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ELEMENTE DER MATHEMATIK

VOM HÖHEREN STANDPUNKT AUS

Band VI

Herausgegeben von E. Trost

KOMBINATORIK
von

HEINZ LÜNEBURG
ord. Professor an der Universität
Trier-Kaiserslautern in Kaiserslautern

SPRINGER BASEL AG
Nachdruck verboten.
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen
und der Reproduktion auf photostatischem Wege oder durch Mikrofilm
ISBN 978-3-7643-0548-2 ISBN 978-3-0348-5772-7 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-0348-5772-7

© Springer Basel AG 1971


Ursprünglich erschienen bei Birkhäuser Verlag Basel, 1971
Vorwort

Was Kombinatorik ist, weiß so recht niemand zu sagen, wie die


vielen Beschreibungsversuche zeigen. Daß der Inhalt dieses Bänd-
chens Kombinatorik ist, wird der Leser jedoch nicht abstreiten. Da
ich soweit mit dem Leser einig bin, brauche ich mich nicht weiter mit
dem Erklären dessen, was Kombinatorik ist, abzumühen. Im übrigen
kenne ich auch kein Algebra- oder Analysisbuch, in dessen Vorwort
der Autor erklärt, was Algebra bzw. Analysis eigentlich ist. Ich befinde
mich da also in guter Gesellschaft.
Was den Inhalt dieses Bändchens betrifft, so ist auch klar, daß
nur ein geringer Bruchteil der Kombinatorik auf den folgenden Sei-
ten aufgeschrieben steht. Bei der Auswahl der Themen habe ich mich
von meinen geometrischen und algebraischen Interessen und meinem
Geschmack leiten lassen, so daß manches in diesem Büchlein steht,
was man sonst meist nicht in Konibinatorikbüchern findet, wie z. B.
die Sylow'schen Sätze und den Existenz- und Eindeutigkeitssatz für end-
liche Körper, das Rado'sche Auswahlprinzip und die Sätze, die sich
daran anschließen, sowie die Hadamard'sche Determinantenabschätzung~
die zwar nicht zur Kombinatorik gehört, aber unmittelbar zu kom-
binatorischen Problemen hinführt, die nach wie vor nicht vollständig
gelöst sind. Aber auch bei der hier getroffenen Auswahl mußte ich
mich noch beschränken, um den Umfang des Büchleins nicht über
Gebühr anschwellen zu lassen. Der Leser, der weitere Informationen
wünscht, sei auf das Literaturverzeichnis am Ende dieses Bändchens
verwiesen.
Die für die Lektüre notwendigen algebraischen Kenntnisse kann
sich der Leser an Hand des im Literaturverzeichnis aufgeführten Buches
von I. N. Herstein aneignen. Darüberhinaus werden in Kapitel V einige
Hilfsmittel aus der Topologie benutzt. Die entsprechenden Literaturhin-
weise befinden sich in diesem Kapitel.
Zum Schluß möchte ich noch den Hörern meiner Kombinatorik-
vorlesung des vergangenen Wintersemesters für ihr lebhaftes Interesse dan-
ken, welches sie dieser Vorlesung entgegenbrachten, sowie für ihre Hin-
weise auf Fehler in der Darstellung und im Aufgabenteil. Ganz beson-
ders möchte ich aber Herrn Scheid danken, der das Manuskript mit großer
Sorgfalt las und dessen Anregung ich einige der Aufgaben verdanke.

Mainz, im April 1970 H einz Lüneburg


Inhaltsverzeichnis

Vorwort................................................... 3
I. Die Potenzmenge einer endlichen Menge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1. Binomialkoeffizienten ...... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2. Inzidenzstrukturen ................................... 13
3. Die Anzahl der Partitionen einer endlichen Menge ....... 15
4. Die symmetrischen und alternierenden Gruppen . . . . . . . . . . 18
5. Das Sperner'sche Lemma............................. 21
11. Operatorgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 25
1. Sätze von Cauchy und Burnside . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 25
2. Abbildungen ........................................ 28
3. Die Sylow'schen Sätze......... .. .. .. .. . . . .. . . ... . . . .. 31
111. Das Prinzip der Inklusion und Exklusion. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
1. Das Prinzip der Inklusion und Exklusion . . . . . . . . . . . . . . . . 35
2. Eine Formel für die Stirling-Zahlen 2. Art ... . . .. . ... . ... 36
3. Die Anzahl der Permutationen ohne Fixpunkte .......... 37
4. Das Ehepaarproblem ................................. 38
5. Galoisfelder ......................................... 41
IV. Vertretersysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
1. Der Satz von P. Hall. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 45
2. M. Hall's Algorithmus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 48
3. Die Permanente. . .. . .. . . .... .. . . .. .. . .. ... . . ... . .. . . . 51
4. Der Term-Rang...................................... 53
5. Ein Satz von Egervary ................................ 56
V. Rado's Auswahlprinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
1. Das Auswahlprinzip . ... ....... .... .. ... . .. . .. .. . .. ... 61
2. Angeordnete Gruppen ................................ 62
3. Vertretersysteme für unendliche Familien endlicher Mengen 65
4. Der Banach'sche Abbildungssatz ....................... 65
5. Eine Anwendung auf Vektorräume ..................... 66
VI. Das Hadamard'sche Determinantenproblem .. ... . . . . . .. . . .. 68
1. Zwei Ungleichungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 68
2. Die Hadamard'sche Ungleichung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 70
3. Hadamardmatrizen . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 73
4. Beispiele von Blockplänen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 76
5. Die Paley'schen Beispiele ............................ " 77
VII. Endliche Inzidenzstrukturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 81
1. Das Gale-Ryser Kriterium. . . . . .. . . . . . . . . . .. . . . . . . . .. 81
2. Ein Satz über Erweiterungen von lateinischen Rechtecken 84
3. t-Blockpläne......................................... 86
4. Ein Nicht-Existenzsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 90
5. Taktische Zerlegungen von Matrizen und Inzidenzstrukturen 93
6. Korrelationen von Blockplänen ........................ 95
7. Ein Satz von Craig .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
Literaturverzeichnis ........................................ 106
Index ..................................................... 107
I. Die Potenzmenge einer endlichen Menge

1. Binomialkoeffizienten. Es sei M eine Menge. Ist M endlich, so


bezeichnen wir mit IMI die Anzahl der Elemente in M. Die Zahl IMI
heißt die Länge von M. Hat M die Länge n, so nennen wir Meine
n-Menge. Mit P(M) bezeichnen wir die Menge aller Teilmengen von
M, einschließlich der leeren Menge 0 und M selbst. P(M) heißt die
Potenzmenge von M. Ist XEP(M), so setzen wir XC= {ylyEM, y~X}.
Die Menge XC heißt das Komplement von X in M. Offensichtlich ist
(xcY=X, so daß also die Abbildung c:P(M) -+ P(M) bijektiv ist.
1.1. Satz. Ist Meine n-Menge, so ist IP(M)I =2n •
Beweis. Ist n = 0, so ist M = 0 und daher P(M) = {0}. Folglich
ist IP(M)I = 1 = 2°. Es sei nun n ~ 1 und es sei bereits bewiesen, daß
die Länge der Potenzmenge einer (n -l)-Menge gleich 2n - 1 ist. Schließ-
lich sei Meine n-Menge und aEM. Wir definieren P(M)l und P(M)2
durch P(M)l = {XIXEP(M), aEX} und P(M)2= {YIYEP(M), a~ Y}.
Dann ist P(M) = P(M)lUP(M)2 und p(M)lnp(M)2 = 0. Also ist
IP(M)I = IP(M)ll + IP(M)21· Schränkt man die Abbildung c auf P(M)l
ein, so erhält man eine Bijektion von P(M)l auf P(M)2' so daß IP(M)ll =
= IP(M)21 ist. Folglich ist IP(M)I =2IP(M)21. Schließlich ist P(M)2 =
= P(M". {a}), so daß nach Induktionsannahme IP(M)21 = 2n - 1 ist,
q. e. d.
Ist XEP(M) und ist lXI =k, so nennen wir X eine k-Teilmenge
von M. Die Menge aller k- Teilmengen von M bezeichnen wir mit
Pk(M). Ist Meine n-Menge, so setzen wir IPk(M)1 = (Z). Die Zahlen
(Z) heißen Binomialkoeffizienten.
1.2. Satz. n und k seien nicht-negative ganze Zahlen. Dann gilt:

(a) Ist O;§k;§n, so ist (~) = (/~-k).


(b) Es ist (~) = (~) = 1 und (~) = (n~ 1) = n, sowie (Z) = 0 für

k>n.
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(c) Es ist ~(~) = 2n •

(d) Ist n>-O, so ist ~(-l)i(~) =0.


(e) Ist k>-O, so ist (nt l) = (~)+(k~d.

(f) Für n~k~l ist (~) =. Zl(k~l)'


.=k-l

(g) Ist n>-k~O, so ist

(h) Ist 1 =&. k =&. n, so ist

Beweis. (a) Schränkt man die Abbildung c auf Pk(M) ein, so er-
hält man eine Bijektion von Pk(M) auf Pn-k(M). Also ist (~) = (n~k)'
(b) Jede Menge enthält die leere Menge genau einmal. Also ist
(~) = (:) = 1. Die Anzahl der 1-Teilmengen von M ist gerade gleich

der Anzahl der Elemente in M. Folglich ist = ~ = (7) (n Ist d n.


Meine n- Menge und k >- n, so enthält M keine k- Teilmenge. Daher ist
(~) =0.
n
(c) folgt aus der Bemerkung, daß P(M) = U Pk(M) und Pk(M) n
np,(M) = 0 ist, falls k=;r.l ist, und aus 1.1. k=O

(d) besagt gerade, daß die Anzahl der Teilmengen gerade Länge
einer n-Menge mit n ~ 1 gleich der Anzahl ihrer Teilmengen ungerader
Länge ist. Um (d) zu beweisen, müssen wir also zeigen, daß diese An-
zahlen gleich sind.
Es sei n >-0 und M sei eine n-Menge. Ferner sei aEM. Wir definieren
eine Abbildung (J' von P(M) in sich durch X" = (XU {a})",-(xn {a}).
Ist aEX, so ist also X"=X",-{a} und ist a~X, so ist X"=XU{a}.
Offenbar ist X,,2 = X für alle XE P(M), so daß (J' eine Bijektion von
P(M) auf sich ist. Ferner ist klar, daß IX"I == lXI + 1 mod 2 ist. Hieraus
folgt, daß die Anzahl der Teilmengen gerader Länge von M gleich der
Anzahl der Teilmengen ungerader Länge ist.
(e) Es sei Meine (n + 1)-Menge und a EM. Die Anzahl der k- Teil-
mengen von M, die a nicht enthalten, ist offensichtlich gleich der Anzahl
der k-Teilmengen von M"'- {a}, dh. gleich (Z). Benützt man wiederum
I. DIE POTENZ MENGE EINER ENDLICHEN MENGE 9

die Abbildung c, so folgt, daß die Anzahl der k- Teilmengen von M, die
a enthalten, gleich der Anzahl der (n + 1 - k)- Teilmengen von Mist,
die a nicht enthalten. Diese Anzahl ist aber gleich der Anzahl der
(n+7-k)' Wegen 0-<
(n+l-k)-Teilmengen von M",{a}, dh. gleich

<k~n+l ist O~n+l-k~n. Nach (a) ist folglich (n+7-k) =

= (k~d. Somit ist (nt l ) = (Z)+(k~I)'

(f) und (g) beweist man mit Hilfe von (e) durch vollständige Induk-
tion nach n.
(h) Ist 1 ~k~n, so enthält jede n-Menge eine (k-l)-Teilmenge.
Daher ist (k~ d>- O. Nach (e) ist folglich (n t 1) = (Z) + (k ~ d >-

>- (Z), q. e. d.
Bemerkung. Mit Hilfe von (b) und (e) kann man die Werte von
(Z) für kleine n und k sehr rasch rekursiv berechnen. Schreibt man die
gefundenen Werte folgendermaßen auf
1
1
2 1
1 3 3 1
4 6 4 1
1 5 10 10 5 1
1 6 1 15 20 15 6
1 7 21 35 35 21 7
1 8 28 56 70 56 28 8 1
1 9 36 84 126 126 84 36 9 1

so erhält man ein Schema, welches Pascalsches Dreieck genannt wird.

1.3. Satz. Es ist k~ (~r (2:) . =

Den folgenden, schönen Beweis dieser Identität lernte ich aus G. Polya's
Buch "Vom Lösen mathematischer Aufgaben I" Basel 1966, S. 120-123.
Beweis. Wir betrachten eine Stadt mit 2(n + 1) Straßen, von denen
n + 1 von Nordost nach Südwest und n + 1 von Nordwest nach Süd-
ost verlaufen. Alle Straßen seien Einbahnstraßen und zwar in Rich-
tung von Nordost nach Südwest bzw. von Nordwest nach Südost. Die
10 H. LÜNEBURG

Straßen der bei den Richtungen seien jeweils von 0 bis n numeriert
und zwar so, daß der Anfangspunkt der Straße i weiter nördlich liegt
als der Anfangspunkt der Straße j, falls i <.j ist. Es seien Si (i = 0, I, ... , n)
die Straßen, die von Nordwest nach Südost verlaufen, und Ti (i =
=0, I, ... , n) die übrigen Straßen. Dem Kreuzungspunkt der Straßen
Si und T j geben wir die Koordinaten (i +j, j). Wir fragen nun, auf wie-
viel verschiedenen Wegen ein Auto vom Punkte (0,0) aus zum Punkte
(k, j) fahren kann, ohne eine Einbahnstraße in Gegenrichtung zu be-
fahren. Ist j = 0, so ist diese Anzahl offensichtlich gleich 1 = ( ~), denn
sobald das Auto die Straße To verläßt, kann es nicht mehr zur Straße
To zurückkehren, ohne einmal eine Einbahnstraße in Gegenrichtung zu
befahren. Ebenso sieht man, daß die Anzahl der Wege, die zum Punkt
(k, k) führen, gleich 1 = (Z)
ist. Es sei a(k,j) die Anzahl der Wege,
die zum Punkte (k,j) führen. Ferner sei o<.j<.k. Jeder Weg nach
(k,j) führt über genau einen der Punkte (k-I,j-I) und (k-I,j).
Da es in beiden Fällen nur eine Möglichkeit gibt, weiter nach (k, j) zu
gelangen, folgt, daß a(k,j) = a(k-I,j)+a(k-I,j-I) ist. Zusam-
men mit den Randwerten a(k, 0) = 1 =a(k, k) führt dies zu a(k,j) =
= (~) (s. Aufg. I»).
Die Anzahl der Wege, die nach (2n, n) führen, ist also (~). Jeder
dieser Wege läuft über einen und nur einen der Punkte (n, k). Nun ist
die Anzahl der Wege von (0,0) nach (n, k) gleich (Z).
Kehrt man nun
alle Einbahnstraßenrichtungen um, so sieht man, daß die Anzahl der Wege
von (2n, n) nach (n, k) gleich (n~k) = (Z)
ist. Es seien W1 , ... , W m
alle Wege von (0,0) nach (n, k) und Wi, ... , W(1) alle Wege von (n,k)
nach (2n, n). Setzt man W i und Wf zu einem Weg W i + Wf von (0, 0)
nach (2n, n) zusammen, so sieht man, daß die Wege ~ + Wf und
Wk + wtgenau dann gleich sind, wenn i = kund j = I ist. Hieraus folgt,
(Zr Wege von (0, 0) nach (2n, n) gibt, die über (n, k)
r
.daß es insgesamt

laufen. Daher ist kio (Z = (~n), q. e. d.


Zum Abschluß dieses Abschnitts beweisen wir nach eine bemerkens-
werte Eigenschaft der Binomialkoeffizienten.
1.4. Satz. Es sei k eine natürliche Zahl. Ist dann N eine nichtnegative
ganze Zahl, so gibt es eindeutig bestimmte ganze Zahlen a1, ... , ak mit
o~ a1 <. a2 <. ... <. ak und N = i (~i) .
i=1 1
I. DIE POTENZ MENGE EINER ENDLICHEN MENGE 11

Beweis. Zunächst zeigen wir die Existenz dieser Zahlen durch


Induktion nach k. Ist k = 1, so ist nach 1.2 (b) N = (~). Es sei k:> 1
und der Satz für k - 1 bereits bewiesen. Aus 1.2 (h) folgt die Existenz
einer Zahl ak mit ('f: I
~ N < (ak: 1). Wir setzen N - = N*. ('f:)
Dann ist N* ~ 0 und es gibt folglich Zahlen al' ... , ak-l mit O~al -< ... <
-<ak-l und N* = ~1 (~l Es ist zu zeigen, daß ak- 1<ak ist. Nach
1.2 (e) ist

( akk ) -_ (akk+ 1) - (a
k-l
k )
.
Daher gilt wegen

die Ungleichung
ak-1)
( k-l (a k )
< k-1 '
woraus mit Hilfe von 1.2 (h) ak - 1 < ak folgt. Damit ist die Existenz der
ai gezeigt.
Und nun die Eindeutigkeit der ai' Es sei 0 ~ a1< a2 < ... < ak und
N = i~ (~i). Wir zeigen, daß (a,;) ~ N < (ak : 1) ist. Weil die (~i)
alle nicht-negativ sind, ist l'f:) ~N. Ist ak<k, so folgt aus O~al <a < 2

< ... <ak, daß ai = i-I ist für alle i. Daher ist N = .i (i ~ 1) = O.
• =1
Dann ist aber

( ak)
k = lk-1)
k =O=N<l= (k)
k = (ak+1)
k .

Wir können daher annehmen, daß ak ~ k ist. Nach 1.2 (g) ist dann

und daher

( akk ) -_ (akk+ 1) - ~
~ (ak-i)
k-i .
Ferner ist

N = Z(o,i) = Jf (a':. i.) .


i=1 I i=O k I
Also ist
12 H.LÜNEBURG

N= ~1(~~i)+(f) = (akt1)_(akOk)+~I[(~~i)_(f~n]=
= (akt 1)_1_ ~1 [(~k~n - (~~i)]'
Nun ist a
k>ak-1und daher ak -1 ak-1. Ist bereits gezeigt, daß ~
ak- i ak- ist, so folgt aus ak- >ak- 1, daß auch ak - i -1 ak- 1
~ i i i- ~ i-
ist. Aus 1.2 (h) folgt daher, daß

ist. Also ist

Damit ist gezeigt, daß in jedem Falle ~ N -< k (f)


ist. Hier- (a t I)
aus folgt nun die Eindeutigkeit von ak (s. Aufgabe 2)). Induktion nach k
liefert die Eindeutigkeit von a1 , ••• , ak , q. e. d.
Aufgaben:
1) N sei die Menge der nicht-negativen ganzen Zahlen. Ferner sei f eine Ab-
bildung von NX N in N mit den Eigenschaften:

(a) f(n,O)=f(n,n)=1 für alle nEN.


(b) f(n+ I, k) = f(n, kH f(n, k-l) für 1="k="n.

Zeige, daß f(n, k) = ( Z) ist.


2) Es seien a,b,m,kEN mit (%) =" m< (at l ) und (t) =" m< (bt l ).
Zeige, daß a=b ist.
3) R sei ein kommutativer Ring mit 1 und n eine natürliche Zahl. Zeige die
Gültigkeit der Formel

(a+W = i
i=O
(~) a'b
I
n -, für alle a, bE R.

4) Beweise 1.1 mit Hilfe von Aufgabe 3).

5) Zeige (mt n) = i?i (7) (k~j)·


k
(Hinweis: Es sei Meine m-Menge und N
eine n-Menge. Ferner sei Mn N = 0. Definiere auf Pk(MU N) eine Äquivalenz-
relation ~ durch X ~ Y genau dann, wenn xn M = yn Mist.)
6) Im Polynomring Z[x] über dem Ring der ganzen Zahlen Z gilt (l+xr+ n =
= (1 +x)m(1 +x)n. Benutze dies und 3), um 5) zu beweisen.

7) Setze O! = 1 und n! = nn

i=1
j für n~ 1. Zeige mit Hilfe von 1.2 (b) und (e), daß

( n) = n! .
1st
k k!(n-k)! .
I. DIE POTENZ MENGE EINER ENDLICHEN MENGE 13

2. Inzidenzstrukturen. Es sei ~ eine Menge, deren Elemente wir


Punkte, und m eine Menge, deren Elemente wir Blöcke nennen. Fer-
ner sei I ~ ~ xm = {(P, b)IPE~, bE m}. Das Tripel ~ = (~, m, I) heißt
dann eine Inzidenzstruktur. Sind ~ und m und damit auch I endlich,
so nennen wir die Inzidenzstruktur 3 selbst endlich. Statt (P, b) E I
bzw. (P, b) ~I schreiben wir im folgenden meist PI b bzw. PI b. Ist PI b,
so sagen wir P inzidiert mit b, der Punkt P liegt auf b, der Block b geht
durch P etc.
Auf I definieren wir zwei Äquivalenzrelationen rv und ::::::< durch
(P, b)rv(Q, c) genau dann, wenn P=Q ist, und (P, b)::::::«Q, c) genau
dann, wenn b = c ist. Die durch P vermöge rv bestimmte Äquivalenz-
klasse bezeichnen wir mit I p und die durch b vermöge ::::::< bestimmte
Klasse mit Ib' Ist 3 endlich, so setzen wir Ilpl=rp und Ilb!=kb. Dann
ist r p die Anzahl der Blöcke durch P und k b die Anzahl der Punkte auf
b. Offensichtlich gilt
2.1. Satz. Ist 3 = (~, m, I) eine endliche Inzidenzstruktur, so ist
~ rp
PE'ß
= 1I1 =~k
bE!B
b•

Die endliche Inzidenzstruktur 3 = (~, m, I) heißt eine linksseitige tak-


tische Konfiguration, falls es eine nicht-negative ganze Zahl r gibt, so
daß rp=r ist für alle PE~. Wir nennen 3 eine rechtsseitige taktische
Konfiguration, falls es eine nicht-negative ganze Zahl k gibt mit k b= k
für alle bE m. Die Inzidenzstruktur 3 heißt taktische Konfiguration
schlechthin, falls 3 sowohl eine rechts- als auch eine linksseitige tak-
tische Konfiguration ist. Ist 3 =(~, m, I) eine taktische Konfiguration,
so heißen die Zahlen v = I~I, b = Iml, kund r die Parameter von 3.
Aus 2.1 folgt unmittelbar
2.2. Korollar. Es sei 3=(~, m, I) eine endliche Inzidenzstruktur und
es sei I~I =v sowie Iml =b.
(a) Ist 3 eine linksseitige taktische Konfiguration, so ist vr = ~ k b •
bE !B
(b) Ist 3 eine rechtsseitige taktische Konfiguration, so ist ~ rp=bk.
PE'ß
(c) Ist 3 eine taktische Konfiguration, so ist vr=bk.
Wie fruchtbar der Begriff der endlichen Inzidenzstruktur ist und
wie nützlich insbesondere die Formeln in 2.1 und 2.2, zeigen schon ein-
fache Beispiele.
2.3. Beispiel. Es sei Meine n-Menge und O~i~I~n. Ist 3 =
= (Pi(M), Pj(M), ~), so ist 3 eine taktische Konfiguration mit den
Parametern v=(7), b=(j), k=({) und r=(;=:).
14 H.LÜNEBURG

Beweis. Die Punkte von 3 sind die i- Teilmengen von M. Daher


ist v = (7).Entsprechend ist b = (j).
Ist b ein Block von 3, so ist b
eine j- Teilmenge von M und die mit b inzidierenden Punkte von 3
sind die in b enthaltenen i- Teilmengen von M. Daher ist k b = (n .
Insbesondere ist k b unabhängig von b. Ist P ein Punkt, so sieht man
mit Hilfe der Abbildung c aus Abschnitt 1, daß die Anzahl rp der Blöcke,
die P enthalten, gleich der Anzahl der (n - j)- Teilmengen von M"'-.P
ist. Also ist r p = (: =i) = (; =:), womit bereits alles bewiesen ist.
2.4. Korollar Ist O~i~j~n, (~) U) = (7) (~=n
so ist

Beweis. Dies folgt aus 2.3 und 2.2 (c).


n
Wir definieren n! durch O! = 1 und n! = II i für n ~ 1. Dann ist, falls
i=1
n ~ 1 ist, n! = n (n - I)!. Wir sind nun in der Lage, eine explizite Formel
für (Z) anzugeben.
2.5. Korollar. Ist O~k;2:n, n ) :;:::
so ist (k ~-;-n_!----:;c:--:-.
k!(n-k)!

Beweis. Ist k=O, so ist O~~! = 1 = (~). Es sei also k~1. Setzt

man in 2.4 i = 1 und j = k und beachtet, man, daß nach 1.2 (b) (7) = n
und (~) = k ist, so erhält man die Formel (~) = I (~= !). Vollständige
Induktion liefert, daß

( n) n (n-l)! n!
k = 7(-(k-I)! (n-l-k+ I)! = k!(-:-n---=-:k)-:-'
ist, q. e. d.

2.6. Korollar. Ist k;2: ~ , so ist (k: 1) -< (~).


Beweis. Setzt man in 2.4 i = k - 1 und j = k, so erhält man

n ) (n-k+
( k-l 1 1) -ln)
- k (k k-1 ) -_ (n)
k (k)
1 .
Also ist

( n) = n-k+l_( n ) >- (~-1)( n ).


k k k-l k k-l

Aus k ~ I folgt schließlich, daß I-I ~ 1 ist, q. e. d.


1. DIE POTENZ MENGE EINER ENDLICHEN MENGE 15

Aufgaben:
1) Sind n und k teilerfremd, so ist (Z) == 0 mod n.
2) Beweise die Identität 2n - k (Z) = i~ U) (~). (Hinweis: Betrachte die Inzi-
denzstruktur (Pk(M), P,!;;k(M), ~). Dabei sei Meine n-Menge und P~k(M)=
={XIXEP(M), IXI~k}.)

3) Beweise die Identität n(n+ 1)2"-' = i


i=1
i' (~).
I

3. Die Anzahl der Partitionen einer endlichen Menge. Es sei Meine


Menge und n eine Teilmenge von P(M). Wir nennen n eine Partition
von M, falls M = U X und X n y = 0 ist, falls X, YEn und X ~ Y
XE"
ist. Die Elemente von n heißen die Komponenten von n. Wir setzen in
diesem Abschnitt stets voraus, daß die Komponenten der betrachteten
Partitionen sämtlich nicht leer sind. Die Partition n heißt k-gliedrig,
falls Inl =k ist. Mit Sen, k) bezeichnen wir die Anzahl der k-gliedrigen
Partitionen einer n-Menge und mit B(n) die Anzahl aller Partitionen
einer n-Menge. Die Zahlen Sen, k) heißen Stirling-Zahlen 2. Art und
die B(n) heißen die Exponentialzahlen. (Die Bezeichnungen Sen, k) bzw.
B(n) für diese Zahlen folgen allgemeinem Gebrauch.)
n
3.1. Satz. (a) Es ist B(n) = ~ Sen, k).
k=l
(b) Es ist Sen, 0) = 0, Sen, 1) = Sen, n) = 1 und Sen, k) = 0 für k >no
(c) Es ist Sen + 1, k) = kS(n, k) + Sen, k -1) für k ~ 1 und alle n.
Beweis. (a) und (b) folgen unmittelbar aus der Definition der Zahlen
Sen, k) und B(n).
(c) Es sei Meine (n+l)-Menge und xEM. Ferner sei 3 die Menge
aller k-gliedrigen Partitionen von M, die {x} als Komponente haben,
und q sei die Menge der übrigen k-gliedrigen Partitionen. Ist nE 3,
so ist 3"-{{x}} eine (k-l)-gliedrige Partition von M,,-{x} und man
erhält jede (k-l)-gliedrige Partition von M,,-{x} auf diese Weise. Also
ist 131 = Sen, k-l).
Ist n'={X1 , ••• ,Xk } eine k-gliedrige Partition von M,,-{x} und
definiert man ni durch n i = {Xl' ... ,Xi-l,XiU{X},Xi+l' ... ,Xk }, so
ist n i eine k-gIiedrige Partition von M, die wegen Xi ~ 0 in q liegt. Da
man auf diese Weise offensichtlich alle Partitionen aus q erhält und
zwar jede genau einmal, ist Iql =kS(n, k). Wegen S(n+ 1, k) = 13\ + \qi
gilt also auch (c), q. e. d.
Als nächstes beweisen wir eine Rekursionsformel für die B(n).
3.2. Satz. Es ist B(n + 1) = i~ (~)B(i). (Dabei ist B(O) = 1 gesetzt.)
Beweis. Es sei Meine n-Menge. Wir betrachten die Inzidenzstruk-
16 H. LÜNEBURG

tur (P(M),~, E), wobei ~ die Menge aller Partitionen von Mist.
Nach 2.1 ist dann
~ rx= ~Inl·
XEP(M) 1tE!!l

Da Sen, k) die Anzahl der k-gliedrigen Partitionen ist, ist


n
~ 1101 = ~ kS(n, k).
1tE!!l k=1
Ist XEPn-i(M), so ist die Anzahl der Partitionen, die X als Komponente
haben, gleich der Anzahl der Partitionen von M""",X, dh. es ist r x = B(i),
falls IX I = n - i ist. Dies ist auch richtig, falls X = M ist, da wir ja
B(O) = 1 gesetzt haben. Also ist

n-l (
~ rx = ~ n-i B(i) = ~
n) n-l (n)i BU),
x EP(M) i=O i=O

da ja r 0 = 0 ist. Insgesamt erhalten wir

k~ kS(n, k) = :?t (7) B(i).


Mit 3.1 (a), (c) und (b) erhalten wir nun
n+l n+1 n+l
B(n+l)= ~ S(n+l,k) = ~ kS(n,k)+~ S(n,k-l) =
k=1 k=1 k=1
n
= k~ kS(n,k)+ k?oS(n, k)
n
= i?i (n)i B(i)+B(n) =
n-l

n-l
= i~
(n)i B(i) + In) (n)
tn B(n) = i?o i B(i),
n
q. e. d.

Wir werden später in Abschnitt 2 von Kapitel III eine geschlossene For-
mel für Sen, k) und B(n) angeben. Hier beweisen wir nur noch eine be-
merkenswerte Formel von Dobinski für die B(n). Zum Beweise dieser
Formel benötigen wir den

3.3. Hilfssatz. Es ist Z U+l)!


i=1
i = 1.

Beweis. Vollständige Induktion liefert, daß


i; i (n+l)!-l
i=1 (i+l)! = (n+l)!
ist, woraus alles weitere folgt.
Im folgenden sei e die durch e = 1: ~ definierte Zahl.
i=O l.
I. DIE POTENZ MENGE EINER ENDLICHEN MENGE 17

3.4. Satz (Dobinski). Es ist B(n + 1) = i


e
i
;=0
(i~, 1)n
l.

Beweis. Ist n =0, so ist ~i ~


= 1 = B(1). Es sei also n >0
e ;=0 l.
und die Richtigkeit von 3.4 sei für alle m -< n bereits gezeigt. Nach 3.2
ist dann

B(n+ 1) = 1 + 1; t)B(i) = 1+ ~ ~ (;) io(j+j~);-1 =

Z - - :-, + Z=1- - :-, Zn()


= -1{=1
e j=o], j=O]. ;=1
.} =
~ (j + 1).-1
1

= li;~(1+Z(~)(j+1);-I)
e j=O]. ;=1
=
1

= i (i
j: (~)1 (j + 1)i) .
~ ]1)'' + 1 + .=1
le J =cO
Aufgabe 3) von Abschnitt 1 liefert, daß

ist. Also ist

B(n+1) = l i C~l)' U+(j+2)n),


e J=o] .
so daß nach 3.3
1( = U+2)n) 1 = (j+1)n.
B(n+ 1) = -
e
1+ Z ('
j=O]+.
1)' = -
e j=O ].
1st, q. e. d. Z .,
Aufgaben:
1) Zeige, daß k!S(n, k) die Anzahl der surjektiven Abbildungen einer n-Menge
auf eine k-Menge ist.
2) Es sei K ein Körper und K[x] der Polynomring in einer Unbestimmten über
K. Wir definieren PolynomefkEK[x] durchfo=l undfk=(x-k+l)A_l für k>1.
Zeige, daß für n>O
n
xn = Z S(n, k)fk
k=1
gilt.
3) Ai,j (i,j=l, 2, ... 3), seien reelle Zahlen mit A1,J=Aj-1,1 für j>1 und
A"j= A'-l,j+A'-l,j+l für i>1. Zeige, daß

A 1 ,n+2 = An+1,1 = .i (~)


'=0
A1,i+l

ist. Setzt man insbesondere AI,1 =B(O)=B(1)= 1, so ist A n +l , I = B(n+ 1). Auf diese
Weise kann man die B(n) sehr rasch rekursiv berechnen.
2
18 H. LÜNEBURG

4) Was ist die Anzahl der Mengen {ab ... , a,} von ganzen Zahlen a j mit i",= 1,
aj >1 und (223092870)"=a 1 .•• a, sowie (ak,a/)=1 für kr=/?
4. Die symmetrischen und alternierenden Gruppen. Mit Zn bezeich-
nen wir die Menge der ersten n natürlichen Zahlen. Ist Meine n-Menge
und ist ep eine Bijektion von Zn auf M, so nennen wir ep eine Anordnung
von M.
4.1. Satz. Die Anzahl der verschiedenen Anordnungen einer n-Menge
ist gleich n!.
Beweis. Ist Meine I-Menge, so ist die Anzahl der Anordnungen
von M. gleich I = 1 !. Es sei cP die Menge aller Anordnungen von Mund
IMI=n>1. Ist xEM, so sei cPx = {eplep E cP, n<P=x}. Dann ist cP=
= U cPx und cPx n cPy = 0, falls x ~ y ist. Ist ep E cPx , so ist die Ein-
xEM
schränkung von ep auf Zn-l eine Anordnung von M~{x} und es ist
klar, daß die Einschränkungen verschiedener Anordnungen aus cPx ver-
schiedene Anordnungen von M~{x} liefern. Da andrerseits auch jede
Anordnung von M~{x} Einschränkung einer Anordnung aus cPx ist,
ist IcPxl = (n-l)! Also ist IcPl= ~ IcPxl = n(n-l)! = n!, q. e. d.
xEM
Ist M eine Menge, so bezeichnen wir mit SM die Menge aller um-
kehrbaren Abbildungen von M auf sich. SM ist bezüglich der Hin-
tereinanderausführung von Abbildungen eine Gruppe, die symmetrische
Gruppe auf M. Die Untergruppen von SM und nur diese heißen Permu-
tationsgruppen auf M.
4.2. Satz. Ist Meine n-Menge, so ist ISMI =n!
Beweis. Es sei ep eine Anordnung von M und IX E SM. Dann ist epIX
ebenfalls eine Anordnung von M und die Abbildung IX ~epIX ist eine
Injektion von SM in die Menge der Anordnungen von M. Ist t/J eine
zweite Anordnung von M, so ist IX = ep-lt/J E SM. Ferner ist IX ~epIX =
= epep-lt/J = t/J, so daß die Abbildung IX~epIX surjektiv ist. Aus 4.1 folgt
daher, daß ISMI =n! ist, q. e. d.
Es sei G eine Permutationsgruppe auf Mund G* sei eine Permuta-
tionsgruppe auf M*. Ist dann IX ein Automorphismus von G, ist ß ein
Isomorphismus von G auf G* und ist ep eine umkehrbare Abbildung
von M auf M*, so heißen die Paare (G, M) und (G*, M*) ähnlich, falls
g"ep=epgP ist für alle gEG. Ist IX=1 und M=M*, so heißen (G, M)
und (G*, M) ähnlich im engeren Sinne. Statt zu sagen, daß (G, M) und
(G*, M*) ähnlich bzw. ähnlich im engeren Sinne sind, werden wir meist
sagen, daß G und G* ähnlich (im engeren Sinne) sind. Sind G und G*
ähnlich im engeren Sinne, so heißt das nichts anderes, als daß G und G*
in SM konjugiert sind.
I. DIE POTENZMENGE EINER ENDLICHEN MENGE 19

4.3. Satz. Die Relation "ähnlich zu sein" ist eine Ä·quivalenzrelation.


Beweis. Es seien G, G*, G** Permutationsgruppen auf M, M*
bzw. M**.
(a) (G,M) ist ähnlich zu (G,M): Setze rx=ß=l und <p=1.
(b) (G, M) sei ähnlich zu (G*, M*). Dann gibt es einen Automor-
phismus rx von G, einen Isomorphismus ß von G auf G* und eine Bi-
jektion<p von M auf M* mit ga<p=<pgP. Setze rx*=ß- 1rx- 1ß, ß*=ß-1
und <p*=<p-1. Es sei g*EG*. Dann gibt es ein gEG mit gaP=g*.
Daher ist

Also ist (G*, M*) ähnlich zu (G, M).


(c) (G, M) sei ähnlich zu (G*, M*) und (G*, M*) sei ähnlich zu
(G**, M**). Die zugehörigen Abbildungen seien rx, ß, <p bzw. rx*, ß*, <p*.
Definiert man rx**, ß** und <p** durch ga** = <pgPa* <p -1 und ß** = ßß*
sowie <p** = <p<p*, so ist
ga.** <p** = <pgPa* <p -1 <p<p* = <pgPa* <p* = <p<p* gPP* = <p** gP**,

so daß also auch (G, M) ähnlich zu (G**, M**) ist, q. e. d.


4.4. Satz. Sind Mund M* zwei endliche Mengen und ist IMI = IM*I.
so sind SM und SM* ähnlich.
Beweis. Es sei <p eine umkehrbare Abbildung von M auf M*. Setze
rx = 1 und definiere ß durch sP = <p -1 s<p für alle s E SM' Dann ist ß ein
Isomorphismus von SM auf S M* und es gilt
sa.<p = s<p = <p<p-1 S<p = <psP,
q. e. d.
Ist IMI =n, so sind also SM und Sn = SZn ähnlich. Sn heißt die
symmetrische Gruppe vom Grade n.
Es sei u E Sn. Mit i(u) bezeichnen wir die Anzahl der Paare (x, y)
mit x, y E Zn und x -< y und y" -< x... Es gilt dann
4.5. Satz. Sind u,-rESn , so ist i(u-r) == i(u)+i(-r) mod 2.
Beweis. Es sei A die Anzahl der Paare (x, y) mit x-<y, x" -<y"
und y .. t -< x"'. Ferner sei B die Anzahl der Paare (x, y) mit x -< y, y" -< x"
und y ..t-<x ..t . Schließlich sei C die Anzahl der Paare (x,y) mit x-<y,
y"-<x" und x ..t-<y..t. Dann ist i(u-r) = A+B, i(u) = B+C und i(-r) =
= A + C. Daher ist

i(u)+i(-r) = A+B+2C == i(u-r)mod2,


q. e. d.
20 H. LÜNEBURG

Wir nennen die Permutation U ESn gerade, falls i(u) gerade ist,
andernfalls ungerade. Aus 4.5 folgt, daß das Produkt von zwei geraden
Permutationen, sowie das Produkt von zwei ungeraden Permutationen
eine gerade Permutation ist, während das Produkt einer geraden (un-
geraden) Permutation mit einer ungeraden (geraden) Permutation eine
ungerade Permutation ist. Hieraus folgt, daß die Menge der geraden
Permutation eine Untergruppe von Sn ist. Diese wird mit An bezeichnet
und heißt die alternierende Gruppe vom Grade n. Überdies folgt, falls
n ~ 2 ist, daß genau die Hälfte aller Permutationen aus Sn ungerade
ist, da es ja wenigstens eine ungerade Permutation gibt nämlich die
durch 1a = 2, 2a = 1 und x a = x für x ~ 3 definierte Permutation u. Wir
haben also den
4.6. Satz. Die Menge der geraden Permutationen aus Sn bildet eine
Untergruppe An von Sn' Ist n~2, so ist IAnl =tn!

Es sei Meine n-Menge und ({J sei eine Anordnung von M. Das
Element uE SM heißt gerade bzw. ungerade, falls i«({JU({J-l) gerade bzw.
ungerade ist. Ist ljJ eine zweite Anordnung von M, so ist ljJ({J -1 ESn.
Ferner ist (ljJ({J-l)«({JU({J-l)(ljJ({J-l)-1 = ljJuljJ-l. Daher ist
i(ljJuljJ-l) == i(ljJ({J-l) + i«({JU({J-l) + i(ljJ({J-l)-I) mod 2.
Nun ist
i(ljJ({J-l)+i(ljJ({J-l)-I) == i(ljJ({J-l({JljJ-l) = i(l) = omod 2.
Daher ist i(ljJuljJ-l) == i«({JU({J-l) mod 2. Die Definition der Geradheit
bzw. Ungeradheit eines Elementes aus SM ist also von der Auswahl der
Anordnung ({J unabhängig.
4.7. Satz. Es sei M eine endliche Menge. Ferner sei jedem xEM
eine endliche Menge A x zugeordnet. Schließlich sei A die Menge aller
Abbildungen von M in U A x mit fex) EA x für alle xE M. Dann ist
xEM

Beweis. Ist IM 1= 1, so ist unsere Behauptung offensichtlich richtig.


Es sei IM I= n >- 1 und m sei ein festgewähltes Element aus M. Sind
1, gEA, so sei genau dannfrvg, wennf(m)=g(m) ist. Die Relation rv
ist eine Äquivalenzrelation. Es sei A(b) die durch b EA m bestimmte Äqui-
valenzklasse. Dann ist IA(b) I die Anzahl der Abbildungenlvon M",{m}
in U A x mit lex) E Ax für alle von m verschiedenen xE M. Daher ist
xEM
x,,;;m

IACb) I= n IAxl und folglich lAI = bEAZ


xEM m
IA(b)1 = n IAxl, q. e. d.
xEM
x,,;;m
I. DIE POTENZ MENGE EINER ENDLICHEN MENGE 21

4.8. Satz. Ist a E Sn+1' so sei ik(a) (k = 1,2, ... , n) die Anzahl der
Elemente xE{k+l,k+2, ... ,n+l} mit x"<.k". Die durch qJ(a)=
= (i1(a), ... , in(a») definierte Abbildung qJ ist eine Bijektion von Sn+1 auf
die Menge der n-Tupel (i1, ... , in) mit 0 ~ ik ~ n + 1 -k.
Beweis. Wir betrachten die Menge aller Abbildungen i von Zn in
Zn U {O} mit ik EZn+1-k U {O}. Die Anzahl dieser Abbildungen ist nach
n
4.7 gleich ll[Zn+1-kU{O}[ = (n+l)!, dh. die Anzahl der n-Tupel
k=l
(i1, ... , in) mit 0 ~ ik ~ n + 1 -k ist (n + I)! Da qJ eine Abbildung von
Sn+1 in die Menge dieser n-Tupel ist, genügt es zu zeigen, daß qJ sur-
jektiv ist. Es sei also (i1, ... , in) ein n-Tupel von ganzen Zahlen mit
o ~ ik ~ n + 1 - k. Wir definieren a ESn+1 folgendermaßen: 1" = i1 + 1.
Sind 1",2", ... , (k-1Y schon definiert und ist
{Yl, Y2' ... , Yn+1-(k-1)} =Zn+1 ""-{I", 2", ... , (k -1)"}
mit Yl <. Y2 <. ... <. Yn+1-(k-1), so gilt wegen ik ~ n + 1 - k die Ungleichung
ik + 1 ~ n + 1- (k -1). Wir setzen daher k" = Yik+1' Schließlich sei
(n + 1)" das einzige noch verbleibende Element, welches nicht Bild eines
kEZn unter a ist. Es ist klar, daß aESn + 1 ist. Was ist ik(a)? Nach un-
serer Konstruktion ist {k, k + 1, ... , n + I}" = {Yu ... , Yn+1-(k-1)}' Unter
den Elementen k, k + 1, "', n + 1 gibt es genau i k , welche auf Yl, ... , Yik
abgebildet werden. Wegen k"= Yi k+ 1 ist daher ik(a)=ik • Damit ist qJ als
surjektiv erkannt, q. e. d.
Aufgaben:
1) Ist n ~ 3, so ist Sn nicht abelsch.
2) Ist n~4, so ist An nicht abelsch.
3) Ist 1 r"lTEA 5 , so ist die Ordnung von lT gleich 2, 3 oder 5.
4) Ist n~6, so gibt es Elemente in An, deren Ordnung keine Primzahl ist.
5) Beweise die Polynomidentität
n
(x-1)n 1: xi(a) = ll(xi+1-l).
UESn+l i=l
(Hinweis: Benutze 4.8.)
6) mund n seien natürliche Zahlen. Ferner sei N = mn+ 1 und lfJ sei eine An-
ordnung von ZN' Zeige: Es gibt entweder m+ 1 Zahlen 1 ~il<i2<'" <im+l~N
mit rp(i1)<IfJ(i2)<"'<IfJ(im+l) oder n+l Zahlen l~jl<j2<···<jn+l~N mit
IfJ(jJ>rp(j.»··· >1fJ(jn+l)' (Anleitung: Ist xEZN , so sei IX die Länge der längsten
mit lfJ(x) beginnenden aufsteigenden Kette der Art lfJ (x) < rp (x') < •• , mit x<x' < .••
und Ix die Länge der längsten mit lfJ(x) beginnenden absteigenden Kette. Betrachte die
Abbildung x-W, Ix) und benutze 4.7.)

5. Das Sperner'sche Lemma. Es sei M eine Menge und Kfi. P(M).


Gilt für irgendzwei Elemente X, YEK entweder Xfi. Y oder Yfi.X,
22 H. LÜNEBURG

so heißt K eine Kette von P(M). Gilt für alle X, Y EK mit X ~ Y stets
X~ Y und Y~ X, so heißt Keine Antikette. Die Kette K heißt maxi-
mal, falls K~K'~P(M) und K' Kette, K=K' impliziert. Ist Meine
n-Menge und K eine maximale Kette von P(M), so ist offenbar :KI =
=n+1.
5.1. Satz. Ist IM I= n, so ist die Anzahl der maximalen Ketten von
P(M) gleich nL Ist XE Ps (M), so ist die Anzahl der maximalen Ketten K
mit XEK gleich s! (n -s)!

Beweis. Ist q; eine Anordnung von M, so setzen wir M '1'.0 = 0 und


M<p,i = {q;(j)!j;§i} für i= 1,2, ... , n. Die Menge K<p = {M<p,i li=O,I, ... , n}
ist dann eine maximale Kette von P(M). Ferner ist klar, daß K<p =K",
die Gleichheit von q; und ljJ impliziert. Überdies erhält man alle maxima-
len Ketten auf diese Weise. Also ist die Anzahl der maximalen Ketten
von P(M) gleich nL
Es sei Sl die Menge der maximalen Ketten. Wir betrachten die
Inzidenzstruktur (P.(M), Sl, E). Sind X, YEPs(M), so gibt es ein (JE SM
mit X" = Y. Weil (J maximale Ketten auf maximale Ketten abbildet,
ist~die Anzahl der maximalen Ketten durch X gleich der Anzahl der maxi-
malen Ketten durch Y. Da andrerseits jedes KESl genau ein XEPs(M)
enthält, ist (ps (M), Sl, E) eine taktische Konfiguration mit den Para-
metern v=(;), b=n!, rund k=1. Nach 2.2 (c) ist daher (;)r=n!, so
daß nach 2.5 folglich r = s! (n - s)! ist, q. e. d.
5.2. Satz (Lubell). Ist J eine Antikette von P(M) und ist Meine
n-Menge, so ist
n
X~J ( lXI
)-1 ;§ 1.
Beweis. Weil jede maximale Kette von P(M) höchstens ein XEJ
enthält, folgt nach 5.1, daß

Z IXI!(n-IXj)! ;§ n!
XEJ
ist, q. e. d.
Ist x eine reelle Zahl, so sei [x] die eindeutig bestimmte ganze Zahl
g mit g ;§ x -< g + 1.

5.3. Korollar (Sperner'sches Lemma). Ist Meine n-Menge und ist


g=[2- 1 n], ist ferner J eine Antikette von P(M), so ist IJI;§(;).
Beweis. Wegen 1.2 (a) und 2.6 ist (I;'I);§(;) =r. Nach 5.2 ist
daher
1. DIE POTENZ MENGE EINER ENDLICHEN MENGE 23

q. e. d.
Ist Meine n-Menge, so besitzt P(M) eine Antikette J mit IJI = (;),
nämlich J=Pg(M). Ist n ungerade, so ist auch Pg+1(M) eine Antikette
mit (;) Elementen. Umgekehrt gilt

5.4. Satz (Sperner). Es sei J eine Antikette von P(M) mit IJI =

= ([1~)2])·
(a) Ist IMI=2n, so ist J=Pn(M).
(b) Ist IMI=2n+l, so ist J=Pn(M) oder Pn+l(M).
Beweis. Wie wir beim Beweise des Sperner'schen Lemmas gesehen
haben, gilt
IMI
IJI ( [IMI/2]
-<
=
)-1 xi
(IMI)-l
lXI :§ 1.

Wegen IJI = ([[~)2]) ist daher

X~J n~n-l ([1~)2]) = ([1~)2])·


Hieraus, aus n~I):§ ([1~)2]) und IJI = ([1~)2]) folgt n~l) =
= ([1~)2]) für alle XE J. Aus 1.2 (a) und 2.6 folgt schließlich, daß
lXI = [IM 1/2] oder evt. lXI = [IMI/2] + 1 ist.
(a) Ist IMI=2n, so ist (~n»{n~d = (n~d, so daß nach un-
serer Vorbemerkung lXI =n ist für alle XEJ. Wegen IJI = IPn(M)1 ist
daher J=Pn(M).
(b) Es sei IM I = 2n + 1. Ferner seien Xl' ... , X s alle Teilmengen der
Länge n + 1 von M, die in J liegen. Ist s = 0, so ist J = Pn(M). Es sei
also s~1. Wir betrachten die Inzidenzstruktur 'J=(Pn(M)"",J, {Xl' ...
... , X s }, ~). Dann ist Pn(M)"",J=Pn(M)"",(J"",{Xl , ... , X s }), so daß
(2n:l)_(IJI_s) = s die Punkteanzahl von 'J ist. Ist YEPn(X;) für

E
ein i Zs, so ist Y ~ J. Daher inzidiert jeder Block von 'J mit (n ~ 1) =
= n + 1 Punkten. Nach 1.2.3 ist schließlich r y :§ (~:/-=-nn) = n + 1
für alle Punkte Y von 'J. Weil 'J eine rechtsseitige taktische Konfigura-
tion ist, ist nach 1.2.2. (b) daher
s(n+ 1) ~ Z ry = s(n+ 1),
24 H. LÜNEBURG

da s ja auch die Anzahl der Blöcke von 3 ist. Hieraus folgt, daß sogar
ry = n + 1 ist für alle Punkte Y von 3. Dies bedeutet wiederum, daß
jede (n + I)-Teilmenge von M, die einen Punkt von 3 enthält, zu J ge-
hört. Hieraus folgt wiederum, daß XEPn+I(M) zu J gehört, falls es ein
iEZ. gibt mit Ixnxjl = n.
Es sei nun XEPn+I(M). Ist X = Xl' so ist XEJ. Es sei also
X ~Xl' Ferner sei xn Xl = {Xl' ... , xJ, Xl = {Xl' ... , Xn+l} und
X={xI , ... ,Xj,ZI' ""Zn+l-J. Wir setzen X(i)=XI und X(i+k+I)=
= (X(i+k)"-{Xi+k+I})U{Zk+I} für k=O,I, ... ,n-i. Dann ist
IX(i+k) nX(i+k+ 1)1 = n. Ist X(i +k)EJ, so ist also, wie wir gesehen
haben, auch X(i+k+I)EJ. Wegen X(i)=XIEJ ist daher X(i+k)EJ
für k = 0, I, ... ,n+l-i. Aus X = X(n+l) folgt somit XEJ. Damit
ist gezeigt, daß Pn+I(M)~J ist. Hieraus und aus jPn+I(M)j = jJj folgt
schließlich die Behauptung.
Aufgabe:
Es seien bb ... ,bn reelle Zahlen mit min bk=b>O. Wir setzen B=(bb ... ,b,;}.
l~k~n
n
Ferner sei V=(eb ... , e,;} mit eiE{l, -l}. Schließlich sei VB = Z e,b
j=l
i • Zeige, daß

sup I{vlx-b "" VB< x+b}1 ~ ([n/2])


ist, wobei das Supremum über alle reellen Zahlen x zu bilden ist. (Hinweis: Es sei
T(V)={kll ""k~n, ek=l} und J(x) = {T(V)lx-b ~ VB< x+b}. Zeige, daß J(x)
eine Antikette ist.)
11. Operatorgruppen

1. Sätze von Cauchy und Burnside. Es sei M eine Menge und G


eine Gruppe. Ferner sei (m, g) -+m g eine Abbildung des cartesischen
Produktes MX G von M mit G in M. Gelten dann

(1)
und
(2)
für alle mE M und alle g, hE G, so heißt G Operatorgruppe auf M.
Folgt aus m g = m für alle m EM, daß g = 1 ist, so ist G eine U nter-
gruppe von SM, dh. eine Permutationsgruppe auf M. Der Begriff der
Operatorgruppe ist also eine Verallgemeinerung des Begriffes der Per-
mutationsgruppe.
G sei eine Operatorgruppe auf der Menge M. Die Elemente x und
y aus M heißen G-äquivalent, falls es ein gE G gibt mit x g = y. Aus (1)
und (2) folgt, daß die G-Äquivalenz wirklich eine Äquivalenzrelation
ist. Die Äquivalenzklassen dieser Äquivalenzrelation heißen die Bahnen
von G.
Ist G eine Operatorgruppe auf M und ist xE M, so ist Gx =
= {gig E G, x g = x} der Stabilisator von x in G. Offenbar ist Gx eine
Untergruppe von G.
1.1. Satz. Ist G eine Operatorgruppe auf M, ist G endlich und ist B
eine Bahn von G, ist ferner xEB, so ist IGI = IBI/Gxl.

Beweis. Wir definieren auf G eine Äquivalenzrelation durch g rv h


genau dann, wenn x g = x h ist. Es sei gE G und K die durch g bestimmte
Äquivalenzklasse. Ist hEK, so ist xg=xh und daher Xgh-1=X, dh. es
ist gh- 1 EGx . Ist h ~ k EK, so ist gh- 1 ~ gk-l, so daß die durch h -+ gh- 1
erklärte Abbildung von Kin Gx injektiv ist. Ist andererseits lE Gx , so
ist XI-1g=X g und daher l-lgEK. Ferner ist g(l-lg)-l=l, so daß die
Abbildung h -+gh- 1 für hE K auch surjektiv ist. Dann folgt aber, daß
IKI = IGxl ist. Weil B eine Bahn von G ist, ist IBI die Anzahl der Äquiva-
lenzklassen, so daß IGI = IBllGxl ist, q. e. d.
26 H. LÜNEBURG

1.2. Satz von Cauchy. Ist G eine endliche Gruppe und p eine Prim-
zahl, die IGI teilt, so ist die Anzahl der Lösungen der Gleichung x P = I
mit xE G durch p teilbar. Insbesondere enthält G ein Element der Ord-
nung p.

Beweis (J. H. McKay). Es sei IGI = n. Ferner sei M die Menge der
p-Tupel (al' ... ,ap) mit aiEG und a l a 2 ... ap=1. Wegen a2a 3 ... apa l =
=a1 l a l a 2 ... apal =allal = I ist mit (al' ... , ap) auch (a 2, ... , ap' a l ) ein
Element von M. Mit vollständiger Induktion erhält man, daß für i EZp
auch (aUi ' a 2+ i , ... , ap+ i) EM ist, wobei die Indizes mod p zu reduzieren
sind. Die zyklische Gruppe H der Ordnung p operiert also als Operator-
gruppe auf M. Weil p eine Primzahl ist, haben die Bahnen von H nach
1.1 die Länge 1 oder p. Nun ist genau dann I(a l , ... , ap)HI = 1, wenn
a l = a 2 = ... = ap ist. Dies besagt wiederum, daß die Anzahl r der Bahnen
der Länge I gleich der Anzahl der Lösungen xE G mit x P = I ist. Ist
s die Anzahl der übrigen Bahnen, so ist also r+sp = IMI. Weil es zu
gegebenen a l , ... , ap- l EG genau ein ap E G gibt mit a l ... ap-lap = 1, ist
nach 1.4.7 andrerseits IMI =n P - l . Also ist r == r +sp = n P - l == 0 modp,
q. e. d.
Ist G eine Operatorgruppe auf M und ist M endlich, so bezeichnen
wir mit X(g) die Anzahl der Fixelemente von g, dh. die Anzahl der
xE M mit x g = x. Die Abbildung X von G in die Menge der nicht-negati-
ven ganzen Zahlen heißt der Permutationscharakter von G.
1.3. Satz (Burnside). Ist G eine endliche Operatorgruppe auf der
.endlichen Menge M, ist X der Permutationscharakter und t die Anzahl
der Bahnen von G, so ist t IGI = ~ x(g).
gEG

Beweis. Wir betrachten die Inzidenzstruktur (M, G, I) mit x I g


genau dann, wenn x g =x ist. Dann ist k g = X(g) und nach 1.2.1 daher
111 = ~ x(g). Ist x EM, so ist rx = IGxl so daß nach 1.2.1 auch III = ~ IGxl·
gEG xEM
t
Es seien BI, ... , B t die Bahnen von G. Dann ist ~ IGxl =Z ~ IGxl.
xEM i=l xEB,
Nach 1.1 ist, falls xEBi ist, IGxl = IGIIBil-l. Also ist Z IGxl
xEB i
t
= Z IGIIBil-l = IGI· Daher ist Z Z IGxl = t IGI, q. e. d.
xEB, i=l xEB,
Wie der Beweis von 1.3 zeigt, gilt auch Z IGxl = t IGI.
xEM
1.4. Satz (Burnside). Es sei G eine endliche Operatorgruppe auf der.
endlichen Menge M. Ferner seien BI, ... , B t die Bahnen von G und X der
Permutationscharakter von G. Ist x EBi und ist Si die Anzahl der Bahnen
t
von Gx , so ist IGI Z s, = ~ X(g)2.
i=l gEG
Ir. OPERATORGRUPPEN 27

Beweis. Wir betrachten die Inzidenzstruktur(M X M, G,I) mit (x,y)Ig


genau dann, wenn x g=x und yg = y ist. Dann ist k g = X(g)2 und daher
II! = Z X(g)2. Andrerseits ist r(x,y) = !Gx,y!, so daß also such
gEG

ist. Gx ist als Untergruppe von Gebenfalls Operatorgruppe auf M.


Ist Sx die Anzahl der Bahnen von Gx in M, so ist nach unserer Bemerkung
im Anschluß an den Beweis von 1.2 also Z !Gx,y! =sx !Gxl. Sind x, yEBi ,
yEM
so ist Sx = Sy (s. Aufgabe 2)), dh. es ist Sy =Si für alle y E Bi' Daher ist

q. e. d.
Aufgaben:
U und V seien zwei Teilmengen der Gruppe G. Die Mengen U und V heißen
konjugiert in G, falls es ein gEG gibt mit r 1Ug= V. Dabei ist r1Ug={r1ugluE U}.
1) Ist G Operatorgruppe auf M, ist U eine Untergruppe von G und B eine Bahn
von U und ist schließlich g EG, so ist Bg eine Bahn von g -1 Ug.
2) Ist G eine Operatorgruppe auf M und liegen die Elemente x und Y aus M
in derselben Bahn von G, so sind Gx und Gy konjugiert. Ist gEG und x 9 =y, so gilt
g-lG x g=Gy • Hieraus und aus 1) folgt, daß die Anzahl der Bahnen von Gx gleich
der Anzahl der Bahnen von Gy ist, falls x und y in der gleichen Bahn von G liegen.
Ist G eine Operatorgruppe auf M und gibt es zu je zwei k-Tupeln x" ... , X k
und Yl, ... , Yk von paarweise verschiedenen Elementen von Mein gEG mit Xf=Yi
(i= 1,2, ... , k), so heißt G k-fach transitiv auf M.
3) Ist G eine auf M zweifach transitiv operierende Operatorgruppe und ist
N ein von Eins verschiedener Normalteiler von G, so ist N transitiv auf M.
4) Zeige, daß die Sn auf Zn n-fach und daß die An auf Zn (n - 2)-fach aber nicht
(n-l)-fach transitiv ist.
5) Ist G=Sn oder An, so ist die Einschränkung des Stabilisators Gn von n auf
Zn-1 gleich S"-1 bzw. An-I'
Es sei M eine endliche Menge. Ferner sei aESM. Die Bahnen der von a erzeugten
Untergruppe (a) von SM nennen wir die Zykel von (J'. Ist Zein Zvkel von a, so ist
Z = {zuil i = 0, 1, ... , IZI-l}, falls zEZ ist. Setzt man Zi=zu i und IZI = r+ 1, so
beschreibt das (r+ 1)-Tupel (zo, z" ... , zr) vollständig die Wirkung von (J' auf Z.
Es ist ja z~ =Zi+b falls i<r und z~ = Zoo Sind Z,=(zo,,, Zl,i' ... , zr.,,) (i= 1,2, ... , k)
alle Zyklen von a, so kann man also (J' mit '

identifizieren. Bei dieser Darstellung von (J' kann man noch die Zyklen der Länge
1 weglassen. Ist (J'ES, und ist a=(1, 2, 3)(4, 5), so ist also 1G=2, 2G= 3, 3G= 1, 4 G= 5,
5G=4, 6G=6 und 7G=7.
Die Darstellung von (J' in Zyklenschreibweise ist nicht eindeutig, da einmal
zo" jedes Element aus Z, sein kann und weil überdies die Numerierung der Zyklen
völlig willkürlich ist. Ist z. B. wieder (J'=(1, 2, 3) (4,5), so ist auch a=(2, 3, 1)(4,5)
sowie (J'= (5, 4)(3, 1, 2) etc.
28 H. LÜNEBURG

6) Man schreibe die durch l a =2, 2a =3, 3a =4, 4 a =5, 5a =6, 6a =7, 7 a = 1 und
1'=1,2<=3,3<=5,4<=4,5'=2,6<=6,7'=7 definierte Permutationen a und 7: in
Zyklenschreibweise.
7) Es sei a=(1, 3, 2)(4, 7) und 7:=(1,2,3,4)(5,6). Man bestimme aT und u,
sowie a i für i= 1,2, ... ,6 und 7: i für i= 1,2,3,4.
8) Man bestimme (a., a.)(a., a4)(a4, aa)(aa, a.).
9) Es sei r~2. Bestimme (i, i+r-l)(i+r-l, i+r)(i, i+r-l).
10) Es sein~2und ai=(i, i+l) (i=1,2, ... ,n-I). Zeige, daß Sn von a., ... ,an- 1
erzeugt wird.
11) Es sei aESM und I., ... , lk seien die Längen der verschiedenen Zyklen von
a. Zeige, daß
sgn a = ( -I)h +1.+··· +lk-k
ist.
12) Es sei aESM • Ist o(a) ungerade, so ist aEA M • Dabei bezeichne o(a) die
Ordnung von a.

2. Abbildungen. Es seien Mund N zwei Mengen. Mit NM bezeich-


nen wir die Menge aller Abbildungen von M in N. Dann gilt
2.1. Satz. Sind Mund N endliche Mengen, so ist INMI = INIIMI.
Beweis. Setze A =NM und Ax=N für alle xEM. Nach 1.4.7 ist
dann INMI = lAI = n
IAxl = INIIMI, q. e. d.
xEM
Mit 2.1 erhält man aufs Neue einen Beweis für die Tatsache, daß
IP(M) I = 2 1MI ist. Ist nämlich N = {O, I}, so ist nach 2.1 IN MI = 2 1MI .
Ist andrerseits XEP(M) und definiert man IxENM durch
I für yEX
Ix(Y) = { 0 für y~ X
so ist X -->-Ix eine Bijektion von P(M) auf NM, womit bereits alles be-
wiesen ist.
2.2. Korollar. Ist V ein Vektorraum vom Rang n über einem end-
lichen Körper K mit IKI =q, so ist IVI =qn.
Beweis. Es sei bl , .•. , bn eine Basis von V. Ist vE V, so gibt es ein
eindeutig bestimmtes n-Tupel XI(V), ... , xn(v) von Elementen von K mit
n
v = L: bi x; (v). Die Abbildung v -(Xl (v), ... , xn(v)) ist offensichtlich
i=l
eine Bijektion von V auf die Menge aller Abbildungen von Zn in K.
Nach 2.1 ist daher IVI = IKznl =qn, q. e. d.
Es sei Meine n- Menge. Eine umkehrbare Abbildung von Zt in
M heißt eine t-Anordnung von M. Eine n-Anordnung von M ist dann
nichts anderes als eine Anordnung.
2.3. Satz. Ist t § n, so ist die Anzahl der t-Anordnungen einer n-Menge
gleich (n ~!t)!
11. OPERATORGRUPPEN 29

Beweis. Es sei Meine n-Menge und T die Menge der t-Anordnungen


von M. Wir betrachten die Inzidenzstruktur (T, Pt (M), I) mitfIX genau
dann, wennf(Zt) =X ist, dh. es ist genau dannfIX, wennf eine Anord-
nung von X ist. Nach 1.4.1 ist daher k x = t! für alle XE Pt (M). Da andrer-
seits jedes fE T mit genau einem XE Pt(M) inzidiert, ist (T, Pt(M), I)
eine taktische Konfiguration mit den Parametern v = ITI, b = (~), k = t!

und r = 1. Nach I.2.2 (c) und I.2.5 ist daher ITI = (~) t! = (n :!t)! '
q. e. d.
2.4. Satz. Es sei N die Anzahl der Abbildungen f von Zr in Zn mit
i f ~ (i + 1)f für i= 1,2, ... , r -1. Dann ist
N= (n+r-1) = (n+r-1).
n -- 1 r
Beweis. Es sei f'" = W + i - 11 i = 1, 2, ... , r}. Wegen i f ~ (i + 1)f
ist i f + i - 1 -< (i + 1)f + (i + 1) -1. Daher istf'" EPr(Zn+r-I)' Ist f'" = g"',
so ist i f + i-I = i 9 + i - 1 für alle i und daher f = g, womit gezeigt
ist, daß q> injektiv ist. Ist schließlich {Xl' ... , xr}EPr(Zn+r-l) und ist
Xl -< X2 -< ... -< Xr und definiert man f durch i f = Xi - i + 1, so ist
i f ~ (i + 1)f undf'" = {Xl> ... , Xr}, so daß q> auch surjektiv ist. Daher ist
N = IPr(Zn+r-I)I, q. e. d.
Es sei Meine n-Menge. Setze A = MZr. Wir machen Sr zur Opera-
torgruppe auf A durch die Vorschriftj"" = (T-If Ist r eine Bahn von Sr
auf A, so heißt reine r-Auswahl von M.
2.5. Satz. Die Anzahl der r-Auswahlen einer n-Menge ist (n + ~ - 1) .
Beweis. Die Anzahl N der r-Auswahlen einer n-Menge M hängt
nur von n und r ab. Wir können daher annehmen, daß M = Zn ist.
Es sei f eine Abbildung von Zr in Zn und es sei i{ ~ i{ ~ ... ~ if.
Wir definieren die Permutation (T E Sr durch iJ = j. Setzt man g = j"", so
r-
ist j9 = pa = 1= if für alle j. Also ist j9 = if ~ i{+l = (j + 1)9 für
alle jEZr- l . Überdies liegt g in der durch f bestimmten r-Auswahl
r von M. Es sei hEr und jh ~ (j + 1)h für alle jE Zr -1' Wir zeigen, daß
h = g ist. Angenommen es sei h ~ g. Dann gibt es ein j mit j9 ~ jh. Wir
können o. B. d. A. annehmen, daß j9 -<jh ist. Wegen g, h Er gibt es ein
eESr mit g=h g. Es sei i~j undj~ig-1. Dann ist

Dieser Widerspruch zeigt, daß aus i ~j die Ungleichung i g- 1-<j folgt.


Hieraus folgt weiter, daß Zr '
echt in Zj enthalten ist. Dieser letzte
Widerspruch zeigt, daß doch g = h ist. In jeder r-Auswahl r gibt es also
30 H. LÜNEBURG

genau ein g mit i 9 2 (i + 1)9 für alle i EZr -1' SO daß die Anzahl der
r-Auswahlen nach 2.4 gleich (n + ~ - 1) ist, q. e. d.
Da ein Wurf mit drei Würfeln nichts anderes als eine 3-Auswahl von
Z6 ist, ist die Anzahl der verschiedenen Würfe, die man mit drei Würfeln
machen kann, gleich (~) = 56.
2.6. Satz. Ist c(r, I) die Anzahl der Elemente aus Sr, die genau I Zyk-
len besitzen, so ist

(n+;-I)r! =/~c(r,l)nl
für alle natürlichen Zahlen n.
Beweis. Es sei X der Permutationscharakter von Sr bzg. der Dar-
stellung von Sr auf MZr und es sei IM I = n. Die Anzahl der Bahnen
von Sr ist nach 2.5 gleich (n + ~ - 1), so daß nach 1. 3 und 1.4.2 daher
(n+~-I)r! = Zx(a) ist. Es seien C1 , ... ,C1 die Zyklen von a.
lTES r
Genau dann ist flT = J, wenn f auf den einzelnen Zyklen konstant ist,
dh. wenn aus x, y ECi folgt, daß x f = yf ist. Daher ist X(a) gleich der
Anzahl aller Abbildungen einer I-Menge in eine n-Menge. Nach 2.1
ist somit x(a) =nl • Da x(a) nur von der Anzahl der Zyklen von a ab-
hängt, ist folglich (n + ~ -1) r! = i 1=1
c(r, I)n l, q. e. d.
Die Zahlen c(r, I) heißen die vorzeichenlosen Stirling-Zahlen 1. Art;
die Zahlen s(r, l)=(-l)r+lc(r, I) die Stirling-Zahlen 1. Art schlechthin.
2.7. Satz. Es ist
c(r, 1) = (r-l)!, c(r, r) = 1
und
c(r, I) = c(r-l,I-I)+(r-l)c(r~I,I)für 1</<r.
Beweis. Sind Cl'"'' CI die Zyklen der Permutation a, so ist
I
121C;j2r und Z IC;j=r. Ist also l=r, so ist ICil=1 für alle i und
;=1
daher a = 1. Somit ist c(r, r) = 1. Ist! = 1, so ist IC1 1= r, dh. es ist Cl = Zr·
Es sei ai die Anzahl derjenigen a mit IC1 1= r, für die i lT = r ist. Wir
definieren -rE Sr-l durch p=jlT, falls j=;z!c.i ist, und ~urch it=r lT . Wegen
rlT=;z!c.r=;z!c.i ist -r wirklich eine Permutation aus Sr-I' Die Anzahl der
Zyklen von -r ist wiederum 1. Ferner ist klar, daß verschiedene a's zu
verschiedenen -r's führen. Also ist ai 2 c(r -1, 1). Ist umgekehrt -r E S'-l
und besitzt -r nur einen Zyklus, so definieren wir a E Sr durch jlT = p,
falls j =;z!c. i ist und durch i<J = rund r lT = i t • Dann hat a ebenfalls nur einen
H. OPERATORGRUPPEN 31

Zyklus und es folgt, daß ai = c(r -1, 1) ist. Folglich ist c(r, 1) =
r-l
= ~ ai = (r-I)c(r-I, 1) = (r-I)!
i=1
Es sei nun 1 <. I<. r. Ferner sei b1 die Anzahl der 0' E Sr, die genau t
Zyklen besitzen und für die gilt, daß r U = r ist. Dann ist b1 = c(r -1, I-I),
da ja {r} ein Zyklus von 0' ist. Wie eben sieht man, daß die Anzahl b2
der übrigen Permutationen mit I Zyklen gleich (r - I )c(r - I, I) ist.
Daher ist c(r, I) = b1 +b2 = c(r-I, I-I) +(r-I)c(r-I, I), q. e. d.
Aufgaben:
1) Es sei Meine n-Menge. Definiert man auf P(M) eine Addition + durch
X + Y = (X u y)" (X n Y), so ist P(M) bzg. dieser Addition eine elementarabelsche
2-Gruppe.
2) Es sei Meine n-Menge und k eine natürliche Zahl mit 2 § 2k § n-1.
Zeige, daß es Bb ... , Bn-IEPZk(M) gibt mit der Eigenschaft: Ist XEP(M) und ist
IXI=Omod2, so gibt es eine eindeutig bestimmte Teilmenge I'?Zn_1 mit X = ~ Bi'
iEI
3) Es sei x eine r-Auswahl der Menge M und fEx. Definiere auf Zr eine Äqui-

rl ert r;,fl.
valenzrelation ~ durch i~j genau dann, wenn iJ=j! ist. Ab ... , A s seien die Äqui-

valenzklassen dieser Äquivalenzre1ation. Setzt man IAil=r i , so ist lxi =

(Die Zahlen trt r}/trt r;l) heißen MUltinomialkoeffiZienten.)


4) Es sei Meine n-Menge und r eine natürliche Zahl. Ferner sei N die Anzahl
der Paare (X,/) mit (a) @;>!XEP(M), (b)fist eine Abbildung von Xin die Menge der
natürlichen Zahlen und (c) r = ~ fex). Dann ist N = (n+r-1) .
xEX r
5) Zeige, daß s(r, I) = s(l'-l, 1-1)-(r-1)s(r-l, I) gilt, falls 1<1<1' ist.
6) Es sei K ein Körper und K[x] der Polynomring in einer Unbestimmten
über K. Wir definieren Polynome AEK[x] durch fo= 1 und fk = (x-k+ l)fk-1 für
k~1. Zeige, daß für n~l
n
fn = ~ sen, l)x'
1=1

ist. (Vgl. Aufgabe 2) von Abschnitt 1.3.)


7) Setze sen, k)=O für k>n. Dann gilt
# #
~ Sen, k)s(k, m) = <>n,rn = ~ sen, k)S(k, m),
k=1 k=1

wobei Il=min {n, m} gesetzt und <>n,m=O für n;>!m und <>n,n= 1 ist.

3. Die SyIow'schen Sätze. Es sei G eine endliche Gruppe und H


sei eine Untergruppe von G. Wir machen H durch die Vorschrift gh = gh
zur Operatorgruppe auf G. Es sei IG:HI die Anzahl der Bahnen von H.
Ist hE Hund gE G, so impliziert gh = g, daß h = I ist. Ist X der Permu-
tationscharakter von H, so ist nach 1.3 daher IG:HIIHI = ~ X(h) =
hEH
= x(1) = IGI· Es gilt also der
32 H. LÜNEBURG

3.1. Satz von Lagrange. Es sei G eine endliche Gruppe. Ist H eine
Untergruppe von G, so ist IHI ein Teiler von IGI.
Die Bahnen von H sind von der Form gH = {ghlh EH}. Sie heißen
die Linksrestklassen von G mod H. Offensichtlich ist IgHI = IHI für
alle gEG. Definiert man gh durch gh=h-1g, so wird H ebenfalls zu
einer Operatorgruppe auf G. Die Bahnen heißen die Rechtsrestklassen
von Gmod H. Wie oben folgt, daß IG:HI auch die Anzahl der Rechts-
rechtklassen von G mod H ist. Die Zahl IG:HI heißt der Index von
Hin G.
Die Umkehrung des Satzes von Lagrange ist falsch, dh. ist tein
Teiler von IGI, so gibt es im allgemeinen keine Untergruppe U von G
mit IUI =t. Es ist jedoch richtig, daß Geine Untergruppe der Ordnung t
enthält, falls t Potenz einer Primzahl ist. Es ist eines der Ziele dieses
Abschnitts, diesen Satz zu beweisen.
3.2. Hilfssatz. Sind U und V Untergruppen einer endlichen Gruppe,
. IUIWI
so lSt IUVI = Iun vI'
Beweis. Wir betrachten das direkte Produkt U X V der Gruppen
U und V. Ferner definieren wir eine Äquivalenzrelation auf UX V durch
(u, v) '" (u', v') genau dann, wenn uv = u' v' ist. Schließlich machen wir
Ux V zu einer Operatorgruppe auf sich selbst durch die Vorschrift
(u, v)(x'Y)=(x-1u, vy). Nun ist genau dann uv=u'v', wenn x-1uvy=
= x-1u'v'y ist, so daß UX V auch als Operatorgruppe auf der Menge der
Äquivalenzklassen operiert. Es ist ferner klar, daß Ux V auf UX V
transitiv operiert: Sind nämlich (u, v), (u', v')E UX V, so gibt es Ele-
mente xE U und yE V mit x-1u=u' und vy=v'. Daher operiert UX V
auch auf der Menge der Äquivalenzklassen transitiv. Weil IUVI die
Anzahl der Äquivalenzklassen ist, gelten nach 1.4.7 und 1.1 die Gleichun-
gen IUIIVI = lUX VI = IUVIIHI, wobei H diejenige Untergruppe von
U X V ist, die die durch (1, 1) bestimmte Äquivalenzklasse festläßt. Nun
ist genau dann (u, v) EH, wenn (u-l,v) ",(1, 1) ist. Hieraus folgt, daß
H = {(u, u)luE un V} ist, so daß also IHI = [Un VI ist, q. e. d.
Ist Y das Komplement von X in Zn' so ist Gx = Gx , y. Mit Gx , y
bezeichnen wir die Menge der Elemente aus Gx , die Y elementweise
festlassen, und mit Gx y die Menge der Elemente aus Gx , die X punkt-
weise festlassen. Dann sind Gx y und Gx y Untergruppen von G und
es gilt Gx=Gx,yGx,y und Gx,y'nGx,y=i. Nach 3.2 ist daher IGxl=
= IGx,yIIGx,yl. Nun ist die Einschränkung von Gx,y auf X offensicht-
lich ein Isomorphismus von Gx y auf Sx und ebenso sieht man, daß
Gx,y und Sy isomorph sind. Aiso ist IGx,yl = ISxl =k! und IGx,yl =
ll.OPERATORGRUPPEN 33

= Isrl = (n -k)! Folglich ist n! = (Z)k!(n -k)!. Damit ist 1.2.5 erneut
hergeleitet.
3.3. Hilfssatz. Es sei p eine Primzahl und n eine natürliche Zahl. Ist
p' die höchste Potenz von p, die in n aufgeht, und ist a eine nicht-nega-
tive ganze Zahl, so ist p' auch die höchste Potenz von p, die in (p;~)
aufgeht.
. . (mn) m-l mn -i 1
m- mn-i
BeweIS. Setze pa = m. Dann 1St m Il --.
= ;=0 m-l
Il
= n ;=1 - -..
m-I
Es sei 1 ~ i ~ m - 1 und pr, die höchste Potenz von p, die in i aufgeht.
Wegen m =pa ist dann ri + 1 ~ a, so daß p'.+1 ein Teiler von mist.
Daher sind p-"(mn - i) und p-"(m - i) natürliche Zahlen, die zu p
teilerfremd sind. Aus

( mn) = nm-1mn-i = IIp-''(mn-i)


m n i=1 m-i n i=1 p "(m-i)
folgt daher die Behauptung.
3.4. Erster Satz von Sylow. Es sei G eine endliche Gruppe. Ist p
eine Primzahl und pa ein Teiler von IGI, so enthält Geine Untergruppe der
Ordnung pa.
Beweis. Wir machen G zu einer Operatorgruppe auf Ppa(G) durch
die Vorschrift Mg=Mg für alle MEPpa(G) und alle gEG. Ist pa+r die
höchste in IGI aufgehende Potenz von p, so folgt nach 3.3, daß p' die
höchste in IPpa(G) I aufgehende Potenz von p ist. Es gibt folglich eine
Bahn B von G, so daß p,+1 kein Teiler von IBI ist. Es sei MEB und
H=GM • Nach 1.1 folgt dann mit pa+'n= IGI, daß pa+'n= IBIIHI ist.
Weil p,+1 kein Teiler von IB I ist, folgt, daß pa die Ordnung von H teilt.
Es sei nun xEM. Dann ist xHfi=M. Hieraus folgt, daß pa~ IHI =
= IxHI ~ IMI =pa ist. Somit ist IHI =pa, q. e. d.
Ist pa die höchste in IGI aufgehende Potenz von p, so heißen die
Untergruppen der Ordnung pa nach ihrem Entdecker die p-Sylowgrup-
pen von G.
3.5. Lemma von Gleason. Es sei p eine Primzahl und G eine endliche
Operatorgruppe auf der Menge M. Ferner sei 0 ~ U fi= M. Enthält für
jedes xE U der Stabilisator Gx von x eine p-Untergruppe Hx , die x und nur
x zum Fixelement hat, so liegt U in einer Bahn B von G. Die Bahn Bist
endlich und es ist IB I == 1 mod p.
Beweis. Es sei B eine Bahn von G mit B n U ~ 0. Ist xE B n U,
so zerlegt Hx die Menge B seinerseits in Bahnen, deren Längen wegen 1.1
3
34 H. LÜNEBURG

Potenzen von p sind. Eine dieser Bahnen ist {x}, während alle übrigen
Bahnen mehr als ein Element enthalten, so daß ihre Längen alle durch
p teilbar sind. Folglich ist IB 1 == 1 mod p. Wäre nun y E U und y ~ B, so
zerlegte H y die Menge B in lauter Bahnen, die mehr als ein Element
enthielten, so daß IB 1== 0 mod p wäre. Dieser Widerspruch zeigt, daß
doch U~B ist, q. e. d.
3.6. Zweiter Satz von Sylow. Ist G eine endliche Gruppe, so sind
alle p-Sylowgruppen von G konjugiert.
Beweis. II sei die Menge der p-Sylowgruppen von G. Wir machen
G durch die Vorschrift P9=g-lPg für alle PEll und alle gEG zu einer
Operatorgruppe auf ll. Es seien P, QEll und es sei P~GQ' Dann ist
g-l Qg = Q für alle gE P. Hieraus folgt, daß PQ = QP eine Untergruppe
von G ist (s. Aufgabe 1»). Nach 3.2 ist IPQI = If~~II' Somit ist PQ
eine p-Gruppe und daher teilt IPQI nach 3.1 die Ordnung von G. Folg-
lich ist IPQ 1ein Teiler von IP I. Wegen P ~ PQ ist daher IP 1:§ IPQ 1:§ IP I,
woraus IPI = IPQI und weiter P=PQ folgt. Dies impliziert wiederum,
daß P = Q ist. Somit sind die Voraussetzungen des Lemmas von Gleason
mit U = II erfüllt, so daß G auf II transitiv operiert, q. e. d.
Ferner gilt noch, wie der Beweis von 3.6 zeigt,
3.7. Satz. Die Anzahl der p-Sylowgruppen einer endlichen Gruppe ist
kongruent 1 modp.
Aufgaben:
1) U und V seien zwei Untergruppen der Gruppe G. Genau dann ist UV eine
Untergruppe von G, wenn UV= VU ist.
2) Jede p-Untergruppe P einer endlichen Gruppe G ist in einer p-Sylowgruppe
von G enthalten. (Hinweis: Mache P durch die Vorschrift Q"=x-1Qx für alle xEP
und alle p-Sylowgruppen Q von G zu einer Operatorgruppe auf der Menge der p-Sylow-
gruppen von G und benutze 1.1 und 3.7.)
3) G sei eine Gruppe. Das Zentrum ZG von G ist die Menge aller zE G mit zg= gz
für alle gEG. Zeige, daß ZG eine Untergruppe von G ist.
4) G sei eine endliche p-Gruppe. Zeige, daß ZG;c 1 ist.
5) Zeige, daß (n!)" +1 ein Teiler von (n 2)! ist.
6) Es sei A eine endliche abelsche Gruppe. Ferner sei l{alaEA. a"= 1}I~n für
alle natürlichen Zahlen n. Zeige, daß A zyklisch ist.
ill. Das Prinzip der Inklusion und Exklusion

1. Das Prinzip der Inklusion und Exklusion. Es sei M eine endliche


Menge und A sei eine additiv geschriebene abelsche Gruppe. Ferner sei
weine Abbildung von M in A. Schließlich seien E(I), ... , E(m) EP(M).
Wir nennen E(i) eine Eigenschaft, die das Element xE M erfüllt oder
nicht erfüllt, je nachdem xEE(i) oder x~E(i) gilt. Ist I~Zm, so setzen
n
wir E(I) = E(i) und W(E(I») = Z w(x). Schließlich sei Wer) =
iEI xEE(l)
= Z W(E(I»).
lEPr(Z"J

1.1. Satz. Es sei M endliche Menge und weine Abbildung von M


in eine abelsche Gruppe. Sind E(I), ... , E(m) EP(M) und ist G(r) die
Summe über alle w(x) mit der Eigenschaft, daß x genau r der Eigenschaften
E(I), ... , E(m) erfüllt, so ist

m-r . (r+i)
G(r) = i~ (-I)' r W(r+i).

Beweis. Es sei xE M und x besitze genau t der Eigenschaften


E(I), ... , E(m). Dann kommt w(x) genau (r~i)-mal als Summand in
Wer + i) vor. Daher ist der Beitrag b(x) von x zu

gleich
m-r .(r+i)( t )
i~ (-I)' r r+i w(x).

Ist t<r, so ist (r~i) = 0 und daher b(x) gleich O. Es sei also t?:r.

Nach 1.2.4 ist dann (r~i) (r;i) = (~) eir). Daher ist

b(x) = (~){lor (-l)ieir)}w(x) = (~)t~ (_l)i [ti r )} w(x).


Wegen 1.1.2 (d) ist folglich b(x) =0, falls t >r ist. Insgesamt erhal-
36 H.LÜNEBURG

ten wir b(x)=w(x), falls t=r, und b(x)=O, falls t,er ist. Also ist

m-r . (r+i)
G(r) =i~ (-1)' r W(r+i),
q. e. d.
Ein wichtiger Sonderfall ist der Fall r = O. Wir formulieren ihn noch
einmal gesondert als
m
1.2. Korollar. G(O) = 1: (-I)iW(i).
i=O
Ist w(x) = 1 für alle xE M, so ist 1.2 unter dem Namen Siebformel
bekannt. G(O) ist dann die Anzahl der Elemente von M, die keine
der Eigenschaften E(i) besitzen.

2. Eine Formel für die Stirling-Zahlen 2. Art. In diesem Abschnitt wer-


den wir explizite Ausdrücke für die Stirling-Zahlen 2. Art sowie für die
Anzahl der Partitionen einer endlichen Menge angeben. Zunächst für
die Stirling-Zahlen.
2.1. Satz. Es ist Sen, k) = k~i i:
. ,=1
(_l)k-i (~) in für alle natürlichen
1
Zahlen n und k.
Beweis. Es seiS eine k-Menge und Teine n-Menge. Ferner seiA = ST.
IstfEA, so sei w(f) = 1. Ist xE S, so setzen wir E(x) = {fJfEA, x~f(T)}.
Ist I~Pj(S), so ist E(I) die Menge aller Abbildungen von Tin S"'-I.
Nach 11.2.1 ist daher JE(I)J=(k-j)n. Wegen w(f)=l fürallefEA
folgt, daß W(E(I)) = (k-j? ist. Hieraus folgt wiederum, daß W(j) =
= (k~j)(k-j)n ist. Daher ist nach 1.2

JA"'-
xES
U E(x)J =
J=O
.1 (-l)j (k ~ j) (k - j)n.
Setzt man k - j = i, so erhält man

JA\~SE(X)J = i~ (_l)k-i (7) in.


B = A"'- U E(x) ist die Menge aller Abbildungen von Tauf S. Ist
xES
xES undfEB, so setzen wir T(f,x)={yJYET,j(y)=x} und n(f)=
= {T(f, x)JXE S}. Weilfsurjektiv ist, ist T(f, x),eO für alle xE S. Also
ist n(f) eine k-gliedrige Partition von T. Sind I, gEB, so setzen wir
f'" g genau dann, wenn n (f) = n (g) ist. Offensichtlich gilt genau dann
f'" g, wenn es ein (J in der symmetrischen Gruppe auf S gibt mit
f(y) = g(y)" für alle y E T. Daher enthält die durch f bestimmte Äqui-
m. DAS PRINZIP DER INKLUSION UND EXKLUSION 37

valenzklasse genau k! Abbildungen. Schließlich ist klar, daß es zu


jeder k-gliedrigen Partition n von Tein fEB gibt mit n=n(f). Weil
Sen, k) die Anzahl der k-gliedrigen Partitionen von T ist, ist daher
IB I=k! Sen, k). Wegen on =0 ist somit k! Sen, k) = i4 (_I)k-i (7) in,
q. e. d.
Ist k>n, so gibt es keine surjektiven Abbildungen von Tauf S.
Daher gilt

2.2. Korollar. Ist k>n, so ist i4(-I)k-i(7) in = o.


Mit B(n) bezeichneten wir die Anzahl der Partitionen einer
n
n-Menge. Wegen B(n) = ~ Sen, k) folgt aus 2.1 das
k=l

2.3. Korollar. Es ist B(n) = ~


n
r?i. (_I)k-i
k
~- i in.
(k)
Aufgaben:
= a{n) = b(n)
1) Die Reihen ~ - und ~ - seinen absolut konvergent. Zeige, daß.
n=O n! n=O n!

L~ a~~») L~ b~~») = n~ c~~) ist, wobei c(n) durch c(n) = i~ GJa(i)b(n-i)'


definiert ist.
2) Benutze 1), um die Formel von Dobinski zu beweisen (s. 1.3.4).

3. Die Anzahl der Permutationen ohne Fixpunkte. Mit D n bezeich-


nen wir die Anzahl der Permutationen aus Sn, die keine Fixpunkte
haben.
• n (-I)i
3.1. Satz. Es 1st D n = n! Z-.,~.
i=O 1.
Beweis. Es sei E(j) = {ulu E Sn,jO" = j}. IstIE Pi (Zn), so ist IE(I) I =
= (n - i)! Daher ist W(n = (7) (n - i)! Die Siebformel 1.2 liefert somit,
daß Dn = i~ (-I) (7)(n-i)! = n! i~ (~? ist, q. e. d.

1
3.2. Korollar. !Dn-n!e- 1 ! ;:§ --.
n+l

der Bemerkung, daß e- 1 =


(_I)i
Dies folgt aus dem Satz von Leibniz für alternierende Reihen und
=
~ -.-,- ist.
i=O 1.
Setzt man D o = 1, so gilt
3.3. Satz. Ist n~2, so ist D n = (n-I)(D n- 1 +Dn- 2).
Beweis. 3.3 folgt natürlich aus 3.1. Wir geben hier jedoch einen
von 3.1 unabhängigen Beweis. Sind u, "r E Sn und haben u und "r keine
38 H. LÜNEBURG

Fixpunkte, so setzen wir u rv"t genau dann, wenn 1" = l' ist. Die Rela-
tion rv ist eine Äquivalenzrelation. Wegen 1" ~ 1 gibt es n - 1 Äqui-
valenzklassen Ai (i=2, ... ,n). Dabei sei Ai={ull"=i}. Wir zerlegen
A j weiter in Bj={uluEA j, i"=l} und Cj=Ai',Bi • Ist uEBj , so indu-
ziert u eine fixpunktfreie Abbildung in Zn"'-{l, i} und jede solche fix-
punktfreie Abbildung wird offensichtlich von genau einer Abbildung
aus Bj induziert. Also ist IB;I=D n- 2 • Ist uECj , so ist ia~1. Es sei
k" = 1. Dann ist k ~ i. Wir definieren eine Permutation "t auf {2, 3, ... , n}
durch x' = x", falls x ~ k und durch k' = i. Wäre x' = x, so wäre x = k,
da ja x" ~x ist. Dann wäre aber i=k' =k: ein Widerspruch. Folglich
hat auch"t keine Fixpunkte. Da man auf diese Weise alle fixpunktfreien
Abbildungen von {2, 3, ... , n} erhält und zwar jede genau einmal, ist
n
jejl =Dn - 1• Also ist D n = Z IAil = (n -1)(Dn - 1 + Dn - 2), q. e. d.
;=2
Mit Hilfe von 3.3 und D o = 1 und D 1 = 0 erhält man wiederum, daß
(-l)j .
Z -.-, -
_ , n
D n - n. 1st.
i=l l.
J. Riordan gibt folgende hübsche Illustration: Die Blätter eines
Buchmanuskriptes seien durch einen Windstoß, ein Kind oder einen
anderen Dämon vom Schreibtisch gewirbelt und in aller Eile vom Autor
wieder aufgelesen worden. Was ist die Wahrscheinlichkeit, daß keines
der Blätter an der richtigen Stelle liegt? Ist n die Anzahl der Blätter, so
ist diese Wahrscheinlichkeit ~Dn ~ e- 1 •
n.
Aufgaben:
I) Es sei F(O)=I=F(I) und F(n) = (n-I)(F(n-I)+F(n-2)) für n?E2. Be-
stimme F(n).
2) Es ist n! = i
k=O
i (~)Dk'
(~)Dn-k = k=O
3) Wir nennen G auf der Menge M scharf t-fach transitiv, falls es zu je zwei
t-Tupeln (Xl> ... , x t ) und (Yl> ... , y,) mit Xi' YiEM (i= 1,2, ... , t) sowie X,~Xj und
Y, ~ Y j genau ein gE G mit xf = Y. (i = I, 2, ... , t) gibt. Ist G scharf t-fach transitiv
auf M und ist IMI=n, so ist die Anzahl D~ der fixpunktfreien Permutationen aus
G gleich
n'
t (-1)'
-_.- Z--+(-I)'+1 n!
n-t (_I)i-1
Z -----
(n-t)! i=O i! i=l (t+i)!(n-t-i)!

4) Zeige, daß D~-2 = Dn-(~)Dn-2 ist.


5) Gegeben seien acht Türme und ein konventionelles Schachbrett. Wie groß
ist die Anzahl der möglichen Plazierungen der acht Türme, die den Bedingungen ge-
nügen, daß kein Turm den anderen angreift und daß außerdem die weiße Diagonale
des Schachbrettes von Türmen frei bleibt?

4. Das Ehepaarproblem. Von E. Lucas stammt die Frage nach der


Anzahl Mn der Sitzmöglichkeiten von n Ehepaaren in bunter Reihe
1II. DAS PRINZIP DER INKLUSION UND EXKLUSION 39

an einem runden Tisch unter der Nebenbedingung, daß keiner der Her-
ren neben seiner Gattin sitzt. Läßt man die Damen zuerst Platz nehmen,
so gibt es dafür 2n! Möglichkeiten. Daher ist Mn =2n! Un, wobei Un
offensichtlich gleich der Anzahl der Permutationen 1t E Sn ist, für die
n" "cn, 1 und i" "c i, i + 1 ist für i = 1,2, ... , n -1. Die Zahlen Un wer-
den wir in diesem Abschnitt berechnen.
4.1. Satz. Es sei Meine n-Menge und a1, ... , an sei eine Anordnung von
M. Ferner sei r eine natürliche Zahl. Ist Ir(n, k) die Anzahl der U EPk(M)
mit der Eigenschaft: ai EU und i <n impliziert a i +1, ai+2' ... , amin{i+r,n} ~ U,
so ist Ir(n,k) = (n-t+ r ).
Beweis. Es sei m: die Menge der UEPk(M), die die Bedingungen
des Satzes erfüllen. Ist U = {ai!' ... , ad E m: und i1 < i 2 < ... < ik , so defi-
nieren wir die Abbildung ({J durch

Weil U E m: ist, ist i z < i z+1 - r. Daher ist


i1 < i2 -r < i 3 -2r < ... < ik-kr+r ~ n-kr+r.
Ist N={a 1, a2 , ••• , an- kr +r}, so ist also U<PEPk(N). Da ({J offensichtlich
eine Bijektion von m: auf Pk(N) ist, ist Ir(n, k) = 1m:1 = IPk(N)1 =
= (n-f+r), q. e. d.

4.2. Satz. Es sei Meine n-Menge und a1, ... , an sei eine Anordnung
von M. Ferner sei r~n eine natürliche Zahl und an +i =ai für i= 1,2, ... , r.
Ist gr(n, k) die Anzahl der U EPk(M) mit der Eigenschaft: ai EU impliziert
ai+1, ai+2 , ••• , ai+r~ U für iEZn, so ist gr(n, k) = n~rk (n,/k).
Beweis. Es sei m: wieder die Menge der U EPk(M), die die Bedin-
gungen des Satzes erfüllen. Ferner sei
m = {UIUE m:, {al' ... , ar} nu = 0}.
Dann ist offensichtlich Im I = Ir (n - r, k). Es sei W = m:"" mund
(iEZr)·
r
Dann ist W = UWi und W i n Wj = 0, falls i"c j ist. Wir setzen
i=l

(iEZr )·
Ist UEW i , so ist U",,{aJ~M""Xi' woraus folgt, daß IWd =
= Ir(n - 2r - 1, k -1) ist. Daher ist IWI = rlr(n - 2r -1, k -1), so daß
gr(n, k) = j,.(n - r, k) + rlr(n - 2r -1, k -1) ist. Nach 4.1 ist daher
40 H. LÜNEBURG

( k) = (n-rk) (n-rk-l) = _ n (n-rk) q. e. d.


gr n, k +r k- 1 n - rk k '

4.3. Satz. Es ist Un = i


i=O
(_1)i 22n .
n-l
(2n~i) (n-i)!
I

Beweis. Für i = 1,2, ... , n sei E(2i -1) = {O'IO' E Sn, i a = i} und für
i = 1,2, ... , n-l sei E(2i) = {O'IO'E Sn, i a = i+ I}. Schließlich sei
E(2n) = {O'IO' E Sn, na = I}. Ist I~ Z2n, so ist E(/) = 0, falls es ein a EZ2n
gibt mit {a, a + I} ~ /. Ist nämlich a = 2i -1 und ist 0' EE(/), so ist
O'EE(2i -1) nE(2i) und daher i + 1 = i" = i bzw. 1 =n" =n, falls i=n
ist. Ist a=2i, so folgt i" = i+l = U+l)". In beiden Fällen erhält man
einen Widerspruch. Ist E(/) ~ 0, so folgt insbesondere, daß 1I I;§ n ist.
Ist O'EE(/), so liegen 1I1 Bilder von 0' fest, während wir über die übrigen
n -1/1 Bilder frei verfügen können. Ist 1I1 = i, so ist also IE(/) I nach
1.4.1 gleich (n - i)! Bezeichnet man mit Vi die Anzahl der E(/) mit
1I I= i und E(/) ~ 0, so erhalten wir mit Hilfe der Siebformel, daß
n
Un = Z (-I)iv i (n-i)! ist.
i=O
Ist E(/) ~ 0, so ist, wie wir gesehen haben, {a, a + I} ~ I für
a = 1,2, ... ,2n-lsowie{2n, 1}~/.Istandrerseits{2n, I}, {a,a+l}~1
für a = 1,2, ... ,2n-l, so überzeugt man sich leicht, daß E(/)~0
ist. Wir können daher 4.2 mit r = 1 anwenden und erhalten, daß
2n (2n .- i) 1st,
Vi = -2--'
. q. 'e.d.
n-l I

Aufgaben:
1) Zeige ohne Benutzung von 4.1 die Gültigkeit der Rekursionsformel[,.(n, k) =
= [,.(n-l, k)+[,.(n-r-l, k-l) und beweise 4.1 aufs Neue.
2) Es sei Fr(n) die Anzahl der n-Tupel (ab ... , an) mit a,E{O, I} und der weiteren
Eigenschaft, daß im Falle a,=1 und i-<n die Komponenten a'+b a'+2' ... , amin{'+r,n}
N
alle gleich Null sind. Zeige, daß Fr(n) = Z [,.(n, k) ist, wobei N diejenige natürliche
k=l
Zahl ist, für die N ö§ (n+r)(r+ 1)-1 -< N + 1 gilt. (Die Zahlen F1(n) heißen Fibonacci-
Zahlen.)
3) Zeige: Fr(n) = Fr (n-l)+Fr (n-r-l) für alle n ~ r+2.
4) Die Menge der Folgen komplexer Zahlen a" a2, ... mit an = an-1 +a n - r -1
für alle n ~ r+2 bilden einen Unterraum U vom Range r+l im Vektorraum aller
Folgen komplexer Zahlen. Es seien q" ... , qr+1 die Wurzeln des Polynomsf= x r +1_
-x -1. Zeige, daß die geometrischen Folgen 1, q" q:, q~, ... (iEZr + 1) eine Basis
von U bilden.
5) Beweise mit Hilfe von 3) und 4), daß

_ 1 ((1+ YS)n+2 (1- YS)n+2)


F 1(11) - YS -2- - -2-
ist.
ill. DAS PRINZIP DER INKLUSION UND EXKLUSION 41

5. Galois/elder. In diesem Abschnitt wollen wir uns einen Über-


blick über alle endlichen Körper verschaffen.
5.1. Satz. Es sei K ein endlicher Körper und F sei ein Teilkörper
von K. Ist IFI =q, so gibt es eine natürliche Zahl n mit IKI =qn.
Beweis. K ist ein Vektorraum über F. Weil K endlich ist, hat K end-
lichen Rang über F. Ist n dieser Rang, so folgt nach 11.2.2, daß IKI = qn
ist, q. e. d.
Den Rang von K über F bezeichnen wir mit [K: F).
5.2. Korollar. Ist K ein endlicher Körper, so ist IKI Potenz einer
Primzahl.
Beweis. Ist F der in K enthaltene Primkörper, so ist auch F end-
lich. Daher gibt es bekanntlich eine Primzahl p mit F~ Z/(p), wobei Z
der Ring der ganzen Zahlen und (p) das von perzeugte Primideal ist.
Nach 5.1 ist daher K eine Potenz von !PI =p, q. e. d.
5.3. Satz. Es sei K ein endlicher Körper und Fein Teilkörper von
K. Ferner sei [K:F) = n und IFI=q. Ist aEK, so ist aqn-a = O.
Beweis. Dies ist sicher richtig, falls a = 0 ist. Es sei also a =;C O. Da
nach 5.1 die Anzahl der Elemente von K gleich qn ist, ist qR -1 die
Ordnung der multiplikativen Gruppe von K. Aus dem Satz 11.3.1 von
Lagrange folgt, daß dl n- 1 = 1 ist. Somit ist aqn = a, q. e. d.
5.4. Satz. Ist K ein endlicher Körper, so ist die mu!tiplikative Gruppe
von K zyklisch.
Dies folgt auf Grund von Aufgabe 11.3.6) aus der Bemerkung, daß
das Polynom :Je" - 1 in K höchstens n Nullstellen hat.
Ist K ein Körper, so bezeichnen wir mit K[x] den Polynomring in
einer Unbestimmten über K. Ist /E K[x] ein irreduzibles Polynom
vom Grade n, so ist bekanntlich F = K[x]/(f), wenn man K vermöge
k .... k+(f) in Feinbettet, ein Erweiterungskörper von Kmit [F:K] = n.
5.5. Satz. Es sei K ein Körper mit q Elementen und/sei ein irreduzib-
les Polynom vom Grade n über K. Genau dann ist / ein Teiler von ~t - x,
[alls t==Omodn ist.
Beweis. Weil / irreduzibel ist, ist F = K[x]/(f) ein Körper mit
[F:K] = n. Aus 5.3 folgt daher, daß ~n-xE(f), dh. daß/einTeiler
von x qn - x ist. Ist i ~ 1 und ist bereits gezeigt, daß ~nl == x mod / ist,
so ist x'ln(i + 1l == x qn == x mod f Daher ist x qt - x == 0 mod f, falls t == 0
mod n ist.
Es sei nun umgekehrt x qt - x == 0 mod / und t = sn + r mit O;§ r -< n.
Dann ist
42 H. LÜNEBURG

dh. es ist ~r === x mod f Hieraus folgt mit vollständiger Induktion, daß
gqr===gmodfist für alle gEK[x]. Insbesondere folgt, daß das Polynom
x qr - x alle Elemente von K[x]/(f) zu Wurzeln hat. Daher ist q' = 1, da
ja q' -< qn ist. Hieraus folgt r = 0, q. e. d.
5.6. Satz. Ist K ein endlicher Körper mit q Elementen und ist
fE K[x] irreduzibel, so ist x qt - x iiE 0 modj2 für alle natürlichen Zahlen t.
Beweis. Ist ~t -x iiE 0 modI, so ist auch ~t -x iiEO modj2. Wir
können daher annehmen, daß ~t -x === 0 modfist. Ist n der Grad von
I, so ist t=nr nach 5.5.
1. Fall: r = 1. In diesem Falle sind die Elemente von K[x]/(f) nach
5.3 genau die Wurzeln des Polynoms x qt -x. Somit hat ~t -x keine
zweifache Nullstellen, woraus folgt, daß fund ~t;x teilerfremd sind.
Insbesondere ist also x qt -x iiE 0 modf2.
2. Fall: r >- 1. Wir nehmen an, daß ~nr - X durch j2 teilbar ist.
Weil ~n -x ein Teiler von x qnr -x ist, folgt nach dem bereits Bewiese-
nen, daß f ein Teiler von g ist, falls g das durch ~nr - X = (~n - x)g
definierte Polynom ist. Setzt man h =~n-l und s = (qnr -1)(qn -1)-1,
.-1
so ist g = Z hi • Nun ist h=== 1 modI, so daß g===s modf ist. Andrer-
i=O
seits ist g === 0 mod I, so daß s === 0 mod f ist. Dies impliziert wiederum,
wenn P die Characteristik von K ist, daß P ein Teiler von s ist. Weil
'-1
q === 0 mod P ist, folgt dann der Widerspruch 0 === s = Z qni === 1 mod p.
Also ist doch x qn -x iiE 0 modj2, q. e. d. i=O

5.7. Satz. Es sei K ein endlicher Körper mit q Elementen. Ferner


sei n eine natürliche Zahl und PI, ... , Pa seien alle verschiedenen Prim teiler
von n. Ist IEP(Za), so setzen wir nil Pi 1 =n(I). Ist dann Nn,q die
iEI
Anzahl der irreduziblen Polynome vom Grade n über K, so ist Nn,q =
=n- 1 Z (_1)II l q n(I).
I~Za

Beweis. 3 sei die Menge der irreduziblen Polynome aus K[x] , die
~n _ x teilen. Ferner sei
E(i) = {flfE 3, xqn({i}) - x === 0 modf} (i EZa)'
a
Nach 5.5 ist dann 3'" U E(i) die Menge der irreduziblen Polynome
i=1 a
vom Grade n über K. Also ist [3'" UE(i)[ =Nn,q' Ist fE3, so sei w(f)
i=1
der Grad von f Mit den Bezeichnungen von Abschnitt 1 ist dann
G(O) = nNn,q'
III. DAS PRINZIP DER INKLUSION UND EXKLUSION 43

Die Menge E(I) = nE(i) besteht aus allen fE'j mit x'ln({i}) -x =
=omodf für alle iE!. Ist A iEI
der Grad von J, so folgt aus 5.5, daß
n ({i}) =0 mod A ist für alle i EI. Dies impliziert wiederum, daß n (I) =
= 0 mod A ist, da die Pi ja paarweise verschieden sind. Aus 5.5 folgt
=
daher, daß xqn(I) -x 0 modfist. Ist umgekehrtfein x'ln(I) -x teilendes
irreduzibles Polynom, so ist fE'j. Ist nämlich A der Grad von J, so
=
gilt nach 5.5 die Kongruenz n(I) 0 mod A und daher auch n 0 mod A, =
so daßfnach 5.5 ein Teiler von xqn-x ist. Also istfE'j. Ist iEI, so
ist n({i})=Omodn(I) und daher n({i}) =0 mod A. Aus 5.5 folgt somit
fEE(i) für alle iE!, so daß fEE(I) ist. Damit haben wir gezeigt, daß

E(I) = {flfE K[x] , f irreduzibel, xqn(I) - X =0 modf}


ist. Hieraus und aus 5.6 folgt, daß
x'ln(I) - X = nf
fEE(I)

ist. Dies impliziert schließlich, daß W(I) = qn(I) ist. Also ist
W(k) = Z qn(I).
IEPk(Za)
Daher ist nach 1.2

q. e. d.
5.8. Korollar. Ist K ein Körper mit q Elementen und ist n eine
natürliche Zahl, so gibt es ein irreduzibles Polynom vom Grade n über K.

Beweis. Wir nehmen an, dies sei nicht der Fall. Wegen Nn,q = 0
ist dann
Z (_1)1 1 1qn(I) = O.
I~Za

Folglich ist auch


Z (_I)l/l q n(I)-n(Za) = O.
I~Za

Nun ist genau dann n(I)-n(Za) = 0, wenn I=Za ist, so daß (_1)a=
=0 mod q ist, q. e. a.
5.9. Korollar. Ist p eine Primzahl und n eine natürliche Zahl, so
gibt es bis auf Isomorphie genau einen Körper mit pn Elementen.

Beweis. Die Existenz folgt aus 5.8 und der Bemerkung, daß K = ZI (p)
ein Körper mit p Elementen ist, falls Z der Ring der ganzen Zahlen ist.
Es sei F ein endlicher Körper mit pn Elementen und f sei ein nach
5.8 existierendes irreduzibles Polynom von Grade n über K = Z/(p).
44 H. LÜNEBURG

Nach 5.3 sind die Elemente von F gerade die Nullstellen des Polynoms
x pn -x. Ferner ist f nach 5.5 ein Teiler von x P" -x. Weil x pn -x über
F vollständig in Linearfaktoren zerfällt, hat auch feine Nullstelle a
'm m
in F. Ist nun gEK[x] und g = Z kixi, so setzen wir g(a) = Z kiai.
i=O i=O
Triviale Rechnungen zeigen, daß die Abbildung g -+ g(a) ein Homo-
morphismus von K[x] in F ist. Es sei 3 der Kern dieser Abbildung.
Dann ist (f)~3~K[x], da ja f(a) =0 ist. Weil f irreduzibel ist, folgt
hieraus, daß entweder 3=K[x] oder 3=(f) ist. Wegen l-+l(a)=l ~O
kann der Fall 3 = K[x] nicht eintreten. Also ist 3 = (f), so daß K[x]/(f) zu
einem Teilkörper von F isomorph ist. Wegen jK[x]/(f)j = pn = jFj sind
somit F und K[x]/(f) isomorph, q. e. a.
Den nach 5.9 bis auf Isomorphie eindeutig bestimmten Körper mit
pn Elementen bezeichnen wir mit GF(pn). Er heißt das Galoisfeld der
Ordnungpn.
Aufgaben:
1) Definiere die Abbildung 0' von GF(p") in sich durch x" = XV für alle xE GF(p").
Zeige, daß 0' ein Automorphismus von GF(pn) ist und daß die von 0' erzeugte Gruppe
von Automorphismen die Ordnung n hat.
2) Es sei Fein Erweiterungskörper von K und 0' sei ein Automorphismus von
F, der K elementweise festläßt. Ist fEK[x], aEF und f(a)=O, so ist auch f(a")=O.
3) Es sei 0' der durch X"=X V definierte Automorphismus von GF(p"). Zeige,
daß die von 0' erzeugte Gruppe von Automorphismen die volle Automorphismen-
gruppe von GF(p") ist.
4) GF(p") besitzt genau dann einen und dann auch nur einen zu GF(pm) iso-
morphen Teilkörper, wenn m ein Teiler von n ist.
5) Es sei G eine Gruppe und Meine Teilmenge von G.
a) Ist MnMg ~ 0 für alle gEG, so ist G=M-1M.
b) Ist MnM-lg ~ 0 für alle gEG, so ist G=MM.
6) Es sei Kein endlicher Körper. Zeige, daß jedes Element von K sowohl Summe
als auch Differenz zweier Quadrate aus K ist.
IV. Vertretersysteme

1. Der Satz von P. Hall. MI, ... , M" seien endlich viele Mengen.
Mit m(Ml , ... , M,,) bezeichnen wir die Menge aller n-Tupel (Xl' ... , X,,)
mit Xi EMi und Xi -J. Xj für i ~ j. Ist (Xl"'" X,,) ein Element aus
m(MI , ... , Mn), so heißt (Xl' ... , x n) ein Vertretersystem für die Mengen
MI,···,Mn·
Wir sagen, daß das n-Tupel (MI' ... , Mn) die Eigenschaft ~ hat,
falls für alle /~Zn die Ungleichung IU Mil ~ I/I gilt.
iEl
1.1. Satz (P. Hall). Genau dann ist (MI' ... , Mn) E~, wenn
m(Ml , ... , Mn) ~0 ist.
Beweis. Es sei (Xl' ... , xn)Em(MI , ... , Mn) und /~Zn' Dann ist
U Mi~{x;liEl} und somit IU Mil ~ l{xiliE/}1 = IJI, dh. es ist
lEI iEI
(MI' ... , Mn)E~.
Es sei umgekehrt (MI' ... , Mn) E~. Ist / eine echte Teilmenge
von Zn und ist I U Md = IJI, so nennen wir die Teilfamilie (MiliEI)
iEI
kritisch.
1. Fall: (MI, ... , Mn) enthält keine kritische Teilfamilie. Wegen
(MI' ... , Mn)E~ ist IMII~1. Also gibt es ein xlEMI . Wir betrach-
ten nun die Familie (Nili = 2, ... , n) mit Ni = Mi"Jxl }. Ist 1 ~ {2, ... , n},
so ist
IUNil ~ IUMil-l ~ 1/1+1-1 = III-
IEl iEl

Daher ist (N2 , ••• , N n) E~. Nach Induktionsannahme gibt es folglich ein

(x 2 , ••• , x n)Em(N2 , ••• , N n). Dann ist aber (Xl' ... , xn)Em(MI , ... , Mn).
2. Fall: (MI, ... , Mn) enthält eine kritische Teilfamilie. Wir kön-
nen o. B. d. A. annehmen, daß MI' ... , M k eine kritische Teilfamilie ist.
Nun ist (MI' ... , Mk)E~ und k<n. Daher gibt es ein Vertretersystem
(Xl' ... , Xk) von (MI> ... , M k). Für k+ I ~ i ~ n setzen wir Ni = Mi'"
k
"'{XI'''''Xk}, Istdann/~{k+I, ... ,n}, so ist, da ja UMi={XI"",Xk}
i=l
ist,
46 H. LÜNEBURG

k k
IUNil = IUNil+IUMil-k = I(UNi)n(UMi)l-k =
iEI iEl i=l iEl i=l
= I U Mil-k ~ III+k-k = IfI.
iElUZk
Somit erfüllt (Nk+l' ... ,Nn) die Bedingung~. Wegen n:> n-k ~ 1
besitzt (Nk+I> ... , N n) daher ein Vertretersystem (Xk+l' ... , x n). Dann ist
aber offensichtlich (Xl' ... , xn)EID(MI> ... , Mn)' q. e. d.
1.2. Korollar. Es sei (MI' ... , Mn) eine Familie von endlich vielen
Mengen und PI, ... ,Pn sei ein n-Tupel natürlicher Zahlen. Genau dann
gibt es paarweise disjunkte Mengen Xi (iEZn) mit Xi~Mi und lXii =Pi'
wenn I U Md ~ Z Pi ist für alle I~ Zn·
iEl iEl
I I
Beweis. Wegen U Md ~ U xii = Z lXii ist die Bedingung sicher
iEl iEl' iEl
notwendig. Es sei also umgekehrt
iEl iEl
IU
Mil ~ZPi für alle I~Zn' Wir
betrachten die Familie
(Mi,j(i) Ii = 1,2, ... , n; j(i) = 1,2, ""Pi)
mit Mi,j(i) =Mi für j(i) = 1,2, ... , Pi' Bildet man die Vereinigung über
eine Teilfamilie dieser Familie, so ist
IU U Mi,j(i)1 = IU Mil
iEl j(i)EK(i) iEl
~ Z Pi ~ iEI
iEl
Z IK(i)I,
so daß also (Mi,j(i) li = 1, 2, ... ,n;j(i)=1,2, ""Pi)E~ ist. Hieraus folgt
mit Hilfe von 1.1 alles weitere, q. e. d.
1.3. Satz (R. Rado). Ist (MI> ... , Mn) E~ und ist IMll;§; IM2 1;§;'"
... ;§; IMnl, so ist

wobei J1 =min {n, IMl!} ist.


Beweis. Der Beweis dieses Satzes ist eine Verfeinerung des Be-
weises von 1.1. Wir machen wieder Induktion nach n. Ist n = 1 so ist
IID (MI) I= IMll, so daß die Abschätzung in diesem Falle richtig ist. Es
sei also n ~ 2.
1. Fall: (MI' ... , Mn) enthält keine kritische Teilfamilie. Es sei
xlEMl und Ni = Mi',-,,{X l } für i=2, 3, ... , n. Dann ist (N2 , ... , Nn)E~,
wie wir beim Beweise von 1.1 gesehen haben. Es sei IMi-ll -< IMil. Dann
ist INi-ll;§; IMi-ll ;§; IMil-l ;§; INJ Ist IMi-ll -< IMil = IMi+11 = ...
... = IMkl -< IMk +1l, so ist also INi-ll;§; INjl;§; INk+11 für alle.i mit i;§;j;§;k.
Es gibt daher eine Permutation e E S{i,i+l, ... ,k} mit
IV. VERTRETERSYSTEME 47

INi-ll :§; INI/(i)1 :§; INI/(i+d :§; ... :§ IN/1(k)1 :§; INk+ll·
Wegen IMil = IMi+l1 = ... = IMkl ist überdies IMilU) I = IMjl für alle j mit
i:§;j:§;k. Mit vollständiger Induktion erschließen wir die Existenz einer
Permutation Q E S{2.3•.•.• n} mit
IN/1(2) I :§ INI1(3) I :§; ... :§; INI/(n)1 und IMI/(i) I = IMil
für i=2, 3, ... ,n. Nun ist IID (N2, ... ,Nn)1 = IID (NI/(2) , ... , N/1(n»1 und somit
v v
IID(N2 , ••• , Nn)1 ~ ll(INI/(i+l)l-i+l) ~ ll(IMI/(i+1)I-i) =
i=l i=l
v 1'+1
= II (IMi+ll- i) = i=2
i=l
II (IMil- i + 1).
Dabei ist v = min {n -1, INI/(2)1}. Wegen IMll:§; IM21 = IMg (2)1 ;§
:§ INI/(2) I + 1 ist dann Jl = min {n, IMll} :§; min {n, IN/1(2) I + I} = v+ 1.
Also ist
II (IMil-i+ 1).
jJ

IID(N2, ... , NJI ~


i=2

Ist (x2, ... , xJEID(N2, ... , NJ, so ist (Xl' ... , xJEID(MI , ... , Mn). Nennt
man die beiden Vertretersysteme (Xl' ... ' X n) und (YI> ... , Yn) von
(MI, ... , Mn) äquivalent, wenn Xl = YI ist, so folgt daher, daß die durch
Xl EM bestimmte Ä quivalenzklasse wenigstens II (IMil-i + 1) Ele-
jJ

I
i=2
mente enthält. Da die Anzahl der Äquivalenzklassen gleich IMII ist,
folgt, daß

ist.
2. Fall: (MI' ... ,Mn) enthält eine kritische Teilfamilie (Mit' ... ,Mlk).
Die Inzides dieser kritischen Teilfamilie seien so numeriert, daß i l <: i2 <: •••
I}=l
k
••• <: ik ist. Es ist I:§; k <: n und U MiJl1 = k. Wir setzen NI = M I"'-
k
"'- U Mir Ist ik} = {ik+l' ... , in}' so ist, wie wir beim Be-
Zn"'- {il , ... ,
j=l
weise von 1.1 gesehen haben, (Nik+l' ... , NIJESj. Nach Induktions-
annahme ist ID(NIk+t' ... , N,J ~ 0. Ist (Xik+l' ... , XiJ ein Vertretersystem
von (Nik + 1 , ••• ,N'k) und (xit' , .. ,Xik) ein solches von (Nil' ... ,NiJ, so ist
(Xl' ... ,xn)EID(Ml , ... ,Mn). Daherist IID (MI, ... ,Mn)I~IID(Mit, ... ,MIJI.
Also ist, da wegen i l -< i 2-< •.• <: ik auch IMitl :§ IMial :§; ... ;§ IMik I ist,
y

IID(Ml , ... , Mn)1 ~ ll(IMiJ I-j+l),


j=l
48 H. LÜNEBURG

wobei v = min {k, iMill} ist. Nun ist ij?Ej und daher IMi.l?E IMJ Fer-
k J

ner ist IMll ~ IMi J21.U Mijl =k<n, so daß fl=Min {n, IMll}= IMll ~
}=l
v /l
~ IMhl = min {k, IMi,I} ist. Daher ist J] (IMi .1- j + 1) ?E J] (jMjl- j + 1),
j=l J j=l
so daß auch in diesem Falle
/l
Im(Ml , ... ,Mn)1 ~ J](j M j l-j+l)
j=l
ist, q. e. d.
Aufgaben:
1) Es sei A=(a,) eine (rXn)-Matrix mit a'jEZn • Sind die durch (X,(j)=a'j
definierten Abbildungen (Xi Anordnungen und die durch ßj(i)=aij definierten Ab-
bildungen ßj r-Anordnungen von Zn, so nennt man A eine lateinisches (r X n)- Rechteck
bzw., falls r=n ist, ein lateinisches Quadrat der Ordnung n. Zeige: Ist A=(a,) ein
lateinisches Rechteck, so gibt es ein lateinisches Quadrat B=(bij) mit bij=aij für
i=I,2, ... , rund j=l, 2, ... , n.
n
2) Es gibt wenigstens J] i! lateinische Quadrate der Ordnung n.
i=l
3) (Mb M., ... ) sei eine abzählbare Familie von endlichen Mengen. Ist
m(M" ... , M~)7"'0 für alle natürlichen Zahlen n, so ist 5B(Mb M., ... )7"'0. (Hinweis:
Wähle aus jedem 5B(Mb ... , Mn) ein Vertretersystem (Xnb ... , x nn) und benutze die
Endlichkeit der M,.)
4) Zeige an einem Beispiel, daß die Endlichkeit der Mi in 3) wesentlich ist.
5) Es sei Meine n-Menge. Ferner seien (Ab ... , A k) und (B b ... , Bk) zwei
k-gliedrige Partitionen von M. Ist E eine k-Teilmenge von M mit Ai n E7'" 07'" Bi nE
für i= 1,2, ... , k, so heißt E ein gemeinsames Vertretersystem für (Al' ... , A k ) und
(Bl) ... , Bk)' Zeige: Genau dann besitzen (Al) ... , A k) und (BI, ... , Bk) ein gemein-
sames Vertretersystem, wenn für jedes I~Zk die Menge U Ai höchstens III der
iE!
Bjumfaßt. (Hinweis: Setze Ci = {AjlAjnB i 7'" 0} und zeige, daß 5B(Cb ... , Ck) 7'" 0 ist.)
6) Ist G eine endliche Gruppe und sind U und V Untergruppen von G mit
k k
k = IG:UI = IG:vl, so gibt es Elemente XI. ""XkEG mit G = U UXi = U Vx,
k k i=I i=l
und Elemente Yb ... , YkEG mit G = U Uy, = U y;V.
i=l i=l

2. M. Hall's Algorithmus. In diesem Abschnitt geben wir ein von


M. Hall stammendes Verfahren an, welches zu gegebenen Mengen
MI, ... , Mn entweder ein Vertretersystem liefert oder aber zeigt, daß
m(Ml , ... , M n )=0 ist. Wir werden uns dabei darauf beschränken, nur
endliche Mengen Mi zu betrachten. Dies bedeutet keine Einschränkung
der Allgemeinheit. Denn ist etwa MI unendlich und ist M~ ~ MI und
IM~I = n, so besitzt (MI, ... , Mn) genau dann ein Vertretersystem, wenn
(M~, M 2 , ... , Mn) ein Vertretersystem besitzt. Bei dem nun zu beschrei-
benden M. Hall'schen Algorithmus geht man von einem Vertretersystem
(Xl' ... , xJ von (MI, ... , Mi) aus und versucht, ein Vertretersystem
(h, ... , Yi+1) von (MI' ... , M i+1) zu finden. Falls es ein solches Ver-
IV. VERTRETERSYSTEME 49

tretersystem (h, ... , Yi+l) nicht gibt, liefert das Verfahren ein I~Zi mit
IMi+! U U Mjl = [l[ -< i+ 1.
jE!

Es sei (Xl' ... , Xi) Em(MI , ... , Mi). Ist Mi+l~ {Xl' ... , X.}, so wähle man
ein Xi +1 E M i+1"'{XI , ... , Xi}. Dann ist (Xl' ... , Xi+l ) ein Vertretersystem
von (MI' ... , Mi+l). Ist M i +1 ~ {Xl' ... , X.}, so konstruiere man zunächst
n
eine Folge bl , b2 , ••• , bw von Elementen aus UMj wie folgt:
j=l
(1) M i +l = {bI' ... , bt }·
(2) Hat man bl , ... , bu mit u ~ 1 bereits gefunden, so suche man
ein br=XjE{XI , ... , x.} mit r;§u und Mj~{bl' ... ,bu } und man setze
Mj"'{b l , ... , b,,} = {b u +1' bu +2 ' ••• , bv}. Gibt es kein solches b" so sei
w=u.
(3) Ist {bI' ... ,bv}~{XI' ... ,X;}, so sei w=v. Ist {bI' ... ,bv}~
~ {Xl' ... ,Xi}, so wiederhole man (2).
n
Da U M j endlich ist, bricht dieser Prozeß einmal ab und man
j=1 n
findet auf diese Weise eine Folge b l , •.. , bw von Elementen aus U M j
j=l
mit den Eigenschaften:
(a) Ist s >t, so liegt b s in einer Menge, die durch ein br mit
br E {Xl' ... , X.} und r -< s repräsentiert wird.
(b)Es ist {bl, ... ,bw}~{XI' ... 'X;} oder es ist {bl, ... ,bw}~
~ {Xl' ... , X.} und alle durch bl , ... ,b w repräsentierten Mengen
Mit, ... , M iw sind in {bI' ... , bw} enthalten.
Ist {bI' ... , bw}~ {Xl' ... , X.}, so setzen wir l= {il , i 2 , ••• , i w}. Nach
(b) ist dann U M j = {bl> ... , bw }. Wegen Mi+l ~ {bI' ... , bw} ist daher
jE!
IMi +1 U U Mjl = [{bI' ... , bw}[ -< w+ 1, so daß m(MI , ... , M n )=0 ist.
jE[
Ist {bI' ... , bw}~ {Xl' ... , X.}, so gibt es ein bs ' welches kein Ver-
treter ist. Dann ist s>l, so daß es nach (a) ein br mit brE{xl , ... , x.}
und r -< s gibt, welches eine Menge M j repräsentiert, die bs enthält.
Man nehme bs als Vertreter für M j . Ist r;§t, so ist brEMi+I' und wir
erhalten in br einen Vertreter für M i + l , der von den Vertretern für
MI' ... , Mi verschieden ist. Ist r>l, so wende man das auf b s ange-
wandte Verfahren noch einmal auf br an. Nach endlich vielen Schritten
erhält man dann ein bk EMi+ I, welches nicht mehr als Vertreter für
eine der Mengen MI' ... , Mi benutzt wird, so daß wir in bk einen Ver-
treter für M i +l finden, der von den Vertretern für MI' ... , Mi verschie-
den ist. In diesem Falle finden wir also ein Vertretersystem (YI' ... , Yi+l)
für die Mengen MI' ... ' Mi+l> für das auch noch {Xl> ... , x.} ~
~ {YI' ... , Yi+I} gilt.
4
50 H. LÜNEBURG

Ist i + 1 -< n, so wende man das Verfahren noch einmal an. Be-
ginnt man mit i=O, so erhält man auf diese Weise nach endlich vielen
Schritten entweder ein Vertretersystem für (MI' ... , M,,) oder aber eine
TeilfamiÜe (MiliEI) mit I U Mil <: IJI. Wie M. Hall's Algorithmus zeigt,
iE!
gilt auch der
2.1. Satz (M. Hall). Ist m(MI , ... , M,,) ~ 0 und ist (Xl' ... , X;) E
Em(Ml> ... ,Mj ), so gibt es ein (YI, ... ,y,,)Em(MI, ... ,M,,) mit
{Xl' ... , xJ~ {YI' ... , y,,}.
Man beachte, daß es im allgemeinen nicht zu erreichen ist, daß
Xl = YI' X 2 = Y2' ... , Xj = Yi ist. Dies zeigt das folgende
Beispiel. Es sei M I ={1,2,3,4,5}, M 2 ={2,3,4,5,7,8}, M a=
={1, 2, 3, 4}, M 4 = {3, 4}, M s = {I, 2, 3}, M 6 = {4, 5, 7} und M 7 =
= {I, 3, 4}.
Es ist (1,2,3, 4)Em(MI , M 2, M a, M 4) und Ms~ {I, 2, 3, 4}. Wir
erhalten der Reihe nach:
{bI' b 2, ba}=Ms ={l, 2, 3}.

b l = 1 ist Vertreter von MI und MI ffi M s . Daher ist

{b 4 , b s} = MI"-M s = {4, 5}.


b s =5 ist kein Vertreter. 5EM2 und b 2=2 ist Vertreter für M 2. Wegen
2EMs ist daher (1,5,3,4, 2)Em(MI , M 2, M a, M 4 , M s). Ferner ist
(1,5,3,4,2, 7)Em(MI , M 2 , M s , M 4 , M s , M 6) und M7~ {I, 5, 3,4,2, 7}.
Wir erhalten wieder der Reihe nach
{bI' b 2, b a}=M7 = {I, 3, 4}.

b l = 1 ist Vertreter von MI und MI ffi M 7 . Daher ist

{b4 , bs } = M I"-M7 = {2, 5}.


bs = 5 ist Vertreter für M 2 und M 2 ffi {I, 3, 4, 2, 5}. Daher ist
{b 6 , b7 }= {7, 8}.
8 ist kein Vertreter. In 8 erhalten wir daher einen Vertreter für M 2 ,
wodurch 5 frei wird. Wegen 5 EMI können wir 5 zum Vertreter von MI
machen, wodurch 1 frei wird. Wegen 1 EM7 ist daher (5,8,3,4,2,7, 1) E
Em(Ml> M 2, M 3 , M 4 , M s , M 6 , M 7).
Bei diesem Beispiel ist (1,2,3, 4) Em(MI , M 2 , M 3 , MJ. Andrer-
7
seits ist Y2 = 8 für alle (Yl> ... , Y7) Em(Mv ... , M 7), weil U Mi =
i=I
={1, 2, 3, 4,5,7, 8} = {YI' ... 'Y7} ist und weil 8 nur in M 2 liegt. Daher
rv. VERTRETERSYSTEME 51

ist (1,2,3, 4) ~ (Yl' Y2' Ya, y,,) für alle Vertretersysteme (YI> ... , Y7) von
(MI> ... , M 7)· Dies zeigt, daß man 2.1 nicht zu (Xl' ... , Xi) =(Yl' ... , Yi)
verbessern kann.
Aus 1.3 folgt, da ~(Ml'"'' M 7) ~ 0 ist, die Abschätzung
I~(MI> ... , M 7 )1 ~4.
Aufgaben:
1) Bestimme alle Vertretersysteme von (MI' ... , Mg), wobei M l ={I, 2, 3, 4, 5},
M 2 ={2, 3,4,5,7, 8}, M s ={I, 2, 3, 4}, M,={3,4}, M.={I, 2, 3, 6}, M 6 ={4, 5, 7},
M,={I, 3, 4}, M s ={I, 2, 3}, M g={3, 6, 7} ist.
2) Es sei MI ={1, 2,3, 4}, M a={3,4, 5, 6, 7,8, 12}, M s ={2, 3, 4,7,9, 10},
M,={I, 2, 4,5, 6}, M 6 ={8, 9,10,11, 12}, M 6 ={I, 2, 3,4,5,6,8,10,11, 12}, M,=
={1, 3, 5, 6, 7, 8,10, 11, 12}.BestimmeMengenX,(iEZ,)mitX,~M, und x,nxj = 0
für i-;ej sowie (lXII, ... , IX, I) = (2, 3, 2,1,2,1,1).

3. Die Permanente. mund n seien natürliche Zahlen. Mit \ll(m, n)


bezeichnen wir die Menge aller m-Anordnungen von Zn. Ist m >- n,
so ist \ll(m, n)=0. Istm~n, so gilt nach 11.2.3 die Gleichung l\ll(m, n)1 =
n!
= (n-m)! .
Es sei R ein kommutativer Ring und A = (ai) eine (m X n)-Matrix
mit aij ER. Wir definieren die Permanente per (A) von A durch
m
per (A) = Z II ai,a.(i)·
a.E!!Ii=l

Dabei sei \ll=\ll(m,n). Ist m>-n, so ist \ll=0 und somit per (A)=O.
Es sei A = (aij) und nE Sm. Ferner sei B = (bij) mit bij = a,,(.),j'
Die Matrix B entsteht also aus A durch eine Permutation der Zeilen
von A. Nun ist
m m
per (B) = Z II bi,a.(i) = Z II a"(i),a.(i) •
a.E!!Ii=l a.E!!Ii=l

Weil R ein kommutativer Ring ist, ist


m m
II a"(i),a.(i)
i=l
= II ai,a.,,-I(i)·
i=l
Also ist
m m
per (B) = Z II ai,a.,,-l(i) = Z II ai,a.(i) = per (A).
a.E!!Ii=l a.E!!Ii=l

Entsteht Baus A durch Vertauschung der Zeilen, so ist also per (B)=
= per (A). Ebenso zeigt man, daß die Permanente durch Spaltenver-
tauschung nicht geändert wird. Erhält man Baus A, indem man die
Elemente einer Zeile von A mit rE R multipliziert, so ist per (B) = r per
(A). Ist m = n, so ist \ll (m, n) die symmetrische Gruppe vom Grade n.
Daher ist
52 H.LÜNEBURG

m m
per (A) = Z II ai,a(i) = aESn
aESn ;=1
Z ;=1
II aa-1(;),; = per (At),

wenn A die Transponierte von A ist.


Die Permanente einer Matrix ist meist sehr schwer zu berechnen,
da handliche Entwicklungssätze, wie man sie für die Determinante hat,
fehlen. Eine Möglichkeit für die Berechnung von per (A) beschreiben wir
in dem folgenden Satz.
3.1. Satz. Es sei A eine (m Xn)-Matrix mit Koeffizienten aus einem
kommutativen Ring. Ferner sei m"§. n. Ist Beine (m X (n - r»)-Teilmatrix
von A, so bezeichnen wir mit P(B) das Produkt über alle Zeilensummen
von B. Schließlich sei S(r)=~P(B), wobei über alle (mX(n-r»)-Teil-
matrizen B summiert wird. Dann ist

rn-I .(n-m+i) .
per(A) = ~ (-1)' i S(n-m+z).
m
Beweis. Setze !S=Z~m. Ist cpE!S, so sei w(cp) = II ai,t/J(i). Ferner
i=1
sei E(i)={cplcpE!S,i~cp(Zm)} für i=I,2, ... ,n. Ist /EPr(Zn), so ist
E(I) = {cplcp E!S, In cp(Zm) = 0}. Ist B die Teilmatrix von A, die durch
Streichen der Spalten mit Indizes aus I entsteht, so ist W(I) =P(B)
und daher W(r)=S(r). Nun ist llai,tp(i) genau dann ein Summand in
per (A), wenn cp genau n - m der Eigenschaften E(i) erfüllt. Daher ist
nach IILl.1
n-n+m .(n-m+i)
per(A) = ~ (-1)' n-m S(n-m+i) =

= i (_l)i(n-~+i)s(n_m+i).
i=O I

Wegen Sen) =0 folgt hieraus die Behauptung.


3.2. Korollar. Ist A eine (n Xn)-Matrix, so ist
n-l
per(A) = Z (-I)iS(i).
i=O

Dies ist der Fall n = m von 3.1.


Ist J die (n Xn)-Matrix, deren Koeffizienten alle gleich 1 sind,
so ist per (J) = n!. Andrerseits ist S (i) = (~) (n - i)n. Daher ist nach 3.2

n! = .z\-I);(~) (n-i)!,
i=O I

was man auch aus IIL2.1 erhält, wenn man k = n setzt.


IV. VERTRETERSYSTEME 53

Es sei ('P, lB, I) eine endliche Inzidenzstruktur. Ferner sei 'P=


= {PI' ... , P v } und lB ={Ol' ... , Ob}' Wir definieren eine Matrix A = (ai)
durch aij = I, falls P j I 0i' und au = 0, falls P j J. 0i' Die Matrix A heißt
eine Inzidenzmatrix von ('P, lB, I). Es gilt nun offensichtlich der
3.3. Satz. Es sei Meine n-Menge und Mb ... , M m seien Teilmengen
von M. Ist dann A eine Inzidenzmatrix von (M, {MI' ... , Mn}, E), so ist
Im(MI , ... , Mm)1 =per (A).
Ist A eine (m Xn)-Matrix, deren Koeffizienten entweder Null oder
Eins sind, und ist M = {Xl' ... , x n} eine n-Menge, so definieren wir Teil-
mengen Mi (i EZm) durch Mi = {Xjlaij = I}. Dann ist A eine Inzidenz-
matrix von (M, {MI' ... , M m}, E).
3.4. Satz. Es sei A eine (m Xn)-Matrix, deren Koeffizienten entweder
Null oder Eins sind. Ferner seien Zl' ... , Zm die Zeilensummen von A.
Schließlich sei (J E Sm und Za(I)::§··· ::§ Za(m)' Ist dann per (A) -:;r:. 0, so ist
I'
per (A) ~ II (Za(i) - i + 1),
i=l
wobei J1 =min {m, Za(l)} ist.
Beweis. Es sei Meine n-Menge und MI, ... , M m seien Teilmengen
von M, so daß A eine Inzidenzmatrix von (M, {MI' ... , M m}, E) ist.
Dann ist IMil =Zi' Aus per (A) -:;r:.O folgt nach 3.3, daß m(MI , ... , M m) -:;r:.!}
ist. Aus 3.3, 1.3 und der Bemerkung, daß per (A) bei Zeilenpermutation
invariant bleibt, folgt daher die Behauptung.
Aufgaben:
1) Finde quadratische Matrizen A und B mit per (A) per (B)?'per (AB).

2) (::')rn! = i~\-i)i(7) (::'=/i) (rn-i)m.


3) Es sei Dn die Anzahl der Permutationen ohne Fixelemente aus Sn. Zeige,
daß D n = ZI(_I)i (~) (n-i)i(n-i-lr- i ist. .
i=O I
4) Sind a und b Elemente eines Ringes mit 1, so ist

an+b n = L:
[n/2] n (n -. iJ (ab)i(a+b)n-2i.
(_I)i - .
i=O n-l I

(Hinweis: Berechne per (xij) mit Xii=a, Xi,i+1=xn1 =b und xij=O sonst.)
5) Es sei M 1={I, 2, 3, 4, 5}, M 2={2, 3,4,5,7, 8}, M s={I, 2, 3, 4}, M.={3,4},
M 5 = {l, 2, 3}, M 6 ={4, 5, 7}, M 7 ={I, 3, 4}. Zeige, daß 1~J(Mb ... , M 7)1 =7 ist.

4. Der Term-Rang. Es sei A = (ai) eine Matrix mit aij E {O, I}.
Der Term-Rang e(A) von A ist die maximale Anzahl von Einsen in A,
von denen keine zwei in einer Zeile oder einer Spalte stehen. Ist Beine
54 H.LÜNEBURG

Matrix, die aus A durch Zeilen- und Spaltenpermutation hervorgeht, so


ist {](B) = {](A).
4.1. Satz (König-Egerväry). Es sei A = (aij) eine Matrix mit
aij E{O, I}. Dann ist {](A) die minimale Anzahl von Zeilen und Spalten, die
alle Einsen von A enthalten.
Beweis. {]' sei die Minimalzahl von Zeilen und Spalten von A, die
alle Einsen enthalten. In A gibt es {] (A) Einsen, von denen keine zwei
in einer Zeile bzw. einer Spalte stehen. Die Minimalzahl der diese Einsen
enthaltenden Zeilen und Spalten von A ist offenbar gleich {](A), woraus
folgt, daß {](A) ~ {!' ist.
Um zu zeigen, daß {!' ~ {!(A) ist, bemerken wir zunächst, daß {!'
ebenso wie {] (A) bei Zeilen-und Spaltenpermutationen von A invariant
bleibt. Wir können daher annehmen, daß die ersten e Zeilen und die
ersten f Spalten alle Einsen von A enthalten und daß e +f = (!' ist.
Dann hat A die Form

A = (~~ 1 2
),

wobei Al eine (e Xf)-Matrix ist. A habe m Zeilen und n Spalten. Wir


betrachten nun die Teilmengen MI, ... , Me von {f+ 1,/+2, ... , n}, die
durch M j = {ilaij = I} (jEZe ) definiert sind. Gäbe es kein Vertretersystem
für MI, ... , Me, so wäre o. B. d. A. IMI U ... U Me' I -< e' ~ e. Dann
könnte man die ersten e' Zeilen durch IMI U ... U Me' I Spalten ersetzen
im Wiederspruch zur Minimalität von {]'. Hieraus folgt, daß (! (A 2) = e
ist. Ebenso zeigt man, daß {](A 3) = f ist. Nun ist {](A) ~ {](A 2) + (!(A 3) =
= e+f = {!', q. e. d.
Ist P = (Pi) eine (n X n)-Matrix mit Pij E {O, I} und P pt = I, so heißt
P eine Permutationsmatrix. Ist P eine Permutationsmatrix, so steht in
jeder Zeile und in jeder Spalte von P genau eine 1. Definiert man eine
Abbildung 1t: Zn -+- Zn durch ift =j genau dann, wenn Pij = 1, so ist
1t E Sn. Ist umgekehrt 1t E Sn und setzt man Pij = 1, falls ift =j, und Pu = 0,
falls ift ~ j ist, so ist P = (Pu) eine Permutationsmatrix. Es gibt also genau
n! Permutationsmatrizen.
Ist P eine Permutationsmatrix, so ist P-I=p t • Daher ist auch
ptp=I.

4.2. Satz (König). Es sei A eine (nXn)-Matrix mit nicht-negativen


n n
reellen Koeffizienten ajj' Ist dann Z aik = s = Z akj für alle i und j,
k=l k=l
so gibt es nicht-negative reelle Zahlen Cl' ... , Ct und Permutationsmatrizen
t
PI' ... , Pt mit A = Z cjPi •
i=l
IV. VERTRETERSYSTEME 55

Beweis. Wir beweisen dies mit Induktion nach der Anzahl der aij,
die gleich Null sind. Ist aij = 0 für alle i und j, so setzen wir t = 1, Cl = 0
und PI =1. In diesem Falle ist der Satz also richtig. Es seien nun nicht
alle aij = O. Es sei I die Minimalzahl von Zeilen und Spalten, die alle
von Null verschiedenen Koeffizienten von A enthalten. Dann gibt es
also e Zeilen und f Spalten von A, die alle von Null verschiedenen
Koeffizienten von A enthalten, so daß e +f = I ist. Es ist

ns = .z .z aij
n

i=l j=l
n
:§ se + sf = sI :§ sn,

da ja I:§n ist. Hieraus folgt wegen s>O, daß I=n ist. Ersetzt man
für den Augenblick die von 0 verschiedenen aij durch 1, so folgt nach
4.1, daß der Term-Rang der neuen Matrix gleich n ist. Hieraus folgt,
daß es ein nESn gibt mit ai,"(i)~O. Es sei PI=(Pi) mit pij=l, falls
j = n (i), und Pij = 0, falls j ~ TC (i) ist. Dann ist PI eine Permutationsmatrix.
Es sei ferner Cl = min ai ,,(i)' Wir betrachten nun die Matrix Al =
l~l~n '
= A - CIPl . Die Zeilen- und SpaItensummen von Al sind dann alle gleich
s - Cl' Ferner gilt, daß alle Koeffizienten von Al nicht negativ sind.
Schließlich ist die Anzahl der Koeffizienten von Al' die gleich Null sind,
um mindestens Eins größer als die Anzahl der Koeffizienten von A, die
gleich Null sind. Nach Induktionsannahme gibt es daher nicht-negative
reelle Zahlen C2 , ... , Ct und Permutationsmatrizen P 2 , ... , Pt mit Al =
= .z CiPi , q. e. d.
t

i=2
4.3. Korollar (König). Es sei A = (aij) eine (n X n)-Matrix mit
aij E {O, I}. Sind die Zeilen- und Spaltensummen von A alle gleich k >0,
so gibt es Permutationsmatrizen PI, ... , P k mit A = .z Pi'
k

Beweis. Nach 4.2 ist A = .z CiPi und der Beweis von 4.2 zeigt,
t i=l

Ci = 1 gewählt werden können. Daher ist A = .z Pi' Da


i=l t
daß alle
i=I
hieraus folgt, daß die Zeilensummen von A alle gleich t sind, ist t = k,
q. e. d.
Ist A = (ai) mit nicht-negativen reellen Koeffizienten aij und sind
alle Zeilen- und alle Spaltensummen von A gleich 1, so heißt A zweifach
stochastisch.
4.4. Korollar (G. Birkhoff). Die konvexe Hülle der Permutations-
matrizen besteht gerade aus allen zweifach stochastischen Matrizen.
Hieraus folgt wiederum
4.5. Korollar. Ist A eine zweifach stochastische Matrix, so ist
O<per (A):§ 1.
56 H.LÜNEBURG
t
Beweis. Nach 4.4 gibt es positive reelle Zahlen Cl' ... , Ct mit ~ Ci = 1
t i=l
und Permutationsmatrizen PI' ... , Pt mit A = ~ CiPi' Daher ist
t i=l
per (A) ~ ~ c7 >- O. Ist andrerseits 2( die Menge aller Abbildungen
i=l
von Zn in sich, so ist, da alle aij ~ 0 sind,
n n n
per (A):§ ~ II ai,~(i) = II ~ aij = 1, q. e. d.
~Emi=l i=lj=l
Eine bislang ungelöste Vermutung von van der Waerden lautet, daß
für alle zweifach stochastischen Matrizen per (A) ~
n'
--i. ist.
n
Aufgaben:
1) Es sei K ein Körper und aESn • Wir definieren die Matrix P(a)=(pij(a»)
durch Pi/a) = 1, falls i"=j, und Pij(a)=O, falls i"-,cj ist. Zeige, daß P ein Isomor-
phismus von Sn in die Gruppe aller regulären (nXn)-Matrizen über K ist.
2) Es sei K ein Körper und aESn • Dann ist det (P(a») = ± 1. Ist die Charak-
teristik von K von 2 verschieden, so ist genau dann det (P(a») = 1, wenn aEA n ist.

3) Man zerlege
812
(j ~ ~)
gemäß 4.2.

4) n Studenten und n Studentinnen veranstalten einen Semesterabschlußtanz.


Jeder Student kennt genau k<n Studentinnen und jede Studentin kennt genau k
Studenten. Ist es möglich, daß jeder Student den ersten Tanz mit einer ihm unbekannten
Studentin tanzt?
5) Ist X eine Matrix, deren Koeffizienten alle gleich 0 oder 1 sind, so bezeichnen
wir für 0(=0, 1 mit N~(X) die Anzahl der Koeffizienten von X, die gleich 0( sind. Es
sei nun A eine (mXn)-Matrix, deren Koeffizienten alle gleich 0 oder 1 sind. Fer-
ner seien z" ... , Zrn die Zeilen- und s" ... , Sn die Spaltensummen von A. Schließ-
lich sei

Zeige: Ist Al eine (iXj)-Matrix, so ist


m-i j
No(AI)+NI(A~) = ij + ~ Zih - ~ Sp.
~=1 P=l

6) Es sei A eine (mXn)-Matrix aus lauter Nullen und Einsen. Ferner seien
z" ... , Zrn die Zeilen- und s" ... , Sn die Spaltensummen von A. Zeige, daß q(A) §

§ I?i.n {ij+i+j+ ]i Zih -


I,J ~=1
i
P=l
sp} ist, wobei das Minimum über alle i und j mit
i=O, 1, ... , mund j=O, 1, ... , n zu bilden ist.

5. Ein Satz von Egervary. Es gilt der folgende


5.1. Satz (Egerväry). Es sei A = (aij) eine (n X n)-Matrix mit ganz-
zahligen Koeffizienten.
n n
a) Es ist max ~ ai a(i) = min ~ (u i + Vi), wobei das Minimum über
aESn i=l ' i=l
IV. VERTRETERSYSTEME 57

alle Paare von n-Tupeln ganzer Zahlen (u}> ... , un) und (V1' ... , vn), für die
Ui +vj ~ aij für alle i und j gilt, zu bilden ist.
b) Es seien (ui, ... , u!) und (vi, ... , v!) zwei n-Tupel ganzer Zahlen
= aij fi"ur a 11e z. und'J. rerner
mzt. Ui*+ Vj*:=- D ] u,*+ Vj* = aij }.
sez• M i = {'I
n n
Genau dann ist ~(ut +vj)=min ~ (Ui + Vi)' wenn m(M1, ... ,Mn) ~0 ist.
i=1 i=1
c) (ui, ... , u!), (vi, ... , v!) sowie M 1, ... , Mn haben die gleichen Be-
deutungen wie unter b). Genau dann ist (e(I), ... , e(n») Em(M1 , ... , Mn).
wenn e E Sn und wenn
n n
~ ai,u(i) = max ~ ai,a(i) ist.
i=1 aES" i=1
Beweis. Setzt man ui = m~x aij für i = 1, 2, ... ,n und vj = 0 für
l~J~n

j = 1,2, ... , n, so ist Ui + Vj = Ui ~ alj für alle i und j. Es gibt also


Paare von n-Tupeln ganzer Zahlen (u 1, ... , un) und (v 1, ... , vn), die die
Bedingung UI +vj ~ aij für alle i undj erfüllen. Es seien nun (U1' ... , un)
und (V1' ... , vn) zwei solcher n-Tupel. Ist (JE Sn, so ist Ui + Va(i) ~ ai,a(i)
und somit
n n n
~(UI+Vi) = Z(Ui+Va(i» ~ ~ al,a(i)'
i=1 1=1 i=1
Hieraus folgt, daß die Menge der ganzen Zahlen

G= {i
1=1
(Ui+Vi)lui+vj ~ aij}
n
durch M = max Z ai,a(i) nach unten beschränkt ist. Daher enthält G eine
aESn i=1
kleinste Zahl m, für die dann auch m ~ M gilt. Es seien nun (ui, ... , u!)
und (vi, ... , v!) zwei n-Tupel ganzer Zahlen mit ut +vj ~ aij und
n
m = ~ (ut + vi). Schließlich sei Mi = {j lut + vj = aiJ. Es sei I ~ Zn.
i=1
Wir setzen U Mi = J. Ferner definieren wir Üi und Vi (i = 1, 2, ... , n)
iEI
durch Üi = ut-I, falls iE!, und Üi=Ur, falls i~list, sowie Vj = vj+l,
falls jE J, und Vj = vj, falls j ~ J ist. Dann ist ü i + vj ~ aij außer evt. im
Falle i EI und j ~ J. In diesem Falle ist aber j ~ Mi' so daß ut + vj :=- aij
ist. Weil ur, vj und aij ganzzahling sind, ist daher ur + vj - 1 ~ aij'
dh. es ist auch in diesem Falle ü; + vj ~ aij' Also ist
n n
m-III+IJI = Z(ut+vt)-III+IJI = Z(üi+v) ~ m,
;=1 i=1
n
so daß 1I1 ~ IJI = IU Mil ist. Aus 1.1 folgt somit, daßm(M
1=1
1 , ... ,Mn)~0

ist. Damit ist ein Teil von b) bewiesen.


58 H.LÜNEBURG
n
Es sei nun (e(l), ... , e(n») Em(M1 , •.. , Mn)' Wegen U Mi~Zn ist
e eine Permutation von Zn' Dann ist aber i=1
n n n
M;;;: ~ ai,Q(i) = ~ (Ut+V;(i» = ~ (ui + vi) ;;;: m ;;;: M.
i=1 ;=1 ;=1

Dies beweist einen Teil von c), den noch offenen Teil von b) und die
Aussage a). Es sei schließlich e E Sn und
n n
2: (ui + vi) = ~a;,e(i)' Wäre (e{l),···,e(n)Hm(M1, ... ,Mn),
;=1 i=1
so gäbe es ein IX EZn mit Urz + vQ(rz) >- arz,e(rz)' Dann wäre aber
n n n n
~ aj,Q(i) -< 2: (u i + vQ(i) = ~ (u; + Vi) = 2: ai,Q(;)
;=1 ;=1 ;=1 i=1
ein Widerspruch. Damit ist alles bewiesen.
5.2. Korollar. Es sei A = (a;) eine (n Xn)-Matrix mit nicht-nega-
tiven ganzzahligen Koeffizienten. Dann ist max ~ ai "U) = min ~ (u; + vJ,
aESn '
wobei das Minimum über alle Paare von n-Tupeln nicht-negativer ganzer
Zahlen (u 1, ... , un) und (VI, ... , vn) mit Ui+Vj ;;;: aij für alle i und j zu
bilden ist.
Beweis. Es seien (u!, ... , u:) und (vi, ... , v:) zwei nach 5.1 a) exis-
n
tierende n-Tupe1 ganzer Zahlen mit ui + vj ;;;: aij und 2: (ui + vi) =
n i=l
= max ~ ai,"(i)' Es sei u = ~inui. Wir setzen Ui = ui-u und Vj =
"ESn i=1 ,EZn
= vj + u. Dann ist Ui;;;: 0, da ja ui;;;: u ist. Es gibt ferner ein ()( EZn mit
u = u:. Daher ist Vj = vj + u: ;;;: aaj ;;;: 0. Schließlich ist Ui + Vj = ui +
n n
+ vj ;;;: aij und ~ (u; + vJ = 2: (ui + vi), q. e. d.
i=1 i=1
5.3. Bemerkung. Der Beweis von 5.1 liefert gleichzeitig einen Algo-
n
rithmus, um max 2: ai,"(i) zu bestimmen. Man beginnt mit zwei n-Tupeln
"ESn i=1
ganzer Zahlen (Ul' ... , un) und (VI' ... , vn ), die die Bedingungen Ui + vj ;;;: aij
erfüllen, z. B. den bei den n-Tupeln, die durch Ui = max aij (i EZn) und
vj=O (jEZn) definiert sind. Man bildet dann Mi = {jlui+Vj = aij}
n
(iEZn )· Ist m(M1, ... , M nh=0, so liefert 5.1 ein e mit M = ~ ai,Q(i)'
i=l
Ist m(M1, ... , Mn) =O, so gibt es nach 1.1 ein I~Zn mit! U Md -< 111·
u;
iEf
Wir setzen J = U Mi' Schließlich definieren wir und vj durch
iE[
u; = ui -1, falls iEI, und u;=ui , falls i~Iist, sowie vj = vj +1, falls
jE J, und vj = Vj' falls j ~ J ist. Dann ist, wie der Beweis von 5.1 zeigt,
auch u; + vj ;;;: aij für alle i und j. Schließlich gilt wegen IJ I -< 11 I die
Ungleichung
IV. VERTRETERSYSTEME 59

n n n
Z(U{ +V{) = Z(Ui+Vi)-I/I+IJI -< Z(Ui+V;).
i=1 i=1 i=1

Mit diesen n- Tupeln (u~, ... , u~) und (v~, ... , v~) beginnt man aufs
Neue. Da alle vorkommenden Zahlen ganze Zahlen sind, erhält man
nach endlich vielen Schritten zwei n- Tupel ganzer Zahlen, für die
m(M1 , ••• , Mn)~0 ist.
5.4. Bemerkung. Es sei A eine Matrix, deren Koeffizienten alle gleich
Null oder Eins sind. e(A) sei der Term-Rang und e'(A) sei die Minimal-
zahl von Zeilen und Spalten, die alle Einsen von A enthalten. Wir
wollen erneut beweisen, daß e(A) = e'(A) ist. Ändert man A ab, indem
man zu A Zeilen oder Spalten aus lauter Nullen hinzufügt, so ändert
sich weder e(A) noch e'(A). Wir können daher annehmen, daß A eine
n
(nXn)-Matrix ist. Offensichtlich ist e(A) = max Z ai,aU)' Nach 5.2
aESn i=1
gibt es zwei n-Tupel von nicht-negativen ganzen Zahlen (Ul' ... , un) und
n
(VI, ... , Vn) mit Ui + Vj ~ aij und e(A) = Z (Ui + vJ Es sei u E Sn und
n i=1
e(A) = Z
ai,a(i)' Nach 5.1 c) ist dann Ui+Va(i) = ai,a(i)' Es sei
i=1
1={iliEZn,uj>va(j)} und J'={iUEZn,uj-<vaUj}' Ist k~/UJ, so ist
Uk=Va(k) und daher 0~2uk=ak,a(k)~I, so daß in diesem Falle ak,a(k) =0
ist. Hieraus und aus In J' = I:} folgt, daß
n
1I1 + IJ'I = Z (Ui + Va(i» + jEJ
iEI
Z (Uj + Va(j») = Z ai,a(i) =
i=1
e (A)
ist.
Es sei i ~ I. Dann ist 0 ~ Ui ~ Va(i) und Ui + Va(i) = ai,a(i) ~ 1. Also
ist Ui =0. Wir setzen J = u(J'). Istj EJ, so ist, fallsj = u(i) ist Ui ~va(i) = Vj'
dajai~J'ist. Wegenui+Vj = Ui+Va(i) = ai,a(i) ~ 1 ist daher in diesem
Falle Vj=O. Mit andern Worten: Ist aij= 1, so folgt wegen uj+v j ~ aij ,
daß entweder iEI oder jEJ ist. Daher ist e'(A) ~ I/I+IJI = 1/1+
+IJ'I = e(A). Weil trivialerweise e(A)~e'(A) ist, folgt, daß e(A)=
= e'(A) ist. Damit haben wir einen neuen Beweis für Satz 4.1.
Aufgaben:
7
1) Bestimme max Z.ai,aw der Matrix
aES. i=1
4 7 3 22 9 36
35 6 -1 9 28 0 -10
-17 -25 -11 -31 -19 -37 -19
24 0 0 2 14 31 13
12 41 27 55 18 18 17
8 9 10 12 13 14 15
l 13 2 43 -23 -24
60 H. LÜNEBURG

2) Bestimme den Term-Rang sowie die Zeilen- und Spaltensummen der Matrizen

0 0 1)
0 0 1
0 0 0 1
1 0 0
0 0 0 0 0
0 0 0 0 0
lo 0 0 0 0
und
1 0 0
0 0
0 0 0
1 0 0
0 0 0 1 0 0
0 0 0 0 0
lo 0 0 0 0

Vergleiche mit Aufgabe 6 von Abschnitt 4.


v. Rado's Auswahlprinzip

1. Das Auswahlprinzip. Für die Definitionen der in diesem Abschnitt


benutzten topologischen Begriffe und die Beweise der hier angegebenen
Sätze der Topologie sei der Leser auf das Buch von J. L. Kelley, Gene-
ral Topology oder auf irgendein anderes Buch über mengentheoretische
Topologie verwiesen.
Es sei Wl = (Mi li EI) eine Familie von Teilmengen einer Menge
M. Eine Abbildung rx von I in M mit rx (i) EMi für alle i EI heißt eine
Auswahlfunktion von Wl. Mit X Mi bezeichnen wir die Menge aller
iEI
Auswahlfunktionen von Wl und nennen X Mi das cartesische Produkt
iE!
der Mi' Ist Ni ~ Mi für alle i EI, so ist jede Auswahlfunktion von
91:=(NiliEI) auch eine solche von Wl, so daß also XNi~ X Mi ist.
iE! iE!
Das Auswahlaxiom sagt dann gerade, daß X Mi nicht leer ist,
iE!
falls Wl eine nicht-leere Familie von nicht-leeren Mengen ist.
Es sei (MiliEI) eine Familie von Mengen und für iEI sei ~i eine
Topologie von Mi' Ferner sei mdie Menge der X Oi mit Oi E~l und
JE!
Oi~Mi für höchstens endlich viele iEI. Dann wird mzu einer Basis
für eine (eindeutig bestimmte) Topologie ~ von X Mi, der Produkt-
iE!
topologie. Wir bezeichnen die Produkttopologie ~ mit II ~i' Es gilt nun
iE!
der Satz von Tychonoff:
Ist (Mi> ~i)liEI) eine Familie von kompakten topologischen Räumen,
so ist auch (X Mi'
iE!
n
~i) kompakt.
iE!
Ist (M,~) ein kompakter topologiseher Raum und ist meine
Familie von abgeschlossenen Teilmengen von M mit der Eigenschaft,
daß jede nicht-leere Teilfamilie von m einen nicht-leeren Durchschnitt
hat, so ist auch nX ~ 0, wie man sich leicht überlegt.
XE\!!

1.1. Satz (Rado's Auswahlprinzip). Es sei Wl=(MiliEI) eine Fami-


lie von endlichen Mengen und (f sei die Menge aller endlichen Teilmengen
von I. Ferner sei für jedes JE(f eine Auswahlfunktion rxJ von (MiliEJ)
gegeben. Dann gibt es eine Auswahlfunktion rx von Wl mit der Eigenschaft,
62 H.LÜNEBURG

daß es zu jedem JE ft ein K Eft gibt mit J~ Kund a(i) = aK(i) für alle
iEJ.
Beweis. (Mi' P(Mi)) ist ein topologischer Raum, der, da Mi end-
lich ist, kompakt ist. Nach dem Satz von Tychonoff ist also auch
(X Mi' II P(Mi)) kompakt.
iEI iEI
Für JE ft sei A J die Menge aller derjenigen Auswahlfunktionen
a von 9Jl, die die Eigenschaft haben, daß es ein KEft gibt mit J~K
und a(i)=aK(i) für alle iEJ. Wir zeigen, daß A J abgeschlossen ist.
Dazu zeigen wir, daß das Komplement B J von A J in X Mi offen ist.
iEI
Wir nennen zwei Elemente ß und y von B J äquivalent, falls ß(j) = y(j)
ist für alle j EJ. Weil X M j endlich ist, gibt es nur endlich viele Klassen
jE! t
Cl' ... , Ct bzg. dieser Äquivalenzrelation. Weil B J = U Cx ist, genügt es
x=l
zu zeigen, daß Cx für alle xE Zt offen ist. Est sei ßE Cx und ~ EX Mi
iEI
und es sei ß(j)=~(j) für alle JEJ. Weil ßEBJ ist, gibt es zu jedem
KE ft mit J~K einjo EJ, für welches ß(jo) ~aK(jO) ist. Wegen ß(j) =~(j)
für alle jE J folgt, daß auch ~ EB J' und damit, daß ~ ECx ist. Ist l/J die
Einschränkung von ß auf J, so ist also Cx = X Ui mit Ui = {l/J(i)},
iEI
falls i EJ, und Ui = Mi' falls i ~ J ist. Also ist Cx für alle xE Zt offen, so
daß BJ offen und damit A J abgeschlossen ist.
Wir betrachten nun die Familie m: =(AJIJ Eft). Es sei {J(1), ... , J(n)}
n
eine endliche Teilmenge von ft. Ferner sei K = U J(r). Dann ist auch
r=l
KEft. Wir definieren a durch a(i)=aK(i), falls iEK, und a(i) beliebig
in Mi' falls i~Kist. Offenbar ist aE n A J(,).
n

'=1
Weil (XMi ,
iEI
II P(Mi))
iEI
kompakt ist und weil m: nur aus abgeschlossenen Mengen besteht, ist
auch nAJ~0 q. e. d.
JEIf
2. Angeordnete Gruppen. Es sei M eine Menge und ~ sei eine auf
M erklärte binäre Relation. Die Relation ~ heißt eine Teilordnung von
M, falls ~ die folgenden Bedingungen erfüllt:
a) Es ist x~x für alle xEM.
b) Sind x,yEM und ist x~y sowie y~x, so ist x=y.
c) Aus x, y, zEM und x~y sowie y~z folgt x~z.
Eine binäre Relation ist also eine Teilordnung, falls sie reflexiv,
antisymmetrisch und transitiv ist.
Ist ~ eine Teilordnung von M, so heißt M bzg. ~ teilweise ge-
ordnet.
Ist ~ eine Teilordnung von M und gilt auch
d) sind x,yEM, so ist x~y oder y~x,
V. RADO'S AUSWAHLPRINZIP 63

so heißt ~ eine Anordnung von Mund M heißt bzg. ~ angeordnet oder


auch linear geordnet.
Ist G eine Gruppe und ist ~ eine Anordnung von G, so nennen wir
diese Anordnung verträglich, falls aus x, y, z E G und x ~y folgt, daß
auch xz ~ yz und zx ~ zy ist.
2.1. Satz (B. H. Neumann). Es sei G eine Gruppe. Genau dann be-
sitzt G eine verträgliche Anordnung, wenn jede endlich erzeugte Unter-
gruppe von G eine verträgliche Anordnung besitzt.
Beweis. Besitzt G eine verträgliche Anordnung ~ und ist U eine
Untergruppe von G, so liefert die Einschränkung von ~ auf U eine
verträgliche Anordnung von U, so daß also alle und damit auch die
endlich erzeugten Untergruppen von G eine verträgliche Anordnung
besitzen.
Es gelte umgekehrt, daß jede endlich erzeugte Untergruppe von
G eine verträgliche Anordnung besitzt. Mit 1 bezeichnen wir die Menge
aller endlichen Teilmengen von G und mit (5;(1) die Menge aller end-
lichen Teilmengen von 1. Ist JE (5;(1), so sei GJ die von U x erzeugte
xEJ
Untergruppe von G. Da I U xl -< 00 ist, besitzt GJ eine verträgliche
xEJ
Anordnung, die wir mit ~J bezeichnen. Wir setzen ferner Mi = i für
alle i EI. Ist JE (5; (1) und i EJ, so ist Mi ~ GJ' Weil Mi endlich ist, enthält
Mi ein bezüglich ~J kleinstes Elemente aJ(i). Wegen a.T(i) EMi für
alle iEJ ist aJ eine Auswahlfunktion von (MiliEJ). Nach 1.1 gibt es
daher eine Auswahlfunktion a von (Md i E1) mit der Eigenschaft: Ist
JE (5;(1), so gibt es ein K E(5;(1) mitJ~Kund a(i) =aK(i) für alle i EJ. Sind
a, bEG, so setzen wir a ~ b, falls a = b oder falls a ~ bund !X( {a, b}) = a
ist. Wir zeigen, daß ~ eine verträgliche Anordnung von G ist.
1) Trivialerweise gilt a~a für alle aE G.
2) Sind a, bEG und ist a ~ b, so kann nicht gleichzeitig !X( {a, b}) = a
und a({a, b})=b sein. Also impliziert a~b und b~a, daß a=b ist.
3) Es seien a, b, cE G und es sei a ~ bund b ~ c. Um zu zeigen,
daß a ~ c ist, können wir o. B. d. A. annehmen, daß a ~ b ~ c ~ a ist. Dann
ist aber !X({a, b})=a und !X({b, c})=b. Es sei J={{a, b}, {b, cl, {a, cH.
Es gibt dann ein K E(5;(1) mit K~ J und !X(i) = !XK(i) für alle i EJ. Daher
ist a =a( {a, b}) =aK( {a, b}) und b =!X( {b, c}) =aK ( {b, c}). Also ist a ~Kb
und b~KC, woraus a~Kc folgt. Somit ist a=aK({a, cl) =a({a, cl), so
daß auch a ~ c gilt.
4) Sind a, bEG und ist a = b, so ist a ~ b. Ist a ~ b, so folgt aus
a ({a, b}) E {a, b}, daß entweder a ~ b oder b ~ a ist.
5) Schließlich seien a, b, cEG und es sei a~b. Um die Verträg-
lichkeit von ~ zu zeigen, können wir annehmen, daß a ~ b ist. Dann ist
64 H. LÜNEBURG

auch ac~bc und ca~cb. Wir setzen J={{a, b}, {ac, bc}, {ca, cb}}. Es
gibt dann wieder ein KECf(I) mit J~K und rx(i)=rxK(i) für alle iEJ.
Wegen a:2.b ist daher a:2.Kb, woraus aC:2.Kbc und ca:2.Kcb folgen.
Diese Ungleichungen implizieren dann wiederum ac:2. bc und ca:2. cb.
Damit ist gezeigt, daß :2. eine verträgliche Anordnung von G ist, q. e. d.
Die abelsche Gruppe A heißt torsionsfrei, wenn alle von 1 verschiede-
nen Elemente von A unendliche Ordnung haben.
Wir sind nun in der Lage, den folgenden Satz zu beweisen.
2.2. Satz (F. W. Levi). Eine abelsche Gruppe besitzt genau dann eine
verträgliche Anordnung, wenn sie torsionsfrei ist.
Beweis. Es sei A eine abelsche Gruppe und :2. sei eine verträgliche
Anordnung von A. Ferner sei a E A. Dann ist entweder 1:2. a oder
a:2. 1. Es sei zunächst 1:2. a. Ist bereits gezeigt, daß 1:2. an und a:2. an
ist, so folgt, daß a:2.an+ 1 und damit daß 1 :2. an +1 und a:2.an + 1 ist. Hat
a endliche Ordnung, so gibt es also ein n mit an = 1. Aus 1:2. a :2. an = 1
folgt daher a = 1. Ist a:2. 1, so folgt, daß 1 = aa- l :2. 1a- 1 = a- l ist. Hat
a endliche Ordnung, so hat auch a- l endliche Ordnung und es folgt, daß
a- l = 1 ist. Dann ist aber auch a = 1. Damit ist die Notwendigkeit der
Bedingung gezeigt.
Um zu zeigen, daß eine torsionsfrei abelsche Gruppe eine verträg-
liche Anordnung besitzt, genügt es nach 2.1 zu beweisen, daß jede end-
lich erzeugte, torsionsfreie abelsche Gruppe eine verträgliche Anordnung
besitzt, da ja jede Untergruppe einer torsionsfreien Gruppe wieder tor-
sionsfrei ist. Es sei also A eine endlich erzeugte, torsionsfreie abelsche
Gruppe. Als endlich erzeugte abelsche Gruppe ist A direktes Produkt
von endlich vielen zyklischen Gruppen Cl' C2 , ... , Cn (s. etwa 1. Kap-
lansky, Infinite Abelian Groups. Theorem 16 auf S. 44). Weil A tor-
sionsfrei ist, ist C unendlich und besitzt folglich eine verträgliche An-
ordnung :2.i' Sind a = Xl X2'" Xn und b = YIY2 ... Yn Elemente von A und
ist Xi' Yi ECi für alle i EZn' so setzen wir a :2. b, falls a = b ist, oder, falls
für den kleinsten Index i, für den Xi ~ Yi ist, Xi :2.i Yi gilt. Es bleibe dem
Leser überlassen nachzuprüfen, daß :2. wirklich eine verträgliche An-
ordnung von A ist.
Der an weiteren Einzelheiten interessierte Leser sei auf die beiden
folgenden Arbeiten von B. H. Neumann verwiesen: An embedding theo-
rem for algebraic systems. Proc. Lond. Math. Soc. (3) 4 (1954) 138-153
und On ordered Groups. Am. J. of Math. 71 (1949) 1-18.
Aufgaben:
1) Führe den Beweis von 2.2 zu Ende.
2) G sei eine Gruppe und alle endlich erzeugten Untergruppen von G seien
V. RADQ'S AUSWAHLPRINZIP 65

zyklisch. Zeige, daß G keine oder genau zwei verträgliche Anordnungen besitzt.
3) Wieviele verträgliche Anordnungen besitzt die additive Gruppe der rationa-
len Zahlen?
4) Zeige, saß sich jede Menge linear ordnen läßt.

3. Vertretersysteme für unendliche Familien endlicher Mengen. Es


sei (MiliEI) eine Familie von Mengen. Wir sagen, daß (MiliEI) die
Eigenschaft iI hat, wenn jede endliche Teilfamilie von (MiliEI) die
Eigenschaft iI hat (s. Kap. IV, Abschnitt 1). Ferner nennen wir (xiliEI)
ein Vertretersystem von (Mi 1i EI), falls Xi EMi für alle i EI und falls
Xi ,pXj für i,p jaus list. Mit m(MiliEI) bezeichnen wir wieder die Menge
der Vertretersysteme von (MiliEI).
Ist M o = {I, 2, 3, ... } die Menge der natürlichen Zahlen und ist
Mi = {i} für alle natürlichen Zahlen i, so sieht man, daß (Mo, MI' M 2 , ••• )
die Eigenschaft iI hat, daß jedoch m(Mo, Mb M 2 , ... ) leer ist. Die Eigen-
schaft iI ist also im Falle unendlicher Mengenfamilien nicht mehr hin-
reichend für die Existenz eines Vertretersystems. Im Falle einer unend-
lichen Familie endlicher Mengen gilt jedoch
3.1. Satz (M. Hall). Ist (MiliEI) eine Familie endlicher Mengen,
so ist genau dann m(Mi li EI) ,p 0, wenn (Mi li EI) die Eigenschaft iI hat.
Beweis. Trivialerweise impliziert m(Mi liEI),p0, daß (MiliEI) die
Eigenschaft iI hat. Es gelte also umgekehrt, daß (Mil~EI) die Eigen-
schaft iI besitzt. Es sei wieder <f(I) die Menge aller endlichen Teil-
mengen von I. Ist JE<f(I), so hat (MiliEJ) die Eigenschaft iI. Nach
IV.1.1. besitzt daher (MiliEJ) eine injektive Auswahlfunktion IX]. Das
Rado'sche Auswahlprinzip garantiert somit die Existenz einer Auswahl-
funktion IX von (MiliEI) mit der Eigenschaft, daß es zu jedem JE<f(I)
ein KE<f(I) gibt mit J~Kund IX(i)=IXK(i) für alle iEJ. Sind nun i,jEI
und ist i,pj, so gibt es also ein KE<f(I) mit {i,j}~K und IX(i)=IXK(i)
sowie IX(j) = IXKU), Da IXK injektiv ist, folgt, daß IX(i),p IX(j) ist. Also
ist auch IX injektiv, so daß (IX(i)liEI)Em(MiliEI) ist, q. e. d.
4. Der Ranach'sche Abbildungssatz. Es gilt der folgende
4.1. Satz (Banach). Es seien Mund N Mengen. Ferner sei qJ eine
injektive Abbildung von M in N und l/J sei eine Abbildung von N in M.

°
Es gibt dann Mengen MI, M 2 , NI' N 2 mit M = MI UM2 , N = NI UN2
und M I nM2 = 0, NI nN2 = sowie qJ(MI)=NI undl/J(N2 )=M2 •
Beweis. Wir setzen Do = M und definieren für n ~ 1 die Mengen
An, Rn, Cn und Dn durch
An = qJ(Dn - I), Rn = N"'-.,A n, Cn = l/J(Rn), Dn = M"'-.,Cn·
Ferner setzen wir
5
66 H. LÜNEBURG

MI n Dn ,
= n=I An,
NI =
n=I
n
Es sei xEMI . Dann ist xEDn für alle n und daher cp(x)Ecp(Dn)=A n+ I
für alle n. Weil ferner xEM ist, ist auch cp(X)Ecp(M)=A I . Also ist
cp (x) E
n=I
n
An = NI' so daß cp (MI) ~ NI ist. Es sei umgekehrt Y ENI'
Dann ist YEAn=cp(D n- I) für alle n~2. Somit gibt es für n=2, 3, ...
Elemente xn-IEDn - I mit Y=CP(Xn-I). Weil cp injektiv ist, ist Xi=X
für alle i. Folglich ist xE
00
nDi =
i=l
MI, so daß also cp(MI)=NI ist.
Es sei xE N 2 = U Bn. Dann ist also xE Bn für ein n und daher
n=! ~

ljJ(x)EljJ(Bn)=Cn~M2· Somit ist ljJ(N2)~M2' Ist yEM2 = U Cn , so


n=I
gibt es ein n und ein xE Bn mit Y = ljJ (x). Daher ist sogar ljJ (N2) = M 2.
Es ist M = DnUCn. Wegen Cn~M2 ist daher M = Dn UM2 für
alle n. Also ist M =
=
n=I
n
(D n U M 2) = MI U M 2. Ist x EMI n M 2 , so ist
xEDn für alle n und es gibt ein m mit xE Cm • Daher ist xED m n Cm = 0:
ein Wiederspruch. Also ist MI n M 2 = 0. Ebenso zeigt man, daß
N = NI UN2 und N I nN2 = 0 ist.
4.2. Korollar (Schröder-Bernstein). Mund N seien zwei Mengen.
Gibt es eine injektive Abbildung von M in N und eine injektive Abbildung
von N in M, so gibt es eine bijektive Abbildung von M auf N.
Beweis. Es sei cp eine injektive Abbildung von M in N und ljJ eine
injektive Abbildung von N in M. Nach 4.1 gibt es dann eine Partition
{MI' M 2} von M und eine Partition {NI' N 2} von N mit cp(MI)=NI
und ljJ(N2) = M 2. Weil ljJ injektiv ist, ist die Einschränkung ljJo von ljJ
auf N 2 eine Bijektion von N 2 auf M 2. Definiert man nun (! durch (!(x) =
=cp(x), falls xEMI , und durch (!(X)=ljJoI(X), falls xEM2 ist, so ist (!
offensichtlich eine Bijektion von M auf N, q. e. d.
Aufgaben:
1) M sei eine unendliche Menge. Zeige, daß es eine injektive Abbildung der
natürlichen Zahlen in M gibt.
2) M sei eine unendliche Menge. Zeige, daß es eine Bijektion von M auf
MUZn gibt.
3) Es sei N die Menge der Natürlichen Zahlen und (t sei die Menge aller end-
lichen Teilmengen von N. Zeige, daß es eine Bijektion von N auf (t gibt.

5. Eine Anwendung auf Vektorräume. Es gilt der


5.1. Satz. Sind Bund C zwei Basen eines Vektorraumes, so sind Bund
C gleichmächtig.
Beweis. Zum Beweise von 5.1 benutzen wir den Satz, daß für zwei
v. RADQ'S AUSWAHLPRINZIP 67

endliche Mengen {bI> ... , bml und {Cl' ... , cnl von linear unabhängi-
n
gen Vektoren mit {bI> ... , bml ~ ~ c;K die Zahl m höchstens gleich
;=1
n ist.
Ist nun bEB, so sei Cb die Menge derjenigen cE C, deren Koeffi-
zienten k c in der Darstellung b = ~ ckc von Null verschieden sind.
cEC
Dann ist (Cblb EB) eine Familie von endlichen Teilmengen von C. Sind
bl , ... , bk endlich viele Elemente aus B, so liegen die b; (iEZk) in dem
k
von den Vektoren aus U Chi aufgespannten Unterraum. Nach der ein-
I.U cb,l,
1=1 k
gangs gemachten Bemerkung ist daher k = I{bl , .•. , bkll ;§
1=1
so daß (Cblb EB) die Bedingung f, erfüllt. Nach 3.1 besitzt daher (C"lb EB)
ein Vertretersystem (oe(b)lbEB). Dann ist aber oe nichts anderes als eine
injektive Abbildung von B in C. Vertauscht man die Rollen von B
und C, so sieht man, daß es auch eine injektive Abbildung von C in
B gibt. Daher gibt es nach 4.2 eine bijektive Abbildung von B auf C,
q. e. d.
VI. Das Hadamard'sche Determinantenproblem


1. Zwei Ungleichungen. Sind ai (i EZn) nicht-negative reelle Zahlen,

so nennt man aJ; das geometrische Mittel und ~ i~ a i das arith-

metische Mittel der ai . Ist ai>O für alle iEZn, so nennt man nt~ ai- 1)-1
das harmonische Mittel der ai . Wir beweisen nun zwei Ungleichungen,
die zwischen diesen drei Mitteln bestehen.
1.1. Satz. Sind a i (i E Zn) nicht-negative reelle Zahlen, so ist CR ai)-'; ~
n 1

i: ai und es ist genau dann


~ ~n i=l (Ir
i=l
i: ai' wenn a1 = a2 = ...
ai)~ = ~n i=l
'" =an ist.
Beweis. Wir beweisen 1.1 zunächst für die Fälle n = 2m durch Induk-
tion nach m. Es sei m = 1. Dann ist
o ~ (a1-a2)2 = ai-2ala2+a~ = (al +a2)2-4a1a2,
so daß in diesem Falle (a 1a 2)! ~ ~ (al +a2) ist. Ferner sieht man,

daß (a1a2)1- = ~ (al +a2) genau dann gilt, wenn a1 =a2 ist.

Es sei bereits gezeigt, daß ta2m ~


ai ) 2m
1
~ 2m i?i. ai ist
2Jn
und daß genau
dann Gleichheit herrscht, wenn a1 = a2 = ... = a 2m ist.
Wir betrachten
die nicht-negativen reellen Zahlen a 1, a 2, ... , a2m, a 2m+1, ... , a 2m+l.
Dann ist

und Gleichheit gilt genau dann, wenn a1 = a 2 = ... = a 2m ist. Ferner ist

und Gleichheit gilt genau dann, wenn a 2m+1=a2m+2= .. ·=a2m+l ist.


Schließlich ist
VI. DAS HADAMARD'SCHE DETERMINANTEN PROBLEM

und Gleichheit gilt genau dann, wenn


1 2m 1 2m
m
2 i=1 ai = 2m Z Z a2m+1
;=1

ist. Faßt man dies alles zusammen, so erhält man, daß

lJ; ai;§; (12m+!;;' al


2m + 1 2m + 1 )2m + 1

ist und daß Gleichheit genau dann gilt, wenn al = ... = a2m = a und
1 2m 1 2m
a2m+1 = ... = a2m+1 = b sowie a = 2m ai = 2m

a2m+; = b gdt. Z
1=1
Z
i=1
Damit ist 1.1 für die Fälle n = 2m bewiesen. Es sei schließlich nirgendeine
natürliche Zahl. Es gibt dann eine natürliche Zahl m mit n<2m • In
" a;=a. Dann ist
diesem Falle setzen wir a,,+I=···=a2m=n- 1 Z
i=1

Nun ist
2m n 2m

Z al = Z ai+ Z
;=1 1=1 ;=,,+1
ai = na+(2m -n)a = 2ma.
Also ist
"
II ala 2m - n ;§; a2m
i=1
und daher
"
IIai;§;a n = ( -Zal
1 " )"
;=1 n i=1
Schließlich gilt Gleichheit genau dann, wenn al = a2 = ... = a2m= a, dh.
genau dann, wenn al = a2 = ... a" = a ist, q. e. d.
1.2. Korollar. Sind ai (i EZ,,) positive reelle Zahlen, so ist
n t~ ail) - I ;§; CR al;-, und Gleichheit herrscht genau dann, wenn
al =a2 = ... =a" ist.

Beweis. Nach 1.1 ist (ll ai I)';' !n i ail, woraus n (i ail) -I


i=1
;§;
i=1 1=1
;§;

;§; (.ll al)';' folgt.


.=1
Ferner gilt n (.i ail)-I = (.ll ai)';' genau dann,
.=1 .=1

wenn CR ai-I)';' = ~ i~ ai l ist, so daß nach 1.1 genau dann Gleich-


heit herrscht, wenn all = ... = a;;l ist, q. e. d.
70 H. LÜNEBURG

Aufgabe:
n
ab ... , an seien positive reelle Zahlen. Zeige, daß L: (a;+a;-l) ~ 2n ist. Wann
n i=l
ist L: (ai+a;l) = 2n?
i=l

2. Die Hadamard'sche Ungleichung. Es sei C der Körper der komp-


lexen Zahlen und V sei ein Vektorraum von Range n über C. Ferner sei
h eine positiv definite Hermite'sche Form auf V, dh. eine Abbildung von
V X V in C mit den Eigenschaften:
1) h(x+y,z)=h(x, z)+h(y, z) für alle x,y,zO-:
2) h(xc, y)=ch(x,y) für alle x,yEVund alle cEC.
3) h(x, y)=h(y, x) für alle x,yEV.
4) hex, x)>-O für alle xEVmit x~O.
Ist h eine positiv definite Hermite'sche Form auf V, so besitzt V
bzg. h eine Orthonormalbasis, dh. eine Basis bl , ... , bn mit h(bi , bj) =0
für i ~ j und h(bi , b i) = 1 für alle i. (Für einen Beweis dieser Tatsache
siehe etwa Herstein, Topics in Algebra, Theorem 4 H, Seite 155.) Ist
h' eine zweite positiv definite Hermite'sche Form auf V und ist b~, ... , b~
eine Orthonormalbasis von V bzg. h' und ist schließlich L eine lineare
Abbildung von V mit b; L = bi (i EZn), so ist, wie man leicht nachrechnet,
h'(x, y) =h(xL, yL) für alle x, yE V.
Ist bl , ... , bn wieder eine Orthonormalbasis von V bzg. h, ist L
n
eine lineare Abbildung von V in sich und ist biL = L: bjaij' so defi-
j=l n
nieren wir die lineare Abbildung L* von Vin sich vermögebiL = L: biiji ·
j=l
Dann ist, wie man sich wiederum sofort überzeugt, h(xL, y) = hex, yL*)
für alle x, y E V. Ist A = (aij) die Matrix, die L bzg. der Orthonormal-
basis b1 , ... , bn zugeordnet ist, so ist At = (bij) mit bij = aji die Matrix,
die L * bzg. dieser Basis zugeordnet ist. Hieraus folgt, daß L ** = List.
L * heißt die zu Ladjungierte Abbildung.
Wir nennen die lineare Abbildung P von V in sich positiv, falls die
durch hp(x,y) =h(xP,y) definierte semibilineareAbbildunghp eine posi-
tiv definite Hermite'sche Form ist. Ist P positiv, so gibt es, wie wir bereits
bemerkten, eine reguläre lineare Abbildung L mit hp(x, y) =h(xL, yL)
für alle x, yE V, dh. es ist h(xP, y) =h(xLL*, y) für alle x, y E V, so daß
P=LL* ist.
2.1. Hilfssatz. Ist P eine positive lineare Abbildung und sind alle
Eigenwerte von P gleich 1, so ist P = 1.
Beweis. Ist Rg V = 1, so ist V = eC mit einem Eigenvektor e von
.P. Wegen eP = e ist daher P = 1. Es sei also Rg V = n >- 1. Ferner sei e
ein Eigenvektor von P. Schließlich sei X= {xlxE V, h(e, x)=O}. Dann
VI. DAS HADAMARD'SCHE DETERMINANTEN PROBLEM 71

ist V = eCEBX (Herstein, op. cit., Theorem 4 I, Seite 157.) Weil P


positiv ist, gibt es eine reguläre lineare Abbildung L mit P=LL*. Ist
x EX, so ist daher
O=h(e, x)=h(eP, x)=h(eLL*, x)=h(eL, xL)=h(e, xLL*) =
=h(e, xP),
so daß XP~X ist. Da L regulär ist, ist auch P regulär. Folglich ist
XP = X. Ist h' die Einschränkung von hp auf X, so ist h' eine positiv
definite Hermite'sche Form, so daß die Einschränkung P' von P auf
X positiv ist. Da die Eigenwerte von P' auch Eigenwerte von Psind,
folgt, daß alle Eigenwerte von P' gleich 1 sind. Nach Induktionsannahme
ist daher P' = 1. Mit V = eC EB X folgt schließlich, daß P = 1 ist, q. e. d.
A = (aij) sei eine (n Xn)-Matrix mit komplexen Koeffizienten. A
heißt positiv, falls es eine Orthonormalbasis b1 , •.• , bn bzg. h gibt, so
n
daß die durch blP = Z bjalj erklärte lineare Abbildung P positiv ist.
j=l
Ist A positiv, so gibt es eine reguläre (n X n)-Matrix U mit A = UlJt, wie
aus der entsprechenden Tatsache für P folgt.
2.2. Satz. A = (al) sei eine (n Xn)-Matrix mit komplexen Koeffi-
zienten. Ist A positiv, so ist det A sowie all für alle i reell und positiv
n n
und es ist det A ~ II all' Genau dann ist det A = II a/i' wenn a1j = 0
1=1 1=1
ist für i,t. j.
Beweis. Da A positiv ist, gibt es eine reguläre Matrix U = (UI)
n n
mit A = uUt. Daher ist au = Z uijülj = Z IUijl2 ~ O. Wäre au =0,
j=l j=l
so wäre uij = 0 für alle jE Zn' so daß U singulär wäre. Dieser Widerspruch
zeigt, daß all :> 0 ist für alle i EZn .
Wir betrachten die Matrix B = (bi)' die durch bu = aü t und blj = 0
für i.,.:. j definiert ist. Weil die all reell und positiv sind, ist B eine Matrix
mit reellen Koeffizienten. Daher ist B=Bt • Schließlich sei P=BAB.
Wegen A = uUt und B=Bt ist dann P=BU(BUY, so daß auch P posi-
tiv ist. .11.1' ••• , An seien die Eigenwerte von P. Weil P positiv ist, sind

n ~ (i i' AI)n.
die Eigenwerte von P alle reell und positiv. Nach 1.1 ist folglich

1=1
Ai
n 1=1
Z die Spur von P = (Pli)' Wegen
Nun ist
1=1
.11.1

PI'; = aij(ajjaj)-! ist daher Z.11.1 = i Pu = n, so daß Ir ~ 1 ist. .11.1


n 1=1 1=1 1=1
Schließlich istII .11.1 = det P und folglich (det B)2 det A = det P ~ 1, wo-
i=l n
raus folgt, daß det A reell und daß det A ~ II all ist.
n 1=1
Es ist genau dann det A = II ajj, wenn det P = 1 ist, dh. wenn
1=1
72 H. LÜNEBURG

i ä Ai = (~ i i AJ ist. Nach 1.1 ist dies wied:rum genau dann der


Fall, wenn Al = .12 = ... = An = .1 ist. Wegen nA = L: Ai = n ist dies genau
i=l
dann der Fall, wenn .1 = 1 ist, dh. wenn alle Eigenwerte von P gleich
1 sind. Weil P positiv ist, ist das nach 2.1 wiederum genau dann der
Fall, wenn P = I die Einheitsmatrix ist. Damit ist 2.2 vollständig be-
wiesen.
2.3. Satz (Hadamard'sche Ungleichung). Ist A = (ai) eine (n X n)-
n n
Matrix mit komplexen Koeffizienten, so ist Idet AI2 ~ II L: laijl2. Genau
n n i=l j=l
dann ist Idet AI2 = II L: laijl2, wenn entweder eine Zeile von A nur aus
i=l j=l
Nullen besteht oder wenn AAt eine Diagonalmatrix ist.

Beweis. Ist det A = 0, so ist die Ungleichung trivialerweise richtig


n n
und es gilt Idet AI2 = II L: laijl2 genau dann, wenn wenigstens eine
i=l j=l
Zeile von A aus lauter Nullen besteht. Wir können also annehmen, daß
det A ~ 0 ist. Dann ist B = AAt eine positive Matrix. Ist B = (b ij ), so ist
also nach 2.2
n
Idet AI 2 = det A det At = det B ~ II bii .
i=l

n n n n
Nun ist bii = L: aijaij = L: laijl2. Folglich ist Idet AI2 ~ II L: laijl2.
j=l j=l i=l j=l
n n
Nach 2.2 gilt Idet AI2 = II L: laijl2 genau dann, wenn B=AAt eine
i=l j=l
Diagonalmatrix ist, q. e. d.
Aufgaben:
1) Zeige, daß die Eigenwerte einer positiven linearen Abbildung positiv sind.
2) Es sei A eine (nXn)-Matrix mit komplexen Koeffizienten. Zeige, daß A
genau dann positiv ist, wenn es eine reguläre Matrix U gibt mit A= uO'.
3) Es sei V ein Vektorraum über C und h sei eine positiv definite Hermite'sche
Form auf V. Schließlich sei L eine lineare Abbildung von V in sich. Zeige, daß L
genau dann positiv ist, wenn h(xL, x»O ist für alle xE V mit x".O.
4) Es sei V ein Vektorraum über dem Körper der reellen Zahlen und es sei
Rg V~2. Schließlich sei f eine symmetrische, positiv definite Bilinearform auf V.
Man bestimme eine lineare Abbildung L von V in sich, für die zwar f(xL, x) >0 ist
für alle xE V mit x".O, für die jedoch die durch fL(X, y)= f(xL, y) definierte Bilinear-
form fL nicht symmetrisch ist.
5) i> sei die Menge aller n-reihigen zweifach stochastischen Matrizen. Zeige:
(a) i> ist bzg. der Matrizenmultiplikation eine Halbgruppe mit Eins.
(b) Die Gruppe der Einheiten von i> ist die Menge der Permutationsmatrizen.
(c) Ist AEi> und ist x=(x" ... , x n ) mit x,EC, so ist IxAx'l=",xx t •
(d) Ist A Ei> und ist A ein Eigenwert von A, so ist lAI ='" 1.
VI. DAS HADAMARD'SCHE DETERMINANTEN PROBLEM 73

(e) Ist A E~ und gilt für alle Eigenwerte l von A, daß III = 1 ist, ~o ist A eine
Permutationsmatrix.

3. Hadamardmatrizen. Es gilt der folgende


3.1. Satz. Es sei A=(ai) eine (nXn)-Matrix mit reellen Koeffizien-
"
ten aij' Ist laij I;§ 1 für alle i und j, so ist Idet AI ;§ n"2. Genau dann ist
"
Idet AI =n"2, wenn AAt =nI ist, wobei I die n-reihige Einheitsmatrix ist ..

Beweis. Wegen laijl;§ 1 ist Z" laijl2 ;§ n, so daß nach 2.3 Idet AI2 ;§
n n i=l
;§ II Z laij l2 ;§ n" ist. Wegen A =..4 ist AAt nach 2.3 eine Diagonal-
i=1 j=1
matrix, wenn Idet A 12 = n" ist. Da in diesem Falle für alle i EZn die
Gleichung Z" lau 12 = n gilt, impliziert Idet A 12 = n" also, daß AAt = nI
i=1
ist. Ist umgekehrt AAt =nI, so ist Idet AI2 =n", q. e. d.
Ist A = (ai) eine (n Xn)-Matrix mit reellen Koeffizienten, ist laijl:§ 1
und AAt = nI, so heißt A eine n-reihige Hadamardmatrix.
3.2. Korollar. IstA = (aij) eine Hadamardmatrix,so ist aijE {I, -l}.
Beweis. Ist A eine Hadamardmatrix, so ist Z" aTi = n, so daß wegen
laijl;§ 1 stets a~j = 1 ist, q. e. d. i=1
IstA eine Hadamardmatrix, so ist A wegen AA t =nI regulär. Ferner
ist A-1=n- 1A t, so daß AtA =nA-IA =nI ist. Dies besagt, daß auch
At eine Hadamardmatrix ist. Multipliziert man die Koeffizienten einer
Zeile oder einer Spalte von A mit -I, so ist auch die dadurch ent-
stehende Matrix eine Hadamardmatrix. Gibt es eine n-reihige Hada-
mardmatrix, so gibt es also auch eine n-reihige Hadamardmatrix mit
alj =aj1 = 1 für alle jEZ". Jede solche Hadamardmatrix nennen wir

n_D.
normalisiert. Die einzigen normalisierten Hadamardmatrizen der Ord-
nung 1 und 2 sind (l) und Ist A eine Hadamardmatrix, so ist
auch jede aus A durch Zeilen- oder Spaltenpermutation entstehende
Matrix eine Hadamardmatrix.
Das Hadamard'sche Determinantenproblem lautet: Man finde alle
natürlichen Zahlen n, für die es eine n-reihige Hadamardmatrix gibt.
Dieses Problem ist bislang ungelöst. Wir werden im folgenden, ohne
erschöpfend zu sein, einige Methoden angeben, mit denen man Hada-
mardmatrizen konstruieren kann. Zunächst beweisen wir jedoch einen
Nichtexistenzsatz.
3.3. Hilfssatz. Es sei B=(bij) eine (3Xn)-Matrix mit bijE{I, -I}
und b1j = 1 für alle J, sowie BBt = nI, wobei I die (3 X 3)- Einheitsmatrix ist.
Dann gilt:
74 H. LÜNEBURG

a) Ist i = 2 oder 3, so ist die Anzahl der Indizes j mit bij = 1 gleich I'
b) Die Anzahl der Indizes j mit b 2j = baj = 1 ist gleich -i.
Beweis. a) Es sei iE {2, 3} und sei die Anzahl der Indizes j mit
0(

.bij=l. Dann ist 0 =Z n ist.


b1jbij = O(-(n-O() = n-20(, so daß 0( = -2
j=l
b) Es sei die Anzahl der Indizes j mit b2j = baj = 1 und y sei die
Anzahl der Indizes j mit b2j =- baj = 1. Nach a) ist dann ß + y = I'
Ebenfalls nach a) ist I -ß die Anzahl der Indizes j mit - b 2j = baj = 1
und I - y die Anzahl der Indizes j mit b2j = b aj = - 1. Daher ist
o = ji b2j baj = 2(ß - y), so daß ß= y ist. Folglich ist 2ß = ß+ y = I'
q. e. d.
3.4. Korollar. Ist A eine n-reihige Hadamardmatrix, so ist entweder
Tl = 1, n = 2 oder n == 0 mod 4.
Beweis. Es sei n ~ 3. Um zu zeigen, daß n durch 4 teilbar ist, können
wir annehmen, daß A normalisiert ist. Ist dann B die Teilmatrix von A,
die aus den ersten drei Zeilen von A besteht, so erfüllt B die Voraus-
setzungen von 3.3, so daß n nach 3.3 b) durch 4 teilbar ist, q. e. d.
Es sei 3 eine rechtsseitige taktische Konfiguration mit v Punkten
und k Punkten pro Block. Ferner sei A eine natürliche Zahl. Gehen
durch zwei verschiedene Punkte von 3 stets genau A Blöcke, so nennen
wir 3 einen 2 - (v, k, A) Blockplan.
Ist 3 eine Inzidenzstruktur und ist P ein Punkt von 3, so definieren
wir die abgeleitete Struktur 3p wie folgt:
(i) Die Punkte von 3p sind die von P verschiedenen Punkte
von 3.
(ii) Die Blöcke von 3p sind die mit P inzidierenden Blöcke von 3.
(iii) Inzidenz in 3p ist gleichbedeutend mit Inzidenz in 3.
3.5. Hilfssatz. Ist 3 ein 2 - (v, k, A) Blockplan, so ist 3 auch eine
taktische Konfiguration.
Beweis. Es sei P ein Punkt von 3 und r p sei die Anzahl der Blöcke
durch P. Dann ist 3p eine taktische Konfiguration mit den Parametern
v-I, rp, k -1, A. Nach 1.2.2 (c) ist daher rp(k -1) = A(V -1), so daß rp
von P unabhängig ist, q. e. d.
3.6. Korollar. Ist 3 ein 2 - (v, k, A) Blockplan mit b Blöcken und
ist r die Anzahl der Blöcke durch einen Punkt von 3, so ist vr = bk und
r(k-l) = A(V -1).
Dies folgt aus 3.5 und 1.2.2 (c) sowie dem Beweis von 3.5.
VI. DAS HADAMARD'SCHE DETERMINANTEN PROBLEM 75

3.7. Satz. Genau dann gibt es eine 4t-reihige Hadamardmatrix, wenn


es einen 2 - (4t -1, 2t -1, t -1) Blockplan gibt.
Beweis. Gibt es eine 4t-reihige Hadamardmatrix, so gibt es auch
eine normalisierte 4t-reihige Hadamardmatrix. A sei eine solche. Die
Matrix B=(b i) (i,j=2, 3, ... , 4t) entstehe aus A durch Streichen der
ersten Zeile und der ersten Spalte und durch Ersetzen der Koeffizienten,
die gleich -1 sind, durch Nullen. B ist dann Inzidenzmatrix einer
Inzidenzstruktur ,3=(~, m, I) mit I~I = Iml = 4t-l (s. Kap. IV, Ab-
schnitt 3). Wir zeigen, daß,3 sogar ein 2-(4t-l, 2t-l, I-I) Block-
plan ist. Da A normalisiert ist, enthält jede von der ersten Zeile ver-
schiedene Zeile von A nach 3.3 a) genau I = 2t Einsen, so daß jede
Zeile von B genau 2t - 1 Einsen enthält. Dies besagt aber, daß ,3 eine
rechtsseitige taktische Konfiguration mit k = 2t - 1 ist. Mit A ist auch
At eine normalisierte Hadamardmatrix. Sind i und j natürliche Zahlen
mit i.,e j.,e 1 .,e i, so gibt es daher nach 3.3 b) g:nau i= t Indizes I
mit ali = alj = 1. Wegen ali = a1j = 1 folgt damit ~ b/ib1j = t -1. Dies
1=1
besagt wiederum, daß die Punkte Pi und P j mit genau t - 1 Blöcken
gleichzeitig inzidieren. Also ist ,3 ein 2 - (4t - 1, 2t - 1, t - 1) Blockplan.
Es sei umgekehrt ,3 ein 2 - (4t -1, 2t -1, t -1) Blockplan. Fer-
ner sei B = (bi) (i,} = 2, 3, ... , 4t) eine Inzidenzmatrix von,3. Schließlich
sei A = (aij) (i, j EZ4t) wie folgt definiel t: ali = an = 1 für alle i EZ4t und
für i,j'?'!=.2 sei aij = 1, falls bij = 1, und aij = -1, falls bij =0 ist. Wir
n
zeigen, daß AtA =nI ist. Zunächst ist klar, daß ~ a;j = n ist. Es bleibt
n ;=1
zu zeigen, daß ~ aijaik = 0 ist, falls nur j.,ek ist. Weil ,3 ein Block-
i=l
plan ist, ist nach 3.6 die Anzahl der Blöcke durch einen Punkt von ,3
gleich (t - ;; ~~ - 2) = 2t _ 1. Hieraus folgt, daß die A~zahl der In-
dizes i mit ail = 1 gleich 2t ist, falls nur 1>- 1 ist. Daher ist ~ ai1 aik = 0,
i=l
falls k.,e 1 ist. Weil durch zwei verschiedene Punkte von ,3 genau 1- 1
Blöcke gehen, ist die Anzahl der Indizes i, für die aij = aik = 1 gilt,
n
falls j.,e k.,e 1 .,e j ist, gleich t. Insgesamt folgt dann, daß ~ aijaik =
i=l
= 1- t + t - I = 0 ist. Damit ist gezeigt, daß AAt =nI ist, dh. daß A und
At zwei 4/-reihige Hadamardmatrizen sind, q. e. d.
Einen 2 - (4t - 1, 2t - 1, t - 1) Blockplan nennen wir Hadamard-
blockplan.
Aufgaben:
1) Es sei n eine natürliche Zahl und' EC sei eine primitive note Einheitswurzel.
76 H. LÜNEBURG

Schließlich sei A=(ai) (i,j = 0,1, ... , n-l) die (nxn)-Matrix mit aij=,ij. Zeige.
daß AÄ'=nI ist.
2) Ist A eine m-reihige und Beine n-reihige Hadamardmatrix, so ist das Kro-
neckerprodukt A ® B der beiden Matrizen A und Beine mn-reihige Hadamardmatrix.
Insbesondere gibt es also 2"-reihige Hadamardmatrizen für aUe natürlichen Zahlen a.

4. Beispiele von Blockplänen. Ist V ein Vektorraum und ist i eine


nicht-negative ganze Zahl, so bezeichnen wir mit Ui(V) die Menge
aller Unterräume vom Range i von V. Ist (j ein Isomorphismus von
V auf V', so induziert (j eine Bijektion von Ui(V) auf Ui(V'). Sind V
und V' Vektorräume über GF(q) und ist Rg V=Rg V' =n endlich, so
ist also [Ui(V)[ = [Ui(V')[ für i=O, 1, ... , n. Hieraus folgt, daß [U;(V)I
nur von q, n und i abhängt. Wir setzen daher [Ui(V)[ = Ni(n, q), falls
V ein Vektorraum vom Rang n über GF(q) ist. Es gilt nun

4.1. Satz. Ist V ein Vektorraum vom Rang n über GF(q) und sind
i undj ganze Zahlen mit O;2i;2j;2n, so ist (Ui(V), Uj(V), ~) eine tak-
tische Konfiguration mit den Parametern v=Ni(n, q), b=Nj(n, q),
k=NiU, q) und r = Nj_i(n-i, q).

Beweis. Es ist v = [Ui(V)[ = Ni(n, q) und b = [Uj(V)[ = Nj(n, q). Ist


BEUj(V), so ist k B = [Ui(B)[ = NiU, q), und ist PEUi(V), so ist
r p = [Uj-i(V/P)[ = Nj_i(n-i, q), q. e. d.
4.2. Korollar. Sind i,j und n ganze Zahlen mit O;2i;2j;2n und ist
q Potenz einer Primzahl, so sind die Zahlen Ni(n, q), Nj(n, q), NiU, q) und
Nj_i(n-i, q)definiertundes ist N;(n, q)Nj_i(n-i, q) = Nj(n, q)N;(j, q).
Dies folgt aus IU.5.9 sowie 4.1 und I.2.2 (c).
4.3. Korollar. Sind i und n ganze Zahlen mit 0;2 i;2 n und ist q Po-
tenz einer Primzahl, so ist
i qn+1-11._1
Ni(n,q) = 11
11.=1
11.
q-
1 .

Beweis. Es sei V ein Vektorraum vom Rang n über GF(q). Jedes


vom Nullvektor verschiedene Element von V liegt in genau einem Un-
terraum vom Range 1 von V. Nach II.2.2 enthält V genau qn Elemente
und jeder Unterraum vom Range 1 enthält genau q Elemente. Daher
ist qn_l = N 1(n,q)(q-I), so daß N 1(n,q) = qn-11 ist. Ferner ist
q-
klar, daß No(n, q) = 1 ist, so daß 4.3 für i = 0, 1 und alle n richtig ist.
Insbesondere ist 4.3 auch richtig für n = 1 und alle i zwischen und n.
i qn-I1._1
°
Es sei n:> 1 und es sei N;(n -1, q) = II 11. 1 für alle i zwischen
° 11.=1 q -
und n -1. Ersetzt man in 4.2 das Paar (i,j) durch (1, i), so ist
VI. DAS HADAMARD'SCHE DETERMINANTEN PROBLEM 77

N1(n, q)Ni _ 1(n-l, q) = Ni(n, q)Nl(i, q). Daher ist nach Induktions-
annahme und dem bereits Bewiesenen
i- l qn-~ _ I
Ni(n, q) = II ~ I
qn - I
. I
~=l q - q'-
q. e. d.
4.4. Korollar. Es sei Vein Vektorraum vom Range n über GF(q). Fer-
ner sei i eine natürliche Zahl mit 2"2. i"2.n -1. Dann ist (Ul(V), Ui(V), ~)
ein 2-(N1(n,q), N l (i,q),Ni - 2 (n-2,q)) Blockplan.
Dies folgt unmittelbar aus 4.1, wenn man nur bemerkt, daß P + Q
ein Unterraum vom Range 2 ist, falls P und Q verschiedene Punkte aus
Ul(V) sind.
4.5. Korollar. Ist V ein Vektorraum vom Range n über GF(2), so
ist (Ul(V), Un-l(V), ~) ein Hadamard-Blockplan.
Beweis. Nach 4.4 ist (Ul(V), Un-l(V), ~) ein
2 -(N1(n, 2), Nl(n -1,2), N n- 3 (n -2,2))
Blockplan. Nach 4.3 ist Nl(n, 2) = 2n-1, Nl(n -1,2) = 2n- l -l und
N n- 3 (n - 2, 2) = 2n- 2 - 1. Setzt man t = 2n- 2 , so ist (Ul (V), Un - 1 (V), ~)
also ein 2-(4t-l,2t-l,t-l) Blockplan, q.e.d.

4.6. Korollar. Ist n = 2m , so gibt es eine n-reihige Hadamardmatrix.

Dies folgt 3'lS 4.5 und 3.7.


Aufgaben:
1) Es sei V ein Vektorraum vom Range n über einem endlichen Körper. Zeige,
daß !U,(V)! = !Un-i(V)1 ist für alle i mit O""i""n.
2) Es sei V ein Vektorraum von Range n über einem endlichen Körper. Fer-
ner sei l<i""n. Zeige, daß genau dann !U1 (V)!=!U i(V)! ist, wenn i=n-1 ist.
3) Es sei V ein Vektorraum vom Range n über GF(q). Zeige, daß
(U1 (V), Ui(V)'~) genau dann ein Hadamard-Blockplan ist, wenn q=2 und
i = n-1 ist.

5. Die Paley'schen Beispiele. In diesem Abschnitt werden wir weitere


Beispiele von Hadamard-Blockplänen angeben, deren Konstruktion von
Paley stammt. Zunächst beweisen wir jedoch die Fisher'sche Un-
gleichung, wozu wir den folgenden Hilfssatz benötigen.

5.1. Hilfssatz. Es sei I die (v Xv)-Einheitsmatrix und J sei die (v Xv)-


Matrix, deren Koeffizienten alle gleich I sind. Sind a und b reelle Zahlen
und ist B = (a -b)I +bJ, so gilt:
(i) Die Eigenwerte von B sind a + (v - I)b und a - b. Ist b 7"'- 0, so
78 H. LÜNEBURG

ist die Vielfachheit von a + (v - I)b gleich I und die Vielfachheit von a - b
gleich v-I.
(ii) detB = (a+(v-a)b)(a-b)V-l.
Beweis. Ist i EZv -1' so definieren wir die (v X 1)-Matrix E i =
=(ei1 , ei2' ... , eiv)f durch eil = I = -ej,i+1 und eij =0, fallsj ~ i, i + I ist.
Ferner sei Ev=(I, I, ... , l)f. Dann ist
BEv = (a-b)I+bJ)Ev = (a-b)IEv+bJEv = (a-b)Ev+bvEv =
= (a+(v -1)b)Ev,
so daß a + (v - I)b ein Eigenwert zum Eigenvektor E v ist. Ist i E Zv -1.
so ist JEj = 0 und daher
BEi = (a-b)I+bJ)Ei = (a-b)IEj+bJEj = (a-b)Ej.
Da die Vektoren EI, ... , E v - 1 linear unabhängig sind, ist, falls b~O
ist, a - b ein Eigenwert mit der Vielfachheit v - I und a + (v - I)b ein
Eigenwert mit der Vielfachheit I. Hieraus folgt alles weitere.
5.2. Satz. Es sei A eine Inzidenzmatrix eine 2-(v, k, A) Blockpla-
nes .3 und r sei die Anzahl der Blöcke durch einen Punkt von,3. Dann gilt:
(i) AtA = (r - A)I + Al.
(ii) Rg A = v, falls r ~ A ist.
Beweis. (i) besagt gerade, daß durch jeden Punkt von .3 genau r
Blöcke gehen und daß zwei verschiedene Punkte von .3 mit genau A
Blöcken inzideren.
(ii) Nach 5.1 ist det(AtA) = (r+(v-I)A)(r-A)V-I, so daß wegen
r ~ A die Determinante von AtA von Null verschieden ist. Also ist
Rg (AtA) =v. Wegen min{v,b}~RgA~Rg(AtA)=v ist b~v=RgA.
dh. es gilt nicht nur 5.2 (ii) sondern auch noch das
5.3. Korollar (Fisher'sche Ungleichung). Ist.3 ein 2-Blockplan mit
v Punkten und b Blöcken und ist die Anzahl k der Punkte pro Block höch-
tens gleich v - I, so ist v ::§ b.
Als nächstes beweisen wir den
5.4. Hilfssatz. Es sei q Potenz einer Primzahl und q == 3 mod 4. Fer-
ner sei K=GF(q) und U die Untergruppe der Ordnung t (q-I) der
multiplikativen Gruppe K* von K. Ist u EU und a EK, so ist die durch
x"'(u,a) = ux+a definierte Abbildung u(u, a) eine Permutation von K. Ist
G die Menge dieser Permutationen, so ist G eine Gruppe der Ordnung
!q(q-I), die auf P 2 (K) transitiv operiert.
Beweis. Die einzige nicht-triviale Aussage von 5.4 ist die, daß G
VI. DAS HADAMARD'SCHE DETERMINANTEN PROBLEM 79

auf P 2 (K) transitiv operiert. Um dies zu zeigen, sei zunächst {x, y} EP 2 (K)
und a(u, a) EG sowie {x, y }tr(u,a) = {x, y). Wäre xtr(u,a) = y, so wäre
ytr(u,a) =x und daher wäre die Ordnung von a(u, a) gerade. Nach 11.3.1
wäre dann !q(q-I) gerade im Widerspruch zu q=.3mod4. Also
ist ux + a = xtr(u,a) = x und uy + a = ytr(u,a) = y, woraus u = I und a = 0
folgt. Also ist IG{x,y} I= 1. Ist B~ P 2 (K) die Bahn von G, die {x, y}
enthält, so ist nach 11.1.1 !q(q-I) = IGI = IBI!G{x,y} I = IBI, so daß
B=P2 (K) ist q. e. d.

5.5. Satz (Paley). Es sei q Potenz einer Primzahl und q =. 3 mod 4.


Ferner sei K=GF(q) und U sei die Untergruppe der Ordnung! (q-l)
von K*. Mit G Bezeichnen wir wieder die Gruppe aller Permutationen
a (u, a) von K mit u E U und a EK. Ist m die Menge der Bilder von U unter
G, so ist (K, m, E) ein Hadamard-Blockplan.
Beweis. Es ist klar, daß (K, m, E) eine rechtsseitige taktische Kon-
figuration mit v = IK I= q Punkten und k = ! (q - I) Punkten pro Block
ist. Weil G auf P 2 (K) nach 5.4 transitiv operiert, folgt, daß (K, m, E)
sogar ein 2 - (v, k, A) Blockplan ist. Es sei H der Stabilisator der Menge
U in G. Dann ist a(u, O)EH für alle uE U, so daß IUI § IHI ist. Daher
.1st Iml
:.0
IGI § TUT
= IHI IGI = q = v. M'11 H'l<" 1 le d er F'ISher'sc
hen U n-
gleichung folgt somit v= Iml. Folglich ist r = k = ! (q-I). Setzt man
v = b = 4t-l, so ist r = k = 2t-1 und also (2t-I)(2t-2) =
= A(4t-2), so daß A = t-I ist. M. a. W. (K, m, E) ist ein Hadamard-
Blockplan, q. e. d.
Aufgaben:
Ein 2- (v,3,1) Blockplan heißt Steiner'sches Tripelsystem.
1) Es sei \l.l die Punktmenge eines Steiner'schen Tripelsystems. Definiere auf \l.l
eine Multiplikation 0 vermöge POP = P für alle PE\l.l und, falls p.,cQ ist, durch
Po Q = R, wobei R der dritte Punkt des Blockes durch P und Q ist. Außer der Eigen-
schaft
(a) pOP= P
hat \l.l (0) noch die Eigenschaften
(b) poQ = QOP
und
(c) pOQ = R impliziert POR = Q.

2) Es sei \l.l eine Menge versehen mit einer Multiplikation *, so daß \l.l ( * )
die Eigenschaften (a), (b) und (c) von Aufgabe 1) besitzt. Zeige, daß es ein Steiner'sches
* ).
Tripelsystem mit der Punktmenge \l.l gibt mit \l.l (0) = \l.l (
3) Gibt es Steiner'sche Tripelsysteme mit Vi bzw. Vz Punkten, so gibt es auch
ein Steiner'sches Tripelsystem mit ViVZ Punkten.
80 H. LÜNEBURG

4) Es sei V ein Vektorraum über GF(3) und )S sei die Menge aller Rechtsrest-
klassen nach Unterräumen vom Range 1 von V. Dann ist (V,)S, E) ein Steiner'sches
Tripelsystem.
5) Es sei V ein Vektorraum über GF(2). Dann ist (1lC1 (V), 1lC2 (V), ~) ein
Steiner'sches Tripelsystem.
6) Es sei q Potenz einer Primzahl und q=-3 mod 4 sowie t (q-l) =- 0 mod 3.
Zeige, daß es ein Steiner'sches Tripelsystem mit q Punkten gibt. (Benutze 5.4.)
Vll. Endliche Inzidenzstrukturen

1. Das Gale-Ryser Kriterium. Ist 3 = (~, '-8, I) eine endliche In-


zidenzstruktur, so bezeichnen wir wieder mit r p die Anzahl der Blöcke
durch einen Punkt P und mit k b die Anzahl der Punkte auf b. Der In-
zidenzstruktur 3 sind also zwei Familien (rpIPE~) und (kblb E'-8) von
nicht negativen ganzen Zahlen zugeordnet. Wir fragen nun umgekehrt,
wann es zu zwei Familien (riliEZv) und (kjljEZb) von nicht-negativen
ganzen Zahlen ri und k j eine Inzidenzstruktur 3=(~, '-8, I) mit I~I =v
und 1'-81 =b gibt, für die nach passender Anordnung von ~ und '-8
für alle i EZv und alle jE Zb die Gleichungen ri = rpi und k j = k bj gelten.
Die Antwort darauf wird uns das Gale-Ryser Kriterium geben.
1.1. Hilfssatz. Es seien Xl' X2 , ••• , x m nicht-negative ganze Zahlen und
n sei eine natürliche Zahl mit n ~ Xi für alle i EZm. Ist xi (j EZn)
t
die Anzahl der iEZm mit Xi~j und ist tEZn, so ist L: x!-t+j =
m j=l
= L: max (Xi -n + t, 0).
i=l
Beweis. Wir betrachten die (m Xn)-Matrix A = (ai)' die durch aij = 1,
falls j;:§i Xi' und aij = 0, falls j >- Xi' definiert ist. Es ist dann offensichtlich
m
xi = L: aij' Es sei B die Teilmatrix von A, die aus den letzten t Spalten
i=l
von A besteht. Ist e die Anzahl der Koeffizienten von B, die gleich 1
t
sind, so ist also e = L: x!-t+ j ' Ist i EZm und ist Xi >- n - t, so
j=l
ist Xi - n + t die Anzahl der Einsen, die in der i-ten Zeile von B
stehen. Ist Xi;:§i n - t, so ist diese Anzahl gleich Null. Also ist
max (Xi - n + t, 0) die Anzahl der Einsen, in der i-ten Zeile von B, so
m
daß e = Z max (Xi -n + t, 0) ist, q. e. d.
i=l
1.2. Korollar. Es sei 3=(~, '-8, I) eine endliche Inzidenzstruktur und
es sei I~ 1= v. Ist ki (i EZv) die Anzahl der Blöcke von 3, die wenigstens i
v
Punkte tragen, so ist 1I1 = L: k'(.
i=l
Beweis. ki ist die Anzahl der bE '-8 mit k b ~j. Mit n = v = t erhält
6
82 H.LÜNEBURG
v
man daher aus 1.1, da ja k b ~o ist, daß Z k'J = Z k b = 1I1 ist,
q. e.d.
j=I bE!B

X=(x I , ... ,xm) und Y=(y!, ... ,Ym) seien zwei Vektoren mit reel-
len Komponenten. Wir sagen, daß Y von X majorisiert wird, wenn für die
Permutationen (J, (J E Sm, für die Xe(I) ~ X~(2) ~ ••• ~ xe(m) und Y0'(1) ~
I I
~YO'(2) ~ ... ~YO'(m) gilt, für alle I EZm-l die Ungleichung Z YO'(i) -::§ Z Xe(i)
m m i=l i=l
erfüllt ist und wenn außerdem Z Yi = Z Xi ist.
i=I i=I
1.3. Satz (Gale-Ryser Kriterium). Es seien R=(rI , ... , rv) und
K=(k I , ... , k b) zwei Vektoren mit nicht-negativen ganzzahligen Kom-
ponenten. Genau dann gibt es eine Inzidenzstruktur ,J = (~, m, I) mit
I~I =v und Iml =b, so daß nach geeigneter Anordnung von ~ und m
für alle i EZv und alle jE Zb die Gleichungen ri = rp , und k j = k bj gelten, wenn
v ~ k i ist für alle i EZb und wenn R von dem Vektor K* = (kr, k~, ... , k~)
majorisiert wird, wobei ki wiederum die Anzahl der jE Zb mit k j ~ i ist.
Beweis. Wir können im folgenden o. B. d. A. annehmen, daß
rI~r2~· .. ~rv~O ist.
Es sei ,J = (~, m, I) eine Inzidenzstruktur mit v Punkten und b
Blöcken, für die nach passender Anordnung von ~ und m die Glei-
chungen ri=rp , (iEZv) und kj=kbj (jEZb) gelten. Da die Anzahl der
Punkte auf einem Block höchstens so groß ist wie die Gesamtzahl der
Punkte, ist ki-::§v für alle iEZb. Um zu zeigen, daß R von K* majorisiert
wird, betrachten wir für I EZv -1 die Inzidenzstruktur ,J/, die aus den
Punkten P l ' ... , p/ sowie allen Blöcken von ,J besteht und für die
I
11 = In ({PI' ... , PI} X m) ist. Es ist 11/1 = Z ri . Es sei ai (i EZl) die
i=1
Anzahl der Blöcke von ,Jl' die wenigstens i Punkte enthalten. Nach
/ / /
1.2 ist dann 11/1 = Z ai , so daß Z ri = Z ai ist. Da a i -::§ ki ist, ist
I I i=I i=1 i=1 v b v
Z ri -::§ Z kr Schließlich folgt aus 1.2, daß Z ri = Z k = Z ki j
i=1 i=1 i=I i=I i=1
ist. Somit majorisiert K* den Vektor R. Damit ist die Notwendigkeit der
Bedingungen gezeigt.
Es sei umgekehrt v ~ k i für alle i EZb und R werde von K* majo-
risiert. Für jEZv definieren wir die Menge P j durch Pj={(i,nliEZr).
Dann ist IPjl=rj. Ferner gilt PjnPk = 0, falls j~k ist. Ist U~Zv'
so ist daher I U P j ! = Z IPjl = Z r j • Ist !UI =p, so folgt weiter,
JEU JEU JEU P P
da ja r1 ~r2 ~ ... ~rv ist, daß Z rj ~ Z rv- p+i ist. Wäre Z rv-p+i -<
p JEU i=1 i=I v
-< Z k~_p+i' so folgte, da R von K* majorisiert wird, daß Z rj -<
i=I j=1
v p P
-< Z kj wäre. Dieser Widerspruch zeigt, daß Z rv-p+i ~ Z k~_p+i ist.
j=1 i=1 i=I
VII. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 83

IJEU
b
Hieraus und aus 1.1 folgt schließlich, daß U Pjl ~ Z max (k i - v +p, 0)
i=1
ist, falls p = IU I ist.
Wir betrachten nun Mengen D; (iEZb) mit ID;I = v-k;, die paar-
v
weise disjunkt sind und die auch mit U Pj
leeren Durchschnitt haben.
j=1
Schließlich sei ty = (Fij = Pi U D j I(i, j) EZv X Zb)' Wir zeigen, daß 0
zu f, gehört. Dazu sei 1 ~ Zv X Zb' Ferner sei U = {il es gibt ein jE Zb
mit (i,j)El} und V={jl es gibt ein iEZv mit (i,j)El}. Ist IUI=p und
IV I= q, so ist offensichtlich pq ~ 11 I· Schließlich ist
I(;,j)EI
U Fijl = I;EU
UPil+1jEV
U Djl ~

b
~ Zmax(k;-v+p, 0)+ Z(v-k) ~
i=1 jEV
~ Zmax(k;-v+p, 0)+ Z(v-k) ~
jEV jEV
~ Z(kj-v+p)+ Z(v-kj) =pq ~ iJl.
jEV jEV
Also ist tyEf,. Nach IV. 1.1 gibt es ein Vertretersystem (x;jl(i,j) EZv X Zb}
von ty. Für jedes jEZb gibt es eine Teilmenge T j von Zv mit XijEP;,
falls iE Tj , und xij EDj , falls iEZv""-Tj . Wegen IDjl = v -kj ist ITjl ~kj'
Es gibt also eine krTeilmenge Sj von T j . Wir setzen nun.bj = {xijliE Sj}
UEZb) und definieren die Inzidenzstruktur ,3 = (~, m, I) durch ~ =
= {P1, ... , Pv}, m={b 1, ... ,bb} und P;Ibj genau dann, wenn Pinbj~0
ist. Weil (xul (i, j) EZv X Zb) ein Vertretersystem ist, sind die Mengen b j
paarweise disjunkt. Ferner folgt, daß P; nb j = {x;J ist, falls P; nbj ~ 0
ist. Wegen Ibjl =kj inzidiert bj folglich mit genau k j Punkten. Weil die
bj paarweise disjunkt sind, folgt mit Hilfe von 1.1 und Z" r; = Zv ki, daß.
;=1 ;=1

I U bj I = Zb k j = Zvk; Zr; IV I
b
= i U P; ,
* v
=
j=1 j=1 ;=1 ;=1 ;=1

b v
ist, so daß U bj = UP
ist. Ist xEP;, so gibt es daher ein bj mit
j=1 1=1
XEb j • Hieraus folgt schließlich, daß P; mit r; Blöcken inzidiert, q. e. d.
1.4. Korollar. Es seien v, b, k, r natürliche Zahlen. Genau dann gibt
es eine taktische Konfiguration mit den Parametern v, b, k, r, falls k ~ v
und falls vr = bk ist.
Beweis. Nach 1.2.2 (c) sind die Bedingungen des Korollars jeden-
falls notwendig für die Existenz einer taktischen Konfiguration mit den
Parametern v, b, k, r. Es sei also umgekehrt v ~ kund vr = bk. Mit
84 H.LÜNEBURG

den Bezeichnungen von 1. 3 ist dann ki = b für 1 "§. i"§. kund ki = für °
k<i"§.v. Nun ist r=bkv- 1 "§.b, da ja k"§.v ist. Ist 1 "§.s<k und ist
bereits gezeigt, daß sr"§. sb ist, so folgt daher (s + l)r "§. (s + 1)b, so daß
sr"§. sb gilt für alle sE Zk. Ist k"§. s"§. v, so ist sr"§. vr = bk. Also wird
der Vektor R=(r, r, ... , r) von dem Vektor K* =(b, ... , b, 0, ... ,0) ma-
jorisiert, so daß es nach 1.3 eine taktische Konfiguration mit den Para-
metern v, b, k, r gibt, q. e. d.
Aufgaben:
Ist 3=(~,!B, n eine Inzidenzstruktur und ist 3d=(~d, !Bd, I d) die Inzidenzstruktur
mit ~d=!B, !Bd=~ sowie Id={(b, P)](P, b)EI}, so heißt 3 d die zu 3 duale Inzidenz-
struktur. Offenbar ist 3 dd = 3. Vertauscht man in einem Satz s über Inzidenzstrukturen
die Worte Punkte und Blöcke, so erhält man den zu dem ersten Satz dualen Satz 6 d •
1) Es sei .R eine Klasse von Inzidenzstrukturen mit der Eigenschaft, daß mit
3 auch 3 d in .R liegt. Ist s ein Satz, der für alle 3E.R gilt, so gilt auch Sd für alle
3ER
2) Es seien X=(x" ... , x~) und Y=(y" ... , Yn) Vektoren mit nicht-negativen
ganzzahligen Komponenten. Ferner sei x,~n für alle iEZm und m~Yj für alle jEZn •
Schließlich sei X*=(xi, ... , x~) der Vektor, dessen i-te Komponente x; die Anzahl
der jEZ~ mit xj~i ist, und Y* habe die entsprechende Bedeutung für Y. Zeige, daß
Y genau dann von X* majorisiert wird, wenn X von Y* majorisiert wird.
3) Es seien mund n natürliche Zahlen, r" ... , rm seien nicht-negative ganze
Zahlen mit n~r, für alle i und S1' ••• , Sn seien nicht-negative ganze Zahlen. Schließ-
lich sei wieder r; (jEZn) die Anzahl der iEZm mit r,~j. Sind Mb ... , Mn paarweise dis-
junkte Mengen mit ]M,]=s, für alle iEZn , so gibt es genau dann paarweise dis-
n
junkteTeilmengen T" ... , Tm von U M,mit ]T,I=r,für alle iEZm sowie ]T,nMj ] :;§; 1
i=1 n
für alle iEZm und alle jEZn , wenn für alle kEZn die Ungleichung
n
Z s.U) ~
j=n-k+l
"'" j=n-k+l
Z r j erfüllt ist. Dabei ist (l eine Permutation aus Sn mit s.w ~S.(2) ~ ••• ~s.(n).

2. Ein Satz über Erweiterungen von lateinischen Rechtecken. Es sei


P eine (m Xn)-Matrix, deren Koeffizienten alle gleich Null oder Eins
sind. Wir nennen P eine (m Xn)-Permutationsmatrix, falls ppt =1 ist,
wobei I die (m X m)-Einheitsmatrix ist. Die (n X n)-Permutationsmatrizen
sind dann die schon früher betrachteten Permutationsmatrizen schlecht-
hin. Ist P eine (m Xn)-Permutationsmatrix, so ist n ~min (m, n) ~
~Rg P~Rg (ppt)=m.

2.1. Satz. Es sei A=(aij) eine (mXn)-Matrix mit aijE{O, I}. Fer-
n m
ner sei Z aij = k für alle iEZm und Z aij = Sj für alle jEZn • Ist
dann °"§. k-s
j=1
j
i=1
"§. n-mfür alle jE Zn' so gibt es (mXn)-Permutations-
k
matrizen PI' ... , Pk mit A = Z Pi·
i=1
Beweis. Ist m = n, so gibt es diese Permutationsmatrizen nach
VII. ENDliCHE INZIDENZSTRUKTUREN 85

Satz IV.4.3. Es sei also m<n. Ferner sei K=(k,k, ... ,k) der Vek-
tor dessen n - m Komponenten alle gleich k sind, und es sei
R = (k-s 1 , k-s 2 , ••• , k-sn). Dann ist n?Ek. Mit den Bezeichnungen
von 1.3 ist ferner K* =(k"i, k;, ... , k:) der Vektor mit ki = n -m für
I
iEZk und ki=O für i~Zk' Es ist Z (k-s j ) :§ l(n-m), falls l:§k ist,
j=1
da ja k-s j :§ n-m vorausgesetzt wurde. Ist l>k, so folgt wegen
o :§ k-s j und Z" Sj = mk, daß
j=1

ZI

j=1
(k-sj ):§ Z (k-sj ) = nk- Z Sj = (n-m)k = Zkj
"

j=1
"

j=1
I

j=1

ist. Damit ist gezeigt, daß R von K* majorisiert wird. Nach 1.3 gibt
es folglich eine (n - m) X n)- Matrix B = (bij) mit bij E{O, I} sowie
.~ bij = k und ~~mbij = k-sj . Dann ist aber A'=(~) eine (nXn)-
J=1 ,=1
Matrix, deren Zeilen- und Spaltensummen alle gleich k sind, so daß
k
es nach IV.4.3 Permutationsmatrizen P{, ... , P~ gibt mit A' = Z P[.
i=1
Ist Pi die Matrix, die aus den m ersten Zeilen von P; besteht, so ist
k
p. eine (m Xn)-Permutationsmatrix und es gilt A = Z Pi' q. e. d.
i=1
A = (aij) sei eine (r X s)- Matrix mit aij EZn. Wir nennen A ein
lateinisches Rechteck auf Zn' falls die durch Qii)=aij für jEZs defi-
nierte Abbildung Qj eine r-Anordnung von Zn und die durch (TiU) =aij
für i EZr definierte Abbildung (Ti eine s-Anordnung von Zn ist. Ist r = s = n,
so heißt A ein lateinisches Quadrat auf Zn'
2.2. Satz (Ryser). A = (akl ) sei ein lateinisches Rechteck auf Zn mit
r Zeilen und s Spalten. Ferner sei vU) die Anzahl der (k,/)EZrXZs
mit akl = j. Genau dann gibt es ein lateinisches Rechteck B = (b",) auf
Zn mit r Zeilen und n Spalten, so daß bkl = akl für alle (k, I) E Zr X Zs
gilt, falls vU) ?E r + s - n ist für alle jE Zn.
Beweis. Es sei M=Zn und für kEZr sei M k = M".{ak,IIEZs}'
Dann ist IMkI = n - s für alle k EZr. Ist QU) die Anzahl der k EZr mit
jEMk , so ist QU)+vU) = r. Ferner ist vU):§s, daj höchstens einmal
in einer Spalte von A vorkommt.
Es sei B ein lateinisches Rechteck mit r Zeilen und n Spalten, für
welches bkl=akl für alle (k, I)EZrXZs gilt. Da die Ziffer jEZn in jeder
Spalte von B höchstens einmal vorkommt, ist QU) :§ n -so Also ist
vU) = r-QU) ?E r+s-n.
Es sei umgekehrt vU) ?E r + s - n für alle jE Zn. Ferner sei Deine
Inzidenzmatrix von (M, {MiliEZr}, E). Dann sind die Zeilensummen
86 H. LÜNEBURG

von D alle gleich n -s und die Spalten summe der j-ten Spalte ist e(j).
Wegen v(j)+e(j) = rist n-s-e(j) = n-s-r+v(j) ~ 0, da ja
v(j) ~ r+s-n vorausgesetzt wurde. Andrerseits ist n-s-e(j) =
= n-s-r+v(j) ~ n-r, da v(j)~s ist. Nach 2.1 gibt es folglich
n
(rXn)-Permutationsmatrizen PI, ... , P n - s mit D = ~ Pi' Die Matrix
i=1
Pi = (Pkl;i) definiert eine r-Anordnung ei von Zn vermöge ei(k) =1 genau
dann, wenn Pkl; i = 1 ist. Definiert man B = (bxy ) durch bxy = axy ' falls
(x,y)EZrXZ s ist, und durch bxy = ei (x), falls y-s = i >- ist, so °
ist B ein lateinisches Rechteck mit den verlangten Eigenschaften, q. e. d.
2.3. Korollar (M. Hall). Ist A = (akl) ein lateinisches Rechteck auf
Zn mit r Zeilen und n Spalten, so gibt es ein lateinisches Quadrat auf Zn,
dessen r erste Zeilen gerade die Zeilen von A sind.
Beweis. At ist ein lateinisches Rechteck auf Zn mit n Zeilen und
r Spalten. Ist jE Zn' so kommt j in jeder Spalte von At genau einmal
vor. Also ist v(j) = r = n+r-n, so daß es nach 2.2 ein lateinisches
Quadrat der fraglichen Art gibt, q. e. d.
Aus 2.2 und 2.3 folgt schließlich noch das
2.4. Korollar (Ryser). A = (a kl ) sei ein lateinisches Rechteck auf
Zn mit r Zeilen und s Spalten. Ferner sei v(j) die Anzahl der (k, I) EZr X Zs
mit akl = j. Genau dann gibt es ein lateinisches Quadrat B = (bxy ) auf Zn
mit bkl=akl für alle (k, I) EZrXZ., falls v(j) ~ r+s-n ist für alle
jEZn •
3. t-Blockpläne. Es sei 3 eine rechtsseitige taktische Konfiguration
mit v Punkten und k Punkten pro Block. Ferner seien t und A natür-
liche Zahlen. Wir nennen 3 einen t - (v, k, A) Blockplan, falls t ver-
schiedene Punkte von 3 stets mit genau A Blöcken inzidieren. Statt
t - (v, k, A) Blockplan· werden wir häufig kurz t-Blockplan sagen. Die
1-Blockpläne sind dann gerade die taktischen Konfiguration mit r = A ~ 1.
3.1. Satz. Es sei 3 ein t - (v, k, A) Blockplan. Ist 1 ~ i ~ t, so ist 3
auch ein i - (v, k, Ai) Blockplan, wobei

(v- i)(v- i-I) .. · (v- t+ 1)


A.=A
, (k-i)(k- i-I) ... (k-t+ 1)
ist. Insbesondere ist 3 auch eine taktische Konfiguration. Ist b die Anzahl
der Blöcke von 3, so ist
v(v-l) .. ·(v-t+l)
b= ) . ) .. ·(k-t+l )'
k(k-l
VTI. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 87

Beweis. Sicherlich ist 3 ein t-Blockplan. Es sei i<. t und es sei be-
reits gezeigt, daß 3 ein (i + I) - (v, k, Äi +1) Blockplan ist mit

(v - i -I)(v - i - 2) ... (v - t + I)
Äi + 1 = Ä (k-i-l)(k-i-2) ... (k.-t+I)'

Es seien i verschiedene Punkte PI' ... , Pi gegeben und Äi sei die An-
zahl der Blöcke durch diese Punkte. Wir betrachten die abgeleitete
Struktur 3P l,P2, ... ,Pi' Diese ist eine taktische Konfiguration mit den
Parametern v-i,Äi ,k-i,Äi + 1 , da durch P 1 ,P2 , ••• ,Pi,X nach In-
duktionsannahme genau Äi+l Blöcke gehen, falls X ein Punkt von
3PI, P 2, ... ,Pi ist. Nach 1.2.2 (c) ist daher (v - i)Äi+l = Äi(k - i), so daß
,v-i (v-i)(v-·i-I) ... (v-t+l)
A., = ""+1--
' k - i = Ä (k-i)(k-i-I) ... (k-t+l)

ist. Damit ist der erste Teil des Satzes bewiesen. Mit i = 1 erhält man,
daß 3 auch ein 1 - (v, k, Ä1) Blockplan, dh. eine taktische Konfigura-
tion ist. Hieraus folgt wiederum, daß b = I Ä1 ist, q. e. d.

Sind 3 = ('P, m, I) und 3' = ('P', m', 1') zwei Inzidenzstrukturen, ist
Q eine Bijektion von 'P auf 'P' und u eine Bijektion von m auf m' und
gilt PIo genau dann, wenn pgl'b u gilt, so nennen wir das Paar (Q, u)
einen Isomorphismus von 3 auf 3'. Gibt es einen Isomorphismus von
3 auf 3', so heißen 3 und 3' isomorph. Die Isomorphismen von 3
auf sich heißen Automorphismen von 3. Gelegentlich werden Auto-
morphismen von Inzidenzstrukturen, wie z. B. im Falle der projektiven
und affinen Ebenen, auch Kollineationen genannt. Statt des Paares (Q, u)
werden wir, wenn keine Verwechslungen zu befürchten sind, meist nur
einen einzigen Buchstaben schreiben, was an sich nicht so ohne wei-
teres statthaft ist. Ist nämlich xE 'P n m, so ist im allgemeinen x g ~ X U •
3.2. Satz (Dembowski). Es sei 3 = ('P, m, I) ein t - (v, k, Ä) Block-
plan mit t ~ 3. Ist 3 d ein 2 - (h, r, J.l) Blockplan, so ist entweder v = k
und I = 'Pxm oder v>k und 3 ist isomorph zu ('P, P v - 1 ('P), E)

Beweis. Ist v = k, so inzidiert jeder Block mit jedem Punkt, so daß


I = 'P X m ist. Es sei also v>k. Dann ist auch b >r, so daß wir die
Fisher'sche Ungleichung VL5.3 auf 3 wie auch auf 3 d anwenden
können. Denn 3 ist nach 3.1 ja auch ein 2-Blockplan. Dadurch erhalten
wir die Ungleichungen v-;§b-;§v, da v ja die Anzahl der Blöcke von
3d ist. Also ist v = b und wegen vr = bk damit auch r = k. Es sei nun P
ein Punkt von 3. Dann ist 3p ein (t - I) - (v -I, k - I, Ä) Blockplan,
so daß 3p wegen t ~ 3 auch ein 2-Blockplan ist. Wegen k -I <. v-I
88 H. LÜNEBURG

ist die Fisher'sche Ungleichung wiederum anwendbar, so daß v-I ;§ r


ist. Daher ist v-I ;§ r = k -< v und somit k = v-I. Ist bE $, so
sei bO' = {XIXE~, XI b}. Sind bund czwei verschiedene Blöcke, so folgen
aus k = v -1 die Ungleichungen v -1 ~ IbO' n cO'I ~ v - 2, so daß
Jl E {v - 2, v-I} ist. b wieder ein Block von ,3 und ist P ein Punkt mit
PI b und ist c ein Block durch P, so ist b 7'" c und P ~ bO' n cO', so daß
Jl = v - 2 ist. Hieraus folgt weiter, daß (J injektiv ist. Schließlich folgt
aus b = v =(v~d= IPv-l(~)1 die Surjektivität von (J. Weil Plb
genau dann gilt, wenn PEbO' ist, daher (1, (J) ein Isomorphismus von
,3 = (~, $, I) auf ,3' = (~, Pv - 1 (~), E), q. e. d.
Ist ,3 eine taktische Konfiguration, so gibt es wegen 3.1 zwei natür-
liche Zahlen t und t' mit den Eigenschaften
(a) t~1 und t'~l.
(b) ,3 ist ein t-Blockplan und ,3d ist ein t'-Blockplan.
(c) ,3 ist kein s-Blockplan für s>t und,3d ist kein s'-Blockplan für
s' >t'.
Nach Dembowski nennt man ,3 vom Typ (t, t'). Nennt man eine
Inzidenzstruktur ,3 = (~, $, I) mit I = ~ X $ ausgeartet, so folgt aus
3.2 und dem zu 3.2 dualen Satz, daß eine nicht-aus geartete taktische
Konfiguration mit den Parametern v, b, k, r nur einen der Typen (t, 1),
(1, t'), (v -1, v -1) und (2,2) haben kann. In den beiden letzten Fällen
ist v =b und k =r. Eine taktische Konfiguration vom Typ (t, t) mit t ~2
heißt projektiver Blockplan.
Als nächstes beweisen wir
3.3. Satz (Ryser). Es sei ,3 eine Inzidenzstruktur mit den folgenden
Eigenschaften:
a) ,3 hat v Punkte und v Blöcke.
b) Jeder Block von ,3 inzidiert mit genau k Punkten.
c) Zwei verschiedene Blöcke schneiden sich in genau .Ä. Punkten.
d) Es ist .Ä.-<k.
Dann ist ,3 ein 2 - (v, k,.Ä.) Blockplan.
Beweis. A sei eine Inzidenzmatrix von ,3. Dann besagen b) und c),
daß AA t = (k-.Ä.)I+U ist. Weil A eine (vXv)-Matrix ist, ist detA
definiert und nach VI.5.1 ist (detA)2 = (k+(v-l).Ä.)(k-.Ä.)V-l. Wegen
d) ist also det A 7'" 0, woraus wir die Existenz von A -1 erschließen. Aus
b) folgt AJ=kJund somit k-1J=A-IJ. Ferner ist
AAtJ = (k-.Ä.)IJ+U2 = (k-.Ä.)J+.Ä.vJ = (k+(v-l).Ä.)J.
Daher ist AtJ = k- 1(k+(v-l).Ä.)J, woraus wiederum
JA = k-1(k + (v -l).Ä.)J
VII. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 89

folgt. Hieraus folgt weiter JAJ = k-1v(k +(v -l),1)J. Andrerseits ist
JAJ=J(AJ) =kJ2 =kvJ, so daß kvJ = k- 1v(k+(v-1),1)J ist. Dies
impliziert kJ = k-1(k + (v -l),1)J. Hieraus und aus der bereits be-
wiesenen Gleichung JA = k-1(k+(v-l),1)J folgt schließlich JA=kJ=
=AJ, dh. die Matrizen A und J sind vertauschbar. Daher gilt
AtA = A-IAAtA = A-l(k-,1)I+U)A = (k-,1)I+,1A-IJA =
= (k-,1)I+,1A-IAJ = (k-,1)I+U.
Dies besagt schließlich, daß jeder Punkt mit k Blöcken und daß zwei
verschiedene Punkte mit genau ,1 Blöcken inzidieren, q. e. d.
3.4. Korollar. Es sei 3 ein projektiver 2 - (v, k, ,1) Blockplan. Sind
bund c zwei verschiedene Blöcke von 3, so schneiden sich bund c in genau
,1 Punkten.
Dies folgt unmittelbar aus 3.3, da 3d die Voraussetzungen von 3.3
erfüllt.
3.5. Korollar. Ist A eine Inzidenzmatrix eines projektiven Blockpla-
nes, so ist AAt = At A, dh. A ist normal.
Dies folgt wiederum aus 3.4.
Au/gaben:
1) Es sei ~ ein projektiver Blockplan und 1:1. sei ein Automorphismus von ~.
Ist /1 (1:1.) die Anzahl der Fixpunkte und /.(1:1.) die Anzahl der Fixblöcke von 1:1., so
ist /1(1:1.)=/.(1:1.). (Hinweis: Bestimme die Anzahl der Punkt-Blockpaare (P, b) mit
P, r I b und die Anzahl der Paare (P, b) mit PI b, b,,-l. Um die letztere zu bestim-
men, benutze 3.4.)
2) Es sei Z ein zyklische Gruppe von Automorphismen eines projektiven Block-
planes ~=(\ß, lB, I). Ist Z1 die Darstellung von Z auf \ß und Z. die Darstellung
von Z auf lB, so sind Z1 und Z. ähnlich (s. Kap. I, Absch. 4). Überdies ist !Z! = !Z1!'
(Hinweis: Zeige durch Induktion nach i, daß die Anzahl der Punkt bahnen der Länge i
gleich der Anzahl der Blockbahnen der Länge i ist.)
3) Ist G eine Gruppe von Automorphismen eines projektiven Blockplanes, so
hat G ebensoviele Punkt- wie Blockbahnen. (Benutze 11. 1.3.)
4) Ist G eine Gruppe von Automorphismen eines projektiven Blockplanes und
ist G transitiv auf der Menge der Punkte, so hat Gp ebensoviele Punkt- wie Gb Block-
bahnen. Dabei ist P irgendein Punkt und birgendein Block des Blockplanes. (Be-
nutze 11.1.4.)
5) Ist ~ ein 2-(v, k, .1,) Blockplan und ist ~ projektiv, so ist k-A ein Quadrat,
falls v gerade ist. (Benutze V1.5.2 und VI.5.1.)
6) Es sei V ein endlicher Vektorraum über GF(2). Ferner sei i eine natürliche
Zahl mit 2",i~n=Rg V und lB sei die Menge aller Rechtsrestklassen nach Unter-
räumen vom Range i von V. Zeige, daß (V, lB, E) ein 3-(2",2', N,_.(n-2, 2))
Blockplan ist.
7) Es sei ~=(\ß, lB, I) ein projektiver Blockplan. Ferner sei b""= {X!XE \ß, XIb}.
Zeige, daß (1, a) ein Isomorphismus von ~ auf (\ß, {b""!bElB}, E) ist.
90 H. LÜNEBURG

8) Es sei ~=(\ß, IS, E) ein Hadamard-Blockplan. Definiere die Inzidenzstruk-


tur ~'=(\ß', IS', E) wie folgt: Es sei \ß' = \ß U {=}, wobei = ein Element sei, welches
nicht schon in \ß liegt. Ferner sei IS' = {b U {=}Ib EIS} U {\ß"-blb EIS}. Zeige daß ~' ein
3 - (4t, 2t, t-l) Blockplan ist.

4. Ein Nicht-Existenzsatz. Wir beginnen mit dem folgenden

4.1. Hilfssatz. Es sei A = (aij) eine (n Xn)-Matrix mit Koeffizienten


aus einem kommutativen Körper K. Ferner seien a und b zwei verschiedene
Elemente aus K. Es gibt dann eine Abbildung e von Zn in {a, b}, so daß für
alle k E Z~ die Determinante der Matrix A k = (aij - e/>ij) mit i, j E Zk von
Null verschieden ist.
Beweis. Wir beweisen 4.l durch Induktion nach k. Wegen a ~ b
gibt es ein el E {a, b} mit an - el ~ 0, so daß det Al ~ 0 ist. Es sei k ~ 1
und es sei bereits gezeigt, daß es eine Abbildung e von Zk in {a, b} gibt
mit det A k ~ O. Wir betrachten die Matrix

al,l- el al,2 ... al,k al,k+l


a 2•1 a 2,2 - e 2 .. , a 2,k a 2,k+1

Ak+I(X) =
ak,l ak,2 ... ak,k-ek ak,k+l
ak+l,l ak+I,2 ... ak+l,k ak+l,k+l - x

Entwicklung nach der letzten Zeile liefert, daß det A k +1 (x) = - x detA k +
+ Ck ist, wobei Ck ein von x unabhängiges Element von K ist. Wegen
det A k ~O gibt es ein ek+l E {a, b} mit det Ak+ I (ek+ 1) ~O. Damit ist be-
reits alles bewiesen.
4.2. Korollar. Es sei K ein kommutativer Körper mit von 2 ver-
.schiedener Charakteristik. Ferner sei A eine (nXn)-Matrix mit Koeffi-
zienten in K. Es gibt dann Vektoren X=(x 1 , ... , x n) und Y=(Yt, ... ,Yn)
.mit XbyiEK und xn~O, sowie Y=XA und x;=y; für alle jEZn-1'
Beweis. Weil die Charakteristik von K von 2 verschieden ist, ist
1 ~ -1. Nach 4.1 gibt es daher eine Abbildung e von Zn-l in {I, -1}
mit det A n - 1 ~ O. Ist x n irgendein von Null verschiedenes Element von
K und ist A = (aij), so gibt es daher Elemente Xl' ... , Xn- l EK mit
n-l
Z xi(aij-eibij) = -xnanj für alle jEZn- l . Setzt man Yj=ejxj im
i=l n
FallejEZn _ 1 undYn = Z Xiain, so istxJ=YJ für jEZn- 1 sowie Y=XA,
i=1
q. e. d.
Wir nennen zwei (n Xn)-Matrizen A und B mit Koeffizienten aus
einem Körper K kongruent über K, wenn es eine reguläre Matrix P
mit Koeffizienten in K gibt mit PApt=B. Die Relation "über K kon-
VII. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 91

gruent zu sein" ist eine Äquivalenzrelation. Im folgenden betrachten


wir ausschließlich Matrizen mit Koeffizienten aus dem Körper der
rationalen Zahlen und statt "A und B sind kongruent über dem Kör-
per der rationalen Zahlen" werden wir nur kurz "A und B sind kongruent"
sagen.
Ist A eine (m Xm)-Matrix und A' eine (n Xn)-Matrix, so nennen
wir die Matrix A EB A' = (g ~,) die direkte Summe der Matrizen A und
A'. Offensichtlich ist A EB A' eine «(m + n) X (m + n))- Matrix. Ist A kon-
gruent zu Bund A' kongruent zu B', so ist, wie man ohne Mühe verifi-
ziert, A EB B zu A' EB B' kongruent.
Mit lz bezeichnen wir im folgenden die (zXz)-Einheitsmatrix.
4.3. Hilfssatz. Ist n == 0 mod 4 und ist mirgendeine natürliche Zahl,
so sind In und mIn kongruent.
Beweis. Nach dem Vier-Quadrate-Satz von Lagrange (s. etwa I. N.
Herstein, Topics in Algebra. Chapt. 7, sec. 4) gibt es ganze Zahlen a, b, c, d
mit m = a2 + b2 + c2 + d 2• Setzt man

p = [: -! ~
c -d -a b
d c -b -a
-:j
so ist P pt = mI4 , so daß 4.3 für n = 4 richtig ist. Induktion nach n liefert
die Behauptung.
4.4. Satz (Chowla-Ryser). Es sei v eine ungerade natürliche Zahl.
Gibt es einen projektiven 2-(v, k, A) Blockplan, so gibt es ganze Zahlen
v-I
x, y, z mit (x,y,z)~(O,O,O) und x 2 = (k-A)y2+(-I)-2 A.z2.
Beweis. Es genügt offenbar unter den Voraussetzungen des Satzes
zu zeigen, daß es rationale Zahlen x, y, z mit (x, y, z) ~ (0, 0, 0) und
v-I
x 2 = (k-A)y2+(_I)-2 AZ2 gibt.
Es sei A die Inzidenzmatrix eines projektiven 2 - (v, k, A) Block-
plans. Dann ist A, wie wir wissen, regulär und es gilt B = AtA =
~ (k - A)Iv + AJv ' Folglich sind Iv und B kongruent. Weil v ungerade ist,
ist v == I oder 3 mod 4.
1. Fall: v == I mod 4. Nach 4.3 sind dann 1.- 1 und (k - A)Iv - 1 kon-
gruent, so daß auch Iv und (k - A)Iv- 1 EB 11 kongruent sind. Folglich
sind auch Bund (k-A)Iv- 1 EBI1 kongruent. Es gibt also eine (vXv)-
Matrix P mit PBpt = (k-).)Iv_ 1 EBI1 • Nach 4.2 gibt es zwei Vektoren
X=(Xl' ... , xv) u~d Y=(Yl' ... ,Yv) mit x~=y~ für jEZv- 1 und xv~O
sowie Y = XP. Daher ist
92 H. LÜNEBURG

YBy t = XPBptX t = X[(k-A)Iv_ 1 EBI1 ]X t.

Nun ist YJvy t = j~t.?iYi)Yj = (~yJ. Also ist


YByt= (k'-A)YIvyt+AYJvy t = (k-A) ~ Y;+A (~yJ =
= (k-A) ~IX;+(k_A)Y~+A (~yJ.
Andrerseits ist
v-I
X[(k-A)Iv _ 1 EBI1 ]X t = (k-A) L; x;+x~.
i=1

Daher ist (k-A)Y~+A(.iYi)2 = x~. Setzt man xv=x, yv=y und


v 1=1
Z Yi
;=1
= Z, so sind x, y, Z rationale Zahlen mit x =P 0, die wegen
v-I
v==l mod4 die Gleichung x 2 = (k-A)y2+(-1)-2- Az2 erfüllen.
2. Fall: v == 3 mod 4. In diesem Falle ist BEB 11 zu Iv + 1 kongruent,
so daß BEBI1 nach 4.3 auch zu (k - A)IV +1 kongruent ist. Es gibt folglich
eine ((v+l)X(v+l))-Matrix Q mit Q(BEBI1 )Qt = (k-A)Iv+1 ' Nach
4.2 gibt es Vektoren X =(x1 , .•• , x v+1 ) und Y=(Yl, ... , YV+l) mit x; = Y;
für iEZv und Xv+l=PO sowie mit Y=XQ. Daher ist
v+l
Y(BEBI1 )yt = XQ(BEBI1 )Qt X t = (k-A)XX t = (k-A)L; x;.
i=1
Nun ist

Also ist

v
Setzt man X=Yv+l' Y=X v+1 und z = Z Yi und berücksichtigt man,
i=1
daß ! (v - 1) ungerade ist, so sind x, Y und z rationale Zahlen mit Y r:= 0
v-I
und x 2 = (k-A)y 2+(-1)-2- Az2, q. e. d.
Ist ,3 ein 2 - (n 2 + n + 1, n + 1, 1) Blockplan mit n ~ 2, so nennen
wir ,3 eine endliche projektive Ebene der Ordnung n. Man prüft mühelos,
daß jede endliche projektive Ebene ein projektiver Blockplan ist.
4.5. Satz (Bruck-Ryser). Ist n eine natürliche Zahl mit n~2 und
n == 1 oder 2 mod 4, ist no der quadratjreie Teil von n und p eine no teil-
Vll. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 93

ende Primzahl mit p == 3 mod 4, so gibt es keine projektive Ebene der


Ordnung n.
Beweis. Unter den gemachten Voraussetzungen ist ! n (n + 1) un-
gerade. Ferner ist - 1 kein Quadrat mod p, da ja die Ordnung der
Gruppe der Quadrate von GF(p) gleich ! (p - I) und somit ungerade
ist. Gäbe es eine projektive Ebene der Ordnung n, so gäbe es nach
4.4 ganze Zahlen x, y, z mit (x, y, z) "" (0, 0, 0) und x 2+ Z2 = ny2.
Dann gäbe es aber ganze Zahlen u, v, w mit 1 als größtem gemein-
samen Teiler und u2+ v2 = now2. Hieraus folgt u2== - v2 mod p, was wie-
derum u == v == 0 mod p nach sich zöge, da - 1 kein Quadrat mod p
ist. Hieraus folgt now2== 0 mod p2, was seinerseits w == 0 mod p impli-
zierte, q. e. a.
Aufgabe:
Es gibt keine projektive Ebene der Ordnung n mit n=6 mod 8.

5. Taktische Zerlegungen von Matrizen und Inzidenzstrukturen. K


sei ein kommutativer Körper und A = (a'm) sei eine (b Xv)-Matrix
mit a,mEK. Ferner sei {SI' ... , St} eine Partition von Zv mit Sj",,0 für
alle i und {Tb ... , T,.} sei eine Partition von Zb' deren Komponenten
ebenfalls alle nicht leer sind. Wir nennen {SI' ... , St; Tl' ... , Tt.} eine
rechtsseitige taktische Zerlegung von A, falls alle Matrizen Aij = (a'm),
(I, m) ETi X Sj konstante Zeilensummen Cjj haben. Die Matrix C = (cij),
(i, j) EZt' X Zt heißt die assoziierte Zeilensummenmatrix der rechtsseitigen
taktischen Zerlegung. Haben alle Matrizen Aij = (a,m>, (I, m) E T; X Sj
konstante Spaltensummen djj , so nennen wir {SI' ... , St; Tl, ... , Tt·}
eine linksseitige taktische Zerlegung von A und die Matrix D = (d.)
heißt die assoziierte Spaltensummenmatrix. Ist {SI' ... , S,; Tl, ... , T,.}
sowohl eine rechtsseitige als auch eine linksseitige Zerlegung, so nennen
wir {SI' ... , S,; Tl' ... , T,.} eine taktische Zerlegung von A.
Im folgenden bezeichne Q den Rang von A und Qc den Rang von C
sowie QD den Rang von D.
5.1. Satz (Block). Es sei A eine (b X v)-Matrix mit Koeffizienten
in einem kommutativen Körper. Besitzt A eine linksseitige (rechtsseitige)
taktische Zerlegung mit t Spaltenklassen und t' Zeilenklassen, dann ist
(t;§ Qc+v-Q).
Insbesondere ist
t' ~ t+b-Q (t ~ t'+v-Q).
Beweis. Es genügt diesen Satz für linksseitige taktische Zerlegungen
zu beweisen, da eine rechtsseitige taktische Zerlegung von A mit der
assoziierten Zeilensummenmatrix C eine linksseitige taktische Zerlegung
94 H.LÜNEBURG

von At mit der assoziierten Spaltensummenmatrix C t ist und weil sich


die Ränge beim Transponieren nicht ändern.
Weil Q der Rang von A ist, gibt es Q linear unabhängige Zeilen-
vektoren in A. Die Indizes der übrigen b - Q Zeilenvektoren liegen in
der Vereinigung von höchstens b - Q Zeilenklassen. Es gibt also t' - b + Q
Zeilenklassen, so daß die Zeilenvektoren, deren Indizes in der Vereinigung
dieser Klassen liegen, linear unabhängig sind. Wir können o. B. d. A.
annehmen, daß Tl' ... , Te-b+e diese Zeilenklassen sind. Wir betrachten
die Zeilenvektoren Zl' ... , Zt'-b+/I der assoziierten Spaltensummenmatrix
t'-b+e
D. Ferner seien Al, ... , At' _ b+ e Skalare mit 1: Zi Ai = O. Ist I EZb' so be-
i=l
zeichnen wir mit al den I-ten Zeilenvektor von A. Es sei mEZv • Dann
gibt es ein j EZt mit m E Sj. Aus der Definition der linksseitigen taktischen
t'-b+1I
Zerlegung folgt dann, daß 1: alm = dij ist. Also ist 1: 1: almAi =
IETi i=l IETi
t'-b+1I t'-b+e
= 1: dijAi = 0, so daß 1: 1: alAi = 0 ist. Weil die Zeilen-
i=l ;=1 IETi
t'-b+e
vektoren mit Indizes aus U Ti linear unabhängig sind, folgt weiter,
;=1
daß Ai=O ist für alle iEZt'-b+e. Damit ist gezeigt, daß die Vektoren
Zl' ... , Zt'-b+Q linear unabhängig sind. Dies impliziert wiederum t' -b+
+ Q ::§ QD' so daß in der Tat t' ::§ QD +b - Q ist. Weil Deine (t' X t)-
Matrix ist, folgt schließlich noch QD::§ t, so daß auch die zweite Behaup-
tung des Satzes richtig ist, q. e. d.
5.2. Korollar. Ist A eine reguläre (v X v)-Matrix und gestattet A
eine taktische Zerlegung mit t Spalten- und Zeilenklassen, so ist t = Qc=
=QD=t'.

Beweis. Wegen v =b = Q ist t' = QD +b - Q = QD ::§ t und t ::§ Qc+


+v-Q = Qc ::§ t', q. e. d.
Es sei ,3=(~,!B, I) eine Inzidenzstruktur. {~1' ... , ~t} sei eine Par-
tition von ~ und {!BI' ... , !BI'} sei eine solche von!B. Die Komponenten
beider Partitionen seien alle nicht leer. Schließlich sei ,3ij = (~;, !Bj , lij)'
wo bei Iij = (~i X !B j) n I ist. Das Paar {~1' ... , ~t; !BI, ... , !B t , } von Par-
titionen heißt eine rechtsseitige taktische Zerlegung von ,3, falls ,3ij für
alle (i, j) EZt X Zt' eine rechtsseitige taktische Konfiguration ist, und
eine linksseitige taktische Zerlegung, falls alle ,3ij linksseitige taktische
Konfigurationen sind. Eine rechtsseitige taktische Zerlegung einer Inzi-
denzstruktur, die gleichzeitig linksseitig ist, heißt taktische Zerlegung
schlechthin.
Ist {~l> ... , ~t; !BI' ... , !B t ,} eine linksseitige (rechtsseitige) taktische
Zerlegung von ,3 = (~, !B, I) und ist A eine Inzidenzmatrix von ,3 und
VII. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN

definiert man Si und T j vermöge Si = {IIPI E~;} und T j = {m Ibm Emi}~


so ist {SI' ... , St; Tl> ... , ~,} offenbar eine linksseitige (rechtsseitige)
taktische Zerlegung von A. Diese Bemerkung führt zu einer Reihe von
Korollaren, die wir der Einfachheit halber nur für taktische Zerlegungen
von Blockplänen formulieren.
5.3. Korollar. Besitzt ein 2-Blockplan mit v Punkten und b Blöckerr
eine taktische Zerlegung mit t Punkt- und t' Blockklassen, so ist
t ~ t' ~ t + b - v. Insbesondere ist t = t', falls der Blockplan projek-
tiv ist.
5.3 folgt unmittelbar aus 5.1, wenn man nur bemerkt, daß e = v ist.
Die letzte Aussage von 5.3 wurde von P. Dembowski bewiesen
und war eines der ersten Resultate über taktische Zerlegungen über-
haupt.
Was taktische Zerlegungen so wichtig macht, zeigt der folgende-
5.4. Satz. Ist G eine Gruppe von Automorphismen der Inzidenzstruk-
tur ,3 = (~, m, I), so bilden die Zerlegungen von ~ und m in die Bahnen
von G eine taktische Zerlegung von ,3.
Der Beweis dieses Satzes sei dem Leser als Übungsaufgabe über-
lassen.
Aus 5.4 und 5.3 erhält man schließlich
5.5. Korollar. Ist G eine Gruppe von Automorphismen eines 2-Block-
plans ,3, so hat G höchstens so viele Punkt- wie Blockbahnen. Ist ,3 pro-
jektiv, so ist die Anzahl der Punktbahnen gleich der Anzahl der Block-
bahnen von G.
Aufgaben:
1) Es sei A eine reguläre (vXv)-Matrix und {Sb ... , S,; Tb ... , T,} und
; Vi' ... , Vx } seien zwei taktische Zerlegungen von A. Genau dann ist
{Ul> ... , Ux
jedes Ui in einem Sj enthalten, wenn jedes Vk in einem Tz enthalten ist. (Benutze 5.2.}
2) A sei eine Matrix mit Koeffizienten aus einem Körper der Charakteristik
Null. Besitzt A eine taktische Zerlegung mit der assoziierten Zeilensummenmatrix
C und der assoziierten Spaltensummenmairix D, so ist C!C=C!D. (Ist 1T,I=b, und'
ISjl=vj, so ist cijvj=bidij.)

6. Korrelationen von Blockplänen. Ist ,3 eine Inzidenzstruktur und


ist x ein Isomorphismus von ,3 auf ,3d, so heißt x eine Korrelation von
,3. Ist ,3 = (~, m, I) und ist x eine Korrelation von,3, so ist also x = (e, 0)"
wobei e eine Bijektion von ~ auf mund (1 eine Bijektion von m auf ~
ist, so daß PI b genau dann gilt, wenn ,bq I pq ist. Statt x = (e, 0) schrei-
ben wir im folgenden wiederum nur x. Ist A ein Punkt von ,3 und ist
AI A", so heißt A absolut. Ist b ein Block mit b" I b, so nennen wir b,
ebenfalls absolut.
96 H. LÜNEBURG

6.1. Hilfssatz. Es sei ,3 = (~, m, I) eine Inzidenzstruktur und x sei


eine Korrelation von ,3. Die Punkte von ,3 seien PI> ... , P v und die Blöcke
von ,3 seien so numeriert, daß bi = pr
ist für alle i EZv. Schließlich sei
A die zu dieser Numerierung von ~ und m
gehörende Inzidenzmatrix
und e sei die durch bf = P q(i) definierte Permu~ation aus Sv.
a) Ist a die Anzahl der absoluten Punkte von x, so ist a = Spur A.
b) Ist P = (Pi) die durch Pq(j),j = 1 und Pu = 0 für i ~ e(j) definierte
Permutationsmatrix, so ist AP=At.
Beweis. a) ist die Anzahl der i EZv mit Pi I pr = bi , dh. die Anzahl
der i mit aii = 1, so daß a = Spur A ist.
v
b) Es ist Z ai/plj = ai,q(j)' Ferner ist a ji = I genau dann, wenn
1=1
Pi I bj ist. Dies ist wiederum genau dann der Fall, wenn PIl(j) = bj I = bi pr
ist, was dann und nur dann der Fall ist, wenn ai,eU) = 1 ist. Also ist in
jedem Falle ai,/I(j)=a ji , q. e. d.
6.2. Satz. Es sei ,3 ein projektiver 2 - (v, k, A) Blockplan und es
sei k - A = nos 2, wobei no der quadrat/reie Teil von k - A sei. Ist a die
Anzahl der absoluten Punkte einer Korrelation von ,3, so ist a ==A mod nos.
Beweis. Nach 6.1 gibt es eine Inzidenzmatrix A von ,3 mit a = Spur A,
sowie eine Permutationsmatrix P mit AP=At. Nach 3.5 ist Anormal.
Es gibt folglich eine unitäre Matrix U (unitär heißt U-l = Vt) mit
A = Vt EU, wobei E eine Diagonalmatrix ist, in deren Diagonale die
Eigenwerte 111' ... , Ilv von Astehen. (S. etwa Herstein, Topics in
Algebra, Theorem 6. Z2' Seite 302.) Aus
AAt =AÄt = Vt EUVt EU = VtEEU
folgt, daß die Ildii die Eigenwerte von AAt sind. Die Zeilensummen
von A sind alle gleich k, so daß k ein Eigenwert von A ist. Wir können
annehmen, daß 1l1=k ist. Dann ist 1l1fil = k 2 = k+A(V-l). Nach
V1.5.2 und V1.5.1 ist dann Ilifii = k-A = n für i=2, 3, ... , v. Daher
ist Ili = ein mit ei8i = 1, falls i = 2, 3, ... , v ist. Weil A regulär ist, ist
P=A-IAt, so daß lli- 1fii (iEZJ die Eigenwerte von P sind. Nun ist
111 1fil = I und 11;-1 fii =ei-18i(ynt1yn = e;-2. Weil P eine Permutations-
matrix ist, sind die Eigenwerte von P Einheitswurzeln. Insbesondere

er
ist also e;-2 und damit auch ei eine ganz algebraische Zahl (s. Aufgabe 1)).
Folglich ist auch t~ ganz algebraisch. Nun ist

(a-k)2 = (Spur A _k)2 = (i; IlT= n (i; eJ

Also ist t~ er rational und als ganz algebraische Zahl folglich ganz
VII. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 97

rational. Dies impliziert (a - k)2 == 0 mod n, was seinerseits a - k ==


== 0 mod nos nach sich zieht. Wegen k = n + A ist daher a == A mod nos,
q. e. d.
6.3. Korollar. Ist 3=(U1 (V), Ud - 1 (V), ~), wobei V ein Vektor-
raum vom Rang d über GF(q) ist, oder ist 3 eine endliche projektive
Ebene, so hat jede Korrelation von 3 wenigstens einen absoluten Punkt.
Beweis. Ist 3 eine projektive Ebene der Ordnung n, so ist A= 1.
Ferner ist nos >- 1, so daß a == 1 mod nos impliziert, daß a ~ 1 ist. Ist
3=(U1 (V), Ud - 1 (V), ~), so ist nach VI.4.4 und VI.4.3
d-2 d-3
k = N 1 (d-l, q) = L: qi
i=O
und A = N d _ 3 (d-2, q) = L: qi.
i=O

Folglich ist n = qd - 2 und die Behauptung folgt aus der Bemerkung,


daß (n, A) = 1 ist, q. e. d.
Ist % eine Korrelation mit %2 = 1, so heißt % eine Polarität.
6.4. Satz. Ist % eine Polarität eines 2 - (v, k, A) Blockplans 3, so
ist die Anzahl der absoluten Punkte von % gleich k+sYk-A, wobei seine
geeignete ganze Zahl ist.
Beweis. Definiert man A und P gemäß 6.1, so folgt aus %2= 1,
daß P=I ist. Also ist A =At. Die Eigenwerte von A sind kund dk-A
mit le 1= 1. Weil A symmetrisch ist, sind die Eigenwerte von A alle
reell, so daß e = 1 oder - 1 ist. Ist a die Vielfachheit von Yk - A und b
die Vielfachheit von - Yk-A, so ist, da k ein einfacher Eigenwert ist,
Spur A = k+(a-b)JIk-A, q. e. d.
Es sei V ein Vektorraum über dem kommutativen Körper Kund
Q sei eine Abbildung von V in K. Man nennt Q eine quadratische Form
auf V, falls Q(vk)=Q(v)k 2 gilt für alle vE V und alle kEK und falls
die durch f(u, v) = Q(u + v) - Q(u) - Q(v) definierte Abbildung f von
V X V in K bilinear ist.
6.5. Korollar. Es sei V ein Vektorraum über GF(q) mit Rg V~3.
Ist Q eine quadratische Form auf V, so gibt es einen Vektor v E V mit v ~ 0
und Q(v) =0.
Beweis. 1. Fall: q=2'. Ist Q(x) =0 für alle xE V, so ist nichts zu
beweisen. Wir können also annehmen, daß es ein bE V mit Q(b) ~O
gibt. Wir definieren die Abbildung g von V in GF(q) durch g(x) =
= Q(x +b) - Q(x) - Q(b) = fex, b). Weil f bilinear ist, ist g linear.
Nun ist Rg V~ 3>- 1 = Rg GF(q), so daß der Rang des Kerns von g
mindestens 2 ist. Es gibt also einen Vektor aE V mit a~bGF(q) und
g(a) =0. Ist kEGF(q), so ist daher
98 H. LÜNEBURG

0= kf(a, b)=f(a, bk) = Q(a+bk)-Q(a)-Q(bk)


= Q(a+bk)-Q(a)-Q(b)k 2 •
Weil q = 2r ist und da Q(b)r'O ist, gibt es ein kEGF(q) mit
k 2 = -Q(a)Q(b)-l. Mit diesem k erhalten wir Q(a+bk) = O. Schließlich
folgt aus a~bGF(q), daß v = a+bk r' 0 ist.
2. Fall: q=pr, pr'2. Da die Einschränkung von Q auf einen Un-
terraum U von V eine quadratische Form auf U ist, können wir o. B. d. A.
annehmen, daß Rg V =d endlich ist. Es sei wieder f die durch fex, y) =
= Q(x+y)-Q(x)-Q(y) definierte Bilinearform auf V. Ist Q(x)r'O
für alle xEV mit xr'O, so istf(x,x) = Q(2x)-2Q(x) = 2Q(x) r' 0
für alle x E V mit x r' o. Hieraus folgt wiederum, daß fex, y) = 0 für
alle y E V die Gleichung x = 0 nach sich zieht, m. a. W. f ist nicht aus-
geartet. Ist U ein Punkt oder eine Hyperebene von V und definiert
man x durch U"= {xlxE V, fex, u)=o für alle uE U}, so ist x eine
Korrelation von (U1(V), Ud-1(V), ~). Nach 6.3 gibt es ein PEU1(V)
mit P~P". Ist P=xGF(q),so ist xEP" und daherf(x, x)=Oim Wider-
spruch zu x r' O.
Aufgaben:
1) C sei der Körper der komplexen Zahlen. Ist a EC, so heißt a ganz algebraisch,
falls es eine endlich erzeugte Untergruppe M der additiven Gruppe C+ von C gibt
mit M~{O} und aM~M. Zeige:
a) Ist A die Menge der ganzen algebraischen Zahlen, so ist A ein Teilring von C.
n
b) Genau dann ist aEA, wenn es ein Polynom f = L: ZiXi mit ganzzahligen
i=O
Koeffizienten Zi und Zn= 1 gibt, so daß f(a) =0 ist. (Hinweis: Ist aEA, so gibt es eine
endlich erzeugte Untergruppe M~C+ mit M~{O} und aM~M. Ist m" ... , mr ein
Erzeugendensystem von M, so betrachte man ami für alle i.)
c) Ist r rational und ganz algebraisch, so ist r ganz rational. «(Benutze b).)
2) Die Anzahl der absoluten Punkte einer Korrelation ist gleich der Anzahl
ihrer absoluten Blöcke.
3) G: sei eine projektive Ebene der Ordnung n und n sei eine Polarität von G:.
Die Blöcke von G: nennen wir Geraden. Zeige:
a) Jede absolute Gerade von G: trägt genau einen absoluten Punkt und jeder
absolute Punkt liegt auf genau einer absoluten Geraden.
b) Ist g eine nicht absolute Gerade von G: und ist a die Anzahl der absoluten
Punkte auf g, so ist a == n+ 1 mod 2. (Ist X ein Punkt auf g, so betrachte die durch
x· = X"ng definierte Abbildung (}. Dabei bezeichne gnh den Schnittpunkte der
beiden Geraden g und h.)
c) Ist n gerade, so trägt jede Gerade von G: wenigstens einen absoluten Punkt.
d) G: hat wenigstens n+ 1 absolute Punkte.
e) Ist n gerade und hat G: genau n+ 1 absolute Punkte, so besteht die Menge
der absoluten Punkte aus der Menge der Punkte einer Geraden.
f) Ist n ungerade und hat G: genau n + 1 absolute Punkte, so liegen keine drei
dieser Punkte auf ein und derselben Geraden.
VII. ENDUCHE INZIDENZSTRUKTUREN 99

g) Hat n mehr als n+ 1 absolute Punkte, so ist n ein Quadrat.


4) ,3 und ,3' seien zwei Inzidenzstrukturen. Pl' ... , Pu seien die Punkte von
,3 und P~, ... , P~ seien die Punkte von ,3'. Ferner seien bl> ... , bb die Blöcke von
,3 und b~, ... , b~ die Blöcke von ,3'. Schließlich seien A und A' die zu diesen Nu-
merierungen gehörenden Inzidenzmatrizen von ,3 bzw. ,3'. Ist T ein Isomorphismus
von,3 auf ,3', so definiert T eine Permutation (}ESu und eine Permutation uESb ver-
möge Pi = p~(') und bj = b~<J>. Definiere Permutationsmatrizen P(T)=(P'J) und
Q(T)=(q'J) durch P',Q(f) = 1 und PiJ=O, faIIs j;e (}(i), sowie q"aW= 1 und q;J=O für
I~·u(i). Zeige, daß die Abbildung T-(P(T), Q(T») eine Bijektion der Menge der
Isomorphismen von ,3 auf ,3' auf die Menge der Paare (P, Q) von Permutationsma-
trizen mit AP= QA' ist.
5) Benutze 4) mit A = A' um erneut zu zeigen, daß jeder Automorphismus eines
projektiven Blockplanes ebensoviele Fixpunkte wie Fixblöcke hat.

7. Ein Satz von Craig. Die Blöcke der im folgenden betrachteten


Inzidenzstrukturen werden wir stets Geraden nennen. Ist m: ein
2-(n 2 , n, 1) Blockplan mit n~2, so heißt m: affine Ebene der Ord-
nung n.
7.1. Satz. Ist m: eine affine Ebene der Ordnung n, so gilt:
a) Die Anzahl der Geraden von m: ist n(n + 1).
b) Die Anzahl der Geraden durch einen Punkt ist n + 1.
c) Ist g eine Gerade von m: und P ein Punkt, der nicht auf g liegt,
so gibt es genau eine Gerade durch P, die mit g keinen Punkt gemein-
sam hat.
d) Ist g eine Gerade von m:, so gibt es genau eine Menge p von n Ge-
raden mit gE p, so daß je zwei verschiedene Geraden aus p keinen Punkt
gemeinsam haben.
e) Ist p eine Menge von n Geraden mit der Eigenschaft, daß je zwei
Geraden von p keinen Punkt gemeinsam haben, und ist h eine Gerade
mit h 1p, so trifft h jede Gerade aus p in genau einem Punkt.
Beweis. Ist b die Anzahl der Geraden von m: und ist r die Anzahl
der Geraden durch einen Punkt, so gelten nach VI.3.6 die Gleichungen
n 2 r =bn und r(n -1) = n2 -1, woraus r = n + 1 und b = n(n + 1) folgt.
Also gelten a) und b).
Ist P19, so gibt es genau n Geraden durch P, die mit g einen Punkt
gemeinsam haben, da m: ja ein 2-(n2 , n, 1) Blockplan ist. Weil P mit
genau n + 1 Geraden inzidiert, gibt es folglich genau eine Gerade durch
P, die g nicht trifft. Damit ist c) bewiesen.
Sind g und h zwei Geraden, so nennen wir g und h parallel und
schreiben gllh, falls entweder g=h ist oder falls g und h keinen Punkt
gemeinsam haben. Die Parallelitätsrelation ist offensichtlich reflexiv und
symmetrisch. Sie ist auch transitiv: Ist nämlich gllh und hllk, so ist
sicher dann gllk, falls g und k einen Punkt gemeinsam haben. Wir
100 H. LÜNEBURG

können daher annehmen, daß es einen Punkt P mit PI g, k gibt. Fer-


ner können wir annehmen, daß k ~ h ist. Wegen kllh haben dann hund
k keinen Punkt gemeinsam, so daß insbesondere auch P nicht auf h
liegt. Dies impliziert wiederum, daß g ~ h ist, so daß wegen gllh auch
g und h keinen Punkt gemeinsam haben. Hieraus und aus PI g, k folgt
nun nach c), daß g=k ist. Also ist auch in diesem Falle gllk. Somit
ist die Parallelitätsrelation eine Äquivalenzrelation. Die Klassen dieser
Äquivalenzrelation nennen wir die Parallelenscharen von '!l.
Ist nun g eine Gerade und ist V die Parallelenschar mit gEl', so
folgt aus c), daß Ip In = n 2 ist. Also ist Ip 1= n, so daß auch d) bewie-
sen ist.
Ist schließlich p eine Menge von n Geraden, von denen keine zwei
einen Punkt gemeinsam haben, so sind die Geraden aus p paarweise
parallel. Es gibt daher eine Parallelenschar q mit V ~ q. Aus n = lvi ~
~Iql=n folgt schließlich, daß v=q ist, q. e. d.

7.2. Hilfssatz. Genau dann gibt es eine affine Ebene der Ordnung n,
wenn es eine projektive Ebene der Ordnung n gibt.
Beweis. Es sei (l; eine projektive Ebene der Ordnung n. Dann ist
(l; ein 2-(n 2 +n+l,n+l, 1) Blockplan. Entfernt man aus (l; eine Ge-
rade sowie alle mit dieser Geraden inzidierenden Punkte, so ist die ver-
bleibende Inzidenzstruktur '!l offenbar ein 2 - (n 2 , n, 1) Blockplan, dh.
eine affine Ebene der Ordnung n.
Es sei umgekehrt '!l = (~, (fi, I) eine affine Ebene der Ordnung n.
Wir definieren eine Inzidenzstruktur (l;=(~', (fi', 1') wie folgt:
(1) ~' = ~ U {plp ist eine Parallelenschar von '!l}.
(2) (fi' = (fi U {g=}, wobei g= ein Symbol ist, welches nicht In
(fi liegt.
(3) l' definieren wir folgendermaßen: Ist P E~ und gE (fi, so sei
genau dann P l' g, wenn PI g ist. Ist P ~ ~ und gE (fi, so sei PI' g genau
dann, wenn gEP ist. Ist PE~, so ist Pl'g=, und ist P~~, so ist P1'g=.
Es bleibe dem Leser überlassen zu verifizieren, daß (l; eine projektive
Ebene der Ordnung n ist.
f) = (~, (fi, I) sei eine endliche Inzidenzstruktur. Besitzt f) die Eigen-
schaften
(Hl) Zwei verschiedene Punkte von f) inzidieren mit wenigstens
einer Geraden von f).
(H2) Zwei verschiedene Geraden von f) inzidieren mit wenigstens
einem Punkt.
(H3) Es gibt einen Homomorphismus qJ von f) auf eine projektive
Ebene (l; mit den bei den Eigenschaften: Sind P, Q E~, so ist genau
VII. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 101

dann P'" = Q"', wenn P und Q gleichzeitig mit zwei verschiedenen Gera-
den inzidieren. Sind g, hE m, so ist genau dann g'" = h"', wenn es zwei
verschiedene, mit g und h inzidierende Punkte gibt, so heißt i) eine
projektive Hjelmslev-Ebene. Ist i) eine endliche projektive Ebene, so
ist i) auch eine projektive Hjelmslev-Ebene, da i) ja (HI) und (H2)
erfüllt sowie auch (H3), wobei man für <p die identische Abbildung von
i) auf sich nehmen kann. Jede projektive Hjelmslev-Ebene, die keine
projektive Ebene ist, heißt echte Hjelmslev-Ebene.
Ist i) eine Hjelmslev-Ebene, so ist offensichtlich auch i)d eine
Hjelmslev-Ebene.
Ist i) = (~, m, I) eine Hjelmslev-Ebene und ist <p der unter (H3) be-
schriebene Homomorphismus von i) auf eine projektive Ebene (f, so de-
finieren wir P und g für PE~ und gEm durchP={QIQE~, Q"'=P"'}
und g= {hlhE m, h'" =g"'}. Dann ist ~ = {PIPE~} eine Partition von ~
und<» = {gig E m} eine Partition von m. Ist P E~, und gE <», so gelte
PI g genau dann, wenn es ein Q EP und ein hE g gibt mit Q I h. Setzt man
<» =(~, <», I), so ist klar, daß das Abbildungspaar (P ...... p"', g ...... g"')
ein Isomorphismus von r; auf (f ist. Wir können daher im folgenden
stets annehmen, daß r; = (f ist.
Sind P und Q zwei Punkte von i), so heißen P und Q benachbart,
falls P = Q ist. Entsprechend heißen zwei Geraden g und h benachbart,
falls g = Ti ist. Sind P und Q nicht benachbart, so gibt es genau eine Gerade
g mit P, Q I g. In diesem und nur in diesem Falle setzen wir g = PQ. Sind
g und h zwei Geraden, so setzen wir g n h: = {XIX E ~, XI g, h}. Sind
g und h nicht benachbart, so ist Ig n hl = 1. Diese Bemerkungen wer-
den wir uns beim Beweise des folgenden Satzes zu Nutze machen.
7.3. Satz (Kleinfeld). Ist i) eine Hjelmslev-Ebene, so gibt es natür-
liche Zahlen sund t, so daß gilt:
a) Ist PI g, so gibt es genau t zu P benachbarte Punkte, die ebenfalls
auf g liegen.
b) Ist PIg, so gibt es genau t zu g benachbarte Geraden durch P.
c) IPI = t 2 für alle Punkt P von i).
d) Igl = t 2 für alle Geraden g von i).
e) Die Anzahl der Punkte auf einer Geraden ist s + t.
f) Die Anzahl der Geraden durch einen Punkt ist s + t.
g) Die Anzahl der Punkte von i) ist S2 + st + t 2 •
h) Die Anzahl der Geraden von i) ist S2 +st + t 2•
i) Die Ordnung von r; ist st- 1 •
j) t teilt s.
k) Ist t~ I, so ist s~t2.
102 H. LÜNEBURG

Beweis. a) Es sei t(P, g) die Anzahl der zu P benachbarten Punkte


auf g. Wir zeigen, daß t(P, g) von (P, g) unabhängig ist. Dazu sei zu-
nächst h eine weitere Gerade durch P. Wir können o. B. d. A. annehmen,
daß t(P, h);§ t(P, g) ist. Weil - ein Homomorphismus von f) auf die
projektive Ebene ~ ist, gibt es einen Punkt Q von f) mit Q 1 g, Ti. Hier-
aus folgt, daß keine der Geraden durch Q zu g oder h benachbart ist,
so daß eine Gerade durch Q sowohl g als auch h in genau einem Punkte
trifft. Es sei X ein zu P benachbarter Punkt auf g. Dann gibt es also
genau einen Punkt Y mit Y = QX n h. Nun ist "{IX = QX = QP und
somit Y = {2X n 1i = QP n 1i = P, so daß Y und P benachbart sind.
Weil die Abbildung X-+- Y = QXnh injektiv ist, ist also t(P, g);§
;§ t(P, h), so daß also t(P, g) = t(P, h) ist.

P und Q seien zwei Punkte von f) und j sei eine mit P und Q inzi-
dierende Gerade. Mit Hilfe des Homomorphismus - erschließt man
die Existenz zweier Geraden g und h durch P bzw. Q, die nicht zu j
benachbart sind. Wir können wieder o. B. d. A. t(Q, h);§ t(P, g) an-
nehmen. Um zu zeigen, daß t(P, g);§ t(Q, h) ist, wählen wir einen
Punkt Rauf j, der weder zu P noch zu Q benachbart ist. Ein solches
R gibt es, da jede Gerad~ einer projektiven Ebenen mindestens drei
verschiedene Punkte trägt. Ist X ein zu P benachbarter Punkt auf
g, so ist XR definiert und Y = XR n h ist ein eindeutig bestimmter
Punkt auf h, der zu Q benachbart ist, wie man mit Hilfe von - leicht
nachrechnet. Die Abbildung X -+- Y = XR n h ist wieder injektiv, so
daß t(P, g);§ t(Q, h) ist. Also ist t(P, g) = t(Q, h). Faßt man die beiden
Ergebnisse zusammen, so erhält man, daß t(P, g) von (P, g) unabhängig
ist. Setzt man t = t(P, g), so erhält man a).
b) Da die zu einer Hjelmslev-Ebene duale Inzidenzstruktur eben-
falls eine Hjelmslev-Ebene ist, gibt es nach a) eine natürliche Zahl t',
so daß die Anzahl der zu g benachbarten Geraden durch P gleich t'
ist und daß t' nicht von P und gunabhängt. Es ist zu zeigen, daß t = t'
ist. Es gibt eine Gerade j mit P 1J. Schneidet man alle zu g benachbarten
Geraden durch P mit j, so erhält man t' Schnittpunkte, die paarweise
benachbart sind. Somit ist t';§ t. Dualisieren liefert t;§ t', womit auch b)
bewiesen ist.
c) P und Q seien zwei Punkte mit P,r. Q. Es gibt dann x Geraden
gl> ... , K" durch Q, die einen Punkt aus P enthalten und überdies die
Eigenschaft haben, daß jeder Punkt von P auf einer dieser Geraden
liegt. Wegen P,r. Q ist die Verbindungsgerade eines Punktes aus P mit
Q eindeutig bestimmt. Somit ist xt = IPI. Ferner ist klar, daß gl = g2 = ...
... = g", ist. Ist g eine zu gl benachbarte Gerade durch Q, so ist PI g.
VII. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 103

Es gibt daher einen Punkt R I g mit R EP, so daß gE {gi li EZx} ist. Hier-
aus folgt x = t und somit IPI = t 2 •
d) Folgt unter Benutzung von b) durch Dualisieren von c).
e) Die Ordnung von ~ sei n. Ist k die Anzahl der Punkte auf
der Geraden g von il, so folgt aus a), daß kt- 1 = n + 1 ist. Setzt man
nt =s, so folgt, daß k = s + t von g unabhängig ist. Gleichzeitig haben
wir damit auch i) und j) bewiesen. f) folgt aus b) und i).
g) Und h) folgen aus c) bzw. d) und i).
k) Es sei g eine Gerade und P sei ein Punkt von il mit PI g und
PIg. Nach b) gibt es dann t Geraden h1 , ••• , ht durch P, die alle zu g
benachbart sind. Mit hi n g bezeichnen wir die Menge der Punkte,
die sowohl mit hi als auch mit g inzidieren. Nach a) und e) ist dann
t
s = Z I(h i ng)",PI ::§ t 2 , q. e. d.
i=1
Von besonderem Interesse sind die projektiven Hjelmslev-Ebenen,
für die s = t 2 gilt. Sie werden uniform genannt. Der nächste Satz wird
zeigen, daß es solche uniformen Hjelmslev-Ebenen in Hülle und Fülle
gibt. Zuvor jedoch noch eine Definition. Ist A = (auv ) eine (m X m)-
Matrix und B=(bxy) eine (nXn)-Matrix und liegen die Koeffizienten
von A und B in ein und demselben Körper, so definieren wir das Kronek-
kerprodukt A ® B = (cu) von A mit B wie folgt: Sind u, v EZm und
x, y EZn und ist i = (u -l)n +x sowiej = (v -l)n + y, so ist Cij =auvbxy"
Das Kroneckerprodukt A ® B von A mit B ist eine (mn X mn)-Matrix.
7.4. Satz (Craig). Ist (f eine endliche projektive Ebene, so gibt
es eine uniforme Hjelmslev-Ebene il, so daß ~ und (f isomorph sind.
Beweis. Die Ordnung von (f sei n. Ferner sei m: irgendeine affine
Ebene der Ordnung n (nach 7.2 gibt es eine solche) und VI' ..• , Vn+l
seien die Parallelenscharen von m:. Schließlich seien Ql' ... , Qn' die
Punkte von m:. Für i EZn+l definieren wir die (n 2 Xn 2)-Matrix R i = (rkZ ;;)
vermöge rkz;i=l, wenn es eine Gerade gEVi gibt mit Qk' QzIg, und
rkZ ;i = 0, wenn es keine solche Gerade gibt. Da genau dann Qk' Qz I g
gilt, wenn Qz, Qk I g ist, ist R i symmetrisch.
Es sei A = (akZ) eine Inzidenzmatrix von (f. Weil die Zeilen- und
Spaltensummen von A alle gleich n + 1 sind gibt es nach IV.4.3 Per-
n+l
mutationsmatrizen Pi=(PkZ;i) für iEZn + 1 mit A = Z Pi' Wir bilden
n+l i=1
die Matrix B = (bi) = Z (Pi ® R;). Die Matrix Bist Inzidenzmatrix
i=1
einer Inzidenzstruktur il mit v = (n 2 +n + 1)n2 Punkten und ebenso-
vielen Geraden. Es seien 0(, ßEZn'+ n + 1 und y, c5EZn2 und es sei
i = (0(-I)n 2 +y undj = (ß-I)n 2 +c5. Dann ist bij=aapry{);Z(~,P)' Dabei
104 H.LÜNEBURG

ist 1(rx, ß) im Falle aap = 1 die eindeutig bestimmte Zahl k E Zn + 1, für


die Pap;k=l ist. Ist aap=ü, so ist l(rx,ß) irgendeine Zahl aus Zn+1'
Wir zeigen nun, daß zwei verschiedene Punkte von ~ stets eine Ver-
v
bindungsgerade haben. Dazu bestimmen wir Z bliblj für i rf j. Es sei
1=1
1 = (A. -1)n 2 + Jl, i = (rx -1)n2 + l' und j = (ß -1)n2 +0. Genau dann
ist bliblj = 1, wenn
a).a = a).p = rl'y;I().,a) = rl'~;I()',P) = 1
ist. Wir müssen also die Anzahl der Paare (A., Jl) bestimmen, die (*)
erfüllen.
1. Fall: rx=ß. Es sei a).a=rM ;I().,a)=rl'/J;I().,a)=1. Wegen icFj ist
"I cF 0, so daß Qy Q/J eine Gerade von m: ist. Es sei Qy Q/J EVu' Wegen
rl'y;l().,a)=rl'/J;/O.,a)=l gibt es Geraden g,hEV/().,a) mit Qy,Ql'lgund
Q/J' QI' I h. Da durch jeden Punkt von m: genau eine Gerade aus V/().,<»
geht, ist g = h, so daß Qy, Q/J I g ist. Daher ist Qy Q/J = g, woraus 1(A., rx) = u
folgt. Es gibt also höchstens dann eine Lösung von (*), wenn I(A., rx) = U
n+1
ist. Wegen A = Z Pi gibt es nun genau ein A. mit a).a = 1 und I(A., rx) = u
i=1
und weil auf Qy Q/J genau n Punkte liegen, gibt es zu diesem A. genau
n Lösungen Jl mit r 1'1; u = r I'/J; u = 1, so daß (*) in diesem Falle genau
v
n Lösungspaare (,1, p,) hat. Folglich ist in diesem Falle Z bliblj = n.
1=1
2. Fall: a rf ß. In diesem Fall gibt es genau ein ,1 mit a).a = 1 = a ).p'
Hieraus folgt wegen rx cF ß, daß 1(,1, rx) cF 1(,1, ß) ist. Durch Qy geht genau
eine Gerade aus VI().,a) und durch Q/J genau eine Gerade aus VI()',P)' Diese
bei den Geraden treffen sich wegen 1(,1, a) cF 1(,1, ß) in genau einem Punkte
v
QI" so daß in diesem Falle Z bublj = 1 ist.
1=1
Damit ist gezeigt, daß zwei verschiedene Punkte von ~ stets eine
Verbindungsgerade haben. Darüberhinaus haben wir gezeigt, daß die
Punkte mit den Indizes rxn 2 + l' und ßn 2 + 0 genau dann mehr als eine
Verbindungsgerade haben, wenn a = ß ist.
Ebenso zeigt man, daß zwei Geraden von ~ stets einen Schnitt-
punkt haben und daß die Geraden mit den Indizes rxn 2 + l' und ßn 2 + 0
genau dann mehr als einen Schnittpunkt haben, wenn rx = ß ist.
Bildet man nun den Punkt von ~ mit dem Index (ß - 1)n2 + 0
auf den Punkt von <r mit dem Index ß ab und die Gerade von ~, deren
Index (rx -1)n2 + l' ist, auf die Gerade mit dem Index rx, so ist die so
definierte Abbildung cp von ~ auf <r ein Homomorphismus. Ist näm-
lich i = (a -l)n2 + l' undj = (ß -1)n2 +0 und ist bij = 1, so ist aap = 1.
Ferner haben nach dem bereits Bewiesenen zwei Punkte genau dann
VII. ENDLICHE INZIDENZSTRUKTUREN 105

unter Cf> das gleiche Bild, wenn sie mehr als eine Verbindungsgerade
haben, und zwei Geraden haben unter q> genau dann das gleiche Bild,
wenn sie mehr als einen Schnittpunkt haben. Damit sind (HI), (H2)
und (H3) nachgewiesen, so daß ~ eine Hjelmslev-Ebene ist. Da ferner
jeder Punkt von ~ genau n2 Nachbarpunkte hat, ist n = t und wegen
n=st- 1 daher s=t 2 • Folglich ist ~ uniform, q.e.d.
Aufgaben:
1) Zeige, daß für eine projektive Hjelmslev-Ebene i> die folgenden Bedingungen
äquivalent sind:
a) i> ist uniform.
b) i>d ist uniform.
c) Je zwei verschiedene benachbarte Geraden schneiden sich in genau t Punkten.
d) Je zwei verschiedene benachbarte Punkte haben genau t Verbindungs-
geraden.
e) (P,~, E) ist eine affine Ebene. Dabei ist ~ die Menge der Punktmengen
g={XIXEP, XIg} mit g ist Gerade von i>, die mehr als einen Punkt von P trägt.
f) Es gibt einen Punkt P, so daß (P, ~, E) eine affine Ebene ist.
2) Ist i> eine uniforme Hjelmslev-Ebene, so hat jeder Automorphismus von
i> ebenso viele Fixpunkte wie Fixgeraden. (S. Aufgabe 1) von Absch. 3.)
3) p sei eine Primzahl und n eine natürliche Zahl. Mit R bezeichnen wir den
Ring der ganzen Zahlen modpn. Ferner sei M = RffiRffiR die direkte Summe von
drei Kopien von R. Ist I.p die Menge der zyklischen direkten Summanden des R-Mo-
duls Mund G> die Menge der Komplemente von zyklischen direkten Summanden
von M, so ist i>=(I.p, G>, ~) eine projektive Hjelmslev-Ebene mit f=p"-l und s=p".
4) R sei die Menge der Paare (a, b) mit a, bEGF(q). Ferner sei o<:EAut GF(q).
Wir machen Rzueinem Ringvermöge(a, b)+(c, d) = (a+c,b+d)und(a,b)(c,d) =
= (ac, ad+bc~). Konstruiert man i> wie in 3), so ist i> eine uniforme Hjelmslev-Ebene
mit f=q. Wann ist R kommutativ?
Literaturverzeicbnis

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'" Enthält ein umfangreiches Literaturverzeichnis.


Index

Abgeleitete Struktur 74 geometrisches Mittel 68


absoluter Block 95 gerade Permutation 20
absoluter Punkt 95 Gleason, A. M. 33
adjungierte Abbildung 70
ähnlich 18 Hadamard-Blockplan 75
ähnlich im engeren Sinne 18 Hadamardmatrix 73
affine Ebene 99 Hadamard'sches
Algorithmus von M. Hall 48 DeterminantenprobIern 73
alternierende Gruppe vom Grade n 20 Hadamard'sche Ungleichung 72
angeordnet 63 Hall, MA8, 50, 65, 86
Anordnung 63 Hall, P. 45
Anordnung einer n-Menge 18 harmonisches Mittel 68
Antikette 22 Hermite'sche Form 70
arithmetisches Mittel 68 Hjelmslev-Ebene 101
assoziierte Spaltensummenmatrix 93
Index 32
assoziierte Zeilensummenmatrix 93
Auswahlaxiom 61 Inklusion-Exklusion 35
Inzidenzmatrix 53
Auswahlfunktion 61
Inzidenzstruktur 13
Automorphismus 87
isomorph 87
Bahn 25 Isomorphismus 87
Banach, S. 65
benachbart 101 Kette 22
Binomialkoeffizient 7 k-fach transitiv 27
Birckhoff, G. 55 Kleinfeld, E. 101
Block 13 Kollineation 87
Block, R. E. 93 Komplement 7
Blockplan 74 Komponente 15
Bruck-Ryser 92 kongruent 90
Burnside, W. 26 König, D. 54, 55
König-Egervary 54
Cartesisches Produkt 61 konjugiert 27
Cauchy, A. 26 Korrelation 95
Chowla-Ryser 91 Kroneckerprodukt 103
Craig 103 k-Teilmenge 7

Dembowski, P. 87, 95 Lagrange, J. L. 32


direkte Summe zweier Matrizen 91 Länge 7
Dobinski, 17 lateinisches Quadrat 85
duale Inzidenzstruktur 84 lateinisches Rechteck 85
dualer Satz 84 Lemma von Gleason 33
Levi, F. W. 64
Egervary, E. 56 linear geordnet 63
Ehepaarproblem 38 Linksrestklasse 32
Exponentialzahlen 15 linksseitige taktische Konfiguration 13
linksseitige taktische Zerlegung einer In-
Fisher'sche Ungleichung 78
zidenzstruktur 94
Gale-Ryser Kriterium 82 linksseitige taktische Zerlegung einer
Galoisfeld 44 Matrix 93
ganz algebraisch 98 Lubell, D. 22
108 INDEX

Majorisiert 82 rechtsseitige taktische Zerlegung von


Multinomialkoeffizient 31 Matrizen 93
Ryser, H. J. 85, 86, 88
n-Menge 7
Neumann, B. H. 63 Satz von Bruck-Ryser 92
normalisierte Hadamardmatrix 73 Satz von Cauchy 26
Satz von König-Egervary 54
Satz von Lagrange 32
Operatorgruppe 25 Satz von Schröder-Bernstein 66
Orthonormalbasis 70 Satz von Sylow, Erster 33
Satz von Sylow, Zweiter 34
Paley, R. E. A. C. 79 Satz von Tychonoff 61
parallel 99 Siebformel 36
Parallelenschar 100 Spaltensummenmatrix 93
Parameter 13 Sperner'sches Lemma 22
Partition 15 Stabilisator 25
Pascal'sches Dreieck 9 Steiner'sches Tripelsystem 79
Permanente 51 Stirling-Zahlen 1. Art 30
Permutationscharakter 26 Stirling-Zahlen 2. Art 15
Permutationsgruppe 18 Stirling-Zahlen, vorzeichenlose 30
Permutationsmatrix 54 symmetrische Gruppe 18
Polarität 97
positiv definit 70 Taktische Konfiguration 13
positive lineare Abbildung 70 taktische Zerlegung von Inzidenzstruk-
positive Matrix 71 turen 94
Potenzmenge 7 taktische Zerlegung von Matrizen 93
projektive Ebene 92 t-Anordnung 28
projektive Hjelmslev-Ebene 101 Teilordnung 62
projektiver Blockplan 88 teilweise geordnet 62
p-Sylowgruppe 33 Term-Rang 53
Punkt 13 torsionsfrei 64
t-(v, k, l) Blockplan 86
Quadratische Form 97
Ungerade Permutation 20
uniform 103
Rado, R. 46
Rado's Auswahlprinzip 62 Vertretersystem 45
r-Auswahl 29 Vier-Quadrate-Satz von Lagrange 91
Rechtsrestklasse 32
rechtsseitige taktische Konfiguration 13 Zeilensummenmatrix 93
rechtsseitige taktische Zerlegung von In- zweifach stochastisch 55
zidenzstrukturen 94 Zyklenschreibweise 27