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MUSIK CHRISTOPHER KAH STUDIOBERICHT

CHRISTOPHER KAH STUDIOBERICHT


Wurzelbehandlung

www.christopherkah.com Dave Clarkes White-Noise-Label sind noch auf reiner Software-Basis


entstanden.
Auf Youtube geht gerade eine Clipserie steil, die nicht mehr
zeigt, als zwei Hände, die ein minimales Hardware-Setup Wie hat sich dein Studio danach entwickelt?
bearbeiten. Und was diese aus den wenigen Desktop-Tools Es kam natürlich professionelle Hard- und Software hinzu. Allerdings ist
herauskitzeln, ist nicht weniger als phänomenal. Die flinken mein Studio in ständiger Verwandlung. Ich bin jemand, der sehr schnell
Finger gehören dem französischen Produzenten Christopher seine Geräte wechselt. Also viel kauft und wieder verkauft. Instrumente
Kah. Bereits seit 20 Jahren im Geschäft, aber hierzulan- aus nostalgischen Gründen zu behalten, ist gar nicht mein Ding. Meine
de eher unbekannt, promotet er damit sein drittes Album Beziehung zu den Geräten ist pragmatisch. Entweder sie nutzen mir für
“Limited Resource Vol. 1”, das soeben auf Highwav Records den Moment oder eben nicht. Ich besitze zum Beispiel auch keine Vintage-
erschienen ist. Dessen Titel ist Programm, denn Kah geht mit Originale, die günstigeren Klone bringen’s auch.
modernem Equipment an die Wurzel der Technoproduktion
zurück. Kein Wunder also, dass es alte Helden wie Lands- Wie sieht dein Setup heute aus?
mann Laurent Garnier aktuell rauf- und runterspielen. Derzeit nutze ich am häufigsten die Instrumente von Elektron, den Digitone,
Octotrack und Digitakt. Hinzu kommen der Korg Minilogue sowie für die
Wo befindet sich dein Studio derzeit? Aufnahmen der Roland MX1. Eine Roland TR-8 setze ich hauptsächlich
Es ist direkt in einem Zimmer meines Hauses untergebracht. Das wiederum live ein. Als Software sind Ableton Live und einige NI-Sachen wie Reaktor
befindet sich in einer kleinen Stadt nahe Straßburg. Mir ist wichtig, dass sowie zahlreiche Plug-ins für das Sounddesign vorhanden. Die Software
ich spontan hinübergehen kann, um Ideen umzusetzen. Die Wände sind bleibt aber derzeit außen vor.
speziell gedämmt, damit meine Frau und Kinder nicht gestört werden.
Sobald die Kids in der Schule sind, geht’s los. So komme ich auf etwa acht Weil?
Stunden an mindestens vier Tagen in der Woche. Bis vor einem halben Jahr habe ich vor allem Ableton Live eingesetzt, aber
dann gemerkt, dass ich zu sehr mit dem Verstand produzierte. Mit den
Womit die Musik dein Hauptjob sein dürfte? Elektron-Geräten bin ich viel spontaner bei der Umsetzung von Emotionen.
Ja, derzeit schon. Eigentlich bin ich IT-Techniker, mache das aber nur noch Zudem kann ich mich voll auf den Sound konzentrieren, weil die Produkti-
teilzeitmäßig. on weniger visuell ist. Daraus ist schließlich auch Idee zum Album „Limited
Resources“ entstanden. Ich wollte mit minimalem Equipment ein Maximum
Kannst du dich noch an dein erstes Setup erinnern? an Energie erzeugen. Es dauert zwar ein bis zwei Tage, bis man sich in die
Lass mich überlegen … das war ein Windows98-Rechner mit Cool Edit Pro Maschinen eingearbeitet hat. Aber dann geht es ohne Nachdenken von der
als Sequencer. Hinzu kamen Propellerhead Reason und die Orion-Plati- Hand und man kommt sofort in einen Flow.
num-Software. Einen alten Korg DW-8000 Synthesizer hatte ich auch
noch. Profizeug wie Cubase war mir damals zu kompliziert und zu teuer. Was würdest du Nachwuchsproduzenten empfehlen?
Mein aktuelles Konzept: sich auf wenige Tools zu beschränken und diese
Gab es mit dem PC schon Releases? voll auszureizen. So ein riesiger Maschinenpark überfordert am Anfang
Ja, damit habe ich tatsächlich 2004 die „Natural Born Killer EP“ produ- total – und ich glaube, selbst später noch. Man verläuft sich in den Mög-
ziert, die auf Terrence Fixmers Planet-Rouge-Label erschienen ist. Auch lichkeiten. Mein Studio ist ja bis heute eher klein. Mit einer Roland TR-8
der „Come Inside“-Remix für Nitzer Ebb sowie die „PlusPlusOne“ auf kann man bereits einen kompletten Track hinbekommen. Die Stücke auf