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Fotos: Bundesdenkmalamt, E. Kuttner, Museumverein Lauriacum, M. Strohofer, H. Ubl (BDA). Stadtplan: www.openstreetmap.org
Inhalt und Redaktion: Dr. Reinhardt Harreither, Dr. Sonja Jilek, Mag. Eva Kuttner. Graphik: Mag. Anna Adamczyk.
Herausgegeben von: Universität Wien, Institut für Österreichische Geschichtsforschung
Projektleitung: A. o. Univ. Prof. Dr. Andreas Schwarcz www.univie.ac.at/geschichtsforschung
römischen Limes in Österreich zusammenfassend aufzubereiten siehe www .limes-oesterreich.at
Das Institut für Österreichische Geschichtsforschung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Denkmalbestandes zum
www.tse-enns.at
Tel.: +43 (0)7223/82777
4470 Enns
Hauptplatz 19
Tourist-Information Enns
4470 Enns
Lauriacumstraße 4
nach ca. 2 Stunden wieder zum Ausgangspunkt zurück.
„Zivilstadt“ gelangt man auf 25 Stationen über das Legionslager und den mittelalterlichen Stadtberg
Kulturraum Enns zum Thema. Beginnend mit den konservierten Mauern eines Hauses der römischen
Der 8 km lange Kulturweg beginnt am Parkplatz vor der Basilika St. Laurenz und hat den historischen
Stadterlebnisweg
täglich um 16 Uhr sowie gegen Voranmeldung
1. April - 15. Oktober
www.stlaurenz.com
oder 82237 (Pfarramt)
+43 (0)7223/84010 (Severinhaus)
4470 Enns
Lauriacumstraße 4
Forschungsgeschichte. Im Chor der Basilika sind die Mauern der Vorgängerbauten tagsüber zu besichtigen.
die in Führungen zugänglich sind.Vitrinen zeigen Funde und geben Informationen über die
In der Unterkirche der Basilika St. Laurenz haben sich bauliche Überreste aus der Römerzeit erhalten,
Basilika St. Laurenz
1. November bis 31. März: Mo-Fr 9.00 - 15.00, So 10.00 - 12.00 und 14.00 - 16.00
1. Mai bis 30. September: Mo-Fr 9.00 - 18.00, Sa und So 10.00 - 12.00 und 14.00 - 16.00
1. bis 30. April und 1. bis 31. Oktober: Mo-Fr 9.00 - 15.00, Sa und So 10.00 - 12.00 und 14.00 - 16.00
ENNS – LAURIACUM
www.museum-lauriacum.at
+43 (0)7223/85362
4470 Enns
Hauptplatz 19

Das römische Legionslager


Szene zu bewundern.
Der Donaulimes in Österreich der größte römische Silbergeschirrfund Österreichs und das restaurierte Deckenfresko mit mythologischer
Nach der Darstellung des zivilen Lebens wird der Begräbniskult thematisiert. Im ersten Stockwerk sind
Österreich wird in mehreren Schauräumen gezeigt, beginnend mit den Funden aus dem Legionslager.
Lauriacum untergebracht. Eine der umfangreichsten archäologischen Sammlungen zur Römerzeit in
Im Alten Rathaus mit barocker Fassade am Hauptplatz in Enns ist das 1892 gegründete Museum
Museum Lauriacum
Das römische Legionslager Enns - LAURIACUM Das multinationale Welterbe „Grenzen des römischen Reiches“
Dank der günstigen Lage an Donau und Enns und am Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege Die Grenzen des Römischen Reiches bilden ein einzigartiges archäologisches Bodendenkmal
entstand bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. ein Handelsstützpunkt, der vom römischen Militär kon- von internationaler Bedeutung, das sich auf über 5500 Kilometern quer durch Europa, den
trolliert wurde. Nach den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Markomannen wurde um Nahen Osten und Nordafrika zieht. Diese äußerste Grenzlinie, die mehrere tausend Wachtposten
190 n. Chr. die legio II Italicavom nahen Albing nach Enns verlegt, wo sie ein neues Lager und hunderte größere und kleinere Kastellplätze in insgesamt 20 Staaten umfasst, soll in einem
errichtete. LAURIACUM wurde der wichtigste römische Militärstützpunkt zwischen gemeinsamen multinationalen UNESCO-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches“ zusam-
Regensburg/CASTRA REGINA und Wien/VINDOBONA. Mit umfangreicher militärischer und mengefasst geschützt und präsentiert werden. Einzelne Teile des Monuments, wie der
ziviler Infrastruktur ausgestattet war LAURIACUM Sitz des Legionskommandanten und ein Hadrianswall in Nordengland,
wichtiges Verwaltungszentrum der Provinz Noricum. der Antoninuswall in
Noch heute ist der Umfang des Legionslagers mit seinen Befestigungsanlagen und dem vorge- Schottland und der
lagerten Grabensystem im Stadtbild zu erkennen. Im Norden auf der Niederterrasse erstreckten sich Obergermanisch-Raetische
bis zum antiken Donauufer diecanabae legionis , eine lockere Siedlung der Handwerker und Händler. 550 km lange Limesabschnitt
Im Westen des Legionslagers entstand die planmäßig angelegte Zivilsiedlung in einem rasterartigen in Deutschland sind bereits
Straßennetz. Mehrere Gräberfelder geben Aufschluss über die Bevölkerung und das Entstehen der Welterbestätten.
Siedlung im Großraum Enns/LAURIACUM, die bis in das Frühmittelalter weiterbestand. In den Donaulimes-Ländern
Weitere Informationen: www.limes-oesterreich.at. Mitteilungen des Museumvereins Lauriacum; Forschungen in Lauriacum. gibt es hunderte von
Militärplätzen in sehr unter-
Der Donaulimes in Österreich
schiedlichem Erhaltungs-
Der österreichische Grenzabschnitt umfasst die Donau-Strecke zwischen Passau und Bratislava. zustand.Viele von ihnen sind
Die Donau bildete seit Christi Geburt die nördliche Grenze der beiden Provinzen Noricum und Bodendenkmäler und
Pannonien gegen das von Germanen besiedelte Barbaricum. An dieser Grenze wurden seit dem oberirdisch für den Betrachter
1. Jahrhundert n. Chr. Legionen und Hilfstruppen in befestigten Lagern stationiert, die durch eine unsichtbar. Andere werden
Limesstraße verbunden waren. schon mehr als 120 Jahre
Im Gegensatz zu den Festlandgrenzen, wie dem Hadrianswall in Großbritannien oder dem wissenschaftlich erforscht und
Obergermanisch-Raetischen Limes in Deutschland, waren Flussgrenzen wie der Limes in Österreich in Ruinenfreigeländen und
naturgemäß unterschiedlich strukturiert, da der Fluss selbst das Annäherungshindernis darstellte. Archäologieparks der
Entlang des österreichischen Grenzabschnitts überwachten 3 Legionslager (Enns,Wien, Carnuntum), Öffentlichkeit präsentiert. Jedes
16 Kastelle (Oberranna, Schlögen, Eferding, Linz,Wallsee, Pöchlarn, Mautern,Traismauer, Jahr kommen mit Hilfe der
Zwentendorf,Tulln, Zeiselmauer, Klosterneuburg, Schwechat, Fischamend, Carnuntum, Höflein) Luftbild- bzw. der geo-
und Wachttürme über mehrere Jahrhunderte den Grenzverkehr. Zivilsiedlungen mit Gräberfeldern physikalischen Prospektion
entstanden neben den Lagern oder als Verwaltungszentren im Hinterland (z.B.Wels oder St. Pölten). und der zahlreichen Rettungsgrabungen neue Anlagen hinzu. Alle diese Denkmäler entlang der
Jenseits der römischen Grenze liegen vor allem im Vorfeld des östlichen Grenzabschnitts einzelne Donau bilden zusammen mit den römischen Funden in den Limesmuseen einen großen archäo-
Marschlager und Befestigungsbauten im Barbaricum (Plank am Kamp, Fels am Wagram, logischen Schatz.Während einzelne am besten bekannte Ruinen der römischen Militär-
Bernhardsthal, Niederleis, Kollnbrunn, Stillfried). Dieses Grenzsystem ist in Österreich besonders architektur durch Denkmalschutzgesetze geschützt sind, werden jedes Jahr viele archäologische
mit seinen spätantiken Kastelltürmen,Toren und Befestigungsmauern in zahlreichen Städten an der Hinterlassenschaften vor allem in den städtischen, aber auch in ländlichen Regionen beschädigt
Donau (z.B. Mautern,Traismauer,Tulln, Zeiselmauer) noch eindrucksvoll und in archäologischen oder unwiederbringlich zerstört.
Fundstätten und Fundhoffnungsgebieten vorhanden.
Legionslager
Kastell/Kleinkastell
ENNS-LAURIACUM
Wachturm/Burgus
ALBING Militärische Ziegelei
Marschlager
Zivilsiedlung/Stadt
Das römische Legionslager ENNS – LAURIACUM
Nach Jahrzehnten des Friedens trafen die Zivilsiedlung Die Errichtung des 540m x 400m großen
und ihre Bewohner mehrere Wellen von Katastrophen, Der römerzeitliche Siedlungsraum von Legionslagers durch die legio II Italica , einer
die als großflächige Zerstörungen archälogisch Enns/LAURIACUM lag westlich der Fußtruppe mit einer Sollstärke von ca. 6.000
fassbar sind. In den Küchen fanden Archäologen ver- Mündung des Ennsflusses (lat. ANISUS oder Mann, bezeugt die monumentale Bauinschrift.
brannte Vorräte, z. B. Dinkel, getrocknete Erbsen, ANISA) in die Donau. In der Antike bildete Die Bronzehand stammt von einer über-
Linsen und Bohnen. die Donau mehrere Arme, die Schotterinseln lebensgroßen Kaiserstatue, die wie der Torso
umschlossen. Während der mittelalterliche aus Marmor die Treue der Truppe zum
Stadtkern auf dem heutigen Stadtberg nahe Kaiserhaus demonstrierte.
der Enns liegt, erstreckte sich der römische
Siedlungsraum auf den Schotterterrassen,
die gegen Norden zur Donau abfallen.
Der aus einer antiken Schriftquelle
erschließbare Hafen konnte archäologisch
noch nicht nachgewiesen werden. Das
Konglomeratgestein vom Georgenberg und
Paraderüstungen , wie die
der Granit am sogenannten Tabor bei
In den canabae legionis
, den Lagervorstädten, lebten Händler und Panzerbrustplatte mit den
Enghagen fanden als Baumaterial
Handwerker in beheizten Fachwerkbauten. An den Straßen lagen die Dioskuren, trug der Reiter
Verwendung. Die fruchtbaren Böden der
Verkaufsstände und Wohnräume, dahinter überdachte Werkstätten. (eques
) bei Reiterspielen. Das
Traun-Enns-Platte bildeten eine Grundlage
Von gehobenem Tafelluxus zeugt ein Silberschatz von 8 Gefäßen Langschwert s( patha) hing an In ihrer Freizeit besuchten
für die Landwirtschaft seit der Jungsteinzeit.
und einem Spiegel. einem breiten Ledergurt. die Soldaten das Bad im
Legionslager. Salböl in kost-
Die Grundrisse der Gebäude mit Innenhöfen baren Gefäßen, Pinzetten
und Säulengängen in einem rechtwinkeligen und Ohrsonden dienten der
Straßennetz erinnerten die Ausgräber an die Körperpflege. Nicht immer
Bauweise italischer Städte und ließen sie von ging der Sold in die Sparkasse,
einer „Zivilstadt“ sprechen.Wohlhabende er wurde auch verspielt.
Bürger lebten in großzügig angelegten
Quartieren (insulae), deren Wohnräume mit
Wand- und Bodenheizung, Fresken
und privaten Bädern ausgestattet waren.

An der Terrassenkante zur Donau lagenKalköfen .


Für den Lagerausbau brannten die Legionäre Kalk,
Der Besitz von Metall bedeutete
der gelöscht und vermischt mit Sanden einen
Reichtum . Die Merkur- und
besonders harten Mörtel ergab. Die massiven
Geniusstatuetten aus Bronze standen
Befestigungsmauern und –türme wurden aus
in Hausaltären. Der Silberbecher mit
Bahnhof behauenen Steinen im Mörtelverbund errichtet.
der Darstellung einer Löwenjagd war
Teil eines kostbaren Tafelgeschirrs.
Basilika
St.Laurenz
M

M Museum
Lauriacum Zu den Dienstpflichten der Soldaten gehörten
Ein Handwerkerviertel von über 100 Werkstätten mit qual-
der Auf- und Ausbau der Militäranlagen .
menden Öfen lag hinter einer Mauer, die die Brandgefahr
Sie arbeiteten in Steinbrüchen, transportierten
eindämmen sollte. In Töpfereien wurde Keramikgeschirr erzeugt,
und produzierten Baumaterial, z. B. Ziegel. Die
in Schmieden Metalle geschmolzen, gegossen und bearbeitet.
verwendeten Werkzeugtypen, Kelle, Hacke und
Meißel, haben sich bis heute kaum verändert.
Die Töpfer formten Tonlampen
in einem Model. Schmelztiegel
fanden beim Guss von Bunt-
metallen Verwendung. Ein
Schlüsselmodell aus Blei diente
zur Herstellung von Gußformen.
In den antiken Straßenverzeichnissen war
LAURIACUM (verschrieben als Blaboriciaco)
Entlang der Limesstraße, die der früheren Bundesstraße Ein Handelshaus aus Endpunkt der Straße von Aquileia über die
B1 entspricht, lag dasGräberfeld Kristein . In marmor- Aquileia , das Salz, Eisen Alpen, die hier in die Limesstraße
nen Grabbauten und auf Familiengrabsteinen gedachten und Edelmetalle mündete. Auf den Straßen bewegten sich
die Bewohner von LAURIACUM ihrer verstorbenen aus Noricum exportier- Truppen, Nachrichtendienste und Nach-
Familienmitglieder. te, siedelte sich in schubtransporte. Das ausgebaute Straßennetz
LAURIACUM an. ermöglichte den Austausch von vielfältigsten
Ein Grabstein aus dem Kulturtraditionen, aber auch von Luxusgütern.
1. Jahrhundert nennt
einen ihrer Vertreter, Florian, Ex-Kanzleichef des Statthalters, wurde
Aulus Barbius Gratus, während der diocletianischen Christen-
dessen Frau und ihren verfolgung am 4. Mai 304 in Lauriacum hin-
Sohn Quintus, der in der gerichtet, indem man ihn von der Ennsbrücke
legio XV in Carnuntum in den Fluss stürzte. DieVita Sancti Severini ,
diente. die Lebensbeschreibung des Hl. Severin, nennt
Bischof Constantius, den einzigen überliefer-
ten Bischof an der österreichischen Donau.

In den unsicheren Zeiten des Archäologische Hinweise auf dasfrühe Christentum sind die
späten 4. Jahrhunderts über- Mauern eines Kirchenraumes im Lagerspital des Legionslagers
siedelte die Zivilbevölkerung in unter der nicht mehr bestehenden Wallfahrtskirche Maria am Anger,
das befestigte Lager. In den Baureste einer frühchristlichen Kirche unter der heutigen Basilika
aufgelassenen Siedlungsflächen St. Laurenz in Lorch, zwei Fingerringe und eine Tonlampe
entstanden neueGräberfelder . mit Christogramm.