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DAS BUCH SUSANNA

VON TORSTEN SCHWANKE

AUS DEM PROPHETEN DANIEL


DAS KAPITEL SUSANNE

Es war ein Mann in Babylon mit dem Namen Jojakim,


Und er nahm eine Frau namens Susanne, die Tochter Hilkijas, eine sehr schöne Frau und eine, die
den Herrn fürchtete.
Ihre Eltern waren gerecht und hatten gelehrt ihre Tochter nach dem Gesetz des Mose.
Joakim war sehr reich und hatte einen großen Garten neben seinem Haus, und die Juden
verwendeten ihn, um zu ihm zu kommen, weil er von allen geehrt war.
In diesem Jahr wurden zwei Älteste aus dem Volk zu Richtern ernannt. Über sie hatte der Herr
gesagt: Bosheit kam aus Babylon, von den Ältesten, den Richtern, die angeblich das Volk regieren
wollten.
Diese Männer waren häufig in Joakims Haus und alle, die Fragen an das Gesetz hatten, mussten zu
ihnen kommen.
Als die Leute sie mittags verlassen, ging Susanne in ihres Mannes Garten.
Die beiden Ältesten benutzten das, um sie jeden Tag zu sehen, wie sie umher ging, und sie fingen
an, sie zu begehren.
Und sie wurden verrückt in ihren Köpfen und wandten ihre Augen ab vom Himmel und dachten
nicht an das gerechte Gericht.
Beide wurden von Leidenschaft zu ihr überwältigt, aber sie haben einander nicht erzählt von ihrer
Not,
Denn sie schämten sich, ihre lustvollen Wünsche, sie zu besitzen, offen zu legen.
Und sie suchten eifrig, Tag für Tag, sie zu sehen.
Sie sagten zueinander: Lass uns nach Hause gehen, denn es Essenszeit.
Und als sie gingen, trennten sie sich voneinander. Aber sie wandten sich wieder um und trafen sich
wieder, und als jeder den anderen nach dem Grund gefragt, gestanden sie einander ihre Lust. Und
dann arrangierten sie gemeinsam eine Zeit, da sie sie allein finden könnten.
Einmal, während sie auf einen günstigen Tag warteten, ging sie nach wie vor mit nur zwei
Dienstmädchen und wollte im Garten baden, denn es war sehr heiß.
Und es war niemand da außer den beiden Ältesten, die sich versteckt hatten und sie beobachteten.
Sie sagte zu ihren Dienstmädchen: Bringt mir Öl und Salben, und schließt die Gartentür, so dass ich
baden kann.
Sie taten, was sie sagte, schlossen die Gartentür und gingen durch die Seitentür hinaus, wie sie
befohlen hatte, und sie sah nicht die Ältesten, weil sie versteckt waren.
Als die Mägde hinausgegangen waren, kamen die beiden Ältesten und liefen zu ihr und sagten:
Schau, die Gartentür ist geschlossen, niemand sieht uns, und wir sind voller Liebe zu dir, so gib
deine Einwilligung, und lieg bei uns.
Wenn du dich weigerst, werden wir gegen dich bezeugen, dass ein junger Mann bei dir war, und
dass das der Grund war, warum du deine Mägde weggeschickt hast.
Susanne seufzte tief und sagte: Ich bin von allen Seiten bedrängt. Denn wenn ich dieses Ding tu, ist
es der Tod für mich. Und wenn ich es nicht tu, werde ich nicht entkommen euren Händen.
Ich wähle nicht, es zu tun, und will lieber in eure Hände fallen, als Sünde zu tun in den Augen des
Herrn.
Dann rief Susanne mit lauter Stimme, und die beiden Ältesten schrieen sie an.
Und einer von ihnen lief und öffnete die Gartentür.
Als die Diener das Geschrei im Garten hörten, eilten sie zur Seitentür, um zu sehen, was mit ihr
geschehen war.
Und als die Ältesten ihre Geschichte erzählten, waren die Diener sehr beschämt, denn nichts
dergleichen war jemals über Susanne gesagt worden.
Am nächsten Tag, als die Menschen im Haus ihres Mannes Joakim versammelt waren, kamen die
beiden Ältesten, voll von ihrem bösen Plan, und haben Susanne zum Tode verurteilt.
Sie sagten vor dem Volk: Susanne, die Tochter Hilkijas, die Frau von Joakim, soll geschickt werden.
So schickten sie nach ihr. Und sie kam mit ihren Eltern, ihren Kinder, und allen ihren Verwandten.
SUSANNE WAR EINE FRAU VON GROSSER RAFFINESSE UND SEHR SCHÖN IN DER
ERSCHEINUNG.
Als sie verschleiert kam, ordneten die Gottlosen an, sie solle sich enthüllen, dass sie sich an ihrer
Schönheit ergötzen können.
Aber ihre Familie und Freunde und alle sahen, dass sie weinte.
Dann standen die beiden Ältesten in der Mitte des Volkes, und legten die Hände auf ihren Kopf.
Und sie weinte, schaute zum Himmel, denn ihr Herz vertraute auf den Herrn.
Die Ältesten sagten: Als wir im Garten allein waren, kam diese Frau mit zwei Mägden, schloss die
Gartentür und entließ die Mägde.
Dann kam ein junger Mann, der versteckt worden war, kam zu ihr und legte sich zu ihr.
Wir waren in einer Ecke des Gartens, und als wir diese Schlechtigkeit sahen, rannten wir zu ihr.
Wir sahen sie einander umarmen, aber wir konnten nicht festhalten den Mann, denn er war zu stark
für uns, und er öffnete die Tür und stürzte hinaus.
So haben wir diese Frau festgenommen und fragten sie, wer der junge Mann war, aber sie wollte es
uns nicht sagen. Diese Dinge sind es, die wir bezeugen.
Das Volk glaubte ihnen, weil sie die Ältesten des Volkes und Richter waren, und sie verurteilten sie
zum Tod.
Dann rief Susanne mit lauter Stimme und sprach: Ewiger Gott, der du erkennst, was geheim ist, der
du Kenntnis von allen Dingen hast, bevor sie geschehen,
Du weißt, dass diese Männer falsches Zeugnis gegen mich vorgetragen haben. Und jetzt bin ich
dem Tod geweiht! Aber ich habe keines der Dinge, die sie gottlos gegen mich erfunden haben,
getan.
Der Herr hörte sie weinen.
Und als sie abgeführt worden ist und entfernt worden, um zu Tode gebracht zu werden, erweckte
Gott den heiligen Geist eines jungen Knaben namens Daniel;
Und er rief mit lauter Stimme: Ich bin unschuldig an dem Blut dieser Frau.
All die Leute drehten sich zu ihm um und sagten: Was ist das, was du gesagt hast?
Er stand in ihrer Mitte und sagte: Seid ihr so dumm, ihr Söhne Israels? Habt ihr eine Tochter Israels
ohne Prüfung und ohne die Fakten zu hören verurteilt?
Bringt sie an den Ort des Gerichts zurück. Denn diese Männer haben falsches Zeugnis gegen sie
vorgetragen.
Und das ganze Volk eilte. Und die Ältesten sagten zu ihm: Komm, setz dich zu uns und informiere
uns, denn Gott fordert von dir dieses Recht.
Und Daniel sagte zu ihnen: Trennt sie weit voneinander entfernt, und ich werde sie befragen.
Als sie voneinander getrennt waren, rief er einen von ihnen und sagte zu ihm: Du altes Relikt der
bösen Tage, deine Sünden sind jetzt nach Hause gekommen, die du in der Vergangenheit begangen
hast,
Auszusprechen ungerechte Urteile, zu verurteilen die Unschuldigen und die Schuldigen
freizulassen, obwohl der Herr sprach: Nicht zu Tode verurteile einen Unschuldigen und eine
rechtschaffene Person!
Nun, wenn du wirklich etwas gesehen hast, sage mir: Unter welchen Baum hast du sie intim
miteinander gesehen? Er antwortete: Unter einem Mastixbaum.
Und Daniel sagte: Sehr gut! Du hast gegen deinen eigenen Kopf gelogen, denn die Engel Gottes
haben den Spruch von Gott empfangen und schneiden dich sofort in Stücke.
Dann schob er ihn beiseite und befahl ihnen, den anderen zu bringen. Und er sprach zu ihm: Du
Nachkomme Kanaans und nicht von Juda, die Schönheit hat dich betrogen und die Lust hat dein
Herz pervers gemacht.
Dies ist die Art, wie ihr beide habt euch mit den Töchtern Israels beschäftigt, und sie waren intim
mit euch aus Furcht, aber eine Tochter von Juda würde nicht ertragen deine Bosheit.
Nun, sag mir: Unter welchen Baum hast du sie gefangen, intim miteinander verkehrend? Er
antwortete: Unter einer immergrünen Eiche.
Und Daniel sagte zu ihm: Sehr gut! Du hast auch gegen deinen eigenen Kopf gelogen, denn der
Engel Gottes mit seinem Schwerte wartet auf dich, damit er euch beide zerstöre.
Dann rief die ganze Versammlung laut und segnete Gott, der diejenige, die auf ihn hoffte,
aufgespart hat.
Und sie stellten sich gegen die beiden Ältesten, denn aus ihrem eigenen Munde hatte Daniel sie
verurteilt, falsches Zeugnis gegeben zu haben;
Und sie taten ihnen, wie sie sündhaft geplant hatten, ihrer Nächsten zu tun; so handelten sie im
Einklang mit dem Gesetz des Mose, verurteilten sie zu Tode. So wurde unschuldiges Blut gerettet
an diesem Tag.
Und Hilkija und seine Frau priesen Gott für ihre Tochter Susanne, und ebenso tat Joakim, ihr Mann,
und alle ihre Verwandten, weil keine Schande an ihr gefunden wurde.
Und von diesem Tag an hatte Daniel einen sehr guten Ruf unter den Menschen.

DIE HEILIGE SUSANNE

ERSTE SZENE

(Sardinien. Ende 3. Jhd.n.Chr. Der heilige Gabinus, Vater der heiligen Susanne, von kaiserlichen
Soldaten gefoltert.)

GABINUS
Zermalmt mich nur! Ich bin ein Weizenkorn,
Zermalmt mich nur, dass ich zum Brote werde!
Ich sah den heiligen Antiochus
Von Sulchi, sah den Marterzeugen leiden
Und sah den Marterzeugen sterben und
Bekehrte mich zu seinem Gott und Herrn!
SOLDAT
Wo ist dein Gott denn, wenn du sterben musst?
GABINUS
Ihr Heiden alle lebt in Todesfurcht,
Ihr lebt in Finsternis und Todesschatten!
Die Babylonier und Ägypter und
Die weisen Griechen auch und alle Römer
Und auch am Indus und im fernsten Tarschisch,
Ihr Heiden alle fürchtet euch vorm Tod
Und vor der ewigen Vernichtung, ihr
Habt eine Heidenangst vorm leeren Nichts!
Ha! Christus auferstanden ist vom Tode
Und öffnete die Perlentür zum Himmel!
SOLDAT
Wir alle sterben! Du musst sterben auch!
GABINUS
Und ob ich sterben muss, ich sterb für Christus,
Wie Christus sterbe ich den Kreuzestod.
In meiner dunklen Nacht der Todesleiden
Ich schenke ganz mich dem gekreuzigten
Und auferstandenen Erlöser Jesus!
Ich sterbe nicht, denn Christus lebt in mir!
Und ob ich sterbe auch, ich werde leben
Mit Jesus in des Himmels Paradies!
SOLDAT
Ich will dir helfen rasch ins Paradies!
Wir schicken alle Christen in den Himmel,
Dann haben wir auf Erden unsre Ruhe!
GABINUS
(Sieht von fern seine Tochter, die heilige Susanne, kommen)
Du Narr! Wir Marterzeugen Christi,
Wir taufen diese Welt mit unserm Blut,
Und jeder Tropfen Blut von Marterzeugen
Ist Same für die Ernte neuer Christen!
Susanne! Bleibe Jesus treu als Braut!
SUSANNE
O lieber Vater, stirb als Marterzeuge,
Und Jesus gibt die Krone dir des Lebens!
Mein Vater, ach, wie möchte ich dir folgen!
Auch ich will leiden das Martyrium!
SOLDAT
So stirb, du Hund, und fahre in den Hades!
GABINUS
Ich gebe meinen Geist in Gottes Hände!
(Er stirbt)

ZWEITE SZENE

(Papst Cajus auf dem Stuhl des Apostels Petrus als Bischof von Rom und Hirte der universalen
Kirche. Neben ihm seine Nichte, die heilige Susanne.)

PAPST
Valerian, der Heidenkaiser, hat
Es Uns nicht angetan, ob goldne Münzen
Verkünden auch: Apoll hat ihn erhalten.
Wir sehn, wie schlecht doch sein Apollo war.
SUSANNE
O lieber Onkel! Eure Heiligkeit
Die Kirche führt, die heilig, apostolisch,
Katholisch ist, die Eine Kirche Christi,
In einer Zeit, da schon Valerian
Nicht mehr verfolgt die Kirche Jesu Christi.
PAPST
Wir sehen Kaiser kommen, die die Kirche
Verfolgen werden. Im Moment ist Ruhe,
Es ist die Ruhe aber vor dem Sturm.
SUSANNE
Mein Onkel! Woran habt Ihr grad geschrieben?
PAPST
Ein Brief geht an die Kirche in Korinth,
Weil dort Rebellen sich erhoben haben,
Die gegen Papst und Bischof sind und Klerus,
Die Laien wollen dort die Kirche führen.
Kraft Unsres Amtes als Apostelfürst
Und Romas Bischof definieren Wir
Der Kirche Christi Führung durch den Papst
Und den von Uns ernannten Bischof und
Die gottgeweihten Priester, die die Messe
Der Kommunion mit Christus zelebrieren.
SUSANNE
Was wär die Kirche ohne Kommunion?
PAPST
Susanne, in der Kommunion begegnet
Dir Christus. Er, der Bräutigam der Kirche,
Er spendet Seinen Leib und Seine Seele,
Die Menschheit und die Gottheit Jesu Christi.
SUSANNE
Mein Meister Jesus ist mein Bräutigam,
In jeder Kommunion vereinigt sich
Der Bräutigam mit seiner Jungfrau-Braut.
PAPST
O liebe Nichte, junge süße Nichte,
Du bleibe immer Jungfrau Jesu Christi!
SUSANNE
Mit keinem Manne will ich mich vereinen
Als mit dem Herrn allein in seiner Gottheit.

DRITTE SZENE

(Kaiser Diokletian beschließt die neue Christenverfolgung.)

KAISER DIOKLETIAN
Ich bin ein Gott! Ich bin Apollos Sohn!
Ich habe dieses große Weltreich Rom
In Weisheit zu regieren und ich finde
Die Römer und das Volk der Ökumene
Tief religiös, sie alle ehren Götter.
Wir herrschen an dem Indus und verehren
Gott Schiwa und die schwarze Göttin Kali,
Wir herrschen übers goldne Persien
Und ehren dort die Göttin Anahita
Und ihren guten Gott Ahura Mazda,
Wir herrschen über ganz Arabien
Und ehren Allah als den Himmelsgott
Und ehren Allahs Töchter auch, die drei,
Al-Lath, Al-Uzza und als Dritte Manath,
Die wie die Schwäne an dem Himmel fliegen,
Wir ehren auch die Juden und den Gott
Der Juden, der das Schweinefleisch verbietet,
Wir herrschen über Skythen und verehren
Perun, den starken Donnergott der Skythen,
Wir herrschen über die Germanen und
Verehren Wotan und die schöne Freyja,
Wir herrschen übers Riesenreich der Kelten
Und ehren ihre große Göttin Danu,
Wir herrschen über Griechenland und Rom
Und ehren alle Götter des Olymp,
Zeus, der zur Gattin seine Schwester nahm,
Die Venus, die die Ehe brach mit Mars,
Wir herrschen übers Totenreich Ägypten
Und lieben Isis sehr, die Katzengöttin,
Und lieben Hathor sehr, die Himmelskuh,
Wir herrschen über Afrika, das schwarze,
Und beten auch wie Afrika zur Sonne,
Die Säulen selbst des Herkules beenden
Nicht unser Weltreich, wir verehren noch
Im fernen Westen Mutter Erde und
Den Kriegsgott und die Schlange, die von Stein.
Allein die Kirche, die katholisch ist,
Ehrt alle diese Weltengötter nicht,
Sie glaubt, sie habe selbst die ganze Wahrheit,
Sei im Besitz der absoluten Wahrheit.
Doch was ist Wahrheit? Sie ist relativ!
Doch um den Frieden in der Ökumene
Von Roma zu bewahren, sage ich:
Wer als sich als Katholik bekennt zu Christus,
Der wird zum Tod verurteilt von dem Kaiser!

VIERTE SZENE

(Die heilige Susanne badet nackt wie die keusche Susanne der Bibel. Aber sie ist verhüllt von einem
seidenen Vorhang, der nur die Silhouette ihres Leibes erkennen lässt. Vor dem Vorhang steht der
Adoptivsohn des Kaisers Diokletian, Maximian, und sieht auf die schöne Susanne.)

MAXIMIAN
O Venus, wie man dich im Bilde malt,
Wie du dem Schaum entstiegen splitternackt,
So seh ich hier die göttliche Susanne!
O nein, sie friert nicht, sie ist nicht die Venus
Frigida, die vor Frost erstarrt zu Eis!
Es dampft das Bad, ich sehe schwüle Wolken
Von Wasserdampf umschweben die Gestalt.
Sie ist kein Weib von dieser Erde, nein,
Sie scheint mir eine Göttin aller Schönheit!
Ich weiß, die Christen reden oft davon,
Daß eine Himmelsgottheit Mann geworden,
Ich aber seh die göttliche Susanne,
Die Göttin Venus ist zur Frau geworden!
SUSANNE
(Hinter dem Vorhang)
O Jesus, wasche mich von Sünden rein,
Wie dieser Wasserstrahl des heißen Wassers
Mich wäscht von allen Flecken meines Leibes,
So wasche mit dem Feuer der Vergebung
Von allen Makeln meine Seele rein!
Du weißt, wir Menschen sind doch alle Sünder,
Allein die Jungfrau Gottgebärerin
Ist frei von allen Makeln in der Seele,
Ist frei von aller Erbschuld, Evas Erbe,
Ist frei von allen Sünden dieser Welt.
O, mache mich der reinsten Jungfrau ähnlich,
Mach mich der reinsten Jungfrau gleich an Demut,
An Sanftmut und an Milde ihres Herzens,
Ihr gleich an Güte und an Menschenliebe
Und mache mich wie sie zur Magd des Herrn
Und zur gesalbten Braut des Geistes Gottes!
MAXIMIAN
O Venus, deine weißen Augenlider,
O Venus, und dein schlanker Schwanenhals!
Ich bet dich an, du göttliche Susanne,
Du Spiegelbild der Göttin aller Schönheit!
Gott ist kein Vatergott mit weißem Bart,
Gott ist vielmehr die Göttin aller Schönheit!
O Göttin aller Schönheit, wie du blendest
Im Bild der nackten badenden Susanne!
SUSANNE
Ich liebe Keuschheit, Armut und Gehorsam
Und liebe keinen Mann als Jesus Christus!
MAXIMIAN
Die Venus will ich mir zum Weibe nehmen!

FÜNFTE SZENE

(Kaiser Diokletian und sein Adoptivsohn Maximian)

KAISER DIOKLETIAN
Mein Adoptivsohn, Liebling meines Herzens,
Du sollst dir eine Frau zur Ehe nehmen!
Auch meine Frau Serena möchte das.
MAXIMIAN
Sag, Vater, findest du Serena schön?
KAISER DIOKLETIAN
Ich fand sie schön im Reize ihrer Jugend,
Da war sie wie der Inbegriff von Liebreiz,
Sie war von einer göttlichen Erotik!
MAXIMIAN
Und jetzt, mein Vater, ist sie jetzt noch schön?
KAISER DIOKLETIAN
Ach, Schönheit ist das Eigentum der Jugend.
Gewohnheit aber hält uns noch zusammen.
MAXIMIAN
Nein, eine Schönheit ist Serena nicht.
KAISER DIOKLETIAN
Hast du schon eine schöne Frau gesehen?
MAXIMIAN
Ja, eine wunderschöne Frau, so schön,
Wie Maler Grazien und Nymphen malen.
KAISER DIOKLETIAN
Und hat sie schwarzes oder goldnes Haar?
MAXIMIAN
Tief bräunlich, leicht gerötet, wie ein Reh.
KAISER DIOKLETIAN
Und hat sie große Augen oder schmale?
MAXIMIAN
Die Augen sind wie schöne Mandelaugen,
Die weißen Lider schön gewölbt und müde.
KAISER DIOKLETIAN
Sind ihre Lippen rötlich oder blass?
MAXIMIAN
Denk ich an ihren Mund, denk ich ans Lächeln,
Charmant ihr Lächeln, doch sie schmollt auch reizend!
KAISER DIOKLETIAN
Wie kleidet sich die Dame deines Herzens?
MAXIMIAN
Wenn sie nicht nackt ist in der Badewanne,
So kleidet sie sich edel, herrlich, schön,
Sehr schön sogar und nicht mit Dirnenkleidchen.
KAISER DIOKLETIAN
Wer ist die Himmelsfrau, die du dir wünschst?
MAXIMIAN
Ich nenne sie die göttliche Susanne!

SECHSTE SZENE

(Drei Kupplerinnen treten der Reihe nach bei der heiligen Susanne ein.)

ERSTE KUPPLERIN
Des Kaisers Adoptivsohn will dich freien,
Maximian ist wirklich sehr bezaubernd!
SUSANNE
Doch kenn ich einen Mann, der so bezaubernd,
Daß Zauberer des Ostens vor ihm knien!
Er ist das Wort, mit dem der Herr die Welt schafft!
ERSTE KUPPLERIN
Was ist das für ein Mann? Den will ich kennen!
SUSANNE
Der Logos, den die Stoiker gesucht,
Der Logos ist der Gottmensch Jesus Christus!
ERSTE KUPPLERIN
Ich will ganz eigen sein dem Worte Gottes!
(Erste Kupplerin ab. Auftritt zweite Kupplerin)
ZWEITE KUPPLERIN
Maximian begehrt dich zu der Ehe!
SUSANNE
Ich habe eine Ehe schon geschlossen.
ZWEITE KUPPLERIN
Du, Jungfrau, lagest schon im Ehebette?
SUSANNE
Das Ehebett des Gottessohnes ist
Kein schwüles parfümiertes Lotterbett,
Das Kreuz geworden ist mein Ehebett,
Wo ich vereinigt bin, doch Jungfrau bleibe...
ZWEITE KUPPLERIN
Vereinigt dem Gemahl und dennoch Jungfrau?
Den Ehegatten will ich kennen lernen!
SUSANNE
Herr Jesus litt am Kreuze unsre Leiden
Und starb als Sühnelamm für unsre Sünden,
Nun seine göttliche Gerechtigkeit
Spricht er mir zu durch Buße und Bekehrung.
ZWEITE KUPPLERIN
Ich Sünderin fleh Gott an um Erbarmen
Und komme zu dem Christus an dem Kreuze!
(Zweite Kupplerin ab, Auftritt dritte Kupplerin)
DRITTE KUPPLERIN
Maximian will dich im Bette lieben!
SUSANNE
Des Menschen Bett ist eine Grabeshöhle!
Ich aber will ins Bett des Gottessohnes,
Sein Bett, das ist das Himmelsparadies!
DRITTE KUPPLERIN
Ich möchte auch in dieses Himmelsbett!
SUSANNE
Bekehre dich zu Jesus, nenn ihn Meister!
DRITTE KUPPLERIN
Du, Jesus Christus, bist mein Höchstes Gut!
(Dritte Kupplerin ab. Susanne betet verzückt zu Jesus und schenkt ihm drei Seelen.)

SIEBENTE SZENE

(Kaiser Diokletian und die heilige Susanne vor einer goldenen Jupiter-Statue.)

KAISER DIOKLETIAN
Susanne! Du verschmähst Maximian
Und führst die Kupplerinnen noch zu Christus?
Gehörst du zu der weltgehassten Sekte
Der Kirche, die sich selbst katholisch nennt?
SUSANNE
Viel Stifter gibt es andrer Religionen,
Doch Jesus ist allein der Gottessohn.
Viel geistliche Vereinigungen gibt es
Und Ketzer und Häretiker auf Erden,
Doch Eine Kirche hat der Herr gegründet,
Die heilig, apostolisch und katholisch,
Und ich bin Glied an diesem Leibe Christi!
KAISER DIOKLETIAN
Du nennst dich Römerin, Susanne? Dann
Sollst du dem großen Gott der Römer opfern:
Gott Jupiter, der Vater aller Götter
Und Vater aller Menschen ist, der Donnrer
Und Blitzeschleuderer von dem Olymp,
Gott Jupiter wohnt in der goldnen Säule:
Fall nieder, anzubeten Jupiter!
SUSANNE
(Sie haucht mit dem Hauch ihres Mundes)
Ich bin der Herr, dein Gott, der dich befreit
Aus dem Ägyptenland der Sklaverei,
Du habe keine Götter neben mir!
Hör, Israel, Gott ist Ein Gott allein!
Ich, Gott, bin Gott und keiner außer mir!
Gott einzig sollst du lieben über alles,
Gott liebe du mit Herz, Gemüt und Kraft!
Gott ist Ein Gott allein und keiner sonst!
Du sollst kein Bildnis dir auf Erden machen
Von Gott, nicht nach dem Bilde eines Mannes!
Ich bin der Herr, mich bete an, sonst keinen!
(Die Jupitersäule bricht durch die Macht des Wortes Gottes aus dem Mund der heiligen Susanne
zusammen.)
KAISER DIOKLETIAN
Was für ein Hauch strömt dir aus deinem Munde?
Wie duftet lieblich deines Mundes Hauch?
Doch weil du meinen Jupiter zerschmettert,
O heilige Susanne, sollst du sterben!

ACHTE SZENE

(Susanne und kaiserliche Soldaten)

SOLDAT
Susanne, leide dein Martyrium!
SUSANNE
Als ich mich Jesus Christus angetraut,
Verlobt ich mich dem Ersten Marterzeugen,
Denn der Gekreuzigte ist Marterzeuge
Für Gottes Weisheit an dem Kreuz geworden!
Soll ich mich wundern des Martyriums?
Die Ehe ist schon ein Martyrium!
Die Jesus-Ehe ist Martyrium!
Das Christentum ist ein Martyrium!
Die apostolische, katholische
Und heilige Gemeinde Jesu Christi
Ist die Vereinigung der Marterzeugen!
SOLDAT
Nun aber geht’s dir an den eignen Leib!
SUSANNE
Ich lebte die Jungfräulichkeit für Jesus
Und ahmte in der Keuschheit nach die Jungfrau
Maria, reinste Jungfrau aller Jungfraun.
Sie sprach zu mir, die Frau der Offenbarung:
Mein liebes Kind, o heilige Susanne,
Wenn du mit mir vereint zu Jesus gehst,
Lebst du auf Erden schon das Himmelsleben
Und merkst den Übergang ins Jenseits kaum...
SOLDAT
So will ich nun dein Engelmacher sein!
Dies scharfe Schwert in meiner rechten Hand,
Das dir den Schädel von dem Rumpfe schlägt,
Wird dich zu deinem Gott der Toten bringen!
SUSANNE
Ich opfere mein Leiden und mein Sterben
Dem Retter auf zur Sühne meiner Sünden,
Zum Heil des Volkes der Lateiner und
Zum Heil der großen Roma und vor allem
Für den gewissen Sieg des Herzens Jesu,
Für den Triumph der makellosen Kirche!
SOLDAT
So kniee hin und fluche deinem Gott!
SUSANNE
Ich schau schon die Urgottheit der Urschönheit!
Ich seh die allerreinste Jungfrau lächeln!
Soldat, verehre auch die Mutter Gottes!
SOLDAT
Seht, wie vernarrt sie war in ihren Gott!
(Susanne wird enthauptet)

NEUNTE SZENE

(Serena, die Gattin des Kaisers Diokletian, begräbt heimlich die Gebeine der heiligen Susanne in
einem silbernen Sarg)

SERENA
Ach Jesus, ach, du weißt, ich suche dich
Und manchmal fühle Liebe ich für dich
Und manchmal fühle Liebe ich für Gott
Und manchmal bete ich zu Michael
Und manchmal bete ich zu Gabriel
Und manchmal höre ich Maria reden.
Dann wieder plagt der böse Dämon mich,
Der Dämon Asmodäus plagt mich oft,
Den nennt man auch den bösen Eheteufel.
Nur heimlich hab ich ein Gefühl für dich,
Mein Jesus, heimlich habe ich ein Bild
Von dir bei mir und schau es gerne an.
Ich mag mich noch nicht öffentlich bekennen
Zu jener Kirche, die sich Christi Leib nennt.
Wenn ich zu jener Kirche mich bekennen
Und zählen würde, die katholisch, heilig
Und apostolisch ist, geführt von Petrus
Und dem Konzil der heiligen Apostel,
Die Christi Leib ist, Christi Leib anbetet
Und Christi Leib empfängt in Kommunionen –
Wenn ich zu dieser Kirche mich bekennte,
So wär ich ausgeschlossen aus dem Kreis
Der menschlichen Familie, die mich trägt,
Die Brüder mir und Schwestern sind und Mütter
Und Väter, und auch mein Gemahl verachtet
Die Kirche, die der Überzeugung ist,
Besitzerin der absoluten Wahrheit
Zu sein, der ganzen Offenbarung Christi.
Daß ich dich dennoch liebe, o mein Jesus,
Das will ich dir mit meiner Tat beweisen,
Indem ich Sankt Susannes Leib begrabe.
Wer deine Heiligen verspottet, Jesus,
Verspottet dich, den Quell der Heiligkeit,
Wer aber deine Heiligen verehrt,
Verehrt den Heiligen der Heiligen,
Denn deine Gnade, Jesus, wars allein,
Die Sankt Susanne so geheiligt hat,
Dein Sakrament der Taufe und der Salbung,
Dein Sakrament der Kommunion, der Buße,
Die Gnade durch die Sakramente strömend
Verklärte Sankt Susanne so, dass sie
Dir ähnlich wurde, ja, ein andrer Christus,
Drum geb ich ihr den Namen: Jesusanne!

ZEHNTE SZENE

(Sankt Hieronymus, nach Beendigung seiner Bibelübersetzung, schrieb die Vita der heiligen
Susanne. Zum Schluß faltet er die Hände zum Gebet.)

HIERONYMUS
O heilige Susanne, einen kenn ich,
Der ging mit seinem Freunde einst spazieren,
Sie sprachen über Cäsar, über Rom,
Da ward der Himmel schwarz von Regenwolken,
Da sprach der Freund zum Katholiken so:
Als Katholik bist du vertraut mit Petrus,
So bitte Petrus, der das Wetter macht,
Daß uns nicht überrascht ein Regenschauer.
Die beiden gingen weiter nun spazieren
Und diskutierten über Petri Wesen,
So kamen trocken sie bis an das Haus,
Erst, als sie grad die Türe aufgeschlossen,
Vom Himmel kam ein dicker Regenschauer.
Der Katholik hat dieses sich gemerkt
Und betete um Schutz vor Regenfluten,
Als seine lieben kleinen Patenkinder
Beim Karneval sich Süßigkeiten suchten,
Er betete zur heiligen Susanne,
Und du erhörtest sein Gebet, Susanne.
Auch als der selbe Katholik von Unglück
Im Innern seiner Seele heimgesucht,
Da packte ihn der Geist des Herrn und zeigte
Ihm deine Kirche, heilige Susanne,
Wo deine Beine als Reliquien ruhen,
Er betete zur heiligen Susanne,
Und du hast ihm gelindert seinen Kummer
Und ihn getröstet in des Herzens Unglück.
Und wenn der Katholik erfuhr, dass jene
Geliebte, die er unter allen Frauen
Am meisten liebte, frech verleumdet wurde
Von gottvergessnen Lästerzungenweibern,
Die wie die Furien gerne schmähen, lästern
Und Zank und Streit erregen, hat der Mann
Als Frommer sich geflüchtet ins Gebet
Und dich gebeten, heilige Susanne,
Die liebste Frau vom Himmel aus zu segnen!
So haben wir erfahren deine Macht
Fürbittenden Gebetes bei Verleumdung,
Bei Regen, Unglück, und des weiteren
Ausbreitest du den Segen deines Gottes
Auf jede Frau, die deinen Namen trägt
Und keusch wie eine Lilie Gottes ist.

ELFTE SZENE

(In der Kirche Sankt Susanne in Rom)

PRIESTER
Susanne, hilf uns, dass wir heilig werden!
GEMEINDECHOR
Du weiße Lilie der Dreieinigkeit,
Du lichte Rose gottgeschaffner Anmut,
O heilige Susanne, bitt für uns!
PRIESTER
Susanne, uns erfleh von Gott die Gnade,
Daß wir als treue Zeugen Christi leben
Und wenn es sein muß, sterben auch für Christus,
Daß wir in Treue lieben bis zum Tod!
GEMEINDECHOR
Du weiße Lilie der Dreieinigkeit,
Du lichte Rose gottgeschaffner Anmut,
O heilige Susanne, bitt für uns!
PRIESTER
Susanne, bitte Jesus Christ für uns,
Daß wir in aller Schönheit dieser Schöpfung
Des Schöpfers makellose Schönheit schauen!
Erbitte uns des Herzens reine Augen,
Daß wir durch alle Schönheit des Geschaffnen
Durchscheinen sehn die unerschaffne Schönheit,
Und bitte Gott und Jesus und den Geist,
Daß wir aus Gnade an das Ziel gelangen,
Die Schönheit Gottes ewig anzuschauen,
Die Schönheit Gottes ewig zu genießen!
GEMEINDECHOR
Du weiße Lilie der Dreieinigkeit,
Du lichte Rose gottgeschaffner Anmut,
O heilige Susanne, bitt für uns!
PRIESTER
Susanne, rufe Jesus Christus an
Und bitte um die Gnade deinen Gott,
Daß wir, die wir dich lieben und verehren,
Wie du dem Herrn und Meister ähnlich werden
An Keuschheit, Reinheit, Demut, Sanftmut, Güte!
GEMEINDECHOR
Du weiße Lilie der Dreieinigkeit,
Du lichte Rose gottgeschaffner Anmut,
O heilige Susanne, bitt für uns!
PRIESTER
Im Namen Gottes, der dich Schönheit schuf,
Im Namen Jesu, der sich dir vermählt,
Im Namen jenes Geistes, der dich liebt,
Erhöre uns, o heilige Susanne!
GEMEINDECHOR
Im Namen göttliche Urschönheit, Amen!

SUSANNA

Ein Zyklus von Oden

Und es begab sich darnach, daß er reiste durch Städte und Dörfer und predigte und verkündigte das
Evangelium vom Reich Gottes; und die zwölf mit ihm, dazu etliche Weiber, die er gesund hatte
gemacht von den bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, die da Magdalena heißt, von
welcher waren sieben Teufel ausgefahren, und Johanna, das Weib Chusas, des Pflegers des Herodes,
und S u s a n n a und viele andere, die ihm Handreichung taten von ihrer Habe.

Lukas 8, 1-3

LOGOS

In ihrer Kindheit fragte Susanna oft,


Wie ist der Gott, der Ewige, und wie ist
Der lang verheißene Messias?
Aber doch zweifelte noch Susanna.

Ihr Vater war ein Seemann gewesen, der


Einst auf dem Nil Ägyptens geschifft im Boot
Und glaubte nicht an Gott, und glaubte
Weniger noch an Ägyptens Götter.

Und ihre Mutter pflegte den Herd im Haus


Und reich an Kindern war die Familie, oft
Kam man zum Fest zusammen, scherzte,
Feierte Israels Feste fröhlich.

Als junge Frau Susanna begegnete


Johanna, einer Jüngerin Jesu, die
Sprach schön von Jesus, dem Messias,
Plötzlich erkannte Susanna Jesus!

Johanna sprach, dass Jesus der Logos sei,


Der Logos war bei Gott und war selber Gott!
Der Logos ist das Licht des Lebens,
Alles erschaffen hat Gottes Logos!

Der Logos ist geboren auf Erden von


Der allerreinsten Frau, welche Jungfrau blieb,
Der Logos wandelte auf Erden,
Weisheit verkündend und Liebe Gottes!

Und wer den Logos, der der Messias ist,


Wer Jesus annimmt gläubigen Herzens, der
Wird von dem Geiste neugeboren,
Ist nicht mehr Tochter von Vater, Mutter,

Ist Tochter Gottes, Schwester des Christus, Braut


Des Geistes, eine Tochter der Kirche und
Mariens Tochter, eine Christin,
Christin, vereinigt mit Jesus Christus!

Dies alles glaubte Jungfrau Susanna, die


Vor Jesus kniete, stammelte hochentzückt:
Mein Herr und Gott und mein Geliebter!
Folge mir, Lieblingin, sagte Jesus!

TAUFE

Susanna war nun gläubig geworden, so


Begehrte sie die Taufe im Jordanstrom.
Johannes, der Apostel, taufte
Sakramental mit dem Geiste Gottes.

Johannes stand im Jordan, Susanna stand


An seiner Seite, und der Apostel hielt
Susanna fest, sie untertauchend
Dreimal im Wasser der Taufe Christi.
Johannes sprach: Susanna, ich taufe dich
Im Namen Gottes, Vater und Sohn und Geist!
Im Bad der Neugeburt geboren
Bist du nun neu als die Tochter Gottes!

Die alte Eva ist nun gestorben und


Geboren ist die Jüngerin Jesu, Braut
Des Geistes Gottes, Tochter Gottes,
Ewiges Leben dir eingegossen!

In deiner Seele ist nun das Siegel der


Getauften, Christin bist du mit Christus, bist
Gesalbt mit Geist, des Geistes Salbung
Ruht nun auf deiner gesalbten Stirne!

Und als Johannes taufte Susanna, da


Tat sich der Himmel auf, eine Taube kam,
Der Liebe Taube und des Friedens
Kam von dem Himmel, der Seelenvogel,

Und eine Stimme tönte vom Himmel wie


Das Rauschen von gewaltiger Wasserflut,
Und Jesus wartete am Ufer
Auf die getaufte Gemahlin Gottes,

Und von dem Himmel tönte das Wort: Mein Schatz,


Du bist die Vielgeliebte des Bräutigams
Und Tochter du der Liebe Gottes,
Du meine Wonne, mein Wohlgefallen!

Wie an der Braut der Bräutigam sich ergötzt


Und freut sich an der Schönheit der jungen Frau,
So freut sich Gott, so freut sich Jahwe
Über Susanna, des Christus Christin!

DIE FREUNDIN JOHANNA

Susannas beste Freundin Johanna war


Die Ehefrau des Chusa, und Chusa war
Der Kinderpfleger des Herodes,
Darum war wohlhabend auch Johanna,

Wohlhabend war Johanna, doch Sklavin nicht


Des Erdengötzen Mammon. Das Geld, der Gott
Der Erde, war nicht ihre Gottheit,
Sondern die Liebe im Himmel droben!

Die Schöne Liebe nannte Johanna Gott,


Herr Jahwe war die Ewige Liebe ihr,
Die Taube war der Liebe Vogel,
Christ der Gesandte der Schönen Liebe!
Und immer wollte ruhn sie an Gottes Brust
Und leben stets und weben in Gottes Schoß!
In Jesus sah sie eine Glucke,
Unter den Flügeln die Küken hütend!

Johanna war ein Ebenbild Gottes und


Verehrte Gottes Mutter und ihren Sohn!
Der Wesen Wesen war die Liebe,
Also war gleichfalls Johanna Liebe!

Johanna war voll Liebe, voll Schönheit und


Voll Weisheit, und sie liebte die Kinder sehr,
Und Jesus sehr, den Freund der Kinder,
Gott war ja selber ein Kind geworden!

Gott war ein Kind geworden, damit das Kind


Des Menschen werd aus Gnade des Herrn zum Gott!
Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder,
Könnt ihr nicht kommen in Gottes Himmel!

Johanna diente Jesus mit Hab und Gut,


Sie diente ihm mit ihrer Substanz, das heißt,
Sie diente ihm mit ihrem Wesen,
Siehe, ihr Wesen, das war die Liebe!

Sie führte auch Susanna zu Jesus, und


Susanna diente auch mit Substanz und Sein
Dem Bräutigam der schönen Seele,
Diente als heilige Ministrantin,

Als Diakonin diente sie, gottgeweiht,


Im Priestertum der Gläubigen Priesterin,
Als Königin und als Prophetin
Diente Susanna von Gottes Gnaden.

DIE BUSENFREUNDIN MAGDALENA

Die Freundin Magdalena war wunderschön,


Sie gab den schönen Leib als Hetäre hin
Und suchte nichts als wahre Liebe,
Die sie nicht fand bei den vielen Freiern.

So war verletzt das schmachtende Herz und war


Verwundet von der Unliebe dieser Welt.
Sie hörte ein Gerücht von Jesus,
Der ein Prophet sei, ein Gott der Liebe!

So kniete sie zu Füßen des Meisters, sprach


Der Lebensbeichte Sündenbekenntnis, sprach
Von ihrem großen Durst nach Liebe,
Weinte vor Jesus der Buße Tränen,

Die Tränen tropften ihm auf die Füße und


Sie trocknete die Füße mit ihrem Haar
Und Jesus sagte: Dämon Lilith,
Weiche mit all deinen sieben Lilim,

Ihr Unzuchtsteufelinnen, gebt frei dies Herz,


Dies Herz, geschaffen einzig zur Liebe! Nun,
Nun liebe du den Gott der Liebe,
Liebe den Bräutigam deiner Seele!

Und Magdalena sagte: Wer ist der Herr,


Dass ich ihm dien als Sklavin der Liebe? Ich
Will Sklavin sein des Liebesgottes,
Dass ich dem Göttlichen mich vermähle!

Und Jesus sagte: Ich bins! Geliebte, komm,


Ich küsse deinen scharlachnen Rosenmund!
Ich will dich küssen, Magdalena,
Will deinen Mund küssen, Magdalena!

Und Petrus hörte dieses des Meisters Wort


Und wurde eifersüchtig. Hat denn der Herr
Und Meister Lieblinge und liebt er
Mehr noch als Petrus die Magdalena?

Doch Jesus sprach zu Petrus: Was geht’s dich an,


Wenn ich der schönen Sünderin küss den Mund?
Du komm und folge deinem Meister!
Meine Geliebte ist Magdalena!

HOCHZEIT VON KANA

Und welche Hochzeit fand denn in Kana statt?


Susanna und Johannes, der Markus heißt,
Sie schlossen da den Bund der Ehe,
Anwesend war auch die Mutter Jesu.

Susanna war die Sanfte und Milde und


Ihr Markus war der Starke und Zornige
Und ihre Liebe war ein Abbild
Göttlicher Liebe der Einheit Gottes!

Da ging der Wein zu Ende. Maria sprach:


Nun, Markus und Susanna, getrost, habt Mut,
Ich werde meinen Liebling bitten,
Sicher wird Jesus ein Wunder wirken.

Maria trat zu Jesus und sprach: Mein Sohn,


Johannes Markus, Bräutigam dieses Fests,
Und seiner schönen Braut Susanna
Mangelt der Wein und den Hochzeitsgästen.

Und Jesus sagte: Unsere Liebe Frau,


Was ist das dir und mir? Doch erhör ich dich!
Denn Jesus stets erhört Maria,
Jesus verwandelte sieben Fässer

Voll Wasser in den köstlichsten alten Wein,


Der Wein war gut wie Spaniens bester Wein,
Und alle Gäste wurden trunken,
Trunken auch wurde vom Rotwein Markus.

Des frommen Markus Vetter war Barnabas,


Levit war er, und Josef sein Name war,
Er stammte von der Insel Zypern,
Kam von der Insel der Aphrodite,

Und Jesus nannte Josef: Des Trostes Sohn,


Und Josef stand allein auf dem Hochzeitsfest,
Der Schenke aber trat zu Josef,
Lächelnd zu Josef der Jüngling sagte:

Für dich hier ist der Krug voll von rotem Wein,
So trinke, werde trunken vor Liebe und
Erheb den Becher auf Susanna!
Trink auf den Wein und die schönen Frauen!

Johannes Markus aber und seine Braut,


Sie schlossen eine Jungfrauen-Ehe und
Vollzogen nicht den Akt der Einung,
Also Susanna blieb reine Jungfrau.

Und Markus und Susanna, vereint von Gott,


Vereint sie dienten Jesus. So Markus sprach
Als Prediger der Freudenbotschaft,
Aber Susanna war Diakonin.

VÖGEL UND BLUMEN

Und Jesus sprach zur Freundin Susanna dies:


Ich spreche von der Vorsehung Gottes nun,
Der siebenfach verhüllten Gottheit,
Von der verschleierten Schicksals-Herrin!

Susanna, schau die Grasmücken an im Park


Von Galiläa, Gott unterscheidet gut
Und ehrt zumeist die Mönchsgrasmücke,
Welche den Lobpreis dem Schöpfer aufsingt,

Und ehrt die Gartengrasmücke ebenso,


Die singt ihr Lied der Liebe dem Bräutigam.
Denn in der Schöpfung waltet Liebe,
Alle die Vögelein jauchzen Liebe!

Und sieh die kleinen Sperlinge auf dem Weg,


Wie hüpfen ihre Brüste so fröhlich doch,
Man sagt, die kleinen Spatzen ziehen
Kraftvoll den Wagen der Aphrodite!

Und sieh das schöne Rotkehlchen an, wie schön


Der kleinen Rotbrust purpurner Busen ist,
Wie kämpft für sie das Rotbrustmännchen,
Kraftvoll die Küken im Nest beschützend!

Und sieh die schwarze Amsel, wie elegant


In seinem schwarzen Anzug der Mann doch ist,
Und hör auch in der Trauerweide
Singen die Blaumeise: Alles Liebe!

Und auf des Nachbars Hütte auf hohem Dach


Das Paar von Tauben schaue und hör den Ruf
Der treuen ehelichen Liebe,
Schau wie sie schnäbeln und Flügel spreizen!

Ist alles Liebe in der Natur von Gott!


Und auf der Scharonwiese in Galilee
Schau an die Lilien, o Susanna,
Die du bist selber die Lilie Gottes!

So tief der Kelch der Lilie, die Weisheit sagt,


So tief ist auch die mystische Liebe und
Vereinigung mit Gottes Liebe!
Sei eine mystische Lilie, Liebling!

Und schau die roten Rosen voll heißer Glut,


Wie Schmetterlinge schweben um ihren Schoß!
In der Natur herrscht Gottes Eros!
Sei eine mystische Rose, Liebling!

Und sieh die Krokusblüten in Violett


Und Weiß und Gelb, die summenden Bienen schau,
Die Stachel tauchend in die Kelche!
In der Natur ist doch alles Hochzeit!

Und schaue die Narzisse, die liebt sich selbst,


Und hör der Osterglocke Triumphgeläut,
Schau gelbe Tulpen, rote Tulpen,
Purpurne Mohnblumen oder Poppie,

Treuherziges Vergißmeinnicht himmelblau


Und rosa, den Hibiskus, die Iris auch,
Ein Bild der heimlichen Geliebten,
Schneeweiße Pfingstrosen! Alles Liebe!

Selbst Sulamith im reizenden Hauchgewand


War nicht so schön gekleidet! Gott sorgt für dich!
Vertraue nur von ganzem Herzen
Göttlicher Vorsehung deine Zukunft!

DAS KREUZ

Als zu dem leidenschaftlichen Liebestod


Der Bräutigam der heiligen Seelen ging,
Die Frauen sind von Galiläa
Mit vor Jerusalems Tor gegangen.

Johannes Markus war in Gethsemane


Geflohn vor den Soldaten, geflohen nackt,
Und Petrus hatte Gott geleugnet,
Judas verzweifelt sich selbst ermordet!

Doch auf dem Kreuzweg Christi begleitete


Susanna den Geliebten und trocknete
Den kalten Schweiß von seiner Stirne,
Stand in der Todesangst bei dem Meister.

Und Jesus sagte: Frauen von Galilee,


Beweint nicht den Geliebten, beweint euch selbst,
Denn wenn schon muss der Meister leiden,
Müssen die Sklavinnen gleichfalls leiden!

Susanna nahm ihr Schweißtuch und trocknete


Vom Antlitz Christi blutige Tränen ab,
Da prägte sich das Antlitz Christi
Ein in das Schweißtuch der Vielgeliebten.

Und Christus ward gekreuzigt. Susanna stand


Mit ihrer Busenfreundin Johanna fern
Und schaute die Passion des Meisters
Mitleidend an in bewegter Seele.

Und Jesus wurde nackend gekreuzigt! Da


Nahm seine liebe Mutter Maria von
Dem langen schwarzen Haar den Schleier,
Gab ihn der Jüngerin Magdalena,

Und Magdalena trat zu dem Schmerzensmann


Und band den Schleier Unserer Lieben Frau
Um Jesu nackte Scham. Maria
Dankte der Jüngerin Magdalena.

Und Jesus starb den blutigen Liebestod!


Susanna in der Seele vernahm das Wort:
Ich bin für dich gestorben, Liebste,
Dass ich dir ewiges Leben gebe!

AUFERSTEHUNG

Am Sonntagmorgen kamen die Frauen an


Das Grab. Die Morgenröte erleuchtete
Maria Magdalena, Schwester
Salome, Jungfrau Susanna herrlich!

Das Grab war leer! Sie wollten ihn salben doch,


Die Myrrheträgerinnen, die schönen Drei,
Wo aber war der Vielgeliebte?
Wo war der göttliche Körper Christi?

Und Jesus ist erschienen den Dreien an


Dem schönsten Ostersonntag im Morgenrot
Im grünen Garten, bunt von Blumen,
Er der leibhaftige Jüngling Frühling!

Susanna kniete! Salome grüßte ihn!


Und Magdalena feurig umschlang den Herrn!
Und Jesus sagte: Auferstanden!
Wahrlich, der Christus ist auferstanden!

Auf, Magdalena, Salome, geht mit Gott,


Susanna, geh mit Gott und zu Petrus geh,
Zu Petrus, dem Apostelfürsten,
Geht zu Johannes und geht zu Thomas,

Apostelinnen seid der Apostel ihr,


Und Königinnen seid ihr, Prophetinnen,
Seid Freudenbotinnen der Völker,
Wahrlich, der Christus ist auferstanden!

Und Jesus schwand in goldener Wolke hin


Zur unsichtbaren Gegenwart Gottes in
Der Transzendenz! Susanna schaute
Sehnsüchtig nach ihrem Vielgeliebten!

Sie seufzte: Küssen will ich, o Herr, ich will


Dich küssen, deine Küsse berauschen mehr
Als Wein vom Hochzeitsfest von Kana!
Jesus, komm wieder, komm eilig wieder!

PFINGSTEN

Sie saßen in dem Saale des Abendmahls,


Ein Herz und eine Seele, und beteten,
Dass kommen möge Gottes Pfingsten,
Heiliger Geist auf die Erde komme!

Maria war, die heilige Mutter, da


Und Jesu Brüder, aber nicht leibliche,
Die Frauen auch von Galiläa,
Alle Apostel da, außer Judas!

Susanna war sehr still, diskutierte nicht,


Sie ehrte Christi Mutter als reine Frau,
Sie hörte gerne den Johannes
Reden vom göttlichen Logos Jesus.

Die Mutter Gottes betete um den Geist,


Sie war der Kirche Seele und schönstes Bild,
Die Kirche war die Braut des Geistes,
Die ihren Bräutigam heiß ersehnte!

Hier war das Grabmal Davids, das Abendmahl


Hat Jesus hier gefeiert und eingesetzt
Das Opfermahl des neuen Manna,
Eucharistie als das Opfer Christi.

Maria war die Mutter der Kirche, war


Die Mutter aller Christen und Christinnen,
Apostelfürst war Simon Petrus,
Felsen und Vorsitz der Kirche Gottes.

Sie flehten um den Geist und da kam der Geist!


Der Geist der Weisheit kam von dem höchsten Gott,
Der Feuergeist der schönen Liebe,
Brausend wie rauschende Meereswogen,

Wie Rauch und Donner einst auf dem Sinai,


Gott goss die göttliche Liebesglut
In Zungenküssen auf die Beter!
Siehe, Susanna empfing die Geistkraft!

Susanna war wie trunken von süßem Wein


Und sang in Zungenrede den Lobgesang
Und ward erfüllt von Geistesgaben,
Wurde begabt mit des Geistes Früchten!

Die fromme charismatische Jüngerin


Begabt war mit dem Geiste der Keuschheit und
Dem Geist der Demut und der Sanftmut,
Liebe erfüllte ihr ganzes Wesen!

MISSIONSREISEN

Johannes Markus ging nach Ägypten, um


Die Freudenbotschaft dort zu verkünden, doch
Susanna fuhr mit Magdalena
Und fuhr mit Salome zu den Kretern.

O Kreta! Muttergöttinnen ehrtest du


Und einen reinen Lilienprinzen auch,
Doch lebtest du in Furcht des Todes,
Ohne unsterbliche Hoffnung, traurig!

In deiner Seele Traurigkeit bis zum Tod!


Susanna mit der Botschaft der Freude kam:
Der Herr ist wahrhaft auferstanden,
Ewiges Leben den Guten gebend!

Und Magdalena sagte: Wir müssen noch


Ins schöne Land der Gallier fahren, kommt,
Wir überwinden den Teutates,
Den sie dort ehren mit Kinderopfern!

Sie fuhren mit dem Schiffe zum Löwengolf,


Sie sprangen in das Mittelmeer, badeten
Und tauchten aus dem Meeresschaume,
Meerschaumgeborene Aphroditen!

Sie standen an dem Strande, drei Grazien!


Der Dichter weiß zu sagen nicht, welche war
Die Schönste von den Dreien! Eine
Göttliche Schönheit in drei Personen!

Hier liegt begraben Maria von Magdala,


Ihr Schädel als Reliquie wird verehrt,
Hier liegt begraben auch Susanna,
Heilig verehrt man den toten Körper!

Sie werden auferstehen und ihr Gebein


Wird von dem Herrn verklärt und sie werden sein
Unsterblich in den Geisterkörpern
Selig in ewiger Jugendschönheit!

Susanna wird verehrt von den Griechen und


Den Russen, den Armeniern, ein Poet
Germaniens verehrt Susanna,
Betet zur heiligen Frau Susanna!

SUSANNA IM HIMMEL

Susannas Seele fuhr in den Himmel auf


Und schaute ihren göttlichen Bräutigam
Und sah im Spiegel ihre Seele,
Jesus, der Richter, war sehr zufrieden!
Und Jesus sagte: Komm, meine liebste Braut,
Geh ein zu deinem ewigen Freudenhaus
Und komm zum Hochzeitsmahl des Lammes,
Komm zur Vereinigung mit der Gottheit!

In Ewigkeit dein Bräutigam ist das Lamm,


Die du die schöne Nymphe des Lammes bist,
Gehüllt in reines weißes Linnen,
Dir gibt der Vater der Schönheit Krone!

Du wirst gekrönt, Susanna, von Gott dem Herrn,


Du trägst des Ruhmes Lorbeerkranz auf dem Haupt,
Dir wird zuteil der Schönheit Krone,
Himmelsprinzessin wird Gott dich nennen!

Nun sag mir, was begehrst du von mir, o Braut?


Sei es die Hälfte auch meines Königreichs,
Ich wills dir geben, Vielgeliebte!
Sag deiner Seele Verlangen, Liebste!

Susanna sprach zum göttlichen Bräutigam:


Vom Himmel will auf Erden ich Gutes tun!
Ich will es Lilien regnen lassen!
Ich will Patronin des Frühlings werden!

Und Jesus sagte: Süße Susanna, ja,


Du sollst, geliebte, schöne Susanna, sollst
Patronin sein des Menschheitsfrühlings!
Bringe der Menschheit den Liebesfrühling!

Und also fleht der einsame Beter in


Den letzten Zeiten, apokalyptischen,
Fleht in der Zeit des Dritten Weltkriegs:
Amen, erbarme dich, Sankt Susanna!

DREI SUSANNEN-LITANEIEN

ERSTE LITANEI DER HEILIGEN SUSANNA, DER EHEFRAU JOJAKIMS, AUS DEM BUCH
DANIEL

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Vater im Himmel, in der mütterlichen Barmherzigkeit deiner Uterusse, erbarme dich unser!
Menschensohn, der du wie eine Glucke deine Küken hütest, erbarme dich unser!
Heiliger Geist, auf die Fürsprache deiner Braut Maria, erbarme dich unser!
Göttliches Lamm, erlass uns unsere Schulden,
Göttliches Lamm, erlass uns unsere Schulden,
Göttliches Lamm, schenk der Menschheit den Frieden!

Sankt Susanna, du Jungfrauen-Göttin der Perser,


Sankt Susanna, du keusche Göttin der Babylonier,
Sankt Susanna, du heilige Frau der Hebräer,
Bete für uns!

Sankt Susanna, von großer Attraktivität,


Sankt Susanna, von heilig-ehelicher Keuschheit,
Sankt Susanna, von wahrer Frömmigkeit,
Bete für uns!

Sankt Susanna, Herrin deines Blumengartens,


Sankt Susanna, Herrin der Vögel des Himmels,
Sankt Susanna, Mutter der schönen und frommen Mädchen,
Bete für uns!

Sankt Susanna, die du reinigst das Bad,


Sankt Susanna, die du badest im Bad,
Sankt Susanna, du duftende Reinheit,
Bete für uns!

Sankt Susanna, von den Alten verehrt,


Sankt Susanna, die nach dem Jüngling nichts fragt,
Sankt Susanna, die Gott sich geweiht,
Bete für uns!

Sankt Susanna, angeklagt von der Gemeinde,


Sankt Susanna, verteidigt vom Propheten,
Sankt Susanna, gerecht gesprochen von Gott,
Bete für uns!

Bei deinen kastanienbraunen Haaren,


Bei deinen feinen Augenbrauen,
Bei deiner weißen Stirn,
Bei deinen leuchtenden Augen,
Bei deiner schlanken Nase,
Bei deinen glatten Wangen,
Bei deinem lächelnden Mund,
Bei deinen verschleierten Brüsten.
Bei deinem schlanken Leib,
Bei deinen schöngeformten Beinen,
Bei deinen kleinen Füßen,
Erhöre uns!

Für die Christinnen,


Für die Jungfrauen,
Für die Ehefrauen,
Für die Mütter,
Für die Mädchen,
Für die Haustiere,
Für die Vögel,
Für die Blumen,
Für die Ältesten der Gemeinde,
Für die Ehemänner,
Für die Propheten,
Bete zu Gott!

Für die Köchinnen,


Für die Putzfrauen,
Für die Gärtnerinnen,
Für die Hebammen,
Für die Ärztinnen,
Für die Erzieherinnen,
Für die Lehrerinnen,
Für die Schriftstellerinnen,
Für die Künstlerinnen,
Für die jungen Reiterinnen,
Für die Beischläferinnen,
Bete zu Gott!

Sankt Susanna, geliebte Tochter des Schöpfers!


Sankt Susanna, geliebte Freundin des Menschensohnes!
Sankt Susanna, du Tempel des Heiligen Geistes!

Erbarme dich über die Dichter von Hymnen,


Erbarme dich über die Leserinnen von Romanen,
Erbarme dich über die ehelosen Männer,
Erbarme dich über die hungrigen Männer,
Erbarme dich über die einsamen Männer,
Erbarme dich über die traurigen Männer,
Erbarme dich über die ganze Welt!

Kyrie eleison,
Gott sende uns Sankt Susanna!
Christe eleison,
Vom Himmel komme Sankt Susanna!
Kyrie eleison,
Ehre sei der Göttin Susanna!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und des Unbefleckten Herzens
Mariens. Amen.

ZWEITE LITANEI ZUR HEILIGEN SUSANNA VON GALILÄA, DER JÜNGERIN JESU, AUS
DEM EVANGELIUM

Jahwe, Herr, erbarme dich unserer Armut!


Lamm Gottes, erbarme dich unserer Armut!
Geist der Weisheit und Liebe, erbarme dich unserer Armut!
Du göttlicher Sündenbock,
Trage hinweg unsre Schulden,
Du göttlicher Sündenbock,
Trage hinweg unsre Schulden,
Wie auch wir die Schulden anderer tilgen,
Du göttlicher Sündenbock,
Von Indien bis Indianien
Schenke der Menschheit den Frieden!

Sankt Susanna, du Jüngerin Jesu,


Sankt Susanna, du Freundin Magdalenas,
Sankt Susanna, du Freundin Johannas,
Sankt Susanna, von Gott durch die Taufe gereinigt von allem Makel der Erbschuld,
Sankt Susanna, von den Aposteln zum Mahl des Herrn geladen,
Sankt Susanna, Liebhaberin des Gekreuzigten,
Sankt Susanna, Hebamme göttlicher Weisheit,
Sankt Susanna, Krankenschwester der Mondsüchtigen,
Bitte für uns!

Sankt Susanna, mit Martha das Mahl bereitend,


Sankt Susanna, mit Maria von Bethanien auf den Lehrer hörend,
Sankt Susanna, mit der Mutter Jesu den Lobpreis singend,
Sankt Susanna, du Kitharra des Heiligen Geistes,
Sankt Susanna, du Trösterin der Betrübten,
Sankt Susanna, du Brot der Welt,
Sankt Susanna, deine Liebe ist besser als der Wein vom Libanon,
Sankt Susanna, du Lotosblütengöttin,
Bitte für uns!

Sankt Susanna, du Lilie der Scharonwiese,


Sankt Susanna, du Narzisse vom See Genezareth,
Sankt Susanna, du Blumenzwiebel im Garten Gottes,
Sankt Susanna, du dornenlose Pfingstrose,
Sankt Susanna, du Lotosblüte vom Nil,
Sankt Susanna, du Lotosblüte vom Ganges,
Sankt Susanna, du unbefleckte Reinheit,
Sankt Susanna, du makellose Schönheit,
Bitte für uns!

Bei deinem kastanienbraunen Haar,


Bei deiner diamantenen Stirn,
Bei deinen Lotosaugen,
Bei deiner Nase, dem Turm, der nach Damaskus schaut,
Bei deinen Rosenlippen,
Bei deinem Schwanenhals,
Bei deinen Taubenbrüsten,
Bei deinen Beinen, schlanken Säulen,
Bei deinen Lotossprossenfüßen
Beschwören wir dich,
Wecke den Geliebten nicht auf, bis es ihm selber gefällt!
Sankt Susanna, erbarme dich der Pessach-Feier der Juden,
Sankt Susanna, erbarme dich der arabischen Propheten,
Sankt Susanna, erbarme dich der christlichen Kirchen, Denominationen, kirchlichen
Gemeinschaften und Sekten,
Sankt Susanna, erbarme dich der Neuheiden,
Sankt Susanna, erbarme dich der Exoteriker und Esoteriker,
Sankt Susanna, erbarme dich der Agnostiker und der Atheisten!

Sankt Susanna, bete für die Irrenden, die den Gott des Krieges anbeten,
Sankt Susanna, bete für die Irrenden, die den Gott der Macht anbeten,
Sankt Susanna, bete für die Irrenden, die die Sexgöttin anbeten,
Sankt Susanna, bete für die Irrenden, die ihr eigenes Ego als Gott oder Göttin anbeten,
Sankt Susanna, bete für die Irrenden, die das Geld als Seligmacher anbeten,
Sankt Susanna, bete für die Irrenden, die die Natur als Göttin anbeten,
Sankt Susanna, bete, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Weisheit und Liebe Christi gelangen.

Wir seelisch Kranken rufen zu dir, Susanna,


Wir körperlich Kranken, rufen zu dir, Susanna,
Wir Einsamen rufen zu dir, Susanna,
Wir hungernden Kinder rufen zu dir, Susanna,
Wir schwangeren Frauen rufen zu dir, Susanna,
Wir Sterbenden rufen zu dir, Susanna,
Bete für uns zu Jesus!

Lasset uns beten:


O Jesus, du Weisheit und Liebe Gottes, erlöse uns von der Traurigkeit in diesem Jammertal der
Tränen und lass uns gelangen zu dem Lobpreis-Tanz der Engel in der himmlischen Stadt Jerusalem
mit der heiligen Susanna, Mitgenossin paradiesischer Freuden, das erhoffen wir bescheiden!

Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen, und der Mutter Gottes. Amen.

DRITTE LITANEI ZUR HEILIGEN SUSANNA, JUNGFRAU UND MÄRTYRERIN. AUS DER
KIRCHENGESCHICHTE.

Gott, dessen geliebte Tochter Susanna ist,


Jesus, dessen geliebte Freundin Susanna ist,
Heiliger Geist, dessen Wohnung Susanna ist,
Eine göttliche Weisheit, deren Meisterwerk Susanna ist,
Erbarme dich aller Trauernden!

Lamm Gottes, dessen Herz sanftmütig ist,


Erbarme dich aller Trauernden,
Lamm Gottes, dessen Herz demütig ist,
Erbarme dich aller Trauernden,
Lamm Gottes, dessen Herz zärtlich ist wie ein Mutterherz,
Gib den aufgewühlten Seelen Seelenruhe!

Sankt Susanna, Jungfrau und Braut Jesu,


Sankt Susanna, Märtyrerin,
Sankt Susanna, Nichte des Papstes,
Sankt Susanna, keusche Frau,
Sankt Susanna, Schutzfrau der ewigen Roma,
Sankt Susanna, Heilige und Patronin des Wetters,
Bitte für uns!

Bei ständigem Regen,


Bei dichtem Nebel,
Beim Untergang der Sonne,
Beim Neumond,
Beim Kometensturz,
Bitte für uns, Susanna!

In langen Winternächten,
Im Monat der Toten,
Im Sterben des Herbstes,
In der Weihnachtszeit
Bitte für uns, Susanna!

Wenn uns die Sonne fehlt,


Wenn uns die Blumen fehlen,
Wenn uns der Vogelsang fehlt,
Wenn uns die Osterfreude fehlt,
Wenn uns die Lenzlust fehlt,
Wenn uns der Womnnemond der Madonna fehlt,
Dann bitte für uns, Susanna!

Wenn es in unserem Herzen regnet,


Wenn unsere Herzen von einer Nachtwolke umnachtet sind,
Wenn unsere Herzen in der Tristesse des Totenmonats sind,
Wenn unsere Herzen im Nebel der Erinnerung trauern,
Wenn unsere Herzen leiden am Frost in den Herzen anderer,
Wenn unsere Herzen keinen Stern mehr sehen,
Wenn unsere Herzen zu Weihnachten ihren Karfreitag erleben,
Dann bitte für uns, Susanna!

Bei deinen Tränen,


Bei deinem Blut,
Bei deinem Schweiß,
Bei deinem Tod,
Bei deinem Bad,
Bei deiner Herrschaft übers Wetter,
Beschwören wir dich, Susanna,
Bring uns die Sonne der Gerechtigkeit
Und den goldenen Engel der Erde!

Bei deinem Martyrium,


Tröste uns, Susanna,
Bei deinem Martyrium,
Weine mit den Weinenden, Susanna,
Bei deinem Martyrium,
Verwandle Trauer in Freudengesang, Susanna,
Bei deinem Martyrium,
Erbitte uns die Umarmung Gottes, Susanna!
Ewiger Vater, der du uns tröstest wie eine Mutter,
Menschensohn, der du uns sammelst wie eine Glucke ihre Küken,
Ruach ha kadosch, du Trösterin der Betrübten,
Erbarme dich über alle Susannen!

Amen.

HOMERISCHE HYMNE AN DIE GÖTTIN SUSANNA

Meine Muse Urania, sing mir die Hymne der Jungfrau,


Sing mir die heilige Hymne der reinen Göttin Susanna!
Ich, o Muse, dein Priester und dein Prophet und dein König,
Bin nur die Schwanenfeder in deinen schneeweißen Händen.

Siehe, wie von Susanna singen die heiligen Schriften


Der Hebräer durch des Propheten Daniel Lippen.
Nämlich in Babylon lebte weiland der Juden Gemeinde,
Da war Joachim angesehen in der Gemeinde,
Hochverehrt, in seinem Hause versammelte immer
Wieder jeden Freitag sich die Gemeinde zum Lesen
in den heiligen Schriften und zu Streitdiskussionen.
Dieser erhabene Jude war vermählt mit Susanna,
Welche von allen verehrt ward als ein Inbild der Keuschheit,
Jener Keuschheit, die zukommt dem heiligen Bette der Ehe.
Diese Susanna war von reiner Lilienschönheit,
Braunem Haar und großen und warmherzigen Augen,
Sinnlichen Lippen, faltenlos waren die niedlichen Brüste.
Diese Susanna nahm nun in einem Sommer in Babel
In dem eigenen Garten des Hauses unter den Tulpen
In der aufgestellten Wanne ein Bad, dabei halfen
Ihr die zwei Mädchen Dina und Lea, die brachten die Seife.
Aber in den Büschen von Zaubernüssen standen zwei Männer,
Älteste der Gemeinde, voll von lüsterner Geilheit,
Und betrachteten gierig die nackte Susanna im Bade,
Wie sie ihre Schwanenbrüste im Schaume gebadet.
Heiß erhitzt von dem Dämon Eros traten die Männer
Aus den Zaubernüssen und traten zur nackten Susanna,
Die war allein im Bad, denn ihre blondlockigen Mädchen
Waren wieder ins Haus gegangen zu fleißiger Arbeit.
Aber die Männer sprachen frech zur nackten Susanna:
Komm und schlaf mit uns, mit uns beiden gleich hier in dem Garten.
Aber Susanna errötete, sagte voll stolzer Empörung:
Unbefleckt sei das Ehebett! Ich bewahre die Keuschheit!
Darauf die Männer, umgetrieben vom Dämon der Unzucht:
Bist du nicht willig, verklagen wir dich vorm Gericht der Gemeinde,
Sagen, wir hätten dich gefunden mit einem Geliebten
Ehebruch treiben im Garten, siehe, dann wirst du gesteinigt.
Aber Susanna betete: Herr der Barmherzigkeit, Vater,
Rette mich aus der Not und bewahr mir die Krone der Keuschheit!
Und zu den Männern sagte Susanna: Verklagt mich vorm Richter,
Ich vertraue mich ganz meines Gottes barmherzigen Händen,
Aber ich geb mich nicht hin der Gier von euch Frevlern und Sündern!

Komm, o Muse, und singe die kriminale Geschichte,


Wie die junge Susanna kam vors Gericht der Gemeinde,
Wie sie ward des Ehebruchs angeklagt da von den Alten,
Welche sagten, sie hätten Susanna im Garten gefunden
Nackend im Bad und ihr zu Füßen ein reizender Jüngling,
Der begehrte, mit ihr die Ehe zu brechen in Sünden,
Die den Sündern so süß, in ehebrechenden Lüsten.
Aber Susanna bestand auf ihrer Ehre der Unschuld,
Rief zum Zeugen den Himmel an, den Stifter der Ehe.
Und der Vater erhörte Susanna Beten und Flehen,
Sandte in der Juden Gemeinde einen Propheten,
Daniel, der besaß die Weisheit der heiligen Götter.
Dieser Daniel trat als Kommisarius auf und
Fragte den Ersten: Wo hast du denn Susanna gesehen
Nackend die Ehe brechen mit ihrem reizenden Jüngling?
Da log der Alte: Unter einer Zaubernuss Zweigen!
Daniel aber kannte gut den Garten Susannas,
Überführte den Alten seiner lüsternen Lüge
Und bedrohte ihn mit dem strengen Gerichte der Engel.
Darauf befrug er den zweiten Alten, der sagte die Lüge:
Unter der roten Blutbuche Blättern buhlte Susanna!
Aber Daniel kannte den schönen Garten Susannas,
Überführte den Zweiten und drohte mit göttlicher Rache.
Da ward Susanna frei gesprochen vom Juden-Gerichte,
Weil sie Daniel gut verteidigt, ja, kriminalistisch
Ihre Unschuld bewiesen und ihre ehliche Keuschheit.

O meine himmlische Muse, singe die Göttin Susanna,


Wie sie Hebräer und Perser verehrten, im griechischen Mythos,
Da sie die keusche Jungfrau Athene mit Augen der Eule
Nackend im Bade war, wo sie Teiresias schaute!
Also lass ertönen, o Muse, die himmlischen Verse
Von der heiligen Jungfrau-Göttin Susanna Athena
Und besinge das Schicksal des erblindeten Sehers!

Dieser Teiresias war ein Priester des Wolkenversammlers


Zeus, als er am Berge Kyllini Schlangen gesehen,
Männliche Schlange und weiblich Schlange, sich zeugend begatten,
Aber Teiresias tötete da die weibliche Schlange,
Daraufhin ward Teiresias in ein Weibchen verwandelt,
Dieses Weibchen Teiresias wurde Priesterin Heras,
Zeus' Gemahlin und Schwester Hera mit Lilienarmen.
Diese Priesterin Heras hat geheiratet, zeugte
Kinder, darunter die berühmte Seherin Manto.
Sieben Jahre vergingen. Da traf Teiresias wieder
Kopulierende Schlangen, da er das Männchen getötet.
Daraufhin ward Teiresias wieder zum herrlichen Manne.
Also hatte er erfahren das Leben des Mannes
Und das Leben der Frau. Da baten den Priester die Götter
Zeus und Hera, zu sagen, welches Geschlecht in der Liebe
Größere Lust empfinde. Zeus, der Vater der Götter,
Sagte, die Frauen fühlten mehr Lust in der sinnlichen Liebe,
Hera meinte, die Männer hätten mehr Lust in der Liebe.
Da sprach Teiresias: Recht hat Zeus, der Vater der Götter,
Zeus, der Vater der Menschen, denn die Frauen empfinden
Neunmal so intensiv wie Männer die leibliche Liebe.
Da entbrannte Hera in Wut und strafte den Priester,
Ließ ihn kurzsichtig werden. Aber der Vater im Himmel
Zeus gab seinem Priester die Hellsichtigkeit des Propheten.

Hier aber kam Susanna! Nämlich die Göttin Athene


Badete nackt, die makellose Jungfrau der Weisheit,
Die ja bereits in Rüstung stieg aus dem Haupte des Vaters,
Hier aber war die Göttin mit den Augen der Eule
Nackt in Bad. Teiresias sah die nackige Jungfrau,
Sie erblickte den Spion im Hause der Liebe,
Zürnte, strafte, da erblindete plötzlich der Priester!
Weinend sagte er das seiner Mutter Chariklo, diese
Betete innig zu der heiligen Jungfrau der Weisheit:
Gib meinem Sohne Teiresias wieder die Sehkraft der Augen,
Himmlische Göttin Athene, wunderwirkende Jungfrau!
Aber Athene sagte zur Mutter Chariklo leise:
Was die Götter einmal beschlossen, das bleibe bestehen,
Aber weil du mich anflehst und rührst mich im heiligen Herzen,
Mache ich deinen Sohn zum Propheten, zum Seher und Weisen,
Selbst im Hades wird bei ihm bleiben die Gabe der Weisheit!

Dieser Teiresias hat den gewöhnlichen Menschen verraten


Die Geheimnisse göttlicher Weisheit, darum die Götter
Zürnten dem Priester, er stand unterm Zorne des himmlischen Vaters.
Seine Prophezeiungen aber, Sinnsprüche, weise
Sprichwörter, epigrammatisch kurz, waren treffend.
Aber nicht gerne gab er die Weisheiten preis den Profanen,
Widerwillig nur predigte er, verkündete Wahrheit.

Also im Kriege der Sieben gegen das heilige Theben


Prophezeite Teiresias: Einer muss freiwillig sterben,
Nur durch den Opfertod des Einen wird Theben gerettet!
Also sprach er. Da hat sich Megareus dem Tode ergeben,
Freiwillig starb er, um das Volk von Theben zu retten.

Dann trat Teiresias auf im Geschick von Ödipus König.


Ödipus forderte auf Teiresias, er solle helfen,
Nachzuforschen, den Mörder seines Vaters zu finden.
Aber Teiresias, er verweigerte Antwort der Frage,
Sprach nur: Du willst den Mörder deines Vaters nicht finden.
Ödipus ward entdeckt als Mörder des eigenen Vaters,
Blendete sich und irrte umher als blinder Verbannter.
Wieder trat Teiresias auf. Antigone nämlich
Hatte gegen des Königs Kreon Gebote begraben
Ihren Bruder, nach dem alten Naturrecht der Mütter,
Aber der König verurteilt Antigone grausam zum Tode,
Zum Verhungern in einer Felsenhöhle. Die Götter
Sandten Teiresias, der zum König vom Zorn sprach der Götter.

Schließlich starb Teiresias, als er vom Wasser getrunken,


Aus der Quelle Tiphussa. Teiresias kam in den Hades
Zu den Schatten, wo ihn der Dulder Odysseus besuchte.
Da war Teiresias auch im Totenreiche ein Seher,
Sprach zum Dulder Odysseus von dem Schicksal der Irrfahrt,
Sprach von den Herden des Helios auf Trinakia, aber
Des Odyssseus Genossen hörten nicht auf den Seher.

Hesiod lag einst am Hange des Berges der Musen,


An des Helikon Hang, da er geweidet die Lämmer,
Lag im Grase und schlief, der Hirte, da hört er die Musen
Singen von Aktäon, der freite Semele, seine
Tante, die Tochter des Kadmos, ward so zum Rivalen des Höchsten,
Zeus nämlich wars, der in Semeles Schoß den Dionysos zeugte.
Darum starb auch Aktäon. Aber als er gestorben,
Wollten seine Hunde sich nicht beruhigen lassen,
Bis der Zentaure Chiron eine Statue machte
Von Aktäon, der legten sich friedlich die Hunde zu Füßen.

Aber Pausanias, Stesichoros folgend, erzählte,


Die jungfräuliche Göttin Artemis habe Aktäon
In einen Hirsch verwandelt, bevor er Semele freite,
Seine Tante, die wurde die Geliebte des Höchsten
Und des Dionysos heilige Mutter, bis sie zum Opfer
Fiel der Eifersucht Heras, der Schwester und Gattin des Höchsten.
Als Aktäon gestorben, kam seine Mutter und suchte
Seine Gebeine, Autonoe hieß sie, und wanderte ziellos
In der Gegend umher, und fand ihr Grab in Megaris.

Aber Orchomenos berichtet vom toten Aktäon,


Dass er umging als ein Gespenst und bewarf die Bewohner
Seines Dorfes mit Steinen. Sie fragten das Gottes-Orakel,
Folgten der Prophezeiung und machten ein Bronzebild kunstreich
Von dem Heros und nagelten es an den Felsen des Ortes,
Da ging Aktäon nicht mehr als nächtlicher Spuk und Gespenst um.

Stesichoros besang in seinem Epos Europa


Auch Aktäon, wie er versuchte, Semele, heilig
War sie dem Zeus als Geliebte, zu vergewaltigen grausam.

Euripides beschrieb den Neid der Jagdgöttin, Jungfrau


Artemis, auf den Erfolg des Aktäon beim Jagen mit Hunden,
Dieses führte nun zu seinem schmählich-schrecklichen Ende.
Er ward als Hirsch zerrissen von seinen eigenen Hunden.
Nach dem Tod Aktäons sammelten alle die Hunde
Sich in einer Höhle. Die Mutter Autonoe suchte
Diese Höhle auf, der Hunde Betörung zu lösen.
Nun erst erkannten sie, dass sie den eigenen Herrn im
Zorn der Verzauberung hatten zerfleischt. Die Hunde bereuten.
Anvertraut wurden die Hunde dem neugeborenen Gotte,
Zeus' Sohn Dionysos, einem Vetter des Jägers Aktäon,
Der gestorben war auf dem berühmten Gebirge Kithäron.

Laut der reichen Bibliothek des Apollodorus


Sah Aktäon beim Jagen in einem Tal bei Platäa
Die jungfräuliche Göttin Artemis nackt in dem Bade,
Die mit den Nymphen badete in der Parthenischen Quelle.
Siehe! Hier ist die Göttin Susanna nackt in dem Bade!
Aber Aktäon ward entdeckt und ward von der Göttin
Mit dem Wasser der Quelle bespritzt, worauf er verwandelt
Ward in einen Hirsch, von seinen eigenen Hunden
Ward er gejagt und auf dem Berge Kithäron zerrissen.
Heulend suchten im ganzen Lande die Hunde den Herrn und
Wurden erst in Chirons Höhle beschwichtigt, als Chiron
Zeigte den Hunden das Bronzebild des Jägers Aktäon.
Mutter Autonoe sammelte ein des Sohnes Gebeine.

Diodoros Sikilos aber berichtet, Aktäon


Habe der Göttin Artemis Hirsche mit Hufen und Köpfen
Opfernd geweiht, die Beute der Jagd, doch dann hat der Jäger
Gar versucht, die Jungfrau im Heiligtum selbst zu verführen
Und mit ihr zu verkehren vor der heiligen Ehe,
Dann aber wollte er heiraten sie, die göttliche Jungfrau.

Aber Ovid beruft sich auf Kallimachos, den Griechen,


Nachahmend singt der römische Dichter vom Jäger Aktäon,
Enkel des Kadmos war er. Nach erfolgreichem Jagen
Hatte zur Mittagszeit er die Genossen mit Speeren und Netzen
In die Dörfer geschickt. Jedoch die Göttin Diana,
Von den Griechen ward sie verehrt als Artemis, Jungfrau,
Jägerin, Jungfrau Diana badete nackt in dem Bade.
Siehe! Hier ist die Göttin Susanna nackt in dem Bade.
In Böotien wars, in Gargaphia, im Walde,
In dem heiligen Hain der Jungfrau-Jägerin-Göttin,
Da sie in einem Waldsee badete, kam von der Jagd sie.
Eine der Nymphen nahm ihr ab den Pfeil und den Bogen,
Krokale richtete ihre Haare, kastanienbraune,
Während die Nymphen Nephele und Hyale und Rhanis,
Psekas und Phiale die Göttin wuschen mit Wasser.
Sorglos durch das Walddickicht streifend, nahte Aktäon
Ohne Absicht dem Waldsee, wo er schaute die Jungfrau,
Wo er die Badende schaute, nackt im Waldsee die Göttin.
Zwar die keuschen Nymphen versuchten die Nacktheit der Göttin
Mit den eigenen Körpern zu verdecken, die nackten
Nymphen, aber die Jungfrau überragte die Nymphen
Und errötete unter den Blicken des Heros Aktäon.
Ihres Bogens beraubt und ihrer gefiederten Pfeile,
Sie bespritzte den Heros mit dem Wasser des Waldsees,
Rief: Nun sag, wenn du kannst, du habest mich nackig gesehen!
Daraufhin wuchs Aktäon ein Geweih aus der Stirne,
Seine Ohren wie Hirschohren wurden länger und länger,
Seine Hände und Füße wurden gespaltene Hufe
Und ein scheckiges Fell bedeckte den Körper des Heros.
Er ergriff die Flucht, die eigene Schnelle bestaunend.
Als er sein Spiegelbild zuletzt im Wasser erblickte,
Wollt er vor Staunen rufen, doch seine menschliche Stimme
War geschwunden, und nur ein Stöhnen entrang sich der Kehle.
Einzig sein Denken blieb unverändert, sein menschliches Denken,
Tränen rannen hernieder über sein pelziges Antlitz.
Reue und Scham hielt ihn zurück vom Palast seines Vaters,
Furcht ergriff ihn im Walde und im düsteren Dickicht.
Während er nachsann, erspähten ihn die Hunde des Jägers,
Sie verfolgen den Hirsch, von seinen Freunden gehetzte,
Die nur bedauern, dass nicht Aktäon war bei der Hetze.
Zwar die Freunde riefen nach ihm, doch nicht sie bemerkten,
Dass der Hirsch noch hörte auf den Namen Aktäon.
Da zerfleischten den Hirsch Aktäon die eigenen Hunde.

Aphrodite, die Göttin der Liebe und herrlichen Schönheit,


Kopulierte mit manchem Heros und wurde entjungfert,
Aber sie nahm darauf ein Bad und stellte aufs Neue
Ihre Jungfräulichkeit her. So sing ich die Bäder der Venus.

Nämlich auf Zypern bei den Bädern der himmlischen Venus


Führt ein schmaler gepflasterter Weg in wenig Minuten
Zu dem sagenumwobenen Orte. Ob es geholfen,
Fragte spöttisch ein Spötter, denn verbotenes Baden
In dem Bade der Göttin bringt dem badenden Menschen
Jugendschönheit zurück und Kraft und Glück in der Liebe.

Strenge Verbotsschilder an dem Rande des Bades der Venus


Sagen: Steige nicht in das Bad und schwimm nicht im Wasser!
Aber die Leute hüpften reihenweise ins Wasser
Mit dem Wunsch, zu verjüngen wieder die Schönheit des Körpers.

In dem natürlichen Wasserbecken mit sprudelnder Quelle


Unter einem Felsüberhang sah Akamas einmal,
Sohn des Theseus, im Bade nackend die Göttin der Liebe.
Aphrodite tat, was tun muss die Göttin der Liebe,
Sie vereinigte sich mit dem Jüngling im ersten Momente.
Aber die Göttin der Verleumdung verleumdete beide
Bei den olympischen Göttern, und Zeus, der Vater im Himmel,
Zeus befahl der Venus, hinan zu fahren gen Himmel.

Aber mit diesen mystischen Ort gemeint ist vielleicht doch


Eine westlich gelegene Meeresbucht, die Fontana
Amorosa, von der die Bewohner der Gegend auch glauben,
Dass sie sei die eigentliche Quelle der Liebe.
Wer aus der Quelle der Liebe trinkt, die Schönheit der Jugend
Kommt ihm zurück, die Kraft der Jugend und Glück in der Liebe,
Ja, ein Tropfen vom Wasser macht dich gleich zum Verliebten.
Zweifler, die bezweifeln die Gnaden der Göttin der Liebe,
Trinken von beiden Wasserstellen, aber wer lieber
Hat die Gesundheit als die Liebe, trinkt besser von keiner.

Die Fontana Amorosa mit Kieseln am Strande


Ist nicht spektakulär, doch angekommen am Quellort,
Kann man genießen alle Eigenschaften des Nasses,
Jugendlich schön zu werden und sich schnell zu verlieben,
Auf den ersten Blick zu lieben nach Weise der Venus,
Ja, den Ersten, der einem begegnet am Strande der Liebe.
Also Vorsicht, mit wem du pilgerst zur Quelle der Venus!

So wie Susanna angeklagt ward vorm Gericht der Gemeinde,


So stand vorm Gerichte auch Phryne, die schönste Hetäre.

Ursprünglich trug sie den Namen Mnesarete, der Name


Hat die Bedeutung: Sie ist eingedenk heiliger Tugend.
Aber weil sie so schön war, nannte man später sie Phryne,
Ist ein ironisches Kosewort und bedeutet: Die Fröschin!

Sie ward geboren in Thespiä, war des Epikles Tochter.


Erst verdiente sie Geld als Händlerin leckerer Kapern,
Kam aber dann nach Athen, wo sie aufgrund ihrer Schönheit
Geld bekam von den Freiern und bald war sie reiche Hetäre,
Ja, ihr Reichtum erlaubte es ihr, zurückhaltend-vornehm
Aufzutreten, nicht öffentliche Bäder besuchend,
Keine Schminke verwendend und tragend lange Gewänder.

Nach der Zerstörung Thebens durch Alexander den Großen


Wollte sie Theben wieder errichten auf eigene Kosten,
Dafür sollte Theben sich schreiben den Vers auf die Mauer:
Theben wurde zerstört durch Alexander den Großen,
Aber wieder erbaut von Phryne, der schönsten Hetäre!

Athenäus erzählte, dass bei den Zeremonieen


Der Mysterien von Eleusis öffentlich Phryne
Vor der Gemeinde der Heiligen abgelegt all ihre Kleider
Und anschließend nackt im Mittelmeere gebadet,
Dass da riefen die Mystiker: Aphrodite erscheint uns!
Diese Vision der badenden Phryne und wie sie dann aufstieg
Aus dem Schaume des Meeres, bewegte den Künstler Apelles,
Aphrodite Anadyomene zu malen
Nach dem Modell der badenden Phryne, der nackten Hetäre.
Auch für Praxiteles stand Modell die nackige Phryne,
Der nach ihr gebildet die Venus Knidia, nackte
Göttin, die zu erotisch war für Griechenlands Tempel,
Nur die Insel Knidos wollte die nackige Göttin,
Stellte die Statue auf im allerheiligsten Tempel.
Ein Verehrer ließ sich einschließen nachts in dem Tempel
Mit der Göttin allein, und am Morgen fanden die Priester
Männliche Samenflecken auf den Schenkeln der Göttin.
Phryne stand Modell und Praxiteles formte den Marmor,
Das war der Anfang, und in der Folge standen Hetären
Immer Modell für die Venus-Statuen griechischer Künstler,
Griechenland betete an die nackte Göttin der Schönheit,
Griechenland glaubte in Wahrheit an vergöttlichte Huren.

Nun Praxiteles bildete wieder die schöne Hetäre


Phryne, und diesmal in Gold und stellte die Statue Phrynes
In den Tempel von Delphi zu dem Orakel von Delphi.
Aber der zynische Weise Krates bemerkte zum Goldbild
Phrynes, das sei das Inbild der Verschwendungssucht Delphis.

Phryne wurde dann von Euthias angezeigt. Dieser


Klagte sie an wegen Schamlosigkeit im offnen Lyceum
Und wegen Einführung einer neuen Gottheit der Liebe.
Phrynes Advokat war Hesperides, der Dummkopf.

Dieser Advokat verteidigte schlecht die Hetäre.


Als es zum Urteilsspruch kommen sollte, da half die Hetäre
Besser sich selber, sie riss die schönen Kleider vom Körper,
Warf sich mit nackten Brüsten vor dem Richter zu Boden,
Der sprach sie frei, denn nicht des Advokaten Geschwätze
Überzeugte den Richter, sondern die göttliche Schönheit.

Als die Verurteilung drohte, brachte ihr Anwalt und Freier


Hesperides sie in die Mitte des Hohen Gerichtes
Und entkleidete sie. Da sprach der Richter das Urteil:
Vor uns erschienen ist Aphrodite mit göttlichen Brüsten!
O wir glauben an die Unschuld der Göttin der Schönheit!

Nun belehrte uns der Historiker Tacitus, Romas


Großer Politiker, in der Schrift Germania über
Die germanische Göttin Nerthus, eigentlich Hertha,
Mutter Erde, die fuhr im von Kühen gezogenen Wagen
Durch das Land an der Küste und schenkte Frieden und Freude
Und der Landwirtschaft Fruchtbarkeit. Und nach diesem Umzug
Badete nackt die Göttin in dem Teiche der Hertha.
Siehe, hier ist die badende nackte Göttin Susanna!
Aber die Knechte der Göttin, die ihr halfen beim Umzug,
Wurden beim Bade der nackten Göttin Hertha geopfert.

Dieser Hertha-See lag in der Stubnitz. Die Halbinsel Rügen


Mit dem Orte Jasmund war der Ort des Geschehens,
Bei dem Borgsee und dem Borgwall feierte Hertha
Ihre Herrschaft des Friedens und der Fruchtbarkeit Freuden.
Und ein romantischer Dichter schrieb von der Wandrung durch Rügen:
Die Altäre duften von Brandopfern. Schöne Gesänge
Tönen durch grüne Gefilde un d durch heilige Haine.
Hocherhabene Hymnen erwecken die schlummernde Echo.
Alle Wege sind schön bedeckt mit blühenden Blumen.
In den ödesten Winkeln rosten die Waffen der Krieger.
Bei dem Hertha-See und der Hertha-Burg steht die Buche,
Steht die heilige Hertha-Buche, da Priester gepredigt
Weissagung nach dem Stürmen des Windes im Laube der Buche.
Dort steht auch der Opferstein, wo man Lämmer geschlachtet.

Nun auch sehn wir die nackte Jungfrauengöttin Susanna


In den Sagen von den Schwanenjungfraun des Himmels.
Diese sind den Germanen Walkyren, Feen und Elfen.

Nämlich der unvermählte Jüngling sah in der dunklen


Nacht im Mondschein die Schwanenjungfrau nackt in dem Bade
Eines Waldsees, das Schwanengefieder lag an dem Ufer.
Und der Jüngling stahl der Schwanenjungfrau das Kleidchen.
Darum konnte die Jungfrau nicht wieder zum Schwan werden, konnte
Nicht dem begierlichen Jüngling entfliehen zum rettenden Himmel.
Aber der Jüngling schlief mit der nackten Jungfrau im Walde,
Sie ward schwanger, gebar ihm einen lieblichen Knaben,
Dieser Knabe verriet ihr eines Tags, wo der Vater
Heimlich versteckt hielt das weiße Kleidchen der Jungfrau und Schwanin,
So dass die Schwanenjungfrau fliehen konnte gen Himmel.

So auch im Nibelungenliede können wir hören


Von zwei Schwanenmädchen, die lebten am Ufer des Rheines,
Die erschienen, als Hagen von Tronje, Siegfrieds Verräter,
Dort im Rheine den Schatz der Nibelungen versteckte.

In dem Wölundsliede der Lieder-Edda vernimmt man,


Dass drei Brüder Schwanenjungfraun geheiratet hatten,
Alle drei Jungfraun entflohen nach sieben Jahren den Männern.
Wölund machte nicht den Versuch, seine Jungfrau zu finden,
Darum muss er bei König Nidung bleiben als Diener,
Stellte sich Schwanenflügel her und entfloh seinem König.

Auch in China, dem herrlichen gelben Reiche der Mitte,


Ist die Schwanenungfrau bekannt. Die Flügelgewänder
Eines Vogelmädchens hatte ein Jüngling gestohlen,
Als sie badete nackt im See. Drei Knaben gebar sie
Jenem Jüngling. Später fand sie das Flügelkleid wieder
Und entfloh gen Himmel. Später kehrte sie wieder,
Brachte mit sich drei Flügelgewänder und holte die Knaben
Heim in den Himmel, des Vogelmädchens liebliche Heimat.

Also hab ich gesungen den Mythos der Göttin Susanna,


Wie mir die Muse diktierte die homerische Hymne.
O du himmlische Göttin Susanna, heiligster Reinheit,
Heiligster Keuschheit voll, du Makellose, Allreine,
Zeige am Himmel dich in deinem schwanweißen Kleide
Und entblöße die Brüste, spende die Milch allen Trostes,
Komm und erscheine der Menschheit über Jerusalem, Jungfrau,
Gib von Germanien bis nach China der Menschheit den Frieden,
Schenke der Schöpfung Fruchtbarkeit, Grünkraft, neue Gesundheit,
Schenke deinen Verehrern Seelenruhe und Frieden,
Freude im heiligen Geist und Freudenmädchen des Himmels!

SONETTE AN SUSANNE

Susanne, setze dich auf die Terrasse,


Nun Totensonntag ist, und schau die Sonne,
Vergiss der Toten Krieg mit bitterm Hasse
Und bade dich im Licht der Himmelswonne.

Bekleidet mit der Sonne die Madonne,


Sie lächelt voller Huld dich an, die Gute.
Da aufgetan des Frauenblutes Bronne
Und Traurigkeit kam mit dem Monatsblute,

Da wünsch ich dir, dass Jesus dich umflute


Mit seiner Mutter Sonnenschein und Lächeln.
Da stärke dich dein Gott mit neuem Mute.
Die Sorgenfalten von der Stirn dir fächeln

Will Gottes Weisheit, die im Fleisch gekommen,


Die preisen als ihr Licht vom Licht die Frommen.

Das Kirchenjahr zuende ging, die Messen


Von König Christus sprachen in dem Saale,
Susanne, deinem göttlichen Gemahle,
Der weiß mit Tau den Lilienkelch zu nässen.

Ich aber, Freundin, ging im Himmel essen,


War bei der Gottesweisheit Hochzeitsmahle.
Die Herrin wars allein, ganz ohne Baale,
Die mir die Liebesfrüchte zugemessen.

Susanne, kennst du der Madonna Gnade,


Die mit der Hand die nackende Banane
In einen Brunnen taucht voll Schokolade?

Madonna diente an dem Speisetische


Und schenkte ein das Wässerchen. Ich ahne,
Im Himmel essen wir die Christusfische.

3
Im Traume plagen mich die bösen Väter,
Die leiblichen und geistigen Dämonen.
Die Sonne leuchtet heiter in dem Äther,
Es lacht der Gott in ewigen Äonen.

Doch Wesen mir in meiner Seele wohnen,


Das sind die heiligen uralten Mütter.
Denn weiblich ist die Gottheit, und es thronen
Die süßen Frauen, lieblich mehr als bitter,

Die süßen Frauen thronen mir im Herzen,


So bitt ich dich, o heilige Susanna,
Treib aus die Väter, die mir nichts als Schmerzen
Bereiten, komm zu mir, o Göttin, Hosianna,

Komm, Göttin, tauche aus dem Meeresschaume


Und gib mir wieder einen Kuss im Traume!

Ich bin allein. Im All ist keine Sprache.


Ich lausche der Natur und höre Schweigen.
Was soll mir Chinas Phönix, Chinas Drache,
Hier ist doch kein Empfangen und kein Zeugen.

So will ich früh mich zu Susanne neigen,


Sie ist doch von des Frauenleibes Fache,
Susanne, komm, und tanze mir den Reigen
Und wieder den Gesang in mir entfache!

Hebammenkunst der Gynäkologie,


Das ist die rechte Gynäkokratie,
Das ist das Reich, da herrschen schön die Mütter.

Ich bin nicht von der Welt, ich bin ein Geist
Des Frauenlobs, der um Maria kreist,
Man nennt mich auch des Heilgen Geistes Zither.

Sophia, meine Göttin aus dem Osten,


Sie zeigte mir die Weisheit an dem Kreuze.
Ich stehe als ihr Ritter auf dem Posten.
Sophia, deine goldnen Flügel spreize

Und segne Asien mit deinem Reize,


Wenn Bangladesh dir jubelt Hosianna,
Wenn Myanmar fern allem Liebesgeize
Die Kommunion empfängt im süßen Manna.
Da bete ich für meine Tote Anna,
Dass sie im Ozean der Liebe schwimme.
Dann grüß mit Bruderkusse ich Susanna,
Die Frieden spendet mir mit ihrer Stimme.

Sie, die am Telephone mir begegnet.


Sie hat mit Gottes Liebe mich gesegnet.

Ich bin ein Katholik, das ist die Wahrheit,


Doch meine Freunde, die sind Protestanten.
Im Traum seh ich der Gottesweisheit Klarheit,
Die Beatricen aller Dichter-Danten.

Was meine Geister in dem Traum erkannten,


Das ist der Reformierten Kult der Bibel.
Ich lieb die Bibel mehr als all die Tanten,
Die lesen lieber eine Fabel-Fibel.

Die Protestantin, die ich schätze aber,


Ihr Herz ist voller Sanftmut, voller Demut,
Ihr Körper auferstehen wird beim Jüngsten

Gericht, der Kerze auf dem Kandelaber


Ist gleich ihr schlanker Leib, ich sehs mit Wehmut,
Wenn sie den Lobpreis tanzt beim Neuen Pfingsten.

Wenn ich an einem Herztod plötzlich sterbe


Und sitze grade in Susannes Wagen,
Wenn ich noch nicht die Himmelsfreuden erbe,
Die Himmelswonnen, die nicht auszusagen,

Dann weil Susanne, trotz all meiner Klagen,


Mich auferweckt mit Krankenschwester-Küssen.
Wenn mir dann wird ein neues Leben tagen,
Beginnt es süß mit himmlischen Genüssen.

In Todesnot darf auch die Schwester küssen,


Das bricht doch nicht das sechste der Gebote.
Susanne, das befleckt nicht dein Gewissen,
Durch deinen Kuss erstand vom Tod der Tote.

Einst kommt der Todesengel, mich zu küssen,


Dann raubt mich Schwester Todin auf dem Kissen.
8

Ich eigentlich mag keine lauten Wagen,


Doch wenn Susanne ich im Wagen seh,
Mit einer Zärtlichkeit, nicht auszusagen,
Sie lenkt ihr weißes Automobile.

Nicht wie Testosteron-Primaten jagen


Mit Aggressivität, das schafft mir Weh,
Nein, sanft, wie in den Weihnachtstagen
Die Wolken fahren voll von Flocken Schnee.

So fahren Cherubim auf ihren Rädern,


Jehova so auf seinem Wagenthron,
So fuhren Damen in der Pferdekutsche.

So fuhr einst bei den Persern und den Medern


Die göttliche Susanna mit dem Sohn,
Zu dieser Göttin ich auf Knieen rutsche.

Susanne hat die Zwiebeln angebraten


Und etwas Weißwein dann dazu gegeben,
Dann goss sie Sahne drauf, ist gut geraten,
Tat Lachs dazu, der lebt ein Weisheitsleben.

Sie kochte Nudeln gar im Wasserbeben


Und dann servierte sie das Mahl der Feier.
Die guten Düfte durch das Zimmer schweben,
Der Dichter stimmte zu dem Mahl die Leier.

Ich aß verdorbnes Fleisch, verdorbne Eier


Und konnte in der ganzen Nacht nicht schlafen.
Ich sah die Herrlichkeit des Herrn im Schleier
Und hörte Gottes Gnaden, Gottes Strafen.

Voll Trauer, und mein Magen war verdorben,


Denn meine Frau war leider mir gestorben.

10

Der Sprache Zentrum in dem Hirn der Frauen


Ist größer als beim Mann, sie schwatzen immer
Von Hunden und vom kindlichen Gewimmer
Und von der tausendfachen Krankheit Grauen.

Will einer aber still nach innen schauen


Und denken an der Gottesschönheit Schimmer,
So schlagen ihn die alten Frauenzimmer
Mit Zungen tot, statt still ihn zu erbauen.

Wie anders ist die herrliche Susanne,


Wie tief versunken sie im stillen Schweigen
Und gnädig liebevoll mit sanftem Lächeln.

Sie ist die stille Freude einem Manne,


Es will bei ihrer feinen Wimpern Fächeln
Der Genius in ihrer Schönheit zeugen.

11

Susanne kam und speiste meinen Lachs


Und meinen weichen Käse der Franzosen,
Die weiße Lilie in dem Kleid der Rosen
War ähnlich der Madonna ganz aus Wachs.

Fuchs Reineke beweint den Neffen Dachs,


Nun hat er niemand mehr, um liebzukosen.
Ich, der ich eine Wolke bin in Hosen,
Vermiss das Mädchen auch mit blondem Flachs.

Zur Weihnacht auferstehen alle Sonnen,


Es schneit vom Himmel die Million Madonnen,
Weltekel nagt am einsamen Poeten.

Gott tröste mit dem Charme mich von Susanna,


Wie Schnee und Eis es schmilzt im Mund das Manna,
Den Narrenkindern predigen Propheten.

12

Wie zauberhaft Schneewittchen kommt vom Himmel


Und schwebt wie Federn oder weiße Flocken,
Wie eine Wolke leicht im Schneegewimmel,
Advent, da läuten alle Silberglocken.

Wo ist das Mädchen mit den goldnen Locken?


Wo ist die Jungfrau mit den blonden Zöpfen?
Gott möchte in die Wüste mich verlocken
Zum Hochzeitsfest mit vollen Honigtöpfen.

Die Terroristen aber Christen köpfen


Und Leibesfrüchte werden abgetrieben.
Die alten Hexen mit den dicken Kröpfen
Nicht mehr die Ehemänner treulich lieben.

Trotz alledem! Susanne in der Weihnacht


Ist mitten in dem Schnee die wärmste Mainacht!
13

Heut tragen alle wir die Weihnachtsmasken


Und lachen, wie auf Märkten laute Schreier.
Wo ist die Venus aus dem Land der Basken?
Der Witwer, einsam auf der Weihnachtsfeier,

Er greift noch eins die durchgespielte Leier


Und singt die Freundin, die noch ist auf Erden,
Die reine Seele in der Keuschheit Schleier,
Das reinste Lamm in all den Ziegenherden.

Wird denn dem Witwer eine Tröstung werden,


Dem niederfuhr ins Totenreich die Venus?
Wird eine Frau mit zärtlichen Gebärden
So wie die Mutter Jesu Nazarenus

Den alten Dichter mit der Welt versöhnen,


Ihn, der da träumt nur noch vom Liebesstöhnen?

14

Du saßest still in lauter Schwätzer Truppe,


Nachts störte dich des Ehemanns Geschnarche,
Du warest müde, meine schöne Puppe,
Du Gallionsfigur der Kirchen-Arche.

Da kam noch ich, der nicht von Linsensuppe,


Der von dem klaren Wodka war besoffen,
Ich machte in dem Narrenschwatz der Gruppe
Ein schlechtes Witzlein, welches dich getroffen.

Da schautest du empört, die Augen offen,


Mir deinen göttergleichen Zorn zu zeigen.
O Schwester, darf ich auf Vergebung hoffen?
Und stör ich noch einmal dein stilles Schweigen,

Beim Glase Wodka mit Likör der Feigen,


Erlaub ich dir, o Frau, mich ohrzufeigen!

15

Die Dame ist geritten ihren Schimmel,


Mit Hindu-Aug die wohlerzogne Stute.
Das war ein Bild für Götter in dem Himmel,
Wie englisch sie dort saß, die sanfte Gute.

Nun aber ich im Jugendübermute


Des zweiten Frühlings ihre Tochter singe,
Dass ihre Lockenflut mich überflute,
Das ist ein Fest, da bin ich guter Dinge.

Die schöne Mutter immer wird gebären


Die schöne Tochter. Schönheit ist unsterblich.
Der Genius mit seiner Engelsschwinge

Wird immer jugendlich die Schönheit ehren,


Nur die Idee der Schönheit, unverderblich,
Der ich mein stilles Lobpreisopfer bringe.

16

Susanne ist im Traum zu mir gekommen


Als meine Schutzfrau vor den Fluch-Dämonen.
So danke ich von Herzen meiner Frommen,
Ich weiß, ich darf in ihrem Herzen wohnen.

Da mich die Satansengel nicht verschonen,


Da segnen mich die holden frommen Frauen.
Ich darf sogar im Traum in den Äonen
Die makellose Schönheit Gottes schauen.

Die Tochter Gottes schützt mich vor dem Grauen,


Die Mutter Gottes segnet mich mit Wonne,
Und Gottes Braut mich führt auf grüne Auen,
Die Trinität mich segnet mit der Sonne.

Und Jesus sagt mir, dass ich mich ermanne!


So singe ich Sonette an Susanne.

17

Warum denn lobe ich Susannes Schweigen?


Ich liebe sehr den großen Gott der Stille.
Der Logos kann nur in der Stille zeugen,
Die Leere erst gebiert der Gottheit Fülle.

Dass ich zu Gott bin stille, ist der Wille


Des Wortes, das kann nur im Schweigen kommen.
Im Schweigen kommt die Weisheit ohne Hülle,
Drum liebe ich das Schweigen meiner Frommen.

Im Ozean der Stille bin geschwommen


Und meditierte über Stein auf Stein.
Der Ozean der Stille hat genommen
In seine Ewigkeit mein leeres Sein.

Sophia, komm, du Königin von Osten,


Und lasse mich das Mahl der Ruhe kosten!
HEILIGE MESSE FÜR SUSANNE

IN DER KIRCHE SANKT SUSANNA IN ROM

EINZUG UND LIED

Der Chor der Susannen und die ganze bräutliche Gemeine zieht ein. Pater Josef, Jesuit, zieht mit
den Ministrantinnen Valea und Alina ein, dreizehnjährigen Blondinen. Der Chor der Susannen singt
das Lobpreislied:

Alle Susannen der Erde kommen,


Um Jesus anzubeten.
Komm, o himmlischer Bräutigam,
Freund des Lebens,
Liebhaber der Seele,
Komm zu deiner Braut, der Gemeinde,
Komm mit göttlicher Liebe
Und den Charismen Heiligen Geistes.
Wir singen dir ein neues Lied,
Das Lied des Lammes,
Wir beten dich an und preisen dich,
Denn schön ist deine Liebe!

KREUZZEICHEN UND SEGENSGRUSS

Pater Josef macht das Kreuzzeichen: Im Namen des zärtlichen Vaters, des bräutlichen Sohnes und
des liebenden Geistes, Amen.
Die Anmut Gottes und die Liebe Jesu und der Charme des Heiligen Geistes sei mit euch, ihr
Susannen.
Und der Chor der Susannen antwortet: Und mit deinem Geiste, Josef.

EINLADUNG ZUR BUSSE

Pater Josef redet die männlichen Christen an: Liebe Brüder, heute in den biblischen Lesungen hören
wir von der Frau nach Gottes Herzen. Haben wir als Brüder nicht oft gegen die Würde der Frauen
gesündigt und so die göttliche Liebe, das Urbild der Frauen, beleidigt? Lasst uns Jesus zum Vorbild
nehmen, den Gesalbten der Frauen, der den Frauen immer mit Respekt und Liebe begegnet ist. Um
das Mysterium der Gegenwart Jesu in der Heiligen Messe würdig zu feiern, wollen wir unsere
Sünden bekennen.

SCHULDBEKENNTNIS

Der Chor der Brüder betet: Wir bekennen der Allmacht der Liebe, dass wir gesündigt haben. Wir
haben in Gedanken die Frauen oft als Lustobjekt betrachtet. Wir haben in Worten oft den Frauen die
Vernunft abgesprochen. Wir haben in Werken oft die Frauen als Putzfrauen behandelt. Wir haben
gesündigt auch durch Unterlassung: Wir haben die Frauen nicht oft genug als Meisterwerk des
Schöpfers geehrt, wir haben es oft unterlassen, ihnen Blumen zu schenken oder sie zum Essen
einzuladen, wir haben oft ihnen allein die Mühen der Hausarbeit und der Kindererziehung
überlassen. Darum bitten wir die göttliche Liebe um Verzeihung. Möge die Mutter Jesu, die Frau
der Offenbarung, für uns beten. Möge die heilige Susanna aus Babylon für uns beten. Möge die
heilige Susanna aus Galiläa für uns beten. Möge die heilige Susanna aus Rom für uns beten. Mögen
alle feurigen Engel der Liebe für uns beten. Die Allmacht der Liebe vergebe allen christlichen
Brüdern ihre Sünden und führe uns in Gemeinschaft mit den Susannen aller Völker in die ewigen
Lustschlösser des Paradieses. Amen.

KYRIE ELEISON

Pater Josef:
Ewiger Logos, du hast den Propheten gesandt, um die wunderschöne Susanna zu verteidigen vor
Gericht, als die lüsternen Ältesten der Gemeinde sie verklagten.
Gemeinde:
Jesus, erbarme dich über die keuschen Ehefrauen!
Pater Josef:
Ewiger Logos, du hast als Mensch Jesus die heilige Susanna aus Galiläa zu deiner Freundin und
Jüngerin erwählt.
Gemeinde:
Jesus, erbarme dich über alle deine Freundinnen, Schwestern und Jüngerinnen!
Pater Josef:
Ewiger Logos, du hast der heiligen Susanna aus Rom den Mut gegeben, ihren Glauben an Gott in
einer gottlosen Umwelt zu bezeugen.
Gemeinde:
Jesus, erbarme dich über alle christlichen Frauen, die durch ihre Güte, Barmherzigkeit und
Menschenfreundlichkeit ein Zeugnis für die Schönheit der göttlichen Liebe sind, mitten in einer
Welt voll Krieg und Terrorismus und Diktatur.
Pater Josef:
Kyrie eleison.

GLORIA

Der Chor der Susannen singt zu Gitarren, Tasteninstrumenten und Trommeln dies Lobpreislied:

Ruhm sei der Gottheit in der Höhe


Und Frieden auf Erden!

Wir singen dir Lobpreis,


Wir spielen dir auf unsern Saitenspielen,
Wir beten dich an, du Liebe,
Wir arbeiten zu deinem Ruhm
Und danken dir von Herzen,
Denn groß ist deine Schönheit:
Jahwe, Gottheit, Kaiser des Himmels,
Gottheit, mütterlicher Vater,
Deine Herrschaft erstreckt sich über das All,
Kyrios, einzig gezeugter Sohn, Herr Jesus,

Kyros, Göttlicher, Lamm, Sohn Mariens,


Du nimmst hinweg die Schuld der Welt:
Erbarme dich aller Susannen;
Du nimmst hinweg die Schuld der Welt:
Nimm an unser Lobpreislied;
Du sitzt zur Rechten Gottes:
Erbarme dich aller Susannen.

Denn du allein bist heilig,


Du allein bist der Kyrios,
Du allein der Allerhöchste:
Jesus Christus,
Mit dem Heiligen Geist von Pfingsten,
Zum Ruhm Gottes,
Der allmächtigen Liebe.

TAGESGEBET

Pater Josef erhebt die Arme gen Himmel und betet:

Gott, unsere Gottheit, wir sind so oft in der Trübsal der Zeit von Verzweiflung befallen, dann sende
uns als Gestalten deiner Gnade die himmlischen Susannen. O göttliche Barmherzigkeit, wir haben
schon oft im Geist erkannt und in Visionen geschaut die Herrlichkeit des Herrn und den offenen
Himmel und den Glanz Gottes, der sich auf den heiligen Susannen niederließ. Geist der Weisheit,
lass uns immer besser in der Transparenz der schönen Susannen die Urschönheit der Urgottheit
mystisch erkennen. In Jesu Namen, Amen.

ERSTE LESUNG LESUNG

Die Ordensfrau vom Orden der Töchter der göttlichen Liebe, Schwester Susanne von der
Gegenwart Jesu, ließt die erste Lesung:

Aus dem Buch des Propheten Daniel:

In jener Zeit, da die Gemeinde der Juden in Babylon lebte, war der angesehene Gemeindeleiter
Joachim mit Susanna verheiratet, die von außergewöhnlicher Attraktivität und keuscher Gesinnung
war.

Wort der lebendigen Gottheit.

PSALM

Der Chor der Brüder singt den Psalm zur Musik von elektrischen Gitarren:

Du bist schön, meine Freundin,


Und kein Makel ist an dir.

Du bist schlank wie ein Reh


Und anmutig wie die Gazelle.
Du bist schön, meine Freundin,
Und kein Makel ist an dir.

Du bist rein wie die weiße Lilie


Und unbefleckt wie die Lotusblüte.

Du bist schön, meine Freundin,


Und kein Makel ist an dir.

Deine Augen sind wie Turteltauben,


Deine Stimme ist wie die Nachtigall.

Du bist schön, meine Freundin,


Und kein Makel ist an dir.

Dein Mund ist wie eine Mohnblüte


Und deine Zähne sind wie Perlenschnüre.

Du bist schön, meine Freundin,


Und kein Makel ist an dir.

Im Namen Gottes und des Messias


Und der Heiligen Ruach. Amen.

ZWEITE LESUNG

Schwester Susanne von der Gegenwart Jesu liest die zweite Lesung.

Aus dem ersten Brief des Papstes Petrus:

Ihr Frauen, eure Schönheit sei nicht äußerlich, wie mit Schmuck beladen, mit Schminke bedeckt,
mit reizenden Kleidchen angetan, sondern eure Schönheit sei die Schönheit des inneren Menschen,
die Schönheit der Sanftmut und Bescheidenheit, der Güte und Milde, der Menschenfreundlichkeit
und des Mitgefühls. Denn das war auch die Schönheit der heiligen Frauen wie Sara, Rebekka, Lea
und Rahel, Ruth, Esther, Judith, Bathseba, Abigail, Abischag und Sulamit, deren Töchter ihr seid.

Wort der lebendigen Gottheit.

EVANGELIUM

Pater Josef liest aus dem heiligen Evangelium nach Marcus.

Halleluja! Halleluja! Halleluja!

Und dem Herrn Jesus folgten viele Frauen aus Galiläa, die seine Jüngerinnen wurden, unter anderen
Maria Magdalena, aus der Jesus die sieben Lilith-Dämoninnen ausgetrieben hatte, und Johanna, die
Geliebte des Kinderhüters des Fürsten, und Susanna, die reine Lilie. Diese dienten dem Herrn Jesus
mit all ihrer Substanz.

Halleluja! Halleluja! Halleluja!


PREDIGT

Pater Josef hält die Predigt.

Geliebte Schwestern und redliche Brüder!


Der protestantischen Brüder Gottesdienst und Predigt ist eine gelehrte Bibelstunde, wir
Katholischen im Wortgottesdienst aktualisieren die Lesungen in einer kurzen Meditation. Wenn wir
im Alten Testament von Susanna lesen, die eine keusche Ehefrau von besonderer Schönheit war,
und wenn wir im Neuen Testament von Susanna lesen, die eine Jüngerin Jesu war, die seine
Kreuzigung sah, die am Ostermorgen mit Myrrhe zum Grab ging und den Auferstandenen sah und
dann als Missionarin nach Gallien zog, so fehlt als dritte Susanna nur noch Susanna von Rom, die
im dritten Jahrhundert unter den römischen Kaisern ihr Martyrium erlitt. So lassen uns die drei
Susannen, die Susanna des Vaters, die Susanna des Sohnes, und die Susanna des Heiligen Geistes
fragen: Wer ist die Frau nach dem Herzen Gottes? Sie ist ein Musterbild an Schönheit. Erstens von
leiblicher Schönheit in aller Keuschheit und Reinheit, zweitens von seelischer Schönheit am inneren
Menschen, nämlich voll Milde und Barmherzigkeit, und drittens von geistiger Schönheit, denn sie
ist die Schwester und Jüngerin Jesu. Dass alle christlichen Frauen sich diese Susanne nach dem
Herzen Gottes zum Vorbild nehmen, das wirke der allein weise Gott. Amen.

GLAUBENSBEKENNTNIS

Pater Josef und die ganze Gemeinde von Sankt Susanna in Rom erhebt sich zum
Glaubensbekenntnis:

Wir glauben an den liebenden Vater Jahwe,


Der uns wie eine zärtliche Mutter liebt,
Der die himmlischen Intelligenzen geschaffen
Und auf Erden Mädchen, Tulpen und Rotkehlchen.
Wir glauben an Jesus,
Den Gesandten der göttlichen Liebe,
Empfangen durch die heilige Ruach
Im Schoß der liebsten Jungfrau Maria,
Die aller Ehre würdig ist
Als Mutter Jesu und Gottesgebärerin,
Wir glauben, dass Jesus am Kreuz
Für uns gestorben ist,
Dass er auferstanden ist
Und als Erster der heiligen Susanna begegnet,
Jesus ist nun in der Allgegenwart Gottes
Und wird bald kommen,
Maranatha!
Wir glauben an den Heiligen Geist,
Die Gemeinde von Pfingsten,
Die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern,
Die Taufe der Christen,
Die Vergebung der Sünden
Und das Leben im ewigen Paradies,
Wo wir als Brüder und Schwestern zusammen
Glückselig sind wie Götter und Göttinnen
Durch die Gnade Gottes allein.

FÜRBITTEN

Pater Josef: Auf die Fürbittgebete antworten wir mit: Auf die Fürsprache der heiligen Susanna
erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle jungen Susannen, die den lieben Jesus noch nicht kennen, dass sie den Gott der
Liebe kennen lernen.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle gläubigen Susannen, dass sie in der Liebe zu ihrem Freunde Jesus immer mehr
wachsen.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle verheirateten Susannen, dass sie ihren Ehemännern die Hilfe sind, wie Gott ihre
Hilfe ist.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle schwangeren Susannen, dass sie ihr Kind im Mutterschoß annehmen und mit
Liebe ernähren.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle Susannen, die eine Fehlgeburt hatten, dass sie den Trost erfahren, dass ihr Kind
bei Gott lebt.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle Susannen, die Mütter sind, dass sie ihre Kinder durch ihr Vorbild und ihre
Unterweisung zu Jesus führen.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle Susannen, die einen Beruf ausüben, dass sie ihn mit Liebe zu den Menschen
erfüllen.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle Susannen, die einen Dienst in der Gemeinde ausüben, dass sie es zum Ruhme
Jesu tun.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.

Wir bitten für alle heimgegangenen Ahnen der Susannen, dass Gott sie ins Paradies aufnimmt.

Auf die Fürsprache der heiligen Susanna erhöre uns Gott.


Amen.

GABENBEREITUNG

Der Chor der Susannen bringt das Brot zum Altar, der Chor der Brüder bringt den Wein zum Altar.
Pater Josef empfängt die Gaben und betet:

Gott, wir bringen dir das Brot, das Werk der Mutter Natur und der schönfingrigen Bäckerinnen,
dass es uns werde der Leib Jesu. Gott, wir bringen dir den Wein, das Werk der Mutter Natur und der
schönfüßigen Keltertreterinnen, dass er uns werde das Blut Jesu. Nimm an unsre Gaben. Alle
Susannen und Brüder der Gemeinde legen mit diesen Gaben ihr Leben auf den Altar. Mit dem Brot
bringen sie ihre Leiden dar, und mit dem Wein bringen sie ihre Freuden dar und geben sich,
gemeinsam mit Jesus, ganz dem Gott der Liebe hin.

HOSANNA

Die Chöre singen gemeinsam:

Sancta, sancta, sancta domina deitas!


Heilig, heilig, heilig ist die lebendige Gottheit,
Himmel und Erde sind erfüllt
Von ihrer außerordentlichen Schönheit!
Hosanna in der Höhe,
Wir lieben dich, Hosanna!
Gepriesen sei Jesus, der kommt
Als Gesandter der göttlichen Liebe!
Hosanna in der Höhe,
Wir lieben dich, Hosanna!
Eja, Susanna, Susanna!

EINSETZUNGSWORTE

Pater Josef betet über Brot uns Wein:

Als unser Herr Jesus beim letzten Abendmahl die Eucharistie einsetzte und die Apostel zu
sakramentalen Priestern weihte, hob er das Brot gen Himmel, sprach das Dankgebet am Tisch und
sang den Lobpreis und sagte: Dies ist mein Leib, gebrochen für viele. Nehmt und esst! Dann hob er
den Wein gen Himmel und sagte: Dies ist mein Blut, das Neue Testament, der ewige Bund,
vergossen für viele. Nehmt und trinkt! Tut dies, so oft ihr es tut, zu meiner Vergegenwärtigung.

Die Ministrantinnen Alina und Valea schlagen den Gong. Die Transsubstantiation ist geschehen. Die
Realpräsenz Jesu unter dem Aussehen von Brot und Wein ist da.

VATERUNSER

Pater Josef und die Gemeinde beten:

Unser Vater in den Regionen des Uranos,


Heilig ist uns dein Name Jahwe,
Dein Reich komme bald,
Dein Liebeswille geschehe
Wie im Himmel,
So auch auf der schwarzen Mutter Erde.
Unsere tägliche Eucharistie gib uns heute
Und erlass uns unsere Schulden,
Wie auch wir unsern Schuldigern alle Schulden erlassen haben,
Und führe uns siegreich durch die Versuchungen
Und erlöse die Menschheit vom Satan.
Amen.

FRIEDENSKUSS

Pater Josef:

In der Urgemeinde grüßten sich die Brüder und Schwestern mit dem heiligen Kuss. Das war Sitte,
bis die Kirchenväter im vierten Jahrhundert feststellten, dass die Brüder die Schwestern lieber
zweimal geküsst haben. Da wurde die schöne Sitte des Küssens durch das Händeschütteln ersetzt.
Die Erneuerung der Kirche kommt aus der Rückbesinnung auf die Wurzeln. Darum gebt einander
ein Zeichen des Friedens und grüßt euch mit dem heiligen Kuss der Liebe.

Die Susannen und die Brüder flüstern einander Schalom zu und grüßen einander mit dem heiligen
Kuss der Liebe.

LAMM GOTTES

Der Chor der Susannen betet:

Eja, du süßes Lamm,


Sei barmherzig mit den barmherzigen Susannen,
Eja, du süßes Lamm,
Sei barmherzig mit den barmherzigen Susannen,
Eja, du süßes Lamm,
gib deinen Frieden den friedfertigen Susannen!

KOMMUNION

Donna Susanna de Mons Glandulae kniet vor Pater Josef und empfängt den Leib des Herrn auf die
Zunge. Sie betet:

Jesus, Liebhaber der Seele,


Komm in meinen Busen,
Erfülle mich mit dem lebendigen Wasser
Deiner göttlichen Liebe,
Lass uns eins werden
In dem Bett des Kreuzes,
Umfange mich mit deiner Gnade
Und küsse mich mit dem Kuss des Friedens
Und den feurigen Zungen des Geistes,
Komm, und befriede mich,
Komm, und beglücke mich,
Komm, und vergötterre mich
Durch deine Menschheit,
Lass mich verschmelzen mit dir,
Mein Wille sei dein Wille,
Mein Herz sei dein Herz,
Du der Gottmensch von Natur,
Ich die Menschengöttin aus Gnade,
Ich bin ganz dein,
Du bist ganz mein,
Du mein Atem,
Du mein Blut,
Du das Licht meiner Augen,
Du mein Schatz im Himmel,
Du mein ewig Geliebter,
Du mein Ah und Oh!
Halleluja! Amen.

MADONNENLIED

Der Chor der ganzen Gemeinde singt zum Schluss der Heiligen Messe den Lobpreis der schönen
Madonna:

Unsre Liebe Frau, du bist so schön!


Du bist barmherzig, gütig, geduldig und sanft,
Du liebst den Frieden.
Mutter der Mütter und Königin der Brüder,
Hilf uns, den wahren Jesus zu erkennen.
Vorbild aller Jüngerinnen,
Mutter aller Mütter
Und Frau der Offenbarung,
Begleite die Susannen auf ihrem Lebensweg
Als Schwester und Freundin
Und führe sie zu Jesus in den Himmel,
Dass sie glückselig sind
Von Ewigkeit zu Ewigkeit!

JOHANNESPROLOG

Pater Josef betet den Johannesprolog:

Am Anfang war die Weisheit,


Und die Weisheit war bei der Gottheit,
Und die Weisheit war die Gottheit.
Sie ist das Leben.
Alles, was geboren ist, ward von ihr erschaffen.
Sie ist das Licht des Himmels.
SEGEN

Pater Josef erteilt den Segen:

So segne euch Susannen die ewige Gottheit,


Der mütterliche Vater,
Der bräutliche Sohn,
Der liebende Heilige Geist,
Auf die Fürsprache der Großen Mutter Gottes. Amen.

GEHT IN FRIEDEN

Pater Josef sagt:

Geht hin, ihr Susannen, in Frieden, und schenkt euren Brüdern ein Lächeln! The mission impossible
ist euch anvertraut: Erbaut die Zivilisation der Schönheit und Liebe! Auf, und seid heiter!

BRIEFE AN SUSANNE VON DER INSEL LESBOS

ERSTER BRIEF

Wäre es nicht das Wetter, Susanne - mein kleines, unerwünschtes Gesicht würde heute kommen -
ich sollte einen Kuss von der Schwester stehlen - der Schatz kehrte zurück - Danke dem
winterlichen Wind, meine Liebe, der macht so kühn! Sehr geehrte Susanne - glückliche Susanne -
ich freue mich in all deiner Freude - von dieser lieben Schwester gehalten, wirst du nie wieder
einsam sein. Vergiss nicht alle kleinen Freundinnen, die so hartherzig versucht haben, Schwestern
zu sein, dass du tatsächlich alleine warst!

Du hörst nicht den Wind, der an diesem schlauen Tag weht, da die Welt die Schultern zuckt - dein
kleiner Taubenschlag ist mit Wärme und Weichheit gefüttert, dort ist kein Schweigen - so dass du
dich von Alice im Wunderland unterscheidest. Ich vermisse dein Engelsgesicht in der kleinen Welt
der Schwestern - geliebte Maria - heilige Maria - Denke daran, sie ist einsam, sie kommt nicht zu
uns, wir werden zu ihr zurückkehren! Meine Liebe all deinen Schwestern - und ich will so sehr
Marcus sehen.

Sehr ernst, Sappho

ZWEITER BRIEF

Ich weinte hier eine Träne, Susanne - mit Absicht um dich - denn dieser süße silberne Mond lächelt
mich an und Venus, und dann geht er so weit, bevor er zu dir kommt - und dann hast du mir nie
gesagt, ob dort irgendein Mond scheint im Ammerland - und wie kenne ich Susanne -, werde ich
Lunas süßes Gesicht überhaupt sehen? Luna sieht heute Abend wie eine Fee aus und segelt um den
Himmel in einer kleinen silbernen Gondel mit Sternen für Gondoliere. Ich habe sie gebeten, mich
vor einiger Zeit reiten zu lassen - und sagte ihr, ich würde mitkommen, wenn sie bis nach Rastede
kommt, aber sie lächelte nur sich selbst zu und zog weiter.
Ich glaube, sie war nicht großmütig - aber ich habe die Lektion gelernt und sie noch einmal gefragt.
Am Tag regnete es zu Hause - manchmal regnete es so hart, dass ich mir vorstellte, dass du es
hörtest, wie es prasselte - prasselte, prasselte, als er auf die Blätter fiel - und die Phantasie erfreute
mich so, dass ich da saß und zuhörte - - und beobachtete ihn ernsthaft. Hast du es gehört, Susanne -
oder war es nur meine Lust? Adieu und Adieu, es kam die Sonne heraus - gerade rechtzeitig, um uns
gute Nacht zu sagen, und wie ich dir irgendwann einmal sagte, Luna schimmert nun.

Es ist so ein Abend, Susanne, wie du und ich spazieren gehen und haben so angenehme Gedanken,
wenn du nur hier wärst - vielleicht hätten wir eine "Träumerei" in der Form von Schumann, ja ich
weiß nicht, warum es so ist. Wäre es nicht so charmant von diesem einsamen ewigen Studenten, der
seine Zigarette raucht - und es wäre viel besser als Schumanns Träumerei. Und erstaunt, du und ich
würden versuchen, ein kleines Schicksal zu spielen, um uns für uns selbst zu haben. Weißt du, dass
der charmante Mann wieder träumt und schon bald erwachen wird - also die Papiere beschreiben es,
mit einer anderen Träumerei - schöner als das Original?

Hoffen wir nicht, dass er so lange leben wird, wie du und ich es werden - und wir werden weiterhin
Träume träumen und sie uns schreiben - was für ein charmanter alter Mann wird er sein! Und wie
ich seine Enkelkinder beneide, die kleine "Anna" und den kleinen "Paulus"! Wir werden bereit sein,
Susanne, gemeinsam zu sterben - wenn er gegangen ist, denn es wird niemand übrig bleiben, um
dieses unser Leben zu besingen.

Die "goldene Legende" ist in die Stadt gekommen, wie ich höre - und kann im besten Zustand auf
Adams Bücherregalen gesehen werden. Das lässt mich immer an Pegasus denken - wenn ich einen
begnadeten Dichter sehe, der nebeneinander mit anderen Autoren in diesem renommierten Laden
sitzt - und wie ich halb erwarte, dich zu hören. Sie sind irgendwann einmal geflogen, und in ihrem
heimatlichen Äther schwelgen sie den ganzen Tag - aber unseretwillen, liebe Susanne, die mit der
Phantasie, die wir die einzigen wahren Dichter sind - und jeder andere schreibt Prosa, lass uns
hoffen, dass sie einst noch bereit sein werden, unsere bescheidene Welt mit uns zu teilen und
solches Essen zu essen, wie wir es tun!

Du dankst mir für den Schokoladenkuchen - du sagst mir, Susanne, du hast ihn gerade gekostet -
und wie glücklich bin ich, dir alles zu schicken, was du liebst - wie hungrig du werden musst, bevor
er dort ist - und dann musst du schwach sein, diese dummen „Gelehrten“ zu belehren. Ich sehe dich
sehr oft im Schulraum mit einem plumpen Theorem kämpfen in deiner Hand, das du sezieren und
ausstellen musst, um dein Verständnis zu erklären - ich hoffe, Du peitschst sie aus, Susanne - um
meinetwillen - peitsche sie hart, wenn sie sich nicht so verhalten, wie du sie haben willst! Ich weiß,
dass sie sehr langweilig sind - manchmal - von dem, was Marcus sagt - aber ich vermute, du
ermutigst sie und verzeihst ihnen all ihre Fehler. Es wird deine Geduld verraten, Susanne - dessen
kannst du dir sicher sein. Und Marcus erzählt mir auch von deinen abendlichen Wanderungen - und
den lustigen Schrecken, die du anziehst, um den Meister zu treffen – er ist genau wie du, Susanne -
wie du für die ganze Welt - wie der Herr lachen würde, wenn ich es ihm nur sagen könnte. Dann die
großen dunklen Augen - wie sie blicken und funkeln würden! Susanne - hab den ganzen Spaß, was
du nur haben kannst - und lache so oft und singe, denn Tränen sind dümmer als das Lächeln in
dieser unseren kleinen Welt - nur sei nicht so glücklich, dass Marcus und ich dümmer und dümmer
werden und endlich ganz verblassen, und sei eine fröhliche Magd, wie wir an unseren freien Plätzen
lächeln!

Susanne, hast du gedacht, dass ich dir niemals schreiben würde? Als du weg warst - was hast du da
gemacht? Ich bin sicher, dass du mein Versprechen gut kennst - und hatte ich das nie gesagt? - ich
sollte dich beschreiben - denn das wird uns von jedem unterscheiden, den wir lieben - „weder Höhe
noch Tiefe können uns scheiden von der Liebe“...
DRITTER BRIEF

Willst du mich, liebe Susanne, kommen lassen - genau so wie ich es tue, mein Kleid verschmutzt
und abgenutzt, meine große alte Schürze und meine Haare - Oh Susanne, die Zeit würde mir
vergehen, mein Aussehen aufzuzählen, doch ich liebe dich genauso sehr, als ob ich immer so gut
wäre, also wird es dir egal sein, wie ich aussehe, nicht wahr? Ich bin so froh, liebe Susanne, dass
unsere Herzen immer sauber und immer ordentlich und immer nett sind, also nichts zu schämen. Ich
habe heute morgen hart gearbeitet, und ich sollte jetzt arbeiten - aber ich kann mir nicht den Luxus
von ein oder zwei Minuten mit dir verwehren.

Die Speisen können warten, liebe Susanne - und der ungedeckte Tisch steht, ich habe immer etwas
bei mir, aber dich, dich habe ich habe nicht immer. Warum, Susanne? Christus hatte seinen
Wahnsinn - - und ich habe nur wenig, aber dich nicht - der Engel Chöre haben Susanne - nein - nein
nein!

Venus näht wie eine Märchen-Näherin, und ich gehe davon aus, dass ein Ritter an die Tür kommen
wird, der behauptet sich in Gegenwart ihrer Lieblichkeit und präsentiert sein Herz und seine Hand
als seine einzige Spur, die es wert ist, abgelehnt zu werden.

Venus und ich haben heute davon gesprochen, alt zu werden. Venus denkt, zwanzig Jahre muss eine
furchtbare Position sein, um einen zu besitzen - ich sage ihr, dass es mir egal ist, ob ich jung bin
oder nicht. Venus drückte ihre Sympathie über mein ernstes und gelbes Blatt aus und setzte ihre
Arbeit fort. Liebe Susanne, erzähl mir, wie du dich fühlst – sind dort nicht Tage im Leben, da alt zu
sein nicht so traurig scheint?

Ich fühle mich grau und grimmig an diesem Morgen, und ich fühle, dass es ein Trost wäre, eine
Flöten-Stimme zu haben und ein gebrochenes Rückgrat und kleine Kinder zu erschrecken.

Lass mich nicht gehen, Susanne, Liebe, denn ich bring dir keinen Schaden, und ich liebe dich sehr,
ich fühle mich so schrecklich.

Oh mein Schatz, wie lange du von mir weg wanderst, wie müde ich werde und schaue und dich
rufe; manchmal schließe ich meine Augen und schließe mein Herz vor dir und versuche dich zu
vergessen, weil du mich so traurig machst, aber du wirst niemals weggehen, oh du niemals – sag es
mir, Susanne, versprich mir es wieder, und ich werde lächeln - und nehme mein kleines Kreuz der
traurigen Trennung wieder auf. Wie vergeblich es scheint zu schreiben, wenn man weiß, wie man
sich fühlt - wie viel näher und lieber, neben dir zu sitzen, mit dir zu reden, zu hören die Töne deiner
Stimme - so schwer, dich zu verleugnen und „nimm dein Kreuz auf und folge mir!“ - Gib mir Kraft,
Susanne, schreibe mir von Hoffnung und Liebe und von Herzen, die alles ertragen, und groß wird
ihre Belohnung von unserem Vater, der im Himmel ist. Ich weiß nicht, wie ich es ertragen werde,
wenn der sanfte Frühling kommt; wenn du kommst und mich siehst und mit mir reden willst, oh es
würde mich bestimmt töten! Während der Frost an den Fenstern hängt, die Welt ist streng und
traurig; diese Abwesenheit ist leichter - die Erde trauert auch um all ihre kleinen Vögel; aber wenn
sie alle wiederkommen, und sie singen und sind so fröhlich - bete, was wird aus mir werden?
Susanne, vergib mir, vergiss alles, was ich sage, bekomme du einen süßen kleinen Gelehrten, um
eine sanfte Hymne zu lesen, über Bethlehem und die Jungfrau Maria, und du wirst süß schlafen und
so friedliche Träume haben, als hätte ich dir nicht alle diese hässlichen Dinge geschrieben.
Kümmere dich nicht um den Brief, Susanne, ich werde nicht wütend auf dich sein, wenn du mir
überhaupt keine Beachtung gibst - denn ich weiß, wie beschäftigt du bist, und wie wenig von dieser
lieben Stärke bleibt, wenn es Abend ist, dann zu denken und zu schreiben. Ich will nur über mich
schreiben, nur manchmal seufzen nach dir, dass du weit weg von mir bist, und das wird gut tun,
Susanne! Denke nicht, dass ich gut und geduldig bin, damit du so lange weggehen kannst. Und
denkst du nicht, du bist ein Liebling, eine echt schöne Heldin, um für die Völker dich zu mühen und
sie zu lehren und dein eigenes Haus zu verlassen? Weil wir ruhen, glaube nicht, dass wir die
kostbaren Patrioten im Krieg in anderen Ländern vergessen! Sei niemals traurig, Susanne - sei
glücklich und fröhlich, denn wie viele lange Tage sind vergangen, seit ich dir geschrieben habe -
und es ist fast Mittag, und bald wird die Nacht kommen, und dann ist noch ein kurzer Tag die lange
Pilgerfahrt. Marcus ist sehr schlau, er spricht viel von dir, mein Schatz; ich muss dich jetzt verlassen
- eine kleine Stunde des Himmels... danke, der du mir das gegeben hast, und du wirst mir auch
länger und mehr geben, wenn es deiner Liebe gefallen wird - Susanne nach Hause zu bringen!
Liebe immer und ewig und wahr! Sappho

VIERTER BRIEF

Es ist ein trauriger Morgen, Susanne - der Wind weht und es regnet; in jedem Leben muss ein
Regen fallen und ich weiß kaum, was am schnellsten fällt, der Regen draußen oder drinnen - Oh
Susanne, ich möchte mich deinem warmen Herzen nähen und niemals den Wind wehen oder den
Sturm schlagen hören. Gibt es irgendeinen Raum für mich, oder soll ich mit allen Obdachlosen oder
alleine weg wandern? Danke, dass du mich geliebt hast, Liebling, und dass du mich lieben wirst,
wenn du jemals nach Hause kommst! Es ist genug, liebe Susanne, ich weiß, dass ich zufrieden sein
werde. Aber was kann ich mit dir machen? - Liebling kannst du nicht sein, denn ich liebe dich
schon so, dass es fast mein Herz bricht - vielleicht kann ich dich jeden Tag meines Lebens, jeden
Morgen und Abend, lieben - Oh, wenn du mich lässt, wie glücklich werde ich sein!

Dein kostbares Billet, Susanne, ich trage das Papier, lese es immer wieder, aber die lieben
Gedanken können sich nicht abnutzen, selbst wenn es sie versuchen. Danke an unseren Vater,
Susanne! Venus und ich sprachen von dir alle vergangenen Abende lange und gingen schlafen, voll
Trauer um dich, und ziemlich bald wachte ich auf und sagte: „Kostbarer Schatz, du bist mein“, und
da war alles wieder in Ordnung, meine Susanne, und ich habe es kaum gewagt zu schlafe, damit
keiner dich weg stehle. Kümmere dich nicht um den Brief, Susanne; du hast so viel zu tun, schreibe
mir jede Woche eine Zeile, und mögest du schreiben: „Sappho, ich liebe dich“, und ich werde
zufrieden sein, ganz dein, Sappho

FÜNFTER BRIEF

Danke den lieben kleinen Schneeflocken, denn sie fallen heute eher als ein ewiger Wochentag,
wenn die Welt und die Sorgen der Welt so hart versuchen, mich von meiner verstorbenen Freundin
abzubringen - und danke auch, lieber Susanne, dass du meiner nie müde wirst, oder sage es mir
niemals, und wenn die Welt kalt ist und der Sturm seufzt, so kläglich, bin ich mir eines süßen
Schutzes bewusst, bin vorm Sturm verborgen! Die Glocken läuten, Susanne, Norden und Osten und
Süden, und deine eigene Stadtglocke und die Leute, die Gott lieben, erwarten, zur Versammlung zu
gehen; geh nicht hin, Susanne, nicht zu ihren Versammlungen, sondern komm mit mir heute morgen
zur Kirche in unseren Herzen, wo die Glocken immer läuten, und der Prediger, dessen Name Amor
ist, wird dort für uns da sein!

Sie werden alle gehen, außer mir, zum üblichen Versammlungshaus, um die übliche Predigt zu
hören; das Unglück des Sturms, der mich so freundlich festhält; und da sitze ich hier, Susanne,
alleine mit den Winden und dir - ich habe den uralten König noch mehr als vorher gefühlt, denn ich
kenne nicht einmal der Dieb, der in diese Einsamkeit eindringen wird, diesen süße Sabbat von uns
beiden. Und danke für deinen lieben Brief, der am Samstagabend kam, als die ganze Welt noch
schön war; danke für die Liebe, die er mir zugetragen hat, und für die goldenen Gedanken und
Gefühle wie Edelsteine, dass ich sicher war, dass ich sie in ganzen Perlenkörben versammeln
müsste! Ich vertraue heute morgen, Susanne, dass ich keinen süßen Sonnenuntergang habe, um eine
Seite für dich zu vergolden, noch irgendeine Bucht, die so blau ist - nicht einmal eine kleine
Kammer im Himmel, wie du bist, um mir Gedanken über den Himmel einzugeben, ich würde dir
alles geben, du weißt, wie ich dir schreiben muss, hier unten, unten, im terrestrischen Exil - kein
Sonnenuntergang ist hier, keine Sterne; nicht einmal ein bisschen Dämmerung, die ich poetisieren
könnte - und dir senden! Doch, Susanne, es wird Romantik auf der Reise des Briefes zu dir geben -
denke an die Hügel und die Täler und die Flüsse, die er überschreiten wird, und die Fahrer und die
Postboten, die ihn dir eilig bringen werden; und willst du nicht, dass ein Gedicht, wie nur ich es
schreiben kann, geschrieben werde? Ich denke an dich, liebe Susanne, jetzt weiß ich nicht, wie oder
warum, aber immer mehr, wie jeder Tag vergeht, und dieser süße Monat des Versprechens nähert
sich näher und näher; und ich sehe den Juli so anders als das, was ich früher getan habe - sobald er
schmeckend, erschrocken und trocken war - und ich liebte ihn kaum, weil er Hitze und Staub war;
aber jetzt, Susanne, ist der Monat Julu des ganzen Jahres der beste; ich überspringe die Veilchen -
und den Tau und die frühe Rose und die Rotkehlchen; ich werde sie alle gegen diesen wütenden und
heißen Mittag austauschen, wenn ich die Stunden und die Minuten zählen kann, bis du kommst - Oh
Susanne, ich glaube oft, dass ich dir sagen werde, wie sehr du es bist und wie sehr ich es bin, voll
Sehnsucht, dich zu sehen, aber die Worte kommen nicht, obwohl die Tränen strömen werden, und
ich setze mich enttäuscht – doch, Schatz, du weißt alles - warum dann versuche ich es dir zu sagen?
Ich weiß es nicht; im Denken an die, die ich liebe, ist meine Vernunft von mir gegangen, und ich
fürchte manchmal, dass ich ein Krankenhaus für die hoffnungslos Verrückten aufmachen muss, und
kette mich dort fest, also werde ich dich nicht verletzen.

Immer, wenn die Sonne scheint, und immer, wenn es stürmt, und immer immer, Susanne, wir
erinnern uns an, und was sonst außer erinnern? Ich werde es dir nicht sagen, weil du es weißt!

Wäre es nicht wegen dem lieben Marcus, ich weiß nicht, was wir tun würden, aber er liebt dich so
sehr, und er wird es nie müde, über dich zu reden, und wir alle kommen zusammen und reden über
dich - und das macht uns resignierter, als um dich allein zu trauern.

Es war erst gestern, dass ich den lieben Marcus gesehen habe, in meinem Herzen, um eine kleine
Weile zu bleiben, nur eine sehr kleine, wegen einer der guten vielen Besorgungen, die ich tun
würde, und wirst du es glauben, Susanne, ich war dort eine Stunde - und eine Stunde und noch eine
halbe Stunde, und hätte nicht gedacht, dass es so viele Minuten gewesen waren - und was denkst du
über die all die Stunden, was würdest du geben? Zu wissen - gib mir einen kleinen Blick auf deinen
süßen Reiz, liebe Susanne, und ich werde dir alles erzählen - wir haben nicht von Präsodenten
gesprochen, und wir haben nicht von Königen gesprochen - aber die Zeit war voll, und als der
Riegel vorgeschoben wurde und die Eichentür geschlossen war, warum, Susanne, erkannte ich, wie
ich es noch nie zuvor getan habe, wie sehr es eine einzige Hütte gibt, die mir lieb ist. Es ist süß -
und ich bin wie zu Hause bei Marcus, aber es ist auch traurig - und es kommt wenig Erinnerung,
und er malt - und malt - und malt - und das Seltsamste von allem, seine Leinwand ist nie voll, und
ich finde sie, wo ich ihn verließ, jedes Mal, wenn ich komme - und wer ist die Malerei - Ah,
Susanne, von Madonna wähle zu erzählen - aber es ist nicht Raffael, und es ist nicht Botticelli, Und
ich schmeiße dir noch mehr vor die Füße - Susanne, was wirst du sagen, wenn ich dir sage, dass
Heinrich kommt, um mich zu sehen, irgendeinen Abend diese Woche, und ich habe versprochen,
ihm einige Teile aus deinen Briefen vorzulesen; jetzt willst du dich nicht lieben, liebe Susanne, denn
er will so viel hören, und ich lasses ihn alles schmecken, was ich weiß, dass du es nicht willst - nur
ein paar Plätze, die ihm gefallen werden - ich habe ihn mehrmals gesehen in letzter Zeit, und ich
bewundere ihn, Susanne, weil er von dir so häufig und schön spricht; und ich weiß, dass er dir so
wahrhaft gut ist, wenn du weit weg bist - wir reden mehr von dir, liebe Susanne, als von irgend
etwas anderem - er sagt mir, wie wunderbar du bist, und ich sage ihm, wie wahr du bist, und seine
großen Augen strahlen, und er scheint so begeistert - ich weiß, dass es dir egal ist, Susanne, wenn
du wüsstest, wie viel Freude es mir gemacht hat - als ich ihm den anderen Abend von all deinen
Briefen an mich erzählte, sah er auf, sehr sehnsüchtig, und ich wusste, was er sagen würde, er ist
mir gut genug bekannt - also antwortete ich auf die Frage, die sein Herz fragen wollte, und wenn es
ein angenehmer Abend ist, bevor diese Woche vorbei ist, erinnere dich an Zuhause und das
Ammerland, dann weißt du, liebe Eine - dass sie sich an dich erinnern, und dass „zwei oder drei in
deinem Namen versammelt“, dich geliebt und von dir gesprochen haben - und wirst du dort in ihrer
Mitte sein? Dann habe ich einen schönen, neuen Freund gefunden, und ich habe ihm von der lieben
Susanne erzählt und versprochen, ihn zu informieren, sobald du kommen wirst. Sehr geehrte
Susanne, in all deinen Briefen gibt es Sachen, süße und viele, über die ich sprechen möchte, aber
die Zeit sagt Nein - doch glaube ich nicht, dass ich sie vergesse - Oh nein - sie sind sicher in der
kleinen Truhe, die keine Geheimnisse weitererzählt - weder die Motte, noch der Rost kann sie
erreichen - aber wenn die Zeit, von der wir träumen kommt – dann, Susanne, ich werde sie mit dir
verbringen, und wir werden Stunden verbringen, um zu plaudern und zu schwatzen - die kostbaren
Gedanken der Freunde - wie ich sie liebte und wie ich sie jetzt lieb habe, aber nur Susanne selbst ist
doppelt so lieb! Susanne, ich habe dich nicht gefragt, ob du fröhlich und gut bist - und ich kann mir
nicht denken, warum, außer dass es etwas Strafendes in denen gibt, die wir lieben, unsterbliches
Leben und Kraft; weshalb es scheint, als ob irgendeine Krankheit oder ein Schaden fliehen würde,
und würde es nicht wagen, sie zu fälschen, und, Susanne, während du von mir genommen bist, ich
klassifiziere dich mit den Engeln, und du weißt, dass die Bibel uns sagt - „dort ist keine Krankheit
mehr“. Aber, liebe Susanne, bist du gut und friedlich? Denn ich will um dich nicht weinen. Sag: bist
du glücklich? Sieh nicht den Tintenfleck, Susanne. Er ist da, weil ich den Sabbat brach!

SECHSTER BRIEF

Wirst du nett zu mir sein, Susanne? Ich bin frech und ärgere dich heute morgen, und niemand liebt
mich hier; auch würdest du mich nicht lieben, wenn du mich beim Stirnrunzeln sehen würdest und
hören, wie laut die Tür zuschlägt, wann immer ich durchgehe; und doch ist es kein Zorn - ich
glaube nicht, dass es das ist, denn wenn niemand mich sieht, wische ich große Tränen mit dem
Zipfel meiner Schürze ab und gehe dann an - bittere Tränen, Susanne - so heiß, dass sie meine
Wangen brennen, und fast schämen sich meine Augäpfel, aber du hast auch so geweint, und du
weißt, dass sie weniger Zorn sind, mehr Leid.

Und ich liebe es, schnell zu rennen und mich vor ihnen zu verstecken; hier innen, liebe Susanne, im
Busen, ich weiß, ist Liebe und Ruhe, und ich würde niemals weggehen, hätte mich nicht die große
Welt angerufen und mich geschlagen, weil ich nicht arbeite.

Der kleine Smaragd ist gebadet, ich höre den warmen Schaum, spritzend. Ich habe ihr mein
Taschentuch gegeben - also kann ich nicht mehr weinen. Und Venus fegt - fegt auf die
Kammertreppe; und meine Mutter eilt mit ihren Haaren in einem Seidentaschentuch, wegen des
Staubes. Oh Susanne, es ist trostlos, traurig und traurig genug - und die Sonne scheint nicht, und die
Wolken sehen kalt und grau aus, und der Wind peitscht und bläst den schrillsten Rundgesang, und
die Vögel singen nicht, aber zwitschern - und da ist niemand da zu lächeln! Male ich es natürlich -
Susanne, also denkst du, wie es aussieht? Dennoch kümmert es dich nicht - denn es wird nicht so
immer dauern, und wir lieben dich genauso gut - und iczh denk an dich, so sehr, als wäre es nicht
so. Dein kostbarer Brief, Susanne, er liegt jetzt hier und lächelt mich so freundlich an und gibt mir
so süße Gedanken der lieben Schriftstellerin. Ich sitze hier mit meiner kleinen Peitsche und schlage
die Zeit weg, bis nicht eine Stunde davon übrig ist - dann bist du hier! Und Freude ist hier - Freude
jetzt und für immer!
Es sind nur ein paar Tage, Susanne, es wird bald vergehen, aber ich sage jetzt in diesem Moment,
denn ich brauche sie - ich muss sie haben, oh sie für mich!

Marcus ist lieb und wahr, ich liebe ihn sehr - und E. ist mir auch sehr lieb - und T. - und Anna und
Eva, ich bin sicher - ich liebe sie alle - und ich hoffe sie lieben mich, aber, Susanne, da ist noch ein
toller Winkel; ich fülle ihn mit der, die weg ist, ich schwebe ringsum und rufe sie und nenne sie mit
Kose-Namen und bitte sie zu mir und frage sie, ob sie Susanne ist, und sie antwortet: Nein, meine
Dame, Susanne ist gestohlen worden!

Muss ich rezitieren, ist es alles ein Gemurmel, oder bin ich traurig und einsam, und kann mir nicht,
kann mir nicht helfen? Manchmal, wenn ich so fühle, denke ich, dass es falsch sein kann, und dass
Gott mich bestrafen wird, wenn ich dich wegnehme; denn er ist sehr nett, mich an dich schreiben zu
lassen und mir deine süßen Briefe zu geben, aber mein Herz will mehr.

Hast du jemals daran gedacht, Susanne? Und doch kenn ich dich, wie diese Herzen behaupten;
warum ich nicht an die ganze, weite Welt glaube, sie sind alle so hartherzige gemeine Gläubiger - so
eine echte gemeine Misere, wie du und ich sie mit uns tragen, in unseren Brüsten jeden Tag. Ich
kann mir nicht helfen, manchmal zu denken, wenn ich von den geizigen Herzen höre, dann halte
dich sehr still - oder jemand wird dich finden!

Ich gehe aus der Haustür, um dir ein neues grünes Gras zu holen - ich werde es in der Ecke abholen,
wo du und ich saßen und große Lust hatten. Und vielleicht sind die lieben kleinen Gräser die ganze
Zeit gewachsen - und vielleicht hörten sie, was wir sagten, aber sie können es nicht sagen! Ich bin
jetzt gekommen, liebe Susanne, und hier ist, was ich gefunden habe - nicht ganz so froh und grün
wie damals, als wir dort saßen, aber eine traurige und nachdenkliche Graswiese – in Trauer hofft
man. Kein Zweifel, einige Fichten, junger Wegerich, der gewann ein junges Herz, und dann erwies
es sich als falsch - und du wünschst es dir nicht so, sondern ganze Tulpengärten?

Ich glaube, es ist wunderbar, Susanne, dass unsere Herzen nicht brechen, jeden Tag, wenn ich an all
die Whisky-Trinker denke und alle galanten Männer, aber ich glaube, ich bin mit nichts als einem
harten Herzen aus Stein geboren, denn es ist nicht gebrochen durch dich, und, liebe Susanne, wenn
mein Herz steinern ist, ist deines Stein auf Stein, denn du gibst niemals irgendetwas. Werden wir
immer verhöhnt, sag mir, Susanne - wie wird es sein? Wenn ich die Päpste und John Milton sehe,
denke ich, dass wir dauern, aber ich weiß es nicht! Ich bin froh, dass es eine große Zukunft gibt, die
auf mich und dich wartet. Du würdest gerne wissen, was ich lese - ich weiß kaum, was ich dir sagen
soll, ich lese wenige Bücher immer wieder.

Ich habe gerade drei kleine Bücher gelesen, nicht großartig, nicht spannend - aber süß und wahr.
Das Licht im Tal, Allein, und ein Haus auf einem Felsen - ich weiß, dass du sie alle lieben würdest -
aber sie verzaubern mich nicht. Es gibt keine Spaziergänge im Wald - keine tiefen und ernsten
Stimmen, kein Mondlicht, keine gestohlene Liebe, sondern reinliche kleine Leben, die fürchten Gott
und ihre Eltern und gehorchen den Gesetzen des Landes; doch lies du sie, wenn du sie findest,
Susanne, denn sie werden Gutes tun.

Ich habe die Verheißung von einem bestimmten Buch, genannt „Olivia“ und „das Haupt einer
Familie", wie Marcus dich genannt hat. Venus und ich hatten „Reinliches Haus“ uns schicken lassen
an einem anderen Tag - es ist wie der, der es schrieb - das ist alles, was ich sagen kann. Liebe
Susanne, du warst so glücklich, als du mir zuletzt geschrieben hast - ich bin so froh, und du wirst
jetzt glücklich sein trotz all meiner Traurigkeit, nicht wahr? Ich könnte mir nicht verzeihen, wenn
ich dich traurig gemacht hätte oder dein Auge wegen mir getrübt. Ich schreibe aus dem Land der
Veilchen und aus dem Land des Frühlings, und ich würde krank werden, wenn ich nicht wüsste,
nichts als Leiden zu tragen. Ich erinnere mich an dich, Susanne, immer - ich halte dich hier fest, und
wenn du weg bist, dann bin ich auch weg - und wir sind zusammen Ein Weidenbaum. Ich kann nur
dem Vater danken, dass er mir so etwas wie dich gegeben, ich kann nur unaufhörlich beten, dass er
meine Geliebte segne und sie zu mir zurückbringe, um nimmermehr zu gehen. Hier ist die Liebe.
Aber das war der Himmel - dies ist nur die Erde, doch die Erde schaut so gern zum Himmel, dass
ich zögern würde, wenn der wahre Himmel dich rufen wird, liebe Susanne – adieu! Sappho -

SIEBTER BRIEF

So süß und still, und du, oh Susanne, was brauche ich mehr, um meinen Himmel vollkommen zu
machen?

Süße Stunde, gesegnete Stunde, um mich zu dir zu tragen und dich zu mir zurückzuholen, lange
genug, um einen Kuss zu rauben und dich wieder zu wecken.

Ich habe an den ganzen Tag nachgedacht, Susanne, und ich habe Angst vor wenig anderem, und als
ich gegangen war, um ihn zu treffen, füllte ich meinen Geist so voll, ich konnte nicht finden einen
Ritz, um dem würdigen Pfarrer zu begegnen; als er sagte: „Unser himmlischer Vater“, sagte ich „Oh
geliebte Susanne"; als er Psalm 100 las, sprach ich immer wieder con deinem kostbaren Brief, und
Susanne, als sie sangen - es hätte dich zum Lachen gebracht, eine kleine Stimme zu hören, die zu
den Abgeschiedenen geführt wurde. Ich machte Worte und sang, wie ich dich liebe, und du warst
gegangen, während der ganze Rest des Chors Halleluja sang. Ich nehme an, niemand hat mich
gehört, weil ich so leise sang, aber es war eine Art von Trost für mich zu denken, ich könnte sie von
mir geben und singen von dir. Ich bin hier heute Nachmittag, obwohl, weil ich hier bin, ich schreibe
einen kleinen Brief an meine liebe Susanne, und ich bin sehr glücklich. Ich denke an zehn Wochen -
Liebe, und ich denke an die Liebe, und dich, und mein Herz wird voll und warm, und mein Atem
steht still. Die Sonne scheint überhaupt nicht, aber ich kann einen Sonnenschein fühlen, der sich in
meine Seele stiehlt und den ganzen Sommer macht, und jeder Dorn wird eine Rose. Und ich bete,
dass die Sonne des Sommers auf meine Abwesende leuchte und ihre Vögel zum Singen bringt!

Du warst glücklich, Susanne, und jetzt bist du traurig - und die ganze Welt scheint einsam zu sein;
aber es wird nicht so immer sein, einige Tage müssen dunkel und trostlos sein! Du wirst nicht mehr
weinen, Susanne, denn mein Vater wird dein Vater sein, und mein Haus wird dein Zuhause sein, und
wo du hingehst, dahin werde ich auch gehen, und wir werden nebeneinander auf dem Kirchhof
liegen.

Ich habe Eltern auf Erden, liebe Susanne, aber deine sind in den Himmeln, und ich habe einen
irdischen Kamin, aber du hast einen oben, und du hast einen Vater im Himmel, wo ich keinen habe -
und eine Schwester im Himmel, und ich weiß, dass sie dich lieb haben und jeden Tag an dich
denken.

Oh ich wünschte, ich hätte halb so viele liebe Freunde wie du im Himmel - ich konnte sie jetzt nicht
verschonen - aber um zu wissen, dass sie sicher hingekommen waren und niemals leiden mussten -
Liebe Susanne!

Ich weiß, dass ich sehr unartig bin, solche ärgerlichen Dinge zu schreiben, und ich wusste, dass es
hätte helfen können, wenn ich es hart genug gemacht hätte, aber ich dachte, mein Herz würde
brechen, und ich wusste von niemandem hier, der sich darum kümmert. Ich sagte zu mir: „Wir
werden Susanne davon erzählen.“ Du weißt nicht, was für ein Trost es war, und du weißt es nicht,
bis die große Schale der Bitterkeit reichlich gefüllt ist, und sie sagen: „Susanne, trink sie aus!“
Dann, Liebling, lass mich da sein und lass mich die Hälfte trinken, und du wirst alles fühlen!
Ich bin froh, dass du ausgeruht hast, Susanne. Ich wünschte, die Woche war mehr, eine hohe
Punktzahl von Tagen und Freuden für dich, noch einmal, hätte es länger gedauert, dann wärst du
nicht so bald gekommen, und ich wäre einsamer gewesen, es ist richtig, wie es ist! Zehn Wochen,
sie werden dir kurz scheinen - denn die Sorge wird sie füllen, aber Marcus und ich, wir verlangen
nach dir. Wir werden müde werden, warten, und unsere Augen werden von der Suche nach dir
schmerzen, und mit ab und an mal eine Träne. Und doch haben wir die Hoffnung bewahrt, und wir
werden sie bewahren, wir werden jubeln in der Zeit. Denke nur, Susanne, es ist Urlaub jetzt - es
wird kein Urlaub mehr sein, bis zehn Wochen vergangen sind, und nicht mehr Schnee fällt; und wie
wenig Zeit es jetzt sein wird, bevor du und ich auf dem breiten Stein sitzen und zusammen leben!
Ich kann jetzt nicht darüber reden, denn das lässt mich verlange und mich danach sehnen, so dass
ich heute Nacht nicht schlafen kann, weil ich daran denke und an dich.

Ja, wir haben Wein gegoren, und ich erinnerte mich, wer weit weg war - und wer letztes Jahr dort
war, und Liebe und Erinnerung brachten mit sich Bedauern und setzten dich mitten unter uns.

Liebe Susanne, lieber Josef; warum nimmst du das Beste und Liebste und lässt unsere Herzen
zurück? Während die Geliebten seufzen und das gezwirntes Eichenlaub, und die Anti-Verliebte aß
Zucker und Kekse, im Haus, da ging ich zu sehen, was ich finden konnte. Denke nur daran,
Susanne; ich hatte keinen Appetit, auch keinen heimlichen Liebhaber, also machte ich das Beste aus
meinem Schicksal und sammelte antike Steine, und deine kleinen Blumen des Mooses öffneten ihre
Lippen und sprachen mit mir, also war ich nicht allein, und adieu und adieu, Marcus, und ich hätte
uns auf einem grauen Felsen zusammen sitzen sehen können, und wir hätten vielleicht reden
können, es waren alle sehr nahe! Und wir haben Gedanken von dieser lieben Susanne, die mit uns
auf den Felsen gegangen und sitzt dort zwischen uns? Geliebte, du weißt es!

Ich habe etwas für dich gesammelt, weil du nicht da warst, eine Eichel und einige Moosblüten und
eine kleine Schale einer Schnecke, die dann durch den Schnee aufgehellt wurde, denkst du, es war
ein weiser Künstler, der hatte das von Alabaster geschnitzt - dann hab ich sie alle mit einem Blatt
und mit dem letzten Sommer-Gras gebunden, das ich an einem Bach gefunden, und ich behalte alles
für dich.

Ich sah Marcus heute in der Kirche, du konntest nicht mit ihm sprechen. Freitagabend sah ich ihn
und sprach mit ihm. Oh, ich liebe ihn - und wenn du kommst, wenn wir alle bis dahin leben, wird es
kostbar sein, Susanne. Du sprichst vom Leid, von dem, was du verloren und geliebt hast, sagen wir
eher von dem, was du geliebt und gewonnen hast, denn es ist viel, liebe Susanne; ich kann die
großen, wahren Herzen in Trauben zählen, voller Blüte und blühendem Amaranth, weil ewig!
Sappho -

ACHTER BRIEF

Kostbare Susanne - Kostbarer Marcus!

Alles, was ich in diesem Leben wünsche - alles, was ich bete oder hoffe, dass es in diesem langen
Leben komme!

Der liebe Marcus hat mich gerade verlassen, und ich stehe genau dort, wo wir lächelnd vor kurzem
zusammen gespielt haben. Unsere letzten Worte waren über dich, und wie wir es sagten, liebe
Susanne, da wurde der Sonnenschein so warm, und aufgesprungene gefangene Blätter, und die
Rotkehlchen antworteten Susanne, und die großen Hügel verließen ihre Arbeit und hallten Susanne
und von den lächelnden Feldern, Und von den duftenden Wiesen, es kamen Scharen von Feen
Susannes und fragten: „Ist es für mich“? Nein, Kleine, „was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört,
was in keines Menschen Herz gekommen": meine Susanne, die ich liebe.

Diese Tage des Himmels bringen dich näher und näher, und jeder Vogel, der singt, und jede Knospe,
die blüht, erinnert mich an diesen Garten, der unsichtbar ist und auf die Hand wartet, die ihn pflegt.
Liebe Susanne, wenn du kommst, wie viele grenzenlose Blüten unter diesen schweigenden Beeten!
Wie ich die Tage zähle - wie die Zeit, in der ich die Stunden zählen kann, ohne die Aufladung von
weiblicher Hysterie und femininem Wahnsinn! Ich habe Latein gelernt - Susanne, denn ich konnte
nicht denken auf deutsch.

Ich möchte dir Freude bereiten, ich habe eine Idee, eines dieser lieben kleinen Rotkehlchen
auszusetzen und es singen und singen zu lassen. Ich weiß, ich würde es tun, Susanne, ich glaube, es
würde leben, um dort zu dir zu kommen und seine kleinen Lieder zu singen.

Ich werde alles singen lassen, bis das liebe Kind nach Hause kommt - und ich schlafe, bis alles
blüht.

Ich muß jetzt in den Garten hinausgehen und einen Kronen-Imperial peitschen, um zu glauben, daß
er den Kopf hochhebe, bis du nach Hause gekommen bist, also nehme ich Abschied, Susanne - ich
werde bei Sonnenuntergang und bei Sonnenaufgang denken; und mittags und vormittags und
nachmittags und immer und immer wieder, bis dieses kleine Herz aufhört zu schlagen und ist immer
noch da. Sappho

NEUNTER BRIEF

Du bist heute Putzfrau, Susanne, und ich habe einen fliegenden Rückzug in meine eigene kleine
Kammer gemacht, wo mit Zuneigung und dir ich diese kostbare Stunde verbringe, die kostbarsten
aller Stunden, die meine fliegenden Tage punktieren, und das ist mir so lieb, dass ich dagegen alles
tausche, und sobald es weg ist, seufze ich wieder danach.

Ich kann nicht glauben, liebe Susanne, dass ich fast ein ganzes Jahr lang ohne dich geblieben bin.
Manchmal scheint die Zeit kurz zu sein, und der Gedanke an dich so warm, als ob du gegangen
wärst, gestern, und wenn die Jahreszeiten und Jahre ihren stillen Weg genommen haben, wird die
Zeit weniger lang erscheinen.

Und nun, wie bald ich dich haben werde, soll ich dich in meinen Armen halten; du wirst den Tränen
verzeihen, Susanne, sie sind so froh, dass es nicht in meines Herzens Sinn ist, sie zu verurteilen und
sie nach Hause zu schicken. Ich weiß nicht, warum es so ist - aber da ist etwas in deinem Namen,
jetzt bist du von mir weggenommen, das mein Herz so voll ist und meine Augen gefüllt. Es ist nicht
so, dass die Erwähnung deiner mich trauern lässt, nein, Susanne, aber ich denke an jede
Sonnenseite, wo wir zusammen gesessen haben, und dann nicht mehr, ich glaube, das macht die
Tränen aus. Marcus war am letzten Abend hier, und wir saßen vor der Haustür und sprachen über
das Leben und die Liebe und flüsterten unsere kindlichen Phantasien über solche glückseligen
Dinge uns zu - der Abend war so bald gegangen, und ich ging mit Marcus unter dem stillen Mond
nach Hause und wünschte dich und den Himmel herbei. Du bist nicht gekommen, Liebling, aber ein
bisschen vom Himmel kam, oder so schien es uns, als wir nebeneinander gingen und über uns diese
große Seligkeit wussten, die vielleicht irgendjemand ist, der wird jetzt einigen gegeben. Diese
Vereinigung, meine liebe Susanne, durch die zwei Leben eins sind, diese süße und seltsame
Adoption, in der wir nur schauen können und noch uns noch nicht gegeben werden, wie es das Herz
erfüllen kann, und lassen es doch wild schlagen, wie es uns dazu bringt eines Tages und macht uns
ganz, wie es sein soll, und wir werden nicht davonlaufen, sondern zusammenliegen und glücklich
sein!

Er und ich haben seltsam geschwiegen über dieses Thema, Susanne, wir haben es oft berührt und
sind so schnell geflohen, wie Kinder ihre Augen schließen, wenn die Sonne zu grell für sie ist. Ich
habe immer gehofft zu wissen, ob du kein Lust hast, dein ganzes Leben erleuchten zu lassen, ob du
niemand hast, dem du in das treue Ohr der Nacht murmeltest - und an dessen Seite voller Lust du
bist am lebendigen Tag gegangen; und wenn du nach Hause kommst, Susanne, dann müssen wir
von diesen Dingen sprechen.

Wie töricht unser Leben als Braut scheinen müsste und das geplünderte Mädchen, dessen Tage mit
Gold gefüttert sind und das jeden Abend Perlen sammelt; aber zu der Frau, Susanne, manchmal
muss man die Frau vergessen, unser Leben vielleicht scheint uns lieber als allen anderen in der
Welt; du hast Blumen am Morgen gesehen, mit dem Tau zufrieden, und die gleichen süßen Blumen
am Mittag mit ihren Köpfen verbeugen sich voll Furcht vor der mächtigen Sonne; denkst du, diese
durstigen Blüten brauchen jetzt nichts als Tau? Nein, sie werden nach Sonnenlicht schreien, und
Schatten von Kiefern für den brennenden Mittag; sie haben sich mit Frieden durchgesetzt - sie
wissen, dass der Mann von Mittag kommt, mächtiger als der Morgen, und ihr Leben gehört von nun
an ihm. Oh, Susanne, es ist gefährlich, und es ist alles allzu lieb, diese einfachen vertrauensvollen
Geister und die mächtigen Geister, denen wir nicht widerstehen können! Es zerreißt mich, Susanne,
der Gedanke daran, wenn er kommt, dass ich zittere, damit ich mich auch irgendwann hingeben
werde.

Susanne, du wirst mir meine amoralischen Worte verzeihen - es war eine sehr lange Betrachtung,
und wenn diese Seite hier nicht mich binden und fesseln würde, hätte ich vielleicht kein Ende
gefunden.

Ich habe den Brief, Susanne, liebe Knospe - und alles - und die Tränen kamen wieder, dass in dieser
großen Welt ich nicht ganz allein bin. Solche Tränen sind wie Duschen Freundin, durch die das
Lächeln kommt, die Engel nennen es Regenbogen und imitieren ihn im Himmel.

Und jetzt, vier Wochen später - du bist mein, ganz meine, außer ich verleihe dich ein wenig
gelegentlich an Marcus, wenn er mir verspricht, dich nicht zu verlieren und dich bald
zurückzubringen. Ich werde die Tage nicht zählen. Ich werde meinen Kelch nicht mit diesem
unerwarteten Glück füllen, denn vielleicht, wenn ich es tue, werden die Engel, die durstig sind, ihn
trinken - ich werde nur hoffen, meine Susanne, und das zitternd, für sind nicht die vollsten Barken
am Ufer gestrandet?

Gott ist gut, Susanne, ich vertraue darauf, dass er dich retten wird, ich bete, dass wir in seiner guten
Zeit wieder einmal einander treffen, aber wenn dieses Leben nicht ein anderes Treffen für uns bereit
hält, dann erinnere dich auch, Susanne, dass es keinen Abschied gibt, wo immer diese Stunde uns
findet, auf die wir so lange gehofft haben, wir werden nicht getrennt werden, weder der Tod noch
das Grab können uns trennen, damit wir nur lieben! Deine Sappho -

BUCH DER SPRÜCHE SUSANNAS

Aus dem Hebräischen übersetzt

Susanna war eine weise Frau und lehrte ihre Töchter diese Sprüche:
KAPITEL 1

1 Was Frauen noch lernen müssen, ist, dass niemand ihnen Macht gibt. Sie müssen sie sich nehmen.

2 Der ideale Ehemann ist ein unbestätigtes Gerücht.

3 Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.

4 Alle Frauen warten auf den Mann ihres Lebens, aber in der Zwischenzeit heiraten sie.

5 Wenn ein Mann Karriere macht, fragt kein Mensch: Und was machen Sie mit den Kindern?

6 Die selbstsichere Frau verwischt nicht den Unterschied zwischen Mann und Frau – sie betont ihn.

7 Bei den Männern zählt die Reife, bei den Frauen die Jugend. Das ist das Unglück.

8 Zuwendungsentzug und sexueller Missbrauch sind möglicherweise die beiden wichtigsten


Faktoren, die Mädchen schon in sehr frühen Alter für ihre Bereitschaft, sich zu unterwerfen,
präparieren.

9 Wenn Frauen von Männer akzeptiert werden, dann entweder als Intellekt oder als Möse, entweder
als Herz oder als Möse, entweder als Mutter oder als Möse. Frauen werden selten als emotionale
und intellektuelle und sexuelle Geschöpfe akzeptiert. Es nimmt daher kaum Wunder, dass Frauen
Mühe haben, alle drei Fähigkeiten gleich zu entwickeln.

10 Nichts scheinen Götter und Männer mehr zu fürchten als den Verlust der Kontrolle über Frauen.

11 Wenn eine Frau zur Realität durchdringt, lernt sie ihren Zorn kennen, und das heißt, sie ist bereit
zu handeln.

12 Wenn ein Mann seine Meinung kundtut, ist er ein Mann. Wenn eine Frau ihre Meinung kundtut,
ist sie eine Schlampe.

13 Wenn ein Mann etwas Blödes tut, sagen die Leute: Ist der nicht blöde? Wenn eine Frau etwas
Blödes tut, sagen die Leute: Sind Frauen nicht blöde?

14 Wenn Männer Babys kriegen müssten, hätte jeder höchstens eines.

15 Alles was ich schreibe, steht im Dienst der Frauen.

16 Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine weibliche
Zukunft. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und
Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.

17 Frauen haben sich die ganze lange Geschichte des Patriarchats an Gewalt gewöhnt, ja vielleicht
gewöhnen müssen. Dennoch: Was heute immer noch viele Frauen bei ihren Söhnen entschuldigen,
ihren Partnern oder Männern verzeihen und ihren Töchtern als Opferverhalten anerziehen, wirkt
gegen die Unabhängigkeit und Würde von Frauen.
18 Solange mehrheitlich Männer darüber entscheiden können, was für Frauen, Kinder und sie selbst
gut ist, wird es die erforderlichen substanziellen Quantensprünge nicht geben.

19 Werden uns die Bilder von streikenden Bergarbeitern in Deutschland und von streikenden
Autoarbeitern in Belgien auch weiter den Blick vernebeln auf die nicht demonstrierenden Frauen,
die kurzarbeiten, die ohne Versicherung und Schutz taglöhnern, die sich flexibel abrackern?

20 Die Jubelmeldungen über das Ende des Patriarchats durch den Vormarsch der Frauen in vielen
gesellschaftlichen Bereichen sind als das zu verstehen, was sie sind: Propaganda der Patriarchen
und Postfeministinnen.

21 Machtverhältnisse sind weder geschichtslos noch geschlechtsneutral.

22 Vom Recht über die Wissenschaft bis zur Religion werden Regeln und Erklärungen gefunden,
wurden und werden Mythen kreiert, um männliche Vormachtstellungen und weibliche
Benachteiligungen als Norm zu definieren.

23 Der Friede ist zu wichtig, um ihn den Männern allein zu überlassen.

24 Ich weiß aus meiner ganzen Lebenserfahrung heraus, wenn wir fordern, was uns zusteht, werden
wir Disziplinierungsversuchen ausgesetzt sein, aber mit geradem Rücken ist diesen leichter zu
begegnen als mit hängenden Schultern. Das ist meine Empfehlung, wie der Statik in den Gebäuden
der Macht beizukommen ist.

25 Für Frauen ist der vorgeblich sichere Hort der Familie ein sehr gefährlicher Platz: das Ausmaß
an tätlicher Gewalt im privaten Zusammenleben ist ein unvorstellbar großes.

26 Frauen kauften umso seltener Kleidung, je selbstbewusster und emanzipierter sie wurden. Je
mehr ihnen ihre Arbeit Spaß machte, desto weniger dachten sie über ihre Kleidung nach.

27 Wenn das Recht einer jungen Frau auf Unversehrtheit wirklich ernst genommen würde, gäbe es
Selbstverteidigung für Frauen als Schulfach. Stattdessen lernen wir nach wie vor Anpassung.

28 Wenn genügend Frauen ihre äußeren und inneren Korsetts lockern, ihre Schlankheitspillen in die
Toilettenspülung schütten und ihre hochhackigen Schuhe von den Füßen schleudern, dann ist die
Welt nicht mehr ganz das, was sie vorher war.

29 Aber da immer mehr Frauen sich dennoch Zugang zu Bildung und langsam zu
Bürgerinnenrechten erkämpften, dämmerte es den Männern mit Grauen, dass die Frauen ihnen eines
Tages wirklich gleichberechtigt sein könnten. Und das hat in Männeraugen nicht nur mit dem Teilen
von Privilegien zu tun, es bedeutet vielmehr eine schändliche Niederlage.

30 Eine Frau, die sich ständig sorgt, welchen Eindruck ihr Verhalten und ihre Kleidung auf eine
kritische Öffentlichkeit machen, ist eine Frau in Fesseln. Sie könnte genauso gut zu Hause bleiben.

31 Ich frage mich manchmal, ob Männer und Frauen wirklich zueinander passen. Vielleicht sollten
sie einfach nebeneinander wohnen und sich nur ab und zu besuchen.

32 Wenn Frauen unergründlich erscheinen, dann liegt es am fehlenden Tiefgang der Männer.
33 Zu einem 500-Meter-Lauf treten ein Mann und eine Frau an. Der Mann mit zwanzig Metern
Vorsprung und im sportlichen Outfit. Die Frau mit Rucksack, aus dem zwei Kinder gucken, vor ihr
mehrere Hürden. Da ist die Frage, wer schneller ist, müßig.

34 Allzu viele Männer scheinen auf naive und egoistische Weise immer noch zu glauben, dass das,
was sie gerne fühlen und mögen, automatisch auch das sein muss, was Frauen mögen.

35 Um das weibliche Stereotyp aufrecht zu erhalten, charakterisieren Männer offene, definitive und
augenfällige Widerstandsformen als Wahnsinn, wenn Frauen sie anwenden.

36 Wenn ein Mann eine Aufgabe ebenso gut erledigt wie eine Frau, dann sollte er auch ebenso viel
bezahlt bekommen.

37 Wenn depressive Patientinnen in die psychiatrische Krisenambulanz oder in die geschlossene


Abteilung kommen, klagen sie zuerst darüber, dass sie ihren Haushalt nicht mehr schaffen und die
Familie nicht mehr versorgen können. Ich habe noch nie von einem Mann gehört, der sich für krank
hält, weil er den Haushalt nicht schafft.

38 Frauen werden nicht frei sein, solange ihre Unterwerfung als sexy gilt.

39 Das Recht des Blickes, des Einblickes, ist ein Recht des Mannes. Die Frau hat nur das Recht des
Sichzeigens, in Peepshows oder beim Film.

40 Es ist eine Schwäche der Männer, Frauen gegenüber stark erscheinen zu wollen.

41 Brüllt ein Mann, ist er dynamisch. Brüllt eine Frau, ist sie hysterisch.

42 Sehen sie sich um. Die meisten Ehemänner sind der beste Beweis dafür, dass Frauen Humor
haben.

43 Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat.

44 Geschichte ist ein Prozess, eine Rekonstruktion der Vergangenheit aus heutiger Sicht. Der
feministische Blick ist dabei wesentlich, denn ohne eigene Geschichte ist uns Frauen die
Möglichkeit einer kollektiven Identität und eines historischen Selbstbewusstseins abgeschnitten.
Denn jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat.

45 Wüsstest du auch nur um die Hälfte der außergewöhnlichen unbesonnenen Dinge, die ich tue, du
würdest gewiss dem Gedanken zuneigen, dass irgendein Zauber auf mir liegt.

46 Wir sind die Heldinnen unsrer eigenen Geschichte.

47 Zu wissen, dass die Zeitgenossinnen meiner Großmutter nicht nur brave Ehefrauen, Mütter,
Hausfrauen und Köchinnen waren, sondern vielmehr eine Generation potenzieller
Freiheitskämpferinnen, gibt ihrem Dasein eine neue Dimension und meinem Leben neue Kraft.

48 Ich brauche keinen Mann, um meine Existenz aufzuwerten. Die intensivste Beziehung, die wir je
haben können, ist die mit uns selbst.

49 Männer sind wie ein Teppich: wenn man etwas von ihnen aufrollt, sehen sie plötzlich betreten
aus.
50 Wenn eine Frau, die einen Minirock trägt, etwas Ernsthaftes sagen will, so glaubt man ihr nicht.
Ihre bloßen Schenkel sprechen eine stärkere Sprache als ihr beredter Mund.

51 Nach wie vor werden die Frauen als eine Gefahr gesehen, die es einzudämmen gilt, als Wesen
mit subversiver Kraft, die man in der Defensive halten und ausschließen muss.

52 Alles soll moralisch beurteilt werden, auch wenn es nur um die Geschäfte, das Einkommen und
die Steuern geht. Aber im Zentrum dieser Diskussionen steht das Verhalten der Frauen und letztlich
die weibliche Sexualität. Die Frage, ob Frauen ihre Haare frisieren oder verhüllen, wird in den
staatlich kontrollierten Fernsehprogrammen diskutiert, als ginge es um das Überleben der Nation.

53 Ein starker Mann muss eine Frau nicht beherrschen.

54 Männer laufen vor gescheiten Frauen davon.

55 Für den Mann ist jede Frau ein Rätsel, dessen Lösung er bei der nächsten sucht.

56 Wir wollen lieber fliegen als kriechen.

57 Wir sind nicht hier, weil wir Gesetze gebrochen haben. Wir sind hier, um Gesetze zu entwerfen.

58 Frauenhandel existiert, weil Tausende und Abertausende von Männern wollen, dass er existiert
und bereit sind, für seinen Fortbestand zu bezahlen.

59 Männer werden immer richtig eingeordnet, Frauen fast nie, denn in unserer Sprache gilt die
Regel: 99 Sängerinnen und 1 Sänger sind zusammen 100 Sänger. Futsch sind die 99 Frauen, nicht
mehr auffindbar, verschwunden in der Männerschublade. Die Metapher wirkt, dass in unsere
Köpfen nur Manns-Bilder auftauchen, wenn von Arbeitern, Dichtern, Studenten, Rentnern oder
Ärzten die Rede ist, auch wenn jene Rentner in Wirklichkeit überwiegend Ärztinnen oder
Rentnerinnen waren.

60 Es gibt Frauen, die sind/waren schon immer für Frauen. Frauen müssen lernen, solche Frauen zu
erkennen. Frauen müssen auch lernen zu erkennen, wer ihre Freundinnen sind.

61 Wenn man ein Mädchen erzieht, bringt man einen Kreislauf von Erfolg in Schwung. Es hat
wirtschaftlichen Sinn. Es hat sozialen Sinn. Es hat moralischen Sinn. Doch der Sinn dahinter
scheint vielen noch nicht klar zu sein.

62 Nur keine Zügel – die ertrag ich nicht!

63 Ich hoffe, dass Eltern von Mädchen die Kleinen anschauen und sagen werden: Ja, Frauen können
das.

64 Wenn ein Mann seine Weiblichkeit nicht entwickeln darf, weil Eltern oder die Gesellschaft es
nicht zulassen, dann wird er schrecklich. Dann muss er durch Power und Macht kompensieren,
dann wird er zum Vierkantschlüssel.

65 Manch eine wird, das sage ich, in künftigen Zeiten an uns denken.

66 Es ist der neueste Gag in Herrenmagazinen, Sportlerinnen auszuziehen, der moderne Mann
begnügt sich nicht mit der Erniedrigung der schwachen Frau. Er will die starke in die Knie zwingen
– und die macht dabei auch noch mit, manchmal, denn sie ist verunsichert vom Gerede über die
Mannweiber im Sport und will, bei aller Sportlichkeit, doch auch so gern eine richtige Frau sein,
was immer das sein mag.

67 Aber Männer interessieren sich nicht wirklich für lebendige Frauen, sondern eher für ihr Bild
von Frauen, für ihre Projektionen und Fantasmen.

68 Der ideale Mann ist wie das legendäre Einhorn: alle reden davon, aber niemand hat ihn gesehen.

69 Das Glaubensbekenntnis des Mannes lautet doch seit hunderten Jahren Ich, Ich, Ich. Vom großen
Feldherrn bis zum kleinen Biertischstrategen dreht sich doch der ganze Kosmos nur um sie selbst.

70 Frauen, gebt nicht das Wichtigste auf, nämlich die Aufklärung, den Geist der Nachfrage, der
Kritik.

71 Mir ist klar geworden, dass der Kampf um Frauenrechte zu oft mit Männerhass gleichgesetzt
wird. Wenn ich eines sicher weiß, dann, dass das aufhören muss.

72 Der weibliche Protest gegen männliche Definitionsmacht wird belächelt. Weibliche


Forschungsansätze werden als unwissenschaftlich deklariert.

73 Der moderne Mann, besonders der mit einer Tendenz zur Impotenz, braucht Fügsamkeit im Bett
und Bewunderung und Triumphgefühle - keine Aufregung und neue Stellungen.

74 Ist das eine Pistole in Ihrer Tasche oder freuen Sie sich, mich zu sehen?

75 Die Frauen beginnen zu verstehen, dass sie selbst die Verantwortung übernehmen müssen für
ihre Befriedigung.

76 Der Schönheitsmythos der Gegenwart ist heimtückischer als alle früheren Formen des
Weiblichkeitswahns.

77 Ich wünsche mir nicht, dass Frauen Macht über Männer haben; sondern über sich selbst.

78 Wenn Männer keine schlechten Beispiele mehr sein können, fangen sie an, gute Ratschläge zu
geben.

79 Ich liebe den Mann als meinen Gefährten. Aber seine Herrschaft, rechtmäßig oder angemaßt,
erkenne ich nicht an.

80 Jede Frau gehört sich selbst.

ZWEITES KAPITEL

1 Wenn eine Frau zur Realität durchdringt, lernt sie ihren Zorn kennen, und das heißt, sie ist bereit
zu handeln.

2 Männliche Dummheit bereitet mir größtes Vergnügen, Gott sei Dank ist das eine schier
unerschöpfliche Quelle der Unterhaltung.
3 Es ist geradezu schauderhaft, dass in einer Welt von Frauen der Mann, überdies mit
unebenbürtigen Merkmalen versehen, den Ton bestimmt.

4 Mehr Stolz, ihr Frauen! Wie ist es nur möglich, dass ihr euch nicht aufbäumt gegen die
Verachtung, die euch noch immer trifft. Auch heute noch? Ja, auch heute noch.

5 Es ist sehr wichtig, in Bewegung zu sein, ein Ziel zu haben, das zu tun, was wirklich von
Bedeutung ist. Wenn du das Gefühl hast, dass etwas getan werden muss, dann musst du es tun.

6 Frauenrecht ist nicht nur ein abstrakter Begriff; es ist vor allem eine persönliche Sache. Es geht
dabei nicht nur um uns; sondern ebenso um mich und um dich.

7 Ich kenne nicht einmal ihre Namen. Die Tode meiner Schwestern sind nicht nennenswert, nicht
bedrohlich genug, um die Abendnachrichten zu heben, nicht wichtig genug, um in San Francisco zu
Stein zu werden.

8 Erst in einer tiefen Freundschaft mit einer Frau ist wahre Nähe, Vertrauen und Geborgenheit
möglich. Aus dem Gleichklang von Fühlen und Denken, von Interessen und Wünschen ergibt sich
die totale Erfüllung in der Liebe.

9 Patriarchat ist die Heimat der Männer; es ist Vaterland; und die Männer sind seine
Handlungsbevollmächtigten.

10 Alle bedeutenden Weltreligionen sind patriarchalisch. Sie wurden gegründet, um die


Vorherrschaft der Männer zu verbreiten und zu festigen - deswegen sind auch alle Götter männlich.

11 Insbesondere Geld, gesellschaftliche Akzeptanz, Ungebundenheit und Macht sind auch heute
noch so ungleich verteilt, dass wir schlechterdings nicht behaupten können, Frauen rivalisierten
unter gleichen Bedingungen.

12 Ein kluges Weib in ihrem dunklen Drang ist sich des rechten Weges wohl bewusst!

13 Freundinnenschaft hat nichts mit dem Niederreissen der Grenzen des Selbst zu tun, sondern
damit, die einengenden Mauern, in die die Selbst eingesperrt wurde in Staub zu verwandeln.
Obendrein ist Freundinnenschaft nicht damit beschäftigt Grenzen auszudehnen und sie intakt zu
halten, sondern damit Energie, Kraft, Vision, psychische und physische Räume auszudehnen.
Freundinnenschaften brennen die Mauern und Grenzen der von Männern formulierten Kategorien
und Definitionen nieder.

14 Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn.

15 Ich kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten, aber vergiss nicht: Wenn es etwas gibt,
was die Welt hasst, so ist es eine Frau, die sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmert.

16 Wer denkt an die Frauen? Niemand! So müssen sie denn selbst an sich denken – das allein führt
zum besten Resultat.

17 Von Paris bis Peru, von Japan bis Rom ist das dümmste Tier meiner Meinung nach der Mann.

18 Die Werbung, die Medien, der Film, alle bieten sie den Körper der Frau als Ware an, die der
Mann kaufen oder mit Gewalt nehmen kann. Mehr noch: Die ganze Welt des Konsums verführt via
Sexualgewalt und Ware Frau. Man kauft nicht nur das Auto, man kauft den Frauenkörper dazu.
19 Die Tyrannei der Männer ist Ursache fast aller Geisteskrankheiten der Frauen.

20 Wozu sind die Männer gut? Wir Frauen wissen nicht so genau, warum die Männer da sind.
Ehrlich gesagt, haben wir uns dies Frage wohl auch kaum je gestellt. Sie sind halt da, und da ist
schlimm genug. Wir fragen uns wohl, wie wir ihnen am besten entkommen und sie überleben
können, aber nicht, wozu sie eigentlich gut sind.

21 Ich habe die Schnauze voll von frauenfeindlichen Kunstkritikern, die ausflippen, wenn eine Frau
wagt, sich in einen weiblichen Gesamtzusammenhang zu stellen.

22 Mädcheneigene Räume sind Schutz vor Gewalt und Funktionalisierung und zugleich Freiraum
zur Entwicklung neuer Persönlichkeitsstrukturen. Mädcheneigene Räume, die anzielen, am
Geschlechterverhältnis grundlegend etwas zu verändern, können nicht als Nischen im patriarchalen,
jungen- und männerbestimmten Rahmen und Alltag bestehender Freizeitheime und ähnlicher
Organisationen und Strukturen fungieren, sondern sind nur wirksam als Modelle ganzheitlichen,
vom patriarchalen Zugriff soweit wie möglich geschützten Mädchenalltag, als separate,
eigenständige Orte, über die ausschließlich die Mädchen und ihr zuständiges Fachpersonal
verfügen, als gesellschaftliche Signale positiver Wertschätzung von Mädchen, Frauen und
Weiblichkeit.

23 Männer werden generell überschätzt.

24 Gott ist eine große Mutter.

EPISTELN

In den kirchlichen Nachrichten der Sankt-Marien-Gemeinde zu Oldenburg las ich eben diese
Mitteilung:

"WUNDER! PROTESTANT BAUT IM HERZOGTUM RASTEDE EINE


LIEBFRAUENKIRCHE!
Die Liebfrauenkirche zu Rastede ist der heiligen Susanna geweiht. Unter dem Altar in Muschelform
liegt als Reliquie der unverweste Leib der heiligen Susanna. An den Deckengemälden sieht man die
Geschichte der Susanna aus dem Buch Daniel, die Geschichte der Susanna aus dem Evangelium
(mit Johanna und Magdalena) und das Martyrium der heiligen Susanna aus dem dritten Jahrhundert.
In einer Seitennische befindet sich der Altar der Madonna. Die Frau des Stifters stand Modell für
diese Madonna. Sie wird verehrt als Unsere Liebe Frau vom Kakao. Vor der Madonna befinden sich
immer frische weiße Lilien und blaue Lotosblumen. Angeschlossen ist ein Gemeindesaal für das
regelmäßige Agape-Mahl. Für Speise sorgt ein französischer Gourmet-Koch, unter dem Speisesaal
befindet sich der Weinkeller mit alten spanischen Rotweinen. Die Kirche ist in einem feierlichen
ökumenischen Gottesdienst vom apostolischen Nuntius in Deutschland und einem Laienprediger
der Pfingstgemeinde eingeweiht worden. Wir wünschen der Gemeinde der Liebfrauenkirche Sankt
Susanna unsere brüderlichen Segenswünsche!"

2
Genesis 1

1 Am Anfang schuf Gott Susanna.


2 Aus ihren Augen machte er das Licht.
3 Aus ihrer Nase machte er den Wind.
4 Aus ihrem Mund machte er die Rosen und Kirschen.
5 Aus ihrem Antlitz machte er die Sonne, die Welt zu erleuchten.
6 Aus ihren Brüsten machte er die Berge.
7. Aus ihrer Seele machte er den Sabbath.
8. Da waren vollendet Himmel und Erde, Gott freute sich und sah, dass das Leben sehr schön war.
9 Da ließ Gott Susanna in einen tiefen Schlaf fallen, der dauerte sieben Äone.
10 Während des Schlafes nahm Gott von Susanna Fleisch und formte daraus Markus, den ersten
Menschen der Erde.
11 Und als Susanna erwachte, stand Markus vor ihr, und sie sagte: Du bist der Mann meines
Lebens!
12 Und Gott sagte: Seid fruchtbar und vermehrt euch! Und Gott segnete die Ehe von Susanna und
Markus.

Dein Mose