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VWL, BG 17, Wirtschaftsordnungen-Historische Hintergründe

Thema: Bedeutende Ökonomen und Philosophen


David Ricardo

David Ricardo - ein Pessimist


Allgemeines:
Der Pessimismus von D.R. ergab sich aus den ersten negativen Auswirkungen der
industriellen Revolution
(Arbeitsbedingungen, inkl. Arbeitszeit; Druck auf die Löhne; Kinder- und Frauenarbeit).
Der Hauptgrund für seinen Pessimismus war das langfristige Zustandekommen des
stationären Zustandes, gekennzeichnet durch:
− Versiegen des technischen Fortschrittes (keine technischen Neuerungen mehr)
− auch die Profite werden gleich Null sein > deshalb kein Wachstum und keine
Verbesserung der materiellen Lage durch Kapitalanhäufung,
− ungleiche Einkommensverteilung: hohe Renten und niedriger minimaler -natürlicher
Lohnsatz.

D. R. hatte sich damit abgefunden, dass langfristig gesehen die Massenarmut ein natürliches
Phänomen sei. Armut ist die Voraussetzung für das Bestehen wohlhabender
Bevölkerungsschichten, die Staats- und Kulturträger sind.

Leben und Werk Ricardos


David Ricardo wurde am 19. April 1772 in London geboren. Seine Familie war eine jüdische
Kaufmannsfamilie (der Vater war aus Holland eingewandert; die Familie Ricardo war
wahrscheinlich ursprünglich portugiesisch).
Ricardos Vater war Börsenmakler und galt als einer der reichsten Männer Englands und
Europas.

David Ricardo erhielt eine kaufmännische Ausbildung. Er trat bereits mit 14 Jahren als
Börsenmakler ins Erwerbsleben ein.

Mit der Zeit wuchs der Gegensatz zwischen dem konservativ gesinnten Vater und dem
liberalen und fortschrittlichen Sohn.

Die endgültige Trennung von Vater und Sohn erfolgte 1793:

D.R. tritt zum Christentum über und heiratet eine christliche Engländerin mit der er vier
Kinder hatte.

Der Vater enterbt ihn, und somit ist D.R. mit 21 Jahren mittellos.

Einige Freunde gewährten ihm jedoch Darlehen.

Durch geschickte Börsenoperation erwirbt er innerhalb weniger Jahre ein immens grosses
Vermögen (kleine Margen, große Volumen).
Es hieß, dass er mit 25 Jahren reicher war als sein Vater.

David Ricardo nutzte seine wirtschaftliche Unabhängigkeit, um sich von 'übermässiger


Erwerbstätigkeit' zurückzuziehen. Im Jahre 1797, im Alter von 25 Jahren, trat er eine Art von
'Teilruhestand' ein.

Ab 1798 wendet sich D. R. den Naturwissenschaften Mathematik, Physik und Mineralogie


zu.

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David Ricardo

1799 als 27jähriger wird er mit dem Hauptwerk von Adam Smith - dem 'Reichtum der
Nationen'(1776) - bekannt. Dieses Buch beeindruckte Ricardo so sehr, dass er sich von nun
an nur noch mit Fragen der ökonomischen Theorie beschäftigte.

Nach und nach wurde der Autodidakt (Person, die sich ihr Wissen im Selbststudium
aneignet) Ricardo zum größten reinen Theoretiker in der Geschichte der ökonomischen
Theorie.
(neben ihm stehen Léon Walras, Piero Sraffa und Luigi Pasinetti)

In den Jahren 1799 bis1809 hat Ricardo nur gelesen und kritische Aufzeichnungen gemacht.

Erst 1809 trat er mit einer Aufsehen erregenden Schrift an die Öffentlichkeit: "The high price
of bullion, a proof of the depreciation of bank notes".

Ricardo vertritt in dieser Schrift eine Geldtheorie. Mehr Banknoten führen zu höheren
Preisen; das Volumen der wirtschaftlichen Aktivität ist gegeben.

1809 wird Ricardo zum Parlamentsabgeordneten gewählt. Er übte im Parlament einen sehr
starken Einfluss zu wirtschaftlichen Sachfragen aus: Seine unvergleichlichen theoretischen
Fähigkeiten erlaubten es ihm, die Probleme klar und einfach zu formulieren.

Er hat das Terrain vorbereitet für die Abschaffung der Getreidezölle im Jahre 1846.

1815 folgt eine weitere grundlegende Schrift:


"An essay on the influence of a low price of corn on the profits on stock".

D. R. legt hier sein Weizenmodell der Verteilungstheorie dar.

1817 veröffentlichts Ricardo sein Hauptwerk: "On the Principles of Political Economy and
Taxation".

Dieses Werk machte Ricardo zum eigentlichen Begründer der theoretischen


Nationalökonomie.

Vor allem die klassische Theorie des Wertes und der Verteilung, aber auch die
Außenhandelstheorie sind hier in einmalig klarer Art und Weise dargestellt. Ricardo schuf
damit das erste widerspruchsfreie System der Politischen Ökonomie.

Daraus sind die 31 Kapitel der 'Princples' (Prinzipien) entstanden und hat damit nicht
eigentlich ein Buch, sondern eine Sammlung von Essays geschrieben.

D. R. Theorie stellt den Brennpunkt in der Entwicklung der ökonomischen Theorie dar, wenn
man den klassisch-keynesianischen Standpunkt einnimmt.

Wegen der tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten zwischen politischen Ökonomen der


klassisch-keynesianischen Tradition und neoklassischen Ökonomen ist auch Ricardo stark
umstritten. Z.B. sagt Joseph Schumpeter: 'Ricardo hat die Theorie der Preisbestimmung
durch Angebot und Nachfrage nie verstanden. Er ist deshalb als Theoretiker nicht wirklich
ernst zu nehmen.'

D.R. starb 1823 mit gerade 51 Jahren an den Folgen einer Mittelohrentzündung.

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Klassische Vertreilungslehre:

Die Verteilungstheorie in der Volkswirtschaft untersucht und erklärt die Verteilung von
Einkommen und Vermögen.

Die Theorienbildung zur funktionellen Einkommensverteilung reicht bis zur Klassik zurück.
David Ricardo (1772-1823) unterscheidet entsprechend den sozialen Gegebenheiten seiner
Zeit drei soziale Klassen und zugehörige Einkommenskategorien.

1. Das Sozialprodukt (Summe aller wirtschaftlichen Leistungen, die von den Einwohnern
eines Landes innerhalb einer festgelegten Zeit (z. B. in einem Jahr) erbracht werden)
fliesst als Rente an die Landbesitzer
2. ,Als Lohneinkommen an die Arbeiter
3. Als Profit an die Kapitalgeber

Die ricardianische Theorie enthält eine spezielle Erklärung der Rente als Differenzialrente
(Rententheorie) und eine spezielle Herleitung der Lohnsätze (Lohnfondstheorie), während
der Profit sich als Residuum (Geschätzte Größe) zum Gesamtprodukt ergibt.

Die Verteilungslehre nach D.R. anschaulich in der Landwirtschaft:

Es gibt Grundbesitzer, Pächter und Landarbeiter. Die Grundbesitzer verpachten ihr Land
gegen eine Grundrente an die Pächter. Die Pächter lassen das Land durch die Landarbeiter
bearbeiten und zahlen dafür Lohn. Was den Pächtern danach an Getreide verbleibt, ist ihr
Profit. Einen Teil des Profits erhalten die Grundbesitzer als Grundrente, das übrige ist der
reine Profit.

Grundrententheorie

D. R. sagt, die Grundrente sei „jener Teil des Produkts der Erde, der dem Grundeigentümer
für den Gebrauch der ursprünglichen und unzerstörbaren Kräfte des Bodens gezahlt wird“
Ricardo schließt sich grundsätzlich den Ausführungen von Adam Smith an, konkretisiert sie
aber zum Teil noch. So greift er Smith' Erkenntnis auf, dass die Grundrente keine
Komponente des Preises von Bodenprodukten sein kann, und zieht daraus den Schluss,
dass es immer einen bewirtschafteten Grundbesitz geben muss, der keine Rente abwirft. Da
der Preis einer Ware (z. B.: Getreide) sich von seinem Wert ableitet. Dieser wiederum leitet
sich aus der aufgewandten Arbeit ab und so kann es theoretisch möglich sein, dass es
Getreide von unterschiedlichem Wert gibt.

Wenn zwei Pächter mit gleichem Aufwand (gleiche Anzahl Arbeiter, gleiche Anzahl
Arbeitsmittel etc.) auf zwei Böden mit unterschiedlicher Fruchtbarkeit wirtschaften, ist der
Ertrag des Pächters, welcher den fruchtbareren Boden bewirtschaftet, höher als jener auf
dem weniger fruchtbaren; aber beide haben den gleichen (Arbeits-)Wert.

Wenn also eine (geschlossene) Wirtschaft Boden von gegebener Fruchtbarkeit


bewirtschaftet, nun aber (durch Bevölkerungswachstum) die Nachfrage das Angebot
übersteigt (Preisanstieg), kommt die entsprechende Nation nicht umhin, Boden schlechterer
Fruchtbarkeit zu bewirtschaften. Sind Nachfrage und Angebot (auf dem erhöhten Niveau)
wieder im Gleichgewicht, richtet sich der Preis (des Getreides) genau nach dem Wert
desjenigen Getreides, welches auf dem Boden mit der niedrigsten Fruchtbarkeit angebaut
wird. Der Preis reicht somit gerade aus, um das eingesetzte Kapital (plus Gewinn) für diesen
Pächter (plus Gewinn) zu ersetzen, womit er keine Grundrente zahlen kann.

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Durch den so angestiegenen Preis werden nun die Grundbesitzer besserer Böden in die
Lage versetzt, von ihren Pächtern eine Rente einzufordern, und zwar genau so viel, dass der
verbleibende Teil deren eingesetztes Kapital plus Gewinn darstellt.

Güterknappheit

Es bedeutet wenn Güter (Waren irgendwelcher Art) knapp sind zB Brot nach dem Krieg

Die Menge der Güter die zur vollständigen Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse
notwendig sind und deren Verfügbarkeit bzw. die Möglichkeiten der Produktion übersteigt

Knappheit ist der Grund des wirtschaftenden Handelns von Menschen.

Von einer Knappheit können sowohl natürliche Ressourcen und Produktionsfaktoren als
auch produzierte Güter betroffen sein. Die Knappheit von Gütern steht im Zentrum
wirtschaftlichen Handels.

Man muss fast ausnahmslos für den Erhalt eines Gutes etwas eintauschen bzw. einen Preis
für dieses Gut bezahlen. Hat jemand ein Gut gibt er dieses nur her, wenn er dafür eine
Gegenleistung erhält, d.h. wer ein Gut für andere bereitstellt, muss/will dafür entschädigt
werden.

Gegenposition zu Adam Smith

ADAM SMITH (1723-1790) wird der „Vater der klassischen Nationalökonomie“ genannt, er
gilt als der Begründer der modernen ökonomischen Theorie. Für A.S. galt: Der Ursprung des
Wohlstands ist die menschliche Arbeit. Die Steigerung der produktiven Kräfte der Arbeit und
damit nationaler Wohlstand waren für ihm Voraussetzungen für eine „zivilisierte“
Gesellschaft.

Der Ökonom A.S. entwickelte das Modell des absoluten Kostenvorteils. Es ist der
Kerngedanke der klassischen Außenhandelstheorie. Diese Theorie schrieb er 1776 in
seinem erfolgreichsten wissenschaftlichen Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ nieder.

Sie besagt, dass der Außenhandel und internationale Arbeitsteilung allen beteiligten Ländern
Vorteile bringen Dazu solle sich jedes Land auf die Produktion derjenigen Güter
spezialisieren, die es kostengünstiger produzieren kann als andere Länder, bei denen es
also einen absoluten Kostenvorteil besitzt.

SMITH erklärt in seinem Buch: „Die jährliche Arbeit eines Volkes ist die Quelle, aus der es
ursprünglich mit allen notwendigen und angenehmen Dingen des Lebens versorgt wird ...“
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Arbeitsteilung. Zu den Merkmalen der Arbeitsteilung
gehört, dass die Menschen voneinander abhängig sind. Sie müssen, um leben zu können,
Waren kaufen. Dabei haben sie es mit Preisen zu tun. Im Preis drückt sich der „Tauschwert“
einer Ware aus. Den Tauschwert-Preis nennt SMITH den wirklichen Preis, um den herum
der Marktpreis pendelt. Den Bestimmungsgrund des Tauschwertes sah SMITH in der
„Menge Arbeit“. In einer arbeitsteiligen Wirtschaft verfügt der Arbeiter nur über einen Teil der
von ihm erbrachten Arbeit.

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SMITH unterteilt den Wert der Arbeit deshalb in

1. Lohn für den Arbeiter,


2. Gewinn für den Unternehmer,
3. Rente für den Eigentümer des Bodens.

Der grundsätzliche Gedanke beim absoluten Kostenvorteil besteht dabei darin


herauszufinden, wo ein bestimmtes Produkt kostengünstiger produziert werden kann, als in
einem anderen Land.

Einfach gesagt: Jedes Land soll das produzieren, was es günstiger bzw. schneller herstellen
kann, als die ausländische Konkurrenz.

Beispiel:

Spanien Deutschland
Herstellung/Std. Herstellung/Std.

Wein/Einheit 10 15

Eisen/Einheit 50 30

60 45

Der komperative Kostenvorteil wurde von D. R. entwickelt und ist eine


Erweiterung/Richtigstellung des absoluten Kostenvorteils von A. S.

Vom komparativen Kostenvorteilen spricht man dagegen, wenn ein Land ein Produkt zu
geringeren Opportunitätskosen (Alternativkosten) herstellen kann, als ein anderes Land.
Anders als die „alte“ Theorie des absoluten Kostenvorteils besagen Ricardos Erkenntnisse
nämlich, dass der internationale Handel auch dann Kostenvorteile für ein Land bringen kann,
wenn diese Nation bei der Herstellung sämtlicher Produkte über absolute Kostennachteile
verfügt.
Auf dem ersten Blick glaubt man, dass eine Arbeitsteilung zwischen zwei Nationen, wobei
eine davon sämtliche absolute Kostenvorteile verfügt, wenig Sinn macht. Doch das Gegenteil
ist der Fall. Warum? Ganz einfach: Weil sich das Land mit beiden Kostenvorteilen auf die
Produktion eines Gutes beschränken sollte, welches am effektivsten und schnellsten
hergestellt werden kann, wo der absolute Kostenvorteil also am größten ist. Absolute
Kostenvorteile sind also bei allen Produkten gegenüber dem Ausland vorhanden, man
entscheidet sich jedoch für die Herstellung des Produkts mit dem größten Vorteil.

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Beispiel:

Die Grafik zeigt, dass es für England vorteilhafter ist, nur Textilien zu produzieren, während
Deutschland sich ausschließlich auf das Herstellen von Wein spezialisieren sollte. Demnach
verzichtet Deutschland auf die Produktion von Textilien, während England keinen Wein mehr
produziert. In der folgenden Grafik sieht man, dass durch die Arbeitsteilung deutliche
Einsparungen vorgenommen werden können:

Kurz zusammengefasst:

 Bei absoluten und komparativen Kostenvorteilen geht es stets um die Frage nach
Arbeitsteilung und Spezialisierung
 Theorie der absoluten Kostenvorteile stammt aus dem Jahr 1776 von Adam Smith
und besagt, dass Spezialisierung und Arbeitsteilung zum Außenhandel führt, der
wiederum für eine höhere Wohlfahrt sorgt
 Grundgedanke des absoluten Kostenvorteils besagt, dass ein Land ein bestimmtes
Produkt kostengünstiger und schneller produzieren kann
 Theorie der absoluten Kostenvorteile setzt voraus, dass keine Handelshemmnisse
(zum Beispiel Zölle) vorliegen
 Um 1820 wurde die Theorie durch den komparative Kostenvergleich von David
Ricardo erweitert bzw. teilweise richtiggestellt
 Theorie des komparativen Kostenvergleichs besagt, dass internationaler Handel auch
dann Vorteile für ein Land bringen kann, wenn dies in jeder Hinsicht über
Kostennachteile verfügt und nirgends absolute Kostenvorteile vorweisen kann

Arbeitswerttheorie:

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D.R. Arbeitswerttheorie ist : Die These, daß Angebot und Nachfrage den Preis-einer Ware
bestimmen, weist Ricardo als leere Redensart zurück. Eine Ware sei im Verhältnis zu
anderen teuer oder billig, je nachdem, ob zu ihrer Produktion insgesamt relativ viel oder
wenig Arbeit nötig ist. Besser bezahlte Arbeit zählt dabei entsprechend mehr als nur gering
bezahlte.

Die Arbeitswerttheorie (Kurzform AWT, auch Arbeitswertlehre) ist ein Ansatz aus der
klassischen Nationalökonomie. Der Wert einer Ware wird durch die Arbeitszeit bestimmt, die
zu deren Produktion gesellschaftlich notwendig ist. Ebenso muss die Ware einen
Gebrauchswert aufweisen.

D. R. eröffnet seine „Prinzipien“ mit der Feststellung, dass die AWT nur für Waren gilt, die
durch menschlichen Fleiß und unter Wettbewerb hergestellt werden.

Jene Waren machen aber einen immer größeren Teil der Wirtschaft aus.

So ist z.B. der Tauschwert von seltenen Büchern, Statuen, Bildern oder besonderen Weinen
durch die AWT nicht erklärt.

Voraussetzung ist, damit eine Ware überhaupt einen Wert habe, dass sie einen
Gebrauchswert besitze. Waren, die nicht nützlich sind, haben keinen Wert, egal wie viel
Arbeit auf ihre Herstellung verwendet worden war.

Anders als Adam Smith glaubt Ricardo nicht, dass ein „Urzustand“ angenommen werden
könne, wo Waren nur durch Arbeit hergestellt wurden.

Ferner drücke sich Adam Smith ungenau aus, wenn er sage, dass der Wert einer Ware der
Arbeit entspräche, die damit gekauft werden kann.

Es kann tatsächlich eine Ware, in der vier Stunden Arbeit stecken, gegen eine andere Ware
mit ebenfalls vier Stunden Arbeitszeit getauscht werden. Dadurch ergibt sich aber ein
Problem, wenn Waren gegen „Arbeit“ getauscht werden, welche dann Waren mit einer
höheren Wertsumme schafft.

Ricardo schlussfolgert daher, dass der Wert der Arbeit gleich dem Wert derjenigen Waren
ist, welche die Arbeiter zu ihrem Leben einschließlich Nachkommen brauchen. Ricardo stellt
sich vor, dass sich dieser „natürliche Preis der Arbeit“, von welchem der Marktpreis der
Arbeit vorübergehend abweichen kann, in einem Prozess durch Angebot und Nachfrage
einstellt.

Er zieht daraus den Schluss, dass höhere Löhne zu Lasten der Profite gehen, weil der Wert
der Waren insgesamt durch die Arbeitszeit bestimmt ist, also nicht steigt, wenn die Löhne
steigen. Bei Smith und Malthus fand Ricardo noch anderslautende Äußerungen

Allerdings erkennt Ricardo, dass wenn die AWT unmittelbar gelten würde, in
kapitalintensiven Branchen mit wenig Arbeitseinsatz (z. B. Brauereien) sich eine niedrige
Profitrate ergäbe, während in arbeitsintensiven Branchen, Ricardo nennt das
Schuhhandwerk, sich eine höhere Profitrate ergäbe.

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Warum sollte dann aber ein Kapitalist in Brauereien investieren? Es muss zu einem
Ausgleich der Profitraten zwischen den Branchen kommen. Diese Preise, später von Marx
Produktionspreis genannt, unterscheiden sich in bestimmter systematischer Weise von den
Arbeitswerten.

Weiterhin zieht Ricardo aus diesen Überlegungen den Schluss, dass Lohnerhöhungen in
kapitalintensiven Branchen die Preise senken, in arbeitsintensiven Branchen aber zu
Preiserhöhungen führen. Die Feststellung, dass Lohnänderungen die Werte der Waren
unverändert lassen, gilt also nur noch im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Schlussfolgerung aus seiner Grundrenten- und Arbeitswerttheorie

Die Grundrententheorie geht davon aus, dass der Bodenertrag ein Residuum (Störgröße)
darstellt, das sich ergibt, wenn von dem Gesamtertrag der Produkte eines Unternehmens der
Arbeitslohn, Kapitalzins, die Risikoprämie und der Lohn für den Unternehmer abgezogen
wird.
Die Grundrente erklärt warum und in welcher Form im Wirtschaftskreislauf eine Grundrente
anfällt. Sie ist der Teil des Ertrages, den ein Pächter dem Eigentümer zu entrichten hat.
Die Grundrenten gelten als "unverdientes Einkommen", das durch entsprechende
Ausgestaltung von Steuern (Wertzuwachssteuer, Grundrentenabgabe, Grundsteuer, usw.)
dem Staat zufließen soll.
Die Grundrententheorie gilt heute noch als eine bisher unwiderlegte Erklärungsgrundlage für
die Bodenpreisbildung
Bei der Arbeitswerttheorie wird der Wert einer Ware durch die Arbeitszeit bestimmt, die zu
deren Produktion gesellschaftlich notwendig ist. Außerdem muss die Ware einen
Gebrauchswert aufweisen

Gemäß der Arbeitswertlehre ist der Wert eine Ware gleich der zu seiner Herstellung im
Durchschnitt gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit. Waren haben nur einen Wert, wenn
sie auch einen Gebrauchswert haben, wenn sie also ein gesellschaftliches Bedürfnis
befriedigen.

Waren tauschen sich gemäß ihrer Werte. Mit einer Ware, deren Herstellung zwei Stunden
erfordert, können zwei Waren eingetauscht werden, deren Herstellung jeweils eine Stunde
erfordert. Diese Tauschverhältnisse werden als Tauschwert der Waren bezeichnet. Werden
die Waren speziell gegen Geld getauscht, spricht man von Preis.

Laut heutigen Statistiken spricht man vor dem Hintergrund der deutschen Input-Output-
Tabellen einiges dafür, dass die realen Preise tatsächlich durch das klassische Wertgesetz
reguliert werden – so wie es die Vertreter der klassischen Nationalökonomie ursprünglich
angenommen haben und damit wäre die Arbeitswertlehre fast amtlich bestätigt.

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Komperativer Kostenvorteil

Der komparative Kostenvorteil ist im Rahmen der volkswirtschaftlichen Theorie, wenn ein
Land, eine Region, ein Unternehmen oder eine Person fähig ist, ein bestimmtes Gut zu
geringeren Alternativkosten (Opportunitätskosten) zu produzieren als die Konkurrenz.

Die Theorie der komparativen Kostenvorteile wurde von D. R. entwickelt, ist ein Modell des
Außenhandels und soll die Fehlannahmen der Theorie der absoluten Kostenvorteile
ausgleichen.

Bei diesem System des vollkommen freien Handels wendet jedes Land sein Kapital und
seine Arbeit den Zweigen zu, die am vorteilhaftesten sind. Durch die bestmögliche
Ausnutzung der von der Natur verliehenden Fähigkeiten wird die Arbeit sehr wirksam und
sparsam verteilt während der allgemeine Nutzen durch die Vermehrung der
Produktionsmasse verbreitet und durch gemeinsames Interesse die Gesellschaft der Welt
verbunden wird.

Gründe, weshalb Länder Außenhandel treiben:


Unterschiede im Hinblick auf Klima, Boden, Kapital, Arbeit und Technik. Sie nutzen die
Kostenvorteile der Massenproduktion.

Beispiel1:

Ricardos Beispiel - Handels mit Wein und Tuch zwischen Portugal und England.
Angenommen, zwischen beiden Ländern gibt es keine Arbeitsteilung und keinen Handel.
Dann stellen beide Länder beide Produkte her. England benötigt für die Produktion von 1000
Rollen Tuch 100 Arbeiter und für die Herstellung von 1000 Fässern Wein 120 Arbeiter.
Portugal dagegen kommt mit 90 Arbeitern für 1000 Rollen Tuch und 80 Arbeitern für 1000
Fässer Wein aus. Insgesamt produzieren beide Länder zusammen 2000 Rollen Tuch und
2000 Fässer Wein.

Obwohl die Portugiesen bei Wein und Tuch jeweils einen absoluten Kostenvorteil (weniger
benötigte Arbeitskräfte) haben, lohnt es sich für sie, sich auf die Produktion von Wein zu
spezialisieren und den Briten die Herstellung von Tuch zu überlassen, das sie dann von dort
importieren. Der Grund: Die Arbeitskräfte können in der portugiesischen Weinproduktion
produktiver (kostengünstiger) eingesetzt werden als in der Tuchproduktion. Umgekehrt
benötigt England für die Tuchproduktion weniger Arbeiter (100) als für die Weinproduktion
(120).

Portugal
Anzahl England (Arbeiter) (Arbeiter)

Rollen Tuch 1000 100 90

Fässer Wein 1000 120 80

Gesamt 2000 220 170

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R. zeigt so auf, dass die Handelsbeziehung für beide Länder von Vorteil ist. Der Austausch
von Waren zwischen den Ländern lohne sich auch dann, wenn ein Land alle Güter günstiger
herstellen kann als das andere. Wenn sich jedes Land auf bestimmte Produkte (die es
kostengünstiger produzieren kann) konzentriere und nur diese herstellt, wachse der
Wohlstand in den jeweiligen Ländern. Voraussetzung ist jedoch, dass der Faktor Kapital
nicht beweglich ist.

Unter solchen Bedingungen kann die internationale Arbeitsteilung sinnvoll sein, und zwar
dann, wenn die so genannten Opportunitätskosten zwischen den Ländern unterschiedlich
sind.

Opportunitätskosten sind entgangene Erlöse, die dadurch entstehen, dass vorhandene


Möglichkeiten zur Nutzung von Ressourcen nicht wahrgenommen werden.

Beispiel 2:
Am Valentinstag werden in den USA etwa 10 Millionen Rosen benötigt.
Es ist schwierig, in den USA im Winter Rosen zu ziehen.
• Man benötigt beheizte Gewächshäuser.
• Es fallen erhebliche Kosten für Energie, Kapital und Arbeit an.

Die für die Rosenproduktion aufgewendeten Ressourcen (natürlich vorhandener Bestand)


könnten für die Herstellung anderer Güter, beispielsweise Computer, benutzt werden.
• Die Opportunitätskosten von Rosen, ausgedrückt in Computern, bemessen sich nach der
Anzahl der Computer, die mit den zur Produktion einer gegebenen Anzahl Rosen
eingesetzten Ressourcen hätten hergestellt werden können.
= Komparativer Vorteil

Ein Land verfügt bei der Herstellung eines Gutes dann über einen komparativen Vorteil,
wenn die Opportunitätskosten für dessen Produktion, ausgedrückt in anderen Gütern, in
diesem Land niedriger sind als in anderen Ländern.

In den USA erfordere die Produktion von 10 Millionen Rosen die gleiche Menge an
Ressourcen wie die Herstellung von 100.000 Computern.
In Mexiko erfordere die Produktion von 10 Millionen Rosen die gleiche Menge an
Ressourcen wie die Herstellung von 30.000 Computern.
Auch wenn die Arbeitsproduktivität in Mexiko für beide Güter niedriger ist als in den USA,
lohnt es sich, in Mexico Rosen zu züchten, in den USA Computer zu bauen und dann zu
tauschen, anstatt in jedem Land beide Güter herzustellen.

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Quellen:
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http://www.zeit.de/1993/07/geiz-der-natur/seite-2

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http://www.zeit.de/1993/07/geiz-der-natur

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http://lexikon.immobilien-fachwissen.de/index.php?UID=270550606&ATOZ=G&KEYWORDID=6289

https://www.marx21.de/12-11-10-politische-oekonomie/

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