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DAS BUCH DER EPIGRAMME

von Torsten Schwanke

ERSTER TEIL
KARINE

AN DEN GARTENGOTT

O Freundin, möchtest du hier diese Verse lesen,


Bequeme dich und tu von dir dein keusches Wesen.
Nicht Vesta sing ich hier, Diana nicht mein Sang,
Minerva nicht mein Lied, die Joves Haupt entsprang,
Dies Lied als Tempel ist des Gartengottes Bleibe.
Schau an den Gartengott, sein Glied am Unterleibe,
Den Mantel drüber wirf, wenn du verstecken willst
Das Glied, sonst schau es an, bis du vor Liebe schwillst!

Mit rascher Hand, Priap, der du bezeugst es mir,


Schrieb ich in heiterm Spiel die leichten Verse hier,
Für deinen Garten nur, wo Tauben blähn den Busen,
Nicht wie sonst Dichter tun, ich rief nicht an die Musen
Aus diesem Garten, den die Jungfraun meiden keusch,
Sie wären nur pikiert von dem pikanten Fleisch,
Der keuschen Musen Chor, der frommen Schwestern Reigen
Darf ich den Gartengott mit seinem Glied nicht zeigen.
Doch, liebe Freundin mein, was glühend meine Hand
Gepinselt an die Wand – ob’s deinen Beifall fand?

Was spricht der Gartengott zu schönen jungen Mädchen,


Die nicht im Garten sind, vielmehr im fernen Städtchen:
Nimm alles von dem Gott, was dir sein Garten gibt,
Gib auch dem Gartengott, was ihm von dir beliebt!

Ich bin der Gott Priap, aus Holz gebaut solide.


So vieles ist aus Holz. So schau zu meinem Gliede,
Weib, dann erwisch ich dich! Was ich dann bei dir schaff,
Wie Bogensehne stramm, wie Leiersaiten straff,
Ist, dass ich dieses Glied aus Holz, das riesengroße,
In deine Rippe, Weib, in deine Rippe stoße!

Matronen, Mütter! Bleibt nur ferne diese Orte!


Nicht gern hört euer Ohr, das keusche, geile Worte!
Umsonst! Denn immer wird neugierig sein das Weib
Auf dieses harte Glied an ihres Gottes Leib!

Was soll ich meine Scham mit einem Rock verdecken?


Nie wird ein starker Gott sein Waffenwerk verstecken!
So Jupiter den Blitz hält herrlich in der Faust,
Poseidons Dreizack auch durch Meereswogen braust,
Und Mars steht stolz und stark in seiner Rüstung Glanze,
Minerva in der Hand, der Rechten, hält die Lanze,
Und Phöbus schämt sich nicht der Pfeile, die er schickt,
Nie ohne Bogen ward Diana je erblickt,
Auch Herkules tat stets die Eichenkeule zeigen,
Der Stab zeigt auch Merkur und lächelt voller Schweigen,
Auch Bacchus nicht verbarg den Thyrsos im Gewand,
Auch Amor offen trägt zur Schau den Fackelbrand!
O liebe Freundin mein, du wirst mir nicht verübeln,
Mich überschütte nicht mit Hohn aus vollen Kübeln,
Weil offen ich zur Schau gestellt mein starkes Glied!
Was wär ich, wenn ein Weib die Waffe mir entzieht?

Ihr Mädchen, kichert nur! Wie albern euer Lachen!


Praxitelesse nicht, nicht Phidiasse machen
Ein Glied. Ein Bauer wars, der schnitzte mich aus Holz.
Du bist mein Gartengott, so rief er voller Stolz.
Ihr Mädchen, kichert nur, ihr albert immer wieder,
Euch freut das große Ding am Bauch, das Glied der Glieder!

Hier, lieber Pilgersmann, im Heiligtum des geilen,


Des Gartengottes du darfst ungestört verweilen.
Schlief letzte Nacht ein Weib mit dir im Lotterbett?
Hab keine Angst, der Gott macht alle Sünden wett!
Der Gartengott hat bei den keuschen Göttern Vettern,
Der Gartengott jedoch zählt zu den Phallusgöttern.
Priapus schamlos steht, der starken Eiche gleich,
Erhebt sein stolzes Haupt zum hohen Himmelreich.
Tritt ein und freue dich an deinem Weib, du Lümmel,
Ich weiß, das Liebesspiel ist wie der dritte Himmel!

Du Garten-Wächter, was soll deine Aufsicht hier?


Was wehrest du dem Dieb den Gartenweg zu mir?
So spricht die Freundin. Ach, es soll der Dieb nur kommen!
Er kommt herein voll Lust – geht wieder schmerzbeklommen!

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Die Freundin auf dem Markt, sie tanzt vor allen Laffen
Zu Zimbeln, Tamburin und allen ihren Waffen,
Samt aller Percussion, die sie mit Händen schlägt,
Sie, die so wundervoll den prallen Po bewegt,
Sie weiht es dem Priap, dem großen Gartengotte,
Und flüstert leise dann mit leichten Lächelns Spotte:
Daß ich gefall dem Mann, der meinen Hintern sieht,
Und dass sein Glied so hart ist wie des Gottes Glied!

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Verwünschen will ich mich, wenn ich nicht das Obszöne


Verabscheu, was da geil, das lüsterne Gestöhne.
Jedoch, wenn du als Gott so offenbarst dein Glied,
Daß jede Gärtnerin des Gottes Phallus sieht,
Die Manneskraft des Glieds, dann will ich fromm und weise
Priap verehren so, indem ich Vulva preise!

12

Wir Götter allesamt, wir haben ein Symbol:


Die goldne Leier hält in seiner Hand Apoll,
Apollon aber hat die längsten goldnen Locken,
Und Herkules ist stark, auch noch am Spinnerocken,
Minervas blaues Aug, der Venus heiße Lust,
Mars, der hat dichtes Haar auf seiner breiten Brust,
Die Faune auf der Stirn die Hörner unverhohlen,
Und auch Merkurius hat Flügel an den Sohlen,
Der Ehemann Vulkan als wie ein Krüppel hinkt,
Und gar Dionysos zu viel des Weines trinkt!
Ob Bacchus, Hermes, Mars, Apoll, Minerva, Venus –
Ich, Gott Priap, ich hab den größten Götterpenis!

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Man spricht von Schönheit wohl beim Gott Merkurius,


Die Wohlgestalt Apolls, den Augen ein Genuss,
Und Bacchus ist so schön wie frischerblühte Mädchen,
Der Schönste aber ist Gott Amor in dem Städtchen
Der Götter am Olymp, wie’s jede Dame sieht.
Ich aber hab allein mein riesengroßes Glied!
Vor Eifersucht und Groll jedoch die Götter grollen,
Denn Frauen wissen wohl, was Frauen wirklich wollen!

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Priapus, höre mich! Vernarrt bin ich in eine


Der Frauen dieser Welt, vernarrt in diese Kleine,
Die sich nicht hingibt, ach, mich immer von sich weist,
Vertröstend mich allein mit ewger Hoffnung speist!
Doch wird sie jemals ein und tut sich auf dem Schwanze,
So kränze ich dein Glied mit einem Lorbeerkranze!

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Priap, dem Gartengott, zu seiner eignen Schande


Die Sichel aus der Hand ein Gartendieb entwandte.
Indessen, andres quält mein Herz, geliebte Braut,
Daß man mir Gartengott die Götterwaffe klaut!
Wenn das geschieht, verlass ich meine Heimaterde,
Verlasse Griechenland und noch zum Gallier werde!

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Priapus, hättest du so viele Pflaumen nur,


Wie Dichter Verse dir gemacht in Hochkultur,
Priap, du wärst reich, Alkinoos, der Reiche,
Dem Krösus ich sogar den Gartengott vergleiche.

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Ich bin dein Apfelbaum. Lass, Freundin, deine Klagen,


Daß ich so lange schon dir keine Frucht getragen.
Nicht litt ich an des Triebs so jugendlichem Grün,
Nicht an der Sommerzeit mit heißem Sonnenglühn,
Auch schlug der Hagel nicht den Baum und seine Äste
Und nicht die Winterzeit und all die strengen Fröste,
Kein Rabe fraß mich an und auch nicht Amsel, Star,
Nicht Krähe, Drossel, Fink und all die Vogelschar.
Am Dichter leide ich! Den Schmerz ich nicht verwinde:
Er ritzte seinen Vers in meine schöne Rinde!

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Geh schlafen, Hund! Denn schau, hoch überm Garten geht
Die Jungfrau lächelnd auf, da Sirius schon steht.

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Was für ein Jammer! Hier im Garten muss ich darben,


Da Hundstagshitze schickt schon Feuer auf die Garben,
Wo ich verdursten muss in heißer Sommersglut,
Auch preisgegeben bin jedweder Regenflut,
Auf meines Hauptes Haar der Hagel nieder hagelt,
Der junge Bursche auch in meine Rinde nagelt.
Der Götter Größter ich, den jeder Minner kennt,
Den heute jedes Weib, ach, Vogelscheuche nennt!
Unkeusche Lüsternheit von aufgegeilten Lümmeln
Erhebt als Phallusgott mich hoch zu sieben Himmeln!
Doch Fräulein Julia (ihr Name mir entschlüpft)
Ist mit der Katze heut so hübsch vorbeigehüpft,
Die doch wie Eva nicht in Liebeskünsten witzig,
Drum unbefriedigt geht allein nach Hause hitzig.

20

Nimmst du das Opfer mir, das ich mir rechtlich nahm,


Wie ist mir schwer ums Herz! Man mir das Meine nahm!
Doch was bedeutet das, sein Liebstes zu verlieren?
Du sollst es spüren, Maid, an deiner Zierrat Zieren!

21

Die Götter lassen dich und Göttinnen verhungern,


Wirst bei der Nachbarin du weiter lüstern lungern,
Beim jungen Mädchen süß, die immer zu mir kam
Und sprach von Reinheit nur und Keuschheit ihrer Scham.
Jetzt auf den Knieen sie verwundet kommt gekrochen,
Durch deinen Schwanz ist sie gekommen in die Wochen.

22

O großer Gartengott, der Phallus dich verschönt!


Doch dass dich der Poet auch so vulgär verhöhnt!
Das ist kein Grund, o Gott, dass du den Mann gerichtet!
Er dient dem Phalluskult, der Mann, der dies gedichtet.

23

Den Spaten hier, mit dem ich lockerte den Acker,


Die Schere auch, mit der beschnitt ich Zweige wacker,
Die Hacke, damit ich im Erdreich grub ein Loch,
Die Kanne auch, mit der begossen noch und noch
Ich alle Pflanzen hab, und meine Gartenkleider
Von grobem grauem Tuch, die trag ich immer (leider!),
Die lege ich jetzt ab, leg sie im Frühling ab
Und weihe sie dem Gott, dem phallischen Priap,
Und opfre sie dem Glied des großen Gottes furchtbar,
Weil Evas Garten du, o Gott, gemacht so fruchtbar!

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Die Nektarine hier, die rote Sauerkirsch,


Die Pfefferminze hier, den Bärlauch und den Giersch,
Zur Nektarine auch die saftig süße Pflaume
Und Äpfel rot und prall vom alten Apfelbaume
Und für die Kinderlein zum leckeren Genuss
Vom grünen Haselstrauch die braune Haselnuss
Und für den guten Freund vom Weinstock pralle Trauben
(Er trinkt so gerne Wein bei dem Gegirr der Tauben),
Dies alles opfre ich dem göttlichen Priap,
Weil meinem Garten Gott Priap den Segen gab!

25

Die grünen Trauben prall, die süßen ohne Kerne,


Pistazien auch mit Salz, die essen Kinder gerne,
Die braune Haselnuss und goldnen Honig süß,
Ganz frisches Sesambrot und Milch vom Paradies
Und Knoblauchzehen weiß, die mögen gerne Zecher,
Wenn sie geleckt den Wein aus beckengleichem Becher,
Dies alles opfre ich Priap im Abendrot,
Ich lad den Gartengott Priap zum Abendbrot!

26

Der Freundin Freundin starb, der Aphrodite Dirne,


Der Tod erstrahlte schon auf ihrer blanken Stirne,
Da hat die Lüsterne ihr rotes Sommerkleid
Dem phallischen Priap zu Lob und Dank geweiht
Und die Perücke auch, die trug sie allenthalben,
Und ihre Seifen auch und alle ihre Salben
Und weihte Gott Priap der kleinen Füße Schuh,
In denen sie getanzt die Tänze immerzu,
Und ihre Trommel auch und ihre Knochenflöte
(Die Flöte blies sie oft und gut zur Morgenröte),
All dies hat sie geweiht dem göttlichen Priap,
Weil ihr des Gottes Glied im Leben Wonne gab!
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Im Bett von grünem Gras lag ich mit müdem Leib,


So müd, als ob ich grad geliebt mein wildes Weib,
Priapus schaut mir zu, die Rotbrust hör ich singen,
Es schlingen sich herab laszive Efeuschlingen.
Nun aber steh ich auf, vorüber ist die Nacht.
Priapus ist erwacht – ist in mir auferwacht!

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Zum Garten gehe ich, zum Hain von starken Eichen,


Dort steht ein Gottesbild, dem Phallus zu vergleichen,
Da starrt das Riesenglied ganz dreist und schamlos nackt,
Für Aphrodites Werk geeignet, für den Akt,
Geschwollen, prall und voller Lebenssäfte,
Ein wahrer Götterglied voll großer Götterkräfte!
Ganz in der Nähe auch in diesem Gartenreich
Verzaubert lebt ein Frosch in meiner Circe Teich,
Wo in dem Tannenbaum süß gurren Turteltauben,
Am Apfelbaume schön die weißen Blütentrauben,
Die Amsel flötet süß, die Rotbrust flötet süß,
Sogar die Nachtigall im Rosenparadies,
Die Flöten blasen sie mit Atem ihrer Kehle.
Hier knie ich vor dem Gott und weihe meine Seele
Und bringe meinem Gott ein Liebesopfer dar:
Priapus, deine Macht herrscht ewig, immerdar!
Ich weihe deinem Glied ein junges Ziegenböckchen!
Erlöse mich! Du weißt, ich schmachte nach dem Röckchen
Der schönsten Freundin mein, die mächtig mich betört
Und gibt sich nie noch hin und nimmer mich erhört!
Erhöre mich und lösch in mir die Liebesflämmchen,
Dann opfr’ ich meinem Gott ein makelloses Lämmchen!

29

O Gott Priap am Strand, der Fischer Schutz und Retter!


Die Fischer geben dir zu Dank bei Sturm und Wetter
Die Opfergaben, weil du halfst mit deinem Arm,
Im Meer zu fischen den so großen Heringsschwarm.
Die Fischer weihen dir die Holzbank und den Becher,
Des Bechers Becken dir, bereit dem Wein der Zecher.
Gib du den Fischern, Gott, nach all den Leiden nun
An ihrer Freundin Brust vom Leiden auszuruhn!

30

Dir an dem Meeresstrand mit Salzgeschmack der Klippen,


Dem Freude machen an dem Fels die Meereslippen,
Die rosa Krabbe hier in weißer Schale Kleid
Wird von der Fischerin, dir Gott Priap, geweiht.
Das Kleid wird leicht geknackt, das Fleisch lässt sich befreien,
Man steckt es in den Mund. Ich will das Fleisch dir weihen,
O phallischer Priap! Die Freundin nicht mehr murrt,
Du sättigst immer sie, wenn’s ihr im Bauche knurrt!

31

Die Zeit der Seefahrt kommt. Die Schwalbe plaudert schön.


Aus Westen bläst der Wind mit seufzendem Gestöhn.
Die Felder blühen bunt. Im Meer dahingezogen,
Unaufgewühlt vom Sturm, sind seidenglatte Wogen.
So zieht den Anker hoch und löst das dicke Tau!
In jedem Hafen auf mich wartet eine Frau!
Priapus, Phallusgott, du stehst in jedem Hafen,
In jedem Hafen lass ein Weibchen mich beschlafen!

32

Auf dem umgischten Fels als Wächter steht Priap,


Der Schiffern alle Zeit den Sturm ins Segel gab.
Dem göttlichen Altar Priaps mit hartem Schwanze
Fehlt es an Opfern nicht und nicht am Lorbeerkranze.
Du wisse doch: Dem Gott gefällt das Lustgekreisch
Der Liebe besser noch als alles Opferfleisch!

33

Ich bin als Gott recht klein mit einem kleinen Schwanze,
Jedoch die Möwenschar auf wildem Wellentanze
Beschütz ich, noch so klein. Mich hat ein Fischersohn
Hier aufgestellt, Priap auf seinem Felsenthron.
Wenn je der Fischersohn mich betend fleht um Hilfe
Und Rettung an, so reich ich ihm den Halm vom Schilfe.
Denn das ist doch egal, ob klein des Gottes Glied,
Wenn einer sich im Dienst des Gottes nur bemüht!

34

Mir kleinem Gott Priap mit meinem kleinen Schwanze,


O Sohn des Fischers du, nach wildem Wellentanze
Mir bringe opfernd dar der vielen Fische Fang,
Gib Krabben, Heringe und Schollen! Sing Gesang
Und bring mit Tänzen dar den reichen Fang der Fische
Dem Gott mit seinem Glied in dieser engen Nische!
35

Schon rötlich glüht das Meer, es brüllt nicht mehr der Sturm,
Es spritzt nicht mehr die Gischt von Elfenbein den Turm,
Vielmehr es bricht die Flut aufschäumend an dem Felsen,
Der aufgeschäumten Flut Schaumwellen seufzend schmelzen!
Die Schwalbe flattert schon und macht sich schon das Nest,
Bereitet sich das Bett zum süßen Hochzeitsfest!
O Sohn des Fischers du, gehst du nun auf die Reise,
Bring Gott ein Opfer dar, denn das ist fromm und weise,
Du opfre Gott Priap und seinem Phallus keusch
Im transparenten Kleid der rosa Krabbe Fleisch!

36

Der Westwind lustvoll bläst. O helft, ihr süßen Musen!


Der Frühling öffnet schon dem Westwind seinen Busen.
Das Schiff, es gleitet schon in Meerschaum weiß wie Schnee,
Es gleitet schon das Schiff hinab in offne See.
Das stolze Segel schwillt. O Seemann, von der Reise
Bring manches Gut nach Haus, dem Segensgott zum Preise!
Priapus, sieh mich hier, ich hab dein Glied umfasst,
Bei Aphrodite war mein Vater schon zu Gast!

CORONA

Der Morgen! Zeit ists jetzt, Corona, aufzustehen,


Ich höre schon den Hahn nach seinen Hennen krähen.
Hinab ins Totenreich, verräterischer Hahn,
Schreist du das Morgenrot so lauthals krähend an
Und jagst mich zu der Schar der Knaben, die da schwatzen
Und streiten lärmend sich und schimpfen wie die Spatzen!
Tithonus, du bist alt, doch warum aus dem Bett
Jagst du Aurora früh, die Jungfrau niedlich-nett?

Die Lampe fülle jetzt, die Lampe unsrer Liebe,


Füll bis zum Rand mit Öl die Lampe, dass die Trübe
Der Nacht erleuchtet wird. Jetzt Eros herrscht allein!
Geschlossen ist die Tür. Jetzt darf ich bei dir sein.
Corona, küss mich jetzt! Jetzt werden wir im Bette
Uns lieben in der Nacht, uns lieben um die Wette!
Ist keine so im Bett voll wilder Liebesbrunst,
Denn Aphrodite selbst dich lehrte Liebeskunst.

Ich schwor Corona ja, ich liebe sie allein


Und werde Freier nie bei andern Dirnen sein.
Jedoch, was man so schwört im Liebesrausch! O Götter,
Ihr hört doch keinen Schwur, den schwört im Bett ein Spötter!
Denn heute glüh ich heiß nach einem süßen Kind,
Coronas Brüste mir jetzt nicht mehr wichtig sind.

O große Mutter Nacht, Öllampe voller Licht,


Ihr beiden seid’s allein, sind andre Zeugen nicht,
Wie ich ihr Treue schwor, die eheliche Treue,
Daß ich an ihr allein mich labe und erfreue,
Die Zeugen waret ihr für diesen Treueschwur.
Allein, was schwört man nicht im Bett aus Wollust nur!
Heut nämlich fahr ich fern in ein sehr stilles Städtchen,
Um anzubeten dort ein wunderschönes Mädchen.

Corona, liebe Frau, ich wünsche dir viel Glück!


Kannst du denn glücklich sein, bin ich noch nicht zurück?
Ich trag es länger nicht, die schmerzensreiche Trennung!
Mein Herz, es leidet an erotischer Verbrennung
Aus weißer Sehnsuchtsglut! Geh ich zum Gotteshaus
Der Göttin Artemis von Ephesos hinaus,
Vor neunzehn Brüsten dort anbetend heiß zu stöhnen,
Geh ich ins Stadtgewühl, stets strömen heiße Tränen!
Doch morgen liege ich erneut in deinem Arm,
Bis dahin wünsch ich dir Beglückung süß und warm!

Ach, Eros ist ein Vieh! Warum schafft er nicht Schmerzen


Den Tieren in dem Wald? Warum nach meinem Herzen
Muss zielen stets sein Pfeil? Warum entflammt der Gott?
Ich siech wie Kranke hin und werde ganz zu Spott!

Den Seemann rettest du, o große Aphrodite,


Aus seinem Schiffbruch? Das ist eine alte Mythe!
Hilf, Aphrodite, mir in meiner großen Not,
Mein Schiffbruch hier zu Land bedroht mich mit dem Tod!

Corona, nach dem Bad in deiner Badewanne


Mir reich den Lorbeerkranz, den Rotwein in der Kanne!
Kurz währt die Freude nur! Des Alters Abendrot
Verkürzt der bittere, gestrenge Bruder Tod!

Ja, vierzig Jahre alt Corona ist, die Tolle,


Das braune Haar wallt lang auf ihre Brust, die volle,
Wie stattlich stehn die Brüste doch, das Paar
Von Zwillingen, wie voll, wie machtvoll, wunderbar,
Kein Büstenhalter fasst, bezeugt es, o ihr Musen,
Kein Büstenhalter hält den großen Wonnebusen,
Auch Falten runzeln nicht den Leib, des Alters Geiz
Hat noch bestohlen nicht den körperlichen Reiz.
Kommt, all ihr Liebenden mit Schwellungen der Triebe,
Vergesst, wie alt sie ist, Corona schenkt euch Liebe!

10

Wo ist Praxiteles, der Aphrodite schuf


Als Marmorstatue aus göttlichem Beruf?
Wer malt denn heut das Bild, begeistert von den Musen,
Wer malt Coronas Mund und ihren Wonnebusen,
Wer malt des Beckens Schwung, den Fuß im Reigentanz,
Wer malt das Meeresblau in ihrer Augen Glanz?
Ihr frommen Künstler, kommt, begeistere euch Amor,
Corona bildet ab im Götterbild von Marmor,
Holt aus dem Marmorstein die Herrliche heraus
Und stellt das Venusbild dann in dem Tempel aus!

11

Du goldner neuer Mond, ihr funkelnd lichten Sterne,


Dem Ozean im Arm, Corona ist mir ferne!
Wie ließ sie mich im Stich doch, die gesalbte Frau,
Sechs Tage blieb sie fern! Wie listig sie und schlau!
Ich suche weiter nach Corona, sie zu minnen!
So eilt und sucht sie mir, der Charis Charitinnen!

12

Dem Gott am Meeresstrand, dem bring ich Opfer dar,


Bring dar das Opferbrot und flehe immerdar!
Ich reise übers Meer. O Venus, hab Erbarmen,
Laß bald Corona mich umfangen mit den Armen!
Sei meine Führerin zur Liebe, Venus, ach,
Du herrschst am Meeresstrand so wie im Schlafgemach!

13

Die Knaben liebt ich sonst, doch heute junge Mädchen,


Die Mädchen jung und schlank, die Lieblichsten im Städtchen.
Nicht im Gymnasium ich treibe mehr den Sport,
Ich tanz mit Weibern jetzt, ich tanze fort und fort,
Ich tanz den Wiedehopf, ich tanz den jungen Gimpel,
Ich tanz zum Klapperblech, zum Trommel und zur Zimbel,
Ich liebe Schminke sehr, die Lippenschminke rot,
Ich lieb das Lippenpaar, das mir die Liebe bot!

14

Corona, sagt ich nicht, wir beide werden alt?


Corona, ach, gekrümmt die leibliche Gestalt,
Nicht lustig mehr wie sonst die Wonnebrüste wippen,
Nicht lächelnd locken mehr die Zunge und die Lippen.
Und wer besucht dich noch? Du liegst ja schon im Grab!
Der Pilger in der Hand hält seinen Pilgerstab.

15

Gott Eros spendet Glück! Ich bin Coronas Sklave,


Ich bin ihr Stier im Joch! Corona, Salve, Ave!
Ergeben hab ich mich Corona recht und schlecht
Und bin ihr Domestik, ihr Sklave und ihr Knecht.
Ich suche Freiheit nicht, nicht Freiheit von der Liebe!
Corona, Herrscherin, ich Sklave meiner Triebe,
Ich lieb dich sklavisch bis ins hohe Alter noch,
Die Liebe liebt dich noch in deinem Grabesloch!

16

Wenn zu Corona ich mich schleiche in der Nacht,


Mich schleich zu ihr, wenn im Zenit die Sonne lacht,
Ist immer mir doch so, als ob ich droben stünde
Auf einem Gipfel und in starrende Abgründe
Beinahe stürze ab! Mein Herz, wie du auch bangst,
Cupido bannt die Furcht, Cupido bannt die Angst!

17
Ob deine Haare braun in langen Locken wallen,
Ob schwarz sie sind und kurz, die Haare mir gefallen,
Das kurze schwarze Haar, die braune Lockenflut,
Selbst noch im grauen Haar steckt Eros voller Glut!

18

Heut, ach Corona, heut, heut bist du zu mir mild,


Jetzt, wo du nicht mehr gleich der Venus Marmorbild,
Jetzt scherzt du nett mit mir, nennst mich dein Wohlgefallen,
Jetzt, wo die Haarflut nicht mehr hüllt der Brüste Wallen!
Nein, komm mir nicht zu nah! Ich, voll des Gottes Zorn,
Wähl statt der Rose nicht den spitzen scharfen Dorn!

19

Corona, du bist wie die Königin der Bienen,


Wie Honig bist du süß, tust du mich nett bedienen,
Von deinen Lippen tropft der süße Wabenseim.
Jedoch, o Musen, helft und schenkt mir einen Reim,
Die Bienenkönigin bist du, die königliche,
Wenn tödlich spendet mir dein Stachel böse Stiche!

20

Gewiss, ich sterbe auch! Und werd ich alt und krank
Verscheiden oder jung? Den Göttern Preis und Dank!
Ob ich mir huste aus die angegriffne Lunge?
Ob jung ich sterb, im Arm das nackte Weib, das junge?

21

Der Augen blaues Meer! Der Haare Locken braun!


Wollüstig voll der Mund, genüsslich anzuschaun!
Schneeweiß der Schwanenhals, umschmeichelt von den Locken!
Der Brüste Wundermacht wie große Tempelglocken!
Seh ich jedoch ein Haar in deiner Mähne grau,
Ich schau nicht hin und geb darauf nicht acht, o Frau.

22

Frau Armut quält mich sehr, noch mehr quält mich Frau Liebe!
Den Hunger halt ich aus, doch nicht der Venus Triebe!

23
Ich kam und sah und – Sieg! Will jetzt zufrieden sein.
Wer die Geliebte ist, weiß Cypria allein.

24

Wir beide schworen einst uns Treue, ja, bei Eros!


Die Liebesgöttin du und ich geliebter Heros!
Doch du betrogest mich und hast mich ausgelacht!
Ich lieb dich weiter treu, so groß ist Eros’ Macht!

25

O großer Todesgott! Corona voller Lüste


Sah dich an ihrem Bett, sie schlug sich an die Brüste!
Ich warte auf den Tod, ich warte unentwegt,
Doch dass Corona nur sich an die Brüste schlägt!

26

Berauschend war ihr Mund, der Lippen weiches Paar,


Ihr lieber Plaudermund, liebkosend wunderbar,
Die Augen waren klar bei feingewölbten Brauen,
Wie sanft und liebevoll ins Herz die Augen schauen!
Und erst die Brüste, oh, wie Milch und frischer Schnee!
Ich ewiglich im Geist der Herrin Brüste seh!

27

Ah, Knabe Amor, ah, du tötest mit dem Pfeile


Mich, deinen ärmsten Knecht! Den Andern ists zum Heile,
Denn weil du dein Geschoss mir bohrst ins Herz allein,
Kann all die andre Welt im Leben glücklich sein!

28

Die vierzig Jahre, ach, nicht mindern deine Schöne,


Noch sehe ich voll Brunst und brennendem Gestöhne
Auf deinen vollen Mund und deine volle Brust,
Dein Busen bebt noch heut als Inbegriff der Lust!
In deiner Jugend warst du schön wie eine Göttin,
Da, Aphrodite, du im Bett warst meine Gattin!

29

Gott Jove kam als Aar zu Ganymed dem Kind,


Zu Leda kam der Gott im Schwan. Mir beide sind
Gleich lieb und liebenswert, ich will sie beide haben,
Die Nymphe für den Schwan, den Adler für den Knaben.

30

Jetzt endlich war ich mit Corona ganz allein,


Da hielt ich ihre Hand mit stiller Sehnsuchtspein:
Ich bin dem Tod geweiht, der Geist verlässt die Glieder,
Corona, gib mir doch das liebe Leben wieder!
Sie weinte liebevoll viel Tränen für und für
Und schob mich zärtlich dann, ah weh, hinaus zur Tür.

31

Das Leben ist zum Glück! Fort mit den bittern Sorgen!
Das Leben währt nur kurz! Vom Abend bis zum Morgen
Beglücke Bacchus mich, die Blüte einer Au,
Der Lorbeerkranz, der Tanz und die geliebte Frau!
Genießen will ich dich! Laß, Weib, die Augen schimmern!
Denn morgen sterben wir, im Schattenreich zu wimmern!

32

O Gott! Ich ahnte nicht, dass Venus badet nackt


In diesem offnen Bad! Ich sah das Bild als Akt!
Corona, bist das du? Ich sehe dich verschwommen...
Hast Aphrodite du die Schönheit weggenommen?

33

Wie Venus war sie schön, Corona war so schön,


Ich liebte sie mit Glut und loderndem Gestöhn,
Sie lächelte mich an und bot mir ihre Liebe,
Da nahm ich sie und sie befriedigte die Triebe!
Jetzt wird sie Mutter und die Brust schwillt an vor Milch!
Jetzt bleibe ich bei ihr. Ich bin ein armer Knilch.

34

In ihrer Jugend war sie voll von Liebesreizen,


Die Brüste taten nicht mit Liebeswonnen geizen,
Mit Liebe geizten nicht die Zunge und der Mund
Und auch die Perle nicht in ihrer Muschel Grund!
Jetzt aber ist sie alt, die grauen Haare schmücken,
Sie hat auch keine Lust mehr, gnädig mir zu nicken.
CORINNA

Corinna ist mir treu, die Städte ruiniert,


Das Portemonnaie entleert, dass sie mit Schmuck sich ziert,
Im Morgentraum lag sie bei mir, im Morgengrauen,
Ganz splitterfasernackt, die Lüsternste der Frauen,
Zu heiligem Genuss, ganz wie es mir gefällt,
Auch musst ich zahlen nicht für ihre Lust mit Geld.
Nicht flehen musst ich mehr um Gnadengunst der Süßen
Und vor der Grausamkeit nicht Tränen mehr vergießen!
Umsonst hab ich die Lust im Morgentraum gehabt,
Corinna hat mich da erquicket und gelabt.

Wie süß das Küsschen ist Corinnas, wenn sie leicht


Mit ihrer Zunge mir die Lippe lieb bestreicht,
Mit Küsschen nicht allein, nein, ihre Küsse taugen,
Das Mark der Seele mir aus meinem Fleisch zu saugen!

Nicht Edelfrauen schätz ich hoch mit stolzen Stirnen,


Ich liebe Sklavinnen der Lust, die leichten Dirnen.
Die Edelfrauen, ach, sind lieblos und sind stolz,
Wie sehr du dich bemühst, sie sagen nur: Was solls!
Die Dirnen aber sind, und sind sie noch so billig,
Sie sind doch wunderschön und auch zur Liebe willig!

Nein, nicht die Mädchen eng und auch nicht eine Alte
Mit ausgeleierter und abgenutzter Spalte,
Sie reizen mich nicht mehr! Wie Mädchen albern sind,
So hab ich Mitleid nur mit diesem dummen Kind.
Die Alte aber flößt mir Ehrfurcht vor der Würde
Des Alters ein und vor der grauen Haare Bürde.
Jedoch die reife Frau, das reife Wonneweib!
Geschaffen ist zur Lust des reifen Weibes Leib!
Die Schönheit ist sie selbst in ihrer höchsten Blüte!
Sie zieht mich ins Gemach, ins Bett der Aphrodite!

5
Corinna, selbst sollst du so ruhn, wie ich im Froste
Vor deiner Türe lag, entfernt von allem Troste!
Treulose Hure du, nun bist du gar nicht nett,
Du lässt mich nicht mehr ein in dein wollüstig Bett!
Sind voll Barmherzigkeit die Nachbarn, die im Raume
Mir gaben roten Wein. Du nicht einmal im Traume
Erbarmst dich über mich mit deiner Brüste Paar?
Bald aber straft dich Gott, wenn ausfällt dir das Haar!

Corinna, höre nicht auf deiner Mutter Rat!


Verlasse ich auch jetzt die heimatliche Stadt
Und zieh ins ferne Land, nicht achte aufs Gerede
Der Weiber dieser Welt! Verlache kräftig jede!
Du lebe heiliger als ich und hab nur Mut,
Denn Heil wird dem beschert, der Armen Gutes tut.
Ernähre dich gesund. Du sollst mir Briefe schreiben
Von dem, was dir gefällt, in dieser Welt zu treiben
Und wo an welchem Strand du in der Glut des Sands
Gebettet liegt im Arm von welchem dummen Schwanz.
Sei sparsam mit dem Geld! Wenn jene, die dich ficken,
Dir geben etwas Geld, so sollst du mir was schicken!
Und wirst du schwanger gar, so bring das Kind zur Welt –
Ein Nest ist doch bereit für jeden jungen Held!

Wer schlug mich, welcher Narr, mich jagend aus dem Hause,
Da ich gebetet fromm in Aphrodites Klause?
Da war er überrascht, der mich bei dir ertappt,
Wie ich mit dir vereint gevenust und priapt!
So ist der Weiber Art: Der Gott steht in der Nische!
Jetzt aber geb ich acht, dass keiner mich erwische.

Die eine schöne Frau ist keusch, zu frostig, allzu keusch,


Sie gibt sich niemals hin, erquickt mir nie das Fleisch!
Die andre schöne Frau, gewillt mich zu erquicken,
Schon in der ersten Nacht ließ sie sich willig ficken!

Corinna, weißt du noch, wie ich halbnackt dich fand,


Des andern Mannes Schwanz in deiner rechten Hand?
Bei Sankt Pythagoras und seiner Mystik Schweigen –
Ich will allein als Geist in deiner Schönheit zeugen!
Doch du suchst einen Mann, der in Geduld erträgt,
Wie du die Ehe brichst, doch der dich niemals schlägt.

10

Corinna, weißt du noch, wie wir uns kennen lernten?


Ich ging im Abend, dem vom Venusstern besternten,
Und grüßte dich: Grüß Gott, bei Aphrodite, Weib,
Wie ist dein Name, Weib? Wie lüstern ist dein Leib! –
Corinna heiße ich, ich danke für dein Winken! –
Corinna, schönstes Weib, komm, mit mir Wein zu trinken! –
Gut, junger Mann, doch wo? – O Weib, komm in mein Haus,
Wir saufen Becher da voll roten Weines aus! –
Freund, ich will einen Brief der Busenfreundin schicken,
Jetzt aber hab ich Zeit, gut, lass uns lustvoll ficken!

11

Ich, die Corinna, ließ drei Männer mich begatten,


Befriedigt habe ich zu gleicher Zeit drei Latten!
Ja, lieber Herzensfreund, nicht so verlegen glotze:
Der Erste vögelte von vorne in die Fotze,
Der Zweite fühlte sich schon fast im Paradies,
Als ich ihm mit dem Mund die Jubelflöte blies,
Der dritte Freier, das war der gewaltig barsche,
Von hinten fickte er und trieb es in dem Arsche!
Ah, Wollustorgie! Ah, freie Liebe groß!
Dir schenk ich, liebster Freund, den Mund, den Arsch, den Schoß!

12

Wenn die Geliebte ist mit einem Sohne schwanger,


Dann pflüge nicht das Feld und ackre nicht den Anger,
Indem du offen schaust ihr in das Angesicht
Und liebend dich versenkst in ihrer Augen Licht,
Zu sehr wölbt sich der Bauch, der mütterliche, dicke,
Nein, Aphrodite dann in ihren Hintern ficke!

13

Corinna, dieses Weib mit Wangen rosenrot,


Ich bog sie auf das Bett und war ihr Frauengott,
Da sie umklammerte mich straff mit strammen Schenkeln,
Die Aphrodites Werk beherrscht gleich den Engeln!
Wie schwamm ihr feuchtes Aug, im Auge licht ein Blitz,
Wie bäumte sich ihr Leib, da ich gefickt den Ritz!
Den Samen ich ergoss, da ich sie heiß begattet,
Und die Bacchantin lag in meinem Arm ermattet!

14

Grad sah ich sie im Bad, wie Silber ihre Füße,


Sie wusch die Brüste sich, das Zwillingspaar so süße,
Das zitterte der Po, das Hinterbackenpaar,
Wie Milch und Rosen, o, der Po war wunderbar!
Des Venushügels Scham verbarg sie mit den Händen,
Doch schaute ich das Haar dicht zwischen ihren Lenden.

15

Mit Eifer fickte ich die braungelockte Frau!


Zu lachen fing ich an und lachte: Liebchen, schau,
Die zwölfmal wir gefickt, Corinna, morgen heiter
Wir ficken voller Brunst mit Kunst der Liebe weiter!
Ich fick dich zehnmal dann, vielleicht auch zwölfmal dann!
Corinna, du allein machst mich zum starken Mann!
Am nächsten Morgen kam Corinna in mein Zimmer,
Da sagte ich zu ihr: Es wurde immer schlimmer,
Ich hab die ganze Nacht allein an dich gedacht –
Da hab ich mir es selbst mit meiner Hand gemacht.

16

Corinna sprach: Gespürt hab ich im Liebeskuss


Des Mannes Seele, ach, im zärtlichsten Genuss,
Wie seine Seele heiß begehrt vor allen Dingen,
In meinen weichen Mund wollüstig einzudringen!

17

Ich bin der Apfel, ich bin deiner Schönheit Preis!


Wir welken beide hin, Geliebte, ach ich weiß,
Drum mögest du voll Huld und Gnade gnädig nicken
Und in der ersten Nach gleich sehr wollüstig ficken!

18

Du mit der Rose rot, du wunderschönes Weib,


Gibst du die Rose mir, gibst du mir deinen Leib?

19

Im Badezimmer du, ich bad in Flammenwogen,


Ergieße mich, bevor ich ganz mich ausgezogen!

20

Weg, transparentes Kleid! Nicht Ephyra nicht verdecke!


Schwenk deinen prallen Arsch! Ja, bück dich in der Ecke!
Das transparente Kleid, nur hingehauchter Hauch,
Lässt sehen mich den Slip und deinen weißen Bauch!
Hast du an Transparenz viel Freude, lichtem Glanze,
Zieh transparent ich an das Gummi meinem Schwanze!

21

Ich lob die Tänzerin, die lüstern da im Tanz


Den Schlangenleib bewegt (im Maul der Schlangenschwanz!),
Die alten Männer stehn mit abgenutzten Schwänzen
Und sehn dem Weibe zu bei ihren Schlangentänzen,
Die dem Genießer nun mit ihrer Rechten naht
Und packt den Schwanz und reibt, da steht der Ständer grad,
Dann mit der Zunge kommt sie an, den Schwanz zu lecken –
Sie wird den Toten aus dem Hades auferwecken!

ZWEITER TEIL
EVI

Sie, die die Stadt in Flammen setzt, Evi, die heilige Hure,
Deren Atem nach Gold duftet. Mein innigster Wunsch
Lag ihr nackt bei in meinem Traum die Stille der Nacht lang,
Bis die Dämmerung kam, da ward alles zu Nichts.
Nicht mehr werde ich in dem Loch der grausamen Schönheit
Mich beweinen, der Schlaf hat mir ja alles gewährt.

Angebrochen der Tag, o Evi, zur steigenden Frühe


Lauthals krähte der Hahn. Neidisch der Dämmerung Fluch
Komme auf dich von den neidischen Hühnern, o krähender Gockel,
Denn du treibest mich weg von dem gemütlichen Haus
Auf das unermüdliche Schnattern der Hühner hin, Gockel.
Alt geworden bist du, Tithonus, oder warum
Jagst du deine Gemahlin Eos so früh aus dem Bette?
Warum bleibst du denn nicht bei der Geliebten im Bett?
3

O mein Sklave, berausch mich mit dem Öle der Lampe,


Sie ist stumm und vertraut mit dem Geschehen der Nacht,
Und dann geh, denn Eros liebt keine lebenden Zeugen,
Und, mein Sklave, dann schließ hinter dir leise die Tür.
Dann, geliebte Evi... Lernen sollst du in meinem
Bett der Liebenden Kunst, Kypris’ Mysterienkult!

Josef Mayer kaufte mich, diese silberne Lampe,


Die vertrauliche Magd heimlicher Liebe zur Nacht,
Und jetzt bleib ich an ihrem Bette, mit Blick auf die Unzucht
Abgefallenen Weibs. Aber du, Josef, du bleibst
Besser wach, geplagt von der grausam schlechten Behandlung,
Und wir brennen, wir zwei, weit voneinander entfernt.

Liebe Lampe, dreimal schwor Josef der lieblichen Evi,


Der hier anwesenden Frau, zu ihr zu kommen zur Nacht,
Liebe Lampe, du verlöschst. Ein Gott nehm den Lichtschein
Dem betrügenden Weib, die einen andern umarmt.
Wenn sie mit einem Freund zu Hause treibt Spiele der Liebe,
Soll ihr nicht scheinen das Licht, sondern soll Finsternis sein.

Ich, dein Josef, wünsch alle Freuden der süßesten Evi,


Wenn sie Freude und Lust von mir empfangen denn mag.
Deine Augen unterstützen nicht mehr diese Trennung
Und mein einsames Bett, ohne dich mag es nicht sein.
Schon in Tränen gebadet, geh ich zum Tempel der Jungfrau
Artemis, morgen wird mich wieder empfangen die Stadt,
Und ich werde dem Licht deiner Augen zufliegen, Evi,
Tausend Segnungen dann ruf ich der Reizenden zu.

Warum greift Eros nicht an mit seiner Gottheit die Tiere,


Sondern immer den Pfeil bohrt in mein menschliches Herz?
Welch ein Gewinn für einen Gott, zu verbrennen den Menschen,
Oder was für ein Preis wird bei dem Sieg ihm zuteil?

8
Aphrodite, wenn du denen hilfst auf dem Meere,
Rette mich, Göttin, am Land liegt mein vernichtetes Schiff.

Lass uns baden, Evi, mit Kränzen auf unseren Köpfen,


Trinken wir reinen Wein, heben den heiligen Kelch!
Kurz ist die Jugendzeit der Wollust! Das weisere Alter
Uns dann alles versagt, ach, und zuletzt kommt der Tod!

10

Evi hat vollendet fünfzig Jahre, doch ist die


Masse der Haare noch schwarz, wie in der Jugend es war,
Und noch sind die Marmorkugeln der Brüste sehr standhaft!
Faltenlos ist die Haut und von Ambrosia-Duft
Und betaut von einer großen Faszination und
Tausender Grazien Gunst! Alle ihr Liebhaber, ihr,
Deren heftige Wünsche nicht schrumpfen, ihr kommt zur Geliebten
Trotz des fünften Jahrzehnts, denkt nicht wie alt sie schon ist.

11

Evis Kuss ist süß, gehts um den Machtbereich ihrer


Lippen, wenn sie nur leicht schmecken des Liebhabers Mund.
Aber sie berührt nicht mit dem Rande der Lippen,
Mit der Spalte des Munds saugt sie die Seele mir aus!

12

Wo ist Praxiteles, wo sind die Hände Poliklets, welche


Leben gaben der Kunst? Wer kann gestalten die Form,
Welche Evis Locken bilden, oder von ihrem
Feurig blitzenden Aug oder vom schwellenden Mund?
Wo sind die Bildhauer, wo die Schnitzer in Stein? Solche Schönheit
Wie einer Göttin Bild hat einen Tempel verdient!

13

Golden-gehörnter Mond und all ihr funkelnden Sterne,


Leuchtend strahlt ihr herum, sinkt in des Ozeans Schoß,
Schaut doch her, denn die parfümierte Evi ist fort und
Hat mich verlassen, schon lang such ich vergeblich die Frau.
Aber wir werden sie unbeschadet einfangen wieder,
Aphrodites Hund schicke ich ihr auf die Spur.
14

Hüterin der wellenschlagenden Ufer, o Kypris,


Siehe, ich sende dir dieses geröstete Brot
Als ein schlichtes Geschenk zum Opfer. Morgen befahr ich
Das Ionische Meer, eile in Evelins Schoß.
Gnade gib für die Lage meiner brennenden Liebe,
Strandes Königin du, Königin schäumenden Meers.

15

Wir, die wir keine Freude haben an teuren Intrigen,


Wir sind lieber nicht Knecht reicher und vornehmer Fraun,
Diese riechen nach Parfüm und geben sich Düfte
Ihres besitzenden Stands, sind bei dem Treffen stets kühl.
Duft und Charme einer Herrin ist ihnen eigen, ihr Bett ist
Aber niemals bereit. Ich ahme Phyrrus nach, Sohn
Des Achilles, der nicht die reiche Andromache liebte,
Sondern Hermine mehr liebte, die einfache Magd.

16

Ich hab behauptet, von reinen Knaben noch immer zu schwärmen,


Doch jetzt bin ich verrückt nach den erwachsenen Fraun.
Statt der Rassel des Knaben lieb ich das Loch eines Weibes.
Statt des Knaben Teint seh ich jetzt weibliches Rouge.
Nun der Delphin ist zu füttern im erymanthischen Walde
Und zu füttern der Hirsch ist in der gräulichen See.

17

Nein, ich will nicht ein junges Mädchen, die unreife Jungfrau,
Sondern will einen Bund mit der gereifteren Frau.
Unreife Trauben und Rosinen habe ich nicht, doch
Schönheit, reif fürs Gemach und für die Freuden des Betts.

18

Habe ich dir nicht gesagt, o Evi, wir werden alt, und
Hab ich vorhergesagt nicht, dass die Zerstörung bald kommt
Jugendlicher Liebe? Jetzt sind die Falten da und das
Schwarze Haar wurde grau und auch der Leib wurde welk
Und dem strengeren Mund fehlt all sein früherer Zauber.
Fleht jetzt jemand noch an all deiner Liebreize Stolz?
Nein, ich liebe eine andere, weisere Weise:
In dem Schoße des Grabs leben wir beide vereint...
19

Eros, der gute Geber der süßen Gnadengeschenke,


Gab mich, Evelin, dir als gehorsamen Knecht,
Brav im Joch zu gehen, das Joch auf duldsamem Nacken,
Eros bog sich vor Lust, hat meinen Willen gebeugt.
Allen meinen eignen Wünschen musst ich entsagen,
Nun bin ich arm und ein Knecht, frage nach Freiheit nicht mehr,
Nie, meine Liebe, mehr frei, bis ich alt und grau bin geworden.
Möge kein Böser Blick je schaun auf unseren Bund.

20

Mögest du so schlafen, Evi, wie du mich schlafen


Lässt vor dem kalten Portal, schlafe so grausam du auch,
Wie du jenen wegschicktest, welcher gern mit dir schliefe!
Nicht von Mitleid ein Hauch hat dich barmherzig berührt!
Ach, die Nachbarn hatten Mitleid mit mir und Erbarmen,,
Aber du keinen Hauch hattest von Mitleid mit mir.
Eines Tages werden dir werden grau deine Haare,
Dann erinnere ich dich wie so grausam du warst.

21

Meine Seele warnt mich, vor Eros und Evi zu fliehen,


Denn die Tränen kenn gut ich, die Eifersucht auch.
Eros gebietet, aber ich hab nicht die Stärke zu fliehen,
Denn das schamlose Weib sagt mir: Verlasse mich doch!
Aber während sie mir sagt, ich soll sie verlassen,
Küsst sie mit Leidenschaft mich auf den durstigen Mund.

22

Immer, wenn ich in Evis Armen liege, am Tage


Oder waghalsiger noch tief in der Schwüle der Nacht,
Weiß ich, dass ich geh meinen Weg am Rande des Abgrunds,
Rücksichtslos jedes Mal ich dies mein Leben vergeud.
Aber was nützt es mir das zu wissen? Mein Herz ist so voll und
Wenn mich Eros führt, dann kennt mein Herz keine Angst.

23

Ob ich dich sehe, Herrin, mit glänzenden Locken der Raben


Oder auch hennarot, immer derselbige Charme
Leuchtet um deinen Kopf. Denn wahrlich, Eros erhebt sich
Herrlich in deinem Haar, sind auch die Strähnen schon grau!
24

Wo ist jetzt der bewunderte Glanz deiner ruhmreichen Schönheit?


Wo ist die stolze Stirn, wo der verächtliche Sinn,
Wo dein schlanker Hals, wo der Füße Goldkettchen? Jetzt ist
Ungepflegt, schmucklos dein Haar, du gehst in Lumpen umher.

25

Nun, ich bin derart von ihrer Gnade begünstigt,


Sie wünscht mir Guten Tag, jetzt wo das marmorne Weiß
Weg von den Wangen, jetzt albert sie mir mit, wo die Locken
Ausgefallen sind, die sonst so stolz warf den Hals.
Komm mir nicht zu nahe, triff mich nicht, Spötterin Evi!
Rosen wollte ich, Brombeeren wollte ich nicht.

26

Süßigkeiten sind süß, wer leugnet das? Aber wer Geld will,
Macht die Süßigkeit bitter wie Tabakgestank.

27

Alles was Homer sagt ist gut gesagt, aber am besten,


Wenn er Kypris die Goldene nennt. Denn, mein Freund,
Wenn du die Münzen bringst, dann gibt’s keinen wehrenden Pförtner,
Und es wird nicht der Hund widerlich bellen am Tor.
Aber wenn du ohne Geld kommst zu der Geliebten,
Vor der verschlossenen Tür bellt dich der Höllenhund an.

28

Früher gab es drei Grazien, eine goldene, eine


Silberne, eine von Erz. Evelin ehrt noch den Mann,
Selbst wenn er alt ist, und sie küsst das eherne Männchen,
Wendet den Rücken nicht zu auch einem silbernen Mann.
Sie ist eine weise Frau, wie Nestor so weise.
Zeus brachte Danae einhundert Goldmünzen einst.

29

Du tust alles, o Bine, wie deine Namenspatronin.


Ja ich weiß das und das geht mir zu Herzen. Dir tropft
Honig von den Lippen, küsst du zärtliche Küsse,
Bittest du aber um Geld, stichst du als Stachel ins Fleisch.
30

Du hast dich ergossen als ein Goldregen, Vater


Zeus einst auf Danae, dass sich das reizende Kind
Dir ergeben konnte wegen des goldnen Geschenkes,
Musste nicht zittern vor Furcht, weil du ein heiliger Gott!

31

Zeus kauft für Goldregen Danae, ich für Goldmünzen Evi,


Denn ich bin nicht so reich wie der allmächtige Gott.

32

Ich beurteile Reize dreier Weiber, sie selber


Wählten zum Richter mich aus, zeigten sich splitternackt mir.
Wenn einst Paris, der die drei Göttinnen hatte beurteilt,
Diese drei Weiber gesehn, wär es nicht Lüge, dass er
Nicht mehr hätte gewünscht, die Göttinnen sichtbar zu sehen,
Denn die nackigen drei Weiber sind reizender doch.

33

Julia und Karina und Evi strebten mitsammen,


Wählten zum Richter mich, wie die drei Göttinnen einst,
Hochberühmt für ihre Schönheit, standen sie nackig,
Wie in Nektar getaucht. Ich aber wusste genau,
Was einst Paris erlitten wegen des Urteils der Schönheit,
Ich gab den Siegespreis jeder der reizenden drei.

34

Nimm nicht in die Arme die Frau, die hager und mager,
Noch die Frau, die zu dick, goldene Mitte erwähl.
Denn die erste hat nicht genügend Rundungen weiblich
Fett ist die zweite. Erwähl Mangel nicht, Überfluss nicht.

35

Eine feine und weitgehend gutgebaute Geliebte,


Marcus, zieht mich an, ob in der Blüte sie ist
Oder eine reifere Dame. Denn wenn sie jung ist,
Klammert sie eng sich an einen erwachsenen Mann,
Aber wenn sie reiferen Alters ist, o mein Marcus,
Treibt sie Fellatio mit mir, so wie ich es mag.
36

Muss ich nicht sterben? Welche Pflege werde ich haben,


Wenn ich im Hades geh um als ein dürres Skelett?
Ich werde viele haben müssen, die mich dann tragen,
Denn so schwach bin ich dann dort in des Schattenreichs Nacht.
Wenn es noch geht, so bin ich eben heiter auf Erden
Und verpasse kein Mahl, keinen berauschenden Trank.

37

Höre nicht auf deine Mutter, Evi, Geliebte,


Einmal ists Mitternacht, löscht das Laternenlicht aus.
Achte nicht auf solche, die sich belustigen wollen
Über uns, sondern gib frech eine Antwort dem Pack!
Lass nichts unversucht, du wähle die eigene Wohnung
Und den eigenen Stil, wenn du ein Schreiben verfasst.
Sag mir, dass es dir gefallen, dass ich dich besuchte,
Und verhalte dich gut, bleibe der Liebe stets treu.
Wenn du was für die Miete braucht und für einen Mantel,
Evi, frage mich nur, ich geb dir gerne das Geld.
Wenn du schwanger bist, Geliebte, gebäre den Knaben,
Einst wird er merken schon, wer heißt da Vater mit Recht.

38

Wer hat dich so geschlagen und drehte sich nackt von dir weg, wer
Hatte so steinern ein Herz, Augen nicht freundlich zu schaun?
Kam er zur Unzeit und fand sie mit einem Freier beschäftigt?
Solche Dinge geschehn. Alle die Weiber tun das.
Aber in Zukunft, wenn jemand bei dir drinnen ist, Liebchen,
Und ist draußen dein Mann, schließe die Türe fest zu.

39

Ich mag nicht das Weibchen, dass zu lüstern und geil ist
Und nicht die prüde Frau, die doch frigide nur ist.
Denn die erste gibt ihre Zustimmung allzu geschwinde
Und die zweite gibt allzu unwillig ihr Ja.

40

Hat ein Mann sein Mädchen weggeschickt, nur weil sein Mädchen
Einen Liebhaber nahm, schuldig geworden ist sie
Doch des Ehebruchs. Könnt er wie Pythagoras schweigen!
Also, mein liebes Kind, Tränen betaun dein Gesicht.
Wirst du zittern vor Angst vor des Wahnsinnigen Türe?
Wisch die Tränen ab, hör auf zu weinen, mein Schatz.
Siehe, wir werden finden einen anderen Reichen,
Der nicht so gut darin ist, uns zu entdecken im Bett.

41

Evi und Karina, die beiden heiligen Huren,


Reiten hoch zu Ross fort aus dem Hafen. O flieht,
Alle, die ihr jung seid, vor Aphrodites Piraten,
Wird, wer angreift, versenkt, wird dann verschlungen vom Meer.

42

Siehe, ein junges Mädchen erhöht ihre niedlichen Brüste


Nicht durch weise Kunst, sondern durch Mutter Natur.

43

„Guten Abend!“ – „Guten Abend auch!“ – „Wie ist dein Name?“ –


„Wie ist der deine denn?“ – „Sei nicht so neugierig, Weib.“ –
„Dann eben nicht.“ – „Bist du beschäftigt?“ – „Bereit bin ich eben,
Mich zu beschäftigen mit jedem der willig nur ist.“ –
„Willst du vielleicht zum Abendessen kommen heut Abend?“ –
„Wenn du gerne es willst?“ – „Was wird es kosten an Geld?“ –
„Gib mir nicht alles im Voraus.“ – „Das ist seltsam.“ – „Du gib nur,
Was du mir geben willst nach der Vereinigung Akt.“ –
„Das ist gerecht. Wo wohnst du? Ich schicke dir dann die Belohnung.“ –
„Wo ich wohne, das sag ich dir dann in dem Bett.“ –
„Und wann kommst du?“ – „Zu jeder Zeit, sobald du es möchtest.“ –
„Jetzt will ich schlafen mit dir.“ – „Gut.“ – „Also gehen wir schnell.“

44

Oft hab ich gebetet, Evi, dich in der Nachtzeit


In meiner Liebe mit heißen Liebkosungen dich
Lieben zu dürfen. Und jetzt bist du mir nahe, nackenden Leibes,
Und jetzt bin ich ganz matt, ach jetzt ist müde mein Glied.
Elendes Glied! Was ist dir widerfahren? Erwache!
Oder einige Zeit ich nicht gewähr dir die Lust!

45

Golden die Augen, die Wangen kristallen, die Lippen


Wie eine Rose rot, schneeweiß wie Marmor der Hals
Und die Brüste poliert, die Füße lichter als Silber,
Lichter als das Silber des Meers, Thetis, der Göttin des Meers.
Wenn die Brennnessel glänzt inmitten des schwärzlichen Haares,
Ich beherzige doch nicht die Nachwirkung davon.
46

Armut und Liebe sind meine beiden irdischen Leiden.


Armut trage ich leicht, Liebesweh trage ich schwer.

47

Ich verliebte mich, ich küsste, ich wurde begeistert,


Ich genoss! Bin geliebt! Aber wer bin ich denn, wer?
Und wer ist die Geliebte, die so mich liebt voller Wollust?
Das weiß Kypris allein, keiner als Kypris weiß das.

48

Eros legten wir ab das Gelübde, verbanden uns eidlich.


Aber falsch ist das Weib, all ihre Eidschwüre Wind!
Meine Liebe überlebte, doch haben die Götter
Nicht ihre Macht offenbart. Dies ist ein Hochzeitslied! Weh!
Hymen Hymenäus, sing eine Klage des Todes
An des Weibes Tür, tadle ihr treuloses Bett!

49

Die gewinnende Evi verletzt mich, lieber Adonis,


Reiß ihre Brüste du hin auf die Bahre, o Herr!
Wenn sie mir die gleiche Ehre erweisen wird eines
Tages, wenn ich sterb, nimm mich dann mit auf die Fahrt!

50

Ach, sie machen mich verrückt, die rosigen Lippen,


Seelenschmelzende Tür ihres ambrosischen Munds,
Und die Augen unter den feinen Brauen der Augen
Stellen mir ein Netz, legen dem Herz aus das Netz,
Und die milchigen Brüste, kaum verhüllt von dem Kleidchen,
Voller Charme, gut geformt, schöner als Blüten im Lenz!
Aber warum bin ich wie ein verhärteter Knochen
Für die hungrige Gier läufiger Hündinnen nur?

51

Eros, wenn du verbrennst meine Seele, die Seele dann auffliegt,


Sie hat Flügel auch, himmlische Flügel wie du.
52

Eros, verschwendest du auf mich alle Pfeile des Köchers?


Töte mich, kleiner Gott, töte mich doch mit dem Pfeil!
Wenn du dann auf einen anderen schießen willst, Eros,
Findest du keinen Pfeil in deinem Köcher dann mehr.

53

Alle sagen, man solle fliehen vorm göttlichen Eros.


Alle Mühe umsonst! Wie soll ich fliehen vorm Gott,
Wie soll ich fliehen vor diesem mächtig geflügelten Wesen,
Der mich spürbar in leiblicher Nähe verfolgt?

54

Diese silberfüßige Frau war überaus reizend,


Wie ein Wasserfall fiel ihr das wallende Haar
Auf die Äpfel der Brüste, weiß wie Milch ihre Brüste
Und der Hintern so rund und ihr weibliches Fleisch,
Rollte und warf sich herum, wenn sie sich reizend bewegte,
Und die Hand an der Scham, deckte nicht gänzlich die Scham.

55

Liebesspiele im Bett mit der blaugrünäugigen Evi


Ließ sie lachen vor Lust, sie hat von Herzen gelacht.
Ich habe dich aufs Bett geworfen, so sagte ich, zwölfmal,
Morgen werf ich auf Bett öfter als zwölfmal dich noch.
Sie kam am nächsten Morgen und lachend sprach ich zur Liebsten:
Du warst nachts nicht da, hab ich’s mir selber besorgt.

56

Diese Zeit hat noch nicht deine Schönheit lassen verwelken,


Noch sind Relikte viel von deinem Frühlinge da.
Noch ist dein Charme nicht veraltet, noch ist die Süße geblieben
Deiner Apfelbrust oder des rosigen Munds.
Ach, wie viele Herzen hat die Gottheit der Zeit doch
Schon zu Asche verbrannt, da ihre Schönheit verwelkt.

57

Evi, ich hab geglaubt, du wärst Sizilianerin, aber


Aus der Griechin ward eine chinesische Frau.
58

Schnee und Hagel hellen die Dunkelheit auf und der Donner
Schüttelnd die Erde bewegt mit all dem schwarzen Gewölk.
Schlägst du mich nicht, dann werde ich dich zu schlagen auch aufhörn,
Wenn du mich leben lässt, lasse ich leben auch dich.
Was kann mir geschehen schlimmer als das dass ich singend
Gehe durch deine Tür, nämlich es zwingt mich der Gott,
Zeus, der dein Meister ist und dessen Opfer du bist, er
Kam in Strömen von Gold, hat deine Pforte durchbohrt.

59

Zeus kam wie ein Adler als Gott zum Ganymed-Knaben


Und zu Leda kam er göttlich verkleidet als Schwan.
Das ist verschieden. Der eine mag das, der andre mag jenes.
Ich mag das reine Kind, mag auch die reizende Frau.

60

Ich fand Evi allein, da bat ich sie, sie hat geöffnet
Ihrer Schenkel Paar. Hilf dem verlorenen Mann,
Sprach ich, gewähre mir einen kleinen Atemzug, Liebste.
Als ich das gesagt, weinte ihr zartes Gemüt,
Aber sie wischte sich die Tränen ab mit den Händen
Und dann schlug sie leicht mich ins erhitzte Gesicht.

61

Schönheit ohne Charme ergötzt, doch kann uns nicht fesseln,


Wie eine Haken ist das, der ohne Köcher doch schwimmt.

62

Entweder macht man einen Anschlag auf Liebe, o Eros,


Dass die Liebe wird wieder erwidert von ihr,
Oder man muss versuchen, abzuschaffen die Liebe
Oder dass Freundschaft die glühende Leidenschaft wird.

63

Als Athene und Hera in ihren goldnen Sandalen


Meine Evi sahn, riefen die Göttinnen laut:
Nein, wir werden nicht wieder unsere Kleider ablegen,
Ist doch ein Urteilsspruch leider uns Schande genug.
Denn es sprach der Hirte sein Urteil, dass Charis ist schöner.
Zweimal verlieren, das ist nicht zu ertragende Schmach!
64

Du hast die Schönheit Aphrodites, den Mund der Verführung,


Form und Frische der Horen, geflügelten Fraun,
Stimme Kalliopes, Weisheit Athenes und Tugend der Themis,
Und mit dir, o Weib, sind es der Grazien vier.

65

Dies ist das Leben, nichts anderes ist es, das Leben ist Wonne!
Alle Sorgen verscheuch, die doch nur langweilig sind.
Kurz sind die Jahre des Menschen. Heute ist unser der Schaumwein
Und der erotische Tanz, blumige Kränze und Fraun!
Heute möchte ich leben, heute mit dir leben, o Evi,
Keiner weiß, was bringt morgen die kommende Zeit?

66

Pfahl, ich wusst nicht, dass Evi kommen würde zu mir, mit
Händen lösend das Haar, dass es ihr fall auf die Brust.
Hab Erbarmen mit mir, meine schöne Königin Evi,
Sei nicht zornig auf mich, weil ich so lüstern geblickt,
Mit den Augen geschaut auf deine unsterblichen Formen.
Ja, ich habe erkannt, Göttin der Schönheit bist du,
Evi und nicht Aphrodite! Woher sonst die reizende Schönheit?
Du hast die Charis wohl gar ihres Gürtels beraubt!

67

Hier, ich sende dir diesen Kranz, o Evi, Geliebte,


Den ich mit eigener Hand flocht aus den Blumen im Mai.
Da sind Lilien, Rosen, Anemonen, Narzissen
Und das Vergissmeinnicht, blühend so himmelblau zart.
Trage den Kranz und höre auf, stolz zu sein, Evi, Geliebte,
Denn wie der Blumen Kranz wirst du verwelken dereinst.

68

Wisse, Aphrodite, das Evi, ein reizendes Weibchen,


Meine Nachbarin ist, sie warf die Glut mir ins Herz!
Sie selbst wollte nur scherzen mit mir in flüchtiger Freundschaft,
Als ich die Möglichkeit sah, waghalsig wurde ich da.
Früher errötete schnell sie, doch hat das ihr nicht geholfen,
Sondern sie fühlte im Herz tief meiner Leidenschaft Stich.
Nur mit großer Mühe gelang es mir, sie zu umarmen,
Und jetzt ist das Weib schwanger mit Leibesfrucht gar.
Also was soll ich tun, o Göttin, aufhören zu lieben?
Oder bleib ich verliebt? – Charis, ich bleibe verliebt!

69

O wie war schön der Teint und wie hüpften die rundlichen Brüste
Und die Füße wie schmal und auch wie denkend die Stirn
Und die wallenden Haare schwarz und fallend zum Busen!
Aber die Zeit bewirkt Alter, Vergänglichkeit und
Bald ist nicht mehr der Schatten ihres früheren Selbst da,
Bald Matrone ist sie, faltig die Haut, grau das Haar.

70

Hätten die Frauen noch so viel Charme, wenn alles vorbei ist,
Würden die Männer nicht nachschaun den Mädchen am Markt.

71

Ich bin ein Apfel, ein Liebender wirft mich dir zu, o Geliebte.
Evi, stimmst du mir zu? Einmal verwesen wir zwei.

72

Sie mit den Rosen, rosig die Grazie! Doch was verkauft sie?
Ob sie nur Rosen verkauft? Oder sich selber dazu?

73

Evi, was willst du mich baden? Bevor ich mich auszog, Geliebte,
Steht schon mein männliches Glied herrlich in Flammen von dir!

74

Wär ich der Wind, dass du Haare flattern lässt um die Brüste!
Nimm mich zum Vorbild doch, blase so lustig wie ich!

75

Wär ich eine Rose, dass deine Rechte mich pflückte


Und mich steckte, o Weib, zwischen die Brüste so weiß!

76
Evi leugnet, dass sie verliebt ist, aber sie schreit laut,
Als ob eine Armee Pfeile der Lust sie verletzt!
Wankend ist ihr Schritt und es nimmt ihr den duftenden Atem,
Schatten violett unter den Augen ihr sind.
Aber ich liebe sie! Denn von Charis entzündet, schreit Evi:
Ich verbrenne, mein Gott Eros, vergehe vor Lust!

77

Eros, wenn du nicht zwei in Flammen setzen kannst, lösche


Deine Fackel aus oder setz Evi in Brand!

78

Das ist nicht Liebe, wenn man schweifen lässt seine Augen,
Eine schöne Maid sich zu erhaschen am Markt.
Aber wer ein seelenvolles schönes Gesicht sieht,
Der ist vom Pfeil Eros’ in Schnelle durchbohrt.
Angezündet ist die Wut seines Geists. Das ist Liebe!
Von der Schönheit schwärmt immer der Richter der Form.

79

Evi, ich sende dir süße Düfte, zum Dienst deines Duftes
Schenk ich dir Rosenöl, die du wie Rosenduft riechst.
So auch der, der Dionysos dienen will mystisch,
Fließen lässt das Geschenk wilden Dionysos’, Wein!

80

Siehe, ich habe meine Brust mit Weisheit bewaffnet


Gegen Eros, er wird nicht erobern mein Herz,
Wenn die sterbliche Leidenschaft gegen die göttliche aufsteht.
Aber kommt mit ihm, Eros, Dionysos mit,
Ihm zu helfen, mein armes sterbliches Herz zu besiegen,
Was vermöchte ich denn gegen zwei Götter voll Macht?

81

Du hast Heras Augen, o Evi, die Hände Athenes,


Aphrodites Brust, du hast der Grazie Fuß.
Selig ist, wer dich schaut, und dreimal gesegnet, der hört dich,
Halbgott ist, wer dich küsst, wer dich begattet ein Gott!

82
Spanne deinen Bogen, Eros, in müßiger Freizeit
Finde ein anderes Ziel! Ich bin von Wunden bedeckt!

83

Du siehst Evi, eine Aphrodite mit kleinen


Brüsten, da gibt es nicht viel, was da noch zwischen uns wär,
Aber ich werden mich stürzen auf ihre niedlichen Brüste
Und ihrem Herzen so nah sein, am Herzen zu ruhn.

84

Gieße in zehn große Becher ein als Mundschenkin, Evi,


Und Karina brat mir eine Ente am Herd.
Sie wird sagen: Du liebst ja Evi mehr als Karina!
Bei Dionysos, den ich hier tropfen lass, ja,
Evi geht auf um zehn Uhr abends wie Luna am Himmel!
Überstrahlt doch der Mond alle die Sterne im All!

85

Ah, ich liebte! Und wer hat nicht geliebt? Ja, ich schwelgte
In dem Mysterium tiefer erotischer Glut!
Aber ich war verzweifelt! Warum denn? Wegen der Gottheit!
Nun schon graues Haar hat mir das blonde ersetzt.
Meine irdische Lebenszeit ist nun nahzu vollendet.
In der Spielzeit ich spielte als lustiges Kind,
Aber jetzt ist es vorbei mit der fröhlichen Kindheit
Und ich lebe nur noch mystischer Schau der Idee!

86

Josef, obwohl du jetzt dich wälzt bald linksrum, bald rechtsrum


In dem leeren Bett – Evelin ist nicht bei dir! –
Also bringt dir dein Wille nach Ruhe nicht heilenden Schlaf, nein,
Nichts als Müdigkeit, tiefe Erschöpfung dir nur.

87

Scheine, Luna der Nacht, gehörnte schimmernde Luna,


Du liebst es, schwelgend zu schaun, die du durchs Fensterglas schaust,
Lasse fallen dein Licht auf den Leib der goldenen Evi!
S’ist einer Göttin erlaubt, Evelin nackend zu schaun!

88
Brust an Brüste! Meine Brust lag ihr an dem Busen,
Ihren süßen Mund drückte sie auf meinen Mund!
Ich zog Evi an mich, nichts war zwischen uns! Nur die
Kerze Zeugin war. Aber ich sage nicht mehr.

89

Füße! Beine! Oberschenkel! Ich freiwillig sterbe


Für die Schenkel gespreizt! Nabel und Schamhaar und Schoß!
Hüften! Schultern! Brüste! Nacken! Arme und Augen!
Ich bin verrückt vor Lust! Küsse und stöhnender Akt!

90

Aphrodite, bei deinem majestätischen Busen


Schwor ich: Ich bleibe fern Evi zwei Nächte lang! Und
Doch hat die Zeit mein Herz getäuscht und du hast gelächelt,
Göttin, ich will nun deine Hilfe nicht mehr
Für die zweite Nacht. Ich warf den Eid in die Lüfte.
Lieber wähle ich, statt dass ich gottlos vor dir
Bin um ihretwillen, die meinen Eid hat gebrochen,
Aphrodite, dass ich sterbe aus Glauben den Tod.

91

Warum bist du so gut gebaut, so langhalsig, Evi,


Warum kannst du so gut plappern mit lächelndem Mund,
Fröhliche Kellnerin des Dionysos und der Cythere,
Lieblich lachender Schatz unseres Liebesvereins,
Und warum, wenn ich nüchtern bin, bist du betrunken,
Und bist nüchtern, wenn ich schwer bin betrunken vom Wein?
Nein, du hältst dich nicht ans Gesetz der Geselligkeit, Evi,
Sei betrunken, wenn ich auch bin betrunken vom Wein.

92

Lieber Knabe Mundschenke, fülle den goldenen Becher,


Sage lachend dabei: Evi die Lieblichste ist!
Sprich den süßen Namen aus, der mildert den Rotwein,
Der den herben versüßt, einzig ihr Name allein.
Gib mir dann, ist sie auch von gestern Nacht, die Girlande,
Die den lieblichen Duft trägt der Erinnerung an
Evi. Schau, wie die Rose weint, begünstigt von Eros,
Weil sie Evi sieht heute nicht liegen bei mir.

93
Lieber Knabe Mundschenke, einen Becher voll Rotwein
Trink ich auf Evelin-Grazie, noch einen Kelch
Trink ich auf Evelin-Muse, trink ich auf Evelin-Kypris,
Denn ich preise sie, Evi, als Göttin und misch
Ihren geliebten Namen in den heiligen Kelch, um
Ihren Namen dann, Evi, zu trinken im Wein.

94

Süß ist die Melodie des arkadischen Pan, der die Flöte
Blasen kann, Evi, wie süß deine Berührungen sind!
Wohin soll ich fliehen vor dir? Denn Eros erfasst mich,
Du gibst mir keine Zeit, Atem zu holen, o Frau!
Entweder Aphrodite schleudert in mich die Wollust
Oder die Muse die Lust oder die Grazie Lust
Oder, was soll ich sagen, alle die Göttinnen, Evi,
Denn ich brenne und steh heiß in der lodernden Glut!

95

Die melodischen Musen geben Geschicklichkeit, Evi,


Deinen Berührungen und Göttin Athene gibt dir
Weisheit, und Eros führt deine Schönheit, er glaubt ja an Evi,
Und die Grazien dir ihre drei Gnaden verliehn.

96

Eros, ich schwöre, ich hätte lieber vernommen, wie Evi


Flüstert mir etwas ins Ohr, als selbst die Harfe Apolls.

97

Ist die Efeu-Girlande des Gottes Dionysos schöner


Oder die Rose der Göttin Cythere voll Glut?

98

Diese Blüten sind gewunden für Evelins Krone,


Aber Evi strahlt mehr als der blumige Kranz.

99

Schon stehn die blauen Veilchen in Blüte, die gelben Narzissen,


Regenliebende, und schneeweiße Lilien auch,
Die die Gärten heimsuchen, schon steht Evi in Blüte,
Eros’ Lieblingin sie, purpurne Rose der Lust,
Krone der Blüten des Frühlings! Warum lacht ihr so heiter,
Gärten, die ihr umsonst euch doch mit Evi vergleicht?
Mehr zu bieten hat sie als alle duftenden Gärten,
Und ich zog immer vor Evi der Mutter Natur!

100

Nun sinds der Grazien vier, denn neben der Grazien Dreiheit
Aufgerichtet steht noch eine Grazie da,
Die da duftet von Feigenparfüm, die gesegnete Evi,
Alle anderen Fraun schauen auf Evi voll Neid,
Ohne Evi sind die Grazien Grazien nicht mehr,
Ihr alleine gebührt göttlicher Grazie Ruhm.

101

Nun will ich in die blauen Veilchen und gelben Narzissen


Beeren flechten, in lachender Lilien Kranz,
In den Krokus, in die Hyazinthe, die Rose,
Freude zu haben an Gott Eros in glühender Lust,
Dass der Kranz dann kommt auf Evis Haupt, die Geliebte
Mit dem duftenden Haar trägt dann den duftenden Kranz.

102

Ich weissage: Die Sonne wird übertroffen von Evi


Und der Grazien Charme weit noch von Evelins Charme.

103

Wer gab mir Evi, meine weise plaudernde Herrin?


Der gab die Grazie mir, eine der Grazien mir!
Er hat mir wirklich gegeben eine göttliche Gabe,
Warf mir gratis zu göttlicher Grazie Charme!

104

Die gefeierte Evi hatte versprochen zu kommen


Zu mir diese Nacht, schwors bei der Göttin des Korns.
Aber sie kam nicht. Die erste Stunde der Nacht ist vorüber.
Schwor sie etwa falsch? Dienerin, lösche das Licht!

105

Ha, ihr schrillen stimmgewaltigen Mücken so schamlos,


Saugnäpfe, die dem Mann saugen das Lebensblut aus,
Nacht der geflügelten Bestien, lasst doch Evelin schlafen,
Kommt und lieber fresst meine Gebeine voll Gier.
Aber warum soll ich vergebens flehen, ihr Mücken?
Unbarmherzig ergötzt selbst sich das schamlose Tier
An der Geliebten nacktem freudespendendem Körper!
Aber ich warne euch, warn euch verfluchtes Getier,
Seid nicht länger von solcher wilden schamlosen Frechheit
Oder meine Hand wird euch noch totschlagen, Pack!

106

Evi mit dem süßen Gesicht, von Eroten gebadet,


Guckt aus dem Fenster heraus, ja, und die Tür ward gesprengt,
Liebste Aphrodite, von der Flamme, die schoss aus
Josefs Augen, der stand lüstern vor Evelins Tür.

107

Aphrodite gleich taucht sie aus des Ozeans Gischtschaum,


Und das Leben erweckt sie neuen Frühlings im Land.
Darum heißt sie zu recht auch Evi; Göttliches Leben!
Mutter des Lebens ist sie, Quell des lebendigen Seins.

108

Eros selber hat geformt mir im innersten Herzen


Evi, die lieblich spricht, Geist meines Geistes ist sie.

109

O die Eros-liebende Evi, mit strahlenden Augen,


Überredet die Welt, Eros zu dienen, dem Gott.

110

Eros, wie scharf sind doch die Fingernägel der Liebsten,


Denn ihr Kratzen reicht mir in das innerste Herz!

111

Einmal spielte ich mit der schönen fesselnden Evi,


Einen Gürtel sie trug, darauf geschrieben stand dies:
Liebe mich lang und oft und heftig, o Josef, Geliebter,
Und sei am Herzen nicht wund, lieb einen Anderen ich.
112

Evi mit weißer Haut, hat dich jemand nackt neben Josef
Liegen gesehen im Bett? Es ist ein Stöhnen in mir!
Ach, es gibt für deinen Geliebten nicht Ruhe am Sabbat,
Eros schafft und wirkt ja an dem Sabbattag auch!

113

Blumengenährte Biene, was willst du verlassen die Kelche


Blühender Blumen im Lenz, fliegen auf Evelins Haut?
Ist es, weil du denkst, dass sie beides hat, Süßigkeit und den
Stachel Eros’, des Herrn, bitter zu machen und krank?
Ja, mir scheint, das sind deine Gedanken, summende Biene.
Weg mit dir, zurück flieg zu den Kelchen, du Flirt!

114

Mutter der Götter, Mutter Nacht, vernimm, was ich bitte,


O du heilige Nacht, Wonnegenossin der Lust:
Wenn da einer liegt unter Evis gemütlicher Decke,
Von ihrem Körper erwärmt, zärtlich von Evi berührt,
Lass du die Lampe ihrer strahlenden Augen verlöschen
Und den Rivalen lass ruhn wie Endymion tief.

115

Mutter Nacht, o meine glühende Sehnsucht nach Evi,


Du hältst mich wach mit der Glut bittrer Visionen des Leids,
Bittrer Visionen der Dämmerung voller Tränen und Wollust,
Ist in ihr noch ein Rest zärtlicher Liebe für mich?
Ist die Erinnerung an meinen Kuss noch warm in der kalten
Asche der Phantasie? Träumt sie wohl manchmal von mir?
Oder gibt es eine neue andere Liebe,
Einen flüchtigen Flirt, irgendwer den sie begehrt?
Liebe Lampe, mögest du niemals sehn den Rivalen
Bei der Geliebten im Bett! Göttin, bewahre sie mir!

116

Nacht war, es regnete, Eros war die dritte Beschwernis,


Ich war betrunken vom Wein, Nordwind blies, ich war allein,
Aber die schöne Evi überwältigte alles!
Würde ich wandern so, ohne dass Ruhe ich fänd
Vor der Pforte der Geliebten? Ich stand da im Regen.
Friede, Zeus, Friede, o Zeus! Ich hab zu lieben gelernt!
117

Süß im Sommer ist für den, der dürstet, ein Schneeball


Und für den Segler süß ist nach dem Winter der Wind.
Süßer noch, wenn Evis Decke zwei Liebhaber zudeckt,
Aphrodite empfängt Opfer von beiden voll Huld.

118

Dieser Weinbecher fühlt Genuss und Wonne, er sagt mir,


Wie der Plaudermund Evelins angesetzt ihn.
Seliger Becher! Würde sie mich doch ansetzen, saugen
Mir die Kraft aus dem Mark, mir meinen Geist aus dem Leib!

119

Schrecklich ist Eros, schrecklich! Aber was hilfts das zu sagen,


Immer wieder ich sags: Eros ist schrecklich! Fürwahr,
Dieser göttliche Knabe lacht und freut sich von Herzen,
Wenn mich Evi verschmäht! Fluche ich, wächst nur der Gott!
Was für ein Wunder, Aphrodite, getaucht aus dem Meere,
Dass du geboren hast diesen weißglühenden Gott!

121

Nimm deine Netze ab, Evi, deine neckischen Netze,


Lass nicht schmollen den Mund, o deinen Schmollmund voll Reiz!
Klammert sich doch dein hauchdünnes Kleid an den reizenden Körper,
All deine Reize sind sichtbar in Durchsichtigkeit!
Ja du könntest auch nackt sein in transparenten Gewändern!
Scheint dir das amüsant, dieser Durchsichtigkeit Reiz,
Dann, Geliebte, werde ich über mein Mannesglied stülpen
Reine Transparenz köstlichen Gummis für dich!

DRITTER TEIL
EPIGRAMME

AN EINE PASTORIN

Ihr Name Lupus ist / und doch ist sie ein Lamm,
Der Name Schall und Rauch, / der HERR ihr Bräutigam.

ÖKUMENE

Liebfrau Catholica / und Orthodoxa gern /


Und Evangelia / sich neigen vor dem Herrn.

SEKTEN

Ich weih dem Herzen der geweihten Unbefleckten


Die Albigenser und die Katharer der Sekten.

DIE KIRCHE

Den einen ist sie Jungfrau Eva mit dem Kinde Abel,
Den andern ist sie leider nur gemeine Hure Babel.

PFINGSTLER

Sind aus den Freunden nun geworden faule Feinde?


Ecclesia ist nicht wie eine Pfingstgemeinde.

ISLAM

Auf Marterzeugen wartet an dem Glaubensziel


Ein Harem schöner Frauen voller sex-appeal.

DIE GELIEBTE

Ob ich sie liebe? Oder ob ich sie verschmähe?


Das weiß allein die Weisheit meiner Gottes-Ehe.

DIE SCHÖNE HELENE

Ich bin jung und schön und reizend,


Eine blühende Natur,
Ich bin Braut, der Götter Garten,
Ich bin reiner Sonnenstrahl.
Meine Schönheit ist von oben
Eingegossen von den Göttern.
Meine Jugend ist die Jugend
Immerjugendlichen Hellas.
Ich bin die Begeisterung
Der verliebten Musenpriester.
Denn ich bin die zehnte Muse
Und ich bin die vierte Grazie
Und die zweite Aphrodite.
Ich, der Morgentraum der Männer,
Bin lebendige Verheißung
Elysäischer Gefilde.
Mein gebenedeiter Leib
Ist von allerfeinstem Stoff.
Meine Seele ist geflossen
Aus dem Gott der Götter Zeus.
Zeus gekommen ist als Schwan,
Junger liebestrunkner Schwan,
Selig Zeus erhob sein Haupt,
Seinen langen Schwanenhals,
Brünstig schlug er seine Schwingen,
Siegreich sang sein Schwanenlied
Von der Gunst des Kleinen Todes,
Nämlich der Vereinigung
Gottes mit der Braut und Nymphe,
Und begattete als Schwan
Leda, Gottes junge Nymphe,
Und erzeugte in dem Schoß
Der gebenedeiten Braut
Polydeukes, jenen Zwilling,
Der geboren Gottes Sohn,
Und die schöne Helena,
Meine gottgeschaffne Schönheit.
Ich bin Gottes eigne Tochter
Und ein Ausfluss seiner Kraft
Und ein Spiegel seiner Schönheit
Und ein Licht von seinem Licht.
Ich bin Helena, die Traumfrau
Aller männlichen Hellenen.
Wer die Schönheit liebt auf Erden,
Der ist in dem Geist Hellene.
Denn die Asiaten bringen
Ihres Gottes Majestät,
Aber die Hellenen bringen
Ihres Gottes Herrlichkeit,
Denn die Schönheit herrscht im Himmel
Als das allerhöchste Gut.
Diese Schönheit in dem Himmel
Ist Urania, die Göttin.
Die Geheimnisse des Eros
Streben alle zu der Schönheit,
Zu des Himmels Schönheitsgöttin.
Eros, der gewaltige,
Ist ein Dämon auf der Erde,
Eros ist allein der Mittler
Zwischen Gottes Herrlichkeit
Und den Sterblichen auf Erden.
Eros zieht uns all hinan!

JESUS SIRACH SPRICHT

Ein neuer Freund ist wie ein neuer Wein,


Lass erst den Bruder einen alten sein.
Verlass den alten Bruder, den du hast,
Nicht für den neuen jungen Seelengast.

MONGOLISCHE LYRIK FÜR MADDEL


ALS SIE NACH DER MONGOLEI ZUM REITEN REISTE

ICH TEILE MIT MEINER MUTTER

Je mehr ich versuche, meine Mutter zu beruhigen,


Je mehr vermutet sie...

Die Bedenken und Sorgen


Nehm ich auf die leichte Schulter,
Ich verberge sie und sammle sie.

Ihre Ohren sind interessiert


An den Notizen, die ich anbiete,
Meine Angst seziert sie.

Immer mehr wird, je älter ich werde,


Weniger die Angst.

Ich verstehe sie und bin weniger eifrig,


Ich will alles mit ihr teilen; sie akzeptiert es.

DU BIST MEINE PERSON

Dein Herz ist


Groß und geheimnisvoll,
Mein charmanter Ehemann.

Es schlägt laut auf einer Radtour,


Zieht unsere Familie weiter,
Du hörst mit deinem Kopfhörer.

Besiege mich, mich zu ermahnen,


Doch glaube mir... Dein Glaube
Ist der des Juden-Buddhisten-Christen.

Während im Thriller amüsiert


Verharmlost werden die Monster,
Ich fürchte,
Zynismus ist deine Waffe.

Zähl deine Schritte, lächle,


Ich weiß, was du willst,
Du bist mein Schutzengel.
Du bist meine Person.

ICH BEOBACHTE DICH ALTERND

Ich beobachte dich alternd


In weisem Lächeln, gemessenen Schritten.
(Deine Kurven sehen schön aus.)

Der Ernst des Lebens hat umgestaltet


Unsere dummen Kosten der Energie.
(Oh, die wir zusammen Wege zurückgelegt.)

Verschwendete Eitelkeit der Gefühle!


Ich liebe unsere Ewigkeit...
Mehr große Momente der Lebendigkeit!

(Unser Bau normaler Größe.)


Erfahrung hab ich mit dem knorrigen Alter.

ZWEI BABYS WEINEN

So lecker, mein Baby,


Die rechte Wange
Schaute
Zu seinem Bruder.

Natürlich nahm er einen scharfen Biss


Und darauf machte er
Sanft süße Augen.

Seine grausame Neugier war verwirrt,


Amüsiert,
Es ist einfach, andre zu verletzen.

Mein Baby warf jammernd eine Meile hoch


Seinen Bruder
Und sprang...
Und stieß einen furchtbaren Schrei aus.

BEVOR WIR UNS WIEDER TREFFEN

Immer fürchtete ich dich,


Bevor wir uns trafen,
Was immer es ist,
Das wir getan haben,
Im Lächeln und Nicken
Und Auge in Auge
Hatte immer ich dich lieb
Und diese Zukunft,
Zu sehen
Einen Sohn, was glänzt da
Durch den Morgen und
Durch die Nacht, die er durchbohrt?
Unsere Windeln
Kostenlos.
Dann standen wir
Hand in Hand morgens,
Bevor wir uns wieder trafen,
Jetzt bin ich frei,
Für alle zu sehen ist
Dieser Hochzeits-
Ring.

GEISTESÜBUNG

Ich jucke mich, spiele im Kristallglas,


In Ketten, die ich selbst geschaffen,
Verstecke mich, warte auf Inspiration,
Um mir aus meiner schmerzlichen Patsche zu helfen.

Flammende Trommelschläge
Des menschlichen Einflusses,
Die dramatische Notwendigkeit
Des Herbstes und der Veränderung,
Rufe nach der glänzenden Guillotine:
Plötzlich fällt der Kopf ab!

Ich seh dann schließlich ein blutiges Chaos,


Wie es sein sollte in der Natur,
Ausgleich und Verlagerung und Wiederherstellung,
Und dann wachsen zehn Köpfe.

Ich neige dazu, mein Herz ist eine Trommel,


Momente des Synchron-Gebrummes,
Mit keiner andere Seite zu sprechen,
Und
Da kommt niemand mir zu Hilfe.
Ich sitze da und strecke mich.

VON DEN DREI TÖCHTERN

Die Tochter, die ihren Vater wie Salz liebte,


Wurde aus seinem Reich geworfen.
Er bevorzugte die Töchter, die ihn liebten
So süß wie Honig, so sehr wie Geld.
Aber Gezeiten ziehen sich zurück,
Und Fülle von Veränderungen gibt es im Leben.
Alle Töchter haben gleiche Ansprüche,
Aber bitteres Salz wird manchmal benötigt
Mehr als all der andere Flaum.

BERG UND MENSCH

Zu töten die Monster wie Gilgamesch,


Scheint kaum nötig.
Es ist nur ein Berg und ein Mensch,
Alle Kämpfe nur imaginär.

Die ruhige Einsamkeit des Landes


Kann verlockend und beängstigend sein.
Aber die menschlichen Ereignisse und Hände
Sind nur eine Version der Geschichte.

ELSTERWEIBCHEN

In der Pinguin-Jacke geht sie auf die Suche


Im Gemetzel nach Mahlzeiten,
Straßendiebe gibt es viele.

So geht sie die tödlichen Straßen,


Kaum beachtet sie die
Räder der vielen Autos.

NOSTALGIE

In jenen Nächten, wenn die Geister zu Fuß


Rund um dein Haus gehen
Und eines seltsamen Kindes Lachen klingt vertraut,
Auch Eis ist nicht zu verwenden,
Tage sind vorbei gegangen,
In Salz eingepökelt
Das Fleisch aus der Glut der Liebe - -
Die längst vorbei ist,
Wahrhaft oder nur eingebildet.

KLAGE

Die letzte Freude uns entführen Seelendiebe.


Es gibt ihn dieser Welt kein kleinstes Körnchen Liebe.

LEID

Madonna sich entzieht, der Herr zieht sich zurück,


Nun bleibt nur noch der Wein und mystische Musik.
LEKTÜRE

Gib vorzulesen Kraft mir für den Sohn, Maria,


Wie Eragon verliebt ist in die Fee Arya.

AN DIE SCHÖNE HELENE

Helene, deine Schönheit ist wie das Meer,


Wie Hellas' Meer, der Archipelagus, wo
Der müde Wandrer mit dem Schiffe
Strebt zu der Heimat der Mutter-Insel.

Lang war ich auf dem Meere, verzweifelt lang,


Dein Goldhaar und dein klassisches Angesicht
Und Aura einer Nymphe haben
Heim mich getragen nach Rom und Hellas.

In eines Tempels Nische die Statue


Des deinen Leibes seh ich, wie Jaspis rein,
Helene, du bist mir die Psyche
Und das verheißene Land der Schönheit!

SEGEN

Des Schöpfers Mutter, mater creatoris,


Des Dichters Mutter segne, Mama Doris!

ZUM GEBURTSTAG

Der alte Dichter ist schon fett und ranzig,


Doch deine Schönheit ist erst einundzwanzig,
Dich segne Unsre Liebe Frau von Danzig.

URLAUB

Mit Unsrer Frau und ihrem Knaben gerne


Lag ich am Weser-Strand des Nachts in Berne.

ATE

Für diesen lieben Sohn bin ich ja gerne Pate,


Doch seine Mutter ist betört von Göttin Ate.

DIE JUNGE SCHAUSPIELERIN


Im ganzen deutschen Land ist sie bekannt,
Weil sie so hübsch, liebreizend und charmant.

ETYMOLOGIE

Hübsch kommt von höfisch, denn die Damen an den Hofe


Sind hübsch von Sitten und von Form, und auch die Zofe.

HOFFNUNG

Drum lohnt sich Religion und Theologen-Tugend:


Im Himmel Mädchen sind von Schönheit und von Jugend.

BERLIN

O Berolina, du bist mir ein schönes Städtchen,


Der Genius des Orts ist mir ein süßes Mädchen.

BERUFUNG

Ein Minnesänger ich der Lieben Frau Maria,


Dazu ein Bräutigam der Hagia Sophia.

VISION

Wer war die Göttin, die ich auf dem Rade sah?
Es war die Königin von Hellas, Helena!

AMOR

Ich saß mit Amor heut beim Kartenspiel,


Mich zu besiegen, war des Schelmen Ziel,
Und lachend hat mich Amor schnell besiegt,
Er ruft: Triumph! Und rasch gen Himmel fliegt.

HADERN MIT GOTT

Was hat mich Gott gemacht als arme Evelina


Und nicht als das Modell, die schöne Angelina?

ANNA

Wir schwinden alle hin in die Unterwelt,


Der eine folgt dem anderen diesen Weg,
Voraus gegangen ist mir Anna,
Kehrte im Tod heim zum Quell des Lebens.

HELENE

Sie segelte vorbei auf ihrem Räderthron,


Die Schönheitskönigin in sonniger Vision.

CHRIST UND HEIDIN

Ich komm von Gott dem Herrn und von der Roma Kurie,
Du kommst von Beelzebul als eine finstre Furie.

DIE ANTI-FRAU

Mit zwanzig Jahren war sie Grazie und Huri,


Mit fünfzig ist sie fett, Lord Byron sagt: a fury!

DIE ANTI-FRAU

Ich alter fetter Mann bin doch der weise Nathan,


Du altes fettes Weib bist Ehefrau des Satan!

MADONNA

Ha! Unsre Liebe Frau erscheint am Horizont,


Ist neunzehn Jahre jung, und schlank, und goldenblond!

DAS MÄDCHEN

Die schöne Venus sah ich auf antiker Freske,


War zwanzig Jahre jung und trug den Namen Eske.

JUGENDLIEBE

Frau Jugend grüße ich, nun alt, mit müdem Gruße,


Ich grüße Marion, die trägt den Namen Buße.

KLAGE

Wie lange muss ich dulden noch und harren?


Die Welt ist voller Toren, voller Narren!
DIE FREUNDE

Ich schenkte ihnen Verse, doch sie lesen nur


In Massen triviale Krimi-Literatur.

DIE ÖFFENTLICHEN MÄDCHEN

Die Hürlein laufen in der Stadt herum halbseiden,


Von außen himmlisch schön, von innen faule Heiden.

DEUTSCHE MÄRCHEN

Dornröschen, Aschenputtel und Schneewittchen,


Sind alle nichts als liederliche Flittchen.

DER MISOGYN

Die Weiber sind abscheulich, sie sind böse!


Was gut an ihnen ist, ist nur die Möse!

GOETHE SPRICHT

„Ich wend mich, der Vergänglichkeit zum Trotze,


Zuerst zur Flasche Wein und dann zur Fotze.“

UNMUT

Die Heidenmütter sind nur alte Nutten,


Doch ihre Knaben allerliebste Putten.

DIE ANTI-FRAU

Verhurt zur Jugendzeit der feminine Sex,


Im Alter wird das Weib zur alten Kräuterhex.

DER KNABE

Ein göttliches Geschenk der Freude, eine Gabe


Des Friedens ist das Kind, der liebenswerte Knabe.

GEFUNDEN

Als nach der Weisheit wir im tiefen Schachte gruben,


Da fanden Liebe wir zu wilden armen Buben.

DER KOMMUNIST SPRACH

Du bist der Täufer wohl und diese Kinderseelen


Sind wohl dein Publikum, du predigst den Kamelen?

DER KOMMUNIST SPRACH

Und so gebiet ich dir: Sei vor den Waisen stumm


Und sprich in keinem Fall vom Purgatorium!

FREUNDSCHAFT

Der gute Hirte liebt das arme schwarze Schaf,


Zum Paten ist das Kind, der Knabe, lieb und brav.

GLORIA

Der Liebe Gottheit, o, ich preise deine Größe,


Du voll Barmherzigkeit, hast viele Mutterschöße,
Und deine Schöße mich erwarten an dem Ziel,
O Liebe, göttliche, zum schönsten Liebesspiel!

VIERTER TEIL
EPIGRAMME

VETTELN

Nun wollen mich erziehn die alten bösen Vetteln,


Sie kränken mich, zugleich um meine Hilfe betteln,
Reinkarniert sind sie, die hässlich-dummen Hexen,
Sie gießen Gift mir ein aus giftigen Gewächsen.

MARIA

Cor tuum, femina et mater dolorosa,


Immaculata, est fontana amorosa.

ENTZAUBERUNG

Da von dem Zauber nun der Schleier fällt,


Zeigt sich ein Spukbild zum Entsetzen.
Zum femininen Teufel ward Frau Welt,
Zu Lilith, Inegriff der Metzen.

ELEGIE

Mein Herz ist tränenschwer von Dunkelheit und Kummer,


Und was allein mein Trost, ist traumlos tiefer Schlummer.

ADVENT

Wo alle Kinder mir vom Feind genommen sind,


Da kommt in dem Advent zu mir das Jesuskind.

ADVENT

Die Jugend ist verwelkt, die Freude fortgeflogen;


Der Himmel schwebt so schwarz, es nahn des Todes Wogen.
Unstillbar ist das Leid. es weint: Wann wirds Advent?

Das Mädchen Hoffnung kommt, das Heil ist unser Hoffen;


Das tut die Arme auf, das Herz steht herzlich offen;
Nur Kinderseelen schaun den kommenden Advent!

Advent, Advent, du Lied von Weltgerichtes Stunde!


Advent, Advent, du Klang von Paradieseskunde!
Du Morgenstern der Lust, von Gott geschickt! Advent!

GUDRUN ZUM GEBURTSTAG

Die Gute Rune hat dir Gott gestellt:


Du bist ein Segen Christi für die Welt!

FREI NACH JESAJA

So lasst die Lenden glühen


Bis in die Morgenfrühen,
Und lasst die Kerzen leuchten
In dunkler Nacht, der feuchten,
Die Hoffnung rasch entgürtet,
Dass euch das Lamm bewirtet.

ABENDBROT MIT ANJA

Ich komm in der Nacht voll Verlangen entgegen


Der blonden Pastorin mit leiblichem Segen.
Zuerst wird gegessen, zuerst wird geplaudert,
Dann strahlend die Schönheit der Frau mich durchschaudert.
Sie weiß mich zu segnen mit Leibes Genüssen,
Ich grüß sie mit brüderlich-christlichen Küssen.

DER SYRIER

Die Frauenkirche ist voll Liebe zu dem Nächsten,


So kommt der Syrier zu ihr, der Sohn des Höchsten.

LÄCHELN

Schön ist das Lächeln Unserer Lieben Frau auf der Erde!
Wie mich das Lächeln betört, wie's mich bezaubert, beglückt!

LEBENSLAUF

Und als gestorben seine schöne Nutte,


Ging er nur noch zur Kirche in der Kutte.

SIE

Mit Seifenopern und mit dummen Schundromanen


Ging sie zu Gott dem Herrn auf hübscher Torheit Bahnen.

GUTER RAT DES PATEN

Zur Ehefrau nimmt dir die kluge Frau voll Würde,


Das Weib, das gerne bumst, das nimm zur zur Geliebten.

BEN JONSON SPRICHT

Du sagst, ich solle nicht so viel von Huren reden.


Wie aber soll ich sonst von schönen Frauen singen?

VENUS PORNEIA

Bei uns hing überm Bett das Bild der Herrscherin,


Der Schaumgeborenen, der Göttin Kitzlerin.

EDITH STEIN SPRICHT

Auf Erden Menschen sind, von Freundschaft spricht man viel,


Und doch sind sie neutral und absolut steril.
AUFERSTEHUNG

Am Tage des Gerichts bekommt das schöne Weib -


Sechs Männer hatte sie – erneut den lieben Leib.

DER VERLORENE SOHN

Mit der Französin war er in Paris -


Dann holte Gott sie heim ins Paradies.

DAS PAAR

Das Weib war nichtig und banal,


Der Mann verehrte seinen Baal.

MORGENRÖTE

Kaum aufgewacht, kommt sie mit ihrer Leuchte


Und legt sich nackt zu mir, die warme, feuchte.

DU

Du warst die Süße, Sündige und Seichte,


Die Lüsterne, die Lockende, die Leichte.

AUGUSTIN

O du lieber Augustin,
Alles hin, ist alles hin!
Will ich in den Himmel ziehn,
Das ist meines Lebens Sinn.

EROS

Locken schwarz und Lippen rot -


Eros tot, ach Eros tot!

EROS

Eros zeigte mir sein Herz,


Eros sprach: Ich bin der Schmerz.

EROS
Eros sah ich, meinen Herrn,
Herrschend er in Stern um Stern.

EROS

Eros schenkt mir Ruh,


Schließt das Grab sich zu.

EROS

Eros kommt heran,


Hetzt zur Frau den Mann.

LIEBE

Ich bin verliebt, ich wills gestehn,


Doch weiß ich nicht in wen.

KLAGE

Mein Mund ist stumm, die Seele lahm


Vor all dem Kummer und dem Gram.

KLAGE

Ich schreie an die Mauer -


O namenlose Trauer!

VISION

Ich hab am Morgen angeschaut


Die makellose Himmelsbraut.

DER PROPHET

Ihr jungen Mädchen seid ein Sonnenschein, ich schwör,


Ich Priester und Prophet, ich sag es als Charmeur.

WEISHEIT

Nicht intellektuell Gelehrsamkeit allein,


Erfahrung in der Welt muss auch erlitten sein.
SPELL

I am a good-for-nothing, nothing else!


But through my tongue the Spirit speaks his spells.

ISRAEL

In Ophra, Aphra und in Efron beten


Sie zu Astarte lüstern in den Städten.

AUS EINEM KINDERBUCH

Walkyre:
Geh weg, du alte Meerhexe!
Hexe:
Ich bin eine Meerjungfrau!
Walkyre:
Du warst vielleicht einmal schön,
Jetzt bist du nur noch ein hässliches Fischweib.

TOM

Der Knabe hat im Bett bei mir gesucht den Trost,


Und hat mit zarter Glut mir meinen Bart liebkost.

DIE MILCHSTRASSE

Wie stark doch Herakles gesaugt an Heras Brust -


Nun ist die Galaxie all unsres Wissens Lust!

KOSMOLOGIE

Die heiße Venus hat, von innrer Glut bewegt


Von Planetoidenschmuck den Gürtel angelegt,
Der kalte Jupiter und Mars, der frostig kalte,
Den Gürtel schenkten ihr, und stolz trug ihn die Alte.

KLIMAKATASTROPHE

Im Reich der Venus einst die nackten Nymphen lebten,


In Kleidchen leicht wie Gas die jungen Nymphen schwebten,
Doch haben sie zerstört der Atmosphäre Duft,
Die Sonnenhitze hat zu heiß gemacht die Luft,
So ausgestorben sind die jungen nackten Nymphen,
Die sonst so schön getanzt in schwarzen Seidenstrümpfen.
EIN ALTES HAUS

Da spuken in der Nacht Dämonen, Totenschatten,


Da geht der Marder um mit Mäusen und mit Ratten.

JOSUA

Mit trocknem Fuß ging durch den Jordan Gottes Lade.


So starb die Freundin mein, ging heim in Gottes Gnade.

JOSUA

Herr, segne Josua, wie du es Mose gabst.


So dem Prophetenpapst folgt ein Prophetenpapst.

MARIA

Der Menschheit Mutter ists, die Miterlöserin,


Der ich für Ewigkeit und Zeit gewidmet bin.

KOSMOLOGIE

Das Weltall dehnt sich aus, wird größer Stück für Stück,
Dann kehrt die Zeit sich um, dann kommt die Zeit zurück,
Der Tod wird zur Geburt, das Alter wird zur Jugend
Und dann wirst du zu Nichts. Das lehrt der Weisheit Tugend.

DAS SCHWARZE LOCH

Was ist das schwarze Loch? Ich weiß es nicht genau.


So unergründlich ist es mir wie eine Frau.

RETTUNG DER MENSCHEIT

Andromeda stürzt ab, und unsre Sonne, diese,


Sie wird ein weißer Zwerg, sie wird ein roter Riese,
Die Menschheit wird vergehn. Was rettet in dem Fall?
Zu finden wär die Tür ins parallele All,
Ein Schlupfloch aus dem All in andre bessre Welten.
Das Schlupfloch suchen stets der Weisheit große Helden.

WEISHEIT
Nicht geistlich nur allein dich deiner Gottheit schenke,
Auch intellektuell die Wissenschaft bedenke.

WEIHNACHT

Der Stern der Sonne steigt, was schenkt uns doch die Sonne,
Die süße Frühlingslust, die heiße Sommerwonne!

WELTEKEL

Mich ekelt diese Welt und diese Menschheit an! -


Sei still und leide du als wie ein andrer Mann.

FREUNDE

Geht alle eurer Arbeit nach -


Ich leide einsam im Gemach.

LAMENTATION

Großmutter wusste schon: Mein Geist wird sich verlieren


In lauter Kreuz und Nacht, des Juden Lamentieren.

WEIHNACHT

Zur Weihnacht feiern Schäferin und Schäfer


Mit unsichtbarem Freund, dem Siebenschläfer.

ADVENT

Der kleine Heidenbube


Schmückt schön die Weihnachtsstube,
Weht draußen kalter Wind.
Nun komm, o Jesuskind!

NACHFOLGE

Gott beuge ich mein Knie und beuge den Miniskus,


Maria folg ich nach und folge Papst Franziskus.

GNOSIS

Du hast in dieser Welt an deiner rechten Seite


Die Engelsfreundin, dass sie dich den Weg geleite,
Auf dass dein Fuß des Wegs nicht an die Steine stößt.
Die Engelsfreundin wird wie du von Gott erlöst.
Und wenn ihr kommt zu Gott, dann wird sie sich entschleiern,
Im Himmelsparadies ihr werdet Hochzeit feiern.

RUTH

Weil Ruth die Freundschaft heißt und weil sie schön und mild,
Ist sie der Gottheit Bild, ein feminines Bild.

EMPEDOKLES

Der Freundschaft Gottheit hält das ganze All zusammen


Und alle Freundschaften von dieser Gottheit stammen.

EDEN

in Eden wartet treu auf mich mein schönstes Käthchen


Und Ursula und die elftausend hübschen Mädchen.

DEUTSCHES REQUIEM

Johannes Brahms hab ich gehört alleine heute:


Ein Requiem des Heils, ein Requiem der Freude!

ZWEI BIBELKREISE

Die Katholikin:
Maria hasse ich, die ach so gnadenvoll!

Die Lutheranerin:
Ich find Maria, die ganz Reine, einfach toll!

KIRCHEN

Abgewiesen mich die Mutter Kirche,


Angenommen mich die Luther-Kirche.

RETTERIN

Nur die Schönheit kann uns retten,


Dass wir uns in Liebe betten!

BRUDERLIEBE
Mir feindlich die katholischen Philister,
Mir lieb die evangelischen Geschwister.

LUTHERKIRCHE

Zwar nennt die Kirche sich nach Doktor Luther,


Doch bete ich in ihr zur Gottesmutter.

SCHIZOPHREN

Im schizophrenen Geist die Geister wütend wühlen,


So sitz ich religiös auch zwischen allen Stühlen.

HÖR AUF!

Du sollst, o Muse – ich will nur Musik noch hören -


Mit inspirierender Liebkosung mich nicht stören!

HEILUNG

Es schmerzt die kindliche Verlassenheit der Seele,


Dass ich mich Freundinnen als Sklave anbefehle,
Die Gottheit aber heilt, nun bin ich gern allein,
Mit der Alleinigen im Geist allein zu sein.

IM TRAUM GEDICHTET

Lieben, Glauben, Hoffen,


Gottes Reich steht offen.
Hoffen, Lieben, Glauben,
Lass dir Gott nicht rauben.
Glauben, Hoffen, Lieben,
So in Gott geblieben.

JANNA

Aufs Butter-Brötchen streicht sie Honig der Akazie.


Holdselige im Licht, der Weihnacht reine Grazie!

VALEA

Gott wurde uns zum Kind. Ja, in dem Nachbarstädtchen


Gott ward ein schönes Kind, ein wunderschönes Mädchen.
FRAUEN

Ob hager oder fett die altgewordnen Leiber -


Ich mag nur jung und frisch die blütenkeuschen Leiber.

JAHRESENDE

Begraben wir das Jahr als fromme gute Christen.


Der Dritte Weltkrieg war das Werk der Terroristen.

SANKT STEPHANUS

Zum Christfest hörte ich von jungen hübschen Mädeln:


Die Kinder Syriens spiel'n Ball mit Christenschädeln.

ÖKUMENE

Katholisch ich vor Gott, doch auch ein Orthodoxer,


Ein freier Protestant, in China Schattenboxer.

TECHNISCHE MÄNNER

Die technologischen Genossen sind steril.


Mir lieber ist ein Kind im selbstvergessnen Spiel.

NEUJAHR

O die Verluste! Ach, nun bin ich ganz alleine


In meiner dunklen Nacht, der ich im Herzen weine.

DON QUICHOTE

Ich Held der Traurigkeit, ich Ritter, der umnachtet!


Ihr Freunde es doch nur zum Sancho Pansa brachtet.

ABSINTH

Wie hab ich dich vermisst, du vielgeliebtes Kind!


Und statt dem Knaben gab die Mutter mir Absinth.

WEH

Ich kann das Herzensweh im Denken nicht mehr fassen,


In meiner dunklen Nacht hat mich mein Gott verlassen.

WEISHEIT

Geh, Frauenliebe, geh, du machst mir nichts als Schmerzen!


Komm, heilige Sophie, und wohn in meinem Herzen!

GEBET

Die Kunst des Betens lehrt ein Mönch in diesen Tagen,


Da all mein Beten ist ein Heulen nur und Klagen.

SPRACHLOS

Es gibt für diesen Schmerz kein Wort in meinem Denken.


Ich kann nur in den Wein all meine Not versenken.

KLAGE

So metaphysisch quält das Leben keinen Affen.


Ich protestiere, Gott: Was hast du mich erschaffen!

JOSEF

Ihr alle lebt so fett und feist in reichen Gnaden


Und kümmert euch doch nicht um Josefs schweren Schaden.

SUNNA

Kommt näher Tag für Tag die große Göttin Sunna


Und bringt mit sich zu mir die Freudengöttin Wunna.

HERZEWEH

Wohin ich schau zurück, wohin zurück ich seh,


Ist alles nichts als Weh, ist nichts als Herzeweh.

HOFFNUNG

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne,


Kommt mit Gottes Frühling Gottes Minne.

WEH
O Weh – ein wahres Wort! O Weh – ein tiefes Wort!
O Weh – mein Hort, mein Trost, in allem Tort und Mord!

HOCHFESTE

Die Weihnacht war so recht ein schmerzlicher Karfreitag!


Doch kommt erst die Passion, dann kommt der süße Maitag!

ADE

Geht nun, meine Lieder,


Geht, und kommt nicht wieder!

WUNSCH

Ach, welch ein wildes Weh die Seele mir bedroht!


Es ist doch nichts als Schmerz! Ach wär ich lieber tot!

IHR UND ICH

In aller Heiterkeit umgibt euch Gottes Heil,


Doch mir durchbohrt das Herz der Gottesliebe Pfeil.

THE LUNATIC'S PRAYER

I consecrate myself to thee, Our Lady,


I, the lunatic, to thy blessed Baby!

AN HANANJA, DEN ENGEL DER GEMEINDE

Ich schau die Gott-Natur in Ihrem Heiligtume


Und bet die Schönheit an in einer kleinen Blume.

HÄRESIE DER LIEBE

Der Vater und der Sohn, der Geist und Unsre Frau -
O Allerheiligste Vierfaltigkeit in Gott!

SIE

Sie ist so schön, sehr schön, o Schönheit unbeschreiblich!


Das Licht allein ihr Kleid und sie so überweiblich!
DIE FETTEN KÜHE

Wie überdrüssig bin ich all der Qual und all der Mühen!
O Herr, erlöse mich von Baschans fetten Kühen!

MEINE LIEBE

Keine Frau kann ich lieben, die glänzt nicht im Kleide der Sonne,
Keine Sonne, wenn nicht in ihr die Dame erscheint.

ANJA

Wie schön und elegant ist doch die Hirtin Anja!


Auf den Poeten wirkt sie wie ein Kelch Champagner!

CHARIS

Das sag ich nicht der Frau, wie sehr mir doch gefalle
Am schicken schwarzen Kleid des Gürtels Silberschnalle!

JOHANNES PAUL

O Frau, ich danke dir, denn du bist eine Frau!

DIE SCHÖNE DAME

Das ist doch nicht das Fleisch, der Sünde geiler Zunder,
Das ist der Spiritus, der schönen Dame Wunder!

WEIHNACHT

Dem Weisen sag es nur und sag es nicht dem Spötter:


Gott wurde Mensch, darum die Menschen werden Götter!

VERLUST

Wie niedlich war doch Tom, sein Lieben ohne Mängel,


Und ihn nahm man mir fort, der meines Trostes Engel.

EPIPHANIAS

Die Religionen und der Philosophen Lehren


Studiert der Magier, dem Ewigen zu Ehren.
EIN NARR SPRICHT

Wenn einen Pfennig nur ich stets im Beutel habe,


Dann geht mir niemals aus des lieben Geldes Gabe.

AN DEN JUNGEN MANN

Verlierst den Pfennig du, so sollst du gleich dich bücken,


Sonst tuts das alte Weib mit bucklig krummem Rücken.

EIFERSUCHT

Dass Tom mich so geliebt, was brachte das für Frucht?


Der Mutter Eifersucht, der Mutter Eifersucht!

WISSENSCHAFT

A:
Das Weltall dehnt sich aus und stirbt den Kältetod.
B:
Es zieht zusammen sich und stirbt den Hitzetod

THOMAS MORUS

Die Herrin Weisheit gut ist mit dem Erbbesitz.


Die Schwermut du vertreib nur mit Humor und Witz!

SCHEIDUNG

Wohl, das gefällt dem Herrn, dass ich mich klüglich scheide
Von meiner Ehefrau, der Dame Herzeleide.

AN DEN KNABEN

Sei fröhlich, liebes Kind, das Glück ist Gottes Gabe,


Sei stets die Heiterkeit des Herrn mit dir, mein Knabe.

SANKT JOSEF

Gepriesen seiest du in ewigen Äonen,


Du Gottes Terrorist, ein Terror den Dämonen!
TRAUER UND GLÜCK

Das Leid zu tragen ist wohl schwer,


Das Glück zu tragen noch viel mehr.

CHRISTUS SPRICHT

Ich sende dir den Geist, dass leichter wird dein Leben!
Und nun getrost, mein Sohn, dich trösten Gottes Reben.

VENUS

Es kniet vor dem Idol und betet an die Venus


In seinem trunknen Wahn Poeta Schizophrenus.

EINE NÄRRIN

Für weise hielt ich dich in deiner Stummheit,


Tust du den Mund auf, hör ich deine Dummheit.

KIRCHE

Die evangelische Gemeinde Nazarenus'


Geführt wird von der Frau, die schön ist wie die Venus.

LEERE

Der Lutheraner Stuhl der Theologen-Lehre


Hat alles sie studiert, zurück blieb nichts als Leere.

DIE PUTZFRAU SPRICHT

Die Kirche kann allein nur meine Seele kaufen,


Wenn sie bereit dazu, auch meinen Hund zu taufen.

MARTIN LUTHER SPRICHT

Was bringt die neue Zeit? Das kannst du nicht durchschauen.


Geh nur mit Jesus! Du kannst ihm getrost vertrauen.

MARIA SPRICHT

Mein Schoß ist offen, um dich Liebling zu empfangen!


Es rast mein Herz für dich vor Liebe und Verlangen!
FÜNFTER TEIL
STEFANIE

STEFANIE

Wie jung die Kirche ist! Wie süß ist Jesu Name!
Feinfühlig, wunderschön, entzückend diese Dame!

STEFANIE

Was, Stefanie, ist dir der Ehrenkrone Ruhm?


Es ist die Attraktivität vom jungen Christentum!

STEFANIE

O Jugendgöttin du in damenhaftem Glanz,


Der Herr verleihe dir der Schönheit Siegeskranz!

TÄUSCHUNG

Das muss die mächtige selbstlose Liebe sein!


O nein, es war allein der Rausch vom roten Wein.

SCHÖNHEIT

Was bist du denn vor der Liebreizenden so bänglich?


Die Schöne ist wohl schön, doch Schönheit ist vergänglich.

VANITAS

Auch Jugend und ihr Reiz und schwarzer Haare Scheitel


Ist nichts als Nichtigkeit, ist Wahnsinn und ist eitel.

JUGEND UND ALTER

Wie jung und lieblich ist voll Anmut die Gestalt!


Des weisen Mannes Herz zur Liebe ist zu alt.

LIEBE ZUR STILLE


Zwar süß am Feigenbaum sind diese frischen Feigen,
Doch lieb ich es, allein zu sein, mit Gott zu schweigen.

INNEN UND AUSSEN

Wie schön du bist, o Frau, das frage deinen Spiegel.


Doch unsichtbar im Herz des Heilgen Geistes Siegel.

JUGEND UND ALTER

Wie schön ist die Figur, wie schön sind ihre Kleider!
Ich bin ein alter Mann, halb tot und hässlich leider.

GUTE NACHT

Nun schlaf recht schön, mein Kind, mein Jesulein, mein Schatz
Und küsse Stefanie und Junia und Mads!

AUFTRAG

Geh, liebes Jesulein, und küsse Stefanie


Heut früh in ihrem Bett! Wer ist so schön wie sie?

SCHNEE

O Liebeslenzeslust! O Stefanie, mein Reh!


Was soll mir jetzt der Frost, die dunkle Nacht, der Schnee?

STEFANIE

Der Schönheit Ruhmeskranz ist dein, du Licht vom Licht!


Im Voraus leiste ich, der alte Mann, Verzicht.

STEFANIE

Die Krone und der Kranz bezeugen deinen Sieg


Im Schönheitswettbewerb! Nun tröste mich Musik!

KRÖNUNG

Die Krone trägst du schon! Was solls, dass ich dich kröne?
Dich krönte Gott der Herr, der Schöpfer deiner Schöne!
VISION

Ich sehe Jesulein im weißen Jaspis-Throne,


Er hält für Stefanie bereit der Schönheit Krone!
Ich sehe Jesulein in Gottes lichtem Glanz,
Er hält für mich bereit der Marterleiden Kranz!

MADS

Matthanja nenn ich dich und Mattha ist dein Name,


Matthäus bist du mir, o Sohn der schönen Dame,
Geschenk des Herrn bist du und Jahwes Gabe mir,
Den Namen geb ich dir, die Geistestaufe hier,
Der Schönheit Königin gebar den Sohn Matthias
Wie Unsre Liebe Frau Maria den Messias,
Der ruft beim Namen dich, du gottgeliebter Schatz,
O Sohn Sankt Stefanies, du süßes Kindlein Mads!

STEFANIE

Ich gratuliere dir, du Schönste der Madonnen,


Im Schönheitswettbewerb hast du bei mir gewonnen!

STEFANIE

Wie schön und elegant fand ich die fromme Dame,


Als ich als Weiser in den Kindergarten kame.

STEFANIE

Als Gottes Grazie mir erschienen superweiblich,


Fand ich der Königin Allschönheit unbeschreiblich.

JUNA

Nachdem ich mich getrennt hab von der Hündin Luna,


Fand in der Kirche ich die junge Christin Juna.

URSCHÖNHEIT

Urschönheit, deinem Schoß ist Schönheit emaniert,


Wie sie Sankt Stefanie mit tausend Grazien ziert.

GNADE
Dass mich geplagt der Hass, die Hässlichkeit, war schade.
Doch tröstet mich mein Gott mit junger schöner Gnade!

MAGD DES HERRN

Ich in der dunklen Nacht! Sie junger Morgenstern!


Sie ist mein Hoffnungsstern, die schöne Magd des Herrn!

RAT DER MADONNA

Mit Gottesliebe lieb der schönen Seele Zierde


Und nicht beflecke sie mit menschlicher Begierde!

LIEBE

Der Menschen Liebe ist ja nichts als Hohn und Spott,


Doch Gott die Liebe ist, so ist die Liebe Gott.

CHRISTUS SPRICHT

Ich sende dich ins Haus, wo Schönheit dir begegnet.


Die Schönheit ist von Gott. Die Seele sei gesegnet.

SANKT STEPHANUS

So komm von deinem Thron bei Gott, Sankt Stephanus,


So gib du Stefanie des Segens Bruderkuss!

MUSIK

Ich denk an Stefanie und ihre schwarzen Haare


Und hör dabei Musik: Wie weit noch bis zur Bahre?

ALT

Ich auch war einmal jung und habe frisch geliebt,


Nun, Schönheitskönigin, bin ich zu Tod betrübt.

MIT FÜNFZIG

Zu alt zur Liebe und zu jung zum Paradies!


Wie bitter ist mein Tod, wie ist dein Leben süß!
VORGESCHMACK

O diese Schönheit ist, o Jahwe Zebaoth,


Des Himmels Vorgeschmack! Ich bin ja halb schon tot.

WUNSCH

Der Schönheit wünsche ich den allertreusten Gatten!


Doch meine Leidenschaft gehört allein den Schatten.

RESIGNATION

Die Schönheit ist aus Gott in Gnaden emaniert!


Jedoch der Philosoph lebt keusch und resigniert.

ABENDSEGEN

Die Dame ist sehr schön! Ich bin des Lebens müde!
O Gottes Gnade komm, o komm, o Gottes Friede!

KEUSCHHEIT

Gott spricht von Stefanie mit rauschendem Geräusch:


Sie kleidet sich nicht nackt, sie kleidet sich sehr keusch!

KUSS

Nun alles was der Herr und Unsre Dame müssen,


Ist Stefanie im Bett mit keuschem Kuss zu küssen.

KRÄNZE

Ich bet für Stefanie Madonnas Rosenkranz,


Dass ihrer Schönheit Kranz wird mir zum Lorbeerkranz.

TREUE

Du bist die schönste Frau, die schönste Frau der Welt!


Ach, wenn mein Lieben doch nur diesen Frühling hält!

DAS NEUE AUTO

Das neue Auto ist wie herrlich doch, bei Gott!


Doch enden wird es auch auf einem Platz voll Schrott.

DREIFALTIGKEIT

Drei Grazien vereint in Einer Dame Venus,


So lehrt Dreifaltigkeit mich Jesus Nazarenus.

STEFANIE

Du bist die Kaiserin der Schönheit von Europa!


Und ich – mein lieber Gott – dein Kindchen nennt mich Opa!

DORNENKRONE

Gekrönt sitzt Stefanie in ihrem Gnadenthrone


Und reicht mir einen Kranz, es ist die Dornenkrone.

MENSCHWERDUNG

Gott ließ den Himmelsthron, die Sphären-Harmonie,


Für einen keuschen Kuss vom Mund der Stefanie.

STEFANIE

Im Meer der Schönheit ich mit offnen Augen bade.


O welch ein Angesicht, ein Angesicht wie Jade!

AUGEN

Ach, meine Augen nur zum müden Schlummer taugen,


Doch Stefanie hat solch ein Lächeln in den Augen.

BELLA DONNA

Welch ein Mysterium ist diese Bella Donna?


Ich bete an vor der Erscheinung der Madonna!

FRAU ARMUT

Frau Armut nenn ich sie, die Herrin voller Glanz.


Ihr Glanz von innen kommt. Sie trägt des Glaubens Kranz.

ERSCHEINUNGEN
Noch oft erscheinen in der Armen Klassenzimmer
Die Gottesschönheit wird in gnadenhaftem Schimmer.

IHR HERZ

Wie ist die Dame denn, die reitet auf dem Schimmel?
Sie hat ein weites Herz, wünscht allen Gottes Himmel!

WEIHE

Dir, Unbeflecktes Herz, du Mutter alle Mütter


Und Ideale Frau, dir singe ich zur Zither,
Ich weih dir Stefanie, die Tochter und den Sohn,
Du führe sie zu Gott, zu ihrem Himmelsthron.

SECHSTER TEIL
GOLDENE SPRÜCHE

AN MAREK

Vergiss nur ganz die deutschen Huren


Und lieb die Jungfrau der Masuren!

SUSANNA

Aphrodite oder Ana-


Diomene gleicht Susanna!

ANJA

Heut hat Anja Du zu mir gesagt,


Darauf pries ich jubelnd Gottes Magd.

ANJA

Pastorin Anja sprach, die Hirtin ihrer Herden:


Auf, lieben Freunde, sprecht, auf dass wir weise werden!

TRAUM

Ich sah im Traumne Mädchen jung und süß,


Ich war im Traum in Gottes Paradies.

SALOMO

Verlassen hat mich Gott, das A und O -


So bitte du für mich, mein Salomo!

TOM

Tom spielte Ball mit seinem Hund


Und meine Seele ward gesund.

VERKÄUFERIN

Wie niedlich die Verkäuferin im Laden,


Wie jung und schön Madonna voll der Gnaden.

VORLESER

Mit Liebe schaut das Kind auf den geliebten Lehrer,


Der Dichter liest gut vor dem kindlichen Verehrer.

REICHE UND ARME

Die Reichen geben nur des Geldes Gaben,


Die Armen wissen nur, das Herz zu laben.

DIE TAT

Du rede nicht nur schön vom lieben Gott,


Den Armen hilf in ihrem Alltagstrott.

HEILIGER JUSTIN

Ich las den Aristoteles und Plato


Und Cicero und Seneca und Cato,
Da sah ich einen Alten zu mir treten,
Der sprach: Lies die hebräischen Propheten!
Ich las, und da erkannte ich die Wahrheit
Von Gottessohn in seiner lichten Klarheit.
Mein Jesus war mein Philosoph, mein Buhle,
Das Evangelium der Weisheit Schule.
Da hab ich einen Schülerkreis versammelt
Und ihnen von der Weisheit vorgestammelt,
Geläutert in der Leiden Feuerofen
Verehrte ich den Gott der Philosophen.

VOLLMOND

Die Türe zum Balkon mir spiegelte den Mond,


Wo Unsre Liebe Frau in lichter Schönheit wohnt.

TOM

Mein Page ist im zwölften Jahr


Und liebt mich, Gott, wie wunderbar,
Ich lieb ihn mehr auch als die Fraun,
Will immer nur den Pagen schaun.

CHINA

Wenn einer so wie meine Seele litte,


Sei ihm doch auch Asyl das Reich der Mitte.

TOM

Er schaut immer so treu zu mir mit kindlichem Glauben


Und ich ernähr ihn mit weißem Brot und saftigen Trauben.

VÖLLEREI

Was dem Knaben ist der Zucker,


Ist der Wein dem alten Schlucker.

HIMMEL

Wie dummes Zeug doch schwatzt die junge schlanke Frau!


Da schweig ich still und schau zum Maienhimmel blau.

HELENA

Als ich begeistert in die Himmelssonne sah,


Da ritt auf weißem Ross die schöne Helena.

POLEN

Die jungen Mädchen Polens zwar,


So hör ich das Gestöhne,
Sie halten alle sich für hübsch,
Doch gibt es wenig Schöne.

NIKOMACHISCHE ETHIK

Willst streben du im Geist nach der Vollendung Ehre,


Folg Aristoteles und seiner Tugendlehre.

ARISTOTELES UND SPENSER

Was schrieb der Philosoph vom Katalog der Tugend,


Steht in der Fairy Queene, ich las sie in der Jugend.

LIEBE

Tags ernähr ich den niedlichen Knaben mit leckeren Kirschen,


Nachts ergötze ich mich an den Töchtern der göttlichen Liebe.

TOM

O, der Herr hat mir den niedlichen Knaben gegeben,


Ach, der Herr nimmt ihn mir – der Name des Herrn sei gepriesen!

HIERONYMUS TRÖSTET

Sei nicht traurig, wenn dir Gott nimmt den lieblichen Knaben,
Sondern dass Gott dir den lieblichen Knaben gegeben, sei dankbar!

HEILIGE FAMILIE

Ich, Josef, sitz im Garten von Nazareth


Und seh dem Jesusknaben beim Spielen zu
Mit seinem süßen lieben Schoßhund,
Gleich kommt Madonna von Anna wieder.

TOMS GEBET

O lieber Herr, wann nimmt das Bellen nur ein Ende?


So betete mein Kind und faltete die Hände.

HELENE

Ich sah die Grazie in makelloser Schöne


Auf ihrem weißen Ross, die göttliche Helene.
ODYSSEUS

Wie hat doch Polyphem voll wehem Schmerz gesprochen?


Ihr Götter! N i e m a n d hat mein Auge ausgestochen!

TOMS ABSCHIED

Mein Vater, morgen seh ich ja die Zwillingsbrüder,


Doch übermorgen, Herz, da sehen wir uns wieder!

NATUR

Gen Himmel ragt die Eiche,


Darunter weiß blüht der Holunderbaum,
Und unter dem Holunder
Ich sitze auf dem Baumstumpf,
Und mir zu Füßen liegt der schwarze Hund.

JESUSKIND

Mein liebes Jesuskind lag heute in der Krippe


Und schlief sich da gesund, es hatte nämlich Grippe.

QUENTIN

Als Baby sah ich dich dereinst in Windeln an,


Und heut stehst du vor mir als neunmal kluger Mann.

TOM

Ich hab von Tag zu Tag dich immer herzlich lieber,


Wie himmlisch siehst du aus, errötend von dem Fieber!

LIEBE

Ob ich nicht länger noch bei den Verwandten bliebe? -


Es ist genug der Feindesliebe.

JANNA

Ja, rück nur dicht an mich heran, du schöne Nichte,


Der alte Dichter mag ein junges Mädchen dichte!
DAVID

Mein Knabe Salomo, den Gott nach seiner Art


Erwählt zum Liebling hat, ist jetzt noch jung und zart.

GEBOT

Du lieb nicht nur den Sohn, du liebe deine Feinde,


Lieb Vater, Bruder und den Pfaffen der Gemeinde!

HUNDE

Die Hunde lieb ich mehr, die ungezognen Biester,


Als laues Kirchenvolk und liberale Priester.

EUGEN DREWERMANN

Der Eugen Drewermann ist nicht allein ein Ketzer,


Ist auch ein Scharlatan, ein Lügner und ein Schwätzer.

BEIFALL

Wenn sich ein Ketzer in der Ketzerei verliert,


Das Kirchenvolk stimmt zu, der Pöbel applaudiert.

FEINDESLIEBE

Du lehrst mich viel, mein Feind, ich muss dich darum achten:
Das Lehramt zu verehrn, den Pöbel zu verachten.

VERWANDTSCHAFT UND FREUNDSCHAFT

Wie ganz zuwider ist mir meine eigne Sippe!


Den Liebling lieb ich nur und seine Zuckerlippe!

BRUDER UND FREUND

Zum Bruder gehe nicht, wenn dir die Seele weint,


Du wende dich getrost an deinen Herzensfreund.

FEINDESLIEBE

Du bete für den Feind! Häuf auf sein Haupt die Kohlen!
Und sag zum Bruder nicht: Soll dich der Teufel holen!
NÄRRISCH

Was fällt dir ein, du Tor, den Bruder zu besuchen


Und ihn dann hinterdrein voll Abscheu zu verfluchen?

PASTORS KRIMI

Wenn dich die Welt verflucht im feindlichen Begegnen,


Mit Pastors Krimi sollst das Narrenvolk du segnen!

SEGEN

So jung und schlank! So nackt der Schwanenhals, der schlanke!


Dein Schöpfer segne dich, du schönes Fräulein Schwanke!

JUGEND

Als Dichter ich voll Fleiß, ich sage unermüdlich:


Ich lieb, was jung und schön und was charmant und niedlich.

DANIEL

Beim Weingelage nachts ich les das Menetekel:


Frau Weisheit ist sehr schön, Frau Welt ist mir zum Ekel!

MEIN PATENSOHN

Auf welchen Gott willst du in deinem Leben hoffen? -


Auf König Alkohol, wenn er nur macht besoffen!

ZWEI REICHE

Ich lieb die Jungfrau in dem Himmelszelt,


Mich ekelt an die eitle Dame Welt!

LYRIKUNTERRICHT

Ich wollte fangen einen Barsch,


Das Wasser stieg mir bis zum Knie.

WAS IST GLÜCK


Quentin:
Glück gibt es nicht, das ist berechenbar.

Tom:
Das Glück ist einfach und schlechthin das Glück.

Evi:
Das Glück ist hoher Schwung von Energie.

Josef:
Glück ist ein Kuss der göttlichen Fortuna.

TRAUM

Als Aphrodite ist getaucht aus Schaum und Gischt,


Da haben wir in Lust und Liebe uns vermischt.

HEGEL

Das absolute Sein, das ist ein leerer Spott,


Professor Hegel ist der gottgewordne Gott.

ICH BIN

Ich Bin! Der Weisheit Stimme schallt,


So laut der Wettersturm auch stürmt,
Ob auch die Wogen mit Gewalt
Vor mir sich riesig aufgetürmt!

Du Schüler mein in Petri Boot,


Mein Schatz, du wirst nicht untergehn,
Und leidest du beim Rudern Not,
Frau Weisheit hat dich angesehn...

Hab keine Angst, mein Kind, nur Mut,


Die Retterin der Menschheit naht!
Zwar brüllt der Sturm, es peitscht die Flut,
Der Geist jedoch weiß immer Rat.

Frau Weisheit lässt doch nie allein


Die Kinder, wenn sie leidend sind,
Gott trat in Petri Kutter ein,
Das Meer ward still, es schwieg der Wind.

Wenn du dein Schicksal nicht verstehst,


Doch ist die Gottheit immer gut!
Sie sorgt, dass du nicht untergehst
Und reißt dich aus der Todesflut!
LI TAI BO

Ach, meine Söhne sind verzogene Natur,


Sie lieben Hahnenkampf und Hunderennen nur.

GLÜCKSSPIEL

Nur faule Birnen und nur stachlige Kastanien


Im Glücksspiel setzen ein die Söhne von Germanien.

POKER

Nun setze ein dein Glück und setze ein den Joker,
Im Leben du verlierst, doch du gewinnst im Poker.

PREDIGER

Dem Priester wünschte ich die weisheitsvolle Stummheit,


Nun plappert er auf deutsch, tut kund nur seine Dummheit.

DUMMHEIT

Die Dummheit maßlos ist im menschlichen Geschlecht,


Doch lieb ich nicht den Streit und meide das Gefecht.

DIE DEUTSCHEN

Sie lieber nur das Geld und hoffen auf das Lotto
Und wissen nichts von Gott und nichts von Kaiser Otto.

CHINESISCH

Ich tausch die Flasche Wein, die ich am Abend leerte,


Nicht gegen Dichterruhm, der tausend Jahre währte.

DER BOTE

Der Bote mit Konfekt vom Könige geschickt -


Wie dankbar doch das Kind zum Königsboten blickt.

ISMAEL

Wie geht es Ismael, der wilden Hagar Sohn?


So fragte Abraham, der liebte seinen Sohn.

VANITAS

Ach, nichts als Nichtigkeit, ist alles sinnlos! - Welch


Ein Leiden dich auch quält, du leere deinen Kelch!

DINI

„Heut ist die Sonne heiß, ich gehe baden, Dini.“


Du bist ja jung und schlank, gut steht dir der Bikini!

SCHLIMME ZEIT

Die Muse leider hat nur noch den schlechten Brecht,


Frau Weisheit, wehe uns, nur Richard David Precht.

RUSSISCHE LYRIK

Die eine singt den Kaspar Hauser


Der andre den Genossen Mauser.

DEUTSCHLAND

Ich klag es Klopstocks Geist, dem Seraph in der Wolke:


Ich, Liebster, singe nicht dem dummen deutschen Volke!

HILDE DOMIN

Weil Lesbia nicht recht versteht die Nomina,


Drum lobt die Zunge sie von Hilde Domina.

SARAH KIRSCH

Nach Jahwe dürstete einst David wie ein Hirsch,


Heut liebt man pythisches Gelall von Lady Kirsch.

ERICH FRIED

Einst Sappho Liebe sang, der Aphrodite Lied,


Frau Torheit lobt man nun, singt Liebe Erich Fried.

ERNESTO CARDENAL
Einst Dante war ein Zar, sein eigner Kardinal,
Nun brüllt der Kommunist Ernesto Cardenal.

GÜNTHER GRASS

Die Rättin überlebt den Untergang der Welt!


Der Rättin Sieg und Heil! schrie Günther Grass, ihr Held.

GÜNTHER GRASS

Man stellt den Schmierer schon auf den Parnass zu Goethe,


Da hör ich, es verstummt des Dichterfürsten Flöte,
Denn Günther Grass kommt an, o Goethe, welch ein Pech,
Jetzt dröhnt auf dem Parnass die Trommel laut von Blech.

HEINRICH BÖLL

Der linke Katholik, der Herr Hinricus Bölle,


Den Terrorismus preist, es applaudiert die Hölle!

PAUL CELAN

Wie gern steh ich im Dom, wenn predigt auf der Kanzel
Von lieben Seligen der Seher Paulo Ancel.

HEINER MÜLLER

S'ist um die Tinte schad in dem missbrauchten Füller


Um jedes Schauspiel vom Genossen Heiner Müller.

GERMANIA

Germania, die Maid, die blondgelockte, weiße,


Hier landet sie im Dreck, in Mister Müllers Scheiße.

PETER WEISS

Von Hölderlin im Turm schrieb weiland Peter Weiss,


Es ist ein Fliegendreck, ein irrer Rattenscheiß.

MARATS TOD

Im Tode des Marat pries er den Kommunismus


Und offenbarte die Idee als Satanismus.

ÄSTHETIK DES WIDERSTAND

Unendlicher Roman, rebellische Poetik,


Des Revolutionärs erzhässliche Ästhetik.

BRECHTS LEHRSTÜCK

„Wer einzeln Gutes tut, den müssen wir erschießen,


Dass wir die Rebellion im Ganzen einst genießen.“

BRECHTS SONETTE

„Ha! Beatrice ist doch niemals nass geworden!


Ich Hurer bin kein Freund von Dantes Dichter-Orden.“

BRECHT

„Ich will auch wie Lukrez ein Lehrgedicht schreiben, ich press in
Freier Hexameter Dreck Engels' und Marx' Manifest.“

JOHANNES R. BECHER

„Deutschland, Deutschland über alles!


Nach dem Falle seines Falles
Deutschland wieder ist erschienen,
Auferstanden aus Ruinen!“

VISION

Die Frau, die Unbefleckte,


Die Schönheit, die Perfekte!

UNTERSCHIED

Die Frauen Schönheit zwar und süße Reize haben,


Ich fand jedoch ein Herz der Liebe nur bei Knaben.

STOSS-SEUFZER

Gott, ich beschwöre dich, bei Evis Vagina!


KRONE

Die schöne Dame ist der Schöpfung Krone.

MARIA SPRICHT

Sei nicht mehr traurig, Sohn, du trägst das Kreuz für viele!
Ich führ dich durch die Nacht zum Licht, zum Glaubensziele.

FREUNDE

„Wir sind bekehrt! Wir sind vom Geiste neugeboren!“


Ach, Narren seid ihr, eitle Toren!

UNTERSCHIED

Dem Mystiker sind Nachts Ideen schön geraten,


Es haben Tags dafür nur Spott die Technokraten.

UNTERSCHIED

Bei Gott, die Heilige ist mir bekannt persönlich!


Ihr Toren aber seid nur kalt, gemein, gewöhnlich!

MARIA SPRICHT

Und glaubt dir auch kein Mensch, du lass dich nicht bedrücken,
Es wird dich Gottes Lust in Ewigkeit beglücken!

ICH UND IHR

Ich bin ein Bräutigam und Sohn der Unbefleckten,


Ihr seid Häretiker in euren dummen Sekten.

TOM SINGT

Du Herzensvater mein, du bist von Herzen gut,


Doch Mama redet nur, und nichts ist, was sie tut.

ZWEI GRAZIEN

Die eine schöner ist und nichts ihr ebenbürtig,


Die andre ist charmant und nett und liebenswürdig.
ZWEI SCHÖNEN

Sind Dinas Zähne schön, so strahlend und gesund,


So ist an Stefanie das Schönste doch ihr Mund.

HEILIGE MESSE

Wenn auf dem Hochaltar geopfert wird das Manna,


Dann nahn die Himmlischen, es kommt mein Gott mit Anna!

DIOGENES

Ich lieg als Philosoph in einer leeren Tonne.


O Herrscher dieser Welt, geh du mir aus der Sonne!

DIOGENES

Mit einem Löffel tat ich meine Linsen essen,


Bis ich den Knaben sah mit seinen Händen fressen.

DIOGENES

Wenn Aphrodite kommt, das liederliche Weib,


Wie jag ich sie davon? Ich reibe mir den Leib.

RAT

Nun vierzehn Tage ruhe hier,


So sagt die Ärztin Russlands mir.

PYTHAGORAS

Die Sonne wandelt in der Sphäre mit Gesang,


Zum Sterben schön der Ton, der göttlich-schöne Klang!

SONJA

Meine Geliebte, die keiner kennt, ist die göttliche Sonja,


Sie ist mein Atem, sie ist meiner Geistseele Licht.

SÜDFRANZÖSISCH

Am Tag voll Heiterkeit genieß ich le soleil,


Des Nachts voll Trunkenheit genieß ich le bouteille.

DREWERMANN

Der schlechte Theolog, Herr Eugen Drewermann,


Er denkt so weise wie der Narr Herr Jedermann.

EHESCHEIDUNG

Wie schief gewickelt ist der Kardinal Herr Kaspar,


Der kirchlich scheiden will das Gretchen von dem Kaspar.

HAREM

Wie Salomon auch ich will einen Harem halten,


Die Jungen liebe ich und ehre auch die Alten.

SOMMER

Wie schön die Schlampen jung spazieren durch die Stadt,


Trägt jede mindestens vorm Loch ein Feigenblatt.

KARINE

In ihrer Jugend sie griff lieb mir in den Schritt,


Im Tode bringt sie nun das ganze Jenseits mit!

KIRSCHEN

Der ältere Poet hat stets den Wein erhoben,


Es mag der Knabe mehr die süßen Kirschen loben.

EMPEDOKLES

Als Aphrodite schuf und mischte Elemente,


Da schuf sie für den Mann auch die gebratne Ente.

VIETNAM

Ich wollte in Vietnam im schwülen Sommer schmelzen


Und sah auf Rügen nur den weißen Kreidefelsen.

MARK
Wir wollen uns, mein Freund, der Apathie nicht schämen,
Wir pilgern nicht nach Rom, wir pilgern nur nach Bremen.

DEUTSCHLAND UND FRANKREICH

Ja, die Teutonen sind sehr tief in den Gedanken


Und in der Liebe heiß die Fränkinnen und Franken.

MAGDALENA

Komm, Göttin, zum Altar! Wir rufen: Gratia plena,


Du Göttin von La France, du schönste Magdalena!

MAGDALENA

Wie heißt die Göttin denn? Maria Magdalena!


Die Griechen nannten sie einst Anadyomena!

LIEBE

Ich mochte lieber doch die leichte süße Dirne


Als diese stolze Frau mit ihrer harten Stirne.

VENUS

Wie Venus aufgetaucht aus weißem Meeresschaum,


So schau ich Stefanie im schönen Morgentraum.

NACHT

Nun einmal noch den Kelch und dann in Ruhe schlafen


Und morgens nicht erwacht, nein, ankern in dem Hafen.

SIEBENTER TEIL
EPIGRAMME

Heute haben die tollen Puppen


Alle den vollen Pollen-Schnuppen.

Katholisch fromm und brav das Ehepärchen


Liest seinen Kindern Bibel vor wie Märchen.

Heut wollte mir gefallen meine Muse:


Sie trug nach Griechen-Mode ihre Bluse.

Wie weise sind die Stummen,


Doch plappern viel die Dummen.

"Ich scheue deine Geistes-Klarheit,


O bitte sag mir nicht die Wahrheit!"

O Schwesterchen, wir werden immer frommer


Und immer schöner wird der Himmels-Sommer!

Sprich mir von Arbeit und vom Gelde nicht,


Mein Schatz, mein Herz, o du mein Seelenlicht,
Sprich immer nur vom Küssen, stets vom Küssen,
Denn das ist alles, Liebling, was wir müssen!

Heut meine Wenigkeit und meine Augenweide


Spazieren gingen in der Lüneburger Heide.

IM RAUSCH

Ich schrieb schon Pinsel stumpf aus Haaren vieler Hasen,


Gedichte, die ich schrieb, sind schwer wie Ochsenkarren.
Mein Pinsel rast dahin, ein Tiger schnell entsteht,
Mein Ärmel tanzt und streift bereits das Firmament.
Die beiden Mädchen hier zusammen singen Lieder
Und wechseln Melodien bis zu dem frühen Morgen.
Hoch, Kelch! Ich fordere heraus des Nordens Schnee!
Im Trinken folg ich ihm und geb dem Schnee nichts nach!

Das Vaterunser, des Herrn Gebet,


Es dient und hilft in allen Nöten;
Wenn einer auch unser Vater fleht,
In Gottes Namen, lass ihn beten.

Musik die Sprache ist der Himmelsliebe,


So kommt die Sonne in die deutsche Trübe,
So Spanien, Südamerika bringt heute
Den depressiven Deutschen Lebensfreude.
Zu der Musik, ich sehs im Großen-Ganzen,
Messias und die Morgensterne tanzen!

Und du erzählst mir deinem roten Mund,


Wie du gesehn, wie tut der schwule Hund.

Der Derwisch tanzt am Grab mit Rundung und mit Drehung,


Er freut sich auf den Tag der Totenauferstehung!

AN MEINE NICHTE ZUM ACHTZEHNTEN GEBURTSTAG

Als Baby lagst du auf dem Wickeltisch,


Ich betete für dich mit Engelszungen.
Ach, solch ein Kind zu haben, froh und frisch,
Das hätte mir das Vaterherz durchdrungen.

Neun Jahre warst du, kamest aus Florenz,


Da habe ich mein Herz dir ausgeschüttet.
Ach wärst du Schwester mir, schön wie der Lenz,
Mir, dem der Liebesschmerz das Herz zerrüttet.

Nun wirst du achtzehn, junge schöne Frau,


Prinzessin Oldenburgs von höchstem Adel.
Verehrungsvoll ich auf zur Fürstin schau,
Zur schönen Dame ohne jeden Tadel.

Wo soll das noch hinaus? Wirst du zur Göttin?


Und höher noch, des höchsten Gottes Gattin?

Genießen Sie die Ruhe und die Rente,


Bis sich der Leib auflöst in Elemente,
Die Seele aber kehrt zu Gott zurück.
So wünsch ich Ihrem Lebensabend Glück.

*
DEM PROTESTANTISCHEN PREDIGER

Matrosen fahren über hohe Wellen,


Da sieht man aus dem Meer den Walfisch schnellen.
Die Wassermassen folgen großen Schiffen,
Verschwunden sind sie alle an den Riffen.
Bei den Matrosen aber war der eine,
Der starb nicht, der besaß die Perle, reine.
Sie ist mehr wert als alles sonst auf Erden,
Ihr Glanz kann lichter als die Sonne werden.
Der Mann die Perle barg in seinem Mantel,
Mit Gleichmut ging er weiter seinen Wandel.
Wer kennt die Perle? Ich in meinem Wahnsinn,
Ich lache still, weil selig ich im Wahn bin...
Wir, Freund, wir kennen Gottes Wort und Lehre.
Ich wollt, dass ich ein Andrer Christus wäre.
Was sollen weiter wir vom Worte sprechen?
Lass uns vereint den Wein der Weisheit zechen!

FAMILIE

Die Tochter opfert man der Göttin in der Nacht,


Drauf wird der Vater von der Gattin umgebracht,
Der Sohn den Vater rächt und bringt die Mutter um,
Der Wahnsinn straft den Sohn im Purgatorium.

Heut hörte leider ich den Dichter Heiner Müller.


Treib aus, o Gottes Geist, des Teufels lauten Brüller!

Heut zu Marien Fest ich mit den Augen küsste


Der jungen blonden Frau so schöne nackte Brüste!

O Lord, I have to read two hundred emails,


Therefore in Heaven give me thousand females!

Das Schicksal hat mich arg zerdroschen,


Ich bin nichts mehr, ich bin erloschen.

Wie schön ihr weißer Leib, die roten Haare und


Mit dem sie grüßt und küsst, der kirschenrote Mund!
*

Die Hässlichkeit der Welt schreit in des Krieges Weh,


Der Friede kommt herab, der reine Weihnachtsschnee.

Weicht von mir, ihr Trauergeister!


Jesus ist mein Freudenmeister.

Gott in der Wolke!


Man spricht im Volke
Von Krankheit und
Vom lieben Hund.

Einst Lüstling ich, steh nun in strenger Fron


Und diene meinem Herrn, Bathsebas Sohn.

Die Marmorgöttin stand vor mir als Petrefakt,


Dann lag in meinem Arm die Liebste splitternackt.

Ein junger Kommunist, der liebt Gerechtigkeit,


Ein alter Kommunist, der liebt die Schlechtigkeit.

APHRODITE

Die Göttin Griechenlands, sie ist nicht nackt so ganz,


Sie ist allein gehüllt in ihrer Glorie Glanz!

HELENA

Kennst du die Helena von Sparta, schönes Licht?


"Ich hab von ihr gehört, doch ich, ich bin es nicht."

So haben wir den Hund gefressen gar und ganz,


Nun schaffen wir zuletzt auch noch den Hundeschwanz.
*

Da steht der Jüngerkreis um Jesus Nazarenus,


Ganz vorn im blauen Kleid die fromme keusche Venus.

Wir sind noch jung


Und das war schön.

Mach End, o Herr, mach End


Mit dieser Arbeitsnot!
Gib mir das Sakrament
Und dann den Gnadentod!

Sanftmütig, freundlich, gut und schöne Augenweide,


Susanne ist fürwahr ein Weib wie Samt und Seide.

Wie schön die Kellnerin doch in der Schenke Safra!


Sie lächelte so süß! So lächelte Sankt Aphra!

Ein glaubensstarker Held war Martin Luther,


Doch heut ist sein Geburtstag nicht!
Heut ist das Jubiläum MEINER Mutter,
Drum zünd ich an das ew'ge Licht.

HIER RUHET TORSTEN SCHWANKE / IMMER LEDIG /


DER HERR SEI SEINER ARMEN SEELE GNÄDIG!

Oh! Aphrodite ist in jedem Elemente!


Und Aphrodite ist in der gebratnen Ente!

Wie rund und groß und braun sind deine warmen Augen,
Die mir die Zärtlichkeit aus meinem Herzen saugen!
Wie liebst du es, wenn ich liebkose deine Brust,
Den Hals, den schlanken Bauch, das ist die schönste Lust!
Die Zunge leckt den Mund, du kommst, um mich zu küssen,
So Mund auf Mund gedrückt in küssenden Genüssen!
Du stammst aus Mexiko von dem Aztheken-Stamm,
Am liebsten hast du doch von Herzen Gottes Lamm!

Ich bin verlassen, Gott Jehova Zebaoth,


Mit einem Kuss verriet mich Freund Iskarioth!

Lasst uns froh und fröhlich sein,


Morgen kommt das Warzenschein!

I love you in the morning,


I love you at noon,
I love you at evening,
I love you in the night.

Erbarme dich, mein A und O,


Kein Funken Geist ist nirgendwo.

Wie Eske vor mir stand, ich noch im Geiste seh,


Die Mädchenbrüste groß im Seiden-Négligé.

Aus kleinem Hüttchen quillt von dem Kamin der Qualm,


Die Tannen in dem Wald lobsingen einen Psalm,
Der Raureif auf dem Gras still glitzert wie die Sterne,
Es schaut das Jesuskind aus blauer Himmelsferne.

Susanna tauchte auf wie Venus aus dem Schaum


Und grüßte gnädig mich im heitern Morgentraum.

Im weißen Kleid, halbnackt, mit goldnem Lockenhaar


Ward mir Germania im Traume offenbar.

Was träumt Diogenes, der Dichter in der Tonne?


Susanna in dem Bad, gehüllt ins Licht der Sonne!
*

Wie kam Diogenes ins Weinfass, das stand offen?


Er hat zuvor den Wein voll Durstes ausgesoffen.

St. Mary said: I am your hope, my son, my man, my mate!

Du bist die heiligste und schönste Frau am Orte


Und wahre Künstlerin der Schokoladentorte!

Was war das doch im Traum für süße Himmelsgnade:


Susanna sah ich nackt im Garten in dem Bade!

Frau Ariane, blond und mit charmantem Mund,


Die kluge Ärztin spricht: Du bist nicht ganz gesund,
Mein lieber Bacchus du, o trunkner Freudengeber,
Verfettet und zu groß in deinem Bauch die Leber.

Dass ich den Luther lieb, du musst mirs nicht verübeln,


Es ist die schönste doch von allen Ketzerbibeln!

Was guckst du so verliebt zur Ärztin, Frauen-Gucker?


Sie prüft doch nur dein Blut und in dem Blut den Zucker.

Lecker essen: der Eros


Des katholischen Kleros.

ARIANE

Sie füllt den Arztberuf mit soviel Menschlichkeit,


Der Güte Engel und der Gottesherrlichkeit.

Nach langem Fasten kommt des Himmels Festbankett.


Geliebte schöne Frau, nun komm zu mir ins Bett!
*

Iss Körner, Blattsalat und trinke Wasser keusch


Und sauf nicht so viel Schnaps und friss nicht so viel Fleisch!

Ich habe ein Problem, das ist nicht angenehm.


"Was fragst du mich? Ich hab ein grö0eres Problem."

Von meiner Oma hab ich aller Liebe Hauch,


Den Glauben an den Herrn und Diabetes auch.

AHITOFEL

Bedarf ich klugen Rats, so geh ich ohne Mängel


Zu meinem lieben Freund als wie zu Gottes Engel.

Du hast in deinem Leib zuwenig Insulin?


So trinke Wodka als die beste Medizin!

So dumm ist die Musik und das Geschwätz der Zofen,


So dumm die Prediger, so dumm die Philosophen.

Die Welt, die ihr so liebt mit aller eurer Kraft,


Die find ich abgeschmackt und dumm und ekelhaft!

Nun nehme ich ein Bad, nun schluck ich die Tabletten,
Nun trink ich meinen Wein, um trunken mich zu betten.

Mein Freund, du Gegenteil von einem finstern Fiesling,


Jetzt trinke ich dein Blut in einer Flasche Riesling!

Kein Weißbrot und kein Ei, kein Fisch und keine Wurst -
Es schreit in meinem Blut: O Schöpfer, ich hab Durst!
*

Ich salbe meinen Leib im Bade um und um


Mit reinem Haschisch-Öl und Öl vom Opium.

In dem vergagnen Jahr geschehen ist mir - nichts!


Ich lebte einsam, still, in Spären des Gedichts.

Das war ein böses Jahr voll kriegerischer Übel.


Ich legte aus dem Volk das Weisheitsbuch der Bibel.

Ganz ohne Leidenschaft, in weiser Apathie,


Die Muse hat diktiert der Griechen Poesie.

Die Herrin führte mich, die Jungfrau Philosophie,


Durch ständiges Gebet zu Gottes Apathie.

Es schickt der liebe Gott uns nicht allein die Plagen,


Er schickt uns auch Geduld, die Leiden zu ertragen.

Verloren hatte ich mein dünnes Portemonnaie,


Da sprach ich ein Gebet zur Jungfrau Santa Fe,
Da kams zu mir zurück, ein Wunder war geschehen,
Sankt Fides Lob und Ruhm, der Frau der Pyrenäen.

ERNESTO CARDENAL

"Das Universum ist der reinste Kommunismus!"


Krieg, Terror, Tyrannei des tollsten Pauperismus?

Wer keine Kinder hat, schreibt Psalmen, Hymnen, Oden,


Wer Kinder hat, sorgt sich um seines Sohnes Hoden.

*
Ich hangle mich allein von Messe nur zu Messe
Und lese zwischendurch den schönen weisen Hesse.

"Ich bin nicht Sie, ich bin nicht Er, ich bin ein Es!"
Ich aber lieb die Frau, die Frau ist, unterdes.

Weisst du nicht, ob du Frau, ob Mann in deiner Norm,


Das, sagt der Psycholog, ist Schwachsinn höchster Form!

Ich will nur unters Dach, man gebe mir die Haube,
Und dafür opfre ich auch alles, was ich glaube.

Was Jesu Weisheit und was Pauli Weisheit ist,


Im Traum der Katholik sprach mit dem Pietist.

Bis zu dem Feuerwerk Wacholderschnaps, Limette,


So gingen wir, die Frau und trunken ich, zu Bette.

Die Muttergöttinnen einst gaben reichlich Butter,


Jetzt aber herrscht allein die Jungfrau Gottesmutter.

Du lebe ehelos ums Himmelreiches willen,


Madonna wird die Lust und Sehnsucht in dir stillen.

Der Herr der Ringe und auch Narnia, die beiden,


Sind ohne Musenkuss, der Dichter sagts bescheiden.

Da man das Kind verdirbt durch Schreckensbücher schaurig,


Da wird der Pädagig von Gottes Gnaden traurig.

Was sucht im Bibelkreis die schöne junge Frau?


Sie präsentiert kokett sich auf der Modeschau.
*

Da über mir um Gott das schönste Freudenreich,


Sind heut mir in der Welt doch Glück und Unglück gleich.

Ach, wie der Protestant die Biblia zitiert


Und seine Häresie dann dreist dazwischen schmiert!

Alle Polen
Sind Katholen.

Wie großé Diebe sind die Evangelikalen,


Die der Catholica die liebe Bibel stahlen!

Die liebste Biblia ist schön wie keine nie,


Da kommt der Protestant und vergewaltigt sie.

Die schönste Biblia ist Gottes Melodie,


Der taube Protestant zerreißt die Harmonie

Da Michelangelo gemalt des Schoßes Röschen,


Da kam ein Kardinal und malte drauf das Höschen.

Wie dumm die Dummen doch das Wort erledigten


In ihren leeren und zu langen Predigten!

Nimm auf dein Kreuz und trag der Leiden schwere Lasten
Und liebe deinen Gott und übe dich im Fasten!

Ich warte schon auf dich im Gartenparadies,


Ich Schönheitsgöttin dir, ganz jung und nackt und süß.
*

Du musst, bevor du darfst im Schoß Mariens ruhn,


Im Fegefeuer noch mit Luther Buße tun!

Frau Langeweile sprach durch ihren Prinzipal,


Es war die Predigt von dem Wiener Kardinal.

Wie wirst du nun ein Christ und ähnlich deinem Heros?


Die Weisheit suche du mit heißen Lernens Eros.

Was denkst du, wo im All die sieben Götter wohnen?


Es sagt Ecclesia, sie seien Fluch-Dämonen.

O Dichter, dafür hat die Muse kaum noch Töne,


Für was du angeschaut, das Absolute Schöne!

Was sollst du wissen und was leidenschaftlich lernen?


Den Allerhöchsten Geist der Götter über Sternen.

Ich liebe das Gebet zu Zwergen und zu Feen.


Gebet zu Heiligen, das kann ich nicht verstehen.

Erst wenn in dunkler Nacht du eingehst in die Leere,


Die Weisheit kommt zu dir, küsst dich mit ihrer Lehre.

Die Außenwelt: des groben Stoffes Streben.


Die Innenwelt: der Träume Schattenleben.

Die Erde: wo die Seele keinen Reim hat.


Der Himmel: wo der Geist ist in der Heimat.

*
Ich geh zum Gottesdienst als Pflichterfüllung nur
Und Unsre Liebe Frau Marie ist die Natur.

Wenn du verzweifelt bist und elend gar und ganz,


Ruf an die liebe Frau und sprich den Rosenkranz.

Die arme Bäuerin, die glaubt dem lieben Gott,


Ist vielmals weiser doch als Stephan Hawkins Spott.

Wir kommen zu dem Keks und zum Altweiber-Klatsch


Und suhlen weiter uns im Atheismus-Matsch.

Ganz ohne Pferdefuß und Bockshorn Satan, schiens,


Blauäuigig, blond, er trug ein T-Shirt und blue jeans.

Wie Ariadne süß den Bacchus angelacht!


So hat ein schönes Weib nur über Götter Macht!

Wie Ariadne süß den Bacchus heut gegrüßt,


Das hat sein trunknes Blut mit Honig ihm versüßt!

Mein Jesus ist wie ich, nicht Fleisch, nicht Fisch, nicht Ei,
Nicht Milch und Käse nicht des Christen Speise sei.

Du kennst nicht Gott den Herrn in seinem Himmelszelt?


Der größte Dummkopf bist du auf der ganzen Welt!

*
Ich hör, dem Schöpfergott zu Ehren,
Harmonische Musik der Sphären.

God sounds - my spirit hears


The music of the spheres.
*

Ein Glas voll Wodka nachts, mein Herz, ist das Normale,
Und manchmal zwei, du schaust dann trunken Ideale,
Das dritte aber lass, der Abgrund ist zu tief,
Du wärst am nächsten Tag wehleidig-depressiv.

Due Stimme Rilkes sprach im Wald, dass ichs erzähle:


Der Jungfrau Augen sind im Innern deiner Seele.

Nur vorwärts! Schau Voraus! Ich hör im Traume dies,


Dass vor mir liegt in Gott das schönste Paradoes!

Ihr, die ihr abgeirrt zum radikalen Luther,


Zur Kirche kommt zurück, zu eurer wahren Mutter!

Johannes kam, war ernst, asketisch streng und keusch,


Dann Jesus kam, trank Wein und aß gebratnes Fleisch.
Was soll ich sagen denn von diesen Überwindern?
Frau Weisheit ist gerecht in allen ihren Kindern.

Dies sind die Kinderlein der Hagia Sophia:


Johannes, Jesus Christ und Unsre Frau Maria.

Noch mehr als Salomon ist Jesus, der Messias:


Nicht Mann der Weisheit, nein, Inkarnation Sophias.

Ich höre mit Genuss die Leidenschaft von Anna


Karenina, das ist des Geistes süßes Manna.

Besser evangelikaler Christ


Als ein gottverdammter Atheist.

Du suchst die Weisheit beim Geschwätz der Astrologen?


Nur Binsenwahrheit wars, was sie dir vorgelogen.

Wie schön sie in der Nacht auf weicher Wolke wohnt,


Geliebte mein und Braut, du Jungfrau auf dem Mond-

Was sang von Liebe denn der Dichter Paul Neruda?


Es war nur Ehebruch mit seiner Venus nuda.

Vorm Allerheiligsten und Allerhöchsten Schauder!


Statt dessen ein Geschwätz und weibliches Geplauder.

Ich lieb dich, lieb dich nicht, du liebst mich, liebst mich nicht!
Das soll die Ehe sein, der Gottesliebe Licht?

Der Tag ist grau und nass, ist nur Geschwätz und Krach!
Wie süß die Nacht im Bett mit der Geliebten wach!

Ihr kennt Maria nicht, die Heiligen und Engel,


So euer Wissen ist von Jesus voller Mängel.

Wenn ich mich in der Welt der bösen Torheit quäle,


Dann hör ich Schubert, das ist Balsam für die Seele.

Macht dich die Torheit der Gemeinde melancholisch,


Dann flieh zu Biblia, die schön ist und katholisch.

Mein Gott ist ewig, ist der Höchste, A und O,


Die Welt ist gottlos, ach, ist grausam, grob und roh.

Barmherzigkeit, mein Gott! Die Welt ist disharmonisch.


Ich werde bitter, Gott, und zynisch und ironisch.
*

Dahin die Heiterkeit des Lichten, Himmelblauen,


Auf Erden nichts als Angst und Grauen über Grauen!

Wie Ariadne doch voll Liebe ungeheuchelt


Dem Gott Dionysos den starken Arm gestreichelt!

Deckel stumm! Stumm Töpfe!


Herzlose Dummköpfe!

Wie ist mir doch so herzlich weh,


Wenn ich den Tod auf Erden seh!

Wie sehr mein Liebling meinem Geist gefällt:


Du bist ja viel zu schön für diese Weöt!

Die Libido ist schwach, es lebt nichts mehr im Mark,


Doch Thanatos, der Trieb zur Ewigkeit, ist stark.

Warum die Christenheit den wahren Herrn nicht kennt?


Weil keiner gerne liest im Alten Testament.

Ich hab als Hirte mit der Hirtin geil geschäfert,


Bis mir der Äskulasp die Triebe eingeschläfert.

Des Lebens müde, ach, auf Erden herrscht der Krieg,


Und kommt die Schwester Tod, ich bitte: mit Musik.

Nein, ohne Liebestrieb kann der Poet nicht schreiben,


Ganz ohne Lebenstrieb will er sich selbst entleiben.

*
Was das Mysterium der dichterischen Kunst?
Ist sublimierter Sex und kreastive Brunst.

Wie mich die Lebenden so tödlich doch ermüden.


Ich wollt, ich wör bei Gott, bei Unsrer Frau vom Süden.

Kein Spatz in meiner Hand, doch auf dem Dach die Taube.
O Traum und Prophetie! O Liebe, Hoffnung, Glaube!

Was wird dann mit euch sein, ihr erogenen Zonen,


Sind Geisterleiber wir in himmlischen Äonen?

O Mann, plagt deinen Geist die Qual der Hypochondrie,


Erzähl ich Qualen dir der Gynäkologie…

*'

Gott ist in Schönheitsfragen weiser Lehrer,


So bin ich Noras seufzender Verehrer.

Der angefochten ward, der Freund, er war verschwiegen,


Er teilte mir nichts mit von Satans List und Lügen.
Erst später sagte mir der brüderliche Christ:
Ich bin vorzeiten fast geworden Atheist.
Das ist ein schöner Spaß, o Liebe Frau der Basken,
So tragen Fromme auch vor Freunden schöne Masken.

Die Erde wirf du in des Weltalls Abfalleimer


Und schweb im Reich des Traums voll Seligkeit, du Träumer!

Fort von dem irdischen Gewimmel und Getümmel


Und heim in den platonischen, in den Ideenhimmel!

Wo ist die Göttin hin, die wunderschöne Puppe!


Die Mutter aber schenkt mir eine Kürbis-Suppe.
*

Des Nachts verfolgten mich die Männer, meine Feinde,


Die sich versammelten vereint in der Gemeinde.

DER CHINESE UNTER DEN DEUTSCHEN

Da sitzen sie am Tisch, mit kaltem Geist, die Männer,


Die Denkmaschinen, die belesnen Alleskenner,
Und Weibertorheit auch, wohin ich hör und seh,
Und wie ist abgeschmackt der Schokoladentee!
Nur einsam in der Nacht ich seh des Mondes Güte,
Die Jadejungfrau drauf, die reine Lotosblüte.

Die jungen Prediger - die alten Schwätzerinnen -


Mein Freund, wir wollen uns womöglich doch besinnen
Und fernab von der Welt und ihrer Torheit dort
Still wiederkäuen wie die Kühe Gottes Wort.

Sehr viel Begeisterung und religiöse Brunft,


Doch wenig Weisheit und erleuchtete Vernunft.

Wer ist die Muse denn, wer der besungne Held?


Was soll man schreiben noch für diese dumme Welt?

Vertreibe morgens früh der bösen Träume Übel,


Indem du lauschend liest und betend in der Bibel.

Wie süß der Knabe ist, die Schokoladenkleckse!


Wie bitter-böse, ach, die Mutter, eine Hexe!

Wie hässlich ist die Welt, die voll von Satans Krieg,
Der Schönheit Trost ist nur in himmlischer Musik.

Die meine Lehrerin in dem Gymnasium


In deutscher Poesie, geht nun im Traum mir um.
*

Was ich an Satan hass, ist seine Hässlichkeit,


Es scheint, sie triumphiert in böser Lügenzeit.

Wie eitel lieblos ist doch diese Höllenbraut,


Die sich im Ehepakt dem Luzifer getraut!

Ich ginge gerne auf in einer großen Sphäre,


Wenn nicht die Christenheit so voller Torheit wäre.

Sophia, ich bins müd, zu streiten mit den Dummen,


Die wissen nichts von dir und deinen reinen Summen.

Die Schönheit ist in Gott, die Schönheit wollt ich schauen


Und singen wahr und schön von Unsrer Lieben Frauen.

Der Dichtkunst Lehrerin ist mir zur Liebe recht,


Ich bin ihr Hausfreund, ihr geliebter Frauenknecht.

Nur Lug und Trug und dümmliches Geschwätz!


Die Pfaffen auch zerreißen das Gesetz!

*'

Sie war Madonnas Bild, das sah der weise Nathan,


Dann aber wurde sie zum Bilde, ach, des Satan.

Ich singe von dem Herrn, der meine feste Burg,


Der Christ git Antwort mir mit Rosa Luxemburg.

Nun meine Tote will mit mir nicht mehr gemeinsam


Im Liebestraume sein, nun bin ich wirklich einsam.

*
Nun bin ich alt und krank, fress Pille nur um Pille
Und wart mit Ungeduld auf jene schöne Stille.

Die Venus Frankreichs schön und nackend mir erschien,


Die rücklings saß auf dem laut lachenden Delphin.

"Mein Liebling ist nicht mehr der böse Satan bitter,


Es ist der Pädagog und fromme Minneritter!"

Ich künde Jesus euch, den Gott, den Ich bin da,
Und seine Göttin auch, die Anastasia!

Wo reichlich Weisheit ist, da ist auch reichlich Gram,


Muss leiden doch am Kreuz der Weisheit Bräutigam!

Noch ein wenig warten


Bis zum Himmelsgarten,
Bist dort nicht alleine,
Jungfraun sind wie Edelsteine.

Die Wahl gewinnen soll des Vaterlandes Schutzfrau


Und nicht der Kleine Mann und nicht die dumme Putzfrau.

Nicht Kindergottesdienst und pfäffisches Geschwätz,


Ich steige auf den Berg und höre das Gesetz.

Die Seele liebtest du, die Seele von dem Weib?


Nein, du hast nur geliebt den erogenen Leib.

Ich schaue in die Welt und seh die Neue Ära,


Da man die Göttin preist, die Göttin Luzifera!

*
Es ist ein Zorn in Gott, die ganze Welt zu strafen
Und mich zu allermeist. Ich möchte nur noch schlafen.

ACHTER TEIL
XENIEN

Heute will ich vergessen meine ergrübelte Weisheit,


Will mich ergötzen nur, ach, an der blühenden Magd.

Dreimal verheiratet, dreimal geschieden, christliche Hexe,


Und du pisst mir ans Bein für den unschuldigen Scherz?

Ich, der Minnesänger des zweiten Millenniums, ich bin


Von den Frauen enttäuscht - keine platonische Form!

Es gibt weibliche Heilige. - Katharina von Bora


Ist eine solche nicht, sondern voll Irrtum und Trug.

Alle feiern fünfhundert Jahre besoffenes Mönchlein,


Ich feire Fatimas sonnenbekleidete Frau!

Immerwährenden Betens Braut des Bräutigams Jesus,


Bis sie lieber geputzt Luthers vergammeltes Bett.

Ach, was muss ich nur sehen des Bösen Hölle auf Erden,
Sähe ich lieber doch nur himmlischer Heere Triumph!

In dem Kampf mit dem Hässlichen und dem Bösen auf Erden
Stärke mich, schöner Gott, deine allmächtige Hand!

Lieblich lächelt die Weisheit Gottes: Man nennt dich den Maurer,
Der den antiken Ruin herrlicher wiedererbaut.
*

Blinde Blindenführer! Sie kleben an biblischen Lettern,


Aber die weise Vernunft hat sie noch gar nicht geküsst.

Herzlose Dummköpfe, das sind die Heiligen in der Gemeinde,


Ohne Weisheit und, ach, ohne Barmherzigkeit auch!

O ihr Dichtergenies, ihr wollt den Christus besingen,


Aber nicht Christus sein, blutig im irdischen Staub!

Luther sagte: Wenn ich predige oder belehre,


Brauch ich den göttlichen Zorn, der ist mir Inspiration.

Nein, ich sitz nicht bei den scherzenden, lachenden Leuten,


Sondern einsam, voll Gram, klage ich Jahwe mein Leid.

Zwei Liter Wein und zwei Liter Bier am Tage, o Luther,


Das gibt der Predigt Kraft, das macht den Lehrer beredt.

Ach, meine Seele ist ein Schlachtfeld, da toben die Kriege


Zwischen Satan und Gott. Jesus, erbarme dich mein!

Während der Prediger schwatzt die katechetische Torheit,


Les ich in Miltons Lied, das ihm die Ruach diktiert.

Eva hab ich geliebt, nun hab ich nur Ekel vor Eva,
Alles Übel kommt von der Verführerin nur.

Christenheit! Da gibts christliche Narren, christliche Dirnen,


Christliche Hexen gar, christliche Golems dazu.

*
In dem ewigen Leben schenkt Christus zwei Bräute mir, Wonne!
Göttliche Liebe und göttliche Weisheit zugleich!

Als die Kaiserin beider Amerikas, Indianita,


Sah ich dich im Traum, Jungfrau von Guadelupe.

Ach, vor lauter Arbeit komm ich zum Nachdenken nimmer,


Darum bin ich ein Narr, war es und werde es sein.

Fortan theoretisiere ich nur für mich selber,


Nicht für andere, nicht für das verblendete Volk.

Polyjymnia sang mich in Schlaf mit Wiegenmusik von


Johann Sebastian Bach, Heiligen Geistes Musik.

Gott, bist du ein Träumer? Oder spielst du die Flöte?


Bist du ein Arbeiter, Gott? Oder vielleich ein Poet?

Ah, ich lebe glückselig wie eine indische Gottheit,


Schaffe Welten im Traum, blase die Flöte verliebt.

Wieder hat mir im Traume die selige Tote gelächelt,


Dass sie von Herzen mich liebt, flüsterte sie mir ins Ohr.

Zarin Elisabeth von Russland wachte die Nacht durch,


Immer versenkt ins Gebet, dafür dann schlief sie am Tag.

"Alle die Menschen nennen mich eine zänkische Hexe."


Höre den Frauen zu, wisse genau, wer sie sind.

"Ich bin Christin, aber ich denke nur an mich selber."


Du bist seelenlos zwar, aber wie reizend dein Leib!

"Wissenschaft lieb ich, meine Gelehrtheit ist enzyklopädisch."


Aber du kennst nicht Gott, der wird im Gebet nur erkannt.

Wer zu schweigen versteht, der wird für weise gehalten.


Tu nur den Mund nicht auf, dass ich nichts Närrisches hör.

Was für ein Echo! Ruft man Weisheit ins Wäldchen,


Eiszeit schallt es heraus, frostig im Herzen, im Geist.

In der Jugend Madonnenbild voller Sanftmut und Demut,


Keifende Hexe zuletzt, Luzifers Ebenbild nur.

In der Jugend nackte Verführerin, lüsterne Schlange,


In dem Alter zuletzt zänkische Hausfrau voll Hass.

"Ich bin dumm, drum bitte erzähle mir nichts von der Weisheit,
Ich will als Närrin allein leben im Glauben an Gott."

"Ich verachte die Jungfrau Vernunft als schändliche Hure,


Biblizismus allein ist meine Inspiration."

O Maria, Königin mein in blühender Schönheit,


Dz bist überzart, bist voller Liebreiz und Charme!

Fragt das Weib den Weisen, wie besser Wäsche zu waschen?


Besser fragt sie nach Gott, fragt nach dem Hause des Herrn.

Abgetriebene Kinder tragen die Märtyrerkrone,


In der Seligkeit sie haben uns manches voraus.
*

Dreizehn ist er und liebenswürdig, ein Engel der Liebe,


Ich lass die Arbeit ruhn, mich zu ergötzen an ihm.

Ich gehör zum Geschlecht der Zikaden, der müßigen Sänger,


Ameisen arbeiten treu, räumen den Alltag mir fort.

Darum weine ich, weil die Menschen so böse geworden,


Keine Liebe mehr gibts in der verlorenen Welt.

Doris hab ich immer geliebt, nur ach es ist schade,


Dass nie die Freundschaft uns innig auf Erden vereint.

Ja, ich will freudig fürs rettende Evangelium leiden,


Ich, der geliebte Sohn unter dem Segen des #herrn.

Der ich im Garten schreckliche seelische Schmerzen erleide -


Aber die Freunde all schlafen, betrunken vom Wein.

Ach, mein Gott, mein Gott, was hast deinen Knecht du verlassen!
Lied zu der Melodie: Reh in der Dämmerung Licht.

Ich lieb Homer und Goethe und am meisten die Bibel,


Ihr aber lest Dan Brown, was soll ich reden mit euch?

Draußen Sonnenschein der Erde, beginnender Frühling,


Drinnen Stille der Nacht, Tod und der Ewigkeit Geist.

Sohn, du bist eine hoffnungslose Enttäuschung der Mutter,


Taugenichts bist du und nie wird deine Dichtung geehrt.

*
Ich, deine tote Geliebte, werde vom Himmel dich grüßen,
Wenn der Abendstern scheint und wenn der Morgenstern glänzt.

LUTHER AN MELANCHTON

Ach, mein lieber Melanchton, welche höllischen Kämpfe


Muss ich erdulden zur Nacht, da mich mein Christus verließ,
Da der schreckliche Gott in Zorn und Gerechtigkeit grollte
Und mich verdammte, ich schrie wie die Verdammten zu Gott,
Gegen den Gott der Gerechtigkeit halt ich den Gott des Erbarmens
In Verzweiflung und Trotz, aber das tröstet mich nicht,
Sondern ich erleide die Paranoia der Hölle
Und die Depression finstrer Verzweiflung, der Tod
Steht mir vor Augen als einzige Gnade. Ist Gott denn ein Teufel,
Dass er so schrecklich mich plagt, dass er so grausam mich quält?
Ach, mich plagen die Irrlehren aus dem Arschloch des Satan,
Und die Schwärmer dazu, Zwingli ind Calvin, die Sau,
Karlstadt und Thomas Müntzer und die Rotten der Bauern,
Wiedertäufer dazu, diese satanische Brut,
Und die Sabbatfeiernde Sekte und der Rattenschwanz Satans
Und der Antichrist, ich bin allein in der Welt,
Ich bin allein, der Anfechtung leidet, Versuchung des Teufels,
Doch ich bin der Prophet, der in der Endzeit erscheint
Und das Evangelium wieder wie Paulus verkündet,
Ich, der Evangelist, ich, der Gesandte von Gott!
Lieber Bruder Melanchton, du mein lieber Philipus,
Bete für Luther, denn krank, krank ist die Seele in mir!

Siehe, die Stimme meines Sohnes, des einzigen Knaben,


Ist wie der Flöte Spiel oder der Nachtigall gleich.

Nach zwei Flaschen Süßwein schreibe ich Briefe dem Papste,


Dass er erstaunen soll, was so ein Mönch alles weiß.

Meine Sohnes Stimme ist gleich wie das Glöckchen der Wandlung:
Nun kommt der Kleine Gott, kommt zu dem Herzensaltar!

Freunde! Jesu Freunde waren Judas und Petrus,


Einer verriet ihn dem Feind, einer verriet ihn der Magd.

*
Schöne und behaglich lebende Tochter von Zion,
Du bist die schöne Frau, mild und barmherzig dazu.

Petrus ist nicht der Hirte der hierarchischen Kirche


Und die Unzucht ist schön, sagte der Prediger mir.

Schöne Frau, du redest von Blumen und Vögeln und Kleidern,


Redest von Speise und Trank. Was soll dem Betenden das?

Ökumene ist Diplomatie. Katholische Wahrheit


Liebt der Häretiker nicht, der in der Sekte zuhaus.

Was sieht der christliche Humanist in der heiligen Ehe?


Kurzen Moment der Lust, ewige Leiden danach.

Ich bin der erste, der findet Platon spannend zu lesen,


Lieben die Christen doch mehr Schund aus der Massenfabrik.

Suche Gotteserkenntnis und erkenne dich selber


Oder lass es sein, friss nur und sauf nur und schlaf!

Was denn gibt es Gutes beim protestantischen Freunde?


Leckeres Essen, doch ach, elende Theologie!

Besser ein Käsebrötchen allein im eigenen Hause


Als ein üppiges Mahl mit einem zornigen Mann.

Gott beschütze mich bitte vor meinen Brüdern in Christo,


Vor den Feinden kann ich selber mich schützen mit Kraft.

*
Kaum singt die Lerche ihr jubelndes Halleluja am Morgen,
Bricht schon die menschliche Höllenmaschine herein.

Ach, Sophia, Liebe inspriert nicht den Dichter,


Judas und Luther singt er voll von dem heiligen Zorn.

Ach, ich suchte Tröster und hab keinen Tröster gefunden,


Sondern bitteren Spott, zornige Vorwürfe nur.

Frauenfeindlich und leibfeindlich ist die islamische Burka


Wie auch die Pornographie westlicher Apostasie.

Willst du der Schönen Dame den Hof machen, Sänger der Minne,
Dann in großer Geduld auch ihren Gatten ertrag.

Colombine machte Lasagne für Harlekin, lecker!


Und der Dottore sprach Kirchengeschichte dazu.

Ach, ich träumte von meiner Mörderin Marion, weh mir,


Sie ist die Göttliche noch, die in den Selbstmord mich trieb!

Männer und Frauen gehn in die Ämter, die Kinder zur Schule,
Müßig träumt der Poet, siehe, da sieht er den Herrn.

Erst war Heiliger Vater Johannes Paulus der Zweite,


Dann kam Benedikt, Mozart der Theologie,
Nun kommt Franziskus, der südamerikanische Bruder der Armen,
Heute schätz ich erst recht Karol, den slawischen Papst.

Liebe ist eine rote Rose, doch du sollst sie nicht pflücken,
Eingewurzelt im Grund kann sie nur wachsen und blühn.

*
Diese Stadt ist ganz die Geliebte mit all ihren Göttern!
O wie schwebt sie mir vor, jugendlich nackender Brust!

Schwester Hoffnung, dich verlor ich auf irdischen Wegen,


Einzige Hoffnung iat mir der erlösende Tod.

Weib und Kinder, Großmutter, Schwiegermutter und Mutter


Hat er zu Ostern gedacht, trieb mit im Trubel der Welt.

Sie war eine der seligen Töchter der göttlichen Liebe,


Du wirst im Paradies wieder erkennen die Frau.

O eine Insel der Ruhe ohne Automobile,


Wo die Geliebte sich mit mir gewälzt an dem Strand.

Moses und Samuel wurden dreißig Tage betrauert,


Meine Trauer um dich steht schon im siebenten Jahr.

Zwei Liter Wein und zwei Liter Bier, dann geh ich zu Bette,
Wenn auch mein Lager schon stinkt von vergammeltem Stroh.

Gebt mir das Gold des Papstes Alexander des Sechsten,


Dass ich die Rache vollzieh, alle die Freunde belohn.

Vater und Mutter erscheinen im Traum dem einsamen Dichter


Und erfüllen sein Herz, ach, mit unendlichem Weh.

Hiobs Freunde können gute Ratschläge geben,


Brüder in Christo, die nie noch gekostet das Kreuz.

Dichter, besing wie im Traum die Jungfrau Julia, jene


Makellose Idee, himmlischer Schönheit Idol.
*

Komm nur, alte Putzfrau, und iss mit mir russische Eier,
Aber bleib nicht zu lang, plage mich nicht mit Geschwätz.

Nehmt euch Jungfraun, die noch kein Mann berührt und erkannt hat,
Tänzerinnen dazu, hoch auf dem Weinberg im Tanz.

Pia deitas, o tremenda Maiestas coeli!


So wird die Putzfrau, Poet, dir noch zur Göttin voll Huld.

Grün die Bäume, die Sonne weiß und bläulicht der Himmel,
Aber im Herzen ist Nacht, Kummer und tödlicher Gram.

Siehe, der Gärtner säte Zaubernüsse und Tulpen,


Aber der böse Feind Schachtelhalm-Geilheit und Giersch.

SUSANNE

Nachts ich schrie: Mein Gott, mein Gott, du hast mich verlassen!
Tags Susanne schrieb mir einen herzlichen Brief:
Darum ist sie ja Krankenschwester und Mutter von Kindern,
Dass sie sich liebend erbarmt dessen, der jammernd und krank.
Sie hat mich nicht enttäuscht. Ich schrieb die Ikone der Keuschheit,
Der sie gestanden Modell, als mich ihr Segen erreicht.
Darum Gott und Jesus, Maria und Sancta Susanna
Mögen segnen die Frau, die sich so zärtlich erbarmt!

NEUNTER TEIL
EPIGRAMME

Wenn Frau Torheit mir predigt durch den redseligen Schwätzer,


Wie soll ich Christus sehn, göttliche Weisheit und Kraft?

Die schlanke Nachbarin den Mann am Morgen grüßt,


Der Liebes-Morgengruß hat mir den Tag versüßt.

So dumm ist die Musik und das Geschwätz der Zofen,


So dumm die Prediger, so dumm die Philosophen.

Der Liebe Gott mag Dir ein gutes Schicksal geben,


Gesundheit, neue Kraft, dazu ein langes Leben,
Dass Du noch jetzt nicht musst zur Ewigkeit zurück,
Dass Sonne Dir noch scheint, Musik und Lebensglück!
So weiche nun der Krebs – in Jesu Christi Namen -
Gott schenke Dir das Heil, du Beste aller Damen.
Zu Deinem Wiegenfest ich schenk Dir mein Gebet,
Weil Deine Lebenszeit in Gottes Händen steht.
Nimm diese Verse an als eine schöne Blüte,
Du engelgleiche Frau, du Widerschein der Güte!

Der Vater mit dem Sohn mag sich in Gott erholen


Im Land Barmherzigkeit, im Ahnenreiche Polen!

Nicht mal in Ruhe trauern kann man, weinend im Bette,


Gleich kommt zur Plage der Herrscher der Fliegen heran.

Ehe für alle! Nun schwule Männer heiraten dürfen,


Nimmt die Putzfrau wohl sich ihren Hund zum Gemahl.

Kommt zum Einsiedler eine Frau, ist zickig und zänkisch.


Göttliche Einsamkeit, sei mir von Herzen gegrüßt!

Deutschland ist geworden zum schwulen und lesbischen Sodom,


Nur die Kanzlerin steht weiter zu Gottes Gebot.

Lasst mich allein, ihr Schwätzer, mit meinen Schmerzen und Tränen,
Die mich allein versteht, das ist die Weisheit in Gott.

*
Insulin brauchts, dass der Zucker vom Blut in die Zellen eindringe.
Das sagte Dörte mir heut, leiblich wie Venus gebaut.

Der fährt nach Polen, der fährt in des Como Nähe,


Ich bleib in Sodom, wo man liebt die Homo-Ehe.

Verschmäht von Delia, ging der Poet Tibullus


Zu seinem Troste oft zu Herrn und Frau Lukullus.

Heut von der linken zur rechten Hand Gottes wechselt Joachim,
Der dem modernen Papst las den Leviticus vor.

Dichter, hast du kein Wort mehr für unsäglichen Kummer,


Lausche der Musik, die deine Leiden vertont.

Wenn dich von Nachtträumen plagt am Tag der Kummer der Liebe,
O so schreie zu Gott, schaff dir im Aderlass Luft.

Freue dich nicht, meine Feindin, dass ich im Finsteren liege,


Über mir geht doch herauf Herrlichkeit, jugendlich schön.

Katholiken bieten den besten französischen Rotwein


Saint Pétrus, der wird gar zu des Gottessohns Blut,
Pfingstler locken mit amerikanischer Cola,
Die, mit Süßstoff gesüßt, Cola ist, aber sonst nichts.

Gnädige Frau! Ich sag das nicht nur, wie man so redet,
Sondern gnädige Frau wahrhaft im wörtlichen Sinn.

Lao Tse lud Konfuzius ein zum "kleinen Spaziergang",


Maos Langer Marsch ward es, da strömte viel Schweiß.

*
Tausend Belesene, doch kein Mensch voll göttlicher Weisheit,
Hundert Bekannte, doch kein Freund, der mich inniglich liebt.

Sie ist ein goldnes Feld von strahlend lichtem Weizen


Mit ihrem keuschen Glanz voll jungfräulichen Reizen.

Aus dem Marianischen Reiche Polonia komm ich


In das heidnische Deutschland, doch hier sind Gattin und Kinder.

Protestanten nennen Gottes Gebote veraltet,


Einzig der Katholik ist noch den Weisheiten treu.

Kaum ist ein Papst tot, schreiben die Journalisten viel Bücher,
Das ist schmuddliges Zeug, das man ins Altpaper wirft.

Doris oder die eitle Welt, sie hasst mich von Herzen,
Wie sie Jesum vergisst, der mir im Innersten lebt.

O Freundin, ist dein Schiff auf wilden Meern


Und Gegensturm dich in den Abgrund presst,
Dann führt zum Hafen dich der Meeresstern,
Mach in der Hoffnung deinen Anker fest!

Es steigt der Rittersporn zum Schoße seiner Dame,


Frau Lotosblüte ist der Vielgeliebten Name.

Gott gab mir keinen Siegeskranz von Lorbeer und Rosen,


Aber mein Efeukranz grünt in der finstersten Nacht.

Ich bin König Melchisedek, ohne Vater und Mutter,


Ewiger Priester Els, Ahnenkult liegt mir ganz fern.

*
Betet ihr das gelbe Metall an, metallene Herzen
Habt ihr im Busen, ihr seid nimmer barmherzig und lieb.

Mutter, dir fehlt die Gebärmutter, Sitz der Barmherzigkeit, darum


Leidest du nicht mit dem Sohn, lässt ihn im Elend allein.

Schaurig ists, übers Moor zu gehen, im Herzen voll Kummer,


Fast ertrinke ich, fast saugt das Moor mich hinab.

In dem katholischen Mittelater die heilige Jungfrau


War das Ideal, Seelen in Beichtstühlen knien,
Heut im modernen bürgerlichen Kapitalismus
Zählt Frau Saubermann nur, Putzzeug im Beichtsuhle liegt.

Will deine Mutter dich nicht hören, den Staub von den Füßen
Schüttle und lass ihren Geist Gott und dem Jüngsten Gericht.

Gott hat sich verborgen vor mir. O Großmutter Engel,


Komm und bring mich ins Bett, ach, dass mich tröste der Schlaf.

Goldenes Mädchen, wirst du die alten Männer beglücken


Mit dem blonden Zopf, lächelnden Augen und Mund?

Dieser dogmatische Unsinn der protestantischen Sekte


Ist selbst zum Epigramm und zur Satire zu dumm.

Ich bin, Hiob, dein Freund, ich bin ein leidiger Tröster,
Klage lieber dem Herrn, Gott nur hat Mitleid mit dir.

Dass ist das Vorrecht des Fürsten, dass er der ländlichen Dirne
Fasst an die schwellende Brust, wenn sie den Wein ihm serviert.

*
Mir Patriarchen gab der Herr zwei Femini,
Die eine Femina gebar die Gemini.

Lass die Welt nur reden und deine weltliche Mutter,


Du liegst in meinem Arm, Schatz, in den Nächten des Geists.

Mutter und Vater lehrten dich, dich selbst zu verachten.


Liebe dich selbst, mein Schatz, weil ich dich liebe, mein Schatz!

Knabe, neun Jahre alt, du schreibst phantastische Märchen,


Und es lächelt Apoll: Ganz wie der Onkel, mein Sohn!
Aber die protestantische Hausfrau schreibt Kreuzes-Traktate,
Und voll Zorn sagt Apoll: Gib ihr die Peitsche, Prophet!

Ach was hätt ich für Leser, schriebe ich blutige Krimis!
Aber Hymnen an Gott liest nicht die Menge der Welt.

Nun erheb ich den Kelch mit polnischem Wodka mit Walnuss
Und genieße die Frau, welche so heilig mich liebt!

Das ist jetzt deine Bibel, das Buch der Kohlenhydrate,


Oder dein Koran, Zucker zu messen im Blut.

Künstler stellen ein Kruzifix in die eigene Pisse,


Pissen auf Jesus den Herrn, das ist die Sünde der Welt,
Aber den Gesundheitsfanatikern ist die Torte mit Sahne
Sünde, zur Buße sie treiben dann Sport in dem Wald.

Christen, ihr verschlingt Kriminalromane in Massen,


Warum lest ihr denn nicht lieber die Heilige Schrift?

Mein Herz ist kalt,


Mein Geist ist alt.
*

Wie demütigen mich meine Feinde, Vater und Mutter,


Nachts im schreckenden Traum, da mich die Rattenpest plagt!

Ich bin verliebt in Philine, die sich hingab in Liebe,


Und der Knabe Mignon bricht mir vor Liebe das Herz!

Meine Mutter - ein Straußenweibchen, dem mangelt die Weisheit,


Ob ihre Eier im Sand sterben, das kümmert sie nicht.

Sohn der Weisheit, du lebst unter lauter Kindern des Mammon,


Die dich verachten voll Hass! Jauchze, frohlocke im Geist!

O Gott, ich tröste immer, immer


Die alle, die da leiden,
Nur mir, o Gott, kein Trostes Schimmer,
Das klage ich bescheiden.

Kommt meiner Feinde Schar mit Fluch und Hass und Krieg,
Sophia hüllt mich ein in Harmonie-Musik.

Wenn deine Seele voller Weh,


Dann trink bei Hassan einen Tee.

Meinst du, den Herrn am Kreuz trieb um der Dichter Wesen,


Er hätte Lust gehabt, ein Goethe-Lied zu lesen?

Klagt man ihnen, so schreiben sie einem Bibelzitate


Ohne Herz und Gefühl, weil sie das Leid nicht verstehn.

Hiobs Freunde und christliche Brüder, ihr Trösten ist nichtig,


Aber Herr Zebaoth, du gibst mir Kraft für den Krieg!
*

Wie du der Weisheit dienen sollst, frag nicht die christlichen Narren,
Frage Sokrates, wenn er den Schierlingskelch hebt!

Geh und frag die Politiker nach der Ewigen Weisheit,


Zwar sie suchen des Volks Liebe, doch klug sind sie nicht,
Geh und frage die Handwerker nach der Ewigen Weisheit,
Zwar sie mauern dein Haus, aber sonst wissen sie nichts.
Geh und frage die Sänger von Liebesliedern um Weisheit,
Frauen finden sie hübsch, doch sie erkennen nicht Gott.

Nein, ihr gefallt nicht dem Schöpfer, ihr eitlen Kinder des Reichtums,
Betet nur weiter zum Geld, Gott kommt zum Jüngsten Gericht!

Der Bauerndirne Brust, die bloß und groß und echt,


Fasst an der trunkne Fürst, das ist sein gutes Recht.

Wer nicht zur Arbeit geht, der soll nicht lecker essen.
Du bete allezeit und stärk dich in den Messen.

Wenn meine Ehefrau mich verließe, ich tät sie ermorden,


Wenn ich auch dafür käm in den höllischen Pfuhl!

Wütender Vater und wütende Mutter, rebellische Kinder,


Wo ist die Liebe des Herrn, wo ist der Friede von Gott?

Geh zur Madonna du im schönen Land Masuren,


In Deutschland plag ich mich mit Hexen und mit Huren.

Meine satanischen Eltern und mein satanischer Bruder


Sagen: Du bist ein Nichts, Wurm bist du, aber kein Mensch!

Als mein Vater gestorben, der atheistische Spötter,


Schwebte die Seele hinauf, schaute den Leichnam schon tot,
Und er sah zwei Männer, die empfingen die Seele,
Diese sagten: Er kommt, nun ist es Zeit für den Tod,
Und die Männer führten die Seele in nebliges Grauen,
Kratzen und bissen ihn, grausamer wurde die Qual.

Satan sagt: Du bist ein Nichts! Aber der siegreiche Herr sagt:
Auf in den heiligen Krieg, schlag die Philister im Krieg!

Kaum erwachst du, so steht schon Satan höhnend am Bette.


Rufe die Mutter vom Sieg, feire der Jungfrau Triumph!

Meine Mutter hab ich verlassen, die herzlose Putzfrau,


Kam zu Maria und zur indischen Philosophie.

Wenn ich über die Protestanten entbrannt bin voll Ärger,


Übersetz den Koran ich voll von heiligem Zorn.

Ich singe nur noch sie, das selige Schneewittchen,


Den Männern dieser Welt ich lasse ihre Flittchen.

Mitten unter dem kommunistischen Arbeiterpöbel


Feire ich Eucharistie, heimlich, das Opfer des Herrn.

Geht die Kommunistin als ein blindes Skelett um,


Flucht der vergöttlichten Tochter im Zorne: Putain!

Deine katholische Mystik, wo steht denn das in der Bibel?


Fragt der Biblizist. Buchstaben liest er, nicht Geist.

Die Christuswissenschaft lehrt Lady Evelyn Baker,


Beim Keks zum Abendmahl und Tee sich sammeln Quäker.

*
Der arme Protestant, er bleibt doch immer schief, blind,
Ehrt Gottes Mutter nicht und ist nur Gottes Stiefkind.

Kommunismus und Esoterik und Protestantismus,


Ärgern muss ich mich stets über die närrische Welt!

Und ich entlief der Welt, dem großen Narrenhaus,


Und lebe einsam nun wie weiland Bruder Klaus.

Protestantische Narren und katholische Narren,


Fast werd ich orthodox, wo man Sophia verehrt.

Blinde Blindenführer, die protestantischen Lehrer,


Die nicht die Bibel verstehn, nicht der Ecclesia Geist.

Spräch ich von Mord und Totschlag, so würde die Welt mich wohl hören,
Aber ich singe von Gott, und da verschließt sie ihr Ohr.

Tausend Propheten des Mammon und tausend Propheten der Venus,


Ich bin allein in der Welt, der ich verehre den Herrn.

Die keine Liebe haben, köännen auch Liebe nicht geben,


Ob sie auch Mutter sind oder liebreizende Frau.

Ich sah Jesus, Maria, Durga und Lakshmi und Kali,


Ich bin die Inkarnation göttlicher Mutter der Welt.

Ach, wenn die Schüler nur nicht gleich Lehrer würden, die Narren,
Und den Lehrer belehrn, Unverstand geben sie preis.

Willst du mich auch noch ärgern mit deinem Unverstand, Bruder?


Zorn macht mich kreativ, also, ihr Narren, gebt acht!

Schreiben für Frauen, die lesen nie in den heiligen Schriften,


Sondern Profanes nur, besser du lässt es, Poet.

Zorn und Ärger, mein Herz, die wohnen im Busen des Toren,
Singe die Weisheit nur, die wohnt im Herzen des Herrn.

Komm und erquicke mich, heilige Jungfrau mit Augen der Isis,
Sing meiner Jugend Lied, abseits der närrischen Welt!

Ach, ich werde doch keinen Weisen unter euch finden,


Ob ihr die Bibel studiert, predigt Bekehrung und Kreuz.

Interessiert mich nicht, was das katholische Herdenvieh brabbelt,


Gib mir nur Gottes Wort, gib mir die Manna von Gott.

Sonntags rennt er in die protestantischen Sekte,


Aber zuhause voll Zorn zerrt er die Tochter am Zopf.

Dominik! Hilf mir gegen Waldenser und Katharer und die


Heutigen Sekten dazu, Schwärmer, die frömmelnd bigott.

Ihr esst Festbraten, ich ess nichts als gebratne Kartoffeln,


Ihr habt Familienzank, ich ruh Eirene im Arm.

Zwar ich gebe dir Geld, doch dazu bittere Worte,


Wie es dein Vater getan, der dir die Seele verletzt.

Dass Petrus aus dem Boot gestiegen ist, was solls?


Ich bleibe in dem Boot, geschnitzt aus Gottes Holz.
*

Freundin, du verlangst schon nach der Eucharistie in der Kirche,


Aber du gehst auch zum protestantischen Abendmahl manchmal,
Ja, du bereitest dir selber Brot und Wein in der Wohnung.

Aber Christus sagte beim Letzten Abendmahl dieses:


Dieses ist mein Leib, den sollt ihr immerdar essen,
Dieses ist mein Blut, das sollt ihr immerdar trinken.
Dieses sprach er zu den Aposteln, den Amtspriestern Christi.

Ist nun der Leib des Herrn ein bloßes Symbol des Gedenkens?
Darüber stritten sich weiland Luther und Zwingli und Calvin.
Luther sprach vom Sakramente, dass Gnade vermittle,
Durch den Glauben allein und einzig während der Messe.
Calvin und Zwingli sagten, es ist ein Erinnerungsessen,
Brot bleibt Brot und Wein bleibt Wein und einzig der Fromme
Denkt beim Mahl an Christus, was er früher gelitten.
Luther war abgefallener Mönch von Augustins Orden,
Calvin und Zwinli abgefallne katholische Priester.
Diese begründeten tausend und fünfhundert Jahre nach Christus
Eine Lehre, fremd der apostolischen Lehre.

Jesus selber sprach in der eucharistischen Rede


Im Johannes-Evangelium, dass er das Brot ist,
Das vom Himmel gekommen. Mein Fleisch ist wirkliche Speise
Und mein Blut ist wirklicher Trank des ewigen Bundes,
Wer mein wahres Fleisch ist, der wird in Ewigkeit leben.

Lies doch einmal die Zwöllf-Apostel-Lehre, du findest


Darin beschrieben die Eucharistie der katholischen Kirche.
Lies doch einmal Justin den Märtyrer, hundert und fünfzig
Jahre nach Christi Geburt er beschrieb in dem Brief an den Kaiser
Die katholische Liturgie der Heiligen Messe.

Also entscheide dich, welcher Lehre du zustimmst im Herzen:


Ist es nur Brot und Wein im Abendmahl der Gemeinde?
Oder ist es Leib und Blut des Gottmenschen Christus
In der katholischen Eucgharistie der lateinischen Kirche?

Eines ist die Wahrheit und eines die menschliche Meinung.


Bist du dir unsicher, welches die göttliche Wahrheit,
Welches die göttliche Offenbarung vom Opfer der Messe,
Bitte Maria um Hilfe, sie ist der Sitz ja der Weisheit
Und die Besiegerin aller Irrlehren, Hilfe der Christen.

Aber entscheide dich zwischen zwei verschiedenen Lehren,


Beide zugleich zu praktizieren, ist nicht in der Wahrheit.
Entweder glaubst du die wahre Wesensverwandlung des Brotes
Durch die Vollmacht des geweihten Priesters der Kirche,
Oder du sitzt bei Brot und Wein in der eigenen Wohnung.
Einer ist der Bräutigam, und eine die Feier der Hochzeit,
Unterscheide die Geister, triff eine weise Entscheidung
Und empfange die Medizin der Unsterblichkeit. Amen.

Freundin, du hast dich bekehrt zum Herrn Jesus und Mutter Maria,
Vorher warest du Heidin, warst von Ate verblendet,
Sahst den Amor als Motte in der Kerze verbrennen,
Lasest im Studium den Homer und den seligen Platon.

Papst Johannes Paulus der Große sagte von Platon:


Platon ist ein guter freund, doch die göttliche Weisheit
Ist eine bessere Freubndin. Aber lies du den Platon,
Lies den Staat und lerne, was Gerechtigkeit sein soll,
Lies den Phädron und lies das schöne Gastmahl vom Eros
Und betrachte die Liebe und die göttliche Schönheit,
Lies die Apologie und denk an den Tod und das Jenseits.

Daraufhin wende dich zu dem überaus seligen Plotin,


Lies von der Liebe und der Vision der göttlichen Schönheit,
Lies von dem überseienden Einen oder der Gottheit,
Lies von dem Geiste, der ist Denker, Gedachtes und Denken,
Lies von der himmlischen Weltseele, schöner Anima Mundi.

Wende dich dann zu Jamblikos, seinen theurgischen Schriften,


Siehe die himmlische Hierarchie der geistigen Wesen,
Schaue das eine überseiende göttliche Wesen
Und darunter die Throne der Götter und Göttinnen heilig
Und darunter die Erzengel und die schützenden Engel
Und darunter die Halbgötter und die starken Heroen
Und darunter die Seelen der Philosophen und Frommen
und darunter das ganze Volk der sterblichen Menschheit.

Dann betrachte den Proklos, der als platonischer Heide


Noch in christlicher Zeit verehrte die heidnischen Götter,
Die ihm Inkarnationen waren der Himmelsideen.

Wende dich dann zu Philo von Alexandrien, Jude


War er und Platoniker, er vereinigte Mose
Mit dem prophetischen Platon und sprach vom heiligen Logos,
Einem Quasi-Gott neben Gott, dem Ewigen, Einen,
Der als Architekt des Kosmos ist ewige Weisheit.

Komm dann zum lieben Augustinus, dem Freunde der Weisheit,


Lerne katholischen Platonmismus kennen, studiere
Seine Bekenntnisse, seine Briefe, den Dialog mit der eignen
Innern Vernunft, den Gottesstaat, der Dreifaltigkeit Bücher.

Lies dann Dionysios Areopagita, den Seher,


Das ist katholischer Neuplatonismus in heiliger Schauung,
Der die Urgottheit nannte die Urschönheit, göttliche Liebe,
Überseiende Gottheit, wohnend im finsteren Lichtglanz.
Dieser ist der Vater der abendländischen Mystik.

Geh dann zum florentinischen Frühling des Neuplatonismus


Und studiere Ficino, der war katholischer Priester
In der Stadt des heiligen Dante, des süßen Petrarca,
Er schrieb selber ein Gastmahl von dem himmlischen Amor.

Wende dich dann zum alten, frommen, heiligen Russland


Und studiere Wladimir Solowjew, Freund der Sophia,
Der Sophia verehrte als Weltseele in der Verklärung,
Der vom Gottmenschen sprach und vom Gottmenschentume auf Erden,
Schön sprach von der Kunst und der platonischen Liebe.

Hast du dies alles studiert, o Freundin göttlicher Weisheit,


Dann verstehst du tiefer die salomonischen Bücher.
Lies das Buch der Weisheit Salomos an die Tyrannen.
Luther meinte, es sei vom alexandrinischen Philo
Und nicht inspiriertes Gotteswort, aber die Kirche
Gottes hat es immer erkannt als ein Buch in der Bibel.

Dann wird Ate dich länger nicht verblenden, o Freundin,


Sondern du erkennst den Logos, Gott von der Gottheit,
Schaust Maria Sophia und die ewige Liebe.
Deus est Amor! Damit segne dich Jesus, der Christus.

Liebe Freundin, du hast den weisen Sokrates immer


Sehr geschätzt, der unter Xanthippe so heftig zu leiden,
Lieber zu Aspasia ging, der weisen Hetäre,
Der den Alcibiades über Maßen verehrt hat,
Ward von Diotima initiiert in die Liebe.

Heute möchte ich über die Vorsokratiker plaudern.


Thales von Milet war der Erste der griechischen Denker,
Er sah stets in den Himmel zu den heiligen Sternen,
Sah nicht zur Erde, fiel in eine schlammige Pfütze,
Wurde darum als weltfremd ausgelacht von der Putzfrau.
Thales fragte nach dem Beginn, dem Anfang von allem,
Nach der Urmaterie, und er nannte sie Wasser,
Denn von Feuchtigkeit wird die Natur belebt, wie man sehn kann.

Darauf meinten andere Denker, der Anfang der Schöpfung


Und das Urprinzip aller Kreaturen sei Feuer
Oder Äther. Auch Heraklit sprach vom heiligen Feuer,
Dieses sei der ewig bewegliche Geist in der Höhe,
Der die immer werdende und vergehende Schöpfung
Halte in Leben und Wandel, bewegliches geistiges Feuer.

Dann Empedokles fasste die Lehre der griechischen Denker


So zusammen, dass eins nicht der Elemente alleine
Sei die Urmaterie, vier Elemente vereinigt
Bilden die Schöpfung, Feuer und Luft und Wasser und Erde.
Wenn sich die vier Elemente vereinen, wird Leben,
Wenn sie sich scheiden voneinander, so ist das dem Tod gleich.
Hass und Krieg zerstören der Elemente Vereinung,
Das Lebendige wird vereinigt von Freundschaft und Liebe,
Von Philia oder der göttlichen Aphroditissa.

Dann Pythagoras kam und nannte das Erste der Wesen


Nicht ein Element, nicht vier Elemente vereinigt,
Sondern die Seele, sondern die kosmische Weltseele, welche
Ist geordnet nach Zahlen und voll harmonischer Schönheit,
Welche zu hören ist in der Musik der himmlischen Sphären.

Dieses geistige Urprinzip, die Weltseele nannte


Heraklit von Ephesos göttlichen Logos, welcher
Ist das Ewigseiende in dem Wandel der Schöpfung
Und das Innerste in dem Innern der menschlichen Seele.

Da sprach Parmenides von dem Sein, der ewigen Einheit,


Welches in absoluter Ruhe ist einig und göttlich.

Dieses alles bedenke, wenn du liest im Johannes-


Evangelium von dem Ersten, dem göttlichen Logos,
Gottes Vernunft und Sinn und Tao und ewige Weisheit,
Mensch geworden in Jesus durch die Jungfrau Maria.

O, Maria ist viel zu groß für sterbliche Lieder!


Aber du hast am Tag Marien Himmelfahrt, Muse,
Von der Herrin empfangen Befehl, der klügeren Freundin
Vorzusingen von dem Gruße der Jungfrau Maria.

Höre denn, Freundin, dass Maria mit Josef verlobt war,


Aber sie lebten noch nicht in einem ehlichen Hause,
Als der Erzengel Gabriel eintrat zur Jungfrau Maria,
Grüßte sie: Chaire, Kecharitomene! Maria
Dachte, was dieser Gruß bedeute des himmlischen Engels:
Du von jeher und immer voll der göttlichen Gnade,
Frei von der Erbschuld bist du die Unbefleckte Empfängnis,
Bist du die Makellose, die Mittlerin göttlicher Gnaden!
Und der Erzengel Gabriel sagte zur Jungfrau Maria:
Jungfrau, du sollst Mutter werden des göttlichen Sohnes!
Aber wie, sprach Maria, Ich hab die Jungfrauenweihe
Als Gelübde vor Gott meinem Bräutigam abgelegt, Mose
Sprach von der Jungfrauenweihe, ich hab sie abgelegt, nimmer
Werde ich einen sterblichen Mann erkennen im Beischlaf.
Ja, sprach der Engel, die goldene Wolke der Herrlichkeit senkt sich
Auf die Stiftshütte und die Kraft des heiligen Geistes
Überschattet dich, Jungfrau, Braut des Heiligen Geistes,
So wirst du Mutter Gottes, Gottesgebärerin, Jungfrau,
Bleibst die immerwährende Jungfrau und virgo intacta.
Fiat, sagte Maria, ich bin die Gottesmagd, siehe,
Mutter des Gottesknechtes wird die Jungfrau Maria,
Darum bin ich die Gottesmagd, die Leibeigne Gottes,
Mir geschehe nach deinem Wort und dem göttlichen Willen.

Darauf eilte Maria zu Elisabeth, ihrer


Nahverwandten, die schwanger war mit dem Täufer Johannes,
Und Maria war schwanger mit Jesus, dem Kyrios Logos,
Darum sagte Elisabeth voll vom heiligen Geiste:
O wie geschieht mir, dass die Mutter des Kyrios heute
Zu mir kommt? Du bist gebenedeit unter den Frauen
Und gebenedeit ist die frucht deines seligen Leibes!
Selig bist du, weil du geglaubt hast dem göttlichen Worte!
Als dein englischer Gruß erreichte mein Muschelohr, Jungfrau,
Hüpfte wie junge Lämmer das Baby mir in dem Bauche.
Denn wenn die schwangere Junbgfrau kommt mit dem göttlichen Baby,
Dann wird ausgegossen der heilige Geist auf die Mägde
Und die Knechte, sie prophezeien in trunkner Verzückung.
Auch Maria ward wieder erfüllt vomn heiligen Geiste,
Sang den Lobpreis fröhlich: Magnificat anima deum!
Meine Seele jubelt über Gott meinen Retter,
Großes an mir hat getan der Ewige, sah auf die Demut
Seiner Magd, von nun an preisen mich selig Äonen!

Unbefleckte Empfängnis glaub ich nicht, sagte mein Hofnarr,


Und die Dreifaltigkeit steht in der Byblia nicht.

Es sieht aus wie Karnickel und es schmeckt wie Karnickel,


Keine Eucharistie glaube ich, sagte der Narr.

Gottes Bund braucht keine Taufe, nur die Bekehrung,


Spricht der Sektierer, der eifrig die Byblia liest.

Nein, die Unbefleckte Empfängnis scheint mir obszön! Ich


Liebe dir Hure mehr, welche sich öffentlich zeigt.

Shakespeare und Homer und Goethe und Schiller - wie grausam!


Gebt mir einen Roman, der auf dem Uranus spielt.

*
Jeremia und die andern Propheten, vergiss sie,
Tritojesaja allein lasse ich gelten im Buch.

Tag des Herrn! Ein Tag des Wolkendunkels und Grimmes!


All der Gottlosen Fleisch liegt in dem Staube wie Kot!

Feinschmecker bin ich, doch die katholische Hostie schmeckt nicht!


Gebt mir spanischen Wein lieber als göttliches Blut!

Eske oder Charis, ein fünfzehnjähriges Mädchen,


Rothaarig, rotlippig, weiß glänzte die wogende Brust,
Nackt ihre Schenkel, sie wohnte Tür an Tür mit dem Dichter,
Mitternachts sah ich sie vor mir im Nachthemdchen stehn,
Aber so appetitlich war auch dieses göttliche Mädchen
Und zum Greifen nah, sah ich doch niemals ihr Bett.

Du verehrst Minerva als die Göttin der Klugheit,


Weil dir Venus auch nichts gab von der Grazien Gunst.

Bleibt mir vom Leib mit den Gundula Gundi,


Ich will lieben allein die Anima Mundi.

Nein, ich bleibe nicht stehen bei so hartnäckigen Sündern,


Unbelehrbarem Volk, welches das Heilige kränkt.

Die Protestanten, die Marias Schönheit schmähn,


Die haben wohl noch nie, o Dina, dich gesehn.

Nein, wie immer, so denk ich auch jetzt, die Männer sind schrecklich,
Nur bei den Frauen blüht immer die Weltseele schön.

Wie sie beleidigen Unsere Frauen, Marek und Marco,


Im Purgatorium müssen sie büßen dafür.
*

Komm, o Herkules, komm zu meinem Augias-Stalle


Und vergöttliche dich, komm mit der Reinungung Flut!

O Sophia, Weisheit des Philosophen und Dichters,


Werde zur Weisheit nun, wie sie der Zimmermann hat!

Trauernd nehme ich Abschied, ach, von Venus von Milo


Und von Guan Yin, ehre Maria allein.

Wie wollt ich haben sie, schönwangige Chyseis,


Und auch die Jungfrau, die holdselige Briseis.

Komm, o Pallas Atheneia, und stille den Zorn mir,


Der ich es besser weiß doch als das törichte Volk.

Komm doch zu unserer Sekte, da gibt es niedliche Mädchen,


Dass du findest ein Weib, welches die Wohnung dir putzt.

Du umgib dich mit gesunden und glücklichen Menschen,


Lass doch die Armen allein, Kranke und Elende auch.

Ach, Evangelika und Orthodoxa lügen,


Ich will Katholika mich an den Busen schmiegen.

Wie lange soll ich noch an den Sektieren leiden!


Wenn ihr nicht Buße tut, betracht ich euch als Heiden.

Gib dein Geld für dich selber aus, du närrischer Dichter,


Nicht für Kinder und Fraun, liebe dich selber zuerst.

*
Dass sie ein Ehweib dir suchen, davor bewahre dich Jesus,
Doch zum neuen Sonett helf dir der Heilige Geist.

Was soll ich mit einem irdischen häuslichen Weibchen,


Der ich die Weltseele lieb, Quelle der Schönheit im Geist!

Wenn die Weltseele singt, dann kommt die Seele zur Ruhe,
Friedliche Harmonie füllt dann die Brust in der Brust.

Ach, wie herrlich schmeckt ein frischer Musenkuss morgens,


Selig im Bette geküsst feucht mit dem purpurnen Mund!

Mache mich nicht zum Heiligen, Märtyrer oder


Büßer und Asket, mach mich zum Seligen, Gott!

Mutter, ich weiß, du hast nicht in dir die göttliche Liebe,


Sondern der Dämon der Welt ists, der dein Herz dir regiert.

Nicht so viel Bibel und nicht so viel heilige Messen,


Putze lieber dein Haus! Putzfrauen-Weisheit ist das.

Ein katholischer Priester, der gegen Fatimas Botschaft,


Orthodoxer dazu, der nicht verehret das Herz
Unserer Lieben Frau - zwei blinde Führer von Blinden,
Die nicht gehorsam der Frau, die uns vom Himmel erschien.

Jüdin und Lutheraner reden vom Hohelied Schlomos,


Blindenführer, die selbst blind auf dem geistlichen Aug.

O Geliebte im Himmel, du bist eine listige Hure,


Die mich im Traum betrügt mit des Diabolo Schwanz!

*
Die Geliebte sagte: Was willst du, mein innig Geliebter?
Hier ist die Vulva und hier ist die glückselige Lust!

Heute sollst du nicht beten, mein Liebling, arbeite fleißig,


Dass der Dieb in der Nacht findet dich wachsam im Geist.

Siehe, die Protestantin wird von Maria gesegnet,


Wenn sie ihr heiliges Bild hängt ins gereinigte Haus.

Du mein leiblicher Bruder, nicht mein Bruder in Christus,


Wo kein Glaube ist, da ist nicht Liebe von Gott.

Tagsüber Arbeit, nachts der Betrug der Geliebten im Traume,


O Sophia, ich bin müde der irdischen Welt.

Ich bin der Weise, bin der Musen Prophete und Priester,
Andre arbeiten gut, haben des Handwerks Geschick.

Schneller als Schriftgelehrte sind die Huren im Himmel,


Heilige Huren in Bett, Bräute des Bräutigams Gott.

Ach Sophia, ich könnte weinen vor Kummer und Elend,


Wenn nicht vertrocknet wär längst schon mein Auge im Herz.

Bruder, stammst du ab von Wikingern oder von Kelten?


Nein, du stammst von Kain, der seinen Bruder erschlug.

Kommt nun, Zimmermänner und Schlosser und webende Frauen,


Salomos Tempel erbaut, Salomos Wohnung erbaut.

O Sophia, ich nehme Hammer und Zirkel und Waage,


Baue der Weisheit Haus, baue der Herrlichkeit Heim!
*

Da sich die Hure auf dem Sterbebett Christus vereinte,


Liegt sie im Freudenhaus droben im himmlischen Bett.

Dante sah die Hölle, das Fegefeuer, den Himmel,


Aber auf Erden war er in der Verbannung Exil.

Zwar die türkischen Mädchen, ja, das sind bildschöne Wesen,


Aber den Muselmann hass ich im heiligen Geist.

Salomo dankt von Herzen dem Handwerker Hiram von Tyrus,


Der den Tempel gebaut, göttlicher Weisheit Altar.

Hiob, putz deine Wohnung, geh an die Sonne des Tages,


Lade Freunde zu Gast, dann wird der Kummer entfliehn.

Du bist nicht schizophren, du bist zu faul nur zur Arbeit,


Spottet Hiobs Freund, der doch ein Gläubiger war.

Heiden und Christen spotten über den elenden Hiob,


Der sich sehnt nach dem Tod, nach der Erlösung vom Leid.

Sankt Johannes Paul kam mit meiner toten Geliebten,


Sprach von dem Himmel schön, nicht von dem Gotte der Welt.

Modernistische Theologen verkünden die Erde,


Nicht mehr den Himmel, wo selig die Seligen sind.

Seit die tote Geliebte ist im Himmelreich droben,


Denk ich ans himmlische Licht, Schönheit der Herrlichkeit dort.

*
Meine tote Geliebte strahlt im herrlichen Himmel,
Tausend mal lieber mir sie, ach, als die Narren der Welt.

Der Gelehrte ist parfümiert von Bücherstaub-Wolken,


Staubige Weisheit! wie schön! Bibliotheken von Gott!

Oh, ich liebe die Bücher mit erotischer Liebe!


Musen und heilige Fraun, Jungfrauen warten im Buch!

Ach die evangelikalen Himmelsverehrer,


Mohammeds Paradies alle erstreben sie nur.

Was willst du mit den Huris? Etwa Federball spielen?


Ich will vereinigt sein ewiger Weisheit in Gott.

Hast du Fragen zum mystischen Weg der göttlichen Weisheit,


Frag nicht den Diakon, Pfaffe mit Kindern und Frau.

Materialismus und Egoismus, Parteien


Stehen zur Wahl, modern, gottlos, rebellischen Volks.

Nicht mehr kommst du als Venus zu mir, o Himmelsgeliebte,


Als Madonna kommst du mild mit dem niedlichen Kind.

Protestantischer Freund und sozialistische Freundin,


Nette Leute sind das, aber sie irren sich doch.

Gehen die Kohlenhydrate in das Hirn? in die Muskeln?


Das macht den Unterschied. Dienst du dem Geist oder Fleisch?

Ihr katholischen Phrasendrescher, stockdumme Pfaffen,


Mein Martyrium ists, eure Predigt zu hörn.

Eine geistige atomare Bombe die Lehre


Ist von Mao Tse-Tung, wie er es selber gesteht.

Nachruhm ist eitel, du wirst vergessen werden auf Erden!


Schreib für den lieben Gott Lobgesang, Lobpreis und Ruhm.

Dame Wahrheit redet schön von dem Segen der Ehe,


Dame Meinung spricht von der Jungfräulichkeit Ruhm?

Gibst du dein Herz mir nicht, du Held,


Dann gib zumindest mir dein Geld.

I love Marie,
Miss apple-bee.

Keinen Sex vor der Ehe, das kann man heute nicht halten,
Lehrt der Protestant. Lüsternheit redet aus ihm.

Nicht wie die protestantischen Schriftgelehrten, vielmehr mit


Göttlicher Vollmacht ich predige Weisheit des Herrn.

Katholiken und Protestanten und andere Fromme,


Jeder ist doch ein Mensch, göttlicher Liebe Objekt.

Such mir keine Hausfrau, ich liebe die Jungfrau Maria,


Die du leider nicht ehrst, weil du Häretiker bist.

Kommt, wir wollen baun dem Propheten die Einsiedler-Hütte,


Wahrlich, ein großer Prophet wandelt inmitten von uns.
*

Heute weihe ich dir mein Schlafzimmer, Jungfrau Maria,


Möge dein rotes Bett leuchten in meinem Gemach.

Nun kannst du Gott auch Vater nennen, Vater im Himmel,


Weil ich ein Vater bin, der dir geholfen, mein Sohn.

Liebe Taube, dein Gurren ist mir tausendmal lieber


Als das Weibergeschwätz, das vom Alltäglichen spricht.

Alle reden Prakriti, Sprache der Frauen und Kinder,


Keiner redet Sanskrit, Sprache der Weisheit des Herrn.

Nein, du kannst nicht vermählt sein der heiligen Jungfrau Sophia


Wie einst Augustin, nein, du benötigst ein Weib.

Freundin, du weißt nicht, was du willst, so quäl doch den Freund nicht!
Wer versteht eine Frau, welche sich selbst nicht versteht?

Pseudokatholische Journalisten, Rechtsextremisten,


Antisemitischer Dreck, raus aus dem Kirchlichen Haus!

Meister Konfuzius, wie bist du doch verbittert gestorben!


Nach dem Tode erst kam der bewegende Ruhm,
Dann aber wurdest du erklärt zum Heiligen droben
Und deine Lehre hat China verändert, die Welt.

Nun, mein lieber Handwerker, du hast der Venus von Milo


Arme angeklebt mit dem besonderen Leim.

Notlügen sind erlaubt und ich gehe Sonntags zur Arbeit,


Ich bin ein gläubiger Christ, wiedergeboren, bekehrt.
*

Was, Elias, willst du mit Königin Isebel weiter,


Die der Ashtaroth dient, immer den Heiligen plagt!

ZEHNTER TEIL
EPIGRAMME

Woher hast du den Adel, du holdselige Dame,


Da deine Mutter war Putzfrau und putzte den Markt?

Posthum eifersüchtig bin ich, o tote Geliebte,


Wenn du im Traum erwählst statt mir den anderen Mann.

Meine Feinde verfolgen mich nachts in finsteren Träumen,


Aber Sophia ist da, sie gibt mir morgens den Kuss.

"Ich hab mich in die Sauberkeit verliebt!"


Mein Sohn, jetzt weiß ich, dass es Wunder gibt!

Freu dich am Weib deiner Jugend, berausch dich an milchprallen Brüsten


Und befriedige dich immer an ihrem Verkehr!

Protestantische Weisheit ist mir zuwider wie gleichfalls


Esoterische Lust, welche den Eros beschwört.

Eros, Adieu! Ich diene jetzt einzig der Philosophia,


Seelenruhe und Glück bringt mir Frau Weisheit allein.

Du reimst den Himmel auf Getümmel und Gewimmel,


Und die Geliebte lacht und nimmt sich deinen Pimmel.

*
Weh mir! Mein Glück hast du mir genommen, barmherziger Jesus,
Und mir Unglück gebracht, doppelt des Glücks mich beraubt!

Christen sind arme Sünder, sie müssen büßen und beichten,


Heiden freun sich dieweil ihrer glückseligen Lust!

O Sophia, in deiner jungen Herrlichkeit morgens


Gehst du am Himmel auf, küsst mich mit taufrischem Kuss!

Mensch, ich bin sanft und mild, ich bin die gütig Fromme,
Und das ist Gottes Huld und Gnade, wenn ich komme.

Ist deine Tochter, Frau, geborne Künstlerin,


Gewöhn an Broterwerb beizeiten ihren Sinn.

Schenk ich der Freundin Meisterwerke prophetischer Dichtkunst,


Liest sie Traktate nur, wie sie gesudelt der Mönch.

In der Jugend hatte ich Lust und Wollust und Wonne,


Dann bekehrte ich mich, da kam das bitterste Kreuz.

Madonna war bei mir, es sah der Philosoph, ah,


Die milde Sanfte saß ganz weiß auf seinem Sofa.

Der Satan spielt mit dir, du lass dich nicht entmutgen,


Denk an den Bundesschluss mit deinem Gott, den blutgen.

Panische Weiber, weinende Knaben, bellende Rüden,


Da bleibt die Muse fern, welche die Einsamkeit liebt.

So viel Menschentrubel und lautes Gewimmel von Narren,


Philosophia, wo bist du in all diesem Zeug?
*

Wenn ich allein bin, reden mit mir die zärtlichen Tauben,
Unter dem Volke schrein Krähen und Elstern Geschrei.

Ich betrachte gerne die Sprüche Salomos, siehe,


Ich bin der lustige Narr, wie ihn auch Shakesapeare geliebt.

Was heißt der Name Maria? Gutgebaute und Schöne


Und Geliebte. Sie ist meine Geliebte von Gott.

Halten dich alle für einen Dichter von Liedern der Liebe,
Aber du bist ein Prophet, Spätere werden es sehn.

Beterin, die du betest für meine herrlichen Knaben,


Dir wird die Bibel geschenkt, plattdeutsch, wie Großmutter sprach.

Was die Menschen interessiert, der weltliche Käse,


Langeweile nur ists, Öde und Leere des Geists.

Nimm dein Leid an, so kann ich deinen ärmlichen Kindern


Helfen mit Gnade, die du durch deine Leiden verdient.

Ob ich komm oder nicht, das ist dir gleichgültig, Jüngling,


Der mich als Knabe geliebt, immer mich sehen gewollt.

Unter diesem, ach, ehebrecherischen Geschlechte


Strahle als himmlisches Licht, sei du dem Morgenstern gleich!

Ausgegangen bin ich mit vollem liebenden Herzen,


Heimgekommen leer, wie es schon Seneca ging.

*
Ach, mein Herz ist traurig, ach, von der Kälte der Menschen.
Eilig zu Gottes Wort! Eilig zu Unserer Frau!

Seht, ein großer Prophet ist aufgestanden in Zion,


Den die Menschen nicht sehn, weil sie im Geistigen blind.

Du willst mein Geld, du willst meine Speise, aber mein Herz nicht.
Aber Sophia will ganz und vollkommen mein Herz.

Ach, ich wäre doch besser allein zuhause geblieben,


Als in der Narrenwelt Mammonsverehrer zu sehn.

Mir im Herzen streiten zwei Wölfe: Einer voll Schwermut,


Einer heiter. Es siegt, welchen ich nähre mit Blut.

Ihr mit eurer ewigen Miene des leidenden Christus,


Ihr mit dem ewigen Tanz, wenn ihr Hallelujah schreit!

Immer kam ich, mein Knabe, mit dir Karten zu spielen.


Nun du ein Jüngling bist, hast du ein Mädchen im Sinn.

Ach, du unerträglich polternder Grobian, du bist


Nur erträglich, weil dir steht deine Ehefrau bei.

Keinen Augenblick bleib ich stehn bei so lieblosen Sündern,


Sondern gehe zu Gott, welcher der Liebende ist.

Katholik und Pietist, zum Bibelgespräch ins


Alewitische Haus, wo es den Lammbraten gibt!

Tropf ist Tropf und Klotz ist Klotz. Und wenn er ein Christ ist,
Schlägt mir der Bibel dich tot, der nicht die Bibel versteht.

Du mein polternder Freund kommst ohne die bessere Hälfte?


Wo bleibt die Seele dein, die sie verkörpert so schön?

Die vermählte Gattin beklagt sich über den Gatten:


Er schläft allein im Bett, ach, er befriedigt mich nicht!

Tot ist Susannas Meerschweinchen! Kommts in den Meerschweinchen-Himmel?


Ach, das wissen wir nicht, die wir die Bibel studiert.

Ach, wir bräuchten Propheten in der heiligen Kirche,


Dummschwätzer gibt es genug, faselndes Pfaffenlatein.

Du hast die Wohnung voll Bücher, aber keines gelesen,


Das ist eitler Schein, wie er den Toren gefällt.

Du liest Goethes gesammelte Werke, kannst auswendig Faustus,


Und bewunderst zugleich Stalin, den bösen Tyrann!

Hübsches Mädchen, du liebst die Krankenschwestern-Romane


Und verachtest den Kleist, weil er gemordet sich selbst.

Kriminalromane liest nur die christliche Dame


Und nicht Epen Homers, sapphische Oden von mir.

Ich will noch studieren in der heiligen Bibel,


Ob mein Herr Jesus nicht auch tierische Nahrung verschmäht.

Philosophie und Kirchenväter und mystische Weisheit,


Davon halte ich nichts, kenne die Bibel allein.
*

Zwei Christen trafen sich, die nie zuvor sich sahen,


Und schon verstehn sie sich im Gottesgeist, dem nahen.
Die Missionarin lacht aus heitern Augensternen,
Es darf der Philosoph vom Gottvertrauen lernen.
Der war zu Tod betrübt, der geht ermutigt weiter,
Weil sie, die frohe Frau, in Heilig Geist war heiter.
Der Dichter preist den Herrn in seinem blauen Qualme,
Die Missionarin ist bereit zur Märtyrer-Palme.

Und wenn die Freunde dich verraten, Dichter-Denker,


Wie schon die Liebe dich verriet, jag sie zum Henker!

Verlassen von der Welt, kam ich zu Monika,


Da sprach der liebe Gott: Getrost, denn ICH BIN DA!

Computer-Hirn, jedoch kein Herz im Mannesbusen,


Das ist so recht ein Freund für einen Sohn der Musen.

Groß ist der Papst! Und groß ist der Kaiser! Aber der Pfaffen
Und der Mönche Gespei macht nur Frau Torheit den Hof.

Dies ist das Himmelsbett Mimis, der Magd der Königsmätresse


Madame Pompadour, Mimi hat Nein nie gesagt.

Früher war vorn in der Kirche der Tabernakel des Christus,


Heut auf der Bühne stehn Musiker, Popstars des Herrn.

Alle Jünglinge singen und Jungfrauen wild durcheinander


Kakophonie für Gott, Lobpreis im heiligen Geist.

Ich bin ein Dichter, das heißt, dass ich neue Götter erfinde,
Neue Göttinnen, die nimmer die Alten gekannt.

*
Ihre Göttin die Vulva und ihr Gott ist der Phallus,
Orgien Gottesdienst und ewiges Schicksal der Tod.

Gott schuf sein Meisterwerk, gab uns zur Mutter die himmlische Jungfrau,
Ihr beleidigt sie sehr, kränkt so den heiligsten Gott.

Oft kommen Eidechsen, stets hat sie Maria vertrieben,


Oder das Fliegenpack, welches Maria vertreibt.

Evangelikale betrachten die Apokalypse


Und verstehen sie falsch, 's ist ein katholisches Buch.

Was liebst du deinen Hund, den Rüden, Rosamunde?


Ihr seid doch beide gleich, seid schwarze Schweinehunde!

Wer die göttliche Weisheit liebt, wird von Freunden verlassen,


Aber Gnade von Gott wird ihm gewaltig zuteil.

Leer ist mein Herz nicht, ich habe Liebe zu all meinen Kindern,
Aber für dich, mein Freund, Liebe ist übrig nicht mehr.

Nein, ich hab genug von der Bruderliebe, mein Judas,


Geh und häng dich ans Holz, ich auch will hängen am Holz.

Taube, wohin so eilig? - "Ich muss zu meiner Geliebten!"

Einst Pylades und sein wahnsinniger Orestes,


Jetzt Judas und der Herr, der wollte nur sein Bestes.

Schneller ist die Schildkröte selbst als der Schnellfuß Achilles,


Folgt man der Mathematik, wie sie einst Zenon gelehrt.
*

Geh zum Faultier, du Arbeiter, lerne vom schlafenden Faultier,


Das schläft den ganzen Tag. Folg ihm, ist Salomos Rat.

Dankbar für jeden Brief, den mir nicht sendet ein Dichter
Oder gar ein Gedicht, dank ich dem himmlischen Herrn.

Dreizehnjähriges Mädchen mit langen goldenen Locken,


Wie erotisch du stöhnst, wenn du den Vater liebkost!

Götzendienst treibt ihr mit eurem Haustier, Hund oder Katze,


Ihr habt lieber das Tier als den Verehrer und Freund.

Sturm macht die Bäume kahl. Im Wettersturm Jahwe


Redet mit Hiob nur, nicht mit den Freunden von ihm.

O du richtest dich auf und streckst mir die Brüste entgegen,


Dass ich verehre die Herrlichkeit, Fülle und Pracht.

Maus und Elefant pissen einundzwanzig Sekunden,


Wie es die Wissenschaft lehrt. Närrische Weisheit ist das.

Komm zu unserer Sekte zu den niedlichen Mädchen


Und zur Bettler-Mission. - Proselytismus ist das.

Morgens kommt Jesus mit der süßen katholischen Kirche,


Innig Arm in Arm, Lippen auf Lippen gepresst.

Protestanten und Sozialdemokraten - der Geist ists


Dauernder Rebellion gegen das Gottesgesetz.

*
Wer mit Narren disputiert, der wird selber zum Narren.
Göttliche Weisheit, komm, gib einen neuen Gesang!

Auf, und rede prophetisch zu den gottlosen Völkern.


Nicht von der Sünde banal, sondern von Kriegen und Hass.

Willst du die Arbeiter in der Fabrik im Platon belehren,


Lass es lieber sein, wende an Stella dich nur.

Die Unsterblichkeit mir erhoff ich von heilenden Kräutern,


Dass ich liege dereinst doch auf dem Friedhof gesund.

Ein Meerschwein bist du nicht, kein Eichhorn und kein Igel,


Ein schönstes Mädchen nur, das glänzt vor seinem Spiegel.

Wenn ich mit meinem Leib muss in dem Grab versinken,


Dann steh auf meinem Stein: O Herr, er tut schon stinken!

Christliche Narrenhäuser für christliche Narren,


Das nennt Gemeinde man, wo man laut trommelt zum Tanz.

Meine Mutter nannte mich Kind einen sabbelnden Schwätzer,


Priester wurde ich drum, predige lang vor dem Volk.

Anna, ich möchte mit dir das Kamasutra studieren,


Aber ach du bist tot! Komm und beglück mich im Traum!

Orthodoxie und Kultus, Priesterschaft, strenge Moralien,


Ein Gewimmel dazu irriger Sekten zuhauf.

Schreibe ich eben altgriechische Zaubersprüche, da kommen


Die Veganer des Herrn, mich zu bekehren zum Gras.

Ich besinge Dionysos und auf Kothurnen kommt Eske,


Purer Wollust Idol, rotlockig, scharlachnen Munds.

Vom Himmel hoch, da komm ich her, von Gottes Städtchen,


Der Schönheit Inbegriff, das ganz vollkommne Mädchen.

Der spricht von der Apokalypse und der von der Taufe,
Ich aber schaue zum Mond und zu dem göttlichen Weib.

Vor der Apokalypse wird entrückt die Gemeinde,


Könige werden wir sein in dem Millennium bei Gott.

Christen, die Kommunisten wählen, sind närrische Christen,


Machen zum Gärtner den Bock, der ihren Garten zertritt.

Mein ist die hyperdispensionalistische Kirche,


Die passt ins Versmaß kaum, Freund, der du spottest so gern.

Gottlos betrat ich die Ehe und gottlos ließ ich mich scheiden,
Nun begehre ich Weib gottlos erneut einen Mann.

Vom Himmel hoch, da komm ich her, wie auf der Freske
Im Vatikan gemalt, ich bin die schöne Eske.

Lärmende Arbeiter kommen am Morgen, den Dichter zu plagen.


So wird die Muse verscheucht, die in der Stille nur kommt.

Meinen Liebeswahnsinn heilte der Arzt mit der psychischen Pille.


Was war Liebe daran? Was war nur Chaos-Chemie?
*

Du bist bekehrt, mein Freund, doch nicht zur göttlichen Wahrheit,


Irrtum auf Irrtum zuhauf häufst du im gläubigen Sinn.

Trutz Backbord und trutz Steuerbord,


Am Mast genagelt hängt das WORT!

Morgens unterm Balkon die Göttin Eske mit rotem


Munde gähnt sie lasziv, kommt wohl grad erst aus dem Bett.

O Jeanne d'Arc, o Edith Stein, ihr Jungfrauen Gottes,


Ihr erfreut mich im Traum, zündet die Flamme mir an!

Du besingst die schöne Geliebte als himmlische Göttin,


Aber sie hört es nicht, ist zu beschäftigt am Herd.

Meine Nachbarin kommt, mir ein frisches Brötchen zu schenken.


O so lieb ist Marie, die mich vom Himmel versorgt.

Trutz dummem Pfaffenschwatz, trutz dummem Schwatz der Sekten,


Ich sing die Brüste nur der höchsten Unbefleckten!

Von den Menschen vergessen, keiner denkt an den Dulder,


Aber Athene trägt immer im Herzen den Mann.

Du bist so früh gestorben, Geliebte, dass du für immer


Bei mir bleiben kannst, Muse vom Morgenstern nun.

Platon und seine Frau und sein kleiner Knabe Platönchen


Saßen zusammen beim Mahl, sprachen von Liebe und Kunst.

*
Von alter Weiber Schwatz und Kuchen über Kuchen
Geh weiter, o Poet, die Muse nachts zu suchen.

Madonnenkopf und Leib der makellosen Venus,


Verzeih mir mein Idol, o Jesus Nazarenus.

Meine Geliebte lag im Sterben, lallte noch: Mama,


Lächelte und verschied.

Wenn du schon plattdeutsch schreibst, warum dann so schwierig, mein Dichter?


Plattdeutsch auch ist Homer immer zu schwer noch für mich.

Wer sagt, Athene, die Göttin der Weisheit, spiele mit Eulen?
Nymphensittiche seh ich in der Kammer bei ihr!

Die Mädchen nun nicht mehr im Mutterhause wohnen,


Doch kommen sie zurück und essen Mutters Bohnen.

Auf Fell vor dem Kamin da lag die junge Gnade,


Die Anmutsgöttin jung trank heiße Schokolade.

Erst Butter auf das Brot und Käse sich zu schmieren,


Mit Toast und Traubensaft dann falsch zu zelebrieren.

Man sah im deutschen Wald ein strahlend weißes Reh.


Der Jäger schoss es tot, o wehe, wehe, weh!

Weh ist ein wahres Wort, Weh ist ein gutes Wort,
Ein gnadenreiches Wort, ich bet es immerfort.

Als ich in Schmerzen lag, in einer Schermuts-Trance,


Die Stimme kam zu mir von La Madame de France.
*

Die Leute beten heut zu Gold- und Silber-Puppen


Und feiern Götzendienst und essen Gräuelsuppen.

Wildschweine überfielen eine Bankfiliale,


Einen schoss man tot, aber der andre entkam.

Du, Hiob, jammerst nur und willst den Mut verlieren,


So kauf dir einen Hund und täglich geh spazieren.

Ich hab protestantische Theologia studieret


Und bin verdammt von Gott ewig zum höllischen Pfuhl.

Du bist ein trockner Schwamm, kannst meinen Durst nicht sillen,


Du musst dich erst bei Gott mit Wassserfluten füllen.

Du kommst mit guter Laune und gehst mir schrecklicher Laune.


So ging es Seneca schon. Das ist nicht neu unterm Mond.

Weh euch, ihr fetten Kühe von Baschan mit trockenem Euter!
Also klagt der Prophet seinem Geliebten den Schmerz.

Auf dem Sofa liegen, Fleisch fressen, Wein saufen, dichten


Wie einst Davids Psalm, dir geht es gut doch, mein Herz.

Was gibt es Neues? - Du hast ein steinernes Herz, meine Freundin,


Aber das ist nicht neu, das bin ich längst schon gewohnt.

Keine Gastfreundschaft in den Herzen, nichts als Kontrolle


Und an Jesus Kritik, ach, das verwundet sein Herz.

*
Brüder, ich sage die Wahrheit! Ich bin voll Schmerzen und Trauer!
Unablässig am Kreuz häng ich mit Jesus, dem Herrn!

ELFTER TEIL
EPIGRAMME

Mein Herz ist groß und heiß zu allen Menschenkindern


Und ernte Kälte nur von den verstockten Sündern.

AN JOHANN

Im stillen Witwerhaus sitz einsam ich am Tische,


Ich habe zum Gespräch nur stumme kalte Fische.

Ich hab wohl allein so Gedanken vom heiligen Geiste,


Aber keiner versteht, ist ihnen alles zu schwer.

Über Krankheiten reden sie und Fernsehprogramme.


Dank für den schönen Besuch. - Ah, ich bin wieder allein!

Als ein Knäblein warst du geweiht der himmlischen Liebe,


Nun ist Mammon dein Gott.

Stellt der Priester fest in der Predigt, dass Jesus nicht christlich,
Gar nicht so lieb und nett, wie es der Priester gewohnt.

Einst gab mir ihren Trost die liebe Gottesmutter,


Nun fall ich von ihr ab und geh zu Doktor Luther.

Katze, du bist tot und lebendig, der Physiker sagt es.

*
Wer Gottesweisheit sucht, will innig sie umfassen,
Von allen Freunden wird er nach und nach verlassen.

Wie süß der Kuss im Traum, den gab mir Sankt Susanna.

Der keusche Kuss im Traum, den gab mir Sankt Susanna,


Ist besser als der Wein und süßer als das Manna.

Der gute Papst in Rom will unsre Seelen retten,


Man darf im Vatikan nicht rauchen Zigaretten.

Die Lutheranerin, sie geht zum Tisch des Herrn


Und nimmt sich Christi Leib und will sich nicht bekehrn.

Verlassen von dem Freund, vom Sohn verlassen und


Verlassen von der Maid, verlassen von dem Hund.

So lies die Rechnung auch, denn du musst sie bezahlen,


Ist, was die Arbeiter im Liede mir empfahlen.

Ich bin verachtet, und nicht schön, und krank im Herzen,


Von Gott zutiefst geplagt, ich bin der Mann der Schmerzen.

Priester, du singst begeistert das Lob der christlichen Dummheit,


Weisheit ist dir zu schwer.

Nein, lieber doch allein, als mit den Mordgesellen,


Allein, wo in der Nacht die Todesgötter bellen.

Man singt Gesang für Ra und Isis nennt man groß,


Ach würd ich Marduk bloß und Ishtar auch noch los!
*

Die Dreizehnjährige mit langen blonden Locken


Spielt Geige mir im Traum mit Jauchzen und Frohlocken.

Da mich der tote dämonische Vater im Traume verfolgte,


Mich die Geliebte betrog, komm, Göttin Weisheit, mit Trost!

O Bischof Berkeley, das hat heut sich mir ereignet,


Dass du den dummen Stoff ganz heilig hast verleugnet,
Materie ist nichts, was ich im Geiste seh,
Im genialen Geist, ist einzig die Idee.

Aus blauem Himmelszelt tritt vor die Tochter Zion,


Um Mitternacht mich führt der Gürtel des Orion.

Das Universum ist unendlich groß und alt,


Doch schöner mir erscheint des Mädchens Lichtgestalt.

Wie schön ist Gottes Wort, doch wird es oft erledigt,


Wenn spricht der Prediger die Seifenblasenpredigt.

Dein Sehnen richte, der Vergänglichkeit zum Trotze,


Zur Wodkaflasche erst und dann zur jungen Fotze.

Ob du nur Gräser frisst, die Speise wär mir grässlich,


Es hilft dir alles nichts, du bist und bleibst doch hässlich.

Der Kommunist ist tot, gestorben auf der Stelle,


Und eilig fuhr hinab zu Lenin in die Hölle.

O komm mit Heiterkeit, mein lieber Vater Äther,


Es plagen nachts im Traum dämonisch mich die Väter.
*

Es stammt der Menschensohn von Salomon und Nathan,


O komm, mein lieber Christ, und treibe aus den Satan!

O seliger Prophet, treib aus der Träume Fluch


Und lies im Morgenrot das gott-diktierte Buch!

Wie Ariadne stand vor Bacchus - zum Frohlocken!


Zu Zöpfen um das Haupt gfeflochten goldne Locken!

Künstliche Intelligenz, meine Freunde, ist nicht tauglich zur Freundschaft,


Nur ein heiliges Kind konnte mich lieben so schön.

Ach, meine Liebe, ach, die wollte keiner haben,


Den Toten schenk ich sie, in Gott sie zu begraben.

Du Dichter, schreibe nicht der wilden Menschenflut,


Den Toten schreibe nur, denn die sind ausgeruht.

Hohe künstliche Intelligenz der Roboterfreunde -


Aber der Hündin Aug hat doch mehr Seele als sie.

Die bösen Schurken lass der Ordnung und dem Recht


Und all die Narren lass dem menschlichen Geschlecht.

Habe drei kranke Kinder, schlaflose Nächte, ein Weib auch


Jammert die Ohren mir voll, kann nicht mehr Freund sein, mein Freund.

Es streut der Herr den Reif, Schneeflocken weiß wie Wolle,


Die Christen aber, ach, sie beten zu Frau Holle.

*
Wo sind die Jungfraun hin, die mir im Herzen wohnen?
Da um mich in der Welt nur fett sind die Matronen.

Frau Holle geht umher, die Gnadenstunde nutzt,


Die Göttin schaut, ihr Fraun, ob ihr das Haus geputzt.

O Julie, makellose Maid!


O weibliche Dreifaltigkeit!

Josef hat Jesus ein Spielzeug geschnitzt,


Ein Kreuz, er hat es als Schwert benützt
Und bekriegte damit Satans Fesseln
Aus Dornen, Disteln und Nesseln.

Wir wollen uns nach allen Kamasutra-Regeln,


Meine Geliebte, zu Tode vögeln!

Wie listig sind die Protestanten,


Sie reden vom Unbekannten
Und haben die Mutter vergessen.
Nicht so die Heiligen Messen.

Ihr habt die küssenden Weiber


Und die nackigen Leiber,
Ich leb in einsamer Leisheit,
Aber ich hab Frau Weisheit.

Schönes Geschenk der Weihnacht, ei,


Erotische Malerei.

Ihr habt die Fotomodelle,


Wie Venus im Pelz auf der Welle,
Die tanzen in eurer Sekte.
Wir haben die Unbefleckte.
*

Du bist wahrlich keine Madonne,


Bist der Streit in einer Tonne,
Zwei Äffchen hängen dir am Nabel,
Der Engel jagt dich nach Babel!

Sie war so lieblich um und um,


Jetzt kommt sie ins Klimakterium,
Jetzt ward sie zur zänkischen Zunge.
Dann sing ich die Tochter, die junge!

All die Muschis und Mimis


Mit ihren höllischen Krimis
Sind nicht wert der Sonette -
Ich geh getrost zu Bette.

Dir, vermaledeiter Bruder,


Soll ich werben ein plattdeutsches Luder?
Ich schlaf von Matutin bis Vigilie,
Im Traum plagt mich meine Familie.

Vorüber Satans Not,


Die alte Hex ist tot.

Statt mich zu trösten mit freundlichem Herzen,


Schlug er mich tot mit Bibelversen.

Für Maria nur Spott,


Ihr Magen ist ihr Gott.

Ich sehe den Himmel offen, seh Jesu Herz,


Marien Herz sich mit Jesu Herz vereinigen!
Da schreien die Protestanten auf vor wildem Schmerz
Und wollen mich alle zu Tode steinigen!

*
Jesus Christ
Als Marxist?
Ernesto Cardenal -
Ein Pfaffe singt dem Baal.

Frau, du bist nicht Gott,


Erdulde meinen Spott!

Ihr kaut immer an trockenen Lettern und Krumen,


Wir haben das Festbankett und Liebfrauenblumen.

Christus ohne Marie -


Gnostische Häresie.

Die Perle Sophias in schönster Klarheit


Verborgen im Acker von pfäffischer Narrheit.

Da muss das Gotteswort selbst verstummen,


Wenn Phrasen predigen die Dummen.

Prosit zum Neuen Jahr! Das Kreuz des Christus steht


Vor meinem Aug allein! Ich kämpfe im Gebet!
Ich führ mit Satan Krieg, mir Dornenkränze flocht er!
Gott segne dich, mein Freund, und deine schöne Tochter!

In Einsamkeit, der ich lebendig schon verwese -


Da steht vor meiner Tür ein lächelnder Chinese.

Freunde - es gibt keine Freunde, sprach der sterbende Weise.


Feind - es gibt keinen Feind, sprach der lebendige Narr.

Liebe, das ist nur eine Erfindung der Frauenwelt, dazu,


Dass sie den Mann beherrscht, dass sich der Mann ihr versklavt.
*

Meine Geliebte, ich liebe dich mehr als du selber mich liebest,
Wie es schon immer war, wenn ich die Frauen geliebt.

Mein Geliebter, ich liebe dich mehr als du je mich geliebt hast,
Der du bei meinem Tod liebtest ein anderes Weib.

ZWÖLFTER TEIL
DINEKE

Wie herrlich in der Nacht der Mond beglänzt die Welt,


Von ferne geisterhaft die tote Hündin bellt.

EMMI

Wie lieb ich Emmi, die bei mir im Bette liegt


Und an den Träumer sich stets dicht und dichter schmiegt!

Die schlanke Birke mit den langen goldnen Locken


Erwartet splitternackt die weißen Winterflocken.

Nun, Emmi, komm, mein Schatz, und geh mit der Laterne,
Hier unten strahlen wir, dort droben tuns die Sterne.

DAS WORT ZUM SONNTAG

Seid voller Hoffnung, ihr von Jesu Christi Orden,


Die tote Hündin ist zur Geisterhündin worden.

Ich sehe in dem All die Jungfraungöttin Dina,


Sie leuchtet uns voran von Mexiko bis China.

Ich bin die Jungfrau mit dem goldenblonden Zopf,


Es ruht auf meinem Arm der Gott mit Hundekopf.
*

Nun du verschwunden bist im wilden Weltgewimmel,


Schau Diamanten ich am hohen Sternenhimmel.

Das Mädchen kommt vorbei mit der Chi-Hua-Hua-Dame,


Die Tochter Israels, und Dina ist ihr Name.

Die schöne Jungfrau spricht: Ach diese alten Weiber,


Wie träge ist ihr Geist, wie müd sind ihre Leiber!

Des Himmels blaues Aug! Der Sonne goldne Locken!


Der Seele dieser Welt es läuten alle Glocken.

Wenn Awa schaut den Gott im blauen Himmelszelt,


So Emmi untersucht die Seele dieser Welt.

Die süße Mutter Di mit ihrem Opferhunde,


Wie das Orakel sagt, das ist die Freudenkunde.
Drum der Chinese ehrt die süße Mutter Di
Und unterwirft sich ihr mit tiefster Sympathie.

Ich bin die Göttin Di, die ich im Hundsstern aufgeh,


So sing du Lobpreis mir und ewig zu mir aufseh!

Ich bin die Jungfrau Di, die ich wie Sonnen funkle,
Denk immer nur an mich, dass sich erhellt das Dunkle.

O Gerhard, komm ins Bett zu mir auch vor der Ehe,


Ich liebe deinen Leib und deiner Seele Nähe!
O Dina, auf vom Bett und eilig in die Welt,
Mir Afrika gefällt, Amerika gefällt!
O Gerhard, wie ichs lieb, so Arm in Arm zu reisen,
Die Schönheit der Natur mit frohem Lied zu preisen!
O Dina, du mein Schatz, so heiter, niedlich, nett,
Lass Welt die Welt nun sein und komm zu mir ins Bett.
*

Zum starken Gatten komm, verlass die alte Mutter,


Ein heißes Messer geht so durch die weiche Butter.

Die Göttin tätowiert, die alle Männer küssten,


Ein Vogelparadies auf ihren jungen Brüsten.

Im Traum verfolgte mich die Alte und die Schwarze,


Nicht die Sibylle wars, die Furie wars, die Parze,
Im Traum beglückte mich die schönste Jungfrau blond,
Die reine Lichtgestalt, die lächelnd mich besonnt.

Hier herrscht die Finmsternis und trister Nebel nur,


Doch die Kanaren sind voll lachender Natur,
Da schämen sich vor Gott die Homosexuellen,
Wenn Dina aufgetaucht, die Jungfrau, aus den Wellen.

Das goldne Mädchen fehlt, so fehlt im Herbst die Sonne,


So bei den Pfingstlern fehlt der Segen der Madonne.

Am Morgen in der Früh geht Dina auf am Himmel,


Den ganzen langen Tag sie strahlt aufs Weltgewimmel,
Am Abend neigt sie sich, die Niedliche und Nette,
Und sinkt dann in den Arm der Nacht im Himmelsbette.

Geliebte Emmi, wie ich mich zur Nacht erfreue


An deinem warmen Aug, das ist voll Lieb und Treue!

Im Vatikan gemalt ein schönes Bild von Giotto:


Die Jungfrau Dina, die gewonnen hat im Lotto.

Zwei Jahre ist es her, dass Ava ich getauft...


Sauft, meine Brüder, die ihr einsam jammert, sauft!
*

Ich schreibe gerne dir ein Verslein auf Emaille,


Wenn du dem Christkindl zeigst die gertenschlanke Taille.

Die Jungfrau Dina kommt, von Lockenflut verschleiert,


Und zeigt der ganzen Welt, wie man die Weihnacht feiert.

Das Neue Jahr begrüßt die Welt mit hellen Glocken:


Heil Venus Dina dir mit langen goldnen Locken!

Der Schoßhund will sich warm an seine Herrin kuscheln.


Wer ist die Herrin denn? Frau Venus auf den Muscheln!

Vom goldnen Mond beglänzt ein Silberspinnenfädchen:


Ein blondes Haar von dir, mein wunderschönes Mädchen!

Es sitzt der Toten Schar auf allen meinen Sesseln,


Sie brechen mir das Herz in finstrer Mitternacht.
Komm, Venus Dineke, mit Locken mich zu fesseln,
Das ist allein mein Trost, wenn mir dein Antlitz lacht.

Erst wenn die Jungfrau schön von IHM ein Kind empfängt,
Ist Weihnacht mir im Herz, das an der Jungfrau hängt.

Ich schau nur hin zum Tod, des Himmels Horizont,


Doch Hochzeit macht im Mai die Jungfrau Güldenblond.

Wohl der Frau, der Mutter Natur gab Schönheit des Leibes
Und ein gutes Gemüt! Selig der Mann, der sie freit!