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102  Venture Kapital und Life Science 102.

1
Fig. 102

Tabelle 102–
S. Moss, C. Beermann

S. Moss, C. Beermann

102.1  Einleitung

Um sich weiter im internationalen Wettbewerb behaupten zu können, müssen deut­


sche Unternehmen heute in Schlüsseltechnologien wie die Medizintechnik und die
Biotechnologie, zusammenfassend unter dem Begriff der Life Sciences bekannt,
investieren. Eine führende Wettbewerbsposition erfordert immer die konsequen­
te Weiterentwicklung von Produkten und Lösungen, um Innovationspotenziale in
medizinische Verfahren umzusetzen. Die damit unmittelbar verbundenen hohen
Ausgaben für Forschung und Entwicklung stellen ein bedeutendes Problem junger
Life Science Unternehmen dar. Vor allem die, verglichen mit nicht-medizinischen
Branchen, längeren Forschungs- und Entwicklungszyklen in der Frühphase eines
Life Science Unternehmens und die längere Dauer bis zur Profitabilität erhöhen das
Risiko der Finanzinvestoren. Die Zeitdauer, um ein medizinisches Produkt bis zur
Marktreife zu entwickeln und letztlich auf dem Markt anzubieten, kann aufgrund
der notwendigen intensiven Forschung nur unscharf geplant werden und erhöht die
Unsicherheit über den Zeitpunkt der ersten Einnahmen. Damit verschärfen sich
gerade im Life Science Bereich allgemeine Problematiken von Gründungs- und
Wachstumsfinanzierungen wie starke Informationsasymmetrien zwischen Grün­
der und potentiellen Kapitalgebern. Oftmals ist die Entwicklung einer innovativen
Technologie abhängig von einzelnen Personen, von deren Wissen und Engagement
die Umsetzung und der Erfolg eines gesamten Produktkonzeptes abhängen. Die
Beobachtung und Kontrolle der Gründeraktivitäten, insbesondere die Überwachung
der eingesetzten Finanzmittel in der frühen Finanzierungsphase, können Fremd­
kapitalgeber wie Banken nicht gewährleisten. Die Geschäftsmodelle der Banken
beruhen auf der Ausgabe von Darlehen gegen Sicherheiten und Informationen. Sie
können Rechte und Lizenzen mit technologischem Hintergrund häufig nur unzu­
reichend bewerten, zumal Produkte des Life Science Sektors an sich in der Regel
einen hohen Erklärungsbedarf haben. Junge Unternehmen können die allgemeinen
Voraussetzungen für eine langfristig angelegte Kreditfinanzierung nicht erfüllen und
auch der Staat darf durch öffentliche Fördermittel die hohe Kapitalnachfrage von
wachsenden Technologieunternehmen nur in sehr geringem Maße ausgleichen.

E. Wintermantel · S.-W. Ha Medizintechnik – Life Science Engineering. 2341


© Springer 2009
2342 S. Moss, C. Beermann

Neben den Finanzierungsengpässen von Gründungs- und Wachstumsunterneh­


men erschweren ebenfalls die starren Geschäfts- und Finanzierungsmodelle inner­
halb gewachsener mittelständischer Unternehmen den Innovationsprozess. Diese
Unternehmen befinden sich häufig in privatem Besitz und finanzieren sich vorder­
gründig von innen, also über selbst generierte Cashflows. Häufig haben sie trotz
guter Basisstrukturen wie einer innovativen Technologie und einem engagierten
Forscher- und Managementteam keinen Zugang zu externer Finanzierung.

102.2  Beteiligungsfinanzierung im Life Science Bereich102.2

102.2.1  Venture Capital

Aus den genannten Gründen ist die Beteiligungsfinanzierung die dominierende


Finanzierungsform von kapitalintensiven Medizintechnik- und Biotechnologie­
unternehmen. Der Begriff Venture Capital (VC) bezeichnet die aktive Eigenkapi­
talfinanzierung von nicht börsennotierten Unternehmen in innovativen Sektoren
durch Risikokapitalfonds. Das Interesse der Investoren beruht dabei vor allem auf
dem enormen Wertsteigerungspotential eines jungen Technologieunternehmens bei
erfolgreicher Markteinführung eines Produktes in den ersten Jahren. Zur Ingang­
setzung und Durchführung einer jungen Unternehmung stellt die VC-Gesellschaft
die erforderlichen Finanzierungsmittel als Eigenkapital für einen bestimmten Zeit­
raum zur Verfügung. Sie zeichnen sich im Gegensatz zu anderen, passiven exter­
nen Finanzinvestoren durch eine vollständige Übernahme des Unternehmensrisikos
und eine aktive Kontrolle und Betreuung ihrer eingesetzten Finanzmittel aus. Das
übernommene Risiko versuchen die Fonds durch Investitionen in unterschiedliche
Branchen zu minimieren. Sie wählen Projekte mit möglichst unabhängigen Einzel­
risiken für die Zusammensetzung ihrer Portfolios.
Abgrenzend dazu ist die Bereitstellung von Beteiligungskapital durch Private
Equity und Corporate Venture Capital (CVC) zu betrachten. Private Equity fließt
vornehmlich in reifere, mittelständische Unternehmen mit dem Hintergrund einer
Expansion oder Restrukturierung. Der Begriff Corporate Venture Capital bezeich­
net Kapital, das von Unternehmen oder unternehmenseigenen Beteiligungsgesell­
schaften bereitgestellt wird. Diese Unternehmen verfolgen neben der Rendite auf
das eingesetzte Kapital auch strategische Ziele. Im Folgenden wird ausschließlich
die externe Eigenkapitalbereitstellung durch Venture Capital Gesellschaften als Fi­
nanzierungsalternative für technologieorientierte Unternehmen betrachtet.
102.2  Beteiligungsfinanzierung im Life Science Bereich 2343

Managementgesellschaft

Managementvertrag

Kapital Beteiligung
Investor VC - Fonds Beteiligung
Kapitalrückzahlung Beteiligungsverkauf
+ Rendite

Abb. 102.1  Typische Struktur einer Venture Capital Beteiligung: Venture Capital Gesellschaften
stellen einem Unternehmen neben dem Beteiligungskapital ebenfalls ihre Erfahrungen und Kon­
takte zur Verfügung. Die Managementgesellschaft des VC-Fonds beaufsichtigt die Aktivitäten der
Fondsmanager, um die geforderte Rendite der Investoren auf ihr eingesetztes Kapital zu sichern.
Modifiziert nach [1]

102.2.2  Struktur einer VC-Beteiligung

Venture Capital Gesellschaften stellen einem Unternehmen neben Beteiligungska­


pital ebenfalls ihre zumeist branchenspezifische Managementerfahrung, Informati­
onsdienste und wertvolle Kontakte bzw. Kooperationen zur Verfügung. Sie agieren
folglich als Finanzintermediäre zwischen den Kapitalgebern des Risikokapitalfonds,
den Unternehmensgründern und dem Branchenumfeld des Investitionsprojektes.
Oft beinhalten Finanzierungsverträge mit VC-Gesellschaften komplexe Nebenab­
reden, welche die zu erbringenden Leistungen des Beteiligungsunternehmens spe­
zifizieren und gleichzeitig der Beteiligungsgesellschaft umfassende Kontroll- und
Entscheidungsrechte einräumen. Überdies wird häufig eine Stufenfinanzierung in
Abhängigkeit der Erreichung vordefinierter Meilensteine in der Entwicklung des
Unternehmens vereinbart. Eine Ausweitung einer Beteiligung ist dann an den Ein­
tritt eines bestimmten Ereignisses wie bspw. einer erfolgreich absolvierten klini­
schen Prüfung eines Arzneimittels oder der Zulassung eines Medizinproduktes ge­
bunden. Allgemein lässt sich festhalten, dass Risikokapitalfonds stets bestrebt sind,
für alle möglichen Geschäftsentwicklungen die beiderseits geltenden Pflichten und
Rechte vertraglich festzulegen.
Im Gegensatz zu Corporate Venture Capital sind die Aktivitäten von Risikoka­
pitalfonds im Allgemeinen nicht strategischer Natur, sondern hauptsächlich durch
die Aussicht auf attraktive Renditen geprägt. Mit einem mittelfristigen Zeithorizont
von drei bis sieben Jahren zielen sie auf einen möglichst profitablen Verkauf ihrer
Beteiligung. Trotz sorgfältiger Prüfung und Kontrolle der Engagements schließen
die Risikokapitalgeber dennoch viele Beteiligungen mit Verlusten ab, so dass we­
nige positive Projekte diese Verluste kompensieren müssen. Der Renditeanspruch
des Fonds an ein einzelnes Investitionsprojekt ist demnach umso höher, je geringer
die Renditen aus weiteren Projekten seines Portfolios sind. Die durchschnittliche
erwartete Rendite über alle Investitionsprojekte sollte grundsätzlich eine Verdopp­
lung des eingesetzten Fondskapitals innerhalb von fünf Jahren ermöglichen. Daraus
2344 S. Moss, C. Beermann

Risiken der Seed Risiken der


und Expansions-
Start up Phase und Bridge-Phase

Insolvenz Zinsänderungen
Risikofaktoren
der
Finanzierung Nachfinanzierung Exit
Verkaufswert

Kosten der Produktion Umsatz


Risikofaktoren Managementfähigkeiten Marktanteil
der
Unternehmung Forschung & Organisation
Entwicklung Controlling

Potenzial/Entwicklung des Marktes


Risikofaktoren Wettbewerbsstärke/Konkurrenzprodukte
des
Marktes Marktzutritt Produktakzeptanz

Abb. 102.2  Risiken und Unsicherheiten einer Venture Capital Finanzierung: Beteiligungen an tech­
nologieorientierten jungen Unternehmen weisen aufgrund hoher Entwicklungs- und Forschungs­
kosten sowie möglicherweise notwendiger Nachfinanzierungen ein besonders hohes Risiko auf.
Zudem müssen sich neue Methoden bzw. Produkte der Medizintechnik zunächst als Standard am
Markt etablieren und sich zusätzlich gegen Konkurrenzprodukte durchsetzen. Modifiziert nach [2].

ergibt sich ein durchschnittliches Renditeziel der Fonds von über 20% im Bran­
chendurchschnitt. Die oberste Prämisse ist die Orientierung auf die Wertsteige­
rungsmöglichkeiten des Unternehmens durch Innovation und Wachstum.

102.2.3  Finanzierungsrisiken

Venture Capital Gesellschaften übernehmen dabei besonders im Bereich der Life


Science Unternehmungen hohe Risiken. Geschäftsbezogene Risikofaktoren wie
unerwartet hohe Entwicklungs- und Forschungskosten sowie möglicherweise not­
wendige Nachfinanzierungen erhöhen das Risiko einer Beteiligung an technolo­
gieorientierten jungen Unternehmen. Ebenso können unerwartet lange klinische
Testphasen des eigenen Produktes oder langwierige Auseinandersetzungen mit den
Zulassungsbehörden dem Konkurrenzprodukt möglicherweise genau den entschei­
denden zeitlichen Vorsprung geben, um sich als Standard am Markt zu etablieren.
102.2  Beteiligungsfinanzierung im Life Science Bereich 2345

Cashflow
Frühphasenfinanzierung Abschlussfinanzierung
(Early Stage) (Later Stage)

Seed Start up First Stage Expansion Stage Divesting Stage

+
-
Zeit

Gründermittel Private Equity Bridge Financing


Venture Capital Bankkredite
Business Angels Mezzanine Capital Emission von Aktien

Abb. 102.3  Finanzierungsphasen eines Unternehmens im Zeitablauf: Die Frühphasenfinanzie­


rung ist aus Sicht einer Beteiligungsgesellschaft die risikoreichste, aber gleichzeitig auch chan­
cenreichste Investitionsphase. Das Risiko resultiert aus der vergleichsweise stärkeren zeitlichen
Verzögerung der zu erwartenden Cashflows. Bei erfolgreicher Marktetablierung eines Produktes
profitiert der Fonds dagegen von hohen Kapitalrenditen in der Expansionsphase

102.2.4  Finanzierungszyklen eines Unternehmens

Eine Dimension, mit der Beteiligungsgesellschaften das Risiko ihres Portfolios


steuern können, ist der Zeitpunkt ihrer Investition. VC-Gesellschaften können in
verschiedenen Lebenszyklusphasen eines Unternehmens eine Beteiligung eingehen.
Entsprechend der natürlichen Entwicklung eines Unternehmens lassen sich fünf un­
terschiedliche Finanzierungsphasen ableiten, anhand derer der unterschiedlich star­
ke Kapitalbedarf junger Unternehmen im Zeitverlauf beschrieben werden kann.
Definitionen zur Abbildung 102.3:
Cashflow Auch Kapitalflussrechnung oder Selbstfinanzierungskraft ge­
nannt, ist eine wirtschaftliche Kennzahl, mit deren Hilfe man
die Zahlungskraft eines Unternehmens beurteilt. Der Cash­
flow ist der reine Einzahlungsüberschuss, die ausschließlich
auf eine Periode bezogene Differenz zwischen Einzahlungen
und Auszahlungen.
Bridge Financing Auch Überbrückungsfinanzierung genannt, bezeichnet die
Bereitstellung finanzieller Mittel zur Vorbereitung des Bör­
sengangs eines Unternehmens.
Business Angels Sind erfahrene Unternehmer mit langjähriger Berufs- und
Branchenerfahrung. Mit ihrem Kapital, Know-how und
Kontakten unterstützen sie junge Unternehmen, zumeist in
Phasen, in denen es für VC-Gesellschaften zu früh ist.
2346 S. Moss, C. Beermann

Mezzanine Capital Ein sehr flexibles Finanzierungsinstrument, welches bilanzi­


ell zwischen Eigen- und Fremdkapital steht. Vorteile dieser
Finanzierung sind, dass die Eigenkapitalstruktur eines Un­
ternehmens nicht geschwächt wird und die Entscheidungs­
rechte bei dem Unternehmer bleiben.
Exit Beendigung eines Beteiligungsverhältnisses durch Anteils­
verkauf in der Divesting Stage.
Die Frühphasenfinanzierung, oder auch Early Stage, umfasst die Unternehmens­
phasen Seed und Start up, sie ist die unternehmerisch risikoreichste aber gleichzeitig
auch chancenreichste Investitionsphase. Die Finanzierung von technologieorientier­
ten Unternehmen durch Beteiligungskapital ist in diesem Stadium eine zentrale Vor­
aussetzung für den Technologietransfer aus der Forschung und Entwicklung in die
Marktwirtschaft und somit sehr relevant für den Life Science Bereich. Die Seed Phase
betrifft die frühe Early Stage Phase zu Beginn des Lebenszyklus eines Unternehmens
in dem die Produktidee entwickelt wird. Häufig sind Unternehmensgründer in die­
ser Phase zunächst auf ihre eigenen Finanzierungsmittel beschränkt. Teilweise ergibt
sich auch eine erste finanzielle Unterstützung durch wohlhabende Privatpersonen mit
unternehmerischer Erfahrung, so genannte Business Angels. Aus eigenem Interesse
an Innovationen und technologischen Entwicklungen bringen sie Wissen, Kontakte
und Finanzmittel in ein junges Unternehmen. Im letzten Abschnitt der Frühfinan­
zierungsphase, der First Stage Phase, folgt nach der Aufnahme der Produktion die
Markteinführung. Auch in dieser Phase ist eine Verzerrung in dem Finanzierungszy­
klus eines Life Science Unternehmens erkennbar. Aufwändige klinische Prüfungen
können den Marktzutritt erheblich verzögern. Eine Besonderheit in der Frühphasen­
finanzierung von Life Science Unternehmen liegt in der zeitlichen Verzögerung des
zu erwartenden Cashflows. Etabliert sich eine Technologie oder ein biochemischer
Werkstoff jedoch über die First Stage hinweg als erfolgreiches Produkt am Markt, so
profitiert der Risikokapitalfonds von hohen Kapitalrenditen in der Expansionsphase.

102.2.5  Ablauf einer Beteiligungsfinanzierung

Für die Investitionsentscheidung eines Risikokapitalfonds stellt folglich die Pla­


nungsunsicherheit und Informationsasymmetrie ein zentrales Problem dar, vor al­
lem bei einer Early Stage Finanzierung im Life Science Bereich. Die Beteiligungs­
gesellschaften müssen das Potenzial und die Nachhaltigkeit medizinischer- oder
biotechnologischer Prozesse und Produkte vor ihrer Investition abschätzen. Sie
müssen jegliche Risiken gegen mögliche Chancen eines Investitionsprojektes ge­
geneinander abwägen. Der typische Ablauf einer Beteiligungsfinanzierung beginnt
aus diesem Grund mit der Erstellung eines Businessplans – der wichtigsten Grund­
lage für die Investitionsentscheidung von Risikokapitalgebern. Der Businessplan
beschreibt im Detail das unternehmerische Gesamtkonzept des Geschäftsvorhabens
und charakterisiert die Fähigkeiten des Management- und Forscherteams. Richtig
verfasst stellt er daher das Schlüsseldokument nicht nur für die Beurteilung, son­
102.2  Beteiligungsfinanzierung im Life Science Bereich 2347

dern auch für die Steuerung der Geschäftstätigkeit dar. Mit der Erstellung eines
Businessplanes haben besonders Gründer die Möglichkeit unter Beweis zu stellen,
dass sie die vielfältigen Aspekte einer Unternehmensgründung systematisch analy­
siert und aufgearbeitet haben. Professionelle Investoren legen hier besonders Wert
auf den Willen und die Durchsetzungskraft, die gemeinsam definierten Ziele zu er­
reichen. Daher spielt ein überzeugendes Team, das die im Businessplan gemachten
Aussagen auch verteidigen und umsetzten kann, meist die entscheidende Rolle. Der
Businessplan lässt sich in verschiedene inhaltliche Schwerpunkte unterteilen:
•• Executive Summary:
Kurze, prägnante Zusammenfassung und Beschreibung des Produktes, des Kun­
dennutzens, der Zielgruppe, des Erlösmodells, des Wettbewerbsvorteils, der
Kerngrößen der Finanzplanung, des erforderlichen Investitionsvolumens und
der erwarteten Cashflows.
•• Produkt- und Unternehmensidee:
Erläuterung des Produktes und seines Kundennutzens (möglichst quantifizieren)
und Hervorheben einzigartiger, innovativer Eigenschaften. Definition der Ziel­
gruppe, ihrer Bedürfnisse und eine detaillierte Erklärung des Erlösmodells.
•• Strategie und Geschäftsmodell:
Ableitung der Geschäftsstrategie aus den Kernkompetenzen. Erläuterung von
Timing, Zielmarkt und Penetrationsstrategie für den Markteintritt. Aufzeigen der
Wachstumsstrategie und der Flexibilität des Geschäftsmodells durch Strategie­
anpassungen.
•• Markt und Wettbewerb:
Zeigt Struktur, Größe und Wachstum des Marktes. Analyse des relevanten
Marktsegments, der wichtigsten Wettbewerber und der Kunden. Vergleich der
Positionierung und des Nutzens ähnlicher Produkte.
•• Marketing:
Aufklärung über Produktsortiment, Preisstrategie und -differenzierung, Steue­
rung und Organisation des Vertriebs sowie Vertriebskanäle. Klare Definition der
Kommunikationsziele.
•• Team und Organisation:
Definition der Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Nennen relevanter Er­
folge und Erfahrungen des Teams. Erläuterung der Organisationsstrukturen, er­
forderlicher und vorhandener Fähigkeiten und Kapazitäten, Personalbedarf im
Zeitablauf und Vergütung.
•• Finanzplanung:
Detaillierte Finanzplanung für die nächsten drei bis fünf Jahre mit Cash Flow
Betrachtung, Gewinn- und Verlustrechnung und Planbilanzen. Zusätzlich pes­
simistische, realistische und optimistische Szenarioanalysen, Sensitivitätsanaly­
sen und Ableitung der erforderlichen Investitionshöhe.
•• Chancen und Risiken:
Bewertung projekt- bzw. firmenspezifischer Risiken und Vorgabe von Notfall­
plänen. Aufzeigen zusätzlicher, nachhaltiger Wachstumspotenziale jenseits des
anfänglichen Fokus und Nennung möglicher strategischer Allianzen.
2348 S. Moss, C. Beermann

Kapitalsuchendes Unternehmen erstellt einen


Businessplan

Kriterien zur Auswahl der optimalen VC-Gesellschaft


sowie Initiierung des Erstkontaktes

Prüfung des Businessplanes


(Erstanalyse und Potenzialbewertung)

Vertragsverhandlungen und Unterzeichnung eines


Letter of Intent
(Absichtserklärung)

Detaillierte Unternehmensanalyse durch Due Diligence


und eventuelle Nachverhandlungen

Vertragsabschluss nach Genehmigung


durch die Managementgesellschaft des VC-Fonds

Exit des Risikokapitalgebers durch einen Börsengang oder den Verkauf

Abb. 102.4  Typischer Ablauf einer Beteiligungsfinanzierung: Bei einer positiven Beurteilung eines
vom Unternehmen vorgelegten Businessplanes werden die Voraussetzungen und Konditionen der
Finanzierung in einem Letter of Intent festgehalten. Im Anschluss an diese Absichtserklärung wird
dem Investor ein umfassender Einblick in das Unternehmen im Rahmen einer Due Diligence gege­
ben. Modifiziert nach [1]

Der zweite Schritt im typischen Ablauf einer Venture Capital Finanzierung ist
der Erstkontakt mit den potenziellen Risikokapitalgebern. Der Businessplan wird
interessierten Beteiligungsgesellschaften übergeben. Bei einer ersten positiven
Beurteilung seitens der Kapitalgeber werden die Grundsatzbedingungen wie die
Grundsätze der Unternehmensbewertung, Garantien und Gewährleistungen, Zeit­
punkt der Finanzmittelbereitstellung, Zeit- und Aktionsplan, Zusatzvereinbarungen
sowie die weitere Kooperation mit dem Risikokapitalinvestor festgelegt. Festge­
halten werden diese Vereinbarungen in einem Letter of Intent. Dieser bildet die
102.3  Venture Capital im Bereich der Life Sciences 2349

grundsätzliche Beteiligungsbereitschaft beider Seiten vor dem Hintergrund der


wichtigsten Eckdaten ab.
Erst im Anschluss an die Verfassung dieser Absichtserklärung wird in der Regel
die Due Diligence durchgeführt. Durch die Due Diligence soll der Beteiligungs­
gesellschaft ein umfassenderes Bild über das Unternehmen gegeben werden. Ziel
ist die Gewährleistung einer hervorragenden Entscheidungsqualität bezüglich der
Risikofaktoren und Chancen des Kapitalsuchenden Unternehmens durch die Bereit­
stellung aller verfügbaren und relevanten Informationen. Das Ergebnis einer Due
Diligence Prüfung ist der Gesamtbericht der Beteiligungsgesellschaft, ein Informa­
tionsmemorandum, auf dem nach eingehender Prüfung durch die Managementge­
sellschaft des VC-Fonds der Beschluss einer Beteiligung beruht.
Als Exit-Varianten stehen Beteiligungsgesellschaften generell fünf Möglichkei­
ten zur Verfügung. Durch einen Börsengang, den Verkauf an einen strategischen
Investor oder den Verkauf an einen weiteren Finanzinvestor lassen sich allerdings
höhere Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielen als durch einen Wiederverkauf
an die Eigentümer oder eine Liquidation des Unternehmens.

102.3  Venture Capital im Bereich der Life Sciences102.3

102.3.1  Traditionelle Investitionsschwerpunkte

Für VC-Gesellschaften sind Unternehmungen der Bereiche Medizintechnik und der


Biotechnologie, zusammen unter dem Begriff der Life Sciences bekannt, traditio­
nelle Investitionsschwerpunkte. Allerdings ist in den letzten Jahren festzustellen,
dass auch weniger technologieorientierte Branchen verstärkt Beteiligungskapital
als Finanzierung nutzen. Durch die aktuell sehr breite Streuung der Beteiligungen
lässt sich heute bezüglich des Investitionsvolumens keine dominante Branche mehr
erkennen. Fast 3,6 Mrd. Euro investierten deutsche Beteiligungsgesellschaften in­
nerhalb des Jahres 2006 in etwa 970 Unternehmen, wobei das Investitionsvolumen
in Medizintechnikunternehmen erstmals die Investitionen in die Biotechnologie
überstieg. Im Jahr 2006 flossen 7,1% (255 Mio. Euro) der gesamtdeutschen Venture
Capital Investitionen in Biotechnologieunternehmen und bereits 9,3% (334 Mio.
Euro) in den Bereich der Medizintechnik.
Eine generelle Öffnung deutscher Unternehmen für Beteiligungsgesellschaften
und die Suche nach Alternativen zu Bankkrediten haben den Wettbewerb um Fi­
nanzierungsmittel dennoch gestärkt und erhöhen zurzeit besonders den Druck auf
junge Unternehmen. Großteile des Beteiligungskapitals fließen zudem in das Aus­
land. Nur etwa ein Drittel der im Jahr 2006 in Biotechnologie investierten 334 Mio.
flossen beispielsweise in deutsche Unternehmen. Ausländischen Life Science Un­
ternehmen werden eine höhere Reife, stärkeres Potenzial und allgemein bessere
Entwicklungschancen zugesprochen. Darüber hinaus erwarten Beteiligungsgesell­
schaften im Ausland liberalere juristische und finanzielle Rahmenbedingungen.
2350 S. Moss, C. Beermann

IT / Computer
14,1%

Biotechnologie
Sonstige
34,6% 7,1%

Medizin
100% 3,6 Mrd. 9,3%

Kommunikations
technologie
5,5%
Maschinen /
Anlagenbau Handel u.
10,2% Energie / Elektro / Konsumgüter
Umwelttechnik 12,0%
7,2%

Abb. 102.5  Aufteilung der getätigten Venture Capital Beteiligungen nach Branchen 2006: Für VC-
Gesellschaften sind Unternehmen des Life Science Bereichs traditionelle Investitionsschwerpunkte.
Im Jahr 2006 flossen ca. 255 Mio. Euro in Biotechnologieunternehmen und rund 334 Mio. Euro in
den Bereich der Medizintechnik. Modifiziert nach [3]

102.3.2  Fördernahe Beteiligungsgesellschaften und Gründerfonds

Auch fördernahe mittelständische Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer


(MBGs), welche als Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft gegründet wurden,
bieten trotz des Risikos von technologieorientierten Unternehmen Eigenkapital­
be­teiligungen als Finanzierungsquelle an. Durch ihre Refinanzierung über das
ERP-Beteiligungsprogramm des Bundes können sie sogar auch kleine Unterneh­
mensbeteiligungen mit lediglich moderatem Wachstum eingehen, welche für stark
renditeorientierte Fonds nicht wirtschaftlich wären. Das ERP-Beteiligungspro­
gramm der KfW-Mittelstandsbank soll Kapitalbeteiligungsgesellschaften durch das
Angebot von Refinanzierungskrediten zu mehr Beteiligungen an mittelständischen
Unternehmen anreizen.
Neben den mittelständischen Beteiligungsgesellschaften mit Förderauftrag wur­
den in Deutschland attraktive Rahmenbedingungen für die Aufnahme von Venture
Capital durch junge Unternehmen geschaffen. Besonders erwähnenswert für junge
Unternehmen sind hier der ERP-Startfonds der KfW, ein Co-Investor in Hightech-
Unternehmen, und der High-Tech Gründerfonds. Der Schwerpunkt des High-Tech
Gründerfonds liegt in der Finanzierung der Gründungsphase, in der ein Produkt­
konzept erarbeitet sowie das betriebswirtschaftliche Fundament der Unternehmung
erarbeitet werden muss.
102.3  Venture Capital im Bereich der Life Sciences 2351

Übrige
15,2% Medizin
26,5%
Elektrotechnik
5,6%

Kommunikations-
technologie
12,3%

Biotechnologie Computer/ IT
16,7% 23,7%

Abb. 102.6  Anteile der Venture Capital Finanzierungen im Early Stage Bereich nach Branchen: In
der Early Stage Phase konzentrieren sich Beteiligungsgesellschaften zunehmend auf die Bereiche
Medizintechnik und Biotechnologie. In diesem Stadium ist die Beteiligungsfinanzierung zentrale
Voraussetzung für den Technologietransfer aus der Forschung in die Marktwirtschaft. Modifiziert
nach [4]

102.3.3  Early Stage Investitionen

Aufgrund der zeitlichen Cashflow Verschiebungen bei Finanzierungen von Life


Science Unternehmungen in der Frühphase bevorzugen Beteiligungsgesellschaften
weniger riskante Expansionsfinanzierungen in bereits gewachsenen Unternehmen.
Noch im Jahr 2005 wurden lediglich 3% aller Beteiligungen Unternehmen in der
Gründungsphase zuteil. Ein zentrales Problem im Zuge der Konsolidierung der Be­
teiligungsbranche über die letzten Jahre war genau diese Konzentration der VC-Ge­
sellschaften auf reifere Unternehmen mit fortgeschrittenen Produktentwicklungen,
denn speziell die Medizintechnik- und Biotechnologieunternehmen sind auf starke
finanzielle Unterstützung in der Early Stage Phase angewiesen.
Seit dem Jahr 2006 zeichnet sich ein gegensätzlicher Trend ab. Der Anteil der
Beteiligungen in Gründungsunternehmen durch Risikokapitalfonds hat sich auf
23% erhöht. Zudem wurden 79,2% der erfassten Early Stage Investitionen im Jahr
2006 in den Branchen Telekommunikations- und Informationstechnologie, Bio­
technologie und Medizin getätigt.
Verglichen mit den Investitionsanteilen des Vorjahres (75%) hat die Konzentra­
tion auf Technologieunternehmen in der Frühphasenfinanzierung weiter zugenom­
men. In der Early Stage Phase liegt das Augenmerk der Investoren heute zunehmend
auf technologieorientierten Unternehmen. Den Spitzenplatz bei den Mittelzuflüssen
in der Early Stage belegt erstmals in dem Jahr 2006 der Bereich Medizin mit einem
Anteil von 26,5%, gefolgt von der Informationstechnologie mit 23,7% und der Bio­
technologie mit 16,7%. Im medizinischen Sektor sind dabei deutliche Beteiligungs­
zuwächse in Pharmazie-Unternehmen dominant.
2352 S. Moss, C. Beermann

Orthopädie
Weiße
Herz- und Gefäß- Biotechnologie
medizin
Agrar-Bio-
Zahnmedizin technologie

Nano-
Augenheilkunde Medizin- Angewandte technologie
technik Technologien

Diagnostik Arznei-
mittel
Molekulare
Wirkstofffreisetzung
Diagnostik

Bildgebene
Verfahren Medikamentenentwicklung
Individuelle
Patienten-
tests

Abb. 102.7  Der SHS III Fonds mit dem Investitionsfokus Life Sciences/Health Care [5]

102.3.4  Finanzierungskriterien der Beteiligungsgesellschaften

Inwieweit eine Beteiligungsgesellschaft sich für die Finanzierung einer Unterneh­


mensgründung entscheidet, ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Allgemein
wird der deutsche Beteiligungsmarkt als sehr heterogen charakterisiert, daher ist
es für ein Kapitalsuchendes Life Science Unternehmen umso wichtiger, die Finan­
zierungskriterien der Beteiligungsgesellschaften mit einem Investitionsfokus auf
Life Science Unternehmen zu kennen. Für die Auswahl anzusprechender VC-Ge­
sellschaften sind sowohl die Branchenzugehörigkeit, der Finanzierungsanlass, die
(geplante) Umsatzgröße bzw. das Marktvolumen und der angestrebte Marktanteil
als auch das benötigte Investitionsvolumen sinnvolle Kriterien. Trotz der Hetero­
genität der Investitionsstrategien der VC-Gesellschaften lassen sich individuell für
jede Branche Parallelen in den Anforderungen an das Kapitalsuchende Unterneh­
men beobachten, so auch im Life Science Sektor.
Um einen Einblick in die speziellen Finanzierungsanforderungen an Unterneh­
men der Life Science Branche zu erhalten, können exemplarisch die Beteiligungs­
gesellschaften SHS und PolyTechnos betrachtet werden.
102.3  Venture Capital im Bereich der Life Sciences 2353

SHS investiert in junge, stark wachsende Unternehmen aus den Branchen Life
Science (Diagnostik, Medizintechnik) und Health Care (pharmazeutische Entwick­
lung). Finanziert werden sowohl Firmengründungen als auch Expansionen. Das
Investitionsvolumen in der ersten Finanzierungsrunde ist individuell abhängig von
den Charakteristika des Unternehmens und liegt bei 3–5 Mio. Euro.
Die PolyTechnos Venture-Partners ist ebenfalls eine unabhängige europäische
VC-Gesellschaft mit einem Investitionsfokus auf die Bereiche der Informations-
und Kommunikationstechnologie und der Life Sciences. Verstärktes Interesse hat
PolyTechnos dabei an technologischen Entwicklungen an den Schnittstellen beider
Branchen. Mit einem derzeitigen gesamten Fondsvolumen von rund 200 Mio. Euro
finanziert sie hauptsächlich Unternehmen in den Lebenszyklen der Früh- bis Ex­
pansionsphase. In einer ersten Finanzierungsrunde investiert der Fonds zwischen
1–5  Mio. Euro des maximalen Gesamtvolumens von 15 Mio. Euro pro Beteili­
gung.
Für beide Beteiligungsgesellschaften ist die Grundvoraussetzung für eine Inves­
tition ein bereits marktreifes Produkt, mindestens aber ein voll entwickelter Proto­
typ und klinische Prüfungen. Optimalerweise generiert das Produkt hohen zusätz­
lichen Kundennutzen und kann auf einem innovationsgetriebenen Markt mit einem
Potenzial von mindestens 250 Mio. Euro vertrieben werden. Ein zu erwartendes
Marktwachstum von mehr als 5% ist für die VC-Gesellschaften ein weiteres Inves­
titionskriterium. Die Markt- und Produktvorteile müssen gemeinsam ein schnelles
Umsatzwachstum erlauben und zeitnah, innerhalb von zwei bis drei Jahren, positive
Cashflows generieren können, damit eine Beteiligungsgesellschaft das Risiko einer
Life Science Investition eingeht.
Darüber hinaus fordern VC-Gesellschaften ein produkt- und technologieseitig
herausragend besetztes Management, möglichst mit Branchenerfahrung. Dabei le­
gen sie besonderen Wert auf ein gemischtes Team mit komplementären Fähigkei­
ten. Auch bei Gründungsfinanzierungen ist die Kompetenz des Gründerteams ein
zentraler Entscheidungsfaktor neben dem Produkt.

102.3.5  Beispiele erfolgreicher Unternehmensgründungen


im Bereich der Life Sciences

Zwei Beispiele für sehr erfolgreiche Beteiligungsfinanzierungen sind das Biotech­


nologieunternehmen Qiagen N.V. und die BrainLAB AG aus dem Bereich der Me­
dizintechnik. Qiagen, gegründet 1984 von Wissenschaftlern der Universität Düs­
seldorf, hat sich auf die Isolierung und Reinigung von Nukleinsäuren spezialisiert
und ist heute mit einer Marktkapitalisierung von 1,5 Mrd. Euro einer der führenden
Anbieter von Probenvorbereitungs- und Testtechnologien für die Forschung in Life
Sciences. Mit rund 500 Produkten verfügt Qiagen über das mit Abstand breiteste
Portfolio an molekularen Testtechnologien, welche in 42 Ländern der Welt ver­
trieben werden. Das Unternehmen besitzt mehr als 1000 Patente und wächst stetig
2354 S. Moss, C. Beermann

durch strategische Akquisitionen, wie die jüngste Übernahme der kalifornischen


eGene Incorporation. Heute zählt die Qiagen N.V. 16 Tochtergesellschaften und
beschäftigt 2000 Mitarbeiter.
Der Gründer der BrainLAB AG, Stefan Vilsmeier, wurde 2002 von Ernst &
Young zum „World Entrepreneur of the Year“ ernannt. Das Startkapital von damals
150.000 DM hat Stefan Vilsmeier mit einem Fachbuch über die Konstruktion von
3-D-Objekten selbst verdient. Das Wiener Universitätsklinikum zeigte Interesse an
der Veröffentlichung und unterstützte Vilsmeier bei der Unternehmensgründung.
Heute ist BrainLAB weltweiter Technologieführer in der Entwicklung von Hard­
ware- und Softwaresystemen für das bildgesteuerte Operieren sowie die Strahlen­
therapie. Im Jahr 1989 gegründet, ist BrainLAB mit Sitz in München zurzeit in 15
Niederlassungen weltweit tätig und generierte im Jahr 2006 Umsätze in Höhe von
154 Mio. Euro.

102.4  Ausblick102.4

Mit einem Anteil von 10,6 % am Bruttoinlandsprodukt ist die Gesundheitswirtschaft


bereits heute einer der größten Teilmärkte der deutschen Volkswirtschaft. Die Ge­
sundheitsausgaben im Bereich Medizintechnologie beliefen sich im Jahr 2004 allein
in Deutschland auf über 20 Mrd. Euro. In mehr als 11.000 Unternehmen arbeiten
derzeit etwa 150.000 Menschen in der deutschen Medizintechnikbranche. Weltweit
gilt der Medizintechnologiemarkt mit einem Volumen von ca. 200 Mrd. Euro als
Wachstumsmarkt mit überdurchschnittlicher Innovationskraft. Nicht zuletzt auf­
grund der im Vergleich zum Pharmabereich kürzeren Produktzyklen führt nach An­
gaben des Europäischen Patentamtes in München die Medizintechnik die Liste der
angemeldeten Innovationen mit 14.700 europäischen Patenten an. Die Unternehmen
erzielen mehr als die Hälfte des Umsatzes mit weniger als drei Jahre alten Produk­
ten und ihre durchschnittlichen Investitionen in die Forschung und Entwicklung in
Höhe von 7% der Umsätze übersteigen selbst die der innovativen Chemiebranche.
Bevor Medizinprodukte die Marktzulassung erhalten, müssen sie in Deutschland
und Österreich staatlich regulierte und im Medizinproduktgesetz kodifizierte tech­
nische Zulassungsprozesse durchlaufen. Auch der erfolgreichen Etablierung von
Arzneimitteln gehen kostenintensive klinische Tests voraus, um den Anforderungen
des deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), der
Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMEA) bzw. denen der amerikanischen Food
and Drug Administration (FDA) gerecht zu werden.
Der entscheidende Wettbewerbsvorteil deutscher Medizintechnikunternehmen
gegenüber der weltweiten Konkurrenz sind aus diesem Grund gerade die sehr
viel kürzeren Zulassungszeiten und geringeren Kosten der klinischen Forschung.
Die Entwicklung einer Idee bis zur Marktreife verursacht in den USA fast zehn­
mal höhere Kosten als in Deutschland. Der Standort Deutschland ist zudem in der
Entwicklung zukunftsträchtiger innovativer Produkte durch eine große Anzahl gut
102.4  Ausblick 2355

ausgebildeter Ärzte, Forscher und Ingenieure und durch den hohen Standard der
klinischen Forschung mehr als wettbewerbsfähig.
Mit den Innovationen der Medizintechnik als Wachstumstreiber des Gesund­
heitsmarktes ergab sich in Deutschland ein Marktwachstum von 4%. Den welt­
weiten Markt für Medizintechnologie zeichnet seit dem Jahr 2000 ein jährliches
Wachstum von 6% aus, von dem auch die exportstarken deutschen Medizintech­
nikunternehmen profitieren. Überdies wird erwartet, dass die Effekte der Globali­
sierung auf die weltweite Einkommensverteilung, besonders im Hinblick auf die
Märkte Indiens, Chinas und Brasiliens, eine zunehmend höhere private Nachfrage
nach Gesundheitsleistungen in diesen Ländern bewirken werden.
2356 S. Moss, C. Beermann

102.5  Literatur102.5

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