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Musikalität und Begabung 

Was ist Musikalität? 
Musikalität ist ein gedankliches Konstrukt, welches dazu dient die vielen verschiedenen 
musikbezogenen Verhaltensweisen des Menschen auf einen Begriff zu bringen. Gerade weil 
Musik so facettenreich in Stil, Gattung, Epoche, Kultur,… und so vielseitig in der Möglichkeit 
sie zu erleben (Hören, Tanzen, Singen/Spielen bis hin zum Komponieren), ist es nahezu 
unmöglich eine für alle Bereiche und durch alle Zeiten gültige und befriedigende Definition 
für Musikalität zugeben. Insbesondere dann, wenn man die einzelnen Komponenten der 
Musik (Rhythmik, Melodik, Harmonik, Improvisation, Klangfarben) noch genau betrachtet 
und feststellt, dass sich auch hierin die Begabungen der meisten unterscheiden. 
Trotz dieser begrifflichen Schwierigkeiten sind Arbeitsdefinitionen für die Musikpädagogik 
unabdingbar. Ein gutes Beispiel einer solchen liefert Heiner Gembris: 
Musikalische Begabung ist das jedem Menschen in unterschiedlichem Maße 
angeborene, durch die Umwelt beeinflusste und durch Übung zu entwickelnde 
Potential, Musik emotional zu erleben, geistig zu verstehen und durch Singen, 
Spielen, Komponieren, Improvisieren schaffen zu können. Musikalische Begabung 
zeigt sich in universellen und kulturspezifischen musikalischen Fähigkeiten (z.B. 
Hörfähigkeiten, Singen, Ausdrucksfähigkeiten auf einem Instrument etc.) und in co‐
musikalischen Eigenschaften (z.B. Bedürfnis nach Musik, intrinsischer Motivation, 
Gestaltungswillen).  
Musikalitätsbegriffe in der englischen Sprache: 
Im englischen gibt es eine Vielzahl von Begriffen, die alle in unser Verständnis des Begriffs 
Musikalität fallen. Einige Begriffe decken bestimmte Bereiche ab, andere sind nur vage: 

 Music ability bezeichnet allgemein die vorhandenen musikalischen Fähigkeiten, ohne 
darauf einzugehen, ob diese angeborenen oder erlernten Ursprungs sind. Man geht 
jedoch meist davon aus, dass die Fähigkeiten durch beide beeinflusst sind. 
 Music aptitude steht für die Summe der angeborenen Begabung und dem daraus 
entstehenden und erlernbaren Lernpotential. (Dieser Begriff entspricht am ehesten 
unserem Begriff der musikalischen Begabung.) 
 Music capacity bezeichnet jene Begabung, die nur angeboren ist. 
 Music achievment bezeichnet hingegen die durch Erfahrung und Lernen erworbenen 
Fähigkeiten. 
 Musical talent beschreibt die verschiedenen Komponenten musikalischer Begabung, 
das allgemeine Begabungspotenzial zu Musizieren und kann auch als Kennzeichnung 
für eine überdurchschnittliche Begabung stehen – ist also nicht immer eindeutig. 
 Musical intelligence wird von verschiedenen Forschern unterschiedlich gebraucht, 
meint aber meist die kognitiven und intellektuellen Seiten musikalischer Begabung 
 Musicality wird nur sehr selten gebraucht und ist zudem sehr vage. Auch ihm sind 
verschiedene, sich überschneidende Begriffe zuzuordnen. Am ehesten meint man 
damit etwa die Sensibilität für Musik 

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Musikalisch – Unmusikalisch 
Wird man in der Schule als unmusikalisch abgestempelt, so hat das weitreichende Folgen: 
nicht nur, dass man vom Lehrer oft als weniger Wert zu fördern gesehen wird. Man sieht 
sich auch selbst weniger musikalisch und schreckt mehr vor musikalisch Neuem zurück. „Ich 
bin halt unmusikalisch!“ dient als Generalausrede für alles Musikalische, das nicht auf 
Anhieb funktioniert. 
Ein großer Teil der Bevölkerung hält sich für unmusikalisch. 
Musikalität ist aber (höchstwahrscheinlich) statistisch normalverteilt: 
D.h. dass ca. 2% hochbegabt und 2% minderbegabt sind, 
während das Gros der Menschen eine mittlere Begabung 
aufweist. Wirklich ohne jede Musikalität ist also niemand. 
Oft werden aber auch die untersten 2% als 
unmusikalisch bezeichnet.  
Manche Forscher gehen davon aus, dass 
gewisse musikalische Eigenschaften anders verteilt sind. 
 
Einfluss des Übens auf die Begabungsforschung 
Studien haben gezeigt, dass die besten Instrumentalisten auch am meisten üben. Dies rückt 
die Begabung wieder in den Hintergrund. Jedoch ist zu bedenken: führt mehr Begabung zu 
mehr Motivation und Spaß am Spiel, die wiederum zu mehr üben führen? Inwieweit geht die 
musikalische Begabung mit dem Talent fleißig und richtig zu Üben einher? (s. Studie zum 
Übeverhalten professioneller Geiger ‐ 1991 von Ericsson, Krampe und Tesch‐Römer) 
In einer anderen Studie (O’Neill – 1997) mit Anfängern (Messungen vor der ersten Stunde 
und nach 14 Tagen) waren es auch die Besten, die am meisten übten. Jedoch waren einzelne 
mit viel Übezeit in bei den schlechtesten und einige der Besten übten sehr wenig. Hat also 
die Begabung mehr Einfluss auf den Beginn des Lernens? 
 
Musikalität testen 
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten um Musikalität zu testen. In unserem 
Kulturkreis kommt meist nur Leistungstest zum Einsatz (etwa bei Aufnahmeverfahren an 
Musikhochschulen). – achievment test (vgl. music achievement) 
In den USA und in asiatischen musikalischen Bildungssystemen werden häufig auch 
Begabungstests durchgeführt. ‐ aptitude test (vgl. music aptitude). 
Bekannte Begabungstests: 
Carl Seashore  
Er war zwar nicht der erste, der mit der Idee eines Musikalitätstests aufkam, veröffentlichte 
jedoch 1919 das erste standardisierte Verfahren: „Seashores Measures of Musical Talents“ 
Dieser Test ist auch in deutscher Sprache erschienen.  
Das Ziel ist laut Seashore die angeborene Musikalität messen. Er selbst empfiehlt aber 

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zusätzliches Vorsingen/‐spielen o.ä. Zielgruppe bilden die 10‐22 jährigen. 
6 verschiedene Untertests: Tonhöhe, Tondauer, Lautstärke, Klangfarbe, Rhythmus, 
Melodiegedächtnis 
s. http://iem.kug.ac.at/lehre/elektrotechnik‐toningenieur/zulassung/zulassungspruefung‐
bachelor‐elektrotechnik‐toningenieur/seashore‐test.html 
 
Herbert Wing 
Nach Seashore war er der erste Innovator auf dem Gebiet der Musikalitätstest. Er publizierte 
1958 die „Wing Standardisized Tests of Musical Intelligence“. Dieser Test ist ab 8 Jahren 
anwendbar. 
7 verschiedene Untertests: Akkordanalyse, Tonhöhe, Lautstärke, Klangfarbe, Rhythmus, 
Melodiegedächtnis, Harmonie 
 
Arnold Bentley 
Die „Measures of Musical Ability“ sind ein weiterer Test der auch in deutscher Sprache 
erschienen ist (1968). Der Test ist für 7‐14 jährige gedacht und soll die drei Eigenschaften 
Tonhöhenunterscheidung, Tongedächtnis  und Rhythmusgedächtnis testen. Diese sind für 
Bentley „grundlegend, elementar und wesentlich für das Musizieren. Er erweitert den Test 
um eine Akkordanalyse, die er zwar für nicht so elementar, aber doch „höchst 
wünschenswert“ hält.  
Auch er verweist darauf, dass man nur einige Aspekte musikalischer Begabung mit seinem 
Verfahren erfassen kann. 
 
Edwin Gordon 
…zählte wohl zu den einflussreichsten Forschern in der Begabungsforschung. Er entwickelte 
über viele Jahre hinweg verschiedene Tests für verschiedene Altersgruppen. Sie legen seiner 
Auffassung nach die angeborenen Komponenten musikalischer Begabung, weist aber 
gleichzeitig darauf hin, dass sich Angeborenes und Erlerntes nie voneinander isoliert 
gemessen werden kann. 
Audie‐Test: Ist für 3‐5 jährige gedacht und kommt ohne Zahlen und Buchstaben aus:  
Er besteht aus einem kurzen 
Rhythmus und Melodie Test 
Dieser Test wurde 1989 entwickelt. 
 
 
1979 entwickelte Gordon die PMMA (Primary Measures of Music Audiation): 
Die Zielgruppe bilden di 5‐8 jährigen. Der Test kommt auch ohne Zahlen und Buchstaben aus 
und besteht wieder aus einem Rhythmus‐ und einem Melodietest. Diese sind jedoch länger 
als beim Audie. 
 

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Für 6‐9 jährige schrieb Gordon 1982 die IMMA (Intermediate Measures of Music Audiation): 
Dieser Test unterscheidet sich von den PMMA nur im Schwierigkeitsgrad und soll dazu 
dienen hochbegabte Talente zu finden.  
Ein häufig verwendetes Testverfahren ist das MAP (Musical Aptitude Profile) aus dem Jahr 
1965: Es ist für Jugendliche im Alter von 10‐17 ausgelegt. Der Test soll sieben unabhängige 
Dimensionen der stabilen musikalische Begabung messen, welche drei verschiedenen 
Bereichen zugeordnet sind: Tonvorstellung, Rhythmusvorstellung und musikalische 
Sensitivität bzw. expressiv‐interpretative Begabung. 
Als Aufnahmetest für Musikhochschulen und –Colleges entwickelte Gordon 1989 die AMMA 
(Advanced Measures of Music Audiation): Dieser Test ähnelt dem MAP, ist jedoch deutlich 
höher im Schwierigkeitsgrad. 
Audiation: 
Diesen Begriff hat Edwin Gordon selbst erfunden. Es die Fähigkeit beschreibt, sich Musik 
vorzustellen. Audiation verhält sich also zum Musik hören und machen, wie das Denken zum 
Sprechen. Vor allem die AMMA legen großen Wert auf Audiation. 
 
Kritik an Musikalitätstests:  
Verschieden Studien haben gezeigt, dass Musikalitätstests nur zum Teil brauchbare 
Ergebnisse liefern. Vergleiche mit Einschätzungen von Lehren, Ergebnissen von 
Wettbewerbern aber auch wissenschaftliche Verfahren zu Feststellung von Gültigkeit, 
Verlässlichkeit und Objektivität der Tests haben gezeigt, dass die Ergebnisse der Test zwar 
ungefähr der Tatsächlichen Begabung entsprechen, jedoch viele Aspekte musikalischer 
Begabung nicht erfasst werden können. 
Dies liegt daran, dass solche Tests hauptsächlich rezeptive und kognitive Fähigkeiten 
erfassen können. Emotionale Fähigkeiten, wie die Erlebnisfähigkeit oder Motivation, aber 
auch produktive und reproduktive Fähigkeiten bleibe außen vor. 
 
 
 
Literaturliste: 
Heiner Gembris (1998): Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung 
Wißner‐Verlag 
Patrick Floener (2013): Studie der Musikalität in Abhängigkeit von der Händigkeit;  
Bachelorarbeit erschienen bei: Bachelor + Master Publishing, Hamburg 
https://core.ac.uk/download/pdf/11596661.pdf 
http://www.doc.gold.ac.uk/~mas03dm/papers/FF_MusikalischeBegabung.pdf