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BIZ – Hitlers Kriegsbank: Wie US-Investmentbanken

den Weltkrieg der Nazis finanzierten und das globale


Finanzsystem vorbereiteten
19. November 2014 aikos2309

Glücklicherweise hat der Schweizer Rotpunktverlag jetzt Adam LeBors »Tower of Basel« –
erschienen 2013 in New York – auf deutsch herausgebracht. Es geht um die der Öffentlichkeit
bis heute kaum bekannte Zentralbank der Zentralbanken, genannt Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich (BIZ), englisch Bank for International Settlements (BIS). Sie hat ihren Sitz
in Basel und ist befreit vom Schweizer und internationalen Recht.

Sie und die heute etwa 600 Beschäftigten im 18stöckigen Hochhaus am Basler Bahnhof
brauchen keine Steuern zu zahlen, genießen Straffreiheit, können per Diplomatenpost mit den
60 Mitgliedszentralbanken aller Welt verkehren, und Schweizer Behörden müssen sich brav
anmelden, wenn sie reinwollen (was sie nie tun).

Gegründet wurde die Bank 1930 von US-Investmentbanken wie JP Morgan sowie
japanischen Privatbanken zusammen mit den Zentralbanken Großbritanniens, Deutschlands,
Frankreichs und Belgiens. Ziel war die Abwicklung der Kredite, die vor allem Wall Street in
den 1920er Jahren dem Deutschen Reich gewährt hatte (Dawes- und Young-Plan). Damit
hatten die USA Frankreich gezwungen, die Schuldentilgung zu verlängern. Deutschland sollte
nicht wirtschaftlich ausgeblutet, sondern mit Hilfe der Kredite aufgebaut, die Tilgung auf
mehrere Jahrzehnte gestreckt werden.

Der eigentliche Sinn war die Öffnung Deutschlands für US-Investitionen, was Ford, General
Motors, IBM, ITT und andere nutzten. Die IG Farben und Standard Oil bildeten weltweit
funktionierende Kartelle. Die US-Chemiefirma Alkasso baute ihre Kooperation mit Solvay
(Belgien) und ICI (England) aus. Als BIS-Präsidenten agierten meistens Wall-Street-Banker,
insbesondere, von 1940 bis 1947, Thomas McKittrick. Die BIS betrachtete sich als
unabhängig von politischer Kontrolle und nur den Finanzgesetzen verpflichtet. Freilich diente
sie praktisch den damals mächtigsten Kapitalinteressen. Die Sowjetunion blieb
ausgeschlossen.

Die BIS wurde zu Hitlers Weltkriegsbank. Zum Beispiel wusch sie Raubgold, das die
Wehrmacht aus den Zentralbanken der besetzten Staaten holte. Sie tauschte das Gold in die
Devisen, die das Naziregime für den Kauf kriegswichtiger Güter in den »neutralen« Staaten
brauchte: Stahl, Kugellager und Kohle aus Schweden, Wolfram (zur Stahlhärtung) aus
Portugal, Rindfleisch aus Argentinien, US-Flugbenzin usw. Die BIS lenkte
Arisierungsgewinne, die sich auf den Pariser Konten der Chase National Bank (Rockefeller)
und JP Morgan ansammelten, zur Reichsbank. Die an der BIS beteiligten Privat- und
Nationalbanken finanzierten die für das Deutsche Reich wichtigen Warenflüsse des Zweiten
Weltkrieges und schöpften daraus Gewinne ab.

Eine bestimmende Rolle spielte neben McKittrick der Präsident der britischen Nationalbank,
Montagu Norman. Die Banker der kapitalistischen Gegner des Naziregimes – USA,
Großbritannien, Frankreich – kollaborierten also eng mit dem Kapitalismus in Deutschland
und ermöglichten Hitler überhaupt erst die teure Kriegsführung. Das gemeinsame Ziel war:
Kriegsgewinne und Vernichtung der Sowjetunion.
Die Vertreter des NS-Regimes und der Deutschen Reichsbank besetzten gleichberechtigt
Posten als Direktoren und Mitglieder des Aufsichtsrats, so Reichsbankpräsident Hjalmar
Schacht, Reichsbankvizepräsident Emil Puhl und der Kölner Privatbankier Kurt Freiherr von
Schröder, der in seiner Bank J. H. Stein das Sonderkonto der deutschen Industrie für die SS
verwaltete und enge Beziehungen zu Londoner und New Yorker Banken hatte.

Für die Zeit nach dem Krieg wurde in Bretton Woods 1944 vorgeschlagen, die BIS zu
schließen, aber die USA und Großbritannien verhinderten das. Man ließ die BIS bestehen und
gründete nach ihrem Muster Weltbank und Internationalen Währungsfonds (IWF). McKittrick
wurde Chef der Chase National in New York. Der Schwede Per Jacobssen, von 1931 bis 1956
ökonomischer Chefberater der BIS, wurde Chef des IWF. Karl Blessing, BIS-Mitarbeiter,
wurde 1958 erster Präsident der westdeutschen Bundesbank.

Die Nazikollaborateure der BIS, die stolz waren, im Krieg internationale Finanz-transaktionen
modernisiert zu haben, wurden mit deren Fortsetzung beauftragt: Zuerst waren das die
Umsetzung des Marshall-Plans und die Koordination der Europäischen Währungsschlange,
dann die Vorbereitung des Euro und der Europäischen Zentralbank EZB sowie die Banken-
und Versicherungsregulierung (Abkommen Basel I, II und III).

Auch heute treffen sich in Basel, unbemerkt von Öffentlichkeit und Globalisierungs-kritikern,
regelmäßig die Chefs der wichtigsten Zentralbanken. Da geht es um so diskrete Themen wie
die »Beobachtung« der Finanzoasen und der »Schatten«banken im Auftrag der G7/G8.

»Es gibt gute Gründe, die ganze Geschichte der BIZ zu erzählen, und LeBor leistet mit seinen
gründlichen Recherchen ganze Arbeit. Das Buch ist ein Lehrstück über die Amoral in der
Finanzwelt.«

The New York Times Book Review

Die Geschichte der BIZ, packend erzählt

Die unauffälligste Bank der Welt ist gleichzeitig die wichtigste: Die Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich (BIZ), gleich neben dem Basler Bahnhof gelegen, ist nur den wenigsten
ein Begriff, und doch steht sie seit ihrer Gründung 1930 im Mittelpunkt des globalen
Finanzsystems. Als Bank der Zentralbanken koordiniert sie die Geldpolitik der wichtigsten
Wirtschaftsmächte, verwaltet deren Währungsreserven und prägt die globale
Finanzarchitektur.

Doch der Institution fehlt jegliche Rechenschaftspflicht: Sie unterliegt nicht der
schweizerischen Rechtsprechung und wird durch einen internationalen Vertrag geschützt. Die
Diskussionen, die sie führt, sind geheim, und ihre Einlagen sind vor dem staatlichen Zugriff
sicher.

Adam LeBor zeichnet die Geschichte der BIZ detailliert nach, von ihrer zweifelhaften Rolle
während des Zweiten Weltkriegs, als sie von den Nazis Raubgold entgegennahm, bis zu ihrer
zentralen Funktion beim europäischen Einigungsprojekt – und wirft dabei Fragen auf: zur
Transparenz des Finanzsystems und zur Art und Weise, wie in unseren Demokratien Macht
ausgeübt wird.