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Bisher unbekanntes Kraftfeld der Erde gefunden

14. April 2018 aikos2309

Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat ein zweites Magnetfeld der Erde entdeckt.
Mit Hilfe von Satelliten der „Swarm“-Mission, die der ESA Daten über einen längeren
Zeitraum lieferten, konnten die Forscher eine Karte dieses Kraftfeldes erstellen. Ihre
Ergebnisse präsentierten die ESA-Forscher bei der Generalversammlung der European
Geosciences Union in Wien. Das zweite Magnetfeld wird nicht von Magma, wie das große
Magnetfeld der Erde, sondern in den Ozeanen geformt.

Laut Medienberichten beträgt die Induktion des zweiten Magnetfeldes in der


Satellitenflughöhe rund zwei bis 2,5 Nanotesla, was 20 000 Mal schwächer als das normale
Kraftfeld der Erde ist. Seine Hauptquellen sind die großen Meeresströmungen, Flut und Ebbe.
Die „Swarm“-Mission der ESA besteht aus drei Satelliten, die seit 2013 die Erde in Höhen
zwischen 300 und 530 Kilometern umkreisen. Dank den gesammelten Messwerten konnte die
ESA eine Simulation des zweiten magnetischen Feldes zusammenstellen.

Zwischenergebisse der Esa-Mission Swarm in Wien präsentiert

Wenn man Daten zum Magnetfeld der Erde in neuen Satellitendaten betrachtet, drängen sich
Analogien zu Organismen auf: “Wie bei einem Herzschlag” ändert es sich periodisch an der
Oberfläche des Magnetkerns und die Gezeitenströme lassen es erkennbar pulsieren,
berichteten Forscher der Europäischen Weltraumagentur (Esa) bei der Generalversammlung
der European Geosciences Union (EGU) in Wien, die derzeit stattfindet. Das Magnetfeld
schützt die Erdoberfläche vor geladenen Partikeln aus dem All, die durch Sonnenwinde in
Richtung der Erde geschleudert werden. “Ohne diesen Schutzschild würde die Atmosphäre,
so wie wir sie kennen, nicht existieren, und das Leben auf der Erde wäre unmöglich”, so die
Forscher.

Gebildet wird das Magnetfeld zum größten Teil von einem “Ozean aus herumwirbelndem
flüssigen Eisen” im Erdinneren, der wie ein gigantischer Dynamo bei einem Fahrrad wirkt.
Zusätzlich tragen etwa die Felsen der Erdkruste, elektrische Ströme in der Ionosphäre und die
Meere zum Erdmagnetfeld bei. Seine Stärke und Ausrichtung sind ständig im Fluss. Derzeit
mehren sich die Anzeichen einer “signifikanten Schwächung”, die Ursachen dafür sind
allerdings nicht genau bekannt. Die Esa hat mit der Mission Swarm drei baugleiche Satelliten
2013 ins All geschickt, sie umkreisen die Erde unter anderem, um ihr Magnetfeld genauer zu
untersuchen. Sie können die unterschiedlichen Einflüsse im Erdinneren und an der
Oberfläche, die zum Erdmagnetfeld beitragen, mit diversen Magnetometern und anderen
Messgeräten untersuchen.

Obwohl der Anteil der Ozeane zum Erdmagnetfeld nicht allzu groß ist, haben die Daten der
Swarm-Mission dazu den Esa-Forschern einiges über die Erdkruste verraten, erklärte
Missions-Manager Rune Floberghagen von der Esa. Salzwasser leitet elektrische Ladungen
und durch seine Bewegung bei Flut und Ebbe (Tidenbewegung) entsteht ein kleines, aber
messbares magnetisches Signal. Durch dieses Pulsieren könne man wie bei Magnetresonanz-
Untersuchungen im medizinischen Bereich den Ozeangrund untersuchen. Anhand der Swarm-
Daten habe man die Grenze zwischen der warmen, viskosen Asthenosphäre und der kühleren
Lithosphäre in 72 Kilometern Tiefe kartieren können. “Wir haben mit Swarm die
magnetischen Signale der Gezeiten von der Meeresoberfläche zum Meeresboden gemessen,
was uns ein wirklich neues und umfassendes Bild davon gibt, wie der Ozean in allen Tiefen
fließt”, sagte Nils Olsen von der Technischen Universität Dänemark in Lyngby. Da die
Ozeane Wärme aus der Luft aufnehmen, sei es für das Verständnis des sich verändernden
Klimas wichtig zu wissen, wie diese Wärme verteilt und gespeichert wird, insbesondere in der
Tiefe.

Olsen: “Da dieses Gezeitenmagnetsignal auch eine schwache magnetische Reaktion tief unter
dem Meeresboden hervorruft, werden diese Ergebnisse genutzt, um mehr über die
elektrischen Eigenschaften der Lithosphäre und des oberen Erdmantels zu erfahren.”