobpreisend
Gott gebend, alle Kraft des Lebens grün
In dich zu spiegeln, Gottes Antlitz, gleißend
Vor Licht und doch so dunkel wie die Nacht,
Geschlossner Lider, Weisheit, unterweisend,

Wie meines Leibs unendliches Geschmacht


Sich deines Geistes Inbrunst ganz vermähle!
Das Beben meiner Brüste, o die Pracht

Der Berge Gottes, ich vor Gott nicht hehle,


Das Beben meiner Brüste bebt dir zu,
Oh Geist, du Liebesspiel in meiner Seele!

In meinem Schoß Empfangener, oh Du,


Der du gesät des ewigen Wortes Samen,
Du find in meinem Schoße deine Ruh

Und reime auf mein Hymen, Geist, dein Amen,


So wohnst du innen in mir, Gottheit, innen,
Und offenbarst mir dort des Geistes Namen!

So wirst du mich von innen durch dein Minnen


Verklären, meinen Leib in edler Zucht
Vergöttlichen, mit geistgewirkten Sinnen

Auftauch ich an der Wonnen Meeresbucht,


Zum Eiland der Glückseligkeit ich treib,
Wo ich vom Lebensbaum die Lebensfrucht

Empfange in dem gottverklärten Leib!

SECHSTER GESANG

Komm, Thomas, komme du von den Brahmanen


Und eile von den mystischen Disputen
Aus deinem Dschungelland der Indostanen.

Was wissen sie von Atem, Weltall, Gluten,


Vom Schöpfer, der auf einem Schwan geflogen?
Wem opfern sie die Böcke und die Puten

Und wer ist aufgetaucht aus Soma-Wogen?


War Gott die Devi oder Gott ein Deva?
Wer sind, die mit der Shakti Umgang pflogen?

Was sagte ihnen plötzlich Adam, Eva,


War der Disput nicht nur ein Zeitvertreib?
Sie gingen auch auf Wasser, wie einst Kefa,

Gott Krischna hatte einen blauen Leib,


Und wenn du willst, so nenn die Gottheit Shiva,
Was sind schon Namen? Gott ist auch ein Weib,
Die Devi Shakti eine schöne Diva
Und Gottvereinigung die Lust des Tantra
Und Gott geboren in Liebkosung: Viva!

Ist in der Lotos das Juwel! dies Mantra


War doppelt heilig: mystisch und erotisch!
Was sagtest du, o Thomas, weiser Wandrer,

War dir die Hindu-Mystik zu exotisch,


War weiser die geheime Weisheit dein?
Und wirkte heiliger Geist von Gott hypnotisch

Auf Schlangen? Willst du einmal wieder sein


Bei den geliebten Bergen Israels?
In Josaphat und beim Olivenhain?

Die Jungfrau ruft dich, rein wie Bergschneeschmelz,


Zum Tal, wo sie erstanden durch den Geist,
Da lehne dich an Petrus an, den Fels.

O Hirte Kefa, sag mir, was du weißt,


Ist auch der Leib zum Himmel eingegangen?
Weißt du, wie man in Indien lobpreist?

Da ist die Seele in dem Leib gefangen


Und ist die Seele unberührt von Sinnen
Und ist ganz frei von Leib zu Leib gegangen

Und war verborgen in dem Körper innen,


Der eitel war, aus Werdewelt und nichtig.
Kann Gottes Geist des Leibes Ruhm gewinnen

Und ihm die Schwere geben, wertgewichtig,


Gewichtig wie die Herrlichkeit des Herrn?
Ist Auferstehung allen Fleisches richtig,

Hat Gott auch unsre armen Körper gern


Und will den Leib durchpulsen und durchgeisten
Mit Ewigkeit, nicht nur den Seelenkern?

O Thomas, was die Indier umkreisten


Und doch nicht griffen, liegt hier als Beweis,
Siehst du zum Grab Mariens, dem verwaisten,

Was siehst du? Thomas, singe Lob und Preis,


Der du getastet hast Messias’ Wunden,
Hier gibt dir auch Maria eines preis.

O Kefa, ich nur hab die Schnur gefunden,


Mit der die Jungfraumutter sich gegürtet!
Mit ihrem Gürtel will ich mich umrunden,
Ihr Kordeln, die ihr ihre Hüfte ziertet,
Wenn sie gegürtet Lenden des Gemüts,
Ihr Schnallen, die ihr diese Bänder schnürtet,

Euch leg ich an. Und oh im Grabe blühts,


Die Rosen blühen der Madonna nach,
Weil nun ihr Leib im Garten Schullammyths!

Den Gürtel trag ich nun, getrost, gemach,


Als heilige Reliquie zum Schrein
Des zyprischen Olympos. Thomas sprach.

Und über Cypros geht herauf der Schein


In keuschem Rosa, goldne Morgenröte,
In himmlischem Orange, und leis stimmt ein

Ein junger Seraph, spielt die Jadeflöte


Und trunken sind vor Jubel seine Töne,
Als ob er Gott ein Lobpreisopfer böte:

Die Unbeschreiblichkeit der Wunderschöne


Mariens ist gemäß der Gottesgnade
Der Göttin-Werdung!... Gott! Maria kröne

Und laß anstaunen uns die reine Jade


Verklärten Leibes, ganz dem Geiste eins!
Vergöttlicht taucht die Göttin aus dem Bade

Der Neugeburt, gehüllt in Morgenscheins


Orange, das klärt und klärt sich noch zum Gold!
Von allen Mädchen ist so lieblich keins,

So sehr sie alle heilig auch und hold


In ihrer Gottesebenbildlichkeit!
Archaische Poeten, trunken wollt

Ihr diese Maid, aus Gnade Göttin, weit


Und hoch Maria Aphroditissa rühmen!
Aus Glut der Liebe Gottes ist ihr Kleid,

Neun Engelshierarchieen sie umblümen,


Ihr Schleier wallt wie weißer Meeresschaum,
Und makellos erscheint sie den intimen

Verehrern, die benommen wie vom Traum


Und sehn die Aura wie von Meeresblau,
Als Stella Maris wandelt durch den Raum

In ihrer weißen Mandorla, o schau,


Als wie in einer Muschel oder Grotte
Erscheint vollkommen schön die Liebe Frau,
Auf daß vergotte, fort und fort vergotte
Der Herr Sie - Christus an dem Kreuze schrie -
Da Sie sich einigte dem lieben Gotte!

Maria, oh Maria, oh Marie!...

ROSARIUM VIRGINIS MARIAE

„Du hohe Fraue kannst so vieles bringen,


Daß, wer nach Gnade dürstend dich nicht riefe,
Umsonst zu fliegen suchte, ohne Schwingen.“
(Dante)

„...wenn wir dieses Gebet


als Ausdruck einer Liebe betrachten,
die nicht müde wird,
sich der geliebten Person zuzwenden.“
(Johannes Paul II)

CANTUS I

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Die schön wie unsre Mutter Eva war,
Als Eva an des Wissensbaumes Stamm

In Feigenblatt sich hüllte und ihr Haar


Und betete: Gott sende meinen Samen,
Daß frei vom Tod werd meiner Kinder Schar!

Drei Engel in den Hain von Mamre kamen,


Da Sara lachte mit den neunzig Jahren
Und Abraham mit seinem neuen Namen

So betet: Die wir in Chaldäa waren,


Wir wollen in das Reich, das Gott verheißen
In meinem Segenserben, wunderbaren.

Und Isaak, als Opfermahl zu speisen


Jehowah, sah in einem Dornenstrauch
Des Opfers Stellvertretung, hoch zu preisen.

Und Jakob opferte der Weihe Rauch


Und sah die Himmelstreppe in dem Traum
Und hörte des Erhabnen Segenshauch.
Und Mose sah im wüstenöden Raum
In Donner und in Feuer Gottes Berg,
Gott reden im entflammten Dornenbaum.

Im Schatten deiner Schwingen, Jahwe, berg


Den Enkel Ruths, den heiligen Psalmisten,
Der den Messias pries mit seinem Werk.

Und Sulamith mit ihren Taubenbrüsten


Sah nach dem gottgesalbten Salomon
Und weihte ihm die Liebe mit den Lüsten.

Jesaja sah vorher der Jungfrau Sohn,


Um den Erlöser Schmerzensmann zu preisen,
Der Israel erlöst auf Davids Thron.

Und Jesus Sirach, um den Weg zu weisen,


Sang er der Weisheit schönes Hoheslied
Und pries wie Salomon die Braut des Weisen.

Empfangen ward die Neue Sulamith


Des, der da größer ist als Salomon.
Sankt Anna im judäischen Gebiet

Empfangen hatte von dem Davidssohn


Joachim Gottes Tochter in dem Schoß,
Die ward im Schoße schon des Geistes Thron

Und von dem Geist gebildet, sündenlos,


Von aller Erbschuld der Ureltern frei.
Der Dornbusch Anna brachte vor die Ros’.

Und als sie zählte ihrer Jahre drei,


Ging sie zum Tempel nach Jerusalem,
Daß sie dem Heiligen geheiligt sei.

Der Brunnen ihres Bluts ward aufgetan; du schäm


Dich dessen nicht, du Inbild der Natur;
Da kam der Zimmermann aus Bethlehem,

Vom Stamme Juda, auf Jehowahs Spur


Ging er, und aus den andern Stämmen Freier
Begegneten der schönsten Kreatur.

Geist Gottes wollte ihres Leibes Leier


Dem Davidssohne in die Hände legen
Und führen Josef zu der Hochzeitsfeier,

Daß er empfange dort Jehowahs Segen


Für sich und die Geliebteste von oben
Und ging im Segen Gottes allerwegen.
So durfte Josef sich der Maid verloben,
Die schöner als die Tochter war von On
Und wußte wie Suleika nicht zu toben,

Und war versprochen nur dem Davidssohn


Und nicht dem Sohn vom Stamme Benjamin.
Schamröte auf den Wangen, rot wie Mohn,

Der Mann vom Stamme Benjamin ging hin


Zum Karmel, wo Wacholder wuchs und blühte,
Und Sterben achtete er für Gewinn...

Maria aber, betend im Gemüte,


Weissagungen betrachtend aus dem Psalter,
Des Abends, sah bei blauer Blumenblüte

Leis schweben einen schneeigweißen Falter,


Den Schmetterling um jene Blume minnen,
Wie Sion minnt der Herr in seinem Alter.

Da trat ein Mann zu ihr in weißem Linnen,


Mit einem Gürtel um von Uphas-Golde,
Mit chrysolithnem Leib im Leinen drinnen,

Im Antlitz wie ein Blitz sein Auge rollte,


Die menschliche Gestalt wie reine Jade,
Der sprach wie Meeresrauschen: Freu dich, Holde!

Denn mit dir ist des Allerhöchsten Gnade!


Du sollst empfangen, einen Sohn gebären,
Das Wort empfangen als die Bundeslade,

Du Stern des Meeres über Völkermeeren


Die Welt beschenken mit dem Hoffnungsstrahl
Der Weisheit, die wird alle Welt belehren,

Drum haucht in dich der göttliche Gemahl


Den schöpferischen Odem in dich ein
Als wie in Brautgemach und Hochzeitssaal!

Gott wählt aus allen Töchtern dich allein,


Der Geist ist keiner anderen so nah,
Der Sohn will Kindlein deines Leibes sein,

Gott wirbt um dich.- Maria sagte: Ja!


Ich will, wie Gott es will! Ja, mir geschehe
Nach deinem Wort, du Bote Gottes!- Da

Vollzog sich das Mysterium der Ehe


Von Fleisch und Geist in gottgemäßer Zucht,
Von Gott und Menschheit, ohne Evas Wehe,
Das Licht sank in des Todesschattens Schlucht,
Die Ewigkeit war mit der Zeit zusamm
Und Gott im Fleisch, in ihres Schoßes Frucht!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS II

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Vom Geist Gebildete, Immaculata!
Den Liebesapfel vom Alraunenstamm

Gab Lea Rahel, welche in Efrata


Benoni, weher Schmerzen Sohn, gebar
Und säte ihrer Muttertränen Saat, ah!

Rosinenkuchen brachte wunderbar


Dir Hirtin von dem Karmel, Abigail,
Die David sah in ihrem braunen Haar

Und sah dann Ahinoam, aber weil


Die Frauen beide den Gesalbten ehren,
Trieb niemand in sie der Entzweiung Keil.

Und auch die Griechen von den Frauen lehrten


Und lehrten die Verzagtheit der Ismene,
Die sie den Mut Antigones verehrten,

Da diese Sklavin blieb, erhob sich jene


Und bracht ein Opfer für die Freiheit dar.
Schön wie der Griechen Charis Magdalene

Wob sich so gerne in ihr Lockenhaar


Und war so schön wie Helena von Sparta,
Auch kannte Magdalene die Gefahr,

Die doch zur Minnerin der Weisheit ward, ah,


Und hat dem Meister gern ihr Ohr geliehn,
Dieweil beschäftigt in dem Haus war Martha.

Die Kirche ehrt auch Lüttichs Evelin,


Kommunizierende der Kommunion,
Sah oft zur Freundin Juliana hin,

Die beide innig liebten Gottes Sohn,


Der wollt in der Eucharistie sie freien,
Von Bundeslade und von Gnadenthron.

Die Freundinnen, die lieben wollen, weihen


Wir, der Poet und Sions Muse, nun,
Gott möge ihnen jedes Nein verzeihen...

Vor Zacharias Angesicht zu ruhn,


Wem darf es werden? Jener Sohn des Levi
Aufopferte dem Höchsten all sein Tun,

Wie Abjatar zu jener Zeit, als Mefi-


Boscheth an Davids Tisch zuhause war,
War Priester, wie zu jener Zeit, da Ewi

Von Midian der Israeliten Schar


Bekämpft, zu senden sie zum Kahn des Charon,
War Priester, wie zu Mose wunderbar

Geweihten Zeiten war der Priester Aaron,


Der Weihegaben brachte vor dem Zelt
Und durfte doch die Lilie von Scharon

In dem verheißnen Land, die neue Welt,


Noch nicht erblicken, weihte dennoch alle,
Weil solcherlei dem Ewigen gefällt.

Und Zacharis ging in Gottes Halle


Und einen Engel schaute Zacharias.
O Seele, lieblicher Gefühle walle,

Vorläufer werden künden den Messias


Und werden Gott vernehmen in der Wüste,
Wie Gott im Schweigen hörte einst Elias,

Als Isebel Astartes Marmorbüste


Mehr liebte als den Herrn, die Göttin freue
Das Volk von Israel, vom Strom zur Küste,

Elias aber hielt dem Herrn die Treue


Und achtete sein Leben für ein Nichts.
Gott, nicht in Sturm und nicht in Donner dräue,

Komm wie auf Schwingen, säuselnd wie des Lichts


Seimsüßes Sommerlüftchen linder Leisheit
Und schirm uns vor den Feuern des Gerichts

Und schimmre auf dem Horeb reiner Weißheit!


Zu preisen deine Glorie, wer kann es?
Wer würdig singen Schönheit deiner Weisheit?

Laß schauen mich zur Mutter des Johannes,


Des Priesters heiliger Elisabeth,
Vermählten gottgeweihten Gottesmannes,

Wie sie zum Allerhöchsten im Gebet


Gesprochen, und die sprache war wie Wind,
Der Gottes Segenshauch herniederfleht

Auf ihres Schoßes eingewobnes Kind;


Als zu der Ehefrau des Zacharias
Gekommen Gottes Segensodem lind

In allerlieblichster Gestalt Marias:


Allschöne, aller Erdenwelt Entzücken!
Preist sie das Klagelied des Jeremias.

Da brauchte sie nur voller Huld zu blicken


Zur heiligen Elisabeth, zu grüßen
Die liebe Freundin mit des Hauptes Nicken,

Daß in der Freundin alle Wasser fließen


Zusammen wonniger um den Propheten,
Der hüpfte auf vor Wonne! und mit süßen

Preisworten höre ich die Freundin beten:


Du mehr als alle Frauen Benedeite!
Das wissen Lehrer nicht un Exegeten,

Daß Judith, die das Gottesvolk befreite,


Und Jael, unter Frauen auch gepriesen,
Weil sie ein Ende machte mit dem Leide,

Nicht so gesegnet sind wie du! und diesen


Wird lautes Lob in aller Welt zuteil,
Doch du bist Pforte zu den Paradiesen,

In denen wieder Adam lebt im Heil,


Weil du den Neuen Adam wirst gebären!
Ich preis mich eine Gottbeglückte, weil

Die Mutter meines Gottes, hoch zu ehren,


In meine Hütte kommt! Da seht das Lamm,
Das dulden wird, wenn es die Sünder scheren!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS III

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


Wird Schönheit auch verzehrt wie eine Motte,
Weih Unsre Liebe Frau mein Liebeslied,

Wird ihr gesungen der Erscheinung Grotte


Nun nicht in dem Gefilde Israels,
Da ja die Herrlichkeit von unserm Gotte

Auch zu den Heiden reicht. Da ist ein Fels,


Im Süden die Iberer und die Franken
Im Norden, Gipfel hoch und Schmelz

Von Sonnenschimmer niedersanken


Zum provencalisch-minnevollen Tal,
Da sammeln sich am Quell die Seelenkranken,

Die Lahmen und die Krüppel ohne Zahl,


Daß jeder sich in Wunderwasser bade,
Das da gewirkt Marien Gnadenwahl

Durch Anteilhabe an Messias’ Gnade,


Der wollt die körperlich und seelisch Matten
Aufrichten gnädiglich aus allem Schade.

Da lagen Minnesänger in dem Schatten


Und sangen hoher Schönheit Königin,
Da lieben mystische Mariengatten

Des Hauses Herrin, ihre Zimmerin.


Demütig ist ihr Stolz, die Demut stolz,
Sie alle lieben Gottes Minnerin

Und bauen Hütten ihr von Zedernholz,


Daß jeder sich Sankt Josef beigeselle.
Vor Sankt Marien Minnemund hinschmolz

Der Musensohn, trank von der Musenquelle


In Einsamkeit, sehr fern von allem Spotte.
Von Geist floß über Ihrer Gnaden Welle

Und eignete ihn ganz dem lieben Gotte,


Indem sie sich vermählte seiner Seele,
Beim Fels, allein, in der Erscheinung Grotte!

Im Innern ist die Grotte, ist die Höhle,


Im Inneren der schäferliche Stall.
Dort ist der Odem aus des Esels Kehle,

Des Stieres leidenschaftliches Gewall


Bei Bruder Esels blöden dumpfen Augen.
Doch ist dort auch die Königin des All,

Kann jede Kreatur zum Sklaven taugen


Der Königin, und Bruder Esel auch.
Seht ihr den Säugling an dem Busen saugen

Und sehet ihr die langen Haare auch


Den Säugling warum und liebevoll verschleiern?
Ist draußen frostig auch des Winters Hauch,

Ist in den Augen doch von Seelenfeuern


So eine überwältigende Wärme!
Die Schönheit Unsrer Lieben Frau zu feiern,

O Muse, mit den Himmelsleiern schwärme!


Zeig uns die Augen Unsrer Lieben Frau,
Die schaut so still und abseits dem Gelärme

Der reichen Welt. Mit ihren Augen schau


Und lern von ihrem Herzen süßes Minnen
Und hüll dich in der Mutter Mantel blau

Und schau mit deiner Seele: Siehst du innen


Das Kindlein in der Krippe, in dem Stroh,
Fast nackt, bedeckt nur mit den Windellinnen,

So singe da: In dulce jubilo!


Siehst du die Augen dieses Kindes lächeln,
Wird deine Seele dir im Grunde froh!

Marias lange braune Wimpern fächeln


Menschliche Minne zu dem Gotteskind,
Auch Bruder Esels Atemhauche hecheln,

Sankt Josef schließt die Tür dem Winterwind,


Vergebens draußen die Dämonen sausen,
Sind in dir Unsre Frau und Jesus lind!

Doch wir, die in den Nächten wachen draußen,


In dem judäischen Gebirg im Tal
Und bei der Schafe offnen Hürden hausen,

Wir sehen auch vom Sohne einen Strahl:


Wir sehen Himmlische des nachts erschimmern,
In Gottesschönheit Engel ohne Zahl,

Wir sollen freuen uns und nicht bekümmern,


Denn zu uns kam der göttliche Messias!
Ihr werdet finden ihn in Windeln wimmern

Und kuscheln sich im keuschen Schoß Marias!


Gekommen ist der Trost den Hiobsworten
Und Trost den Klageliedern Jeremias,

Er öffnet neu des Paradieses Pforten,


Da werden Lämmer mit den Löwen weiden
Und Säuglinge mit Schlangen aller Sorten

Vereinigt leben, alle Menschenleiden


Wird leiden er, den Aussatz und die Räude,
Und durch das Totenreich zum Himmel schreiten!

So wird zur Quelle er der wahren Freude,


Der Gott der Freude heißt er nah und fern!
Wir sehen in dem kosmischen Gebäude

In dieser Stunde einen bunten Stern


Gleich einem nachterleuchtenden Karfunkel,
Der wird zum Lobgesang für Gott den Herrn,

Der weiß dem Allhern schön und bunt Gefunkel


Zu weihen von den hohen Himmelswarten,
Erleuchtend aller Glaubensarmen Dunkel,

Der nicht verzeichnet in den Sternenkarten


Und läßt sich auf dem Haar Mariens nieder
Und weist das Ziel des Glaubens unsern Fahrten:

Ein königliches Kind! Wir singen Lieder


Und schenken Weihrauch, Myrrhe, Gold zusamm!
Vor Seligkeit erbeben unsre Glieder!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS IV

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


Jehowah wollte Israel beschneiden
Zum Bundeszeichen, sprach zu Abraham

Der Ewige, und Mose mußte leiden


Und mußte Krankheit leiden und im Kranken
Schien Mose fast zu sterben, zu verscheiden.

Zippora nahm sich einen spitzen, langen,


Geschliffnen Stein, die sie die Vorhaut schnitt
Dem Sohne ab, dem Ewigen zu danken.

Manoahs Frau voll Gottesfurcht sprach mit


Dem Engel Gottes, der jedoch trat näher,
Der Glanz der Herrlichkeit ihn licht umglitt,

Da sah Manoahs Gattin wie ein Seher


Und sah den Engel Gottes gndäig winken:
Dein Sohn soll gottgeweihter Nasiräer

Für Gott sein und soll keinen Süßwein trinken


Und seine Haare soll man ihm nicht schneiden,
Dann werden der Philister Tempel sinken.

Und David wollte seinem Herrn bereiten


Ein festes Haus, daß Gott nicht mehr im Zelt
Wie früher müsse durch die Wüste schreiten.
Und Davids Sohn, wie es dem Herrn gefällt,
Erbaute Gott den Tempel Salomon,
Den schönsten Tempel in der ganzen Welt,

Mit Bundeslade und mit Gnadenthron


Und dunkler Nacht für Gottes Heiligkeit
Im Allerheiligsten. Und Davids Sohn

Hat Elohim den Tempelbau geweiht:


Laß deinen Namen in dem Tempel wohnen,
Sind auch der Himmel Himmel hoch und weit

Nicht groß genug für deiner Allmacht Thronen,


So sei doch unter uns der Ich-bin-da!
Dir weih ich Tempelgrund und Tempelkronen.

Und auch das klassische Achaja sah


Ein Herz, das seiner Gottheit sich geweiht,
Da war die Jungfrau Iphigenia

Im Tempel ihrer Göttin, da die Maid


Behütete das Bild der Artemis,
Der ganze Weltkreis ehrte es und weit

War ihres schwarzen Steines Finsternis


Berühmt und ihrer Brüste Fruchtbarkeit,
Kein Frevler vor dem Bild das Tuch zerriß,

Das Iphigenia, die fromme Maid,


Zu Zeiten teilte in der Göttin Kult,
Da Artemis ward Griechenland geweiht.

Die Göttin aller Jungfraun, voller Huld,


Sie wollte ihren schwarzen Stein verpflanzen,
Und Hellas sollte heiliger Geduld

Und heiliger Erregung Lobpreis tanzen,


Kleinasien das Mittelmeer umfloß
Und droben glänzten Phöbus’ Sonnenlanzen,

Als Artemis ging ein in Ephesos,


Weltwunder nannte man den Tempel da,
Der diente auch der Schmied Demetrios,

Der stets das Bildnis seiner Göttin sah


Und hat als Kunsthandwerker ihr gehuldet,
Als Paulus zur Provinz von Asia

Gelangt war, der die Göttin nicht geduldet,


Der auch gehuldet einige der Schwestern
Und haben sich am Götzendienst verschuldet
Und sprachen auch von Eros in den Nestern,
Diana aber war von Eros frei.
Wer hörte Paulus die Diana lästern?

Hat keiner je vernommen. Ja, es sei,


Wie Paulus vor den Weisen der Athene
Den Unbekannten pries, im Geiste frei.

Die Herrin aber, die wir meinen, jene


Trug in den Armen Gott, den Unbekannten
Und trug ihn zu des Tempels Weiheszene,

Da Priester und Prophetin betend standen,


Da Hanna nahm mit ihren neunzig Jahren
Den Sohn, den ihres Herzens Augen fanden

Den Allerschönsten in den holden Haaren,


Ihn segnete die Tochter Phanuels,
Weil seine Augen ihre Wonne waren.

Da trat auch der Gerechte Israels


Zu Unsrer Lieben Fraue mit dem Sohn:
Der werden wird der Ärgernisse Fels,

Wird manche stürzen, sagte Simeon,


Und wird die Auserkorenen erretten.
Ihn anzuschaun, ist meines Lebens Lohn,

Nun in der Väter Sammlung mich zu betten


Bin ich bereit, so war es Henoch weiland,
Ich bind mich an den Sohn mit Liebesketten

Und halt am Herzen meiner Seele Heiland,


Glückselig macht das Jesuskind mein Herz,
Aufjubeln sehe ich auch Meer und Eiland

Und alle Welt aufjubeln Jesus-wärts,


Weil Er die Menschheit sich zur Braut erkoren.
Maria, mit der Schärfe eines Schwerts

Wird seine Qual der Liebe dich durchbohren,


Wenn sie der Menschheit Opferlamm bereiten
Und stumm das Lämmlein duldet, wirds geschoren,

Mitleiden wirst du seine Minneleiden,


Du junge schöne Mutter aller Schmerzen
Und großes Zeichen in den letzten Zeiten!

O Frau, dir zünden wir zu Lichtmeß Kerzen,


Dir weihen wir des Lebens Gottesflamm,
Das glüht in Liebe tief in unsern Herzen.
Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS V

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Du Mutter Gottes, der die Kinder liebt!
Als ich geboren, war der Nebel klamm

Und meine arme Mutter war betrübt.


Doch in der Weihnachtsnachts warst du, o Magd,
Der ich zu singen unterm Baum geübt,

Da ward dem jungen Sänger es gesagt,


Daß Engel backen in dem Abendrot,
Sankt Petrus an der Himmelspforte ragt.

Dem Knaben gab man schon des Wortes Brot


Und David war und Benjamin und Mose
Bei mir und Gottes heiliges Gebot.

Da sah ich Jesus, wie der Sündenlose


Gelitten, Petrus sprach unedel Nein.
Da kam der Atheismus mit der Prose,

Ich ging zum kommunistischen Verein,


Erging in Leugnung mich und Lästerungen.
Mein Herz war Baal geweiht und hart wie Stein.

Da sah ich zu den Frauen, zu den jungen,


Die waren wie Verkörperung der Mythe.
Da ward ich in das Heidentum verschlungen

Und sang den Lobgesang an Aphrodite.


Ich lauschte Sehern, gnostisch und okkult,
Der ich in heißen Sinnlichkieten glühte.

Doch offenbarte Gott mir seine Huld


Und meine Oma lehrte mich das Beten
Durch ihres Heimgangs heilige Geduld.

Und ich sah den Messias als Propheten


Und sah den Engel meines Herrn als Geist,
Daß meine Zungen voller Lobpreis wehten

Und mein Gemüt den Gott der Liebe preist


Und mich der Geist der inspirierten Schrift
Durch die Prophetin Mirjam unterweist.

O führe, Muse Sions, meinen Stift


Und lehr gedenken mich der Gottesmutter.
Ihr Bild in einer reinen Maid mich trifft.
Ich segelte zu ihr im Fischerkutter
Und meine Meeresfluten seufzten ihr
Und meine Tränen salzten meine Butter.

Maria Magdalena war bei mir


Und mein Patron wacht über mich, Sankt Peter,
Ich war verwundet wie Teresa schier

Von Gottes Minnepfeil aus glühem Äther,


Der ich Gott hörte in der heiligen Messe
Und wollt versammeln mich im Reich der Väter.

Weh mir, wenn ich die Heiligen vergesse,


Alleine um die Worte zu erkennen
Und mich allein mit Schriftgelehrten messe

Und muß nach Lobpreissängerinnen rennen


Und bin, Maria fern, ich selber nicht.
Da gab mir Gottes Geist das Minnebrennen,

Das stillt kein protestantisches Gedicht


Und können nicht verstehen Pharisäer,
Weil in mir lodert Evas Angesicht.

Da ward mir minneweh und immer weher,


Vergebens schmachtend vor dem schönsten Reiz,
Bis Gott mir sandte einen weisen Seher,

Zum Troste mir für Evas Liebesgeiz,


Der sagte mir in seiner Schwermut Nacht,
Daß Segen liegt alleine in dem Kreuz.

Da hab ich in der Winternacht gewacht


Und flehte zur platonischen Idee,
Der Weisheit in der Frauenschönheit Pracht,

Bis ich am Morgen Sankt Maria seh,


Die Christus mir erlaubte zu verehren,
Die Liebe Frau in Wonne und in Weh.

Maria, Tropfen aus den Gottesmeeren,


War Mutter Jesu, er ihr untertan,
Er ließ von ihr sich in der Schrift belehren,

Wo ihres Geistes Augen Weisheit sahn,


Weil schöpferischer Geist sie unterrichtet
Von Gott des Ewigen Erlösungsplan.

Maria hat den Lobgesang gedichtet


Und lehrte Davids Sündenschuld vor Rabba,
Da er Batshevas Ehemann vernichtet.
Auch Josef fühlte wie ein lieber Papa
Und gab dem kleinen Jesus Unterweisung
Und lehrte ihn Jehowah nennen Abba.

So zogen sie zu Opferung und Preisung


Zum Tempel, da sie ihren Sohn verloren.
Durch Drangsal zu der heiligen Verheißung

Sind auch Marie und Josef auserkoren


Und suchen ihren Jesus unter Schmerzen.
In Wehen wird das Kind der Frau geboren,

Im Dunkel sollen brennen unsre Kerzen


Des nächtlichen Gebets. Die Seele wandel
Im Tränentale mit Gebet im Herzen,

Denn bitter schmeckt sie oft, der Weisheit Mandel,


Wird so nur zu dem süßen Mandelstabe
Der Auserwählung. In dem Pilgermantel

Mariens kommen wir zur Seelenlabe


Und sehn die Weisheit als ein Kindlein lehren
Und reden süßer als die Honigwabe

Und schriftgelehrten Pharisäern wehren,


Spitzfindigkeit und Spiegelfechterei
Vermögen nicht, der Weisheit Huld zu ehren,

Denn nur, wenn Jesu Mutter auch dabei,


Erkennen wir die Weisheit als ein Kind,
Unmündigen enthüllt die Weisheit frei

Die Ruach, frei wie meiner Kindheit Wind,


Die heiligt uns mit unserm Opferlamm:
Gott Mutter, uns in deinen Beutel bind!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS VI

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Gepriesen sei die Stimme in der Wüste,
Der Rufer, der die Einsamkeit annahm!

Viel Volk versammelt an des Jordan Küste,


Die alle hörten auf Elias Geist,
Der wollte, daß das Volk die Sünden büßte,

Umkehren soll das Volk zu Gott, es heißt,


Gott selber senden würde den Messias,
Der sie vom Himmelreiche unterweist,

Doch müsse kommen erst der Geist Elias,


Der wendet da die Väter zu den Söhnen.
Und das war er, der Sohn des Zacharias.

Im Bilde italienischer Kamönen


Wir sehn Johannes schon als kleinen Knaben
Mit Jesus sitzen bei der Wunderschönen.

Gott wollte ihn mit Heiligem Geist begaben


Im Mutterschoße, daß dem keiner spotte,
Er sollte sich an Jesus schon erlaben,

Da er noch in dem Schoß, daß voll vom Gotte


Und von dem Geiste er die Weisheit preist.
So sehen wir ihn in der dunklen Grotte

Mystischer Weisheit, wie des Malers Geist


Johannes zum Messias schauen läßt.
Ob du da schon, Prophet des Höchsten, weißt,

Der Honig speiste aus dem Bienennest,


Heuschrecken in dem heißen Öl gesotten,
Daß Salome dir auf Herodes Fest

Mit ihrem Bauchtanz wird dein Haupt verspotten


Und deine Weisheit wird auf einer Schale
Gereicht dem Tempelbauer, dem bigotten?

O ladet alle Heiligen zum Mahle,


Des Freundes nicht, zum Mahl des Bräutigams,
Den preist Johannes unterm Sonnenstrahle:

Verheißung wurde uns des Opferlamms,


Das alle Welt erlöst von ihren Sünden;
Der Sproß des königlichen Davidstamms

Ist heute an dem Tag des Heils zu finden,


Und Jesus heißet Gottes Lamm mit Namen,
Erlösung wird in seinem Namen gründen.

Mit Pracht und Herrlichkeit von Bräutigamen


Als einziger Vermählter seiner Welt
Will Gott ihn in der Weltgeschichte Dramen

Hervorgehn lassen aus dem Himmelszelt


Und offenbaren wie die lichte Sonne,
Von der ein Segenslicht in unser Dunkel fällt.

Und strömt von Hermons dreigespeister Bronne


Der Jordan vor bis an des Täufers Wade,
In Schlamm und Flut tauchte Gottes wahre Wonne,

In menschliche Begierden taucht die Gnade


Und läutert mit dem Lichte dunkle Flut,
Das Leben badete im Todesbade,

In Niedrigkeit stieg ein das Höchste Gut


Und in die Sünde stieg hinab der Glaube,
In nassen Haß der heißen Liebe Glut,

Und tauchte auf! Und in Gestalt der Taube


Kam über Jesus da der Heilige Geist
Und Gottes Weizenkorn und Gottes Traube

Mit einem Wort vom Himmel Liebling heißt,


An dem Jehowah hat sein Wohlgefallen,
Der Vater uns den Sohn im Geiste weist!

Der Herr war solidarisch mit uns allen


Und will uns alle mit dem Geiste taufen
Und läßt uns Gottes Wort der Liebe schallen,

Uns von der Erbschuld Adams loszukaufen,


Gab Jesus uns der Taufe Sakrament,
Läßt Wasser über Kinderköpfe laufen.

Ihr Jünger des Johannes, sagt mir, kennt


Ihr den, der Simon Petrus auserwählt?
Der ihn den Ersten seiner Jünger nennt

Und ihn zum Helden seiner Rechten stählt


Und ihn beruft, die Menschen einzufangen
Und Gottes Wort, vom Geiste glutbeseelt,

Zu künden und den Untergang der Schlangen


Und der verließ sein holdes Eheweib
Und ist mit Jesus seinen Gang gegangen

Und weihte Gottes Liebe seinen Leib


Und Jesu Sanftmut seinen heiligen Zorn
Und bat den Geist: In meine Seele schreib

Die Hoffnung aus der Gottesgnaden Born,


Daß ich der ewiglichen Hoffnung Preiser
Und Künder werden allen, die verlorn:

Denn meine Hoffnung ist nur einer: Weiser


Ist keiner als die Weisheit Gottes ist!
Mein Jesus ist Glückseligkeits-Verheißer,

Wenn Gott hinwegfegt Hiobs Schweinemist


Und Jesus kommt in seiner Parusie
Und selig wandeln Christin wird und Christ

Im neuen Eden! - Vater Petrus, sieh,


Was eben mir für eine Hoffnung blüht:
Der Kirche Inbegriff, ich mein Marie,

Mög mit mir, wenn die Auferstehung früht,


Zusammen wandeln in der Minne Tal,
Wo sonnentrunken Jesu Weinstock glüht,

Wo die Zikaden zirpen ohne Zahl


Und von den Pinien tropft der süße Seim
Und wo wir wandeln von dem Abendmahl

Zur Seligkeit des Kusses, Reim an Reim


Und Mund an Mund, o Gott, und Flamm in Flamm,
Und wir sind alle Ewigkeit daheim!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS VII

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


Fürsprache leg, Maria, für mich ein,
Du bist mit Jesus bei dem Fest zusamm,

Ich wende mich an dich, an dich allein,


Und doch, Geliebte, muß ich dir nichts sagen,
Du kennst ja meines Herzens tiefstes Schrein,

Bevor ich meine Stimme heb zu klagen,


Weißt du es schon, o Herzenskönigin,
Weißt von der Sehnsucht an den dunklen Tagen

Und in den lichten Nächten, weißt, ich bin


So durstig nach der rauschgewordnen Gnade,
Nach Wollust dürstet schmachtend jeder Sinn,

Daß ich mich in dem vollen Schwalle bade


Und alle Triebe zu der Liebe treib.
Ich reich der Weisheit doch nicht an die Wade.

Ich bin kein Engel, bin ein Geist im Leib,


Ich bin ein Wort im Fleisch, o Frau Maria!
Soll ich dich bitten um ein schönes Weib?

Wie Königin Batsheva Adonia


Dereinst um Abischag von Schunem bat?
All-liebliches Ergötzen Jeremia,
Sieh Königin Batsheva in dem Staat
Des weisen Friedensfürsten Salomon
Fürsprache in dem königlichen Rat

Einlegen für den jungen Davidssohn


Und sieh der Königin Thronsessel stehn
Zur Rechten ihres Friedensfürsten Thron;

Sie bat doch nur um Abischag, die schön


Und edel war und Davids ganze Wonne,
Des Lebenssatten seufzendes Gestöhn,

Die Adonija wäre Freudensonne;


Sie bat ihn, doch der König sagte Nein!
Fürsprecherin, o heilige Madonne,

Auf deine Bitte hört, der ewig ein


Und ewig ist derselbe, allezeit
Der deine: Sohn, sie haben keinen Wein!

Was kümmert dich der Herzen Lustigkeit


Und Fröhlichkeit von Braut und Bräutigam
Und alle Freude vor der Ewigkeit?

Erbarm dich über allen unsern Gram,


Die Tränenwasser in den Augenbronnen,
Unlust und Mißmut und verschämte Scham

Und Lethewasser in der Schwermut Tonnen


Und aller unsrer Wetter dunkle Launen,
Und lasse Reben reifen in den Sonnen

Durch deines heiligen Gebetes Raunen


Und Zaubersprüche göttlicher Magie
Und laß die Salomone und die Braunen

Vom Wein der Wonne trunken werden, wie


Die Morgenröte Glut auf ihren Wangen,
Und laß die Sulamithin, laß du sie

Mit all der Glut der Wangenröte prangen


Und ihre Wimpern strahlen laß wie Lanzen
Und ihre Haare laß wie Ranken hangen

Und mit der Nabelperle laß sie tanzen


Und laß sie beim Agapemahle trinken
Und mach die Nacht zu einer großen ganzen

Weintraube Gottes, laß die Becher blinken


Und laß die Liebenden die Becher leeren
Und wie in fliegendem Gewölk versinken
Und treiben trunken wie in wilden Meeren
Und in den heißen Wollustfluten baden
Und ledig allem lastenden Beschweren

Aus nacktem Glauben und aus bloßen Gnaden


Erneut erzeugen Gottes großen Sphairos! -
Und ruhn an paradiesischen Gestaden.

So kennen wir die Hymnen des Homeros,


Die er gesungen seiner Göttin Charis,
Die da gebar den Gott der Liebe, Eros,

Die schimmerte so schön, o stella maris,


O Stern der Venus über stiller Bucht,
Daß sehr betört von ihr der Hirte Paris

Ihr zusprach aller Schönheit Ruhmesfrucht


Und ihm die göttliche Urania
Ich echt homerischer antiker Zucht

Zum Danke gab die schöne Helena,


Die da gewesen Königin von Sparta,
Die Paris mit dem Charme der Charis sah.

Sie war so schön wie arbeitsamer Martha


Schönere Schwester in den Lockenfluten.
Und auf den Fluten ihrer Meeresfahrt, ah,

Dem Schoß der Morgenröte strömten Gluten


Und sanken golden auf die Meeresküste,
Da Helena und Paris lieberuhten.

Er ruhte unterm Sternbild ihrer Brüste,


Die schöner als ein marmornes Idol,
Da er die Spitzen ihrer Brüste küsste

Und trank der Lippen Tau zu beider Wohl,


Die küssend nie zu Ende kommen wollten,
Auch nachts, Callisto schimmerte am Pol,

Die Tümmler in dem Mittelmeere tollten,


Da liebten sich die Liebenden im Fleische
Und einten die Gemüter sich, die holden,

Und nicht zu Biederer und nicht zu Keusche


Mit Charis’ Segen schlossen einen Pakt,
Und Möwen jubelten mit Lustgekreische,

Vollzogen ward der schöpferische Akt


Und waren Mann und Weib vereint zusamm
Und nackend Adam da und Eva nackt! -
Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS VIII

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Du bitt für uns, des neuen Bundes Esther
Und für uns Sünder bitt zu Gottes Lamm!

Wie reizgeschmückt war deine Namensschwester,


Die schöne Mariam von Magdale!
Die Amoretti bauten ihre Nester

Im Tale ihrer Taubenbrüste Schnee,


Die hatten Aloe- und Myrhheduft.
Sie wohnte bei dem See von Galilee,

Doch war die Hütte ihr wie eine Gruft


Und Buhldämonen waren ihre Freier
Und schwüle Süße lag in dicker Luft.

Dämonen spielten ihres Leibes Leier


Und tatschten ihre makellosen Brüste.
Wer raubte, Schullammyth, dir deinen Schleier?

Der Fürst von Tyrus nahte von der Küste


Und gab den Lohn der Buhlerei der Dirne
Und übte götzendienerische Lüste:

O Göttin! ging es ihm durch seine Stirne,


Als er die makellose Brust anstarrte,
Der Baschanberge schneeigweiße Firne,

Dein Dirnenschoß ist Tempel der Astarte,


Buhldirne eines Fürsten will ich nennen
Die schöne Magdale, die hochgelahrte

Hetäre, Heiden sieh entzündet brennen


Für deines Leibes jadeweißen Tempel
Und Hirsche sieh in deinem Walde rennen!

Die du der Göttin Aschera Exempel,


Bist Herrin über alle Buhldämonen,
Bist Blume, öffne deinen Blütenstempel,

Ich will als Wurm in deinem Grabe wohnen


Und tief in deiner lodernden Gehenna
Im Perlenthrone deines Schoßes thronen!

Da wandt er sich aus ihrer Haare Henna,


Weil Satan den Messias nahen sah,
Der sprach: O Zyperblume, Traube Henna,

Nun ist dir ja das Reich der Himmel nah


Und Gottes Finger treibt die Teufel aus
Und im Scheol verschwindet Aschera

Und Gottes Geist bereitet sich sein Haus


Und fegt mit Feuer sich die Hütte rein
Und wohnt darin mit sanften Säuselns Saus

Und meine Wahrheit zieht und Huld zieht ein


Und macht dein Herz dem Jesusherzen gleich
Und wandelt dir den Jordan um in Wein

Und macht dein Herz von Fleisch, lebendig weich,


Und wandelt deines Herzens Fleisch zu Brot
Und läßt dich leben schon im Himmelreich.

Da ließ sie ihrer Hennalocken Rot


Wie Morgenglut umwallen seine Füße:
O fahre nicht davon im Fischerboot,

Gewähre, daß ich dich in Minne grüße,


Die Füße küsse meinem ewigen Schatze!
Da sagte Jesus: Du in Minnen Süße,

Zerreißen wird die Sünde mich, die Katze,


Sie wird mit mir als wie mit Vögeln spielen
Und meine Brust durchkrallen mit der Tatze,

Ich aber weiß nur Liebesglut zu fühlen


Für die in Sebulon und Naphtali,
Und nie wird meine Liebesglut erkühlen,

Auch nicht im Garten von Gethsemani!


Ich muß an meiner heiligen Passion
Verbluten und versterben! aber nie

Hört auf zu lieben Gottes Menschensohn,


Dem Leib und Seele du und Geist geweiht! -
Marias Wange glühte wie der Mohn.

O kommt ihr auch, im schlichtgewobnen Kleid,


Ihr Mädchen, will ich speisen euch mit Manna,
Seh ich zwei schöne Schwestern schon bereit,

Sehr schlank und braunen Haares die Susanna,


Die fast so schön und hold wie Magdale,
Und dann das runde Prachtweib auch, Johanna,

Mit Schamesrot auf ihrer Wangen Schnee


Und einem treuen Herz im vollen Busen,
Die lammesgleiche Jungfrau Salome

Mit ihrer Harfe sionitischer Musen,


Die sie verliebt in Sankt Andreas ist,
Und so wie goldne Glocken und Jampusen

Maria Kleophas die Röcke mißt,


Die Hohepriesterin der Jüngerinnen,
Daß niemand Joses’ Mutter uns vergißt

Und jene Frau im schlichten reinen Linnen,


Die Gattin Petri, die wir taufen Timna,
Die sich wie Fischerin und Fischer minnen

Und haben Kinder auch, den kleinen Simna,


Der ist ein Wildfang wahrlich und Rabauke,
Dagegen engelhaft der kleine Jimna,

Schaut also himmelgleich aus seinem Auge,


Steht Vater Petrus an dem Fischerkutter
Und tanzet Timna zu dem Schlag der Pauke,

Und preisen wollen wir die Schwiegermutter


Des Petrus, welche Fieber hatte, Hanna,
Die Jesus heilte, daß sie Brot und Butter

Dem Heiland reichte, der war ihr das Manna


Und Brot der Engel menschlicher Gestalt,
Sie war wie Sankt Marien Mutter Anna

Dahingegangen lebenssatt und alt,


In Jesu Gegenwart der Seele Flamm
Gegangen zu des Himmels Aufenthalt.

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS IX

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Du hilf mir singen heiliger Verehrung
Den Jessesproß, den Herrn von Davids Stamm,

Und unterrichte heiliger Belehrung


Und laß mich auf dem Tabor-Berge stehn
Und laß mich meines lieben Herrn Verklärung

Wie Petrus, Jakob und Johannes sehn


Und laß mich hören Gottes liebes Wort
Und hüll mich in die goldne Wolke schön.
Da führte Jesus Petrus mit sich fort
Und mit ihm Zebedäus’ Donnersöhne.
Fels der Ecclesia und Glaubenshort,

Mit dir Johannes’ jugendliche Schöne


Und auch der andere Apostel war,
Als Jesus an des Tabor-Berges Lehne

Gewandelt war so sanft und wunderbar


Und herrlich, nach dem Herzen Gottes Mann
Und seine Augen mütterlich und klar,

Wenn er im Geiste kontemplierte, sann


Und mit dem ewigen Jehowah sprach
Und nun zu offenbaren sich begann

Und die Begrenzung seines Leibs zerbrach,


Versetzend seine Jünger in den Traum,
War er als Einziger in Wahrheit wach,

Der oben stand bei einem Zedernbaum,


Wo Hirten weiden sonst mit ihren Schafen,
Wo Mandelbäume stehn im Blütenschaum

Und Petrus angefangen einzuschlafen,


Als seine Seele wie verzaubert war,
Da Seher auf dem Berge Tabor trafen

Den Inhalt aller Prophezeiung, gar


Den Ewigen in menschlicher Person,
Der Wind bewegte ihm sein braunes Haar.

Da nahte ihm von links des Amran Sohn,


Der da als Kind so wunderbar gerettet,
Prinzessins Zögling auf dem Lotosthron

Und in Ägyptens Lotterbett gebettet


Und doch vom Allerhöchsten auserwählt
Und an Jehowahs Gnadenwahl gekettet,

Dem Gott die zehn Gebote hererzählt


Und wies ihm auch das Offenbarungszelt,
Da er sich Gottes Schechinah vermählt

Und ward zur Amme Israels bestellt,


Durft das Gelobte Land doch nicht betreten,
Nur schauen durft vom Nebo aus der Held,

Da um ihn Gottes sieben Geister wehten


Und Gott des Mose Körper selbst begraben,
Empfing den Geist des heiligen Propheten.
Dich werden schwerste Liebesleiden laben,
In Minnequal vergehst du, o Messias,
Ich sehe schon die Geier und die Raben!

Da trat von rechts zum Menschensohn Marias


In einer Aureole reiner Flammen
Die Seele des prophetischen Elias.

Gott gab zwar seinem Volke viele Ammen,


Doch Einer ist die Mutter von Natur!
Wer will ihr Dornen in die Brüste rammen?

O Schöpferin zugleich und Kreatur,


O Weisheit Gottes, du wirst auferstehn,
Ich sehe Jünger gehn auf deiner Spur

Und Jüngerinnen von den Flammen schön


Und in dem Kreis die Gottesmutter keusch
Und kann der Kirche Väter alle sehn

Und Nonnen abseits weltlichem Geräusch


Und sehe Weise, sehe auch Poeten
Und Brüder einen sich der Weisheit Fleisch.

Da schwand die Wolke dieser zwei Propheten


Und Jesus glänzte auf dem Berg allein
Und weckte auf in Petrus solches Beten:

Hier oben soll das Haus des Höchsten sein,


Drei Räume soll das Haus des Höchsten haben,
Von Jaspis, Jade und von Schohamstein,

Uns an Gesetz und Prophetie zu laben


Und an dem neuen Bunde des Messias.
Gott aber wollte neues Wort eingraben

In diesen neuen Sinai. Marias


Jungfräuliche Geburt, der Friedensbote,
Stand einsam, ohne Moses und Elias,

In dem Bewußtsein von dem Kreuzestode


Und der Gewißheit seiner Auferstehung.
Sein Antlitz wie die lichte Sonne lohte,

Schneeweißes Haar in loher Lüfte Wehung


Und strahlend weiß ein leinernes Gewand,
Im Glorienleib zur Gottheit jede Drehung,

Erhaben überm Tabor Jesus stand,


Als Friedenskönig allen zu gebieten,
Den Fuß im Meer, den andern auf dem Land,
Sprach er vom Mittelpunkt der Erde Frieden
Des Himmelreiches allen Menschen zu
Und wollte hören aller Ja hienieden

Und in den Herzen leben voller Ruh


Als wie in einem reinen Brautgemach,
Als von dem Himmel eine Stimme: Du

Bist meine fleischgewordne Liebe! sprach,


Und Simon Petrus voller Gottesschauer
Der Weisheit Gottes all sein Herzbrot brach

Und ihr vereinigte der Leugnung Trauer


Und dreimal Liebe ihr versprach. Das Lamm
In Jubel übersprang des Todes Mauer!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS X

Gegrüßet sieest du, o Miriam!


Den Morgenstern gebar das Morgenrot,
Das Mutterschaf gebar des Hirten Lamm,

Fruchtbarer Acker brachte vor das Brot,


Der Weizenhalm trug eine goldne Ähre,
Das Himmelsbrot für alle unsre Not

Gebar die Mutter in der Sonne Sphäre,


Die Frau in dem Gewand aus Sonnenschein,
Auf deine Fürsprach hin, o Stern der Meere,

Der Nil ward Blut, das Wasser ward zu Wein,


Er ist der Weinstock, wir sind seine Reben,
Wir sind in ihm, der Herr will in uns sein,

In dem wir leben, großer Gott, und weben,


In dem wir wandeln, in dem Höchsten Gut,
Wir sehn der Himmelsleiter beide Streben:

Das Fleisch des Allerhöchsten und sein Blut,


Die wir mit Leib und Seele aufwärts wollen,
Mit dem Verlangen und des Geistes Glut.

Wir wollen wenden uns zur gnadenvollen


Maria, zu verstehn das Abendmahl.
Lies du uns vor aus Qumrans alten Rollen,

O goldnes Haus, der Weisheit goldner Saal,


Da wir der Weisheit lauschen in den Kissen.
Jehowah preisen wir und nimmer Baal,

Wenn wir die Mutter und Eucharis küssen,


Die liebe Herrin von der Kommunion,
O Herr, dein Fleisch uns läutre das Gewissen,

Dein Sankt-Marien-Fleisch, o Menschensohn,


Das wir begrüßen mit dem Rosenkranz,
Ihr Schoß, o Gott, ist ja dein Gnadenthron,

Ihr Herz ist Jesu heilige Monstranz,


Ihr Herz ist Gottes neue Bundeslade,
Vor ihrem Herzen tanzt der Geist den Tanz!

Und du, o Herr und Heiland aller Gnade,


Mein Lehrer Jesus Christus, du mein Meister,
Bewahre meinen Geist vor allem Schade

Und lehre mich durch deine sieben Geister,


Wie Gottheit sich verbergen kann im Brot.
Den Seligen du sandtest, Seuse heißt er,

Den lehrtest du mit deinem Munde rot,


O Herrin Weisheit, wie der Himmel ganz
Im kleinen Aug zu sehn, der Funke loht,

Daß Gott in marianischer Monstranz


Als wie ein Antlitz in dem kleinen Spiegel.
Ja, tanzen will wie David ich den Tanz,

Daß ich da unterm Schatten deiner Flügel


Geborgen ruhen darf vorm Tabernakel,
Da du besiegelst mit des Geistes Siegel

Und vorm Marienherzen ohne Makel


Du selber sprichst, die Weisheit flüstert leise.
Sei dir mein Leben nicht ein Marternagel,

Sei dir mein Leben, meines Minnens Weise


Sei deinem Jesusherzen eine Wonne!
Im tiefsten Seelengrunde mach mich weise

Und laß mich aus den Händen der Madonne


Der Weisheit Fleisch empfangen, Himmelsspeise,
Strahl in mein Blumenherz als milde Sonne,

Bräutliche Gottheit, daß ich dich lobpreise,


Den Vater, Sohn und Geist in Mutter Tempel,
Du Gattin, die beruft sich bräutlich Weise,

Ich öffne meines Herzens Blütenstempel


Dem Odem meiner Gottheit, mach mich keusch,
Laß folgen mich dem heiligen Exempel

Der schönen Weisheit, die erschien im Fleisch,


Der fleischgewordnen Gottheit, die mit Brunst
Ich in der Hostia verlang und heisch!

Und du, o Felsenmann, hilf meiner Kunst,


Der du der Felsen der Ecclesia,
Daß ich, ein Wind, ein Eitelkeit und Dunst,

Das Lob vermehre, der ich Christus sah


In seiner Theophanie in meiner Kammer
Am Tage Sankta Apollonia,

Da du gewärtig warst, o Gottes Hammer,


Der du da öffnen kannst die Himmelspforte!
Ach weh, ich war in mancher Pein und Jammer

Und rief zu meinem Heiland, Heil und Horte


Und Fels und Burg, Erlöser und Erretter!
Gib Treue mir zum fleischgewordnen Worte!

O Petrus, spricht Jehowah in dem Wetter,


So spricht er: Dies ist mein geliebter Sohn,
Ihn lieb ich herzlich, ich, der Gott der Götter,

Sein Fleisch verspeiset in der Kommunion,


So werdet ihr das Leben in euch haben!
O Petrus du auf dem Apostelthron,

Dich wollt als Sklave Gott der Herr erlaben


Und dir in Demut waschen deine Füße.
Wasch auch das Haupt mir, Heiland, schwarz wie Raben,

Der ich in Treue bis zum Tod dich grüße!


O Kefa, Kefa! wirst du mich verlassen,
Dann kehre wieder, o mein Jünger, büße,

Denn du sollst keine Menschenseele hassen


Und alle Menschen in der Gottheit lieben,
Dann will ich dich als meinen Hirten fassen

Und will dir nach dem reuigen Betrüben


Dir schenken heiligen Geistes wahre Wonne!
O Petrus, so hat mir der Knecht geschrieben,

Der ganz sich hingibt heiliger Madonne


Und ist demütig-sanft als wie ein Lamm,
Der trunken vond er schönen Weisheit Bronne.

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


CANTUS XI

Ich weihe dir das Jahr der Bitternis,


Da ich im Trübsals-Feuerherd gebrannt,
Da ich gewallt im Tal der Finsternis,

Als Seufzerschatten in der Tränen Land,


Da all mein Fleisch in brennendem Verlangen
Als wie in Gottes Fegefeuer stand!

Um meine Füße ringelten sich Schlangen


Und Nattern, taub dem magischen Beschwören,
Da Frauen in der Anmutreize Prangen

All mein Begehr und törichtes Betören


Und ich geleert die vollen bittern Becher
Und mußte herzensharte Worte hören

Und Pharisäer waren Hohnwortsprecher


Und Spottwortsprecher waren die Philister
Und keine Engel da als Mannabäcker

Und fremd mir alle Freunde und Geschwister


Und ich allein war in Gethsemane!
Kein seidenes Geraschel und Geknister

Mir trocknete die Tränen, all mein Weh


Mit Schau der Schönheit Gottes mir zu stillen;
Als nur die Schwester, rein und weiß wie Schnee

Wollt mich in ihre Engelsflügel hüllen


Und sang als Seelenvogel Rosenkränze.
Da ging ein, einsam, nach des Vaters Willen,

Und ließ der jungen Mädchen Lobpreistänze,


Allein zum Allerheiligsten gwandt.
Der Heilige Vater sprach zu mir im Lenze,

Hat mich in die Ecclesia gesandt,


Da mir mein Mund gebetlos war verschlossen,
Ich Segen im Gebet der Kirche fand.

Und Tränen vor Maria sind geflossen,


In ihrer Muschel barg sie mich als Perle,
Da sind mir ihre Rosen aufgesprossen,

Da ich bei Heckenrose und Schwarzerle


Marie verehrt auf meiner Kindheit Eiland,
Doch eine Frau nur suchte nach dem Kerle
Und nicht der Taufe Gott, den holden Heiland,
Und die ich doch geliebt hab und begehrt,
Und denke heut von dir, o Herr, wie weiland

Ich sie als Stellvertreterin verehrt


Mariens, meiner schönen Lieben Frau,
Die ich als wie dein Gabriel gelehrt

Und sie war Augenweide meiner Schau


Und lebte schön sehr tief in meinem Herzen,
Daß ich sie dort dir, Jesus, anvertrau

Und zünd ihr vor der Gottesmutter Kerzen,


Sie dem Marienherzen ganz zu weihen,
Die mir verursacht Liebesleid und Schmerzen

Und kam doch zu mir wie ein schönes Schneien


Und wie die schöne Weisheit voller Weh:
Da wollte ich das schöne Mädchen freien

Und mußte aber nach Gethsemane,


In trauriger Gestalt ein Minneritter,
Der ich im Dunkel Heimgegangne seh,

Und mußte leeren ganz den Becher bitter


Und mußte des Gerichtes Gottes Grimmen
Und Gottes schicksalsträchtigen Gewitter

Allein in meiner Einsamkeit zustimmen,


Da Gott mich wollt als Myrrhebund zerreiben.
So sollte ich im süßen Weihrauch schwimmen

Und durfte (heute will ichs niederschreiben)


Auch eine Himmlische zur Tröstung schauen.
Gott mög mir seine Weisheit einverleiben,

Daß ich im Angesicht der holden Frauen


Die Liebe Frau Maria einzig schau,
Um mich allein der Weisheit zu vertrauen.

Du, Gottes Tochter, Mutter, Ehefrau,


Dir sei nun die totale Einsamkeit
Geweiht und aller meiner Trauer Tau

Und alle stille Freude dir geweiht,


Für dich, Gott, will ich in der Wüste sein,
Zu dir mein Fleisch mit Hirsches Inbrunst schreit,

Für dich, Gott, schließen sich die Dichter ein


Und denken immer an die Liebe Frau
Und sind ihr ganzes Leben so allein.
O Lebensquelle, gieße deinen Tau
Auf deine kleine Blume in Gebeten,
Sie sehnt sich nach der süßen Sonne, schau,

Mach meine Wüste mir zum Garten Eden


Und auf dem Ölberg laß Gebet mich sein
Und tief vertraut mit meiner Gottheit reden,

O Gott, o Gott, bräutliche Gottheit mein,


Ist in der Weisheit keine Bitterkeit
Und wird zum Segen alle Kreuzespein

Und wird Gespräch totale Einsamkeit,


Den Menschen fern, erscheint der Menschensohn,
Ist mein Alleinsein Sankt Marie geweiht,

Versunken in die heilige Passion,


Im Tale Josaphat Maria seh
Mitleiden ich mit ihrem lieben Sohn

Und ihr zur linken beten Salome


Und traurig sich an die Madonna lehnen
Und sehe rechts Maria Magdalee

In Tränenflut, voll inbrünstigem Sehnen,


Messias Jesus wiederum zu küssen
Und sei’s auch nur mit einer ihrer Tränen,

Die wollte nichts als Jesu Liebe wissen


Und loderte als loher Minne Flamm
Und sah ihn, seufzte, sank zu seinen Füßen!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS XII

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


Du hilf mir singen Jesu Geißelung
Am götzendienerischen Marmorstamm.

Verzeih mir Gott, ich war ein Narr und jung


Und hingegeben ganz der Sinnlichkeit
Und huldigte der Venus Hüftenschwung,

Doch heut bin ich der Lieben Frau geweiht,


Der Minnedame meiner Falkenbeize,
Die lehrt mich anzuschaun des Retters Leid,

Wie er gelitten auf dem Weg zum Kreuze,


Wie Schwester Emmerich es offenbart.
Ägyptens Sklaven, dienend nur dem Reize

Der Ader, um die Säule all geschart,


Fern blökend junge Osterlämmer hoppeln,
Ein Mann mit einem schlechtrasierten Bart,

Mit schweren Stiefeln und mit Eisenkoppeln


Sah aus den blöden Augen wie ein Stier
Und kratzte sich des Bartes schwarze Stoppeln

Und hob die Peitsche dann als wie ein Tier


Und riß dem Herrn den Schurz von seinen Lenden,
Betrunken lachte er vom vielen Bier

Und hob die Peitsche dann mit seinen Händen


Und schlug der Menschheit Gottesbräutigam,
Der leise bat, die Augen abzuwenden,

Maria, fein empfindsam voller Scham,


Daß nicht die Jungfrau seine Blöße sehe.
Und unter Schmerzen seine Stimme kam

Süßklagender Gebete voller Wehe,


Beharrlich bat er alle um Erbarmen,
Da tönte nur der Spott in seiner Nähe,

Da böse Buben pinkelten vorm armen


Erlöser, der zum Vater für sie bat
Und mußte sich um ihretwillen harmen.

Im himmelblauen Kleide ohne Naht


Und wolkenweißen Mantel stand Maria,
Die Mutter Jesu, leidend, doch gerad,

Da Jesus man entblößte, sank Maria


Mit einer Flut von bitterlichen Tränen
Aufstöhnend in die Arme der Maria

Von Magdala, die Augen voller Tränen,


Sie weinten Arm in Arm, ein schönes Paar,
Aus ihrem Schleier quoll Sankt Magdalenen

Die Lockenflut von rötlichbraunem Haar,


Die Haare ihr auf ihren Busen fallen,
Erschüttert bebt der Apfelbrüste Paar,

Erschüttert läßt sie ihre Locken wallen


Und schlägt sich leise weinend an die Brust:
Auch ich war in die Nacktheit ganz gefallen,

Und Jesu Leid versühnt nun meine Lust,


Die doch nur schal und leer und nichtig war.
O weh, wie sehr mein Jesus leiden mußt,

Weil ich Hetäre und Versklavte war,


Ja, ich, die Königin der Sünderinnen!
Und doch verschmähte er ja nicht mein Haar

Und ließ sich auch von meiner Wehmut minnen


Und von den Reuetränen meiner Trauer.
Doch nun zerreißen sie ihm alle Linnen

Und jeder Ehebrecher wird Beschauer


Gottmenschlichen Erlösers nackt und bloß,
Herr, hülle dich in meiner Tränen Schauer

Und in die braunen Haare fessellos!


Ja, Gott verberge Jesus bloß und nackt
In Sankt Marien mütterlichem Schoß!

Der neuen Eva reiner Glaubensakt


War miterlösendes Mitleiden da,
Die betend still um Jesu Jünger klagt.

Und meine Muse lächelnd zu mir sah,


Da wandte ich den Blick von losen Dirnen,
Den Sklavinen der Venus Cypria,

Und von den Männern mit den frechen Stirnen


Sah auch ich weg, die da gedient dem Satan,
Und sah zu einem Kind mit ein zwei Birnen,

Die Rotte Korach sank und Rotte Dathan


Vor diesem Mosebaby in den Binsen,
So freute sich der greise Seher Nathan

An Salomo mit seinem süßen Grinsen


Und goldnem Lachen in den Äugelein,
So lachte Jakob vor dem Teller Linsen,

Doch Esau hört ich wie den Wildstier schrein,


Doch Jakob war Rebekkas Liebling wahrlich,
So spielte David Schleuder schon und Stein

Und war so wie ein kleiner Held gebahrlich


Und schaute sanft wie Lämmer bei den Schafen
Und sah zu Jesses Weib aus Augen klarlich

Und wollte an der Mutter Busen schlafen.


Und diesen Liebling Gottes, Muse, nenn
Ich Freund des Menschensohnes und nicht Skaven,

Denn dieser kleine Gottesliebling Ben


Sah Jesus an mit einem lieben Lachen:
Ich lache, weil ich doch das Leid nicht kenn,

Dir soll mein Lachen eine Freude machen,


Du lieber Gott, ich will dir Glück bereiten!
Mit eines Blickes Pfeil durchbohr die Drachen,

Die solche schwere Leiden dir bereiten,


Und dann sieh wieder zärtlich zu mir, du,
Den ich erfreuen will in seinem Leiden,

Der sieht auch meinen Kinderspielen zu


Als wie ein Hirte und ein liebes Lamm!
In deiner Liebe schaff mir eine Ruh!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS XIII

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Du meine Freundin, o du Makellose,
Du Lilienaue du mit Lamm bei Lamm!

Du bist der Dornbusch und die dornenlose


Mystische Rose, dir sei Lob und Preis,
Du meines Herzens feuerrote Rose,

Dein Rot ist so sehr Rot, es ist schon Weiß!


So rein ist alle deine rote Glut,
So rein wie Schnee und wie der Sommer heiß!

O Mariam, du Frau in meinem Blut,


O stella maris, dulce, clemens, pia,
Venusta, tauch aus meines Lebens Flut

In deiner Schönheit, himmlische Maria,


Ich will dir lauter schöne Blumen pflücken
Wie für die Bundeslade Mattania

Und will den Zyperstrauß nach Zion schicken


Und weihen dir die schönsten Rosenkränze,
Du mögest, Lilie, liebkosend blicken

Und nach der Winerzeit im Maienlenze


Das Lied der Nachtigall von ihrer Rose
Verherrlichen durch deine Lorbeerkränze,

Doch, Herrin, singe ich die Dornenlose,


Verwunden dennoch mich der Rosen Dornen,
Ja, ohne Dornen kenn ich keine Rose,
Ich sing wie jene im Exil Verlornen
Und hänge in den Ginster meine Leier,
Ich weiß der Tochter Sion, gotterkornen

Jerusalem nicht anders Minnefeier


Zu singen als durch Minnequal der Erde.
In lauter Dornen schimmert mir dein Schleier!

Und wenn ich gar zum Dornenvogel werde?


Da flieg ich durch die große weite Welt
Und flattere inbrünstiger Gebärde

Und jede Sehne meiner Schwingen schnellt,


Bis ich den Baum der schärfsten Dornen finde,
Der sehr mir als mein eignes Kreuz gefällt,

Blutbuche eher noch als Maienlinde,


Mehr als die Birke eine Trauerweide,
Wacholder mehr als Pappeln weicher Rinde,

Doch alle Bäume viel zu schön dem Leide,


So flieg ich durch die Wälder und die Haine
Und über Auen, Felder weit und Heide,

Da wartet schon der Baum, der ganz der meine,


Entgegen starrt mir ein Skorpionenstachel,
Das Herz des Baumes ist von hartem Steine,

An seiner Wurzel seh ich eine Kachel,


Im Bild drauf Jakob sieben Jahre dienen,
Doch fand er Lea nur und ach nicht Rachel,

In seinem Wipfel schwirren süße Bienen,


Die summen sommerlich von den Begierden,
Die Königin mit hoheitvollen Mienen

Schickt ihre Drohne in den Tod, und irden


Ist all des Dornenvogels Minnebrunst
Und singt er auch der Minne Gotteszierden,

Wird ihm doch nicht der Minne Minnegunst,


Bis er, der stets vergeblich wirbt, erstirbt.
Die Gottheit lächelt seiner Sangeskunst!

O Ros, um die der Dornenvogel wirbt,


In deinem Kelche ist der Liebe Same,
Der Kuckuck ruft und die Zikade zirpt,

Doch niemand singt so schön die Minnedame,


Als dieser Dornenvogel, liebeskranke
Gekreuzigte Verehrer, lobesame.
Ich bin der Dornenvogel, Dichter Schwanke,
Die Neue Eva ist mein Dornbusch rot,
Der ich mit meinem Minnesange danke.

Ich aber lag in einem Herbste tot,


Gefallen wie in einer Schlacht ein Held,
Da sprach zu mir Jehowah Zevaoth:

Du werde eine Lilie auf dem Feld!


Herr, ich bin eine dornenreiche Rose,
Weil mir die Glut der Liebe so gefällt.

Balsamentau laß mich in meinem Schoße


Dir sammeln, deine scharlachrote Braut,
Bin, weh mir, ich auch keine dornenlose.

Ich habe in die Heilige Schrift geschaut:


Der Dornbusch aus dem Wald vom Libanon
Sprach einst zur Zeder auf dem Berge laut:

Gib deine schöne Tochter meinem Sohn!


Die Zeder aber gab die Tochter nicht.
O Ewiger auf deinem Gnadenthron,

Um dich zu freien, Jahwe, wag ich nicht,


Weil ich voll Dornen und so scharlachrot.
Zum Busch des Mose aber tret ich dicht,

Da Liebe im Marienherzen loht,


Die wird mich läutern, aber nicht verzehren.
Ich weihe ihr mein Leben, meinen Tod,

In ihr darf ich auch König Christus ehren,


Denn Jesus thront in seiner Weisheit Throne,
Sein Geist will mich den Weg zur Weisheit lehren.

Du willst den Ruhmeskranz? Die Dornenkrone


Mußt du wie ich auf deinem Herzen tragen!
Erbarm dich, Lamm, erbarm dich und verschone,

Dir will ich alle meine Leiden klagen


Und lernen, gern zu leiden, so wie du!
O Martyrer der Minne, laß mich fragen,

Wie freu ich mich im Leiden immerzu,


Wie sterbe ich in Liebe, Gottes Lamm,
Und ist Maria meine ganze Ruh?

Gegrüeßt seiest du, o Miriam!


CANTUS XIV

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Ich will dir deines Sohnes Lobpreis geben!
Geopfert ist für meine Schuld das Lamm,

Ich will mit Zittern kommen und mit Beben


Und mich mit seinem Kreuzeszeichen zeichnen,
Ja, hassen will ich dies mein eignes Leben

Und alle meine Eigensucht verleugnen


Und nicht nach meinen eignen Wünschen beten,
Der Wunsch des Ewigen soll sich ereignen,

Mein Leben soll, wie Staubeswolken wehten,


Hinüberwehen in des Geistes Hauch,
Denn alle, die des Nachts mit Tränen säten,

Erstehn am Morgen voller Jubel, auch


Werd ich mein Leben, das ich lasse, finden,
Verweh ich auch wie eitel Dunst und Rauch,

Wird Jesus mich in seinen Beutel binden


Und wahre Fülle schenken dem Entsagen.
Erlöse mich, o Herr, von allen Sünden!

Im Traume noch muß ich das Kreuz ja tragen,


Da ist der Feind, die Feindin wie ein Wurm,
Muß über meine Freundinnen ich klagen

Und heule morgens meiner Tränen Sturm


Und bin so zag und bange und weichherzig,
Maria aber ist mir Davids Turm,

Die Mutter meines Herzens so barmherzig,


Maria, Mascha, Maja, Miriam,
O Braut, ist keine Frau wie du warmherzig,

Du Hirtin Rahel, ich dein liebes Lamm,


Ich küss dich, Hirtin mein, am Brunnenloch,
Schön ist dein Leib und deines Blickes Flamm

Und schön dein Mund, ich küss dich noch und noch,
Du weißt zu helfen, dieses Kreuz zu tragen,
Mit dir, Maria, leicht ist Jesu Joch.

Und du, o alte Frau in Wintertagen,


Die vor mir ging in einer dunklen Nacht,
Ich muß vor dir im Tal der Tränen klagen.

O Geist, der über meinem Leben wacht,


Gespenstische Erscheinung auf dem See
Von Galilee, vom Sturme aufgebracht,

Vergib mir meine Sünde, weh mir, weh


Mir Armen, meine Sünden mich erschüttern,
Du aber keusch, ein scheues sanftes Reh

Und mit der Heiligkeit von lieben Müttern,


Gehst meinem Wege du voran als Stern.
Und ist mein Antlitz feucht auch von den bittern

Wehmütig-heißen Tränen vor dem Herrn,


So weiß ich dich für meinen Geist eintreten,
Die du im Jenseits wandelst, sei nicht fern,

Du mögest gerne an mein Lager treten


Und mich, o liebe Amme mein, versorgen,
Für mich um Seelenheil und Heilung beten

Zu meiner Herzensmutter, schau, am frühen Morgen


Bin in der Gottesmutter Hochzeitsschleier
Als meiner Retterin in Gott geborgen.

Hängt in der Trauerweide meine Leier


Und schleich verzagt ich auf dem Pilgerpfade,
So doch dereinst, bei Jesu Hochzeitsfeier,

Da danke ich Maria für die Gnade


Und meiner Oma Engel für die Güte,
Wenn ich im göttlichen Erbarmen bade,

Weil mir ein blaues Alpenveilchen blühte,


Weil in der Nacht des heiligen Silvester
Die große Gottesliebe Sterne sprühte,

Weil meiner Mutter Mutter meine Schwester


In Gott gewesen, unserm Herrn und Hirten,
Ich weih sie dir, du neuen Bundes Esther!

Wir bitten dich für alle, die die Myrthen


Nicht tragen, sondern Dornen spitz und scharfe,
Die Engel mit dem bittern Kelch bewirten,

Die da entsagen seelischem Bedarfe


Und flehn zum Gott von Benjamin und Asser
Und hängen in den Hinster ihre Harfe,

Für alle, die von Antlitz leidensblasser


Und nicht wie frische Mädchen wangenrot,
Für jeden, dem Papyrus wächst am Wasser,

Den eine Mutter ausgesetzt im Boot,


Die Gott gesegnet mit dem schweren Segen
Der Auserwählung durch die Kreuzesnot,

Du mögest Jesu Antlitz in sie prägen,


Wir sehn die Schmerzen all in deinem Sohne
Versammelt gehn auf seinen Leidenswegen,

Mach uns zur messianischen Ikone


Und mache all uns zu Veronika
Und zeige uns das Antlitz zweifelsohne,

Das deine Seele auf dem Kreuzweg sah,


Da Jesus weinte über Sions Frauen,
War ihrem mehr als seinem Leide nah,

Und laß ins unsern trocknen Augen tauen,


O Mutter Mirjam, deine Mitleidtränen,
Und laß uns all in deine Seele schauen

Und laß uns weinen all wie Magdalenen


Und wenn wir auch als Sünder weinen müssen,
Zum Heile strebt doch unser ganzes Sehnen,

Und wenn wir heulen auch an Babels Flüssen,


Wir singen doch von Sion den Gesang,
Die wir die Hirtin und den Hirten küssen

Und küssen unser heiliges Kreuzholz bang!


Dies sang, der allezeit in Tränen schwamm
Und der Madonna an dem Busen hang.

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS XV

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


Ich sehe eine Taube Elohim,
Sie kämmt ihr goldnes Haar mit Permuttkamm,

Sie spricht mit Gottes Heiligem Geist intim


Und redet jede Nacht mit Jesus zarter
Und ist wie eine Jesusbraut sublim

Und ist wie Esther in dem Reich der Parther


Und Königin von Medien und küsst
Messias in des eignen Heimgangs Marter.

Ich weih sie Gott.- Gelehrte, wie ihr wisst,


Geopfert ward auch Iphigenia
Für einer Göttin göttliches Gelüst,
Als Griechenland gesehn nach Asia,
Und Iphigenia ward auch gerettet,
Die Artemis in ihrem Tempel sah

Und ward an einer Jungfrau Bild gekettet,


Bis heimgeholt das Bildnis hat Orest.
Ihr tut, als ob ihr alle Weisheit hättet,

Ihr wisst, daß Jesus sprach beim Hochzeitsfest:


„Was denn hab ich mit dir zu schaffen, Weib?“
Weh jedem, der die Reinheit schmähen läßt!

Gesegnet aber Busen sei und Leib


Und Seele sei gesegnet meiner Taube!
Muse, von Mater Dolorosa schreib,

Die Liebe war, die Hoffnung war und Glaube


Und Schmerz, wie keine andern Schmerzen sind!
Erhabnen Hauptes in des Schleiers Haube

Sprach sie: Laß sterben mich für dich, mein Kind,


Mein Jesus, der du Vater mir und Mutter!
Mich schmerzt dein Schmerz, dich schmerzt der Menschheit Sünd!

Erbarmt sich nicht des Sohnes eine Mutter,


Stirbt ihr der Sohn, ruft sie: Mein Sohn, mein Sohn!
Für dich laß sterben, Gottheit, deine Mutter!

Und du in deiner heiligen Passion,


O menschgewordner Gott in deiner Pein,
Das Kreuz geworden ist dein Herrschaftsthron,

Du wolltest der Gekreuzigte uns sein,


Um Gottes Liebe uns zu offenbaren,
Die Heiligste Dreifaltigkeit allein

Wird einer auf dem Kreuzesweg gewahren,


Du machtest uns das Kreuz zur Himmelsleiter,
Wir wollen jeden Splitter uns bewahren

Und wollen nicht in eitlem Spaße heiter


Auch heute noch dein Kreuz, o Gott, verspotten,
Geht deine Opferung auch heute weiter

Und will dein Opfer heut uns noch vergotten,


Weil dein geopfert Fleisch uns ward zum Brot.
Verzehren unsre Schönheit doch die Motten

Und müssen sterben wir, der du den Tod


In deinem Tod zur Himmelspforte machtest,
Da du gelitten hast so blutigrot
Und noch barmherzig an die Quäler dachtest,
Anbetungswürdiger Messias! Schauer
Befällt mich, der du damals für mich wachtest,

Und zogest an dich alle meine Trauer


Und ließest dich von allen meinen Schmerzen
In gottverlassner Einsamkeit und Trauer

Verwunden, Gott, an deinem Menschenherzen,


Da du da hingst mit weitgestreckten Armen,
Verwundet von der Sünde Lanzenerzen,

Und dir dein Herz gebrochen vor Erbarmen


Und sich vor Mitleid drehte dir im Leibe
Und starbest dann an aller Menschen Harmen!

Gestorben bist du, Gott! Von einem Weibe


Geboren, bist gestorben zur Versöhnung!
Auf meiner Hand du Schatten, zitternd schreibe,

Wie Gottes Sohn in seines Todes Krönung


Dem Lieblingsjünger übergab die Frau!
O Religion in mystischer Verschönung,

O wein der Mitleidstränen Lebenstau,


Denn Jesu Liebling ward dein Liebling nun!
Den Corpus Christi in der dunklen Schau

Ich sehe im Marienschoße ruhn


Und seh den Finger seiner rechten Hand,
Will einen Ring an seinen Finger tun,

Ein mystisches, geheimes Liebesband,


Versprochen bin ich selber vor dem Fleisch
Und habe einen andern Ehestand,

Denn Jesus seh ich in der Mutter keusch


Und seh die Mutter in der Jungfrau Schöne
Und abseits von dem weltlichen Geräusch

Ich vor dem Mund der Pieta aufstöhne


Und sinke überwältigt in die Knie
Und sing mit provencalischer Kamöne

Den Troubadourgesang der Hyperdulie


Und ward der seligen Jungfrau anvertraut,
Gebären wird sie Gottes Sohn, ja, sie,

Des Heiligen Geistes Braut und meine Braut,


Sei meine Hoffnung, Jungfrau, sei mein Glaube,
Sei meine Liebe, ewig angeschaut,
Du Führerin zur Paradieseslaube,
Du Retterin mit deinem Hochzeitsschleier,
Du Vielgeliebte, Schwester, Freundin, Taube,

Du Wegbereiterin zur Hochzeitsfeier,


Gekränzte mit dem ganzen Sternenrund,
In dir geweiht der Weisheit meine Leier,

Schatzkammer Gottes, Perle, die ich fund,


Ich liebe dich mit meines Lebens Flamm,
Und Pieta, und küsse deinen Mund!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS XVI

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Du Mutter des Lebendigen, du neue
Und letzte Eva, Frau von Davids Stamm,

Ich singe heute, daß es dich erfreue,


Die Auferstehung, die geheimnisvolle,
Obwohl ich vor der hohen Schönheit scheue.

Ich sehe Jakob, daß den Stein er rolle


Vom Brunnenloch, zu jenem Brunnen treten
Und Rahel nahen in der weichen Wolle,

Wie Rahel ihre dunklen Haare wehten


Und wie sie lieblich war von Angesicht
Und in dem Kleid, dem wunderbar genähten,

In Jakobs Armen lag, sich schmiegte dicht,


Wie er sie küsste an der Quelle Mund
Und freite sie und wollte Lea nicht.

Auch sehe ich, ein schöner Engel stund


Am Grabe Jesu, der des Grabes Stein
Hinfortgerollt, und wie im Gartenrund

Maria Magdalee im Morgenschein


Erschrocken vor der Herrlichkeit des Herrn
Aufstöhnte: Vielgeliebter, ich bin dein!

Und warf sich nieder vor dem Morgenstern


Messias, zu umschlingen seine Füße,
Die küsste einst sie unter Tränen gern,

Daß sie den Ewigen des Lebens küsse


Und ihn für allezeit bei sich behalte
Und koste immer himmlische Genüsse,

Der Herr jedoch, er der an Tagen Alte,


Sprach sanft: Laß mich zu meinem Vater gehen,
Daß ich zu seines Thrones Rechten walte,

Du aber sollst den Vielgeliebten sehen


Im Brautgemache deiner Kontemplation,
Mir Perlenschnüre mit den Fingern drehen.

Und weiter wanderte des Höchsten Sohn,


Der ausgesandt Maria Magdalee
Zu seinen heiligen Aposteln schon.

Da wartete Maria Kleophä


In Emmaus auf ihren Kleophas
Und schwatzte mit Maria Salome.

Und Kleophas des Weges ging fürbaß


Mit seinem Glaubensbruder an der Seite,
Sandalen von dem Tau des Abends naß.

Sie sahen von Jerusalem ins Weite


Und kauten in dem Mund ein paar Pistazien
Und hatten Wehmut in der Seele heute

Und dachten wehmutsvoll an Sions Grazien,


Marien Kleophä und Salome,
Und ferne ruhten Täler der Akazien.

Wie hatte doch Maria Magdalee


Die Glut in ihren Herzen angefacht,
Daß Jesus gehen werd nach Galilee,

Die beiden aber in des Glaubens Nacht


Erkannten nicht, wie Christus nahe war,
Als jener Wanderer so leise lacht

Und spricht vollmächtig von der Weisheit klar


Und daß es schon die heiligen Propheten
Gemacht den Völkern allen offenbar,

Daß der Messias leiden muß! Sie beten,


Und Jesus sagt dem Vater Lob und Dank,
Da sie zu einem Stein mit Broten treten,

Hebt er die Hände mit den Broten schlank


Zum Himmel von dem steinernen Altar
Und singt der Gottheit einen Lobgesang

Und bricht das Brot und teilt es wunderbar


Und gibt das Manna seinen Brüdern hin,
Die da erkannten, daß es Jesus war.

Und Jesus ging im auferstandnen Sinn


Zu seinen Brüdern an den breiten See,
Da Kefa sah den Herrn, da sprang er in

Die Flut vom breiten Meer von Galilee


Und schwamm mit nacktem Oberkörper zum
Messias: Lieber Herr, daß ich dich seh

Lebendig nach dem Tod! Mysterium


Bist du, o Jesus Christus, ich bin dein,
Ich bin dein Sklave und dein Eigentum,

Verzeihst du mir, o Herr, die Leugnung mein?


Wie nahe ist die Angst dem Heldenmut!
Nun will ich dir ein Held wie David sein,

Ein Held wie Simson, widerstehn aufs Blut,


Ein Hgeld wie Josua. O Herr, gebiete,
Ich schwimm zu dir durch dieses Meeres Flut,

Ich weih dir Hermons Nord und Sions Süde,


Die Zeder Libanons und Judas Myrte
Und blaue Blumen!... Jesus lachte: Friede!

Den nackten Oberleib mit Linnen gürte


Und tritt zu mir, ich geb dir einen Fisch,
Du Menschenfischer. Ja, der gute Hirte

Bin ich, die Liebe jeden Morgen frisch,


Sei du Apostel dieser Huld und Liebe,
In Gottes Wein der Menschen Wasser misch

Und sag mir, Kefa: Wo ist deine Liebe?


Und Kefa sagte: Du, mein Gott, allein,
Bist, meine Gottheit, meine ganze Liebe!

Und ich bin Peter, bin dein Tor und Stein,


Ich weide Widder, Schafe, Fische, Schwäne,
Ich will dir Vater deiner Kinder sein

Und Haupt der Kirche, welche ist die schöne


Vertraute Jesu, Braut dir Gottes Lamm.
(Nach Frankreich werd ich senden Magdalene.)

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS XVII
Gegrüßet seiest du, o Miriam!
Wo ist der Himmel, gute Mutter, wo?
In unserm Herzen brennt die Lebensflamm,

In unserm Herzen redet Salomo


Mit seiner Schwester Mirjam Salome:
Soll ich das Fleisch des Panthers fressen roh

Und durch die Wälder wallen, durch den Schnee,


Und Hirsche reißen auf dem Libanon
Und selbst verbluten, wund und voller Weh?

Mitten im Wald der Wölfe steht der Thron,


Auf dem der Davidssohn in Frieden thront.
Nicht stolzer Zier wie rotgeschminkter Mohn,

Vielmehr voll Wehmut wie der Mainacht Mond


Wir schwimmen hin in triefenden Balsamen.
Wo ist die Liebe, die der Liebe lohnt?

Wo ist der Schoß und wo des Wortes Samen,


Wenn Liebe uns zerreißt wie Leoparden?
O Mirjam Salome, in deinem Namen

Seh ich der Dschungelorchideen Arten


Und sehe unter Lilien lagern Schlangen
Und Schmetterlinge auch mit staubig-zarten

Und hingehauchten Schwingen flattern prangen,


In deinem Namen, Mirjam Salome.
O Braut, an deinem Busen will ich hangen,

Ich will die Wehmut sein in deinem Weh


Und deiner Wunden schmerzlicher Verwandter
Und Trauerschwan auf deinem Tränensee

Und deiner Harfensaiten überspannter


Gesang voll wilden Wehs und wilder Wonne!
Komm, meine Schwester, vom Gebirg der Panther,

Komm, meine Taube, Lilie und Sonne,


Denn ich will ruhn an deinem vollen Herzen,
Sei du mir die vergöttlichte Madonne!

O Jesus, siehe unsre Abschiedsschmerzen,


Denn gehst du fort, wie sollen wir dich preisen,
Wem brennen dann im Tempel unsre Kerzen?

Der mütterlichen Weisheit arme Waisen


Sind ausgesetzt auf diesen Herzgebirgen
Und singen melancholisch ihre Weisen.
Laß Frieden den judäischen Bezirken,
Vom Strome Frieden bis ans äußerste Meer!
Sind wir allein, dann können wir nicht wirken.

Schau doch auf Kefa und auf Timna her


Und auf Andreas und auf Salome,
Wir sind allein, uns ist das Herz so schwer,

O laß uns nicht allein, uns ist so weh,


Wir leben ja von deinen lieben leisen
Messiasworten.- Schöner als der Schnee

War, der gebot den Jüngern, Gott zu preisen:


Ich gehe jetzt zum Ewigen zurück,
Doch lasse ich euch nicht als arme Waisen,

Von Gottes Thron ruht auf euch stets mein Blick,


Und senden werde ich die Hilfe auch,
In Gott wird Jubel euch und wahres Glück,

Ihr trinkt den süßen Wein aus neuem Schlauch


Und werdet singen wie mit Flammenzungen,
Wenn euch die Hilfe küsst mit Gottes Hauch!

Ihr meine lieben Mädchen, meine Jungen,


Jetzt ist der Einsamkeit die rechte Stunde,
Die Liebe hat sich gleich hinfort geschwungen,

Doch in der Waisenkinder Herzenswunde


Wird Gott der Geist mit seinem Jubel fließen
Und Gott euch küssen mit dem glühen Munde!

Dann werdet ihr der Weisheit Seim genießen


Und werdet eure Herzen mir vertrauen,
Ich laß euch schauen zu den Paradiesen! -

Uns ist, als ob wir wieder Henoch schauen,


Der da in Glauben und Gerechtigkeit
Gewandelt und in heiligem Vertrauen,

Der allezeit zum Heimgang war bereit


Und den der Ewige zu sich entrückt
Und holte ihn in Gottes Herrlichkeit.

Uns ist, als ob Elias zu uns blickt


Und seinen roten Mantel sinken läßt
Und uns Verzückung seligschön verzückt,

Wie Nachtigallen jubeln in dem Nest,


Wenn nachts die Rose blüht so duftig rot,
Weil nun Elias eilt zum Hochzeitsfest
Zu seiner Liebe, Allhern Zevaoth,
Und eilt hinauf in einem Feuerwagen
Und jedes Roß wie eine Flamme loht,

Wie vor des Pharao Triumpheswagen


Die Stute zieht herauf die goldne Sonne.
Wer weiß die Sonne als Gewand zu tragen?

Wer tritt hervor in prachtgewohnter Wonne


Als Bräutigam aus seinem Himmelszelt?
Die Augen hebt die selige Madonne,

Als Jesus, Friedefürst und Gottesheld,


Verkündet: Ich bin bei euch alle Zeit,
Bis an das Ende dieser Zeit und Welt!

Die Wolken winden sich zum Leinenkleid


Und auf den Flügeln trägt den Herrn der Äther,
Schon ist er hoch und fern und himmelweit

Und schwindet zur Versammelung der Väter,


Zu Gottes Thron, zu Adam und zu Eva,
Im sehn Johannes nach und Simon Peter,

Ihm sehn Maria nach und Petrus Kefa,


Und gehen heim zum Abendmahl zusamm,
Von Blut ein Hin und von dem Leib ein Epha.

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS XVIII

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


O Heiliger Geist, o Gottes Geist, gedenke,
Du Öl, du lebensvolle Liebesflamm,

Mit deiner Braut, Akazientales Senke,


Mit deiner anverlobten schönen Braut
In ihrem Diadem und Ohrgehänge

Zu zeugen Kinder, die dem Herrn vertraut,


Die in der Taufe schönem Wasserbecken
Und in dem Geist geboren. Kinder, schaut,

Der Geist will heute seine Braut erwecken,


In ihrem Schoß die Kinder Gottes formen.
Du, Geist, du wolltest deinen Schatten strecken

Auf die Geliebte, die den Gottesnormen


Gemäß von dir gebildet und gestaltet,
Den Helden zu erschaffen, den enormen

Erlöser, in dem Gottheit sich entfaltet,


Erschaffe so auch alle die Erlösten,
Du Geist der Ewigkeit, der nie veraltet,

Sie in der Braut und in dir selbst zu trösten,


Daß sie den Anker senken in den Grund,
Der Hoffnung Grund, die Kleinsten und die Größten.

Du Segen, küssend an der Quelle Mund,


Eröffne du die Quelle, Überwinder,
Daß die Versiegelte uns gebe kund:

Von mir geliebte, gottgeliebte Kinder,


Eröffnet eure Herzen heut dem Geist,
Rechtfertigung ist er für alle Sünder,

Für jeden Sünder, der den Retter preist


Und streckt die Arme aus nach Jesus Christ!
Die Heiligen der Beistand unterweist,

Der heute euch ein volles Maß zumißt,


Wenn euer Leben ihr dem Christus schenkt!
O Lob dem Geist, der die Madonna küsst!

Die Augen alle zur Madonna lenkt,


In ihrer Gußform sind wir all gegossen,
Die ihre Wimpern auf die Augen senkt,

In ihr sind wir die geistlichen Genossen


Des Geistes Gottes, Himmelsbürger alle,
Durch sie ist uns das Salböl zugeflossen,

Sie ist der Weisheit goldne Tempelhalle,


Da Gott und Menschheit sich vereinigen.
Zu ihrem schönen Mutterherzen walle,

O Christenheit, und laß dich reinigen,


O Menschheit, daß du wirst in ihr vergottet,
In ihr wird nie dich Satan peinigen,

Die Lästerzunge, die der Reinheit spottet


Und doch zusammenzuckt vor ihrem Fuß!
Ihr Christen, die ihr Gruß Marien botet

Und Jesus segnet im Mariengruß,


In ihr gewinnt ihr Jesu Angesicht,
Sie ist die Form, ihr aber seid der Guß.

Maria sah des Geistes Feuerlicht,


Vernahm des Geistes leises Zungenreden,
Verstockte Gott das Herz und Ohren nicht,

Sprach Ja zum Geist und war erneut in Eden


Und kannte die Geheimnisse von innen
Und sprach mit Gott in heiligen Gebeten

Und wollte Jesus mit dem Herzen minnen


Und war des Geistes Flammensprache offen
Und weihte sich mit Seele und mit Sinnen

Und gründete mit allem ihrem Hoffen


Im Paradies! Der Geist Verheißung war,
Da Segnungen wie Salböl niedertroffen,

War ihr mit einemmal die Weisheit klar,


In welcher Mensch und Gottheit sich versöhne
Und lebe lauter Liebe wunderbar!

Maria, liebe Frau, vollkommen Schöne,


Die schöner du noch selbst als Evi bist,
Dich preise in Terzinen die Kamöne,

Obwohl dich weder Reim noch Metrum mißt,


Wie Gott gebildet dich im Schoß von Anna,
Du Mutter Christi, Mutter jedem Christ,

Dein Fleisch, Maria, löste ab das Manna,


Das Jesus nahm, der wohnt im Tabernakel.
Das Schwert im Herzen prophezeite Hanna,

Bin ich dies Schwert, o Mutter ohne Makel?


Wie aber? Du Marienliebling, du,
Du Troubadour, du nennst dich einen Nagel?

Du Friedenskönigin, du Seelenruh,
O laß mich ruhn in deines Herzens Laube,
In deinem keuschen Schoße immerzu,

Du meine Vielgeliebte, meine Taube,


Du meine Mondin, meine rote Rose,
Verbindung mir zur Weisheit, der ich glaube,

Der Weisheit gleichgestaltet, Makellose,


Die schöne Weisheit thront in deinem Sessel,
Der Logos lagerte in deinem Schoße,

Band Jesus sich mit deiner Haare Fessel,


Mich zu betören mit den Rosenketten.
Und bin ich auch ein Stier nur oder Esel,

Ich will mich nur vor Jesu Krippe betten


In deiner mystischen gheimen Grotte.
In dir wird mich die Weisheit Gottes retten,

Du meine Kerze, ich bin deine Motte,


Du Mutter Grab, ich bin so lebensmüde,
Gebär mich neu, Maria, und vergotte

In Jesus mich, Vergottete! und süde


Sei du im Himmelreich mit mir zusamm,
O Paradiesmadonna! Friede, Friede!

Gegrüßet seiest du, o Miriam!

CANTUS XIX

Gegrüßet seiest du, o Miriam,


Die du Erkenntnis Heiligen gegeben
Und mir, als mein Gemüt in Tränen schwamm,

Da sahest du mich vor dem Becher beben


Und gabest mir durch Gertrud von LeFort
Erkenntnis über das Marienleben

Als Frauenleben, das sich ganz verlor


In Gott, dem sie die ewige Frau geworden,
Da Edith Stein trat leise aus dem Chor

Ans Gästegitter in dem Karmelorden


Und gab der Dichterin die Unterweisung.
Und da der Mai kam auch im hohen Norden,

Da kam zu mir des Heiligen Geistes Preisung


Durch einen charismatischen Propheten,
Dem du zur Braut geworden voll Verheißung,

Drum hörst du auch wie Ephraim mich reden


Und bist mir meine Freundin, meine Taube
Und schöne Pforte in das neue Eden.

Wie Bruder Ephraims ist auch mein Glaube,


Soll jeder Christ dir werden ein Gemahl,
Madonna in der Karmeliten-Haube.

Und da ich kam allein vom Abendmahl,


Fand ich in meinem Heim das Goldne Buch,
Das preist dich als der Weisheit goldnen Saal,

Du Pieta, mit Jesu Leichentuch,


Mit deinem paradiesisch-schönen Mund,
Dir will ich allzeit sein ein Wohlgeruch,
Ich schließ in dir mit Jesus einen Bund,
Wie’s bei dem Weisen von Montfort gewesen,
Bin ganz der Deine, Gottesmutter, und

In deinem Herzen habe ich gelesen


Von Gottes Weisheit und von Jesu Frieden!
An deines Heimgangs Schau laß mich genesen.

Wie bist denn du, Glorwürdige, geschieden?


So hast du, Jungfrau, mich dereinst entzückt,
Als ich von deinem Heimgang las hienieden.

So sagen es die Griechen, daß entrückt


Vom Geiste alle die Apostel kamen.
Johannes schaute als dein Sohn verzückt

Und Paulus predigte vom Wort, dem Namen,


Der ihn den dritten Himmel ließ erschauen
Als deine Heimat, Dame aller Damen,

Unaussprechlicher Schönheit, Frau der Frauen;


Und Petrus kniete hin zu deinen Füßen,
Da ihm, Vielweinenden, die Tränen tauen.

Da die Apostel ihre Herrin grüßen


Als Königin dem gotterwählten Volke,
Erschien in einem Schimmer, einem süßen

Weihrauch als wie in Heiligen Geistes Wolke


Der ganz anbetungswürdige Messias:
O Frau, mein Land von Honigseim und Molke,

Heimfahre im Triumphgefährt Elias,


Komm, meine Braut, o komm vom Libanon,
Vom Sion und vom Karmel, Geist Marias,

Empfangen will dein Vater und dein Sohn


Dich heute und der Geist, dein Bräutigam,
Im Herzen Gottes wartet dein der Thron!

Da gab den Geist die Jungfrau Miriam


Und ihre Seele auch und ihre Sinne
Dem Herrn und Heiland, Gottes Opferlamm.

Verklärung ward Maria durch die Minne,


Durch die Teilnahme an dem Auferstehn
Messias’, aller Glorien schon inne,

Die Christen an dem Jüngsten Tage sehn,


Aufschwebte da die Rose leuchtend rot
Und so betörend und so wunderschön
Und fand die Ewigkeit vor ihrem Tod,
Weil allzeit sie am Jesusherzen weilte
Und war geborgen ganz in Zevaoth.

Und Thomas von dem fernen Indus eilte


Und wollte schauen ins Madonnengrab,
Daß ihn der Anblick der Verschiednen heilte.

O Sion, Ölberg, Joschaphat! Am Stab


Stand Petrus, Himmelsschlüssel in der Hand,
Und sprach: Wie ich noch in Erinnrung hab,

Warst du es, welcher voller Zweifel stand


Vorm Auferstandenen, ob er es sei,
Und legtest an das Glorienfleisch die Hand.

Und stehst nun wieder voller Zweifel bei


Dem Grab und suchst den toten Leib Marias?
In diesem Grab erblüht der Wonnemai,

Wacholder nicht und Ginster von Elias,


Hier Lilien weiß und Blumen blau und Rosen
Sehr rot gemäß der Liebe zum Messias.

Und Thomas sah in einer gloriosen


Vision Maria in dem Rocke rot
Und Mantel blau und sah der Makellosen

Astralen Keuschheitsgürtel, welcher loht


Und bindet aller Weltenräume Toben,
Versiegelt allezeit für Zevaoth!

Da hörte er das Rauschen weißer Roben


Als wie das Rauschen grenzenloser Meere,
Da sank der Jungfrau Gürtel ihm von oben

Ins Tal von Joschaphat, aus Gottes Sphäre,


Da ward er als Reliquie getragen
Nach Cypros, wo man heiligte die Hehre

Als Sankt Maria Aphroditissa, wagen


Die Griechen sie zu nennen, Pauli Kinder.
Und Thomas kündete in jenen Tagen

Die Mutter dem geliebten Volk der Inder.


Und Petrus sprach: Mit Leib und Seele nahm
Der Herr sie auf, der erste Überwinder.

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


CANTUS XX

Gegrüßet seiest du, o Miriam!


Zehn Jahre bin ich heute Gottes Kind
Des Glaubens an des Höchsten Opferlamm,

Gott selber kam zu mir im Mittnachtswind


Und hat sich durch den Engel offenbart
Und achtete der Schwäche nicht und Sünd

Und überwältigte mich heilig, zart,


Der Gott der Liebe hat mich auserkoren
Und mich dem Christusvolke eingeschart.

An Omas Todestag ward neugeboren


Ich durch die Offenbarung und den Glauben,
Da trat ich zu der Tochter Zion Toren,

Da reichte mir die Mutter Brot und Trauben


Und hieß mich nach dem heiligen Patron,
Ja, Kefa, Kefa! klang es in den Lauben,

Da ging ich als der Gottesmutter Sohn.


Dann ward ich durch des Satans Wirken wirr,
Sprach lügnerisch der Mutter Kirche Hohn

Und sprach auch von Maria falsch und irr,


Bis mich bekehrt der Liebe Kreuz, das harte
Und schwere. Da trat in der Nacht zu mir

Der König Christus, der sich offenbarte,


Der zu mir kam mit ihr, der Lieben Frau,
Und Petrus, dem Patron im weißen Barte.

Anbetend, weinend lag ich vor der Schau


Der Tapfen König Christus’, ganz aus Licht,
Der da wie Äther war und Abendtau,

Vom Sakramente des Altares spricht


Und von der Weisheit Haus Ecclesia,
Daß mir der Weisheit Schule Unterricht

Erteile über Christus, den ich sah,


Da ward ich Teil der mystischen Verlobten,
In welcher Gott gewärtig, odmend nah.

O Liebe Fraue! alle Meere tobten


Zu dir, o diamantner Stern der Meere,
Du Minneherrin deiner Angelobten,

Du trägst in deiner Krone jede Sphäre


Und wandelst auf den Mondenmeeren rein
Und alle Himmel Gottes rufen: Ehre!

Trittst du ins Heiligtum des Höchsten ein


Und kleidet Jesus dich mit weißem Linnen
Als einem Mantel ganz aus Sonnenschein,

Du Minnekönigin der Königinnen,


Dir Jauchzen, Jubel, Gloria und Glück!
Den Heiligen wohnst du im Herzen innen,

Barmherzig schaut, so süß und glüh dein Blick,


Du Hochverehrte im Gesang der Minne,
Mit einem Neigen deines Hauptes nick

Die Huld uns zu, o Friedensköniginne,


Du Mond des Trostes und du Freudensonne
Und Morgenstern im gottverklärten Sinne,

Uns Leben, Hoffnung uns und wahre Wonne,


Herzliche Mutter der Barmherzigkeit,
Strahlende Jungfrau, lieblichste Madonne!

Wir schauen dich im strahlend weißen Kleid


Und auf dem Haupte deinen Hochzeitskranz
Und Rosenkränze wallen lang und weit

Um dich und um dich ist ein süßer Glanz


Und könntest eine Göttin sein, aus Gnade,
Da tanzest du wie Schullammyth den Tanz!

Maria, Gnadenthron und Bundeslade,


Dem Allerheiligsten zutiefst vertraut,
Bist du die Jaspisstadt, das Tor von Jade,

Wie in prophetischer Vision geschaut


Johannes dich, o Hügel Sion dich,
O Tochter Sion, Lammes Jesu Braut!

O komm, o süßes Kreuz, erlöse mich,


Erlöse mich, o Christus an dem Kreuze,
Das Kreuz, dem Herrn nachfolgend, trage ich,

Entsag der Eitelkeit mit ihrem Reize


Und will in unaufhörlichem Gebet
Die Becher leeren voll von Liebesgeize,

Darüber doch der Geist der Liebe weht


Und führt mich auf dem Weg des Kreuzes weiter,
Das Kreuz, das vor mir aufgerichtet steht,

Das Kreuz erscheint mir als die Himmelsleiter,


Da oben ich die schöne Gottheit seh,
Da Seraphim lobsingen himmlisch-heiter

Der schönen Weisheit, wandelnd auf dem See


Fürwahr der ewigen Glückseligkeit,
So strahlend schön und weißer als der Schnee

Ist meiner Gottheit ewigmenschliches Kleid


Und purpurrot sind die verklärten Wunden!
Und eine Aue breitet sich sehr weit,

Da habe ich die Seligen gefunden,


Die klugen Jungfraun alle selig-froh,
Da allen Himmelsbrot und Süßwein munden

Und jede ruht auf ihrem Sopha so


In lauter Glorie und Glanzes Haar...
O Weisheit! Braut des weisen Salomo,

Dein Herz der Liebe ward dort offenbar,


Die ganze Süßigkeit der vollen Brust,
Nach der dein Mensch stets gnadendurstig war,

Nun aber, aller Seligkeit bewußt,


Sind ich der Gottheit meines Lebens: Ave
Sophia! die du hattest an mir Lust,

Und schenkst mir ewige Liebe! Gott, dein Sklave


Anbetet Jesus Christus, Gottes Lamm!
- Durch Jeschuah in Ruach Ruhm sei JHWH!

(Gegrüßet seiest du, o Miriam!)

DAS REICH MARIENS


„Sie, die Mutter der schönen Liebe, werde für die Christen auf dem Weg ... der Stern, der mit
Sicherheit ihre Schritte auf den Herrn zu lenkt. Das einfache Mädchen aus Nazareth, das vor
zweitausend Jahren der ganzen Welt das fleischgewordene Wort dargebracht hat, möge die
Menschheit des neuen Jahrtausends zu dem hinlenken, der das wahre Licht ist, das jeden Menschen
erleuchtet.“
(Papst Johannes Paul II)

ERSTER GESANG

Mein Kreuz, mein Kreuz, wie soll ich dich ertragen?


Ist nicht die süße Mutter mir gegeben?
Ihr will ich klagen alle meine Klagen!
Die eine war mein Lieben, war mein Leben,
Ich aber bin ihr eine Arbeitskraft
Und nicht mehr Geist in seiner Träume Schweben.

Die eine war mir meine Leidenschaft,


Nun bin ich Werkzeug ihr der Caritas,
Und wohin, ach wohin geht meine Kraft?

So ist mein Angesicht von Tränen naß


Und mein Gemüt ist schwarz wie Trauerschwäne.
Die Seele betet ohne Unterlaß,

Doch plagen mich die Füße und die Zähne


Und nirgend findet meine Seele Trost,
Ich bin nur eine riesengroße Träne!

Ein Los des Schicksals hab ich mir erlost,


Zu lieben, ohne Liebe je zu finden!
Ist nirgendwo ein Herz das mich liebkost,

Will keine Seele je sich mir verbinden,


Allein treibt in der See mein kleiner Kutter,
Umgibt mich Wettersturm von scharfen Winden.

Man nahm mir schon als Kind vom Brot die Butter
Und nährte meine Seele nur mit Geld.
Was ist mir Vater, weh, was ist mir Mutter?

In Träume flüchte ich, da bin ich Held,


Ich flieh in dichterische Phantasie,
In lang vergangne gottesfromme Welt.

Ich seh die Selige, ich sehe Sie,


Die in der Welt kein Ebenbild gefunden,
War liebevoll wie andre Frauen nie!

Ihr hab ich mich in meinem Weh verbunden


Und will in der Geschichte sie betrachten
Zur Heilung meiner wehen Seelenwunden.

Ich weiß von Jesu Christi Durst und Schmachten


Und wie er dürstete nach Menschenliebe
Und war allein im schrecklichsten Umnachten!

Sie lebten alle nur dem Erdentriebe


Und dem Verlangen ihrer Zeitlichkeit,
Als Götzendiener, Lügner, Huren, Diebe.

Wer war dem Herrn in seinem Weh geweiht?


Die Frommen wollten alle ihre Lust
Und Fröhlichkeit in alle Ewigkeit.
Ein scharfes Schwert durchschnitt Mariens Brust,
Da sie die Menschen sah, die Eitelkeit,
Wie sie den Fels verließen um den Dust!

Von Jesu Leiden war Marien Leid,


Die Miterlöserin hat mitgelitten
Und war dem Schmerzensmann der Schmerzen Maid,

Der Schmerzen Mutter, scharf entzwei geschnitten


Von Jesu Christi Leiden an dem Kreuz,
So ist sie durch das Todestal geschritten,

So litt sie mit dem Herrn der Liebe Geiz,


Der Liebe, die sich nicht verschenken wollt,
Die nur anbeten will den eignen Reiz

Und krönen sich mit Mammons eitlem Gold


Und fragt nur nach dem Silber in dem Beutel.
Die Sonne schwarz wie Sack und Asche rollt,

Die Sterne schwarz auf Sankt Marien Scheitel,


Die Universen all in tiefen Schwärzen
Wehklagen: Alles eitel, alles eitel!

Da gab der Herr und Gott Marien Herzen


Den Lieblingsjünger, seine arme Seele,
Vereinte sie in gottgeweihten Schmerzen,

Daß sich der Jünger mit der Frau vermähle


Und sie empfang in seinem Leben innen.
O Jünger, diese Frau zur Herrin wähle!

Wie mütterlich wird sie den Mann beginnen


Zu leiten an dem Berg der Nachtigall,
Da Nachtigallen ihre Rose minnen!

Sie war ja auf das Wort der Widerhall,


Er schrieb des Wortes Evangelium,
Ins Wort einmündete das ganze All,

Der Sänger Nachtigall, die blaue Blum,


Die Kinder alle, die ihr Leben spielen,
Sie münden in der Weisheit Heiligtum.

Da sich die Frau gewendet von den Vielen


Und war Gebet in lautrer Einsamkeit,
Den Pfeil der Seele auf das Ziel zu zielen,

War Vorbild sie, die Mutter und die Maid,


Die noch Gebete sprach am Wasserbronnen,
In Ewigkeit zuhaus schon in der Zeit.
Du sahest sie, die Wonne aller Wonnen,
Die Augen Zärtlichkeit und glutbewohnt,
Gemantelt in die Helligkeit der Sonnen

Als Himmelskönigin auf vollem Mond,


Im schwarzen Haar den Zodiak der Sterne,
Die Rosenarme um den Horizont,

So sahest du sie wandeln himmlisch ferne


Und doch in deinem Inneren so nah
Als wie zuhaus in deinem Seelenkerne.

Und sie, die christliche Urania,


Gebar für alle Menschen Gottes Eros,
Die voller Liebe zu der Erde sah.

Sie war die Königin, im Arm den Heros,


Sie war die Jungfrau in dem weißen Linnen,
Das All umtönte sie, der Sterne Sphairos.

Gott wollte eine neue Welt beginnen


In dieser Maid aus gottverklärtem Lehm.
Die Völker aller Erden werden minnen

Maria, himmlische Jerusalem!

ZWEITER GESANG

Groß ist die Artemis von Ephesos -


Ist alles Unsinn, was die Heiden träumen?
Die Artemis von Ephesos ist groß,

Die in des Mondes Silberseidensäumen


Als Jungfrau wandelt um mit ihren Nymphen
Und leuchtet reigentanzend unter Bäumen.

Sie tauchte nicht aus Eros’ Feuersümpfen


Und auch die Nymphen waren nicht entbrannt,
Soll niemand drüber seine Nase rümpfen,

Jungfräulich tanzten sie in Wald und Land


Und jagten da den Rehbock mit Geweih
Und trugen Pfeil und Bogen in der Hand.

Aktäon war einst auf der Jagd dabei


Und sah die Jungfrau nackt bei ihrem Bade,
Er loderte, als ob sie Cypris sei,

Die Jungfrau aber schlug ihn, ohne Gnade,


Aktäon ward von seinem Hund zerfleischt:
Vor Artemis war Lust Aktäons Schade.

Die Jungfrau, die die Griechen so verkeuscht,


Daß sie sie frei gepreist von allen Lüsten,
Was mancher auch in seinem Brennen heischt,

Sie kam als Mutter von des Mondes Küsten,


Als große Mutter aller Fruchtbarkeit,
Die schwarze Artemis mit neunzehn Brüsten!

Der Neunzehnbrüstigen ward eingeweiht


Ein großer Tempel um den schwarzen Stein,
Da man sie ehrte, Mutter sie und Maid.

Die Silberschmiede schmieden ihren Schrein,


Die Dichter preisen, singen sie die Damen,
Die heilige Diana weiß und rein!

So war es noch, als Missionare kamen


Und sprachen öffentlich vom Unbekannten,
Der göttlichen Offenbarung Ja und Amen.

Die Männer nun in ihren Reihen standen


Und wandten sich von Eva ab, dem Weib,
Und siehe da, was jene Männer fanden:

Der Logos Gottes hat doch keinen Leib,


Er ist die Weltvernunft und Ur-Idee,
Ist unberührt von irdischem Getreib,

Wie ich Materie als bös anseh


Und nur geschaffen von dem Demiurg.
Doch Geist ist Logos, rein wie Hermons Schnee,

Im Himmel ist des Gottesvaters Burg


Und unantastbar Gottes hohe Würden,
Anbetend liegt im Staube der Liturg!

Gott ist Geheimnis, Schönheit aller Zierden,


Ist gut und schön und wahr und makellos,
Und niemals trug er eines Leibes Bürden.

Der Logos floß nur durch Marien Schoß


Und nahm von einer Frau nicht an das Fleisch,
Materiebefreit und sündenlos

Blieb Logos wie ein lichter Engel keusch


Und floh aus Jesus in Gethsemane
Bei römischer Soldaten Lärmgekreisch

Und kehrte heim zum Himmel, rein wie Schnee,


Und war berührt nicht von der Schande Kreuz,
Glückselig immer, unberührt vom Weh.

Doch Jesus ist ein Mensch mit Menschenreiz,


War eine Menschenseele, wenn auch weise,
Wenn ich ihn einen Gott genannt, mich reuts,

Er ging als Pilger in dem Erdenkreise,


Tragöde in dem irdischen Theater,
Sprach vor den Menschen sanft und zart und leise

Von Gott, der unser aller Himmelsvater,


Von Gott, der niemals einen Sohn besessen,
Dem Ewigvater und dem Wunderrater.-

Doch Petrus hat auf seinem Stuhl gesessen


Inmitten dem katholischen Konzile
Und sagte Wahrheit, Weisheit unermessen:

O Weisheit, vor dem Thron des Vaters spiele,


In Ewigkeit vom Ewigen gezeugt
Zu aller Anfang und zu aller Ziele!

Die Weisheit sich zur Tochter Zion neigt


Und nahm im marianischen Kanal
Fleisch von der Jungfrau (Menschenweisheit schweigt),

Nahm in der Braut Marien Hochzeitsaal


Das Fleisch des Menschen zu der Gottheit an,
Auf daß wir nicht mehr rufen: O mein Baal!

Auf daß die Menschheit rufe: O mein Mann!


In hypostatischer Union, o Christe!
Der Herr die Menschheit sich zur Braut gewann!

Gott, den Maria nahm an ihre Brüste,


Er litt an seines Volkes Liebesgeiz
Und an dem Götzendienst an Jawans Küste,

Er aber liebte bis zum Tod am Kreuz,


Da ihn Marie dem Vater dargereicht,
Die Gottesmutter in der Tränen Reiz,

Daß Jesus an dem Kreuz die Sünden streicht


Der Menschheit aus des Herrn Gedächtnis aus,
Vollkommnes Opfer, das dem Vater reicht,

Ein Mensch, geboren in Marien Haus,


Ein Menschensohn, der Fleisch von ihrem Fleische,
Als Gottmensch trat er aus der Frau heraus,

Zur Gottgebärerin ward so die Keusche,


Zur Gottesmutter ward die reine Maid,
Zur Mutter der Lebendigen die Keusche,

Dem Geist als ihrem Bräutigam geweiht,


Der fruchtbar machte ihren Jungfraunschoß,
Weshalb zurecht die alte Kirche schreit:

Groß ist Maria, die Theotokos!

DRITTER GESANG

Du bist die Königin der Minnesänger


Und kamst aus Persien im Mittelalter
Ins schöne Frankreich, wo die Grillenfänger

Dich eingefangen, großer weißer Falter,


Der um die makellose Blume kreist.
Der Sänger stimmte den Marienpsalter

Auf seine Königin, die er im Geist


Am Himmel schaut im Seidenkleid der Sonne,
Die voll des überlichten Lichtes gleißt

Und streut aus ihren Lilienarmen Wonne


Und wird, von lauter Gnaden Gottes schwer,
Zur Mittlerin und mystischen Madonne.

Der Abend naht in steter Wiederkehr,


‘s will Abend werden, singen wir dem Herrn,
Der Tag hat sich geneiget überm Meer,

Der Minnesänger schaut den Meeresstern,


Der auf der Flut der Leidenschaften lacht,
Der die Granate hält, und Kern um Kern

Auf Schnüre reiht, da singt der Sänger sacht


Zur Königin, die wie der Mond so mild,
Schwarze Madonna, Königin der Nacht!

Der Minnesänger, aufgewühlt und wild,


Erschaut die blaue Königin im All
Als Gottes hochverklärtes Gnadenbild

Und seufzt und singt mit selig süßem Schall


Zur mystischen Rose, sine spina rosa,
Den Minnesang, Marien Nachtigall,

Klagt all sein Liebesleid der Dolorosa,


Dieweil er für die Hochverschönte brennt,
Er trinkt von der Fontana Amorosa

Und singt der Jungfrau mystischen Advent


Zu seiner Harfe oder nach der Flöte,
Die Rosenarmige vom Orient!

Nun steigt Auroras rosa Morgenröte


In Romas Reich teutonischer Nation
Mit Lerchensingen auf, das golden wehte

Und blies so seufzend um orangnen Mohn


Und um die Iris, um die blaue Blume.
Da lächelte Madonna auf dem Thron

Und sandte Minne aus dem Heiligtume


Und gab den Deutschen sich zum Gnadenbilde
Und weckte Kunst zum hohen Frauenruhme

Und inspirierte Ofterdingen milde,


Da in des Paradieses grüner Aue
Holdselig wandelte Midons Mathilde!

O Fraue von der Huld der Lieben Fraue,


Zu schauen ist dein süßes Angesicht
Im Glockenbecher, welchen mir die blaue

Geheimnisblume reicht im Mondenlicht,


Wenn ich im Garten in den Himmel schaue
Und weine, weil mein Sängerherze bricht,

In tausend Lieder bricht der holden Fraue,


Die grenzenlos hineinragt in das All!
Aus lauter Sehnsucht brenne ich und taue

In meiner Liebestränen Wasserfall


Und meiner Minnewonnen Feuersbrunst:
Dein Wort, Mathilde, und mein Echohall,

All deine Schönheit, Frau, und meine Kunst,


Ist Liebesspiel in göttlicher All-Einheit!
O wende zu mir deines Lächelns Gunst

Mit deiner Perlenschnüre weißen Reinheit,


Lacht mir auf Erden Paradieseswonne!
Enthoben aller irdischen Gemeinheit

Bin ich im Rosenhage der Madonne


Und mit Mathilde in dem Paradies,
Und leb als Mond mit meiner Minne-Sonne! -

Maria lächelte madonnensüß


Zu Jesu Freunden, auserwählten Menschen,
Die sich in ihrem betenden Verließ

Für Jesus eingesperrt, die abendländschen


Verehrer ihres Gottes in dem Kloster.
Da sehn wir Auserwählte aus den Mönchen

Die Rosenkränze und das Paternoster


Alltäglich beten, vieler Gnaden inne.
Und einen seh ich auch: wie süß liebkost er

Den rosa Rosenkranz mit sanftem Sinne,


Als er zu der Madonna Statue kam
Und vor Marien Mund versank in Minne!

O Liebe voller Wonnen wundersam,


Die Schönheit deines Angesichts, wer kann es
Gott preisen! Nimm mich an als deinen Bräutigam!

Einst war ich wie der kindliche Johannes


Verehrer deiner mütterlichen Gnade,
Nun aber mit der Reife eines Mannes

Vergleich ich mich, O Jungfrau rein wie Jade,


Sankt Josef, der dein Bräutigam gewesen!
Maria, in der Flut der Liebe bade,

Du kannst von meiner Distel Trauben lesen,


Von meinem Dornstrauch ich dir Feigen biet,
Du Wesenskönigin in meinem Wesen,

Du meines Herzens Herrin, Sulamith,


Als neuer Salomo will ich dich preisen
Und singe, sing ich dir, mein Liebeslied

Der Weisheit Gottes, Herrin aller Weisen,


Die meine Seele in Maria schaut!
Du wirst den Weg mir in die Weisheit weisen,

Denn Gott wird mir in Sankt Sophia Braut...


Maria, alle Wonne, alles Wehe
In dir sei der Dreifaltigkeit vertraut!

(Du spende mir das Sakrament der Ehe...)

VIERTER GESANG

Viel älter als die schrecklichen Azteken


Ist jenes Indianervolk, Poeten
Und priesterliche Künstler, die Tolteken,

Die in Gesängen hochpoetisch beten


Und singen den Gesang der blauen Blume
In ihren gartenreichen Dschungelstädten.
Die Poesie steigt aus dem Heiligtume
Zu Gott, der Mann und Frau in Union -
Der göttlichen Zweifaltigkeit zum Ruhme

Singt priesterlich der weise Musensohn


Melodisches und rhytmisches Gesinge
Und Priester opfern den orangnen Mohn

Und auf Altären rote Schmetterlinge


Dem Gott des Friedens, der Natur, der Liebe.
Die stürzten Schreckensherrschern in die Schlinge,

Azteken, an den Heiligtümern Diebe,


Den Quetzalvogel jagten sie vondannen
Und feierten die Schlange ihrer Triebe.

Soldaten waren kaiserliche Mannen


Und Gott ein Götze nur aus hartem Stein
Und Menschenopfer rauchten in den Pfannen,

Jungfrauen als ein Opfer Gott zu weihn,


Indem man ihre Lieblichkeiten töte,
Ihr Menschenblut benetzt den Opferschrein.

Da stieg aus Spanien die Morgenröte


Des Christentumes auf, die Missionare
Den Indianern schenkten die Gebete

Und brachten Offenbarung mit, die wahre,


Wie Gott die Welt aus lauter Lust geschaffen,
Daß sie sich Gott dem Schöpfer wieder paare,

So predigten die Franziskanerpfaffen


Inmitten des Gelärms der stolzen Ritter,
Die schlugen drein mit ihren goldnen Waffen.

Ein Indio mit bänglichem Gezitter


Bekehrte sich zum Katholikentume
Und morgens zu der Heiligen Messe schritt er.

Der Weg war weit zum neuen Heiligtume,


Das Sankt Franziskus’ Jünger aufgebaut.
Die Distel stand am Weg mit karger Blume,

Der Boden dürre, kaum von Tau betaut,


Nur über Dornen sprach hier Gott sein Werde!
Er glaubte an des Heiligen Geistes Braut,

Sang Ave vor dem Berg der Mutter Erde,


Sang Ave alle weiten Wege lang
Und rollte Perlen zärtlicher Gebärde.
Da hörte er sehr süßen Vogelsang,
Sah auf der Mutter Erde Berg ein Licht,
Er trat hinzu, neugierig, fromm und bang,

Und sah - das sagt kein menschliches Gedicht -


Im Licht erscheinen eine schöne Frau,
Als wie ein Indianermädchen schlicht

Und doch so glorios vorm Himmelsblau


Als sei sie aus dem Himmelreich gekommen.
Sie spricht: Mein Söhnchen, zu der Jungfrau schau,

Ich will, daß alle Indios, die Frommen,


Versammeln sich in meinem Heiligtume.
Dich hab ich als mein Eigen angenommen,

Juan, ich dufte wie die blaue Blume


Und laß erblühn Kastiliens Edelrose
Auf kargem Felsgestein. Im Christentume

Gebenedeit man mich, die Makellose,


Wie auch geschrieben steht im Bibelbuch.
Du ruh getrost in meinem Mutterschoße

Und freu dich an der Jungfrau Wohlgeruch.


Und zum Beweis, daß ich es bin: Mein Bild
Empfang in deinem schlichten Bauerntuch! - -

Das sagt kein Mensch, wie sehr Maria mild


Und schön wie eine schlichte Jüdin ist.
Vor ihr wird still, was wüste ist und wild,

Wenn sie das Herz mit ihrer Schönheit küsst,


Die pulchra perfectissima, Madonne,
Die glorienverherrlicht Jesu Christ,

Daß sie erscheint im Strahlenkranz der Sonne


Und in der Mutter Erde grünem Kleid,
Durchleuchtet von des Himmelreiches Wonne.

Wie fällt ihr schwarzes Haar so lang und weit


Und leuchtet dunkel unterm grünen Schleier,
Und um ihr Haupt, allein dem Herrn geweiht,

Die Freudensonne strahlt in goldnem Feuer,


Sie aber lächelt mild wie Morgenröte
Und mild wie Mond in einer Sabbatfeier.

Und sieht man sie, fast hört man das Geflöte


Der Himmelsvögel, Engel, die sie preisen.
Die Hände faltet still sie zum Gebete
Und schaut mit einem zärtlichen und leisen
Geheimnisblicke unter sanften Lidern,
Mit Blicken, die dem Volk die Wege weisen.

Die Engel übertreffen sich in Liedern


Zu allen Ewigkeiten Stund um Stund,
Die Schönheit der Madonna zu erwidern,

Vor allem den geheimnisvollen Mund


(Mehr als der Mona Lisa Lächeln süß)...
Wem weh ist, wer an seinem Herzen wund:

Marie von Mexiko in Minne grüß!


Sie ist das Ideal der wahren Schöne,
Idee der Schönheit aus dem Paradies!

Amerika vor ihrer Schönheit stöhne,


Die allezeit bekundet: Ich bin da!
Der Papst mit einem Kranz von Lorbeer kröne

Die Kaiserin der zwei Amerika!

FÜNFTER GESANG

Grad vierzehn Jahre zählte Bernardette,


Schlecht unterrichtet in der Katechese,
Doch reinen Herzens, kindlich, niedlich, nett,

Wie ich im Epos eines Juden lese,


Ging sie mit Freundinnen zum grünen Gave,
Der strömte mit dämonischem Getöse,

Da sahn sie eine Höhle, nicht für Schafe,


Für Schweine war sie und für deren Mist.
In ihrer Seele sang sie aber: Ave

Maria, die geboren Jesu Christ!


Da sah sie in der Höhle eine Dame,
Die da die Schönste aller Schönen ist.

Der Schleier weiß wie leuchtende Zyklame


Und daraus quoll hervor schwarzbraunes Haar,
Die Augen schimmerten so wundersame

Und leise lächelte das Lippenpaar,


Ihr Kleid war weiß, mit blauem Gürtelband,
Das Kleid von reinem weißen Linnen war,

Der Ärmel fiel auf eine schlanke Hand,


Um die geschlungen war ein Rosenkranz.
Und Bernardette im jungen Unverstand
Verwunderte sich sehr vor solchem Glanz,
Fiel nieder vor der schönen Dame Fuße
Und stand dann auf zu einem Freudentanz,

Als jene Dame sprach mit frommem Gruße:


Die Welt ist auf dem Wege in die Hölle,
Kehr um und bete, Menschheit, und tu Buße!

Euch wähl ich, Bernardette, an dieser Stelle,


Zeugin zu sein in dieser Welt der Sünden
Für meine Huld! Ergrabt dort eine Quelle,

In deren Wassern wird man Heilung finden,


Wenn man das Wasser trinkt im rechten Glauben.
Hier soll man mir ein Heiligtum begründen.-

Wie Jesus bei den Blinden, Lahmen, Tauben


Gewesen, viele durch sein Wort zu heilen,
All denen Satan wollt die Freude rauben,

Wie es geschrieben steht in Bibelzeilen,


So wirkte Jesus in der Gegenwart
Durch Sankt Marien Wunder. Wasser eilen

Lebendig aus dem Felsgesteine hart


Und sammeln sich in Leitungen und Becken.
Die Liebe Gottes nicht mit Heilung spart,

Im Wasser Lebensgeister aufzuwecken,


Verkrüppelte Gliedmaßen aufzurichten.
Das Wunder ist ein Weg zu hohen Zwecken,

Was Bernardette gesehen in Gesichten,


Daß Menschen glauben an die Liebe Frau,
Auch Juden sie in epischen Gedichten

Verherrlichen, die Zions Blume blau,


Weltkrankheit in dem Lande der Franzosen
Geheilt wird durch den königlichen Tau

Der Königin, der Rose aller Rosen,


Patronin Frankreichs, Notre Dame de Lourdes.
Wer sich der Unbefleckten, Makellosen

Vertraut, erfährt die göttliche Geburt


Des Königs Jesus Christus in dem Herzen.
Immaculata an des Gave Furt,

Heil alle Leibes-, alle Seelenschmerzen,


Ganz Reine, die du unbefleckt empfangen!
Vor deiner Grotte zünden wir die Kerzen,
Vertreibe der Dämonen giftige Schlangen
Aus unsern Seelen und aus unsern Gliedern.
Chinesen, Afrikaner laß gelangen

Zu deinem Dom, die Liebe zu erwidern,


Die unser Herr durch dich der Welt erwies,
Laß alle loben dich in Liebesliedern!

Hier in der Troubadoure Paradies


Am Fuß der königlichen Pyrrenäen
Ist deine Liebe spürbar, minnesüß.

Zehntausende in dir die Mutter sehen,


Die Gott als Vater in dem Himmel preisen.
Wie viele Greisinnen und Greise stehen

Vor deinem Dom und singen alte Weisen


Und wallen abends in den Prozessionen,
Drauf in dem Dom das Sakrament zu speisen.

Die Jugendlichen in den Zelten wohnen


Und lassen von den Priestern sich belehren,
Wie Gott in immerwährenden Äonen

Zum Kreuze schaut, das alle Christen ehren,


Und unterm Kreuz zur Mater Dolorosa.
Wenn sich auch manche Jugendliche wehren,

Gehn andre zur Fontana Amorosa


Und manche treten in den Beichstuhl auch.
Die Künstler ehren dich, o Gloriosa,

Der Größte, inspiriert von deinem Hauch,


Stellt auf dein Marmorbild, o Pieta.
Vorm toten Christus raucht der Myrrhe Rauch,

Der Auferstandene gewärtig da


Weist einen Finger seiner linken Hand
Und ist der linken Hand des Jüngers nah.

Der Dichter einen Rosenkranzring fand


Und trat mit ihm zu Jesu Tabernakel
Und band sich durch der frommen Liebe Band

An Jesus durch die Jungfrau ohne Makel


Und in dem mystischen Verlöbnis sah
Er Christi Kreuz, sah Dornen, Lanze, Nagel,

Den Herrn in allem Leid gewärtig da,


Und wer ihm folgt, in Christus sterben muß -
Geborgen in dem Schoß der Pieta
Empfängt er von Maria einen Kuß.

SECHSTER GESANG

Erschienen bist du auch in Fatima


Und zeigtest all dein Unbeflecktes Herz,
Das sorgenvoll aufs arme Rußland sah,

Wo Rasputin in Schwermut und in Schmerz


Den Zaren warnte vor den Bolschewisten,
Die Rußlands Menschen trieben höllenwärts!

Du sahst die Märtyrer, verfolgte Christen,


Die in Sibirien in Lagern hockten
Und ihre fromme Mutter Rusz vermissten,

Die unterdrückt nun war von den Verstockten,


Da Bauern Opfer waren, Teufel Täter,
Die Rußland in den Atheismus lockten,

Das Rußland Wladimirs, die Rusz von Peter


Und Katharina, Rusz der Orthodoxen,
Da Puschkins Aar durchsegelte den Äther.

Die Kirchen wurden nun zu Pferdeboxen


Und Meßwein floß verschüttet in den Gassen,
Zusammen trieb man Bauernvolk wie Ochsen,

Als Tugend predigte man heißes Hassen


Und mordete die Hasser durch den Haß,
Da Satan die Dämonen all verlassen,

Da Satan ward Diktator. Tränennaß


War Mutter feuchte Erde, Gottesmutter,
Die Fürsprach betet ohne Unterlaß

Für Arbeiter und Fischer auf dem Kutter,


Für die verfolgten Dichterinnen und
Die kleinen Sangesvögel ohne Futter,

Maria betet, spricht aus ihrem Mund:


Der Kommunismus wird von Gott besiegt
Und Rußland durch den Glauben wird gesund

Und wie ein Adler neue Kräfte kriegt,


Weil Mütterchen der feuchten schwarzen Erde
Dem Gottland mütterlich zugrunde liegt.-

Nun hoffen wir und wissen wir, es werde


Erscheinen der Apostel, ja, der Zeuge,
Der wird mit väterlicher Machtgebärde

Erwirken, daß der rote Drache schweige!


Er wird der Mutter aus dem Haus des Brotes
Sich weihen mit der Demut seiner Neige

Und wird bekämpfen die Kultur des Todes


Mit seinem Evangelium des Lebens.
Ein Kindermörder immer ist Herodes,

Nach Mammon strebt die Menschheit steilen Strebens,


Als ob er sichere die Seligkeit,
Doch ist ihr Streben ganz und gar vergebens.

Der Zeuge wird, in Heiligkeit geweiht,


Die heilig sprechen, die in Christus schieden,
Märtyrer waren in der finstern Zeit.

Ein heiliger Apostel für den Frieden


Ist er und wird verdammen allen Krieg,
Der die Versöhnung suchen wird hienieden.

Der Satan aber neidet seinen Sieg


Und spricht mit einer Waffe Donnerschallen:
O Kugel aus dem Lauf des Bösen, flieg!

Der heilige Apostel ist gefallen


Im weißen Kleid in schwarzer Leichen Schar
Und sieht den Mantel der Madonna wallen,

Die seines Lebens Schirm und Mutter war


Und sichert nun das Leben ihrem Sohne
Durch ihr Gebet und Wirken wunderbar.

Da dankt der Mensch Maria zweifelsohne,


Dem Unbefleckten Herz von Fatima,
Und fügt die Kugel ein in ihre Krone,

Weil er sie in der Todesstunde sah


Und wusste, daß sie ihn sich auserwähle
Als segnenden Apostel dort und da.

Maria spricht: Weiht euch mit Leib und Seele,


Mit Geist und Fleisch dem Unbefleckten Herzen!
Daß keiner mir bei dieser Weihe fehle!

Wenn ihr euch in dem Schein der sieben Kerzen


Gern meinem Unbefleckten Herzen weiht,
So trag ich eure Freuden, eure Schmerzen

Als Lobgesang in Gottes Herrlichkeit,


Trag jeden, der sich treu mir zugesagt,
Ins Herz der Heiligsten Dreifaltigkeit! -

Du Mutter Jesu und des Vaters Magd,


Du bist des Geistes Braut, der offenbart
Dies heilige Geheimnis und gesagt

Vom Sinn der Weihe einem Mann, es ward


Geoffenbart dem Heiligen Montfort,
Maria, deinem Minnesänger zart.

Nun öffne jedem Jünger du das Ohr


Und führe alle Herzen himmelswärts!
Dir folge auch der Englische Pastor,

Pastor Angelicus in tiefem Schmerz


Und tiefen Leiden an der bösen Zeit,
Der fromm trat vor dein Unbeflecktes Herz

Und hat die Menschheit Unsrer Frau geweiht,


Daß sie das alt und neue Heidentum
Besieg im Zeichen der Dreifaltigkeit,

Die Lagerkönigin, die Zions Ruhm,


Die Friedensfürstin über allem Krieg,
Die Maximilian Kolbes Heiligtum,

Apokalyptisch aus den Trümmern stieg


Als Friedenstaube, wie vorhergesagt:
Dem Unbefleckten Herzen wird der Sieg! -

Das Zweite Vaticanum preist die Magd,


Der Menschen Mutter, der ich heut mich weihe
Und widme mich Maria unverzagt,

Madonna, die ich voller Liebe freie!

SIEBENTER GESANG

Hier bin ich doch am liebsten! sagte Sie,


Als sie erschienen vor den Seherinnen
In Medjugorje. Süße Sympathie

Fasst mich zu zween von ihnen, die ich innen


Vermische mit zwei andern schönen Frauen,
Die meine Sehnsucht waren und mein Minnen.

Ihr müsst nur einmal Marijana schauen,


Wie ich sie vor mir in dem Bilde seh,
Ihr werdet gleich Marien Botschaft trauen.

Wie Herbstlaub golden und so rein wie Schnee


Ist sie in ihrer stillen Melancholie
Und süßen Wonne in dem stillen Weh.

Zu Menschen schaut und doch nach innen sie,


Umrahmt von ihrem dunkelblonden Haar
Ist ihr Gesicht voll süßer Sympathie

Und ernst mit schmalen Lippen, wunderbar


Gemischt aus weißen und aus roten Rosen,
Als Gospas Worte sprach das Lippenpaar.

Und nun die Seherin der Makellosen,


Die lächelt lieblichsüß vor der Madonne,
Die möchte ich im Zartgefühle kosen,

Ich meine Jelena, wie eine Sonne


Das Angesicht von Bosniens schönster Maid,
Wie lieber Lenz, wie Maienmond der Wonne,

Der tauigroten Lippen Lächeln weit


Und ihre Zähne weißes Elfenbein,
In schmalen Augen Sternenewigkeit,

In ihrem schwarzen Haar ein brauner Schein,


Wie Evas schwarzes Haar im Garten Eden,
Sie Granatfrucht, sie Honig, Milch und Wein,

Sie Lächeln der Madonna in den Reden


Maries von Medjugorje, wenn der Schönen
Verkündung lautet: Beten, beten, beten!

Mach Frieden, Menschenwelt, laß dich versöhnen


Mit Jahwe im Mariensohn Messias!
Gott will die Königin des Friedens krönen

Und spricht zur Menschheit durch den Mund Marias


Auf sanfte Weise mehr als durch den Grimm
Wie weiland in den Klagen Jeremias

Und gibt uns eine Botschaft: Hör und nimm,


Gott will die abgefallne Menschheit retten!
Maria ruft den Bruder Ephraim

Und bindet ihn an sich mit Rosenketten


Und bindet ihn ans Kreuz, den Lebensbaum.
Ruf alle in der Unbefleckten Städten

Und künde allen Christen meinen Traum:


Sie weihen sich dem Herzen ohne Makel
Und sind Apostel auf der Erde Raum

Und letzter Zeiten glühendes Zönakel,


Wenn kommt der Heilige Geist auf euch hernieder!
Verehrt die Hostie im Tabernakel

Und ehrt den Heiligen Vater, Christi Glieder,


Und weiht euch Sankt Marie in Ganzhingabe,
So kehrt das Heil der Urgemeinde wieder.

Ich schütze die Geweihten, meine Habe,


Marias Heerschar in den letzten Fristen,
Geb der Erleuchtung und der Tröstung Labe,

Wenn sie in meiner Felsenhöhle nisten,


Wo ich zuhause bin, die reine Taube.
Der Liebe Pfingsten geistverklärt die Christen,

Wenn treu mir Liebe, Hoffnung ist und Glaube,


Dann sammle ich euch in der Ecclesia,
Daß Gottes Kinder nicht der Satan raube.

Der Osten prophezeit euch die Sophia,


Der Papst wird dienen in Jerusalem,
Wie Ephraim vermutet in Maria.

Wie bist du lieblich, süß und angenehm,


Herzegowinische Maria, mir,
Wie einst dem Jesuskind in Bethlehem!

Sprich nur dein Wort, dein Frieden, Pace, MIR,


Du meines Herzens Friedenskönigin,
Vertrauen will ich meine Seele dir

Und geb dir viele lieben Seelen hin


Und will von dir den Weg des Heiles lernen,
Den Paradiesweg (Sterben mein Gewinn)!

Mit deinen schimmernden, den Augensternen,


Schau zu mir, Mutter der Barmherzigkeit,
Aus Innenwelten wie aus Himmelsfernen.

Du Treue jedem, der sich dir geweiht,


Du lehrst das immerwährende Gebet
Und die Geduld in allem Kreuzesleid.

Send deinen Bräutigam, den Wind, der weht,


Erneuert wird das Angesicht der Erde,
Die in der Gnade letzten Zeiten steht.

Du bist des Sohnes zärtlichste Gebärde


Und bist die Mittlerin zu Jesu Reich
Und meine Hirtin, Hirtin deiner Herde.

Schau meine Dankgebete: Gnadenreich


Bist du, voll mütterlicher Zartgefühle,
In deiner Demut sanft und blütenweich!

Schau wie ich der Gebete Perlen spüle


Mit meiner Liebe Flut an deine Bucht
Und wie die Weisheit vor dem Vater spiele

Mit meinen Versen in der Reime Zucht


Als Sänger deines Lobes, meine Minne,
Und deines benedeiten Leibes Frucht!

Ich weihe meine Seele, meine Sinne


Der makellosen Lieblichkeit Marias,
Auf daß ich werde in Maria inne

Der tausend Jahre Frieden des Messias!

MARIA REIMLOS

ERSTER TEIL

„Den Strom der Tränen entferne mir nicht,


Jungfrau, die du Christus geboren,
Der aus jedem Antlitz jede Träne entfernt.
Mit Freude erfülle, Jungfrau, mein Herz,
Die du die Fülle der Freude empfangen
Und zunichte machtest die Trauer der Sünde!“
(Kleiner Trost-Kanon der Gottesmutter)

MARIEN HIMMELFAHRT

In deiner Hand, mein kleiner goldner Liebling,


Ergeht sich leise ein Marienkäfer,
Du hauchst ihn an, da öffnet er den Panzer
Und breitet seine Flügel, auf gen Himmel!

Zum Himmel, Papa, fliegt mein kleiner Freund,


Zum Himmel flügelt der Marienkäfer.
Da oben in den lichten Lüften lebt
Wohl eine wunderschöne blaue Fee!

Mein kleiner goldner Liebling, sag du mir,


Wenns regnet von dem Himmel auf die Erde,
Sind das die Tränen dann der blauen Fee?
Mein Papa, wenn es regnet aus dem Himmel,
Dann sind das nicht die Tränen meiner Fee,
S’ist Milch vom Busen meiner Himmelsfee!

WEIN

Ich sah den Weinstock in der Schwangerschaft


Mit prallen Trauben oder tausend Brüsten,
Da in bacchantischer Begeisterung
Getanzt mit mir die trunkene Mänade,

Ich sah die Kelter auch mit ihren Trauben,


Da stark die Tochter Zion trat die Kelter,
Der Feinde Blut an ihre Beine spritzte,
Sie aber sang des Herrn Gesang vom Weinberg!

Wohl weiß ich, gerne trinken Dichter Wein


In heilignüchterner Betrunkenheit
Und preisen ihren Trunk das Blut des Herrn –

Mir aber reicht die Liebe Frau die Brust,


Die Dea Dolorosa ihre Brust:
Liebfrauenmilch ward blutendroter Wein!

NACHT

Ich lese in dem Buch der Mutter Nacht,


Der Wind im Laube blättert in den Seiten,
Es scheint im Nebel eine Ätherchronik
Der archetypischen Erinnerungen,

Erinnerung von Mond in den Ruinen


Und langem Frauenhaar auf weichem Kissen
Und ernsten Freunden, die verschwunden sind,
Und von der schicksalshaften Einsamkeit.

So recht die Nacht, um weinend dich zu lieben,


Die lachend mir zu lieben nicht gelang,
So lobe ich das Leid: es lehrt mich lieben!

Drum bist du meine Schwermutskönigin,


Die schöne Freundin meiner Einsamkeit
Und Mutter Nacht mit deinem mystischen Schoß.

SAITENSPIEL

Was ist denn nun der Menschensöhne Wonne,


Was war die Wonne denn von Koheleth?
War seine Wonne nun das Saitenspiel,
War seine Wonne nun ein Frauen-Harem?

Das Saitenspiel, das ist der Frauenleib,


Der Musikant umfängt der Muse Schönheit,
Er streicht ihr Haar, die Hand spielt an dem Loch,
Er nimmt die Hüfte zwischen seine Beine.

Von meiner Mutter erbt ich die Gitarre,


Die schöne, meine Mutter sagte einmal:
Wenn du so musizierst, hör ich sie weinen...

Dir will ich spielen, Königin der Musen,


Maria, mit dem Psalter meiner Muse.
Du selbst bist aber Gottes Instrument!

HOFFNUNG

Einst, nach der Auferstehung meines Fleisches,


Ergeh ich mich in deinem Tal der Reben
Und bade im kristallnen Strom des Lebens
Und seh Madonna an im Kleid der Sonne.

Wer dir dient, Königin des Paradieses,


Der lebt auf Erden schon im Paradies,
In Nacht vereint mit deinen schwarzen Augen
Und in der Sonne küssend deinen Mund!

Was breitest du mir eine Hoffnung aus,


Maria Magdalena zu begegnen
Mit ihrer schwarzen Magd, Ägyptens Sara?

Zigeuner, wie in meiner Jugend, soll


Ich wandeln sehn am Mittelmeer die schwarze
Madonna mit dem Kinde in dem Arm?

EINSAMKEIT

Nun alle mich verlassen haben, alle


Geliebten Freundinnen sich Kerle suchten
Und recht zufrieden mit den Schwänzen scheinen
Und Mütter werden wollen oder sind,

Und mir die Dichter kaum noch etwas sagen,


Die Liebchen sangen oder stolze Weisheit,
Da auch die Heiligen im Himmelreiche
Mit ihren Lehren mich nicht mehr erfreuen,

Verbringe ich die Nacht in Einsamkeit


Und schweige lang und häng den Träumen nach
Und trinke Wein und rauche braunes Kraut,
Nur ab und an erhebe ich die Stimme,
Um dir zu singen ein Sonett, Geliebte,
Madonna, deine Liebe zu erwidern!

DAS TAL DER HOFFNUNG

Im Eingangstale des Gelobten Landes


Verehrte ich dereinst die große Venus,
Den sterbenden, erstehenden Adonis
Als Venusfreund und Halbgott der Natur.

Nun aber spricht die Herrin, meine Gottheit:


Nun wirst du mich nicht mehr Frau Venus nennen;
Frau Weisheit, Freundin deiner Einsamkeit,
Bin ich und deine Braut im Tal der Hoffnung!

Ins Tal der Hoffnung im Gelobten Land,


Maria Magdalena und Maria
Die Andre und Maria Salome,

Sie kommen mit dem Bräutigam hernieder,


Zu unserm Weizenfeld und unserm Weinstock
Im Königreich der Schwarzen, der Madonna!

LOURDES

Die Sonne hat die Erde wachgeküsst


Und alles Moos errötete in Scham.
Die Berge beugten sich wie weiße Brüste
Auf einen jungen Strom, der leise seufzte.

Nachts heulten Eulen vor der Mutter Mondin


Und Schimmer lag auf bloßer Schlangenhaut.
Die Nacht war wie ein Pfad von Muttermilch
Und Steine standen stolz wie Urweltdome.

Im Traume lächelte die blaue Blume


Am Wunderquell im Schoß des Berges tief.
Und scheu kam die Gazelle in das Tal:

Bevor noch irgend war ein Mensch erschaffen –


Am Myrrhenberge der Gazellenbock
Vereinte sich inbrünstig der Gazelle!

BADENDE MADONNA

Im Wildbachtale zwischen Adama


Und Mahanajim bei uralten Eichen
In einem Waldsee badete Sie einsam
Im keuschen Himmelslicht der Einsamkeit

Und nicht einmal Gazellenkitze wagten


Sich Ihr zu nähern, auch das Einhorn nicht,
Als unbefleckt die Jungfrau aufgetaucht
Allein im Schleier Ihrer langen Haare.

Doch töricht nahte Ihr sich Simeon,


Der Greis mit grauem Bart, bevor er aber
Die Maid im Bad erblickte, ward er blind

Und sah nach innen: so ward er ein Seher


Und tat die Augen wieder auf, als Sie
Das Kind, das göttliche, ihm überreichte.

TANZENDE MADONNA

Da du den Tanz getanzt hast, o Madonna,


An sieben Tagen deinen Hochzeitstanz,
Da tanzten alle Palmen mit dem Winde,
Wenn du die Palme in dem Tanz umschlungen,

Da tanzten alle Boote auf dem See


Und der Phönizer Schiffe mit dem Meere
Und alle Wellen tanzten mit dem Strand
Und jedes Sandkorn tanzte mit der Sonne,

Die Sonne tanzte mit dem blauen Himmel


Und alle Sterne tanzten mit der Mondin
Und alle Himmel tanzten mit der Erde

Und alle Heiligen mit Engeln tanzten


Und alle sieben Geister Gottes tanzten,
Wenn du mit Gott allein getanzt, Madonna!

MADONNA MIT KATZE

Einst im ägyptischen Hieropolis,


Im Land der Kobra und des Lämmergeiers,
Saß in der blauen Abenddämmerung
Madonna träumend still auf einem Stuhl.

Der kleine Jesus krabbelte verspielt


Am Boden immer um Madonnas Füße
Und spielte mit den kleinen bunten Steinchen,
Beruhigt in der Gegenwart der Mutter.

Madonna aber lag auf ihrem Schoß


Im schwarzen Samtfell eine schlanke Katze
Mit Augen, die wie grüne Monde strahlten.

Madonna streichelte so traumverloren


Der Katze Schwanz, der wohlig sich erhob,
Der Katze Schnurren freute die Madonna.

WICKELNDE MADONNA

Madonna in dem Stall von Bethlehem


Hat auf der Krippe braunem Wickeltisch
Gewickelt mit der frischen Linnenwindel
Den süßen Popo von dem Jesusbaby.

Auch Josef einmal, murmelnd in den Bart


Liebkosungen dem kleinen Gottessohn,
Hat abgewischt den Kot von Jesu Po
Und mit der frischen Windel ihn gewickelt.

Die Windeln aber, welche unrein waren


Vom Exkrement des menschgewordnen Wortes,
Madonna wusch sie rein in einem Brunnen.

So eine Windel, ganz aus reinem Linnen,


Den weisen Königen vom Morgenland
Madonna reichte als Reliquie Jesu.

VIERGE OUVRANTE

Die Jungfrau-Königin in ihrem Thron


Hält in der Hand das Scepter und die Frucht,
Auf ihrem Schoße sitzt ihr kleines Kind,
Der kleine königliche Sohn der Jungfrau.

Sie ist die große Mutter alles Lebens


Und breitet um den Kosmos ihren Mantel
Aus Äther oder einem Hauch von Schleier
Und hütet die Geheimnisse des Lebens.

Mir tat sie sich in Huld der Liebe auf.


Der Hort der Ruhe der Dreifaltigkeit
Ist in dem Inneren der großen Mutter:

Mit weißem Haar der Vater alt an Tagen


Umfangen hält den Menschensohn am Kreuz
Und zwischen ihnen schwebt die reine Taube.

ANNA SELBDRITT

Großmutter Gottes war die liebe Anna,


Die fruchtbar ward wie eine Sperlingsmutter
Und in dem Wandeln in der Goldnen Pforte
Jerusalems empfing die Unbefleckte:

Maria, deren Schoß ein Kelch mit Wein,


Auf deren Schoß sich niederließ die Taube,
Als sie am Brunnen in dem Ohr empfing
Die Weisheit Gottes bei der Jungfrau Fiat.

Nun breite deinen dunklen warmen Mantel,


Großmutter, Brot und Trauben in der Hand,
Und mit dem Mantel hülle deine Tochter,

Die Jungfrau mit der purpurnen Granate


(So offen blutend wie der Jungfrau Schläfe),
Die sanft liebkost der liebe Jesusknabe.

MARIA UND JESUS

Die Jungfrau hat den Jungfraunsohn geboren


In tiefer Mitternacht in einer Grotte
Und flüchtend ihn getragen nach Ägypten
(Wo Isis man anbetete und Horus).

Sie ging mit ihrem Sohn zum Marterpfahl,


Wo ihn die Schlange in die Ferse biß.
Die Jungfrau aber mit dem bloßen Fuß
Zertrat der Schlange giftgeschwollnes Haupt.

Da sank der tote Herr in ihren Schoß.


Dieweil er wandelte im Totenreiche,
Hat sie beschworen seine Auferstehung.

Da in der Morgenröte zu Maria


Trat Jesus als des Garten Edens Gärtner
Und rief sie: Paradieses Königin!

IMMACULATA

Das weiß ich von der Isis Eingeweihten,


Daß Zauberinnen in Thessaliens Gauen
Durch finstre Hexenkünste sich verwandeln
In Fliegen und vom Aas der Toten schmausen,

Auch weiß ich von Propheten aus dem Osten,


Daß der Dämonen oberster Gebieter
Als Abgott grauser Kindermörder ist
Der Herr der Fliegen oder Beelzebub.

Geplagt von ekelhaftem Ungeziefer


Rief ich des nachts zur Jungfrau Immaculata
Und fand am Morgen alle Feinde tot!

So rein bist du, o himmlische Maria,


So lauter wie Kristall und rein wie Licht,
Und du beschützt, die sich dir ganz ergeben!

SIE ERSCHEINT

Schau, ich bin deine Königin und Mutter,


In tiefer Nacht erscheine ich als Licht,
Die Strahlen, die von meinem Saume strahlen,
Vertreiben alle rattengleichen Teufel!

Auf meinem Haupte sieh die goldne Krone,


Ich nehme sie und halt sie in den Händen,
Das ist die Krone, die ich dir bewahre,
Der Schönheit Krone in dem ewgen Leben!

In deiner marianischen Kapelle,


In dunkler Kammer deiner Einsamkeit
Laß ich mich nieder wie in einem Thron.

Auf meinem Schoße aber sieh das Kind,


Das Seligmachende mit lichten Augen,
Das lacht dich an, mein liebes Jesulein!

RUHM

Ich möchte lieber ganz vergessen sein


Von dieser hurengleichen Welt des Todes,
Wenn nur mein Lobpreis Wohlgefallen findet
Allein bei der allwissenden Frau Weisheit!

Ich preise die Madonna, preis Sophia,


Mit Kunst, wie sie die Tradition mich lehrt.
Der Gottesgeist in menschlicher Geschichte
Wird Suchende zu meinen Sängen führen.

Jerusalem, du hochgebaute Stadt,


Mit deinem Turm aus weißem Elfenbein,
In dir erfind ich Hymnen der Madonna!

Sie spricht: Mein Lieb! Du hast ein Lied erfunden?


Nun, niemand stört uns (auch mein Knabe nicht),
Beim Wein im Garten sing du mir dein Lied!

MUTTERSCHAFT
Frau Weisheit hauchte meine Seele ein
Und wob Materie im Schoß der Mater
Und machte in dem Schoß der Mutter Erde
Die Seele zur Gestalterin des Leibes.

Ob widerwillig oder auch mit Wonne –


Entbunden ward von mir im neunten Mond
Die Mutter. Ich verließ den Mutterschoß
Und sah Frau Weisheit in dem Licht der Welt.

Die Mutter trug zum heiligen Altar,


Der da Marien Namen trug, den Sohn,
Sie tauchte ein mich in Marien Becken.

In meiner Kindheit spielt ich an der Krippe


Im Stroh bei Kühen mit dem Jesuskind,
Maria war, das Mädchen, meine Mutter.

TRAUM

Im Traum stand ich mit Menschen in der Nacht


An einer goldnen Bucht am blauen Meer,
Am Himmel einsam stand ein klarer Stern,
Der sandte wunderschönes reines Licht.

Da sah ich, daß der Stern Madonna war,


Die Liebe Frau erschien als Stern des Meeres.
Die Menschen blieben alle aufrecht stehn,
Ich aber sank am Strand in meine Kniee.

Marien Schleier und Gewand war weiß


Wie Mondlicht oder Licht des reinsten Sternes,
Ihr Angesicht war licht und wunderschön!

Die Gospa sprach vom Himmel leis zu mir,


Ich hörte ihre Stimme in der Seele,
Sie sprach: Ich bin die Königin des Friedens!

MARIEN SEXUALITÄT

Nein, ungeschlechtlich warst du nicht, Maria,


Du warest eine Frau nach Gottes Sinn
In einer ganz vollkommnen Leiblichkeit
Mit gotterschaffner Sexualität.

Der Osten lehrt in seinen alten Weisen:


Die sexuelle Energie als Schlange
Erhebt sich durch die geistige Verwandlung
Zur höchsten geistgeformten Lotosblüte.-
So scheint mir, deine Sexualität
War Sublimierung eines Hieros Gamos
Zur höchsten mystischen Vereinigung

Mit Gott! Maria, du bist Tochter Zion,


An dich ergangen ist das Gotteswort:
Ich, der Umscharte, ich bin dein Gemahl!

LIEBFRAUE

Oh schwarze Schwermut deiner Augen, Frau,


Oh dunkle Glut und feuchter Glanz der Blicke,
Sink in mich ein, du Liebe meiner Frau,
Sink ein, o Glut, in meinen Seelenfunken,

Oh wirbele dein schwarzes Kleid im Tanze


Und laß als Fahne flattern deinen Rock,
Den schwarzen Mantel breite, Mutter Nacht,
Und schweben laß im Äther deinen Schleier,

Die braunen Arme schlinge um mich, Frau,


Die schwarzen Perlen deiner Perlenschnüre
Laß schimmern und der Arme Silberspangen,

Und wehen laß im Wind dein schwarzes Haar


Und mich verwunde mit der Wimper Spitze
Und bette mich im Schatten deiner Scham.

DIE JENSEITSKÖNIGIN

Wer einmal so sehr sterben wollt wie ich


Aus dem Verlangen nach dem Paradies
Und Horror vor dem Terror dieser Erde
Und wem schon rann das Blut aus seiner Ader –

Und wer die Hoffnung der Unsterblichkeit


Gesetzt auf seine Liebe zur Madonna
Und sein Vertrauen in den Jesus-Namen,
Wer da halbtot Madonna sah und Sohn –

Der setzt sich nicht mehr an die vollen Tische


Der Lebenden mit ungeteiltem Herzen,
Bleibt immer halb nur Bürger dieser Erde,

Und immer sitzt ihm in dem leeren Sessel


In seiner Einsamkeit im Reich der Nacht
Die Jenseitskönigin bei ihm zu Gast.

LIEBESVEREINIGUNG
Die Liebenden sind immer gern allein
(So sagte schon zu Jesus Sankt Teresa).
So in der Stille und der Einsamkeit
Dein schwebend Säuseln trifft mein mystisch Schweigen.

Mein Liebeslied empfängst du mit dem Ohr,


Bewegst mein Lied im Herzen, es betrachtend.
Dann sinkt der Abend in den Schoß der Nacht
Und wie die Sterne schauen deine Augen.

Ein Weinstock bist du, Königin, ein Weinstock,


Der Reben Tränen tropfen in den Becher,
Ich trinke deine Tränen, Lacrimosa!

Im Schoß der Nacht, im Innenraum des Alls,


Tust du dich auf, des Himmels Perlenpforte:
In deinem Schoß bin ich im Paradies!

LIED DER LIEBEN FRAU

Sing Hymen! Hymenäus! Hymen! mir,


Dann will ich dich empfangen wie die Nacht,
Mein Angesicht, der Mond der Sommernacht,
Beugt sich in Liebe über dein Gesicht!

Ich will dich schlingen in mein schwarzes Haar


Und küssen dich mit scharlachrotem Mund!
Ich liebe dich mit einer brennenden
Und grenzenlosen und besondern Liebe!

Du wirf dich in das Bett der Dornen, dort


Empfang ich dich auf einem Rosenlager
Und meine Liebe reicht sich unverschleiert!

Denn wenn du dich ergibst in Ganzhingabe,


Versenk ich dich in meinen Eden-Schoß –
Und in des Schoßes Grund empfängt dich Gott!

GEISTLICHE EHE

Gern denk ich an die Liebe unsrer Brautzeit,


Da warest du im mystischen, im Garten
Die Rosa Mystica der frommen Minne
Und senktest mich, dich minnend, ein in Gott.

Gern denk ich ans Verlöbnis an der Quelle


Und Hochzeit in der Kirche in der Weihnacht!
Und du erzähltest dein Marienleben
Und ich schrieb alle deine Worte auf.
Als mich Frau Welt so bittertief enttäuscht,
Bist du im Negligé der Himmelsseide
Lang wach geblieben bei mir in der Nacht,

Als ich zu Göttinnen der Heiden schaute,


Da warst du treu und hast dich offenbart:
Sophias unbefleckter Jungfraunspiegel.

HIMMELSTREPPE

Ich schaute eine steile Himmelsleiter,


Da an der Spitze Jesus Christus stand.
Die Himmelsleiter war der Dornenpfad
Von Kreuzesleiden und Martyrium.

Kaum auf die erste Sprosse dieser Leiter


Bin ich gestiegen unter Seelenqualen,
Als ich zu Tod gepeinigt und gemartert
Um Hilfe schrie zur mütterlichen Jungfrau!

Da sah ich eine schöne Himmelstreppe


Von Marmor steigen zur Idee der Schönheit
Und oben lächeln Sapientia –

Die zu mir kam als Unsre Liebe Frau


Und Königin des Friedens mit der Gnade
Der Schönheit und der Freude und der Liebe.

DIE LADE

Wir haben von Akazienholz den Schrein


Der göttlichen Vergegenwärtigung,
Die Lade, die im Offenbarungszelt
War Thron der Schechinah, wo Jah erschien.

Doch als ein böser Geist im König wohnte,


Vergaß das Volk die Offenbarungslade.-
Der mit der Harfe üble Launen heilte,
Der holte heim die offenbare Macht.

Berg Sion ist die Mutter aller Völker,


Dort leuchtet (eine Stadt auf einem Berge)
Das Haus der Heiligkeit, von Schechinah

Erfüllt, dort wohnt die Ruach auf der Lade


Im Dunkel, wo die Gottheit wollte wohnen,
Im Schoß der Tempelwohnung in der Nacht.
SEDES SAPIENTIAE

Ja, eine Löwenmutter ist die Mutter,


Zwölf Löwen wachen über sie zu Seiten,
Die dienen alle treu der Löwenmutter,
Die da den starken Löwen warf von Juda.

Die Hirtin mit des Mutterschafes Augen


Lehnt sich im Lager zärtlich an das Lamm,
Gebettet in des Lammes goldnes Vlies
Als Hirtin wacht sie über ihre Herde.

Die Tugenden sind Stufen zu dem Thron,


Gerechtigkeit und Klugheit, Maß und Stärke,
Und Hoffnung und Vertrauen und die Liebe.

Die Mutter ist der mütterliche Thron,


In welchem thront der Brautgemahl der Weisheit,
Sie Friedenskönigin, er Friedefürst!

SIE

Die Frömmler fragen mich mit ernster Miene,


Ob ich noch geh auf des Gesetzes Weg
Und die dämonische Versuchung weiß
Zu meiden mit der richtigen Erkenntnis?

Das sind die strengen Männer des Gesetzes,


Die nie von dir gesprochen, o Geliebte,
Die nur das Weib zur Lust der Geilheit kannten
Und nie verehrten dich, o Königin!

Du weißt, die schwarze Tochter Pharaos


In meinen Augen war wie eine Göttin,
Daß ich gegangen bin und diente Isis.

Du aber, o Geliebte, bliebest bei mir,


O Frau, du Quelle der Unsterblichkeit,
O schöne Liebe, Throngenossin Gottes!

CHOCHMAH

Ich habe vor der Gottheit auf der Höhe


Gebetet vor dem Heiligtum des Zeltes
Und mir ward Weisheit in des Herzens Weite
Mehr als des fernen Ostens Söhne hatten.

Ich fand auch eine Liebe meines Herzens


Und sang das Lied der Liebe für die Schönheit.
Sie war so schwarz, die schöne Pharaonin,
Die Augen Tauben und die Brüste Tauben.

Zwar, ich bekenne, ging ich einen Irrweg,


Verleitet von der Sehnsucht nach dem Weibe
Schien mir, wie eine Göttin der Natur

Die Gottheit sei, die zweimal mir erschienen.


Doch tief im Herzens wars mir eingeschrieben,
Daß ich im Sterben sprach den Namen: Chochmah...

FRAU WEISHEIT UND DER FELS

Frau Weisheit aber wandelt auf der See


(Wie eine Aphrodite auf der Muschel)
Und ist ein Geist und scheint wie ein Gespenst
So unbegreiflich in der Mitternacht.

Sie aber sagte: Hab doch keine Angst,


Denn ich bin Geist, Frau Weisheit auf der See,
Ich bin die Liebe, die das Chaos ordnet,
Ich schwebe wie die Taube überm Meer. –

Ich aber, auch genannt der treue Fels,


Fest wie das Felsenfundament der Kirche,
Verließ das Schiff der Kirche und die Brüder,

Frau Weisheit durch die tiefe Nacht entgegen


Ging frei ich auf dem Meer des Unbewußten
Und sank... Frau Weisheit aber half mir auf!

MADONNA UND GOTT-MUTTER

So bin ich also innerlich versunken


In den Beschauungen der Einsamkeit
Und bleibe Tag und Nacht allein mit dir,
Madonna, deine Schönheit zu betrachten.

So hat die Weisheit mein Gemüt geschaffen,


Daß ich nur liebe, wo ich aufschaun kann.
Nun leider scheinen mir die Frauen glanzlos,
Ich liebe, zur Madonna aufzuschauen.

Mein Gott allein, mein mütterlicher Gott,


Der in der Stellvertreterin Maria
Sein mütterliches Antlitz offenbart,

Ist mein Genüge, meine Sehnsucht ist


Die Liebe meines mütterlichen Gottes,
Und im Gebet trink ich an Gottes Brüsten.
ZWEITER TEIL

„Ach, welch eine schöne Erkenntnis bringet doch


die Jungfrau der Weisheit Gottes mit sich!
Sie machet einen Gelehrten, und ob er sonst stumm wäre,
wird doch die Seele in Gottes Wundertat gekrönet;
sie muß von seinen Wundern reden,
ist doch eitel Begierde in ihr.“
(Jakob Böhme)

DER SÄNGER

Allein im fernen Lande der Verbannung


Sitz ich an Flüssen, welche Kummer rauschen,
Und in den Trauerweiden rauscht die Trauer,
An denen ich die Harfe aufgehangen.

Und keiner sagt – und keiner lauscht dem Lied - :


Sing du ein Lied mir von der Tochter Sion!
Wie soll ich auch die Heimstatt aller Wonnen
In melancholischer Umnachtung singen?

Wohlan, ich sing, ich singe, weil ich muß,


Vielleicht hört irgendwer in Einsamkeit
Allein des Nachts am Ende dieser Welt
Mein Lied: Du, Rose, du hast mich durchbohrt!

Nun blutet mir das Herz, nun muß ich schluchzen


Den schluchzenden Gesang der Nachtigall:
Du, Rose, du hast mich durchbohrt, dein Dorn
Ermordet mich in tausend Liebestoden!

WEIN

Du, Frau, versetzt mich in den Garten Eden,


In das Gelobte Land mit Riesentrauben,
Dort legst du mich an deine vollen Brüste,
Wie pralle Trauben, Fraue, deine Brüste!

Dann senkst du mich in Einsamkeit der Nacht


Und legst mich einsam in der Schwermut Garten,
Da über mir erschimmern schwarze Augen,
Die weinen blutge Tränen, Lacrimosa!

Allein, ich weiß ein Sakrament der Minne,


Ein Sakrament der inneren Versöhnung,
Ein Sakrament der Musen-Priesterweihe,
Das ist der schwere Rotwein von La France!
Das ist der rote Wein von roten Lippen,
Das ist der Minnetrank der Minneküsse,
Das ist das Blut, das mir im Herzen rauscht,
Wenn trunken trink ich deines Mundes Lippen!

HEILIGE FAMILIE IM WALDE

Es war am Karmelberg in dunklen Wäldern,


Da Josef und Maria und das Kind
Im Schatten hoher immergrüner Bäume
Spazierten und dem Lied der Vögel lauschten.

Maria spielte mit dem Jesuskinde


Im Sand des Bodens, ganz dem Spiel ergeben,
In Liebe eingetaucht zur Leibesfrucht,
Das Jesuskind war selig in dem Spiel.

Still schaute Josef seinen Lieben zu


Und dachte unterm Gurren einer Taube:
Im Spiel hat Gott die ganze Welt erschaffen,
Frau Weisheit schuf die Schöpfung durch ihr Spiel!

Und Josef schwoll im Herz Barmherzigkeit


Und heiße Liebe für das Jesuskind
Und sanfte väterliche Zärtlichkeit
Und eheliche Liebe für Maria.

SEHNSUCHT

Ich sehne mich nach sanftem Mutterwort


Voll Liebe, Weisheit und Barmherzigkeit,
Ich sehne mich nach liebender Umarmung
Und der Liebkosung einer süßen Stimme.

Ich möchte, die Gedanken von der Stirne


Und stille Einsamkeit von meiner Seele
Soll sanft der Finger lieber Frau mir streichen
Und mir in ihren Armen Ruhe geben.

Ich sehne mich nach Geisteskommunion


Und mystischer Umarmung einer Seele
Und nach der Sanftheit reiner Pfirsichhaut
Und Makellosigkeit von jungen Brüsten.

Ich sehne mich, in Armen einer Frau


Nach einsamer Ideen Odyssee
Mit meinem Schiff zu landen in dem Hafen
Und mit dem Geist zu ruhn in ihrer Seele.
TROST

So muß ich also alle Stunden weinen,


Weil die Vergangenheit vergangen ist
Und weil die Frau, die mich geliebt dereinst,
Den Sohn von einem andern Mann empfangen.

Doch ich blieb einsam. Und die Weisheit spricht:


Wo keine Frau ist an des Mannes Seite
Mit Lieblichkeit der Worte und mit Schönheit,
Da irrt der Mann umher beständig seufzend...

Du aber, holde Trosteskönigin,


Du zeigst, wie viele Frauen ich schon liebte
Und lobte mit dem Lobgesang der Liebe
Und liebte doch in allen – dich allein!

Ich bat um deine Hand – du sagtest Ja!


Nun bist du meine mystische Gemahlin!
In meiner stolzen Schwermut Purpurmantel
Will fürder einsam wandeln ich mit dir.

NACHT

Die Schwermut überfällt mich in der Nacht:


Wie sehr vergeblich war die Frauenliebe!
Umsonst hab ich als Narr gekniet vor Frauen,
Bis sie sich wandten und mich stolz zertraten!

Vorüber der Zenit des Lebens, bin


Ich einsam angetreten, ohne Frau,
Zu fahren meiner Seele Nachtmeerfahrt,
Umschauert von der großen Mutter Nacht!

Wie eine goldne Wolke schwebt voran


In ihrem grünen Kleid des Paradieses
Und mit der Zauberaugen dunklen Glut
Die Heilige, die Führerin der Seele.

Geliebte, immerjugendliche Jungfrau,


Du reine, makellose Mädchengöttin,
Madonna, Muse, Seelenideal,
Führ heim mich in die ewge Gottheit Mutter!

DUNKELHEIT

O du mein Gott in deiner Schrecklichkeit!


Die Frommen brechen aus in lauten Jubel
Und stehn doch fest auf Felsenfundamenten,
Mich stürzest du in tiefe Finsternis,

Beriefest mich zur Mitternacht der Leiden,


Da ich gesättigt werde an der Nacht,
Das irdische, das Paradies verloren,
Bin ich geworfen in der Trübsal Garten

Und wirble tief und tiefer in Spiralen


In abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit,
Da einsam auf der Nachtmeerfahrt der Seele
Ist alle meine Zuversicht der Tod!

Was Wunder, o gottselige Maria,


Daß du die Mutter Nacht bist und die Schwarze
Madonna und die Mater Dolorosa,
Denn du bist bei mir in der Todesstunde!

SCHWARZE MADONNA

Ich war so glücklich, Königin der Wonnen,


Mein Herz erblühte bei dem süßen Kinde!
Schenk meinem Patensohn das Paradies
Und laß ihn spielen mit dem Jesuskinde!

Ich bin so traurig, Schwermutskönigin,


Du meine Süßigkeit, du meine Mutter,
Ich seh dein Bild in mir, du Frau des Mitleids,
Du schwarze Königin von Jasna Gora!

Ich aber will mit deinem Kult, o Schwarze


Madonna, keinen Aberglauben treiben,
Du bist mir nicht die Isis von Ägypten,
Du fromme Magd des Herrn von Bethlehem!

Sei mir die Königin der Patriarchen,


Maria, bleibe mir des Moses Dornbusch,
In der sich offenbart Ich-Bin, die Gottheit,
Die Einzige, die war und ist und sein wird!

STERN DER LETZTEN TAGE

Ich habe deine Bilder angeschaut,


O Frau, wie dich die ganze Welt verehrt!
Gebadet in dem Meer der Weiblichkeit,
Auftaucht ich mit dem kindlichen Vertrauen

Zu dir, du aller Titel Königin,


Der Wonnen Königin, der Schmerzen Mutter,
In Trauer Trost, in Jubel Süßigkeit,
Du meine Hoffnung und mein Paradies!
Wallfahre ich auch nicht an deinen Ort,
Wallfahrst du doch in meine Einsamkeit!
Steig ich auch kaum hinan die Himmelsleiter,
Vom Himmel hoch, Maria, kommst du nieder!

Mit bloßen Füßen stehst du auf dem Mond,


Du Lichtgestalt in meiner dunklen Nacht!
Du lehrst mich Jünger deiner Weisheitsschule
Die neue Zivilisation der Liebe!

DIE UNBEFLECKTE

Komm, Jungfrau, meine Wohnung sei dir ein


Wohntempel deiner stillsten Gegenwart,
Im goldenen Gewölk der Herrlichkeit
Gewähre mir die Huld, bei mir zu wohnen

Als Mutter und als Schwester und als Freundin,


Als meine Meisterin in mancher Weisheit,
Als meine Muse manchen Magnifikates,
Mit einem Wort: als meine Ehefrau!

Ich bins nicht wert, nicht würdig, Unbefleckte,


Dein Bräutigam zu sein, ich bin ein Sünder,
In mir ist Götzendienst, du schaust die Gottheit,
In mir ist Torheit, du schaust Gottes Weisheit!

Kaum wag ich noch, du Inspirierende,


Zu greifen nach der Harfe, dich zu singen,
Doch den befleckten Lobpreis, Unbefleckte,
Verwandle du in lautern Lobpreis Gottes!

SONNTAG

Am Feiertag – die Welt blieb vor der Tür –


Die Herrlichkeit der Königin im Innern
Umschloß mein Inneres wie holder Traum.
Die Welt entfloh, Geschäftigkeit und Streit,

Als wär ich tot und in der Seligkeit


Und mein Genüge, Gottheit anzuschauen
Und zeitlos zu betrachten ihre Schönheit
Und zu verschweben in dem Himmelsfrieden...

Liebfraue, also kündest du die Botschaft


In den Erklärungen der Liebe Gottes,
Daß, wer vereint lebt mit der ewgen Liebe,
Der lebt auf Erden schon im Himmelreich,
Und wer vereinigt lebt mit dir, Liebfraue,
Der spürt den Übergang vom Diesseits nicht
Und geht mit vollem seligem Bewußtsein
Hinüber in dein Paradies, Maria!

PSALM

So wie der Hirsch am Morgen in der Aue


Nach lauterm Wasser aus der Quelle schreit
Und röhrt inbrünstig nach der braunen Hindin,
Die keusch entflieht in Gründe dunkler Wälder –

So dürstet meine Seele nach der Göttin,


Nach ihrer reichen Brüste Lebensquellen
Und nach dem Leuchten ihres Angesichts
In Huld und Gnade lächelnd auf mich nieder!

Doch läßt du mich nicht ungestillt, o Mutter,


Du wendest mir die Augen zu, o Herrin,
Du wandelst an dem Himmel meiner Seele,
Anbetungswürdig makellose Göttin!

Mit welchem Namen nenn ich dich, o Mutter,


O mütterliche Gottheit, namenlose?
Du, die sich selber offenbart: Ich bin –
Ich nenne dich Sophia, meine Göttin!

GÖTTIN SOPHIA

Du makellose Göttin allen Lichts,


Der ewgen Gottheit unbefleckter Spiegel,
Der Offenbarung Weisheit, o Sophia,
Ich preise dich die Königin der Liebe,

Ich preise dich die Quelle aller Schönheit,


Idee der immerjugendlichen Jungfrau,
Madonna, die dein makelloser Spiegel,
Ich rühm dich, meine mystische Gemahlin!

Allschöpferische Mutter, deinen Brüsten


Entquellen Liebe, Licht und Tau des Lebens!
Des Brotes Mutter, nähre meinen Leib,
Des Weines Mutter, tröste meine Seele!

Ich dürste nach des Lebens Quelle, Mutter,


Die quillt lebendig in das ewge Leben!
Ich will die mystische Vereinigung
Und göttlich werden durch der Gottheit Gnade!
GESICHT

Am Himmel in der Nacht, da scheint der Mond,


Nein, nicht der Mond, das ist Jerusalem,
Allheilige Jerusalem des Himmels,
Und Unsre Liebe Frau steht in dem Licht!

Ich kenne sie am langen schwarzen Haar,


Das schimmert wie der Mondschein in der Nacht.
Auch Magdalena kommt mit goldnen Locken
Und auf den Wolken schwebt Therese sanft.

Der Zimmermann ist da, der Vater Josef,


Und Petrus auch, der mächtige Patron,
Auch Salomon ist da in Herrlichkeit,
Und schließlich eine Stimme flüstert: Ich bin’s!

Ich sage dir, verdienstlich ist dein Leiden,


Je tiefer Leiden, desto höher Himmel!
Du wirst mir Seelen schenken! - Das war Jesus,
Das war der Trost der Königin des Trostes.

DANKPSALM AN GOTT

Ich möchte heulen, Gott, vor Dankbarkeit,


Für alle deine wilden Liebesstürme,
Für alle Trauer in der Nacht, o Mutter,
Für alle Liebe in den Kinderaugen!

Du bist Frau Weisheit, meine Gottheit Mutter,


Du bist der Christus Jesus, Herr und Gott,
Du bist die Einheit, bist der Mutterschoß,
Du bist das Ganze, Gott, du bist die Liebe!

Ich weiß, mein Abba, daß dein Herze bricht


Vor brennender Barmherzigkeit, mein Abba,
Ich weiß, dein Herze ist ein Mutterherze,
Du mütterlicher Abba voller Liebe!

Du weinst mit mir, wenn ich im Wehe weine,


Dein Mitleid, deine Liebe ist mein Trost,
Du lächelst, wenn ich mich an Liebe freue,
Du Quelle ewger Liebe, o mein Gott!

HALLELUJAH

O Gott, mein Gott, du Gott bist meine Liebe,


Du Gott bist meine Liebe und mein Glück,
Bist meine Mutter in der Einsamkeit
Und bist auf Erden schon mein Paradies!
Viel Tränen weher Trauer weint ich dir
Und heiß die Tränen rannen aus den Augen,
O Gott! Heut Nacht ich wein dir Freudentränen,
Dir, Liebe, wehmutsüße Freudentränen!

Ich weine, Gott, dir heißer Dankbarkeit


Für alle deine Liebe, meine Liebe,
Für alle Schmerzen, die mich zubereitet,
Die Wonnen deiner Liebe zu empfangen!

Gelobt sei jede Träne meiner Trauer


Und alle meine wehen Marterschmerzen,
Weil so mir ward der Auferstehungsjubel
Und paradiesisch süße Freudentränen!

DRITTER TEIL

„Tota iam vere, Dea, tota pulchra es...“


(Jakob Balde)

GROSSMUTTER

Du Heilig-Heimgegangene,
Die mir den Glauben du geschenkt
Durch deine Liebe bis zum Schluß
Und dein Fürsprechen, lieber Geist,

Du Trösterin mit Muttertrost


In Zeiten schwerer Liebesnot,
Der großen Gottesmutter Bild
War mir dein großes Mutterherz!

Wenn einst wir Auferstandenen


Im Himmelreich wie Engel sind,
Vor deinem Thron, Großmutter, will
Ich singen dir ein Heimatlied,

Wenn wir im Rosenparadies


Der Gottesmutter Aug in Aug
Beisammen sind, zwei Selige,
Die wahre Mutter und der Sohn!

AN DEN SOHN

Auch ich, mein Sohn, war einst im Schoß


Der Frau, die mich im Schoße trug.
Die Mutter meiner Mutter nahm
Als ihren Sohn mich auf den Schoß.

Als meiner Mutter Mutter alt


Im Frieden Gottes sanft entschlief,
Ist mir begegnet Gott, mein Gott,
Der auch einst starb und auferstand!

Ich weiß, mein Sohn, ein Engel ist


Großmutter immer nun um mich...
Und wenn ich selber einmal sterb,
Mein Sohn, will ich dein Engel sein...

Bis dahin sing ich dir von Gott


Und zeig dir Gottes Angesicht,
Der einst geworden ist ein Mensch
Und weiß, wie’s ist ein Kind zu sein.

DER SÄUGLING

Wenn reichen Schwalles Regen strömt,


Wo ich zu meinem Säugling will,
Ich ruf die Gottesmutter an,
Sogleich hört es zu regnen auf.

Herz Jesu, dir bin ich geweiht,


Herz Jesu, bin dein kleiner Mönch.
Der Säugling ist dein Sakrament,
Der du ja auch ein Säugling warst.

Am Reichtum einer Mutterbrust


Du läßt den Säugling trinken Trost.
Wie eine Mutter bist du, Gott,
Bist Schutz und Schirm und Hort und Heil.

Nimm dich des Säuglings an, Marie


Voll Gnade, denn sein Herz ist krank,
Entrücke du sein Herz im Traum
Und laß ihn ruhn in deinem Schoß!

EINE FREUNDIN

Du voller Liebessehnsucht, Frau,


Die du die Bibel gut erforscht,
Studiertest Platon und Homer
Und Augustin und Eckehard,

Geistlosem Manne läufst du nach,


In seine Schönheit nur verliebt,
Der weder Liebe noch Idee,
Nur Gold und Sport im Kopfe hat?
Herr Zebaoth ist doch dein Mann,
Der Hohe, Schöne, Mächtige,
Der Schöpfer der Natur, der Geist
Der Weisheit und des wahren Glücks!

Du wende dich zum himmlischen


Gemahl und Seelenbräutigam,
In Liebe wirst auf Erden du
Schon leben wie im Paradies!

DER PAPST

Ich, in des Lebens Mitte, seh


Allein vor mir den dunklen Herbst
Und die Erkenntnis abendlich
Von Nichtigkeit um Nichtigkeit.

Oft bin ich dieses Lebens müd


Und scheinen will mir in der Nacht,
Als ob die Welt voll Teufel wär
Und letzter Sieger wär der Tod.

Da aber sehe ich den Papst:


Kurz vorm persönlichen Gericht
Steht er mit einem Fuße schon
Spätabends in dem Reich der Nacht

Und redet doch wie Morgenrot


Ein Zungenreden hoffnungsvoll,
Von Frieden singt er, Liebeslicht,
Und ist als Greis ein reines Kind.

ANGST

Wenn innerer Dämonen Schar


Wie Ungeziefer uns bedroht
Und wir der Heiden Höllenangst
In unsern Seelen fühlen – komm,

Allmächtige Fürsprecherin,
Und tritt das Übel nieder, Frau,
Mit deinem Mantel uns umhüll
Und deiner Wehr, du Davids Turm!

Wir wissen, wenn wir Todesangst


Im irdischen Gethsemane
Erleiden, bang ausschwitzen Blut
Und sind geworfen in den Staub,
Dann deiner Mitleidstränen Blut,
Das Pathos deiner Sympathie,
Wenn wir sind bang bis an den Tod,
Wird Hoffnung uns verleihn und Kraft!

LEBENSWEG

Die Kinder sind wie Morgenrot


Und staunen jeden neuen Tag
Wie immer neue Wunder an,
Das Leben scheint ein reines Glück!

Ich aber sinke vom Zenit


Des Lebens traurig in die Nacht,
Durch dieses Lebens Dunkelheit
Der Mutter Grab in ihren Schoß.

Soll Nacht sein, Gottheit, sei es Nacht,


Sei Nacht der Seele, der Vernunft,
Entgegen gehe ich dem Licht
In deinem lichten Paradies!

Und sink ich Heimgegangener


Dem Paradiese in den Schoß,
Hebt mich die reine Jungfrau auf
Zu Gott wie einen weißen Stein!

SCHWARZE MADONNA DES EINSIEDLERS

Von Einsamkeit zu Einsamkeit


Ich irre durch das Labyrinth
Der Wege durch den Lebenswald
Zur Lebensmitte ganz allein,

Da schwarze Vögel aus der Nacht


Mir singen mystischen Gesang
Und die Betrachtung echolos
Und reimlos über Gottes Wort

Verliert sich in Versunkenheit,


Da leise aus der Tiefe taucht
Der Meere der Vollkommenheit
Die Perle: Unsre Liebe Frau,

Ganz dunkel wie die Mutter Nacht,


Schwarzaugig aus dem Paradies,
Die schwarz- und schöne Schwester Braut,
Den Morgenstern in ihrem Schoß!
PFIRSICHGARTENMADONNA

Maria, Jungfrau Mutter, rein,


Du bist des Lebens Pfirsichbaum,
Gepflanzt in Gottes Paradies
Als Zeichen der Unsterblichkeit.

Johannes, Sohn Elisabeths,


Im Schoße schon vom Geist erfüllt,
Ist eine Pfirsichblüte weiß
Und rosa mit des Geistes Duft.

Dein Jesus, mütterliche Maid,


Ist Gottes Pfirsich, ist die Frucht
Des Lebens in Unsterblichkeit,
Der rot den süßen Saft verspritzt.-

Maria, in dem Himmelreich


Zur Wonne aller Seligen
Bist du die Lebenskönigin
Im Pfirsichgartenparadies!

ALLSCHÖNE

Maria, du der Frauen Frau,


In der vollkommnen Weiblichkeit,
Bist staunenswerte Gloria
Und Schönheit uns zur Huldigung!

Du Meerflut der Vollkommenheit


Der göttlichen Vollkommenheit,
Du alle Gnaden Ozean
Und makelloser Meeresstern!

Maria Perfectissima,
Ergötzen du der Welten all,
Allheilige Jerusalem,
Allschöne, ganz vollkommne Frau!

Die du die tota pulchra bist,


Panhagia, wir preisen dich
Der Schöpfung Krone, Paradies,
Der Schönheit Krone, ewge Frau!

CHARIS

O Freude aller Freuden, o


Du Leben, Wonne, Süßigkeit,
Die wahre Charis bist uns du,
In deiner Schönheit Grazie,
Du wahre Charis, voller Charme,
Du Himmelskönigin, charmant
Schaut stets dein liebevoller Blick,
Schaut stets dein lächelsüßer Mund!

Die du die Nymphe bist des Lamms,


Mit Glorien geschmückte Braut,
Vom Himmel komm hernieder, Frau,
Erscheine uns, o Morgenstern!

Führ alle uns zum Hochzeitsfest:


Die Jungfrau, welche Jesus freit,
Der Ewgen Weisheit Bräutigam,
Sind selig alle, dich zu schaun!

PFINGSTMADONNA

In dieser dunklen letzten Zeit,


Die da beherrscht der Fürst der Welt,
In die Kultur des Todes komm
Vom Himmel, Friedenskönigin,

Du goldnes Haus der Weisheit, komm,


Komm voll des Geistes und der Kraft,
Mit Feuer deiner Liebe komm
Und setz in Brand die ganze Welt!

Du bringst das Feuer, Königin,


Ich wollt, die Erde brennte schon!
Der Phönix aus dem Aschenest
Wird auferstehn in Gloria!

Der Liebe Pfingsten Feuer send,


Im Feuer läutere die Welt,
Messias‘ Liebesreich erschein,
O Pfingstmadonna flammenschön!

DIE BRAUT

Gazellenkitze hüpfen hübsch


Wie deine Brüste, Schwester Braut,
In deiner Brüste tiefem Tal
Ich blühe wie ein Myrrhebusch!

O Freundin, deine Schenkel schön


Sind ein juwelenes Geschmeid
Und dein gebenedeiter Schoß
Ist gleich dem Kelch voll edlen Weins!
Vom Berg des schwarzen Panthers komm,
Vom Hügel komm, vom Zedernwald,
Du Liebe voller Wonnen, komm,
Mit deinen Küssen mich berausch!

Komm zu mir mit der Hochzeit Kranz


Und führ mich in das Brautgemach,
In den verschlossnen Garten ein,
Lustgarten mein, du Paradies!

DIE WEISHEIT ICH BEGEHRE

Die Weisheit von der Gottheit Thron


In meine Seele ich begehr
Mit großer Liebe, denn ich will
Ein guter Pädagoge sein

Und Kindern Gottes Angesicht


In ihre Seelen prägen ein,
Den Namen von dem Jesuskind
In ihre Seelen prägen ein,

Brautwerber Gottes will ich sein


Und will als Freund des Bräutigams
Dem Meister freien Braut um Braut,
Daß sie ihm weise Jungfraun sind,

Und will den Traurigen zum Trost


Ergießen süßer Weisheit Wort
Und Seelen, die da leiden Streit,
Den Gottesfrieden sprechen ein.

DREIFALTIGKEIT

Ergeben will ich meinem Gott


Mich in beständigem Gebet
Und betend Wonne trinken, Trost,
An Gottes reicher Mutterbrust.

Ich schenk mich auch dem Menschensohn


Und liebe seine Kinder sehr,
Liebkose so den Säugling süß
Und herz den Knaben väterlich.

Inspiration ist mir der Geist,


Ich weihe mich dem heilgen Geist
Und singe in Begeisterung
Als gutes Werk mein Liebeslied.

Hingabe Gott der Mutter mein,


Dem göttlichen, dem Kinde auch,
Inspiration sei auch geehrt:
Ich liebe die Dreifaltigkeit!

DREIFALTIGKEIT

Gott Mutter ist die Liebe dein,


Ist deiner Seele Schöpferin,
Vereine Gott dich im Gebet
Und still wird deine Seele, Mann.

Die Weisheit spricht durch Sankt Marie,


Die ewger Gottheit Tochter ist,
Der Gottesmutter gib dich hin,
Weil sehr dich liebt die Liebe Frau!

Die Frauen tragen schönen Geist


Als musisch Inspirierende,
Die Gleichnis sind und Ebenbild
Und offen für der Ruach Hauch.

So sagte dir, o Mann, dein Traum,


Der prophezeite Liebe dir,
Die weibliche Dreifaltigkeit
Ist deiner Liebe Einig Ein.

MARIANISCHES MATRIARCHAT

GRUSSHYMNE

Ave stilla maris,


Ave stella maris,
Stella matutina,
Domina, regina,

Ave sanct ancilla,


Ave maris stilla,
Ave consolatrix,
Ave o salvatrix,

Ave mater mea,


Ave mater dea,
Ave sponsa diva,
O Maria, viva!
HYMNEN AN UNSERE LIEBE FRAU VON INDIEN

Prolog

So schaue doch, so schau,


Wie dir durch eine Frau
Erlösung wird auf Erden.
Gleich einem trocknen Scheit
Zum Brennen sei bereit,
Heiß muß das Herz dir werden!
IHN, welcher alle Welt
Durchdringt und sie erhält,
Kann niemand sehn und zeigen.
Doch wer die Liebe kennt,
Die in dem Herzen brennt,
Ist IHM allein zu eigen!

Wie könnte ich dich rufen,


Wo finde ich die Stufen,
Auf denen steige, Mutter, ich zu dir!
Mit glühenden Gebeten
Zu deinem Thron zu treten,
O Mutter, die Glückseligkeit wärs mir!
Kaum kenne ich die Zeichen,
Dich, Herrin, zu erreichen,
Kenn kaum den Weg zur wahren Seligkeit.
Doch weiß ich dieses Eine,
Daß, Mutter, einzig deine,
Nur deine Liebe mich vom Leid befreit!

In Blindheit ich geboren,


Zur Armut ich erkoren,
Bin schwach ich, gutes Liebeswerk zu tun.
In Torheit ich befangen,
War fort ich, fort gegangen,
Statt ewig dir zu deinem Fuß zu ruhn.
Vergib du deinem Kinde,
O Mutter, diese Sünde,
Du Welterlöserin, du Morgenlicht!
Wohl schlechte Söhne werden
Geboren auf der Erden,
Doch deine Mutterliebe mangelt nicht!

Viel gute fromme Söhne,


O Königin, du Schöne,
Versammelt sind um deinen Mutterthron.
Von allen, die da leben
Und liebend dich umgeben,
Bin ich dein schwächster und dein ärmster Sohn.
Doch niemals könnt ich fassen,
Du hättest mich verlassen,
Nie glauben, daß mich Unsre Frau nicht liebt!
Wohl schlechte Söhne werden
Geboren auf der Erden,
Doch stets es die vollkommne Mutter gibt!

O Mutter aller Welten,


Ich muß mich reuig schelten,
Daß ich nicht immer treu dich tief verehrt,
Daß ich nicht oftmals habe
Durch eine fromme Gabe
Dir deines Reiches Tempelschatz vermehrt.
Doch mir nicht zu vergleichen,
O Frau, sind deine Zeichen
Der Liebe, die du stets mir zugewandt!
Wohl schlechte Söhne werden
Geboren auf der Erden,
Doch stets man eine liebe Mutter fand!

Zu all den vielen Göttern,


Verehrt von eitlen Spöttern,
Zu vielen Göttinnen ich bete nimmer.
Nur deine Huld mir schenke,
An meine Jahre denke,
Ich trage schwer an meinem Leben immer.
Zu gar nichts bin ich nütze,
Auch fehlt mir jede Stütze,
Doch du, o Mutter, du bist gnädig mir!
Wohin nun soll ich ziehen?
Zu wem denn sollt ich fliehen?
Mein Heil und Glück, o Frau, ist nur bei dir!

Verworfne treten
Zu dir und beten
Und werden lieblich, der Melone gleich,
Und Bettler flehen
Zu dir und gehen
Beschenkt von dir vondannen gabenreich.
Das wird zum Minnelohne,
O Mutter, deinem Sohne,
Dem deine Botschaft geht ins Herz hinein.
Wer kennt den Minnelohn,
Den der geliebte Sohn
Empfängt fürs Murmeln der Gebete dein?

Nicht leidlos will ich werden,


Nicht glücklich auf der Erden,
Auch Weisheit nicht noch Liebe fleh ich mir.
Nur Eines wolle geben,
O Mutter, daß mein Leben
Sei ohne Unterlaß gewidmet dir!
O Dame aller Damen,
Laß alle deine Namen
Mich rufen, Morgenstern,
O Göttin, Mutter, Jungfrau, Braut des Herrn!

Dich, Dunkle, dich gemäß dem Kult zu ehren,


Rechtgläubiger zu sein versteh ich schlecht.
Wolltst du mir darum deine Huld verwehren,
So wär gerecht das nur, o Mutter, recht.

In Leid versunken, doch gedenk ich dein,


O Mutter, Meer, von Mitleid du durchtränkt!
Ich lüge nicht, mein Herz ist fromm und rein,
Nur ein Verdurstender der Frau gedenkt!

Ein Wunder, Mutter, niemand ist dir gleich,


Weil voll Barmherzigkeit du für mich bist.
Den Sohn, ist er an Fehlern noch so reich,
Die ewige Mutter nimmerdar vergißt!

Kein Sünder ist an Sünden reich wie ich,


O Sündentilgerin aus Liebe du!
Nun kennst du deinen Sünder, kennst du mich,
Und was dir gut erscheint, o Göttin, tu!

II

Wohin, o Mutter, auch dein Wille


Fortan des Lebens Weg mir lenkt,
Wird alles werden mir zur Fülle,
Weil mein Gemüt stets dein gedenkt.

Des Lebens Schmerzen, alle Mühe,


Das Leid nehm ich mit Freuden an,
Wenn ich im Innern, wo ich glühe,
Dich, schwarze Göttin, schauen kann.

Ob ich in Sack und Asche gehe,


Ob schön mich schmücken gar Juwele,
Ob ich bei wilden Wurzeln stehe,
Ob reich gekrönt ist meine Seele,

O Mutter, Schönheit oder Schmerzen,


Gleich, welches Schicksal du bestimmst,
Wenn du nur tief in meinem Herzen
Den Tempel dir zur Wohnung nimmst!
III

Wie kann ich dich in einem Bild verehren?


Der ganze Kosmos ist dein Schmuck allein!
Sind Tempel wo, die deiner würdig wären?
Des Himmels Himmel ist der Tempel dein!
Und seh ich Sonne, Mond und Kranz der Sterne,
So seh ich schweben dich in hoher Ferne,
Ich seh dich in des Gartens Rosendüften,
Im Liebesspiel von süßen Frühlingslüften,
Dich in den Ranken vom erblühten Wein
Und in den Turteltauben in dem Hain.

Der Frauenminne Honigtau, der süße,


Der Kinder Lächelblick, der Mutter Küsse,
Der Frommen Beten und der Weisen Denken,
Das Sich-im-Rosenkranz-in-dich-versenken –
Ist deine Schönheit, deiner Liebe Macht!
Es ist in jeder Erdenkreatur
Von deiner Liebe, Mutter, eine Spur.
Im Winter oder wenn der Lenz erwacht,
Am lichten Tag und in der dunklen Nacht
Entfaltet schön sich deiner Weisheit Pracht!

Wir aber, Mutter, wollen dich verehren


Und schaun im Bild die Schönheit an der Hehren.
Doch nie wird einer deine Schönheit fassen,
Die Wunder all, die sich nicht sagen lassen!
Du lebst im Geistesgrund, in Herzenstiefe,
Wir schauen aus, dich irgend zu gewahren,
Im Innersten willst du dich offenbaren!
Ich seh, Frau Weisheit, an der Tür dich stehen,
Kein Blicken ist vergleichbar deinem Spähen,
Ich lausch, mir ist als ob die Mutter riefe.............

HYMNEN AN DIE ORIENTALISCH-OKZIDENTALISCHE MADONNA

O Erste, du, die Gottes Kraft besitzt,


Du Herrin, die den Herrinnen vorangeht!

II

O Himmelskönigin, voll Gottes Kraft,


Die da vorangeht Heiligen und Engeln!
Dein Auge ist gewaltig und erhaben,
Es schaut im Himmel und es schaut auf Erden,
Schaut auf dein Volk und schaut auf alle Völker!
Madonna, Löwin du im Himmelreiche,
O Herrin, deine Kräfte übersteigen
An Stärke alle Kräfte, starke Frau!
Die Ordnung der Kultur, die du gestiftet,
Ist offenbart und unveränderlich.
Gewichtig ist die Regel deines Ordens.
Dein Plan, umfassend ist er wie das Meer,
Umfaßt dein Tun doch alles wahrhaft Edle.
Kein Heiliger kann sich mit dir vergleichen!

III

Madonna, große Mutter, Herrscherin


Des Südens, die im Weltgericht erscheint!
Du bist der Schoß, der uns gebar die Sonne,
Die uns den Segen gab zu Menschengöttern,
Die Mutter du, der Schoß der Morgenröte,
Gebarst die Sonne der Gerechtigkeit!
Du bringst uns auch das Reich am Weltenende,
Da du uns spendest ewigliche Ruhe!
Dann wird nur da noch sein das Eine Wesen,
Die Gottheit, die da war und ist und sein wird!

IV

Madonna hält den Griffel raschen Schreibers,


Madonna schreibt auf Tafeln ein die Sterne,
Madonna dachte über Gottes Wort nach,
Madonna weiß von Eins und Drei und Sieben,
Madonna ist die Ärztin ihrer Völker,
Madonna schützt das Leben ihrer Kinder.

Die Melodieen und die Poesieen,


Die über tausend Jahre aufbewahrt,
Sind Schöpfungen der inspirierenden
Madonna, aller wahren Künstler Muse.

VI

O Herrin dessen, was da wirklich not tut,


O Herrscherin, die schön die Krone trägt,
O Mutter, die am Leben Rom erhält,
Die weiß, was sich in ihrer Stadt gehört,
O Königin, du große Mutter, Frau,
Die Fatima und Lourdes gegründet hat!
Die bist du, o Madonna, voll der Gnade
Und voller Macht, zu richten über Sünde,
O Frau, zu bringen des Gerichtes Stunde,
Zu triumphieren in dem Himmelreich!

VII

Heroische Madonna, Siegerin


In Gottes Schlachten gegen alles Böse!
Du Schöpferin des neuen Bundesvolkes,
Du Frau, der alle Kreaturen dienen,
Du Liebe Frau, die liebt den Guten Hirten,
Die du die Hirtin aller Völker bist!
Die Völker sind zufrieden, Frau, mit dir
Und beugen sich vor deiner Herrlichkeit
Und suchen allezeit dein Angesicht.

VIII

Ich preise die Madonna, die der Herr,


Gott, Jahwe vor den andern allen ehrt!
Er schenkte ihr die Edelste der Gaben:
Ein unbeflecktes Leben auf der Erde
Und Gnaden uferlos wie Ozeane,
Im Himmel einen Ruhmeskranz aus Sternen!
Am meisten wird geehrt Madonna von
Den Heiligen und Engeln in dem Himmel.
Nie machte Jesus Christus sie zur Sklavin,
Nie nahm er ihr die unbefleckte Reinheit.
Noch mehr: Gott selber achtet sie als Mutter,
Die Muttergottes machte Er zur Göttin!
Wem sie will nahn, dem naht sie voller Liebe
Und naht mit Hilfe ihm zu seinem Heil.
Wen sie begünstigt mit der Weisheit Gabe,
Der ragt hervor im Rat der frommen Leute.
Sieh, auch am Jüngsten Tag im Weltgerichte
Sitzt sie zur Rechten Christi, unsers Richters!

IX

Madonna sprach zu dem geliebten Papst:


Johannes Paulus, deines Geistes Kräfte
Hab ich dir, deine Weisheit dir geschenkt
Und hab dich angeschaut mit süßer Minne
Und dich berufen auf den Stuhl des Petrus
Und dir gegeben deinen neuen Namen.
Bis an die Enden dieser Erde habe
Ich dich geführt, dich unerreichbar hohen
Verehrer meines unbefleckten Herzens.
Mein Bräutigam, dir war das Wort gegeben,
Zu sterben nicht durch feindliches Geschoß,
Vielmehr im hohen Alter satt an Leben
Im Frieden heimzugehen zu dem Herrn.
Mein Bräutigam, der sollst du immer bleiben,
Der treue Gatte deines braunen Mädchens!

Der Dichter dankt der Herrin, der Madonna:


Madonna, an dem Meer ward ich geboren,
Am grauen Meer am Ende dieser Welt.
Da aber kannt ich deine Macht noch nicht
Und habe nie gemurmelt dir ein Ave.
Die Deutschen wußten nichts von der Madonna
Und haben nie gemurmelt dir ein Ave.
Doch du, Madonna, Königin der Seelen,
Du auserwähltest mich mit Einem Blick –
Du wünschtest, daß ich weide deine Kinder,
Du brachtest mich vom Deiche an dem Meer
In deine Stadt, die Stadt der großen Mutter,
Und gabest mir der Weisheit Lilienzepter.

UNSERE LIEBE FRAU VOM MITTELMEER

Aphroditissa ist nicht die sündige Venus der Huren,


Daß sie gnädig dir sei, nenne Urania sie!
Eine Mutter weihte dies Bild, die Frau ihres Mannes,
Dem sie in Liebe gelebt, welchem sie Söhne gebar.
Immer mehrt sich ihr Heil – von dir, Maria, begann es!
Dreimal selig der Mensch, welcher den Ewigen ehrt!

II

Als die Jungfrau die Ikone von Guadelupe sah,


Sprach sie lächelnd zu sich: Raffael malte mich schön,
Michelangelo bildete mich vollendet in Marmor,
Aber dies Bild schuf Gott, wahrlich, so sehe ich aus.

III

Aphroditissa Maria, die Goldene, Schöne besing ich,


Sie, die steht auf den Höhen des himmlischen Gottesbergs Zion,
Wo sie alles beherrscht, wohin die Hauchung des Geistes
Trug sie vom Nachtigallenberge zu Ephesos oder
Von dem Tale Josaphat an dem judäischen Ölberg.
Alle die betenden Horen mit den goldenen Gürteln
Nahmen sie freudig auf bei ihrer Himmelfahrt, feiernd
Hüllten sie sie in die ätherischen leuchtenden Kleider,
Taten ihr aufs unsterbliche Haupt die Krone der Sterne,
Legten ihr um den Arm den Rosenkranz schneeweißer Perlen,
Ihren Schwanenhals und gottwohlgefälligen Busen
Schmückten sie mit Muschelkettchen und Beutel von Myrrhe,
Wie sie selbst geschmückt einherziehn zum Hause des Vaters.
Als sie so geschmückt den pneumatischen Körper der Jungfrau,
Führten sie zu den Himmlischen sie. Die sahen sie, sangen
Grußhymnen, beteten Psalmen. Jeder Selige wünschte,
Sie als Braut zu empfangen in der ewigen Wohnung,
Staunend über die Schönheit der rosenbekränzten Madonna.
Heil dir, schönblickende Jungfrau! Laß mich im Wettstreit der Dichter
Meinen Lorbeer erringen, segne meine Gesänge!
Stets werd ich deiner gedenken und neue Hymnen ersinnen.

IV

Lächelnliebende Aphroditissa, Herrin des Himmels


Und der Erde, von unzähligen Hymnen verherrlicht,
Geistgehauchte, Heilgebärende, Freundin der Minner,
Liebe stiftend mit Weisheit, Mutter der ewigen Liebe!
Alles Heil ist aus dir, und dir gehorchen die Seelen.
Über die Schicksale herrschst du und bist die Königin aller
Himmlischen, aller die da leben auf fruchtbarer Erde,
Und die Herrin der Wesen der Tiefe. Du thronst neben Christus!
Freundin des mystischen Mahles und Freundin der mystischen Hochzeit,
Mutter der schönen Liebe, gnadenvolle Geliebte,
Du liebst Gebete und des Brautgemaches Geheimnis!
O Geheime-Offenbare mit Schleier und Schwarzhaar,
Tochter des ewigen Vaters, Herrscherin über die Engel,
Ewige Jungfrau lieblichen Wortes und heiligen Zornes,
Spenderin ewiger Liebe, ersehnteste Freundin der Männer,
Die du die Sterblichen bindest an Gott mit goldenem Bande
Und mit Glut der Liebe erfüllst das All der Geschöpfe!
Komm, o Tochter des Himmels, wo du auch immer nun sein magst,
Ob auf dem himmlischen Zion mit deinem heiligen Antlitz
Oder ob du umschwebst den vatikanischen Tempel
Oder ob du wandelst in Medjugorjes Gefilden,
Wo dich alle die Jahre die Jungfraun und seligen Knaben
Schauen und hören und preisen deine Schönheit mit Liedern
Und Gebeten, dich, o selige Jungfrau, und Jesus!
Komm, du einzige Diva mit schönem heiligem Antlitz!
Reinen Herzens ruf ich dich an und mit heiligen Worten.

Ach, bejammert den lieben Messias! Tot ist Messias!


Tot ist Messias! Es jammern um ihn die Himmlischen alle!
Keine Purpurgewänder umwallen dich länger, Maria.
Richte dich auf und schlage die Brüste, trauernde Herrin!
Sag es allen, du Mutter der Schmerzen: Tot ist Messias!
Ach, bejammert den lieben Messias! Tot ist Messias!
Auf der öden Schädelstätte liegt der Messias,
Herz und Hände und Füße durchbohrt vom Stachel des Todes!
Wehklagen muß Maria, es ächzt der Messias,
Purpurne Tropfen träufeln über den schneeweißen Körper,
Tief im Haupte die Augen starren erlöschender Funken,
Und es entfleucht die duftende Rose von Lilienlippen,
Ach, es ersterben den Lippen die lieblichen Küsse, die küsste
Sankt Maria, die galiläische Minnerin, Mädchen,
Aber der Jüngerin lindert den Schmerz das Küssen der Füße,
Aber Messias erstirbt und fühlt nicht den Kuß auf die Füße.
Ach, bejammert Messias! Es jammern die Himmlischen alle!
Grausame, tödliche Wunde! Sie traf das Herz des Messias!
Aber blutend ist auch die Wunde im Herzen Marias!
Laut aufbrüllen die Büffel von Baschan, es heulen Schakale
Und es weinen die Quellen Jerusalems. Aber Maria
Eilt durch die Wälder des Libanon, offen die fließenden Haare,
Ungeschminkt, mit bloßen Füßen, von Dornen verletzten,
Heiliges Blut entquillt den bloßen Füßen Marias!
Libanonberg und Jordantal durchirrt sie mit Klagen,
Ruft in Todesangst nach dem Bräutigam, Herrn und Geliebten!
Ihm entspringt im Herzen die Quelle erlösenden Blutes,
Von dem Herzen zur Lende ergießt es sich. Weh dir, Messias!
Weh dir, Herz Marias! Es jammern die Himmlischen alle!
Sie verlor mit dem Bräutigam ihre eigene Schönheit,
Denn Maria war schön, als der Messias sie liebte!
Ach, es verblich die Schönheit Marias mit dem Messias!
Alle Berge rufen, es rufen die Eichen Messias
Und der Jordan beweint den Schmerz der Mutter der Schmerzen,
Jordanquellen im Hermongebirge beweinen Messias,
Schmerzlich vergehen die Rosen von Scharon, die Lilien der Täler,
Als Maria weinte und klagte mit schluchzender Stimme:
Weh mir, Maria! Tot ist Messias, tot ist Messias!
Seufzend erwidert das Echo: Tot ist, tot ist Messias!
Ach, wer beweint nicht der Madonna traurige Liebe,
Da sie erblickte, betrachtete jene fünf strömenden Wunden,
Da sie sah das purpurne Blut des sterbenden Heilands!
Flehend rief sie mit offenen Armen: Geliebter Messias,
Lebe, lebe, daß ich mich an deiner Liebe erlabe,
Dich umarme und küß dich mit Küssen des Mundes wie Süßwein!
Ach, erwache und küß mich noch einmal, mein Herr und Geliebter!
Küss mich so lange, Messias, so lange noch leben die Küsse!
Bis mit dem letzten Hauch du in Mund und Seele mir eingießt
Deine ewige Seele voll allersüßester Liebe,
Trinke ich deine Liebe und bewahr sie wie Mischwein!...

DREI ORIENTALISCHE LIEDER


1

Salomo:

Ach, Sulamith ist dort, ist drüben,


Der Jordan scheidet mich vom Ziel.
Ich will zu ihr, ich will sie lieben,
Doch mich bedroht das Krokodil.

Ich steige in die Jordanflut


Und schwimm durchs Wasser zu der Süßen.
Mein Herz ist stark durch Liebesglut,
Bin stark an Händen und an Füßen.

Die Liebe läßt zu Sulamith


Mich fest und stark sein, wie beschwingt.
Es ist als ob, wie Liebeslied,
Sie mir den Wasserzauber singt.

Sulamith:

Ich bin dein Liebchen, deine Beste,


Ich bin dir eigen wie der Garten,
Dort stehen Apfelbäume, feste,
Der Gärtner will der Rose warten.

Der Teich ist lieblich anzublicken,


Dort wollen wir in Minne handeln,
Im süßen Westwind uns erquicken
Und zärtlich durch den Garten wandeln.

Mein Händchen liegt auf deinen Händen,


Mein ganzer Körper steht in Flammen,
Mein Herz will sich im Busen wenden
Vor Wonne, weil wir sind zusammen.

Dein Wort ist Süßwein, spricht die Braut,


Ich will in deinem Wort versinken.
Bin ich von dir nur angeschaut,
Will nimmermehr ich Rauschtrank trinken.

Komm, Goldne, der man goldne Lieder zahlt,


Die wünscht sich nichts als Reigentänze schicklich,
Die über Jubel in dem Dunkel strahlt
Und über Tanz ist froh und Lieder glücklich.

Komm, wandle zu dem Weinhaus, zu dem Fest,


Zur Halle der Ergötzung heitrer Menschen.
Die Ordnung dauert, das Gesetz steht fest,
Ist nichts mehr hier von ungestillten Wünschen.

Prinzessinnen sich gänzlich schenken dir,


Die Fürstlichen dir Weihegaben spenden,
Die Priester singen dir aus dem Brevier,
Die Weisen deuten dich aus Pergamenten.

Dich feiern Tänzerinnen mit den Tänzen


Zu Tamburinen und zu Flöten laut.
Die Mädchen bergen sich in Blumenkränzen,
Für dich schmückt schön sich die erwählte Braut.

Dir singen Trunkene in allen Ländern


Bis zu dem Morgenrot beim Blut der Reben.
Die Beduinen mit den Gürtelbändern
Und Nubier dir spielen mit den Stäben.

Die Lybier ersteigen dir die Zedern,


Dich grüßen Bärtige von Israel.
Dich preist der Ibis mit den Geistesfedern,
Dir laufen liebliche Gazellen schnell.

Dir legen Adler ihre Schwingen an,


Dir schleichen um den Sessel schwarze Katzen,
Dir singt den letzten Hochgesang der Schwan,
Dir reicht der Löw‘ von Juda seine Tatzen!

Um den Gekreuzigten wird Weh geklagt:


Mein Sohn, mein Sohn! so wird um ihn geklagt,
Mein Christus Jesus! wird um ihn geklagt,
Mein Priester und Gesalbter! wird geklagt!
Von jener Zeit, da ihn gebar Maria,
In Bethlehem und Rama wird geklagt,
Das Haus des Herrn klagt wehe, wehe Klage,
Die Stadt des Herrn klagt wehe, wehe Klage,
Die Klage ist das Weh um Jesses Reis,
Die Klage ist das Weh um Schatz und Perle,
Die Klage ist das Weh um Brot und Wein,
Die Klage ist das Weh um unsern Gatten,
Die Klage ist die Klage um die Weiber,
Die Klage ist die Klage um die Kinder,
Die Klage ist die Klage um den Jordan,
Die Klage ist die Klage um den Weinberg,
Ist Klage um den See von Galiläa,
Ist Klage um das Wildbachtal vom Jabbok,
Ist Klage um den Wald vom Libanon,
Ist Klage um die Wüste von Judäa,
Ist Klage um das Gartenparadies,
Ist Klage um den Schoß, den Kelch von Mischwein,
Ist Klage um Jerusalem, die Braut!

KOPTISCHE OSTERN

Man weihe das Haus und bringe zwei Frauen, gebadeten Leibes, mit kunstreich geflochtenen
Haaren, mit Zymbeln und Trommeln. Auf die Arme der beiden Frauen seien die Namen MARIA
und MAGDALENA geschrieben. Sie singen die folgenden Lieder. Sie sollen dreimal rufen:
Herr Jesus Christus, erbarme dich unser!

Der Weihepriester ruft dreimal:


Im Kreuz sind vermählt der Himmel und die Erde!

Die Klageweiber von Jerusalem singen dieses Lied:

Ich hab gereinigt sündbefleckte Lippen,


Ich hab geräuchert Weihrauch auf der Glut,
Ich hab gebeichtet, bin geweiht und heilig!

Ich räucherte mit Weihrauch in dem Tempel,


Die Mischung nach dem Maß des Heiligtums,
Wie Moses im Gesetz uns vorgeschrieben.

Wie herrlich ist die Auferstehung Christi!


Wie festlich ist die Auferstehung Christi!
Wie lieblich ist die Auferstehung Christi!

Der Priester rufe dreimal:


Im Kreuz sind vermählt der Himmel und die Erde!

Die Klagefrauen rufen dreimal:


Jubel vom Himmel zur Erde!

Der Priester rezitiere dreimal:


Maranatha! Komm, Herr Jesus!

Die Klagefrauen rufen dreimal:


Jubel vom Himmel zur Erde!

Sie klatschen dabei in die Hände.

Der Priester und die Klagefrauen rufen dreimal:


Himmel und Erde sind vereinigt und jubeln!
Der Herr ist in seiner Kirche!
Fürchtet euch nicht!

Maria singt:

O komm zu deiner Kirche, Jesus Christus,


O komm zu deiner Kirche, Vielgeliebter!
O Jüngling, schau die Jungfrau in der Kirche,
Die Frau ist deine Braut, o Herr und Gatte!

Verlaß mich nicht, du herrlichschöner Jüngling!


O komm zu deiner Kirche! Herr, wo bist du?
Ich will von Antlitz dich zu Antlitz schauen,
Ich such dein Antlitz, anzuschaun dein Antlitz!

Ach daß ich dürfte schauen an dein Antlitz,


Du Vielgeliebter deiner Braut, o Jesus!
Ist Seligkeit, dich ewig anzuschauen,
Glückseligkeit, dich ewig zu erkennen!

O komm zu deiner Kirche, die dich liebhat!


Du bist des allerhöchsten Wesens Antlitz,
Bist schöpferische Weisheit, Glut der Liebe!
O komm zu deiner Braut, o Vielgeliebter!

O du bist Gottes Sohn, ich Gottes Tochter!


Du bleibe bei mir bis ans Weltenende!
Dich schauen an die Heiligen und Engel
Und weinen, denn sie sehn die Mutter weinen!

Ich rufe tränenreich zum Empyreum,


Erhöre mein Gebet, o Ewigvater!
Ich bin die Frau, Geliebte auf der Erde,
Bin deine ewige Geliebte, Gatte!

Die Frauen mit den schönen schwarzen Haaren singen:

O schöner Jüngling, komm zu deiner Kirche!


Wie weit bist du entfernt von deiner Kirche?
Obwohl doch in ihr Heilige und Engel
Das Opfer feiern, singen Liturgie?

Ich bin die Braut, bereit dem Bräutigam,


Bin deine Braut und deine Schwester, Jesus,
Komm bald, Herr Jesus, Maranatha, Christus!
Jetzt ist die Zeit des Schauens nicht, o Herr,
Bald aber will ich schauen an dein Antlitz!
Ich wandle in der dunklen Nacht des Glaubens,
Obwohl die Sonne an dem Himmel strahlt.
Im Kreuz vereinigt Himmel sind und Erde,
Nachtdunkel wölbt sich über aller Welt.

Mein Herz entbrannt ist, weil du fortgegangen,


Mein Herz entbrannt ist, weil du mich verlassen!
Hast dein Erbarmen du im Zorn verschlossen,
Weil ich so reich an Fleisches Sünden bin?

Die Tempel sind verödet, die Altäre,


Beschreitet niemand mehr die Pilgerwege.
Ich such dein Antlitz, anzuschaun dein Antlitz!

Ich wein um deine Liebe, bitte, lieb mich!


Geliebter, lieb mich heftig, oft und lange!
Ach, bleibe nicht allein im Himmelreich,
Ach, bleib nicht fern von mir, Geliebter, Jesus!

Mein Herr, du bist jetzt nah bei mir,


Ich schaue dich, dein Kleid ist Zimt,
Willkommen heißen dich die Mädchen,
Es freuen sich die Engelswesen.

Du kehrst zu deiner Braut zurück,


Ihr Herz pocht heiß aus Lust an dir!
Ich herze dich, du bist mir nahe!
Dein Antlitz ist die Schönheit Gottes!

Komm bald, Geliebter, komm zu uns,


Uns lebt das Herz, bist du uns nah.
Die Männer rufen fromm nach dir,
Die Frauen rufen fromm nach dir
Aus Sehnsucht, daß du ihnen nahst!

Der du das Licht des Lebens liebst,


Geh nicht zur Finsternis des Todes!
Der du Gemeinschaft liebst beim Mahl,
Geh nicht zur Einsamkeit der Hölle!

Wohin, du Sohn der Lieben Frau,


Der du den Hochzeitsjubel liebst?
Ach, gehst du in das Land des Schweigens,
Ins Haus der Finsternis des Todes?

Er, der die Ährenfelder liebt,


Er ging hinab in Hades‘ Reich.
Er, der geliebt den Hochzeitswein,
Verschmachtete vor Durst am Kreuz!

Ach, nie der Tränen sind genug,


Beharrlich strömt der Tränenstrom!
Er liegt, ein Leichnam wurde er,
Verlassen hat er unsre Welt.

Er geht davon, läßt uns allein.


Mein Herr! Ich bins, die Liebe Frau!
Ich weck dein Haus mit Harfenspiel,
Erfreu dich mit der Liebe Lied!

Es ruft die Liebe Frau: Der Einsame


Ist Bräutigam und Bruder und Gefährte.
O wohin gehst du, Sohn der Lieben Frau,
Geboren gestern, heute dich entfernend?

Du gehst zu denen in dem Todesschatten,


Zu Feldern, welche sind wie Wüstenöde,
Zu Gräbern, die allein dem Schweigen dienen,
In des Vergessens Land, das Gott nicht preist.

Die liegen da, die sollen auferstehen,


Das Linnen um den Leichnam soll sich lösen,
Des Leibes Glieder sollen sich verklären,
Das tiefe Land soll in die Höhe steigen.

O Wasser Belials, des Todes Fluten,


O Hades‘ Schattenreich, du Land der Toten,
O Tor des Todes, Satans Eisenpforte:
Der Herr, der Herr kommt, gebt die Toten frei!

10

Maria singt:

Vorhöllengeister, all ihr Heiligen,


Die ihr den Herrn seht in dem Reich des Todes,
Tut auf mir das geheime Tor des Todes,
Laßt mich den Christus sehn, im Grabe ruhend!

11

Maria singt:

Zertreten werde ich die alte Schlange,


Die alte Schlange greift die Jungfrau an.
Der Tod soll nicht bestehn, des Todes Teufel,
Der trennen wollte Bräutigam und Braut!

12

Maria singt:

Bin ich allein für alle Ewigkeit?


Mein Bräutigam, ich eile dir entgegen!
Es pilgern meine Füße durch die Welt
Und schweben auf den Wolken in den Himmel!

Die Welt, die Völker, alle Menschenseelen,


Sie sollen kommen all zur Lieben Frau
Und weinen mit der Mutter aller Schmerzen:
Mein Sohn, mein Sohn! O weint um Christus Jesus!
Ich bin die Frau, die Braut des Herrn und Heilands,
Des Bräutigams, der in dem Himmel ist!

13

Magdalena singt:

Komm zurück zu mir, o Herr, der fortging,


Daß du, die du liebst, im Garten segnest!
Ach mein Herz ist fort von mir geflogen,
Ich will dich, Geliebter, ewig lieben!

Gehst du in den Himmel, geh ich mit dir!


Ich hab keine Angst vor Tod und Teufel!
O Gesalbter, einzigartig bist du,
Aus dem Herzen bricht mir Lust zu Christus!

13

Magdalena singt:

Herr, der du an der Lethe wandelst,


Um dich die Engel weinen alle,
Es weinen um dich Engelinnen.

Sei meine Seele deine Seele!


Dem Teufel ist die Macht genommen,
Die Macht und Herrschaft ist des Christus!

14

Magdalena singt:

Herr, öffne mir, daß ich den Vater sehe!


Erinnre dich an meine Jesus-Liebe!
Dämonen zogen aus durch deine Worte,
Ich ward dem Herrn Apostlin der Apostel!

Ich war bei dir, o Herr, in Galiläa,


Verließ die sieben Teufel, dir zu folgen!
Gib mir dein Licht, daß ich den Vater schaue
Aus Gnade, Jesus, weil ich an dich glaube!

15

Maria war allein am Gnadenschrein,


Da tat ich auf den Vorhang zu dem Tempel,
Sie trat ins Allerheiligste, sah Jahwe –
Sie warf sich nieder auf ihr Antlitz, betend:

Ich trat ins Allerheiligste des Himmels,


Ich suchte ihn, den meine Seele liebet,
Er sprach zu mir, ich leb von seinem Worte.

Ich trat ins Allerheiligste des Himmels,


Erschlossen ward die Tür, wird nicht verschlossen,
Es liebt der Herr und ich bin seine Liebe!

HYMNEN AN RUACH HA KADOSCH

Wir, geboren durch Ruachs Hauch und Athem,


Wir, verloren gegangen in der Sünde,
Sind verklärt in Messias‘ Auferstehung
Und befreit in dem Tod vom Weltgerichte.

In uns Ruach bereitet sich die Wohnung,


Die wir in ihrer Kraft weit überwinden,
Durch Messias‘ Erweckung, seine Stärke,
Seine Stärke des Siegs ward uns zu eigen.

Kinder, Erben der allerhöchsten Gottheit,


Die in Ruach wir Papa, Mama nennen,
Diese Ruach teilt sich dem Menschengeist mit,
Formend unsere Seufzer und Gebete.

Einer ist ihr Geliebter, Auserwählter.


Sie formt Ähnlichkeit mit dem Sohn der Gottheit
In berufenen und gerechten Menschen,
Herrschen sollen sie einst an seiner Seite.

Weder Leben noch Tod noch Jenseitsmächte,


Weder Höhe noch Tiefe kann uns trennen.
Denn wir kennen durch Elend, Nacht und Sterben
Jene Liebe der Gottheit im Messias.

Hauch mich an, o Ruach, Gottheit,


Fülle mich mit neuem Leben,
Daß ich liebe, was du liebest,
Daß ich tue, was du tun willst.

Hauch mich an, o Ruach, Gottheit,


Bis mein Herz, mein Herz ganz rein ist,
Eins mein Wille deinem Willen,
Daß ich kann vor dir bestehen.

Hauch mich an, o Ruach, Gottheit,


Bis ich völlig bin dein eigen,
Bis an mir der Teil von Erde
Brennt in deinem Feuer, Herrin.

Hauch mich an, o Ruach, Gottheit,


Bis ich werde ganz unsterblich,
Lebe ein vollkommnes Leben
Von Äonen zu Äonen.

Komm hernieder, Mutter Liebe,


Suche heim du meine Seele,
Such mich heim mit deiner Flamme!
Trösterin, o sei mir nahe,
Scheine du in meinem Herzen
Und entflamm mich durch dein Feuer!

Lasse du mein Herz entbrennen,


Bis die Leidenschaft sich wendet
In die Asche, sich verzehrend.
Deine Gloria des Glanzes
Leuchte über meinem Antlitz,
Birg mich, sei du meine Leuchte!

Laß die treue Nächstenliebe


Meine Kleidung sein des Körpers,
Demut mein Gewand der Seele,
Wahre Demut in dem Herzen,
Die nimmt ein den Platz des Sklaven,
Über eigne Fehler weinend.

Meine seufzenden Gebete


Als die Seufzer der Begierde
Gehen über Menschenweisheit.
Nie errät wer deine Gnade,
Bis er selbst zum Tempel werde,
Dem du einwohnst, Herrin Ruach!

Komm, Ruach, allbelebend Glut,


Komm, in mir freue dich zu ruhn!
Bin aufgewühlt ich von der Lust,
So komm und weihe neu mein Herz!
Der Seele Tempel richte ein,
Sei gegenwärtig du in ihr!

Wenn ich nun deinen Einfluß fühl,


Wenn ich in dir beginn zu sein,
So offenbar dich meinem Geist!
Gib du dich selbst, dich je und je!
Ein Korn, ein Tropfen ist mein Reich,
Mehr such ich nicht, mehr frag ich nicht.

Nach dir nur frag ich und begehr.


Das Urprinzip der Göttlichkeit,
Das trägt mich durch mit süßer Kraft.
So meine Seele ganz ist dein.
Ich tauche in der Gottheit Meer
Und schwimm in Uferlosigkeit.

Mein Leben, Friede, Trost bist du,


Mein Schatz, mein Ein-und-Alles du,
Der Kindschaft treues Zeugnis du.
Verzeih dem Herzen jeden Fleck,
Messias will in dir verzeihn,
Du reine Lust im Himmelreich.

Komm, Gottheit, deinem Erben strahl,


Vom Himmel reichen Segen gib,
Mit klarem Licht dein Zeugnis gib,
Empfindsam in mir lebe du.
Dein Lieben fühle mein Gemüt,
Präg ein mir deiner Liebe Spur!

Ruach, Seelen inspiriere


Und erleucht mit deiner Flamme!
Du bist auch das Öl der Salbung
Und teilst mit die sieben Gaben.

Deine Segnungen von oben


Trost sind, Leben, Liebesflamme.
Stärke mit des Lichts Erleuchtung
Blindheit unsrer innern Augen!

Salb mit Freude unser Antlitz,


Mit dem Reichtum deiner Gnade,
Halt den Feind fern, schenke Frieden!
Wo du führst, da naht kein Übel.

Lehre kennen uns die Gottheit,


Lehre lieben uns Messias,
Laß uns dich empfangen, Ruach,
Gottheit in der Gottheit Throne!

Komm, o du heilge Ruach, komm


Von deinem hohen Himmelshaus,
Dein unbewölktes Licht mir schein,
Komm, Mutter aller Armen du,
Du guter Gaben Geberin,
Komm, Braut, erleuchte jedes Herz!

Du aller Trösterinnen Trost,


Willkommne Freundin meinem Geist,
Erfrischung schon auf Erden du,
Du bist in Unrast süße Ruh,
In Hitze bist du frisch und kühl,
In Kummers Mitte Zärtlichkeit!

O benedeites Himmelslicht,
Schein in den Herzen deiner Schar,
Das innre Dasein du erfüll!
Wo du nicht bist, da ist das Nichts,
Nichts Gutes da in Wort und Werk,
Nichts makellos und unbefleckt.
Heil unsre Herzenswunden sanft,
Auf unsre Dürre senk den Tau,
Erneure unsre Lebenskraft!
Der Wille sei dir ganz geweiht.
Du wärm den Frost, du schmelz das Eis,
Führ unsre Schritte an das Ziel!

Den Frommen, die verehren dich


Und dich bekennen, je und je
Erschein mit deiner Gaben Zahl!
Gib ihnen du der Tugend Kranz,
Gib ihnen, heilge Herrin, Heil
In ewiger Glückseligkeit!

Schöpfrin Ruach du, durch deren Werke


Ist am Anbeginn gelegt der Grundstein,
Komm, besuche die bereiten Geister,
Komm und gieße Freude auf die Menschheit
Und befrei von Schulden und von Kummer,
Mach die Tempel würdig deiner Gottheit!

Quelle ungeschaffner Hitze, Ruach,


Trösterin, die uns verhieß Messias,
Dreimal heilge Quelle, heilges Feuer,
Unsre Herzen inspirier mit Liebe!
Komm und deine Geistesgaben gebe,
Weihe uns, wo wir dir Hymnen singen!

Gnadenfülle, du erschein von oben,


Reich in deiner Energie, Dynamik,
Laß die Weisheit uns im Geist empfangen,
Laß uns leben heilig, wie wir glauben!
Gib dich selbst, daß wir durch dich erschauen
Schöpferische Gottheit im Messias!

Ehre, die unsterblich, Ruhm, der ewig,


Sei geweiht der Gottheit Namen – Jahwe!
Herrlichkeit des Herrn sei des Messias,
Dem Gekreuzigten, dem Auferstandnen!
Sei Anbetung dir und gleiche Huld dir,
Mutter Liebe, Gottheit Herrin Ruach!

Ruach aller Gnade, wohne in mir


Und ich selber werde voll der Gnade.
Dann mit meinen Worten heilsam, hilfreich
Wirst durch mich du selbst dich offenbaren
Und mit Werken voller Kraft und Sanftmut
Werd ich sein der Zeuge des Messias.

Ruach aller Wahrheit, wohne in mir


Und ich werd wahrhaftig sein im Geiste
Und mit wahrer Weisheit menschenfreundlich
Wird dein Leben dann durch mich erscheinen
Und mit treuer Nächstenliebe Werken
Bin ich tätig für das Reich der Gottheit.

Ruach aller Stille, wohne in mir


Und ich werde ruhig sein und friedlich,
Friedlich wie ein Grashalm in dem Frühling,
Wenn er aufbricht aus dem Schoß der Erde,
Leise wie die süße Morgenröte,
Die vertreibt die Kälte und den Nebel.

Ruach aller Stärke, wohne in mir


Und ich werde kräftig sein, voll Stärke,
Kraftvoll zu beschützen alle Kleinen
Und die Armen, die in Not geraten,
Werde sie durch eine ewge Hoffnung
Trösten, stärken, innerlich erheben.

Ruach, die du heilig, wohne in mir


Und ich werde heilig und geweiht sein
Und geschieden von der üblen Sünde
Werde streben ich zum Höchsten Gute.
Herrin, alles was ich bin und habe
Weih ich dir, die alles mir gegeben!

Gewiß sind Messias‘ Gebete,


Er sendet der Trösterin Gnade,
Verheißung des scheidenden Heilands,
Messias, gestiegen gen Himmel,

Messias, gestiegen gen Himmel,


Gefangen Gefangene führte,
Die Feinde, die wurden begnadigt:
Die Gottheit vereint sich der Menschheit!

Die Gottheit, die ewige Gottheit


Macht selbst sich zur Wohnung die Menschheit,
Der Himmel faßt nimmer die Gottheit,
Doch will sie einwohnen der Menschheit.

Nie wird sie sich scheiden vom Menschen,


Demütiger Herzen Vertraute,
Vertreibend Dämonen der Sünde,
Ihr Werk sie im Inneren wirkend.

Komm, göttliche, friedliche Freundin,


Zieh ein in anbetende Busen,
O Ruach, das Herz inspiriere,
Entzünde der Frohbotschaft Feuer!

Komm nieder, erschüttre die Erde,


Erweck uns in Wiedergeburten,
Erneure das ewige Leben,
Du gibst es und du bist die Gabe!

10

Heilge Ruach, komm, bestärke


In der Weisheit des Messias.
Uns ward Glauben und Erkenntnis
Nur durch deine Gnadengabe.

Heilge Ruach, komm und tröste,


Trösterin der Kinder Evas,
Geisteskraft der ewgen Gottheit,
Im Messias gib die Hilfe.

Heilge Ruach, komm, erneure,


Komm du selbst und gib uns Leben,
Leben, heilig durch dein Da-Sein,
Heilig durch der Gnade Gabe.

11

Heilige Ruach, o göttliche Liebe,


Glühe im Herz meines Herzens im Innern,
Zünde die hohe Begierde zur Wollust,
Welche purgiert ist im Reinigungsfeuer!

Heilige Ruach, o göttliche Weisheit,


Sei du das Morgenrot meinem Gemüte,
Wort ewger Gottheit und innere Leuchte,
Wecke den Geist auf und lehre mich schauen!

Heilige Ruach, o göttliche Stärke,


Füg meinen Willen der Vorsehung Willen,
Dir will ich leben in Stärke und Vollmacht,
Leid tragen tapfer, ein Ritter des Friedens!

Heilige Ruach, o göttliche Friede,


Stille, befriede die ruhlose Seele,
Hauch, zu befriedigen Meerschaumpassionen,
Gottseele, gib du die Ruhe der Seele!
Heilige Ruach, o göttliche Wonne,
Göttlich ergötze die Leib-Seele-Einheit!
Heut aber sing ich in einsamer Wüste:
Quille, o Quelle der Wonne, ergieß dich!

12

In eine Welt der Finsternis


Und ungeordnet wüsten Raum
Kam sie wie sanfter Wind der weht,
Haucht auf die Gischt bewegter See.

Die Ruach hauchte Chaos an,


Sie blies, die Weltgestalt erstand.
Aus Unform tauchte die Gestalt,
Aus Nichts ward Ordnung geistgeplant.

Das Licht schied von der Finsternis,


Die Erde tauchte aus dem Meer,
Es ward die Zeit, es ward der Raum,
Ward Schönheit, welche Gutheit war.

In eine zweifelvolle Welt


Kam durch geschlossne Türen sie,
Die Gottheit Ruach voller Kraft
Wie Wind und Feuerflammentanz.

In leerer Wüsten Einsamkeit


Und in das öde Totenreich
Blies sie des lieben Lebens Licht
Und zündete den Glauben neu.

Noch heute schöpferischer Kraft


Die Gottheit Ruach Menschen schenkt
Das Leben in der Ewigkeit
Und schafft die ganze Schöpfung neu.

13

Gottheit Ruach, Gottheit in mir,


Wohn in meiner Form des Menschen,
Nimm die Kohle meines Herzens,
Zünde an der Liebe Flamme!
Neu erschaffe Adams Inbild,
Neu erschaffen, neu erstrahlend,
Jenes Ebenbild der Gottheit,
Bild vom Bilde des Messias!

Gottheit Ruach, Weisheit in mir,


Wohne in Gedanken, Sinnen,
Leuchte meinen innern Augen,
Die der Böse mir verblendet,
Gib mir Kraft, zu schauen Weisheit,
Die Sophia des Messias,
In Sophia gib mir Freiheit!

Gottheit Ruach, Liebe in mir,


Wohne mir in Herz und Händen,
Lös der Eigenliebe Fesseln,
Die mich von der Menschheit scheiden,
Gib mir Liebe, welche leidet,
Welche glaubt und hofft und duldet,
Die vollendet sich im Opfer,
Sorgt sich, wie sich sorgte Jesus!

Gottheit Ruach, Leben in mir,


Wohne du in meinem Leben,
Komm wie Hauch, der Gottheit Odem,
Komm als Flamme schöner Liebe!
Ruach, Mutter des Messias,
Herrsche du in diesem Lehmhaus,
Bis ich aus dem Staub erstehe
Zu der Lust, die nimmer endet!

14

Komm, Ruach, o himmlische Taube,


Mit allen erquickenden Kräften!
Entzünde die Flamme der Liebe
In unsern vertrockneten Herzen!

Vergebens wir singen die Lieder,


Vergebens wir falten die Hände,
Hosanna erstirbt auf den Lippen,
Die Anbetung stirbt in dem Herzen.

Ach, sollen wir immer denn leben


In diesem ersterbenden Mangel?
Die Liebe so schwach und so frostig –
So heiß deine Hingabe, Ruach!

Komm, Ruach, o himmlische Taube,


Mit allen erquickenden Kräften!
Gib Liebe uns, Liebe Marias,
Entzünde das Feuer der Liebe!

15

O gnädge Ruach, heilge Gischt,


Du lehrst uns unsre Wissenschaft
Durch deiner Minne Pfingsten, Braut
Voll Himmelsliebe, Heiligkeit.

Gibst Glaube, der den Berg versetzt,


Gibst Engelszunge, Menschenwort,
Erkenntnis – doch ist alles nichts,
Wenn deine Himmelsliebe fehlt!

Es wird vergehn die Prophetie,


Wird schmelzen in dem Morgenrot.
Die Liebe immer steht uns bei,
Drum spende uns die Liebe nur!

Die Freundliche, die Dulderin,


Die Sanfte, Gutes Denkende,
Die Liebe, stärker als der Tod –
O gib uns nichts als Liebe nur!

Wir Hoffnung, Liebe, Glaube schaun


Wie Schwestern wandeln Hand in Hand.
Frau Liebe ist die Heiligste,
Die Schönste, Ewige ist Sie!

VISION DER HAGIA SOPHIA

Sophia, o du bist der Gottheit Blüte!


Nun spür ich es, du bist zu mir gekommen!
Ich sah schon in der Kindheit deine Güte.
Kaum aber hast du dies mein Wort vernommen,
Wars plötzlich Licht wie goldener Azur,
Du strahltest auf in göttlicher Natur,
Ich schaute an dein Antlitz, Frau, dein Antlitz!

Im Himmel und auf Erden Rosenduft,


Ein Glanz von Himmelspurpur in der Luft.
Mit Augen voll azurnen Feuers ganz
Du blicktest strahlend wie der erste Glanz
Des Weltenmorgens, ersten Schöpfungslichtes!

Was war, was ist, was kommen wird und sein,


Umfing mich alles nun in deinem Schauen!
Die Meere und die Ströme und der Hain
Und schneebedeckte Gipfel, grüne Auen,
Das schaut ich an, und alles war es Eine
Gestalt von Frauenschönheit, eine Reine!
Das Unermeßliche war eingegangen
In sie und hat von ihr sein Maß empfangen.
Vor mir und in mir warst nur du!
Lichtglänzende, du hast mich durchgetragen.
Ich habe in der Wüste dich geschaut.
Die Rosen purpurrot aus diesen Tagen
Verwelken in mir nie, geheime Braut!
Wohin wird mich das Leben noch verschlagen,
Mich, den Gefangnen dieser eitlen Welt?
Doch hab ich die Materia durchschaut
Und sah Frau Weisheit, die als Gottes Braut
Die Welt im Innersten zusammenhält...
Ich hab der Gottheit Gloria gespürt
Und heut schon übers Sterben triumphiert
Und überwunden diese Zeit im Traum - - -

MARIEN OFFENBARUNGEN

MARIENLIEDER

Ave, o Maria, gratia plena!


Minnig grüßte Gabriel die Jungfrau,
Brachte ihr von Gott die Freudenbotschaft.

Siehe, du sollst einen Sohn empfangen,


Der die Sehnsucht ist des ganzen Kosmos,
Du wirst heißen Gottes Jungfrau-Mutter.

Engel, Engel, wie soll das geschehen,


Da ich keinen Mann erkennen werde
Und vor Gott die reine Jungfrau bleibe!

Geistkraft wird die Jungfrau überkommen


Wie der Morgentau den Flor der Blüte,
Also sollst du Gott den Sohn gebären.

Als Maria hörte Gottes Botschaft,


Sprach sie: Siehe, ich bin Gottes Sklavin,
Mir geschehe nach des Vaters Willen.

Loben wir und preisen wir die Weisheit,


Daß der Herr vom Himmel her uns alle
Durch Marien Mutterschoß erlöste!
2

Sei gegrüßt, du Zärtlichste der Zarten,


Dornenlose Rose, Rosengarten,
Reine weiße Lilie, Unbefleckte,
Ganz vollkommne Schönheit, ganz Perfekte,
Minnegruß aus Engelsmund dich freute,
Gottes Grazie, Allgebenedeite!

Du hast Gottes Sohn im Schoß geboren,


Jungfrau, von dem Geiste auserkoren!
Trug der Jungfrau-Mutter Schoß, der keusche,
Gott, der Geist ist, Gottes Sohn im Fleische!
Grüßen wir dies Wunder voller Lachen:
Deines Schoßes Frucht will selig machen!

Darum, Mutter, Milde, Lieblich-Linde,


Sprich mit deinem Göttlichen, dem Kinde,
Daß es unsre Schulden uns verzeihe,
Gnädig seine Gottheit uns verleihe
Und nach dieser Pilgerschaft der Leiden
Schenke uns die Paradiesesfreuden!

Ave Mater, Gottes Herrlichkeit,


Mater Dei, Gottes Seligkeit,
Mater Nostra, Frau der Christenheit, Maria!

O Maria, gottergebne Magd,


Die du zu dem Herrn dein Ja gesagt,
Als der Herr um Liebe dich gefragt, Maria!

Du hast Gottes Antlitz nicht geschaut,


Aber Gottes dunklem Wort vertraut
Und bist so geworden Geistes-Braut, Maria!

Gruß dir, Gottes Offenbarungszelt,


Schöpferin des Schöpfers aller Welt,
Paradies, das Gott dem Herrn gefällt, Maria!

Hilf, o Trösterin in allem Leid,


Frau, die durch die Gnaden uns erfreut,
Deine Minne unsre Fröhlichkeit, Maria!

Schuf der Schöpfer dich ganz makellos,


Wohnte fromm das Wort in deinem Schoß,
Ist zu dir die Glut der Liebe groß, Maria!

4
Eine Rose ist entsprungen,
Von den Sehern sie besungen,
Rose wie der Liebe Flamme,
Wurzelstock von Isais Stamme,
Diese Wurzel brachte Triebe,
Diese Rose ist die Liebe!

Diese Rose, die ich meine,


Meine Braut ist sie, die Reine,
Diese Rose des Propheten
Brachte uns, um anzubeten,
Aus des Schoßes Heiligtume
Jesus Christus, ihre Blume!

Dieses Blümchen, dieses kleine,


Lacht wie Gottes Sonnenscheine,
Lachend ist das Honigsüße
Gottesgruß vom Paradiese!
Laßt das Blümlein benedeien
Uns, uns seiner Minne weihen!

Stern des Meeres, sei gegrüßt,


Die uns dunkle Nacht versüßt, Maria!
Rose ohne Dornen scharf,
Der des Engels Harfe harf, Maria!
Lilie rein und unbefleckt,
Deine Schönheit ist perfekt, Maria!
Aller Wonnen Quelle rein,
Laß im Leid uns nicht allein, Maria!
Auf dem Mutterthrone mild
Bist du reines Jungfraunbild, Maria!
Gib ein Leben in der Kraft,
Führung in der Pilgerschaft, Maria!
Die als Jungfrau sich uns zeigt,
Die ihr Antlitz huldreich neigt, Maria!
Nimm in die Liebfrauenhand,
Fraue, unser Heimatland, Maria!
Christus, deines Schoßes Frucht,
Schenk uns an der Wonnen Bucht, Maria!

So laßt uns jubeln, jubeln sehr,


Denn die Madonna weint nicht mehr,
Halleluja!
Vergangen ist die dunkle Nacht,
Der Morgenröte Wimper lacht,
Halleluja!
Wo ist er nun, dein Todesschmerz,
O selig wonnevolles Herz?
Halleluja!
Aus deines Sohnes Busen fleußt
Wie Wein und Wasser Blut und Geist!
Halleluja!
Madonna ganz in Wonne schwimmt,
Uns mit in Paradiese nimmt!
Halleluja!

Maria hob an seine Brüste


Der Sohn des Vaters, Jesu Christe,
Halleluja!
An Jesus, der den Tod besiegte,
Madonna sich liebfraulich schmiegte,
Halleluja!
Im Himmel ist sie Königinne,
Der Menschensöhne wahre Minne,
Halleluja!
Ihr Seidenkleid ist rein wie Sonne,
Die in der Endzeit unsre Wonne,
Halleluja!
Der Zodiak ist ihre Krone,
So führt sie uns zum Weißen Throne,
Halleluja!
Die Luna schimmert ihr zu Füßen,
Wir nachts die süße Diva grüßen,
Halleluja!
Gelobt sei Allmacht, Weisheit, Gnade!
Gegrüßt die Jungfrau rein wie Jade,
Halleluja!

Schaut den Spaziergang der Erkornen


Durch einen Wald von dichten Dornen,
Der sieben Jahre keine Rosen
Getragen vor der Makellosen –
Jesus und Maria!

Was trug Madonna unterm Herzen?


Die Frucht im Schoße, ohne Schmerzen!
Als so sie durch den Wald geflossen,
Da sind die Rosen aufgesprossen –
Jesus und Maria!

Wie sollte sein des Kindleins Namen?


Herr Jesus Christus, Ja und Amen!
Der Sohn Marias ist der Größte,
Der mit der Mutter uns erlöste –
Jesus und Maria!

O Gott, erbarm dich über deine Menschen!


O Allmacht, gnädig sei den Menschenkindern,
O Weisheit, gnädig sei den Menschenkindern,
O Liebe, gnädig sei den Menschenkindern,
Dreifaltigkeit, o ewige All-Einheit!

Maria, Makellose, Unbefleckte,


Maria, Theotokos, Gottesmutter,
Maria, Mutter des Messias Jesus,
Maria, Mutter Christi an dem Kreuze,
Maria, Magna Mater Dolorosa,
Maria, Tränenreiche, Perlenreiche,
Maria, Tiefbetrübte, Schwermutvolle,
Maria, ach vom Sohn verlassne Mutter,
Maria, mit dem Schwert in deiner Seele,
Maria, Königin der Marterzeugen,
Maria, Mutter der bedrückten Seelen,
Maria, Trösterin der Schwermutreichen,
Maria, Helferin der armen Kleinen,
Maria, Stütze der Verwaisten, Witwen,
Maria, Hoffnung kummervoller Seelen,
Maria, Stärke in dem bangen Kleinmut,
Maria, Sündern Zuflucht, Heil der Kranken,
Maria, Knotenlöserin des Schicksals,
Maria, Mutter herzlichen Erbarmens,
Maria, bitte du für deine Kinder!

Durch deine Armut in der Weihnachtsgrotte,


Durch deinen Schmerz bei Schwertes Prophezeiung,
Durch deine Traurigkeiten in Ägypten,
Durch deine Suche des verlornen Knaben,
Durch deine Trübsal bei des Sohns Verfolgung,
Durch deine Ängste vor dem Ölbaumgarten,
Durch deinen Schmerz bei dem Verrat des Judas,
Durch deine Trauer bei der Leugnung Petri,
Durch deine Tränen vor dem Antlitz Christi,
Durch deines Herzens Marter an dem Kreuze,
Durch deinen Todesschmerz beim Sterben Christi,
Durch deine sieben Schwerter in der Seele,
Durch deine Mutterklage um den Leichnam,
Durch deine Trauer an dem Grabe Jesu,
Durch deine Einsamkeit nach dem Begräbnis,
Durch deine Tränen, die um Gott du weintest,
Durch deine Gottergebenheit voll Demut –
Maria, Gospa, Königin des Friedens –

Erlöse uns von aller dunklen Trübsal,


Erlöse uns von aller finstern Schwermut,
Erlöse uns von Seelenpein und Krankheit,
Erlöse uns von Kummer, Angst und Elend,
Erlöse uns von der Versuchung Satans,
Erlöse uns im Tod vom Zweiten Tode!

O Lamm, du nimmst hinweg des Kosmos Sünde,


Erhöre das Gebet der Jungfrau-Nymphe!
Sela.

10

Sei gegrüßt, Maria, Mutter Gottes,


Sei gegrüßt, Maria, Göttermutter,
Sei gegrüßt, Maria, Schöpfungskrone,
Sei gegrüßt, Maria, Schatzhaus Gottes,
Sei gegrüßt, Maria, Perle Gottes,
Sei gegrüßt, Maria, Himmelsleuchte,
Sei gegrüßt, Maria, Jungfraunkrone,
Sei gegrüßt, Maria, goldne Wohnung,
Sei gegrüßt, Maria, Zelt der Weisheit,
Sei gegrüßt, Maria, Tempel Gottes,
Sei gegrüßt, Maria, Tabernakel,
Sei gegrüßt, Maria, Weltalls Herrin!

11

Wunderschönheit! Aller Frauen Pracht!


Meine hohe Herrin voller Macht!
O Holdselige, o Liebe Fraue!
Dir bring jetzt ich, immerdar
Atem, Leben, Alles, Alles dar!
Mutter, der ich ganz und gar vertraue!
Ist mein Blut doch und mein ganzes Sein,
Seele, Herz und Leben, Alles dein!
Alles, was in Gottes Herz ich bin,
Geb ich ganz, Maria, ganz dir hin!

O du Makellose Konzeption!
Ewig-Auserkorne für den Sohn!
Magd des Herrn und Gottes Mutter, Nymphe
Du des Geistes, Nymphe unbefleckt,
Leib- und Seelenschönheit ganz perfekt,
Königin des Himmels ohne Strümpfe,
Die der Geist allein aus Licht erbaut,
Die der Geist sich selbst erschuf als Braut!
Allen Weltalls Minnekult
Weiht sich, Diva, deiner Minnehuld!

Wenn wir schleichen durch das Jammertal,


Wo die Weiber weihen sich dem Baal,
Schreien wir aus unsres Herzens Nöten:
Schönste Jungfrau, wenn die Seele stirbt,
Sterbend nur um deine Minne wirbt,
Soll ein Kuß von deinem Mund uns töten!
Sind in dunkler Nacht wir angstvoll, bang,
Uns in deinem lieben Schoß empfang,
Deines Schoßes Frucht, wie Nektar süß,
Laß uns ein ins Wonnen-Paradies!

12

O du Wunderschöne, du bist prächtig,


Hoheit, durch der Fürsprach Allmacht mächtig,
Bist holdselig, o Geliebte, Fraue!
Ewig deiner Jungfraunmutterschöne
Ich mich als ein Gotteskind versöhne,
Mich mit Blut und Atem anvertraue!
Alle meine Liebe, all mein Leben,
Meines Blutes Sehnsucht will ich geben
Dir, Maria! Mit dir selbst erlabe
Meine opferreiche Ganzhingabe!

O du Fraue in der Sonne Glänzen,


Galaxieen weben sich zu Kränzen,
Diva auf dem Monde, Himmels Leuchte,
Gottes Weltall, Gottes Tabernakel,
Schönste Jungfrau, Schönheit ohne Makel,
Mit dem Tau der Liebe mich befeuchte!
O du Paradieses Perlenpforte,
Schwarze Jungfrau, schwanger mit dem Worte,
Welches uns allein vermag zu retten,
Laß mich mich in deinem Schoße betten!

Gottes Schoß, der konnte Gott gebären,


Du Geschöpf, das konnte Gott ernähren,
Große Mutter du und reines Mädchen!
Zu erlaben weißt du, zu erquicken,
Seelen paradiesisch zu beglücken,
Führst durchs Nadelöhr das Lebensfädchen!
O Treuliebchen Gottes, o Getreue,
Göttlichtraurig Tränen heißer Reue
Weine ich und Asche ist mein Futter –
Aber du bist mein, o Jungfrau-Mutter!

13
Freue dich und jauchze, reine Rose,
Labe mir die Seele, Makellose,
Lausche meinen Liedern voller Gnade,
Ewig mich in deiner Liebe bade!
Ave, Paradieses Königinne,
Ave, ewig dir geweiht die Minne, Maria!

Freue dich, du Fraue in der Sonne,


Segne meinen Weg mit deiner Wonne,
Bette du in deinem Schoß den Müden,
Gib ihm deiner Seele stillen Frieden!
Ave, Paradieses Königinne,
Ave, ewig dir geweiht die Minne, Maria!

Freu dich, Stella Maris, Stella Maris,


Freu dich, Inbegriff von Gottes Charis,
Die du schaust in innerlicher Leisheit
Die Vision der fleischgewordnen Weisheit!
Ave, Paradieses Königinne,
Ave, ewig dir geweiht die Minne, Maria!

14

Maria, liebe Gottesmutter,


Maria, meine liebe Mutter,
Gib du dein Herz mir, das perfekte,
Das reine, schöne, unbefleckte,
Daß sich die Gottheit in mich senke –
Ich eile, SIE den Menschen schenke!

15

Herz Allerheiligster Dreifaltigkeit,


All-Einheit, übe Allbarmherzigkeit!

Marienherz, du Herz nach Gottes Herz,


Marienherz, frei von der Sünde Schmerz,
Marienherz, du Kammer für den Geist,
Marienherz, du nichts als Weisheit weißt,
Marienherz, du Heimat für das Wort,
Marienherz, der Schönen Liebe Port,
Marienherz, du stärker als der Tod,
Marienherz, von Wunden Jesu rot,
Marienherz, vom scharfen Schwert durchbohrt,
Marienherz, voll Weh beim Gottesmord,
Marienherz, du Herz nach Jesu Herz,
Marienherz, Erlöserin durch Schmerz,
Marienherz, du Herz, das Gott gefällt,
Marienherz, Gott lieber als die Welt,
Marienherz, der Sünder Heiligkeit,
Marienherz, du Trost in Traurigkeit,
Marienherz, in Angst die Zuflucht du,
Marienherz, in Einsamkeit die Ruh,
Marienherz, du Hoffnung noch im Tod,
Marienherz, des Reiches Morgenrot,
Marienherz, du Rettung aus dem Sumpf,
Marienherz, gewiß ist dein Triumph,
Marienherz, du aller Völker Frau,
Marienherz, der neuen Schöpfung Bau,
Marienherz, des Weltalls Königin,
Marienherz, der Minne Kaiserin,
Marienherz, von Gottes Liebe süß,
Marienherz, du Gottes Paradies!

Messiasherz, du Herz des Lammes rot,


Messiasherz, befrei uns all vom Tod!

Sela.

MARIENHYMNEN

Heil dir, göttliche Mutter, Gottesgebärerin Jungfrau!


Gottesgebärerin, welcher Himmel und Erde durchwaltet,
Dessen numinose Allmacht das Weltall umarmet!
Sein Imperium ist in nie endenden Kreisen unendlich!
Du vereintest mit Freuden der Mutter die Ehre der Jungfrau,
Erste der Frauen, keine dir gleich, wird keine dir gleich sein,
Exemplarische Feminität, die wohlgefällt Christus!

O gloriose Domina,
Die schöner als der Venus Stern!
Den Schöpfer nährtest du mit Milch
Von deiner prallen Frauenbrust!

Was Eva, weh uns, uns entwand,


Schenkst du uns neu durch deinen Schoß!
Du rufst uns in die Sternenwelt
Und öffnest uns das Perlentor!

Des Königs Krone, Königin,


O Perlentor, o Brautgemach!
Ihm, welcher ruht im Jungfraunschoß,
Erlöste Scharen, applaudiert!
3

Gruß dir, Stern des Meeres,


Gottes große Mutter,
Ganz intakte Jungfrau,
Paradiesespforte!

Ave, o Maria,
Gabriels Gebetswort
Gibt der Seele Ruhe,
Evas Namen wendend.

Uns von Schuld befreie,


Die Erleuchtung schenke,
Alle Bosheit wende,
Höchstes Gut verleihe!

Sei du unsre Mutter,


Daß durch deine Bitten
Gnädig uns sich zeige
Er, den du geboren.

Jungfrau einzigartig,
Über alles Süße,
Zahle unsre Schulden,
Schenk Geduld und Reinheit!

Leben in der Reinheit


Gib durch deine Gnade,
Daß wir Christus leben
Immerdar voll Freude!

Laßt singen uns alle die Tage


Zu klingenden Zimbeln Gesänge,
Zu schallenden Zimbeln, Gott preisend,
Die Hymnen der Jungfrau Maria!

Maria vom Stammbaume Juda,


Die Mutter des Herrn und Erlösers,
Geschaffen ist sie uns zum Heile,
Dem krankenden Menschengeschlechte.

Sprach Gabriel Grußwort des Vaters,


Das Wort aus dem Schoße des Vaters,
Empfing es die Jungfrau und barg es
In ihrer Gebärmutter selig!

Der Mutter Maria ist nimmer


Ein anderes Wesen vergleichbar,
Wer immer ist menschlichen Ursprungs,
Erreicht nie die Mutter und Jungfrau!

Durch weibliche Lüsternheit stürzte


Die Welt in den Abgrund der Sünde,
Nun durch die jungfräuliche Mutter
Die Heiligkeit ist uns erschienen.

Den nahtlosen Rock unsres Meisters


Gewoben hat ihm seine Mutter,
Um welchen beim Kreuzestod Christi
Die Kriegsknechte warfen die Würfel.

Wir legen die Waffen des Lichtes,


Das Schwert an, die Rüstung des Glaubens,
Zum kämpfen im heiligen Kriege,
Uns sendet die Jungfrau Maria!

Amén und Amén! Wir verehren


Im Staube die göttliche Jungfrau,
So werden uns Schwefel und Feuer
Und Bosheit des Feindes nicht schaden.

Den heiligen Namen des Christus


Wir singen vereint mit den Engeln,
Daß unsere Namen geschrieben
Im Himmel des Ewigen bleiben.

Heil, Königin, o Mutter des Erbarmens,


O Lebens, Süßigkeit und Hoffnung, Heil dir!
Zu dir wir schrein, verbannte Kinder Evas,
Zu dir wir seufzen, trauernd unter Tränen
In diesem dunklen Jammertal der Tränen!
Wohlan denn, also, unsre Advocatin,
Die Augen voll Erbarmen zu uns wende
Und Jesus, benedeite Frucht des Schoßes,
Uns offenbare in des Elends Ausgang.
O milde, fromme, süße Maid Maria!

Singe stets das Wort, du Sklave,


Welches aussprach Vater Jahwe,
Stets des Minnegrüßens Ave,
So ward Gott der Jungfrau Sohn.

Die empfangen mit den Ohren,


Um der Demut auserkoren,
Davids Tochter, hat geboren,
Rote Rose ohne Dorn.

Mutter Salomonis, Süße,


Tau auf unbeflecktem Vließe,
Magier dir singen Grüße,
Huldigen dem Sohn im Schoß.

Ave, Schoß der Morgenröte,


Jesus Hirtenlieder flöte,
Kommend in die Erdennöte,
Lebensquelle, Gottes Thron.

Ave, Braut des süßen Hauches,


Feuersglut des Dornenstrauches,
Myrrhestrauch voll süßen Rauches,
Frau von Macht, Gewalt und Thron.

Tilge alle unsre Sünden,


Uns als Heilige zu künden
Christus, daß wir in ihm gründen
In der Lust der Lüste voll!

Meeresstern, die du ohne Samen geboren den Knaben,


Sonne der Gerechtigkeit, über das Weltall erhaben,

Ganzreine Venus, Mutter, die Welt will still zu dir beten


Und zu dem Kinde, dem Gott der Liebe, mit stillen Gebeten:

Königin mit dem König, wen das Gewissen erschreckte,


Weil ihn ungeordnete Leidenschaft sündig befleckte,

Laß ihn nicht im Gerichte verfallen dem Pfühl der Gehenna,


Laß in Elysium ruhn ihn mit dir unter blühender Henna!...

Kann schauen ich den kleinen Gott


An seiner großen Mutter Brust -
Mir Odem, Odem im Schamott,
Mir schmilzt das Herz vor Lust, vor Lust!

Die Gesten rein, die Gesten zart,


Die du, o reine Jungfrau, übst,
Das Kindlein süß, der Gott von Art,
Wie du es sanft und selig liebst!
Wie rein mit ihrem reinen Licht
Die Sonne lacht in Äthers Wind,
So an Madonnas Busen dicht
Und dichter lachend liegt das Kind!

Die Jungfrau stirbt den Liebestod


Und seufzt dem Sohne in das Ohr –
O Schöne Liebe! Rose rot,
O Veilchenduft, o Lilienflor!

Wie Amor sendet Pfeil um Pfeil


Zu seiner Jungfraungöttin hier –
Ein Pfeil der Liebe mir zum Heil
Soll heiß das Herz durchbohren mir!

Göttin, die die heilige Flamme hütet,


Luna küsst dir, Sol küsst dir deine Füße,
Luna, deine Sklavin, dein Sklave Phöbus
Küsst dir die Füße!

Heil dem Dichterseher dein Lobpreis bringe,


Göttin, die die heilige Flamme hütet!
Nichts versagt die Leibesfrucht dir, die deine,
Nichts wird versagen

Er dir, den du schautest am Kreuze sterben,


Er, gestärkt von lieblichster Mutterliebe,
Sah, der Sohn, aushauchend den Geist, zum Vater
Ewiger Liebe!

ODE DER JUNGFRAU VON GUADELUPE

Höre, leidender Sohn, höre du in dein Herz,


Lausch mit deinem Gemüt, innig geliebter Sohn,
Nichts soll je dich erschrecken,
Nichts soll dir eine Trübsal sein,

Nichts soll dir dein Gesicht schrecklich verfinstern, nicht


Soll dein kindliches Herz dir sich verfinstern, auch
Sollst du Kummer und Schmerzen
Nicht mehr fürchten, noch irgendein

Schweres lastendes Leid, Leid deiner Seele, noch


Schmerzen deines Gemüts. Siehe, bin ich denn nicht
Deine liebende Mutter?
Bist du in meinem Schatten nicht?

Unterm schirmenden Schutz du denn der Jungfrau nicht?


Nicht im Mantel gehüllt himmlischer Königin?
In der Beuge der Arme
Meiner heiligen Liebe ruh!

GESANG DER SCHMERZENSMUTTER

Ich bin der Kirche Mutter fort und fort,


Ich trage sie im Herzen schwertdurchbohrt,
Die Priester meines Sohnes trag ich dort,
Dort trage ich euch alle, Gottes Braut,
Kommt, kommt zu mir, Er hat euch mir vertraut,
Ich darf euch schützen, euch im Strom der Gnaden
Des Herzens Jesu an dem Kreuze baden,
Ich bin der Beistand vor dem Seelendiebe,
Die Advocatin, Mutter schöner Liebe,
Die euch mein Sohn am Kreuz erworben sterbend,
Ich bin die Mutter, euch den Sieg erwerbend,
Die Siege über alle Macht des Bösen,
Ich werd euch mit des Sohnes Herz erlösen,
Des Vielgeliebten, der als Überwinder
Erlöste euch, nun seid ihr Gottes Kinder.

II

Kommt alle an mein Mutterherz und seht,


Ihr sollt durch euer Beispiel und Gebet
Die Herzen eurer Nächsten auch bewegen,
Sich in mein Mutterherz hineinzulegen.
Ich will sie zu dem Herz des Sohnes tragen.
Es wird noch kommen eine Zeit von Tagen,
In der ihr ohne mich nicht könnt bestehen.
Die Menschen sollen euer Beispiel sehen.
Wißt ihr, wie wichtig euer Beispiel ist?
Ihr führt die Menschen nicht zu Jesus Christ
Durch Worte nur, ihr raubt dem Seelendiebe
Die Seelen nur durch Taten wahrer Liebe,
Durch Güte, Hilfsbereitschaft und Verständnis,
Erbarmen und Verzeihn, das ist Erkenntnis
Der Sendung. Stärkt durch Opfer das Gebet,
Als Menschenfischer durch die Lande geht!

III

Die Mutter armer Seelen, aller Seelen,


Sie fleht: Es soll ihr keine Seele fehlen,
Vertraut mir eure Lieben, euren Schmerz
Und euer Glück legt in mein Mutterherz,
Ich darf sie dort empfangen in dem Segen
Und sie in das Erbarmen Gottes legen.
Auf meiner Fürsprach Allmacht sollt ihr hoffen,
Ihr steht das Mutterherz des Vaters offen,
Da meiner Liebe und Barmherzigkeit
Von Gott wird viel geschenkt und viel geweiht.
Das glaubt mit aller Frömmigkeit der Frommen,
Mit diesem Glauben sollt ihr zu mir kommen.
Ihr, eure Liebe und Barmherzigkeit
Vereint mit meiner allgebenedeit,
Sollt alle Sorge um die Lieben, Frauen
Und Kinder, meinem Mutterherz vertrauen.
Der Vater, er hat seiner Magd und Braut
Den Sohn, den Vielgeliebten anvertraut.
Er legte so das göttliche Erbarmen
Vertrauend nieder in den Mutterarmen,
Nun darf ich tragen sie gebenedeit
Und euch vermitteln die Barmherzigkeit.
Kommt, eure Liebe soll Geschenk mir werden,
Die Lieben mit der ganzen Not auf Erden,
Schenkt ihren Heimgang mir zum Licht des Thrones,
Daß ich sie mit der Liebe meines Sohnes
Von dieser Erde tragischem Theater
Heimführen kann zum allgeliebten Vater!

IV

Nimm Alle an wie deine eignen Kinder,


Als Söhne deiner Seele und nicht minder
Als Töchter deiner Seele, so solls sein,
Nimmst du die Kinder in dein Herz hinein,
Kannst alles ihnen du bei Gott erbitten,
Was ihnen dient zum Heile, wo sie litten.
Ich bin dein Beistand, werde dich und sie
Beschützen mit der Muttersympathie,
Ihr sollt durch meine Liebe, durch mein Lieben,
In Gottes Herzen werden eingeschrieben.
Das ist die Wonne für mein Mutterherz,
Wenn du der armen Kinder Erdenschmerz
Und jeder Seele, die mich noch nicht liebt,
Mir schenkst, daß dein Gebet mir Seelen gibt,
Daß sie an meiner Mutterbrust sich betten,
Erfahren Heilung, Hilfe, Trost und Retten!

Ich bitte euch um euer Beten, Beten,


Ich brauche euch, ich brauche wirklich jeden,
Um Frieden in der Welt und Seelenfrieden
Sollt beten ihr und haltet selber Frieden.
Erbarmen sei und Güte euch beschieden,
Geht mit den Nächsten sanft um, voller Frieden,
Der Friede wird in euren Herzen thronen,
Verströmen sich, in Menschenherzen wohnen.
Kommt näher noch zu mir mit eurem Wandel,
Sucht Bergung unter meinem Muttermantel,
Dort seid geborgen ihr, seid fromm und froh,
Des Vaters große Liebe will es so.
Die Liebe seiner Liebe anvertraut
Hat mir der Ewigvater, seiner Braut,
Sein Kleinod, seinen Schatz, die Freudenkron,
Den über alles vielgeliebten Sohn.
Er dachte schon an euch im Sündenfalle,
Am Kreuz, an meine Mutterschaft für Alle.
Ist Liebe über Liebe, drein euch senkt,
Die euch mit Muttergnade reich beschenkt,
Die euch ins minnige Mysterium
Hineinnimmt, in der Gottheit Heiligtum,
Die Einigkeit von Vater, Sohn und Geist.
Der Macht der Liebe dankt! Die Liebe preist!
Allüberragender Barmherzigkeit
Und mütterlicher Güte Gottes seid geweiht,
Die Leben eurem tiefsten Seelentriebe
Eingießt in Flut der Fülle seiner Liebe!

VI

Ich bin die Mutter wahrhaft schöner Liebe,


Ich trage alle Schönheit aller Liebe
In meinem Herzen, Schönste aller Frauen,
Der Vater wollt mir Schönheit anvertrauen,
Die Schönheit wahrer Heiligkeit der Liebe
Goß Gottes Geist ein meinem tiefsten Triebe,
Durch mich der Liebe Schönheit euch zu schenken,
Der Liebe Heiligkeit in euch zu senken,
Als Liebesoffenbarung ohne Makel.
Ich bin der Schönen Liebe Tabernakel,
Das Allerheiligste, wo Gottes Thron,
Das Tabernakel, darin Gottes Sohn
Gehüllt in Mutterwärme und in Huld,
Geborgen in dem Schoße ohne Schuld,
Um seiner höchsten Liebe schönem Leben
Im Tränental der Erde Raum zu geben
Für das Erlösungswerk zum Seelenglück.
Gott nimmt von seiner Gnade nichts zurück,
Wie damals ist auch heute seiner Braut
Als Mutter seine Liebe anvertraut,
Die Gott will schenken aller Not der Welt,
Daß Heil und Segen bei euch Einzug hält.
Zu meinem Mutterherzen kommt, ich bringe
Zum Sohne euch, zum Schöpfer aller Dinge.
Ist wer in meinem Herzen, mir intim,
Der ist zugleich beim Sohne, ist bei ihm.
Dort wird ihm Liebe schenken Gottes Traute,
Die Gott sich durch ihr Ja-Wort anvertraute.
Du wirst in mir mit Schöner Liebe scherzen,
Die eins in Jesu und Marien Herzen.

VII

Mein Sohn ist meine Liebe, Jesus Christ,


Der mit dem Vaterherz verbunden ist,
In diesem Herzen Liebe ist verborgen,
Doch offenbar vom ersten Weltenmorgen,
Indem der ewiggute Vater seines
Geliebten Sohnes Herz gelegt in meines,
Des Sohnes liebes Herz mir anvertraut,
Das Vaterherz lebt nun in seiner Braut,
Des Vaters Liebe in dem Sohn, den preiste
Die Mutter, die Gemahlin ist dem Geiste,
Dem Geist, der schönen Liebe Jubelschall,
Dem Geist, der da durchhaucht das ganze All,
Der da der Schöpfung gottgeschaffnes Herz
Belebt in wundersamer Geistes-Terz,
Dem Herzensdreiklang, Gottes in dem Thron
Gesang, da er im Geist gezeugt den Sohn,
Da von dem Vater und dem Sohne traut
Der Geist ergießt sich auf die Mutter-Braut.
Des Vaters Tochter, Mutter seinem Sohne,
Die reine Braut des Geistes zweifelsohne,
Dies bin ich im dreifaltig-einen Herzen,
In Gottes Freude, in des Sohnes Schmerzen,
Im Geistesjubel, im Marienkult,
Da mich und Alle einschließt Gottes Huld,
In der Barmherzigkeit der Gnadenneigung
Des Vaters, in des Sohnes reiner Zeugung,
In Geisteshuld und geistlicher Beseelung
Erfahre ich die göttliche Vermählung,
Begeh die Hochzeit ich mit Ich-bin-da,
Ich Sklavin Gottes mit der Liebe Ja,
Mit meiner Antwort auf der Liebe Wort,
Ruh ich an Gottes Herzen immerfort,
Bin ich in Heiligkeit der Ewigkeit
In Allerheiligster Dreifaltigkeit.

VIII

Seid ganz getrost. Legt euch in meine Hände,


Ich bin die Mutter, Anbeginn und Ende,
Und betet ihr Gebet, mit Gott zu reden,
Vereinigt euer Beten meinem Beten,
Der Allmacht meiner großen Fürbittmacht,
Die euer Ewigvater mir vermacht.
Vertraut, nichts kann so furchtbar schrecklich sein,
Ich senke alles ins Erbarmen ein.
Die Schrecken aller Schuld, die Todesklagen,
Hat mein geliebter Sohn ans Kreuz getragen,
Geopfert in der Ganzhingabe alles
Dem Herrn, den ganzen Fluch des Sündenfalles.
Stellt euch mit mir zu Christus an das Kreuz,
Wo wir gelitten an der Liebe Geiz,
Seid treu, ihr sollt nicht wie die Andern flüchten,
Ich speise euch mit der Erlösung Früchten,
Die pflück ich euch von Christi Lebensbaum.
Gebt dem Vertrauen, gebt der Liebe Raum
In eurem Herzen für das Höchste Gut,
Daß meines Sohnes edles Purpurblut
Wie Wein euch überströmt, des Lebens Welle,
Der immersprudelnden, der Liebe Quelle,
Euch, was ihr auch in euren Sünden littet,
Und allen eures Volks, für die ihr bittet,
Die Heilung und die Rettung bringen kann.
Ich, eure Mutter, bin bei Frau und Mann,
Ich bin bei meinen Kindern, eure Triebe
Erlöse ich als Mutter Schöner Liebe,
Erlöse euch mit Christi Kreuz im Herzen,
Ich, Christi Mutter, Mutter eurer Schmerzen,
Ich bin der Heilung Mutter, Heil der Kranken,
Ich schenk euch Heil, das habt ihr Gott zu danken.

IX

Laßt alle euch an euren Händen fassen,


Ihr sollt euch von der Mutter führen lassen,
Wie Kinder von der Mutter Heiligkeit,
Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit,
In diese Liebe, die mein Leben preist,
Des Vaters Liebe zu dem Sohn im Geist,
So hat sie mich ersehn von Ewigkeit
Zur Königin der Liebe benedeit,
Zur Mutter schöner Liebe, nicht vergebens,
Zur Mutter allen liebevollen Lebens.
Ich durfte wahrlich Mutter Gottes werden,
Die Königin des Himmels und der Erden,
Nach Gottes Willen Jungfrau ohne Trübe,
Ward ich die Mutter schöner Gottesliebe,
Die wohnte mir im warmen Mutterschoße,
Das Allerheiligste die Makellose,
Die Gott empfangen mit den frommen Ohren,
Die Gottes Sohn aus reinem Schoß geboren.
Ihr sollt euch nicht der Mutter Gottes schämen,
Ihr sollt den Weg zu Jesus Christus nehmen,
Den er gegangen, als er ging hinein
In meinen Mutterschoß, mein Muttersein
Ist nun der makellose Pfad der Pfade,
Weg der Vereinigung mit Gottes Gnade,
Weil ich dem Leben aus der Liebe Kraft
Bin Mittlerin aus Christi Mittlerschaft,
Bin allem Leben, Leid und Kreuz und Tod,
Der Weg zum Auferstehungs-Morgenrot,
Ich bin der Stern des Morgens ohne Trübe,
Ich führe euch zum Leben ewger Liebe.
Durch meines vielgeliebten Sohnes Wunden
Mein wundes Herz ist Gottes Herz verbunden,
Verbunden meine Minne ohne Trübe
Im Geist der makellosen Gottesliebe.
Ich kann euch bitten nur, was wahrhaft frommt,
Ist, daß ihr zu der Jungfrau-Mutter kommt,
Zum Mutterschoß, aus dem der Überwinder
Erstand, der euch erlöst als Gottes Kinder,
Auch meine Kinder ihr durch meine Schmerzen,
Die ich erlitt im schwertdurchbohrten Herzen,
Nun führ ich euch als Mutter himmelwärts,
Zu mir, der Jungfrau in dem Vaterherz!

O kommt doch alle her in meinen Garten,


O seht doch alle dort mich auf euch warten!
Ich darf euch überreiche Gnaden schenken,
Die euer Vater möchte in euch senken.
Kaum kennt ihr diese Liebe, die euch segnet,
Die doch in vielen Zeichen euch begegnet,
Wenn ihr nur haltet eure Augen offen.
Ihr sollt der Liebe trauen, auf sie hoffen,
Um desto stärker werdet ihr empfangen,
Und wenn ihr sie empfangen ohne Bangen,
Dann werdet mehr ihr glauben und vertrauen.
Ich darf als Mutter, Fraue aller Frauen,
Euch diese Schöne Liebe weiterschenken
Und darf in Christus, meinen Sohn, euch senken,
Er ist die Offenbarung Schöner Liebe,
Kommt voll Vertraun im tiefsten Seelentriebe!

XI

Bei jedem Ave, damit mich zu segnen,


Darfst du der Liebe Gottes hold begegnen.
Ich bin ja deine Mutter, du mein Sohn.
Und weißt du, welches Glück darin dir schon
Der Vater zubereitet und geschenkt?
Die große Gnade also in dich senkt?
In Gnadenfülle hat mich Gott umfangen,
Ich habe Gottes Gnade rein empfangen,
Als mich der Geist der Gnade überschattet,
Hat Gott mich voll mit Gnaden ausgestattet,
Die darf ich meinen Kindern weitergeben.
Durch meiner Ganzhingabe Ja, mein Leben
Als Sklavin Gottes, meines Geistes Ehe,
Durch mein „Es werde!“ durch das „Mir geschehe!“
Ward ich der Einfalt Gottes anvertraut,
Der Ewigen Dreieinigkeit als Braut.
Nun darf ich euch als Fraue aller Frauen
Dem Vaterherzen Gottes anvertrauen,
Und als die Mutter schließen in die Treue
Der Schönen Liebe! Darum, Sohn, dich freue!

XII

Kommt an die Mutterbrust, sie macht euch satt,


Ich nehm euch alle an an Kindesstatt,
Die Ewge Liebe, meines Sohnes Schmerz,
Sie legte all euch in mein Mutterherz,
So seid ihr meine Kinder und Geliebten,
Der unbefleckten Frau, der ungetrübten
Magd von des Vaters Liebe anvertraut,
Des Sohnes Mutter ich, des Geistes Braut.
Dreifaltig ist die Liebe, o du Welt,
Die dich durch mich in ihren Armen hält
Und euch umsorgt in allen euren Sorgen,
Die hält euch in dem Mutterarm geborgen,
Die mütterliche Liebe in euch senkt,
Euch Innigkeit und süße Zartheit schenkt.
Auf allen Wegen bin ich bei euch, Kinder,
Wie ich gewandelt mit dem Überwinder,
Hinein ins Leiden, bis ins Sterben auch,
Und nie verläßt euch meiner Liebe Hauch!
Mein Mutterherz geht alle Wege mit,
Wie liebend ging ich mit dem Sohn, der litt,
So geh ich nun mit euch, mit euren Herzen,
Die trag ich all in meinen Mutterschmerzen,
Mit Christi Herz vereint in Gottes Willen,
Denn Gottes Schöne Liebe will euch stillen
Mit mir, der Schönen Liebe Dienerin,
Der Jungfrau, Mutter, Himmelskönigin.

XIII

Gib deine Hand mir, laß dich von mir führen,


Ich führe dich durch alle sieben Türen
Zum Vater, ihm sollst du als Sklave dienen,
In Demut meines Magdtums, dir erschienen.
Wer durfte so in inniger Union
Vereinigt sein mit Christus, Gottes Sohn,
Den Weg der Liebe ganz im Vaterwillen
Auf Erden als die Dienerin erfüllen?
Den Weg der Liebe, gänzlich Gott ergeben,
Führ ich die Kinder mein ihr ganzes Leben,
Die Kinder mein, die sich mir anvertrauen,
Der schönen Mutter, Fraue aller Frauen.
Wie wunderbar ist doch die Ganzhingabe
An Gottes Willen, voll der Gnade Gabe.
Bet immerdar im tiefsten Seelentriebe:
Gescheh dein Wille, denn du bist die Liebe!
Je mehr verbunden du mit Gottes Willen,
Kannst du die Vaterliebe auch erfüllen.
Denk, alles was des Vaters Herz erfreut,
Strömt auf die Kinder überreich erneut.
Gott bittet euch um Liebe, daß er dann
Euch mit der Seligkeit belohnen kann.
Ihr dürft euch seinem Willen ganz vereinen,
Er wird es immer euch zum Heile meinen.
Gib dich der Liebe hin in Ganzhingabe
Und schenke rückhaltlos der Seele Gabe,
Daß dich des Vaters herzliches Erbarmen
Kann sich dir schenken, herzlich dich umarmen.
Vergiß nicht, auch für Andere zu bitten,
Die Kinder Gottes, die an Krankheit litten,
Sollst sie mit deiner Fürsprach Krone zieren
Und sie den Weg der Ganzhingabe führen.

XIV

Dein Herz muß immerdar den Vorrang haben,


Bereiten laß dein Herz von Geistesgaben,
Damit dein Christus, mein geliebter Sohn,
In deinem Herzen bauen kann den Thron.
Laß alles so geschehn wie Gottes Wille.
Geh immer wieder in die Andachtstille,
Zu schweigen dort, zu hören Gottes Wort.
In Stille und Gebet dein Herz wird dort
Sanftmütig werden, reicher an Geduld,
Bereit zu Opfern für der Liebe Huld,
Dann wird die Liebe in dir wachsen, reifen,
Wird Früchte bringen, die nicht zu begreifen,
Weil sie so schön vor Liebe, Gottesmann,
Daß sich die Liebe offenbaren kann.

XV

Ich darf euch Gottes Schöne Liebe zeigen,


Darf ihrer Reinheit Schönheit euch bezeugen,
Wie sie sich einzigartig eingesenkt
Und göttlichgnädig sich an mich verschenkt
Und als Gefäß der Liebe mich erwählte
Und mit der Liebe Gnadenflut beseelte.
Unendlich gütig ist der Liebe Gabe,
Die euch beschenkt mit meiner Ganzhingabe,
Euch zur Beseligung in all der Wehmut,
Teilhabe am Geheimnis meiner Demut,
Die Gottes Willen lebt, nur Gott zu loben,
Durch Gottes Gnadenhuld hineingehoben
In Herrlichkeit, die alles überragt,
In Liebes-Seligkeit durch Gottes Magd!
Ist eure Liebe meiner Liebe eins,
Darf in der Schönheit liebenden Vereins
Dreifaltigkeit der Liebe wie Kristall
Voll Lichts aufstrahlen euch im Innern All,
So daß ihr strahlen werdet, werdet Kelch,
In dem sich Schöne Liebe spiegelt, welch
Ein Glanz, der Kinder zu dem Herrn beflügelt,
Weil euer Herz die Liebe widerspiegelt!

XVI

Kommt alle zu mir unter Christi Kreuz!


Hier ist der Ort der Liebe, unterm Kreuz
Ist auch der Liebesort für deine Liebe.
An keinem Ort ist strahlender die Liebe,
Gekreuzigte und triumphale Liebe,
Hier ist der Platz der liebevollen Herzen,
Ich sammle sie in meinen Mutterschmerzen
Als Mutter des gekreuzigten Geliebten,
Hier sammle ich die Schar der Vielgeliebten!
Am Kreuz der Himmels eins der Erde ward,
Am Kreuz des Menschensohnes, Gott von Art,
Hier in der Liebe und Barmherzigkeit,
In der Versöhnung mit der Heiligkeit
Des Ewigen in Majestät des Thrones
Durch das geweihte Opfer meines Sohnes,
Der nur noch Liebe ist, der Liebe Leben,
Als Gott und Mensch der Liebe hingegeben,
Der Caritas allein, der Gottes-Minne,
Der Gottes-Minne, die im Anbeginne
Gezeugt von Gott, vorm Anbeginn der Erde,
Daß nie die schöne Minne enden werde,
Weil sie des Todes Dämon überwunden,
Tod überwunden durch die Minnewunden,
Weil Tod gewandelt durch die Neugeburt
Der Auferstehung ewges Leben wurd.
Hier unterm Kreuz darf ich in meinen Armen
Den Sohn-Geliebten halten voll Erbarmen,
Des Leichnam durch die mysteriöse Minne
Ward euch zu ewgen Lebens Anbeginne,
Zu ewgem Leben hat sie euch berufen,
So folgt hinan der Minne goldne Stufen,
Hinan zur schönen Minne, Gottes Reiz!
Hier ist ihr Ursprungsort, hier an dem Kreuz,
Hier sollt ihr euch vereinigen der Minne,
Der Gottes-Minne von dem Anbeginne,
Daß jeder durch die Minne auferstehe,
Vereint mit ihr in mysteriöser Ehe,
Um durch der Minne wehe Minnewunden
Von Hölle, Tod und Teufel zu gesunden,
Zum Leben in dem Himmel zu gelangen,
Wo ganz er in die Minne eingegangen!

XVII

Mein Schmerz, das ist der Schmerz des Sohn-Geliebten,


Mein Kummer ist der Kummer der Betrübten,
Ich sorge mich mit meines Sohnes Sorgen,
Die Seelen einzuführen in den Morgen,
Die Seelen meiner Liebsten, alle Seelen,
Soll keine Seele meiner Liebe fehlen.
Wer kann beschreiben diesen unbeschreiblich
Schmerzreichen Schmerz des Sohnes, den ich weiblich
Empfunden hab in meinem Mutterherzen,
Mein Herz war nichts als Schmerz von seinen Schmerzen,
Dort bin ich mehr zur Mutter ihm geworden,
Als da Frau Welt den Sohn mir wollte morden,
Als er geschrien in seiner Todesnot,
Als er am Kreuz gestorben ist den Tod!
Dort ist mein Mutterherz mit seinem Herzen
Vereinigt worden ganz zu Einem Herzen,
Zu einem einig Herzen voll der Liebe!
Nur eine heiße Sehnsucht kennt die Liebe
Der Mutter mit dem Sohne: Zu erlösen
Die Kinder alle aus dem Fang des Bösen,
Die Seelen allesamt für Gott zu retten,
Sie in der Liebe Gottheit Schoß zu betten!
Das Eine Herz der Mutter mit dem Sohne,
Der Fraue und des Herrn, ist die Ikone
Des Ewigen, des Ursprungs dieser Minne,
Gott ist die Quelle, ist im Anbeginne
Die Liebe, die sich offenbaren will.
Aus dieser Minne bin ich Jungfrau still,
Aus dieser Liebe auf dem Gottesthrone
Bin ich die schöne Mutter mit dem Sohne,
Bin ich die Mutter, die die Liebe preist,
Die Schöne Liebe, die da ist der Geist.
So kommt zu mir, geliebte Menschensöhne,
Ihr Kinder Gottes, denn ich bin die Schöne.
XVIII

Als Schmerzensmutter bin ich den Betrübten


Geworden Mutter wie dem Sohn-Geliebten,
All die da leiden an der Liebe Geiz,
Die sollen Liebe schöpfen unterm Kreuz,
Das ist die Regel für den Minneorden,
Dort bin ich Mutter allen euch geworden,
Dort Frau des Herrn. Du, suchst du meinen Reiz,
So suche du die Jungfrau unterm Kreuz!
Wo könntest du denn sonst den Trost erfahren?
Dort will ich meine Liebe offenbaren,
Dort will ich schenken meiner Schönheit Reiz,
Im Dornenbett der Minne, an dem Kreuz,
Dort gebe ganz ich mich dir hin in Reinheit,
Die Liebe Fraue und der Herr in Einheit
Eröffnen dort mit einig-einem Herzen
Dir Heil und Heilung allen deinen Schmerzen.
Hier ist der Ruhe Stätte, dunkle Nacht,
Hier ist die Wirksamkeit, der Liebe Macht!
Der Himmel hat der Erde beigewohnt,
Die Sonne zittert hier, es bebt der Mond,
Hier geht im Herz dir auf der Morgenstern:
Ich Morgenstern, ich Minne deines HERRN!

DAS IDEAL

CHRISTUS:
Mein Bruder, du liebst meine liebe Mutter
Und bist in der Marienminne glücklich!
Noch lange liebst du Sie nicht in dem Maße,
Wie ich es von dir möchte, o mein Freund.
Du liebst sie, weil du Reinheit liebst und Schönheit,
Liebst sie als Inbegriff der reinen Schönheit;
Du liebst sie, wie man liebt, die gütig sind,
Weil niemand gütig ist wie sie und hilfreich;
Du liebst sie, wie ein Kind die Mutter liebt,
Weil kleine Kinder doch die Mutter lieben;
Du liebst sie, weil du ihre Liebe schmecktest;
Du liebst sie, weil du in der Weisen Schriften
Gelesen, daß die Andacht zu Maria
Der beste Weg zu Heiligung und Heil ist.
Das alles ist sehr gut. Doch Einen Grund
Will ich dir mehr noch geben, denn du sollst
Doch nicht zufrieden sein mit Mittelmaß,
Nicht einmal mit dem Guten, mit dem Bessern,
Genügen soll allein dir das Vollkommne!
Kennst du vollkommne Andacht zu Maria?
Soviel du forschst, du findest nirgendwo
So reine Andacht zu Maria, wie
Teilnahme an der Sohnesliebe Christi
Zur Mutter der gottmenschlichen Person!
Besteht denn die Vollkommenheit der Jünger
Nicht in der Ähnlichkeit mit ihrem Meister?
Und hab ich dir gegeben nicht das Beispiel,
Damit du handelst, wie ich handelte?
Hat nicht auch Pauli Weisheit oft verkündet,
Er wolle sich in Christus kleiden, Christus
Nachahmen, eines Sinnes sein mit Christus?
Kannst du denn meine Mutter lieben mehr
Als ich sie liebte, liebe, lieben werde?
Drum lieb die Mutter du mit Christi Liebe!

PSYCHE:
O Jesus, welche wahrhaft große Aussicht
Eröffnet meinem Geist die Anteilnahme
An deiner Sohnesliebe zu Maria!
Doch wie kann ich, befleckt von meinen Sünden,
Die unbefleckte Liebe je erreichen,
Das makellose Ideal der Liebe?

CHRISTUS:
Mein Bruder, daß du meine Sohnesliebe
Zur Jungfrau-Mutter mit dem Geist ergreifst,
Versteh: Ich bin ihr Sohn, weil ich es wollte!
Als ich herausging aus des Vaters Schoß,
Die Menschheit zu erlösen, wählte ich
Den Weg der Wege: durch Marien Schoß!
Ich hab Maria selbst im Geist erschaffen,
Die Makellose Konzeption Maria,
Weil ich ihr geben wollt das Amt der Mutter!
Ich schuf sie so, sie wurde so durch mich,
Damit ich durch sie werde, der ich bin.
Ich bin in Wahrheit ihr geliebter Sohn.
Wie jedes Kind nahm ich von meiner Mutter
Fruchtwasser an und Mutterkuchen, nahm
Ihr Blut und ihren Atem an im Schoß
Und wurde wahrlich Fleisch von ihrem Fleische!
Dann nährte mich die Milch von ihren Brüsten,
An ihrer Brust war mein gelobtes Land,
In welchem Milch und Honig überfließen.
Von ihrer Hand ward zärtlich ich gestreichelt
Und ihre Weisheit hat mich unterrichtet.
Ich bin ihr Kind in höherm Grade noch,
Als du das Kind bist deiner Erdenmutter,
Weil meine Mutter ganz allein es war,
Die aus dem samenlosen Schoße mich
Gebar, als Mutter-Schöpferin des Schöpfers!
Ich bin ihr Kindlein ganz und gar, als Gott-Mensch!
Es war die Schöne Liebe, die mich trieb,
Der wunderschönen Jungfrau Sohn zu werden,
Die Schöne Liebe zu dem Ewigen,
Daß ich den Menschen Gottes Huld verkünde,
Die Schöne Liebe dann zu meiner Mutter,
Die mir mehr Freude macht als alle Engel,
Die Schöne Liebe zu den Menschen dann,
Zu dir die Schöne Liebe, o mein Bruder!

(Pause.)

Betrachte auch, was meine Sohnesliebe


Zur Lieben Frau mir alles eingegeben:
Von Ewigkeit her dachte ich an Sie,
In Gottes Geist war sie die Große Mutter,
Ich sah in ihr schon meine Jungfrau-Mutter.
Ich dacht an Sie, als ich den Himmel schuf
Mit allen Engeln, daß sie Sie verehren,
Ich dacht an Sie, als ich die Erde schuf
Mit allen Menschen, daß sie Sie verehren!
Ich dacht an Sie, als ich zu Eva sprach
Die Prophezeiung von des Weibes Samen.
Ich dacht an Sie, als ich den Patriarchen
Und den Propheten offenbarte mich
Und offenbarte Sie den Weisheitsdichtern!
Die Liebe zu der Jungfrau-Mutter mich bewog,
Mit jedem Vorzug auszustatten Sie,
Wobei schon jeder Vorzug übertrifft
Das Größte, das ich tat an Heiligen.
Sie, sie allein war unbefleckt
Von aller Sünde, schon in der Empfängnis.
Vorauserlöst durch Kreuz und Auferstehung
Schon als ein Lebenskeim im Mutterschoße,
Frei von Begier und Unvollkommenheit
Als Kind, als Tempelmädchen voll der Gnade,
Als keusche Geistesbraut die Gnadenvolle,
An Gnaden reicher als die Engel alle
Und Heiligen von Anbeginn der Welt!
Aus Gottes Schoß bin ich zur Welt gekommen,
Die Menschheit durch mein Opfer zu erlösen,
In Fleisch und Blut der Liebe Ganzhingabe –
Da widmete ich dreißig Lebensjahre
Allein der Mutter, drei den andern Menschen.
Ich hab nicht nur an meinem Innenleben
Und jedem Vorzug meiner Seele sie
Teilnehmen lassen, hab nicht nur vertraut
Mit ihr gelebt, im reinsten Sinn intim;
Ich gab ihr Anteilhabe an der Sendung,
Mit der ich kam, die Menschheit zu erlösen,
Ich machte Sie zur Miterlöserin,
Zur Mittlerin zu Gott, zur Advocatin!
Ich wollte, daß sie in dem Himmelreich
Ausspenderin der reichen Gnaden sei,
Schatzkammer aller Gnaden, Gottes Schatz!
Wie ich auf Erden einst ihr Sohn gewesen,
Bin ich im Himmel immer noch ihr Sohn.
Mein größtes Glück im Himmel aber ist,
Die Großmut meiner Mutter zu vergelten,
Die Liebe, die sie immer mir geschenkt!
Auch höre dies: Ich setze ja mein Leben
Im Corpus Mysticus, der Kirche, fort.
Mein Geist ist ja die Seele dieser Kirche,
Und was die Kirche tut, das tue ich:
Wie sie Marias Herrlichkeit verteidigt
Und feierlich verkündigte in Dogmen,
In päpstlicher Unfehlbarkeit die Dogmen
Von ihrer Makellosen Konzeption
Und ihrer Himmelfahrt mit Leib und Seele;
Wie zahlreich feierte die Kirche Feste
Zu ihrer Ehre, förderte die Andacht
Zur Herrin schöner Minne in dem Maien,
Zur Frau des Rosenkranzes im Oktober;
Wie Kommunionen ihr gegründet worden,
Wie Orden ihr gegründet sind, Karmel
Vor allem, der dir alles beigebracht.
Sieh auch die Kinder dieser Kirche an:
Schau Bernhard von Clairvaux, den Troubadour
Der Schwarzen Jungfrau, Juan Diego schau,
Der ganz gedient der heiligen Ikone,
Louis-Marie Grignion schau an, den Minner
In seiner Ganzhingabe an Maria,
Und schau Johannes Paulus an, den Großen,
Der meine Menschheit Unsrer Frau geweiht!
Schau an das Volk der Kirche, schau die Polen
Mit ihrer Göttin von dem klaren Berge,
Die Mexikaner, alle Indios,
Die eignen allesamt der Schwarzen Jungfrau,
Schau an die Menschen, die gepilgert sind
Nach Lourdes zur Quelle und nach Fatima,
Und an die Kinder denk von Medjugorje!
Scharfsinniger das Volk oft als Gelehrte,
Die oft bei allem Wissen wenig wissen
Vom Heil der Ganzhingabe an Maria!
Das alles und unendlich mehr noch ist
Ein Zeichen meiner großen Sohnesliebe
An die verborgene, vollkommne Mutter!
Denk auch, was tut die Kirche in dem Himmel
In Heiligen und Seligen, Erlösten
Und Engeln? Alle feiern Sankt Maria,
Weil Sie allein das Heil geschenkt der Schöpfung,
Weil Ihre Leibesfrucht das All erlöst!
An dieser meiner großen Sohnesliebe
Teilhaben soll nun mein geliebter Bruder:
Weih dich in Ganzhingabe Sankt Maria,
Weih dich in ihrem Unbefleckten Herzen
Der Allerheiligsten Dreifaltigkeit!
Dann freue dich in Hoffnung auf die Zeit,
Da du im Himmel bist vor Ihrem Antlitz!

PSYCHE:
O Jesus, wundervoll ist solche Minne!

ROSE MEINER MINNE

So greife nach dem schönen Morgenstern,


Entfache deine Fackel an dem Herrn!
Wir kennen unser Ziel, des Pilgerns Ziel,
Es gibt nur Einen Weg ins Liebesspiel,
Den Weg des Kreuzes mit des Sterbens Schwere,
Daß wir erstehen aus der Erdensphäre
Und steigen auf dem Berg aus Fegefeuer
Hinan in schöner Minne Abenteuer!
Wir leben nur als Heldin hier und Held,
Um aufzusteigen in die Sternenwelt!
Wir schaun nicht auf den breiten Weg, den Sumpf,
Die Engel singen über uns: Triumph!
Strahlt unsre Herzensfackel in der Hand,
Zieht sich ein goldnes Band aus Licht, ein Band
Der Liebe, süßer als der Liebe Traum,
Zieht sich der Liebe Fessel durch den Raum.
Wir sind vereinigt, Perlen unsre Wunden,
Wir sind schon mit dem Morgenstern verbunden!

II

Im Liebeswillen Gottes sind verbunden


Die Männer und die Frauen, ihre Wunden
Geworden sind zu Perlen schöner Reinheit,
Wenn eins geworden sie in Liebeseinheit.
In gottgewirkten Bindungen aus Flammen
Der Liebeslust schließt sich erneut zusammen,
Was schon im Ursprung, schon in der Idee
Ist eins gewesen, liebend je und je.
Wenn auch Jahrtausende vergangen sind
Und Seelenmeer geteilt vom Schicksalswind,
Im Ewigen vereint sind Er und Sie,
In Gottes wundersamer Harmonie.
Wenn Menschen in der Welt der Liebeswunden
Noch einsam sind, nicht liebevoll verbunden,
So nur, weil sie noch schmerzlich reifen müssen,
Bis sie erkennen, küssen, küssen, küssen!
Die Menschen aber, die schon auf der Erden
In mystischer Union vereinigt werden
Mit Gott, vereint in schweren Liebestoden,
Die bindet Gott durch seines Himmels Boten,
In höchster Seligkeit empfinden sie,
Wie sanft und zärtlich Gott berührt und wie
Entzückend seine Liebe sie erfüllt,
Die Seele sanft umarmt und völlig stillt!
Die gottverlobten Seelen aber glänzen
Nicht einsam, sie auch müssen sich ergänzen,
Den Beter, Büßer und den Gottesmann
Zieht auch das Ewigweibliche hinan.
Wir steigen in das Paradies gemeinsam –
Ich minne dich, mein Mann, du bist nicht einsam!

III

Im Himmel sollt ihr meine Gäste sein,


Ich lade euch in meine Wohnung ein,
Getreue, zeig euch mehr als ihr erhofft.
Ihr ward zu Gaste ja bei mir schon oft,
Wenn ihr vor den Altären mir vertraut,
Die eure fromme Minne mir erbaut.
Du warst so oft mein Gast, wenn du mir sangst,
Wenn du mich Schutzfrau riefst in deiner Angst,
Wenn du mir weihtest Weh der Liebesnot,
Zu mir gebetet hast um frühen Tod –
Wenn du zu deines Geistes Neugeburt
Zu mir gepilgert bis zum Quell von Lourdes,
Wo du in deiner Leidenschaft begehrend,
Leidtragend warst, das Liebesglück entbehrend,
Entsagend Liebender in schwarzem Leid,
Fürbittend selbstlos um die Seligkeit
Der Andern, Hoffnung suchend für das Herz,
So kamst du aus der Welt, beschwert von Schmerz!
Du warst mein Gast in deiner Trauer Trübe,
Ich stärkte dich mit Gnaden meiner Liebe!
Nie gingst vergeblich du zur Jungfrau-Braut,
Blieb keine deiner Kerzen unerschaut!
Ich stehe in Gestalt und Antlitz, Geist
Und unbeflecktem Herzen, das ihr preist,
Empfinden und Gefühl, hoch über Allen,
Die jemals eurer Minne Wohlgefallen,
Was jemals Lust begehrte anzuschauen:
Ich bin die Allerschönste aller Frauen!

IV

Nun kommt, da ihr nun meine Gäste seid,


Und seht, was ich euch liebend zubereit:
Ein lecker Mahl auf schön gedecktem Tisch,
Von Honigseim und Galiläas Fisch,
Und trinken werden wir in meinem Garten.
Genießt es froh und dankerfüllt mit zarten
Gebeten, wie die Kinder Gottes Gaben
Genießen sollen fröhlich, die erlaben.

Die Märchenträume eurer Kindertugend,


Die Liebessehnsucht eurer wilden Jugend,
Die hoffnungsfrohe Hoffnung in dem Alter,
Daß eure Seele aufsteigt wie ein Falter,
Von einem höhern Sinn des Lebens schier
Erfüllen werden sie sich alle hier,
Vertraut wie Lieder den Belesenen,
Wie Heimat lange Ferngewesenen.
Zutiefst vertraut die Schönheit ohne Fehle
Ist jeder edlen gottverbundnen Seele.
Was immer durch den Schönheitssinn auf Erden
Von Künstlern konnte schön gestaltet werden,
Was je gesungen hat ein Musenheld,
Entsprang dem Genius in Gottes Welt!
Auf eurer Erde jetzt die Harmonieen
Verklingen, Gottes Hymnen leise fliehen,
Der Engel Chorlied niemand mehr betört,
Verhallen sie auf Erden ungehört.
Noch liegt ein Glanz aus der Vergangenheit
Auf eurem menschlichen Geschlecht, von weit
Und alters her erfüllt die Kreatur
Der Neuzeit Meisterwerke der Kultur.
Ihr konntet sie in Gottes Sphären sehen,
Wo sie in Ewigkeiten fortbestehen...!

VI

Nun seht mein Haus, Juwel der Architektonik,


Gebaut aus Marmor, weiß und gold wie Honig,
So steht es, schwebend aber wie mit Flügeln,
Auf meinem Berge über sieben Hügeln.
Mein Heim ist Wärme, Schönheit, Blumenduft,
Ist Sonnenstrahlung in des Äthers Luft,
Ist lichterfüllter Raum, ein Blicken weit,
Es ist behagliche Geborgenheit.
Im Anspruch meiner Seele nach dem Schlichten
Ihr werdet nicht viel Prunk und Zierat sichten,
Nicht lieb ich Luxus und nicht Eitelkeit,
Der reinen Schönheit alles ist geweiht.
Aus allen Sternenreichen kommen Gäste
Zum ernsten und zum freudenreichen Feste,
Die schönen Jungfraun und die lieben Schenken,
Die Weisen all zum frommen Angedenken,
Die schönen Frauen mit erfrischten Pulsen,
Sie sind zu inspirierenden Impulsen
In meinem Reich geworden, schöne Lichter,
Die glühend lieblich um der Liebe Dichter.

VII

Ihr, meine Engel, ausgeflogen seid,


Zu schaun die Herrin in der Ewigkeit.
Nun ruft euch heim die irdische Natur
Zum wehen Seufzerland der Kreatur.
Bevor wir aber scheiden, ihr Geliebten,
Laßt uns mit Blicken noch, mit ungetrübten,
Mein Land beschauen, wie es fruchtbar glutet:
Weinberge um Marien Stadt durchflutet
Vom fruchtbarreichen Liebesgruß der Sonne,
Im Himmel tanzt die Erde der Madonne,
Ist alles Milch und Honig und Arom,
Die Sterne tanzen auf dem weißen Strom,
Die Himmlischen in ihren Kleidern beben,
Die Engel pilgern um das Blut der Reben,
Wo Jesus spricht in Worten süßer Gnade
So lieblich wie das Zirpen der Zikade.
Dann schaue auch die Stadt mit seinen Gärten,
Wo Kätzchen schimmern an den schlanken Gerten,
Wo Bienen summen, Nektar an den Stulpen,
Wo Admirale minnen rote Tulpen,
Wo abends in der blauen Blume Dämmer
Am Deich des Stromes weiden weiße Lämmer,
Sie steigen mittags auf die Bergeshöhen,
Im weißen Dämmer Lämmer weiß zu sehen,
Bis Orione und Plejaden küssen
Die lichten Nymphen in kristallnen Flüssen
Und Selige in Christi Bacchanale
Aufjauchzen vor dem ewigen Fanale
Und selig sich umarmen Mann und Maid
In Gottes heiligschöner Einsamkeit!
Es ruft die Mutter, die Natur, ringsum
Die Menschen all in das Mysterium
Der Gottergießung voll der höchsten Wonne,
Wenn alle baden sich in Gottes Sonne,
Wenn Gottes Liebe sich wie eine Sphäre
Im Himmelssüden breitet überm Meere
Und alle Menschenseelen fruchtbar fruchten
Von Liebe selig in der Wonne Buchten
Und sich in Gott die Seligen und Reinen
Zur Liebe sich, zur Ewigen, vereinen!

Dies schenk ich dir, mein Dichter, der den Reim hat,
Dies schenk ich dir, dies Gleichnis deiner Heimat.
Zum Abschied nimm den schweren Schluck von Glut,
Trink meine Minne du in Christi Blut!...

MARIEN MINNESANG

Geliebte, ich, ich geb euch Kraft zum Leben,


Ich, Söhne, werde sie euch immer geben.
So ruft mich an, ein leises Ave haucht,
Wenn meinen Trost ihr, meine Hilfe braucht.
Die Furcht und Bangnis immer von euch fleuch,
Denn ich bin stets und überall bei euch.
Seid ruhiger und seid mehr ausgeglichen,
Nicht abgesondert und nicht abgewichen.
Ich führe euch als Hirtin mit dem Stab.
Euch sondert nicht von andern Menschen ab.
Ach Engel, aufmerksam hör ich euch zu,
Ich führ euch eine sichre Straße in die Ruh.
Seid alle glücklich, weil ich für euch bitt,
Mein Segen sei mit euch auf Schritt und Tritt.
Ich schütz vor allem die als Helden-Maid,
Die sich der Unbefleckten ganz geweiht.
Auf bald, ihr Engelein, mein Dank ist groß,
Zu euch die Liebe mein ist grenzenlos!
Seid mit mir glücklich, froh sei euer Sinn,
Weil ich mit euch auch, Engel, glücklich bin.
Nehmt alles an aus Liebe, auch die Leiden,
Die Unannehmlichkeiten, Schwierigkeiten,
Nehmt alles an und achtet nicht des Spottes,
Weiht euch der Ewigen Schönen Liebe Gottes!
Sei glücklich! Ich, die Mutter aller Schmerzen,
Ich liebe dich, mein Sohn, von ganzem Herzen!
Wenn du von Gott empfangen eine Gabe,
Sei stolz und sprich: Von Gott ichs habe.
Ich geb dir meine Liebe, die du liebst,
Daß meine Liebe du den Andern gibst.-
Geliebte, betet großen Betern gleich,
Daß anbricht in der Welt der Liebe Reich!
Wie glücklich würden alle Menschen sein,
Wenn Ewige Liebe herrschte ganz allein!
Bejaht geduldig alle eure Leiden,
Laßt euch durch Leiden nicht von Christus scheiden,
Der doch geduldig ist zum Kreuz geschritten,
Für euch geduldig seinen Tod erlitten.
Tut auf die Herzen, Minner, laßt mich ein,
Ich will euch Königin des Herzens sein!
Ich werde euch zum Frieden und zum Glück,
Zum Schoße Gottes führen euch zurück.
Ich bin sehr froh, weil es sehr viele gibt,
Die sich mir weihen, mancher Mensch mich liebt.
Ich danke euch! Ihr habt euch nicht geirrt,
Mein Sohn, der Herr, der euch als Hirte führt,
Will euch durch mich besondre Gnaden geben.
Mein Sohn ist froh, schenkt ihr mir euer Leben.
Ich habe euch ja mehrmals schon gesagt,
Daß ich euch auserwählt, ich, Gottes Magd,
So wie ihr seid, ihr in dem Sündenfalle,
Denn ich, die reine Mutter, lieb euch alle.
Besonders danke ich von allen jenen,
Die lieben mich mit Seufzern und mit Tränen,
Die mit gebrochnem Herzen voller Schmerzen
Der Minne weihen sich in meinem Herzen...
Ich dank euch, daß ihr betet wie mein Orden,
Ihr seid mir lieber noch als lieb geworden.
Tut auf die Herzen aller Herzen Herrn!
Gebt was ihr fühlt, gebt was ihr leidet, gern
Und ganz der Gnadenmutter der Erlösten,
Ich will in jeglicher Versuchung trösten
Und euch mit Ruhe, Ja zu Gottes Willen,
Mit Glück und schöner Liebe ganz erfüllen.
Ich, Lieblinge, bedanke mich im Geist
Für alle Liebe, die ihr mir erweist.
Ihr wisst, Geliebte, darum seid nicht trübe,
Daß ich euch grenzenloser Liebe liebe!
Ich will, daß jeder pilgernde Geselle,
Der bei mir war an meiner Gnadenquelle,
Mir ein Geschenk im Paradiese weiht,
Das ist in Gottes Liebe Heiligkeit!
Ihr wisst, daß ich euch liebe, euch erkenne,
Daß ich für euch aus heißer Liebe brenne!
Geliebte, weiht euch ganz der Schönen Liebe,
Daß Ewige Schöne Liebe in euch bliebe.
Weiht euch nicht der Verliebtheit voll des Spottes,
Weiht euch allein der großen Liebe Gottes! –
Heut will ich alle meine Minner rufen,
Die stehen an der Himmelstreppe Stufen,
Euch rufe ich als Minneherrin süß:
Für mich entscheidet euch, fürs Paradies!
Ihr, liebe Söhne, wißt, seid nicht vergeßlich,
Ich lieb euch grenzenlos und unermeßlich!
Ich will, daß jeder wie ein Rehbock röhre
Auf Scheidebergen, ganz mir ganz gehöre!
So freuet euch! Ich leg euch an die Brüste,
Ich schenke euch von Herzen Jesus Christe!
Geliebte mein, ich liebe euch als Braut,
Ich will, daß ihr euch ganz mir anvertraut,
Daß jeder Minner sei mein Ehemann,
Daß ich ihn in die Liebe führen kann!
So betet um Erkenntnis, daß mein Eigen
Ihr seid, dann werdet ihr vor Wonne schweigen.-
Ihr sollt die Schönheit jener Menschen denken,
Die sich mir ganz mit ganzer Liebe schenken.
Gott sandte mich zu euch, vom Herrn Erlöste,
Daß ich euch führe, rate, helfe, tröste.
Ich danke sehr dem Schöpfer aller Dinge
Für diese Zeit, die ich mit euch verbringe.
Hier bin ich, meine Lieben, euch zu führen.
In Wonnen könnt ihr schon den Himmel spüren.
Ich, ich bin mit euch, jetzt und alle Zeit,
Und euer Leid ist auch der Mutter Leid.
Geliebte, Zärtlichkeit des kleinen Christe
Sei mit euch von den Höhen meiner Brüste!
Ich liebe euch mit schöner Minne süß
Und führe alle euch ins Paradies!
So freuet euch und seid nicht mehr betrübt,
Weil Gott, die Ewige Liebe, ganz euch liebt!
Ich bin euch nahe, Minner, makellos
Geliebte, lade euch in meinen Schoß.........

MARIA VON NAZARETH

GABRIELADE

Sankt Maria stand im Garten,


Schöne Mutter Nazarenus,
Flora Nazareths, die Blume
In der Hand war eine Rose,

In der Hand die rote Rose


War die Rose von der Sorte
Neuer Morgen, neuer Morgen
Hieß die Rose Sankt Mariens.

Aber leise eine Schlange


Nahte Unsrer Lieben Fraue,
Kommend von dem Feigenbaume
Schlich die Schlange zu Maria.

Diese Schlange war sehr listig,


War die klügste aller Tiere.
Zur Versuchung kam die Schlange,
Unsre Herrin anzufechten.

Und es sprach mit Menschenstimme


Zu Maria diese Schlange:
O Maria, Gottes Sklavin,
Sollst du Gottes Sklavin heißen?

Möchtest du nicht Göttin heißen,


Himmelskönigin Astarte
Oder Liebesgöttin Ishtar
Oder Jenseitsgöttin Isis?

Sei die göttliche Madonna,


Braut und Mutter deines Sohnes,
Deines Sohngeliebten Jesus,
Deines sterbenden Adonis!

Ja, du wirst zur Göttin werden,


Werden ewig wie die Gottheit,
Schöpferin des Weltalls heißen,
Nur anbete du die Schlange!

Nur anbete du die Schlange:


O du Weisheit aller Weisheit,
Voll des schöpferischen Eros,
Mein Gebieter, Gott-sei-bei-uns!

Aber Unsre Liebe Fraue


Als die Königin des Friedens
Blieb bei der Versuchung ruhig,
Betete in Seelenruhe:

O du schöner Stern des Morgens,


Wie im Anbeginn der Welten
Warst du herrlich auf dem Gipfel,
König auf dem Götterberge,

Wie war strahlend deine Weisheit


Und bewundert deine Schönheit
Von den klugen Cherubinen
Und den lieben Seraphinen!

Jade, Nephrit, Onyx, Jaspis,


Lapislazuli umgab dich,
Strahlen flossen von dir schimmernd,
Und du warst der Fürst der Engel!

Aber zu dem Throne Gottes


Voll Begierde du begehrtest,
Wolltest sitzen in dem Throne
Gottes, Herrscher sein der Welten!

Darum stürzte dich der Gotther


Aus dem hohen Himmelreiche,
Du bist wie ein Blitz gefallen
Aus dem Himmelreiche, Satan.

Siehe, Gott hat mich geschaffen


Als Geschöpf, als makelloses,
Neue Eva, Liebe Fraue,
Ich zertrete dir den Schädel!

Und Madonna hob das Füßchen,


Bloßes Füßchen der Madonna,
Henna auf den Perlenzehen,
Angsterfüllt davonkroch Satan!

Zu Maria, Unsrer Fraue,


Kam der große Engel Gottes,
Gottes Kraft, so heißt sein Name,
Gabriel sei hochgebpriesen.

In dem langen weißen Kleide


Stand er da, die Schwingen schneeig,
Um den Busen einen Gürtel
Golden wie von Uphas-Golde.

Seine langen lichten Haare


Flossen um das lichte Antlitz,
Seine Augen, große Sterne,
Brannten wie des Himmels Feuer.

Seine Beine glichen Säulen


In dem Tempel Salomonis,
Seine schönen bloßen Füße
Aber strahlten goldenerzen.

Um die englische Erscheinung


Schimmerte ein Regenbogen,
Buntgekleidet wie die Iris,
Die die Botin war der Götter.

In den großen weißen Schwingen


Hielt der schöne Engel Gottes
Eine goldne Leier, himmlisch
Tönten seiner Leier Saiten.

Seiner Stimme Meeresrauschen


War durchsetzt mit Donnerworten
Und dem süßen sanften Säuseln
So als wie des Windes Wehen.

Also sang der Engel Minne,


Sang den Sang der Minne Gottes,
Unsre Liebe Frau Maria
War des Engels Minnedame.

Fraue! Allgebenedeite
Fraue bist du voll der Gnade,
Ave, gratia plena, ave,
Salve, o Regina, salve!

Chaire kecharitomene!
Freue dich, o Liebe Fraue!
Die du bist die Gnadenvolle,
Die Holdselige, die Holde,

Hulda möchte ich dich nennen.


Wahrlich, Unsre Liebe Fraue,
Huld hast du bei Gott gefunden,
Du bist Gottes Minnedame,

Du bist Gottes Auserwählte,


Du bist die Erkorne Gottes.
Gott nun sendet seinen Engel,
Dich recht minniglich zu grüßen:

Siegelbild der Gottesschönheit!


Becher du der Ganzhingabe!
Rose du der Morgenröte!
Paradieses Neue Eva!

Siehe, Minne will ich singen


Als Galan und als galanter
Dichter deines Minnehofes
Und dir huldigen, o Fraue!

Bitten will galant und höfisch


Gott um deine Hand, Liebfraue,
Gott will dich zur Ehe, Jungfrau,
Dich zur Mutter seines Sohnes! –

Leise lächelte Madonna:


Ja, ich will! In sanfter Demut
Und Holdseligkeit verneige
Ich mich vor dem edlen Gottherrn!

Ja, die Mutter seines Sohnes


Will ich werden, wie es Gott will,
Aber bleiben reine Jungfrau,
Unberührte reine Jungfrau!

Unsre Liebe Frau Maria


Sah den Frühlingshimmel offen,
Schaute Heilig Geist als Singschwan
Durch denn lichten Äther pfeilen.

Heilig Geist, der reine Singschwan,


Welcher singt vom ewgen Leben,
Brachte Unsrer Lieben Fraue
Wundersame die Wonnenbotschaft:

Gott ist Liebe, Gott ist Liebe,


Gott ist Caritas und Eros!
Gott ist Vater, Gott ist Schöpfer,
Gott ist Ur-Idee des Eros!

Gott ist Eros, Gott ist Eros,


Gott ist Bräutigam der Seele,
Gott ist Minner, Gott ist Freier,
Gott will lieben die Geliebte!

Gottes Eros schickt den Singschwan


Heilig Geist voll Gottes Eros.
Gott will in dem Heilgen Geiste
Die Geliebte ganz erkennen.

O Geliebte, du Geheimnis,
Gott allein kann dich erkennen,
In dem Brautgemach der Seele
Ist dein Bräutigam der Schöpfer.

Heilig Geist, der weiße Singschwan,


Schwebte zu dem Schoß Mariens,
Ließ sich nieder auf dem Schoße,
Sang den Hymnus an den Eros.

Weib, dein Schoß ist wie ein Becher,


Welchem nie der Mischwein mangelt,
Und die Wölbung deiner Hüfte
Wie Geschmeide eines Künstlers.

Unsre Liebe Frau liebkoste


Sanft den Schlangenhals des Schwanes,
Daß der Singschwan sang von Hochzeit
In dem Paradies der Liebe.

Unsre Liebe Frau Maria


Wear ein Zelt der Offenbarung,
Überm Zelt der Offenbarung
Schwebte Gott in goldner Wolke.

Oh das Brautgemach des Zeltes


War jungfräuliche Empfängnis,
War Empfängnis, makellose,
Schöpferischen Eros‘ Gottes.

Gottes goldne Wolke aber


Voll des Glanzes, voll der Strahlen,
Senkte liebend sich hernieder
Fruchtbar zu dem Schoß des Zeltes.

Offne Pforte, Hauch von Schleier,


Purpurdecken, violette
Tücher in dem Heiligtume,
Weibes wesentliche Schleier,

Wurden überwölbt vom Geiste,


Der im schöpferischen Drange
Voll des schöpferischen Eros
Einging in des Bundes Hütte.

Über dem geliebten Schoße


Unsrer Lieben Frau der Frauen
Als dem Turm von Elfenbeine
Niederging der goldne Regen.

Gott in goldnen Segensströmen


Voll der Fluten seiner Liebe
In der Fruchtbarkeit des Geistes
Sich ergab in Unsre Fraue.

Unsre Fraue wurde fruchtbar,


Die Mitschöpferin des Schöpfers
In der heiligen Empfängnis
Ward zur Schöpferin des Schöpfers.

Gott und Unsre Liebe Fraue


Schufen in der ehelichen
Mystischen Vereinung Eros
Unsern Herrn, Messias Jesus.

Josef war der Ehegatte,


Der vom Schicksal auserwählte
Ehemann der Gottesmutter,
Welcher schlief im eignen Bette.

Unsre Liebe Frau Maria


Schlief allein mit ihrem Kinde
In des Himmelsbettes Federn
Unter sanften Purpurdecken.

Bei der Werbung um die Jungfrau


Warb auch Schalak Eben-Ezer
Um die benedeite Jungfrau,
Ward vom Schicksal abgewiesen.

Gottes mütterliche Vorsicht


Wählte Schalak Eben-Ezer
Zum geweihten Gottesmanne,
Gottesmann der Gottes-Ehe.

Auf dem Karmel in der Höhle


Eines Eremiten lebte
Einsam Schalak Eben-Ezer,
Aber Unsre Frau mit Josef.

War ein Zimmermann Sankt Josef,


Kam er abends aus der Werkstatt,
Schlief schon längst das Jesuskindlein,
Von Liebfrau in Schlaf gesungen.

Aber an den Nachmittagen


Spielte Jesus mit den Vettern,
Unsre Liebe Frau Maria
Sprach dann mit den drei Marien.

Aber Schalak Eben-Ezer


Einsam lag in seiner Höhle
Betend auf dem Angesichte
Vor der Gottheit seines Lebens.

Einmal nur in seinem Leben


Sah er Unsre Liebe Fraue
Und um sie den Lichtglanz Gottes,
Sah der Gottesschönheit Spiegel,

Sah Liebfraue in dem Nimbus,


Sah die Herrlichkeit, den Lichtglanz,
Sah die Frauenschönheit Gottes,
Gottes mütterliches Antlitz!

Einmal nach dem Nachtgebete


Und dem vierten Becher Mischwein
Schaute Schalak Eben-Ezer
In des Schlummers Nachtvisionen

Unsre Liebe Frau Maria.


Warum heißt sie Unsre Fraue,
Wenn sie nicht die Liebe Fraue
Ist von Schalak Eben-Ezer?

Unsre Fraue war die Fraue


Auch von Schalak Eben-Ezer!
(Nein, das war nicht seine Mutter,
Nein nicht seine Jugendliebe.)
Die Madonna seiner Seele
Kam im leichten Nachtgewande
Eines seidnen Unterrockes
In der Mitternacht zum Träumer,

Öffnete das negligente


Nachtgewand, den Hauch von Seide,
Drückte den verliebten Träumer
Liebreich an die Lilienbrüste!

Da er lag an ihren Brüsten,


Bebenden Gazellenkitzen,
Schaute sie ihn an liebfraulich:
Ich bin deine Braut und Mutter.

Ja, die große Gottesmutter


War die Mutter seiner Seele,
Ja, die mystische Madonna
Die Geliebte seines Lebens!

In erotischer Liebkosung
Liebte Schalak Eben-Ezer
Die Madonna seiner Seele,
Seines Paradieses Eva.

Siehe, die Madonna flehte


Während ihres Liebesspieles:
Herre, lieb mich oft und lange!
Herre, lieb mich heiß und heftig!

DIE LÄCHELNDE LADY

Prolog

Einst zu Himmelfahrt Mariens


Sah in Televisionen
Ich in Indiens Gefilden
Einen Wallfahrtsort Mariens.

Dort in einer Gnadenstunde


Ist die Liebe Frau des Himmels
Einem kleinen Kind erschienen,
Schenkte Milch dem kleinen Kinde.

Mutter India, die große,


Dankt der Lieben Frau des Himmels
Jährlich nun mit Prozessionen,
Mit der Hindostanen Wallfahrt.
Hindus baden in der Ganga,
Scheren kahl sich ihre Schädel,
Auch in Indien Muslime
Feiern des Propheten Mutter,

Juden auch im Fernen Osten


Ehren diese Tochter Zion,
Katholiken singen Ave,
Singen der Regina Salve.

Alle nennen sie die Lady,


Sie die Lady mit dem Lächeln.
Ihre Dichter singen Hymnen
Ihr, die meine Minneherrin.

Alle religiösen Dichter


Aus den Hindus und Muslimen,
Juden oder Katholiken,
Hab ich übersetzt ins Deutsche.

Mutter India, die große,


Ihre Söhne, die Poeten,
Singen nun in deutschen Versen
Sie, die Lady mit dem Lächeln.

Der Hindu

O Maria, meine Göttin,


In dem Pantheon der Götter
Hab ich dich erwählt zur Göttin,
Göttin, Mutter schöner Liebe!

Eines ist das absolute


Ewige und höchste Wesen,
Unerkennbar, unbenennbar,
Unerforschlich, unergründlich.

Aber wie die Weisen sagen,


Stellt sich dieses höchste Wesen
Vor dem Gläubigen gestaltet
Dar als Dasein aller Götter.

So das Schöpferwesen Gottes


Ist der anfanglose Brahma,
Das Erhalterwesen Gottes
Ist der wunderbare Vishnu,

Die Zerstörerkraft des Gottes


Ist der große Tänzer Shiva,
Aber noch auf Shivas Leichnam
Tanzt die schwarze Göttin Kali.
Kali dreht mit Gier die Augen,
Blutig streckt sie ihre Zunge,
Totenschädel an der Kette
Tanzt sie lüstern mit den Schlangen.

Bringen eifernd die Barbaren


Blutig ihr noch Menschenopfer,
Diese göttliche Dämonin
Ist ein ekler Greuelgötze.

Aber eine gute Mutter


Ist das allerhöchste Wesen,
Mütterlich und fraulich lieblich,
Sanftmut ist ihr Herz und Holdheit.

Darum wähle ich Maria


Mir zu meiner Muttergöttin,
Sie, die Mutter schöner Liebe,
Ist des Universums Mutter.

Sie ist Gottes Kraft und Weisheit


Und erlöst vom bittern Schicksal
Nichtiger Geburtenreihe
Durch die Gnade ihrer Liebe.

Alles was sie will ist Liebe,


Liebe eines kleinen Kindes
Zu der großen Muttergöttin
In der Pietät des Glaubens,

Liebe eines Gottesmannes


Zu der bräutlich schönen Göttin,
Die als Freundin und Geliebte
Lehrt der Gottesehe Mystik,

Liebe allertiefster Einheit,


Da die Seele ihres Minners
Ist identisch mit der Mutter,
Da der Minner ist Maria.

Wenn der Minner ist Maria,


Wenn des Gottesmannes Seele
Einig ward mit der All-Einheit
Durch Vereinung mit der Gottheit,

Sinkt der so erlöste Minner


Trunken in dem Arm der Göttin
Mit erleuchtetem Bewußtsein
Liebend in den Schoß des Einsseins.

So, Erlöserin Maria,


Durch der Liebe Ganzhingabe,
Bist als Göttin du die Pforte
In das Einssein mit dem Einen.

Der Muslim:

Miriam, du bist die Mutter


Unseres Propheten Jesus.
Mose war ein großer Seher,
Jesus war ein großer Seher.

Miriam, Muslime glauben,


Daß du Mutter bist und Jungfrau,
Die geboren den Messias
Nicht aus eines Mannes Samen,

Sondern Gott hat voller Gnade


Seinen Geist zu dir gesendet.
Gabriel, der Engel Gottes,
Sagte: Freue dich, Maria,

Denn du fandest Gottes Gnade.


Miriam, du sprachest: Gott ist
Ewig und barmherzig, Gott ist
Einer, einzig, mein Gebieter!

Miriam, die du geglaubt hast


An den einzig-ewig Einen,
Du hast durch den Geist empfangen
Den Messias, Seher Jesus.

Miriam, due Schwester Aarons,


Glücklich schlugest du die Pauke,
Als du schwanger warst vom Geiste,
Und umschlangst die Dattelpalme.

Ja, mit deinen bloßen Armen


Du umschlangst die Dattelpalme,
Drücktest heiß den Stamm der Palme,
Pflücktest die gespaltne Dattel.

Unter deinen bloßen Füßen


Rauschte unterirdisch Wasser,
Als du Jesus trugst im Schoße,
Als du Gottes Wort getragen.

Jesus legtest du, das Kindlein,


Liebend nieder in die Krippe,
Wickeltest ihn mit der Windel,
Da die Tiere euch umstanden.
Niemals hat ja Gott geboten,
Neben Gott zu ehren Götter,
Nicht drei Götter gibt’s, nur Einen,
Der barmherzig ist und ewig.

Niemals auch hat Gott geboten,


Neben Gott noch eine Göttin
Zu verehren, anzubeten
Miriam als eine Göttin.

Wie die Königin von Saba


Und Suleika und Aischa
Und wie Fatima die Holde
Ist auch Miriam im Himmel.

In dem Himmelsgarten Eden


Warten in den Zelten Huris
Auf die Männer Glaubenshelden,
Ewig enggebaute Jungfraun.

Aber Königin der Huris


In dem Paradiese Gottes,
Das ist Miriam, die Jungfrau,
Mutter des Messias Jesus.

Die Poeten der Muslime


Singen wie die Nachtigallen
Mystisch ihre fernen Rosen,
Gleichnisse der Schönheit Gottes.

Aber Miriam in Eden


Ist die Mystische, die Rose,
Die besingt in Ewigkeiten
Gottes Nachtigall Mohammed!

Der Jude

Miriam, du Tochter Zion,


Du bist eine Synagoge,
Da wir lesen in der Tora,
Jungfrau Tora in dem Schleier.

Ja, die Jungfrau Tora preis ich,


Die der Ewige gelesen
Und studiert als Schriftgelehrter
Vor dem Anbeginn der Schöpfung.

Ja, bevor der Herr die Welt geschaffen,


Schaute er in sieben Schleiern
Die verschleierte Maid Tora
Und befrug sie als Orakel.
Wie der Herr in ihr gelesen,
Im Geheimnis ihres Busens,
Also schuf er seine Schöpfung
Nach der Jungfrau Tora Weisheit.

Miriam, du Tochter Zion,


In dem schönen Lobgesange,
Im Magnifikat der Bibel,
Du erscheinst als Schriftgelehrte,

Die du trankest aus den Brüsten


Der gebenedeiten Tora,
Die du sprachest mit dem Worte
Unsres alten Testamentes.

Sagen doch die Schriftgelehrten,


Daß die Tora sei die Weisheit,
Ischa Chochma ist die Weisung,
Die uns Gott der Herr gegeben.

Miriam, die du gesungen


Deinen Lobpreis als Prophetin,
Du warst vvoll der ewgen Weisheit
Im Gesetz und den Propheten.

Ja, in Nazareth gesungen,


O Maria Nazarenus,
Hast du dich als Tochter Zion,
Auserwählte Tochter Gottes.

Denn zu ihr, der Tochter Zion,


Ist gekommen die Verheißung,
Daß sie wird von Gott gebären
Den Messias, Friedefürsten.

Und du gleichst der Mutter Hanna,


Welche Samuel geboren,
Die Magnifikat gesungen
Schon im alten Testamente,

Daß der Herr die Armen liebhat


Und entmachtet Unterdrücker,
Wird die Kinderlose Mutter,
Benedein sie Kindeskinder.

Also voll vom Wort der Weisheit


Bist Orakel du der Weisheit,
Tochter du der Mutter Weisheit,
Ihrer großen Mutter ähnlich.

Vor dem Weibe des Manoah,


Vater Gideons, erschienen
Ist der große Engel Gottes,
Ist des Ewigen Gesandter.

Und vor dir, o Magd Maria,


Einst ist Gabriel erschienen,
Der mit Daniel gesprochen
Und ihn machte zum Propheten.

Unser Aller Mutter Eva


Hörte nicht auf Gottes Weisung,
Wollte selbst seine eine Göttin,
Nicht mehr Gottes Wort empfangen.

Aber du, o Maid Maria,


Unterwarfest dich dem Himmel,
Sprachest: Adonai gebiete,
Ich bin meines Gottherrn Sklavin!

Darum Allgebenedeite
Nannte dich der Engel Gottes,
Denn du gabest Gott die Ehre,
Ihm, der war und ist und sein wird!

Der Christ:

O du Vater in dem Himmel,


Sohn des Vaters, Sohn des Menschen,
Heilig Geist, der du bist Liebe,
Segne mir Marien Lobpreis!

Erstens bist du Unbefleckte,


Liebe Freundin, ohne Makel,
Heilig, unbefleckt empfangen,
Himmlische Idee der Jungfrau.

Rein wie vor dem Sündenfalle


Eva war im Paradiese,
Da der Herr sie nackt geschaffen
Aus der linken Seite Adams.

Rein wie Hagia Sophia,


Reinem Spiegelbild der Gottheit,
Licht vom Licht, der Allmacht Ausfluß,
Hauch, Weltseele in dem Weltall.

Zweitens bist du Gottes Mutter,


Gottgebärerin des Christus,
Die gebar den Menschen Jesus,
Wahrer Mensch und wahre Gottheit.
Die Inkarnation des Logos
In dem Mutterschoß der Jungfrau
Ist der lautern Wahrheit Siegel
Gegen Ketzerei und Gnosis.

So das Zeugnis und Bekenntnis,


Daß du bist die Mutter Gottes,
Ist der Prüfstein und das Siegel,
Daß ein Mensch erkennt die Wahrheit.

Daher bist du Fels der Wahrheit,


Glaubenshüterin der Weisheit,
Die Vernichterin des Irrtums
Einzig durchs Mariendogma.

Drittens bist du in dem Himmel


Königin des Paradieses,
Die Mitherrscherin mit Christus,
Herrin, Unsre Liebe Fraue,

Nämlich du bist Unsre Fraue,


Neue Eva, Lebensmutter,
Unsre Frau des Paradieses,
Liebe Frau, der Lustort Gottes!

Schwarz sind deine langen Haare


Und sie wallen schwarz hernieder
Wie die schwarze Ziegenherde
An dem Hang des Berges Gilad.

Deine Augen gleichen Tauben,


Liebestauben, Friedenstauben,
Die du hast mit Zauberblicken
Meine Seele mir gestohlen.

Deine Lippen, rot wie Scharlach,


Sind rosinenfarbne Schnüre
Oder Schnüre Karmesinrot,
Sind berauschender als Rotwein.

Deine Brüste wie Gazellen


Weiden in den weißen Lilien,
Brüste wie Gazellenkitze
Hüpfen munter sie und springen.

Einem Becher gleicht dein Becken,


Einem Kelche ist dein Schoß gleich,
Welchem nie der Mischwein mangelt,
So berauschend ist dein Becken.

Deine Beine gleichen Säulen,


Festen weißen Marmorsäulen,
Deine Füße gleichen Sockeln,
Darauf stehn die Marmorsäulen.

Du bist lieblich, Freundin, lieblich,


Deine Liebe ist berauschend,
Deine Küsse sind berauschend,
Du mein Paradies der Wonne!

Ein verschlossner Liebesgarten


Bist du, meine Braut, ich komme
Liebend in den Liebesgarten,
Deine Wabe dort zu spalten.

Leidenschaft ist wie die Hölle,


Eifersucht ist von dem Teufel.
Stärker als der Tod ist Liebe –
O du bist die Flamme Jahwes!

ODE AN MARIA
„Jungfrau, Mutter, Königin,
Göttin, sei uns gnädig!“
(Goethe, Faust III)

ERSTER GESANG

Aber dein Leib,


Maria, ohne Gewalt
Und ohne Verletzung der Scham,
Schwoll an
Vom geheimen Wort,
Der strahlenden Kraft,
Gewirkt vom Himmel,
Steigt herab der Herr,
Gott durch alle deine Glieder,
Gott gibt sich dir ganz hin
Und mischt sich deinem Schoß,
Dein Schoß, von Gott berührt,
Erschauert und all dein Innres.

Maria steht im milden Licht


Und dreht sich nach links,
Über ihr ein Zelt, mit Pelzen gefüttert,
Zwei Engel öffnen eben das Zelt.
Marias einfaches blaues Kleid
Mit enganliegendem Oberteil
Und rauschendem Rock
Ist zu eng der schwangeren Frau.
Darum hat sie unter den Brüsten
Das Kleid geöffnet,
So dass das weiße Unterhemd zu sehen ist.
In die schwarzen Zöpfe hat sie rote Bänder geflochten
Und die Haarflut kunstvoll auf dem Haupt frisiert.
Unter schweren Augenlidern
Der Blick schaut in das Nichts,
Maria ist in Gedanken versunken.
Die schlanken Finger ihrer schmalen Hand
Liegen leicht auf dem Leib,
Dessen weibliche Rundung betont.
Die Aureole offenbart,
Daß die Schwangere nicht von dieser Welt ist.

Maria, Jesu Mutter,


War verlobt mit Josef.
Noch bevor sie zusammengekommen war,
Zeigte sich, dass sie schwanger war
Durch das Wirken des Geistes.
Josef, ihr Mann, war ein Gerechter,
Er beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Aber ein Engel im Traum
Zerstreute Josefs Bedenken und sprach:
Josef, du Sohn Davids,
Fürchte dich nicht,
Maria, deine Verlobte, zur Frau zu nehmen!
So zog Josef aus Galiläa hinauf
Nach Judäa in die Davidsstadt Bethlehem,
Weil er vom Stamme Davids war,
Mit Maria, seiner schwangeren Frau.

O schwangere Mutter Gottes,


Ich lobe deinen heiligen Leib,
Der neun Monde lang so heilige Frucht getragen!

Maria,
Du bist das Paradies des Lebensbaumes,
Du bist die fruchtbare Erde, die Gott beackert,
Die bist das goldene Faß, darin Gott den Wein gelagert,
Den Mischwein der Gottheit und Menschheit,
Du bist der goldene Schrein der Dreifaltigkeit,
Du bist das goldene Haus, das der Vater gestaltet hat,
Du bist der offene Himmel, in dem die göttliche Sonne wohnt,
Du bist die Pforte, durch die der Gottmensch ging,
Du bist die goldene Arche, in der das Manna lag,
Du bist der Tempel Salomos, da der heilige Vater wohnt.

Offenbarung:
Unsre Liebe Frau Maria
Tritt zu ihrem Sohne Jesus und spricht:
O Herr, ich mahne dich bei der Liebe,
Mit der du neun Monde lang gelegen
Unter meinem makellosen Mutterherzen,
Daß du diesem Menschen, der mir vertraut,
Deine Barmherzigkeit schenkst!

Öffne dem Worte Gottes dein Ohr,


Um zu hören Gottes Wort.
Es ist der Weg der Empfängnis des Geistes
Im Schoß des Herzens,
Daß die Glieder Christi, seine Tugenden,
Sich im Leib der schwangeren Mutter formen,
Nämlich in deinem Herzen.
Eheloser Christ um des Himmelreiches willen,
Du bist Mutter eines so glorreichen Kindes,
So trage selbst auch Sorge um dich selber,
Bis Christus in dir Gestaltung annimmt.
Trage Sorge und achte auf dich selber,
Daß kein harter Schlag von außen
Die zarte Leibesfrucht in dir verletzt,
Hab acht, dass nichts in den Leib dir dringt,
Der deine Seele ist,
Was den Geist dir verletzt,
Den Geist, den du im Schoß der Seele empfangen.
Trage Sorge um dich selber, Mutter,
Und wenn du dich schon nicht um dich selber sorgen willst,
So sorge dich doch um den Sohn in dir!
Bewahre dich nicht allein vor allem bösen Wort und Werk,
Bewahre dich auch vor aller Nichtigkeit
Und Eitelkeit der Welt,
Die den Samen Gottes in dir ersticken wollen.
Bewahre dein Herz,
Denn von deinem Herzen geht das Leben aus,
Bewahre dein Herz,
Bis die Leibesfrucht zur Reife gelangt
Und das in dir verborgene Leben Christi
In deinem sterblichen Leib Gestaltung annimmt.
Du hast empfangen den heiligen Geist,
Nun musst du gebären,
Aber du hast noch nicht geboren.
Sind auch schwere Wehen im Gebären,
So ist doch große Hoffnung
Auf die Freude nach der Entbindung,
Denn wenn die Frau gebären soll,
So leidet sie schmerzliche Wehen,
Aber wenn das Kind geboren ist,
So ist sie in der Freude
Über das neugeborene Kind,
Das Christuskind,
Geboren in die Welt des Fleisches,
Den Mikrokosmos.
Denn der jetzt von dir empfangen ist, der Herr,
Im liebenden Geist in deiner Seele,
Der wird als Mensch in deinem Leib geboren,
Dann wird dein Leib verklärt
Von seinem verklärten Leib,
Wird wandeln von Klarheit zu Klarheit
Und leben mit Gott in der Glorie
Ewigkeiten Ewigkeiten!

Darum sollst du leben wie Maria,


Die das göttliche Kind getragen,
Geboren, gesäugt, gekost.
Und deine Liebesverschmelzung als liebende Jungfrau
Mit dem göttlichen Sohn in deinem Schoß
Ist die intimste Liebesvereinigung,
Dafür dem glühendsten Liebhaber selbst
Die Feuersprache fehlt.

Du bist eine Mutter,


Wenn du Christus im Herzen trägst,
Wenn du Christus in deinem Körper trägst,
Indem du Jesus liebst
Und dein Gewissen rein bewahrst.
Du gebärst ihn aber in die Welt
Durch deine Werke der Liebe.

Du, Christ, du glaube,


Daß Gottes und Marien Sohn
Auch dein Sohn jetzt sei!
Der Christus muß von dir geboren werden.
Damit die Gottesgeburt dir frommt,
Mußt du das heilige Beispiel der Jungfrau
Als Bild in deinem Herzen empfangen
Und dein Herz dem Herzen Mariens gleichgestalten.
Es ist kein anderer Weg
Zur Gottesgeburt in der Seele,
Als dass du Maria gleichst.
Dies Große Zeichen der Mutter Gottes
Muß allezeit in deinem Herzen erneuert werden.
Auch annehmen musst du dich des göttlichen Kindes,
Wie die allerseligste Jungfrau tat,
Die Gott empfangen und Gott geboren,
Und sollst das Christuskind dein eigen nennen,
Dein Kind allein und einziges Kind.
Wer aber das Kind nicht annimmt
Und aufzieht mit mütterlicher Liebe,
Dem ist die Gottesgeburt umsonst geschehen.
Wer aber dem Kind der Jungfrau
Mit Liebesgefühlen und reinster Lust
In seinem Herzen eine Wiege bereitet,
Der wird in seinem Herzen solche Süßigkeit
Und Freude haben und unerschrocken sein
Und getrost sein und Frieden haben.

Gott unter Verschleierung


Der göttlichen Majestät
Verließ den himmlischen Thron,
Iim Tempel Wohnung zu nehmen,
Dem Schoß der Jungfrau.
Im Verborgenen tritt die Gottheit ein,
Als Menschenkind geboren zu werden.
Gott behält das göttliche Wesen
Und wird ein menschliches Wesen.
Mit menschlichem Fleisch und Blute
Bildet sich Gott zu einem Menschenkind.
Der Leib Mariens wölbt sich stolz,
Doch nicht infolge sexueller Einigung,
Infolge des Glaubens allein,
Nicht durch den Samen des Mannes,
Sondern durch das Wort.
Neun Monde währende Mühen kennt sie nicht,
Weil sie die schöpferische Gottheit in sich aufgenommen.
Sie gebiert nicht unter schmerzlichen Wehen,
Sondern mit Lust und Jubel!
Dreimal wunderbare Frau und Mutter des göttlichen Wunders!
Jauchzend bringst du ein Kind zur Welt,
Ein Kind, das älter als der Kosmos.
Die junge Wöchnerin ist nicht ermattet,
Das Kind kommt nicht weinend zur Welt.
Die Mutter liegt nicht erschöpft im Kindbett,
Das Kind ist nicht beschmutzt.
Nicht reinigen muß sich die Mutter
Und das Kind muß nicht gebadet werden,
Da das Kind gekommen,
Allen Schmutz und alle Unreinheit von uns zu nehmen,
Den Schmutz und die Unreinheit in uns!
Auch ist ganz unverletzt der Mutterschoß.
Es ward nicht verletzt, die das Heil geboren!
O Geheimnis der Geheimnisse,
Pforte des Ewigweiblichen,
Schoß der Mysterien,
O die Gottesgeburt
Im Schoß der immerwährenden Jungfrau
Mit dem auf geheimnisvolle Weise intakten Hymen.
Als die Stunde der Geburt gekommen,
Erhob sich die Jungfrau
Und lehnte sich an einen Pfeiler.
Josef legte Heu der Herrin zu Füßen
Und wandte sich ab.
Da ging das göttliche Kind hervor
Aus dem gesegneten Schoß der Jungfrau Mutter
Ohne Schmerzen
Und ohne Verletzung des Hymens.
Wie das göttliche Kind
In ihrem Schoß gewesen war,
So lag es nun vor ihr im Heu
Zu ihren Füßen.
Die Mutter beugte sich liebevoll nieder
Und hob das Kindlein auf,
Umarmte zärtlich das Kind
Und legt es auf ihren Schoß.
Dann wickelt sie das Kind
In ihren Schleier
Und legt es in die Krippe.
Die Tiere wärmten das Kind.
Maria betet das göttliche Ur-Kind an
Und dankte Gott:
Ich danke dir, Adonaj,
Mein Vater und meine Mutter,
Daß du mir das göttliche Kind geschenkt!
Ich bete dich an, Ewige Gottheit,
Und dich, der Lebendigen Gottheit Kind,
Mein Kind!
So setzte sich Unsere Liebe Frau
Und schaute auf das Kind in der Krippe,
Versunken in die Betrachtung
Des göttlichen Kindes, das sie liebte!

Nun grüßen wir dich, Maria!


Nun grüßen wir auch den gerechten Josef!
Nun will ich küssen im Geist das Jesuskind,
Küssen dem Jesuskindlein die Füßchen!
Nun bitt ich dich, geliebte Mutter,
Reiche mir dein Kind!
Ich nehm dich in die Arme, geliebtes Kind,
Ich drück dich an mein Herz, geliebtes Kind,
Ich schau dir in die Augen, geliebtes Kind!
Ich küsse dich mit Ehrfurcht,
Erfüllt von tiefem Vertrauen in deine herzliche Liebe!
Ich darf dich küssen, o göttliches Kind,
Du bist ja auf die Welt gekommen,
Sünder selig zu machen!
Darum wirst du es mir in deiner Liebe gern erlauben,
Dich nach Herzenslust zu berühren,
Darin wirst du keinen Stolz sehn, sondern Liebe,
Liebe des Sünders zum göttlichen Kind!

Marias schwangerer Leib


Ward nach der Geburt des Kindes
Wieder der graziöse Körper der schlanken Jungfrau!
Zarte Jungfrau,
Du bist von wunderbarer Schönheit!

Dem Kinde war kalt,


Da legte Maria das Kind an ihre Brust
Und wärmte das Kind.
Als aber die Hirten kamen,
Wollten sie wissen,
Ob das göttliche Kind
Ein Sohn sei, oder eine Tochter?
Da zeigte Maria den Hirten
Die Natur und das Geschlecht des Kindes.

O Madonna, du beugtest deinen schlanken Hals


Und ließest deine schwarze lange Haarflut
Über das Kindlein wallen.
Das Kindlein streckte das Händchen aus
Und nahm deine pralle Brust
Und saugte mit dem Munde
Die Muttermilch des Trostes, der Liebe und Weisheit,
Die süßer ist als Honigmilch
Und besser nährt als Manna – Was ist das?...

Die Ewige Weisheit,


Vor der sich die Engel scheu verhüllen –
Die allerheiligste Jungfrau schaute das Antlitz
Des göttlichen Kindes in tiefstem Vertrauen
Und innigster Liebe
Und sagte: O mein geliebtes Kind!
Der Kleine Gott
Sprach zu Maria: Meine geliebte Mutter!

Ich sah die Madonna im Bett,


Im Kindsbett, sie stillte das Kind.
Ich sah ein schönes Bett,
Mit schönem Schmuck verziert.
Da lag die Gebärerin Gottes
Und glänzte von solcher Schönheit,
Ihr Antlitz glänzte von solcher Klarheit,
Ihr weißes Kleid von solcher Reinheit,
Daß von dem Glanz, der von ihr ausging,
Das ganze Zimmer durchflutet war.
Der Kleine Jesus lag an ihrem Schoß
Und barg sich an den Brüsten
Und sie liebkoste das Kind.

O die Muttergottes
Reichte mir ihr Kind,
Das ich’s an meinem Herzen trage,
Da wollt ich stillen das Kindlein,
Stillen das Jesuskind
Mit meinem Mannesbusen!

Im Kindbett meines Herzens


Ruhe das Christuskind.
Das Bett meines Herzens ist der Ort,
Da Gottheit und Menschheit sich begegnen.
Wie Maria, die nach der Gottesgeburt im Bett
Den Kleinen Jesus liebkoste,
Liegt auch meine marianische Seele
Mit dem Kleinen Jesus im Bett meines Herzens
Und Jesus ruht in meinen Armen.
Selig ist der Mensch, der dem süßen Jesus
In seinem Herzen ein Kindsbett bereitet!

Siehe, der Schoß Mariens


Ist das blühende Bette Salomonis,
Das allein für Gott bereitet war,
Damit er darin ruhen könne.
Maria ist ein schönes gemütliches Bett,
Maria ist ein Brautbett,
Das Gott geschmückt,
Um sich im Brautbett der Madonna
Mit der Menschennatur zu vermählen!
Der Schoß der Jungfrau ist das Brautbett,
Der Ort der heiligen Ehe,
Da sich die göttliche Weisheit dem Menschen vermählt.

Narren brüllen vor Lachen,


Aber die weise Madonna
Lächelt nur leise und lieblich,
Ihr Lächeln ist von entzückendem Liebreiz!
Ihr Lächeln ist zauberhaft
Und unaussprechlich charmant!

Die Pflege des Jesuskindes


Löste bei Maria Wogen
Unaussprechlicher Wonnen aus.
Beim Stillen des göttlichen Kindes
Empfand sie unglaubliche Süßigkeit:
Das glaubst du nicht, so süß ist das!

Auch Josef, der Gerechte, der Zaddik,


Hielt das Jesuskind auf dem Schoß
Und lachte mit dem göttlichen Kinde
Und spielte mit dem göttlichen Kinde!

O Maria, meines Herzens Trost und Freude,


Jungfrau Mutter, du liebtest dein Kind
Mit einem Austausch von Zärtlichkeiten
Und Gefühlen trunkener Freuden!

Ich sah die vierundzwanzig Alten


Und den weißen Thron der Ewigen Gottheit!
Ich sah Maria und das Jesuskind,
Sie waren ausgesprochen herzlich
Und heiter miteinander!
Denn nach der Gottesgeburt
Maria hat ihren lieben Sohn
In ihre fraulichen Armen genommen
Und ihn mütterlich umarmt
Und das mit fröhlichster Wonne! Halleluja!

Frau Armut weihte ich mich


Wie einst der große Troubadour Gottes,
Da erschien mir Maria.
Mein leiblicher Vater hatte mich versucht
Und wollte mich abwenden von dem Wege Gottes
Und mich führen auf den Weg der Welt,
Die breite Straße der Verdammnis!
Aber ich widerstand der Versuchung durch meinen Vater
Durch den Beistand der Heiligen Schrift!
Und da belohnte mich die allerseligste Jungfrau
In der Nacht mit ihrer Liebe!
Ich lag wie in der Kirche vor dem Altare
Flach auf dem Boden,
Daß meine Nase den Boden berührte,
Und betete an den Gott der Schönheit!
Da rief mich die allerseligste Jungfrau
Mit ihrer zärtlichen Mutterstimme,
Ihrem fraulichen Liebesflüstern!
Da erhob ich mein Antlitz
Und sah die himmlische Jungfrau,
Den Spiegel der göttlichen Schönheit,
Sie hielt ihr nacktes Kind in den Armen
Und reichte mir das Christuskindlein mit den Worten:
Komm ruhig nah und herze mein Kindlein,
Den du heute vor den Menschen bekannt hast.
Da scheute ich mich vor der keuschen Jungfrau
Und dem allerheiligsten Gott,
Da öffnete Jesus seine Arme weit wie zum Willkomm
Und lachte mich erwartungsvoll an.
Und im Vertrauen in die Reinheit der Freude
Und Heiterkeit der Liebe des Kindes
Und im Vertrauen auf die Liebe der Jungfrau
Und Süßigkeit der Brüste der Muttergottes
Trat ich zum Christuskind,
Umarmte ihn und streichelte ihm das Haar.
Die himmlische Mutter
Und allerlieblichste Jungfrau überließ mir
Das Christuskind für eine ganze Nacht
Und einen langen Morgen!

Da war mir so froh und fröhlich,


Ich war wie ein König so selig,
Daß ich tanzen wollte und jauchzen
Vor dem Bilde Mariens,
Dem Spiegel der göttlichen Schönheit!

Schau, wie Maria am Kreuz


Geduldet und gelitten!
Schau die Gefühle
Einer Mutter voll Mitleid!
Das ist deine Mutter,
Mater Dolorosa!

Maria vergießt am Kreuze Tränen,


Tränenströme aus den Sternen ihrer Augen!
Oh dass meine Augäpfel Quellen wären
Und Tränenströme sich ergössen!

Durch das tiefempfundene Mitleid


Mit dem gekreuzigten Sohne
Ist sie mitgekreuzigt worden.
Was Lanze und Nägel im Fleisch des Sohnes getan,
Tat in der Seele Marias das Mitleid
Und die Angst der liebenden Mutter.
Die mütterliche Liebe Mariens
Hat sehr viel zur Versöhnung beigetragen,
Durch ihr unüberbietbares Mitleid
Hat Maria an der Erlösung mitgewirkt.

Der Sohn nahm Abschied von der Mutter Maria.


Maria wollte das Haus des Hohenpriesters betreten,
Aber es wurde ihr verweigert.
Sie stand vor der Tür und weinte,
Als sie die bösen Lügner hörten,
Die ihren Sohn verklagten.
Das Gericht vor dem Gouverneur hat sie miterlebt
Und sah dann aus der Ferne ihren Sohn
Gebunden von einem Heiden und Menschenmörder.
Sie hörte und sah das Todesurteil
Und hörte, wie die Leute sich statt des Sohnes Mariens
Einen Räuber und Mörder erbaten,
Aber den Sohn Mariens wollten sie nicht haben:
Was sollen wir noch mit dem?
Das brach Maria das Herz,
Durchbohrte ihre Seele!

Als die Mutter Maria sieht,


Wie ihr geliebter Sohn auf das Kreuz gelegt wird,
Sinkt sie in Ohnmacht vor Mitleid.
Wie tot liegt sie eine Weile am Boden,
Die Körperwärme ist ihr entwichen.
Magdalena und Johanna und Susanna
Weinen um den Sohn und um Maria,
Um den Sohn, der ans Kreuz geheftet wird,
Und um die Mutter, die Todesschmerzen
Aus Mitleid leidet und fast erstirbt!
Da kehren Maria die Sinne wieder
Und sie erhebt sich.
Da hört sie die Hammerschläge,
Da ihr Sohn ans Kreuz genagelt wird,
Da weint sie in bitterem Jammer,
Da schrie sie laut vor Schmerzen.
Dann schlug sie sich an die Brüste,
Raufte sich die langen schwarzen Haare,
Raing in namenlosem Schmerz die Hände,
Zerkratzte sich ihr heiliges Antlitz,
Stürzte in den Staub, erhob sich,
Streckte schreiend die Arme nach dem Sohn aus!
Beim scharfen Schnitt der Lanze
Ist ein Schwert durch sie gegangen,
Da der Speer ihrem Kinde das Herz durchbohrte.

Maria wollte zumindest die Füße


Ihres Sohnes am Kreuz umfassen,
Aber er hing zu hoch am Kreuzesstamme.
Da umklammerte sie mit den Armen
Den Kreuzesstamm und trank das Blut des Sohnes!
Sie küsste das Blut des Sohnes
Und weinte selber blutige Tränen,
Es mischte sich das Blut des Sohnes
Mit den blutigen Tränen der Mutter
Zu einem Wein der Erlösung!
Das Blut des Sohnes färbte das weiße Kleid Mariens
Zu einem roten Kleid der Marterzeugin!

Dann hielt Maria den toten Sohn


Auf ihrem Schoß, in ihren Armen.
Maria hielt den Körper des toten Sohnes
Umschlungen wie mit eisernen Ketten
Und wollte ihn nicht lassen zum Begräbnis.
Nach dem Begräbnis des Sohnes
Nahm Johannes Maria ganz bei sich auf.
Sie besuchte immer wieder
Die Leidensstätten ihres Sohnes
Und dachte an die Passion des Sohnes
Und ihr eigenes Mitleid.
Im Haus des Johannes fand sie die Ruhe
Zur mystischen Betrachtung
Der Schmerzen des Sohnes
Und der Schmerzen der Mutter.

Da sprach sie in großen Schmerzen


Zum Erzengel Gabriel dies:
O Gabriel,
Du hast mir große Freude verkündet
An meinem Kind,
Du hättest mir auch verkünden sollen
Die großen Schmerzen,
Die ich seinetwegen gelitten.
Du sagtest: Ohne Schmerzen sollst du gebären,
Aber sag mir, ob du je eine Mutter gesehen,
Die schwerere Schmerzen leiden musste?
O lieber Engel, schau,
Du sagtest: Du bist voller Gnaden,
Aber wie ist dies, in der Gnade zu leben,
Warum bin ich dann in solchen schrecklichen Schmerzen,
Solchem bitterem Jammer
Und solcher dunklen Nacht der Trübsal?
O mein Engel,
Du sprachst: Der Herr ist mit dir,
Doch ist er mir nun so fern,
Daß ich nur aufschreien kann:
Mein Gott, mein Gott, was hast du mich verlassen!
O lieber Gabriel, du sagtest:
Du bist mehr gesegnet als alle Frauen,
So sag ich aber aus meinem betrübten Herzen
Und aus der undurchdringlichen Finsternis
Des Jammers und meiner bitteren Trübsal:
Sahest du je eine Seele, die verfluchter war als ich?

Marias Brüste
Sind weißer als Milch und Lilien,
Ihr Duft ist süßer
Als Blumen und Balsam!
O Maria, deine Brüste
Sind besser als Wein!
Schau, die Gestalt deines Busens
Erinnert an die Gazelle,
Die in den Lilien weidet,
Zwei Kitze der Gazelle,
Zwillingskitze deine Brüste!
Wie eine Palme ist dein schlanker hoher Wuchs,
Und deine Brüste sind wie Trauben!
Trauben am Weinstock sind mir deine Brüste!
Maria redet: Meine Brüste
Gleichen Rundtürmen einer Mauer!
Mein Geliebter ruht gebettet
Wie ein Beutel mit Myrrhe
Zwischen meinen Brüsten!

Diese geistliche Kunst der Liebe


Lehrt am Beispiel der Brüste Mariens
Die Weisheit und die Liebe!
Milchspendende Brüste Mariens
Sind Quellen des Heils,
Sie sind das Verheißene Land,
Wo Milch und Honig überströmen!

Der Christ ist ein Kind,


Dem Milch gespendet wird,
Der Christ sei begierig
Nach der reinen vernünftigen Milch
Des unverfälschten Glaubens.
Kommt, trinkt an den Brüsten Mariens,
Trinkt an der Quelle des Heils,
Bei Maria ist die Quelle des Lebens,
Mariens Brüste sind die Quellen
Der geistigen, unverfälschten Milch.
Aus den Brüsten Mariens
Süßigkeit zu saugen, süßer als Honig,
Bin ich jetzt mit Eifer geeilt!

Milchspendende Brüste Gottes!

Der Herr spricht: Ich,


Ich habe die Glieder meiner Gläubigen hergestellt
Und meine eignen Brüste für sie bereitet,
Daß sie trinken meine heilige Milch,
Auf dass sie ewig leben!

Gottes Milch aus Gottes Brüsten erlöst!

Darum spricht der Christ:


Der Becher mit Milch ward mir gereicht,
Ich habe die Milch getrunken
In der Süßigkeit Gottes.
Der Sohn ist der Becher,
Der Vater wurde gemolken,
Der Geist hat gemolken.
Denn Gottes Brüste waren prall von Milch,
Er wollte die Milch nicht unnütz verspritzen,
Da hat den Busen Gottes der Geist geöffnet
Und die Milch gemolken
Und sie mit dem süßen Honig der Liebe gemischt
Und hat den Menschen und der ganzen Welt
Die süße Honigmilch des liebenden Vaters geschenkt,
Obwohl sie’s nicht wussten,
Aber die getrunken haben
Die Milch der Brüste Gottes,
Das sind die Gerechten.

Die Brüste Christi


Sind die Süße der Freudenbotschaft,
Speise für die Kinder Gottes.
Sauge nicht so sehr an den Wunden Jesu,
Sauge mehr an den Brüsten Christi!

Christus ist die Muttermilch


Der ewigen Gnade.
Mit der Muttermilch erleuchtet Christus
Unsre Augen wie eine Mutter,
Die dem Kinde, wenn die Augen schmerzen,
Muttermilch in die Augen tröpfelt.
Mit den beiden Brüsten
Seiner Gnade und seiner Barmherzigkeit
Hat Christus unsern Schmerz geheilt!

Zwei Brüste hat Christus,


Eine Brust seiner Menschheit
Und eine Brust seiner Gottheit.
Der Mensch, der Gemeinschaft mit Jesus sucht,
Den wendet Christus von einer Brust zur andern,
Begehrt der Mensch die Milch,
Legt Christus den Menschen an die Brust seiner Menschheit,
Begehrt der Mensch den Wein,
Legt Christus den Menschen an die Brust seiner Gottheit,
Seiner berauschenden Gottheit!

Ich sah, wie schön


Stand Unsre Liebe Frau
Zur linken Hand der Ewigen Gottheit,
Unverhüllt an ihrer Natur,
Ich sah, wie ihr jungfräulicher Leib
Geformt war in dem Licht ihrer Seele
Und wie die lustvollen Brüste
Unverborgen waren
Und voll der süßen Milch,
Daß die Tropfen fließen
Der Ewigen Gottheit zur Ehre
Und den Menschen zu Liebe,
So dass der Mensch über alle Schöpfung vollkommen ist.

Maria spricht: Da ich


Die Mutter war manches elenden Kindes,
Da wurden meine Brüste so voll,
So prall an Milch,
An süßer Muttermilch der Barmherzigkeit,
So dass ich säugte die Propheten
Und die Weisen
Und meinen Sohn Jesus
Und Gottes Braut, die ganze heilige Kirche!

O Liebe Frau,
Du musst uns säugen,
Denn deine Brüste sind noch so prall und voll,
Daß du nicht innehalten kannst.
Ja, wolltest du mich nicht säugen und stillen,
So täten dir die Brüste weh,
Denn wahrlich, ich sah, und siehe,
Deine Brüste waren so prall und voll,
Daß sieben Strahlen sich ergossen aus einer deiner Brüste
Über meinen Körper und meine Seele.
In der Stunde nahmst du mir die Arbeit,
Die kein Gottesfreund ohne Herzensqualen tragen kann.
So sollst du mich säugen und stillen
Bis an den Jüngsten Tag!
Dann sollst du sehen,
Wie Gottes Kind und deins
Gereift ist in den vollkommenen Leib.
Ah, dann will ich bekennen in unzählbaren Liedern
Die wonnereichen Brüste,
Die Jesus so dick geküsst!

Maria betet: Herr,


Erbarme dich über den armen elenden Sünder
Und gedenke, wie du meine Brüste gesogen
Und vergib dem Sünder durch meine Milch!

Ich bekenne, dass ich nicht nur einmal,


Sondern oft von den Brüsten Mariens
Gesäugt und gestillt bin worden
Und dass sie mir mit der Milch ihrer Brüste
Süßen Trost für alle Seelenwunden
Und himmlische Weisheit eingegossen
Und mein Mund ward voll des süßen Lobgesanges.
Denn Maria sprach zu mir: Nimm hin
Mein Kind, den Kleinen Jesus!
Dann ließ Maria einige Tropfen
Ihrer süßen Milch aus den Brüsten tropfen
Auf meine Lippen,
So dass ich ein süßer Troubadour Unsrer Frauen ward!
Als ich ein Kind war, sah ich,
Und siehe, ich sah, das Jesuskind
Trank an der Brust Marias,
Da rief Maria mir liebevoll zu:
Nun komm, mein Kind, und trinke,
Trinke gleich meinem Kind aus meinen Brüsten,
So wirst du ein Meister der frommen Kunst!
Da nahm das Jesuskind
Die Brust Mariens aus dem Munde
Und gab sie mir, die süße Brust,
Ich trank die Milch der Weisheit.
Dann nahm das Jesuskindlein wieder die Brust
Und ich verstand die Offenbarung
Der Weisheit der heiligen Schrift.

Auch weiß ich wohl, nicht weit von der Grotte,


Wo Christus geboren,
Im Süden Bethlehems ist ein Ort,
Ist eine Grotte, da singt man Gott.
Die Grotte heißt
Der allerseligsten Jungfrau Grotte.
Darin war die Mutter oft mit Jesus verborgen,
Da begab es sich, dass Maria
Aus Überfluß der Milch in ihren prallen Brüsten
Tropfen auf die Erde fallen ließ,
Davon die Erde die Kraft empfangen,
Wunder zu tun durch die Milch Mariens.
Daher stammt die Milch Mariens,
Die als Reliquie voll der Wunderwirkung
Auf den Altären gespendet wird...
Über der Höhle der Milch Mariens
Ist eine kleine Kapelle gebaut,
Ein Kloster der klugen Jungfraun,
Von der heiligen Paula ward es errichtet.
Dorther stammt die wunderbare
Muttermilch Mariens.

Die Muttermilch Mariens aber


Gleicht dem Blute Christi vom Kreuz.
Am Kreuze standen offen beide,
Die Wunden Jesu und die Brüste Mariens.
Die Wunden sich ergossen,
Die Brüste überflossen,
So ward meine Seele lebendig!

Der alte heilige Augustinus


Frug sich noch, aus welcher Quelle
Er sein Heil soll saugen,
Den Wunden Jesu oder den Brüsten Mariens?
Ein Blutstrahl aus der Seitenwunde Christi
Spritzte ihm ins Gesicht,
Die Milch aus den Brüsten Mariens
Ergoss sich über sein Haupt.

O du zu fürchtender Heiliger Vater!


In deiner barmherzigen Milde und Süße
Gleichst du einer barmherzigen Mutter,
Einer schönen göttlichen Frau
Mit offen entblößten Brüsten!
Die Gottheit des Himmels ist nicht ferne,
Sondern nah wie eine Mutter ihrem Säugling.

In der Ewigkeit vor der Schöpfung


Sog das göttliche Kind, die Weisheit,
An den Brüsten der Barmherzigkeit
Und war in Ewigkeit geborgen
Im barmherzigen Mutterschoß Gottes,
Und du, geliebte Seele,
Sei selig in der Umarmung der göttlichen Liebe!

ZWEITER GESANG

Ich sah die heilige Jungfrau,


Eine junge schlanke Frau
Von unaussprechlicher Schönheit,
Eine reine Lichtgestalt,
Das Kleid und die Augen von himmlischer Bläue,
Die Füße bedeckt vom weißen Saum des Gewandes,
Um die Hüften trug sie einen Gürtel,
Ein weißer Mantel umgab ihre ganze Gestalt,
Von einer goldnen Spange zusammengehalten.
Ein leuchtend weißer Schleier bedeckte die Haare
Und wehte im Himmel wie fließendes Licht.

Möge die Frau aller Völker,


Die einst Maria hieß,
Meine Adcocatin sein,
Meine Erlöserin!

Sie lehrte mich


Die Ewige Weisheit,
Sie lehrte mich
Das Geheimnis der Ganzhingabe an Maria,
Sie lehrte mich
Das Leben der Jungfrau zu schauen.

Maria lehrt geistliche Lieder,


Psalmen, Hymnen und spirituelle Oden,
Sie entfaltet ihren blauen Mantel
Über das ganze Universums,
Sie führt die Hand beim Schreiben,
Sie lehrt Gebete und Gedichte,
Sie lässt sich leibhaftig schauen
In der Television!

Drei Tage nach ihrem Tode,


Am Tage ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel,
Erscheint Maria den Aposteln
In strahlendem Lichtglanz und sagt:
Ich werde immer, immer bei euch bleiben!

Dem Schüler erscheint Maria


Mit dem Evangelisten Johannes
Und gibt Erklärungen zu Glaubensfragen.
Der heilige Ritter sprach mit Maria
Und sie sprach mit ihm
Wie eine Königin mit ihrem höfischen Diener
Und wie eine Mutter mit ihrem geliebten Sohn.

Maria erschien dem Knaben


Eines ungläubigen Vaters,
Der Vater wollte den Sohn verbrennen,
Aber Maria rettete ihren Schützling
Vor der Grausamkeit des Vaters,
Sie nahm den Sohn in der Taufe
Als ihren eigenen Sohn an.

Maria erscheint mit dem göttlichen Kind,


Sie hält eine Birne in der Hand,
Das Kind hält einen Apfel in der Hand.
Maria trägt ein goldenes Kleid
Mit eingestickten Blumen,
Darüber einen Purpurmantel
Mit goldenen Lilien,
Auf dem Haupt trägt sie im Haar
Einen Kranz von roten Rosen.

Maria spricht:
Bleib treu,
Bleib treu auf dem Weg,
Den du bis hierher gegangen,
Das ewige Heil wird dir dann gewiß sein.

10

Maria erscheint einem Bettler um Liebe


In der Nähe von Herford
Im Walde in weißer Lichtgestalt
Als heilige Maria vom Walde.
Zum Zeichen ihrer Erscheinung
Schwebte über dem Holzkreuz
Eine weiße Turteltaube
Mit rauschendem Flug im Winde.

11

Maria erscheint einer schwangeren Mutter


Im Traum und spricht im Traum zur Mutter
Und legte der Mutter einen goldenen Ring in die Hand
Und sprach: O meine Liebe,
Der Sohn, den du im Schoße trägst,
Soll einst mein Bräutigam sein!

12

Ein Gottgeweihter
Machte keine Fortschritte in dem Studium,
Dem Studium der göttlichen Weisheit.
Er wandte sich um Hilfe an Maria.
Maria erschien ihm
Und unterwies ihn spirituell:
Er soll in aller Demut
Die Gabe der Weisheit Gott weihen
Und alles zur Ehre Gottes allein tun.
Der Gottgeweihte entfaltete eine tiefe Frömmigkeit
Und tiefe mystische Weisheit
Und war erstaunlich belesen
Und bewandert in den Kirchenlehrern.

13

Ein Mönch zog die Armut


Dem väterlichen Reichtum vor
Und machte eine Wallfahrt
Und lebte schließlich einsam
Auf dem Monte Virgine.
Dort gab es schon in alten Zeiten
Einen Kultort der Magna Mater,
Der großen Mutter Cybele.
Im Gebet erging an den Eremiten das Gebot,
Den Ort, wo einst der Magna Mater gedient ward,
Zum Marienheiligtum umzugestalten,
Um so der wahren Mutter zu dienen.

14

Ein kleiner Knabe von einem Jahr,


Der bisher noch nicht gesprochen hatte,
Sprach plötzlich von einer wunderschönen Dame,
So unaussprechlich und unglaublich schön,
Die für seine Mutter aber nicht sichtbar war.
Der Onkel schloß darauf, dass das Kind
Die Dame Maria geschaut
Und wunderbar davon gezeugt.

15

Wenn du im Strudel des Lebens


Von Wind und Wetter umgewirbelt wirst
Und bodenlos unter dir der Abgrund klafft
Und du willst, dass dich die Brandung nicht verschlingt,
Dann schau auf den leuchtenden Meeresstern!
Toben Feuerstürme der Versuchung in dir
Und wirst du in das Meer der Trübsal geworfen,
Dann schau nach dem Meeresstern
Und rufe Maria, Maria, Maria!
In Zweifeln, in Angst, in Gefahren
Denk an Maria, rufe Maria!
Ihr Name sei immer in deinem Herzen,
Dein Herz sage allezeit: Freue dich, Maria!
Denkst du an sie, dann wirst du nicht irren,
Wenn sie dich beschützt,
Dann brauchst du keine Angst zu haben.
Denn Maria ist dein Schutz!
16

Einer verehrte schon als Kind


Das junge Mädchen, die junge Mutter Maria.
Einmal schenkte er dem Mädchen Maria
Einen köstlichen Apfel,
Den Maria aus seinen Händen empfing.
Mit zwölf Jahren kam er in die christliche Schulung
In Friesland.
Der Höhepunkt seines Lebens
War die mystische Vermählung mit Maria,
Wobei er zu seinem Taufnahmen
Noch den Namen Josef erhielt.
Drauf sang er süße Hymnen an Maria,
Die Königin der Minne.
In der Nacht sprach er sein Gebet,
Als er die Jungfrau Maria schaute
In unglaublicher Schönheit!
Sie war in ein strahlendes Kleid gekleidet
Und zwei kleine Engel waren zu ihren Füßen
Und sprachen einer zum andern:
Wen sollen wir der Jungfrau vermählen?
Sprach der andre Engel, wie ein Zwilling des ersten:
Wen anders als diesen Bruder dort?
Dabei wies der Engel
Auf den betenden Mann
Und nahm dessen Hand
Und legte des Mannes Hand in Marias Hand
Und sprach: Die Jungfrau ist deine Braut,
Wie sie mit Josef verlobt war.
So sollst du mit der Braut
Auch den Namen des Bräutigams erhalten.
So steht auf dem Grabe des Mannes:
Josef, Bekenner und Bräutigam
Der heiligen Jungfrau Maria!

17

Maria erschien einem Eremiten


Und eines Tages auch
Mit Maria Magdalena,
Der wunderschönen
Schwester der Engel.
Maria lehrte ihn
Geistlichen Lobpreis
Und sprach: Nur Mut!
Und segnete ihn im Namen
Der Allmacht, Allweisheit und Ur-Liebe.
18

Einmal sah ich im Traum Maria


In einem himmlischen Saal
Auf einem goldenen Thron
Wie auf einem leuchtenden Mond.
Aber satanische Hunde versperrten mir den Weg
Zum himmlischen Thron Mariens.
Da verscheuchte die Herrin Madonna
Mit einer Handbewegung
Die satanischen Hunde
Und belehrte mich,
Daß ich von keiner Widerwärtigkeit
Mich hindern lassen dürfe,
Sondern immer zu Maria Zuflucht nehmen solle.
Da sah ich die Madonna Maria
Und zu ihrer Rechten Maria Magdalena
Und zu ihrer Linken Maria Ägyptiaca,
Aber die Madonna Maria
War die Größte der drei Marien.

19

Einmal, als ich eine Hymne gedichtet,


Eine spirituelle Ode an Maria,
Die da hieß: Salve Mater!
Da erschien mir Maria,
Sie grüßte mich lächelnd
Und bedankte sich
Für meinen Marienlobpreis.

20

Eines Morgens ward ich im Geist erhoben,


Ich hatte auf dem Diwan geruht,
Ich hatte nicht gebetet,
Sondern geschlummert und geträumt
Und hatte die Gnade nicht erwartet,
Doch unerwartet traf mich die Gnade,
Daß meine Seele verzückt ward
Und ich sah die glückselige Jungfrau
Im Lichtglanz der Herrlichkeit,
Eine hohe Frau von himmlischem Adel,
Solcher Glorie, solcher Würde,
Daß ich unaussprechlich entzückt war
Und vor Freude zu weinen begann,
Denn sie zu schauen
Gewährt eine unaussprechliche Wonne.
Sie schwebte am Himmel, die allerreinste Frau,
Und bat für die Menschheit.
Wie soll ich sagen, welche mütterliche Sorge
Um die ganze Menschheit
Ich in ihrem Unbefleckten Herzen sah?

21

Unsre Liebe Frau sprach zu einer christlichen Seele:


Allerliebste meines Sohnes, nimm!
Da legte sie den göttlichen Sohn
In die Arme der christlichen Seele.
Das göttliche Kind schien die Augen geschlossen zu haben
Und war in Windeln gewickelt.
Unsre Liebe Frau war so schön,
So süß und lieblich anzuschauen,
Daß die christliche Seele
Nicht allein den Kleinen Jesus betrachtete,
Sondern unverwandt auf Unsere Liebe Frau schaute.
Da lag das göttliche Kind auf einmal nackt
In den Armen der christlichen Seele
Und öffnete die Augen,
Da empfand die christliche Seele
Vor diesen offenen Augen des Himmels
Solche Liebe, solchen Leuchtglanz der Liebe,
Daß die christliche Seele überwältigt war
Von dem strömenden Leuchtglanz der Liebe,
Es war unaussprechlich,
Welche heiße Glut der Liebe
Und welche strahlendste Wonne
Aus diesen Augen des Himmels strömte!
Da hatte das Kind auf einmal solche erhabene Würde,
Die Würde der Gottheit, und sprach:
Wer mich nicht als armes Menschenkind gesehen,
Der sah mich nicht in meiner wahren Größe.
Dann sprach das göttliche Menschenkind:
Ich kam zu dir und habe mich dir geschenkt,
Damit du nun auch dich mir ganz zu eigen gibst.
Da schenkte sich die christliche Seele
Ganz dem göttlichen Kinde Jesus
Und mit dem eigenen Herzen
Auch alle Kinder ihres Herzens
Schenkte sie ganz dem göttlichen Kind.
Und die christliche Seele erkannte,
Wie der Kleine Gott die Seele empfing
Und mit der Seele alle Kinder der Seele
Mit großer Fröhlichkeit alle herzlich empfing.
Über die süße Lust vor dem Jesuskind,
Die außergewöhnliche Freude
Und tiefe Wonne und überströmende Süßigkeit
Vor dem göttlichen Kinde
Kann die christliche Seele nichts sagen,
Weil menschliche Zungen nicht so jubeln können,
Wie der Jubel im Innern der Seele war.
Da segnete die Jungfrau
Die christliche Seele
Mit dem Segen im Namen des göttlichen Kindes Jesus.

22

Einem geistliche Menschen


Erschien Maria manchmal mit dem Jesuskinde.
Er schrieb geistliche Schriften
Über Maria und Jesus.
Maria erfüllte ihn immer wieder mit Mut
Und neuer heiliger Leidenschaft.
Einmal aber erschien Maria allein,
Da war kein Jesuskind bei ihr,
Da sprach Maria zu ihm,
Er habe das Apostolat der Literatur vernachlässigt, darum
Sei sie allein gekommen,
Er solle nur wieder fleißig schreiben
Als Apostel der Schrift,
Dann werde auch das Jesuskind wieder zu ihm kommen.

23

Nachdem der Beter


Das güldene ABC Mariens gebetet,
Legte er sich auf das Sofa,
Um sich auszuruhen,
Da sprach er: Ein wundervoller Besuch wird heute kommen.
Kaum hatte er dies gesprochen,
Hörte er die Stimme eines Engels:
Die All-Reine kommt!
Der Beter erhob sich auf den Ruf
Und trat an die Tür.
Ein Licht, wie Licht der Sonne,
Ergoß sich auf den Beter.
Und er schaute die All-Reine
Und neben ihr Petrus, den ersten Papst,
Und Johannes, den Jünger der Liebe.
Als der Beter dieses sah,
Da sank er in die Knie
Mit zitternden Knieen,
Weil er den Glanz der Morgenröte nicht ertragen konnte,
Weil er erschüttert niedersinken musste
Vor der strahlenden Schönheit der Jungfrau!
Da berührte die All-Reine den Beter
Und sprach: Fürchte dich nicht, mein Erwählter!
Ich bin gekommen, um dich zu besuchen.
Dein Gebet um deine Schüler ist erhört.
Sie sprach dies und ward unsichtbar.

24

Eine heilige Seele


Sah öfters Maria.
In der Weihnacht zeigte sich Maria
Mit dem göttlichen Kind,
Begleitet von Heiligen in den Himmeln
Und harfespielenden Engeln,
Singenden Seraphim.
Maria lehrte sie, Ikonen zu malen
Und lateinische Oden
Und italienische Sonette zu schreiben.

25

Ein frommer Eremit


Sah Maria als Göttin des Himmels,
Umgeben von Myriaden Engeln,
Und er hörte ihren Himmelsgesang.

26

Ich war etwa dreißig Jahre alt,


Als meine Großmutter starb.
Ich begriff, was ich verloren hatte
Und kniete in meiner Traurigkeit
Vor einem Bild der Muttergottes
Und bat sie unter Tränen:
Gottesmutter, sei nun meine Große Mutter!
Ich glaube, dass diese naive Bitte
Mir oft geholfen hat,
Denn immer wieder fand ich die Jungfrau,
Wenn ich mich ihr anvertraute.
Sie hat mich auch zu sich zurückgeführt.

27

Einmal sagte Maria zu mir:


Die Liebe aller Mütter
Kommt meiner Mutterliebe nicht gleich!
Deine Liebe zu mir
Steht in keinem Verhältnis
Zu meiner Liebe zu dir!

28
Maria erschien mir zweimal und bat mich,
Dafür zu sorgen, dass die Kinder meiner Seele
Das Gnadenbild der stillenden Gottesmutter
Mehr und liebevoller ehren.
Es war das Bild von Leonardo,
Da Maria ihre bloße Brust
Dem nackten Jesuskinde reicht
Und stillt mit der Milch der Liebe
Den menschgewordenen Gottessohn.

29

Ich hatte den Wunsch, die Jungfrau einmal zu schauen,


Mit diesem Wunsch ging ich schlafen
Und der Gewissheit, ich werde die Mutter schauen.
Um Mitternacht hörte ich meinen Namen rufen,
Da sah ich einen Knaben, vier Jahre alt,
Der sprach zu mir: Die Jungfrau wartet auf dich!
Ich aber sah die seligste Jungfrau noch nicht.
Dann sagte der Knabe, vier Jahre alt:
Da ist die seligste Jungfrau!
Ich hörte ein Geräusch wie Rauschen von Seide,
Die Gestalt kam vom Bilde des heiligen Josef mit dem Kinde.
Da sprach der Knabe: Das ist die seligste Jungfrau!
Ich fragte mich, ob ich wirklich lebendig die Jungfrau sehe?
Da sprach der Knabe zu mir, vernünftig wie ein weiser Mann.
Da sank ich in die Kniee vor der Jungfrau
Und warf mich vor ihr nieder
Und legte meine Hände in den Schoß der Jungfrau.
Das war der süßeste Augenblick meines Lebens!
Sie sagte mir, was ich nicht sagen darf...
Ich solle mich immer vor dem Altar der Weisheit niederwerfen
Und der Ewigen Weisheit mein Herz ausschütten,
Dort werde ich allen Trost empfangen.
Als sie fortging, war es wie das Verlöschen eines lichten Schattens.
Der Knabe, der mein Engel war,
Er brachte mich ins Bett, aber ich konnte nicht schlafen,
So bewegt war ich von der Vision der Lichtgestalt.

30

Ich träumte einen Traum,


Da sah ich eine Schar von munteren Knaben.
Die einen lachten und scherzten,
Die andern spielten und tobten,
Doch einige fluchten auch,
Was mir das Herz betrübte.
Ich wollte sie streng ermahnen
Und wollte sie sogar züchtigen,
Aber da sah ich einen schönen Mann
In einem schneeweißen Mantel,
Er rief mich bei meinem Namen
Und sagte, ich solle Anführer dieser Knabenschar werden:
Nicht mit Schlägen,
Sondern mit Sanftmut und Liebe
Sollst du sie dir zu Freunden machen!
Fange gleich an, sie zu belehren
Über die Befleckung der Seele durch die Lüge
Und die Schönheit der Liebe.
Ich sagte dem Mann, ich sei nicht fromm genug,
Die Kinder im Glauben zu erziehen.
Aber ich sah, wie die Knaben
Aufhörten, wild zu toben und zu fluchen,
Und sich um den sanften schönen Mann scharten.
Ich sprach: Wer bist du?
Er sprach: Du musst das Unmögliche möglich machen
Durch Gehorsam auf Gottes Wort
Und Studium der geistlichen Wissenschaften.
Ich sprach: Wo und wie erlange ich Weisheit?
Er sprach: Ich sende dir eine Lehrerin,
In ihrer Schule wirst du weise werden.
Ohne meine Mutter ist jede Weisheit nichts als Torheit.
Wer bist du, sprach ich, und er sprach:
Ich bin der Sohn der Frau,
Die du allezeit grüßt mit freudigen Grüßen.
Ich sprach: So sage mir deinen Namen.
Er sprach: Du frage meine Mutter nach meinem Namen,
Mit dem du mich nennen sollst.
Da sah ich neben dem schönen, sanften, weisen Mann
Eine Frau von majestätischer Schönheit.
Ihr Kleid war ganz aus Glanz
Und übersät mit Sternenkonstellationen.
Sie winkte mich zu sich und sprach:
Siehe! Und ich sah,
Wie die Knaben verschwunden waren
Und es wimmelte von Drachen und Schlangen,
Bären und Löwen.
Da sprach die allerschönste Frau:
Hier sollst du wirken,
Sei stark und mutig!
Wie du jetzt die Verwandlung der Tiere siehst,
So sollst du meine Knaben verwandeln.
Und ich sah, und siehe, die wilden Tiere
Waren allesamt sanfte Lämmer geworden.
Sie hüpften fröhlich, Zwillingslämmer,
Frisch aus dem Bad gekommen, keines fehlte,
Und scharten sich um die majestätische Frau
Und huldigten ihr als Mutter und Königin.
Da weinte ich im Traum, weil die Frau so schön war,
Und sie legte mir ihre Hand auf das Haupt
Und segnete mich, die Jungfrau meiner Seele.
31

Maria rief mich das erstemal bei meinem Taufnamen.


Maria sprach: Ich habe dir ein Geheimnis anvertraut,
Das nur dich allein betrifft
Und dir allein bestimmt ist.
Versprich mir,
Es niemandem in der Welt zu offenbaren.

32

Maria, meine himmlische Muse,


Schrieb als Poetesse diese Verse:
Die heiligen Engel in goldener Pracht,
Die bleiben bei euch
Winter und Sommer über Nacht!
Die Rosen im Garten,
Die im irdischen Paradies gewachsen,
Sind im Sommer zu erwarten.

33

Maria sprach zu mir:


Da wo du lebst, kannst du Gutes tun
Und meinen Ruhm verkünden.
Frankreich! Was hab ich alles für dich getan!
Und doch weigert Frankreich sich,
Auf mich zu hören!
Frankreich wird leiden!

34

Mit großem Ernst sprach die Jungfrau zu mir:


Mein Sohn, ich komme diesen Morgen vom Himmel
Und will dein Herz mit mir nehmen!
Da kam sie auf mich zu.
Sie nahm mein Herz und hielt es in ihren Händen
Und sprach: Hab keine Angst. Sei gut!
Ich beschütze dein Herz,
Ich bewahre es oben im Himmel bei mir.
Dein Herz wird immer in meinen Händen sein.
Sie segnete mich und schwand gen Himmel.

35

Mama!
Meine liebste Mutter,
So lässt du mich allein?
O liebe Mutter,
Ich kann nicht mehr sein ohne dich,
O meine Mutter!
Erinnerst du dich noch an den Tag,
Da du mein Herz mit dir
In den Himmel genommen hast?
Behüte es weiter dort oben!
So ist mein Herz immer bei dir.
Meine liebe Mutter,
Bei dir gibt es alles im Überfluß.
Was denkst du?
Kann ein kleiner Junge
Seine Mutter entbehren?
Ach, Mutter, ich fühle mich nicht gut.
O meine liebe Mutter,
Ich kann nicht sein ohne dich!
Verlasse mich nicht!
Meine liebe Mutter,
Ich möchte dich immer besitzen.
Ich kann mich von dir nicht trennen.
O meine liebe Mutter,
Nimm du mich mit ins Paradies!
Ich will nicht ohne dich sein.
Verlasse mich nicht,
Verlasse mich nicht!
Wann wirst du wiederkommen?
Welcher Kummer für mich,
Wenn du weggehst!
Aber – wie du willst!
O meine liebe Mutter,
Verlasse mich nicht!
Ich kann ohne eine Mutter, meine Mutter,
Nicht leben!

36

Maria sprach:
Hab keine Angst, ich tu dir nichts Böses!
Die Gnade Gottes wird deine Stärke sein!
Da öffnete sie die Hände
Und übermittelte ein so starkes Licht,
Wie ein Abglanz von ihren Händen,
Es drang in meine Brust
Und die tiefste Tiefe der Seele
Und ließ mich mich selbst in Gott schaun.
Da fiel ich auf mein Antlitz
Und betete innerlich:
Allerheiligste Dreifaltigkeit,
O mein Gott!
Drauf erhob Maria sich ruhig
Und stieg in Richtung Sonnenaufgang,
Bis sie in der Ferne verschwand.
Das Licht, das sie umgab,
Öffnete einen Weg durch die Himmelswölbung.
Aus diesem Grunde sag ich,
Ich habe den Himmel offen gesehen!

37

Maria sprach zu mir:


Du bleibst noch eine Zeitlang hier,
Denn Jesus möchte sich deiner bedienen,
Damit die Menschen mich erkennen und lieben.
Er möchte auf Erden
Die Verehrung meines Unbefleckten Herzens.
Mein Kind!
Leidest du sehr?
Laß dich nicht entmutigen!
Niemals werde ich dich verlassen.
Mein Herz wird deine Zuflucht sein
Und der Weg, der dich zu Gott führt.
Da öffnete sie die Hände
Und ich sah die Strahlen strömen von ihren Händen
Und sah mich in Gott versenkt.

38

In der dunklen Nacht


Besuchte mich die Muttergottes
Mit dem Jesusknaben an der Hand.
Freude erfüllte meine Seele,
Ich sprach: Maria, meine Mutter,
Weißt du, wie sehr ich leide?
Die Muttergottes sprach:
Ich weiß, wie sehr du leidest,
Aber hab keine Angst,
Ich habe Mitleid mit dir
Und werde immer Mitleid mit dir haben.
Sie lächelte lieblich
Und verschwand, die schöne Madonna.

39

Die Muttergottes sprach zu mir:


Ich bin nicht nur die Himmelskönigin,
Sondern auch die Mutter der Barmherzigkeit
Und deine Mutter!
Ich bin deine Mutter
Aus der unergründlichen Barmherzigkeit Gottes.
(Gottes Barmherzigkeit wohnt ja
In der Gebärmutter Gottes.)

40

Ich sah Maria so schön,


Die Schöne Madonna,
So lang und schlank,
So voller Anmut,
Daß ich die Schönheit nicht beschreiben kann.
Da sprach sie lächelnd zu mir:
Ich bin die Königin des Himmels und der Erde,
Vor allem aber deine Mutter!
Sie drückte mich an ihr süßes Herz
Und sagte: Ich fühle mit dir!
Ich spürte die Macht der Liebe
Ihres süßen Herzens,
Die Mutterliebe ihres Herzens
Strömte in meine Seele.

41

Von nun an lebe ich


Geborgen unterm Mantel der Madonna,
Sie schützt mich mit ihrem Schutzmantel
Und sie lehrt mich ihre Weisheit.
An ihrem makellosen Herzen bin ich ganz ruhig.
Ich bin schwach und ungelehrt,
Aber ich schmiege mich wie ein kleines Kind,
Wie ein Kind von drei Jahren,
An ihr makelloses süßes Mutterherz.

42

Es ist vor allem Madonnas Lächeln,


Ihr liebreizendes Lächeln,
Ihr entzückendes Lächeln,
Daß ich allezeit schaue.

43

Maria spricht:
Ich komme, dein Leid zu lindern!
Glaube an mich,
Und ich glaub auch an dich!
Ich bin
Unsre Liebe Frau über allem!
44

Maria erschien mir in der Nacht


Als eine große junge Frau,
Von langer schlanker Gestalt
Wie eine Palme,
Und von unaussprechlicher Schönheit
Und femininer Anmut.
Sie sprach zu mir:
Fürchte dich nicht,
Ich tue dir nichts zuleide.

45

Die Frau kam zu mir.


Eine überirdische Freude strömte von ihr aus.
Sie sprach: Ich wurde überall abgewiesen,
Nimmst du mich wenigstens auf?
Ich bot ihr einen Platz auf dem Sofa an,
Sie setzte sich und begann zu sprechen
Von der geheimnisvollen Weisheit der Heiligen
Und von dem Leben Sankt Franziskus’.
Die Zeit der Nachtruhe kam.
Sie sollte sich neben mich legen.
Sie sprach: Es ist genug Platz für uns.
Ich bat sie, den Schleier vom Haupt zu nehmen.
Sie nahm den Schleier ab
Und ihre wunderschönen Haare
Fluteten wie eine Kaskade zur Erde,
Ihre Haare waren wirklich wunderschön,
Volles Haar und flutend wie ein Wasserfall.
Ich bat sie, bei mir zu schlafen.
Komm bitte in mein Bett, sprach ich zur Frau.
Sie sprach: Mir genügt der Platz auf dem Sofa.
Wir saßen beide die ganze Nacht
Und lehnten uns an die Wand,
Sie erzählte mir die ganze Nacht
Vom Himmelsparadies
Und wie ich dahin kommen werde.
Was ich hörte von der Frau
War zu schön, als dass ich hätte schlafen können.
Die Frau sprach zuletzt,
Wenn ich viel bete,
So wird die tiefste Sehnsucht meines Herzens
Gestillt.
Beim Abschied sagte sie:
Vivi d’amore!
46

Ich gebe dir einen Lichtstrahl in die Hand,


Es ist die Flamme der Liebe meines Herzens!
Ich bin deine gütige, liebende Mutter,
Mit dir vereint,
Wir gehen Hand in Hand,
Ich rette dich!
Mein Sohn, ich überreiche dir
Die Liebesflamme meines Herzens!
Zünde dein Herz damit an
Und gib das Feuer weiter,
Wenigstens einer Seele!
Diese gnadenvolle Flamme
Aus meinem unbefleckten Herzen
Soll wandern von Herz zu Herz.
Das wird das große Wunder sein,
Dessen Lichtglanz den Bösen blendet.
Sie ist das Feuer der Liebe und Einheit.
Wir werden das Feuer des Hasses löschen
Mit dem Feuer der Liebe!
Meine Liebeflamme
Kann ich nicht länger in mir unterdrücken,
Laß zu, dass sie zu dir strömt!
Meine Liebesflamme
Bricht in deine Seele
Und wird deine Seele erhellen
Mit dem sanftesten Schein.
Wenn du meiner Liebesflamme Wohnung wirst,
Wirst du der ganzen Welt verkünden
Trunken die Gnadenfülle meiner Liebesflamme!
Eine solche Gnadenfülle gab es noch nie,
Seit die Weisheit Fleisch geworden ist.

47

Komm, ich erwarte dich!


So sprach die Stimme vom Garten der Nachbarin.
Ich sah eine Wolke sich vom Himmel niedersenken
Und sich im Pflaumenbaum des Gartens niederlassen.
Die Wolke strahlte von goldenen Sternen
Und vielen Rosenblüten.
Da löste sich aus der Wolke
Eine feurige Kugel
Und setzte sich auf den Apfelbaum.
Dann verschwand die Wolke
Mit der feurigen Kugel
Und ich sah Madonna im Lichtglanz.
Ihren Händen entströmten Strahlen.
Sie trug ein weißes Kleid.
Der Pflaumenbaum, den Maria berührte,
Blühte im Winter.
Du bist in meinem Mantel geborgen, mein Sohn.
Hab keine Angst!
Laß die Welt nur reden,
Du bist in meinen Armen.
Jesus hilft dir, der dich sehr liebt!
Verliere nicht den Mut!
Hebe die Augen oft zum Himmel.
Einst, wenn du bei mir im Himmel bist,
Mein Sohn, dann wird man dich verstehen.
Ich selbst komme oft in diesen Garten,
Dir zu helfen.
Dies ist mein Paradiesesgarten auf Erden!
Ich bin oft hier
Mit den Heiligen und den Engeln.
Selbst wenn ihr mich nicht seht,
Bin ich doch immer mitten unter euch.

48

Das Antlitz der Madonna war entzückend!


Sie trug einen weißen Schleier,
Einen himmelblauen Mantel
Und ein rosiges Kleid,
Ihr Gesicht war freundlich
Und sie lächelte lieblich!
Hohe Dame, gestattet Ihr mir,
Euch die Füße zu küssen?
Sie lächelte einfach entzückend!
Ich umklammerte ihre Füße
Und küsste sie begeistert
Und mit glühender Inbrunst!
Dann segnete sie mich mit dem Segen des Himmels.

49

Die Friedfertigkeit Gottes,


Die Freude Gottes,
Die Liebe Gottes,
Diese drei drangen in mein Herz,
Ich wurde verwandelt.
Heilige Göttlichkeit ward mir eingeflößt.
Die Göttlichkeit, sie berührte mich,
Sie liebte mich,
Erzeugte in mir ein Gefühl der Liebe,
Ich war in Verzückung,
Es war ein Augenblick paradiesischer Verzückung!
Ich fühlte mich wie im Himmel!
In war versetzt in eine paradiesische Atmosphäre.
Die Liebe Gottes ist wirklich wundervoll,
Mein liebes Kind, die göttliche Liebe!
Aber wer hat Worte,
Das Paradies und die Liebe des Himmels zu singen?
Eine unbeschreibliche Liebe,
Die die Seele befriedigt!
Eine Liebe, die den Grund deiner Seele erfüllt!
Die göttliche Liebe,
Die Liebe einer Gottheit!
Ich hab es gewollt,
Ich wollte dich verzücken,
Um dich mit Liebe zu erfüllen,
Um dich zu heilen,
Um dir die Pforte des Paradieses zu öffnen.
Ich hab es gewünscht und gewollt,
Ich habe dich vom ersten Augenblick an geliebt,
Ja, über die Maßen geliebt!
Die Wirklichkeit göttlicher Liebe,
Die Lobpreisungen göttlicher Liebe,
Die Freude und süßeste Wonne der Liebe,
Die will ich dir schenken,
Die sollst du erkennen.
Du weißt, wer deine Mutter ist!
Ach mein geliebter Sohn
Mein vielgeliebter Sohn,
Mein liebstes Kind!
Glaube an meine Liebe zu dir!
Mein Kind, ich möchte dich küssen, küssen!
Immer mehr will ich dich lieben!
Mein Liebling, immer mehr will ich dich lieben!

50

Maria erscheint einem Kind.


Das Kind spricht:
Ich sah den Himmelsvater,
Er war ganz weiß.
Der Himmelsvater war im Garten,
Weiß wie Schnee,
Er trug einen Rosenkranz mit einem Kreuz,
Der Christus war am Kreuz,
Lebendig, voller Blut!
Am Gürtel trug er eine silberne Schnalle,
Er trug einen langen weißen Schleier.
Die Gestalt stand auf der Erde,
Sie hat nichts gesagt,
Sie hat nur leise gelächelt.
Wenn der Wind den Schleier bewegte,
Sah ich schöne lange schwarze Haare.
Die Hühner waren ganz still
Und ich war auch ganz still.
DAS GÜLDENE ABC MARIENS

A – ALLMUTTER

Allmutter, ich hab dich gesehen,


Sah vor dem himmlischen Altar
Als Hohepriesterin dich stehen!
Wie goldne Sonne war dein Haar,
Dein Antlitz eine lichte Leuchte,
Das Rosenlippenpaar, das feuchte,
War lächelnd, freundlich, sanft und warm,
Voll fraulich-mütterlichem Charme.
Schwarz war dein langer Rock und Mantel
Und der Gebetsschal violett,
Die Augensterne heiter, nett,
Geschnitten in der Form der Mandel.
Um dich des Weihrauchs Wohlgeruch,
Du reichtest mir der Psalmen Buch.

Du betetest zu Gott dem Vater,


Dem Schöpfer, der das Leben schafft,
Zum Sohn im tragischen Theater,
Zum Geist, der Liebe Schöpferkraft.
Ich aber sah nur deinen Rücken,
Entzückt ich schaute voll Entzücken,
Allmutter, wie dein Antlitz war
Gewendet zu des Herrn Altar,
Zu Gott dem Herrn, zu der Drei-Einheit.
Dann wandtest du dich aber um,
Zu segnen im Mysterium
Den kleinen Knaben voller Reinheit,
Den Knaben Midda, den ich lieb!
Allmutter, deinen Segen gib!

Allmutter, spendest du den Segen


Des Ewigen vom Gnadenthron,
Dann finden wir auf unsern Wegen
Herrn Jesus leicht, den Menschensohn.
Wie aber, wenn wir dich nicht finden,
Wie können wir dann Gott verbinden
Im Glauben uns mit treuem Bund?
Allmutter, lehre uns dein Mund
Die Weisheit, dass wir werden weise!
Allmutter, spende deine Brust
Den Himmelswein, der Engel Lust,
In deinem Schoß brich uns die Speise
Des Manna und Ambrosia,
Mit dir ist uns die Weisheit nah!

So weih ich dir die Freundin Haura,


Die Gott nicht findet ohne dich,
Begieß mit Lichtglanz ihre Aura,
Mit Weisheit und mit Geist ihr Ich.
Sie sucht vor allem doch die Mutter,
Das Land von Honigseim und Butter.
Schon steht an Hauras Bett so mild
Der schwarzen Mutter Gnadenbild.
Bei Lilith, Eva, Mona Lisa
Dein Bild, Allmutter, schön und braun,
Als ob die Schönste aller Fraun
Die Freundin einst im Paradies sah,
Allmutter, Hauras Ideal,
Der ich im Geist bin Brautgemahl.

Allmutter, o du schwarze Rose,


Ich sing des Nachts als Nachtigall,
Du Königin des Kosmos, große
Schutzhimmlische des Sternenall,
Schutzengelin des Kosmos, Herrin,
Erleuchte doch die schöne Närrin,
Die sucht des Kosmos Energie.
Allmutter voller Weisheit, sie,
Die sie die Kraft des Kosmos preiste,
Sie führe zu der Weisheit Kraft,
Zur Energie, die Leben schafft,
Zur Kraft, die fließt aus Gottes Geiste,
Zu Gottes Weisheit führe sie
Und zu des Geistes Energie.

Die Energie der Weisheit nämlich


Durchströmt von Gott das ganze All,
Die Kraft zu suchen, ist nicht dämlich,
Gott spricht sein Schöpferwort im Schall
Und formt, ich sag das nicht ironisch,
Die Schöpfung schöpferisch harmonisch
Und gießt der Liebe Harmonie
Und seiner Weisheit Energie
Ins All und ist der Kräfte Quelle.
Zerstört den Kosmos auch der Krieg,
Erringt die Liebe doch den Sieg,
Die schöne Liebe auf der Welle
Des Chaos, auf dem Gnadenthron,
Die siegt durch Amorisation!
B – BRAUT, DIE IN DER DREIFALTIGKEIT LEBT

Der Vater ist der Grund der Wesen,


Er ist das personale Sein,
Der Vater hat uns auserlesen,
Erwählt hat uns das Einig Ein.
Wie sind dem Vater wir verbunden?
Die Tochter haben wir gefunden,
Der Tochter hat er uns vertraut,
Die Tochter, sie ist unsre Braut,
Die Tochter sie, des Herrn und Königs
Erwählte Tochter, uns vermählt,
Zu ihr die Liebe uns beseelt,
Die Glut der Liebe wie ein Phönix
Steigt auf, dem Ewigen geweiht,
Zur Tochter, zu der Braut und Maid!

Der Sohn ist unser aller Heiland,


Der uns erlöst von Schuld und Tod:
Wir waren alle Sünder weiland
Und waren all in großer Not,
Bis ihn geboren Gottes Mutter.
Sein Fleisch ward unser Seelenfutter,
Der uns sein Fleisch als Seelenbrot
Und Wein als Blut des Heilands bot,
Zur Mutter gab uns Gottes Mutter,
Das ist sein Testament am Kreuz.
Ihr großer Busen ist voll Reiz,
Ist süß wie Honig, weiß wie Butter,
Daß uns die Mutterbrust erlab,
Weil Gott uns seine Mutter gab!

Der Geist, das ist die schöne Liebe,


Das ist der Atem, ist der Hauch.
Wir sind nur Lehm, voll wilder Triebe,
Wir sind nur Schatten, Schall und Rauch,
Der Geist macht aber uns lebendig.
Der Geist ist Trost, wir sind elendig,
Der Geist ist Stärkung, wenn uns graut.
Du aber bist des Geistes Braut!
Dir als dem Sakrament des Geistes
Sind wir geweiht, der Trösterin,
Der Advocatin, deren Sinn
Fürsprache ist für uns, so heißt es,
Und also dich dein Diener preist
Wie Gottes mütterlichen Geist!

Doch immer schau ich dich im Innern


Als Mädchengöttin jung und rein,
An manchen Traum mich zu erinnern,
Da war ich als dein Träumer dein,
Da warst du Himmelsköniginne,
Die Maienkönigin der Minne,
Das Himmelsmädchen benedeit,
Die Makellose und die Maid,
Die wandelte im weißen Kleide
Und war noch keuscher als der Mond,
Die Maid, die auf der Sichel thront,
Die Himmelsbraut in weißer Seide,
Die Himmelsgöttin ewig jung,
Mein Inbild der Begeisterung!

Dann sah ich dich als meine Wonne,


Madonna in dem roten Rock,
Du heiße Sonne, du Madonne,
Da eilte der Gazellenbock,
Der Dichter pries mit den neun Musen
Den wonnevollen Frauenbusen
Voll Milch und süßem Honigseim.
Du warest seiner Seele Reim,
Die Königin der schönen Liebe,
Warst Liebesgöttin, Morgenstern,
Am Busen bargest du den Herrn,
Du Herrin aller Lebenstriebe,
O Liebesgöttin makellos,
Ich weihte ganz mich deinem Schoß!

Dann in der Ruhe, Stille, Leisheit,


Wie eine Greisin sah ich dich,
Großmütterlicher Thron der Weisheit,
Du wohntest in dem tiefsten Ich,
Nicht wie die Hexe mit der Warze,
Nein, als großmütterliche schwarze
Allgöttin Weisheit makellos!
Dir weihte meines Schicksals Los
Ich ganz und meines Leibes Sterben.
Du machtest mich zum Enkelsohn,
Frau Weisheit, die vom Gnadenthron
Mich auserwählt als ihren Erben,
Frau Weisheit, Göttin ohne Spott,
Großmutter Weisheit mein in Gott!

C – CHRISTUSBRINGERIN

O Christusbringerin, am Kreuze
In Schmerz verloren war dein Sohn,
O Pieta, in höchstem Reize
Ich sehe dich am Kreuzesthron
In Qual und Ohnmacht ganz vereinigt
Dem Sohn, der ward zu Tod gepeinigt,
Dem Schmerzensmann! In meiner Schau
Bist, Mutter, du die Schmerzensfrau,
Die opfert auf der Schädelstätte
Den eignen Sohn, dass er voll Glut
Den Leib zerbricht, vergießt sein Blut
Und durch sein Opfer alle rette!
Du Frau, die mit dem Sohne litt,
Du leidest uns erlösend mit!

Nun seh ich auf der Schädelstätte


Am Kreuz auf dem Kalvarienberg
Den Heiland sterben, dass er rette,
Vollbringen so sein großes Werk,
Daß auferstehend er uns rette!
Vereint dem Herrn im Kreuzesbette
Ich schaue dich in meiner Schau,
Des Schmerzensmannes Schmerzensfrau,
Uns zu erlösen, die Verlornen,
Du bettest dich nicht süß und nett
Im Lilien- und im Rosenbett,
Du bettest dich im Bett aus Dornen,
Wo Christus gibt ganz hin sein Blut,
Du weinst mit stiller Opferglut!

Nun sehe ich den Herrn vereinigt


Mit seiner auserwählten Braut,
Der Einzigen, die ganz gereinigt,
Der er in Liebe sich vertraut.
Und er umschlingt in Todesnächten
Als Gottmensch dich mit seiner Rechten,
Die Menschengöttin, die es schmerzt,
Der Gottmensch mit der Linken herzt.
Madonna, aber in Ekstase
Singst du dem Herrn dein Hoheslied,
Des neuen Bundes Sulamith!
O Lilie in kristallner Vase,
Mein Geist die Menschengöttin schaut,
Die sich der Gottmensch kor zur Braut!

Nun schaute ich ein Bild Marias:


Was ich statt ihres Herzens sah?
Den eucharistischen Messias
Sah ich als weiße Hostia!
In Mandelleuchtern brannten Kerzen,
Maria mit dem Brot im Herzen
Gab Speise meiner Seelennot,
Eucharis gab sie uns als Brot,
Die messianische Eucharis,
Die fleischgewordne Hostia!
Im Herzen der Madonna sah,
Im Herzen, Ave stella maris,
Sah ich das gottgewordne Brot,
Das spendet Leben nach dem Tod!

Die Hostia in meinen Händen


Lag friedlich und voll Seelenruh,
Den Seelenfrieden mir zu spenden.
Und Hostia sprach leise zu
Der Seele mein: Dein Seelenfutter
Will ich dir sein und deine Mutter
Und Mutterliebe dir im Brot
Und Leben ewig nach dem Tod
Will ich dir sein und deine Mutter
Und Gottheit aus dem Paradies,
Frau Weisheit bin ich, ich bin süß
Wie Honig, nahrhaft wie die Butter,
Bin Mutter, die dir Liebe gibt,
Dein Gott, der dich als Mutter liebt!

Und da ich Hostia verspeiste,


Ging Hostia hinein ins Herz
Und ward zu liebevollem Geiste
Und tröstete der Kindheit Schmerz.
So betete ich nicht vergebens
Zur Liebes-Gottheit meines Lebens:
Spricht nur ein Wort mit deinem Mund,
So wird die Seele mein gesund!
O Gottesmutter Sankt Maria,
Da sprach zu mir die Hostia:
Ich bin die Sapientia,
Ich bin die göttliche Sophia,
Und wer sein Leben mir vertraut,
Dem bin ich Mutter, bin ich Braut!

D – DIE MUTTER

Die Mutter sprach zu mir im Stillen:


Ich bin zwar Himmelskönigin,
Doch Mutter auch nach Gottes Willen,
So dass ich deine Mutter bin.
Die Mutter bist du, meine Mutter,
Dein Busen ist so weiß wie Butter,
Ich wende mich an deine Brust,
Der wehen Liebe Schmerzenslust
Will ich dir in der Nacht gestehen,
In meiner Nacht der Einsamkeit
Der wehen Liebe süßes Leid
Gestehen dir, der Seele Wehen.
Du tröste meine Schmerzenslust
Mit dem Erbarmen deiner Brust!
Als ich dich kennenlernte, Fraue,
Sprach ich vor deinem Angesicht:
Als die Geliebte ich dich schaue,
Doch Mutter nenne ich dich nicht!
Denn, Mutter, was soll das bedeuten?
Die Mütter sind in unsern Zeiten
Nicht unbefleckt und makellos,
Nicht in der reinen Liebe groß,
Nicht wie die Taube zu dem Tauber.
Sie achten nur auf äußern Schmutz,
Ob äußerlich der Dinge Putz,
Ob auch die teure Wohnung sauber.
Zum Troste sind sie nicht bereit,
Sind ohne die Barmherzigkeit.

So konnt ich Mutter dich nicht nennen


Und nannte dich: Geliebte Frau,
Zur Hohen Frau mich zu bekennen,
Zu Allgeliebten meiner Schau.
Nicht irdisch eine Provencalin,
Du warst die mystische Gemahlin,
Idee, die meine Seele schaut,
Des Geistes Braut und meine Braut.
Du warst die Diva, warst die Herrin,
Die Göttin der Ecclesia.
Ich aber voller Minne sah
Begierlich an die schönste Närrin
Und wußt nicht, wen ich freien soll,
Das Weib? Die Jungfrau gnadenvoll?

Ich flehte an die schönste Närrin:


O werde du doch meine Braut!
Doch anders wollt es meine Herrin,
Sie wollte selbst mir sein vertraut!
Da schrie ich mit gebrochnem Herzen
Und unter Liebe voller Schmerzen:
Maria, sei du mir vertraut
Als meine religiöse Braut!
Da kam die Mutter meiner Mutter
Vom Himmel her mit Mutterhuld,
Und so begann mein Mutterkult,
So spürte ich die Gottesmutter.
Großmutter meines Herzens, du
Führst mir die Gottesmutter zu.

Geworden bist du meine Mutter,


Maria, wie großmütterlich,
Wie Honig süß und weiß wie Butter
Dein Mutterbusen wonniglich.
Da habe ich dich angebetet,
Da hat zu mir ein Mönch geredet:
Die Gottesmutter ohne Spott
Führt dich zum mütterlichen Gott!
So Gott geworden mir zur Mutter,
So mir zur Mutter wurde Gott,
Ich musste dulden vielen Spott.
Doch süß wie Honig, weiß wie Butter
War Gottes pralle Mutterbrust,
Des Gotteskindes süße Lust!

Die Mutter bist du, bist die Mutter,


Die ich in meiner Seele sah.
Die Liebe ist mein Seelenfutter,
Der Mutterliebe Hostia.
So lehrst du mich die Mutterliebe,
Daß ich im tiefsten Seelentriebe
Heil finde meinem Kindheitsschmerz.
Mir schenkt ihr feminines Herz
Im Fleisch die göttliche Sophia,
Ihr feminines Herz aus Fleisch,
Vereinigt sind wir mystisch keusch.
Dank Unsrer Lieben Frau Maria,
Die unbefleckt und makellos,
Bin eins ich Gottes Mutterschoß.

E – ERHABENE MUTTER

Erhabne Mutter, bei dem Tode


Der Mutter meiner Mutter sah
Ich Christus! Aus der Gnosis Mode
Zum Gott der Liebe rief mich da
Herr Jesus. Ich hab angebetet
Gott auf dem Angesicht. Geredet
Hat Gott, der Gott der Liebe ist,
Zu meinem Geist: Nun bist du Christ!
So steht es in der Schrift geschrieben:
Wenn Vater mein und Mutter mein
Verlassen mich, so Gott allein
Wird mich als Gott der Liebe lieben!
Als die Großmutter mich verließ,
Maria kam vom Paradies!

Erhabne Mutter, o Maria,


Des Christen Mutter warest du.
Voll Jammer ich wie Jeremia
Und weinte jammernd immerzu:
Was, Mutter, hast du mich verlassen?
Ich kann den Todesschmerz nicht fassen!
In Seelenqual die Seele sieht
Immaculata Sulamith
Madonna, dass die Milch mir quölle
Aus des Erbarmens Mutterbrust,
Ich schmeckte Paradieseslust
Und steckte doch im Schlund der Hölle!
Da riß mich aus dem Suizid
Ins Heil Madonna Sulamith!

Erhabne Frau, den Unbekannten


Erforschen wollte ich, die Schrift,
Da unterwiesen Protestanten
Mich, wie es sich im Leben trifft,
So also ward ich evangelisch.
Ich liebte manche Nymphe melisch
Und ehrte immerdar das Bild
Der Gottesmutter gnadenmild,
Sie, die Sixtinische Madonne.
Doch warest du mir kaum bekannt,
Und doch, obwohl ich Protestant,
War deine Schönheit meine Wonne.
Im evangelischen Roman
Die Mutter Jesu sang ich an.

In Minneschmerzen melancholisch
Die Jungfrau ist erschienen mir.
Madonna machte mich katholisch,
Ich dank der Kirche Glauben ihr.
Sie lehrte mich Sankt Petri Dogma,
Sie lehrte mich der Bibel Chockmah,
Und was der Protestant nicht kennt,
Des Hochaltares Sakrament.
Madonna führte mich zur Firmung
Und rief zur Wallfahrt mich nach Lourdes,
Es war wie eine Neugeburt,
Mariens Mantel, Schutz und Schirmung,
Wie die Plazenta mich umgab,
Marien Mutterschoß mein Grab.

So groß die Sehnsucht in dem Christen


Nach der erhabnen Mutter war,
Ich hörte auf die Feministen
Und sah Maria wunderbar
Als meine Große Muttergöttin,
Geheimnisvolle Seelengattin.
So groß die Muttersehnsucht war,
Gott ward mir Mutter wunderbar!
Dem kirchlichen Sakraltheater
Mit Seelenschmerzen ich entfloh,
Sophia suchte Salomo,
Jedoch den Gottesnamen Vater
Besetzte ohne Unterlaß
Mein Herz mit tief verletztem Haß.

Erhabne Mutter, die Erscheinung


Mariens wieder mich belehrt,
Mit Offenbarung, nicht mit Meinung,
Die Gottesmutter mich bekehrt.
Erhabne Mutter, melancholisch
Bin ich, doch will ich sein katholisch,
Weil du gesprochen wunderbar
Vom Liebessakrament-Altar,
Vom Papste und der Gottesmutter.
Erhabne Mutter, ja ich sah,
Die Mutter der Ecclesia
Bist du allein, erhabne Mutter.
Ich bin ganz dein und Gott geweiht,
Der Ewigen Dreifaltigkeit.

F – FRAU AUS DEM ALL

Ich war noch unter Kommunisten


Und sagte mir: Ich bin Poet!
Mich führten anonyme Christen,
War manch ein Dichter ein Prophet!
Da sah ich einmal Maid Maria,
Sie war die russische Sophia!
Ich blieb die ganze Nacht lang wach
Und dachte an Maria, ach,
Ich kämpfte mit dem Herrn der Fliegen,
Geschmeiß, das diente Beelzebul,
Den Ratten aus dem Höllenpfuhl.
Doch Maid Maria, sie wird siegen
Und nach dem Grauen und dem Tod
Erscheint die Frau im Morgenrot!

Ich stieg hinan die Himmelstreppe,


War ganz von Gold Marias Schloß.
Die lange weiße Seidenschleppe
Die Treppenstufen niederfloß.
Des Ritters Minne-Abenteuer
Ihn führte durch das Fegefeuer,
So kam er bis ans Himmelstor,
Umflort von roter Rosen Flor.
Da sprach der Minneritter: Ave
Maria, Himmelskönigin,
Dein Diener und Geliebter bin
Ich immer, immerdar dein Sklave,
Ob deine Hoheit mich bestraft,
Ich bleib der Herrscherin versklavt!

Im Geist trat ich in einen Tempel


Und steckte Tempelkerzen an.
Von deiner Offenbarung Stempel
Geprägt war innerlich der Mann.
Ich schaute Märchenfeen und Träume
Und Phantasieen durch die Räume
Des Tempels ziehn in der Vision.
Ich sah dich auf dem hohen Thron,
Der Jungfrau Bild in der Ikone,
Ich sah dein schönes Angesicht,
Dein Angesicht von Glanz und Licht,
Ich sah dich in der Glorienkrone.
Du warest siebzehn Jahre jung,
Mir ewige Begeisterung!

Herab kamst du die Himmelstreppe


Mit deinem jugendlichen Schwung.
Wie Frühling blühte deine Schleppe,
Du Mädchen, siebzehn Jahre jung.
Ich rief dich goldene Aurora,
Ich rief dich Blumenmädchen Flora,
Da gabest du mir einen Kuß:
Das Reich ist nah, so tu nun Buß!
Dann stiegest du zum Höllenschlunde
Und triebest fort charakterfest
Die Ratten Satans und die Pest,
Die Gifte Satans, Satans Hunde.
Dann schenktest du mir deinen Schuh,
Zurück gen Himmel stiegest du.

Es war in einer Burg in Franken,


Ich wachte bis zum Morgenrot,
Mit meinem Wachen dir zu danken,
Die du erlöst mich von dem Tod,
Die du erlöst mich aus der Hölle,
Daß aus der Qual mir Gnade quölle.
Das ging herauf das Morgenlicht,
Ich sah im Geist dein Angesicht
Wie Tau auf keuscher Rosenblüte.
Ich streute in dem ganzen Haus
Die Rosen deiner Liebe aus,
Mariens Liebesrose glühte,
Die Liebe allen Menschen gilt,
Die du bist Gottes Ebenbild!

Als ich nach einem Namen fragte,


Wie ich dich nennen soll, o Frau,
Der Geist in meinem Innern sagte:
Die Schöne Dame deiner Schau
Gekommen ist von hohen Sternen
Herab zu dir, aus Weltalls Fernen,
Zu dir, vom Stern der Phantasie.
So nannte einst der Dichter sie,
Die Phantasie, die große Göttin,
Die Gott der Vater gnädig gab,
Daß sie den Menschensohn erlab,
Dem Dichter gab zur Seelengattin!
Du aber nenn sie, scholl der Schall:
Die Hohe Fraue aus dem All!

G – GROSSE SCHWESTER

O Große Schwester, meine Freundin,


Laß schauen mich dein Angesicht!
Es freue sich nicht meine Feindin,
Weil mir so Nacht ist, doch mein Licht
Ist Jesus doch, mein Herr und Meister.
Du lehrtest mich, du Gott der Geister,
Daß Weisheit meine Freundin sei,
Die schöne Freundin mein im Mai,
Frau Weisheit sei mir meine Schwester!
Frau Weisheit meine Schwester nenn
Ich dankbar, der ich sie erkenn,
Die schön wie Judith, Ruth und Esther.
Herr Jesus doch mein Bruder heißt,
Frau Weisheit Schwester ist im Geist.

Nun lehrte Jesus Sirach weise,


Frau Weisheit rein und makellos
Sei auf geheimnisvolle Weise
Gewärtig in dem Mutterschoß
Mit jenem, den sie auserkoren.
Bevor die Mutter ihn geboren,
Frau Weisheit wehrte allem Fluchen,
Fruchtwasser sie und Mutterkuchen
Im Mutterschoß gesegnet hat.
Mein Geist ward an Frau Weisheit satt.
Fort alle Torheit der Philister,
Der Weise war der Bruder schon
Der Schwester Weisheit, ohne Hohn,
Im Schoße waren sie Geschwister,
Die Zwillingsschwester mein im Geist,
Sophia meine Schwester heißt.

Und weil ich sie im Schoße schaute


Als angebornes Ideal,
Ich schaute auch die Tiefvertraute
Als jugendlicher Brautgemahl
In einem Frühlingshain im Maien.
Geist war die Schwester. Sie zu freien
War all des Jünglings Lustbegier,
Anbetend schaute er zu ihr,
Sophia lächelte im Baume,
Als Geist im Frühlingswipfel grün,
Der Jüngling sah die Schwester blühn,
Sie war so schön in seinem Traume,
Als er der Luft im Laube lauscht,
Der Duft der Schwester ihn berauscht.

Weltseele nennen Philosophen


Sophia, Seele der Natur,
Und wenn im Mai die hübschen Zofen
Die Herrlichkeit der Kreatur
Und Gottes Liebreiz offenbaren,
Dann wird der Philosoph gewahren
Sophia, die als Blüte blüht,
Pfingstrose, die in Weißglut glüht.
Natur trägt ihre Frühlingsmode,
Die Taube im Kastanienbaum
Ist weiß wie Schnee und Meeresschaum,
Des Baumes Blüte als Pagode
Ist wie ein Tempel der Natur,
Da schaute ich Sophias Spur.

Den Adelsbrief der Makellosen


Und das Diplom der Schönheit sie
Besaß, die Schönste aller Rosen,
Die Große Schwester-Braut Sophie!
War jeder Tag wie eine Messe,
Wo dankbar ich genießend esse,
Was meine Schwester gnädig gibt,
Ich schmecke, wie die Schwester liebt,
Ich schmeck die Grünkraft ihrer Liebe,
Ich schmecke ihre Energie,
Ich schmeck die Schwester-Braut Sophie!
Sie lebt in jedem Lebenstriebe!
Vereinigt ist der Brautgemahl
Der Schwester, seinem Ideal.

So eins der Weisheit ist der Weise,


So eins der Bräutigam der Braut,
Wer schaut den Weisen an, wird leise
Bekennen oder preisen laut,
Daß er im Geist Frau Weisheit schaute.
Mein Knabe Midda mir vertraute,
Daß er in seinem Geiste sah
Die Diva Sapientia,
Er sah die göttliche Sophia:
So wunderschön ihr Angesicht,
Das denkst du nicht, das glaubst du nicht,
So unaussprechlich schön Maria!
Die Schönste aller Frauen, Christ,
Die Schwester-Braut Maria ist!
H – HOHE FRAU

O Hohe Frau, die Christen sagen:


Der Mann sei Abglanz Christi und
Soll seine Dornenkrone tragen
Und leidend lieben alle Stund,
Die Frau sei Abglanz nur des Mannes.
Und der Apostel Paulus kann es
Begründen, wie ein Mann es kann:
Der Erstgeschaffne ist der Mann,
Die Frau schuf Gott der Herr als Zweite.
Die Schöpfungsordnung also ist:
Der Mann ist Haupt, so sagt ein Christ,
Der Mann die Frau und Kinder leite.
Die Frau ist in der Christen Schau
Die Kirche, Christi Braut die Frau.

So in der christlichen Ästhetik


Ein Anglikaner-Philosoph
Schrieb eine christliche Poetik,
Nicht ein Poet am Minnehof,
Der seiner Diva weiht die Strophen.
Nein, nach dem Wort des Philosophen
Der Dichter schaut zum Höhern auf,
Zum Höchsten strebt hinan sein Lauf,
Nun stehen Männer über Frauen
Und über Männern steht der Geist,
Der Dichter so den Geist lobpreist,
Den Herrn in allem anzuschauen,
Wie Milton in dem Epos tat,
Wo Eva hatte niedern Grad.

Und auch die Karmeliter-Nonne,


Die liebe Freundin Edith Stein,
Schrieb: Jede Frau ist die Madonne,
Die Männer sollen Christus sein.
Der Mann ist vorgeordnet nämlich
Der Frau. (Die Frau ist also dämlich,
Doch herrlich ist vor Gott der Mann?)
Die Frau im Mann schaut Christus an,
Der Mann schaut in der Frau die Mutter
Des Christus an, die Liebe Frau.
Ein Mann war Jesus Christus, schau!
Die Mutter gibt den Kindern Futter,
Der Mann dient aber reinem Geist,
Weil er ein Abbild Christi heißt.

O Hohe Frau, verzeih die Sünde,


Die gegen mein Gewissen ich
Beging, indem ich dies begründe,
Was ich nicht denk. Ich liebe dich,
O Hohe Frau, du Licht im Düster,
Ich bin ein wahrer Musenpriester,
Vollkommenheit in meiner Schau
Versammelt ist in einer Frau,
Der Dichter schaut hinauf zum Weibe,
Das Ewigweibliche den Mann
Zur Schönen Liebe zieht hinan,
Der Dichter an dem Frauenleibe
Den Liebeshimmel zündet an,
Am Glanz des Frauenleibs der Mann.

Der Musenpriester dient den Musen,


Der Minner an dem Minnehof
Der Dame mit erhabnem Busen.
Was weiß von Gott ein Philosoph,
Was von der Liebe Theologen?
Wen Liebe je hinangezogen,
Der schaut in einer Frau als Mann
Vollkommne Schönheit Gottes an.
Er schaut in seiner Minnedame
Sein Ideal und die Idee
Der Schönheit an. Im Weibe seh
Ich Gott und Liebe ist sein Name,
Der Gottheit Name Liebe ist,
Frau Liebe betet an der Christ.

So kann ich auch nur vor dir knieen,


O Hohe Frau, als Gottesmann,
Mir ist es anders nicht verliehen,
Ich bete die Madonna an!
Die Hohe Frau, geheime Gattin
Der Mystik und aus Gnade Göttin,
Die Hohe Frau, die Frau in Gott,
Die Frau an sich, die ohne Spott
Die Hohe Frau in Himmelsreinheit
Als makellose Ur-Idee
Im Herzen Gottes ist! Ich seh
Die Hohe Frau in der Drei-Einheit.
Als Dichter und als Christ und Mann
Ich bet die Hohe Fraue an!

I – IMMERWÄHRENDE JUNGFRAU

Du Immer-Jungfrau! Aphrodite
Verzehrt doch nur mit Eros’ Gift!
So lehrt es uns der Griechen Mythe
In des Tragöden Dichter-Schrift.
Kommt Aphrodite mit dem Eros,
Vernichtet wird der fromme Heros
Von eines Stieres starker Kraft,
Als von dem Horn der Leidenschaft!
Denn Aphrodite in der Mode
Lasziver Sinnlichkeit halbnackt
Und Eros mit dem Trieb zum Akt,
Den Heros führen sie zum Tode,
Begierde so erscheint als Fluch,
Als Fluch nach dunklem Schicksalsspruch.

Doch eine Göttin preist der Dichter,


Das reine Licht in Finsternis,
Die Königin der Himmelslichter,
Die keusche Jungfrau Artemis!
Der keuscher Artemis sich weihte,
Jungfräulich selbst als Jungfrau freite
Die keusche Jungfrau Hippolith,
So singt es uns des Dichters Lied.
Die Göttin, Jungfrau der Jungfrauen,
So rein und makellos und keusch,
Kein Mensch darf sie im lichten Fleisch
Nackt im geweihten Bade schauen!
Den, der sie schaute nackt, zerriß
Jungfräulich-zürnend Artemis!

Du Immer-Jungfrau! Wie die Franken


In Frankreich krank geworden sind
Durch eine Frau, wie sie erkranken,
Heil bringt die Jungfrau! Schau, der Wind
Kommt von dem blauen Ozeane,
Der Wind bläst in der Jungfrau Fahne,
Auf blauem Grund drei Lilien gold,
So rein und keusch die Jungfrau hold,
Es geht ihr nicht nach Frauenweise,
Nur Mädchen ruhn in ihrem Bett.
Ob sie das Hymen auch noch hätt,
Die Nonnen prüfen weiblich-weise.
Jungfräulich war sie, keusch und stark,
Der Franken Retterin, Jeanne d’Arc!

Jungfräulichkeit der keuschen Jugend


War ihre Kraft, aus Keuschheit stark
Und Retterin aus Macht der Tugend
Die Gottgesandte war, Jeanne d’Arc!
Das Land in Chaos ward gebettet
Durch eine Frau, die Jungfrau rettet
Durch die Jungfräulichkeit das Land,
Jungfräulichkeit, von Gott gesandt.
In reiner Hand geweihte Waffen,
Jeanne d’Arc errang im Völkerkrieg
Den Sieg, den gottgewollten Sieg!
Jeanne d’Arc starb durch die falschen Pfaffen,
Im Feuertod anbetend sie
Nur Jesus, Jesus, Jesus schrie!

Du Immer-Jungfrau! O Maria,
Ganz unbefleckt und makellos,
Ganz wie die göttliche Sophia
Bist du die Freundin fleckenlos,
Bist du die sündenfreie Seele,
Ganz ohne Makel, ohne Fehle,
Vom reinsten Ur-Licht reinster Schein,
Idee der Schönheit, strahlend rein,
Du gehst nur ein in reine Seelen
Und machst sie zu Propheten und
Zu Freunden Gottes in dem Bund,
Die reinen Seelen nur erwählen
Dich, dir allein sind sie geweiht
In himmlischer Jungfräulichkeit!

Maria, wer im Geist dich schaute,


Der schaut den keuschen Mond im All,
Den Morgentau, der glitzernd taute,
Der schaut die Vase aus Kristall,
Der schaut den Marmor von Sankt Peter,
Der schaut die Jungfrau in dem Äther,
Der schaut des Schöpfers Ideal,
Dich, lichter noch als Sonnenstrahl,
Wie transparenter Hauch von Seide
Ein Lichtkleid um dein lichtes Fleisch,
Dein Lichtfleisch transparent und keusch,
Ein Hauch und doch ganz Augenweide,
Von Gott die Göttin, Licht vom Licht –
Wie Midda sagt: Das glaubst du nicht!

J – JUNGFRAU IM ÄHRENKLEID

O Jungfrau in dem Ährenkleide,


Heut las ich also im Talmud:
Mit Kindern spielt der Narr und Heide,
Nicht ist gereift das Traubenblut,
Weinbeeren sind sie, ungereifte.
Wer auf die Weisheit sich versteifte,
Der rede nur mit einem Greis,
Der viel von Welt und Menschen weiß,
Weinbeere ist er, reif und süße,
Der Weise grüßt mit Ehrfurchtsgruß
Den Greis und sitzt zu seinem Fuß,
Des Greisen Rede reichlich fließe,
So wird es seinem Hörer sein
Als tränke er von altem Wein.
Ein Rabbi aber sprach dagegen:
Der Weise fragt danach nichts, welch
Gefäß enthält des Weines Segen,
Ob alter Becher, junger Kelch,
Ob junger Kelch, ob alter Becher,
Der Wein allein erquickt den Zecher.
Im jungen Kelch kann alter Wein
Voll tiefer Weisheit Gottes sein.
Im alten Becher eines Alten
Kann Wein sein, der wie Essig schmeckt.
Des Weines Geist im Innern steckt.
Der alte Becher kann enthalten
Nur Essig zu des Zechers Spott,
Der junge Kelch das Blut von Gott!

O Jungfrau in dem Ährenkleide,


Den lieben Sohn Jedidja seh
Ich wieder, meine Augenweide,
Jedidja, den ich als Idee
Im Geist seh, trotz des Teufels Lügen.
Jedidja ging dereinst auf Rügen
Mit mir an einem Weizenfeld
Spazieren. Augenblicklich hält
Der Knabe inne, meinem Sohne
Scharfarbe zeig ich weiß und zart,
Kornblumen blau von schöner Art,
Und Wiesenkerbel, wilde Mohne,
Den Purpur-Poppie auf dem Feld:
Sohn, also schön ist Gottes Welt!

Sohn, schau den schönen goldnen Weizen,


Wie sich die Ähren Halm an Halm
Erheben und die Arme spreizen!
Sohn, singen möchte ich einen Psalm
Und singen von dem goldnen Weizen
Und singen von den blonden Reizen,
Wie Salomo sang Sulamith
Einst in der Liebe Hohemlied:
Dein Schoß wie eine Weizengarbe,
Umstickt mit zarter Blüte Flor!
Mir rauscht die Hymne noch im Ohr,
Der Liebsten Schoß von blonder Farbe
Erscheint in meinem Geiste hold,
Ich sehe Sulamith wie Gold.

Sohn, sage ich, Jedidja, schaue,


So ist Maria licht und hold,
Im Ährenkleid die Liebe Fraue
Maria ist so schön wie Gold!
Maria ist wie goldner Weizen,
Von Gott geschmückt mit allen Reizen!
Von Horizont zu Horizont
Ausbreitet sich Maria blond,
Sohn, schaue ihrer Glieder Spreizen!
Das Kornfeld ist Marias Bett,
Sie lächelt wie die Blüte nett,
Sie lacht wie Sonnenlicht, wie Weizen,
Ganz strahlend ist ihr Angesicht,
Sie ist wie Gold und Sonnenlicht!

Mein Sohn, wir wollen niemals geizen


Mit Liebe zu der Lieben Frau!
Sie ist so fruchtbar wie der Weizen,
Schön wie des Kornes Blume blau,
Sie ist so golden wie die Ähren,
So wollen wir Maria ehren,
Mit Frieden nur und nie mit Zorn,
Des Brotes Mutter sie, das Korn,
Sie füllt die Töpfe mit dem Mehle,
Sie schenkt den Kuchen und das Brot,
Das macht gesundes Wangenrot,
Nährmutter ist sie unsrer Seele!
Jedidja rief vor aller Welt:
Maria geht durchs Weizenfeld!

K – KÖNIGIN DER LIEBE

O Königin der Schönen Liebe,


Marienmond und Minnemai
Ist nun, der Saft im Lebenstriebe
Treibt stark, gewaltig, wild und frei,
Erfüllt von grenzenlosem Sehnen
Und jammervollen Lebenstränen
Ich hungere nach einem Weib,
Der Liebe Blut, der Liebe Leib,
Ich sehn mich nach der Frauenseele,
Zu atmen ihren Atem ein,
Zu atmen ein ihr Frauensein!
Und dennoch, o Madonna, wähle
Ich dich als meine Braut,
Dir habe ich mich anvertraut!

So saß ich in dem Frühlingsgarten


Auf einer Gartenbank im Licht,
Ich schaute an die himmlischzarten
Und lieblichen Vergissmeinnicht,
Las in der Bibel wie die Frommen,
Da sah ich dich, Maria, kommen,
Du lächeltest wie Frühlingsnacht,
Du hast mich himmlisch angelacht,
Mit bloßen Füßen auf dem Moose
Du nahtest mir, du hast genickt
Und liebevoll für mich gepflückt
Vom grünen Strauche die Pfingstrose,
Die glühte rein wie Weißglut weiß,
Pfingstrose aus dem Paradeis!

Du aus dem Paradies der Venus,


Vom dritten Himmel kamest du,
Du Jungfraumutter Nazarenus,
Der Liebe Herrin, neigtest du
Dem Dichter dich in sanfter Minne,
Mir schwanden selig alle Sinne,
Ich war durchströmt von süßem Trost,
Mein Haupthaar hast du mir gekost,
Gestreichelt meine blonden Locken.
Glückseligkeit der Gegenwart
Der Zärtlichkeit unendlich zart!
Gott sprach sein Amen durch die Glocken
Und eines Falters stillen Schrei
Vor lauter Seligkeit im Mai!

O Königin der Schönen Liebe,


Ich will dich etwas fragen, sprich,
Wie werden heilig meine Triebe?
Auch will ich gerne fragen dich,
Ob Jesus Christus an dem Kreuze
Gehangen hat in allem Reize
Des schönen Menschenleibes nackt?
Die Kirche stellt doch dar als Fakt,
Daß Jesus trug den Schurz der Lenden,
Nichts als um seine Blöße kurz
Und um die Scham den Lendenschurz.
Wenn Räuber an dem Kreuz verenden,
So waren diese Räuber nackt,
Ganz splitternackt, das ist doch Fakt.

Die Königin der Schönen Liebe


Voll mütterlicher Weisheit sprach:
Wie Adam nackt in seinem Triebe
Im Paradies gesündigt, ach,
Wie Adam nackt im Paradiese
Gesündigt, musste Christus diese
Erbsünde zu versühnen, nackt
Am Kreuze sterben, das ist Fakt,
Drum Christus hing am Kreuz entkleidet
Als neuer Adam an dem Baum
Des Lebens, an dem Kreuz. Und kaum
Hing er am Kreuze, dass er leidet,
Nahm ich vom Haupt den Schleier, kurz
Und gut: Er starb im Lendenschurz.

O Königin der Schönen Liebe,


Du bandest deinen Schleier um
Die Scham des Herrn, um seine Triebe
Zu hüllen im Mysterium
Der Keuschheit. Reden wahr denn jene,
Die sagen so, dass Magdalene
Hing deinen Schleier um die Scham
Des Herrn, der war ihr Bräutigam,
Die Sünderin war Braut in Buße,
Ist das die Wahrheit, Liebe Frau?
Die Königin der Liebe, schau,
Sie sprach bei ihrem Abschiedsgruße:
Ich selber hing dem Bräutigam
Den Schleier um die nackte Scham.

L – LIEBES HIMMELSMÜTTERCHEN

O Himmelsmütterchen, du Liebe,
Du heilest allen Liebesschmerz!
Mir strebten sehnlich meine Triebe
Zum ehelichen Minnescherz,
All mein Verlangen war die Aura
Der schönen Liebsten, nämlich Haura,
Als Haura, mich nicht liebend, ach,
Mein Herz in tausend Stücke brach!
O Himmelsmütterchen von Roma,
Da schrie ich zu dem Engel mein,
Großmutter kam, Großmütterlein,
Großengelin vom Himmel, Oma
Mich voller Liebe hüllte ein
In ihrer weißen Schwingen Schein.

Maria, lange hab ich Mutter


Dich nicht genannt, ich rief dich Braut.
Nun, süß wie Honig, mild wie Butter,
Hab ich dein Mutterherz geschaut.
Großmutter voll der Liebe Flamme,
Mir Kinderfrau und liebe Amme,
Sie offenbarte mir im Schmerz
Vom Himmel her ihr Mutterherz.
Ach, Asche war allein mein Futter
Und Tränen mir allein mein Trank,
O Frau, ich war vor Liebe krank!
Großmütterlich als Himmelsmutter
Mein Engel brachte mir den Trost,
Großengelin hat mich liebkost.

O Himmelsmütterchen, du Liebe,
Du lehrtest mich, Maria, nun,
Mit allem meinem Seelentriebe
Dir an der Mutterbrust zu ruhn.
Dein Mutterbusen, weiß wie Butter,
In marmorner Gestalt, der Mutter
Barmherzig-mütterliche Brust,
War meines innern Kindes Lust!
Als kleines Kind voll Liebe küsste
Ich allezeit mit reinem Kuß
Und sog die Milch in Überfluß
Und barg mich zwischen deine Brüste
Und sog die Milch des Trostes ein,
Maria, du mein Mütterlein!

Die Hostie war mein Seelenfutter,


Liebfrauenmilch war Christi Blut.
O Große Mutter Gottesmutter,
Ich drang zu dir mit Liebesglut!
Die Mutterliebe aller Mütter
Ist lieblos, seelenleer und bitter,
Verglichen mit dem Muttersein
Mariens, mit der Liebe dein!
Maria, himmlische Lorettin
(Der deutsche Jude fand den Reim),
Du Reich von Milch und Honigseim,
Du wurdest mir zur Muttergöttin
Und offenbartest ohne Spott:
Dir will zur Mutter werden Gott!

O Himmelsmütterchen, du Liebe,
Du makelloses Spiegelbild,
Du reiner Spiegel ohne Trübe,
Der Mutterliebe Gottes mild,
Mit allen meinen Kindheitsschmerzen
Zu Gottes mütterlichem Herzen
Du führtest mich ganz ohne Spott,
Hinan zum mütterlichen Gott!
Du lehrtest mystisch mich das Dogma
Der Weisheit. Ich hab angeschaut
Gott-Mutter Weisheit, Gott als Braut,
Frau Weisheit (Juden sagen Chockmah),
Wie Jesus Sirach mir vertraut:
Frau Weisheit Mutter ist und Braut!

O Frau, der Offenbarung Göttin,


Die du geheim dich offenbart,
Geheimnisvolle Seelengattin
Und Gott voll Mutterliebe zart,
Du gibst dein Fleisch als Seelenfutter,
Du nährst mit Brot wie eine Mutter,
Des Trostes Wein mir allzeit gib,
Das Blut des Mutterherzens lieb!
Und trat ich zu dem Seelenfutter
Der Hostie in die Kirche ein,
So hörte ich Frau Weisheit fein
Mir flüstern: Ich bin deine Mutter,
Will ewig deine Mutter sein,
Ich, Gottheit, gehe in dich ein!

M – MADONNA MIT DEM KIND

Madonna mit dem lieben Kinde,


Wie ward beleidigt doch mein Herz!
Lieblosigkeit und manche Sünde
Mir fügte zu so bittern Schmerz,
Es war so leer in meinem Herzen,
So ausgebeutet ich von Schmerzen!
Doch was mich füllte, das war da,
Die Liebe wars der Hostia
Und Sankt Marien Mutterliebe!
Da sprachest du: Der Sonne Licht,
Es kehrt zu Gottes Angesicht,
Am Samstag ist vorbei die Trübe.
Dann geht in triumphalem Lauf
Die Sonne meines Sohnes auf.

Am Sonntagmorgen, o Madonne,
Da sprachest du so süß zu mir:
Die Kinder seien deine Wonne,
Es kommt das Jesuskind zu dir!
Den zarten Jesus sollst du fühlen,
Das Jesuskind in Kinderspielen!
Nicht Meditieren und Gebet
Ist was als Pflicht heut vor dir steht,
Mit Kindern sollst du dich versöhnen.
So Gottes Mutterliebe lernst
Du, Gott die Mutter ist auch ernst,
Streng ist die Mutter zu den Söhnen.
Doch wenn der Kinder Schar bereut,
Gott-Mutter wieder sie erfreut!

Madonna, so sprachst du am Morgen,


So ging ich folgsam deinen Weg.
So ging ich gänzlich ohne Sorgen,
Da stand ich an der Straße Steg,
Da sah ich wandeln die Madonne,
So himmlisch schön, dass ich voll Wonne
Verehrte ehrfurchtsvoll die Frau!
Schau, die Madonna meiner Schau
War hoch und schlank, von lichter Reinheit,
Der Rock war schwarz, das Kleid war weiß,
Sie lächelte so lieblich leis,
Ihr langes schwarzes Haar von Feinheit,
Es wehte schleiergleich im Wind.
Madonna, wo war da dein Kind?

Dein liebes Kindlein sah ich warten,


Da plötzlich sah ich die Vision,
Der Jesusknabe stand im Garten,
Im Frühlingsgarten stand der Sohn,
Der Gottessohn, der Sohn Marias,
Ich sah den kindlichen Messias
Im Glorienglanz der Sonne süß,
Den Friedefürst im Paradies,
Er betend faltete die Hände
Und war versunken im Gebet,
Und wie er stille betend steht,
Nach dem Gebete er am Ende
Weit öffnete die Arme er,
Mich segnete der kleine Herr!

Als Jesus so gebetet hatte,


Da kam der kleinen Kinder Schar,
Sie tanzten auf der Blumenmatte,
Kastanienblüten in dem Haar,
Kastanienblüten, rosa Flocken,
Wie Segen in den goldnen Locken.
Die Kinder nahten fröhlich sich,
Das liebste Kind umarmte mich
Und sagte, dass es lieb mich habe
Und dass es nicht mehr böse sei.
Die Kinder jauchzten Jubelschrei,
Die Taube flog, es flog der Rabe,
Die Hennen auf dem Wiesenplan
Versammelten sich um den Hahn.

Madonna mit dem lieben Kinde,


Mein Leiden nicht vergebens war,
Ich sühnte leidend manche Sünde,
Mein Schmerz war wie ein Sühnaltar.
Von dir, Madonna, von der schönen
Madonna ausging das Versöhnen
Und nach der Buße Jubilus
Und nach der Reue Liebeskuß!
Wie fröhlich war der Kinder Trubel,
Wie liebend war der Kinder Blick,
Wie schenkte Jesus mir das Glück,
Madonna Jauchzen mir und Jubel!
Madonna mit dem Kinde, da
Sang ich dem Herrn Hallelujah!

N – NOTRE DAME DE LA MATERNITÉ


O Königin der Mütter Frankreichs,
O Liebe Frau der Mutterschaft,
Ich weihe dir die Mütter Frankreichs.
Nur Sinnlichkeit und Leidenschaft
Und Oberflächlichkeit und Narrheit,
Kein Interesse an der Wahrheit,
Gemordet wird die Leibesfrucht,
Geliebt die Unzucht, nicht die Zucht,
Man sucht nur fleischliche Genüsse,
Man sucht nur ohne Unterlaß
Gewissenlos den eignen Spaß,
Die Frau will vieler Männer Küsse.
In Egozentrik groß du bist,
Dein Ego Axis Mundi ist!

O weh, zur Strafe meiner Sünden,


Weil ich vom Herrn mich abgewandt,
Die große Venus zu verkünden,
Weil ich geopfert Herz, Verstand
Und Glaubensgeist und Liebesseele
Der großen Venus, dass ich wähle
Zum Abgott meiner Liebeskraft
Das Götzenbild der Leidenschaft,
Drum, weh mir, traf mich Gottes Strafe!
Gott schickte mich ins Heidenland,
Dort herrschte Torheit, Unverstand,
Ich wurde unterdrückt als Sklave,
Mein Leib und Geist war nicht mehr frei,
Versklavt der Torheit Tyrannei!

Was habe ich für die Franzosen


Getan nicht alles als ihr Knecht,
Geduldig trug ich ihr Erbosen,
Mein Leben ward mir zum Gefecht,
Es machten, ach, mir Frankreichs Mütter
Die Seele wütend, zornig, bitter,
Vernichtet ward mein Frauenkult
Durch Frankreichs Frauen, deren Schuld
Mich machte fast zum Weiberhasser!
Ich schrie: Die Weiber taugen nichts,
Sie sind die Geißel des Gerichts,
So ständig tropft das Regenwasser
Ins Haus durch das kaputte Dach,
So plappern diese Zungen, ach!

O Frauen Frankreichs, wehe, wehe,


Wie hat doch Jesus Sirach recht
Und Salomonis Weisheit sehe
Ich auch bestätigt und ich dächt,
Ist besser, ganz allein im Winkel
Zu wohnen als mit Weiberdünkel!
Frau ohne Zucht, ein hübsches Ding,
Im Maul der Sau ein goldner Ring!
Die Weiber schwatzen, wortereiche,
Das Weib unendlich plappern kann,
Das ist für einen weisen Mann
Wie für den Greis der Weg am Deiche,
Er keucht, den Stock in seiner Hand,
Hinan sich mühsam durch den Sand.

Die Frauen Frankreichs, o Prophete,


Französin, welche niemals schwieg,
Sie ist wie eine Kriegstrompete,
Der Mann beständig lebt im Krieg!
Frau Weisheit bleibt da fern, Frau Wahrheit,
Frau Torheit aber herrscht, Frau Narrheit!
Gestohlne Brote schmecken süß,
Gut das geraubte Fleisch am Spieß.
Das wilde Weib weiß viel zu schwatzen,
Unwissende voll Unverstand,
Frau Narrheit herrscht im ganzen Land,
Sie lieben in der Hand die Spatzen,
Verschmähn die Tauben auf dem Dach,
Frau Torheit herrschte herrisch, ach!

Wie fein weissagte doch der Dichter


Von Frankreichs Frauen im Gedicht,
Wie sagte wahr der Minnerichter:
Wie Püppchen hübsch ist das Gesicht,
Der Leib voll Wollust, voll der Busen.
Doch Frankreichs eitle Aftermusen,
So hoch man ihre Reize preist,
Sie haben leider keinen Geist!
Ich duldete des Weibes Spotten,
Mein Fegefeuer, mein Gericht,
Doch weil ich dulde, glaube nicht,
Ich würde göttlich dich vergotten!
Ah Notre Dame, ah Notre Dame,
Ah Vierge Marie, plus belle des femmes !

O – OELBERGMUTTER

Du Ölbergmutter meiner Leiden,


Durch Leiden ward ich Katholik.
Die Liebe in dem Duftkleid seiden
Und mit der Stimme wie Musik
Bescherte Minne melancholisch.
Durch Schwertmut wurde ich katholisch,
Als ein katholischer Poet
Mir wie ein christlicher Prophet
Die Weisheit brachte von dem Karmel,
Daß Leiden ist der Weg zu Gott.
Der Weg des Kreuzes ohne Spott,
Nicht Venus, Götzenbild aus Marmel,
Nicht Lust ist Liebe, Lust voll Reiz,
Die Liebe ist der Gott am Kreuz!

Da schickte Gott mir von dem Kreuze


Den Kreuzweg nach Gethsemani.
Die schöne Liebe voller Reize
War Garten meiner Schwermut, sie
War mir Gethsemane voll Wermut,
Voll Schierlingskraut der bittern Schwermut!
Die Liebe in des Lichtes Kleid
Ward mir zur Nacht der Einsamkeit.
Da wurde ich zum Minneritter
Und zwar von trauriger Gestalt.
Der Schmerz mit brennender Gewalt
Durchbohrte mich, das Herz ward bitter,
Der Liebe Bitterkeit im Herz,
Ich schmeckte Christi bittern Schmerz.

Die Freunde hatten mich verlassen,


Die Freundinnen in meiner Not.
Ich aber liebte, die mich hassen,
Ich starb den kleinen Liebestod,
Ich aber hasste, die mich lieben.
So ward ich durch die Nacht getrieben,
Geplagt von wilder Schmerzen Wut.
Von Schwermut schwarz mein heißes Blut,
Ward ich am bittern Wermut Zecher
Und schwitzte Blut mit meinem Schweiß,
Das Herz war mir wie Glut und Eis,
Ich leerte ganz der Leiden Becher.
O wüssten die Gottlosen, welch
Schmerz strömt aus Christi bitterm Kelch!

Doch Heinrich Seuse und der Priester


Geheime Weisheit lehrten mich:
Der Seele Nacht, des Glaubens Düster,
Sie reinigen durch Schmerzen dich.
Du in des Glaubens Abenteuer
Auf Erden schon im Fegefeuer
Erfährst im Kreuzmysterium
Schon hier das Purgatorium.
Es war wie bei dem Dichter Dante,
Der Beatrice sich geweiht.
Den siebten Kreis der Sinnlichkeit
Im Fegefeuer ich erkannte.
Gereinigt durch der Schmerzen Kraft,
Purgiert durch Glut die Leidenschaft!
So aber sang der weise Dante,
Durch Beatrices Weisheit fromm:
Wer in dem Fegefeuer brannte,
Schrie: Unbefleckte Jungfrau, komm!
Der Liebe Sünden in dem Fleische
Nur heilt die Makellose, Keusche,
Maria, nach des Dichters Schrift,
Nicht kostete der Venus Gift.
Mariens unbefleckter Reinheit
Die Sünden meiner Sinnlichkeit
Als Büßer habe ich geweiht
Und so erlangte ich die Einheit
Im Geist mit Unsrer Lieben Frau
Und schaute sie in trunkner Schau!

Im Jahr Zweitausend in der Weihnacht


Sah ich in visionärer Schau
Madonna, schön wie eine Mainacht,
Liebreizend Unsre Liebe Frau.
Am Himmel schwebte die Madonne
So schön wie Paradieses Wonne,
Die Schönheit makellos, perfekt,
Die klare Reinheit unbefleckt.
Ich rief zur heiligen Maria:
Barmherzigkeit, o Liebe Frau!
Du Schöne Dame meiner Schau,
Bist du die göttliche Sophia,
Platonische Urania,
Divina Sapientia?

P – PANHAGIA

Panhagia, ganz rein und heilig,


Ich schreibe dir in dieser Nacht,
Ich schreibe trunken dir und eilig
Und preise deiner Schönheit Macht!
Ganz schön in makelloser Jugend,
Ganz heilig in vollkommner Tugend,
Idee der Schönheit meiner Schau,
Du Gottes Ideal der Frau,
Du allen Gutseins reiner Spiegel,
Du voller Güte, mild und gut,
Du Weiblichkeit von Fleisch und Blut,
Du Jungfrau auf dem Zionshügel,
Du aller Heiligkeit Idee,
Vollkommne, die ich geistig seh!

Panhagia, so preisen Griechen


In Zyperns Heiligtume dich,
Panhagia, den Weihrauch riechen
Der Hochverehrung lasse ich
Dich, Aphroditissa, die auf Zypern
Jungfräulich überwindet Vipern
Und alles kriechende Gezücht!
Dir, Aphroditissa, mein Gedicht
Geweiht sei, Königin der Musen,
Ich schaue dich im Marmor an,
Umarme dich als Gottesmann,
Lebendig wird dein weißer Busen
Und spritzt die Milch mir in den Mund
Und meine Seele wird gesund.

Ich preise dich wie Philosophen


Und sing dir wie Empedokles
Und weihe meine weisen Strophen
Dem Höchsten Gut des Sokrates,
Ich weihe alle meine Triebe,
Maria, Königin der Liebe,
Dir, die in triumphalem Sieg
Noch überwindet Vater Krieg!
Denn in den kosmischen Gefechten
Frau Liebe streitet mit dem Haß,
Frau Liebe ohne Unterlaß
Als Königin in dunklen Nächten
Erscheint zu süßer Liebe Spiel
Und führt das All zu seinem Ziel.

Panhagia, dem Vater Kriege


Setzt Aphroditissa mächtig zu,
Verheißung schafft von deinem Siege
Mir wundervolle Seelenruh.
Dein Mutterbusen, weiß wie Marmor,
Nährt in dem Weltall Gottes Amor,
O Aphroditissa, denn dein Sohn
Erwirkt die Amorisation
Des Universums durch die Liebe.
Verbannt wird aber Vater Krieg,
Der Haß besiegt wird durch den Sieg
Der Weihe unsrer Seelentriebe,
Die Aphroditissa sind geweiht,
Der göttergleichen Himmelsmaid.

Panhagia, auf meine Weise


Ich preise deine Schönheit, die
In allem lebt, so sagt der Weise,
Die Herrlichkeit der Pan-Sophie!
Denn Aphroditissa ist Maria,
Panhagia ist Pansophia,
Sophia lebt in allem tief.
Ein Lied in allen Dingen schlief,
Das nur der liebe Gott erweckte,
Die Pansophia ist die Kraft,
Die liebend alles Leben schafft,
Weltseele ist sie, unbefleckte,
Des Logos Femininität,
So lehrt es mich mein Nachtgebet.

Panhagia, o Pansophia,
Du bist die Seele der Natur,
So schön wie Unsre Frau Maria
Bist Herrin du der Kreatur.
Ich bin ihr Diener, ganz der ihre,
Sie ist die Herrin aller Tiere,
Die Liebe Frau im Blumenreich,
Und alle Menschen göttergleich
Lobsingen ihr als Gnadengöttin!
Denn Gott aus Gnaden machte sie
Zu meiner Göttin Pansophie,
Zur Göttin und zur Seelengattin,
Die sie getauft von Gottes Geist
Auf Zypern Aphroditissa heißt!

Q – QUELLE DES HEILIGEN ÖLS VON DER IMMERWÄHRENDEN SALBUNG

Quell meiner Salbung, meiner Firmung,


In deinen Armen ging ich ja
Mit deines Mantels Schutz und Schirmung
Zum Hause der Ecclesia,
Wo ich empfing des Geistes Siegel,
Du Braut des Geistes, reiner Spiegel
Der Kraft, die weht im Gotteshaus.
Zu des Gemeindevolks Applaus
Der Priester von gelehrter Sorte
Empfing mich im gelobten Land
Der Kirche, der einst Protestant,
Der Kirche dient nun mit dem Worte,
Ist Sohn nun der Ecclesia
Und Ehemann der Biblia!

Quell du der Salbung meines Geistes,


Auf mir nun lag des Geistes Glanz,
Des Geistes Sakrament, so heißt es,
Es war in mir wie Hochzeitstanz,
Ich war vom Geist so überselig
Und tanzte mit dem Winde fröhlich,
Wie Mechthild einst im deutschen Land
Froh tanzte an des Geistes Hand
Und schwang im Freudentanz die Lenden,
Die Hüften schaukelte vor Lust,
Vor Wonne hüpfte ihr die Brust,
So tanzt ich an des Geistes Händen.
Mit roter Rosen Blumenstrauß
Für Haura tanzte ich nach Haus.

Du Quelle vom geweihten Öle,


Du sprachst im innern Heiligtum
Der dir ganz hingegebnen Seele,
Frau du vom Evangelium:
Schau meinen Paradiesesgarten,
Den sollst du als mein Gärtner warten,
Präsent als Paradiesfrau bin
Im Garten deiner Nachbarin
Ich, Heilige und kleine Engel.
Auch Christus wie ein Gärtner war,
Als neuer Adam wunderbar
Befreie du den Lilienstengel
Von Nesseln, Disteln, Dornen. Sei
Mein Gärtner in dem Minne-Mai!

Wie Adam in dem sauren Schweiße,


Der rann ihm von dem Angesicht,
Ich aus der schwarzen Erde reiße
Mit ihren Wurzeln geil und dicht
Taubnesseln, Unkraut, Feuernesseln,
Die mit den geilen Trieben fesseln
Den keuschen reinen Rosenstrauch.
Hauch Gottes, süßer Maienhauch
Liebkoste mich, die rosa Rosen
Erblühten neu im Paradies,
Als Christ und Gärtner tat ich dies
Zu Preis und Ruhm der Makellosen,
Der ich Marien Minner bin
Im Garten meiner Nachbarin.

Du Quelle der Begeisterungen,


Kaum kam ich von dem Rosenstock,
Da hörte singen ich in Zungen
Von Weisheit Alexander Blok:
Frau Weisheit glorios zu krönen,
Schau ich den Wettbewerb der Schönen!
Was doch die schöne Welt enthält,
Die allerschönsten Fraun der Welt
Erscheinen, Frauen stolz von Spanien,
Voll Glut aus Südamerika,
Voll Weiblichkeit aus India,
Die Schönste stammte aus Germanien,
Die Frau in Evas schönstem Kleid,
Die Venus unsrer neuen Zeit!

Ich über allen schönen Frauen


Mit Philosophen-Auge seh
Und darf im Geiste trunken schauen
Die idealische Idee
Der Schönsten aller schönen Frauen,
Maria darf ich selig schauen!
Ideen im Ideensaal
Mich führten zu dem Ideal
Im Geiste Gottes. All die Musen
Mich führten zu der Frauen Frau,
Glückselig durch die trunkne Schau
Madonna stürzt ich an den Busen!
Madonna lächelnd spricht im Geist:
Ur-Schönheit deine Gottheit heißt!

R – ROSE DER HIMMLISCHEN ANMUT

O Rose voller Anmut, Rose


Voll Himmelsanmut graziös!
Ich sah im Traum die Makellose,
O liebe Haura, sei nicht bös,
Soviel ich dir Gedichte danke,
Heut preise ich die Überschlanke
In ihrem Lilienstengelleib.
So hat sich Gott gedacht das Weib,
Als Gott erschuf die Makellose,
Da hatte gute Laune Gott.
Madonna Spaniens, ohne Spott
Ist ihr Gewand wie eine Rose,
Aus Rosenblüten fein gewebt,
Im Rosenkleid die Lilie lebt.

Ich sah die Spanische Madonna


In ihrem roten Rosenrock
(Die Italiener sagen Gonna).
Der roten Rose Blumenstock
Mit seinem Blütenpavillone
Aufblühte hoch auf dem Balkone,
Madonna war im Raum allein,
Allein mit ihrem Rosesein,
Und tanzte in dem roten Rocke,
Sie tanzte wie ein Liebestraum,
An roten Rosenrockes Saum
Granaten läuteten als Glocke,
Sie schlang bei ihrem Liebestanz
Um ihre Hand den Rosenkranz.

Sie zündete geweihte Kerzen


Vor Christus an auf dem Altar.
Die Rose mit dem Rosenherzen
Mit aufgestecktem Lockenhaar
Nun sah herab von dem Balkone,
Da vorm Balkon ein Sänger ohne
Ein andres Weib Madonna sang,
Die Leier voller Kunst bezwang.
Und der Poet war ich. Und später
Madonna kam zu mir herab
Und einen keuschen Kuß mir gab
Und sprach: O mein Poet Sankt Peter,
Ich sah dich heut im Traum und ich
Gestehe dir: Ich liebe dich!

O schöne Königin der Rosen


In deinem Gartenparadies,
Ich flehte zu der Makellosen,
Mein Beten war ein Singen süß:
Madonna, gib mir Kraft und Stärke
Und Liebe mir für Liebeswerke!
Ich badete im Wasserbad
Und hüllte mich in Frühlingsstaat,
Da rief mich, dass er mich erlabe,
Da rief von weither durch den Wind
Mich das geliebte Jesuskind,
Marien süßer Jesusknabe:
Komm her, ich wünsche von dir viel,
Mit Jesus spiel ein schönes Spiel!

Der Jesusknabe spielte König,


Von Ewigkeit geschrieben steht,
Daß Jesus ist ein König gnädig.
Da rief ich: Eure Majestät,
Ihr seid mein Kaiser hocherhaben,
Dem Kaiser mein, dem Jesusknaben,
Ich der geringste Diener bin!
Wie wurde heiter mir der Sinn,
Da ich und Jesus waren Freunde
Und in der Sonnenhitze Dampf
Wir kämpften den gerechten Kampf
Und überwanden alle Feinde,
Da rief der König aller Welt:
Ich bin ein König und ein Held!

Reichsapfel war ihm Mutter Erde,


Der Apfel war von reinem Gold.
Auf dass er ganz ein König werde,
Wie Gott von Ewigkeit gewollt,
Lag auf dem Haupt dem Gottessohne
Und Menschensohne seine Krone.
O Kaiserliche Majestät,
Phantastisch sprach ich als Poet,
Mein Kaiser, lieber Jesusknabe,
Ein Kaiser seid Ihr aller Welt,
Ob auch die Welt für tot Euch hält.
Ich aber festen Glauben habe,
Denn Ihr kommt wieder wie der Wind,
Gott-Kaiser, o mein Jesuskind!

S – SCHÖNE MADONNA

O Schönste aller der Madonnen,


Sei deine Schönheit hochgepreist!
In dunkler Nacht hab ich begonnen
Die Wallfahrt, mich ergriff der Geist
Und brachte mich zu den Maltesern.
Scheint unglaubwürdig dies den Lesern?
Auf Malta eine Prozession
Von Büßern trug den Gnadenthron
Mariens, alle Welt zu retten.
Daß Gott die Menschheit nicht bestraft,
Ein jeder Büßer war versklavt,
Trug an den Füßen Eisenketten.
Madonna aber schwarz vor Schmerz!
Erlösend blutete ihr Herz!

Die Schönheit der Madonna, Rosa


Mystica, Schönheit voller Zier,
Erschien als Mater Dolorosa.
Da kämpfte wild ein schwarzer Stier,
Doch der Torero siegte. Spanien
Schrie auf, der Pilger aus Germanien
Schrie auf, die Königin erschien,
Die Pilger alle vor ihr knien,
Von Guadelupe im Lande Spanien
Erschien die Schwarze Königin.
Kolumbus sah ich betend knien.
Wer anders holt uns die Kastanien
Aus Gottes Feuer als die Frau,
Die schwarze Jungfrau meiner Schau!

Dann griff der Geist mich bei den Haaren


Und führte übers blaue Meer
Mich zu den Inseln der Kanaren.
Noch nicht war Spaniens Ritterheer
An Teneriffas Felsenküste
Gelandet, als Maria küsste
Dort liebend den Guanchen-Stamm.
Ein Hirte dort mit seinem Lamm
Madonna schaute an dem Strande.
Der Häuptling der Guanchen kam,
Madonna in sein Zelt aufnahm,
Da sie auf diesem Insellande
Ward Königin im Hirtenstaat
Und Mutter-Braut im Matriarchat!
Dann überm weiten Ozeane
Mit Sankt Maria fuhr ich hin,
Die Unbefleckte meine Fahne,
Die schöne Völkerkönigin.
Der Pilger tragisch und germanisch
Die Inseln sah amerikanisch
Und stöhnte seufzend Ah und Oh
Und kam ins schöne Mexiko
Und schaute Indianer feiern
Und tanzen freudenreichen Tanz.
Die Jungfrau voller Sternenglanz
In sieben Universums-Schleiern
Und langem schwarzen Seidenhaar
Die Muse eines Künstlers war.

Der hielt in Händen die Gitarre


Und sang Maria-Sulamith:
Wie lang ich seufzend dich erharre,
Geliebte, sang sein Liebeslied,
Einst war ich gläubig und katholisch,
Dann suchte ich sehr melancholisch
Die Mutter-Braut in India,
Doch fand sie in Amerika,
Mein braunes Mädchen, Morenita,
Die Große Frau von Mexiko,
Nun stöhne ich dir Ah und Oh,
Dir, Virgencita, Indianita,
Du bist die wahre Mutter-Braut,
Der ich mein Herz ganz anvertraut!

Des Künstlers Hände die Gitarre


Zum Bild der Jungfrau hoben auf:
Nicht länger ich vergeblich harre!
Das Mädchen tänzelnd kommt im Lauf,
Die Allerschönste der Madonnen,
Geschmückt von Gott mit Schönheitswonnen,
Wie dunkle Nacht vom Karmel war
Ihr wunderschönes schwarzes Haar,
Der Körper war von Überschlankheit,
Die Haut des Mädchens südlich braun.
Die Schönste aller schönen Fraun,
Sie heilt von aller Liebeskrankheit
Und legt den Freier voller Lust
Im Bett nachts an die volle Brust!

T – THRONENDE MADONNA

Im Himmel thronende Madonna,


Als heimging zu dem höchsten Gut
Großmütterlein, die liebe Nonna,
Da lag ich auch in meinem Blut
Und zappelte in meinem Blute,
Da sah ich dich im Geist, du Gute,
Die Mutter mit dem Kind im Arm,
In Todeskälte liebeswarm,
Da sahst du aus wie die Sixtina!
Dann lag ich starr im Irrenhaus,
Da schickt ich einen Brief hinaus
Zur Freundin Anna Katharina:
Schick du mir der Sixtina Bild,
Denn ganz so ist Madonna mild!

Die pathologische Begeistrung


Verging, ich sah das Erdenland,
Des Pastors Predigt und Bemeistrung
Verfing, ich wurde Protestant.
Madonna inspirierter Maler,
Ich wurde Evangelikaler
Und strenger Fundamentalist
Und ehrte doch als frommer Christ
Noch die Sixtinische Madonna,
Die Mutter meines Herrn, die Maid,
Im rosenroten Oberkleid
Und in dem meeresblauen Gonna
(So nennt in Rom man ihren Rock).
Fast blind ging ich am Blindenstock.

Getauft ward ich vom Feuergeiste


Der pfingstlichen Begeisterung,
Daß etwas ich der Gnade leiste,
Sang ich Madonna schön und jung,
Des Ewigvaters Nymphe melisch,
Sang charismatisch-evangelisch
Madonnas Schönheit im Roman,
Madonnas Schönheit war mein Plan,
Die Jugendschönheit der Sixtina.
Als Haura mir zur Muse ward
Mit ihres Tanzes Liebreiz zart,
Gepaart mit Anna Katharina,
Ich singend vor Sixtina stand,
Ihr Bild hing stets an meiner Wand.

Vor Minneschmerzen melancholisch


Ich hab zur Kirche mich bekehrt
Und charismatisch und katholisch
Ward von Propheten ich belehrt
Vom Wesen unsrer lieben Mutter
Und von der Hostie Seelenfutter.
Da kam ein Dichter und Poet
Und sophianischer Prophet
Und sprach: Verlobter der Sophia,
Ich der geringste Diener bin
Der reinen Himmelskönigin,
Kind der sixtinischen Maria.
Novalis wars, der Seher zart,
Der süß besang Sixtinas Art.

Von allen den Madonnenbildern


Von Menschenhand das schönste dies,
Sixtina, keiner kann dich schildern,
Du Königin vom Paradies,
O Frau auf bloßer Füße Sohlen.
Ein alter frommer Mann aus Polen
Vor meiner Göttin Himmelsglanz
Belehrte mich im Rosenkranz.
Ist keine Mädchengöttin reiner
Als die Sixtina ohne Spott,
Weil unbefleckt geformt sie Gott.
Des weiteren sprach Rudolf Steiner:
Wer betend vor Sixtina weilt,
An Leib und Seele wird geheilt.

Nun breite aus dein Reich, du Schöne,


Maria, deiner Schönheit Ruhm,
Mich lehre höchste Lobpreistöne,
O, bei dem Evangelium,
Du Göttin, die du wohnst in Dresden,
Ich bitte dich für meinen Nächsten
Und für das ganze deutsche Land:
Mein Nächster ist ein Protestant,
Rationalistisch-evangelisch.
Doch sah in Dresden er dein Bild
Und sprach: Maria ist so mild,
Gott-Vaters Tochter, Nymphe melisch,
Daß sich ein frommer Gottesmann
Verlieben in Sixtina kann!

U – UNSERE LIEBE FRAU ÜBER ALLEM

Du Liebe Fraue über allen


Den lieben Frauen in der Welt!
Mein Liedlein soll dir wohlgefallen,
Denn schau, es war einmal ein Held,
Aus alter Zeit ein Minneritter,
Der kämpfte bis zum Lanzensplitter,
Der einmal sah in einer Schau
Madonna, Unsre Liebe Frau,
Von dem Gesichte ward er irre,
Vor großer Liebe ganz verrückt,
So von der Schönheit war entzückt
Der Minneritter im Gewirre
Der Welt vor seiner Königin,
Er zog als Narr in Christo hin.

Er trug nicht Schmuck von schönen Damen


Und nicht den Strumpf von einem Weib,
Er schrieb sich nur Marien Namen
Mit Blut auf seinen weißen Leib.
Er legte keine Silberketten
Um seinen Hals, um sich zu retten
Er legte sich zum Schutze an
Mariens Wundertalisman.
Und trotz des kalten Männerspottes
Er schrieb auf seinen Ritterschild
Den Namen der Madonna mild:
Gegrüßet seist du, Muttergottes!
Gekleidet er von Kopf bis Fuß
Der Gottesmutter nur zum Gruß!

Er schaute nicht nach schönen Weibern,


Es grüßte keine mehr sein Gruß,
Ob sie mit makellosen Leibern
Und Kussmund oder bloßem Fuß
Und einem halbbedeckten Busen
Ihm nahten, stolze Minne-Musen,
Mariens ritterlicher Mann
Sah keine Minnedame an,
Er diente nur der Frau der Frauen,
Dem göttergleichen Himmelsweib,
Nur ihren ätherlichten Leib
Im himmlischen Gesicht zu schauen
Und oftmals mit dem Ave-Gruß
Zu küssen einen keuschen Kuß!

Kreuzritter ritten zu dem Grabe


Des Herrn, im Kampf mit dem Islam.
Marien Ritter gab die Gabe
Und zu dem Grabe Christi kam.
Wo Gottfried, Tankred und die andern
Im Kampf zum Grabe Christi wandern
Und wo gesunken ist Rinald
Vor Macht der weiblichen Gestalt,
Die Ritter alle, die da kamen,
Um zu befrein Jerusalem,
Die nannten alle angenehm
Die Namen ihrer stolzen Damen,
Marien Ritter aber, schau,
Maria rief, die Liebe Frau!

Als von Jerusalem heimkehrte


Der Ritter Unsrer Lieben Frau,
Der Ritter einsam sie verehrte
In seinem Eremitenbau.
Nicht mit der Christenheit gemeinsam,
Maria feierte er einsam
Und pflegte einsam seinen Kult
Abgöttischer Marienhuld
Und suchte auf geheimen Wegen
Maria, seiner Minne Kult
Archaisch wurde und okkult,
Er suchte den Liebfrauensegen
Der Lieben Frau vom Paradies,
Die er als seine Göttin pries!

Und als es kam zum ersten Sterben,


Da trat kein Priester an sein Bett,
Er wollte nicht als Büßer werben,
Ob Gott noch eine Gnade hätt.
Ihm war das kirchliche Theater
Gleichgültig, und auch Gott der Vater
Und Gott der Sohn und Gott der Geist.
Er nur Maria Göttin preist.
So an sein Lager trat der Teufel,
Daß er ihn in die Hölle reißt.
Da riß der Gottesmutter Geist
Den Sterbenden aus allem Zweifel
Und sprach vor Gott für ihren Mann,
Er so das Paradies gewann.

V – VERLASSENE MUTTER

Verlassne Mutter, ach, erinnre


An Mirjam dich, dein liebes Kind,
Sie lehrte einst mich doch die innre
Verehrung der Madonna. Sind
Gerichtet heut noch deine Blicke
Auf Mirjam, deine scheue Ricke?
Sie kniete vorm Altar, ich sah
In Mirjam die Ecclesia.
Und als sie sang gregorianisch
Marienhymnen auf Latein
Und lud mich zur Verehrung ein
Der Jungfrau südamerikanisch,
In meine Seele Mirjam grub
Die Huld der Maid von Guadelupe!

Sie lehrte mich der Kirche Dogma


Und mich die Mystik vom Karmel,
Und wenn ich sprach: Ich will der Chockmah
Jungfräulich sein ein Junggesell,
Nicht Taugenichts und Grillenfänger,
Nein, der Madonna Minnesänger
Will ich mit meiner Gabe sein,
Wie lächelte dann Mirjam fein.
Und wenn in der Erscheinungsgrotte
Der Unbefleckten Frau von Lourdes
Im Geist erfuhr ich Neugeburt
Und trotz der Welt und ihrem Spotte
Trug Unsrer Frau Verlobungsring,
Da Mirjam lächelnd mit mir ging.

Sie war ja selber Jesu Christe


Verlobt als eine keusche Braut,
Die Christus mit dem Munde küsste,
Den sie im Brote angeschaut.
Sie lebte in dem Geist als Freie,
Als Sklavin in Marien-Weihe,
Als Magd der starken Magd des Herrn.
Oft sang sie Ave Meeresstern,
O Mutter Gottes, ich dich grüße!
Novizin wollte werden sie
Und dienen in der Hyperdulie
Maria, dass sie sühnend büße
Der kalten Menschen Liebesgeiz
Als Braut des Christus an dem Kreuz!

Doch der Studentin Germanistik


Sie führte nicht zum Gottesstaat
Sankt Augustins und zur Patristik,
Nein, zu der Heiden Matriarchat,
Zuerst zum Heiden-Feminismus,
Dann zu der Sünder Hedonismus,
Zur Eitelkeit der eitlen Welt.
Ein Sünder sie umfangen hält,
Ein Gatte von zwei Ehefrauen,
Sie aber auch noch sündenvoll
In lesbischer Verliebtheit toll
Die Frauen liebte, sie zu schauen
Als Lesbierinnen nackt im Fleisch,
Nicht gläubig mehr und nicht mehr keusch.

Ob Gott sei Mutter oder Vater,


Sei gleicher Toren Narrenspott.
Im kirchlichen Sakraltheater
Sei nicht der wahre Herr und Gott.
Und wenn Großmütter sich versammeln,
Maria murmelnd Ave stammeln
Und beten ihren Rosenkranz
In der Kapelle Kerzenglanz,
Ward Mirjam davon abgestoßen.
Die Leere der Gottlosigkeit
Sprach aus den Briefen dieser Maid,
Die sonst doch ehrte fromm die großen
Propheten und Poeten. Doch
Nun war sie wie ein leeres Loch.

Sie hatte einst in der Kapelle


Gesehn Therese von Lisieux,
Gehört die Schwester an der Stelle:
Je t’aime, je t’aime, l’amour de Dieu!
Nun, daß sie mit den Wimpern winke,
Nun mit der Eitelkeit der Schminke
Sie schminkte die Gottlosigkeit
Aus dem Gesicht aus Eitelkeit.
Und als die Summe ihrer Zweifel
Verkaufte sie zum eitlen Ziel
Des Ruhmes für ihr Geigenspiel
Die Seele Welt und Fleisch und Teufel.
Verlassne Mutter! Dir geweiht
Sei Mirjam jetzt und alle Zeit!

W – WEISSE DAME

O Weiße Dame, Weiße Dame,


Ich sah dich oft in meinem Traum,
Bevor bekannt mir Gottes Name,
Du Ätherfrau im lichten Schaum,
Sah ich dich, Jungfrau ohne Fehle,
Als Lichtgestalt in meiner Seele.
Du führtest mich zum Christenglauben.
Nicht Isis ist die Königin,
Nicht Venus ist die Lieblingin,
Mir gurren alle Turteltauben:
Sei du im Geist ein Bräutigam
Allein Madonna Mariam!

Und als ich kam zum Christenglauben,


Ich sah die Weiße Frau im Traum.
Die Frau mir keiner konnte rauben,
Die auftaucht aus der Seele Schaum.
Madonna in dem weißen Kleide,
Dem Lichtgewand von weißer Seide,
Als Lichtgestalt im Dunkel thront,
Mondgöttin droben auf dem Mond,
Ganz wie die göttliche Diana
Sah ich die keusche Lichtgestalt
Dereinst im Teuteburger Wald
Und betete, bei Teut und Mana,
Madonna Mariam als Mann
In grenzenloser Minne an.
Die marianische Madonna
Ich für ein Erdenmädchen hielt,
Die junge Friesin Marionna.
So hab mein Leben ich verspielt,
Vergebens um die Frau zu werben
Und ohne sie schon jung zu sterben,
Als ich im Blut gelegen rot
Und eilte beinah in den Tod,
Als bei mir war nur Jesu Name.
Doch Jesus hatte mich so lieb,
So dass ich noch am Leben blieb
Und bei mir blieb die Weiße Dame,
Die Seele meiner Seele, schau,
Die Muse mein, die Weiße Frau!

Als ich im Jubeljahr Zweitausend


In Minne im Millennium
Den Odem sausend, Odem brausend
Verseufzte im Martyrium
Der Minne, Minne-Marterzeuge,
Mich vor der Weißen Dame beuge,
Und schwand mein Leben auch wie Rauch,
Ihr Leib war Licht, ihr Kleid war Hauch,
In meiner Seele war ihr Same,
Die traumgeboren aus der Flut
Der Seele war, getaucht aus Blut,
Die Göttin mein, die Weiße Dame,
Sie, die nichts trug als Sonnenschein,
War meine Liebe Frau allein.

Und ich versank in dunklen Nächten


Und schaute in der tiefen Nacht
Als wie in schwarzen Erdenschächten
Der Minne Macht, die heilig wacht.
Ich lebte ja schon längst jungfräulich,
Doch quälte mich Begierde gräulich
Und ich verlangte nach dem Weib,
Nach eines Weibes liebem Leib,
So quoll in mir der Wollust Same.
Doch hat vor Frauenliebe zart
Die Seelengöttin mich bewahrt.
Wie triumphiert die Weiße Dame?
Kein Weib, trotz allem Lustgestöhn,
Ist wie die Weiße Dame schön!

So ging ich einsam unter Buchen


Und wandelte allein im Wald,
Allein die Lichtgestalt zu suchen,
Der Weißen Dame Lichtgestalt.
Da wurde mein Gebet ekstatisch,
Da bat ich Gott, mir charismatisch
Zu geben Ehelosigkeit
Und christliche Jungfräulichkeit.
Ich weihte mich der Weißen Dame,
Als ich sie plötzlich lächeln seh
In Lourdes, la Vierge Immaculé,
Die Makellose war ihr Name.
Ekstatisch meine Seele tobt!
Ich ward der Weißen Frau verlobt!

Z – ZÄRTLICHE MUTTERGOTTES

O Zärtlichkeit der Muttergottes,


Unzärtlich Haura brach mein Herz,
Verletzt vom Stolz der Frauenspottes
Maria rief ich an im Schmerz!
Es war im Frost der schwarzen Weihnacht,
Madonna, süß wie eine Mainacht,
In meine Klosterzelle kam
Und lächelnd sprach: Mein Bräutigam,
Ich führe dich zum Großen-Ganzen,
Von Milch und Honig ist das Land,
Doch heute will ich Hand in Hand
In deiner Zelle mit dir tanzen!
O Holy Mother, I am mad,
My heart is broken, I’m so sad!

Zwölf Weihenächte, Rauhenächte


Maria war bei mir, die Maid.
Und ob ich auch die Schwermut zechte
In bitterlicher Einsamkeit,
Ich dennoch lebte mit der Reinen,
Die kam zu mir von dem All-Einen,
Von Gottes Weisheit mir vertraut
Zur Trösterin, geheimen Braut.
Laß fahren doch die hübsche Närrin,
Die sich nur selbst liebt, kalt vor Stolz!
Wem brach das Herz für dich am Holz?
Wer öffnet dir sein Herz? Die Herrin,
Sie will dir Brautgenossin sein,
Des Herzens Lieblingin allein!

Ob Närrinnen Sylvester feiern,


Ich blieb allein in dunkler Nacht.
Da löste sich aus ihren Schleiern
Madonna voller Liebe sacht
Und war im Lichtleib sanft und süße
So rein wie in dem Paradiese
Und lag auf meinem Lager leis.
Ich sah den Hauch von Duftkleid weiß,
Ich sah die festen Jungfraunbrüste,
So makellos, so rund und fest!
Ich betend hab den Mund gepresst
Auf ihre Brüste, keusch sie küsste!
Am Morgen zog die Göttin-Maid
Erneut an ihre Herrlichkeit...

O lieber Vater in dem Himmel,


Gott Schöpfer aller Herrlichkeit,
Nun die Natur voll Lustgewimmel
Im Minnemond der Maienzeit
Vorangeschritten ist, vergangen,
Und alles, was ich angefangen,
Im Maienmond an Gotteslob,
Vergangen, tonlos stumm verstob,
Ich ruf zu deinem Heiligtume,
Bewahre meinen Minnesang,
Maria sang ich fromm und bang,
Ich Ebenbild im Schöpfertume,
Ihr sang mein Odem im Schamott,
Maria und dem lieben Gott!

O Jesus Christus, meine Weisheit,


Mein Meister und mein Heiland du,
Vergangen meiner Seufzer Leisheit
In Seelenqualen immerzu,
Der Maienmond ist abgeschieden,
Noch hab ich keinen Seelenfrieden,
Noch walle ich im tiefen Tal
Des Jammers und der Seelenqual,
Und Trost gibt mir allein der Schlummer.
Was doch betört mich Frauenreiz
So herzlos? Ist denn das mein Kreuz?
Ist denn mein Kreuz der Liebe Kummer?
O Herr, du bist wie Rotwein rot,
Ich sterbe ewig Liebestod!

O Ruach ha kadosch, o Liebe,


Der Weisheit und der Liebe Geist!
Ich hab mit meinem Seelentriebe
Des Geistes Braut im Lied gepreist,
Maria wähle ich zum Moste,
Zur Trösterin und meinem Troste,
Sie ist des Geistes Sakrament,
Sie meines Herzens Element,
Weltseele ist mir Sankt Maria,
Der Maien duftet ihr Arom,
Ihr Herzschlag pocht noch im Atom,
Sie ist die irdische Sophia –
Und in Sophia ohne Spott
Lieb ich den mütterlichen Gott!
DIE LAURETANISCHE LITANEI

„Oh, eine Herrlichkeit! Die Herrlichkeit Gottes, die in mir zum Ausdruck kommt und auf euch
herabsteigt, wird jeden Menschen erquicken, und wir werden im Frieden vieles wieder aufbauen.“
(Botschaft Marias, Rom, 30. Januar 1980)

SANCTA MARIA

Maria, dein Name ist heilig,


Dein Name ist M!
Du wohnst auf dem Morgenstern.
Dein M steht in meinen Händen,
Falte ich meine Hände zum Gebet,
Steht Mama in meinen Händen geschrieben.
Dein M heißt Muse,
Dein M heißt Mutter,
Dein M heißt Milch.
Du bist das Meer,
Die Meerjungfrau meiner Seele.
Du bist der hebräische Buchstabe Mem,
Das bedeutet Majim, Meer.
In Mahanajim leben deine Engel,
Du gibst mir das Manna als Speise,
Dein Mutterkuchen nährte den Herrn,
Dein Milch stillte den Herrn.
Du bist Mirjam, die Geliebte,
Mirjam, die Beleibte,
Mirjam, die Schwester des Aaron,
Mirjam, die Prophetin,
Mirjam, die Paukenschlägerin.
Du bist Maria im Evangelium,
Alle sieben Marien des Evangeliums
Sind die Eine Maria der Offenbarung.
Du bist Maria Magdalena
In deiner Liebesleidenschaft,
Du bist Maria Kleophä
Als Ehefrau des Frommen,
Du bist Maria,
Die Mutter von Joses und Jakobus,
Als Mutter aller Menschenkinder.
Du bist die Andere Maria,
Weil du immer anders bist.
Du bist die Maria der Urgemeinde,
Die Mutter des heiligen Paulus,
Weil du die Königin der Apostel bist.
Maria, Mutter Jesu bist du,
Weil du die Mutter der Schönen Liebe bist.
Dein Name steht in meinem Herzen,
Und schneidet man einst meinem Leichnam
Das Herz aus der Brust,
So wird man schauen:
Ein Schwert schrieb mit Blut
Den Namen Maria in mein Herz!

SANCTA DEI GENITRIX

Maria, Mutter Gottes,


Jetzt weiß ich, dass du die Mutter der Götter bist!
Der nüchtern-trunkne Dionysios
Nennt den höchsten Chor
Der englischen Hierarchie,
Die Throne, Götter!
Aber die heilige Mutter Kirche
Nennt dich, Maria, Königin der Engel.
Also, Königin der Throne,
Bist du die Königin der Götter,
Mutter der Götter!
Und wenn schon die Throne Götter heißen,
Wie sollte die Königin der Götter
Nicht Göttin heißen?
Göttin der Götter bist du, Maria!
Genitrix ist dein Name.
Vergil hat dich besungen, o Genitrix,
Als er den Göttinsohn gesungen.
Stamm-Mutter Romas,
Vatikanische Venus,
Tochter des himmlischen Vaters,
Erschienst du in Mädchengestalt
Wie eine Hirtin dem Helden
Und führtest ihn seiner Bestimmung zu.
Maria Genitrix,
Vatikanische Venus von Rom,
Mittlerin du der ewigen Vorsehung,
Aus der verlorenen Heimat
Führst du in die ewige Heimat,
In die ewige Stadt.
In Rom, der ewigen Stadt,
Betet der Pontifex Maximus:
O Genitrix, totus tuus ego sum!
O Stamm-Mutter der Menschheit,
Mutter aller Menschenkinder,
Mutter aller himmlischen Götter,
Du bist in Wahrheit die Mutter Gottes!
SANCTA VIRGO VIRGINUM

Jungfrau der Jungfraun,


Urbild der Jungfraun,
Idee der Jungfrau,
Wie soll ich dich preisen?
Ich preise dich mit Philosophenworten
Feministischer Philosophie
Als die göttliche Jungfrau Sophia!
Jungfrau-Göttin
Der Jungfraun-Priesterinnen
Im jungfräulichen Bundeskloster
Der prophetischen Jungfraun
Bist du, göttliche Jungfrau Sophia!
Jungfrau Agnes von Rom,
Jungfrau Mechthild von Magdeburg,
Jungfrau Hildegard von Bingen,
Jungfrau Therese von Lisieux,
Jungfrau Edith Stein von Auschwitz –
Sie preisen dich, o Jungfrau Maria!
Ewige Jungfrau der Jungfraun,
Dich preist die Jungfrau Josef
Und alle deine josephinischen Jungfraun
Preisen dich als ewige Jungfrau,
Immerwährende Jungfrau!
Hymen, Hymenäus, Hymen,
Intakte Jungfrau!
Ich preise dich als meine keusche Göttin,
Meine jungfräuliche Braut,
Mein himmlisches Mädchen,
Schlanke Lilie!
Apokalyptische Jungfrau,
Mein Mädchen bist du, Maria!

MATER CHRISTI

Du, Mutter Christi,


Bist die Mutter des göttlichen Kindes,
Mutter des ewigen Kindes,
Mutter der Ur-Kinds,
Mutter des Lieblings!
Ich sah dich in der Weihnacht,
Vierzehnjähriges Mädchen,
Jungfräuliche Schönheit,
Jugendgöttin!
Pralle Pracht deine Brüste,
Ich bestaunte sie trunken.
Die Schrift spricht: Nun trinke
Und sauge die Milch des Trostes
Aus dem prallen Reichtum der Brüste,
Sauge an den glänzenden Brüsten!
Du, Mutter des Christus,
Bist die Mutter des Christen geworden.
Meine Großmutter brachte mich dar
In der heiligen Großmutter Kirche
Auf dem Opferaltar,
Da stand dein Name geschrieben.
Ich ward wieder geboren
Als Gottes und Marien Sohn
Im Becken der Wiedergeburt.
Kann man zurück in den Schoß der Mutter?
Kann man erneut geboren werden?
Ja, die Mutter Christi öffnet den Schoß!
Maria, du lässt mich ein in deinen Schoß,
Ich werde geboren als ein Anderer Christus,
Alter Ego Christi.
Die Mutter des Christus ist meine Mutter,
Die Mutter des Anderen Christus.
Auf demselben Opferaltar
Bei meinem ersten Abendmahl
Mischte ich mein Blut mit Christi Blut!
Blutsbräutigam Gottes bin ich!
Gottes Mutter ist meine Mutter!

MATER DIVINAE GRATIAE

Mutter der göttlichen Gnade,


So wirst du genannt.
Madonna delle Grazie
Preis ich dich,
Graziöse Madonna,
Mutter der Grazien,
Jungfrau voll der Charis!
Jungfrau, du bist gegürtet
An den Lenden des Gemütes
Mit dem Zaubergürtel der Charis!
O du Mutter der göttlichen Schönheit,
O du Mutter der göttlichen Anmut,
O du Mutter des göttlichen Reizes,
O du Mutter des göttlichen Charmes!
Du bist die Mutter der göttlichen Charis
Und auch die schöne Mutter
Der Himmlischen Charitinnen!
Du bist die Mutter der Charis,
Die Mutter der Charismen,
Die Mutter der Charismatiker!
O Madonna delle Grazie,
O Madonna dell’Anima!
Madonna delle Grazie,
Du bist der Spiegel der göttlichen Schönheit,
Makelloser Spiegel der göttlichen Charis!
Jugendgöttin voll Liebreiz,
Jungfraungöttin voll Charme,
Himmlische Mädchengöttin,
Mein Entzücken!
In deiner ewigen Jugend triumphierst du
Über den verwelkten Gevatter Tod
Und den uralten Teufel.
Du triumphierst, Prinzessin des Himmels!
Du jubelst in ewiger Jugend,
Denn dein ist das Königreich und die Kraft und der Glanz
Des Lichts, des Lebens und der schönen Liebe!

MATER PURISSIMA

Allerreinste Mutter,
Mutter im wahrsten Sinne des Wortes,
Liebende Mutter,
Ewige Mutter!
Meine ewige Mutter spricht zu mir:
Du sollst keine Frau Mutter nennen,
Eine ist deine Mutter,
Die himmlische Mutter!
Gott hat mich gezeugt
In deinem ewigen Mutterschoß,
Dem Mutterschoß des Schöpfers,
Der Mutter des ewigen Schweigens.
Mutter meiner unsterblichen Seele,
Mutter meines ewigen Heils,
Erlöserin, Mutter,
Trösterin, Mutter,
Mitschöpferischer Mutterschoß
Der schöpferischen Weisheit
Gottes des Schöpfers!
Ich bete dich an, o Mutter,
Ich bete deinen Mutterschoß an,
Aus dem meine Seele gekommen!
Meine Seele will heim
In deinen Mutterschoß,
Himmlische Mutter!
Dein Mutterschoß, o Maria,
Ist das ewige Paradies,
Der Lustort Gottes,
Mein Lustort in Ewigkeit, o Maria!
Ich bete dich an, o Mutter,
Ich wende mich an deine Brüste,
Zu saugen die Milch des Trostes,
Deine erlösende Milch,
Den Wein aus deinen Brüsten zu trinken,
Eucharistischen Wein aus deinen Brüsten,
Seligmachendes Blut aus deinen Brüsten,
O Maria, ewige Mutter!
Du liebtest mich, bevor ich empfangen,
Du liebtest mich, bevor ich geboren,
Du liebtest mich, seit ich geboren,
Du liebst mich mein ganzes Leben,
Du liebst mich in meiner Todesstunde,
Du liebst mich in Ewigkeit!
O Maria, wahre Mutter,
O Maria, meine Mutter,
Du bist die Mutterliebe Gottes!

MATER CASTISSIMA

Allerkeuscheste Mutter,
Heilige Mutter,
Ganz reine Mutter,
Lehre mich, deine Keuschheit zu besingen.
Was ist Keuschheit?
Die weisen Frauen sagen:
Keuschheit ist tieferes Wissen,
Keuschheit ist Eingeweihtsein,
Keuschheit ist Erkenntnis,
Keuschheit ist Weisheit.
Aber Keuschheit ist auch
Die Lauterkeit der Sexualität.
Die heilige Sexualität heilig zu leben
Nach der Ordnung der Liebe
Ist harmonische Keuschheit.
Eheliche Keuschheit heißt,
Die Treue und Liebe Gottes
In der Ehe abzubilden.
Jungfräuliche Keuschheit heißt,
Unmittelbar, erotisch-mystisch
Die Ehe mit Gott zu leben.
Maria, du hast deine Sexualität
Ganz Gott geweiht,
Ganz hingegeben der Liebe Gottes,
Verlobte Gottes, Braut Gottes,
Ehefrau Gottes,
So bist du geworden
Die Mutter des Sohnes Gottes.
So lehre mich deine keuscheste Liebe!
Der alte Weise lehrt,
Die keusche Liebe zu Gott
Und zu den Menschenkindern
Ist reine Liebe selbst noch am Kreuz,
In der Gottverlassenheit
Gott zu lieben!
Um Gottes Liebe zu den lebendigen Seelen willen
Und aus Liebe zu Gott wie Jesus
Am eigenen Kreuze auch gottverlassen zu sein
Und in den quälendsten Schmerzen
Eines durchbohrten Herzens
Geduldig zu leiden,
Ja, übernatürlich freudig zu leiden,
Das ist keusche Liebe!
Maria, Mutter der keuschen Liebe,
Du hast dein Herz geopfert,
Als sieben Schwerter dein Herz durchbohrten,
Die du geliebt die Menschen alle
Als Mutter aller Menschenkinder,
Obwohl die meisten Menschen
Deine Liebe nicht wollten!
Liebende, man verschmäht deine Liebe!
Du liebst dennoch,
Du liebst mit blutendem Herzen!
Je verschlossner die Menschenherzen sind
Der kalten Seelen der lebendig Toten,
Umso leidender liebst du,
Um so süßer liebst du
Mitten in bittersten Liebesqualen,
Weil du die keuscheste Mutter
Der keuschesten Liebesinbrunst bist!

MATER INVIOLATA

Unversehrte Mutter,
Nichtvergewaltigtes Mädchen!
Darin irrte die heidnische Feministin:
Gott hätte Maria vergewaltigt!
Darin irrte auch Doktor Martin Luther:
Gott hätte Maria nur willenlos benutzt!
Maria ist nicht ein nichtiges Nichts,
Daß allein die Gnade Gottes genüge.
Nein, Gott war sehr galant
Wie ein höfischer Freier,
Sandte seinen Brautwerber,
Einen fast weiblichen Engel,
Den erotischsten aller Engel,
Den Erzengel Gabriel.
Der sprach: Hab keine Angst, Geliebte,
Von Gott Geliebte, sei getrost, getrost,
Du hast gefunden Gnade in Gottes Augen!
Freie dich, Liebreizübergossene,
Gott will in dir zeugen Gottes Sohn!
Maria sprach: Wie aber,
Da ich Gott Jungfräulichkeit gelobt?
Der Engel sprach zu Maria:
Ruach ha kadosch wird kommen,
Gottes schöpferische Mutterliebe,
Ruach wird kommen zu dir, Maria,
Ruach wird als Gottheit der Fruchtbarkeit
Die Frucht im Schoß Mariens schaffen.
O Ruach-Maria, Ruach-Maria!
Die göttliche Mutterliebe
Schafft im Mutterschoß Mariens
Gottes Sohn als Leibesfrucht der Jungfrau!
Allerkeuscheste Mutterliebe
Schöpferischer Gottheit,
Göttliche Geistkraft, weibliche Grünkraft!
So keusch und zärtlich ist Gott!

MATER INTEMERATA

Nichtentehrte Mutter,
Makellose Mutter!
Dich entehrt nicht Lieblosigkeit,
Dich entehrt nicht Egoismus,
Dich entehrt kein hartes Herz,
Dich entehrt nicht Verstockung in Sünde,
Du bist die Unentehrte,
Die Ehre Gottes ist rein in dir,
Du bist die Unbefleckte,
Meine fleckenlose Freundin!
O meine Freundin, wahrlich,
Wahrlich, kein Fleck ist an dir!
Darum bist du auch die wahre Freundin,
Selbstlos liebende Freundin,
Freundin mit offenem Herzen,
Freundin mit himmlischer Güte,
Mächtige Freundin, treue Freundin,
Freundin nach dem Herzen Gottes!
So spricht die Heilige Schrift:
Nenne du Frau Weisheit deine Freundin
Und die Einsicht deine Schwester.
In ihr ist ein Geist, ganz makellos,
Sie geht ein in fromme Seelen
Und macht sie zu Propheten.
Eingegangen bist du in meine Seele,
Unentehrte, Unbefleckte,
Fleckenlose Freundin,
Eingegangen in meine Seele,
Bist du die Seele meiner Seele!
In dem Innersten meiner Seele
Bist du die Schöne Dame,
Dort wohnst du in deinem Schloß,
Der Eingang ist rot verschleiert,
Die Türme sind von Elfenbein.
Ich poche an die Pforte und sage:
Ich bin du –
Da lässt du mich ein!
Durch sechs Gemächer führst du mich
Zum siebten Gemach der Seele,
Zum Schlafgemach der Freundin!
Da ruhen wir in einem Bett,
O fleckenlose Freundin,
Mein Arm liegt unter deinem Haupt
Und meine Hände liebkosen dich!
Da gibst du dich ganz mir hin,
Da werden wir eins!
Im Schlafgemach
Des Schlosses der Schönen Dame
Werde ich einzigartig eins
Mit der fleckenlosen Freundin,
Der unbefleckten Weisheit,
Der unversehrten Gottheit!

MATER ADMIRABILII

Bewunderungswürdige Mutter,
Ich darf dir klagen, Mutter,
Ich bewundere dich, Maria,
Weil ich dir klagen darf!
Ich bin doch dein Säugling, Maria,
Ich schreie nach deiner Milch,
Der süßen Milch des Trostes
Aus dem Reichtum deines Mutterbusens!
Aber du, Maria,
Sprichst : Hab keine Angst zu leiden,
Opfere Leiden auf,
Sei eine Sühneopferseele,
Denk an Jesu Leiden!
Hab keine Angst zu leiden,
Sei stark und mutig,
Du begehrenswerter Mann!
Von Gott Geliebter, sei stark!
Du schenkst mir ein, Maria,
Aber nicht die süße Milch,
Du schenkst mir ein den herben Wein,
Wein der Passion
Schenkst du mir ein in den Becher!
Du gibst mir den bitteren Becher
Und sagst: Nun trinke ihn leer
Und leere ihn bis auf den Grund!
Wirst du trunken vom herben Wein,
Den meine bloße Brust dir einflößt,
Wendest du ab den Kelch des Zornes
Und den feurigen Wein des Grimmes Gottes!
Sei ein Mann, Geliebter,
Und trinke den starken Wein,
Bis du taumelst von Leiden!
Sauge aus meinen Brüsten
Das Blut der Miterlösung,
Berausche dich an meinen Brüsten,
Berausche dich am Blut der Miterlösung!
Bewunderungswürdige Mutter,
Ich bewundere dich, o Maria,
Du scheinst mich auch zu bewundern,
Du siehst in mir einen Helden,
O Maria, einen Anderen Christus am Kreuz!

MATER BONI CONSILII

Mutter des guten Rates,


Dein Rat ist gut, o Mutter.
Die kranken Seelen kommen
Zu dir und suchen Rat,
Sie suchen Trost bei dir
Und Weisung deiner Weisheit.
Dein guter Rat, o Mutter,
Das ist: Du hörst gut zu,
Man darf dir alles klagen,
Auch Schlacken des Zornes,
Versteinerte Wunden
Und wirre Träume.
Du hörst gut zu
Und bleibst im Frieden
Und fühlst dich ein
Und suchst für jeden
Den ganz besonderen Weg
Zu Gottes Frieden.
Du sprichst zur kranken Seele:
Du ehre deinen Arzt
Und folge seiner Weisung
Als wäre es die Weisung Gottes,
Denn Gott gibt Kräuter
Und Medizin zur Heilung.
Dann wende dich zur Stille
Und pflege deinen innern Menschen,
Nimm Zeit dir für Musik,
Für die Musik, die Seelen heilt.
Und meditiere Gottes Wort
Und bete, bete, bete.
Den innern Menschen pflege,
Denn wie die Salbe für dein Kind,
So wichtig ist Hygiene für die Seele.
Den Träumen sinne nach
Und lausche auf das Flüstern Gottes.
Den Weisen lausche,
Denn Heilkraft ist in ihrem Wort.
Tu dir nicht selber weh,
Betrachte deine Wunden,
Verwandle deine Wunden
In Perlen durch den Glauben.
Betritt den innern Raum,
So spricht des Schweigens Mutter,
Im innern Raum der Seele,
Da bist du unverwundet, unverletzt,
Da bist du heil und makellos,
Da ist die Seele eins
Mit Gottes Einheit.

MATER CREATORIS

Mutter des Schöpfers,


Unerhörter Name, Maria!
Wer ist der Schöpfer, Maria?
Die göttliche Liebe ists!
Der göttliche Liebende liebte
Die göttliche Geliebte
Und die göttliche Liebende liebte
Den göttlichen Geliebten
Und die Liebe, mit der sie sich liebten,
War die göttliche Liebe –
Ein ewiger Zyklus!
Der göttliche Zyklus sprudelte über
Wie ein überfließender Brunnen
Und aus diesem Erguß der Liebe
Ward der Urkeim der Schöpfung!
In dem Urkeim der Schöpfung aber
Wohnte die göttliche Liebe,
Die erotische Gottheit,
Und entfaltete liebevoll
Aus dem Urkeim die ganze Schöpfung,
Das Meer, die Erde,
Steine und Blumen und Tiere
Und schließlich Mann und Frau.
Dann aber wollte die göttliche Liebe,
Dieser Eros der Dreifaltigkeit,
Selber werden ein Mensch.
Da gebarest du, o Jungfrau Maria,
Den Menschen Jesus,
Das ist der Eros Gottes,
Darum bist du, Maria,
Mutter der schönen Liebe,
Regina dell’Amore,
Du, Maria Aphroditissa,
Mutter des göttlichen Eros,
O Maria, Mutter der Liebe,
O Maria, Mutter des Schöpfers!
So groß bist nur du, Maria,
Darum verstehe ich die Hindus,
Die dich anbeten, o Maria,
Als die Mutter der Schöpfung,
Die Mutter des Universums!
Aber du bist mehr, Maria,
Als nur Königin des Weltalls,
Du bist die Mutter des Schöpfers,
Die Mutter der göttlichen Liebe!

MATER SALVATORIS

O Mutter des Erlösers Jesus,


So preist dich die Kirche,
Aber der Karmel preist dich auch
Als Miterlöserin, o Maria!
In meinen Exerzitien
Bis Karfreitag meditierte ich
Teresia Benedicta a Cruce,
Edith Stein ging den Kreuzweg
Und philosophierte
Über die Kreuzeswissenschaft
Und sah dich beim Abendmahl
Und sah dich in Gethsemane
Und sah dich unterm Kreuz,
Mitgekreuzigt mit Jesus,
Gekreuzigt am Mutterherzen!
Der Erlöser war dein Fleisch und Blut,
Als der Erlöser Jesus
Sein Fleisch und Blut geopfert,
Da hast du als Mutter Jesu
Dein eignes Fleisch und Blut geopfert,
Das Fleisch deines fleischernen Herzens,
Deines mitleidvollen Mutterherzens,
Das Blut deines schwertdurchbohrten Herzens,
Dein Herzblut hast du geopfert,
Mutter der Schmerzen,
Madre Dolores,
Donna Carmencita,
Frau der Schmerzen,
Mystische Braut des Schmerzensmannes!
Darum sagte Schwester Benedicta,
Weil du dein Herzblut geopfert,
Bist du nicht allein
Die Miterlöserin mit dem Erlöser,
Sondern wahrhaftig Erlöserin!
Das katholische Mittelalter
Nannte dich auch schon Erlöserin,
Ja, einen Dichter kenn ich,
Der sang die heiligen Herzen
Jesu und Mariens
Als mystisches Erlöserpaar.
Meine Madonna,
Du bist die Mutter des Erlösers,
Die Mutter der Erlösung,
Du bist die Miterlöserin,
Du bist Mater Salvatoris,
Maria, Salvatrix Mundi!

VIRGO PRUDENTISSIMA

Allerklügste Jungfrau,
Jungfrau der klugen Jungfraun,
Du führst die fünf Jungfraun
Dem Bräutigam entgegen,
Sie halten ihre Lampen
Und haben Öl bei sich.
Um Mitternacht
Kam der Bräutigam
Und ließ die Jungfraun ein,
Mit ihnen Hochzeit zu feiern!
Fünf fromme Großmütter sah ich,
Die traten zum Altar,
Der Bräutigam war in Brotgestalt
Bereit, sich zu vereinigen
Mit den lieben Seelen.
Einen Jüngling sah ich,
Einen klugen Junggesellen,
Der ging mit den klugen Jungfraun,
Der ging mit den frommen Großmüttern
Zum Altar,
Zum Hochzeitsmahl.
Da sprach die Mutter Kirche:
Der weise Salomo
Erwählte Frau Weisheit zur Braut!
Frau Weisheit hat ihr Mahl bereitet,
Das ungesäuerte Brot gebacken,
Dem Mischwein gemischt,
Nun ruft sie dem Jüngling zu:
Komm, iß von meinem Brot,
Komm, trink von meinem Wein!
Wer mich speist,
Wird immer wieder nach mir verlangen!
Ich geb dir das Brot der Einsicht
Und den Wein der Erkenntnis!
Und der Junggeselle speiste
Die göttliche Weisheit wie Manna!
Und die göttliche Weisheit
Erfüllte den Junggesellen,
Die göttliche Braut
Erfüllte den menschlichen Bräutigam.
Wahrlich, da war der Jüngling
Gleich der Jungfrau Maria,
Der allerklügsten Jungfrau,
Schwanger mit der göttlichen Weisheit,
Schwanger mit der Gottheit!

VIRGO VENERANDA

Verehrungswürdige Jungfrau!
Der Engel grüßt dich
In der Sprache der Schönheit:
Chaire kecharitomene!
Das heißt verdolmetscht:
Du bist schön,
Du mit Schönheit Übergossene!
Du bist schön in Gottes Augen,
Gott hat Wohlgefallen an dir gefunden,
An deiner Schönheit Wohlgefallen!
Und Elisabeth preist Maria:
Du bist mehr gesegnet
Mit Schönheit
Als alle anderen Frauen!
Und du selbst, Maria, singst:
Von heut an werden mich preisen
Als Schönste aller Frauen
Alle Kinder und Kindeskinder!
Darum verehre ich dich
Auf dieser tristen Erde,
In der finsteren Folterkammer:
Du allein bist schön!
In meinem Geist erscheinst du
Als Spiegel der göttlichen Schönheit!
Du bist die Jungfrau von Guadelupe,
Die wahre Ikone
Der präexistenten Maria,
Abglanz der göttlichen Schönheit,
Schönheit von der Schönheit Gottes,
Makelloser Spiegel
Und unbeflecktes Abbild
Der Urgottheit der Urschönheit!
Anbeten will ich die wahre Schönheit,
Tiefer noch als ein Sklave
Will ich im Staube verehren
Deine himmlische Schönheit,
Himmlisches Mädchen,
Selige Jungfrau,
Bildschönes Ebenbild
Der makellosen Schönheit der Gottheit!

VIRGO PRAEDICANDA

Lobwürdige Jungfrau,
Meine Predigt
Und mein Lobpreis bist du!
Meine Großmutter ist gestorben,
Mein Ein-und-Alles in der Welt,
Meine eine einzige Großmutter,
Die mir Großmutter war und Großvater auch!
Als meine Großmutter starb,
Bin auch ich gestorben
Und lebe nun im Jenseits.
Wenn Vater und Mutter mich verlassen,
Nimmt der Herr mich auf.
Als meine Großmutter gestorben
Und im Himmel neugeboren
Als meine Großengelin,
Da gab mir Gott
Die Mutter Christi
Zur Großen Mutter.
Nun bist du meine Predigt,
Große Muttergottes!
Und konnt ich dich erst nicht Mutter nennen,
Warst du mir die Geliebte,
Die Braut, die Lebensgenossin.
Dann im Kreuz der Minne
Lehrtest du mich, Maria,
Durch meine Großmutter-Großengelin:
So ist meine Mutterliebe!
Ich bin die Große Muttergottes,
Ich bin die Gottesmutter.
Ja, du scherztest mit mir
Und so sang ich dir scherzend:
Maria ist Mutter Gottes
Und ich bin Gottes Kind,
Maria ist meine Großmutter also!
Ja, Maria, ich scherze,
Doch meine Großmutter war
Meine Großmutter in der Natur,
Und du, Maria,
Bist meine Große Mutter in der Gnade.
Einst als Heide suchte ich
Die Magna Mater des Matriarchats.
Nun hab ich gefunden, Maria,
Die wahre Magna Mater,
Maria, meine Predigt,
Die Magna Mater Dei!

VIRGO POTENS

Mächtige Jungfrau,
Die sterbliche Frau, die ich liebe,
Hat solche Macht über meine Seele,
Daß ich verliebt im Wahnsinn der Liebe
Ausrief in einem Liebessonett:
Allmächtige Göttin!
O Maria,
Sollt ich dir weniger Ehre geben?
Die Mutter Kirche sagte mir einst:
Das eine ist die Theologie,
Das andre der Überschwang des Poeten,
Den erlaubt die Mutter Kirche.
Erlaube erneut, o Mutter Kirche,
Den Überschwang des Poeten,
Verliebt in die Frau Maria:
Allmächtige Göttin!
Gott ist Gott,
Ein Gott, kein anderer neben Gott.
Doch Maria ist Gottes Potenz,
Die potente Jungfrau!
Wie nennt dich die Mutter Kirche?
Fürbittende Allmacht,
Allmacht auf den Knien!
O Maria, allmächtige Advocata,
O potente Jungfrau,
Maria, Gottes Potenz,
Ich preise dich in meiner Not
Im Angesicht des Todes:
Allmächtige Jungfrau!
All unser Heil kommt von dir,
Alle Gnaden kommen von dir,
Unser ewiges Leben
Verdanken wir deiner Potenz,
Allmächtige Göttin Gottes,
Allmächtige Jungfrau Jesu!
Der Tod ist zu meinem Fenster
Hereingestiegen als Schatten,
So flehe ich als sterblicher Sklave
Für alle sterblichen Wesen,
Die im Todesschatten leben,
Schenke uns allen das ewige Leben,
Durch deine Fürsprache bei dem Sohn,
Allmächtige Göttin Maria!

VIRGO CLEMENS

Gnädige Jungfrau,
Gütige Jungfrau,
Freundliche Jungfrau,
Milde Jungfrau,
Sanfte Jungfrau,
Wie soll ich dich preisen, Maria?
Dein Herz ist voller Demut,
Dein Herz ist voller Sanftmut,
Sanfte Madonna,
Sanft wie ein Reh,
Sanft wie ein Hase,
Sanft wie Falterflügel,
Sanft wie Entenflaum,
Sanft wie ein Rosenblatt,
Sanft wie Schneeflocken,
Sanft wie ein Bett,
Sanft wie Mondschein,
Sanft wie Morgentau,
Sanft wie ein Mädchenkuß,
Sanft wie Maienluft,
Sanft wie die Apfelblüte,
Sanft wie ein Bad,
Sanft wie ein Schoß,
Sanfte Madonna!
O wie gütig du bist, Madonna,
Dein Herz steht allen offen,
Dein Herz ist voller Mitgefühl
Und einfühlsam und empfindsam,
Deine Seele ist sanft,
Deine Stimme ist sanft,
Dein Blick ist sanft,
Dein Lächeln ist lieblich.
Wie der Syrier selbst,
Der Sohn des Höchsten,
Auf prophetische Art
Bist du freundlich-ernst
Den Menschenkindern zugetan,
Du zärtliche Mutter,
Du liebliches Himmelsmädchen!
Wie schön hat von dir gesungen
Der Poet, der Charis besang:
O so white, o so soft, o so sweet is Shee!

VIRGO FIDELIS

Du treue Jungfrau,
Gott getreue Jungfrau,
Dem Menschen treue Jungfrau!
Ich singe die Geschichte deiner Treue:
Bevor ich geboren,
Hast du mich auserwählt
Zu deinem Sohn und Geliebten,
In der Taufe
Vorm Marienaltar
Hast du mich angenommen
Und wiedergeboren für Gott,
In meiner Jugend
Hast du mich als Mutter der Kirche
Gelehrt das Pater-in-Uranos,
Dann hab ich dich verlassen,
Aber du bliebst bei mir
Als Madonna dell’Anima,
Erschienst mir als Lichtgestalt
Und Himmelsmädchen in meinen Träumen
Und führtest mich zu Christus,
Christus offenbarte mir Gott
Und Gott führte mich zu dir,
Mirjam, Schwester Aarons,
Sulamith und Immaculata,
Aber die Protestanten raubten
Mir meine Geliebte,
Ich irrte in den Sekten,
Aber du bliebst bei mir,
Madonna Sixtina,
Maria, du Schöne,
Du führtest mich zurück
Zu Christus, Carmencita,
Unsre Liebe Frau vom Karmel,
Ich weihte mich dir,
Ich verlobte mich mit dir,
Ich nahm dich in der Kirche zur Frau,
Da führtest du mich
Zur Ewigen Weisheit,
Zur Mutterliebe Gottes,
Zur Gottes-Ehe,
Ich aber irrte von der Kirche ab,
Doch du bliebst bei mir,
O Große Mutter Gottesmutter,
Und führtest mich zurück
Zur Eucharistie,
Denn die Eucharistie
Ist dein Unbeflecktes Herz!
Du bist treu, Maria,
Ganz treu will ich sein,
Dein Josef sein, Maria,
Und Gott getreu sein wie du!

SPECULUM IUSTITIAE

Spiegel der Gerechtigkeit,


Spiegel jeder Tugend,
Ganz vollkommne Menschentochter,
Spiegel des Menschen
Und Spiegel Gottes, Maria!
Frau Weisheit bist du,
Unbefleckter Spiegel
Des Lichtglanzes Gottes,
Makelloser Spiegel
Der Allmacht des Ewigen,
Fleckenloser Spiegel
Der Lebenskraft Gottes!
In deinem Spiegel,
Du Spiegel der göttlichen Schönheit,
Erkenne ich die Urschönheit,
Erkenne ich die Urgottheit!
Bevor meine leibliche Mutter
Mich im Mutterschoß empfangen,
Schaute ich in deinem Spiegel,
In dir, Maria,
Die göttliche Schönheit,
Die göttliche Weisheit,
Die göttliche Liebe!
Ich schaute diese Drei-Einheit
Der Gott-Natur!
Und als die Urgottheit der Urschönheit
Gezeugt die göttliche Weisheit
Und als die Urgottheit der Urschönheit
Die göttliche Weisheit liebte
Mit der göttlichen Liebe,
Da beschaute ich
Die Gott-Natur
In deinem Spiegel, Maria!
Hort der Dreifaltigkeit bist du,
Ruhehafen der Dreieinigkeit,
Spiegel der Trinität!
In dir, jungfräulicher Spiegel,
Erkenne ich mich selbst
Als Spiegel im Innern der Seele,
Ich bin im Innern
Ein makelloser Spiegel Gottes,
Denn meiner Seele Seele ist Maria,
Spiegel der göttliche Schönheit,
Spiegel der göttlichen Weisheit,
Spiegel der göttlichen Liebe!

SEDES SAPIENTIAE

Sitz der Weisheit,


Thron der Weisheit,
Wohnung der Weisheit,
Goldnes Haus der Weisheit,
Mutter der göttlichen Weisheit,
O Maria, Frau Weisheit selbst!
Jesus, menschgewordne Weisheit,
Sagte einmal zu einem Kinde:
Ohne meine Mutter
Ist alle Weisheit Torheit!
Und ein Heiliger sagte:
Willst du weiser sein
Als selbst der weise Salomo,
So weihe deine Weisheit
Maria, der Mutter der Weisheit.
Die Nonne der Weisheit sagte:
Die Weisheit ist Maria,
Die Weisheit ist Jesus,
Die Weisheit ist die Kirche.
Salomo aber bat um Weisheit
Und bat Gott um die Weisheit.
Ich aber bitte Maria
Um die Gabe der Weisheit.
Mutter der göttlichen Weisheit,
Wohnung der göttlichen Weisheit,
Wie du die Weisheit geboren
In der Menschennatur,
Gebäre die göttliche Weisheit
In meiner Menschennatur!
Sapientia, das heißt Sabbern,
Sabbern wie ein Kind
Von Gottes Muttermilch,
Solchen Geschmack zu haben
An der süßen Honigmilch
Der Mutterliebe Gottes!
O Maria, gewähre mir die Gnade,
Geschmack zu haben an der Weisheit,
Der fleischgewordnen Weisheit,
Schenke mir das Fleisch der Weisheit
Zur eucharistischen Speise
Und den Mischwein gottmenschlicher Weisheit
Zum blutigen Wein des Abendmahles,
Maria, Tabernakel der göttlichen Weisheit!

CAUSA NOSTRA LAETITIAE

Maria, Ursache unserer Freude,


In der finstersten Nacht der Seele
Ging ich zu Bett in meinem Sarg
Und rief zu deinen Brüsten:
Barmherzige Brüste Mariens,
Laßt mich saugen und trinken
Die süße Muttermilch des Trostes
Aus dem prallen Reichtum
Der Brüste deines Glanzes, Maria!
Ich träumte von Sankt Anna,
Sankt Anna sprach zu mir
Von Meister Eckard,
Von Sein und Leben,
Von der Gottesgeburt in der Seele!
So bin ich erwacht
Und auferstanden vom Tod
Und tanzte mit dem Heiligen Geist
Und flog durch den lichten Äther
In den zärtlichen Armen
Der umarmenden göttlichen Liebe,
Verschloß im Herzen Mariens
Die Kinder meiner Seele,
Die Kinder meiner Kinderlosigkeit.
Da brachtest du, Maria,
Meine geliebten Kinder zu mir:
Was hat Maria in der Hand
Da neben Jesus am Kreuz?
Mein Kind, einen Becher,
Da sammelt sie Jesu Blut.
Das wird in Wein verwandelt,
Den trink ich in der Kirche.
Spricht der süße Kindermund:
In deiner Kirche
Trinkst du das Blut Jesu!
Ja, Maria hat mir eingeschenkt
Den blutroten Rotwein,
Jauchze, juble, meine Seele!
Schön sind die nackten Füße
Der Freudenbotin Maria,
Die spricht zu ihrem Sohn-Geliebten:
Die lebendige Gottheit
Ist deine himmlische Mutter!
Wahrlich, wahrlich, Maria,
Aus deinen Brüsten saug ich Wonne,
Du bist der Grund meines Jubels,
Kausalität der Ekstase, Madonna!

VAS SPIRITUALE

Du Kelch des Geistes,


In China bist du
Die goldene Vase
Mit dem Schlehenzweig.
Du bist eine kristallene Vase,
Ganz transparentes Glas,
In dir steckt
Der ganz reine Pflaumenblütenzweig
Der keuschen Liebe Gottes.
Ich denke an meine Freundin,
Du Becher der Spiritualität,
Ich bitte dich, du Becher der Mystik,
Schenke der Freundin voll ein
Den Trank der Weisheit,
Ich bitte dich, du Becher der Weisheit,
Gefäß der Erleuchtung,
Übergieße, überschütte die Freundin
Mit dem Licht der Erleuchtung
Der ewigen Weisheit!
Ich liege auf meinem Sofa
Und trinke den nächtlichen Wein.
Du bist der Römer, das Glas,
Mit dem Traubenblut Christi.
Aber mir, Geliebte,
Bist du nicht nur der Becher,
Mir bist du auch der Wein,
Der Wein der blutigen Tränen
Der mystischen Rose Maria,
Der Wein der Ekstase
Aus den weisheitsvollen Brüsten Mariens!
O Herzblut mitgekreuzigter Jungfrau!
Aber du bist auch der Gral,
Den suchte ich immer
Als christlicher Ritter,
Den ich fand auf Mont Salvator,
Da strömt Leben in Fülle,
Speise der Seele, Trank des Geistes,
Weisheit in Fülle
Aus dem mystischen Gral,
Der Maria heißt,
Schwarze Madonna
Von Mont Salvator.
Denn schließlich bist du
Der Abendmahlskelch,
Der das Blut des Herrn
In meine Seele gießt,
Der Gral der heiligen Mutter Kirche,
Der Gral der katholischen Templer,
Der das Blut der göttlichen Weisheit
Eingießt in mein schwarzes Blut!
Ich gieße mein liebendes Blut
In deinen Becher, Maria,
Meiner Liebe Ganzhingabe
In deinen Becher, Maria,
In deinen Becher, Madonna,
Denn dein Becken ist der Becher
Der brennenden Liebe!

VAS HONORABILE

Du kostbarer Kelch,
Du ehrenhafter Kelch!
Die Freundin sucht
Den mystischen Gral,
Du aber sprachst zu mir:
Mein Söhnchen, kehre um
Zum Sakrament des Altares!
Ich sprach: Maria, wo bist du?
Du sagtest: In der Kirche
Wirst du mich finden!
Ich ging in die Kirche
Und sah den kostbaren Kelch
Und tauchte das Manna
(Man hu, was ist dies?)
In den kostbaren Kelch
Mit dem Tau des Lichts
Und das göttliche Fleisch
Glänzte von Milch,
Von Muttermilch Mariens,
Und ich speiste das Fleisch
Des Leibes der Frau Weisheit
Und sog die Milch Mariens,
Süßer als Manna,
Die Milchtropfen glänzten,
Und da ich das Fleisch
Und die Muttermilch
Mit Lippen meiner Seele aufnahm,
Ging hinter mir die Tür,
Du tratest ein, Maria,
Ich hörte dich kommen,
Doch ich sah dich nicht,
Ich sah dich nicht, o Frau,
Doch ich schmeckte deine Milch!
Leib Christi, sprach der Priester,
Milch Mariens, sprach meine Seele.
Da standest du neben mir
Und warst auf meinen Lippen
Das Fleisch der Liebe
Und der Tau der Auferstehung.
Und die Hostia sprach:
Ich bin deine Mutter!
O du kostbarer Kelch,
O du heiliger Gral,
O du Becher der Ehre,
Ich habe gespeist
Das Manna der Mutter
Und die Milch der Schönen
Liebe getrunken!

VAS INSIGNE DEVOTIONIS

Vortrefflicher Kelch der Andacht,


Gefäß der Ganzhingabe!
Im Morgentraum, Maria,
Sprach die heilige Mutter Anna:
Hosianna, Hosianna!
Und ich schaute deine Glorie
Und ich scherzte mit dir
Und sprach zu dir im Traum:
Ich kröne dich, Maria,
Mit den neun Kronen der Isis,
Der neunfaltigen Gottheit
Von Ober- und Unter-Ägypten!
Da lächeltest du, Maria,
Und sprachest: Ich segne dich, mein Kind,
Mit dem feierlichen Segen,
Den mir der Allerhöchste gewährt.
Ich erwachte und las
Im Hohen Liede Sulamiths.
Im mystischen Worte Gottes
Gabst du dich ganz mir hin!
Sonst pflegtest du zu sagen:
Mein Becken ist ein Becher,
Dem nie der Mischwein mangelt!
Heute morgen sprachst du:
Das Innere meines Schoßes
Stöhnt dir entgegen!
Mein Nabel ist ein Kelch,
Ein Kelch voll Wein!
Mein Schoß ist ein Weizenhaufen,
Umsteckt mit Lilien!
O Madonna Sulamith Maria,
Du Becher der Devotion,
Meiner Anbetung Becher,
Dein Becken ist ein Becher
Mit dem eucharistischen Blut,
Dein Schoß ist warm
Wie das Innere eines Dampfbrötchens,
Süß wie das Manna des Himmels!
Beim Hochzeitsmahl des Himmels
Empfange ich von deinem Schoß
Das Manna und den blutigen Wein,
Das eucharistische Fleisch
Und den sakramentalen Tau der Liebe,
Aus deinem Schoß, Maria,
Becher der Devotion,
Becher der Ganzhingabe!

ROSA MYSTICA

Mystische Rose,
Der Magier sprach
Zu meiner Freundin:
Die rote Rose
Ist Symbol der Begierde,
Die weiße Rose
Ist Symbol der Erleuchtung,
Schenkt ein Mann dem Weibe
Eine lachsfarbne Rose,
So liebt er sie ganz
Mit Leib und Geist.
Der Mönch aber sprach:
Die weiße Rose ist
Symbol der Keuschheit Mariens,
Die rote Rose ist
Symbol der Passion Jesu,
Des Blutes Jesu.
Fort mit aller Weisheit der Welt,
Aus den Büchern gelernt!
Mein Herz schaut Maria
Als scharlachrote Rose,
Dunkel, aus blutrotem Purpur!
Weh mir, Maria,
Ich kann nicht glauben, dass
Du die dornenlose Rose bist,
Du bist die scharlachrote Rose
Der Leidenschaft Gottes,
Deine Dornen sind meine Kreuze!
Die mystische Rose spricht:
Meinem Dornenvogel,
Dem Schönsten der Sänger,
Schenke ich Kreuze,
Dunkel wie die Nacht,
Verzehrend wie die Leidenschaft,
Kalt wie die Angst,
Trocken wie die Wüste!
Ach Maria, meine schöne Rose,
Die Sänger der Liebe irren,
Nicht im Bett aus Rosenblüten
Bettest du mich, Maria,
Sondern im Bett aus Dornen!
Am Kreuz, dem Bett der Dornen,
Wurden wir vermählt,
Du, die mystische Rose,
Ich, der singende Dornenvogel!
Blut, Feuer der Liebe,
Unaussprechliche Schmerzen
Unaussprechlicher Liebe
Offenbaren mir
Die mystische Rose,
Den Schmerz der Liebe,
Die Leidenschaft Gottes!

TURRIS DAVIDICA

Turm Davids bist du,


Tochter Zion bist du,
Die Muse des Psalmisten,
Die Lade des Bundes,
Vor der David tanzte
Entblößt,
Ob Michal auch gespottet,
Die Sklavinnen ehrten ihn.
Der Sohn Davids,
Der Dichter Salomo,
Sang, Madonna Sulamith:
Dein Hals ist der Turm Davids,
Waffen der Heroen hangen daran,
Waffen und Schilde.
Ich betrachte deinen Hals so gerne,
Wie Botticelli deinen Hals gemalt,
Als er Simonetta
Gemalt als Madonna
Mit dem goldnen Granatapfel.
Auch die Jüngerin Jesu,
Sankt Susanna von Galiläa,
Hat einen schönen Hals.
Aber dein Hals, Madonna,
Ist makellos schön,
Und ich glaube zu verstehen,
Warum dein Hals so schön ist.
Du bist der Hals,
Da Christus das Haupt ist
Und die Kirche der Körper,
Denn vom Haupt, von Christus,
Strömt die ganze Gnade
Durch den Hals, durch Maria,
In den Körper, die Kirche.
Aber was meinte Salomo,
Wenn er die Waffen und Schilde
Hangend an deinem Hals besang?
Du trägst um deinen Hals
Ein Kettchen der Weisheit
Mit wundertätigem Medaillon,
Eine Brosche
Mit dem Zeichen des Kreuzes.
Das Kreuz allein ist deine Waffe,
Denn du siegst nicht mit Gewalt,
Du siegst
Mit dem Schwert im eigenen Herzen!
All der göttliche Odem
In deiner Kehle, Madonna,
Haucht: Friede sei mit euch!

TURRIS EBURNEA

Maria, mein Elfenbeinturm,


Maria, meine Einsamkeit,
Maria, meine Karmelzelle!
Du bist der wehrhafte Leuchtturm
Der unfehlbaren Wahrheit
Und zugleich eine liebende Mutter,
Gebärerin der Christen.
Du bist das diamantne Gesetz
Der Offenbarung des wahren Gottes
Und die mütterliche Gnade
Der Freudenbotschaft Jesu.
Du bist eine Schatzkammer aller Gnaden,
Gebaut aus Kristall und Amethyst,
Und zugleich die Taube,
Die weiße Taube der Seele,
Die mütterlichgurrende Taube.
Du bist der wehrhafte Rundturm,
Deine Brüste sind Türme,
Du bist der Turm auf der Mauer,
In dem der Sprengstoff aufbewahrt wird,
Der Sprengstoff der göttlichen Liebe!
Du bist ein weißer Turm,
Schön wie eine Gazelle,
Lang und schlank wie der Hals der Giraffe,
Dein makelloses Weiß
Ist deine strahlende Schönheit,
Deine liliengleiche Schlankheit
Ist von makelloser Schönheit,
Du bist makellos weiß
Wie der Zahn des Elefanten.
Aber du bist auch empfindsam
Wie der Elefantenbulle,
Wenn er beim Elefantenkälbchen steht.
O Maria, feinfühlig bist du,
Einfühlsam bist du, Maria,
Wie der Elefantenbulle,
Der sein Elefantenkalb beschützt
Gegen die teuflischen Jäger.
Maria, starker Turm Davids,
Maria, wehrhafter Elfenbeinturm,
Maria, diamantharte Wahrheit,
Maria, zärtlicher Elefant,
Maria, liebende Mutter,
Behüte die Seelen deiner Kinder,
Die Kleinod-Seelen,
Die Tauben-Seelen,
Behüte die Seelen deiner Kinder
Und meine Einsame
In deinem Elfenbeinturm, Maria!

DOMUS AUREA

Maria, du goldenes Haus,


Ich sah dich heute, du goldenes Haus,
Der Geist sprach: Bald kommt,
Der kommen soll!
Maria, du sprachst zu mir:
Des Kindes Seele
Gleicht einer weißen Taube.
Da kam das Kind
Und nahm mich mit
Zum goldenen Haus.
Da sah ich des Kaisers Krone
Von Gold, Edelstein und Perlen,
Und den Ring der Kaiserin.
Am Hofe des Kaisers
Ward das Sonett erfunden.
Im Reiche des Kaisers
Lebten in Frieden versöhnt
Muslime, Juden und Christen.
Ich sah im goldenen Haus
Den Paradiesvogel
Mit smaragdener Kehle
Und sah den Falken,
Der Kaiser liebte den Falken,
Es war der himmlische Falke
Der Sonne der Gerechtigkeit.
Ich sah im goldenen Haus
Das Buch der Weisheit,
Von Mönchen immer wieder
Liebevoll abgeschrieben.
Und ich sah den Keller,
Den Keller des Unbewussten,
Die Katakombe,
Das Jenseits sah ich,
Es war von Gold und Glas
Und wie ein Meer von Kristall,
Von allerreinstem Jaspis.
Maria, du goldenes Haus,
Du bist der Tempel Salomos,
Dein Schoß ist das Allerheiligste,
Da sich Gott im Dunkel verbarg,
Denn Gott sprach zum Weisen:
Ich habe die Sonne am Himmel gemacht,
Doch ich will wohnen im Dunkel,
Im Dunkel des Allerheiligsten
Des goldenen Tempels,
Im Dunkel des Schoßes Mariens!
O Maria, ich wohne auch
Im Dunkel deines Schoßes,
Im Allerheiligsten Gottes.

FOEDERIS ARCA

Du bist die Bundeslade, Maria,


Meine Herrin, vor der ich tanze
Nackt bis auf den Lendenschurz
Und will mich noch tiefer
Erniedrigen vor der Bundeslade!
Hier ist der Ort, der uns rettet,
Hier ist der Altar, wo ich bete
Zum Herrn der Heerscharen,
Gott möge den bösen Feind,
Feind Gottes und der Menschenkinder,
Aufhängen am nächsten Baum!
Aber Gottes Kinder retten!
Siehe, ich träumte, Maria,
Ich sprach zu protestantischen Brüdern:
Das unblutige Messopfer des Altares
Ist Vergegenwärtigung
Des Sühneopfers Christi am Kreuz.
Siehe, Maria, ich saß vor der Lade,
Ich saß vor dem Gottesschrein,
Dem Schrein der Vergegenwärtigung,
Und meine Seele sah dich, Maria,
Ein weißer Schleier
Verhüllte in Demut dein schönes Haar,
Du faltetest die Hände zum Gebet
Und knietest zur Anbetung Gottes
Und betetest innerlich:
Heilig, heilig, heilig
Ist der Herr der Heerscharen,
Gelobt sei, der da kommt
Im Namen des Herrn!
Da sah meine Seele Jesus,
Er reichte Maria die Hostie,
Maria empfing knieend
Vom stehenden Hohenpriester Jesus
Die Hostie in den Mund.
Jesus sprach zu mir:
Die zärtliche Liebe
Einer liebenden Mutter
Ist ein matter Abglanz
Meiner Liebe zu dir!
Da speiste ich die Hostie Christi,
Das Sakrament der Liebe,
Das Fleisch der göttlichen Weisheit.
Die Hostie war Hagia Sophia,
Hagia Sophia trat ein
In den Tempel meines Herzens,
Setzte sich in den Thron meines Herzens.
Ich betete an im Inneren
Meine göttliche Herrscherin,
Hagia Sophia in mir!
Da sprach der Priester: Amen.

IANUA CAELI

Pforte des Himmels,


Tu dich auf, du Pforte,
Altehrwürdiges Tor,
Perlenpforte des Paradieses
Aus Einer Muschelperle,
Du enge Pforte
Zur Ewigen Liebe!
Durch dich ist der Gott des Himmels
Auf die Erde gekommen,
Durch dich soll der Mensch der Erde
In den Himmel kommen.
Und Maria, die Himmelspforte,
Tat sich auf und offenbarte mir
Das verheißene Land,
Wo Milch und Honig strömen!
Ich sah das kristallene Meer
Des Paradieses und schweben
Im himmlischen Throne
Die Madonna und Adonai!
Ich sah den Weinberg des Geliebten,
Ich sah den Weingärtner,
Sah den Weinstock
Und sah die Reben, die Frucht brachten,
Sah die Trauben,
Die Brüste der Geliebten!
Ich sah den Berg Gottes
Und sah den Herrn, meinen Hirten,
Den guten Hirten,
Der sein Leben ließ für die Schafe.
Und ich hörte seine Stimme.
Und ich sah den Strom des Paradieses
Und sah die Bäume des Paradieses.
Ich sah auch die heilige Stadt,
Die Stadt der paradiesischen Liebe.
Und Unsre Dame
War der Tempel dieser Stadt.
Und ich liebte als schöner Jüngling
Und wurde geliebt als schöner Jüngling:
Du bist ein begehrenswerter Mann,
Du von der Gottheit Geliebter!
Und auf dem Gipfel des Herzens,
Im Höhepunkt der Ekstase,
Schaute ich die erhabene Taube
Des Heiligen Geistes der Liebe
Und betete an die Gottheit
Der Schönen Liebe – Jahwe!

STELLA MATUTINA

Morgenstern nennt dich die Kirche,


Maria, Königin der Schönheit und Liebe!
In der Apokalypse
Spricht Jesus zum Seher:
Ich bin der brillante Morgenstern,
Ich bin Aster!
Wohin führt mich das Wort
Aster, Morgenstern?
Ich höre Astarte erklingen,
Die Göttin der Liebe von Tyrus,
Ich hörte Ashtaroth ertönen,
Die Göttin von Baschan,
Ich höre auch Esther,
Der Name bedeutet Stern,
Der Name bedeutet Morgenstern.
Der Bibellehrer sprach
Von der Apokalypse,
Er sagte, Esther sei
Die Ishtar der Offenbarung
(Mordechai aber der Marduk der Bibel),
Ishtar, die Göttin von Ur,
Die Göttin der Liebe und Schönheit,
Himmelskönigin
Und Morgenstern.
Aber höre ich Ishtar,
So höre ich Ischa,
Ischa ist die Frau,
Ischa ist die Männin des Mannes,
Ischa ist Eva,
Die Mutter des Lebens,
Die Ur-Frau des Paradieses!
Christus ist der neue Adam,
Maria ist die neue Eva,
Maria ist die ewige Frau,
Maria ist Ischa,
Maria ist Esther,
Maria ist Astera,
Maria ist Morgenstern,
Maria ist die Himmelskönigin
Der Schönheit und Liebe!
Der Herr hat Maria
Aus reiner Gnade vergöttlicht,
Maria ist die, die sie ist
In der Trinität,
Nämlich Göttin der schönen Liebe!
Nun segne mich, Maria,
Segne mich vom Venusplaneten,
Laß tanzen den Venusplaneten
Und segne mich und die ich liebe
Mit Strömen der göttlichen Liebe
Und Offenbarung der himmlischen Schönheit!
Halleluja,
Meine Gottheit ist die Schöne Liebe!

SALUS INFIRMORUM
Heil der Kranken, Maria,
Heute sprach meine Freundin:
Ich will Menschen Heil bringen,
Ich will sie heilen
Und ihnen helfen,
Den Sinn ihrer Krankheit
Zu erkennen und zu lernen
Aus den Leiden.
Heil der Kranken, Maria,
Ich sprach zur Freundin:
Gott allein schenkt Heil,
Gott allein schenkt Heilung,
Aber Gott schickt auch Kreuze,
Gott schickt Leid und Krankheit
Zum Heil der Seele
Und zum Heil der Menschheit.
Hier ist Geduld der Heiligen vonnöten.
Die kleine Therese sagte:
Ich suche nie das Leid,
Sonst könnte ich’s nicht tragen.
Aber sie litt mit Liebe
Das Leid, das Jesus ihr schenkte,
Zum Heil ihrer eignen Seele
Und zum Heil der Sünder.
Heil der Kranken, Maria,
Du hast mich geheilt
Von meinem Wahnsinn,
So weit es Gott gefiel,
Doch bleibt meine Seele krank
In Seelenqualen und Trauer,
Weil dies zum Heil notwendig ist,
Zum Heil meiner Seele,
Zur Sühne für die Sünde,
Zur Bekehrung der Sünder.
Lehre mich, meine Meisterin,
Mutter der göttlichen Weisheit,
Die Passion Jesu zu betrachten,
Aber mehr als die Leiden des Leibes
Die Leiden der Seele Jesu,
Die Einsamkeit und Todesangst,
Den Schmerz verschmähter Liebe,
Die Leiden des Verachtetseins,
Die dunkle Nacht
Der Gottverlassenheit!
Dann will ich vereinigen
Meine leidende Seele
Mit der leidenden Seele Gottes,
So wirst du mein Kreuz
Der kranken Seele
Verwandeln in Heil.
REFUGIUM PECCATORUM

O Maria, letzte Zuflucht der Sünder


Und der Sünderinnen, o Maria!
Ich denke an den Todesschatten
Lastend auf der Konkubine
Meiner sündigen Jugendtorheit
(Wir waren einst verschmolzen
In Sünde, aber die Verschmelzung
Schafft ein blutiges Band).
Und da die Drohung des Todes
Vor der Sünderin stand,
Da trat ich ins Pius-Hospital
(Pius des Neunten,
Pius des Zwölften)
Und hörte Frauen Gebete murmeln:
Ave Knotenlöserin!
Da kamst du zu mir
Als Frau aller Völker
Und flüstertest: Caritas!
Zuflucht der Sünder
Und der Sünderinnen
Und aller Menschenkinder,
Aller Gottvergessenen Heimat,
Mutter Maria!
Den kleinen Kindern,
Früchten gesetzlosen Beischlafs,
Breitetest du den Mantel
Und unter deinem Sternenmantel
Brachte ich die Kinder
Zur Ruhe, zur Geborgenheit,
Sie schliefen im Bett in meinen Armen
Und sie und ich in deinen Armen,
In der Falte deines Mantels!
Selbst dem Totschläger
Bietest du dich an
Als rettende Freistatt,
Du rettest noch
Den Mörder des eigenen Selbst
Auf den untersten Fuß
Des Berges des Purgatoriums!
Bei deinen blutigen Tränen,
Bei deinem gekreuzigten Herzen,
Bei deinem vergossenen Herzblut,
Mutter aller Menschen,
Große Mutter aller Menschenkinder,
Sei du der Sünderin letzte Zuflucht
Und der Kinder Geborgenheit
Und meiner leidenden Seele Ruhe,
Du Hort der kleinen Seelen,
Der Sünderin und der Kinder
Refugium sei
Dein barmherziger Mutterschoß,
Der Mutterschoß der Barmherzigkeit Gottes!

CONSOLATRIX AFFLICTORUM

Maria, Trösterin der Betrübten,


Advocata, Parakletin!
Du lehrtest mich den Trost
Der Philosophie, das Höchste Gut
Ist die Glückseligkeit
(Das Böse ist nichts).
Die Philosophie erhebt mich
Über mein persönliches Übel
In das Gute an sich,
Die wahre Schönheit,
Aus Ebbe und Flut
Im Tal der Tränen
Zur ewigseienden
Gottheit, All-Einheit.
Noch einen letzten Trost
Hast du im Leiden
Meiner Seele gegeben,
Daß nämlich das Leiden
Der gewisseste Weg
Ist zur Vereinigung mit Gott!
Aber schließlich tröstest du
Zu allerletzt mit der Hoffnung,
Mit der süßen Vertröstung!
Halleluja, ich liebe
Mit allen Leiden der Liebe
Die christliche Vertröstung
Mit dem ewigen Leben
Im Himmel nach dem Tod,
Der Glückseligkeit der Seelen,
Dem Leben und Lieben
Im Paradies,
Im Schoß des Paradieses,
Der Schau der göttlichen Schönheit,
Dem Einssein mit dem Zyklus
Der dreieinigen Liebe,
Dem Einsseins mit der Einheit
Der ewigen Gott-Natur,
Meiner göttlichen Mutter!
So tröstest du mich,
Maria, meine Mutter,
Daß ich in Schwermut und Nacht
Nur lalle mein Gebet:
O Gott, meine göttliche Mutter,
Ewige, meine göttliche Mutter,
Erbarme dich, Gott meine Mutter!

AUXILIUM CHRISTIANORUM

Hilfe der Christen, Mutter Jesu,


Heute hab ich gepredigt
Dem pietistischen Bruder,
Der pfingstlichen Schwester,
Die sehr schön und anmutig ist.
Ob der Koran geschaffen
Oder ungeschaffen sei,
Das weiß der Dichter nicht,
Doch dass der Wein
Noch vor den Engeln
Geschaffen ist,
Ist wohl kein Gedicht.
Mit meinen Zechgenossen
Sprach ich von Theologie,
Vom Morgenstern
Der Schönen Liebe,
Von der Taube
Der Schönen Liebe,
Von der Aphrodite Homers,
Der Aphrodite Hesiods,
Der Aphrodite Platons,
Der Aphrodite Sapphos,
Von Jesus, der Schönen Liebe!
Dann sprach ich von Maria,
Der Mutter der Schönen Liebe,
Von Jael, gesegnet unter den Frauen,
Von Judith, gesegnet unter den Frauen.
Und mit dem Christen
Und der schönen Christin
Grüßte ich englisch
Dich, o Mutter Jesu:
Freue dich, du Begnadete,
Unser Herrgott ist mit dir,
Du bist gesegnet
Mehr als alle anderen Frauen
Und gesegnet ist
Die Frucht deines Leibes,
Herr Jesus Christus. Amen!
So bist du die Hilfe
Der Christen, Maria,
Mit dem Rosenkranz
Führst du die Einheit herbei.
REGINA ANGELORUM

Königin der Engel,


Ich weihe dir meinen Engel,
Die himmlische Zwillingsschwester,
Mahanajim!
Sie war bei meiner Empfängnis
Schutzengel meiner Seele
Und geleitet mich
In der dunklen Stunde des Todes
Durch die eherne Pforte
Auf den Morgenstern,
In den dritten Himmel
Des Paradieses der Liebe!
Königin der Engel,
Ich weihe dir die kleinen Engel,
Wie ganz reine Kinder,
Ganz wie die beiden Engel
Zu Füßen der Sixtina,
Die Schutzengel all meiner Kinder,
Der Kinder meiner Kinderlosigkeit,
Daß die kleinen reinen Engel
Die Kinderseelen beschützen
Vor dem gefräßigen Satan
Und der irdischen Torheit
Und dass die kleinen Engel
Meine Lieblinge führen
In das süße Paradies,
Wo Milch und Honig fließen!
Königin der Engel,
Ich weihe dir den Erzengel
Michael, dass er segne
Meine Freundin,
Die die Wahrheit sucht
(Und wer die Wahrheit sucht,
Der ist schon im Bannkreis der Wahrheit),
Er schütze ihre Seele
Vor Luzifers List
Und führe sie
Zur göttlichen Weisheit.
Königin der Engel,
Bete für uns alle
Und bitte die Hagia Sophia,
Zu uns zu kommen,
Sie ist ja der große Schutzengel
Des Kosmos und führt
Den Kosmos aus dem Chaos
Durch die Amorisation
Zur Perfektion des Kosmos
In Gott,
Wo Liebe Alles in Allen ist!

REGINA PATRIARCHARUM

Königin der Patriarchen,


Königin der Matronen,
Königin der Sybillen!
Du bist die Frau Weisheit,
Die Athene des Odysseus,
Du bist die Königin der Liebe,
Die himmlische Aphrodite
Der keuschen Sappho,
Du bist das Werkzeug
Der mütterlichen Vorsehung,
Die himmlische Venus
Des Äneas und des Virgil,
Du bist die Idee der Schönheit,
Die Urania Platons!
Und du bist die Prinzessin,
Die lachende Sarah,
Du bist die Mutter
Zweier Völker
Wie die geschmückte Rebekka,
Du bist die kontemplative
Frau mit den schönen Augen
Wie die Lieblingsfrau Rahel,
Du bist gebenedeit unter den Frauen
Wie die Siegerin Jael,
Du bist die Mutter in Israel
Wie die Richterin Deborah,
Du bist die Königin,
Fürsprecherin und Retterin
Wie die gesalbte Esther,
Du bist die Freundin des Lösers
Wie die charmante Ruth,
Du bist die Retterin
Und Siegerin über den Feind
Wie die reizende Judith,
Gebenedeit unter den Weibern,
Du bist Fürsprecherin
Und Königinmutter
Wie die schaumgeborne Bath-Scheva,
Du bist die Makellose,
Die unbefleckte Freundin,
Die Braut und Geliebte
Wie die allerseligste
Schönheit Sulamith!
Du bist die Königin
Aller Propheten,
Jungfrau der Orakel,
Diva der Divination!

REGINA APOSTOLORUM

Königin der Apostelin der Apostel,


Königin der Apostel,
Königin aller apostolischen Christen,
Königin des Apostolats,
Königin der Liebe,
Mutter der Liebe für alle Menschen!
Wir sammeln uns im Zönakel
Am Abendmahlstisch
Und speisen im eucharistischen Brot
Die Speise der Schönen Liebe!
Am Himmel strahlt das Licht,
In der Kirche strahlt die Hostie,
Ein leuchtendes Dreieck
Aus glänzender Grünkraft
Schwebt überm Himmelsbrot,
Wir speisen die Gottheit!
Bei deinen blutigen Tränen,
Geheimnisvolle Rose,
Beim Blutstropfen,
Der über deine Hände
In deinen Schoß geronnen,
Den die kindlichen Engel
Im Becher gesammelt,
Liebe wollen wir bringen,
Zärtliche Mutterliebe,
Starke Vaterliebe!
Freude wollen wir bringen,
Das Lachen im Heiligen Geist!
Wir wollen die Suchenden
Zu Christus führen,
Wir wollen die Mütter weiden,
Wir wollen die Kinder weiden,
Die großen und kleinen Kinder weiden,
Alle Kinder aller Mütter
Deinem Herzen weihen,
Alle Mütter aller Völker
Deinem Herzen weihen,
Orthodoxe und Protestanten,
Muslime und Juden,
Taoisten, Buddhisten, Hindus,
Afrikas und Amerikas Schamanen,
Deinem Herzen weihen
Und deinem Sohne Jesus,
Dem göttlichen Kinde!
Dem Liebling des himmlischen Vaters!
Der göttlichen Weisheit!
Denn Sie, die göttliche Weisheit,
Ist allein die wahre Gottheit!

REGINA MARTYRUM

Königin der Märtyrer,


Königin des weißen Martyriums,
Da das Herz geopfert wird
Zur Sühne der Sünden der Welt
Durch verborgene Sühneopferseelen,
Königin des roten Martyriums,
Da durch die Kraft
Der christlichen Hoffnung
Auf die Auferstehung der Toten
Und das ewige Leben
Das eigene Leben und Sterben
Blutig geopfert wird
Zum Zeugnis Christi!
Königin des roten Martyriums
Von Dietrich Bonhoeffer,
Königin des roten Martyriums
Von Maximilian Kolbe,
Königin des roten Martyriums
Von Edith Stein!
O Königin der Toten,
O Königin der Lebenden!
O Königin der Juden,
O Königin der Protestanten,
O Königin der Orthodoxen,
O Königin der Katholiken!
Mutter der Kirche!
Das Blut unschuldiger Opfer
Schreit von der Erde zu Gott,
Schreit laut wie Abels Blut
Um die Einheit der Gläubigen!
Mutter der Märtyrer,
Königin der Kinder Gottes,
Durch das Zeugnis der Marterzeugen
Und deine Fürsprache vor dem Herrn
Erscheine in der sichtbaren Kirche
Die Einheit der unsichtbaren Kirche,
Daß die Macht des Antichristen
Gebrochen wird durch die Kirche:
Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr!
Ein Hirt und eine Herde!
Ein Lamm und eine Frau des geopferten Lammes!

REGINA CONFESSORUM

Königin der Bekenner,


Mit Liebe will ich bekennen,
Mit starker Vaterliebe,
Mit liebkosender Mutterliebe
Will ich bekennen den Kindern:
Jesus liebt die Kinder!
Jesus sagt den Kindern:
Die Erwachsenen sollen
Ein Vorbild sich nehmen an den Kindern,
Den Kindern gehört der Himmel!
Mutter, ich bekenne,
Die weiße Kirche Mariens
Ist die Wohnung Gottes,
Ich bekenne, Mutter,
Vor dem Altar der Schmerzensmutter:
Maria ist die Mutter
Aller Menschenkinder!
Ich bekenne vor dem Altar
Der Unbefleckten Jungfrau:
Maria ist die Siegerin
Über die Schlange des Bösen!
Ich bekenne, Maria,
Vor den beiden Cherubim
Und vor den Menschenkindern:
Im Tabernakel
Lebt im Himmelsbrot
Der lebendige Gott,
Der die Menschenkinder liebt
Wie eine liebende Mutter
Und ein starker Vater!
Ich bekenne, Mutter Jesu,
Daß Jesus das Lamm ist,
Unschuldig wie ein Lamm,
Sanftmütig wie ein Lamm,
Demütig wie ein Lamm,
Friedliebend wie ein Lamm!
Ich bekenne, Mutter Gottes,
Daß Christus Gott ist!
Ich bekenne, Frau,
Daß Gott ist
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit!

REGINA VIRGINUM
Königin der Jungfraun,
Zwei Jungfraun will ich dir preisen.
Edith Stein ist meine Freundin,
Eine liebevolle Schwester,
Eine mütterliche Frau.
Sie ist Tochter Zions,
Freundin der Sophia,
Tochter des heiligen Thomas,
Tochter der Jungfrau Teresa,
Blume vom Karmel,
Liturgin im Tempel,
Braut Christi
Und gekreuzigte Christa!
O du Matrone Europas,
Ich liebe dich, Tante Edith,
Schwester Benedicta,
Und danke dir für deine Liebe!
Die andere Jungfrau
Ist die Jungfrau von Lothringen:
Frankreich ward ruiniert
Durch eine sündige Frau,
Frankreich wird gerettet werden
Durch eine reine Jungfrau.
Die Jungfrau von Lothringen,
Gott hat sie gesandt,
Die Ritterin Gottes,
Die Siegerin in den Schlachten Gottes,
Heerführerin der Heerscharen Gottes!
Sankt Michael steht ihr bei
Und Margarethe, die Meeresperle,
Und Katharina, die Große.
Ihr Hymen ward geprüft,
Es war intakt.
Sie hatte keine Monatsblutung.
Sie schlief nur mit Mädchen im Zelt.
Sie trug das Banner Mariens,
Drei goldene Lilien.
Eine Lilie erhebt sich steil,
Zwei Lilien breiten sich zu Seiten aus.
Die erhobene Lilie ist die Allmacht,
Die beiden Lilien zu Seiten
Sind die Weisheit und die Schöne Liebe.
Die Jungfrau von Lothringen
Ward gekreuzigt an der Lilie,
Von der Kirche verurteilt
Als Gotteslästerin,
Wie Sokrates den Giftbecher trank,
Wie Jesus am Kreuze starb,
Starb Jeanne d’Arc den Feuertod
Und ihr letzter Schrei war:
Jesus!

REGINA SANCTORUM OMNIUM

Königin aller Heiligen,


Göttin der Mechthild von Magdeburg,
Lehre mich die göttliche Minne,
Kleine Herrin des heiligen Franz,
Lehre mich geistlich arm zu sein,
Schwester der heiligen Magdalena,
Lehre mich den göttlichen Eros,
Freundin des seligen Heinrich Seuse,
Lehre mich Frau Weisheit zu küssen,
Mutter des heiligen Augustinus,
Lehre mich Gott zu bekennen,
Diva des Dichters Dante,
Lade mich ein in den Schoß der mystischen Rose,
Jungfrau der kleinen Therese,
Lehre mich mit dem Jesuskind zu spielen,
Freundin des heiligen Franz von Sales,
Lehre mich geistige Freundschaft,
Herrin des heiligen Johannes vom Kreuz,
Lehre mich die Gottes-Ehe zu leben,
Mutter der heiligen Teresa von Jesus,
Lehre mich in der Seelenburg zu beten,
Mutter der heiligen Hildegard von Bingen,
Lehre mich die Weisheit zu schauen,
Mutter der Juliana von Norwich,
Lehre mich Gott als Mutter zu lieben,
Dame des heiligen Bernard,
Lehre mich dein Minnesänger zu sein,
Königin der heiligen Edith Stein,
Lehre mich die Kreuzeswissenschaft,
Jungfrau der heiligen Jeanne d’Arc,
Lehre mich, für Gott zu kämpfen,
Mutter des weisen Meister Eckard,
Lehre mich Gott zu gebären,
Herrin des heiligen Grignion von Montfort,
Lehre mich ganz dein zu sein,
Mutter der heiligen Teresa von Kalkutta,
Lehre mich Gott in den Kindern zu lieben,
Mutter des heiligen Papstes Pius des Zwölften,
Lehre mich mit dir den Satan zu besiegen,
Mutter des heiligen Papstes Johannes Paulus,
Lehre mich für dich die Welt zu erobern,
Schöne Dame des heiligen Juan Diego,
Liebe mich, das kleinste deiner Kinder!
REGINA SINE LABE ORIGINALI CONCEPTA

Königin, ohne Erbschuld empfangen,


Die heilige Anna will ich preisen,
Die liebevolle Großmutter Jesu!
Sie hat in einem zärtlichen Kuß
In der goldenen Pforte Jerusalems
Dich empfangen, Maria.
Du bist die makellose Konzeption,
Du bist die Heiligung
Der Empfängnis.
Der Mensch ist vom Schöpfer geliebt,
Aus Liebe zur Liebe erschaffen
Vom Augenblick der Empfängnis an.
Aber wer bist du, Maria?
Du bist die Neue Eva.
Ich sah dich heute, Neue Eva,
Ich sah dich in einem Winkel
Des Gartens Eden,
In einem winzigen Teil des Himmels.
Im Paradiese blühten die Blumen
Und waren Zeichen der Weltseele Gottes
Und die Bäume und die Gräser
Waren lebendig von der Grünkraft Gottes.
Und der kosmische Christus
Als der Architekt Gottes
Baute mir die himmlische Wohnung
In der Stadt des himmlischen Vaters.
Und aus der Grünkraft Gottes
Und aus dem Lichtglanz Gottes
Kam zu mir in einer Vision
Die Neue Eva des Paradieses,
Die feminine Liebe Gottes.
Und ich sah die Wohnung
Des Paradieses,
Da ich wohnte im Garten Eden
Mit der Neuen Eva.
Sie wandelte zwischen den Blumen
In paradiesischer Schönheit.
Sie war wie die Grünkraft Gottes,
Wie der Atem der Weltseele Gottes
Und eins mit dem Atem meiner Seele.
Und im Innersten
Unserer Wohnung in dem Garten Eden
Ruhte im Brautgemach
Der siebenten Kammer
Die Neue Eva,
Durchsichtig ihr Kleid wie Sonnenlicht,
Licht ihr Leib wie weiße Jade,
Die Königin des Paradieses,
Meine große Liebe,
Meine ewige Liebe
Im Bett der Erkenntnis Gottes!

REGINA IN CAELUM ASSUMPTA

In den Himmel aufgenommene Königin,


Herrliche Himmelskönigin,
Du kamst am Morgen zu mir,
Wecktest mich früh vom Schlaf
Und setztest dich an mein Lager
Und sprachest: Geliebter und Sohn,
Bist du bereit, zu leiden
Als Sühne für die Kränkungen Gottes?
Du wirst noch viel zu leiden haben,
Aber sei nur mutig,
Nur Mut, mein Sohn!
Mein makelloses Herz
Wird dir immer deine Zuflucht sein.
Rufe mich, wenn du mich brauchst,
Ich werde dir immer Kraft geben.
Die Gnade Gottes wird mit dir sein.
Sage nur immer, wenn du leidest:
Aus Liebe zu dir, o mein Jesus,
Und aus Liebe zum Unbefleckten Herzen
Opfre ich meine Seelenleiden
Zur Sühne für die Sünde der Welt
Und zur Bekehrung der Sünder.
Bete nur immer: Ave Maria!
Mehr will ich dir heute nicht sagen.
Da schie ich: O Maria,
Nimm mich mit in den Himmel!
Sie öffnete ihre Arme,
Von ihren Händen strömte Licht,
Sie entschwebte gen Himmel
Und sagte lächelnd im Entschweben:
Du musst noch auf Erden bleiben,
Daß die Menschen mich kennenlernen
Und liebenlernen durch dich!
Es öffnete sich der Himmel,
Auf einer goldnen Straße des Lichts
Wandelte die Himmelskönigin
Zum Weißen Throne Gottes,
Zum Weißen Thron der Schönen Liebe!
O Maria, du bist so schön,
Dein Mund ist eine rote Rose,
Königin der schönen Liebe,
Im Himmel will ich dich küssen!
DIE JUNGFRAU VON GUADELUPE

„Höre, mein liebster Sohn, und wisse, dass ich viele Diener und Boten habe, die ich mit der
Überbringung meiner Botschaft beauftragen könnte. Doch es ist ganz und gar notwendig, dass du
derjenige sein sollst, der diese Mission ausführt und dass durch deine