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Empfehlung des Umweltbundesamtes

Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch -
Gesundheitsschutz 2005 · 49:693–696 Empfehlung des Umweltbundes-
DOI 10.1007/s00103-006-1294-8
© Springer Medizin Verlag 2006 amtes nach Anhörung der
Trinkwasserkommission des Bundes-
ministeriums für Gesundheit
Hygienisch-mikrobiologische Untersuchung im
Kaltwasser von Wasserversorgungsanlagen nach
§ 3 Nr. 2 Buchstabe c TrinkwV 2001, aus denen
Wasser für die Öffentlichkeit im Sinne des § 18
Abs. 1 TrinkwV 2001 bereitgestellt wird

1. Einleitung und Problemstellung In Anlage 2 Teil II TrinkwV 2001 sind Mikrobiologische Parameter, die in der
jedoch nur chemische Parameter aufge- TrinkwV 2001 in Anlage 1 zu § 5 Abs. 2
Entsprechend § 19 Abs. 7 TrinkwV 2001 [1] führt, deren Konzentration im Vertei- und 3 bzw. Anlage 3 zu § 7 bzw. § 20 Abs. 1
hat das Gesundheitsamt im Rahmen der lungsnetz einschließlich der Hausinstalla- Nr. 4.a genannt sind, sind u. a.:
Überwachung bei Wasserversorgungsanla- tion ansteigen kann.
gen nach § 3 Nr. 2 Buchstabe c, aus denen Auch die Konzentration hygienisch- F Koloniezahl bei 22°C bzw. 36°C,
Wasser für die Öffentlichkeit im Sinne des mikrobiologischer Parameter kann sich F coliforme Bakterien,
§ 18 Abs. 1 bereitgestellt wird, mindestens nach Eintritt in die Hausinstallation nach- F Pseudomonas aeruginosa.
diejenigen Parameter der Anlage 2 Teil II teilig verändern, insbesondere bei Nicht-
zu untersuchen oder untersuchen zu las- einhaltung der allgemein anerkannten Diese mikrobiologischen Parameter sind
sen, von denen anzunehmen ist, dass sie Regeln der Technik. Dies kann durch Ver- erfahrungsgemäß bei Untersuchungen in
sich in der Hausinstallation nachteilig gleich der mikrobiologischen Wasserqua- der Hausinstallation bedeutsam und als
verändern können. Zur Durchführung lität an der Übergabestelle und an peri- Untersuchungsparameter zu berücksichti-
richtet das Gesundheitsamt ein Überwa- pher gelegenen Entnahmestellen ermit- gen. Das Thema „Legionellen“ wird geson-
chungsprogramm auf der Grundlage ge- telt werden. Nachteilige Veränderungen dert in einer Empfehlung des Umweltbun-
eigneter stichprobenartiger Kontrollen der Trinkwasserqualität werden begüns- desamtes abgehandelt.
ein. In der amtlichen Begründung heißt tigt z. B. durch ungeeignete Rohrmateria-
es hierzu: „Diese Vorschrift ist im Hinblick lien, durch Membranausdehnungsgefäße, 1.2 Ziel der Empfehlung
auf die Forderung der Trinkwasserricht- aber auch durch für mikrobielles Wachs-
linie [2], dass die Anforderungen an Was- tum günstige Temperaturen, durch Stag- Ziel der Empfehlung des Umweltbundesam-
ser für den menschlichen Gebrauch auch in nation, ungeeignete Betriebsweise und tes nach Anhörung der Trinkwasserkom-
Hausinstallationssystemen, aus denen Was- im Zusammenhang mit Bauarbeiten. Bei mission ist es, den Gesundheitsämtern für
ser für die Öffentlichkeit bereitgestellt wird, unzureichender Betriebsweise der Haus- die Überwachung von Wasserversorgungs-
erfüllt sein müssen, aufgenommen worden. installation können sich an Innenwan- anlagen nach § 3 Nr. 2 Buchstabe c TrinkwV
Hier müssen aber nur solche Parameter un- dungen von bestimmten Materialien in- 2001, aus denen Wasser für die Öffentlich-
tersucht werden, die sich nach Eintritt in nerhalb von Tagen flächendeckende Bio- keit im Sinne des § 18 Abs. 1 bereitgestellt
die Hausinstallation – z. B. durch die vor- filme mit hohen Mikroorganismen-Kon- wird, Hinweise zur Einbeziehung bestimm-
handenen Rohrmaterialien – verändern zentrationen ausbilden. ter mikrobiologischer Parameter in die Un-
können. Dadurch werden Aufwand und Bei Vermehrung von Pseudomonas ae- tersuchung zu geben. Diese beziehen sich
Kosten dieser Untersuchungen so gering wie ruginosa, Legionellen oder von Mikroor- auf Entnahmestellen, Probennahme- und
möglich gehalten. Entsprechend den Anfor- ganismen der Gruppe der coliformen Bak- Untersuchungsverfahren, Überwachungs-
derungen der Trinkwasserrichtlinie reicht terien können hierdurch Gesundheitsrisi- frequenz sowie die Beurteilung und Bewer-
es aus, wenn geeignete stichprobenartige ken insbesondere für Personen mit Risiko- tung der Befunde in Abhängigkeit von den
Kontrollen durchgeführt werden.“ faktoren resultieren. jeweiligen Einrichtungen.

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2. Wasserversorgungsanlagen F die allgemeine Charakterisierung der me Bakterien wie Klebsiellen, Enterobac-


nach § 3 Nr. 2 Buchstabe c TrinkwV Wasserbeschaffenheit ohne direkte ter, Citrobacter und Serratia nicht zu to-
2001; Einrichtungen, aus denen Korrelation zum Vorkommen von ob- lerieren. Aber auch in den übrigen Berei-
Wasser für die Öffentlichkeit ligat-pathogenen Krankheitserregern chen ist das Auftreten von coliformen Bak-
bereitgestellt wird wie Legionellen, aber mit Erfassung ei- terien unerwünscht und sollte nicht län-
nes hohen Anteils von Mikroorganis- gerfristig geduldet werden. Auch colifor-
Hinsicht lich des Probenumfangs, der men, die fakultativ-pathogene Eigen- me Bakterien nicht-fäkalen Ursprungs wei-
Über wachungsfrequenz und der Bewer- schaften besitzen wie Pseudomonas sen auf eine unerwünschte Belastung des
tung ist es sinnvoll, zwischen unterschied- spezies, Acinetobacter spezies u. ä., Wassers hin. Vor allem bei nicht gechlorten
lichen Einrichtungen (in Anlehnung an F das Wiederverkeimungspotenzial in Systemen können ein erhöhtes Nährstoff-
§ 33 und § 36 IfSG) [3] zu differenzieren: Hausinstallationssystemen, angebot oder andere wachstumsbegünsti-
F Hinweise für das Vorkommen von gende Faktoren zu Biofilmbildung führen,
2.1 Krankenhäuser und Pflegeeinrich- Biofilmen im Hausinstallationssystem. die sich zunächst in einer Koloniezahlerhö-
tungen (Altenpflegeheime, Pflege- hung zeigt und später auch mit dem Auftre-
heime, Kinderkrippen) Mit der Koloniezahlbestimmung bei 22°C ten und Nachweis von coliformen Bakteri-
2.2 Einrichtungen für ambulantes Operie- werden in erster Linie autochthone Mikro- en einhergehen kann. Verschiedene Entero-
ren, Dialyseeinrichtungen, Tagesklini- organismen, mit der Koloniezahlbestim- bacter sp. neigen zur Biofilmbildung und
ken, Entbindungseinrichtungen, Ein- mung bei 36°C eher solche Mikroorganis- sind dann durch Desinfektionsmaßnah-
richtungen zur Rehabilitation men, die gegebenenfalls fakultativ-patho- men schwer unter Kontrolle zu bringen.
2.3 Schulen, Kindergärten gene Eigenschaften für den Menschen ha-
2.4 Hotels, Jugendherbergen ben können, erfasst. 3.3 Pseudomonas aeruginosa
2.5 Sonstige Ausbildungseinrichtungen, Faktoren, die die Erhöhung der Kolo-
Heime, Ferienlager u. ä. Einrichtungen niezahl beeinflussen, sind Pseudomonas aeruginosa kommt natür-
2.6 Sportstätten licherweise in aquatischen Biotopen vor
2.7 Weitere Gemeinschaftsunterkünfte F Stagnation in der Hausinstallation, und kann sich hier auch unter extrem nähr-
entsprechend § 36 IfSG F erhöhte Temperatur des stoffarmen Bedingungen vermehren. Pseu-
Kaltwassers, domonas aeruginosa wird sowohl in neu
In Einrichtungen, in denen Patienten be- F Verfügbarkeit von Nährsubstrat verlegten Rohrleitungssystemen wie in
handelt, untersucht und gepflegt werden, (z. B. aus Materialien), Hausinstallationssystemen, insbesondere
bestehen zusätzliche Infektionsrisiken F fehlende oder unzureichende im Endstrang sowie an Wasserentnahme-
bei Kontamination des Wassers mit fakul- Desinfektionskapazität, stellen (insbesondere mit Perlatoren u. ä.)
tativ pathogenen Mikroorganismen wie F Vorkommen von Biofilmen in aber auch in Warmwassersystemen (insbe-
Pseudomonas aeruginosa, weswegen die- wasserführenden Systemen. sondere an Duschköpfen) nachgewiesen.
se Bereiche besonders beachtet werden Pseudomonas aeruginosa wird durch
sollten. 3.2 Coliforme Bakterien E. coli, coliforme Bakterien bzw. Enterokok-
Für Zahnarztpraxen sowie Arztpraxen ken nicht indiziert und steht nur bedingt in
und Praxen sonstiger Heilberufe, in denen Coliforme Bakterien sind eine physiologi- Korrelation zu einer erhöhten Koloniezahl.
invasive Eingriffe vorgenommen werden, sche Gruppe innerhalb der Enterobacteria- Der Aufnahmepfad über das Trinken
sind besondere Empfehlungen der Kom- ceae, die derzeit nach den Nachweisverfah- (Magen-Darm-Trakt) gilt insbesondere
mission für Krankenhaushygiene und In- ren der TrinkwV 2001 durch Säurebildung bei gesunden und nicht mit Antibiotika
fektionsprävention des Robert Koch-Insti- bei der Laktosefermentation und durch ne- behandelten Personen nicht als relevanter
tutes (RKI) zu beachten. gative Oxidase-Reaktion oder Besitz des Expositionspfad.
Enzyms β-Galaktosidase definiert sind. Zu Durch Kontakt mit verletzter Haut,
3. Charakterisierung der einzelnen den coliformen Bakterien zählen außer der Schleimhaut sowie bei Reinigung der Ein-
hygienisch-mikrobiologischen Gattung Escherichia vor allem die Gattun- trittsstelle von Kathetersystemen kann es je-
Parameter gen Klebsiella, Enterobacter, Citrobacter doch auch zu einer Kolonisation und schließ-
und Serratia, wobei insbesondere durch lich zu zum Teil schwer verlaufenden Infek-
3.1 Koloniezahl Verfahren, die den Besitz des Enzyms β- tionen kommen. Neben Hautinfektionen
Galaktosidase anzeigen, auch weitere coli- mit Pusteln und Ohrinfektionen wie Otitis
Mit den Parametern Koloniezahlbestim- forme Bakterien erfasst werden, die in Risi- externa bei immunologisch gesunden Per-
mung bei 22°C wie auch bei 36°C wer- kobereichen von Bedeutung sein können. sonen sind als nosokomiale Infektionen ne-
den sogenannte heterotrophe Mikroor- Mit Ausnahme von Escherichia coli, wel- ben Pneumonien auch Wundinfektionen
ganismen erfasst, die Bakterien und Pil- cher immer fäkalen Ursprungs ist, zeigen und Harnwegsinfektionen mögliche Folgen,
ze, nicht jedoch Viren und Parasiten ein- coliforme Bakterien eine Verunreinigung insbesondere bei vorgeschädigter Haut wie
schließen. Die Indikatoreigenschaften be- fäkaler oder nicht-fäkaler Herkunft an. Ins- bei Verbrennungen oder über Katheterein-
ziehen sich auf besondere in Risikobereichen sind colifor- trittsstellen bei Harnwegskathetern.

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Pseudomonas aeruginosa gilt als einer Die Auswahl der Probenahmestellen lines for Drinking Water Quality [8] ei-
der wichtigsten durch Trinkwasser über- erfolgt in Abhängigkeit der Charakteris- nen Wasserhygieneplan erstellen, der Teil
tragenen Erreger nosokomialer Infektio- tika des Hausinstallationssystems. Falls der Qualitätssicherung ist. Entsprechend
nen, wobei häufig eine hohe natürliche erforderlich, sollte die erstmalige Festle- den WHO-Empfehlungen sollten in die-
Antibiotikaresistenz besteht [4, 5]. gung der Probenahmestellen gemeinsam sem Wasserhygieneplan Fragen der Was-
Pseudomonas aeruginosa wird nur in mit dem für den Betrieb des Hausinstal- serqualität, der Wasserbehandlung und
solchen Einrichtungen mit Wasserversor- lationssystems Verantwortlichen oder ei- der Kontrolle mikrobiellen Wachstums
gungsanlagen nach § 3 Nr. 2 Buchstabe c nem Sachverständigen erfolgen, um reprä- in wasserführenden Systemen behandelt
TrinkwV 2001 für relevant angesehen, in sentative Probenahmestellen einzubezie- werden. In diesem Zusammenhang wird
denen Patienten medizinisch behandelt, hen, die eine Charakterisierung der Was- auf die Richtlinie für Krankenhaushygie-
untersucht und gepflegt bzw. Kleinstkin- serqualität des Hausinstallationssystems ne und Infektionsprävention des Robert
der betreut werden entsprechend 2.1–2.2. einschließlich eines möglichen Wieder- Koch-Institutes [9] verwiesen. Die Über-
verkeimungspotenzials ermöglichen. wachung von Risikobereichen in Kran-
3.4 Untersuchung kenhäusern obliegt der Verantwortung
3.4.3 Entnahmetechnik der jeweiligen Einrichtung. Die Ergebnis-
3.4.1 Untersuchungsverfahren Teile an der Wasserentnahmearmatur, wel- se der hygienischen Über wachung müs-
che die mikrobiologische Beschaffenheit sen auf Verlangen dem Gesundheitsamt
F Die Koloniezahlbestimmung erfolgt der Wasserprobe beeinflussen, wie z. B. vorgelegt werden.
nach TrinkwV 2001, Anlage 5. Perlatoren, müssen entfernt werden. Die
Dabei ist die Methode nach TrinkwV Wasserentnahmestelle wird abgeflammt. 3.4.6 Hochrisikobereiche
1990 [6] zu bevorzugen, da nur mit Hiernach wird nur so lange gespült, bis kei- (siehe 2.1–2.2)
dieser Methode eine quantitative ne Nachwirkung des thermischen Verfah- Für Hochrisikobereiche (Intensivthera-
Bewertung durch angegebene Grenz- rens mehr anzunehmen ist. Sodann wird piestationen, Einrichtungen, in denen be-
werte ermöglicht wird, wohingegen die Wasserprobe in geeignete Entnahme- stimmungsgemäß Patienten mit schwe-
bei Bestimmung der Koloniezahl gefäße gefüllt. Die Wassertemperatur ist ren Immunsuppressionen behandelt wer-
nach DIN EN ISO 6222 [7] lediglich zu dokumentieren. den) werden gesonderte Empfehlungen
anormale Veränderungen erfasst gemeinsam mit der Kommission für Kran-
werden sollen, ohne dass dies durch 3.4.4 Grenzwerte/Höchstwerte kenhaushygiene und Infektionspräventi-
nähere Spezifikation erläutert ist. Bei Die Grenzwerte/Höchstwerte sind der Ta- on erarbeitet.
den nur einmal jährlich erfolgenden belle dieser Empfehlung zu entnehmen.
Untersuchungen ist dies für die Beur- 3.4.7 Gaststätten/Hotels
teilung nicht brauchbar. F Die Grenzwerte für Koloniezahl (siehe 2.4–2.5)
F Die Untersuchung auf coliforme sowie coliforme Bakterien ent- Die Untersuchungen (Routineuntersu-
Bakterien erfolgt ebenfalls nach sprechen den Anforderungen der chungen) in Hotels oder in sonstigen
TrinkwV 2001. TrinkwV 2001. Sofern E. coli nach- Gemeinschaftseinrichtungen (Beherber-
F Die Untersuchung auf Pseudomonas gewiesen wird, muss dies im Befund gungsbetrieben) richten sich nach der
aeruginosa erfolgt auch entsprechend angegeben werden. Zahl der Gastbetten. Bei Wasser versor-
der TrinkwV 2001, Anlage 5. F Pseudomonas aeruginosa darf abwei- gungsanlagen von Einrichtungen, aus de-
chend von den Vorgaben für Flaschen- nen Wasser für die Öffentlichkeit bereit-
Sofern zusätzliche Parameter wie Entero- wasser (Anlage 1 Teil 2 TrinkwV 2001) gestellt wird und die Zahl der Gastbetten
kokken oder Clostridium perfringens un- in 100 ml nicht nachweisbar sein. mehr als 12 beträgt, sollte pro Jahr eine
tersucht werden, sind diese ebenfalls nach routinemäßige Untersuchung erfolgen.
den Verfahren der TrinkwV 2001, Anla- 3.4.5 Häufigkeit
ge 5, zu untersuchen. der Untersuchungen 3.4.8 Weitere Einrichtungen
Die Häufigkeit der Untersuchungen wird (siehe 2.6–2.7)
3.4.2 Probenahmeorte in Abhängigkeit von den unterschiedli- Bei Ein richtungen mit Was ser versor-
Die Probenahmen sollten vorzugsweise an chen Risikobereichen festgelegt. gungsanlagen nach § 3 Nr. 2 Buchstabe c,
Für Krankenhäuser, Alten- und Pflege- aus denen Wasser für die Öffentlichkeit
F der Übergabestelle in jedem einzelnen heime, Kindergärten und andere Einrich- bereitgestellt wird, muss durch das Ge-
Gebäude, tungen, die der Hygieneüber wachung sundheitsamt nach Risikoabwägung und
F einer möglichst peripheren Stelle oder nach den Gesundheitsdienstgesetzen der unter Berücksichtigung der o.g. Intervalle
Stellen innerhalb des zu untersuchen- Länder unterliegen (siehe 2.1–2.3), wer- die Häufigkeit von Untersuchungen fest-
den Gebäudes, die nur unzureichend den mindestens jährliche Untersuchun- gelegt werden.
durchströmt sind, gen empfohlen.
Alle medizinischen Einrichtungen soll-
vorgenommen werden. ten nach Empfehlungen der WHO-Guide-

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Empfehlung des Umweltbundesamtes
Tabelle
Art der Einrichtung, in der sich Ort der Grenzwert Grenzwert Grenzwert Höchstwert
die Wasserversorgungsanlage Entnahme Koloniezahl Koloniezahl Coliforme Bakterien Pseudomonas
befindet bei 22°C bei 36°C (KBE/100 ml) aeruginosa
(KBE/ml) (KBE/ml) (KBE/100 ml)

Krankenhäuser sowie andere Übergabestelle + peripher 100 100 0 0


medizinische Einrichtungen und gelegene Entnahmestelle
Pflegeeinrichtungen
(entspr. 2.1–2.2)
Übrige Einrichtungen Übergabestelle + peripher 100 100 0 −
(entspr. 2.3–2.7) gelegene Entnahmestelle

4. Maßnahmen bei Überschreitung 7. DIN EN ISO 6222 (1999) Wasserbeschaffenheit –


Quantitative Bestimmung der kultivierbaren Mikro-
von Grenzwerten oder organismen – Bestimmung der Koloniezahl durch
Anforderungen der TrinkwV 2001 Einimpfen in ein Nähragarmedium. Beuth, Berlin
8. Guidelines for Drinking-Water Quality (3rd ed,
Vol. 1) WHO, Geneva (2004)
Die Maßnahmen richten sich nach § 9 9. Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektions-
TrinkwV 2001. prävention des Robert Koch-Institutes (1976)
Bei Überschreitung von Grenzwerten/ Gustav-Fischer, Stuttgart Jena
10. Leitlinien zum § 9 TrinkwV 2001, Maßnahmen im
Höchstwerten oder Anforderungen wird Fall nicht eingehaltener Grenzwerte und Anforde-
entsprechend den Leitlinien des BMGS rungen (2004) Bundesministerium für Gesundheit,
zum § 9 TrinkwV 2001 „Maßnahmen im Referat 3 GI 3
Fall nicht eingehaltener Grenzwerte und
Anforderungen“ [10] empfohlen, die je-
weils zuständigen Einrichtungen der Län-
der zu konsultieren. Zusätzlich sollten aus-
gewiesene Hygiene-Institute, z. B. an den
Universitäten, unter Leitung eines Facharz-
tes für Hygiene und Umweltmedizin zur
Bewertung, Beratung und Analyse einbe-
zogen werden.

Literatur
1. Verordnung zur Novellierung der Trinkwasser-
verordnung vom 21. Mai 2001, zuletzt geändert
durch Achte Zuständigkeitsanpassungsverord-
nung vom 25.11.2003, BGBl I 2003, 2304
2. Richtlinie 98/83/EG des Rates v. 3. November 1998
über die Qualität von Wasser für den menschli-
chen Gebrauch. Amtsblatt der Europäischen Ge-
meinschaften L330/32–L330/55 v. 5.12.98
3. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von In-
fektionskrankheiten beim Menschen (Infektions-
schutzgesetz-IfSG) zuletzt geändert BGBl. I vom
29.12.2003, 2954
4. Reuter S, Sigge A, Wiedeck H, Trautmann M (2002)
Analysis of transmission pathways of Pseudomonas
aeruginosa between patients and tap water out-
lets. Crit Care Med 10: 2222–2228
5. Anaissie EJ, Penzak SR, Dignani MC (2002) The hos-
pital water supply as a source of nosocomial infec-
tions: a plea for action. Arch Intern Med 162: 1483–
1492
6. Verordnung über Trinkwasser und über Wasser für
Lebensmittelbetriebe (Trinkwasserverordnung –
TrinkwV) vom 12. Dez. 1990, BGBL I (1990) 2612–
2631

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