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Explosionsgefahr: Risikofaktor Staub
52

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2 // licht.forum 52 / Explosionsgefahr: Risikofaktor Staub

2 3

[1] Viele Stäube sind brennbar und explosionsfähig.


[2] Bei einer Staubexplosion drohen Kettenreaktionen und damit die komplette Zerstörung einer Betriebsanlage.
[3] Sogar im Labormaßstab lassen sich die Ausmaße einer Staubexplosion bei der Mehlverarbeitung erahnen.

[Titelbild] Hier explodiert – zu Demonstrationszwecken – Aluminiumstaub. Jeder, der einmal derartige Tests gesehen hat, weiß:
Die Warnung vor Staubexplosion ist keine Panikmache.
3

Staub:
brennbar und explosionsfähig

Was haben Steinkohle, Holz, Mehl, Kakao, Stärke, Cellulose-


fasern und Aluminium gemeinsam? Sie sind staubförmig oder
können Stäube entwickeln. Was aber die wenigsten wissen:
Diese Stäube sind brennbar und explosionsfähig.

Gasexplosionen sind das bekanntere Phä- Motoren entzünden die Staubschicht an Celsius, die Drücke liegen meist über zehn
nomen. Doch die Sachversicherer gehen mehreren Stellen, Glutnester beginnen ohne Bar. Auslöser der Explosion des Staub-Luft-
davon aus, dass sich in Deutschland durch- sichtbare Flamme zu glimmen. Eine Tür wird Gemisches ist eine Zündquelle: Zündfunken,
schnittlich eine Staubexplosion am Tag geöffnet. Die Luftströmung verwirbelt Staub glühende Teile, Flammen oder heiße Ober-
ereignet. und Sauerstoff. In der Nähe der Glutnester flächen. Hier setzen die Schutzvorschriften
verpufft dieses Staub-Luft-Gemisch, weiterer an, indem sie für Bereiche, in denen das Vor-
Fast alle festen Stoffe sind zur Staubbildung Staub wird aufgewirbelt, eine explosionsfä- handensein explosionsfähiger Atmosphäre
fähig. 80 Prozent aller in der Industrie vor- hige Atmosphäre entsteht. Es kommt zur nicht zu verhindern ist, explosionsgeschützte
kommenden Stäube sind brennbar, eine nur Entzündung. Betriebsmittel – also auch Leuchten – vor-
ein Millimeter dicke Staubschicht in einem schreiben.
geschlossenen Raum reicht aus, um nach Die erste Explosion wirbelt noch mehr Staub
Aufwirbelung und Zündung eine Explosion auf, weitere Explosionen sind die Folge. Die Das Bewusstsein für Schutzmaßnahmen
auszulösen. komplette Zerstörung einer Betriebsanlage bei Staubanfall ist heute noch zu wenig aus-
droht. geprägt. Die europaweit geltenden ATEX-
Wie verheerend Staubexplosionen sein kön- Richtlinien (ATEX = Atmosphères Explosib-
nen, deutet sich schon im Testmaßstab an: Zum Glück ereignen sich Explosionsunfälle les) – siehe dazu Seite 10 – haben mit der
„Wenn ein Staub-Luft-Gemisch explodiert, mit zahlreichen Toten, vielen Verletzten und Aufnahme des Staubes die Gefahrenbewer-
bebt die Erde.“ Diese Erfahrung teilen alle, hohem Sachschaden relativ selten. Die tung zumindest im Vorschriftenwerk der
die an Vorführungen zur Entzündung von größte Mehlstaubexplosion im deutschspra- Gasexplosion gleichgestellt. Dass trotzdem
Staub teilgenommen haben. Sie wissen: Die chigen Raum in der Bremer Rolandmühle Gefahren übersehen werden, hat noch einen
Warnung vor Staubexplosion ist keine Panik- datiert vom 6. Februar 1979. Auslöser war anderen Grund: In einigen Unternehmen ist
mache. ein kleiner Brand. So kann jede kleine oder den Verantwortlichen gar nicht bewusst,
mittelschwere Staubexplosion der Beginn dass sie mit Staub arbeiten.
Kettenreaktion möglich einer Kettenreaktion sein.

Das Fatale einer Staubexplosion ist die mög- Explosionsgeschützte Betriebsmittel


liche Kettenreaktion. Dies verdeutlicht ein
beispielhafter Ablauf: Ausgangspunkt ist eine Wissenschaftler beschreiben eine Explosion
Staubschicht, die sich auch auf Maschinen als exotherme chemische Reaktion, in deren
abgelagert hat und die nicht entfernt wurde. Folge Temperatur und Druck – meist beide
Es laufen einer oder mehrere mit Staub be- gleichzeitig – schlagartig ansteigen. Die Tem-
deckte Elektromotoren heiß, die überhitzten peraturen erreichen Werte über 2.000 Grad
4 // licht.forum 52 / Explosionsgefahr: Risikofaktor Staub

Verantwortlich ist der Betreiber


„Wer muss in seinem Betrieb die Explo-
sionsrisiken untersuchen, klassifizieren
und das Ergebnis in einem Explosions-
schutzdokument erfassen? Die Antwort
ist einfach: Jeder, in dessen verfahrens-
technischen Anlagen Staub anfällt.

Die Risikoanalyse oder gar die Umrüs-


tung der betroffenen Anlagen auf explo-
sionsgeschützte Betriebsmittel zu ver-
zögern, bis diese Maßnahmen nach
einem Überprüfungstermin behördlich
angeordnet werden, wäre fahrlässig.
Die Verantwortung ist klar geregelt: Sie
liegt beim Betreiber.“

Sicherheitsfachwirt (FH) Frank D. Stolt


MSc, Sachverständiger für Brand- und
Explosionsursachenermittlung, Bad
Saulgau

Gefährdete Betriebe Arbeiten mit Gefahrenpotenzial

Gefahr besteht in Produktions-, Abfüll- und Staubbrände und -explosionen können sich
Verpackungsanlagen, bei Fördereinrich- unter anderem ereignen
tungen sowie in Silos, Bunkern und ande- > beim Umschlagen und Silieren von
ren Lagerstätten. Besonders gefährdet Getreide,
sind Mühlenbetriebe sowie Anlagen und > beim Mahlen, Mischen und mechanischen
Lager Fördern von organischen Produkten (z. B.
> landwirtschaftlicher Betriebe (z.B. Getrei- Futtermittel, Getreide, Backpulver, Fisch-
delager), mehl, Zucker, Pharmazeutika, Farbstoffe
> vieler Bereiche in der Lebensmittelher- usw.),
stellung, > beim Sprühtrocknen von organischen
> der Holz verarbeitenden Industrie, Produkten (z. B. Milch),
> der Kunststoff verarbeitenden Industrie, > beim Absaugen und Fördern von Holz-
> der Metall verarbeitenden Industrie, staub in Filter- und Abscheideanlagen,
> der chemischen Industrie, insbesondere > beim Schleifen von Leichtmetallen und
der pharmazeutischen Industrie und der deren Legierungen,
Farbenindustrie, > beim Herstellen und Verarbeiten von
> der Papierindustrie, Metallpulvern,
> der Abfallwirtschaft. > beim Mahlen und Trocknen von Kohle und
beim Befüllen von Kohlestaubsilos,
[4] Für jede verfahrenstechnische Anlage mit Staubanfall muss
das Explosionsrisiko analysiert werden. > beim Trocknen, Granulieren oder Coaten
[5] Frank D. Stolt in Wirbelschichtapparaten.
5

Gefahr erkennen: Risikoanalyse


6

Welcher Staub ist wie Abriebs der großen Partikel zu feinem – Mindestzündenergie
gefährlich? zündfähigen – Staub führen.
ist die unter Versuchsbedingungen
Der Qualifizierung nach seiner speziellen Kennzahlen für Staub ermittelte kleinste Energie, die aus-
Gefährlichkeit – es gibt auch nicht brenn- reicht, um die zündwilligste Atmo-
bare, also ungefährliche Stäube – geht die Die spezielle Gefährlichkeit von Stäuben wird sphäre zu entzünden.
generelle Definition voraus: Staub ist eine außer an ihrer Korngröße an verschiedenen
Ansammlung kleiner Feststoffpartikel ver- anderen Kennzahlen festgemacht: untere Glimmtemperatur
schiedener Struktur, Form und Dichte. Die und obere Explosionsgrenze des Staub-Luft-
Korngröße beträgt im Durchmesser höchs- Gemisches, maximaler Explosionsdruck, ist die Temperatur einer heißen Ober-
tens 0,5 Millimeter; unterschieden werden Klassifizierungswert (Kst-Wert), Feuchtig- fläche, auf der eine Staubschicht von
Nutz- und Abfallstaub. keitsgehalt. Mit diesen Werten, die für allge- 5 mm Dicke zu glimmen beginnt.
meine Berechnungen einzelner Materialien
Staub-Luft-Gemisch im Durchschnitt ermittelt wurden, können Zündtemperatur
Mindestzündenergie, Glimm- und Zündtem-
Staub befindet sich zunächst in der Atmo- peratur bestimmt werden. ist die niedrigste Temperatur, bei
sphäre, die Partikel setzen sich aufgrund der sich eine Staubwolke bei kurz-
ihres Eigengewichts nach einiger Zeit aber Die Vielzahl der Stäube und ihre Kenngrößen zeitigem Kontakt mit einer erhitzten
ab. Infolge von Aufwirbelungen gelangen sie ergeben ein umfangreiches Zahlenwerk, das Wand entzünden kann.
wieder in die Atmosphäre und halten sich an dieser Stelle nicht abgebildet werden
dort für längere Zeit in einem Staub-Luft- kann. Aufstellungen der Berufsgenossen-
Gemisch. schaften und im Zweifelsfall deren oder an-
dere Sachverständige helfen bei der Risiko-
Staub kann gleichermaßen anfallen beim bewertung weiter. Wichtig: Dabei führt nicht
Herstellen feinteiliger Materialien wie durch immer der Oberbegriff zum Ziel, für den
Abrieb von groben Feststoffen. Als Staub Mehlstaub von Weizenmehl gelten zum Bei-
gelten auch kurze Fasern, die durch Schnei- spiel andere Werte als für den von Roggen-
den synthetischer Endlosfäden, durch Mah- mehl.
len natürlicher oder synthetischer Faser-
stoffe (Holzmehl) oder als Nebenprodukt Für Leuchten und andere Betriebsmittel im
beim Umgang mit Faserstoffen (Torfmull, Zusammenhang mit der Beleuchtung spielt
Textilstaub) entstehen. Wichtig: Der Trans- die Art des Staubes eine untergeordnete
[6] Die Beschaffenheit des Staubes wird analysiert, um festzu-
port und die Verarbeitung von grobem Rolle. Für Ex-Leuchten zählt vor allem die stellen, ab welchen Temperaturen und Energiemengen Gefahr
Staub können wegen des gegenseitigen Korngröße. droht.
6 // licht.forum 52 / Explosionsgefahr: Risikofaktor Staub

7 9

Anteil der Staubarten an Staubexplosionen*


Risiko analysieren

> Gefährdungspotenzial ermitteln Getreide 24 %


(Korngröße, Staubmenge, Glimm- Holz 34 %
und Zündtemperatur des Staubes usw.).
> Mögliche Zündquellen feststellen.
Erforderliche Schutzmaßnahmen
(primär und sekundär) festlegen. Kunststoff 14 %
> Geeignete Betriebsmittel für den
Sonstige 6 %
sekundären Explosionsschutz
Kohle/Torf 10 %
vorsehen.
Papier 2 %
Metalle 10 %
Risiko minimieren
*Diese Zahlen stammen aus Nordamerika (2004), sind laut Sachversicherer aber übertragbar auf Deutschland und Europa.
> Vorhandenen Staub und seine Eigenschaf-
ten beurteilen. 10
> Maximal zulässige Oberflächentem-
peratur der Betriebsmittel feststellen – (Zoneneinteilungen, Dicke der Staub- – installierte Betriebsmittel und
abhängig von der Art des Staubes, schicht sofern > 5 mm) anfertigen. Warneinrichtungen,
des Vorhandenseins von Staubwolken > Typen staubexplosionsgeschützter – Sicherstellung sachgerechter
und der Glimmtemperatur des Staubes Betriebsmittel und ihre Kennzeichnung mit Benutzung der Betriebsmittel.
bei Ablagerungen. ausreichenden Angaben zur
> Zonenplan festlegen, Gerätekategorien Wartung aufzeichnen.
zuordnen. > Art, Wegeführung und Einzelheiten der
> Geeignete Betriebsmittel einsetzen. Leitungssysteme notieren.
> Explosionsschutzdokument erstellen, aus
Risiko dokumentieren dem hervorgehen muss
– Sicherheitsniveau der Arbeitsstätte,
[7] Staub bei der Holz- oder Metallverarbeitung birgt Gefahren.
> Plan mit Einteilung und Ausdehnung der – Sicherheitsgestaltung der Arbeits- [8] Auch Staub bildende Lebensmittel können gefährlich werden.
staubexplosionsgefährdeten Bereiche stätte, [9] Staub in der Papier verarbeitenden Industrie ist ein Risiko.
7

Ex-Leuchten schützen zuverlässig


11

Beispiel für die Einteilung in Zonen


Zonen kennzeichnen das
Gefahrenpotenzial

Explosionsgefährdete Bereiche werden ent-


22 Zone 20 Fülltrichter einer Sack-
sprechend ihrem Gefahrenpotenzial in Zonen
entleerstation – in Zone
eingeteilt (siehe Tabelle „Zoneneinteilung“ 20 ist die Explosions-
auf der folgenden Seite). Für Stäube gelten gefahr am größten
21
die Zonen 20, 21 und 22.
Zone 21 Nähere Umgebung
(Radius 1 m) um die
Jeder Zone sind Leuchten und andere 20
offene Beschickungs-
Betriebsmittel entsprechender Zündschutz- öffnung
art zugeordnet, hierfür unterteilt in die Gerä-
Zone 22 Bereich außerhalb der
tekategorien 1D bis 3D („D“ steht für Dust).
Zone 21 wegen Ablage-
Explosionsgeschützte (Ex) Leuchten der rung von Staub
Kategorien 1D und 2D müssen die Schutzart
IP 6X haben, für 3D-Leuchten genügt – 12
außer bei leitfähigen Stäuben – IP 5X.

Zündschutzarten von Ex-Leuchten Ex-Leuchten sind für eine Umgebungstem- Normen IEC/EN 61241 ff einzuhalten.
peratur von –20 Grad bis +40 Grad Celsius Diese Normenreihe berücksichtigt auch
Die Zündschutzart von Ex-Leuchten (siehe ausgelegt. Die Zündschutzart wird auf dem das Errichten und die Instandhaltung von
Tabelle „Zündschutzarten“ auf der folgen- Typenschild der Leuchte angegeben, das Anlagen in staubexplosionsgefährdeten
den Seite) wird bestimmt von deren Kon- alle wichtigen Informationen für den Einsatz Bereichen.
struktion und entsprechenden fertigungs- und ihre Eignung zusammenfasst (beispiel-
technischen Maßnahmen. Für den haftes Typenschild siehe Seite 10).
Staubschutz sind vier Zündschutzarten
maßgeblich, das „D“ steht jeweils für Dust: Der Explosionsschutz bei brennbaren Stäu-
tD (tightness and temperature control), ben unterliegt internationalen Normen.
[11] In explosionsgefährdeten Bereichen dürfen nur Leuchten
pD (pressurization), iD (interinsic safety) und So sind beim Bau explosionsgeschützter und Betriebsmittel ausreichender Zündschutzart eingesetzt
mD (moulder compound). Betriebsmittel die Anforderungen aus den werden.
8 // licht.forum 52 / Explosionsgefahr: Risikofaktor Staub

Zoneneinteilung

Zone Explosionsfähige Keine wirksame Gerätekategorie


Atmosphäre Zündquelle bei nach 94/9/EG
vorhanden (Sicherheit)

20 ständig, Normalbetrieb und Kategorie 1D (sehr hoch)


langzeitig seltenen Gerätestörungen
oder häufig sowie beim Auftreten
zweier unabhängiger Fehler

21 gelegentlich Normalbetrieb und häufig Kategorie 2D (hoch)


auftretenden Gerätestörungen

22 selten Normalbetrieb Kategorie 3D (normal)


und kurzzeitig
13

Zündschutzarten Hohe Schutzart alleine


reicht nicht aus
Kurzzeichen Prinzip-Symbol Zündschutz
Normale Leuchten mit den Schutzar-
Ex tD IP-Gehäuse und ten IP 5X „staubgeschützt“ und IP 6X
Temperaturbegrenzung „staubdicht“ eignen sich nicht für
staubexplosionsgefährdete Bereiche.
Diese hohen Schutzarten alleine
reichen nicht aus, weil Ex-Leuchten
entsprechend den Praxisanforde-
Ex pD Überdruckkapselung rungen anders geprüft werden: Sie
werden zuerst künstlich gealtert,
dann wird die mechanische Festig-
keit getestet und erst danach neh-
men
die Prüfingenieure die IP-Bewertung
Ex iD Eigensicherheit vor. Die IP 5X-Prüfung muss außer-
dem bei Unterdruck erfolgen.

Nur ein derart beurteilter „Schutz


durch Gehäuse“ macht eine Leuchte
zu einem explosionsgeschützten
Ex mD Vergusskapselung Betriebsmittel nach den Vorschriften
der ATEX-Richtlinien. Übrigens: Das
„X“ im zweistelligen IP-Code steht für
den ungeprüften Wasserschutz.

Impressum
Herausgeber: licht.de – Fördergemeinschaft Gutes Licht,
Stresemannallee 19, 60596 Frankfurt am Main,
www.licht.de, E-Mail: licht.de@zvei.org.
Redaktion und Realisation: rfw. agentur für kommunikation, Darmstadt.
Layout u. Grafik: Kugelstadt MedienDesign, Darmstadt.
Fotos: DEKRA EXAM GmbH, Bochum (Titel,13,16); Digital Vision/Image Source (1);
Freiwillige Feuerwehr Traunreut (2); FU Berlin, Institut für Chemie und Biochemie (3); Tom
Reindel, Düsseldorf (4); Thomas Klawunn, Göttingen (8), Andreas Kelm, Darmstadt (18);
Werkfotos von licht.de-Mitgliedsunternehmen.
Druck: Druckhaus Haberbeck, 32791 Lage/Lippe 11/07-150.

14
9

Qualitätssicherung für Ex-Leuchten

Der Einsatz in explosionsgefährdeten Berei- Extern geprüft


chen stellt hohe Anforderungen an Ex-
Leuchten, die Produktqualität entscheidet Die Vorschriften für Ex-
über die tatsächliche Schutzfunktion. Des- Leuchten sind sehr komplex.
halb schreibt die ATEX-Richtlinie 94/9/EG Fehlinterpretationen werden
den Herstellern Maßnahmen zur Qualitäts- von vorneherein vermieden,
sicherung vor. wenn akkreditierte Prüfstellen
Eignung und Sicherheit be-
> Konformitätsbewertungsverfahren stätigen – nicht nur für Zone
21-Leuchten (vorgeschrie-
Für Zone 20-Handleuchten und Zone 21- bene Prüfung), sondern auch
Leuchten muss ein Qualitätssicherungssys- für Zone 22-Leuchten (freiwil-
tem mit Dokumentation und regelmäßiger lige Prüfung).
Überwachung durch eine unabhängige
Prüfstelle eingesetzt werden (vorgeschrie-
bene Prüfung).

Für Zone 22-Leuchten genügt zur Qualitäts-


sicherung die interne Fertigungskontrolle.
Dazu gehört die Erstellung einer techni-
schen Dokumentation, die die Übereinstim-
mung der Leuchten mit der Richtlinie bestä-
[15] Akkreditierte Prüfstellen bescheinigen die
tigt. Aber auch für Zone 22-Leuchten ist EG-Baumusterprüfung mit der „EG-Baumus-
eine Baumusterprüfung empfehlenswert terprüfbescheinigung“. 15
(freiwillige Prüfung), die von einer akkreditier-
ten Prüfstelle mit der „Baumusterprüfbe-
scheinigung“ bzw. mit der „Konformitäts-
aussage“ bescheinigt wird. Für die Sicherheit seiner Anlage ist allein der
Betreiber verantwortlich. Dazu gehört nach der
> Betriebsanleitung ordnungsgemäßen Errichtung und einer Prüfung
vor Inbetriebnahme die regelmäßige Prüfung
Ex-Leuchten dürfen nicht ohne Betriebs- und Wartung, um den ordnungsgemäßen Zu-
anleitung ausgeliefert werden. Sie muss stand der Anlage aufrechtzuerhalten.
außer der technischen Dokumentation für
Montage, Installation, Inbetriebnahme und Grundlage hierfür ist VDE 0165, Teil 10
Instandhaltung alle sicherheitsrelevanten (EN 60079-17). Ergänzende Hinweise zu Instand-
Angaben enthalten. haltungs- und Instandsetzungsarbeiten geben
die Explosionsschutz-Regeln (Ex-RL) der Berufs-
> Konformitätserklärung genossenschaft der chemischen Industrie.

Mit der vorgeschriebenen Anbringung des


CE-Kennzeichens auf Ex-Leuchten muss
der Hersteller eine „EG-Konformitätserklä-
rung“ ausstellen und jeder Leuchte bei-
fügen. Darin wird die richtlinienkonforme
Konstruktion der Leuchten und die Einhal-
tung aller qualitätssichernden Maßnahmen
bestätigt.
10 // licht.forum 52 / Explosionsgefahr: Risikofaktor Staub

Die ATEX-Richtlinien
Kabel, Schalter und mehr
Ex-Leuchten sind bei der Beleuchtung
nur ein Bestandteil des Explosions-
schutzes.

Auch von den Installations- und Schalt-


geräten wie Kabel und Leitungen, Ab-
zweigdosen, Verteilerkästen und Schal-
ter darf kein Risiko ausgehen. Sie
müssen mindestens entsprechend in-
stalliert werden.

Die ATEX-Anforderungen gelten darüber


hinaus für alle anderen elektrischen Be-
triebsmittel im Raum bzw. in den Zonen.
Außerdem bestehen Anforderungen an
den mechanischen Staubexplosions-
schutz, die zum Beispiel der Explosions-
gefahr durch elektrostatische Aufladung
begegnen.

16

Einsatzgebiet mit dem Typenbe- Zünd- Gehäuse- maximale zulässiger


Verweis auf die Gruppe zeichnung schutzart schutz (IP) Oberflächen- Umgebungs-
Gesetzliche Grundlage für den Explosions- und Kategorie temperatur T temperaturbereich
schutz sind die ATEX-Richtlinien (ATEX =
Atmosphères Explosibles) der Europäischen
Leuchte Typ * – 20⬚C ⱕ Ta ⱕ + 55 ⬚C
Union: Richtlinie 94/9/EG (ATEX 95) und
Richtlinie 1999/92/EG (ATEX 137). Muster- II 2D Ex tD A21 IP65 T 100⬚C
firma BVS 07 ATEX E 998 X 0158
1 x 36 W / 40 W IEC 81 G13
Da Explosionsschutz Gesundheitsschutz ist,
hat die EU schon früh eine Harmonisierung
angestrebt: Die erste Richtlinie 76/117/EWG Name des EG-Baumuster- Kennzeichnung nach CE-Kennzeichnung
Herstellers prüfbescheinigung DIN VDE/EN/IEC mit der Nr. der Prüfstelle, die
zu diesem Regelungsbereich trat vor 30 Jah- mit Anschrift für Betriebsmittel das QM-System überwacht
ren in Kraft – damals jedoch noch ohne
Bestimmungen zum Staubexplosionsschutz. Der Leuchten-Pass: Alle für den Einsatz wichtigen Informationen, insbesondere ihre Eignung für einzelne explosionsge-
Die neue Richtlinie 94/9/EG bezieht erstmals fährdete Bereiche (Zonen), fasst das Typenschild von Ex-Leuchten zusammen.
sogar nicht-elektrische Produkte in die Ge- 17
setzgebung ein. Mit Anforderungen an die in
explosionsgefährdeten Bereichen eingesetz-
ten Produkte wendet sie sich an die Herstel- cherheitsgesetz. Damit wurden alle bis dahin Anforderungen für Montage, Installation und
ler von Betriebsmitteln. in der „Verordnung über elektrische Anlagen Betrieb. Die Übergangszeiten dieser am 28.
in explosionsgefährdeten Bereichen“ (ElexV) Januar 2000 in Kraft getretenen Richtlinie
Seit 1. Juli 2003 ist die Anwendung dieser erfassten Anforderungen an die Beschaffen- sind mit einer Ausnahme inzwischen abge-
ATEX-Richtlinie Pflicht. Zuvor installierte heit von Geräten durch einen Verweis auf die laufen, so dass in Deutschland nur noch die
Leuchten und andere Betriebsmittel dürfen ExVO ersetzt. Vorgaben aus der BetrSichV maßgebend
weiter betrieben werden. In deutsches Recht sind. Einzig für überwachungsbedürftige An-
umgesetzt wurde sie mit der 11. Verordnung An die Betreiber gefährdeter Anlagen wen- lagen sind Übergangsregeln bis zum 31. De-
– kurz ExVO – zum Geräte- und Produktsi- det sich die Richtlinie 1999/92/EG. Sie legt zember 2007 vorgesehen.
Anforderungen an Arbeitsstätten fest. Seit
ihrer Umsetzung in deutsches Recht durch
die Betriebssicherheitsverordnung (Be-
[16] Unter Versuchsbedingungen wird die Mindestzündenergie
ermittelt, also die kleinste Energie, die ausreicht, um die zünd- trSichV) ersetzen deren Vorgaben zum Ar-
willigste Atmosphäre zu entzünden. beitsschutz die noch in der ElexV erfassten
11

Lichtstark und wirtschaftlich


1

[18] 1 und 2 Dreiban-


3 den-Leuchtstofflampen
Ø 26 mm;
3, 4 und 5 Kompakt-
leuchtstofflampen;
6 ringförmige und
11 13 7 kolbenförmige
Induktionslampe;
8 9 8, 9 und 10 Halogen-
Metalldampflampen;
11 und 12 Natrium-
dampf-Hochdruck-
lampen;
13 Allgebrauchs-
5 glühlampe;
12 14 Halogen-Glühlampe

10
4 14
6 7

18

Stabförmige Leuchtstofflampen > bei Leuchten mit maximal drei Schalt- Hochdruck-Entladungslampen
zyklen pro Tag nach 12.000 Betriebs-
In Produktionsstätten des Handwerks und stunden. Halogen-Metalldampflampen vereinen kom-
der Industrie dominiert die stabförmige pakte Bauform, sehr hohe Lichtausbeute
Leuchtstofflampe mit ihrer hohen Lichtaus- Kompaktleuchtstofflampen und gute Farbwiedergabeeigenschaften mit
beute und langen Nutzlebensdauer. Das langer Lebensdauer zu lichtstromstarken
gilt auch für die Ex-Beleuchtung. Einge- Kompaktleuchtstofflampen arbeiten nach und wirtschaftlichen Lichtquellen. Eine
setzt werden Leuchtstofflampen Ø 38 mm demselben Lichterzeugungsprinzip wie gleichwertige Alternative sind farbverbes-
(nicht im Bild) sowie Dreibanden-Leucht- stabförmige Dreibandenlampen. Sie sind serte Natriumdampf-Hochdrucklampen.
stofflampen Ø 26 mm, diese nahezu aus- einseitig gesockelt, haben eine hohe Licht- Hochdruck-Entladungslampen werden über-
schließlich an elektronischen Vorschaltge- ausbeute, sehr gute Farbwiedergabeeigen- wiegend in Scheinwerfern und Hallenreflek-
räten (EVGs). schaften und sind in allen drei Lichtfarben – tor-Leuchten der Zündschutzart „Druckfeste
Warmweiß, Neutralweiß, Tageslichtweiß – Kapselung“ eingesetzt.
In Bereichen mit erhöhtem Staubanfall muss erhältlich. Die „Kompakten“ eignen sich für
für Ex-Leuchten sichergestellt sein, dass Leuchten der Zündschutzart „Druckfeste Glühlampen
die begrenzten Oberflächentemperaturen Kapselung“.
jederzeit eingehalten werden. Bei stabförmi- Einige Leuchten werden nach wie vor mit
gen Leuchtstofflampen besteht jedoch am Elektrodenlose Lampen Glühlampen bestückt. Hier ist die einseitig
Ende der Lampenlebensdauer die Möglich- gesockelte Halogen-Glühlampe mit ihrer län-
keit eines Fehlerfalls im Elektrodenbereich, Gute Energieeffizienz bei einer Lebens- geren Lebensdauer und höherer Lichtaus-
der als „end-of-life“-Effekt bezeichnet wird dauer von 60.000 Betriebsstunden beute die wirtschaftlichere Alternative.
und zu übermäßiger Wärmeentwicklung (< 12 Prozent Systemausfälle) sind die
führen kann. Davor schützen EVGs mit wichtigsten Kennzeichen der kolbenförmi-
„end-of-life“-Abschaltung, die inzwischen gen (für „Druckfeste Kapselung“) und der
verfügbar sind. Für nicht mit diesen neuen ringförmigen (für „Erhöhte Sicherheit“)
EVGs betriebene Beleuchtungsanlagen Induktionslampe. Beide arbeiten nach dem
kann nur der regelmäßige Lampenwechsel Prinzip der elektromagnetischen Induktion
dem Fehlerfall vorbeugen: und der Gasentladung. Die Lichtqualität
> bei Leuchten im Dauerbetrieb nach spä- gleicht der von Dreibanden-Leuchtstoff-
testens 24.000 Betriebsstunden, lampen.
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06* Gutes Licht für Verkauf und Präsentation (2002)
07* Gutes Licht im Gesundheitswesen (2004)
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08* Gutes Licht für Sport und Freizeit (2001) www.licht.de
09 Repräsentative Lichtgestaltung (1997)
10 Notbeleuchtung, Sicherheitsbeleuchtung (2000)
11* Gutes Licht für Hotellerie und Gastronomie (2005)
12* Beleuchtungsqualität mit Elektronik (2003)
13* Arbeitsplätze im Freien (2007)
14 Ideen für Gutes Licht zum Wohnen (2000)
16* Stadtmarketing mit Licht (2002)
17* LED – Licht aus der Leuchtdiode (2005)
18* Gutes Licht für Museen, Galerien, Ausstellungen (2006)

* Auch in englischer Übersetzung (PDF-Datei) erhältlich.