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Mitgliederversammlung des CCC „Mehr Mitbestimmung wagen“ Tobias Anton, Mai 2018

1. Keine Wahl des Presseteams

Als Sprachrohr der deutschsprachigen Hacker-Community kommt dem Presseteam des CCC eine erhebliche Bedeutung zu. Es kontrolliert unter Anderem den Zugang zur Webpräsenz des CCC, zum Twitter-Account @chaosupdates, und zu den Mail-Adressen, auf denen Anfragen von Journalisten eingehen.

Dennoch stellt es sich keiner Wahl. Nach eigener Aussage legitimieren sich die Sprecher über die intern@- Mailingliste, wo sie sich kontinuierlich der Kritik der Mitglieder stellen. Sie halten das für ausreichend. Nach allgemeinem Verständnis ist diese Mailingliste jedoch nur ein „privater Freundeskreis im Umfeld des CCC“. Diese Liste kann daher keine Legitimationsquelle für ein so bedeutendes Organ sein.

2. Mangelnde Kritikfähigkeit

Das Presseteam sieht sich zu einer Änderung seiner Arbeitsweise nicht veranlasst, solange auf der Mailingliste keine ernstzunehmende Kritik laut wird. Tatsächlich gibt es diese Kritik, sie wird nur verdrängt. Ich kritisierte dort im Juni 2017 die Arbeit des Presseteams. Kurz darauf wurde ich – maßgeblich auf das Betreiben zweier Sprecher hin – aus einem Berliner Hackerspace ausgeschlossen. Das zog auch den Verlust meines Zugangs zur internen Mailingliste nach sich. Somit konnte ich mich nicht mehr an diesem Feedbackprozess beteiligen.

3. Willkürliche Entscheidungen – Einzelfall oder gängige Praxis?

An Silvester 2017 half ich beim Abbau des 34C3. Obwohl es dort zu keinerlei Konflikten gekommen war, ließ mich Christian Carstensen (Cpunkt) gegen Abend vom Gelände entfernen. Er begründete das Hausverbot mit meinem juristischen Vorgehen gegen den vorangegangenen Ausschluss aus dem Berliner Hackerspace. Auf der Mitgliederversammlung des CCC im April 2018 wurde deutlich, dass eine Einmischung in lokale Belange der Mitglieder nicht gewünscht ist. Damit war Cpunkts Begründung für das Hausverbot hinfällig.

4. Sprecher verharmlosen das Fehlverhalten von Amtskollegen

Frank Rieger stellte CPunkts Alleingang als „Einzelfall“ dar. Offenbar wollte er damit einer Grundsatzdebatte über Willkür bei vereinsinternen Entscheidungen aus dem Weg gehen. CPunkts Entscheidung war jedoch kein Versehen. Sie war auch nicht der einzige Fall, in dem so vorgegangen wurde, wie folgendes Beispiel zeigt:

5. Sprecher entscheiden eigenmächtig über Ausschluss

Nachdem im Juni 2016 Missbrauchsvorwürfe gegen ein prominentes Mitglied laut geworden waren, veröffentlichte der CCC eine Pressemitteilung, die den Ausschluss zunächst nur andeutete. Einen Vorstandsbeschluss dazu gab es nicht. Auf der internen Mailingliste machte Linus Neumann deutlich, dass er die Pressemitteilung sehr wohl als Ausschluss verstanden wissen wollte. Kurze Zeit später konkretisierte Linus die Pressemitteilung mit den hier abgebildeten Tweet. Dabei nannte er das Mitglied beim Namen. Er verkündete seine Entscheidung auch auf diversen anderen informellen Kanälen. Dabei erweckte er stets den Anschein im Namen des CCC zu sprechen.

erweckte er stets den Anschein im Namen des CCC zu sprechen. 6. CCC blamiert sich mit

6. CCC blamiert sich mit Reaktion auf Falschmeldung

Kurze Zeit später stellten sich die Anschuldigungen gegen Jake im Kern als falsch heraus. Für den CCC wurde das zum PR-Fail: Es war gelungen den Club von außen mit Falschmeldungen zu einer Maßnahme gegen ein eigenes Mitglied zu bewegen. Die viel gerühmte Unabhängigkeit stand in Frage.

Dabei muss man sehen: Der CCC verspricht die persönlichen Daten von Mitgiledern und Informanten besonders zu schützen. Für ein Mitglied, das im Club Schutz vor Verfolgung sucht, ist es potenziell gefährlich, wenn es jemandem gelingt dafür zu sorgen, dass sich der Club öffentlich von ihm distanziert. Dies stellt eine Angriffsmöglichkeit dar, die von politischen Gegnern potenziell ausgenutzt werden kann.

http://tobiasanton.com/publications/anton-ccc-mv-2018.pdf

Mitgliederversammlung des CCC „Mehr Mitbestimmung wagen“ Tobias Anton, Mai 2018

Deshalb ist es wichtig, dass Mitglieder vor Willkürentscheidungen durch andere Mitglieder geschützt werden. Das wird am ehesten erreicht, indem die Entscheidung über den Ausschluss beim Vorstand verbleibt. So lange er keinen Beschluss fasst, hat der Club die verdammte Pflicht öffentlich zu seinen Mitgliedern zu stehen. Das betrifft auch die Pressearbeit: Äußerungen, die dem Club zugerechnet werden können, und die Informationen über den Mitgliedschaftsstatus enthalten, dürfen ausnahmslos nur in Abstimmung mit dem jeweiligen Mitglied veröffentlicht werden. Wird dieses Grundprinzip verletzt, und sei es auch nur in einem Einzelfall, dann rechtfertigt das meiner Ansicht nach die sofortige Auflösung und Neubesetzung des Gremiums.

7. Mehrere Einzelfälle ergeben ein Muster

Der „not welcome“-Tweet verletzte dieses Grundprinzip klar. Selbst wenn es moralisch geboten war sich hier zu positionieren, hatte das Presseteam dafür kein Mandat. Im April 2018 stellte die Mitgliederversammlung erneut klar: Eine Einmischung in lokale Belange der Mitglieder ist nicht gewünscht. Die Anschuldigungen gegen Jake waren ausnahmslos dessen beruflichen Umfeld zuzuordnen. Diesem Gedanken folgend hätte sich der Club hier also neutral verhalten müssen.

Dasselbe gilt für Erdgeists Aktivität auf Twitter. Kurz nach meinem Rauswurf durch CPunkt teilte er dort mit, ich sei „aus dem Verein geworfen“ worden, was in Bezug auf den CCC unrichtig ist. Als Mitglied des Sprecherteams hätte er sich - auch bei Verwendung seines privaten Accounts - an das Prinzip halten müssen, dass Informationen über Mitglieder nur in Abstimmung mit diesen veröffentlicht werden.

nur in Abstimmung mit diesen veröffentlicht werden. Franks Aussage, CPunkts Alleingang sei lediglich ein

Franks Aussage, CPunkts Alleingang sei lediglich ein „Einzelfall“, kann also als widerlegt gelten. Da sich die anderen Einzelfälle ebenfalls in Franks Umfeld abgespielt haben, kann er sich auch nicht auf Unkenntnis berufen. Dass er diesen Standpunkt dennoch gegenüber der Mitgliederversammlung vertritt, stellt ihn vor ein Glaubwürdigkeitsproblem.

8. Presseteam installiert weitere, nicht wählbare Organe

Im März organisierte Frank gemeinsam mit sva das „Tuwat“-Symposium. Dort wurden mehrere Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die zu strategischen Themen Expertise aufbauen und eng ans Presseteams angebunden werden sollen. Die ursprüngliche Besetzung der Teams wurde willkürlich von Frank festgelegt. Eine Bestellung der Gruppen durch die Mitgliederversammlung ist nicht vorgesehen. Die Teams können frei entscheiden, wen sie aufnehmen, Ablehnungen müssen nicht begründet werden.

Auf die Frage, warum nur eine Handvoll ausgewählte Mitglieder zum Kick-Off eingeladen worden waren, verwies Sva auf das Prinzip der Selbstorganisation. Sie behauptete, der Vorstand habe „nicht die Veranstaltung, sondern nur deren finanzielle Förderung“ beschlossen. Das trifft freilich nicht zu: Als Erfa-Repräsentantin ist sie selbst Vorstand. Sie hat das Treffen vorbereitet und auch selbst durchgeführt, also muss sie auch irgendwann beschlossen haben das zu tun. Die behauptete „Selbstorganisation“ steht zudem im Widerspruch zur initialen Besetzung der Teams durch Frank. Zwar betonte dieser, dass Mitglieder auch jederzeit eigene Arbeitsgruppen gründen und Positionen besetzen können. Diese Aussage erscheint jedoch praxisfremd.

9. Vorstand nicht unabhängig

Der Club fördert Veranstaltungen externer Organisationen, von denen Sprecher des CCC Honorare erhalten. Berufliche und ehrenamtliche Tätigkeiten sind dort eng miteinander verwoben. Eine Beeinflussung von Entscheidungen im Club durch externe Organisationen über die Sprecher ist grundsätzlich nicht auszuschließen. Das Vorgehen bei Jakes Ausschluss hat gezeigt, dass Sprecher praktisch auch Vorstandsaufgaben wahrnehmen. Dass der Vorstand dem nicht energisch entgegen tritt, stellt seine Unabhängigkeit in Frage. Nachdem sich die maximale Höhe der Zuwendungen an einzelne Organisationen ggü. der letzten Amtsperiode um ca. Faktor 10 erhöht hat, erscheint das bisher geforderte Maß an Transparenz nicht mehr ausreichend, um Vorteilsnahme, Beeinflussung oder Diskriminierung noch wirksam zu verhindern.

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Mitgliederversammlung des CCC „Mehr Mitbestimmung wagen“ Tobias Anton, Mai 2018

- Antrag zur Tagesordnung -

Das Presseteam des CCC ist nicht gewählt. In den vergangenen Jahren kam es zu rufschädigenden Äußerungen von Sprechern gegenüber Mitgliedern. Ausschlüsse von Mitgliedern wurden von Sprechern eigenmächtig, d.h. ohne Rücksprache mit dem Vorstand, beschlossen und öffentlich verkündet. In mindestens einem Fall erfolgte dies auf der Grundlage falscher Tatsachen.

Auf der Mitgliederversammlung bezeichnete Sprecher Frank Rieger das systematische Fehlverhalten seiner Amtskollegen unzutreffend als Einzelfall. Gemeinsam mit Vorstand sva etablierte er informelle Vereinsorgane an Mitgliedern und Satzung vorbei. Sva leugnete die Beteiligung an der Beschlussfassung zu diesem Schritt.

In der letzten Amtsperiode leitete der Vorstand zudem Fördermittel in sechsstelliger Höhe an Organisationen weiter, in denen Sprecher und Vorstände des Vereins, teilweise gegen Entgelt, mitwirken. Erfolgskontrolle und Transparenz sind lückenhaft.

Das Vertrauen in die Arbeit von Vorstand und Presseteam soll auf eine breitere Basis gestellt werden. Damit das gelingt, müssen Möglichkeiten zur Stimmabgabe ohne persönliche Anwesenheit geschaffen werden. Briefwahl, Stimmrechtsdelegation oder ein elektronisches Abstimmungssystem kämen etwa in Frage.

Um auch die Entlastung des Vorstands auf diesem Weg zu ermöglichen, soll der Rechenschaftsbericht vorab zugänglich gemacht werden. Er könnte auch detaillierter ausfallen. Kandidaten für Vorstand und Presseteam sollten sich vor Versand der Einladungen nominieren lassen und sich dazu verpflichten, im Falle ihrer Ernennung alle Verbindungen zu Organisationen, die Zuwendungen vom CCC erhalten, offenzulegen.

Schließlich muss das Presseteam seine Organfunktion anerkennen und sich der Kritik an seiner Arbeit sowie einer individuellen Wahl durch die Mitgliederversammlung stellen.

Um die nötigen Veränderungen vorzubereiten beantrage ich:

I. Der Vorstand wird beauftragt gemeinsam mit interessierten Mitgliedern folgendes auszuarbeiten:

a. eine Wahlordnung, die den Mitgliedern die Teilnahme an Abstimmungen der Mitgliederversammlung ohne persönliche Anwesenheit ermöglicht,

b. eine Satzungsänderung, die Rechte und Pflichten des Presseteams regelt und dessen Wahl durch die Mitgliederversammlung sicherstellt,

c. eine Satzungsänderung, die die Bestellung von Themen-Arbeitsgruppen durch die Mitgliederversammlung ermöglicht und Festlegungen für deren Zusammenarbeit mit dem Presseteam trifft.

II. Der Vorstand möge Richtlinien für die Vergabe von Fördermitteln ausarbeiten, diese auf ccc.de zu veröffentlichen und von der nächsten Mitgliederversammlung genehmigen lassen.

III. Der Vorstand möge nach Fertigstellung der Änderungsvorschläge bzw. Richtlinien, spätestens jedoch in einem halben Jahr, eine Mitgliederversammlung einberufen, um die Satzungsänderungen und Förderrichtlinien beschließen zu lassen.

IV. Der Vorstand wird aufgefordert, seinen Rechenschaftsbericht vor der nächsten Einladung zur Mitgliederversammlung online zugänglich zu machen. Im Rechenschaftsbericht sollen die größten 10 Förderprojekte der letzten zwei Jahre vorgestellt werden. Antragstext, Höhe der Förderung, interne und ggfs. externe Projektkoordinatoren, erreichte und nicht erreichte Ziele sind zu benennen. Projektkoordinatoren werden zur Mitgliederversammlung eingeladen um im Rahmen der Vorstellung des Rechenschaftsberichts eine Abschluss- bzw. Zwischenpräsentation zu halten.

V. Dem Vorstand wird auferlegt Anträge zur Förderung von Projekten mit vereinsfremdem Träger oder Projektkoordinator ab einer Summe von 20.000 EUR vorab von der Mitgliederversammlung genehmigen zu lassen.

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