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§ 503 BGB jurisPK-BGB 8. Aufl.

/ Schwintowski

§ 503 BGB Umwandlung bei


Immobiliar-Verbraucherdarlehen in Fremdwährung

(Fassung vom 11.03.2016, gültig ab 21.03.2016)


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(1) Bei einem nicht auf die Währung des Mitgliedstaats der Europäischen Union, in dem der
Darlehensnehmer bei Vertragsschluss seinen Wohnsitz hat (Landeswährung des Darlehens-
nehmers), geschlossenen Immobiliar-Verbraucherdarlehensvertrag (Immobiliar-Verbraucherdar-
lehensvertrag in Fremdwährung) kann der Darlehensnehmer die Umwandlung des Darlehens in
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die Landeswährung des Darlehensnehmers verlangen. Das Recht auf Umwandlung besteht dann,
wenn der Wert des ausstehenden Restbetrags oder der Wert der regelmäßigen Raten in der
Landeswährung des Darlehensnehmers auf Grund der Änderung des Wechselkurses um mehr
als 20 Prozent über dem Wert liegt, der bei Zugrundelegung des Wechselkurses bei Vertragsab-
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schluss gegeben wäre. Im Darlehensvertrag kann abweichend von Satz 1 vereinbart werden,
dass die Landeswährung des Darlehensnehmers ausschließlich oder ergänzend die Währung ist,
in der er zum Zeitpunkt der maßgeblichen Kreditwürdigkeitsprüfung überwiegend sein Einkommen
bezieht oder Vermögenswerte hält, aus denen das Darlehen zurückgezahlt werden soll.
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(2) Die Umstellung des Darlehens hat zu dem Wechselkurs zu erfolgen, der dem am Tag des
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Antrags auf Umstellung geltenden Marktwechselkurs entspricht. Satz 1 gilt nur, wenn im Darle-
hensvertrag nicht etwas anderes vereinbart wurde.

Dokument wurde zuletzt aktualisiert am: 01.12.2016

Gliederung
A. Grundlagen Rn. 1
B. Anwendungsvoraussetzungen Rn. 2
I. Umwandlungsanspruch (Absatz 1) Rn. 2
II. Wechselkurs bei Antrag auf Umstellung (Absatz 2) Rn. 7

A. Grundlagen
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1 § 503 BGB wurde durch Gesetz vom 11.03.2016 mit Wirkung 21.03.2016 neu gefasst. Die Vor-
schrift schützt den Darlehensnehmer, der einen Immobiliar-Verbraucherdarlehensvertrag in
Fremdwährung abgeschlossen hat, durch einen Umwandlungsanspruch vor erheblichen Wäh-
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rungsrisiken.

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BGBl I 2016, 396.
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BT-Drs. 18/5922, S. 92 unter Hinweis auf Art. 23 Abs. 1-3 Wohnimmobilienkredit-RiLi.

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§ 503 BGB jurisPK-BGB 8. Aufl. / Schwintowski

B. Anwendungsvoraussetzungen

I. Umwandlungsanspruch (Absatz 1)
2 Absatz 1 begründet einen Umwandlungsanspruch bei Immobiliar-Verbraucherdarlehen, die auf
eine andere Währung als die Landeswährung des Verbrauchers lauten. Landeswährung des
Verbrauchers ist die Währung des Mitgliedstaats der Europäischen Union, in welchem der Darle-
hensnehmer bei Vertragsschluss seinen Wohnsitz hat (Satz 1). Nach Satz 3 können die Parteien
im Darlehensvertrag alternativ oder zusätzlich eine andere oder eine weitere Währung als Landes-
währung des Verbrauchers vereinbaren. Es kann vereinbart werden, dass Landeswährung des
Verbrauchers statt seiner Wohnsitzwährung oder zusätzlich zu dieser (auch) die Währung ist, in
der der Darlehensnehmer zum Zeitpunkt der maßgeblichen Kreditwürdigkeitsprüfung überwiegend
sein Einkommen bezieht oder Vermögenswerte hält, aus denen das Darlehen zurückgezahlt
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werden soll. Die Bezeichnung „Landeswährung des Verbrauchers“ orientiert sich am ESIS-
Merkblatt (Abschnitt 3). Kein Fremdwährungsdarlehen liegt vor, wenn der Verbraucher keinen
Wohnsitz in einem Mitgliedstaat der EU hat. In diesem Fall werden aber durch § 503 BGB ver-
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gleichbare vertragliche Abreden nicht ausgeschlossen.
3 Die Umwandlung in die Landeswährung kann verlangt werden, wenn das Wechselkursverhältnis
zwischen Darlehenswährung und Landeswährung um mehr als 20% zum Nachteil des Verbrauchers
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von demjenigen zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses abweicht. Der Gesetzgeber überlässt es,
richtlinienkonform, der Vertragsfreiheit der Parteien, weitere oder ergänzende Umwandlungsrechte
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zu vereinbaren, sofern der Verbraucher in dieser Währung sein Einkommen bezieht oder Vermö-
genswerte hält.
4 Hat der Darlehensnehmer seinen Wohnsitz in einem Nicht-Euro-Land (z.B. Dänemark oder
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Großbritannien) so ist ein Darlehen in Euro ein Fremdwährungsdarlehen. Ein späterer Wechsel
des Wohnsitzes eröffnet kein Umwandlungsrecht in eine andere Währung. Die Parteien können
insoweit aber vertragliche Vereinbarungen treffen - tun sie dies nicht, so bleibt es bei dem außer-
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ordentlichen Kündigungsrecht nach § 490 Abs. 2 BGB.
5 Die 20%-Schwelle wurde gewählt, weil der Darlehensgeber bei Erreichen dieser Abweichung
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nach § 493 Abs. 4 BGB warnen und auf die Umwandlungsmöglichkeit hinweisen muss. Alternativ
kann die Währung vereinbart werden, in der der Darlehensnehmer zum Zeitpunkt der maßgeblichen
Kreditwürdigkeitsprüfung überwiegend sein Einkommen bezieht oder Vermögenswerte hält, aus
denen das Darlehen zurückgezahlt werden soll. Hierbei muss es sich nicht um eine Währung eines
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Mitgliedstaats der Europäischen Union handeln; z.B. sind Schweizer Franken denkbar. Ein
Verbraucher mit Wohnsitz in Deutschland, der bei einer Britischen Bank ein Darlehen in Britischen
Pfund aufnimmt, sein Einkommen aber überwiegend in Schwedischen Kronen bezieht, kann ver-

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BT-Drs. 18/5922, S. 92.
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BT-Drs. 18/5922, S. 92.
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BT-Drs. 18/5922, S. 92; Umsetzung von Art. 23 Abs. 2 Wohnimmobilienkredit-RiLi.
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BT-Drs. 18/5922, S. 92.
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BT-Drs. 18/5922, S. 92.
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BT-Drs. 18/5922, S. 93.
9
Umsetzung von Art. 23 Abs. 4 Wohnimmobilienkredit-RiLi.
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BT-Drs. 18/5922, S. 93.

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§ 503 BGB jurisPK-BGB 8. Aufl. / Schwintowski

traglich vereinbaren, dass Landeswährung des Verbrauchers zusätzlich zum Euro auch oder
ausschließlich die Schwedische Krone sein soll. Konsequenz ist, dass der Darlehensnehmer bei
Vorliegen der Voraussetzungen die Umwandlung des Darlehens entweder in Euro oder in
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Schwedische Kronen oder ausschließlich in Schwedische Kronen verlangen kann.
6 Unter Einkommen fällt nicht nur das Arbeitseinkommen abhängig Beschäftigter oder Selbstständiger,
sondern auch das Kapitaleinkommen, das etwa in Form von Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen
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oder Pacht erzielt wird. Es ist ausreichend, dass die überwiegenden Einnahmen in einer
Fremdwährung erzielt werden. Bei der Bestimmung des „Überwiegend“ ist nach dem Sinn und
Zweck der Vorschrift maßgeblich auf das Netto-Einkommen, das dem Verbraucher zur Bedienung
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des Darlehens zur Verfügung steht, abzustellen. Vermögenswerte sind in Abgrenzung zum
Einkommen zu bestimmen und bezeichnen die Sachwerte, wie Immobilien oder sonstige verwert-
bare Geldanlagen, wie etwa Aktiendepots, durch deren Verwertung das Darlehen abgelöst werden
soll. Durch die Verwendung des Wortes „soll“ wird deutlich, dass diese Alternative eine gewisse
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gemeinsame Zweckbestimmung voraussetzt. Es reicht aus, wenn bei der Kreditwürdigkeitsprüfung
die Rückzahlungsmöglichkeit durch Verwertung dieser Vermögenswerte berücksichtigt wurde.
Maßgeblicher Zeitpunkt ist der, an dem die für das Darlehen maßgebliche und zugleich auch ak-
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tuellste Kreditwürdigkeitsprüfung durchgeführt wurde.

II. Wechselkurs bei Antrag auf Umstellung (Absatz 2)


7 Abzustellen ist auf den Wechselkurs des Tages, an dem der Darlehensnehmer seinen Antrag auf
Währungsumstellung gestellt hat. Unter dem Begriff Marktwechselkurs ist der Wechselkurs zu
verstehen, der dem von der Europäischen Zentralbank veröffentlichten täglichen Referenzwech-
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selkurs für diesen Tag entspricht. Dieser Wechselkurs ist sachgerecht, weil er für alle Beteiligten
leicht zu bestimmen ist und alle relevanten Währungen im Anwendungsbereich der Richtlinie er-
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fasst. Den Parteien steht es frei (Satz 2), im Darlehensvertrag einen anderen Wechselkurs oder
einen anderen Tag als relevant zu bestimmen.

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BT-Drs. 18/5922, S. 93.
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BT-Drs. 18/5922, S. 93.
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BT-Drs. 18/5922, S. 93.
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BT-Drs. 18/5922, S. 93.
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BT-Drs. 18/5922, S. 93.
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BT-Drs. 18/5922, S. 93.
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BT-Drs. 18/5922, S. 93: Umsetzung von Art. 23 Abs. 3 Wohnimmobilienkredit-RiLi.

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