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Abigail Slate

Dr. Samuel Frederick

German 310

26. Oktober 2017

Die Geschichte und die Einwirkung von Trümmerliteratur

Trümmerliteratur war die erste literarische Epoche, die dem Ende des zweiten Weltkriegs

in Deutschland gefolgt hat. Im Großen und Ganzen war die Literatur dieser Epoche eine

Reaktion auf der eigentlichen und moralischen Zerstörung Deutschlands, die während und wegen

des Krieges sich ereignet hat. Das Ziel der Trümmerliteratur war nicht nur die Realität der

Nachkriegszeit in Deutschland ganz klar zu zeigen, sondern auch mit dieser neuen Realität

zurechtzukommen und sie zu verstehen. Manchmal wird diese Epoche auch als

„Heimkehrerliteratur,“ „Literatur der Stunde null,“ oder „Kahlschlagliteratur“ genannt. Ein

allgemeiner Name, der diesen verschiedenen Namen umfasst, ist „Nachkriegsliteratur.“ Dieser

Name und natürlich auch „Trümmerliteratur“ werden aber am häufigsten benutzt.

Während des zweiten Weltkriegs hat die Regierung des dritten Reiches fast alle kreative

Literatur zensiert. Aus diesem Grund sind viele Schriftsteller und Dichter von Deutschland

geflüchtet, um weiter über den Krieg und andere Themen schreiben zu können, ohne dass sie

bestraft wurden. Fast alle die Literatur, die in Deutschland während des Krieges veröffentlicht

wurde, und die eigentlich erlaubt war, war irgendeine Form von NS-Propaganda. All diese

Propaganda war schön geschrieben und ausweichend, um Hitler und die nationalsozialistische

Partei so gut und moralisch wie möglich darzustellen. Nach dem Krieg wollten die Vertreter der

Trümmerliteratur die übertriebene Prosa der NS-Partei und alles Ähnliches total loswerden, und

sie wollten gar nichts von dieser neuen Realität der Nachkriegszeit vermeiden oder auslassen.
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Deshalb waren Kargheit, Klarheit, und Sachlichkeit einige der Haupteigenschaften der

Trümmerliteratur. Sie war gar nicht poetisch; selbst die Lyrik, die in dieser Epoche geschrieben

wurde, hatte normalerweise kein klares Reimschema. Die Weltanschauung in diesen Werken

wurde ganz realistisch und genau dargestellt. Insgesamt war der Stil der Trümmerliteratur ganz

im Gegensatz zu dem Stil der Literatur, die vor und während des Krieges von der NS-Partei

veröffentlicht wurde.

Das Wort „Trümmer“ selbst hatte in dieser Epoche zwei Bedeutungen—eine

buchstäbliche Bedeutung und eine ideologische Bedeutung. Viele Werke dieser Epoche

behandeln deutsche Soldaten und Kriegsgefangene, die nach dem Ende des Krieges nach

Deutschland zurückgekehrt sind, nur zu finden, dass viel von ihrem Heimatland einfach

Trümmer geworden war. Obwohl diese Soldaten und Kriegsgefangenen den Krieg irgendwie

überlebt haben, sind viele von ihren Familienangehörigen, Freunden, und Mitbrüdern der Armee

gestorben. Nicht nur sind sie nach dem Krieg zu einer zerstörten Heimat zurückgekehrt, sondern

auch sie sind ganz allein auf der Welt geworden. Das ist die buchstäbliche Bedeutung des

Wortes „Trümmer.“ Die ideologische Bedeutung hat mit dem moralischen Verbrechen und auch

mit den Auswirkungen des Nationalismus nach dem Krieg in Deutschland zu tun. Die

Verantwortung für die neue Realität des Landes zu übernehmen, sich das neue Leben

zusammenzureimen, und der Anfang von dem Wiederaufbau in Deutschland, waren aufgrund

dieses Kontexts Hauptthemen der Trümmerliteratur.

Lyrik und Epik wurden am Anfang der Nachkriegszeit am häufigsten geschrieben und

veröffentlicht. Vor allem waren Kurzgeschichten und Gedichte ohne strengen Reimschemen

oder Formen sehr populär. Weil Kurzgeschichten genau wie sie heißen—kurz—sind, passten sie

mit dieser Idee von Sachlichkeit sehr gut zusammen. In einer Kurzgeschichte muss man wenige
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Wörter verwenden, um die Ideen der Geschichte so effizient wie möglich verständlich zu

machen. Die Sachlichkeit und Klarheit der Epoche haben die Notwendigkeit der Kurzgeschichte

gefördert, und gleichzeitig hat die Kurzgeschichte die Notwendigkeit für Sachlichkeit und

Klarheit verstärkt. Auch populär waren Gedichte mit freien Versen und ohne strenge

Reimschemen. Diese Bewegung war im Widerspruch zur Literatur der Kriegszeit, die viel

strenger und typisch dichterisch war.

Dramatik war auch ein Teil dieser Epoche, aber die Dramen, die in der Nachkriegszeit

geschrieben wurden, haben keine solche Beliebtheit oder Anerkennung bekommen, wie die Epik

und Lyrik der Epoche bekommen haben. Es gibt ein paar verschiedenen Hauptgründe dafür.

Der erste Grund ist die Zensur, die die Regierung während der Hitlerzeit verhängt hat. Obwohl

deutsche Dramatiker dieser Zeit keine Stücke schreiben oder veröffentlichen konnten, haben

Dramatiker noch irgendwo in der Welt, vor allem in England und in den Vereinigten Staaten,

natürlich noch weitere Stücke geschrieben. Das heißt, dass es nach dem Ende des Krieges einen

Arbeitsrückstand von Theaterstücken, die ausländische Dramatiker geschrieben haben, gab.

Diese Stücke hatten Vorrang vor irgendwelchen Stücken, die deutsche Dramatiker vielleicht

geschrieben haben oder schreiben würden. Der andere Hauptgrund war, dass die Themen, die

die Dramen dieser Epoche behandelt haben, einfach sehr grausam und tragisch waren. Wenige

Dramen zu dieser Zeit wurden veröffentlicht, da viele Leute dachten, dass niemand solche

traurigen Themen auf der Bühne würde sehen wollen.

Ein wichtiges Beispiel von Epik in der Trümmerliteratur ist die Kurzgeschichte namens

Wanderer, kommst du nach Spa… von Heinrich Böll. Diese Geschichte geht um einen schlimm

verwundeten Soldat, der auf einer Krankentrage liegt und durch eine scheinbar bekannte Stadt

getragen wird. Nachdem er seine eigene Handschrift an einer Tafel erkennt, begreift er, dass er
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in seinem alten Gymnasium gepflegt wird. Gerade danach begreift er, dass er beide Arme und

ein Bein verloren hat. Am Ende der Geschichte ist es unklar, ob er lebt oder nicht. Ein Beispiel

von Lyrik, die ziemlich kritisch von dem Krieg und seinen Auswirkungen ist, ist ein kurzes

Gedicht von Gottfried Benn. Die letzte Strophe des Gedichts sagt, „es gibt nur zwei Dinge: die

Leere / und das gezeichnete Ich.“ Dieses Zitat erläutert die Traurigkeit und die Schuld, die man

nach dem Krieg empfinden hat. Einer von den bekanntesten Theaterstücken von der Epoche ist

Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert. Der Untertitel des Stückes ist „Ein Stück, das

kein Theater spielen und kein Publikum sehen will.“ Es behandelt einen Soldat namens

Beckmann, der nach dem Krieg von Russland nach Hause gekehrt ist, und entdeckt, dass seine

Frau und sein Heim verloren sind. Fast überall, wo er nach Hilfe sucht, wird er verneint. Am

Ende scheint es, als ob er sich beim Ertrinken umgebracht hat.

Das wichtigste und einflussreichste Netzwerk von Nachkriegsschriftstellern hieß Gruppe

47. Der Zweck dieser Gruppe war, die Schriftsteller dieser Epoche zusammenzubringen, um die

Rolle und die neue Richtung der Literatur in der Nachkriegszeit zu besprechen. Um das zu

machen, haben sie sich einmal jährlich für drei Tage getroffen. Ihre erste Tagung hat im Jahr

1947 stattgefunden. Deshalb wurde die Gruppe nach dem Jahr 1947 benannt. Einige der

bekanntesten Mitglieder der Gruppe waren Heinrich Böll, Günter Grass, Ingeborg Bachmann,

Ilse Aichinger, Paul Celan, Günter Eich, Wolfgang Hildesheimer, Uwe Johnson, Wolfdietrich

Schnurre, und Martin Walser. Die Gruppe hat sich für das letzte Mal in 1968 getroffen, was das

„offizielle“ Ende der Epoche von Nachkriegsliteratur oder Trümmerliteratur war, obwohl die

große Mehrheit von Trümmerliteratur zwischen den Jahren 1945 und 1950 geschrieben wurde.

Die Trümmerliteratur war eine Epoche und eine Bewegung, die in Deutschland

notwendig und einflussreich war. Sie hat den Deutschen dabei geholfen, mit ihrer Schuld nach
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dem zweiten Weltkrieg klarzukommen, und sie hat zu anderen literarischen Bewegungen in

Deutschland geführt. Obwohl die Themen der Trümmerliteratur oft sehr schwierig und

deprimierend waren, war die Trümmerliteratur ein Nachweis davon, dass Kunst und Kreativität

als Folge von solcher Tragödie immer noch möglich waren.


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Works Referenced

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Oxford UP, 2008. N. pag. Print.

Mende, Claudio. "Nachkriegsliteratur." Literaturwelt.com. N.p., n.d. Web.

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J.G. Robertson 6th Ed. by Dorothy Reich with the Assistance of W.I. Luca. 6th ed. N.p.:

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Willing, Rebekka, and Jonas Geldschläger. "Trümmerliteratur." Wortwuchs. N.p., n.d. Web.