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ABITUR

DEUTSCHE LITERATUR.
STOFF FUR DIE KLASSEN IX-XII.
IX. KLASSE
1. Die deutsche Aufklarung und Lessings Schauspiel
“Nathan der Weise”
2. Die Epoche des “Sturm und Drang” und Schillers
Dramen: “Kabale und Liebe” und “Die Rauber”

I: Die deutsche Aufklarung und Lessings Schauspiel “Nathan der Weise”

DIE AUFKLÄRUNG

(1720 – 1785)
Die Epoche der Aufklärung griff auf Ideen aus England und Frankreich zurück und
betonte Gesichtspunkte wie Vernunft, Toleranz und Weltbürgetum.

Nach Auffassung des einflussreichen Philosophen Immanuel Kant ist Aufklärung der
´´Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit´´.

Der Wahlspruch der Zeit lautet: ´´Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen´´.

Damit war auch die Abwendung von den durch Kirche, Staat und Gesellschaft
vorgegebenen Autoritäten und Abhängigkeiten verbunden.

Zugleich entwickelte sich eine Richtung, die durch Frömmigkeit, Gefühl und
Empfindsamkeit grprägt war.

Der 30jährige Krieg wird abgelöst durch einen scheinbar dauerhaften Frieden. Die Bürger
verlangen klassenunabhöngige Gerechtigkeit, fürstenunabhängige Justiz und
menschenwürdige Gerichtsstrafen.

Rene Descartes meint: ´´Je pense, donc j´existe´´ (Ich denke, also bin ich). Er meint
dadurch, dass ein Mensch, der seine Vernunft und seinen Verstand nicht benutzt, nicht
behaupten kann, zu leben.

Gottsched hat die erste Phase der Literatur der Aufklärung geprägt. Er legte die führende
Poetik der Zeit vor und bemühte sich um die Reform des Dramas und des Theaters.
Die zweite Phase steht im Zeichen Lessings. Er schrieb mit ´´Miss Sara Sampson´´ das erste
bedeutende bürgerliche Trauerspiel. Bisher waren die Tragödien den oberen
Gesellschaftsschichten vorbehalten gewesen. Seine Theorie des Theaters formulierte er in
´´Briefe, die neueste Literatur betreffend´´ , die unter anderen die Bedeutung Shakespeares
hervorheben und sich kritisch mit Gottsched auseinandersetzen, und in seiner
´´Hamburgischen Dramaturgie´´.

Die Forderung der Aufklärung nach Toleranz gestaltet Lessing besonders im ´´Nathan´´.

Hier werden Vertreter der grossen Religionen Christentum, Islam und Judentum
zusammengeführt. Dem Juden Nathan, der als einziger seiner Familie ein Pogrom überlebt
hat, gelingt es, Hass in Vernunft umzuwandeln und das Trennende der Religionen zu
überwinden. In dem Mittelpunkt des Stückes steht die Parabel von den drei Ringen.

Lessing und Gellert sind auch als Verfasser von belehrenden Fabeln hervorgetreten, die
sich für die Ziele der Aufklärung besonders eignen und sich daher besonderer Beliebtheit
erfreuten.

Themen: Toleranz, Humanität, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Vernunft,

Unabhängigkeit und Bescheidenheit.

Das Drama “ NATHAN DER WEISE”

GOTTHOLD EPHRAIM LESSING

INHALT:

Erzählt wird die Geschichte des weisen Juden Nathan, der zur Zeit der Kreuzzüge in
Jerusalem lebt. Ihm gelingt es, im persönlichen Bereich freundschaftliche Beziehungen zu
Christen und zu Moslems aufzunehmen und so die Gräben der Feindschaft zu überwinden.

Nach der Rückkehr von einer längeren Geschäftsreise erfährt Nathan, dass sein Haus
gebrannt hat und seine Tochter Recha von einem Christen gerettet worden ist. Dieser junge
Ritter, der dem Orden der Templer angehört, war erst kurz zuvor von dem Sultan Saladin
zum Tode verurteilt worden, dann aber, wegen seiner Ähnlichkeit mit Saladins Bruder,
Assad, begnadigt worden. Nachdem Daja, die Erzieherin Rechas, Nathan von der
judenfeindlichen Gesinnung des Tempelritters erzählt hat, beschliesst Nathan, ihm
persönlich für die Rettung Rechas zu danken. Das Gespräch endet mit gegenseitigen
Freundschaftsbekundungen. Der Tempelherr folgt der Einladung Nathans und verliebt sich
auf Anhieb in Recha, von der er annehmen muss, dass sie Jüdin sei.

Daja jedoch gibt das lang verhütete Geheimnis preis, dass Nathan nicht der leibliche Vater
der christlich getauften Recha ist, sondern nur ihr Pflegevater. Der Tempelherr sieht darin
eine schwere Verfehlung Nathans und klagt ihn beim Patriarchen von Jerusalem, dem
Oberhaupt der Christen in Jerusalem, an, ohne allerdings Nathans Name zu verraten.

Erst durch die Vermittlung Saladins, der Nathans Weisheit und Grosszügigkeit
zwischenzeitlich kennen gelernt hat, kann der Streit beigelegt werden.

Nathan hat erfahren,dass der Tempelherr und Recha Geschwister sind und dass Assad, der
verstorbene Bruder des Sultans, deren Vater gewesen ist. Am Ende des Dramas führt
Nathan die Familie zusammen.

THEMATIK:

Lessings ´´Nathan der Weise´´ kritisiert unaufgeklärtes Denken, wie es sich in Intoleranz,
Unversöhnlichkeit und religiösem Fanatismus ausdrückt, und zeigt Wege auf, die zu einer
menschlicheren Welt führen.

Lessing geht von dem optimistischen Ansatz aus, dass die Grundvoraussetzung für eine
menschlichere Welt ein Umdenkprozess jedes einzelnen Menschen ist. Wenn sich viele
einzelne Menschen ändern, dann ändert sich zwangsläufig auch die Welt.

Den Weg der Veränderung zeigt Lessing an verschiedenen Figuren auf, die den
Gesinnungswandel

von Aroganz zu Bescheidenheit

von Intoleranz zu Achtung und Respekt

von grundloser Abneigung zu Wertschätzung

durchlaufen.

Die Hauptfigur, der Jude Nathan, setzt durch die bescheidene und doch bestimmte Art
seines Auftretens diese Bewusstseinsänderung bei seinem jeweiligen Gesprächspartnern in
Gang.

Sein unermüdlicher Einsatz für eine bessere Welt, die durch den Willen zur Versöhnung
gekennzeichnet ist, wird belohnt. Die freundschaftlichen und verwandtschaftlichen
Beziehungen stehen für die Möglichkeit einer besseren und friedlichen Welt, in der für
religiösem Fanatismus kein Platz mehr ist.
Der Kampf gegen Vorurteile im Denken und Sprechen ist auch heute eine bleibend gültige
Forderung; die Thematik in ´´Nathan´´ ist aktuell und hochbrisant.

DIE RINGPARABEL:

Saladin begrüsst Nathan und kommt sofort zu der entscheidenden Frage, mit der er sein
Gast in die Enge treiben will: Welche Religion die richtige sei, denn nur eine, Christentum,
Judentum oder Islam könne ja die wahre sein.

Im folgenden Monolog zeigt sich die Klugheit Nathans, denn er durchschaut den Plan
Saladins, ihn mit einer unlösbaren Problemstellung in die Falle zu locken. Und so hofft er,
dem Sultan mithilfe einer Erzählung eine Lehre erteilen zu können.

INHALT:

Ein Mann besitzt einen Ring, dessen Wunderkraft darin besteht, dass er den jeweiligen
Träger ´´vor Gott und Menschen angenehm´´ macht, vorausgesetzt, man glaubt an die
Kraft des Wunderringes.Dieser Mann nun vererbt den Ring dem ihm am meisten
geliebten Sohn, und mit dem Ring verknüpft ist auch der Anspruch auf das Alleinerbe des
väterlichen Besitzes. Dieser Brauch wird über mehrere Generationen hinweg gepflegt, bis
der Ring schliesslich zu einem Vater gelangt, der diese Entscheidung nicht zu treffen
vermag, da er seine drei Söhne alle gleich liebt. Der Vater hat aber jedem Einzelnen den
Ring versprochen, nicht aus Bosheit, sondern aus Schwäche und Unsicherheit. Als der
Vater bemerkt, dass er nicht mehr lange zu leben hat, lässt er zwei weitere Ringe
anfertigen, die dem ersten vollkommen gleichen.In seiner Todesstunde ruft er jeden Sohn
einzeln zu sich, gibt jedem einen Ring und stirbt. Da nun jeder der Söhne glaubt, einen
berechtigten Anspruch auf das Erbe zu haben, verklagen sie sich vor Gericht und
beschuldigen sich gegenseitig des Betrugs.Der Richter scheint zunächst ratlos, doch danach
erinnert er sich an die Wunderkraft des Ringes. Da sich aber die Kraft des Ringes bei
keinem der Brüder offenbart, so schlussfolgert er, müssen alle drei Ringe unecht sein. Er
entlässt die drei Brüder mit dem Rat, dass jeder so leben solle, als besitze er den echten
Ring. Am Ende der Tage werde ein Mann mit grösserer Weisheit die offene Frage
beantworten, denn nur der könne wissen, welcher Ring der echte sei.
QUELLE:

Die Vorlage für die ´´Ringparabel´´ stammt aus dem ´´Decamerone´´, einer
Novellensammlung des italienischen Dichters Boccaccio (1313-1375) und erzählt die
Geschichte des Juden Melchisedech, den Saladin in eine Falle locken will.

INHALT DER BACCACCIO- NOVELLE:

Saladin erinnert sich, als er in Geldnot kommt, eines Juden namens Melchisedech, der
Geld gegen Zinsen verleiht, aber ungeheuer geizig ist. Er bittet ihn zu sich und stellt ihm
die Frage, welche der drei Religionen die wahre sei. Melchisedech durchschaut den Plan,
ihn in eine Falle zu locken und erzählt die Geschichte von den drei Ringen:

Ein reicher Mann vererbt einem seiner Söhne einen besonders schönen und kostbaren
Ring. Mit dem Ring ist der Anspruch auf das Gesamterbe verbunden.Nachdem der Ring
über mehrere Generationen hinweg in gleicher Weise weitergegeben worden ist, kommt er
in die Hände eines Vaters, der sich nicht entscheiden kann. Jedem seiner drei Söhne
verspricht er den Ring, weil er alle gleich liebt. Er lässt zwei weitere Ringe anfertigen, die
dem ersten fast gleich sind. Nach dem Tod des Vaters kommt es zum Erbstreit der Brüder.
Das Rätsel, welcher der Ringe nun der echte ist, wird jedoch nicht gelöst.

UNTERSCHIEDE ZU LESSINGS ``RINGPARABEL``:

- Nathans Grosszügigkeit steht im Gegensatz zu Melchisedechs Geiz.


- Die Wunderkraft, beliebt zu machen, fehlt bei Boccaccio.
- Damit verschiebt sich auch die Gewichtung, was den Wert des Ringes ausmacht: Nicht
das Materielle ist wesentlich bei Lessing, sondern die Wirkung des Ringes auf seinen
Träger.
- Lessins Variante enthält die dramatische Zuspitzung des Konflikts vor dem Richter und
damit den Höhepunkt der Ringparabel: die Zurechtweisung der Brüder und den Rat
des Richters.
- Auch die Belehrung Saladins durch Nathan und die Bitte Saladins, Nathans Freund
sein zu dürfen, ist Lessings Ergänzung.

NATHANS CHARAKTERISIERUNG:

Mit Nathan tritt die Gestalt des Weisen, des Belehrenden auf die Bühne.Die
Ausstrahlungskraft dieser Gestalt ist in ihrer Sittlichkeit, in ihrer menschlichen Haltung
begründet.
Das Hauptanliegen, das Lessing durch den Charakter Nathans vertritt, ist die
Vermenschlichung der Religion. Nathan ist kein Atheist, sondern ein Mensch, der um eine
menschliche Religiosität ringt und diese in seinem Wirkungskreis in aktive Humanität
verwandeln will.

Nathan hat sich diese Haltung durch eine schwere Prüfung errungen; er selbst hat durch
sein eigenes Schicksal die Unmenschlichkeit religiöser Unduldsamkeit kennengelernt. Seine
Frau und seine sieben Söhne wurden von Christen getötet. Dieses Erlebnis hat ihn zur
Einsicht gebracht, dass nur durch Humanität, durch Duldsamkeit, die Unmenschlichkeit
der religiösen Intoleranz besiegt werden kann. So hat Nathan eine welt- und
menschenfreundliche Einstellung.

Lesing verbindet mit der in Nathan dargestellten Menschlichkeit auch den Gedanken der
Völkerfreundschaft. Denn nach Lessings Überzeugung ist nicht die Zugehörigkeit zu einem
Volk das Wertkriterium, sondern die Tatsache, dass der eine wie der andere ein Mensch ist.

Nathans Gesinnung der Toleranz zeigt sich in seiner Bereitschaft, Freundschaft mit
Menschen anderer Religionszugehörigkeit zu schliessen und ein Kind christlichen
Galubens anzunehmen.

SCHLUSSFOLGERUNGEN:

- Lessing lehnt den christlichen Glauben ab, denn er meint, die Religion darf die
Vernunft nicht unterjochen.Die christliche Gesinnung muss sich in den Taten beweisen,
nicht in frommem Gerede.
- Erst wenn sich die Menschen gegenseitig, trotz der Unterschiede, respektieren und
tolerieren, kann es Frieden geben.
- Lessings utopischer Entwurf beinhaltet die Hoffnung, dass die trennenden Schranken
der Religion, der Rasse, der sozialen Schichten und der geistigen Unterschiede, in ferner
Zukunft überwunden werden und die Menschen zu einer grossen Familie
zusammenwachsen werden.

LESSING ALS VERTRETER DER AUFKLÄRUNG


In seinem Werk theoretischen Werk, ´´Hamburgische Dramaturgie´´, arbeitet Lessing eine
Theorie des Dramas heraus.

Er meint, das Drama müsste eine gegenwärtige Handlung haben, wir sollten daraus lernen
was ein jeder Mensch von einem gewissen Charakter unter gewissen Umständen tun
würde, es müsste auch realistisch sein und im Mittelpunkt sollte der bürgerliche Held
stehen.
Der Zuschauer sollte sich am Schicksal der dargestellten Personen beteiligen können.

Der Zweck der Tragödie wäre, Mitleid mit dem Schicksal der bürgerlichen Helden zu
erwecken.

Lessing meint, dass die Literatur Werte wie Mitleid und Menschlichkeit vermitteln solle.
Besonders das Trauerspiel soll Gefühle erwecken, die Menschen sittlich läutern:

´´Wie unendlich besser und sicherer sind die Wirkungen meines Mitleidens! Das Trauerspiel
soll das Mitleiden nur überhaupt üben und nicht uns in diesem oder jenem Falle zum
Mitleiden bestimmen. Gesetzt auch, dass mich der Dichter gegen einen unwürdigen
Gegenstand mitleidig macht, nämlich vermittelst falscher Vollkommenheiten, durch die er
meine Einsicht verführt, um mein Herz zu gewinnen. Daran ist nichts gelegen, wenn nur
mein Mitleiden rege wird, und sich gleichsam gewöhnt, immer leichter und leichter rege zu
werden.´´
Ein neuer Menschentyp soll entstehen, der nicht nur moralisch agiert, sondern emotional
reagiert, gerührt wird, weint.

Mitleid könne bei Lessing nur eine handelnde Person erregen, die einen ´´mittleren
Charakter´´ besitze, also weder extrem gut noch extrem böse sei und am eigenen Unglück
keine Schuld habe.

Der Zuschauer müsse sich mit der dargestellten Person identifizieren können und das sei
nur möglich, wenn er auf der Bühne ihm ähnliche Gestalten sehe.

II. Die Epoche des “Sturm und Drang” und Schillers


Drama : “Kabale und Liebe”

STURM UND DRANG


(1767-1785)

Der Name dieser Epoche des literarischen Protestes geht auf das Drama von Maximilian
Klinger ´´Sturm und Drang´´ zurück. Gegen den Rationalismus der Aufklärung setzt man
das Gefühl.
Als Kennzeichen von Dichtung gelten besonders Natürlichkeit, Originalität und Genialität.

Der Mensch wird in seiner individuellen Einmaligkeit gesehen, er soll frei sein, frei auch
von staatlichen und religiösen Zwängen.Hier wirken also Ideen der Aufklärung.

Zentrales Thema ist der Konflikt zwischen dem Naturmenschen und der bestehenden
Kultur.

Anregungen gingen vom Werk Shakespeares und von den Ideen des Franzosen Jean-
Jacques Rousseau aus, der meint, dass ´´das Gefühl mehr als die Vernunft´´sei und dass der
Kulturmensch die ´´göttliche Schöpfung´´ zerstört habe. Er sagt auch, dass ´´das Leben ´´
nicht ´´im Denken und Meinen´´ beruht, sondern ´´im persönlichen Fühlen´´.

´´Prometheus´´ ist das Schöpfergenie, das sich gegen die korrupten Götter des griechischen
Olympus auflehnt. So steht Prometheus als Vorbild für die Kraftmenschen, für die
Originalgenies dieser Epoche. Die jungen Dichter und Schriftsteller erheben sich gegen
Ungerechtigkeit jeder Art und gegen Fürstenwillkür.

Diese Literaturbewegung ist eng begrenzt auf südwestdeutsche absolutistische


Fürstentümer, wo Despotismus, Verschwendungssucht und Mätressenwirtschaft
anzutreffen war. Die Untertanen wurden durch immer neue Steuern ausgebeutet und der
Soldatenhandel nach Amerika blühte.

Trotz ihren Protesten und Kampfschriften erreichen die Dichter wenig.

Schiller zählt zu den bedeutenden Dichtern der Epoche. Vor allem ´´Die Räuber´´ machen
ihn als Dramatiker bekannt. Sein Held Karl von Moor ist vom Verlangen nach Freiheit
erfüllt und entspricht dem für die Zeit typischen ´´edlen Verbrecher´´.Zugleich greift er die
damals aktuellen politischen Verhältnisse an. Die Uraufführung in Mannheim wurde ein
riesiger Erfolg, brachte dem Verfasser aber Schreibverbot ein und veranlasste ihn zur
Flucht aus dem absolutistisch regierten Württemberg. Als Kritik am absolutistischen
Ständestaat ist auch Schillers bürgerliches Trauerspiel ´´Kabale und Liebe´´ zu verstehen.
Der Gegensatz zwischen Adel und Bürgertum ist Auslöser der Spannungen, unter denen
die Liebe zwischen Ferdinand von Walter und der Musiktochter Luise steht und scheitert.
Themen: die Überwindung der Standesschranken durch die Liebe, gefallenes Mädchen

(Gretchentragödie), Kampf des Gerechten mit der Gesellschaft,individuelles

Erlebnis in der Liebe und in der Natur.

Das burgerliche Trauerspiel “KABALE UND LIEBE”


FRIEDRICH SCHILLER

INHALT:

´´Kabale und Liebe´´ ist ein bürgerliches Trauerspiel nach dem Vorbild von Lessings
´´Emilia Galotti´´. Schiller hat die Fabel des Werks selbst erfunden. Der Dichter verwertet
Erfahrungen des eigenen Lebens und Zustände in Württemberg unter der Herrschaft Karl
Eugens und in anderen deutschen Fürstentümer.Schiller bezieht darin eine klare
Kampfstellung in der Auseinandersetzung zwischen Feudalabsolutismus und Bürgertum
und so wird ´´Kabale und Liebe´´ein gewaltiges soziales Trauerspiel.

Schauplatz ist Deutschland im 18. Jahrhundert.

Ferdinand, Major und Sohn des Präsidenten, und Luise, die Tochter des Musikus Miller,
lieben sich.Luises Vater hält eine Ehe zwischen einem Adligen und einem Bürgermädchen
für ausgeschlossen.Miller berichtet dem Vater Ferdinands von dieser Liaison. Um sich dem
Herzog zu verpflichten, will der Präsident Ferdinand mit der Mätrese des Herzogs, Lady
Milford, verheiraten, und lässt das Gerücht verbreiten, die Hochzeit stünde
bevor.Ferdinand weigert sich. Als Ferdinand die ´´offizielle´´ Geliebte des Herzogs kennen
lernt, merkt er, dass sie eine unglückliche Frau ist, die sich mit dem Herzog arrangiert und
viel für das Land getan hat, indem sie oft Gnade für Verurteilte erwirkt hat.

Sie liebt Ferdinand und ist entschlossen, un ihn zu kämpfen.

Der Präsident will Ferdinand zur Hochzeit zwingen, indem er Miller ins Gefängnis werfen
und Luise und ihre Mutter an den Pranger stehen lässt. Als Ferdinand droht, publik zu
machen, wie sein Vater zu seinem Amt gekommen ist, muss dieser zu einer anderen Intrige
greifen.
Wurm, sein verbrecherischer Sekretär, erpresst von Luise einen Liebesbrief an den
Hofmarschall. Luise schreibt ihn, weil sie glaubt, ihrem Vater, den der Präsident hat
einkerken lassen, dadurch helfen zu können. Der Brief wird Ferdinand in die Hände
gespielt, der glaubt, durch die vermeintliche Untreue Luises, das Recht zu haben, sie zu
töten.

Nachdem Lady Milford Luise kennen gelernt hat, beschliesst sie, auf Ferdinand zu
verzichten. Vater Miller hindert die verzweifelte Luise an Selbstmord.

Ferdinand aber vergiftet sie und sich selbst. Im Sterben gesteht Luise die ganze Wahrheit.
Ferdinand beschuldigt nun seinen Vater des Mordes.

Der Präsident lässt Wurm, der mit Enthüllungen droht, verhaften und überantwortet sich
selbst dem Gericht.

THEMATIK:

In ´´Kabale und Liebe´´ dominiert das Thema einer ´´unbedingten´´ Liebe den eigentlichen
Ständekonflikt und die Kritik am absoluten Herrscher.Dass das Stück auch gegen
Despotismus gerichtet ist, erkennt man an der kurzen Szene mit dem Kammerdiener.

Ein zweites Thema ist die schroffe Trennung zwischen den Ständen, die eine Ehe zwischen
einem Aristokraten und einer Bürgerlichen unmöglich macht.

Die höfische Welt wird – abgesehen von Lady Milford – negativ gezeichnet, sie verkörpert
die Kabale.

Das Bürgertum ist verführbar, erpressbar und passiv, es macht gar nicht den Versuch, aus
dieser Misere auszubrechen. Luise ist der Vater wichtiger als ihre individuellen Gefühle.
Ferdinand tut zwar den Schritt in Richtung Bürgertum, fühlt individuell, ist auch bereit,
gegen seinen Vater vorzugehen, aber in seiner Liebe ist er sich zu wenig sicher. Er ist
misstrauisch und geht in seiner Eifersucht so weit, Luise zu töten. In seinem Verhältnis zu
ihr ist er letztlich genauso autoritär wie sein Vater.

Die absolutistischen Praktiken, die Schiller in dem Stück kritisiert, umfassen fünf Bereiche:

- Die Verschwendungssucht am herzöglichen Hof.


- Das Mätressenwesen.
- Intrigen
- Willkürherrschaft.
- Soldatenhandel.

Schillers Jugendwerk ´´Kabale und Liebe´´ gehört in mehrfacher Hinsicht zu dieser


literarischen Epoche. Die radikale Kritik an den politischen und
gesellschaftlichenZuständen des Absolutismus, der Versuch, die Fesseln der ständischen
Zwängen zu sprengen und die Forderung nach ´´Freiheit des Gefühls und der
Leidenschaften´´ weisen Schillers Drama als ein Werk des ´´Sturm und Drang´´ aus.

EIN BÜRGERLICHES TRAUERSPIEL:

Die Gattung des ´´bürgerlichen Trauerspiels´´ ist ein Produkt des sich in der Zeit der
Aufklärung emanzipierenden Bürgertums.

1772 legte Lessing mit ``Emilia Galotti´´ das gültige Muster für das bürgerliche Trauerspiel
in deutscher Sprache vor:

- die Gestalten sind aus der Welt des Bürgertums


- das Geschehen wird weg von dem Hof verlagert
- das Theater hat eine moralisch-aufklärende Belehrung
- die Sprache im bürgerlichen Trauerspiel ist Prosa, nicht mehr gebundene Verssprache
- Zweck der Tragödie: die Katharsis durch das Erregen von Furcht und Mitleid
- Der Begriff ´´bürgerlich´´ steht jetzt nicht mehr für eine Klasse, sondern für eine
moralische Haltung
- Das bürgerliche Trauerspiel des ´´Sturm und Drang´´ ist eine soziale Anklage

DIE PERSONEN:

Die Welt des absolutistischen Hofes; die herrschende, die im Prunk lebende, die
administrative:

- Präsident von Walter, ein deutscher Fürst


- Ferdinand, sein Sohn, Major
- Hofmarschall von Kalb
- Lady Milford, Favoritin des Fürsten
- Wurm, Haussekretär des Präsidenten

Die Welt der Bürgerlichen; die unterdrückte, die dienende, die der Untertanen:

- Miller, Stadtmusikant
- Dessen Frau
- Luise, dessen Tochter
- Sophie, Kammerjungfer der Lady
- Ein Kammerdiener des Fürsten

LUISE:
Sie ist der erste weibliche Charakter, der dem Dichter glückt, ist eine der schönsten

Frauengestalten der deutschen Literatur. Sie ist an ihren Stand gebunden, ist ein gross-

herziges Mädchen, liebt Ferdinand mehr als ihr Leben. Ihre Liebe ist aber Leiden, sie wagt
nicht das Recht ihrer Liebe zu verteidigen. Darum scheitert ihre Liebe auch an inneren
Ursachen, nicht nur an äusseren. Sie sieht die Dinge realistischer als Ferdinand, kennt die
Macht seines Vaters und ahnt die Gefahren, die ihr dadurch drohen. Sie verkörpert die
empfindsame, bildungsfähige und ehrliche bürgerliche Jugend jener Zeit.

FERDINAND:

Seiner Herkunft nach ein Adliger, ist von den revolutionären Tendenzen der bürgerlichen
Aufklärung beeinflusst. Er vertritt das natürliche Recht der Freiheit des Individuums,
erhebt sich über die herkömmlichen Standes- und Rangunterschiede und tritt für das
Naturrecht wahrer Liebe ein. Aus Überzeugung und Ehrgefühl widersteht er selbst der
ergreifenden Erzählung der reizenden Lady und sagt so der höfischen Gesellschaft und
auch seinem eigenen Vater den Kampf an . Diese Gestalt hat viel von Schillers eigenen
Idealen.

MUSIKUS MILLER:

Er ist der gelungenste Charakter des Stückes, ist ein aufrechter Mann. In ihm fasst Schiller
alles zusammen, was am Bürgertum gesund, lebensfähig und liebenswert war, aber auch
dessen Schattenseiten. Obwohl er völlig vom Despotismus der absoluten Monarchie
abhängig ist, rafft er sich zu grossem Mut auf, als die Ehre seines Hauses beschimpft wird,
und droht dem Präsidenten. Miller verschmäht es, vor den Mächtigen und Einflussreichen
zu kriechen.

MILLERS FRAU:

Sie ist dumm, geschwätzig, eitel und durch schöne Worte und Geschenke leicht zu
bestechen.

PRÄSIDENT VON WALTER:

Er ist ein zynischer, gewissenloser, ehrgeiziger, ganz von den Vorurteilen seines Standes
erfüllter Mensch. Kein unehrliches Mittel ist ihm zu schlecht, kein Helfer zu gemein, um
seine Stellung zu behaupten. Seine Geistes- und Willensüberlegenheit seiner ganzen
Umgebung gegenüber ist unheimlich.

SEKRETÄR WURM:
Er ist der bürgerliche Helfer des Adels, ein feiger, schleichender und rachesüchtiger Schuft,
der die List ausheckt, die Ferdinand und Luise zugrunde richtet.

LADY MILFORD:

Sie ist die Favoritin. Es ist viel Widerspruchsvolles, Wandelbares in ihrem Tun. Trotz
echter Liebe zu Ferdinand, entsagt sie der Liebe und der Herrlichkeit am Hofe und sucht
in der Ferne ein neues Leben.

X. KLASSE
1.Die Romantik und Tiecks Marchennovelle “Der blonde Eckbert”, E.Th.A.
Hoffmans “Der golden Topf”

2.Burgerlicher Realismus mit den Novellen “ Der Schimmelreiter” von


Theodor Storm und “Die Judenbuche” von Annette von Droste-Hulshoff

I. Die Romantik und Tiecks Marchennovelle “Der blonde Eckbert”

DIE ROMANTIK
(1795-1835)

Definition

In bewusstem Gegensatz zur Klassik steht die Romantik, die Vorstellungen des Sturm und
Drang wieder aufgreift.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Begriff ´´ romantisch´´ als ´´ im Roman
vorkommend´´ verstanden. Heute verstehen wir darunter poetisch, verliebt, träumerisch,
schwärmerisch.

Den klassischen Vorstellungen von Gesetz, Mass, Ordnung, Sitte und Harmonie stellt die
Romantik ein von tiefem Gefühl geprägtes Leben gegenüber, das bis zum Schwärmerischen
und Fantastischen führt.
Charakteristisch ist die durch Herder bereits vorbereitete Rückbesinnung auf
volkstümliche Literaturformen wie Märchen und Sagen und überhaupt die
Wiederentdeckung der Vergangenheit ( des deutschen Mittelalters).Wichtige Theoretiker
und Wegbereiter der Romantik waren die Brüder Schlegel.August Wilhelm gilt bis heute
als führender Shakespeare-Übersetzer. Friedrich legte mit seiner ´´Lucinde´´ einen Roman
über romantische Ehevorstellungen vor, der damals wegen seiner ´´Unanständigkeit´´ einen
Skandal auslöste. Zu den wichtigsten Sammlern und Herausgebern von Volksmärchen
zählen die Brüder Grimm.

Historischer Hintergrund der Romantik

Vor dem Hintergrund des Kampfes gegen Napoleon entwickelten sich dabei auch nationale
und nationalistische Tendenzen.

Themen der Romantik ( Elemente der Romantik)

Die Romantiker vereinen in ihren Werken alle Gegensätze:

- das Denken und das Fühlen


- Gott und Mensch
- Bewusst und Unbewusst
- Schön und Hässlich
- Realität und Traum u.a.
Die ´´Blaue Blume´´(`= die Universalpoesie) steht als unerreichbares Ideal da, nach dem
alle Romantiker streben.

Der Tod wird nicht als Ende gesehen, sondern als eine Übergangsphase zu etwas Höherem.

Andere Themen der Romantik sind : Liebe, Sehnsucht.

Motive der Romantik: Nacht, sterne. Mond, Natur, Himmel, Quellen, usw.

Im Mittelpunkt der romantischen Dichtung stehen folgende Gegensatze:

Liebe, Sehnsucht, Schwärmerei, Traum, schöne Natur


aber auch

Hass, Verfolgungswahn, Angst, Schuld, Alptraum, Gefahr.


Die Marchennovelle “DER BLONDE ECKBERT”

VON LUDWIG TIECK


Dieses Werk Tiecks repräsentiert die geheimnisvolle Welt der Frühromantik, in der der
Mensch als ein tragisches Wesen im Spannungsfeld von verhängnisvollem Bewusstsein und
unschuldiger Naivität gesehen wird.

THEMA: -DER VERFOLGUNGSWAHN, DER AUS DEM SCHLECHTEN GEWISSEN

ENTSPRINGT.

-DIE SCHULD.

INHALT DES MÄRCHENS:

Der etwa 40 Jahre alte blondhaarige Ritter Eckbert lebt mit seiner Frau Bertha
zurückgezogen in einem kleinen Schloss im Harz. Das ruhige kinderlose Ehepaar pflegt
nur Freundschaft mit dem aus Franken stammenden Phillipp Walther. Deshalb vertraut
ihm Bertha an einem Herbstabend ihre geheimnisvolle Lebensgeschichte an.

Sie erzählt, dass sie aus einem armen Elternhaus komme und wegen ihres strengen,
ungerechten Vaters im Alter von acht Jahren von zu Hause weggelaufen sei. Nach einer
mehrtägigen ziellosen Wanderung sei sie auf eine alte Frau getroffen, die sie in ihrer Hütte
aufgenommen habe. Im Laufe der Jahre habe ihr die Alte vieles beigebracht und sie auch
in das Geheimnis ihres merkwürdigen Vogels eingeweiht, der jeden Tag ein Ei mit einer
Perle gelegt und ständig das Lied von der Waldeinsamkeit gesungen habe. Allerdings habe
die Lektüre von Romanen ihre Sehnsucht nach der Ferne erweckt, so dass sie im Alter von
14 Jahren, während der Abwesenheit der Alten, mit dem Vogel und einigen Edelstein
hinausgezogen sei. Den Hund, den sie ebenfalls betreut hat, habe sie jedoch zurückgelassen.
Zufällig sei sie in ihrem Heimatdorf angelangt, wo sie jedoch habe erfahren müssen, dass
ihre Eltern nicht mehr lebten. Als der Vogel wieder sein übliches Lied, allerdings mit
verändertem Inhalt, gesungen habe, habe sie ihn aus Wut erwürgt. Einige Zeit später habe
sie den Ritter Eckbert geheiratet.

Nachdem Bertha ihre Erzählung beendet hat, bereut ihr Ehemann diese Offenheit
gegenüber Walther, denn der Freund verhält sich danach sehr reserviert. Auch Bertha
macht ihr Bekenntnis nicht froh, denn sie erkrankt schwer und denkt darüber nach,
warum Walther den Namen des Hundes (Strohmian) erwähnt hat, der ihr längst entfallen
war.

Um seine Selbstvorwürfe zu vergessen, geht Eckbert auf die Jagd. Plötzlich erblickt er im
Wald seinen Freund Phillipp Walther, den er in einer spontanen Handlung mit seiner
Armbrust erschiesst. Als er nach Hause kommt, findet er Bertha tot vor.

Schuldbewusst zieht sich Eckbert noch mehr in die Einsamkeit zurück, geht jedoch ab und
zu in die nächste Stadt, wo er sich bald mit dem jungen Ritter Hugo anfreundet. Nach
langem Zögern entschliesst sich Eckbert, seinem neuen Freund seinen Lebenslauf zu
erzählen. Aber auch dieses Mal fühlt sich Eckbert danach unwohl, und plötzlich erkennt er
in Hugos Miene die Gesichtszüge seines ermordeten Freundes, Walther. Entsetzt verreist
Eckbert, um sein seelisches Gleichgewicht zu finden. Doch unterwegs sieht er auch in
einem Bauer seinen ehemaligen Freund. Als er dann noch das Lied von der Waldeinsamkeit
hört, ist er dem Wahnsinn nahe. Den letzten Stoss versetzt ihm die vor ihm auftauchende
Alte, die ihm schwere Vorwürfe macht und ihm enthüllt, dass Bertha seine Schwester
gewesen sei. Eckberts Mutter habe von der Tochter ihres Mannes nichts wissen wollen, weil
diese von einer anderen Frau gewesen sei.

Diese Entdeckung, die Eckbert immer vermutet hat, verkraftet der Ritter nicht. Er verfällt
dem Wahnsinn.

DER AUFBAU DES MÄRCHENS:

Tiecks ´´Blonder Eckbert´´ besteht eigentlich aus zwei Erzählungen, die jedoch eng
miteinander verwoben sind.

In die Rahmenhandlung um Eckberts Schicksal ist die Binnenerzählung von Berthas


Lebensgeschichte eingefügt.

Kurz nach Abschluss dieses Bekenntnisses stirbt die Berichterstatterin, so dass die beiden
Ehepartner jeweils einem Erzählteil zugeordnet werden können.

Die zwei Erzählungen gleichen sich durch die Parallelführung des Geschehens. Beide
Hauptfiguren erfahren eine Entwicklung ihres Bewusstseins, denn das Verdrängte wird an
das Tageslicht gezogen. Diese Einsicht in das Unbewusste kann aber von keinem der beiden
Ehepartner bewältigt werden, obwohl beide einen Lebensbericht vorlegen.Die Stufe der
vollen Bewusstwerdung endet also mit dem Tod Eckberts und Berthas.

Für das Ehepaar spielt die Kindheit eine entscheidende Rolle, weil in diesem Stadium der
Unschuld der Keim für das spätere Schicksal gelegt wird. Eckbert und Bertha machen sich
noch als Kinder jeweils auf ihre Weise schuldig, und beide verstärken ihre Schuld später
durch eine Bluttat.
Während Bertha nur einen Vogel tötet, den sie aber der Alten entwendet hat, ermordet
Eckbert seinen besten Freund.

Das Älterwerden führt bei beiden Ehepartnern zu einer ständig wachsenden


Sündhaftigkeit, die allerdings nicht deutlich wahrgenommen, sondern nur in einem
dumpfen Gefühlszustand (Melancholie, seelische Leiden, Krankheit) durchlitten wird.

Deshalb kann ein Satz des Erzählers auch als Motto für das gesamte Märchen gelten:

´´Es ist ein Unglück für den Menschen, dass er seinen Verstand nur darum bekömmt, um die
Unschuld seiner Seele zu verlieren´´
Mit seiner Vernunft versucht der Mensch die Welt zu ergründen, er verfällt jedoch seinen
dunklen Trieben, die ihm zum verhängnisvollen Schicksal werden.

BEWUSSTES UND UNBEWUSSTES:

Bereits am Amfang der Märchennovelle erhält der Leser Einblicke in das düstere,
bedrückte Wesen des Ritters Eckbert.Es ist offensichtlich, dass ein tiefes Geheimnis diesen
Charakter umgibt und dass ´´ eine gewisse Verschlossenheit, eine stille, zurückhaltende
Melancholie´´ sein Verhalten bestimmt.Am Ende der Erzählung stellt sich heraus, dass
Eckbert schon in früher Jugend von seiner Halbschwester gewusst hat, dieses Wissen aber
verdrängt hat. Seine inzestuöse Ehe mit seiner Halbschwester Bertha wird nicht nur mit
Kinderlosigkeit bestraft, sondern sie ist auch die Ursache für seine anhaltende Schwermut:
´´Warum hab ich diesen schrecklichen Gedanken immer geahndet?´´ Als Eckbert diese
unbewussten und verdrängten Vermutungen durch den Bericht der Alten zum Bewusstsein
kommen, verfällt er dem Wahnsinn.

Er hat nicht die Kraft, seine persönliche Schuld einzusehen und zu akzeptieren, denn die
Erkenntnis von seinem Dasein entlarvt seine ganze Existenz als Lebenslüge.Als weitere
seelische Belastung hat ihn die Ermordung seines Freundes Walther verfolgt, die er nie
aufgearbeitet, sondern durch Vergnügungen zu vergessen versucht hat.

Auch Bertha hat, indem sie die Alte treulos verlassen hat, eine schwere Schuld auf sich
geladen, die sie genauso wie Eckbert verdrängt hat. Erst als Phillipp Walther nach ihrer
Erzählung den Hundenamen Strohmian erwähnt, denkt sie über ihre Vergangenheit nach.
Aber die Zusammenhänge werden ihr nicht bewusst, nur ein ´´ gewaltiges Entsetzen´´
befällt sie. Schliesslich erliegt sie ihrer rasch sich verschlimmernden Krankheit, weil sie
sich nicht von ihrer Schuld befreien kann.

TRAUM UND WIRKLICHKEIT:

Sowohl Eckbert als auch Bertha lösen sich durch spontane Handlungen aus Situationen,
die ihnen unangenehm sind. Nach der Entfremdung von seinem Freund Walther erschiesst
Eckbert seinen früheren Weggefährten, ohne lange zu überlegen. Das erste Gefühl der
Erleichterung weicht jedoch schnell einem Entsetzen, das lange nachwirkt.

Bertha flieht nach einem schnellen Entschluss von der Alten, der sie so viel zu verdanken
hat.Allerdings kämpft sie mit sich selbst, ob sie überhaupt weggehen soll. Umso
rücksichtsloser geht sie anschliessend vor: Sie lässt mitleidlos den Hund zurück, und
später, als der Vogel sie durch seinen lang anhaltenden Gesang an ihre Untat erinnert,
erwürgt sie das Tier.

Als sich Eckbert und Bertha kennen gelernt haben, meiden sie die Welt und ziehen sich in
ein einsam gelegenes Schloss im Wald zurück. Neben dieser Flucht aus dem Alltag wenden
sich die beiden auch immer wieder von der Wirklichkeit ab, um in einem Traumreich ihr
Heil zu suchen. Für das Ehepaar gehen Realität und Fantasie ineinander über. Ihr
träumerisches Wesen kann nicht mehr unterscheiden, ob gewisse Vorkommnisse direkt
erlebt werden oder nur eingebildet sind.

Der Realitätsverlust führt bei Eckbert so weit, ´´ dass ihm sein Leben in manchen
Augenblicken mehr wie ein seltsames Märchen als wie ein wirklicher Lebenslauf erschien.´´

Die Grenze zwischen Vernunft und Gefühl kann nach Tiecks frühromantischem
Menschenbild nicht eindeutig gezogen werden.

Der Ritter Eckbert erlebt dieses Wechselspiel am Ende seines Lebens, als eine
unbegreifliche Schicksalsmacht seine Verstandeskraft überwältigt:

´´Das Wunderbarste vermischt sich mit dem Gewöhnlichsten, die Welt um ihn her war
verzaubert und er keines Gedankens, keiner Erinnerung mehr mächtig.´´

``DER BLONDE ECKBERT´´-------EIN KUNSTMÄRCHEN:

Die Kunstmärchen übernehmen Motive, Themen und Menschentypen aus dem


Volksmärchen, aber sie vertiefen auch ihre Charaktere durch psychologische
Erkenntnisse.

Die Schauplätze und die Zeit des Geschehens wurden teils im Vagen oder Exotischen
angesiedelt, teils in die Gegenwart oder an genau beschriebene Orte gelegt.

Doch vor allem durch die komplexen Figuren sind die Kunstmärchen sehr
modern.Aufgrund dieser veränderten Ausgangslagen kommt es nur noch gelegentlich zu
einem positiven Schluss.

Tiecks Märchen spielt im Harz während der Ritterzeit. Der schwermütige Eckbert und
seine verträumte Frau Bertha büssen ihre Schuld mit dem Tod. Es kommen zwar typische
Märchenmotive wie ein singender Vogel vor, der Eier mit Perlen legt, oder eine hexenartige
Frau, die sich in Männergestalt verwandeln kann, aber die klare Trennung zwischen Gut
und Böse lässt sich bei der Charakterdarstellung nicht ausmachen. Vielmehr betrügt das
naïve Mädchen Bertha die hässliche Alte, die am Ende sowohl Rache übt, als auch die
Wahrheit verkündet und damit den Ritter Eckbert zu der Einsicht in seine Schuld führt.

E.Th.A.Hoffmann
“Der goldne Topf”

Einleitung
Noch während des Befreiungskampfes gegen Napoleon (1813) begann der Dichter Ernst
Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822) sein wohl bekanntes Märchen ´´Der goldene Topf
´´, das er Mitte Februar 1814 vollendete und als dritten Band in seine Sammlung
´´Fantasiestücke in Callots Manier´´ einfügte.
Hoffmann, der zur Zeit in Dresden wohnte, arbeitete seine Erfahrungen in Bamberg auf,
wo er als Kapellmeister und Mitarbeiter des dortigen Theaters immer wieder
Auseinandersetzungen mit dem kleinlichen Bürgertum hatte.

Der philisterhafte Konrektor Paulmann und der selbstzufriedene Registrator Heerbrand


sind Abbilder der Bamberger Gesellschaft.

Mit Anselmus hat der Dichter eine Figur geschaffen, die das Unglück magisch anzieht, aber
dennoch ihr Glück findet.

Allerdings hat Hoffmann auf den sensiblen, poetischen Studenten sowie auf den Archivar
Lindhorst eigene Charakterzüge übertragen.

Seine neue Umgebung, die Stadt Dresden, machte der Autor zum Schauplatz seiner
Erzählung, die sich in der damaligen Gegenwart ereignet.Hoffmann gelingt es, eine
eigenartige Mischung aus Wirklichkeit und Phantasie.

Der Inhalt des Märchens


Am Himmelsfahrtstag fällt der ungeschickte Student Anselmus auf dem Dresdner Markt in
einen Korb mit Äpfeln und Kuchen. Als die Besitzerin, das alte Apfelweib, laute
Verwünschungen ausstösst, rennt der Unglücksrabe davon und gelangt ans Elbufer, wo er
seinem Freund, dem Konrektor Paulmann, sein Leid klagt. Plötzlich erblickt Anselmus in
einem Holunderbusch drei grüne Schlänglein, die jedoch bald von einer tiefen Stimme in
den Fluss zurückgerufen werden. Verwundert erzählt der Student den anderen Menschen
davon, wird aber von diesen für verrückt gehalten. Auch seine Freunde zweifeln an seinem
Verstand, denn bei einem Feuerwerk glaubt Anselmus, die Schlangen wiederzuerkennen.

Bei einem Klavierabend mit Paulmanns Tochter Veronika erfährt Anselmus von dem
Registrator Herrbrand, dass der geheime Archivarius Lindhorst eine Hilfskraft für die
Kopie seiner Bücher suche. Kaum steht der Student vor der Tür, fällt er in Ohnmacht, weil
er in dem Türklopfer das Apfelweib und in der Klingelschnur eine Schlange sieht.

In einem Kaffehaus erzählt Lindhorst die fantastische Geschichte seiner Herkunft, über die
seine Zuhörer aber nur lachen können.Umso beeindruckter zeigt sich Anselmus von dem
Archivarius, der ihn unter dem Holunderbusch anspricht und als Schreibkraft bei sich
einstellt.

Während Veronika schon von ihrer Zukunft als Hofrätin Anselmus träumt, verliebt sich
der Student immer mehr in die Schlange Serpentina, die eine Tochter seines Arbeitgebers,
des Salamanderkönigs Lindhorst, ist.

Schliesslich geht die verunsicherte Veronika zu der Alten (Frau Rauerin), die ihr zwar von
einer Verbindung mit Anselmus abrät, aber ihr dennoch beistehen will.

Inzwischen hat sich Anselmus bei Lindhorst gut eingearbeitet, so dass dieser ihn in manche
Geheimnisse einweist.Unter anderem darf er den goldenen Topf sehen, der als Serpentinas
Mitgift gedacht ist. In der Nacht des Äquinoktiums, am 23. September, versuchen das
Apfelweib und Veronika durch eine Beschwörung Anselmus herbeizurufen, was jedoch
durch den Eingriff Lindhorsts, der einen ungeheuren Adler schickt, scheitert.

Nachdem Serpentina dem Studenten ihre Liebe gestanden hat, erzählt sie von ihrer
geheimnisvollen Abstammung. Anselmus kann sich aber nicht endgültig entscheiden und
erklärt kurz darauf der fröhlichen Veronika seine Zueignung. Bei einem Punsch betrinkt
sich Anselmus mit seinen Freunden Paulmann und Heerbrand, so dass alle fantastische
Erscheinungen haben. Auf einmal wird der Student in Lindhorsts Wohnung
hinweggeführt, wo er diesmal die wunderbare Einrichtung als normal und deshalb
enttäuschend erlebt. Als Anselmus bei seiner Arbeit einen Tintenflecks auf das wertvolle
Manuskript macht, landet er in einer Kristallflasche.

Das Apfelweib versucht Anselmus aus seinem gläsernen Gefängnis zu befreien und den
goldenen Topf zu rauben, verliert aber in einem erneuten Kampf mit dem Archivarius. Die
Alte wird in eine Runkelrübe verwandelt und von Lindhorsts Papagei
aufgefressen.Schliesslich holt der Geisterfürst Anselmus aus der Flasche und führt ihn mit
Serpentina zusammen.

Mehrere Monate später hält der inzwischen zum Hofrat aufgestiegene Heerbrand um
Veronikas Hand an und bezieht dann mit seiner Braut ein schönes Haus am Neumarkt.
Um das weitere Schicksal von Anselmus zu verfolgen, tritt der Erzähler mit Lindhorst in
Kontakt. Der Student lebt glücklich vereint mit Serpentina auf einem Rittergut in
Atlantis .In einer Vision sieht der Erzähler, wie Serpentina den goldenen Topf aus einem
Tempel trägt und ihn Anselmus überreicht.

Der Aufbau des Märchens

Der Text ist in zwölf Vigilien (lat. Nachtwachen) aufgeteilt, was sehr einleuchtend ist, da der
Autor erklärt, daß er den Text nachts schreibt. Diese zwölf Kapitel umfassen vier
verschiedene Ebenen:

- Die bürgerliche Welt


- Die phantastische Welt
- Der Atlantis Mythos
- Die Kommunikation zwischen auktorialem Erzähler und seinem Leser
Im Mittelpunkt steht der tollpatschige Student Anselmus, der zum Spielball der
verfeindeten Mächte Apfelweib und Lindhorst wird, bevor er sich endgültig für seinen
Arbeitgeber und dessen Tochter Serpentina entscheidet.

Er ist auch hin und her gerissen zwischen der nüchternen Welt des Bürgertums und dem
Traumreich des Geisterfürsten.

Die bürgerliche Welt


Die bürgerliche Welt ist die der Paulmanns, Heerbrands und des realen Dresdens mit dem
Schwarzen Tor, der Elbe, dem Linkischen Bade, der Schloßgasse, dem Pirnaer Tor und der
Kreuzkirche. Sie besteht aus zwei Komponenten.

Auf der einen Seite befindet sich die behäbige Idylle mit Feuerwerken, Punschabenden und
Doppelbier im Linkischen Bade, auf der anderen aber die Seite der erschreckenden
formalistischen Pünktlichkeit, der Wichtigkeit von Titeln, dem materiellen Denken, der
spießigen Enge.

Während Anselmus anfangs noch von dem Paradies im bürgerlichen Milieu bei
Sanitätsknaster, Bier und jungen Mädchen träumt, bemerkt er doch, daß er in dieser Welt
nicht Zuhause ist. Alle vermeintliche Weitläufigkeit fehlt ihm, so daß er in seiner
Ungeschicklichkeit den Zugang in diese Idylle nicht findet.

Die andere Seite der bürgerlichen Welt, die von materiellen und bildungsmäßigem
Besitzstand gekennzeichnet ist, scheint ihm ebenso verschlossen, denn bereits der
bescheidenste Eintrittsversuch, als er sich um eine Stelle bewerben möchte, scheitert an
einem abgebissenen Zöpfchen seiner Perücke.
Beide Seiten sind eng miteinander verbunden. Solange nämlich der Protagonist Anselmus
gegen die Regeln der bürgerlichen Konventionen verstößt, wird er von seinen Freunden
abgelehnt. Erst als er mit wachsender Gewandtheit Aussichten auf einen Titel erlaubt,
gewinnt ihn der Konrektor “wieder lieb”.

Die phantastische Welt


Die phantastische Welt, die wie ein Spiegelbild des bürgerlichen Lebens erscheint, beruht
allerdings auf andere Werte. Auch wenn der Archivarius Lindhorst Anselmus mit einem
Speziesthaler belohnt verliert diese materielle Entlohnung für Anselmus an Bedeutung.
Dagegen ist er fasziniert von den Farben, Düften und Klängen in Lindhorsts Garten, die
sein ganzes Wesen beeinflussen, sobald er das Reich des Phantastischen betritt. Obwohl
diese Ebene der bürgerlichen wesensfremd erscheint, fällt dem Leser immer stärker auf,
daß beide Welten parallel existieren. Personen und Handlungen scheinen lediglich durch
die unterschiedliche Sicht des Erlebenden, des Erzählers oder gar des Lesers voneinander
abzuweichen. So entspricht dem freundlichen, kauzigen Konrektor Paulmann der ebenso
skurrile Lindhorst. Noch auffälliger ist die Ähnlichkeit zwischen Veronika und der
ebenfalls blauäugigen Serpentina. Die biedermeierliche Wohnidylle der Paulmanns mit
Klavier, Ofenaufsatz, Kaffeekanne und Punschterrine findet ihre exotische Entsprechung
in der Lindhorstschen Wohnung mit Palmbäumen, Vögeln und Porphyrtisch.

Ebenso wie die Punschterrine das Zentrum bürgerlicher Gemütlichkeit ist, wird der
schlichte goldne Topf ein magisches geistiges Zentrum. Die Räume und Flure gewinnen
unendliche Dimensionen und Klänge, Düfte umschweben den Besucher. Während die
Paulmannsche Wohnstube nur geringe Bewegung ermöglicht, wirkt bei Lindhorst das
ganze Instrumentarium dynamisch.(“aus den azurblauen Wänden traten die
goldbronzenen Stämme hoher Palmbäume hervor”).Der Faszination der phantastischen
Welt vermag sich der Leser kaum zu entziehen, denn Hoffmann gelingt es eine vielfältige
Assoziation des Schönen beim Leser zu wecken.

Wie in der bürgerlichen Welt gibt es auch in der phantastischen Welt eine deutlich negative
Seite, in der satanischer Spuk und die Hexe ihr Verwirrspiel treiben.

Der Atlantis-Mythos
Als dritte Ebene taucht der Atlantis Mythos auf. Er ist laut Serpentina und Lindhorst der
Ursprung für die phantastische Welt. Die Erzählung von Atlantis‘ Entstehung erklärt die
Existenz der phantastischen Welt in der bürgerlichen als die Folge des Sündenfalles des
Salamanderfürsten, der sich gegen das Verbot von Phosphorus mit der Feuerlilie
vermählte. Er muß deshalb als königlich sächsischer Archivarius in Dresden leben und
kann nur gerettet werden, wenn sich seine drei Töchter mit Jünglingen verheiratet haben,
die von der bürgerlichen Welt den Zugang in die phantastische gefunden haben. Das
bedeutet, daß es in der trockenen bürgerlichen Ebene noch mindestens drei Menschen
geben muß, die die Erkenntnis vom “heiligen Einklang aller Wesen” erwerben können.

Die Welt des fiktiven Erzählers


Die Verbindung dieser gegensätzlichen Welten oder Ebenen gelingt dem auktorialen
Erzähler dadurch, daß er ironisch wird. Durch die Anrede an den Leser durchbricht der
fiktive Erzähler die Grenzen des fiktionalen Raumes, um dessen Phantasie immer stärker
in die Geschichte einzubeziehen.

Anfangs geht er noch sehr vorsichtig vor:“ Ich wollte, daß du, günstiger Leser! am
23.September auf der Reise nach Dresden begriffen wärest” .Grammatikalisch ganz
korrekt verwendet er den Konjunktiv des Wunsches und setzt dann eine lange Geschichte
von dieser gewünschten Reise des Lesers und der erhofften Rettung Veronika Paulmanns
im Präteritum, der typischen Erzählzeit fort. Dabei benutzt er sehr geschickt die
Formgleichheit des Konjunktiv II mit dem Indikativ Präteritum. Aber immerhin schließt
er diese lange Passage über die absurde Rettung Veronikas mit dem Indikativ: “Weder du,
günstiger Leser! noch sonst jemand fuhr oder ging aber am 23.September in der
stürmischen, den Hexenkünsten günstigen Nacht des Weges”

Ähnlich geschickt geht er später vor, indem er den Leser auffordert, die Empfindungen des
sich in einer Flasche befindenden Anselmus zu teilen. Anfangs äußert er seinen Zweifel “
daß du, günstiger Leser! jemals in einer gläsernen Flasche verschlossen gewesen sein
solltest”. Wenig später setzt er ein solches Erlebnis, wenigstens als Traumhaftes voraus und
kann dann direkt auf die gemeinsame Erfahrung anspielen, indem er Anselmus‘ Zustand
wie folgt schildert “du bist von blendendem Glanze dicht umflossen “.

Jetzt bemüht er noch nicht einmal den Konjunktiv des Irrealen, um dem Leser eine solche
Zumutung zu ersparen. Verständlich wird diese absurde Vorstellung dadurch, daß die
Leiden des armen

Anselmus genau denen gleichen, die man nach exzessivem Alkoholgenuß verspürt, eine
Erfahrung, die manchem Leser vertraut sein wird.

Der Leser des Textes, der somit nach und nach immer tiefer in die Geschichte verstrickt
wird, wird also fast Teil des Märchens, ähnlich dem Studenten Anselmus, der eintaucht in
eine Welt, die er anfangs nur kopiert. Durch das raffinierte Überspringen der Erzähler-
Leser Grenze wird das prinzipielle Interesse an der Geschichte geweckt. Wichtiger als
Interesse ist aber die Erkenntnis, die dem “günstigen Leser” nach dem Lesen bewußt wird.
Der gesamte Text ist darauf angelegt, das Vorhandensein einer phantastischen Welt, oder
konkreter, der Poesie, zu zeigen. Sobald der Leser erkennt, daß diese phantastische Welt so
stark ist, daß sie auch gegen einen real existierenden Menschen, nämlich den Leser Bestand
hat, ist das Ziel des Autors erreicht. Der Leser begreift die Unverzichtbarkeit der Poesie,
und was noch viel wichtiger ist, er erkennt die wirkliche Existenz der Poesie. Nach dieser
Erfahrung besteht die Möglichkeit für den Leser, daß er sich, nach der Lektüre zurück in
seiner wirklichen Umgebung außerhalb des Märchens, mit dem Unterschied zwischen einer
bürgerlichen und einer phantastischen Welt auseinandersetzt, und vielleicht so wie der
Student Anselmus den Schritt zu einem poetischen Leben vollzieht.

Die Symbolik

Das Spiegelsymbol
Der Spiegel, der als reales Objekt immer nur ein falsches, irreales Bild der Welt widergibt
(Alles, was man im Spiegel sieht, ist nicht greifbar und noch dazu seitenverkehrt), eignet
sich für eine Geschichte wie den “goldnen Topf”, die sehr stark von Magie und Irrealem
bestimmt ist. Wohl deshalb verwendet Hoffmann also den Spiegel mehrfach in seiner
Erzählung. Als erstes taucht das Spiegelmotiv im Smaragdring des Archivarius Lindhorst
auf. Vor den Augen des erstaunten Anselmus wirft “der Stein[...]wie aus einem brennenden
Fokus Strahlen ringsherum, und die Strahlen versp[i]nnen sich zum hellen leuchtenden
Kristallspiegel”.in dem Anselmus bald darauf Serpentina sieht.

Ebenfalls sehr deutlich tritt das Spiegelmotiv in der siebenten Vigilie auf, wenn die Hexe
Rauerin zusammen mit Veronika in der Äquinoktialnacht einen Zauberspiegel erstellt.
Auch er hat die Eigenschaft dem Betrachter, in diesem Fall Veronika, den Geliebten zu
zeigen, indem “es war, als schössen feurige Strahlen aus dem Spiegel [...]- An den Anselmus
mußte sie denken, und als sie immer fester und fester den Gedanken auf ihn richtete, da
lächelte er ihr freundlich aus dem Spiegel entgegen wie ein lebhaftes Miniatur-Porträt.
Aber bald war es ihr, als sähe sie nicht mehr das Bild – nein! – sondern den Studenten
Anselmus selbst leibhaftig”.

Der goldene Topf


Auch der goldne Topf, der als Mitgift für Anselmus und Serpentina gedacht ist, beinhaltet
einen Spiegel, der vom Erdgeist “mit Strahlen, die [er] dem Diamanten entnommen”
poliert ist. In diesem Metall spiegelt sich das wundervolle Reich Atlantis. Damit wird der
goldene Topf zum Symbol der romantischen Poesie, die die banale Wirklichkeit
zurückführt auf ihre golden glänzende Urwirklichkeit. Der Spiegel des goldenen Topfs
strahlt eine poetisierte Wirklichkeit wider, die Farbigkeit, Bewegung und Klänge enthält,
die kein alltäglicher Spiegel zeigen könnte, der in realistischer Art und Weise nur eine
mimetische Funktion erfüllt.

Gemeinsam ist allen diesen Spiegeln also eine telepathische Eigenschaft, die einen Blick in
andere Ebenen zuläßt. Der Spiegelsymbolik wird somit zu einer Verbindung der
verschiedener Ebenen.
Das Kristall
Eng zusammenhängend mit dem Spiegelmotiv ist das ebenfalls häufig wiederkehrende Bild
des Kristalls. Vor allem Stimmen, wie die der Schlangen und die Veronikas, werden mit
dem Attribut des Kristallenen versehen. Auch die Lichtstrahlen in Lindhorsts Garten sind
als kristallen beschrieben. Die Verwendung des glasklaren Kristall vereinigt die
Eigenschaften des Hellen, Klaren, Klingenden und Glitzernden, aber auch die Kälte, das
Schneidende und Scharfe.

Der goldne Topf - ein Märchen?


Es ist eindeutig, daß der “Goldne Topf” auf den ersten Blick nicht wie ein klassisches
Märchen aussieht. Normalerweise führt schon die Einleitung den Leser oder Zuhörer in
eine unbestimmte, vergangene Zeit des “Es war einmal...” und die fiktive Umgebung eines
dunklen Waldes oder prächtigen Schlosses.

Die “neue Zeit” im Märchen


E.T.A. Hoffmann hingegen setzt sein “Märchen aus der neuen Zeit” in das konkrete
Dresden um 1810. Genau beschreibt der Text dem Zeitgenossen vertraute Orte wie die
Pirnaer Vorstadt, die Elbbrücke oder das Schwarze Tor.

Auch die Zeitangaben sind exakt. Die Handlung beginnt am Himmelfahrtstag und endet an
Veronikas Namenstag, dem 4.Februar, Glockenschlag zwölf Uhr mittags.

Die märchenhaften Attribute


In diese erfahrbare Wirklichkeit des zeitgenössischen Leser setzt Hoffmann eine
märchenhafte, phantastische Geschichte, die, märchengerecht, von Hexen, Zauberern und
Atlantis handelt. Sie beginnt in einer grauen Vorzeit und setzt sich in die Zukunft fort, bis
zwei weitere Jünglinge gefunden sind, die wie Anselmus Serpentina, Serpentinas
Schwestern gewinnen, um dadurch den Archivarius Lindhorst aus seiner bürgerlichen
Existenz zu erlösen.

Der Erlösungsgedanke
Hier wird ebenfalls ein märchentypisches Thema, das der Erlösung eines Verwunschenen,
aufgegriffen. Anders als im klassischen Märchen ist hier der Verwunschene nicht in ein
Tier verwandelt, wie z.B. der Froschkönig, oder der Bär aus Schneeweißchen und
Rosenrot. Hoffmann entfernt sich deutlich vom üblichen Schema, indem er als wahre
Identität des Archivarius einen Salamanderfürsten nennt. Es gibt zwei Möglichkeiten, dies
zu deuten: einerseits könnte dies ein pfiffiger Effekt sein, andererseits aber auch ein
Hinweis darauf, daß die Atlantiswelt, die Welt der Phantasie und Poesie, die eigentliche ist,
und die bürgerliche Welt in Dresden bei Punschterrinen und Klavierabenden die böse
Verzauberung bedeutet, aus der es die Befreiung zu erreichen gilt. Untersucht man
Anselmus Werdegang, bestätigt sich diese Vermutung.

Der ungeschickte Student, wird von den Zwängen einer bürgerlichen Welt erlöst, die ihn
partout in eine hohe Stellung, die eines Hofrates drängen will. Doch Anselmus wird nicht
als Hofrat um Veronika werben, indem er ihr ein Paar Ohrringe schenkt, sondern er geht
nach Atlantis, um dort Dichter zu werden. Das bedeutet nichts anderes, als daß Anselmus
seine poetische Identität gewinnt, obwohl Schauerliches dieses zu verhindern versucht.

Das Schauerliche
Auch das Schauerliche, in Form der Rauerin, ist Bestandteil des Märchens.

In Hoffmanns Märchen gibt es viele traditionelle Schauermotive wie Kobolde, destruktive


Ratten und eine Äquinoktialnacht. Aber im Vergleich zum eigentlich Schaurigen ist dies
nur Stückwerk.

In einem Aufsatz von Franz Fühmann wird dies überzeugend ausgeführt. Das wirklich
Erschreckende ist, daß Veronika unter dem Vorwand der Liebe die Identitätsfindung
Anselmus‘ mit allen Mitteln verhindern will. Sie möchte in jedem Fall einen Aufstieg zur
Hofrätin und versucht deshalb auf jede Weise, Anselmus von seiner Erlösung fernzuhalten.
Das Schaurigste ist, daß sie die wahre Bestimmung von Anselmus genau erfaßt hat und
trotzdem aus besitzergreifender “Liebe” ihn in die Enge eines hofrätlichen Daseins zwingt.

Die Botschaft
Das traditionelle Märchen verfremdet Ursituationen des Lebens. Es vereinfacht so weit,
daß dem Zuhörer die Identifikation mit dem Wahren und Guten leicht fällt.

Auch Hoffmann verfremdet und vereinfacht. Das Raffinierte ist jedoch, daß das Wahre
und Gute die tiefere Wirklichkeit von Atlantis, und das reale Dresden die schreckliche
Verfremdung davon ist. Denkt man diesen Gedanken weiter, so wird die Bedeutung dieser
Aussage klar:

Die Welt der Poesie verkörpert die tieferen Schichten des Lebens, das vorsprachliche Erleben,
dessen Existenz bedroht ist durch die Zwänge der eindimensionalen Alltäglichkeit der “neuen
Zeit”.
„Junges Deutschland“ und „Woyzeck“

JUNGES DEUTSCHLAND
(1830-1850)

Die Literatur des Jungen Deutschland ist bewusst politisch.


Nach Heine: ´´ Jetzt gilt es die höchsten Interessen des Lebens selbst, die
Revolution tritt in die Literatur´´

Ausgangspunkt dieser literarischen Entwicklung ist die Französische


Julirevolution von 1830, ihr Ende deckt sich mit dem Scheitern der im März
1848 begonnenen deutschen Revolution.

Hintergrund der Dichtung der Zeit sind polizeiliche Überwachung und Zensur, Mittel,
mit denen die Fürsten ihre Vorherrschaft sichern und demokratische Tendenzen
unterdrücken wollten. Nur die Gedanken waren damals frei, wie es in einem Volksliede
heisst.
Verboten waren dagegen Schriften eines Heine, Gutzkov oder Büchner.

Junge Studenten und Professoren sammeln sich in Universitäten und protestieren gegen
die Zensur und für die Freiheit und Gerechtigkeit. Leider können sie nicht viel
erreichen, weil die Universitäten vom Staat überwacht werden. Viele von ihnen müssen
flüchten, noch ist die Staatsgewalt mächtig.

Ludwig Feuerbach meint, dass die Natur den Geist hervorbringt, jeder Mensch
hat eine bestimmte Funktion in der Gesellschaft. Die Rolle, die jeder Mensch in
der Gesellschaft annimmt, wiederspiegelt sich sowohl in seinem Handeln als
auch in seinem Denken.

Dichter und Revolutionär war Büchner. Er gründete eine Gesellschaft für


Menschenrechte und verfasste die Kampfschrift ´´Der Hessische Landbote´´, in
der er ´´Friede den Hütten! Krieg den Palästen!´´ forderte. Das brachte ihm
Ärger ein und er wurde von der Polizei steckbrieflich gesucht. Ihm gelang aber
die Flucht ins Ausland. In der kurzen Zeit seines Lebens gelangen ihm mit dem
Drama ´´Dantons Tod´´ , einer Auseinandersetzung mit Ereignissen der
Französischen Revolution, und den posthum veröffentlichten Schriften ´´Leonce
und Lena´´ und ´´ Woyzeck´´ Werke von grosser Eindringlichkeit, Modernität
und Humanität.
In den Werken des Jungen Deutschland setzt man sich ein für die Armen und
Unterdrückten, für eine soziale Gerechtigkeit, für die Meinungsfreiheit und für die
Emanzipation der Frau.

Am 10 Dezember 1835 werden die gesamten Schriften des Jungen Deutschland durch
den deutschen Bundestag verboten. Den jungen Literaten wird vorgeworfen, ´´ die
christliche Religion auf die frechste Weise anzugreifen, die bestehenden sozialen
Verhältnisse herabzuwürdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstören.´´

Themen: der Mensch als ´´ unterdrückte Kreatur´´


gescheiterte Existenzen

„Woyzeck - Ein Fragment”


Georg Büchner

BÜCHNERS LEBEN:

Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 als Sohn eines Arztes in Goddelau bei
Darmstadt geboren. 1813 wird als Dramatikerjahr bezeichnet. Mit ihm werden im gleichen
Jahr Friedrich Hebbel, Otto Ludwig, Richard Wagner und Giuseppe Verdi geboren. Nach
einer langen Schulzeit, er schließt das Gymnasium ab, beginnt er 1831 mit seinem Medizin
und Naturwissenschaftsstudium in Gießen. Darüberhinaus entscheidet er sich auch für das
Studium von Philosophie und Geschichte .

Er wird Herausgeber des “Hessischen Landboten” und gründet nebenbei auch eine
geheime “Gesellschaft für Menschenrechte”. Marburger Oppositionelle verlegen seinen
Hessischen Landboten und die Exekutive wird auf Büchner aufmerksam. Sein Helfer F. L.
Weidig wird verhaftet und stirbt im Gefängnis. In Darmstadt schreibt Büchner sein
Revolutionsdrama “Dantons Tod”.

Bald nach dessen Beendigung muß er aber wegen laufender Ermittlungen aus Darmstadt
nach Straßburg fliehen. Schließlich zieht er sich aber aus der Politik zurück und setzt sein
Studium fort.

Georg Büchner erlangt seinen Doktorgrad und wird nach seiner Habilitation als
Privatdozent in Zürich zugelassen. In Zürich bleibt er im politischen Exil. Leider verstirbt
er am 19.02.1837 dreiundzwanzigjährig an Typhus.

Sein Fragment Woyzeck welches ich heute vorstelle bleibt aber für immer unvollendet.

QUELLE:
´´Woyzeck´´ liegt einem wahren Geschehnis zugrunde.

Am 21. Juni 1821 tötet der 41 jährige Friseur Johann Christian Woyzeck seine Geliebte,
Johanna Christiane Woost in ihrem Hauseingang in Leipzig. Der Grund war Eifersucht.
Es folgen gerichtsmedizinische Untersuchungen, da wollte festgestelllt werden, ob
Woyzeck zum Tatzeitpunkt voll zurechnungsfähig gewesen war. Büchner wird durch die
Fachjournale, die in seines Vaters Zimmer massenhaft herumlagen auf den Fall
aufmerksam und beginnt erste Studien über Woyzeck anzustellen.

Derweilen zögert sich aber die Hinrichtung des Friseurs Woyzeck sehr lange hinaus.
Schließlich kommt es aber am 24. August 1824 zur Vollstreckung des Todesurteils.

In den nächsten zwei Jahren recherchiert Büchner gerichtsmedizinische Unterlagen,


amtsäztliche Befunde und Berichte in der “Zeitschrift für Staatsarzeneikunde.”

Ein zweitesFall wäre der eines gewissen Franz Diess, der seine Geliebte tötet. Er hat aber
ein Kind mit ihr.

Viele Einzelheiten aus dem wahren Fall sind in das Stück übergegangen. Aus dem Friseur
Woyzeck wird im Drama der arme geistig Hinterbliebene Soldat Friedrich Johann
Woyzeck, Wehrmann, Füssilier im 2. Regiment, 2. Bataillon, 4. Kompanie, geboren zu
Maria Verkündigung, dem 30. Juni, Jahr unbekannt.

Woyzeck ist 30 Jahre alt.

Das Drama spielt im vorigen Jahrhundert, in einem deutschen Soldatenstädtchen.

THEMEN:

1. GEWALT
2. EINSAMKEIT
3. SPRACHLOSIGKEIT
4. EIFERSUCHT
5. WAHNSINN
6. EHEBRUCH
7. MORD

INHALT:

Woyzeck, die Titelfigur, ist kein strahlender und siegreicher oder edler und
menschenfreundlicher Held, wie man ihn bislang aus der Literatur kannte; er ist vielmehr
ein Antiheld.

Woyzecks Situation ist miserabel. Er wird schikaniert, nicht ernstgenommen, und was das
Schlimmste ist, er hat seit ungefähr drei Monaten nichts anderes gegessen, als Erbsen. Der
Regimentsdoktor sieht Woyzeck als einen Casus, als Fall, er spricht von ihm nicht mehr als
Mensch. Woyzeck ist ein Experiment. Wie reagiert ein Mensch auf einseitige Ernährung?
Im Falle von Woyzeck mit unregelmäßigem Puls, bleichem Gesicht, Abgehetztheit
Wahnvorstellungen. Der Doktor ist begeistert von den Nebenwirkungen. Und diese
einseitige Ernährung soll lediglich eine der Theorie des Doktors erhärten. Woyzeck denkt
viel über die Situation der Armen in der Welt nach. Er ist von der Idee besessen, die Armut
einzugrenzen.

Woyzeck hat Glück. Bald darf er mit drei Monaten Hammelfleisch beginnen.

Zu diesem Verpflegungsterror gesellen sich nun auch seelische Probleme. Woyzeck ist in
Marie verliebt. Diese hat ein Kind von ihm. Und das ist auch der Grund, warum Woyzeck
sich für die Experimente hergibt. Er braucht dringend das bißchen Geld, daß ihm der
Doktor für die Experimente zahlt.

Eines schönen Tages zieht das Regiment vorbei.

Voran ist der Tambourmajor, der sich prompt in Marie verliebt und umgekehrt.

Der Tambourmajor verbringt eine Nacht mit Marie. Durch mehr oder weniger offensichtliche
Anspielungen kommt Woyzeck dahinter, daß Marie ihn betrogen hat. Der Soldat ist
verpflichtet Marie Alimente zu zahlen. Diese fühlt sich zwar schuldig, jedoch ist sie zu sehr zu
dem Tambourmajor angezogen.
Woyzeck ist nicht mehr Herr seiner Gefühle. Bei einer Tanzveranstaltung sieht Woyzeck
Marie und den Tambourmajor. Er zieht sich in seine Kaserne zurück. Später am Abend
kommt der Tambourmajor in die Taverne, wo auch Woyzeck ist, und brüstet sich mit der
Eroberung von Marie. Als Woyzeck zu pfeifen beginnt, beginnt eine Schlägerei, Woyzeck
verliert

Woyzeck lebt jetzt in geistiger Umnachtung. Er beschließt, Marie zu töten und kauft bei
einem Trödler ein Messer. Dann lockt er Marie zu einem Teich unter der Vorgabe mit ihr
sprechen zu wollen. Er sticht öfter auf sie ein und läßt sie liegen , kehrt nachher in einem
Wirtshaus ein.

Dort wird man auf das Blut am Ärmel von Woyzeck aufmerksam. Woyzeck stürmt aus
dem Gasthaus und begibt sich auf die Suche nach dem Messer. Er findet es am Tatort und
wirft es in den Weiher. Er bildet sich ein, daß er das Messer noch sehen kann, geht ins
Wasser, taucht es heraus und wirft es noch weiter in den See. Er sieht das Messer noch
immer als einen “weißen Fleck” und taucht wieder um es noch weiter zu werfen.

Der Hauptmann und der Doktor die vorbeigehen, hören aus dem Weiher komische
Geräusche und verlassen schnell diesen Ort, denn sie fürchten sich vor dem Weiher.

Das ist also das Ende des Soldaten Woyzeck.


Die Polizisten sind von diesem Bilderbuchmord begeistert. Woyzeck bleibt ein Casus.

Woyzeck - ein Sozialdrama.

Im Mittelpunkt -- Der arme Woyzeck. Er ist eine einfacher Soldat und wird nur für die
einfachsten Aufgaben ausgewählt. Gleich am Anfang des Dramas kommt heraus, was man
von Woyzeck hält.

Der Hauptmann, ein Mensch, der sich nicht hetzen läßt , hält Woyzeck für einen armen
tugend - und morallosen Kerl, worauf Woyzeck ihm antwortet: “Ja Herr Hauptmann, die
Tugend, I hab´s noch nit so aus!!!

Woyzeck als einfacher Soldat braucht keine Moral, er hat nur Befehle auszuführen.
Allerdings wage ich zu behaupten, daß er mehr Moral als alle anderen hat.

Es sind ja überhaupt nur komische Figuren in diesem Drama.

Nehmen wir den Doktor heraus. Heute wäre er ein verschrobener Wissenschaftler, aber
damals hat er mit Woyzeck ein Experiment gemacht. Woyzeck ist der Leidtragende des
Doktors. Dem´´Herrn Sargnagel´´ wie der Doktor ironisch genannt wird, kennt man die
Freude am Experimentieren an. Er ist ein Sadist.

Ein bißchen abgeschieden aber auch nicht unwichtig.: der Tambourmajor.

Er ist ein Schlitzohr, und im Aufreißen wahrer Meister. Innerhalb einer

Szene schafft es dieser selbstsichere Mensch, Marie zu verführen. Der Tambourmajor


versteht sich anzupreisen. Er fühlt sich sicher und weiß mit Menschen umzugehen. Er ist
das genaue Gegenteil zu Woyzeck. Er ist nämlich unfähig mit Menschen zu reden, weil
seine revolutionären und meistens auch ein bißchen aus der Luft gegriffenen Aussagen, die
sehr schnell wechseln, jeden nun ja, verrückt machen. Ein Gespräch mit Woyzeck, so sagt
auch der Hauptmann, ist anstrengender als jede Mahlzeit.

Wenden wir uns jetzt Marie zu. Marie ist eigentlich ein liebes Mädchen. Sie hat, und das
überrascht, von Woyzeck ein Kind. Sie würde aber lieber sterben als sich von Woyzeck
noch einmal anfassen zu lassen. Besteht am Anfang noch eine gute Verbindung, so wird
diese zunehmend schlechter, bis Woyzeck am Schluß Marie umlegt.

Nach der Meinung von Otto C. A. zur Nedden ist Woyzeck das wohl emotionalste und
aufrüttelndste Werk Büchners. Ein Aufschrei der gequälten Seele Woyzecks. Woyzeck wird
gequält. Er hat keinen Freund, auf den er sich stützen könnte.

Andres, sein Mitbewohner, versteht ihn ncht und möchte wenig bis gar nichts mit Woyzeck
zu tun haben. Das muß ja zwangsläufig zum Selbstmord führen.
Büchners Drama kann – wie viele literarische Texte dieser Thematik- auf verschiedene
Arten gelesen werden, einmal von den Individuen her gesehen:

- als Tragödie einer ledigen Mutter mit unehelichem Kind.


- als Beziehungsdrama um enttäuschte Liebe und Untreue.
- als Kriminalstück, an dessen Ende Woyzeck seine untreue Geliebte ermordet.

Alles in allem ist ´´Woyzeck´´ jedoch ein soziales Drama, da in ihm die gesellschaftliche
Herkunft nicht bloss zufällig, sondern tatsächlich Grundlage der Handlung ist.

Franz Woyzeck wird von den sozial höher Gestellten unterdrückt, auf das Brutalste
ausgebeutet. Seine Umwelt reduziert ihn auf reine Funktionalität: als Zahler von Unterhalt
(Marie), als Dienstbote (Hauptmann), als Versuchskaninchen (Doktor).

Niemand nimmt Kenntnis vom Individuum Woyzeck.

Franz Woyzeck, der einfache Soldat, der Nebenjobs annehmen muss, um überhaupt
überleben zu können, ist diesen Mitmenschen, die in ihrer Mehrheit sozial höher gestellt
sind, klüger oder einfach skrupelloser sind als er, nicht gewachsen.

Gesellschaftliche Probleme sind es also, nicht Probleme des Einzelnen, des Individuums,
die von Georg Büchner in diesem Stück dargestellt werden.

´´WOYZECK´´ ´- EIN OFFENES DRAMA:

geschlossenes Drama offenes Drama

Aufbau:

chronologische Handlung(Exposition, unvermittelter Beginn, offener Schluss

steigende Handlung, Höhepunkt, fal- Nebenhandlungen,austauschbare Szenen


lende Handlung, Katastrophe) epische und dramatische Szenen

zielgerichtete Entwicklung des Ge- Zusammenhalt durch Thematik und Personen


schehens.

Personen:

autonomer Held passiver, fremdbestimmter Held,Antiheld

wenig Personen, meist aus den höheren


Gesellschaftsschichten. Personen aus verschiedenen sozialen Schichten

selbstbewusst handelnd determiniert von Umwelt und Millieu

abhängig von einem übergeordneten Schicksal.

Sprache:

künstliche, stilisierte Sprache Sprachrealismus,Alltagssprache

häufig Verse individuelle Sprache,

Verwendung von zahlreichen sprachlichen wenig rhetorische Mittel

Mitteln.

DIE BEDEUTUNG DES MÄRCHENS:

Das Märchen, eigentlich ein Anti-Märchen,muss man als Umkehrung des Sterntaler-
Märchens der Brüder Grimm lesen.

Im Grimm-Märchen wird die Geschichte eines Waisenkindes erzählt, das so arm war, dass
es nur noch ein Stück Brot und die Kleidung, die es am Körper trug, besass. Als es dann
auf noch ärmere Menschen traf, teilte es das ihm Verbliebene, bis es am Ende gar nichts
mehr hatte und nackt war.In dieser Situation geschieht ein Wunder: Das Mädchen hat
plötzlich wieder ein Kleid an, in das es alle Strentaler sammelt, die es jetzt vom Himmel
regnet.

Das Grimm´sche Märchen ist getragen von einer positiven Weltsicht, das heisst, das Gute
wird am Ende belohnt.

Ganz anders erzählt Büchner seine Version des Märchens: Das ´´arm´´ Kind, zwar
ebenfalls eine Waise, sucht Trost und Unterstützung im Himmel. Der Himmel erscheint
ihm also verheissungsvoll, auch ´´ der Mond guckt es so freundlich an´´. Doch was stellt
sich heraus? Der Mond ist ein ´´Stück faul Holz´´, die Sonne ´´ein verwelkt Sonnenblum´´,
die Sterne längst veränderte Mücken. Auch eine Rückkehr zur Erde ist nicht mehr
möglich, das Kind ist in völliger Trostlosigkeit auf sich allein gestellt.
Büchner nimmt die Motive des Grimm´schen Märchen auf und verändert sie: Gott
existiert nicht, der Himmel besteht nur in der Vorstellung der Menschen, der Einzelne ist
auf sich selbst gestellt und kann keine Hilfe von übergeordneten Mächten erwarten.

Und so wie das Kind am Ende des Märchens den Mond erreicht und trotzdem vor dem
Nichts steht, so findet sich auch Woyzeck am Ende des Stücks ohne Perspektive wieder.

Büchners Märchen spendet keine Hoffnung, die Weltsicht ist eine resignative; Einsamkeit
und Trostlosigkeit herrschen als Grundbestimmung.

Büchners Intention ist es, durch eine Umschreibung des Sterntaler-Märchens dessen
Aussage zu korrigieren.Diese lautet nun: Wo es einst noch Hoffnung auf göttliche
Gerechtigkeit gab, herrscht heute das Nichts; jedes Bemühen um ein gottgefälliges Leben,
alle Beispiele für Nächstenliebe sind vergebens – der Mensch ist allein, ausschliesslich auf
sich selbst gestellt.

SPRACHE:

Die gesellschaftliche Erstarrung zwischen Ober- und Unterschicht kommt besonders in der
Sprache zur Geltung.

Während Hauptmann, Doktor und Professor ihre Überlegenheit durch Imperative,


Vorwürfe und entsprechende Anredeformen (Er, du) zum Ausdruck bringen, reagiert
Woyzeck unterwürfig mit Satzfragmenten, Rechtfertigungen und militärisch knappen
Zustimmungen (´´Jawohl, Herr Hauptmann´´).

Obwohl alle Dramenfiguren eine mundartlich gefärbte Sprache verwenden, unterscheidet


sich ihre jeweilige Redeweise durch ihre Wortwahl.

Der Doktor und der Professor durchsetzen ihre Ausführungen mit zahlreichen
wissenschaftlichen Begriffen und Fremdwörtern, wobei sie nur gelegentlich in den Dialekt
verfallen.

Woyzeck hingegen fällt durch eine stark von der Mundart geprägte Umgangssprache auf,
die aufgrund ihrer vielen Wiederholungen, Gedankensprünge und Ellipsen einen
verworrenen, ruhelosen Eindruck macht.

Weniger kreativ erscheint Marie, deren Ausdrucksweise von Sprichwörtern und


weitverbreiteten Redewendungen dominiert wird.

Mit derben Wörtern und einer angeberischen Kraftsprache macht der Tambourmajor auf
sich aufmerksam.
XI. KLASSE

I. Burgerlicher Realismus mit den Novellen “ Der


Schimmelreiter” von Theodor Storm und “Die Judenbuche”
von Annette von Droste-Hulshoff

II. Klassisches und episches Theater anhand von Goethes


„Iphigenie auf Tauris” und an Brechts „Der gute Mensch von
Sezuan” , „Mutter Courage und ihre Kinder” oder „Leben
des Galilei”

BÜRGERLICHER REALISMUS
(1848-1885)
Wie Fontane behauptet, kann als Motto des Realismus der Goethe´sche Zuruf stehen:

´´ Greif nur hinein ins volle Menschenleben,Wo du es packst, da ist’s interessant“

aber freilich, die Hand, die diesen Griff tut, muss eine künstlerische sein.

Nach dem Scheitern der Revolution von 1848 wird die politisch-soziale Situation durch drei
Themen bestimmt: zum einen durch die 1871 verwirklichte Reichsgründung, zum anderen
durch die Frage des zur staatstragenden Schicht gewordenen Bürgertums und der in der
Folge der Industrialisierung verarmten Bevölkerungsmassen. Man zeigt mehr Interesse für
die sozialen Probleme des Arbeiterstandes und der Not leidenden Menschen. Die
Arbeiterschaft verarmt immer mehr, während das Bürgertum zum Grossteil in
wirtschaftlichem Wohlstand leben kann.

Diese Themen bestimmen in unterschiedlicher Weise auch die Dichtung.

Das literarische Programm der Realisten zielt jedoch nicht auf die Abbildung der
Wirklichkeit, sondern auf die verklärende, idealisierende und humorvolle Darstellung,
wobei das Hässliche gern ausgespart bleibt.

Auch Sozialkritik wird kaum offen formuliert.

Neben literarisch hochstehenden Werken entwickelt sich auch eine populäre Literatur, die
durch Zeitschriften verbreitet wird.
Bevorzugt werden in der Epoche des Realismus Novelle und Roman. Die Novelle soll ein
bedeutungsvolles Ereignis aus dem Alltagsleben darstellen und durch das Aufzeigen einer
Krisensituation vermitteln, ´´was Menschenleben überhaupt ist´´ (F.T. Vischer).

Meist in Prosa geschrieben, gestaltet die Novelle eine tatsächliche oder vorstellbare
Einzelbegebenheit mit einem zentralen Konflikt.

Der Gesellschaftsroman malt einen grösseren Ausschnitt aus der Gesellschaft, wobei das
gehobene Bürgertum, der niedere und mittlere Adel im Mittelpunkt stehen.

Der Bildungsroman beschreibt die Entwicklung einer Einzelgestalt innerhalb der


bürgerlichen Welt. Diese Person muss lernen, sich in die Gesellschaft anzuordnen.

Themen: das Leben.

Die Novelle “ DER SCHIMMELREITER”

THEODOR STORM

INHALT:

Hauke Haien, der als Sohn des Bauern Tede Haien in einem nord-friesischen Dorf
aufwächst, widmet schon früh sein ganzes Interesse der Deichbaukunst. Er tritt als Knecht
in die Dienste des Deichgrafen. Seine Kentnisse und seine rastlose Arbeitskraft lassen ihn
als idealer Nachfolger erscheinen. Allerdings steht seinem ehrgeizigen Streben nach Macht
und Einfluss sein geringer Besitz entgegen, der ihn für das Amt des Deichgrafen
disqualifiziert.
Nach dem Tod des alten Deichgrafen heiratet er dessen Tochter Elke Volkerts und kann so
das höchste Amt im Dorf antreten. Dem Spott seiner Feinde, er sei Deichgraf nur “seines
Weibes wegen”, begegnet er mit einem grossen, neuartigen Deichprojekt, das er gegen alle
Widerstände durchsetzt. Dabei wendet er sich entscheiden gegen den tief verwurzelten
Aberglauben der Dorfbewohner. Nur widerwillig gehorchen die Dorfbewohner ihrem
herrischen Deichgrafen, den sie aufgrund seines gespenstischen Pferdes bald als
namenlosen Schimmelreiter fürchten.

Trotz des erfolgreichen Abschlusses des neuartigen Deiches, der Landgewinn und
Sicherheit bedeutet, mehren sich unheilvolle Vorzeichen: Elke, die Frau des Deichgrafen,
stirbt fast im Kindbett, das Kind ist schwachsinnig und die Feindseligkeiten im Dorf
wachsen gegen den Deichgrafen.

Als der alte Deich Schäden aufweist, versagt der von einer schweren Erkrankung
geschwächte Hauke Haien, indem er – entgegen seiner eigenen Überzeugung- auf den Rat
seines Widersachers Ole Peters hört und die Schadstelle am alten Deich nur notdurftig
reparieren lässt. Durch dieses Versäumnis verschuldet der Deichgraf eine grosse
Flutkatastrophe, in der seine Frau und sein Kind sterben werden. Als Sühne für seinen
Fehler und aus Verzweiflung über den Verlust seiner geliebten Familie stürzt sich Hauke
Haien mit seinem Schimmel in das tobende Wasser.

Sein revolutionärer Deich bleibt stehen, und der Deichgraf lebt fortan als gespenstischer
Schimmelreiter, der bei Sturmflutgefahr auf dem Deich erscheint, in den abergläubischen
Geschichten der Dorfbewohner weiter.

AUFBAU DER NOVELLE:

Theodor Storm hat seine Novelle “ Der Schimmelreiter” in eine kompliziert erscheinende
Rahmenkonstruktion eingebeetet.
Drei Erzähler – der fiktive Autor, ein Reiter und ein pensionierter Dorfschullehrer-
verschachteln auf drei Erzählebenen die Lebensgeschichte des Deichgrafen Hauke Haien.

AUSSENRAHMEN:

Zu Beginn der Novelle tritt im Aussenrahmen der fiktive Autor in Erscheinung. Er


berichtet, dass er als Kind bei der Grossmutter eine Zeitschrift gelesen und ihn darin eine
Geschichte besonders gefesselt hat.

INNENRAHMEN:

Im Innenrahmen führt der Autor des Zeitungsartikels den Leser in die geographische
Heimat der Handlung ein. Die nordfriesische Landschaft mit Deichen, Koogen, Inseln und
Marschen (=lunci formate din aluviuni) wird pittoresk geschildert. Sie bildet den
malerischen Hintergrund für eine unheimliche Begegnung des 2. Erzählers, der eines
Nachts auf einem stürmischen Ritt über den Deich einer gespenstischen Gestalt auf einem
lautlos dahinjagenden Schimmel begegnet. Diese unheimliche Begegnung bildet den
Erzählanlass fur den 3. Erzähler.

Der 3. Erzähler stellt sich als ein pensionierter Dorfschulmeister vor.

BINNENERZÄHLUNG:

Mit der Binnenerzählung beginnt die eigentliche Handlung. Sie schildert chronologisch
Kindheit, Jugend, Leben, Wirken und Tod der Hauptfigur Hauke Haien, der sich dank
seiner Tat- und Willenskraft aus einfachen Verhältnissen zum Deichgrafen emporarbeitet,
einen neuartigen Deich konstruiert und in einer Flutkatastrophe mit seiner Familie
tragisch ums Leben kommt.
PERSONEN:

HAUKE HAIEN ,DER VERSTANDES- UND VERNUNFTMENSCH


Hauke Haien ist schon als Kind anders als die gleichaltrigen Dorfkinder: Während sich
andere mit Spielen beschäftigen, schärft er seine überragenden intelektuellen Fähigkeiten,
indem er Bücher liest und praktisch-matematische Versuche über die Eigenschaften eines
neuen, revolutionären Deichprofils durchführt. Schon früh ist in dem Knaben der Wunsch
angelegt, den Plan eines sanft ansteigenden Deiches zu verwirklichen. Den Kampf mit der
Naturgewalt Meer will er bewusst aufnehmen. Aberglaube und Furcht kennt er im
Gegensatz zu vielen jungen und alten Dorfbewohnern schon als Junge nicht. Im
Bewusstsein seines überragenden Verstandes meidet er deshalb auch die Gesellschaft
anderer und beginnt, sich bereits jetzt zu isolieren. Sein scharfer Verstand und sein Ehrgeiz
lassen ihn überheblich werden. Später wird er sich durch seine Verachtung und
Überheblichkeit die Feindschaft seiner Mitmenschen zuziehen.

HAUKE HAIEN, DER INDIVIDUALIST


Hauke heiratet die Tochter des Deichgrafen, Elke Volkerts, und übernimmt das seit der
Kindheit ersehnte, höchste Amt im Dorf.Allen Spottern und Neidern, die ihm den sozialen
und wirtschaftlichen Aufstieg missgönnen, will er seine intelektuelle Überlegenheit
beweisen und einen neuartigen Deich bauen.Hartnäckig und unnachgiebig gegen sich selbst
und andere treibt Hauke die Arbeiten an seinem Deich voran. Als er einen vernachlässigten
Klepper kauft und diesen durch eigene Pflege in einen gesunden und starken Schimmel
verwandelt, dämonisieren ihn die abergläubischen Dorfbewohner: Hauke Haien verliert
seinen Namen und wird fortan nur noch als der “Schimmelreiter” betitelt, dem
gotteslästernde Praktiken und teuflische Eigenschaften zugeschrieben werden.

HAUKES SELBSTÜBERSCHÄTZUNG UND VERBLENDUNG


Der Widerstand der Dorfbewohner gegen Haukes Deichprojekt verstärkt seinen
Menschenhass und seine Selbstüberschatzung. Ruhe und Frieden findet er nur im Kreise
seiner kleinen Familie. Elke ist ihm eine selbstlose und hingebungsvolle Ehefrau, die sich
liebevoll um ihre geistig behinderte Tochter Wienke kümmert.

ELKE VOLKERTS:

Elke Volkerts, die Tochter des Deichgrafen, präsentiert sich schon früh als gleichwertige
Partnerin für Hauke Haien. Ähnlich wie ihr späterer Ehemann verfügt sie über eine hohe
mathematische Begabung.
Elke wacht im Hintergrund über Hauke, indem sie ihn vor den zermürbenden
Zusatzaufgaben und Schikanen des eifersüchtigen Grossknechts Ole Peters schützt. Sie
versucht auch den Aussenseiter Hauke in die Dorfgemeinschaft zu integrieren.
Als ihr Vater stirbt, greift Elke wieder entscheidend in das Geschehen und in Haukes
Leben ein: Vor der Versammlung, die über den neuen Deichgrafen entscheidet, verkündet
sie die Verlobung mit Hauke und überschreibt ihm ihren gesamten Besitzes. Dadurch
verschafft sie Hauke die wirtschaftliche Grundlage für seinen sozialen Aufstieg zum
mächtigsten und reichsten Mann im Dorf.Ohne Elke hätte Hauke nie sein Lebensziel,
Deichgraf zu werden, erreichen können.
Der Hochzeit fehlt schliesslich jede Romantik. Während Hauke mit unermüdlicher Energie
und Pflichtbesessenheit seinen Aufgaben als Deichgraf nachgeht, bleibt Elke einsam und
mit ihrer häuslichen Arbeit auf den grossen Hof zurück.
Als das ersehnte Kind geboren wird, muss Elke einen hohen Preis zahlen: Von
Kindbettfieber ergriffen, fällt sie ins Delirium, halluziniert und sieht ihren späteren Tod
voraus. Trotzdem erholt sie sich von der schweren Erkrankung.
Die Betreuung ihrer geistig behinderten Tochter Wienke lastet schwer auf Elke.
In der tragischen Nacht, wendet sie sich im Donnern und Toben der nahenden Sturmflut an
Gott, um ein letztes Mal um Vergebung für ihren von Menschenhass verblendeten Mann zu
bitten.Doch ihr Gebet wird von der wütenden Natur verschluckt und bleibt folgenlos. Aus
Sorge für ihren geliebten Mann verlässt Elke mit ihrer Tochter Wienke das schützende
Haus und ertrinkt vor den Augen ihres Mannes in der Sturmflut.

OLE PETERS:
Ole Peters ist Haukes grösster Widersacher und letztlich verantwortlich für dessen
Scheitern. Während Hauke und Elke auch in ihrem äusseren Erscheinungsbild beschrieben
werden, bleibt Ole schattenhaft. Wie ein phantomartiges Wesen bleibt er im Hintergrund,
wo er die Fäden zieht.
Die erste Begegnung von Ole und Hauke findet auf dem Hof des Deichgrafen Volkerts statt,
wo Ole Grossknecht ist. Er bekleidet einen wichtigen und sozial angesehenen Posten, den er
schon früh durch den ihm geistig überlegenen Hauke gefährdet sieht. Er fühlt sich durch
Haukes Anwesenheit auf dem Hof des Deichgrafen eingeschränkt.Ole erkennt Haukes
überragenden Intellekt und versucht ihn durch grobe Arbeit zu brechen. Oles Feindschaft
wird weiterhin durch die offensichtliche Bindung zwischen Hauke und Elke gesteigert.
Nachdem Hauke beim Eisbosseln gewinnt ( durch Elkes beherztem Eingreifen),
wird sich Ole nie wieder öffentlich gegen beide stellen, sondern im Verborgenen seine
Intrigen spinnen. Beim anschliessenden Tanz hat sich Ole neu orientiert: Elke und ihr
umfangreicher Besitz sind für ihn verloren und er hat sich die dicke Vollina als Partnerin
ausgesucht.
Früher als Hauke gelingt Ole durch geschickte Heirat und Erbschaft ein sozialer und
wirtschaftlicher Aufstieg. Zu Haukes Verdruss hat Ole seine Machtposition vergrössert und
bleibt, im Hintergrund verborgen, für den aufstrebenden Deichgrafen gefährlich.
Da Jewe Manners verstirbt, steigt Ole zum Deichgevollmächtigten auf, was eine
entscheidende Schwächung für Haukes Deichbauprojekt bedeutet. Auch wenn er den
Baubeginn nicht verhindern kann, besitzt Ole doch eine Fähigkeit, die ihn zu einem
gefährlichen Gegner macht: Er kann warten, bis das Schicksal ihm den verhassten
Konkurenten in die Hände spielt.

THEMEN:

I. DER EINZELNE GEGEN DIE GEMEINSCHAFT


(KONFLIKT INDIVIDUUM- GESELLSCHAFT)
Hauke Haien ist seit seiner Kindheit ein Einzelgänger, der sich aufgrund seiner
aussergewöhnlichen technischen und mathematischen Begabung von der
Dorfgemeinschaft abgrenzt. Er meidet die Gesellschaft der Dorfkinder- und später
der Dorfjugend- und zeigt schon früher, dass er die Dorfgemeinschaft ablehnt.
Dem Individualisten Hauke Haien geht es von Anfang an darum, seine Ziele und
Ideen zu verwirklichen. Deswegen wird er schon früh von der Dorfgesellschaft
abgelehnt.
Selbst Haukes Vater erkennt an Anfang nicht die Begabung seines Sohnes.Trotz der
Steine, die Hauke Haien von seinem Widersacher Ole Peters in den Weg gelegt
werden, lässt er sich nicht von der Verwirklichung seines Lebenszieles abbringen.
Er überwindet, mit Elkes Hilfe, seine sozial und wirtschaftliche niedrige Herkunft.
Sein ganzes Leben wird der Deichgraf Hauke Haien gegen die faule und nur auf
materiellem Besitz ausgerichtete Dorfgemeinschaft kämpfen müssen.
Seine soziale Isolation wird durch sein hohes Amt und durch seine Strenge und
Härte gegen sich und andere noch verstärkt. Nur seine Familie bildet einen sozialen
Bezugspunkt für den Deichgrafen.
Am Ende setzt er sich gegen die geistige Trägheit der Gemeinschaft durch: Hauke
Haiens Deich wird vollendet und bleibt auch nach seinem Tod zum Wohle der
späteren Generationen erhalten.

II. VERNUNFT UND ABERGLAUBE

Hauke Haien ist schon als Kind ein Gegner des allgemeinen Aberglaubens, der tief
im Bewusstsein der jungen und alten Dorfbewohner verankert ist.Auch wenn das
Kind Hauke sich vor den gespenstischen Erscheinungen im Seenebel fürchtet,
bekämpft er seine Ängste und ist von diesem Zeitpunkt an immun gegen jeglichen
Aberglauben.
Für ihn sind die Wasserleichen keine unheimlichen Seegespenster, sondern
Leichname, die sich das Meer geholt hat. Auch der Fluch, den ihm Trin´ Jans nach
dem Mord an ihren Kater hinterherruft, kann den Knaben nur kurz beunruhigen.
Der Höhepunkt der ständigen Auseinandersetzung zwischen dem
Vernunftmenschen Hauke Haien und den abergläubischen Dorfbewohnern wird
erreicht, als die Arbeiter einen kleinen Hund im Deich lebendig begraben wollen,
damit das Bauwerk der Gewalt des Meeres standhalten kann. Hauke Haien ist
darüber entsetzt und wütend und riskiert mit seinem harten Eingreifen die
Fertigstellung des Deiches.
Nur widerwillig gehorchen ihm die Dorfbewohner. Sie dämonisieren ihn, den
namenlosen Schimmelreiter .
Auch auf seinem eigenen Hof kann der Deichgraf dem Aberglauben nicht aus dem
Wege gehen: Sein eigener Knecht ist es, der das Pferdeskelett als das
´´Gespensterpferd´´ des Deichgrafen identifiziert und mit seinen abergläubischen
Geschichten die Ablehnung und die Angst der Dorfbewohner weiter schürt
Haukes gute Tat, die alte Trin´ Jans aufzunehmen, bringt ihm ebenfalls den
Aberglauben in sein eigenes Haus. Die hexenartig gezeichnete Trin´ Jans sorgt mit
ihrem abergläubischen Geschwätz dafür, dass Haukes geistig behinderte Tochter
Wienke weiter verängstigt wird. Wienke helfen auch die rationalen Erklärungen
ihres Vaters nicht.
Der Aberglaube bleibt, da er nur von Hauke und Elke nicht übernommen wird, in
den Köpfen der übrigen Dorfbewohner vorhanden.
Auch der Autor spielt in seiner Rahmenerzählung mit dem Aberglauben:
In einer raffinierten Verklammerung der beiden Erzählebenen lässt Storm die
geisterhafte Gestalt des Schimmelreiters dem Erzähler begegnen, so dass sich auch
der heutige Leser die Frage stellen muss, ob er der Geschichte des gespenstischen
Schimmelreiters Glauben schenken soll.

III. DER KAMPF DES MENSCHEN MIT DER NATUR

Für Hauke ist das Meer, das oft personifiziert wird, ein Gegner, dessen Stärke er
rational einschätzen kann und bezwingen will. Die existentielle Gefahr, die für ihn
und für die Dorfbewohner besteht, spornt ihn zeitlebens an, den technisch perfekten
Deich zu konstruieren.
Das technische Problem der Eindämmung wird für ihn zum Prüfstein seines
mathematischen Könnens und seiner Willenskraft.
Haukes Anstrengungen scheinen vorerst belohnt zu werden: Sein Deich wird
fertiggestellt und scheint Besitz, Arbeit und Leben der Dorfgemein-
schaft gegen die Naturgewalt schützen zu können. Voller Triumph betrachtet Hauke
sein Bauwerk. Doch dem menschlichen Geist ist es nicht vergönnt, über das Meer
zu siegen.
Durch persönliche Schuld, den alten Deich nur ausgebessert und nicht vollständig
erneuert zu haben, kann sich die Natur gegen das mächtige Bauwerk auflehnen.
Als sich die Sturmflut gegen die menschliche Überlegenheit zur Wehr setzt,
kapitulieren die Dorfbewohner vor der Gewalt des Meeres und begünstigen durch
ihr eigenhändiges Durchstechen der Nahtstelle vom alten und neuen Deich die
Schlusskatastrophe.
Todesmutig stürzt sich der Schimmelreiter in seine letzte Schlacht gegen den
übermächtigen Gegner; doch der einzelne Mensch Hauke Haien ist der Gewalt der
entfesselten Elemente nicht gewachsen.
Übermutig hat Hauke die Natur herausgefordert und verliert.
Der Deich – ein Symbol menschlicher Ingenieurkunst- bricht, und das Meer zerstört
Land und Leben. Der Erbauer des Schutzwalles wird zusammen mit seiner Familie
von der herausgefordeten Natur getötet.

In der ganzen Novelle bleibt das Meer eine unheimliche Bedrohung für alle
Menschen. Das Meer ist – wie das menschliche Schicksal – unberechenbar und
unbezwingbar.

Die Novelle "Die Judenbuche"


Annette von Droste-Hülshoff

„Wo ist die Hand so zart, daß ohne Irren


Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren

So fest, daß ohne Zittern sie den Stein

Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein?

Wer wagt es eitlen Blutes Drang zu messen,

Zu wägen jedes Wort, das unvergessen

In junge Brust die zählen Wurzeln trieb,

Des Vorurteils geheimen Seelendieb?

Du Glücklicher, geboren und gehegt

Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,

Leg hin die Waagschal’, nimmer dir erlaubt!

Laß ruhn den Stein - er trifft dein eignes Haupt!”

Die Autorin:

Am 10. Januar 1797 wurde Annette auf dem Familienerbgut Hülshoff, südwestlich von
Münster in Westfalen, als Sproß eines uralten Adelsgeschlechtes geboren. Auf diesem
Schloß, dann auf einem kleinen Gut bei Münster und in der alten fränkischen Burg
Meersburg am Bodensee, die ihrem Schwager gehört, verlief ihr Leben in stiller
Abgeschiedenheit, fern der verwirrenden Erscheinungen der Großstadt. Ihre dichterischen
Werke umfassen Epen, Verserzählungen, die Prosanovelle "Die Judenbuche", die zu den
größten Schöpfungen deutscher Erzählkunst gehört. Am 24. Mai 1848 starb sie unvermählt
in Meersburg.

Das Werk:

Der Erstdruck der »Judenbuche« erschien in 16 Teilen vom 22. April bis 10. Mai 1842 in
Cottas »Morgenblatt für gebildete Leser« (Nr. 96-111). Die Druckvorlage ist nicht erhalten.
Der Erstdruck wurde jedoch von der Dichterin als ihrem Willen entsprechend bestätigt.
Am 26. Mai 1842 schrieb sie an Levin Schücking (1814-83):

Im Museum war ich seit einigen Tagen nicht, bis dahin war meine

›Judenbuche‹ beendigt, von der ich nur das im vorigen Briefe Ge-

sagte wiederholen kann, nämlich: daß ich den Effekt fand, wo ich ihn

nicht suchte, und umgekehrt, das Ganze aber sich gut macht. Es ist

mir eine Lehre für die Zukunft und mir viel wert, die Wirkung des

Drucks kennengelernt zu haben. Gestrichen hat man mir nur einmal

ein paar Zeilen, nämlich das zweite Verhör ein wenig abgekürzt;

wenn Du es nicht schon getan hattest, worüber ich ungewiß bin.

Zuerst war ich zürnig, grimmig wie eine wilde Katze, und brauste im

Sturmschritt nach Deisendorf; auf dem Rückwege war ich aber schon

abgekühlt und gab dem Operateur - Hauff, Dir oder gar mir selbst -

recht; sonst ist Wort für Wort abgedruckt.«

Für den Abdruck im »Morgenblatt« erfand der Redakteur Hermann Hauff den Titel »Die
Judenbuche«.

INHALT DER NOVELLE

In einem westfälischen Dorf , in dem Bezirk Paderborn, kommt Friedrich Mergel als Sohn
eines Halbmeiers 1738 zur Welt. Der Vater ist ein ``anständiger Säufer``, dessen erste Frau
ihn wegen der gewalttätigen Behandlung nach einer Woche verlassen hat und kurze Zeit
später gestorben ist. Nach der Scheidung verfällt die Wirtschaft von Hermann Mergel. Er
trinkt den ganzen Tag und kümmert sich nicht mehr um sein Haus und um seine
Wirtschaft. In kurzer Zeit gehört er zu den verkommenen Leuten im Dorf.
Somit ist die Verwunderung der Dorfbewohner groß, als Margret Semmler, eine ``gewesene
Dorfschönheit``, eine Frau in den Vierzigern die Ehe mit Hermann schliesst. Niemand
kann die wahren Gründe verstehen, doch Margret nennt selbst einen Grund : ``eine Frau,
die von ihrem Mann schlecht behandelt wird, ist selbst schuld oder taugt nichts``. Man
könnte also annehmen, dass sie sich und den Dorfbewohnern beweisen wollte, Hermann
verändern zu können.
Nach einem Jahr wird Friedrich geboren, und man behauptet, Margret ``hätte geweint``.
Das Kind wächst in verwahrlosten Verhältnissen auf, denn Margreth, seine Mutter, hat sich
gegen Mergels Art nicht durchsetzen können, da sie bereit nach einer Woche Ehe schon
geschlagen wurde.
In Friedrichs neuntem Lebensjahr wird sein Vater tot im nahegelegenen Brederholz
aufgefunden.Das Kind leidet darunter, weil sein Vater, trotz seiner Säuferei, seinen Sohn
geliebt hat und sich mit ihm liebevoll benommen hat.
Margret muss sich von nun an alleine um Friedrich kümmern. Un das tut sie auch für eine
Weile. Doch die Lehren, die sie ihrem Sohn erteilt, werden ihm später zum Verhängnis. Er
lernt von ihr, dass alle Juden Schelme seien , dass die Christen immer Recht hätten, egal
was sie tun, und dass die Förster kein Recht über Wald und Tier hätten, da diese Gottes
Geschenke für alle Menschen wären.
Was aber Margrets grösster Fehler darstellt, ist ihre Einwilligung zur ``Adoption`` ihres
Sohnes durch ihren Bruder, Simon Semmler.
Mit dieser ``Adoption`` beginnt der stille, verschlossene Friedrich sich unter dem Einfluß
seines Onkels Simon Semmler zu einem der Anführer der Dorfjugend zu entwickeln, da er
an Kraft, Tapferkeit und Rauflust die meisten überbietet. Er beginnt eine Freundschaft mit
dem unehelichen Sohn Simons, Johannes Niemand, der – fast ein Doppelgänger – zu
seinem ständigen Begleiter wird, aber einen stillen, Friedrichs früherem Wesen ähnelnden
Charakter hat. Margret hat ihren Sohn an Simon verloren.
Rund um B. wirkt die Bande der Blaukittel. Das sind sogenannte Holzfrevler, die in der
Nacht wertvolle Bäume aus den Forsten des Grundherrn fällen und zum Fluss
abtransportieren. Trotz aufwendiger Maßnahmen der Förster können sich die Blaukittel
immer wieder der Entdeckung und Strafverfolgung entziehen. Es bleibt offen, wieweit die
Dorfbewohner beteiligt sind, es scheint aber so, dass auch Friedrich Mergel einiges darüber
weiß. Mit dem Oberförster Brandis hat Friedrich eine Auseinandersetzung und kurz
darauf wird Brandis mit einer Axt erschlagen. Friedrichs Unschuld am Mord ist
nachweisbar, aber ganz unschuldig ist er nicht, weil er dem Förster wissentlich einen Weg
gewiesen hatte, der jenen direkt in die Hände der Holzfrevlern führte. Der Mord wird nicht
aufgeklärt, obwohl man vermuten mag, dass Simon Semmler beteiligt ist.
Im Herbst 1760, vier Jahre später protzt Friedrich mit einer neuen Uhr, wird aber dann
vom Juden Aaron öffentlich gemahnt, die zehn Taler für diese Uhr zu zahlen, die er ihm
noch schuldig sei. Friedrich fühlt sich gedemütigt. Als der Jude im Brederholz erschlagen
wird, verschwinden Friedrich und Johannes Niemand. Obwohl es keine Beweise gibt, die
für Friedrichs Schuld sprechen, wird er , aufgrund seiner Flucht, für den Mörder gehalten.
Man kann ihn aber nicht finden, so dass auch dieser Mord zu den ungeklärten gehören
wird.
Die Juden aus der Gegend kaufen die Buche, unter der Aaron gefunden wurde, und hauen
als Inschrift ein: »Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du
mirgetan hast .«
Sie bezahlen viel Geld für die Buche , doch sie stellen eine Bedingung: auch wenn die
anderen Bäume gefällt werden, muss die Buche stehenbleiben.
Friedrich kann der Mord durch seine Abwesenheit nicht nachgewiesen werden, später
bringt das Geständnis eines anderen Juden kurz vor dem Freitod Zweifel in die
Angelegenheit, da dieser Jude, Lumpenmoises genannt, gesteht, Aaron umgebracht zu
haben.
Somit wird der Mordfall abgeschlossen .
28 Jahre später , am Weihnachtsabend, kommt ein Fremder ins Dorf. Es wird als
Johannes Niemand erkannt und er selbst erzählt, dass er aus der Türkei zurückkehrt, wo
er 26 Jahre in Sklaverei gelebt hat. Friedrich verlor er im Krieg aus den Augen. Er wird im
Dorf aufgenommen und verdient mit Löffelschnitzen sein Brot. Er macht lange
Spaziergänge in der Umgebung des Dorfes, doch er meidet das Brederholz.
Im Herbst verschwindet der Alte. Man sucht vergeblich nach ihm.
Nach vierzehn Tagen, kehrt der junge Förster Brandis, der Sohn des vor 32 Jahren
erschlagenen Försters, von einem Waldrundgang ins Dorf zurück. Er macht unter der
Buche Rast, doch als seine Blicke nach oben gleiten, springt er entsetzt auf, rennt ins Dorf
und berichtet, in der Buche hinge ein Mensch.
Als die Leiche hinabgetragen wird, wird sie von dem Gutsherrn an einer Narbe als
Friedrich Mergel erkannt.

DER `` ROTE FADEN `` DER GESCHICHTE


Es ist auch wichtig, dass man die Chronologie der Ereignisse kennt, um eine Geschichte zu
verstehen. Diese Chronologie bildet eigentlich auch den „ roten Faden „ der Geschichte.

1738, im Dorf B., wird Friedrich Mergel geboren

1747, im Dorf B., stirbt Hermann Mergel, Frieddrichs Vater

1750, im Dorf Brede, findet Friedrichs ``Adoption`` durch seinen Onkel Simon Semmler
statt.

1756, im Masterholz, treiben die Blaukittel, eine Bande von Holzfrevlern, ihr Unwesem

1756, im Juni, findet die Auseinandersetzung zwischen Friedrich und dem Oberförster
Brandis statt, gefolgt von der Ermordung des Juden.

1760, im Oktober,im Brederholz, findet die Auseinandersetzung zwischen Friedrich und


dem Juden Aaron statt, wegen einer nich bezahlten Uhr. Der Jude wird im Nachhinein
erschlagen aufgefunden , und Friedrich verschwindet zusammen mit Johannes.

24.12. 1788--28 Jahre später-- kehrt Friedrich zurück und gibt sich als Johannes Niemand
aus.

1789, im Spätseptember, begeht Friedrich Selbstmord.

Quellen:

``Die Judenbuche`` von Annette von Droste-Hülshoff basiert auf der ``Geschichte eines
Algierer Sklaven``, die August Freiherr von Haxthausen, ein Onkel der Autorin, bereits
1818 veröffentlicht hatte.Annette von Droste-Hülshoff hat die Vorlage aber in einigen
Punkten verändert.

Sie hat sich aber nicht nur an dieser Geschichte orientiert, sondern auch an anderen
Werken, wie zum Beispiel dem Epos ``Odysseus``. Man bemerkt das daran, dass der
Doppelgänger Friedrich Niemand heißt. Auch Odysseus nannte sich gegenüber dem Riesen
Polyphem Niemand.

Die Frist in Schicksalsromanen beträgt 28 Jahren. 28 Jahren bleibt Robinson Crusoe auf
der Insel, 28 Jahre nach dem am 28. Oktober geübten Mord an den Juden Aaron begeht
Friedrich Selbstmord.

Auch die Bibel war eine Inspirationsquelle für die Droste. Friedrich Mergel trägt ein
``Kainsmal``, eine Narbe, an dem seine Identität erkannt wird.

Wie aber kam Annette von Droste-Hülshoff zu dem Material für ihre ``Judenbuche``?
Märchendichters Wilhelm Hauff.

Wilhelmine Antoinette von Haxthausen schreibt in einem Brief vom 3.März 1783 an ihren
Bruder von der "erschrecklige mordthat welge der bauer an den armen juden verübet".

Wilhelmine schrieb über einen tatsächlichen Mordfall, der wohl am 10. Februar 1783
stattgefunden hatte : Der Knecht Johann Georg Winkelhagen erschlug den Juden
Soestmann-Behrens.

Der Bruder von Wilhelmine und gleichzeitig der Urgroßvater der Droste war Caspar
Moritz von Haxthausen zu Abbenburg, damals Herr in Bökendorf, Altenbergen, Bellersen
und Großenbreden.

In dieser Gegend gab es nur Land- und Forstwirtschaft und die eher ärmliche, bäuerliche
Bevölkerung lag Jahrhunderte im Streit mit dem Grundherrn und Waldbesitzer über die
Nutzung des Waldes. Der im Text breit beschriebene Holzfrevel war in jener Gegend eine
Realität.

August von Haxthausen, ein Onkel der Droste, griff die Überlieferung 1818 auf und
veröffentlichte in der Zeitschrift "Die Wünschelrute" die "Geschichte eines Algerier-
Sklaven".

Darin wird die Geschichte des Hermann Winkelhanns (auch Johannes Winkelhannes)
erzählt, der beim Juden Pinnes aus Vörden Tuch kaufte, dieses nicht bezahlen wollte und
den Pinnes dann 1783 im Wald erschlug. Der Winkelhannes floh, wurde spanischer Soldat
und geriet etwa 1785 in algerische Gefangenschaft, was damals Sklaverei bedeutete. An der
Stelle des Mordes wurde von Juden eine hebräische Inschrift in einen Baum geschnitten,
mit dem Inhalt: "daß der Mörder, den unser Gott finden werd, keines rechten Daudes sterben
soll.".

Um 1807 kehrt Winkelhannes nach nahezu 25 Jahren nach Bellersen zurück. Die Obrigkeit
verzichtete auf die Verfolgung des Judenmordes. Der Winkelhannes findet nicht in ein
geordnetes Leben zurück und erhängt sich in der Nähe von Bellersen.

Die Droste war mehrfach bei ihren Großeltern Haxthausen in Bökendorf und dort wird sie
diese Geschichte gehört haben und zuerst im Jahr 1837 schreibt sie von ihrer Absicht, "...
eine Kriminalgeschichte, Friedrich Mergel, ist im Paderbornischen vorgefallen, sehr
merkwürdig; diese habe ich mitunter große Lust zu vollenden." Die Droste nahm diesen
historischen Kriminalfall dann als Anregung, verlegte aber den Zeitraum um einige
Jahrzehnte vor, veränderte die Hauptpersonen, brachte neue Personen in die Geschichte
ein und erweiterte die Handlung, so dass ihr Text keineswegs mehr die historische
Begebenheit erzählt, sondern eine Dichtung ist.

Es dauerte dann noch einige Jahre bis 1842 die Novelle veröffentlicht wurde; in 16 Folgen
des "Cottaschen Morgenblatt für gebildete Leser". Der Titel "Die Judenbuche" stammt
übrigens nicht von der Droste, sondern vom Herausgeber Hermann Hauff, dem Bruder des
Märchendichters Wilhelm Hauff.

Im folgenden werden die Unterschiede zwischen der ersten Geschichte und der
``Judenbuche`` präsentiert:

``Geschichte eines Algierer Sklaven`` ``Die Judenbuche``

Man erfährt nichts über die Annette von Droste gibt dem Leser viele
Vorgeschichte der Hauptfigur Johannes Hintergrundinformationen über die
Hermann Winckelmann und auch nichts Hauptfigur Friedrich Mergel, über
über das Dorf. seinen Charakter, seine
Familienverhältnisse und seine Gefühle.
Auch das Dorf B. wird beschrieben.

Hermanns Familie besteht aus seinen Friedrich ist ein Einzelkind, sein Vater
Eltern und noch einen Bruder stirbt als das Kind 9 Jahre alt ist und
seine Mutter verkümmert.

Der Jude Pinnes verklagt Hermann Der Jude Aaron demütigt Friedrich in
wegen eines nicht bezahlten Tuches und der Öffentlichkeit wegen einer
gewinnt die Verhandlung nichtbezahlten Uhr.

Der Mord an den Juden Pinnes war Der Jude Aaron wird durch einen Schlag
äußerst brutal, Hermann tötet ihn durch getötet, es bleibt nur ein blauer Fleck.
17 Schläge.

Der Mord geschieht im Heiligen Geist Der Mord geschieht im Brederholz.


Holz.

Die Flucht wird in allen Einzelheiten Es wird kaum beschrieben, was auf der
beschrieben. Flucht passiert.

Hermann kehrt nach 25 Jahren zurück Friedrich kehrt nach 28 Jahren zurück
(1782-1807) (1760-1789)

Hermann gesteht seine Tat Erst nach Friedrichs Selbstmord wird –


durch die Narbe an Friedrichs Hals- den
Mord an den Juden Aaron aufgeklärt.

Hermann büßt mit 17 Jahren Sklaverei Friedrich bleibt 26 Jahren in der


für die 17 Schläge türkischen Sklaverei und wird von
seinem schlechten Gewissen gequält.

Die Inschrift in der Buche wächst heraus Die Inschrift in der Buche bleibt
erhalten.

Die Inschrift lautet:"daß der Mörder, den Die Inschrift lautet : ``Wenn du dich
unser Gott finden werd, keines rechten diesem Orte nahest, so wird es dir
Daudes sterben soll.". ergehen, wie du mir getan hast`` (Talions-
Gesetz)

Hermann wird christlich begraben Friedrichs Leiche kommt auf den


Schindanger

Es gibt aber auch Ähnlichkeiten zwischen den zwei Geschichten und der heutigen Realität.
``Geschichte eines Algierer Sklaven``-August von Haxthausen

Im 18. Jahrhundert ereignete sich ganz in der Nähe von Bökerhof, auf dem
gegenüberliegenden Joelskamp, jener Mord an den Juden Pinnes. Auf Gut Abbenburg,
ebenfalls Sitz der Familie von Haxthausen, befand sich die Gerichtsstube, wo der Mordfall
untersucht wurde. Der Mörder kam aus Bellersen. Er hatte Selbstmord begangen,
nachdem er wieder in Dorf zurückgekehrt war.

``Die Judenbuche`` - Annette von Droste-Hülshoff

Im 18. Jahrhundert ereignete sich im Dorf B. (vermutlich Bellersen) ein Mord an den
Juden Aaron. Der Mordfall wurde in der Gerichtsstube untersucht und der Gutsbesitzer
führte die Verhandlung. Der Mörder hatte Selbstmord , nachdem er wieder in Dorf
zurückgekehrt war.

Heute

Das ``gebirgichte Westfalen`` könnte das Weserbergland oder der südliche Teutoburger
Wald sein. Der Schauplatz kann aber viel genauer bestimmt werden, denn die Novelle ist
einer realen Umgebung angesiedelt.

Zwar sind nicht alle Orte zu identifizieren, man kann jedoch den Schauplatz eindeutig
lokalisieren.

Er liegt im ehemaligen Fürstentum Paderborn, etwa 30 km östlich von Paderborn, im


Gebiet der heutigen Städte Höxter, Marienmünster und Brakel. Das Dorf B. ist der kleine
Ort Bellersen (heute Teil von Brakel) in der Nähe von Paderborn.

Brede in der Novelle ist die kleine Stadt Bredenborn, heute Teil von Marienmünster.Das
Waldgebiet zwischen Bredenborn und Bellersen erscheint in der Novelle als Brederholz
oder Masterholz. Roderholz oder Telgengrund heißt der Wald südlich von Bellersen.Die in
der Novelle abgekürzte Stadt P. ist die Stadt Paderborn. Der Fluß muß die Weser sein, die
10 km südlich von Höxter liegt.

Am vermutlichen Ort des Judenmordes befindet sich ein Gedenkstein.

Thematik:

``Die Judenbuche`` wird nicht nur als Kriminalgeschichte, sondern auch als
Detektivgeschichte, Sittengemälde und Millieustudie betrachtet.

Die Novelle ist eine Kriminalgeschichte aufgrund des Mordes an den Juden Aaron, Mord,
der von Friedrich Mergel geübt wurde. Der Mörder wird letztendlich bestraft.

Der Leser wird zum Detektiv. Annette von Droste-Hülshoff gibt dem Leser nie komplette
Informationen, nicht einmal der Erhängte wird gleich als Friedrich Mergel erkannt. Man
kann nach dem Mord an den Juden auch nicht klar behaupten, dass Friedrich ihn
umgebracht hat. Es hätte auch Johannes Niemand sein können oder einer der Blaukittel,
die mit Aaron Geschäfte machten.

Als Sittengemälde bedarf es einer Betrachtung der alltäglichen Situation der damaligen
Bevölkerung. Die Autorin beschreibt verschiedene Bräuche der Christen und der Juden,
die im Dorf B. zusammen lebten: eine Hochzeit, ein Begräbnis und die Gebete.

Die Droste erzählt die Geschichte des Judenmörders Friedrich Mergel mit dem genauen
Blick auf die realen Bedingungen , in einer beinahe schon naturalistischen Beschreibung
des Millieus.

Antijudaismus und Antisemitismus stehen auch im Mittelpunkt der Novelle, doch um diese
beiden Begriffe zu verstehen, muß man die historische Situation in Westfalen in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts betrachten.

Annette von Droste-Hülshoff beschreibt die Vorgeschichte der Tat, die Vorgeschichte des
Täters und die Einflüsse, denen er ausgesetzt war.

Aufgrund ihrer streng katholischen Erziehung, glaubt Annette von Droste-Hülshoff an die
Allmächtigkeit Gottes. Die Frage, die Annette sich selbst und den Lesern stellt ist ``Ob Gott
oder die Gesellschaft über das menschliche Schicksal entscheidet?``. Sie glaubt, dass jede
böse Tat früher oder später bestraft wird.Sie glaubt an die Sühne jeder Schuld.

Diese Idee wird gleich am Anfang der Novelle, in dem sogenannten ``Motto`` sichtbar.

``Wo ist die Hand so zart, dass ohne Irren,

Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren,

So fest, dass ohne Zittern sie den Stein

Mag schleudern auf ein arm verkümmert Seyn.

Wer wagt es, eitlen Blutes Drang zu messen,

Zu wägen jedes Wort, das unvergessen

In junge Brust die zähen Wurzeln trieb,

Des Vorurteils geheimen Seelendieb

Du Glücklicher, geboren und gehegt

Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,


Leg hin die Waagschal, nimmer dir erlaubt!

Lass ruhn den Stein- er trifft dein eignes Haupt!``

Die Steinigung, die in diesem Motto zum Vorschein gebracht wird, ist eine Strafe, die
bereits bei den Israeliten, Griechen, Makedoniern und Persern als Art der Hinrichtung
verwendet wurde. Dazu fanden sich Bürger zusammen, die meist nach einem Urteil eines
Rechtorgans den Schuldigen durch Steinwürfe töteten.

Jesus rettete eine Hure vor der Steinigung, indem er den Anklägern ihre eigene Schuld
bewusst machte.

Dieses Motto hat ein ähnliches Ziel: nur derjenige, der sich ohne jedwelche Schuld weiss,
soll den anderen beschuldigen.

Klassisches und episches Theater anhand von Goethes „Iphigenie auf Tauris”
und an Brechts „Der gute Mensch von Sezuan” , „Mutter Courage und ihre
Kinder” oder „Leben des Galilei”

DRAMATISCHE FORM DES THEATERS

Die Bühne verkörpert einen Vorgang


Sie verwickelt den Zuschauer in eine Aktion und verbraucht seine
Aktivität
Sie ermöglicht ihm Gefühle
Sie vermittelt ihm Erlebnisse
Der Zuschauer wird in eine Handlung hineinversetzt
Es wird mit Suggestion gearbeitet
Die Empfindungen werden konserviert
Der Mensch wird als bekannt vorausgesetzt
Der unveränderliche Mensch
Die Spannung ist auf den Ausgang
Eine Szene ist für die andere
Die Geschehnisse verlaufen linear
Die Welt wird beschrieben, wie sie ist
Was der Mensch soll
Seine Triebe
Das Denken bestimmt das gesellschaftliche Sein
EPISCHE FORM DES THEATERS

Die Bühne erzählt einen Vorgang


Macht ihn zum Betrachter aber weckt seine Aktivität
Erzwingt von ihm Entscheidungen
Vermittelt ihm Kenntnisse
Er wird ihr gegenübergestellt
Es wird mit Argumenten gearbeitet
Bis zur Erkenntnis getrieben
Der Mensch ist Gegenstand der Untersuchung
Der veränderliche und verändernde Mensch
Die Spannung ist auf den Gang
Jede Szene für sich
Die Geschehnisse verlaufen in Kurven
Die Welt, wie sie wird
Was der Mensch muss
Seine Beweggründe
Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Denken

NACH DER MEINUNG BRECHTS REAGIEREN DIE ZUSCHAUER DER BEIDEN


THEATERFORMEN
VERSCHIEDEN:

DER ZUSCHAUER DES DRAMATISCHEN THEATERS SAGT:

Ja, das habe ich auch schon gefühlt


So bin ich
Das wird immer so sein
Das Leid dieses Menschen erschüttert mich, weil er keinen Ausweg hat
Das ist grosse Kunst, alles ist selbstverständlich
Ich weine mit den Weinenden, ich lache mit den Lachenden

DER ZUSCHAUER DES EPISCHEN THEATERS SAGT:

Das hätte ich nicht gedacht


Das ist höchst auffällig, fast nicht zu glauben
Das muss aufhören
Das Leid dieses Menschen erschüttert mich, denn er hat einen Ausweg
Das ist grosse Kunst:da ist nichts selbstverständlich
Ich lache über den Weinenden und weine über den Lachenden
ZIEL DES KLASSISCHEN THEATERS:Die KATHARSIS des Zuschauers und zwar
mit Hilfe von Furcht und Mitleid durch die Identifizierung mit den handelnden Gestal-
ten.(Aristoteles)
ZIEL DES EPISCHEN THEATERS: Der Zuschauer soll die Thematik kritisch betrach-
ten, er soll gegenuber dem Gespielten distanzirt sein, er soll \um kritischen Mitdenker
werden, durch seine Vernunft.

DIE VERFREMDUNGSEFFEKTE sind das Zusammenspiel von textinternen,


dramatischen, schauspielerischen und
bühnentechnischen Effekten. Sie sollen eine emotionale Verwicklung des Zuschauers in
das Bühnengeschehen ver-
hindern, eine kritische Betrachtung der Thematik hingegen
hervorrufen. Zu diesen Verfremdungseffekten zahlen: kten zählen:

Anrede des Publikums durch einen Erzähler oder Rollenträger


Eingeschobene Lieder, Songs und Zitate
Prologe oder Projektionen von Überschriften
Kurze Inhaltsangaben am Beginn einzelner Szenen
Selbsteinführung von Personen
Sichtbare Bühnentechnik, Verzicht auf Interieur und Atmosphäre
Einsatz von Medien(Film, Rundfunk)
Gestische Darstellung: Die Schauspieler dürfen sich mit der Rolle nicht
identifizieren,sondern müssen sie demon-
strieren,erläutern,zeigen. Sie sollen die dargestellten Personen fremd und kritisierbar er-
scheinen lasen.

JOHANN WOLFGANG GOETHES


KLASSISCHES DRAMA

“IPHIGENIE AUF TAURIS”


INHALT:

Iphigenie, die von ihrem Vater, Agamemnon, dem König von Mykäne, als Sühne-

opfer bestimmt ist, wird von der Göttin Diana nach Tauris entführt.Zu Beginn des

Dramas ist sie dort Priesterin der Göttin und hat Thoas dazu gebracht, die Men-

schenopfer abzuschaffen. Thoas will sie zur Frau, Iphigenie weigert sich, unter

anderem, weil sie ihn nicht liebt. Aus Zorn über ihre Weigerung will er zwei Frem-

de, die auf der Insel gelandet sind, opfern lassen. Es sind, ohne dass Iphigenie

davon weiss, ihr Bruder Orest und dessen Freund Pylades. Orest hat seine Mut-

ter erschlagen, da sie seinen Vater Agamemnon ermordet hat. Vor den Rache-

göttinnen findet Orest keine Ruhe und wird mit Wahnsinn geschlagen. Apollo hat

allerdings Heilung in Aussicht gestellt, wenn Orest die Schwester aus Tauris zurück

nach Griechenland bringe. Orest legt den Orakelspruch so aus, dass er das Götter-

bild der Diana, der Schwester des Apollo, heimbringen soll. Apollo meint allerdings

die Schwester Orests. Iphigenie. Bald erkennt Iphigenie in dem unglücklichen

Fremden ihren Bruder und kann die Rachegöttinnen durch ihre Sanftmut bändigen.

Als der geheilte Orest das Götterbild der Diana entführen will, teilt Iphigenie dies

Thoas mit, da sie unfähig ist, zu lügen. Sie ist ehrlich zu Thoas, und dieser lässt

sie samt ihrem Bruder und Pylades zurück nach Griechenland segeln.

THEMATIK

SITTLICHES UND PRAGMATISCHES HANDELN


Die gesamte Handlung des Schauspiels ist bestimmt vom Gegenspiel zweier entgegen-

gesetzten Prinzipien: Handeln zur Beförderung des eigenen Interesses steht dem Han-

deln aus sittlicher Pflicht gegenüber. Geprägt wird der Unterschied zwischen pragmati-

schem Erfolgzwang und sittlichem Anspruch. Interessant ist es, dass das sittliche Han-

deln als eine Kuriosität aus der realen Welt angesehen wird. Ausser Iphigenie handelt
jeder andere zu seinem eigenen Wohlbefinden. Die Klassiker verfolgen auch dieses

Idealbild des sittlichen Handelns und das können wir vor allem in Kants Philosophie des

Idealismus wiederfinden: unbedingten Vorrang des sittlichen ´´Sollen´´ über das egois-

tische ´´Wollen´´ der Menschen(-Weltbild der Klassik)

DETERMINATION UND FREIHEIT

Das Wort ´´Determinismus´´ wird zwischen der Klassik und Romantik mehr geprägt.

In der Klassik ist mehr das Problem der Freiheit des Menschen zu treffen. Die Gegen-

position dieser Freiheit ist die Determination. Die Tatsache, dass der Mensch einigen

Zwängen unterworfen ist, die sein Handeln vorherbestimmen.

Iphigenie ist am Anfang des Schauspiels in einer Zwangslage, die ihr nur bestimmte

Handlungsfreiheit überlässt; diese Zwangslage wird im Lauf des Schauspiels immer

bedrängender. Sie ist ferner schon von ihrer Familie, in scheinbar unzertrennbaren

Zwängen eingebeetet. Der Fluch über den Ahnvater Tantalus und sein Geschlecht

hat sie nach Tauris gebracht, hat das düstere Schicksal Orests beschuldet, droht, sie

selbst in die Schuldverkettung miteinzuziehen.

Die Gründe für die Determination wären: die Macht der Triebnatur des Menschen,

seine unbeherrschten Gefühle, seine Leidenschaften.

MANN UND FRAU

Wie häufig Iphigenie sich und ihr Schicksal als repräsentativ für die Rolle der Frau in einer
männlichen, von Krieg und Gewalt bestimmter Welt ansieht, hat man gesehen. Bereits ihr
eigenes Schicksal als Opfer kriegerischer Verwirrungen stellt uns Iphigenie im ersten
Auftritt dar, mit einer fast kämpferischen Unterscheidung der verschiedenen Schicksale
von Mann und Frau.

Thoas, als Vertreter des männlichen Geschlechts, sieht sich als Herrschender und die Frau
als Unterlegene. Der Mann
ist derWaffenträger und die Frau ist Trägerin höherer Einsicht.

Interessant ist in der Klassik die Tatsache, dass der Mann auch nach seinem Tod Ruhm

erhalten wird und dass die Frau von Vergessenheit charakterisiert ist. Komischerweise er-

scheint in unserem Schauspiel nicht nur Heroismus des Mannes(Thoas als Kämpfer), son-

dern auch Heroismus der Frau(Iphigenie)

GÖTTER UND MENSCHEN

In Goethes Schauspiel ist ständig von Göttern die Rede.Iphigenie selbst steht als Priesterin

im Dienst der Gottheit, das Schicksal ihrer Familie wird auf den Zorn der Götter zurückge-

führt, für alle Menschen ist die griechische Götterwelt eine unbezweifelte Realität.

Zentral ist dabei der Tantaliden-Mythos, der die Herkunft Iphigenies wie Orestes erklärt.

Wesentlicher Inhalt des Mythos ist, dass die Schicksale der Menschen von göttlichen

Gewalten bestimmt oder mitgestaltet sind; ein Fluch, der auf die Auflehnung des Ahnvaters

Tantalus zurückgeht, bestimmt über Generationen die Geschicke seiner Kinder und
Kindes-

kinder. Das ist antikes Denken!

Humanismus der Klassik bedeutet also nicht etwa den Glauben an eine vom Menschen

losgelöste göttliche Instanz, sondern die Überzeugung, dass der Mensch autonom ist,

dass das Sittengesetz, dem er verpflichtet ist, in ihm selbst wirkt und durch sein Inneres

selbst zur Geltung gebracht werden muss.

´´Es fürchten die Götter das Menschengeschlecht´´

IPHIGENIE-CHARAKTERISIERUNG

Als Zentralfigur des Schauspiels, von der alle Fluchtlinien der Handlung ausgehen und auf
die alle Handlungselemente

zu laufen, verfügt Iphigenie nicht nur über den quantitativ grössten Sprechanteil, sondern
stellt auch die entscheidende

Instanz dar.Sie ist an allen entscheidenden Auftritten des Werks beteiligt. Obwohl ihr
Schicksal teilweise determiniert

ist- Fluch des Tantalidengeschlechts, geht sie ihrer Vorabeit entgegen, die allmähliche
Humanisierung der Taurer und

ihres Königs.Iphigenies Charaktereigenschaft ist die Humanität.Insofern erweist sie sich


als ´´schöne Seele´´, bei der die

Pflicht zur Humanität mit natürlicher Neigung zusammenfällt.

Mit Iphigenie hat Goethe versucht, eine Frauengestalt nach antikem Mass zu
schaffen.Auffälig ist, dass bei aller spürba-

ren Weiblichkeit der Figur jeder Beiton des Erotischen fehlt. Sie erscheint festgelegt auf
schwesterliche Gefühle.

Iphigenie steht als Symbol für die Reinheit, für das Gute und für das Glauben. Ihr Leitwort
ist die ´´Pflicht´´.

EIN KLASSISCHES DRAMA(geschlosene Form)

Handlung und Exposition

Einheit und Kontinuität(Exposition)


Planmässiges Vorandrängen der Handlung
Symmetrie
Akt als Formeinheit,Ausschnitt als Ganzes
Steigerung als Bauprinzip
Zeit
Einheit und Kürze(24 Stunden)
Raum
Typischer Raum(1 einziger)
Personen
Geringe Personenzahl
Hoher Stand:Mass und Würde
Vorrang der Innerlichkeit
Sprache

Einheitlicher hoher Stil


Allgemeiner Wortschatz
Distanz, Kontrolle
Sentenzen: allgemeingültige Formeln
Gegliederte Satzgefüge
Vers
ERLÄÜTERUNGEN

Goethes Drama ,,Iphigenie,, gilt bis heute vielfach als ein Höhepunkt des deutschen
klassischen Dramas, der den Huma-

nitätsgedanken in höchster Vollendung entfaltet.Meist wird auf den künstlerischen Wert


des Dramas und die ewige Gül

tigkeit des Dramas hingewiesen und sein Wert als unverzichtbares Bildungsgut aufs
Höchste gelobt.

Die Titelgestalt erscheint als ein konstruiertes, unerreichbares Idealbild eines Menschen,
ohne Bezug zur Realität.Es ware

weltfremd, sie als Maßstab für konkretes Handeln zu nehmen.

Bei Goethe gibt es nicht mehr die für die antike Tragödie typische Katastrophe, sondern ein
,,Happy end,,.

Die Helden überleben nicht nur, sondern sind auch vom göttlichen Fluch und der
Gefangenschaft befreit.

Bei Goethe gibt es im strengen Sinne keine Tragik, selbst Faust, der sich vielleicht schuldig
macht, wird erlöst.In Goethes

ethischer Vorstellung ist die Rettung von vornherein enthalten, sein Weltbild beinhaltet ein
erlösendes Prinzip, das für

jeden Menschen erreichbar ist, der sich handelnd darum bemüht, sich selbst kennen zu
lernen.Die Personen des klassi-

schen Dramas sind idealistische Gestalten , sie sind Symbole des Menschlichen.

VORGESCHICHTE
Iphigenie, ihr Bruder Orest und ihr Cousin Pylades gehören zum Geschlecht der
Tantaliden, den Nachkommen des von

den Göttern verfluchten Tantalos. Der Flucht der Götter bewirkt eine Blockierung der
Vernunft zugunsten des Trieb-

haften. Die Familiengeschichte der Tantaliden besteht seitdem aus einer Folge von blutigen
Gewalttaten, die scheinbar

nicht aufzuhalten ist.

Zu Beginn des Trojanischen Krieges wird Iphigenies und Orests Vater, König Agamemnon,
mit seiner Flotte auf der

Fahrt nach Troja durch widrige Winde aufgehalten. Der Seher Kalchas deutet dies als
Zorn der Göttin Diana, den Aga-

memnon durch die Tötung eines ihrer heiligen Hirsche verursacht hat, und verlangt zur
Besänftigung Dianas die Opfe-

rung Iphigenies. Die Göttin aber rettet das zum Opfer vorbereitete Mädchen, damit es ihr
als Priesterin dient, und ent-

rückt Iphigenie nach Tauris. Dort herschte bis zu deren Ankunft die Sitte, alle Fremdlinge
der Göttin zu opfern.Doch

Iphigenie bringt König Thoas dazu, auf die Ausübung dieses Brauchs zu verzichten.

Agamemnon wird nach seiner Rückkehr aus Troja von seiner Frau Klytämnestra und
deren Liebhaber Ägisthos getötet

:Iphigenies Bruder Orest rächt den Vater, indem er wiederum seine Mutter und Ägisthos
tötet. Seitdem befindet er sich

in einer wahnhaften Verwirrung seines Geistes:Er glaubt sich dem Fluch der Götter hilflos
ausgeliefert und wird erbar-

mungslos von den Schicksalgöttinen(Furien oder Erinnyen) verfolgt.So befragt er das


Orakel in Delphi um Rat. Der

Orakelspruch lautet:

,,Bringst du die Schwester, die an Tauris´ Ufer

Im Heiligtum wider Willen bleibt,

Nach Griechenland: so löset sich der Fluch,,

Orest und Pylades verstehen den Orakelspruch als Auftrag, das Bildnis der Göttin Diana,
die die Schwester Apolls ist,
von Tauris zu entwenden und so den Fluch zu lösen.

In Tauris werden sie jedoch von den Taurern entdeckt und gefangen genommen.

GOETHES ‘ BESCHÄFTIGUNG MIT DEM ANTIKEN STOFF

Das Bewusstsein der Freiheit und Verantwortlichkeit im sittlichen Handeln führt Goethe
zur Beschäftigung mit dem

Iphigenie-Stoff. Die Prosafassung entsteht 1779, 1786 wird das Drama unter dem Einfluss
der bedeutenden Kunsterleb-

nissen Goethes in Italien erneut umgearbeitet und 1787 endgültig abgeschlossen.

Goethe übernimt damit einen antiken Stoff; berits Aischylos, Sophokles und Euripides
haben sich mit dem sagenhaften

Königspaar Agamemnon und Klytämnestra und deren Kinder, Orest, Iphigenie und
Elektra auseinandergesetzt.

Im Gegensatz zum antiken Mythos , der den Menschen durch die Allmacht der Götter
schuldig werden lässt, begründet

Goethe das Göttliche(das Humane) in der Innerlichkeit des Menschen.

Die Konfrontation Iphigeniens mit ihrer eigenen Vergangenheit, d.h. mit der Geschichte
ihres Hauses, erhält für den

Leser symbolische Bedeutung: Humanität ist kein Geschenk, das die Natur dem Menschen
bietet, Humanität ist das

Resultat der Überwindung menschlicher Leidenschaften. Auch die grössten


Leidenschaften, die nur schwer überwun-

den werden, machen die Wendung zur Humanität möglich.

Die Botschaft, die Goethe mit diesen Worten vermittelt, war nicht nur an seine
Zeitgenossen gerichtet.

Auch der heutige Leser fühlt sich davon angesprochen. Wahrheit und Offenheit,
vernünfttiges Entgegenkommen kann

nicht nur das Vertrauen zwischen einzelnen Menschen, sondern zwischen den Völkern von
unterschiedlichem Entwick-

lungsgrad bestärken und festigen.

Das epische Theater “DER GUTE MENSCH VON SEZUAN”


BERTOLT BRECHT
INHALT
Drei Götter kommen auf die Erde,um gute Menschen zu suchen, die ein menschenwürdiges
Leben führen können und

dennoch die göttlichen Gebote einhalten. Auf der Suche nach einem Nachtlager in Sezuan
lernen die drei Götter die Pro

tituierte Shen Te kennen, die bereit ist, sie zu beherbergen.Als Dank erhält sie über
tausend Silberdollar und sie nimmt

sich vor, viel Gutes mit diesem Geld zu bewirken.Die Armut ist jedoch so gross, dass sie in
kurzer Zeit ruiniert scheint,

weil alle Menschen ihre Gutmütigkeit bemerkt haben und sie nun ausbeuten.Beim Erwerb
eines Tabakladens wird sie

betrogen, und die Menschen, die sie aus Nächstenliebe aufnimmt, nützen sie brutal aus.
Um nicht alles zu verlieren, ver

kleidet sie sich und tritt als ihr Vetter Shui Ta auf, der durch hartes und energisches
Auftreten das Schlimmste verhin-

dern kann.

Als sich Shen Te jedoch in den arbeitslosen Flieger Yang Sun verliebt, will sie sich spontan
von ihrem Besitz trennen,

um ihm zu einer Stelle zu verhelfen. Doch auch Sun nützt sie nur aus und die Hochzeit
scheitert, denn Shen Te kann

das Geld, das Sun fordert, nicht aufbringen. Weil sie von ihm ein Kind erwartet, nimmt sie-
nun wieder in der Maske

Shui Tas, die sie für längere Zeit beibehält- den Scheck des reichen Barbiers Shu Fu an, der
sich in sie verliebt hat.

Shui Ta eröffnet eine Tabakfabrik und stellt Sun ein, der rasch zum Aufseher aufsteigt. Sun
zeigt Shui Ta wegen der

Entführung Shen Tes an.

Vor Gericht, bei dem die Götter als Richter verkleidet den Vorsitz haben, gibt Shen Te ihre
doppelte Identität preis

und erklärt, dass es unmöglich sei, in dieser Welt die Gebote einzuhalten. Die Götter
appelieren an Shen Te, weiterhin

gut zu sein, während sie in den Himmel entrückt werden.

THEMATIK
Das Stück problematisiert die Frage, wie es einem Menschen ergehen würde, der es sich
zur Aufgabe gemacht hat, gut

zu sein.Diesem Vorsatz zu folgen wird deshalb besonders schwierig, denn die Gesellschaft
ist gespalten in einige wenige

, die sehr viel besitzen, und sehr viele, die nichts haben.

Die Personen lassen sich grob in drei gesellschaftlichen Gruppen zuordnen. Auf der einen
Seite stehen die absolut Mittel

losen, die weder Wohnung noch Nahrung haben. Auf der anderen Seite steht die Gruppe
der Reichen und Besitzenden,

repräsentiert durch den Barbier Shu Fu und durch Mi Tzü, die Hausbesitzerin. Eine dritte
Gruppe, die Mittelschicht,

verfügt zwar über das Existenzminimum, doch bereits ein geringer Verdienstausfall genügt,
um sie ihrer Existenzgrund

lage zu berauben und sie mittellos werden zu lassen.

Shen Te scheitert sehr schnell an ihrer Aufgabe, weil Not und Elend den Menschen
egoistisch machen und jeder nur an

seinen eigenen Vorteil denkt.Die gesellschaftlichen Umstände in Sezuan machen


´´menschliches´´ Handeln unmöglich.

Um nicht selbst unterzugehen und von den Armen und ihren Ansprüchen edrückt zu
werden, muss auch der ´´gute´´

Mensch manchmal hart und egoistisch an seinen eigenen Vorteil denken, um gut bleiben
zu können. Der Zielkonflikt
zwischen Güte und Härte, Solidarität und Egoismus, Grosszügigkeit und Ausbeutung,
Mitmenschlichkeit und Unmenschli-

chkeit zwingt Shen Te immer wieder zur Verwandlung in den von ihr selbst gehassten Shui
Ta. Die gesellschaftli-

chen Bedingungen fordern also eine Vorgehensweise, die in krassem Widerspruch zum
Streben eines guten Menschen

ist.

Die Lebensbedingungen der meisten Bewohner Sezuans sind durch Arbeitslosigkeit,


Hunger und Elend geprägt. Die

Armen sind also der Willkür der Reichen vollkommen ausgeliefert.

Die menschenunwürdigen Verhältnisse zeigen sich am deutlichsten in der sozialen


Unsicherheit, der viele ausgeliefert

sind. So gibt es in Sezuan ein Überangebot an Prostituierten, die ihren Körper verkaufen
müssen und nach Aussagen

Shen Tes zu allem bereit sind, um ihre Existenz zu sichern und ihre Miete bezahlen zu
können. Die Degradie-

rung der Menschen zu Ware lässt sich auch am Verhältnis Shen Tes zu Sun aufzeigen. Sun
glaubt, die Gefühle Shen

Tes zu seinem eigenen Vorteil ausnutzen zu können. Dabei ist es ihm relativ gleichgültig,
dass Shen Te ihn liebt und

bereit ist, ihr kleines Vermögen für ihn zu opfern.

Es gibt keine Solidarität zwischen den Menschen, obwohl sie in ihrer aussichtslosen Lage
zusammenhalten müssten.

SHUI TA- SHEN TE


Der Auftrag, gut zu sein, den Shen Te von den Göttern zusammen mit dem Geldgeschenk
erhält, erweist sich schon

früh als unerfüllbar.Die begrenzten Mittel reichen bei weitem nicht aus, die Bedürfnisse
der vielen zu befriedigen, die o

hne Nahrung und ohne Obdach sind.

Die Verwandlung in Shui Ta zeigt, welche Härte notwendig ist, um überleben zu können.
Doch im weiteren Verlauf der Handlung scheitert der Versuch Shui Tas, die
wirtschaftlichen Verhältnisse für Shen Te

so zu sichern, dass er selbst nicht mehr auftreten muss.

Die Spaltung eines Menschen in eine humane selbstlose, liebenswürdige und in eine harte,

egoistische, ausbeuterische Person ist die Folge der gesellschaftlichen Missstände und nicht
Resultat persönlicher Defizi-

te. Wichtig ist, dass Shui Tas Vorgehensweise erzwungen wird und sich auch gegen die
gute Seite in sich selbst, also

gegen Shen Te richtet.

Brechts Auffassung von der menschlichen Natur ist deshalb optimistisch, weil er
annimmt,dass der Mensch von Grund

auf eher dazu neigt, das Gute für sich und andere zu wollen. So sind Shui Ta und Sun nicht
von Grund auf böse und be

ide geniessen ihr schlechtes Handeln nicht. In menschenunwürdigen Verhältnissen


verkehren sich menschliche Werte

in ihr Gegenteil, sie werden im eigentlichen Sinn des Wortes pervertiert zur: Der Mensch
wird zur Ware, die Arbeit zur

Sklaverei, die Liebe zur Prostitution, die Wahrheit zur Lüge, Tugend zu Untugend.

BRECHTS RELIGIONSKRITIK
Die Rolle der Götter ist nicht frei von Komik. Schon ihre Mission, genügend gute Menschen
auf der Erde zu finden, die

unter Einhaltung der Gebote ein menschenwürdiges Leben führen können, ist sehr
uneindeutig formuliert und wird im

Verlauf des Stückes auf einen einzigen guten Menschen reduziert ,nämlich Shen Te. Die
verzweifelten und letztlich aus-

sichtslosen Bemühungen der Götter, ihrem Auftrag gerecht zu werden, zeigen schnell, dass
es gar nicht um die Welt

und die Menschen, sondern vielmehr um die Existenzberechtigung der Götter geht. Sie
manipulieren durch ihr grosszü-

giges Geldgeschenk für Shen Te die Spielregeln, denn sie dürfen in die Geschicke der
Menschen nicht eingreifen. Damit

betrügen sie sich selbst und die Götter, von denen sie den Auftrag erhalten haben.

Die Götter sind dennoch nicht in der Lage, die notwendigen Schlussfolgerungen aus den
Erfahrungen zu ziehen, die sie

in und mit der Welt gemacht haben. Sie sind taub für die Klagen der Menschheit.

Das göttliche Gericht, das im 10. Bild unter dem Vorsitz der drei Götter als Richter tagt,
fällt im Gegensatz zu der

christlichen Vorstellung vom Jüngsten Gericht kein gerechtes Urteil, sondern entlässt
Kläger und Beklagte, Schuldige

und Unschuldige, Böse und Gute mit oberflächlichen und sehr allgemein gehaltenen
Weisungen und Geboten. Die Hoff-

nung, dass das Gute durch eine göttliche Instanz entlastet und das Böse verurteilt wird,
erweist sich als Trugschluss.

DIE AKTUALITÄT DES PARABELSTÜCKS


Die in ´´Der gute Mensch von Sezuan´´ thematisierten Probleme gesellschaftlicher und
zwischenmenschlicher Natur

sind heute leider noch aktuell:

- 4,7 Millionen Arbeitslose in Deutschland


- Abbau der sozialen Leistungen
- steigende Unternehmensgewinne bei gleichzeitigem Abbau von Arbeitsplätzen
In der Gier nach persönlichem Erfolg müssen die Werte verloren gehen, die Shen Te so
gerne verwirklichen würde und

für die sich der Einsatz immer noch lohnt. Die Armen beweisen auch keine Solidarität, und
sind weit davon entfernt,

ein gemeinsames Klassenbewusstsein zu entwickeln.

Das Paar Shen Te- Shui Ta ist auch heute Beweis dafür, dass der Mensch sich selbst von den
anderen schützen muss.

Das epische Theater “MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER”


BERTOLT BRECHT
VORGESCHICHTE
Anna Fierling, von allen ´´Mutter Courage´´genannt, ist eine Marketenderin aus Bamberg,
also eine Händlerin, die mit

einem Planwagen voller Waren den Truppen folgt und mit ihnen Geschäfte macht.

Sie hat ein bewegtes Leben hinter sich: Ihre drei Kinder stammen jeweils von
verschiedenen Vätern.

Jedes davon zeichnet sich durch eine bestimmte Tugend aus:

- Eilif, ihr Ältester, ist klug und tapfer, eigentlich schon zu kühn; er ist der Sohn eines
Finnen.
- Die Redlichkeit von Schweizerkaas, dem jüngeren Sohn der Courage, stammt vom
Umgang mit seinem ungari-
schen Ziehvater; woher sein leiblicher Vater kommt, ist aufgrund seines Namens nicht
schwer zu erraten.(Schweiz)
- Kattrin, ´´eine halbe Deutsche´´, hat ein mitleidiges Herz. Als sie ein junges Mädchen
war, hat sich ein Soldat an ihr
vergangen, seitdem ist sie stumm. Wie ihre Brüder kennt auch sie ihren Vater nicht.

INHALT:

Mutter Courage folgt mit ihrem Planwagen den Krieg führenden Truppen. Einerseits
möchte sie mit ihrem Handel

grösstmöglichen Profit erreichen,andererseits will sie ihre drei Kinder heil durch den Krieg
bringen: den redlichen

Schweizerkaas, den mutigen Eilif und ihre mitfühlende Tochter, die stumme Kattrin.
Mutter Courage hat die drei Kin-

der von verschiedenen Männer und sie kann sich nicht einmal genau an die Väter

ihrer Kinder erinnern. In der Extremsituation des Krieges können Mutterliebe und
Geschäftstüchtigkeit nicht unter

einen Hut gebracht werden; es wird unmöglich, vom Krieg nur als Mitläüfer zu
profitieren.

Den Kindern werden ihre Tugenden schliesslich zum Verhängnis:

Schweizerkaas bringt als Zahlmeister die Regimentkasse vor den feindlichen Truppen in
Sicherheit, gibt das Versteck

nicht preis und muss seine Ehrlichkeit mit dem Tod bezahlen. Eilif macht in einer kurzen
Friedenspause dasselbe wie

im Krieg: Plündern und Morden. Nur: jetzt gilt das plötzlich nicht mehr als Heldentat-
auch er wird hingerichtet.

Kattrin wird Zeugin, wie katholische Truppen einen nächtlichen Überfall auf die Stadt
Halle planen.Sie warnt die Bewo

hner durch lautes Trommeln und wird deshalb erschossen.

Am Schluss hat die Courage alle drei Kinder verloren und ist auch geschäftlich am Ende.
Gleichwohl zieht sie zuver-

sichtlich mit ihrem Planwagen weiter.

THEMATIK UND PROBLEMATIK


Dieses Theaterstück beschäftigt sich vor allem mit dem Thema des Krieges und mit allen
Aspekten, die mit dem Krieg im Zusammenhang stehen. Der Krieg ist zentrales Thema
dieses Theaterstücks aus folgenden Gründen:

- Es wurde zu einem Zeitpunkt geschrieben, als der Zweite Weltkrieg über Europa
hereinbrach.Ein Krieg, von dem
noch niemand wusste, dass er der furchtbarste der Weltgeschichte sein würde.
- Sein Autor, Bertolt Brecht, war vor einem Regime aus Deutschland geflohen, dessen
Führer Adolf Hitler bereits vor
der Machtergreifung unmissverständlich dargelegt hatte, dass der Krieg eine
unausweisliche Folge seiner Politik
sei.
- Und schliesslich hat ´´Mutter Courage´´ den Krieg selbst auch zum Thema , und zwar
den Dreissigjährigen, der 300
Jahre zuvor weite Teile Deutschlands verwüstet und entvölkert hat. Das Stück will
zeigen, dass es eher die Regel ist,
nichts gegen den Krieg zu unternehmen, ja sogar zu hoffen, dass man aus ihm
irgendein Profit herausschlagen
kann. Es zeigt aber auch, dass es unmöglich ist, sich einerseits mit dem Krieg zu
arrangieren, andererseits dabei a
ber menschlich zu handeln und frei von Schuld zu bleiben. Der Leser gelangt zur
deprimierenden Einsicht, dass der
Mensch aus der Katastrophe Krieg nichts lernt. Die geschichtliche Entwicklung nach
1945 hat Brecht leider Recht
gegeben.
INTERPRETATION
Brecht bevorzugte eine eingängige Sprache und vermied Symbole, die seine Leser erst
mühsam entschlüsseln müssen.
Andererseits wollte er seine Leser zum Nachdenken bringen.

Brecht schrieb über einen Krieg zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Er wollte dadurch den
Menschen eine Art Spiegel

ihrer eigenen schrecklichen Erfahrungen während der Hitler-Diktatur vorstellen.Brecht


interessierte sich in erster

Linie für das Phänomen Krieg an sich:welche Hofnungen sich an ihn knüpfen, welche
geschäftlichen Erwartungen,

welche Interessen und wie sich die Menschen durch ihn nicht belehren lassen.

Mutter Courage glaubt, sich mit dem Krieg arrangieren zu können.Doch, wie der
Feldprediger das sagt,

´´Wer mit dem Teufel frühstücken will, muss einen langen Löffel haben´´. Das heisst, dass
derjenige, der den Krieg

begrüsst, zusehen muss, dass er selbst dabei keinen Schaden nimmt.Darin liegt auch die
Tragik im Schicksal der

Courage:Das ganze Stück strebt sie danach, Gewinne einzustreichen. Doch am Ende ist ihr
Verlust gleich doppelt:

- Sie steht ohne Familie da und mehr noch, sie trägt am Tod ihrer drei Kinder die
Mitschuld.
- Sie hat mit ihrem Marketenderunternehmen total abgewirtschaftet und steht vor dem
geschäftlichen Ruin.

Dieses Theaterstück ist eine Warnung gegen den Krieg.Alle Gestalten sprechen eine
Volkssprache, eine Sklavensprache,

die für Brecht die angemessene zu sein schien. Er konnte dadurch die Perspektive der
kleinen Leute auf das Weltgesche

hen glaubwürdiger gestalten.Er will durch diese verkehrte Welt zeigen,dass die Leute, die
sich an den Krieg gewöhnt

haben, sich auch daran gewöhnt haben, den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht
mehr klar wahrzunehmen:

´´Frieden, das ist nur Schlamperei, erst der Krieg schafft Ordnung´´,sagt der Feldwebel zu
Beginn des Stückes.

Tragisch ist die Tatsache, dass die Courage nichts aus dem Krieg lernt.
Gut wäre es aber, dass der Leser aus der Tatsache, dass die Courage nichts aus dem Krieg
lernt, lernen solllte!

Das epische Theater “LEBEN DES GALILEI”

BERTOLT BRECHT
INHALT:

Das Stück gestaltet einen wichtigen Abschnitt aus der Wissenschaftsgeschichte. Es erzählt,
wie der italienische Forscher

Galileo Galilei(1564-1642) für das kopernikanische Weltbild eintritt, unter der Androhung
von Folter durch die päpstli

che Inquisition seine Erkenntnis aber widerruft.

Zu Beginn des Stücks sieht sich Galilei am Anbruch einer neuen Zeit. Er erklärt dem
Knaben Andrea das neue Weltbild

des Kopernikus(Umdrehung der Erde um die Sone).Als Galilei von der holländischen
Erfindung des Fernrohrs hört,

überreicht er der Republik Venedig eine selbst hergestellte verbesserte Version. Sein
Gehalt wird verdoppelt. Das Fern-

rohr zeigt Beweise für die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Als die Venezianer aber
feststellen, dass man das hol-

ländische Fernrohr überall billig kaufen kann, fühlen sie sich betrogen.

Galilei geht an den Hof von Florenz. Dort weigern sich die Gelehrten des Grossherzogs
durch das Fernrohr zu schauen.

In Rom bestätigt der päpstliche Astronom seine Entdeckungen. Trotzdem verbietet die
Kirche Galilei, die kopernikani-

sche Lehre zu verbreiten.

Als Galilei Jahre später seine Arbeiten trotzdem wieder aufnimmt, wird seine Tochter
Virginia deswegen von ihrem

Verlobten verlassen(aus Angst). Galileis Lehre wird beim Volk populär, aber der
Grossherzog liefert ihn an die kirchli-

che Inquisition aus.

Weil ihm Folter angedroht wird, widerruft Galilei, zur Enttäuschung seiner Schüler, die
Lehre vom Lauf der Erde um

die Sonne. Er wird in ein Haus auf dem Lande verbannt, schreibt aber noch das
grundlegende Buch ´´Discorsi´´, das

Andrea ins Ausland schmuggelt.

THEMATIK :
Brecht diskutiert die gesellschaftliche Verantwortung des Wissenschaftlers. Dieser kann
sich kritisch aufklärend gegen

politische Unterdrückung und geistige Bevormundung wenden, kann sich aber auch als ein
´´sozialer Verbrecher´´ in

den Diensten der Mächtigen stellen.

Galilei ist nach der allgemeinen Vorstellung ein Held. Tapfer kämpft er für die
Durchsetzung der neuen wissenschaftli-

chen Erkenntnis, der zufolge sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Dass
die Kirche ihn am Ende zum

Widerruf dieser Behauptung zwingt, wird nicht ihm, sondern ihr angelastet. Die Legende
berichtet von einem grossarti-

gen Auftritt: Galilei habe nach dem erzwungenen Widerruf mit dem Fuss aufgestampft
und gemurmelt:´´

Und sie bewegt sich doch´´.

Bertolt Brecht sieht die Gestalt des grossen Astronomen und Physikers ganz anders.
Galilei, so meint er, hätte auf seiner

Erkenntnis bestehen müsen. Dadurch wäre die Macht der Kirche erschüttert worden, die
damals im Bunde mit dem

herrschenden Adel stand. Kirche und Adel unterdrückten das einfache Volk und liessen es
im Elend leben. Hätte Gali-

lei nicht widerrufen, wäre eine Wissenschaft entstanden, die sich nicht nur um den Lauf
der Gestirne, sondern auch um
eine Verbesserung der Lebensbedingungen des Volkes gekümmert hätte.

Sein Widerruf aber hat den Mächtigen und der Kirche die Bewahrung ihrer Macht
erlaubt. Damit ist eine Wissen-

schaft, die nur den Interessen des Volkes dient, unmöglich geworden. In Galileis Versagen
liegt damit – nach Brecht-

die ´´Erbsünde´´ der modernen Naturwissenschaften: es werden zwar grosse technische


Leistungen erbracht, aber

häufig zum Schaden der Menschheit- bis hin zur Atombombe.

Alte und neue Wissenschaft


Der griechische Philosoph Aristoteles und der Astronom Ptolemäus besagten: In der Mitte
des Kosmos befindet sich

die Erde. Die Planeten und Sterne, einschliesslich des Mondes und der Sonne, umkreisen
sie, befestigt an kristallenen

Sphären (´´Glaskugeln´´). So sieht es auch die Kirche als gottgegeben an.

Der Astronom Nikolaus Kopernikus(1473-1543) widersprach diesem Weltbild. Er meinte:


Die Erde umkreist die Sonne.

Diese steht im Mittelpunkt des Alls.

DIE ENTSTEHUNG:

Obwohl Brechts ´´Galilei´´ im 17. Jahrhundert spielt, steht das Stück in einem engen
Zusammenhang mit den umwälzen

den geschichtlichen Ereignissen zur Zeit seiner Entstehung.

Brecht lebte in einer turbulenten Zeit und wurde von den Ereignissen um die ganze Welt
gejagt. Er schrieb den

´´Galilei´´ 1938/1939 und arbeitete ihn dann zweimal um (1945-47 und 1954-56), so dass
innerhalb von fast zwei Jahr-

zehnten drei verschiedene Fassungen entstanden.

Weil sich die Zeiten und die wichtigen Ereignissen so schnell veränderten, hat jede Fassung
einen anderen Hintergrund,

den man kennen muss.


1. Fassung (dänische)
Brecht war auf der Flucht vor Hitler im Exil in Dänemark, als er die erste Fassung des
Stücks schrieb. Er informierte

sich über die historische Figur Galileis und liess sich durch Assistenten des dänischen
Atomphysikers Niels Bohr in naturwissenschaftlichen Fragen sachkundig machen.

In dieser Zeit las Brecht auch in dänischen Zeitungen die Nachricht, dass im Deutschen
Reich der Bau einer Atombom-

be möglich war. Dies hätte Hitlers Tiumph perfekt machen können.

In dieser Situation beschäftigte sich Brecht mit der Rolle der Wissenschaft in der
Gesellschaft. Er scheint in der Wissen-

schaft eine Kraft zu sehen, die ihre Erkenntnisse listig gegen den Zugriff der Mächtigen
bewahren kann und damit ein

Beispiel des Widerstandes liefert.

2. Fassung (amerikanische)
1945 lebte Brecht seit einiger Zeit in Kalifornien in den USA. Hitlers Ende war nun
absehbar. ´´Galilei´´ wurde ins
Englische übersetzt und in New York aufgeführt. Da erreichte Brecht die Nachricht vom
Abwurf einer amerikanischen
Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Dies wurde für ihn zum Anlass, eine
zweite, veränderte Fassung des
Stücks zu schreiben.
Brecht fragte sich nun, wieso die wissenschaftlichen Fortschritte sich derart von den
Interessen der Menschen, von

Frieden und einem möglichst gerechten und guten Leben, entfernen können.

Dabei wurde Galilei zum Verräter, der sich selbst den Mächtigen auslieferte.

3. Fassung (Berliner)
Wieder hat sich die Situation völlig gewandelt. Nach seinem Verhör in den USA durch
Kommunistenjäger ist Brecht in

die DDR gegangen, den kommunistischen Staat auf deutschem Boden.

Dies entspricht einerseits seiner politischen und gesellschaftlichen Überzeugung,


andererseits hat man ihm ein verlockendes Angebot gemacht: das ´´ Berliner Ensemble´´.

Die dritte Fassung ähnelt der 2., Galilei ist nicht nur ein ´´ sozialer Verbrecher´´, sondern
auch eine grossartige Gestalt.
Brechts Galilei: Vorbild oder Warnung für moderne Wissenschaft?

Der historische Galilei war einer der bedeutendsten Wissenschaftler überhaupt; er


gebrauchte als erster die Mittel der

wissenschaftlichen Beweisführung. Die für die Literatur in diesem Zusammenhang aber


wichtigere Tatsache sind die

mit der Aufstellung dieser Prinzipien eng verbundenen philosophischen und moralischen
Fragen. Gerade heute sind alle

Fragen rund um die Wissenschaft und deren Aufgaben und Pflichten, die sich Galilei als
einer der ersten stellen musste

, wieder von zentraler Bedeutung.


Bei Galilei reift ein Wissenschaftsbild heran, in dem er sich mehr und mehr als
Wissenschaftler auch verantwortlich

fühlt für die Konsequenzen, die die Forschungsergebnisse und Erfindungen für die
Menschheit haben könnten oder

haben sollen - Fragen, die heute für jeden Wissenschaftler neben der Forschung absolut
erstrangig sind.
Die Forschungen Galileis bringen das Weltbild ins Wanken. Er sieht zwar, dass immer
sozialverantwortlich geforscht

werden muss, doch ist das heute nicht mehr ganz so einfach. In der modernen Wissenschaft
scheint alles erforscht, es scheint, als ob keine weltverändernden Dinge mehr erfunden
werden könnten, in einer Zeit, in der alle Welt Bomben

besitzt, mit der man die Welt beliebig oft zerstören kann, in der die 21 Chromosomen
entschlüsselt sind und in der ein

Computer nahezu jeden Menschen als Arbeitskraft ersetzen kann.

Und in genau dieser Zeit scheint es nahezu unmöglich für einen Wissenschaftler, sich in
einem weitgehenden Gebiet

der Wissenschaft auszukennen. Die modernen Forscher und Wissenschaftler sind


spezialisiert und können deshalb

nicht abschätzen, wie weit ihre Forschungen weiterentwickelt werden können.

Niemand kann Albert Einstein als Mörder verurteilen, weil der die Grundlage für die
Entwicklung der Atombombe

liefert. Er hatte einen gemeinnützigen Zweck im Sinn und konnte auch nicht abschätzen,
dass mehrere Jahrzehnte

nach ihm ein Atomkraftwerk in Tschernobyl Tausende Menschenleben zerstören könnte.


Die Verantwortung der Wissenschaft ist heute nicht mehr klar definiert, sondern stets ein
hoch umstrittenes Diskussionsthema. Wissenschaft ist längst nicht mehr nur
Wahrheitsbringer und erleichtert längst nicht mehr nur ,,die Mühselig-

keit der menschlichen Existenz", sondern bringt Nutzen und Risiko in einem. Das
Entschlüsseln der Genome bringt

Möglichkeiten, schwere Krankheiten frühzeitig zu diagnostizieren. Es bringt jedoch auch


das Risiko, dass der Versiche-

rungsschutz für Menschen mit fehlerhaften Genen erlischt oder im schlimmsten Fall sogar
Sexualität für die Fort-

pflanzung irrelevant wird. Genau dieses Beispiel ist wohl das zur Zeit Aktuellste und Beste.

Es fand ein weltweiter Wettbewerb statt, geradezu ein Wettrennen um die Entschlüsselung
des menschlichen Erbgutes.

Hätte nun Celera Genomics, die als erste das den menschlichen Bauplan entschlüsselten,
nach Galileis Vorbild ethi-

schen und moralischen Gründen abgeschworen, so hätte sicherlich eine andere Firma den
Durchbruch geschafft und

hätte die gewinnbringenden Patente angemeldet. Sogar die Vereinigten Staaten von
Amerika beschäftigten Wissen-

schaftler, um die Chromosomen zu entschlüsseln, was eine Antiparallele zu ,,Leben des


Galilei" ist, da in diesem epis-

chen Drama die als weltliche Obrigkeit dargestellte Kirche sich nicht an den Forschungen
beteiligt, sondern sie - im

Gegenteil - verurteilt. Auch Galilei hat mit dem Fernrohr ein zwiespältiges Experiment auf
dem Markt. Zum einen

bringt es ihm nutzen, da es ihm eine Gehaltserhöhung garantiert und er durch das
Fernrohr die Jupitermonde sehen

kann, zum anderen kann es aber auch zur Kriegsführung benutzt werden und kann somit
auch Menschen schaden.

Weiterhin ist es auch ein Beweis dafür, dass Wissenschaft nicht aufzuhalten ist. Das
Fernrohr ist eine geistiger Dieb-

stahl Galileis. Er bringt es jedoch vor den Holländern auf den Markt und verschafft sich
somit die Gehaltserhöhung.

Hätte er es nicht als seine Erfindung ausgegeben, wäre es genau so auf den Markt
gekommen, hätte ihm jedoch keinen

Nutzen gebracht.

Genau so ist es in der modernen Forschung. Jeder forscht und versucht Neues zu
erforschen und somit neue Patente zu

bekommen, die eine Menge Geld garantieren und zu dem die Aktienkurse und den
Bekanntheitsgrad des Unternehmen

s erhöhen. Es ist also durchaus verständlich, dass Forscher und Wissenschaftler morallose
Forschung betreiben, denn

wenn der eine Forscher seine Errungenschaften nicht preisgibt, so wird in naher Zukunft
ein anderer die gleiche

Entdeckung machen und den Lohn dafür kassieren.


Galilei ist also weder Vorbild noch Warnung für die moderne Wissenschaft. Er ist eher ein
Appell an die Moral der

Wissenschaftler, die Grenzen der Menschen zu beachten, dass Forschung am Ende der
Menschheit dienen soll und sie

am Ende nicht bedrohe. Er ist weiterhin ein Appell an den Staat - die Wahrheit
anzuerkennen, die nötigen Rechts-

grundlagen zu schaffen um eben diesen Nutzen der Wissenschaft den Menschen zu


ermöglichen, die Menschen jedoch

vor einem Missbrauch der Wissenschaft zu schützen.

Das moderne Theater “DIE PHYSIKER”


FRIEDRICH DÜRRENMATT
INHALT:
In der psychiatrischen Anstalt ´´Les Cerisiers´´ irgendwo in der Schweiz leben drei
Physiker.Einer hält sich für Newton,

der Zweite für Einstein, während der Dritte im Bunde, Möbius, angeblich mit König
Salomon in Kontakt steht.

Zwar tötet jeder der drei eine Krankenschwester, aber trotzdem sind die Herren nicht
verrückt. Im Gegenteil: Möbius

hat eine geniale Entdeckung gemacht- das System aller möglichen Erfindungen-, das
´´Newton´´ und ´´Einstein´´ im

Auftrag zweier konkurrierender Geheimdienste in ihren Besitz bringen möchten.

In einer auf philosophischen Niveau geführten Auseinandersetzung über das Verhältnis von
Wisenschaft und Macht

gelingt es Möbius allerdings, die Agenten auf seine Seite zu bringen.

Seine Forschungsergebnisse hätten todbringende Folgen für die gesamte Menschheit und
dürften deshalb nicht veröffen

tlicht werden.Alle drei beschliessen, freiwillig den Rest ihres Lebens I der Anstalt zu
verbringen, um die Erde zu retten.

Anstelle des hier denkbaren versöhnlichen Schlusses gibt Dürrenmatt der Handlung seines
Stücks eine überraschende

Wende. Die wahnsinnige Anstaltsleiterin hat das Inkognito der drei Männer seit langem
durchschaut, von Möbius`

Unterlagen Kopien angefertigt und bereits ein Unternehmen zur Verwertung seiner
Entdeckungen aufgebaut.

DIE THEMATIK:

Heute die Genforschung, vor 50 Jahren die Atombombe- immer hatten und haben die
Erkenntnisse der Naturwissen-

schaftler Folgen für die Menschheit, segensreiche oder fürchterliche. Wer in der Forschung
tätig ist, muss sich also

genauestens Rechenschaft darüber geben, was mit den Ergebnissen seiner Arbeit geschieht.

Aber was, wenn der Wissenschaftler gar nicht über seine Forschungsergebnisse verfügen
kann? Was, wenn seine Tätig-
keit überwacht und von anonymen Mächten kontrolliert wird?

Um Antwort auf diese Fragen zu geben, hat Dürrenmatt den genialen Physiker Möbius
erfunden, der aus Verantwortung seine Entdeckungen geheim halten will.

Die Bilanz des dramatischen Versuchs ist ernüchternd: Der Einzelne vermag nichts gegen
den Lauf der Geschichte.

Als das Stück entstand, verfügten die USA und die Sowjetunion bereits über
Waffenarsenale, die ausreichten, die

Menschheit mehrfach auszulöschen. Die Atombombe, ein Gipfelpunkt menschlicher


Denkleistung, ist zugleich ein Höhe-

punkt der Unvernunft. Gegen diese weltweit herrschende Irrationalität legt Dürrenmatts
Stück Einspruch ein:

weil die Welt verrückt ist, sind die Vernünftigen im Irrenhaus

Zentales Thema der Komödie ist also die Verantwortlichkeit des Wissenschaftlers gegenüber
der Menschheit.

Noch 1939 hätten zwölf Wissenschaftler durch eine gemeinsame Verabredung den Bau der
Atombombe verhindern

können.Eine solche Übereinkunft aus moralischen Erwägungen treffen die drei Physiker
am Ende der Diskussion über

ihre Verantwortung: freiwillig im Irrenhaus zu bleiben, damit die Welt keines werde. Aber
wie im Stück, so erwies sich

diese Idee auch in der Realität als undurchführbar:´´Auch gibt es keine Möglichkeit,
Denkbares geheim zu behalten.

Jeder Denkprozes ist wiederholbar´´, erkennt Dürrenmatt.

Dürrenmatt fällt durch den Schluss des Stücks ein vernichtendes Urteil über Möbius’
Versuch der Zurücknahme seines Wissens.Auch Einstein und Newton bieten nur
Forschung in Unfreiheit.

Auch sie wären in ihren Heimatländern in Sicherheit gehalten.Schlussfolgerung:´´Der


Inhalt der Physik geht die Physi-

ker an, die Auswirkung alle Menschen. Was alle angeht, können nur alle lösen. Jeder
Versuch eines Einzelnen. für sich
zu lösen, was alle angeht, muss scheitern.´´

Mit Möbius scheitert nicht nur der Wissenschaftler, sondern der Mensch als
Einzelkämpfer. Sein Versagen liegt in sei-

ner Selbstüberschätzung: Er traut sich zu viel und anderen zu wenig zu.

DIE ENSTEHUNGSZEIT
1962 hat in Zürich Friedrich Dürrenmatts Kriminalkomödie ´´Die Physiker´´ Premiere, ein
Stück, in dem drei als Ver-

rückte getarnte Atomwissenschaftler ,im Irrenhaus, um Fortbestand oder Untergang der


Welt im Nuklearzeitalter

kämpfen.

Im Oktober desselben Jahres erreicht der Ost-West-Konflikt mit der Kuba-Krise seinen
Höhepunkt; die Welt ist nur

noch einen Fussbreit vom Abgrund eines Atomkrieges entfernt.

Auf Kuba hatte Fidel Castro die Macht überbommen, und der Versuch der USA, ihn durch
einen Gegenputsch zu besei-

tigen, war gescheitert.Castro akzeptierte den Plan der Sowjetunion, auf Cuba Atomraketen
aufzustellen.

Diese Krise im Herbst 1962 war aber nur der Höhepunkt einer dramatischen Entwicklung
des ´´Kalten Krieges´´

zwischen Ost und West, der bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begonnen
hatte.Nach 1962 bauen die Super-

mächte ganz allmählich ihre Konfrontation ab, aber erst 1990 endet der Kalte Krieg
offiziell .

INTERPRETATION
Dürrenmatts ironischer Unterton und die Ankündigung,´´Die Einheit von Raum, Zeit und
Handlung streng einzuhalten,

denn einer Handlung, die unter Verrückten spielt, kommt nur die klassische Form bei´´, lässt
erahnen, dass uns eine un-

glaubliche Geschichte erwartet.


´´Die Physiker´´ gehen von dem originellen Einfall aus, dass ein genialer Wissenschaftler
sich ausgerechnet an einem

Ort versteckt, der für geistig Kranke bestimmt ist.Der Spielort ´´Irrenanstalt´´ ist somit die
erste Voraussetzung für die

Entwicklung der Komödienhandlung.

Da verwundert es nicht, dass auch Möbius und seine Kollegen am Ende der Komödie mit
der schlimmstmöglichsten

Wendung konfrontiert werden.Umso schlimmer muss es einen wie Möbius treffen, dass
alles Planen umsonst war, weil

der Zufall ihm einen Strich durch die doch so exakte Rechnung macht. Er konnte nicht
ahnen, dass Fräülein Doktor

von Zahnd geisteskrank ist. Der Zufall übernimmt in diesem Stück die Rolle des Schicksals
in der antiken Tragödie.

Ödipus war es vorherbestimmt, seinen Vater zu erschlagen und seine Mutter zu heiraten,
und dieses Schicksal erweist

sich als unentrinnbar.Genauso unausweichlich ist das Scheitern von Möbius in den Fängen
des Fräülein Doktor.Doch

das erfahren wir ,und auch die Physiker , erst Schritt für Schritt.

Das Paradoxe spielt in Dürrenmatts Denken eine bedeutende Rolle. Dabei bleibt die Logik
oft auf der Strecke, und die

Paradoxie triumphiert.Damit das Paradoxe auf der Bühne veranschaulicht werden kann,
gibt Dürrenmatt ihm die

Gestalt des Grotesken. Das Groteske ist das Bodenlose, das Unerhörte, das Monströse. Es
kehrt Ordnungen um, erregt

Grauen und ist doch komisch. So bleibt uns das Lachen buchstäblich im Hals stecken,
wenn Fräülein Düktor von Zahn

d mit verklärter Stimme davon spricht, dass sie in Salomons Namen die Weltherrschaft
übernehmen werde.

Die Personen in Dürrenmatts Komödien sind keine normalen Zeitgenossen. Genauso wie
der Autor den präsentierten
Weltausschnitt zu einer grotesken Gegenwelt verfremdet, genauso zeichnet er auch die
Personen seiner Stücke mit den

Mitteln der Übertreibung und der Parodie. Dabei entstehen Gestalten, die in der Realität so
nicht zu finden sind, uns

aber trotzdem ´´typisch´´vorkommen:

- Fräülein Doktor: Weltherrscherin(sie hat den Überblick)


- Möbius: Einzelkämpfer auf verlorenem Posten(er ist freiwillig da)
- Newton und Einstein:´´Befehl ist Befehl´´(sie sind dienstlich da)

MOTIVE:

Liebe spielt in ´´Die Physiker´´ eine tragende Rolle:

-als fürsorgliche Nächstenliebe(Sorge der Schwestern, der Ärztin, der Ehefrau für die
Kranken)

-als Liebe zwischen Mann und Frau(die Physiker und ihre Krankenschwestern)

-als körperliche Anziehung(Monika zu Möbius:´´Ich will mit Ihnen schlafen´´)

.als unterdrückte Liebe zwischen Eltern und Kindern(Möbius und seine Söhne)

Opfer kann man werden oder erbringen. In diesem doppelten Sinn sind Opfer für das
Stück von Bedeutung:

-Frau Möbius sorgt aufopfernd für den kranken Mann und die Jungen

-Die Physiker folgen Möbius’ Beispiel und bleiben freiwillig im Irrenhaus, um die Welt zu
retten

-zu Opfern werden die Krankenschwestern, als sie nicht länger die Rolle der Pflegerinnen
spielen wollen.

Der Tod ist in dem Stück allgegenwärtig, als persönliches und als kollektives Schicksal:
Mord an die Krankenschwestern, Gespräche über die Atombombe und den Tod im Krieg,
Vision der toten Planeten.

THEATER UND GESELLSCHAFT


Dürrenmatt meint im Gegensatz zu Brecht, dass er als Schriftsteller die Welt nicht
verändern könne, aber er will sie

beunruhigen. Er stellt sich die Aufgabe, den Menschen in seinen Konflikten sichtbar zu
machen, ihn zu dokumentieren.

Die Aufgabe des Schriftstellers sei, die Wirklichkeit durchschaubar zu machen, sie zu
formen und aus ihrer Bildlosig-

keit ein Bild zu machen.

´´Auf diese Weise werde das Theater zu einer Schule der Menschenkenntnis. Theater ist ein
Werkzeug, ein natürliches

Werkzeug, das der Mensch zur Menschenkenntniss braucht.´´

XII.KLASSE

I. Die Epoche der Klassik und Johann Wolfgang


Goethes Tragodie “Faust”
II.Die Moderne und der Roman “Homo Faber” von Max
Frisch
III.Moderne Novelle von Thomas Mann.

DIE KLASSIK
(1786-1805)
Als Beginn der deutschen Klassik wird Goethes Italienreise von 1786-1788 angesehen, die
Epoche endet mit Goethes

Tod 1832.

Goethe und Schiller sind die wesentlichen Vertreter der Klassik, ihr Einfluss prägte jedoch
auch die anderen Dichter

der Zeit.

Das Wort Klassik weist auf einen bewussten Rückgriff auf die Kultur der klassischen
griechisch-römischen Antike hin,

der in der Renaissance begann und nun seinen Höhepunkt findet. In der Dichtung wird die
Natur- und Gefühlsschwär-

merei des Sturm und Drang überwunden. Das Ideal ist der in sich ruhende, gute und
schöne Mensch. Harmonie und

Humanität sind wesentliche Ziele.

Die philosophischen Grundlagen der Epoche gehen auf Immanuel Kant zurück, dessen
´´Kategorischer Imperativ ´´lau-

tet:´´Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer
allgemeinen Gesetzgebung gelten kön-

ne.´´. Die Sittlichkeit und Gott stehen im Mittelpunkt, der Mensch steht im Einklang mit
dem Sittengesetz und mit der

Natur.

Und Goethe meinte damals: ´´Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!´´

Zentrum der Kalssik und zugleich literarische Hauptstadt Deutschlands war Weimar, wo
zeitweise Wieland, Herder,

Goethe und Schiller lebten und tätig waren und unter deren Einfluss sich zusammen mit
gebildeten Frauen ein reges
nicht nur literarisches Leben entfaltete.Zentrales politisches Ereignis war die Französische
Revolution (1789) mit ihren

Forderungen: Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit.

Mit seiner ´´Iphigenie´´ knüpft Goethe an die schon im alten Griechenland dramatisierte
Sage von Orest an, der seine

eigene Mutter tötet, um einen Gattenmord zu rächen.

Als Hauptwerk Goethes gilt die Tragödie ´´Faust´´. Von seiner Jugend bis kurz vor seinem
Tod hat er an diesem Stoff

gearbeitet. Faust, der nach Erkenntnis strebende Mensch, und Mephisto, Verkörperung
des Bösen, stellen dabei unter-

schiedliche Pole der menschlichen Existenz dar.

Themen: das vollkommene Menschentum, der perfekte Mensch

der Mensch, der sich zum perfekten Wesen entwickelt

der Mensch muss im Einklang mit dem Kosmos und mit der Natur stehen

der Mensch als Verkörperung des Schönen, Reinen. Wahren, Guten

der Mensch, der durch die Liebe und durch das Sittengesetz veredelt wird.

Goethes Tragodie „Faust“

Goethes Tragödie Faust I., welche 1808 veröffentlicht wurde, besteht aus einer dreiteiligen
Eröffnung, der „Tragödie

erster Teil“, welche auch die „Gelehrtentragödie“ genannt wird und der „Tragödie zweiter
Teil“, die auch die „Gret-

chentragödie“ genannt wird. Diese Teile bestehen nochmals aus verschiedenen Kapiteln, in
welche ich auch, aus über-
sichtlichen Gründen, den Hauptteil dieser Inhaltsangabe gliedern werde.

Die dreiteilige Eröffnung

Zuneigung
Der erste Prolog thematisiert das Verhältnis von Dichter und Werk: Goethe beschreibt die
Wiederaufnahme seiner

Dichtung und die Tatsache, nun für ein neues Publikum zu schreiben.

Vorspiel auf dem Theater


Im zweiten Prolog wird in Form einer Unterhaltung zu Theaterdirektor, Dichter und
Schauspieler („die lustige Person“

) dargestellt, welche unterschiedliche Ansprüche an das Drama gestellt werden. Der


Direktor vertritt geschäftliche Inte-

ressen und teilt dabei auch die Ansicht des Schauspielers, dem es vorrangig um gute
Unterhaltung geht. Im Gegenzug

dazu beharrt der Dichter auf wahre Kunst, die auch der „Nachwelt“ erhalten bleiben soll.

Prolog im Himmel

Als die Erzengel die Schöpfung Gottes preisen, entgegnet Mephistopheles, er sehe nur „wie
sich die Menschen plagen“

und beschuldigte den Herrn, die durch ihn verliehene Vernunft sei der Grund dafür. Auf
den Verweis des Herrn auf

Doktor Faust, der sich auf besondere Weise von der übrigen Menschheit unterscheidet,
behauptet Mephistopheles, auch

diesen verführen zu können. Der Herr geht darauf ein. Diese Vereinbarung bzw.
Quasiwette bildet in ihrer einleitenden

Funktion den Rahmen des Dramas.

Der Tragödie erster Teil – Gelehrtentragödie


Nacht
Dem Monolog Fausts ist die große Gelehrtheit der Titelperson zu entnehmen, doch Faust
erkennt, dass er das ersehnte

„Weltverständnis“ dadurch nicht erlangen konnte.

Er wendet sich der Magie zu, muss jedoch bei der Betrachtung der Zeichen des
Makrokosmos feststellen, dass ihm diese

menschliche Darstellung der Weltordnung nicht ausreicht. Auch bei der Beschwörung des
Erdgeistes stösst Faust an

seine Grenze der Welterkenntnis.

Wagner, der die Selbstgespräche des Doktors gehört hat, betritt den Raum. Er beginnt ein
Gespräch über Redekunst

und Erkenntnis. Mit seiner wissenschaftlich-trockenen und zudem aufdringlichen Art


strapaziert er Fausts gespannte

nerven, bis dieser ihn direkt zum Gehen auffordert.

Nachdem Wagner gegangen ist, nimmt Fausts Verzweiflung weiter zu. Er entdeckt Gift und
ist willig, es zu nehmen, ob

ihn nun „Sphären reiner Tätigkeit“ oder aber das „Nichts“ erwarten. Jedoch kommt es
nicht soweit, denn die Oster-

glocken erklingen und Chorgesang setzt ein. Es ist nicht der Glaube, der Faust vor dem
Selbstmord zurückhält, sondern

die wachwerdende Erinnerung an seine Jugend.

Vor dem Tor


Die Szene veranschaulicht die unbeschwerte Art des Volkes, das beim Osterspaziergang,
teils sogar singend, dargestellt

wird.

Auch Faust und Wagner geniessen den Frühling und den Anblick der vergnügten
Menschen. Der Famulus beneidet

den Doktor um die Anerkennung, die diesem durch das Volk zuteil wird. Doch Faust
bedeutet sie wenig, denn er erin-

nert sich an eine Zeit der Hilflosigkeit der Medizin.

Im Laufe des Gesprächs wird abermals der Unterschied zwischen Wagners naiv-
optimistischem Fortschrittsglauben

und Fausts innerer Gespaltenheit und unstillbarer Sehnsucht, er nennt sie „innere
Gespaltenheit“, deutlich. Einerseits

sehnt er sich nach weltlichen Freuden, nach Leben, andererseits träumt er von einem
transzendenten Dasein. Wagner

warnt Faust, böse Geister zu beschwören.

Gegen Abend fühlt sich der Doktor von einem schwarzen Pudel, der geheimnisvolle
„Feuerstrudel“ zieht, verfolgt. Doch

Wagner bemerkt nichts Untypisches an dem Tier. Wie sich bald zeigen wird, handelt es
sich bei dem Hund um eine

Personifizierung von Mephisto.

Studierzimmer (I)

Wieder daheim geht Faust daran, seine Suche nach religiöser Offenbarung durch die
Übersetzung des Johannesevange-

liums fortzusetzen. Doch schon der erste Satz: „Im Anfang war das Feuer“ bereitet ihm
Schwierigkeiten. Er tauscht den

Begriff „das Wort“ zuerst mit „Sinn“, dann mit „Kraft“ und gibt sich schließlich mit
„Tat“ zufrieden.

Geheule und Gebelle machen den Übersetzer auf den mitgebrachten Hund aufmerksam,
mit dem eine seltsame Verwan

dlung vor sich geht. Durch eine Zauberformel Fausts erscheint Mephisto gekleidet als
Student, der sich selbst als „einen

Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ darstellt.

Faust erkennt die Chance, Mephisto festzuhalten, dem der Rückzug aus dem Zimmer
durch ein sich dort befindliches

Pentagramm verwehrt bleibt. Doch Mephisto geht (noch) keinen Pakt mit Faust ein, wie es
dieser vorschlägt. Durch

Geistergesang wird Faust in tiefen Schlaf versetzt, so dass Mephisto mit Hilfe einer Ratte,
die den Drudenfuss benagt,

fliehen kann.

Studierzimmer (II)

Als Mephisto in eleganter Kleidung zurückkommt, findet er Faust in einer


selbstmörderischen Stimmung vor. Die Gele-
genheit nutzend schlägt er einen Pakt vor.

Er, Mephistopheles, wird im Diesseits Faust dienen, wenn jener seinerseits dazu bereit
wäre, den dienst für den anderen

im Jenseits zu übernehmen. Doch Faust stellt die Bedingung, nur Mephistos Knecht zu
werden, wenn Faust sagen wird

: „Verweile doch! Du bist so schön!“


Nach der Besiegelung des Teufelspaktes mit Blut will Mephisto Faust die sinnlichen
Freuden des Lebens zeigen und

schlägt vor, zu vereisen. Während sich der Doktor umzieht, erscheint ein ratsuchender
Schüler.

Mephisto, verkleidet als Faust, verwirrt den Schüler mit seinen Studienvorschlägen und
Abraten von Studienfächern.

Letztendlich propagiert er das Medizinstudium, indem er beschreibt, wie wenig Wissen es


bedürfe und wie leicht es sei.

Die Gunst der Frauen zu gewinnen.

Faust und Mephisto brechen nach dem Gehen des Schülers zur Reise auf, um „die kleine
und die große Welt“ zu sehen.

Auerbachs Keller in Leipzig


Zuerst kehren die zwei Reisegefährten in einem Leipziger Weinkeller ein. Hier betrinken
sich derbe Männer aus dem

Volk, singen und reizen sich gegenseitig. Mephisto verärgert sie, indem er nach ihrem
Belieben Wein aus der Tischplat-

te zaubert, der sich erschreckenderweise in Feuer verwandelt. Faust scheint von dieser
Szene nicht angetan, er möchte

abreisen. Mephisto verschwindet mit ihm.

Hexenküche
In der Hexenküche erfährt Faust, dass er einen verjüngenden Zaubertrank bekommen soll,
was er zuerst ablehnt. Die

Hexe, die den Trank zubereiten soll, ist noch nicht da.

Während Mephisto mit den Meerkatzen Unsinn veranstaltet, sieht Faust ein
wunderschönes Frauenbild im Zauberspie-

gel.

Als die Hexe erscheint, erkennt sie ihren Meister Mephisto zunächst nicht und beschimpft
ihn und die Meerkatzen.

Nach ihrer Entschuldigung beeilt sie sich, den gewünschten Trank unter Zuhilfenahme des
„Hexeneinmaleins“ zuzube-

reiten. Nach der Einnahme des „Zaubersaftes“ will Faust zurück zum Spiegel, doch
Mephisto verspricht ihm „das

Muster aller Frauen“. Er fügt hinzu, dass Faut bald alle Frauen schön finden wird.

Die Tragödie zweiter Teil – Gretchentragödie


Strasse
Faust erblickt Gretchen auf der Strasse und versucht, sie gleich für sich zu gewinnen. Sie
lehnt seinen Annäherungsver-

such jedoch ab. Hierauf wendet sich Faust zum ersten Mal an Mephisto, der ihm helfen
soll, sie zu bekommen.

Mephisto muss seinen Befehlenden aber auf später vertrösten, denn die Unschuld und
Gläubigkeit Gretchens machen

ihm die Arbeit schwer. Faust bekommt aber das Angebot Mephistos, diesen Abend
Gretchens Zimmer in ihrer Abwesen

heit zu sehen. Mephisto will in der Zwischenzeit ein Geschenk für Gretchen beschaffen.

Abend. Ein kleines reinliches Zimmer


In ihrem Zimmer überlegt Gretchen, wer der Herr gewesen sein könnte, dem sie auf der
Strasse begegnet ist. Faust

geniesst nach ihrem Gehen die reine Atmosphäre des Zimmers und verliebt sich
währenddessen immer mehr. Er will

alleine sein. Nachdem Mephisto mit einem Schmuckkästchen zurückgekommen ist und es
versteckt hat, gehen Faust

und sein Diener. Gretchen gruselt es, als sie zurückkommt und sie singt die Ballade vom
König in Thule, die von Treue
bis in den Tod handelt. Vom entdeckten Schmuck ist sie begeistert.

Der Nachbarin Haus


Gretchen beschliesst mit ihrer Nachbarin Marthe, den Schmuck aus dem neuen Kästchen
vor ihrer Mutter geheim zu

halten. In diesem Augenblick kommt Mephisto und berichtet Marthe vom Tod ihres
Ehemannes, der in Padua begraben

liege. Marthe willigt ein, einen zweiten Zeugen (Faust) anzuhören, der den Tod des
Handwerkers bestätigen soll.

Während des Gesprächs macht Mephisto den Frauen geschickt Komplimente und bezeugt
besonderes Interesse an

Marthe.

Strasse
Als Faust erfährt, dass er lügen soll, ist er empört. Mephisto aber führt ihm vor, dass er
schon früher, als Gelehrter,

Unwahres verbreitet hat. Ausserdem weist er Faust auf spätere Liebesschwüre hin. So gibt
sich Faust geschlagen.

Garten
In Mathes Garten, während des vereinbarten Treffens erzählt Gretchen Faust von ihrer
Familie. Ihr Vater und die

Kleine Schwerster, um die sie sich gekümmert hat, sind tot, ihr Bruder ist Soldat. Gretchen
berichtet von ihren Ver-

pflichtungen im Haushalt, den sie mit ihrer Mutter führt. Faust und seine Angebetete
gestehen sich ihre Liebe.

Währenddessen hat Mephisto grosse Mühe, Marthes Annäherungen durch geschicktes


Vortäuschen von Ahnungslosig-

keit auszuweichen.

Ein Gartenhäuschen
Hier küssen sich Faust und Gretchen zum ersten Mal, doch schon drängt Mephisto zum
Aufbruch. Gretchen überlegt
sich, was Faust an ihr wohl finden könnte und schämt sich wegen ihrer Naivität.
Wald und Höhle
Faust schwärmt wieder von der Natur, bis er sich an seine Begierden erinnert, die ihn
einengen. Mephisto macht sich

lustig +über ihn und erzählt von Gretchens Sehnsucht nach Faust. Dieser fühlt sich
gegenüber Gretchen schuldig und

hat Angst vor der Zukunft. Mephisto duldet diese Verzweiflung nicht.

Gretchens Stube
Gretchen sitzt am Spinnrad und singt von ihrer unerfüllten Sehnsucht nach Faust.

Marthes Garten
Im Garten spricht Gretchen Faust auf etwas an, was ihr sehr wichtig ist: Die Religion. Faut
glaubt, aus einem Gefühl

heraus, nicht aber an die Dogmen des Christentums. Er betitelt Gott als „Allumfasser und
Allerhalter“, aber z.B. auch

als „Glück“ und „Liebe“. Gretchen, die an der kirchlichen Lehrmeinung festhält,
beunruhigt jenes zutiefst. Sie schildert

zudem ein Unbehagen gegenüber Mephisto. Schliesslich kommt es soweit, dass Gretchen
Schlaftropfen von Faust

annimmt, die sie ihrer Mutter heimlich einflössen will, damit beide ungestört sein können.
Mephisto hat die ganze zeit

mitgehört und macht sich, nachdem Gretchen gegangen ist, über sie und ihr Verhältnis zur
Religion lustig.

Am Brunnen
Schadenfroh erzählt Lieschen Gretchen den neuesten Klatsch über Bärbelchen: Diese
wurde von ihrem Geliebten trotz

eines erwarteten Kindes verlassen und wird dafür nun geächtet. Gretchen, die sich früher
selbst an solchem Klatsch

beteiligt hat, ahnt ihr eigenes Schicksal.

Zwinger
Gretchen hat niemanden, dem sie ihr Problem anvertrauen kann. Sie sucht Trost und Hilfe
in einem Gebet zu Maria.
Nacht. Strasse vor Gretchens Tür
Valentin, Gretchens Bruder, hat von dem Tratsch über seine Schwester gehört. Er möchte
seine Ehre durch die Tötung

Fausts wiederherstellen. Vor dem Haus trifft er Faust in Begleitung von Mephisto, der, auf
Gretchens Situation bezo-

gen, ein äusserst zynisches Liebeslied singt. Valentin greift Faust und Mephisto an, wird
jedoch durch Fausts Klinge,

die von Mephisto gelenkt wird, tödlich verletzt. Faust und Mephisto müssen vor der durch
den Lärm angelockten

Menschenmasse flüchten. Unter ihnen sind auch Marthe und Gretchen, die von ihrem
sterbenden Bruder beschimpft

und verflucht wird.

Dom
Aus lauter Verzweiflung besucht Gretchen eine Totenmesse. Dort quält sie ein böser Geist
mit Gedanken an den Tod

ihrer Mutter, welchen sie durch das Schlafmittel verursachte, an ihre Schwangerschaft
und die kalte Reaktion ihrer

christlichen Mitmenschen. Das Thema der Messe ist das Jüngste Gericht, bei welchem
jeder Mensch von seiner gerech-

ten Strafe heimgesucht wird. Dies ist zuviel für Gretchen, die daraufhin ohnmächtig
umfällt.

Walpurgisnacht
Mephisto nimmt Faust mit zur Walpurgisnacht, ein alljährliches Hexenfest mit wilden
Tänzen und sexuellen Exzessen.

Mephisto fühlt sich dort sehr wohl und auch Faust lässt sich von dem wilden Treiben
anstecken. Doch letztendlich hat

Faust eine Vision, in der er ein blasses Kind sieht, das zwar Gretchen gleicht, jedoch tote
Augen hat und um den Hals

eine rote Schnur trägt. Mephisto drängt Faust dazu, sich ein Theaterstück innerhalb der
Walpurgisnacht anzusehen.
Walpurgisnacht oder Oberons und Titanias goldene Hochzeit
Das handlungslose Theater zeigt die goldene Hochzeit des Elfenkönigpaares. Es werden
dabei verschiedene Themen der

Kunst, Literatur, Philosophie und Politik angerissen.

Trüber Tag. Feld

Faust hat erfahren, dass Gretchen im Kerker sitzt und ist ausser sich vor Verzweiflung,
Schmerz und Wut. Er beschul-

digt Mephisto für das Geschehene, doch dieser bleibt ungerührt, was Faust nur noch mehr
in Rage bringt. Faust

befiehlt Mephisto, Gretchen zu retten, der sich dann widerstrebend mit Faust auf den Weg
macht.

Nacht. Offenes Feuer


Die kürzeste Szene des Dramas zeigt, wie Faust und Mephisto auf dem Weg zu Gretchen an
einer Hinrichtungsstätte

vorbereiten.

Kerker
Faust dringt in Gretchens Kerker ein, die dort sitzt, weil sie ihr neugeborenes Kind
ertränkt hat und nun auf ihre Hin-

richtung wartet. Die letzten Ereignisse hatten sie so wahnsinnig gemacht, dass sie Faust
zuerst für ihren Henker hält.

Erst als er laut ihren Namen ruft, erkennt sie ihn und glaubt an eine Rettung. Doch als
Faust sie nicht küssen kann,

kann und will sie nicht mit ihm fliehen, sondern als Busse für ihre Taten sterben. Als dann
auch noch Mephisto er-

scheint und zum Aufbruch drängt, übergibt sie sich endgültig dem Gericht Gottes. Als
Mephisto meint, sie sei gerichtet,

tönt eine Stimme von oben herab, die besagt, dass Gretchen gerettet sei.

Mephisto und Faust verschwinden, während ihnen von innen eine Stimme Fausts Namen
nachruft.

Das Drama Faust spricht verschiedene Problem der damaligen Zeit kritisch an, hat aber
durchaus auch noch aktuellen

Bezug zu unserer heutigen Zeit.

Wie verhält sich Mephistopheles gegenüber dem Herrn, Faust und den
Menschen?

MEPHISTO-HERR
Mephisto ist Goethes leibhaftige Form des Teufels, Faust nennt ihn „Des Chaos
wunderlichen Sohn“, der allerdings

nicht als genauso mächtiger Gegenpartner des Herrn auftritt, sondern vielmehr selbst ein
Teil der Schöpfung ist, nur

andere Ziele als der Herr verfolgt.

“Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war,

Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar.”

Mephisto besitzt des Teufels typische Eigenschaften: List, die Kunst, andere zu verführen
und die Menschen zu blenden

. Er leugnet dies auch nicht, wird er danach gefragt. Faust gegenüber stellt er sich selbst
vor:

“Ein Teil von jener Kraft

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Ich bin der Geist, der stets verneint

Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,

Ist wert, dass es zu Grunde geht

Drum besser wärs, dass nichts entstünde.

So ist denn alles, was ihr Sünde,

Zerstörung, kurz das Böse nennt,

Mein eigentliches Element.”


Er ist also gleichzeitig der Feind allen Werdens, aller Verjüngung, allen Strebens, ist in
Wahrheit der ewige Stachel zur

ewigen Verjüngung, zum unendlichen Werden.

Im Himmel tritt er als Schalk, als Spaßmacher auf, der beim Herrn fundamentale Kritik
an der Schöpfung übt. Er fin-

det sie „herzlich schlecht“, doch nicht ihre Ganzheit – „von Sonn und Welten weiß ich nichts
zu sagen“ - , sondern nur

das Zentrum: die Menschheit. Mephisto wirft dem Herrn vor, es sei ein Fehler gewesen,
dem Menschen die Vernunft zu

schenken, in Wirklichkeit missbrauche er sie nur dadurch „um tierischer als jedes Tier zu
sein“. Damit spricht Goethe

auch etwas Grundsätzliches im Hinblick auf das menschliche Dasein in der Faust-Dichtung
an: Mephisto ist ein Teil der

Schöpfung – aber was für einer, wenn er die göttliche Schöpfung eigentlich verneint? Auch
der Herr erkennt ihn als

solchen an:

“Ich habe deinesgleichen nie gehasst,

Von allen Geistern, die verneinen,

Ist mir der Schalk am Wenigsten zur Last.”

Nach Goethes erstem Plan für das Schauspiel stellt Mephisto den Diener des Luzifer da,
des bei Gott in Ungnade gefal-

lenen Erzengels.

Die Wette, die Mephisto dem Herrn anbietet, ist zu vergleichen mit der Geschichte von
Adam und Eva: Der Plan Luzi-

fers ist es, Faust, wie schon vorher Adam, zu einem göttlichen Wissen zu verhelfen, um so
jeden Ansatz der Gottähnlich-

keit im Menschen zu vernichten und ihm seine Verantwortung für sein Handeln sowie die
Schwierigkeit der Unterschei

-dung zwischen Gut und Böse bewusst zu machen. In der endgültigen Fassung des Fausts
trägt statt Luzifer Mephisto-

pheles allein diesen Plan. Er ist der Gegenpol zur Schöpfung, zu aller Ordnung und
Harmonie, aber gleichzeitig ein

Teil von ihr – etwas Gutes, Bestehendes hat nur einen Sinn, wenn es sich von etwas
Gegenteiligem unterscheidet. Ohne

die Unordnung könnte die Ordnung nicht bestehen. Deshalb hat auch der Teufel seine
Funktion im Ganzen der Schöp-

fung: Er führt dem Menschen den Gegenpol zum ewig Guten und Schönen vor Augen und
trägt so mit dazu bei, das

der Mensch weiter schafft und strebt.

MEPHISTO- FAUST-GRETCHEN-----MENSCHEN
Durch die Wette will Mephisto dem Herrn beweisen, dass er Recht hat, dass die Schöpfung
einen grundlegenden Fehler

hat: Dort, wo es Menschen gibt, die vernunftbegabt, aber doch nicht göttlich sind. Er muss
Faust zum Tier machen,

denn dann, wenn der Doktor sich nicht mehr von diesem unterscheidet, sich also völlig von
seiner Sinnlichkeit lenken

lässt, hat Mephisto recht. Die Schöpfung hätte sich als falsch erwiesen. Erst im zweiten Teil
der Dichtung bringt der

Herr Faust zu der Einsicht, dass ein Streben nach etwas, das außerhalb der menschlichen
Welt liegt, nicht der Sinn des

menschlichen Lebens sein kann, doch das liegt außerhalb von Mephistos
Vorstellungskraft. Sein Gebiet ist die pure

Sinnlichkeit. Er ist ein Teil Gottes wie auch des faustistischen Menschen, den der dadurch,
dass er ihn an den Augen-

blick zu fesseln versucht, die Unzulänglichkeiten und Leerheit jeden Augenblicks erleben
lässt und ihn so von Augen-

blick zu Augenblick höher treibt. Er ist auch der aktive Part im Verhältnis zu Faust. Durch
seine Zauberei verführt er

zuerst Faust selbst, indem er ihm das Bildnis Gretchens vor Augen führt, später setzt er
seine Magie und Verführungs-

kunst ein, Gretchen zu verführen und hilft Bruder und Mutter zu ermorden. Sein Treiben
auf der Erde besteht rein

aus Gemeinheiten, Spott, bloßer Sinnlichkeit und Zerstörung. Er führt die Menschen an
der Nase herum, weiß ganz

genau, wie er sie packen muss. Er ist ein Meister des Blendens und der Verführung in jeder
Art, man siehe nur sein

Spiel mit Marthe, die er umschmeichelt und der er Hoffnungen macht, die er aber hinter
seinem Rücken verspottet

und verlacht, oder die Szene in Auerbachs Keller, wo er die jungen Studenten durch sein
Zauberkunststück zum

Narren hält.

Mephisto schafft nichts, er vernichtet alles, auch das Kostbarste, das in diesem Werk
beschrieben wird: Die naive und

reine Kindlichkeit Gretchens, die mit sich und ihrer kleinen Welt so lange in Harmonie und
Frieden lebt, bis Faust,

vom Abbild des Mädchens, das ihm Mephisto gezeigt hat, angelockt, in diese einbricht und
die Idylle jäh zerstört.

Gretchen ist der einzige Mensch, der den Teufel auch in seiner Verkleidung sofort erkennt,
sich nicht von ihm blenden

und täuschen lässt. Sie repräsentiert auch den Teil eines Menschen, den Mephisto in seiner
Anklage an den Herrn un-

erwähnt lässt: Die stille, einfältige Liebe eines Menschen, der sich zur Aufgabe, in die er
gestellt ist, bekennt und sie

nach bestem Vermögen ausfüllt. Immer fühlt sie Unbehagen und Beklemmung in seiner
Gegenwart. Auch Mephisto

merkt, dass er dieses Mädchen nicht für sich annehmen kann, viel zu rein und unschuldig
ist ihr Herz, viel zu fromm
ihre Gesinnung. Er versteht nicht ganz, was Faust an diesem kindlichen Wesen finden
kann außer körperlichem Ver-

langen, doch da das vorhanden ist, beschäftigt ihn das auch nicht weiter. Mephisto liegt es
fern, Faust ans Ziel seiner

rastlosen Suche auf der Erde zu bringen, nämlich die Begrenztheit der Erde zu
übersteigen, sein Bestreben ist es, ihn

in die Niederungen der Sinnlichkeit zu führen und so seine Theorie vom Fehler in der
Schöpfung aufzuzeigen. Doch

Faust erkennt bald, das selbst der Teufel ihm nicht das bieten kann, was er begehrt:

“Was willst Du armer Teufel geben?

Ward eines Menschen Geist, in seinem hohen Streben,

Von deinesgleichen je gefasst?”

Mephisto fällt es leicht, auf Fausts Wette einzugehen. Er kennt die Menschen genau, weiß,
dass es gar nicht so schwer

ist, dass ein Mensch „zum Augenblicke“ sagt:

„verweile doch, Du bist so schön!“.

So versucht er, Fausts sinnliches Begehren herauszufinden. In Auerbachs Keller jedoch


kann ihm das nicht gelingen:

die zechenden Studenten stoßen den Doktor eher ab. Als er das merkt, macht er ihn durch
den Hexentrank vom altern-

den Wissenschaftler zum jugendlichen Liebhaber und führt ihm das Bild der schönen
Helena vor, das Faust in Aufre-

gung versetzt. Da weiß Mephisto, das er gewonnen hat und prophezeit Faust, in dem die
Leidenschaft entbrannt ist,

von nun an

„Helena in jedem Weibe“ zu sehen.

Obwohl es dem Teufel gelingt, Faust in diesem Fall zu dem zu machen, was er sich
vorgenommen hatte, nämlich einen

Menschen, der sich vom Tier nicht mehr unterscheiden lässt, kann er auf der anderen Seite
Fausts wahres Wesen auf

Grund seiner einseitigen Bestrebungen und Sicht der Dinge gar nicht erfassen. Doch trotz
aller Verlockungen schafft er

es nicht, Faust zum Aussprechen des in der Wette vereinbarten Satzes zu führen, weder
durch das Zechen in Auer-

bachs Keller, noch durch die Liebe zu Gretchen und auch nicht durch die stark erotische
Aufführung des Hexenstückes

in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg.

Am Schluss des ersten Teils der Tragödie ist Mephisto siegreich: Faust befindet sich in
einem Zustand völliger Ver-

zweiflung, weiter denn je entfernt von der Erfüllung seines Verlangens nach ewigem Glück.

Vergleich zwischen den beiden Charakteren Faust und


Wagner

Faust und Wagner verbindet ein Lehrer und Schüler Verhältnis, denn Wagner ist ein
Lehrling von Faust, welcher aber

schon sehr viel Wissen erlernt hat.

Wagner bewundert seinen Meister Faust und hat ihn sich als Vorbild gesetzt um eines
Tages das selbe Wissensniveau

wie er zu erreichen. Diesem Ziel strebt er voller Energie entgegen Zitat:

"Zwar weiß ich viel, doch möchte´ ich alles wissen".

Wagner ist ein Wissenschaftler, der nur Dinge, Aussagen oder dergleichen glaubt, die er

oder der Entdecker beweisen

kann. Dieses Verhalten steht im krassen Gegensatz zu Faust, welcher auch Entdeckungen

glaubt , die vielleicht noch

nicht "wasserdicht" bewiesen ist und wozu man eventuell auch mal in eine übersinnliche
Argumentation eintauchen

muß.

Wagner ist der Ansicht, daß alle Menschen ,die "normal" sind und nicht wie er oder Faust
studiert haben, eine niedri-

gere Rangordnung haben, das heißt, er verachtet sie.

Er setzt sein Wissen ein, um an Macht zu gelangen denn er ist versessen danach und nutzt
das Wissen als "Mittel zum

Zweck", um dieses Ziel zu erreichen

Zitat: "Welch ein Gefühl mußt du, o großer Mann bei der Verehrung dieser Menge haben, O
glücklich, wer von seinen

Gaben solch Vorteil ziehen kann !" Faust dagegen achtet jeden Menschen gleich und das
macht ihn bei seinen Mitmenschen beliebt.

Faust ist ein ganz anderer Mensch, er lehnt Bewunderung ab

Zitat: "Der Menge Beifall tönt wie Hohn. O köntest du in meinem Innern lesen, wie wenig
Vater und Sohn solch Ruhmes

wert gewesen!" Er will alles und jeden verstehen auch wenn es etwas übersinnliches ist und
er es nicht beweisen kann,

denn er betrachtet die Dinge mit Gefühl und nicht wie Wagner nur von der nüchternen
Wissenschaftlichen Seite. Er

ist an dem Punkt angelangt, an dem er meint alles irdische Wissen erreicht zu haben und
will nun sein Wissen mit

Magie erweitern, denn er fühlt sich gefangen in dem was er kann,

Zitat: "Was man nicht weiß, das eben braucht man, und was man weiß, kann man nicht
brauchen" Er weis nicht wo er es

anwenden kann und das macht ihn unglücklich und deprimiert.

Es geht soweit das er mit einem Zauberspruch aus dem "Nostradamus" den Erdgeist
herbeiruft, welcher ihm aber

ganz klar zu verstehen gibt das er nicht auf dem Niveau wäre sich mit der Magie zu
befassen und sich lieber wieder

dem irdischen widmen soll Zitat: "Du gleichst dem Geist den du Verstehst, nicht mir!" Das
schmettert ihn so tief herab,

daß er mit Selbstmord Gedanken spielt, sich aber doch wieder durch den Ostergesang
zurück gerissen fängt und ver-

sucht wie die anderen Menschen mit dem Alltag klarzukommen.

DIE MODERNE ZEIT


Die Literatur vom Ende des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wird unter dem
Namen ´´Neue Sachlichkeit´´

gesammelt. Man bevorzugt die Veränderung des Menschen in einer beobachtenden,


psychoanalytischen Sicht zu be-

schreiben. Die Exilliteratur spricht auch für die Literatur der modernen Zeit.

Historischer Hintergrund:

Die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Flut von 6 Millionen Arbeitslose verunsichern das
Bürgertum und bereiten den

Boden für den Nationalsozialismus vor.

Nachdem im Jahre 1933 Hitler an die Macht kam, gab er dem deutschen Volk das, was es
nötig hatte: Arbeitsplätze,

ein gesichertes Leben und dadurch auch ein starkes Nationalgefühl.

Die deutschen Intellektuellen werden ausgeschaltet, weil sie , von dem faschistischen
Regime, als eine Gefahr angesehen

werden ( 10.05.1933—die Bücherverbrennung), das demokratische Denken abgetötet.


Autoren wie Thomas Mann und

Bertold Brecht gehen ins Exil.

Im Jahre 1945, nach dem Ende des 2. Weltkrieges, wird der Völkermord an 6 Millionen
Juden aufgedeckt.

Deutschland wird in 4 Besatzungszonen eingeteilt: Amerika, England, Frankreich,


Russland.

Die drei ersten Mächte gaben ihren Zonen die volle Souveranität, es entsteht die
Bundesrepublik Deutschland. Russland aber streckt sich ihre Macht in die DDR aus.

Geistesgeschichtlicher Hintergrund:

Nach der Zäsur durch den Nationalsozialismus sucht die Philosophie nach einer neuen
Identität für den Menschen.Strö-

mungen des Existenzialismus (Heidegger) prägen die 50. Jahre. Sie werden einerseits
abgelöst durch einen geistigen

Pragmatismus, andererseits von einem marxistisch-leninistischen Gedankengut.

Literarische Merkmale:

In Romanen findet eine Analyse der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts statt, besonders bei
Thomas Mann.

Das realistisch psychologisierende Theater wird zum Spiegel menschlicher Schicksale.


Brecht entwickelt das ´´Epische

Theater´´, mit dem er eine Distanz gewinnt vom Erlebnistheater.

Der V-Effekt zerstört die Illusion im Zuschauer und macht ihn so zum kritischen
Mitdenker, Lösungen für gesellschaft-

liche und moralische Probleme zu finden.

´´ Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss!

Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!´´

( ´´der Vorhang zu und alle Fragen offen´´)

Die Sprache ist nüchtern und einfach, die Sprache des einfachen Volkes mit
Dialektanklängen findet sich in den Werken

wieder.

Themen: die Verarbeitung des 2. Weltkrieges, die Suche nach einem neuen Menschenbild,

politische Wirren der 60. und 70. Jahre, die Selbstfindung des Menschen, Iden-

titätssuche.
HOMO FABER

MAX FRISCH

´´ES IST EIN BERICHT DES INGENIEURS WALTER

FABER ÜBER SEINE SCHULD``

INHALT:

In diesem Roman lassen sich eine Vorgeschichte und eine Haupthandlung unterscheiden.

Die Vorgeschichte ist aus den verschiedenen Einschüben in die Haupthandlung


rekonstruierbar und spielt sich in der

Zeit von 1933-1956. Sie enthält die Schlüssel zum Verhalten der Mittelpunktsfigur des
Romans, des 50- jährigen Schwei

zer Ingenieurs Walter Faber, während des Hauptgeschehens im Jahre 1957.

Walter Faber ist in den Jahren 1933-1935 Assistent an der Technischen Hochschule in
Zürich. Er lernt die Kunststuden

tin Hanna Landsberg aus München kennen, eine Halbjüdin, und die Beiden haben ein
Verhältnis. Als Faber ein Ange-

bot von einer Firma aus Bagdad erhält, eröffnet ihm Hanna, sie erwarte ein Kind. Er
reagiert sehr zurückhaltend. Des-

halb weigert sich Hanna kurz vor der standesamtlichen Trauung, in die Heirat
einzuwilligen. Faber und Hanna

scheinen eine Schwangerschaftsunterbrechung vereinbart zu haben.

Faber reist 1936 allein nach Bagdad, und zwar in dem Bewusstsein, dass das Kind
abgetrieben wird. Hanna ändert

jedoch ihren Entschluss, heiratet Fabers Freund, Joachim, und schenkt ihrer Tochter
Elisabeth das Leben. Kurze Zeit
später(1937) wird die Ehe geschieden. Hanna arbeitet zunächst in Paris bei einem Verlag
(1938), dann flieht sie nach

dem Einmarsch der Deutschen (1941) nach England. Nach dem Krieg heiratet sie Piper,
einen deutschen Kommunisten,

lässt sich jedoch 1953 wieder scheiden und geht mit ihrer Tochter nach Athen, wo sie
wissenschaftliche Mitarbeiterin

an einem archäologischen Institut wird. Ihre Tochter, von ihr Elsbeth genannt, erhält 1956
ein Jahresstipendium an

der Yale-Universität, USA.

Über sein eigenes Leben in dieser Zei erzählt Faber nichts. Der Leser erfährt nur, dass er
seit 1956 in New York lebt

und als Ingenieur für die UNESCO arbeitet.

Die Geschichte(die Haupthandlung) ist eine Ich-Erzählung.Walter Faber berichtet und


kommentiert als Ich-Erzähler

rückblickend die merkwürdige Verkettung von Ereignissen in den letzten fünf Monaten:

- Er lernt auf einer Flugreise den Bruder seines Jugendfreundes Joachim kennen und
erhält von diesem, während
einer Notlandung in der Wüste von Tamaulipas, Informationen über Hanna und
Joachim.
- Er unternimmt mit Joachims Bruder eine Suchexpedition nach dem im Dschungel
verschollenen Joachim und fin-
det dessen Leiche.
- Er macht auf einer Schiffsreise nach Europa die Bekanntschaft einer Studentin namens
Sabeth, die zur engen Bin-
dung wird und mit dem tödlichen Unfall des Mädchens endet. Sabeth ist, wie sich
schrittweise enthüllt, Fabers Tochter.
- Er begegnet nach Sabeths Unfall Sabeths Mutter, seiner Jugendfreundin Hanna.
Während dieser fünf Monate ist Faber ständig bemüht, zunehmende Magenschmerzen zu
verdrängen, doch am Ende muss er sich einer Operation unterziehen und stirbt.

AUFBAU:

ERZÄHLZEIT
ERZÄHLTE ZEIT

1. Station:

21 Juni- 8 Juli, in einem Hotelzimmer in Caracas Abflug aus New York

Notlandung in der Wüste

Informationen über Hanna und Joachim

Suche nach Joachim in der Wüste

Joachims Leiche wird gefunden

Rückkehr nach New York, Wiedersehen mit Ivy

Schiffsreise nach Europa

Die Beziehung zu Sabeth

Reisen durch Europa

Sabeths Unfall

Wiederbegegnung mit Hanna

Sabeths Tod

+ Rückblicke in die Vergangenheit

2. Station:

19 Juli- Tag der Operation,Krankenhaus in Athen Rückkehr nach New


York

Reisen nach Cuba und Mexico

Rückkehr nach Athen

Krankenhausaufenthalt
----------------- ´´SIE KOMMEN´´------------------

( Die Ärzte)

``HOMO FABER`` IST EIN ROMAN DER:

A. BILDUNG:
Walter Faber entdeckt das Leben mit 50, nachdem er zuvor in seiner Pflicht und in seinem
selbstgeschaffenen Bild des

Lebens verkapselt war. Er feiert seinen 50. Geburtstag auf dem Schiff und er selbst sagt
von dieser Reise folgendes:

´´…vorgebliche Reise ins neue Leben, zur neuen Jugend, als Reise in die Vergangenheit, ins
Alter und in den Tod´´

Das Bildnis, das er sich selbst gemacht hat, hat ihn verhindert, zu sich selbst zu kommen.

B. TECHNIK:
´´ Wir leben technisch, der Mensch als Beherrscher der Natur, der Mensch ist Ingenieur´´,
sagt Faber.

Die Technik hatte in den 50. Jahren eine doppelte Bedeutung: Für die einen war sie
´´Schlüssel zum Glück´´, für die

anderen, ´´Fetisch des Untergangs´´(Gefahr für den Menschen).

C. TRAGÖDIE und KOMÖDIE:

Walter Faber will seine Biographie nicht als tragisches Schicksal begriffen wissen; indem
er diese Deutung verneint,
legt er sie jedoch nahe.
Tragödie ist die eigentliche Handlung.

Komödie ist es durch die Betonung jener Zufälligkeit, die vielleicht die Chance
menschlicher Freiheit eröffnet.

GEGENSÄTZE:
Mann ----------------- Frau

Amerika ------------------- Europa


Technik ----------------------- Mystik

VERSTAND GEFÜHL

(HOMO FABER) (HANNA, SABETH)

SYMBOLE:

AUTO = soziale Identität auf der Lebensreise


WÜSTE= das öde Land, die Lebensleere

HIMMELSKÖRPER= sind bei der “Hochzeitsnacht” von Faber und Sabeth in

Avignon dabei.

SABETH= Sonne, sie hat Licht in seinem Leben gebracht, Venus(Göttin der

Liebe)

HANNA= das Tellurische, die Erde( Landsberg)

FABER= der Mond dieser Nacht

= “Faber heisst Macher, jemand der sein Schicksal selbst bestimmt”

SONNE und MOND sind verbunden durch die ERDE

(Sabeth) (Faber) (Hanna)

KREUZE: - die Flugzeugspanne wird vom “starren Kreuz eines stehenden

Propellers” angekündigt.
-der Dschungelwirt heisst “Lacroix”

-Faber will das junge Mädchen erraten, wie ein “Kreuzwortratsel”

-das Biss der Schlange. Er meint, es müsse eine Kreuzotter sein.

FABER als neuer Oedipus, als Verführer, der nie zum Vater werden kann.

SCHLANGE: Für die Griechen: Tier der geheimnisvollen Erdentiefe, die Dienerin der
Erddämonen.

Für Freud: Schlange= Symbol des Vater-Tochter-Inzests.

“KOPF EINER SCHLAFENDEN ERRINYE”: sie sind Rachegöttinnen der Unterwelt, die
Schützerinnen der sittlichen

Ordnung, sie bestrafen: Unrecht, Blutschuld, und Inzest mit Wahnsinn, Tod und
Verderben.

FABER, der Verführer wird selbst verführt, denn der Techniker verfällt dem “Bildniss von
Technik”, weil es ihm Schutz vor der Zeit gewahrt. Er bemerkt aber nicht, dass er damit
schon das Prinzip des Tödlichen selbst ausgewählt hat, denn nur im Tod

bleibt die Zeit stehen.

DIE GESCHICHTE DES OEDIPUS


Oedipus, Sohn des Laios, König von Theben, und der Iokaste, wird dem griechischen
Mythos zufolge gleich nach seiner

Geburt mit durchbohrten Knöcheln ausgesetzt, da das Delphische Orakel prophezeit


hatte, er werde seinen Vater toten

und seine Mutter heiraten. Er wird von Hirten gerettet und wächst in Korinth heran. Er
verlässt Korinth, auf dem

Weg nach Theben erschlägt er seinen Vater Laios im Streit. In Theben angelangt, befreit er
die Stadt von der Sphinx

(ein Ungeheuer mit Mädchenkopf und Löwenleib), wird König, heiratet seine Mutter
Iokaste und begeht – unwissent-

lich- Inzest.
Nach Jahren wird Theben von Seuchen heimgesucht.

Der Orakel fordert, man möge Laios’ Morder finden und bestrafen.

Oedipus wird als der Schuldige bezeichnet. Iokaste erhängt sich, Oedipus sticht sich die
Augen aus und verlässt, gejagt

von den Erinnyen (Rachegöttinnen des Apollo) die Stadt.

FABER:

Er hat eine besondere Stellung unter den Hauptfiguren des Romans, weil alle anderen
Figuren mit seinen Augen gesehen
werden. Sein Charakter steht im Zentrum.
Er ist UNESCO- Ingenieur, wurde am 29.04.1907 geboren, ist Schweizer und hat seinen
Wohnsitz in New York.

Er ist ein typisches Kind seiner Zeit, glaubt an Vernunft, Statistik, Maschinen und an die
vernünftige Erklärung jeder

Lebensfrage.

Er hasst Sentimentalität, Schicksalhaftes und jedwelche Form von Mystifikation.


Er verabscheut enge Bindungen, weil für ihn alle Frauen wie Efeu sind:
“ Ivy heisst Efeu, und so heissen für mich eigentlich alle Frauen”; “ Alle Frauen haben eine
Hang zum Aberglauben”

(= Klischeedenken)

Diese Einstellung passt zu ihm, denn er ist dauernd an einem anderen Ort und er kann und
muss sich nirgends festlegen.

Die Maschinen sind feste Bezugspunkte in seinem Leben: sein Auto, seine Hermes-Baby,
das Flugzeug.

FABERS SELBSTBILD:

Er bekennt sich zur Rolle des Technikers:

“ Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind”

Zu diesem Selbstbild gehört: Realitätsbezug, rationales Denken, rationales Erfassen,


Beherrschen der Umwelt:

“Ich halte es mit der Vernunft. Bin kein Baptist und Spiritist”

TECHNIK= MANN= VERNUNFT


“Ich lebe, wie jeder wirklich Mann, in meiner Arbeit”

Ein “wirklicher Mann” bedeutet:

- eine gute körperliche Fassung:”Ich bin nicht gewohnt, zu Ärzten zu gehen”


- ein freier Mann:”Ich schätze mich glücklich, allein zu wohnen, meines Erachtens der
einzigmögliche Zustand für Männer.”

FABERS MENSCHENBILD:

Er kann seine Mitmenschen nicht ertragen und will sie nicht verstehen. Er kann sich weder
auf sie einstellen, noch
ihnen emotionale Zuwendung geben.
Sie gehen ihm “auf die Nerven”, sind”eine Anstrengung” für ihn, auch Männer.

Frauen gehören alle zu einer Gruppe:

“Alle Frauen haben einen Hang zum Aberglauben”

Sexuelle Kontakte gehen deshalb in der Regel von der Frau aus und zwar “gegen” seinen
Willen : Ivy in New York,

Sabeth in Avignon.

FABERS WELTBILD:

Alles was ihm begegnet, bewertet er als “üblich”: alles ist schon bekannt. Es sind blosse
Wiederholungen.
Faber verfälscht und verkürzt die Erscheinungen der Welt aus Angst vor dem “Erleben-
Müssen”

Fabers “Bild der Welt” ist gekennzeichnet durch Rationalität, Zweckmässigkeit,


Durchschaubarkeit, Geschlossenheit.

Als in dem “Üblichen” das “Plötzliche” hereinbricht, durch Zufälle, wird Fabers Weltbild
erschüttert.

FABERS LETZTE REISEN= Reisen zum Tode hin

Immer mehr erkennt er in der Natur, die er immer als Feind betrachtet hatte, sein
verpasstes Leben:
“Zu spät, um abzusteigen, es dämmert schon in den Tälern”
Hanna Landsberg:

Sie ist Halbjüdin, ist der Typ der emanzipierten, intellektuellen Frau, der Selbständigkeit
über alles geht. Wenn wir
Fabers Beschreibung Glauben schenken wollen, so weist ihr Äußeres eher männliche als
weibliche Züge auf. Hanna ist
nicht so berechnend wie Faber, denn sie weiß genau, da sie von Schicksalsschlägen
gezeichnet ist, mit denen Faber bis
zum Tod von Joachim noch nicht Bekanntschaft gemacht hat, daß das Leben von vielen
Zufälligkeiten abhängt. Sie
zeigt sowohl Sabeth als auch Faber gegenüber viel Mitgefühl und Mitleid, obwohl sie dies
wie Faber manchmal zu ver-
stecken versucht. Ihr größter Fehler ist, daß sie Sabeth für sich alleine beansprucht und
deswegen Faber ihre Geburt
verschweigt. Damit trägt sie zu dem Unglück bei und macht sich wie Faber ungewollt
schuldig.

Sabeth:

Sie ist die Tochter Fabers und Hannas. Die erste Begegnung zwischen Faber und Sabeth
findet auf der Überfahrt nach

Europa statt. Faber kommt sie sofort bekannt vor, aber er will oder kann sich nicht
erinnern, wem sie ähnlich sieht.

Sabeth ist ihrer Mutter aber nur äußerlich ähnlich. Innerlich hat sie von ihren Eltern aber
nur den Intellekt geerbt. Denn
Sabeth lebt ein sehr gefühlsbetontes Leben. Sie zeigt ihre Regungen offen und ist
lebensfroh, eine Eigenschaft, die man be-
sonders bei ihrem Vater vermißt.
Nachdem Faber erfährt, daß Sabeth seine Tochter ist, kreisen seine Gedanken immer
wieder um das Thema Fügung

und Zufall. Er redet sich selbst zwar ein, daß es keine Fügung gibt und diese Begegnung
Zufall war, innerlich muß er

aber vor seinen eigenen Hypothesen kapitulieren. Faber erkennt seine Schuld und es hat
den Anschein, als ob der den

Lebensmut damit endgültig verloren hätte.

DIE SCHULD:

FABERS FEHLVERHALTEN:
Hanna gegenüber: er handelt verantwortungslos.

Sabeth gegenüber: er benutzt sie zur “Repetition einer Beziehung”.

nach Sabeths Unfall, weil er den Inzest zu spät

eingesteht und den Sturz, der zum Tod führt, ver-

schweigt.

Sich selbst gegenüber: er beschränkt die Möglichkeiten seiner Existenz auf

sein Selbstkonzept als Techniker und er will den ira-

tionalen Bereich ignorieren.

HANNAS FEHLVERHALTEN:

Sich selbst gegenüber: sie reduziert alles auf das Selbstkonzept


“alleinerziehende Mutter”

Sabeth gegenüber: sie enthält ihr den Vater vor, was schliesslich

zum Inzest und zum Tod des Mädchens führt.

Faber gegenüber: sie verschweigt ihm die Vaterschaft.

GEMEINSAME SCHULD:

Beide machen sich “Bildnisse” voneinander und von ihrer Tochter.

(er- Techniker, sie- alleinerziehende Mutter)

Durch Sabeths Tod und durch Fabers tödliche Krankheit, kommen sie auf den Weg zur
Selbsterkenntniss,

zur Identität:

Faber……………Tod

Hanna…………..ihre Existenz
Sabeth stirbt am rollenbedingten Fehlverhalten ihrer Eltern, sie ist ihr Opfer

Stoff:

Der Roman ist ein Ich-Bericht Fabers. Den ersten Teil hat er bei seinem zweiten Besuch in
Caracas geschrieben, den
zweiten während des Krankenhausaufenthaltes in Athen. Dadurch ist Frisch ein Spiel mit
den Zeiten möglich. Die
eigentliche Handlung, die sich in der Gegenwart abspielt, liegt schon in der Vergangenheit.
Eine Art Vorvergangenheit
stellen die Ereignisse dar, die sich vor dem 2. Weltkrieg ereignet haben. Dazwischen werden
Fabers Gedanken in der
Gegenwart vermerkt. Diese komplizierte Struktur steht im Gegensatz zu Fabers
geradlinigen Gedankengängen.
Frisch zeigt durch die Überzeugung eines Rationalisten, der nicht an Fügung glaubt, daß
ein solches rationalistisches

Weltbild nicht der Wirklichkeit entspricht, umgestoßen werden wird und den Träger eines
solchen in den Untergang

stürzen wird.

Mit der tagebuchartigen Form des Berichts, der einerseits das Erzählte dokumentarisch zu
verbürgen scheint, und an-

dererseits durch die Subjektivität des Tagebuchschreibers, die er zur Geltung kommen
läßt, verwendet Frisch ein

Kunstmittel, das schon durch seine eigene Dialektik die wahren Aufzeichnungen Fabers als
Zeugnis seiner Selbsttäu-

schung offenbart:

In der genauen Rekonstruktion der Vorgänge und den vorbehaltlosen Aufzeichnungen


reproduziert er- vielleicht unwise

sentlich – sein falsches Weltbild. Seinem absoluten, starren Glauben an die Welt als
einwandfrei aufgehende Gleichung

muß die Hintergründigkeit und Unerforschlichkeit des menschlichen Lebens ein Rätsel,
oder zumindest ein Ärgernis

bleiben.
Max Frisch will dem Leser zeigen, wie sich die Menschen in unserer industriellen Welt
entwickeln können. Er zeigt,

daß gefühlskalte, rationale Menschen keine Existenzberechtigung haben, denn sie werden
immer wieder von der Wir-

klichkeit eingeholt.

Dieses Werk Frischs, das oft Anlehnung an die Ödipus-Handlung nimmt, ist keine Absage
an die Technik, sondern eine

Warnung; ein warnender Zeigefinger für jene, die versuchen, ihre Umwelt nicht
hinzunehmen, sondern die versuchen,

sie zu berechnen.

SPRACHE:

Es ist ein Bericht: - wenig Dialog


- einfache Syntax

- kurze Sätze

- Bemühen um Exaktheit

- Alltagssprache

- unpersönliche Ausdrucksweise:

Da “Homo Faber” den Untertitel “ein Bericht” trägt ist die sprachliche Gestaltung klar
vorgegeben. Das ganze Werk

wird von einer nüchternen Sprache beherrscht, deren Niveau auch nicht besonders
künstlerisch ist. Die Wortwahl

wird von Fabers Weltbild beeinflußt. Es kommen sehr viele technische Ausdrücke und
Vergleiche auf, aber Frisch

verwendet auch veraltete Wendungen, die oft vom Englischen beeinflußt sind.

Der Autor gibt auch Konversationen nicht vollständig wieder.

Auf Fragen, deren Antwort klar ist, geht der Erzähler, ohne die Antwort zu erwähnen, mit
der Handlung weiter.

Der Stil wird beherrscht durch kurze Absätze, Einschübe, Beschreibungen und
Erzählungen. Die Sprache ist emotions-
arm.

BEZIEHUNG ZUR ZEIT UND GESELLSCHAFT DER 50. JAHRE:

1. DIE DISKUSSION ÜBER SEGEN UND FLUCH DER TECHNIK:

Seit den 20. Jahren erschienen zwei Richtungen: Technikbegeisterung und


Mythosbegeisterung.

G. Anders meint: ” Die Technik ist nicht nur Mittel. Sie emanzipiert sich vom Menschen und
perfektioniert sich auf seine

Kosten”

2. DAS AMERIKABILD:

Amerika galt bis in den 50. Jahre als Land der Demokratie, der Freiheit und der
unbegrenzten Möglichkeiten. Kritiker
prangerten dann die Mechanisierung des amerikanischen Lebens an.

3. DAS GESCHLECHTERPROBLEM:

Es geht um die Emanzipation der Frau, um die Rolle der emanzipierten Frau, die sich dem
Mann gleich fühlt und die
nicht mehr einen Mann braucht, um zu überleben. Es geht um die Frau, die arbeitet, den
Haushalt führt und ihr Kind
alleine erziehen kann.
Es geht aber auch um die Unverantwortlichkeit der Männer, die Kinder zeugen und sie
dann verlassen, ohne an die
späteren Folgen zu denken.

DIE WICHTIGSTEN AUSZÜGE

“Ich war froh, allein zu sein”


“Ich schälte meinen Apfel”. “Ich ass meinen Apfel”. “Aufenthalt: 20 Minuten”
“Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt, mit den
Formeln der Wahrscheinlichkeit zu

rechnen. Wieso Fügung? Ich gebe zu: Ohne diese Notlandung in Tamaulipas wäre alles
anders gekommen; ich hätte

diesen jungen Hencke nicht kennengelernt, ich hätte vielleicht nie wieder von Hanna
gehört, ich wüsste heute noch

nicht, dass ich Vater bin. Vielleicht würde Sabeth noch leben. Ich bestreite nicht: Es war
mehr als ein Zufall, dass alles

so gekommen ist, es war eine ganze Kette von Zufällen. Aber wieso Fügung?”

“Mathematik genügt mir”

“Ich habe Hanna nicht geheiratet, die ich liebte, und wieso soll ich Ivy heiraten?”

“Es war Hanna, die plötzlich Schluss machen wollte; sie packte ihre Koffer. Ich stellte mich
vor sie, um sie zur Ver-

nunft zu bringen; ihr einziges Wort: Schluss!! Ich hätte gesagt: Dein Kind, statt zu sagen:
Unser Kind. Das war es, was

mir Hanna nicht verzeihen konnte.”

“Ich musste nach Bagdad, gemäss Vertrag. Hanna hatte versprochen, nach meiner Abreise
sofort zu Joachim zu gehen,

der seine ärztliche Hilfe angeboten hatte, und in diesem Sinn nahmen wir Abschied: es war
ausgemacht, dass unser

Kind nicht zur Welt kommen sollte.”

“Ich bin nicht zynisch. Ich bin nur, was Frauen nicht vertragen, durchaus sachlich.”

“Nur mit Hanna ist es nie absurd gewesen.”

“Vielleicht bin ich ein Feigling. Ich wagte nichts mehr zu sagen, Joachim betreffend, oder
zu fragen. Ich rechnete im

Stillen, bis die Rechnung aufging, wie ich sie wollte: sie konnte nur das Kind von Joachim
sein! Wie ich’s rechnete,

weiss ich nicht.”

“Jedenfalls war es das Mädchen, das in jener Nacht in mein Zimmer kam.”

“Du weisst”, sagt sie, “dass es dein Kind ist?” Ich wusste es.

Erzählform und Erzählperspektive


Max Frisch präsentiert dem Leser eine sehr gut durchdachte und aufgebaute Arbeit. Der
Leser wird nicht gleich beim

Erscheinen einer neuen Person mit Informationen überschüttet, sondern Frisch gibt nur
nach und nach, oft zu

bestimmten Situationen passend Auskünfte über die Handlungsträger preis. Langsam kann
sich der Leser ein Bild

machen und die Geschichte wird nach und nach klarer, bis daß sie endlich, mit der
Ankunft Fabers in Athen, alle ihre

Geheimnisse aufgeklärt hat.

Als Resümee, läßt Frisch dann Faber im zweiten Teil (2. Station) noch einmal zu allen
Stationen der Handlung zurück-

kehren und ruft dem Leser Geschehnisse, über die er sich nun Klarheit verschafft hat, noch
einmal ins Gedächtnis

zurück.

Thematik – Problematik
Die verstrickte Problematik dieses Werkes wirkt sich vor allem auf zwei Bereiche aus:

1. Die Zerstörung des rationellen Weltbildes Walter Fabers.


2. Die Lebensbeziehung zwischen Vater und Tochter. Eine Ödipus-Handlung mit vielen
Schuldfragen.

Die Figur des Walter Faber zeigt, wie das Weltbild eines Menschen innerhalb einer kurzen
Zeitspanne, durch eine Serie

von Unglücksfällen, zusammenbricht.

Walter Faber ist ein Mensch, der mit den Gefühlen anderer Menschen zu spielen scheint

( siehe Ivy), weil für ihn Gefühle keine Bedeutung haben, erlernt aber durch die
Bekanntschaft seiner Tochter eine

neue Dimension des Lebens kennen. Gefühle dringen in sein Leben und neigen an seinem
konstruierten Weltbild.

Während der “langen” Reise von Amerika nach Europa

“wohnen auch zwei Seelen in seiner Brust”.


In seinem Inneren entwickelt sich ein Kampf zwischen der Ratio und dem Gefühlsleben,
den Letzteres schließlich

gewinnt. Die neuen Erkenntnisse kann Faber aber nicht mehr umsetzen , da er bald nach
seiner Wandlung dem Tod

ins Auge blickt. Zu seinem baldigen Tode führt aber auch sein zweiter Konflikt.

Die Schuldgefühle, die er hat, nachdem es, ohne seinem Wissen, zu einer Affäre mit seiner
Tochter gekommen ist,

gaben ihm keine Kraft mehr zum Weiterleben.

Er versucht sich zwar selbst klarzumachen, daß ihn keine Schuld trifft, aber sein Inneres
sagt ihm das Gegenteil. Auch

das nicht gezeigte Mitgefühl von Hanna, die unabhängig von Faber erscheinen will,
beschleunigt seinen Untergang.

Die Novelle “DER KLEINE HERR FRIEDEMANN”


THOMAS MANN
Thomas Mann, sein Leben.

Der Schriftsteller Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 als zweiter Sohn des Senators
Thomas Johann Heinrich Mann

und seiner Frau Julia (geb. Bruns) in Lübeck geboren. Von 1882 bis 1889 besucht Thomas
eine Lübecker Privatschule,

danach wechselt er auf ein Gymnasium, welches er mit dem Ereichen des Obersekundars
beendet. Als sein Vater 1893

stirbt, zieht Thomas nach München. Dort arbeitet er als Volontär bei einer
Versicherungsgesellschaft. 1894 erscheint

seine erste Novelle ,,Gefallen". Daraufhin kündigt er seinen Job bei der Firma, um als
freier Schriftsteller zu arbeiten.

Nachdem er mit seinem Bruder Heinrich Mann von einem zweijährigen Aufenthalt in
Italien zurück kehrt, bringt er

1898 seine Novelle ,,Der Kleine Herr Friedemann" heraus. Ein Jahr später unternimmt er
eine Urlaubsreise nach

Dänemark, wo er die Novelle ,,Tonio Kröger" schreibt. Danach erscheint im Jahr 1901 sein
größtes Prosawerk ,

,Buddenbrooks" in zwei Bändern. Im Februar des Jahres 1905 heiratet er Katja


Pringsheim. Aus dieser Ehe gehen in

den folgenden Jahren sechs Kinder hervor. Nach einer Venedigreise im Jahr 1911 erscheint
ein Jahr später die Erzäh-

lung ,,Tod in Venedig". Wegen politischen Gegensätzlichkeiten kommt es 1918 zu einem


großen Streit zwischen Thomas

und seinem Bruder Heinrich. Erst vier Jahre später versöhnen sich die beiden wieder. 1926
wird er in der Preußischen

Akademie der Künste aufgenommen. Drei Jahre später bekommt er den Nobelpreis für
Literatur für sein Werk

,,Buddenbrooks". 1930 erscheint die Erzählung ,,Mario und der Zauberer", die die
damalige Situation widerspiegelt.

Im Jahr 1933 begibt Mann sich auf eine Reise durch Europa, von der er nach der
nationalsozialistischen Machtübernah

me nicht nach Deutschland zurückkehrt. Er immigriert vorerst nach Tschechien, drei


Jahre später in die Schweiz. 1939

geht er in die USA, wo er 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhält. Die deutsche
Staatsbürgerschaft wurde

ihm bereits 1936 entzogen. In den Kriegsjahren 1940 bis 1945 werden die monatlichen
Radioreden ,,Deutsche Hörer"

über den englischen Sender ,,BBC" nach Deutschland ausgestrahlt. 1947 erscheint sein
Roman ,,Doktor Faustus". 1949

besucht er, erstmals seit 1933, Nachkriegsdeutschland. Am 12. August 1955 stirbt Thomas
Mann im Alter von 80

Jahren

DIE NOVELLE

Johannes Friedemann wächst am Rande einer kleinen, ruhigen Handelsstadt auf. Nachdem
sein Kindermädchen ihn,

im Alter von einem Monat, hatte fallen lassen stand es sehr schlecht um ihn. Seine Mutter
bangte voller Angst um ihn,

zumal vor seiner Geburt schon ihr Ehemann an einer schrecklichen Krankheit starb. Doch
nach Zwei Tagen stellte der

Hausarzt von Familie Friedemann fest, dass es Johannes bald wieder besser gehen würde.
Aber dem war nicht so.

Johannes Friedemann trug von diesem schweren Unfall an, sein ganzes Leben eine
körperliche Behinderung davon.

Diese Behinderung war wohl auch für sein seltsames Aussehen verantwortlich.

,,Er war nicht schön, der kleine Johannes, und wie er so mit seiner spitzen und hohen Brust,
seinem weit ausladenden

Rücken und seinen viel zu langen, mageren Armen auf dem Schemel hockte und mit einem
behenden Eifer seine Nüsse

knackte, bot er einen höchst seltsamen Anblick."

Mit sieben Jahren wird Johannes eingeschult. Seine neuen Schulkameraden verhalten sich
ihm gegenüber immer sehr

zurückhaltend. Deshalb, kommt es zwischen ihnen und Johannes nie zu einer richtigen
Freundschaft. Der kleine

Johannes isoliert sich sehr von den anderen und will auch nicht mit ihnen spielen oder
andere Sachen unternehmen.

,,Johannes erhielt wohl ebenfalls von seinen Altersgenossen hie und da eine Einladung, aber
er hatte nicht viel Freude an

dem Verkehr mit ihnen. Er vermochte an ihren Spielen nicht teilzunehmen, und da sie ihm
gegenüber eine befangene

Zurückhaltung immer bewahrten, so konnte es zu einer Kameradschaft nicht kommen."

Diese Isolierung wächst in der Pubertät. Mit 16 Jahren verliebt er sich in die Schwester
einer seiner Klassenkameraden.

In ihrer Nähe empfand er immer eine seltsame Beklommenheit. An einem


Sommernachmittag sieht er genau dieses

Mädchen wie sie einen anderen Jungen küsst. Dies traf ihn sehr hart und er schwört sich:

,,Ich will mich nie wider um dies alles bekümmern. Den anderen gewährt es Glück und
Freude, mir aber vermag es immer nur Gram und Leid zu bringen. Ich bin fertig damit. Es ist
für mich abgetan. Nie wieder."

Mit 17 Jahren verlässt er die Schule, um in einem kleinen Holzgeschäft als Lehrling
anzufangen. 4 Jahre später stirbt

seine Mutter, er ist sehr traurig, jedoch pflegt er ihn mit vielen Kindheitserlebnissen. Er
lebt in seiner eigenen Welt, mit

Dingen die für ihn erreichbar waren. Johannes Friedemann genießt die Blumen,
Vogelgesang, Spaziergänge, genießt

gute Bücher und Musik, doch vor allem liebt er das Theater- ,,man könnte beinahe sagen,
daß er ein Epikuräer war." .

An seinem 30. Geburtstag kann er sich über gute Lebensumstände freuen. Er ist nicht arm,
hat sein eigenes kleines

Geschäft, und er blickt mit Zuversicht in die Zukunft.


"Im Juli desselben Jahres ereignete sich jener Wechsel in der Bezirkskommandantur, der alle
Welt in Erregung versetzte."

Der alte und beliebte Oberstleutnan wurde mit einem Neuen aus der Hauptstadt getauscht.
Gerda von Rinnlingen, die

Frau des neuen Oberstleutnants, sorgt für Klatsch und Tratsch in der ganzen Stadt. Als der
kleine Herr Friedemann

sie das erstemal auf der Straße antrifft ist er sehr beeindruckt und angetan von ihr. Jedoch,
als Familie von Rinnlingen

einen Besuch im Hause der Friedemanns machen, geht er einer weiteren Begegnung mit
Gerda aus dem Weg. Er dach-

te wohl an seinen Schwur den er sich mit 16 Jahren gegeben hatte.

,,Am folgenden Abend gab man im Stadttheater den Lohengrin, und alle gebildeten Leute
waren anwesend."

Er hat im Theater seinen Stammplatz und direkt neben ihn sitzt bei dieser Aufführung
Gerda von Rinnlingen.

Johannes Friedemann merkt wie sie ihn anguckt. Er gerät in leicht Panik, er war bleich
und hatte Schweißperlen auf

der Stirn. Doch er kann dieses Gefühl, welches er vor 14 Jahren schon einmal hatte, nicht
ertragen und geht nach der

ersten Pause.

,,Wovor ängstigte er sich? War nicht alles so wie sonst? Zugegeben, dass es gestern ein
schlimmer Anfall war; nun, aber

damit sollte es ein Ende haben!" .

Am nächsten Morgen ist ein Gegenbesuch von Familie Friedemann geplant, doch
Johannes lehnt aus Furcht vor einer

Begegnung mit Gerda ab. Aber er kann der Versuchung nicht widerstehen und entscheidet
sich doch noch nach zu

gehen. Er ist sehr aufgeregt und angespannt, als er bei von Rinnlingens ist. Johannes
unterhält sich mit Gerda und

später auch mit Herr von Rinnlingen. Zum Schluss erhält er noch eine Einladung zu einer
kleinen Feier bei ihnen,

welche er auch dankend annimmt. Danach macht er noch einen kleinen Spaziergang durch
den Park. Der kleine Herr

Friedemann nimmt auf einer Bank Platz. Er denkt über sein Leben nach und versinkt in
Gedanken. Johannes weiß,

dass seine Liebe zu Gerda von Rinnlingen ihn zugrunde richten wird.
Auf der Feier sind etwa 30 Personen anwesend, alles Leute, die wie Friedemanns zu den
ersten Kreisen der Stadt gehö-

ren. Am Abend gehen Johannes und Gerda gemeinsam in den großen Garten, um sich zu
unterhalten. Sie setzen sich

auf eine Bank am Flussufer. Gerda spricht ihn auf seine Behinderung an. Friedemann ist
überrascht, beantwortet

jedoch all ihre Fragen. Er muss allerdings feststellen, dass alles , was er als Lebensglück
empfindet, die Natur, seine
Violine, das Theater, dass alles nur Lüge und Einbildung ist. Danach will er ihr seine Liebe
gestehen, doch sie demütigt

ihn mit einem kurzen, stolzen Lachen stößt sie ihn zu Boden und verschwindet im Garten.
Der kleine Herr Friedemann war wütend, gedemütigt und hatte einen Ekel vor sich selbst.
"Auf dem Bauche schob er sich noch weiter vorwärts , erhob den Oberkörper und ließ ihn ins
Wasser fallen. Er hob den

Kopf nicht wieder; nicht einmal die Beine, die am Ufer lagen bewegten sich mehr."
Der kleine Herr Friedemann scheitert vor allem an seiner Behinderung, welche seine
Mitbürger nicht wirklich tollerie-

ren sondern gegenüber ihn eine gewisse Zurückhaltung bewahren. Herr Friedemann ist
unmotiviert und ein wenig

feige. Sachen die er scheinbar nicht erledigen kann, probiert er erst gar nicht sondern tut
sie zu den Dingen ab, die nur

anderen Spaß machen. So ist es auch mit der Liebe, nur weil er einmal von einem Mädchen
verletzt wurde, gibt er so-

fort auf und schwört, sich nie wieder zu verlieben. So ist er sein ganzes Leben einsam und
redet sich, dass Natur, Musik

oder Theater dies alles ersetzen kann. Doch dann verliebt er sich in Gerda von Rinnlingen.
Er nimmt seinen ganzen

Mut zusammen und spricht sie darauf an. Gerda von Rinnlingen macht ihn aber ohne
Rücksicht klar, dass sein ganzes

Leben nur Einbildung war. Danach sieht der feige Herr Friedmann nur noch eine Lösung-
Selbstmord.

INTERPRETATION
In der frühen Erzählung: "Der kleine Herr Friedemann" von Thomas Mann wird die
Lebens- und Leidensgeschichte

des buckligen Herrn Friedemanns erzahlt. Schon früh hat er der Liebe und den Frauen
entsagt und erfährt in der

Begegnung mit Gerda von Rinnlingen einen Einbruch in sein friedliches Glück. Am Ende
der Beziehung von Herrn
Friedemann und Frau von Rinnlingen steht für Friedemann der Tod.

Die Figur der Gerda von Rinnlingen repräsentiert hier den besonderen Weiblichkeitstypus
der Femme fatale, die den

ihr verfallenen Herrn Friedemann zu Grunde richtet.

In Thomas Mann`s Novelle ,,Der Kleine Herr Friedemann" geht es um das einsame Leben
des kleinen Herrn Friede-

mann. Nach einem Sturz von einem Wickeltisch in der Kindheit war er sein ganzes Leben
verkrüppelt. Da ihn seine

Mitschüler nur mit künstlicher Freundlichkeit behandeln, kommt es nie zu einer guten
Freundschaft. Mit 16 Jahren

verliebt er sich in ein Mädchen, doch sie will nichts von ihm wissen, das macht ihn sehr
traurig. Um nicht noch einmal

so verletzt zu werden, geht er keine freundschaftlichen Beziehungen mehr ein. Und so lebt
er mit seinen Schwestern

am Rande einer kleinen Stadt. Eines Tages kommt ein neuer Stadtverwalter mit seiner
Frau in die Stadt. Der kleine

Herr Friedemann verliebt sich in die Frau des Stadtverwalters. Er glaubt, sie sei auch in
ihn verliebt, doch bei einem

Fest bei dem Stadtverwalter gehen die beiden in den Garten, sie setzen sich auf eine Bank
und unterhalten sich. Doch

dann stößt sie ihn weg und lacht ihn aus, dies trifft Herr Friedemann so hart, dass er sich
im Fluss ertränkt

,,Die Amme hatte die Schuld." - dieser erste Satz der Novelle, gleichsam eine
Schuldzuweisung, leitet ein, womit man es

im Falle des Johannes Friedemann zu tun hat: Er ist durch die Unachtsamkeit seiner
betrunkenen Amme vom Wickel-

tisch gefallen und ist seit diesem Tag körperlich behindert. Die Behinderung schränkt ihn
allerdings nicht in Autonomie

und Alltag ein, sondern ist ästhetischer Natur.


Der kleine Herr Friedemann ist ein Mannscher Quasimodo:
“Er war nicht schön, der kleine Johannes, und wie er so mit seiner spitzen und hohen Brust,
seinem weit ausladenden

Rücken und seinen viel zu langen Armen auf dem Schemel hockte [...] bot er einen höchst
seltsamen Anblick.”

Weiterhin ist er von ,,verkrüppelter Gestalt", ,,winzig" in seiner Erscheinung, die mit
,,putziger Wichtigkeit" einher-

geht: Er ist ein ,,unglücklicher, buckliger Krüppel"16, der sich nicht zur sportlichen
Betätigung eignet, aber trotz

,,verwachsener Brust" Violine spielt.


Seine Behinderung hat soziale Konsequenzen:
“Johannes erhielt wohl ebenfalls von seinen Altergenossen hie und da eine Einladung, aber
er hatte nicht viel Freude an dem Verkehr mit ihnen. Er vermochte an ihren Spielen nicht
teilzunehmen, und da sie ihm gegenüber eine befangene Rückhaltung immer bewahrten, so
konnte es zu einer Kameradschaft nicht kommen.”
Die soziale Ausgrenzung, bereits in der Kindheit exemplifiziert durch die ,,befangene
Rückhaltung" der Schul- und

Alterskameraden, findet nicht nur in dieser Altersstufe statt, sondern begegnet ihm
ebenfalls als Erwachsener. Die

Leute auf der Straße grüßen ihn ,,mit jener mitleidig freundlichen Art [...], an die er von
jeher gewöhnt war". Diese

Aus- und Abgrenzung hat Konsequenzen auf Partnerwahl und Geschlechtsleben. Als in der
Pubertät die Schulkamera-

den anfangen, von ,,gewissen Erlebnissen", von ,,ihren Schwärmereien für dies oder jenes
kleine Mädchen" zu sprechen

, kommt er zu der Erkenntnis, dass ,,diese Dinge [...] zu denen gehörten, für die er sich
nicht eignete, wie Turnen und

Ballwerfen". Sexualität und das Interesse am anderen Geschlecht werden damit reduziert
und auf die gleiche Ebene

wie die physische Unfähigkeit zum Sporttreiben gesetzt. Beides, sowohl das Sportreiben als
auch das Ausleben eines

normalen Geschlechtsleben, ist ihm aufgrund seiner Behinderung verwehrt - dies zu


gleichen Teilen

Johannes Friedemann ist ein existentieller Außenseiter. Er wird aufgrund seiner


andersartigen Physiognomie von

seinem spezifisch-sozialen Umfeld ausgeschlossen. Der Zugang zu diesem bleibt auf einer
oberflächlichen Ebene beste-

hen: Die Leute grüßen ihn, doch ein anerkannter Gleichberechtigter in ihrem Kreis ist er
nicht. Dies hat Wirkung: Er

lebt ohne Freunde oder Partner ein zurückgezogenes, abgegrenztes und maßgeregeltes
Leben.

DIE LITERARISCHEN GATTUNGEN

DAS BÜRGERLICHE TRAUERSPIEL:

Die Emanzipationsbewegung des Bürgertums während der Aufklärung führte dazu, dass
das Publikum sich von der

traditionellen Tragödie abwandte, in der nur die Schicksale von Personen hohen Standes
dargestellt wurden. Es ent-

stand ein bürgerliches Trauerspiel, in dem Konflikte zwischen Adel und Bürgertum
behandelt und Fragen des bürger-

lichen Selbsverständnisses diskutiert wurden.

DRAMA:

Ein Drama ist die Darstellung eines konfliktbestimmten Geschehen durch handelnde und
sprechende Figuren auf einer

Bühne.
Einteilung:

- Nach dem Handlungsablauf kann man zwischen analytischen Drama und dem
Zieldrama
unterscheiden. Während im Zieldrama wegen der Unversöhnlichkeit der
Konfliktparteien

alles unaufhaltsam auf die Katastrophe zuläuft, wird das Ende im analytischen Drama
da-

durch hinausgeschoben, dass sich der Held gegen die Aufdeckung der Wahrheit sträubt,
bis ihn deren Erkenntnis

endlich in die Katastrophe treibt.

- Nach dem Inhalt hat man schon in der Antike zwischen Tragödie und Komödie
unterschieden. In der Tragödie
treten nur Könige und Helden auf, welche von ihrer mächtigen Stellung in tiefes Elend
stürzen. In der Komödie
treten einfache Bürger auf, die sich mit den Problemen ihres Alltags rumschlagen. Die
Probleme in der Komödie
werden friedlich gelöst.
- Nach der Form gibt es offenes Drama und geschlossenes Drama.

DIE KURZGESCHICHTE:

Die Kurzgeschichte als Prosaform erzahlt eine alltagliche Begebenheit, die einen
charakteristischen Ausschnitt aus dem
Leben einer Figur der Handlung darstellt.In der Kurzgeschichte wird etwas eher
Unwesentliches als Besonderes
herausgestellt. Die Sprache ist meist lakonisch gefarbt. Nichts wird ausfuhrlich
beschrieben, vieles ist nur angedeutet
und skizziert.
Die Kurzgeschichte ist ein wesentliches Element der modernen Literatur.Gerade die
Nachkriegszeit stellt die Menschen
vor Probleme und Herausforderungen, die den Einzelnen oft uberfordern.
Die Handlung der Kurzgeschichte ist klar strukturiert und auf das Wesentliche
ausgerichtet. Das Erzahlen setzt meist
mitten in der Handlung ein.Eine Einfuhrung fallt weg.Auch das Ende der Geschichte
kommt abrupt, das Erzahlen
bricht plotzlich ab.Oft wird dieser plotzliche Schluss durch ein fur den Leser
uberraschendes Ereignis, das die Hand-
lung stillstehen lasst, bewirkt. Es bleiben am Ende viele Moglichkeiten offen, sodass der
Leser angeregt wird, mitzuarbei
ten. ImMittelpunkt der Kurzgeschichte steht die Macht des Schicksals.Insofern gibt es
keinen eigentlichen Helden.Das
Schicksal greift in den Ablauf des menschlichen Lebens ein. Dieser findet sich plotzlich in
eine Ausnahmesituation
gestellt, auf die er reagieren muss.
Aber auch alltagliche Ereignisse konnen das menschliche Leben storen.
Es gibt keine allgemein gultige Form der Kurzgeschichte. Diese ist lebendig und
verwandlungsfahig. Sie passt sich an,
verandert sich mit der Zeit, beschaftigt sich mit aktuellen Problemen aus dem politischen,
sozialen und menschlichen
Bereich.
Die Einzelheiten bekommen besonderes Gewicht und werden besonders verzerrt.

DIE NOVELLE:

Als Novelle wird eine Prosaerzählung meist geringeren Umfangs bezeichnet, die über eine
besondere Begebenheit berich

tet und sich ganz darauf konzentriert. In einer solchen Begebenheit findet ein Konflikt
seinen Höhepunkt und zugleich

Wendepunkt, in dem ein Problem gesellschaftlicher Verhältnisse oder geschichtlicher


Krisen thematisiert wird. Die
Novelle ist eine kurzere Erzahlung. Der Begriff "Novelle" bezeichnete ursprunglich eine
Neuigkeit. Die Gesellschaft
stellt sich in der Novelle selbst dar. Die Zuhorer lauschen im Allgemeinen in einer
Rahmenerzahlung einer Geschichte,
die ein fiktiver Erzahler aus ihrer Mitte in Form einer Binnenerzahlung vortragt.
Der Italiener Giovanni Boccaccio fuhrt die Novelle um 1350 als literarische Gattung ein. In
seinem "Decamerone"
sammelt er 100 Erzahlungen, die durch eine Rahmenhandlung miteinander verknupft sind.
Novellen erscheinen im Allgemeinen als Prosatexte. Typisch fur diese Gatung sind die
straffe Handlungsfuhrung, die
formale Geschlossenheit und die thematische Konzentration auf das Wesentliche. Nach
einer Definition von Goethe
steht im Zentrum der Novelle "eine sich ereignete, unerhorte Begebenheit", die einerseits
einen Kern Wahrheit enthalt,
andererseits aber von etwas Neuem oder Aussergewohnlichem berichtet.
Die Ereignisse spitzen sich auf ein Wendepunkt zu, wobei immer die Handlung im
Mittelpunkt steht.Durch ein plotz-
liches schicksalhaftes Ereignis (Wendepunkt)wird die bisherige Lebenslinie eines Menschen
unterbrochen und es wird
eine Krise ausgelost. Der Mensch wird gezwungen, in dieser Krise Stellung zu beziehen.
Der Leser erfahrt durch die
Art der Krisenbewaltigung etwas uber die charakterlichen Eigenschaften der Person, muss
aber selbst seine Schlusse
und Wertungen daraus ziehen.
DER ROMAN:

Der Roman ist eine epische Grossform, die erst im 18. Jahrhundert als Dichtung anerkannt
wurde, heute aber die

meistgelesene Gattung darstellt.Der Roman stellt eine ganze Welt in ihren Details dar. Man
unterscheidet die Romane

teils nach Stoffen (z.B. Kriminal-,Künstler- oder Familienroman), teils nach Themen (z.B.
Ehe-, Bildungs- oder Gesell0

schaftsroman), teils nach dem Erzählverfahren (z.B. Brief-, Tagebuch- oder


Fortsetzungsroman).

Die Parabel

Das Wort "Parabel" stammt von dem griechischen "parabole" und bedeutet
"Nebeneinanderwerfen" - im ubertrage-
nen Sinn "Gleichnis". Damit ist eine poetische Ausdrucksform gemeint, in der eine
allgemeine moralische Wahrheit
aus dem menschlichen Leben in Form einer in sich abgeschlossenen lehrhaften Erzahlung
beschrieben wird.Der Schrift-
steller ubertragt also eine hohere Wahrheit auf die bildhaft-reale Ebene der Erzahlung - er
stellt eine Analogie her.Die
Einzelteile der Geschichte werden durch den Vergleich mit der eigenen Lebenserfahrung
deutbar.
In der Parabel wird meist ein pragnanter Einzelfall beschrieben. Die Erzahlzeit ist
Prateritum. Die Parabel zielt auf die
Vermittlung einer allgemeinen Erkenntnis ab.Im Gegensatz zur Fabel setzt die Parabel
einen eigenstandigen Denkpro-
zess des Lesers voraus und ermuntert ihn zur eigenstandigen Erschliessung der Lehre.
Das Streben und die Suche nach Wahrheit ist ein zentrales Thema in der Literatur.

Die Fabel

Die Fabel ist eine lehrhafte, oft auch sozialkritische Kurzform der Epik.Am Ende einer
Fabel steht meist eine morali-
sche Lehre, die der Leser auf sein eigenes Leben beziehen kann.Diese Lehre kann explizit
ausgedruckt werden, sie kann
sich jedoch auch hinter dem Erzahlten verbergen.
Die Figuren sind vorwiegend Tiere, seltene Pflanzen oder Dinge, die menschliche
Eigenschaften und Verhaltensweisen
an den Tag legen. Die Fabelfiguren verkorpern bestimmte Qualitaten, die ihnen schon fast
traditionellerweise zugeord-
net sind(die Dummheit des Esels, die Schlauheit des Fuchsese).
Die Fabel kritisiert die Gesellschaft und deckt menschliche Schwachen auf.

Das Marchen

Das Marchen ist eine kurzere Prosaerzahlung, in der wunderliche Begebenheiten


geschildert werden. Haufig treten
sprechende Tiere und Gegenstande auf, Verwandlungen und Verzauberungen finden statt.
Die Welt des Marchens ist keine heile Welt.
Gut und Bose bilden die Pole der Handlung.
Die Helden im Marchen haben ein schweres Dasein. Sie werden vor allerlei Aufgaben
gestellt. Sie mussen Auseinander-
setzungen mit naturlichen und ubernaturlichen, mit guten und bosen Kraften bestehen.
Haufig kommen ihnen dabei
aber hohere Machte zu Hilfe. Und scheitern Marchenhelden einmal, so ist dieses Scheitern
ein Beitrag zu ihrer Laute-
rung.Doch in der Regel dokumentiert sich das Scheitern im Marchen in der Person des
Nichthelden.
Volksmarchen: Sie sind Dichtungen, die direkt im Volk entstehen. Die Menschen verbreiten
ein solches Marchen,
dichten es weiter und wandeln es ab. Dabei kann es geschehen, dass die ursprungliche
Fassung nicht mehr zu erkennen
ist oder dass mehrere Versionen eines Marchens in Umlauf geraten.
Kunstmarchen: Im Zeitabschnitt der Romantik und in der ersten Halfte des 19.
Jahrhunderts entstehen viele Kunstmar
chen. Diese Form ist starker literarisiert als das Volksmarchen. Es gibteinen klar
identifizierbaren Autor, die Dichter
bedienen sich der Marchenform, um auf geistvolle Art zu unterhalten und zu belehren.Ort
und Zeit sind meist bekannt
und der Dichter konzentriert sich mehr auf die Studie der Psyche der Gestalten.

DIE LYRIK DES XX. JAHRHUNDERTS

Die Lyrik des XX. Jahrhunderts ist poesiefeindlich, weil diese Zeit durch technische
Mechanisierung der menschlichen Tätigkeiten gekennzeichnet ist, die den Zusammenhang
mit der Natur unterbricht und weil diese Zeit die Menschen in entfremdete, allein von
ökonomischen Interessen bestimmte Verhältnisse zwingt, wodurch die menschlichen
Beziehungen verloren gehen.

In welcher Sprache sollte also der Lyriker zu diesen Menschen sprechen, die Gefühle wie
Liebe, Hingabe, Freundschaft und Naturbild nicht mit Bedutung verbinden?

Die einzige Lösung wäre folgende:


- die Sprache soll auffällig knapp sein und der Wirklichkeit begegnen.
- die Dichtung soll wieder an das reale Leben anknüpfen und ihm dienen.
- die Dichtung soll für das kulturelle Leben eine führende Rolle spielen.
- die Dichtung soll von einer Kritik an die zeitgenössische Gesellschaft ausgehen.
- die Dichtung soll die Probleme der unterdrückten Volksschichten darstellen.

Die Lyrik dieses Jahrhunderts kennt folgende Einteilung: Naturlyrik (Erfahrung der
natürlichen Umwelt und unserer Beziehung zu ihr), Liebeslyrik (Erlebnis einer
Zweierbeziehung), Gedankenlyrik (Nachdenken über den Mensch und

die Welt), Erlebnislyrik, Alltagslyrik, politische Lyrik u.a.

Im XX. Jahrhundert hat sich seit Ende der 60. Jahre eine Richtung in der Lyrik entwickelt,
die mit dem Begriff ´´Neue Subjektivität´´ gekennzeichnet ist.

In vielen Gedichten spielt das ´´Ich´´ eine zentrale Rolle. Das ´´Ich´´, das im Gedicht
spricht, kann (muss aber nicht) in Beziehung stehen zu einer Stimmung oder einem
persönlichen Erlebnis des Autors. Dieser Sprecher im Gedicht muss nicht immer in Form
eines ´´Ich´´s in Erscheinung treten, sondern kann ebenso die 2. oder 3. Person benutzen
oder im Plural sprechen. Besonders in der politischen Lyrik ist es oft nicht ein Individuum,
sondern ein Kollektiv, das spricht.

Häufig steht hier der Appell zum Handeln im Vordergrund.

ALLES GUTE, ALTER (1978) - Ralf Thenior

Ich werde jetzt erst mal Geburtstag haben,

Ich werde ganz ruhig bleiben und nichts machen

Und einfach Geburtstag haben,

Ich werde mir die Hand schütteln, mir auf die Schultern klopfen,

Herzlichen Glückwunsch, alter Junge,

Alles Gute und so weiter,

Halt die Ohren steif,

Werde ich mir zum Geburtstag sagen,

Nachts um halb drei

Auf dem Balkon


Mit der elften Bierflasche

Unter grauem Morgenhimmel.

Modell eines Bewerbungsbriefes

BMW-REPARATUR KÖLN, den 15. MAI 2002

324590 KÖLN

GARTENSTRASSE 34

INGEBORG BAUM
WAGNERSTRASSE 5 ,KÖLN

TEL. 4532678

Sehr geehrter Herr Direktor KRUSE,

Ich schreibe Ihnen infolge Ihrer Anzeige in der Zeitung.

Mein Name ist Ingeborg Baum, ich bin 23 Jahre alt und

wohne in Köln.

Vor fünf Jahren habe ich mein Abitur bestanden, mit einem

guten Durchschnitt(1.5) und gleich danach habe ich eine

Ausbildung als KFZ-Mechaniker angefangen, die ich in

diesem Jahr abgeschlossen habe. Autos sind meine Leiden-

schaft und deswegen möchte ich in diesem Bereich arbeiten.

Ich bin sehr gut vorbereitet und ich werde Sie überzeugen,

dass ich eine sehr gute Mitarbeiterin Ihrer Firma sein kann.

In der Hoffnung, eine Antwort zu erhalten, beende ich die-

sen Brief.

Mit freundlichen Grüssen,

INGEBORG BAUM

Anlagen: Lebenslauf mit Lichtbild, u.a.

BIBLIOGRAPHIE:
1. Heinrich Biermann und Berndt Schurf, „Texte ,Themen und Strukturen“,
Deutschbuch fur die Oberstufe,

Cornelsen-Verlag, Best-Nr. 410048

2.www.wikipedia. de

3. www.br-online.de

4. Lucrare Gradul I, Dana-Nicoleta Anghelescu(Constantinescu), 2008,


„ANNETTE VON DROSTE-HULS-

HOFFS”JUDENBUCHE”. DAS BEEINDRUCKENDE WERK EINER


UNGEWOHNLICHEN DICHTERIN”

5.www.sichtwechsel.com