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ärztliche Meldepflicht von Piercings

und Tattoos
Am morgigen 1. Juli tritt die Pflegereform[1] in Kraft. Ein Unterpunkt
dieses Reformpakets verpflichtet die Ärzte, Patienten mit bestimmten
"selbstverschuldeten Krankheiten" der zuständigen Krankenkasse zu
melden. Datenschützer kritisieren diese Regelung als
Piercing-Petz-Paragraf und Aushöhlung der ärztlichen Schweigepflicht.

Mit der lange Zeit umstrittenen Pflegereform werden Ärzte dazu


verpflichtet, Behandlungen von Patienten zu melden, die nach
durchgeführten Piercings, Schönheitsoperationen oder Tätowierungen
durch diese Eingriffe in den Körper krank geworden sind. Auf diese
bereits im vergangenen Jahr kritisierte Regelung[2] macht nun noch
einmal die Deutsche Vereinigung für Datenschutz mit einer
Mitteilung[3] aufmerksam. In ihr verurteilt Sören Jungjohann, Jurist
und Vorstandsmitglied der Datenschutzvereinigung, den
"Petz-Paragrafen", der besonders Menschen mit geringem Einkommen
belaste. "Die ärztliche Schweigepflicht ist seit mehr als 2000 Jahren
eine der Grundlagen einer erfolgreichen medizinischen Behandlung."
Ihre Abschaffung gefährde die Gesundheit der Menschen.

Den datenschutzrechtlichen Bedenken begegnet man im


Bundesgesundheitsministerium mit Gelassenheit und dem Verweis auf eine
jüngst veröffentlichte Studie der britischen Health Protection
Agency[4]. Nach dieser repräsentativen Studie unter 10.503 Befragten
haben rund 10 Prozent (1049 Personen) der Briten ein Piercing oder
eine Tätowierung. Ein Viertel dieser Personen klagte über Probleme
nach den Eingriffen, wobei die Gruppe der 16 bis 24-Jährigen besonders
hervorstach. 15 Prozent der jungen Leute benötigten ärztliche Hilfe,
ein Prozent musste gar die Notaufnahme besuchen oder wurde vom Arzt in
ein Krankenhaus eingewiesen. Komplikationen ergaben sich nach der von
der Londoner Fachschule für Hygiene und Tropenmedizin durchgeführten
Studie vor allem dann, wenn Piercings von Nicht-Spezialisten im
Zungen- und Genitalbereich durchgeführt wurden. Jeder zweite "selbst
durchgeführte" Versuch eines Genitalpiercing benötigte am Ende
professionelle Hilfe durch einen Arzt oder Apotheker. Die Gesamtkosten
dieser Unfälle für das britische Gesundheitswesen wurden in der Studie
nicht ausgewiesen. (Detlef Borchers) /
(jk[5]/c't)

URL dieses Artikels: http://www.heise.de/newsticker/meldung/110217

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[1] http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2008/03/2008-03-14-reform-der-
flegeversicherung.html
[2] http://www.heise.de/newsticker/Datensammlungen-der-Krankenkassen-erneut-in-der-
iskussion--/meldung/97006
[3] http://www.datenschutzverein.de/Pressemitteilungen/2008_tatoomelde.pdf
[4] http://www.hpa.org.uk/webw/HPAweb&HPAwebStandard/HPAweb_C/1213343081865?
p=1204186170287
[5] mailto:jk@ct.heise.de