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Kapitel 2

Gesundheitsverhalten

Modelle des Gesundheitsverhaltens

- Kontinuierliche Modelle:
 Personen befinden sich auf einem Kontinuum von
Verhaltenswarscheinlichkeit
 Warscheinlichkeit zu handeln von der Ausprägung relevanter
affektiver & kognitiver Variablen
 Alle Personen nehmen an den gleichen Interventionen teil, um die
Handlungswarscheinlichkeit zu erhöhen
- Dynamische Stadienmodelle:
 Person läuft durch qualitativ unterschiedliche Stadien während der
Verhaltensänderung
 Interventionen werden maßgeschneidert, um dem spezifischem
Stadium des Klienten zu entsprechen

Kontinuierliche Modelle
Sozial-kognitive Theorie von Bandura

- Ob eine Handlung ausgeführt wird ist abhängig von der


Selbstwirksamkeitserwartung und der Handlungsergebniserwartung
- Leute mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) sind toller
- SWE kann gefördert werden durch:
1. Erfolgreiche Ausführung einer Handlung
2. Stellvertretende Erfahrung (vicarious experience)
3. Symbolische Erfahrung, z.B. verbale Überzeugung von Anderen
4. Emotionale Erregung
 Faktor 1 ist der wichtigste, Faktor 4 der unwichtigste
- SWE ist sowohl als bereichsspezifischer, als auch als genereller Faktor zu
verstehen
- Unterschied zum Optimismus: SWE attributiert positive Outcomes in der
Zukunft spezifisch zu den eigenen Verhaltensmustern
Modell gesundheitlicher Überzeugungen (Health Belief model, HBM)

- Ziel: Faktoren finden, die beeinflusst werden können, um die Population


gesünder zu machen
- Verhaltensänderung abhängig vom Grad der wahrgenommenen
Gesundheitsbedrohung und vom Grad der wahrgenommenen
Wirksamkeit der Verhaltensänderung
- Gesundheitsbedrohung setzt sich zusammen aus:
1. Subjektive Vulnerabilität
2. Schweregrad der Krankheit
- Zusätzliche Faktoren:
 Gesundheitsmotivation: Bereitschaft, sich mit gesundheitlichen
Fragen auseinanderzusetzen
 Hinweisreize: Z.B. Gesundheitskampagnen
 Demographische Variablen
- Kritik: Keine Betrachtung relevanter psychologische Variablen wie dem
Optimistic Bias

Theorie der Handlungsveranlassung/Theorie des geplanten Verhaltens

- Intention:
 Bindeglied zwischen Einstellung und Verhalten
 Wichtigster Prädiktor für Verhalten
 Beeinflusst von
1. Einstellung
2. Subjektive Norm
 Die wahrgenommenen Erwartungen Anderer
3. Wahrgenommene Verhaltenskontrolle
 Nur in Theorie des geplanten Verhaltens
 Subjektiv wahrgenommene Schwierigkeit, ein Verhalten
auszuführen
 Abhängig von Art der Kontrollüberzeugung und Stärke
der Kontrollüberzeugung
 Wirkt sich als einziger der 3 Prädiktoren nicht nur auf die
Intention, sondern auch auf das Verhalten direkt aus
 Weiterhin: Distale Faktoren wie demographische Variablen haben
auch einen Effekt
Theorie der Schutzmotivation (Protection Motivation Theory, PMT)

- Ursprünglich entwickelt im Rahmen von


Risikokommunikationsforschung, um die Wirkung von Schutzapellen zu
erforschen
- 2 Bewertungsprozesse, die bei der Wahrnehmung von
gesundheitsrelevanter Information die Schutzmotivation beeinflussen:
1. Bedrohungseinschätzung: Kosten-nutzen-Abwägung
o Kosten: Schwere der Bedrohung x Wahrgenommene
Vulnerabilität
o Nutzen: Extrinsische (z.B. Entspannung beim Rauchen) &
intrinsische Belohnungen (z.B. Anerkennung von Freunden
beim Nichtrauchen)
2. Bewältigungseinschätzung:
o Selbstwirksamkeit +
o Handlungswirksamkeit +
o Handlungskosten –
- Schutzmotivation: Theoriespezifischer Name für die Intention
- Verhalten: Kann adaptiv (progesundheit) oder maladaptiv
(antigesundheit) sein
o Adaptives Verhalten begünstigt durch hohe Schutzmotivation4
- Studie Yzer et al:
o 2x2 Design: Hohe + Niedrige Vulneribilität, Hohe + normale
Selbstwirksamkeit
o Ergebnis: Hohe Vulnerabilität hat nur dann einen Effekt, wenn die
Selbstwirksamkeit auch hoch ist

Die Intention-Verhalten-Lücke

- Metanalysen zeigen, dass Intentionen nur 20-30% des Verhaltens


erklären können
- Vierfeldertafel: Hohe – Niedrige Intention x Verhalten – Kein Verhalten
 Hohe Intention + Verhalten und vice versa sind geklärt
 Aber was ist mit Hohe Intention + Kein Verhalten und vice versa?
 Rubikonmodell: Alles bis zur Bildung von Intention ist Motivation,
alles was danach passiert ist Volition
o Volition, nicht Motivation, erklärt die Lücke
Planung

- Auch genannt Implementierungsintention


o Dieses Buch nennt es aber Auführungsplanung
- Mentale Verknüpfung von Situation und Verhalten (wenn -> dann)
- Vermittelt durch aufmerksamkeits-, wahrnehmungs- und
gedächtnisspezifische Prozesse
- Ergebnis: Häufigeres und schnelleres Handeln im Einklang mit der
Intention
- Bewältigungsplanung: Antizipation von Schwierigkeiten beim Umsetzten
des Verhaltens und Planung mit deren Umgang

Prozessmodell gesundheitlichen Handelns (Health Action Process Modell,


HAPA)

- Hybrid zwischen Stadienmodell und kontinuierlichem Modell


- Mehrere Phasen:
1. Präintentionale Phase, beeinflusst durch
o Risikowahrnehmung
o Handlungsergebniserwartungen
o Selbstwirksamkeit
2. Volitionale Phase, aufgliederbar in
o Postintentional-präaktional: Planung
o Postintentional-aktional: Ausführung
o Postintentional-postaktional: Wiederherstellung des Verhaltens
nach möglichen Rückfällen, Aufrechterhaltung nach
erfolgreichem Verhalten
 Selbstwirksamkeit spielt auch in der volitionalen Phase eine Rolle!
o Unterscheidung zwischen Präaktionaler SWE (Planung &
Intention) und Aufrechterhaltungs/Wiederherstellungs SWE
(Verhalten)
 Bewältigungsplanung: Wichtig für das Aufrechterhalten von Verhalten
 Handlungskontrolle: Bewusstheit über eigene Intentionen
o Auch ein wichtiger Faktor
Stadienmodelle
Das transtheoretische Modell der Verhaltensänderung (Transtheoretical
Model, TTM)

- 6 Stufen der Verhaltensänderung:


1. Präkontemplation: Keine Gedanken an Verhaltensänderung innerhalb
der nächsten 6 Monate
2. Kontemplation: Nachdenken über eine Verhaltensänderung in 1-6
Monaten
3. Vorbereitung: Intention der Verhaltensänderung innerhalb eines
Monats + Versuch der Verhaltensänderung während des letzten
Jahres
4. Handlung: Handlung gemäß Intention & Anstrengungen, dieses
Verhalten aufrecht zu halten innerhalb der ersten 6 Monate
5. Aufrechterhaltung: Nach 6 Monaten, Stabilisierung von Verhalten und
aktives Verhindern von Rückfällen
6. Termination: Nach 5 Jahren, hohe Selbstwirksamkeitserwartung,
demnach kaum noch Rückfallrisiko
- Personen können bei Rückfällen in ein früheres Stadium zurückfallen
- Relevante Konstrukte:
o SWE
o Entscheidungsbalance: Abwägung positiver und negativer
Konsequenzen der Verhaltensänderung
o Versuchung: Dringlichkeit, mit der einer Person in einer
schwierigen Situation ihrer Gewohnheit nachgeben möchte
o Kognitiv-affektive Prozesse (wichtig in der präaktionalen Phase):
 Bewusstseinserhöhung
 Neubewertung der eigenen Person
 Neubewertung der Umwelt
 Emotionale Relevanz
 Soziale Befreiung
o Verhaltensorientierte Prozesse (wichtig in den aktionalen Phasen):
 Kontingenzmanagement: Sich selbst belohnen/bestrafen
 Hilfreiche Beziehungen
 Gegenkonditionierung
 Selbstbefreiung
 Stimuluskontrolle

Das Prozessmodell präventiven Handelns (Precaution Adoption Process


model, PAPM)

- 7 Stadien des Verhaltenänderungsprozesses


1. Unkenntnis eines Gesundheitsverhalten
2. Kenntnis, aber kein persönlicher Bezug
3. Entscheidung
4. Entscheidung zum Nichthandeln
5. Entscheidung zu handeln
6. Handlung
7. Aufrechterhaltung
- Anders als das TTM sieht das PAPM eine eigene Stufe für die
Entscheidung, nicht zu handeln, vor
- Rückfall möglich, allerdings nicht auf Stufe 1
- Eine Annahme aller Stadienmodelle ist, dass Interventionen nur dann
sinnvoll sind, wenn sie auf das Stadium, in dem sich jemand befindet,
zugeschnitten sind
- Studie über Radioaktives Gas: Stadien vermitteln den Effekt von
Interventionen
o Untentschlossenere (Stufe 3) werden stärker bewegt, eine
Verhaltensänderung durchzuführen, wenn Information über das
hohe Risiko gegeben wird, als Entschlossenere (Stufe 5)

Rückfall
Modelle des Rückfalls

- Krankheitsmodell:
o Abstinent oder Rückfällig, kein Kontinuum
o Ungesundes Verhalten rückführbar auf Gene
o Wird vertreten durch die Anonymen Alkoholiker
- Moralisches Modell: Trinker sind willens- oder charakterschwach
- Marlatt‘s Modell des Rückfallprozesses: Sozial-kognitive Perspektive
o Sucht als erlernte Gewohnheit, die wieder verlernt werden kann
o 4 häufige Risikosituationen:
 Negative emotionale Zustände (intrapersonal)
 Positive emotionale Zustände & Begegnung mit
Suchtbezogenen Stimuli (intrapersonal)
 Negative soziale Situationen (interpersonal)
 Größtes Risiko
 Sozialer Druck (interpersonal)
o Risikosituationen verlangen erfolgreiche Bewältigungsstrategien
 Erfolg: Höhere SWE -> Geringeres Rückfallrisiko
 Lapse: Niedrigere SWE -> Höheres erneutes Rückfallrisiko
o Abstinenz-Verletzungseffekt tritt ein, wenn der Lapse als global,
internal und stabil betrachtet wird („Ich bin einfach zu schwach um
mit dem Rauchen aufzuhören“)
o Offenbar irrelevante Entscheidungen: Verdeckte Vorbedingungen
für Hochrisikosituationen (Kaufen von Alkohol nur für den Fall dass
Freunde vorbeikommen)
o Implikationen für Interventionen:
 Identifikation von Risikosituationen
 Herausarbeiten von Bewältigungsstrategien
 SWE erhöhren
 Mythen, die die Substanzssucht betreffen, aufheben
 Kognitive Umstrukturierung der „Lapses“ zu einer
Möglichkeit, aus den Fehlern zu lernen

Spezielle Gesundheitsrelevante Verhaltensweisen

Rauchen

- Kills you!

Ernährung

- Gut: 16% Eiweiß, 30% Fett und 54% Kohlenhydrate


- 10 Regeln im Buch, die erwiesenermaßen teilweise falsch sind
- BMI: Körpergewicht(kg)/(Größe(m)xGröße(m)
o Unter 18,5: Untergewicht
o Über 25: Übergewicht
o Über 30: Adipositas Grad I
o Über 35: Adipositas Grad II
o Über 40: Adipositas Grad III
Körperliche Aktivität

- Empfehlung: Einmal pro tag Pulsschlag und Kreislauf ankurbeln


- Zahlreiche positive Effekte, psychologisch und physiologisch

Kondombenutzung

- Größter Prädiktor: SWE und Planungsverhalten (z.B: Kommunikation mit


Partner über Kondomgebrauch)
- Jüngere Personen benutzen eher Kondome
- Personen in langen, stabilen Beziehungen benutzen weniger Kondome
- Leute die um das Risiko von AIDS wissen benutzten eher Kondome
- Größte Risikogruppe für AIDS: Homosexuelle Männer
- Schwangerschaftsprävention größerer Prädiktor für Kondombenutzung
als Krankheitsschutz

Sonnenschutzverhalten

- Wolken, Nebel oder Dunst schützen nicht vor der schädlichen UV


Strahlung
- Attraktivitätsorientierung erhöht Bereitschaft, Solarien aufzusuchen und
verringert Bereitschaft, sich einzucremen